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Full text of "Breviarium Alaricianum; römisches recht im fränkischen reich, in systematischer darstellung"

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University  of  Toronto 


http://www.archive.org/details/breviariumalaricOObrev 


BREVIARIÜM  ALARICIANUM 


RÖMISCHES  RECHT  IM  FRÄNKISCHEN  REICH 


IN   SYSTEMATISCHER  DARSTELLUNG 


VON 


DR:  MAX  CONRAT  (COHN) 

PROFESSOR  AN  DER  UNIVERSITÄT  AMSTERDAM 


LEIPZIG 
J.  C.  HINRICHS'SCHE  BUCHHANDLUNG 

1903 


JAN  II 195"^ 

3005 


Dem  Andenken  meines  Bruders 
Ferdinand  Cohn 


Vorwort. 


iiiin  ausreichendes  Verständnis  der  Kultur  des  Römischen  Rechts  in  der 
frühmittelalterhchen  Welt  kann  erst  gewonnen  werden,  wenn  die  ihr  zur  Ver- 
fügung stehenden  StofFmassen  Römischen  Rechts  nicht  allein  inventarisiert,  son- 
dern auch  dargestellt  worden  sind. 

Keiner  StofFmasse  Römischen  Rechts  kommt  für  das  Verständnis  der  in 
der  frühmittelalterlichen  Welt  herrschenden  Kultur  des  Römischen  Rechts  eine 
grössere  Bedeutung  zu,  als  derjenigen,  die  das  westgotisch-römische  Gresetzbuch, 
das  sogenannte  Breviarium  Alaricianum,  bildet.  Bedeutend  ist  sie  schon  durch 
ihren  Umfang  und  ihren  technischen  und  sachlichen  Wert,  insbesondere  aber 
durch  den  Umstand,  dass  sie  keine  geringfügige  Benutzung  und  Pflege  erfahren 
und  für  ein  über  die  Grenzen  eines  einzelnen  Stammes  sich  erstreckendes  Terri- 
torium, w^eithin  im  Umkreis  des  fränkischen  Reiches,  Geltung  besessen  hat. 

Die  folgende  Schrift  enthält  den  Versuch,  behufs  des  Verständnisses  der 
Kultur  des  Römischen  Rechts  in  der  frühmittelalterlichen  Welt,  die  Stoffmasse, 
aus  welcher  sich  das  Breviar  zusammensetzt,  darzustellen:  dies  und  nichts  anderes 
will  der  von  mir  gewählte  Titel  „Breviarium  Alaricianum,  Römisches  Recht  im 
Fränkischen  Reich,  in  systematischer  Darstellung"  besagen.  Somit  sollte  gezeigt 
werden,  was  das  frühere  Mittelalter  im  Breviar  an  Rechtsstoff  besessen  hat.  Damit 
ist  freilich  noch  nicht  dargethan,  wie  dieses  Zeitalter  den  Rechtsstoff,  den  es  besass, 
in  sich  aufgenommen  hat,  immerhin  doch  der  wichtigste  Schritt  zur  Lösung  auch 
dieser  Aufgabe  gethan. 

Für  die  Darstellung  der  Stoffmasse  des  Breviars  empfahl  sich  gegenüber 
der  Gestaltung,  welche  sie  in  dem  westgotisch-römischen  Gesetzbuche  erhalten 
hat,  ein  Doppeltes.  Einmal  die  Ordnung  des  Stoffes  nach  einem  von  der  Legal- 
ordnung unabhängigen  System:  denn  dass  gerade  in  der  Legalordnung  des  Ge- 
setzbuchs, —  worunter  ich  auch  die  Scheidung  nach  Leges  und  lus,  und  der 
Leges  und  des  lus  wiederum  nach  den  einzelnen  Quellen,  einbegreifo,  —  die 
Hauptschwierigkeit  für  die  Erfassung  des  Rechtsstoffes  gelegen  ist,  bedarf  keines 
Nachweises.  Man  wird  dann  hinsichtlich  des  für  die  Darstellung  des  Rechts- 
stoffes gewählten  Systems,  über  dessen  Gestaltung  am  besten  die  Inhaltsübersicht 


3040 
.Gl 


YJ  Vorwort. 

auf  S.  IX  ff.  orientiert,  mit  Bezug  auf  das  Privatrecht,  manchen  Anklängen  an 
bekannte  Institutionen-  und  Pandektensysteme  begegnen:  die  Durchführung  neuer 
systematischen  Gesichtspunkte,  soweit  sie  nicht  durch  die  Eigenartigkeit  des  Rechts- 
stoffes geboten  ist,  wäre  auch  dem  Wunsche  des  Verfassers,  eine  leichte  Orien- 
tierung zu  ermöglichen,  wenig  förderlich  gewesen.  Damit  soll  auch  erklärt  sein, 
wenn  hier  und  da  von  den  Anforderungen  einer  strengen  Systematik  abgewichen  ist. 

Musste  hinsichthch  der  Ordnung  des  Stoffes  die  Überlieferung  des  Breviars 
aufgegeben  werden,  so  glaubte  ich  dagegen  bezüglich  der  Wiedergabe  der  Stücke, 
aus  denen  sich  der  Stoff  zusammensetzt,  an  der  Überlieferung  festhalten  zu  sollen: 
mit  andern  Worten,  der  von  mir  gegebene  Text  ist  Breviartext.  Es  wäre  keine 
allzu  schwierige  Arbeit  gewesen,  den  Eechtsstoff  in  einer  vom  Breviartext  unab- 
hängigen Gestalt  wiederzugeben:  aber  ich  bestreite,  dass  durch  die  Verarbeitung 
des  Materials  nach  der  Methode  unserer  modernen  Handbücher  des  Privat-  und 
des  Öffentlichen  Bechts  meiner  Aufgabe  besser  gedient  wäre,  als  durch  die  Dar- 
bietung des  Rohstoffes;  nicht  was  ein  moderner  Jurist  aus  dem  Breviarstoff  —  so 
zu  sagen  —  machen  kann,  wollte  ich  zeigen.  Das  Unternehmen,  den  Stoff  durch 
Wiedergabe  des  Breviartextes  zur  Darstellung  zu  bringen,  liess  sich  auch  dann 
ohne  Schwierigkeit  durchführen,  wo  die  besonderen  Stücke,  in  die  der  Breviartext 
zerfällt,  —  bei  den  Leges  die  Konstitution,  beim  lus  die  Titel,  hier  und  dort 
wiederum  die  Paragraphen,  und  dann  weiter  die  einzelnen  Sätze  der  Paragraphen,  — 
verschiedene  systematische  Beziehungen  darboten,  indem  nur  die  bezügliche  Partie 
des  Textes  an  der  betreffenden  Stelle  des  Systems  eingesetzt  und  die  nicht 
bezügliche  ausgeschlossen  oder,  als  Zwischenglied,  gestrichen  wurde.  AVo  sich 
eine  solche  Scheidung  nicht  dm^chführen  liess,  musste  dann  freilich  ein  Stück 
vollständig  an  verschiedenen  Stellen  aufgenommen  werden. 

Der  Breviartext,  in  welchem  der  Stoff  dargestellt  wurde,  ist  die  sogenannte 
Interpretation,  die  in  dem  westgotisch-römischen  Gesetzbuch  Leges  und  lus,  den 
Legaltext,  weithin  begleitet:  nur  soweit  die  Interpretation  auf  den  Legaltext  ver- 
weist oder  aussetzt,  bildet  letzterer  den  Text.  Bechtsinhalt  des  Legaltextes,  den 
die  Interpretation  für  obsolet  erklärt,  ist  unberücksichtigt  geblieben.  Der  auf 
die  Institutionen  des  Gaius  zurückgehende  Stoff  ist  natiklich  in  der  Gestalt 
der  sich  als  Interpretation  darstellenden  Epitome  Gai  aufgenommen.  Die  Becht- 
fertigmig  des  Verfahrens,  der  Darstellung  des  Breviarstoffes  die  Interpretation 
zu  Grunde  zu  legen,  liegt  m.  E.  in  dem  Umstände,  dass  diese  als  das  jüngere 
Produkt  und  ihrer  AVesensart  nach  in  der  frühmittelalterlichen  Welt  eine  grössere 
Rolle  spielen  musste,  als  der  Text  von  Leges  und  lus,  und,  insbesondere  nach 
der  handschriftlichen  Überlieferujig  zu  schliessen,  wirklich  auch  gespielt  hat. 
Ist  sonach  bei  gleichzeitigem  Vorhandensein  von  lus,  bez.  Leges,  und  von  Inter- 
pretation der  Stoff  in  der  Gestalt  der  letzteren  wiedergegeben,  so  habe  ich  doch 
nicht  unterlassen,  die  wesentlichen  Abweichungen  von  Leges  und  lus,  die  nicht 
lediglich  formaler  Natur  sind,  in  der  Anmerkung  unter  dem  Texte  hervorzuheben. 
An  derselben  Stelle  ist  auch  über  den  Inhalt  des  von  der  Interpretation  für 
obsolet  erklärten  Legaltextes  berichtet.  Die  Wiedergabe  des  Textes  durch  die 
Interpretation,  bez.  Leges  und  lus,  geschieht  in  einer  möglichst  getreuen,  im  all- 
gemeinen auch  die  Stileigenartigkeiten  der  Vorlage  wiederspiegelnden  Übersetzung. 
Wo    aus  Gründen   eine    wesentliche   Abweichung   stattgefunden   hat,    ist   in    der 


Vorwort.  yjT 

Anmerkung  unter  dem  Texte  hierauf  Bezug  genommen.  Zur  Kontrolle  der 
Übersetzung  und,  um  dem  Leser  den  Rückgang  auf  das  ihr  zu  Grunde  liegende 
Original  zu  erleichtern,  ist  in  einer  der  genannten  Anmerkung  folgenden  Note 
der  lateinische  Text  hinzugefügt,  und  zwar  der  Text  der  Interpretation  und  der 
Legaltext.  Beides  nach  der  Ausgabe  der  Lex  Bomana  Visigothorum  von 
G.  Haenel  (Lips.,  1849):  nur  ganz  vereinzelt  habe  ich  für  meine  Zwecke  Anlass 
nehmen  zu  müssen  geglaubt,  den  Haenelschen  Text  durch  einen  nach  P.  Krügers 
Ausgabe  der  Sentenzen  des  Paulus  (Coli.  Libr.  lur.  Anteiust.  II.  46  sqq.)  und 
die  Ausgabe  des  Cod.  Palimps.  S.  Legion.  Eccl.  (Legis  Bomanae  Visigothorum 
Fragmenta  ex  Cod.  Palimps.  S.  Legion.  Eccl.,  Matriti,  1896)  gebildeten  ersetzen 
zu  sollen. 

Was  den  Umfang  des  als  typischer  Breviarstoff  überlieferten  Materials  an- 
langt, so  habe  ich  gleichfalls  mich  an  die  Haenelsche  Ausgabe  halten  zu  sollen 
geglaubt.  Es  gilt  dieses  auch  von  dem  Umfang  der  besonderen  Stücke,  und 
zwar  mit  Bezug  auf  die  Interpretation  ausnahmslos:  abgesehen  von  einzelnen 
lediglich  für  die  Legalordnung  zutreffenden  Sätzen,  bez.  Satzteilen,  sowie  ab- 
gesehen von  Quellenbezugnahmen  der  Interpretation,  worauf  dann  durchgängig 
in  der  Anmerkung  unter  dem  Texte  Bezug  genommen  wird.  Durch  den  Um- 
stand, dass  der  gleiche  Bechtsinhalt  in  mehreren  Stücken  des  Breviars  zu  Tage 
tritt,  habe  ich  mich  nicht  ihrer  vollständigen  Aufführung  überhoben  erachtet,  den 
Sachverhalt  indessen  damit  zu  erkennen  gegeben,  dass  ein  den  gleichen  Bechts- 
inhalt, wie  ein  anderes,  überlieferndes  Stück  dem  ersteren,  unter  Einrückung  des 
Textes,  ohne  vorgängigen  Buchstaben  sich  anschliesst.  Dagegen  wird  durch 
Einrückung  des  Textes  unter  einem  Doppelbuchstaben  dasjenige  Stück  gekenn- 
zeichnet, das  sich  als  Folgerung  des  vorgängigen  durch  einfachen  Buchstaben 
gekennzeichneten  Satzes  ausweist.  Streichungen  habe  ich  mir  dagegen  mit  Bezug 
auf  den  Legaltext,  sei  es  dass  er  selbst  dem  Texte  zu  Grunde  liegt,  sei  es  dass 
er  der  in  den  Text  aufgenommenen  Interpretation  beigegeben  ist,  hinsichtlich 
solcher  Partien,  die  für  den  Rechtsinhalt  des  Stückes  bedeutungslos  zu  sein 
schienen,  erlaubt.  Ingleichen  mussten  die  Auctoritas  Alarici,  das  Citiergesetz 
(C.  Theod.  1,  4,  1)  und  die  auf  die  Einführung  des  Codex  Theodosianus  und  die 
Novellen  des  Theodosius  bezüglichen  Konstitutionen  von  Theodosius  IL  (Nov. 
Theod.  1,  1  U..2,  1)  ausser  Betracht  bleiben. 


Inhaltsübersicht. 


1)  Gesetz 


Einleitung. 

Quellen  des  Rechts  §  1. 

Seite 
.     .     ,     .         1    I   2)  Gewohnlieit 


Seite 
1 


Privat  recht. 

Erstes  Buch.    Begründung  und  Schutz  der  Eechte. 


1.  Kapitel.     Entstehung  der  Rechte. 

1.  Das  Rechtsgeschäft  als  Entstehungs- 

grund  von  Rechten. 

A)  Form   und   Inhalt   der   Willenser- 

klärung §  1. 

1)  Form      .     . 2 

2)  Bedingung 5 

B)  Stellvertretung  §  2. 

1)  Procuratio 7 

2)  Ratihabition 8 

3)  Gewaltunterworfene  Personen  9 

IT.  Die  Zeit  in  rechtlicher  Bedeutung  §  3       11 

2.  Kapitel.     Ausühung  und  Schutz  der 

Rechte. 

I.  Selbsthilfe  §  4 12 

II.  Ordentliche  Rechtsschutzmittel. 


A)  Untergang  der  Klagen,  insbeson- 

dere Verjährung  §  5 

1)  Untergang  der  Klagen    ...       14 

2)  Verjährung 16 

B)  Einwirkung  der  Prozesshandlungen 

auf  das  geltend  gemachte  Recht 
§  6. 

1)  Prozessbeginn 20 

2)  Urteil 21 

3)  Geständnis 23 

III.  In  integrum  restitutio  §  7. 

1)  Im  Allgemeinen 24 

2)  Metus 26 

3)  Betrug 27 

4)  Irrtum 29 

5)  Minderjährigkeit. 

a)  Im  Allgemeinen      ....       29 

ß)  Ausschluss 30 

y)  Verjährung 32 


Zweites  Buch.    Personeurecht. 


1.  Kapitel.  Rechtsfähigkeit. 

I.  Anfang  der  natürlichen  Rechtsfähig- 
keit §  1 35 

IL  Die  römische  Rechtsfähigkeit. 
A)  Im  Allgemeinen  §  2. 

1)  Einleitungen 36 


2)  Erwerb  des  Status  durch  Geburt       36 
B)  Freiheit  und  Unfreiheit. 

a)  Freie  §  3 39 

b)  Servitus. 

1)  Wesen  der  Servitus  §  4. 

1)  Rechtslage  des  Servus     .       39 


X 


Inhaltsübersicht. 


Seite 
2)  Inhalt  der  Potestas     .     .      41 

2)  Entstehung  der  Servitus  §  5. 

1)  Gefangenschaft   ....      42 

2)  Verkauf 47 

3)  Strafe. 

a)  Bestrafung    des   flüch- 
tigen Kolonen     ...       52 
ß)  Revocatio  in  servitutem       52 
y)  Servitus  poenae  ...       53 

4)  Aussetzung 54 

5)  Verjährung 55 

3)  Endigung  der  Servitus.  Frei- 

lassung §  6. 

1)  Stand  des  Freigelassenen       55 

2)  Verfügungsrecht  des  Frei- 
lassers     56 

3)  Testamentarische  Freilas- 

sung. 

a)  Direkte 58 

ß)  Fideikommissarische 

Freilassung     ....       59 
y)  Lex  Fufia  Caninia  .     .       61 

4)  Freilassung  in  der  Kirche       65 

5)  Freilassung  vor  dem  Kon- 
sul       66 

6)  Freilassung  mit  Latinität       67 

7)  Freilassung  mit  Dediticia 
libertas       67 

8)  Freiheitserwerb  ohne  Frei- 
lassung   68 

4)  Liberti  §  7. 

1)  Rechtsstellung     ....       70 

2)  Patronatsrecht. 

a)  Person   des  Patrons     .       71 
ß)  Rechtsverhältnis      .     .       71 

5)  Rechtsmittel  zum  Schutze  der 

Freiheit  und  Ingenuität  §  8. 
1)  Rechtsmittel  zum  Schutze 

der  Freiheit 72 

2}  Rechtsmittel  zum  Schutze 

der  Ingenuität    ....       76 
c)  Kolonat  §  9. 

1)  Endigung 76 

2)  Vindikation 77 

3)  Rechtsstellung 84 

C)  Cives  Latini  Peregrini  §  10. 

1)  Erwerb  des  Status. 

a)  Erwerb  der  Römischen  Civi- 

tät 85 

ß)  Latinität 87 

y)  Peregrinität 87 

2)  Rechtsstellung 88 


Seite 
3)  Rechtsstellung  der  drei  Klassen 

von  Freigelassenen 91 

D)  Familien -Gewaltverhältnisse. 

a)  Familienverhältnisse    im   allge- 

meinen. Verwandtschaft  §  11. 

1)  Wesen  der  Rom.  Familia     .       93 

2)  Verhältnis  von  Agnation  und 
Kognation 93 

3)  Nähe  der  Verwandtschaft    .       94 

4)  Rechtliche   Folgen   der  Ver- 
wandtschaft      97 

5)1  Uneheliche  Verwandtschaft       99 

b)  Die  Ehe. 

1)  Das  Wesen  der  Ehe  §  12    .     101 

2)  Ehehindernisse  §  13. 

1)  Im  Allgemeinen       .     .     .  102 

2)  Verwandtschaft  ....  102 

3)  Standesunterschied       .     .  105 

4)  Religionsunterschied    .     .  106 

5)  Geschlechtsbeziehungen  .  107 

3)  Schliessung  der  Ehe  §  14. 

1)  Form 109 

2)  Zustimmung 110 

3)  Unbescholtenheitsnach- 

weis 113 

4)  Verlöbnis 113 

4)  Auflösung  der  Ehe  §  15. 

1)  Ausscheidung    von  That- 
beständen 115 

2)  Ehescheidung      ....     116 

3)  Tod  des  Gatten. 

a)  Wartefrist 120 

ß)  Vermögensrecht!.  Fol- 
gen bei  Wiederverhei- 
ratung der  Witwe  .     .     121 

y)  Vermögensrecht!.  Fol- 
gen für  die  Witwe  mit 
Kindern 124 

8)  Vermögensrechtl.  Fol- 
gen für  den  Witwer    .     128 

5)  Contubernium  und  Konkubi- 

nat §  16. 

1)  Thatbestand 132 

2)  Rechtslage 132 

c)  Väterliche  Gewalt. 

1)  Wesen  und  Inhalt  der  Patria 

potestas  §  17. 

1)  Wesen  der  Patria  potestas     134 

2)  Inhalt  der  Patria  potestas     134 

2)  Entstehung    der   väterlichen 

Gewalt  §  18. 
1)  Im  allgemeinen  ....     135 


1)  Im  Text  irrtümlich  nochmals  mit  4  gezählt. 


Inhaltsübersicht. 


XI 


Seite 
2)  Natürliche     Begründaug 
durch  Zeugung, 
a)  Im  allgemeinen  .     .     .     135 
ß)  Geburt  nach  der  Schei- 
dung        135 

3}  Künstliche     Begründung 
durch  Rechtsgeschäft: 
Adoption, 
a)  Im  allgemeinen  .     .     .     137 
ß)  Arrogation      ....     138 
y)  Adoption 139 

3)  Aufhebung    der    väterlichen 

Gewalt  §  19. 

1)  Notwendige  Aufhebungs- 
gründe     140 

2)  Emanzipation. 

a)  Form 142 

ß)  Sonstige   Erfordernisse     145 
y)  Wirkungen      ....     145 
5)  Verhältnis  des  Emanzi- 
pierten zum  Freilasser     146 

4)  Schutz  der  väterlichen  Gewalt 

§  20 148 

E)  Bürgerliche   Ehre.     Infamia  §  21. 

1)  Begriff 148 

2)  Grund  der  Infamie 148 

3)  Wirkung 154 

F)  Religion  §  22. 

1)  Juden 156 

2)  Apostaten 160 

3)  Ketzer 161 

G)  lus  liberorum  §  23. 

1)  Voraussetzungen 162 

2)  Inhalt 164 


Seite 

2.  Kapitel.     Handlungsfähigkeit. 

I.  Gründe  mangelnder  Handlungsfähig- 

keit. 

A)  Geschlecht  §  24. 

1)  Rechtsfähigkeit 165 

2)  Handlungsfähigkeit      .     .     .     .     165 

B)  Aetas  §  25. 

1)  Impubes  aetas. 

a)  Termin 168 

ß)  Rechtsstellung 168 

2)  Minor  aetas. 

a)  Termin 169 

ßj  Rechtslage 171 

C)  Krankheit.     Prodigalität  §  26. 

1)  Geisteskrankheit 173 

2)  Prodigalität 174 

3)  Körperliche  Gebrechen     .     .     .     175 

II.  Ergänzung  der    mangelnden  Hand- 

lungsfähigkeit   durch     die    Vor- 
mundschaft. 

A)  Arten  U.Wesen  d.  Vormundschaft  §  27. 

1)  Arten 176 

2)  Wesen. 

a)  Im  allgemeinen 179 

ß)  Mit  Bezug  auf  die  Person  des 
Bevormundeten 179 

B)  Exkusationvon  d.Vormundsch.§28     180 

C)  Ernennung  des  Vormundes  §  29. 

1)  Delationsgründe 181 

2)  Testamentaria  tutela    ....  181 

3)  Gesetzliche  Vormundschalt  .     .  181 

4)  Obrigkeitliche  Vormundschaft .  184 

D)  Ende  der  Vormundschaft  §  29      .  186 


Drittes  Buch.    Eeines  oder  einfaches  Vermögensrecht. 


1.  Kapitel.     Sachenrecht. 
I,  Begriff  und  Einteilung  der  Sachen  §  1. 

1)  Begriff  der  Sache 188 

2)  Einteilung 188 

3)  Rechtsverhältnis  der  Res  divini 

und  publici  iuris 189 

IL  Eigentum  und  Besitz. 

A)  Wesen  des  Eigentums  §  2. 

1)  Miteigentum 190 

2)  Legalservituten 191 

3)  Veräusserungsverbote  ....     192 

B)  Eigentumserwerb  unter  Lebenden, 
a)  Einzelne  Erwerbsa-rten  §  3. 

1)  Zuerkennung       durch      den 

Staat 194 


2)  Verjährung. 

a)  Res  habilis 

196 

ß)  Zeitablauf 

196 

Y)  lustum  initium    .... 

197 

3)  Eigentumsübertragungsver- 

trag. 

a)  Im  allgemeinen  .... 

197 

ß)  Tradition 

199 

4)  Okkupation 

201 

5)  Verbindung. 

a)  Unbewegliches  mit  Unbe- 

weglichem        

202 

ß)  Bewegliches    mit    Unbe- 

weglichem      ..... 

203 

y)  Bewegliches    mit   Beweg- 

lichem     

204 

XII 


Inh  altsübersicht. 


6)  Sonstiges.^ 

a)  Spezifikation 

b)  Schenkung  §  4. 

1)  Arten  der  Schenkung  .     .     . 

2)  Errichtung 

3)  Eviktion 

4)  Widerruf 

5)  Schenkungsverbot    .     .     .     . 

6)  Schenkung  an  ein  Hauskind 

C)  Begriff,   Erwerb    und  Verlust    des 

Besitzes  §  5 

D)  Eigentumsklagen  §  6, 

1)  Rei  vindicatio. 

a)  Beweislast 

ß)  Parteien 

y)  Impensen     .     .     .     .     . 

5)  Inhalt  des  Anspruchs  .     .     . 

2)  Actio  negatoria 

3)  Actio  finium  regundorum       .     . 

E)  Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 

1)  Im  allgemeinen 

2)  Interdictum  Unde  vi     ...     . 

3)  Besitzesschutz  wegen  heimlicher 
Besitzentsetzung 

4)  Interdictum  de  precario    .     .     . 

III.  Die  Servituten. 

A)  Prädialservituten  §  8. 

1)  Im  allgemeinen 

2)  Iura  praediorum  urbanorum 

3)  Iura  praediorum  rusticorum 

B)  Niessbrauch  und  Usus  §  9. 

1)  Niessbrauch. 

a)  Entstehung 

ß)  Gegenstand 

y)  Rechte  des  Niessbrauchers    . 
S)  Beschränkungen    des    Niess- 
brauchers      

s^  Untergang  des  Niessbrauchs 

2)  Usus 

IV.  Emphyteusis  und  Superficies  §  10. 

1)  Emphyteusis 

2)  Superficies 

V.  Pfandrecht  §  11. 

1)  Pfandobjekt 

2)  Entstehung  des  Pfandrechts 
a)  Pignus  voluntarium 
ß)  Richterliches  Pfandrecht 
y)  Gesetzliches  Pfandrecht 

3)  Pfandverkauf 

4)  Nutzungsrecht      .... 

5)  Mehrheit  von  Pfandrechten 

6)  Schutz  des  Pfandrechts     . 


Seite 

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240 


2.  Kapitel.     Obligationenrecht. 
I.  Gegenstand  der  Obligationen  §  12. 
1)  Zinsleistung. 

a)  Entstehung  und  Vertrag 

ß)  Gesetz 

y)  Zinsfuss   und  Zinsbeschränk- 


Seite 


242 
242 


ungen 245 


II 


13. 


2)  Verzug. 

a)  Mora  debitoris     . 
ß)  Mora  creditoris    . 
Subjekte  der  Obligationen 

1)  Im  allgemeinen 

2)  Die  sog.  Actiones  adiecticiae. 
a)  Actio  quod  iussu  .  . 
ß)  Actio  de  peculio  .  . 
y)  Actio  De  in  rem  verso 
§)  Actio  institoria  .  .  . 
s)  Actio  exercitoria      .     . 

3)  Noxalklagen 

III.  Entstehung  der  Obligationen. 

A)  Übersicht    der  Entstehungsgründe 

§  14. 

1)  Im  allgemeinen 

2)  Obligationen  aus  Kontrakt. 

a)  Einteilung 

ß)  Erfordernisse 

3)  Obligationen  aus  Delikt  .     .     . 

B)  Obligationen  aus  Verträgen. 

a)  Obligationes     quae    re    contra- 

huntur  §  15. 

1)  Darlehen 

2)  Depositum 

3)  Commodatum 

b)  Verborum  obligationes  §  16. 
1)  Stipulation. 

a)  Form 


ß)  Haftpflicht 

y)  Cautio 

5)  Funktion  der  Stipulation 
z)  Stipulationsbürgschaft 

2)  Dotis  dictio 

3)  lurata  operarum  promissio    . 

c)  Litterarum  obligatio  §  17     .     . 

d)  Obligationes  quae  consensu  con- 

trahuntur  §  18. 

1)  Im  allgemeinen 

2)  Kauf. 

a)  Abschluss 

ß)  Erfordernis     hinsichtlich 

der  Sache    

y)  Erfordernis     hinsichtlich 
Personen 


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1)  Statt  des  Zusatzes  §  15  ist  zu  lesen:  Zweites  Buch  §  15. 


Inhaltsübersicht. 


XIII 


Seite 
5)  Verpflichtungen   der  Par- 
teien    277 

s)  Eviktion 278 

^)  Haftung  für  Zusagen  und 

Mängel 278 

3)1  Miete. 

a)  Im  allgemeinen   ....  280 

ß)  Sachmiete 280 

Y)  Dienstmiete 282 

5)  Lex  Rhodia  de  iactu    .     .  282 

4)1  Societas 283 

5)1  Mandat 284 

e)  Sonstige  Verträge  §  19. 

1)  Trödelvertrag 286 

2)  Contractus  suffragii      .     .     .  287 

3)  Kompromiss 288 

4)  Constitutum  debiti  ....  289 

5)  Transactio 289 

6)  Receptum 290 

7)  Sonstiges 290 

C)  Obligationes  ex  delicto. 

a)  Furtum  und  Rapina  §  20. 

1)  Wesen  des  Furtum  ....  290 

2)  Arten  des  Furtum    ....  291 

3)  Aktionen  aus  Furtum. 

a)  Im  allgemeinen   ....  292 
ß)  Die  einzelnen  Aktionen  aus 

Furtum 295 

4)  Rapina 296 


Seite 
5)  Besondere  Fälle  von  Furtum 

und  Rapina 296 

b)  Damnum  iniuria  datum  §  21. 

1)  Im  allgemeinen 297 

2)  Besondere  Fälle 299 

c)  Iniuria  §  22. 

1)  Im  allgemeinen 300 

2)  Actio  iniuriarum       .     .     .     .  301 

3)  Besondere  Fälle 302 

D)  Sonstige  Obligationen  §  23. 

1)  Obligationen  aus  Quasikontrak- 

ten. 

a)  Negotiorum  gestio  ....  305 

ß)  Condictio 307 

2)  Obligat,  aus  blossen  Zuständen. 

a)  Actio  de  pauperie   ....  307 

ß)  Actio  ad  exhibendum  .          .  308 

IV.  Aufhebung    und    Übertragung    der 
Obligationen. 

A)  Aufhebung  §  24. 

1)  Solutio 309 

2)  Deposition 309 

3)  Datio  in  solutum 310 

4)  Kompensation 310 

5)  Erlass 311 

6)  Novation 312 

7)  Concursus  lucrativarum  rerum  .  312 

B)  Cession  §  25 313 

C)  Intercession  §  26 315 


Viertes  Bucli.    Familiengüterreclit. 


1.  Kapitel.    Die  Ehe. 

I.  Im  allgemeinen  §  1 316 

II.  Die  Dos  §  2. 

1)  Die  Bestellung 318 

2)  Während  der  Ehe 319 

3)  Nach  Lösung  der  Ehe  ....     320 

III.  Schenkung.       Arra      sponsalitia 

§  3. 

1)  Donatio  sponsalitia(Donatio  ante 

nuptias), 

a)  Bestellung 822 

ß)  Rechtsverhältnis  vor  Abschluss 

der  Ehe 324 

y)  Nach  Lösung  der  Ehe  .     .     .  327 

2)  Arra  sponsalitia 327 

3)  Schenkungen  unter  Ehegatten  .  330 


2.  Kapitel.  Vermögensrecht  der  Personae 

alieno  iuri  subiectae. 

I.  Peculium  castrenseu.quasicastrense§4  332 

IL  Bona  adventicia  §  5 334 

3.  Kapitel.     Einfluss  der  Vormund- 
schaft auf  das  Vermögen. 
I.  Führung  der  Vormundschaft  §  6. 

1)  Inventarisierung 342 

2)  Vermögensverv7altung   ....  342 

3)  Mitvormundschaft   und    Prozess- 
führung      344 

4)  Mitwirkung 344 

IL  Klagen  aus  der  Vormundschaft  §  7. 

1)  Actio  in  duplum 345 

2)  Actio  tutelae 345 

3)  Sonstiges 346 


1)  Im  Text  irrtümlich  mit  2,  3,  4  gezählt. 


XIV 


Inhaltsübersicht. 


Fünftes  Buch.    Erbrecht. 


Seite 

1.  Kapitel.     Allgemeine  Lehren. 

I.  Wesen  und  Inhalt  des  Erbrechts.  Uni- 
versalsuccession  §  1. 

1)  Fälle  der  Universalsuccession  ^  .     348 

2)  Wesen  und  Inhalt  der  Erbschaft    351 
IL  Erbfähigkeit  im  aktiven  u.  passiven 

Sinne  §  2 351 

2.  Kapitel.     Delation  der  Erbschaft. 

I.  Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 

1)  Fähigkeit  zur  Testamentserrich- 
tung     

2)  Testamentsformen. 
a)  SchriftlichesTestament  im  All- 
gemeinen       

ß)  Prätorisches  Testament 
y)  Civiles  Testament     .     .     . 

S)  Nunkupation 

s)  Holographisches  Testament 
Q  Anomalische  Formen     .     . 
Y])'-  Unzureichende  Formen    . 

3)  Inhalt  des  Testaments. 
a)  Form  der  Erbeseinsetzung 

ß)  Erbfähigkeit 

y)  Inhalt  der  Erbeseinsetzung 
8)  Substitutionen       .... 

4)  Entkräftung  des  Testaments 

5)  Wiederholung  des  Testaments 

II.  Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 

1)  Nach  älterem  lus  civile. 
a)  Erbrecht  der  Sui       .     .     . 
ß)  Agnaten 383 

2)  Descendenten- und  Ascendenten- 

erbrecht. 

a)  Descendentenerbrecht  .     .     .  387 

ß)  Muttererbrecht 389 

y)  Väterliches  Erbrecht     ...  393 

3)  Kognaten-  u.  Ehegattenerbrecht  394 

4)  Sonstiges  Intestaterbrecht      .     .  396 

5)  Intestaterbrecht    hinter   Freige- 

lassenen. 

a)  Civis  Romanus 398 

ß)  Latinus 398 

III.  Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 

1)  Präteritionsrecht. 

a)  lus  civile 399 

2)  Materielles  Pfiichtteilsrecht. 

a)  Berechtigte 402 


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381 


Seite 
ß)  Grösse,  Berechnung  u.  Hinter- 
lassung des  Pflichtteils      .     .  405 

y)  Erfordernisse 407 

8)  Inhalt  des  Anspruchs    .     .     .  410 

s)  Verjährung 410 

Q  Inoffiziöse  Schenkung    .     .     .  411 

Yj)  Inoffiziöse  Dosbestellung  .     .  412 

3)  Noterbrecht    in     den    Nachlass 

von  Freigelassenen 412 

4)  Anspruch  der  Kurie      ....  414 

3.  Kapitel.    Erwerb  der  Erbschaft  und 

Schutz  des  Erbrechts. 

I.  Schutzmassregeln     zu    Gunsten     der 
Erbinteressenten  §  6. 

1)  Eröffnung  des  Testaments     .     .     418 

2)  Provisorien. 

a)  Besitzeinweisung   aus  fehler- 
freiem Testament      ....     420 
ß)  Edictum  Carbonianum  .     .     .     421 
y)  Bedingte  Erbeseinsetzung      .     422 
IL  Der  Erwerb   der  Erbschaft  §  7. 

1)  Übersicht. 

a)  Sui,  Necessarii  und  Extranei 

heredes 423 

ß)  Bonorum  possessio  und  Cretio     424 

2)  Erbschaftsantritt. 

a)  Im  allgemeinen 426 

ß)  Bei     wiederholter    Erbesein- 
setzung     427 

III.  Wirkung  des  Erwerbs  §  8. 

1)  Rechtsstellung  des  Erben      .     .  429 

2)  Kollation 430 

3)  Erbteilung 431 

4)  Accrescenzrecht 432 

5)  Indignität 432 

IV.  Schutz  des  Erbrechts  §  9. 

1)  Hereditatis  petitio 434 

2)  Interdictum  quorum  bonorum    .     436 

4.  Kapitel.     Vermächtnisse  und  mortis 

causa  donationes. 

I.  Wesen  u.  Gegenstand  der  Vermächt- 
nisse §  10. 
1)  Gegenstand. 

a)  Sachen 437 


1)  Im  Zusatz  steht  irrtümlich  §  19  u.  20  statt  20  und  21. 

2)  Im  Text  irrtümlich  e. 


Inhaltsübersicht. 


XV 


Seite 

ß)  Niessbrauch 446 

y)  Sonstiges 446 

2)  Erfordernisse    eines    Vermächt- 
nisses. 

a)  Der  Honorierte 447 

ß)  Der  Onerierte 447 

IL  Arten  der  Vermächtnisse  §  11. 
1)  Legatum. 

a)  Im  allgemeinen 449 

ß)  Vindicationis  legatum  .     .     .  450 

y)  Per  damnationem  legatum     .  451 

S)  Sinendi  modo 454 


c)  Legatum  praeceptionis       .     . 
2)  Fideikommiss 

III.  Mass   und  Beschränkung   der  Ver- 

mächtnisse §  12 

IV.  Wegfall  der  Vermächtnisse  §  13    . 

V.  Erwerb  und  Schutz  der  Vermächt- 

nisse §  14. 

1)  Erwerb  der  Vermächtnisse 

2)  Schutz  der  Vermächtnisse 

3)  Kollegatare 

VI.  Universalfideikommiss  §  15  . 
VlI.  Mortis  causa  donatio  §  16    . 


Seite 
454 
455 

457 
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463 
468 


Öffentliches  Recht. 

Erstes  Buch.    Civilprozessrecht. 


1.  Kapitel.     Die  am  Prozess  betei- 
ligten Personen. 
L  Die  Gerichte  §  1. 

1)  Civilgerichtsbarkeit. 

a)  Umfang 470 

ß)  Die  Behörden  im  allgemeinen  473 

y)  Die  einzelnen  Behörden     .     .  473 

2)  Gerichtsstand 476 

3)  Justizverweigerung 480 

4)  Ausschluss  des  Richters. 

a)  In  eigner  Sache 481 

ß)  Wegen  Unfähigkeit       ...  481 

y)  Rekusation 481 

5)  Gehilfen. 

a)  Assessoren 482 

ß)  Officium 483 

IL  Gerichtszeit  und  -ort  §  2. 

1)  Gerichtszeit 484 

2)  Ort  des  Gerichts 486 

III.  Beistand  u.  Vertretung  der  Partei  §  3, 

1)  Advokaten 488 

2)  Freiwillige  Prozessvertretung. 

a)  Im  allgemeinen 490 

ß)  Ausschluss 491 

y)  Rechtslage 492 

3)  Gesetzliche  Vertretung. 

a)  Voraussetzung 494 

ß)  Rechtslage 495 

IV.  Sicherungsmittel,  Prozesskosten  und 

Prozessstrafen  §  4. 

1)  Kautionen 496 

2)  Prozesskosten 498 

3)  Prozessstrafen 499 


2.  Kapitel.     Das  Verfahren. 

I.  Einleitung  des  Prozesses. 

A)  Denuntiationsverfahren  §  5. 

1)  Denuntiation 502 

2)  Fristen 503 

B)  Verfahren  ohne  Denuntiation  §  6  507 

IL  Verhandlung  §  7. 

1)  Im  allgemeinen, 

a)  Die  Parteien 509 

ß)  Der  Richter 510 

2)  Ladung  und  Kontumaz      .     .     .  511 

3)  Beweis. 

a)  Beweisregel 513 

ß)  Beweismittel  im  allgemeinen  513 

y)  Urkundenbeweis 514 

5)  Zeugen 515 

s)  Eid 517 

III.  Urteil  und  Geständnis  §  8. 

1)  Urteil 518 

2)  Geständnis 518 

IV.  Exekution  §  9 518 


3.  Kapitel.     Rechtsmittel. 

I.  Appellation  §  10. 

1)  Anwendungsgebiet 521 

2)  Einlegung 523 

3)  Verfahren 526 

4)  Entscheidung 528 

IL  Andere  Rechtsmittel  §  11. 

1)  Revocatio  in  duplum     ....  529 

2)  Supplikation 529 


XVI 


Inhaltsübersicht. 


Zweites  Bnch.    Strafrecht. 


Seite 

1.  Kapitel.     Die  einzelnen  Strafthaten. 

I.  Verbrechen    gegen   Leben   und   leib- 

liche Unversehrtheit  §  1. 

1)  Absichtliche  Tötung      ....  531 

2)  Absichtliche  Verletzung  der  leib- 
lichen Unversehrtheit   ....  533 

3)  Kulpose  Tötung 534 

4)  Strafausschliessung 534 

5)  Senatusconsultum  Silanianum    .  536 

II.  Verbrechen  gegen  die  Freiheit  §  2. 

1)  Menschenraub 538 

2)  Freiheitsberaubung 540 

3)  Gewaltthätigkeit  (Vis  privata)   .  541 

4)  Entführung 544 

III.  Verbrechen  gegen  die  gesellschaft- 

liche Sittlichkeit  §  3. 

1)  Verbotene  Ehen 546 

2)  Eheerschleichung 547 

3)  Ehebruch 547 

4)  Ehescheidung 551 

5)  Unzuchtsverbrechen 551 

6)  Sodomie' 552 

IV.  Religionsverbrechen  §  4. 

1)  Einführung  neuer  Religionen     .  552 

2)  Judenverbrechen 553 

3)  Apostasie 554 

4)  Ketzerei 554 

5)  Sakrileg 555 

6)  Grabschändung 556 

7)  Zauberei 558 

8)  Wahrsagen 559 

V.  Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben 

§  5. 

1)  Fälschung    mit    Bezug    auf   Ur- 

kunden. 
a)  Thatbestand 
ß)  Strafe .     .     . 

2)  Vertrauensbruch 

3)  Münzfälschung 

4)  Grenzverrückung 

5)  Missbrauch  von  Name,  Stand  und 
Einflüsse 568 

VI.  Verbrechen  gegen  die  Rechtspflege 

§  6- 

1)  Delation  und  Kalumnie     .     .     .     569 

2)  Übergebung  des  Provinciae   iu- 
dex       572 


561 
562 
565 
566 
567 


Seite 

3)  Einwirkung  auf  den  Prozessver- 
lauf       572 

4)  Einsperrung  des  Angeschuldigten 

in  ein  privates  Gefängnis      .     .     574 

VII.  Verbrechen  gegen  den  Bestand  von 

Staat  und  Gemeinde  §  7. 

1)  Staat. 

a)  Maiestas       574 

ß)  Sonstiges 576 

2)  Gemeinde-^ 577 

VIII.  Amtsverbrechen  §  8. 

1)  Pekulat 578 

2)  Vis  publica 578 

3)  Verbrechen  bei  der  Rechtspflege. 

a)  ludices 579 

ß)  Sonstiges 581 

4)  Sonstiger  Amtsmissbrauch      .     .  582 

5)  Militärvergehen 585 

2.  Kapitel.     Der  Strafprozess. 

I.  Die  am  Prozess  beteiligten  Personen. 

A)  Die  Gerichte  §  9. 

1)  Umfang  der  Gerichtsbarkeit     .     586 

2)  Arten  der  Gerichte. 

a)  Kaiser 588 

ß)  Nobiles  viri 589 

y)  Amplissima  potestas     .     .     .  589 

5)  Iudex  Ordinarius       ....  590 

s)  Defensor  und  Assertor  pacis  591 

3)  Forum 591 

B)  Ankläger  und  Angeklagter  §  10. 
1)  Ankläger  (Angeber). 

a)  Absolute  Unfähigkeit  .     .     .  598 

ß)  Relative  Unfähigkeit    .     .     .  594 

2)  Angeklagter 596 

3)  Erfordernis      der      Anwesenheit 

der  Parteien 597 

II.  Gang  des  Verfahrens. 
A)  Eröffnung  §  11. 

1)  Verjährung  des  Einschreitens  .  599 

2)  Verhältnis  zur  Civilklage      .  .  600 

3)  Hemmung  des  Einschreitens  .  602 

4)  Gestaltung  des  Einschreitens. 

a)  Anklage  mit  Inskription       .  604 

ß)  Anklage  ohne  Inskription     .  607 

y)  Einschreiten  von  Amtswegen  609 

5)  Belohnung  des  Anklägers  (An- 
gebers)      609 


1)  Als  Zusatz  ist  hinzuzufügen:  (vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  18,  2  e). 

2)  Als  Zusatz  ist  hinzuzufügen:  (vgl.  Viertes  Buch  §  10,  c). 


Inhaltsübersicht. 


XVII 


Seite 

B)  Verhandlung  §  12. 

1)  Zeit  u.  Dauer  der  Verhandlung. 

a)  Zeit 611 

ß)  Dauer 611 

2)  Ladung  des  Angeklagten      .     .  612 

3)  Haft  der  Parteien 612 

4)  Einstellung  des  Verfahrens       .  615 

C)  Beweis  §  13. 

1)  Im  allgemeinen 617 

2)  Zeugen. 

a)  Fähigkeit 618 

ß)  Vernehmung 620 

3)  Folter 621 

D)  Urteil  und  Exekution  §  14. 

1)  Urteil 625 

2)  Exekution 627 

E)  Verfahren  vor  dem  Kaiser  §  15   .  628 
III.  Rechtsmittel  und  Gnadenakt. 

A)  Rechtsmittel  §  16. 

1)  Appellation 629 

2)  Wiederaufnahme 632 

B)  Gnadenakt  §  17       ......  632 


Leibesstrafen  § 


Kapitel.     Die  Strafen. 

§  18. 

1)  Schwere  Strafen. 

a)  Summa  supplicia       ....     635 
ß)  Sonstige  Todesstrafe     .     .     .     635 

2)  Sonstige  Leibesstrafen. 

a)  Die  gemeinen  Strafen  .     .     .     635 
ß)  Dauernde   und  zeitige  Strafe     636 


Seite 

y)  Besondere  Strafen     ....  636 

II.  Ehrenstrafen  §  19. 

1)  Verlust  von  Honor  und  Dignitas  638 

2)  Ehrenstrafen  der  Kurialen     .     .  640 

3)  Ehrenstrafen  der  Advokaten      .  641 

III.  Vermögensstrafen. 

A)  Vermögenskonfiskation  §  20. 

1)  Konfiskation    des    ganzen   Ver- 
mögens     642 

2)  Konfiskation   einer  Vermögens- 
hälfte        647 

3)  Konfiskation    eines  Vermögens- 
dritteiis    648 

4)  Konfiskation   eines  Vermögens- 
viertels      648 

5)  Unbestimmter  Vermögensteil    .  648 

6)  Konfiskation     einer     einzelnen 
Sache 649 

B)  Entschädigung  §  21. 

1)  Blosse  Entschädigung       .     .     .  649 

2)  Entschädigung  mit  Zuschlag    .  650 

3)  Äquivalent       651 

C)  Busse  §  22. 

1)  Busse  von  sechs  Unzen  Gold    .  652 

2)  Busse  von  zwei  Pfund  Gold      .  652 

3)  Busse  von  fünf  Pfund  Gold      .  653 

4)  Busse  von  zehn  Pfund  Gold      .  655 

5)  Busse  von  zwanzig  Pfund  Gold  657 

6)  Busse  von  dreissig  Pfund  Gold  659 

7)  Busse   von   fünfzig  Pfund  Gold  659 

8)  Sonstige  Busse 659 


Drittes  Buch.    Staatsrecht» 


1.  Kapitel.     Das  Eeich. 
Der  Kaiser  §  1. 

1)  Funktionen  der  kaiserlichen  Ge- 

walt, 
a)  Heeresgewalt  und  Heereslei- 
tung     662 

ß)  Der  Erlass  von  Mandaten  662 

y)  Gesetzgebung 663 

S)  Privilegienerteilung       .     .     .     663 
s)  Verleihung  von  Honores  und 

Dignitates 669 

^)  Abgabenhoheit 670 

ri)  Oberaufsicht  über  die  Kurien    672 
e-)  Freilassung 678 

2)  Schutz  des  Princeps      ....     673 

3)  Ehrung  des  Kaisers       ....     674 

4)  Umgebung  des  Kaisers      .     .     .     675 


5)  Privatrechtliches  mit  Bezug  auf 

den  Kaiser   u.    seine  Umgebung  675 

IL  Reichsbehörden  §  2 677 

III.  Das  Vermögen  des  Reichs. 
A)  Erwerbsquellen  §  3. 

1)  Zölle 680 

2)  Tributum. 

a)  Steuerpflicht 681 

ß)  Steuerausschreibung     .     .     .  684 

y)  Steuereintreiber 686 

8)  Steuererhebung 687 

s)  Superindicticii  tituli     .     .     .  690 

3)  Annona 691 

4)  Lustralis  collatio 691 

6)  Erwerb  aus  Strafe 691 

6)  Erwerb  von  Nachlässen    .     .     .  693 

7)  Geschenk 694 


xvin 


Inhaltsübersicht. 


Seite 

B)  Ausgaben  §  4. 

1)  Wiederherstellung  v.  Gebäuden  694 

2)  Überweisung  der  Annonae  und 
Cellaria 694 

3)  Restitution 695 

4)  Austeilung 695 

C)  Vermögensverwaltung  §  5. 

1)  Verwalter. 

a)  Erfordernis 699 

ß)  Schutz 699 

y)  Geschäftsführung     ....  699 

2)  Privatrecht  des  Fiskus     ...  703 

3)  Prozess 705 

4)  Strafrechtsschutz 707 

IV.  Milites  §  6. 

1)  Privatrechtliches 708 

2)  Prozessrechtliches 710 

3)  Strafrechtliches 711 

4)  Abgabe 712 

V.  Die  Stände  §  7. 

1)  Senatoren,  Maiores  personae,  No- 
biles  viri 712 

2)  Potentes 715 

3)  Plebeii 716 


2.  Kapitel.     Die  Provinzen. 

I.  Die  Provinzialverwaltung  §  8. 

1)  Praeses  provinciae. 

a)  Steuerangelegenheit      .     .     .  718 

ß)  Acta 720 

y)  Polizei 721 

2)  Provinciae  sacerdotium      ,     .     .  721 

3)  Unterbeamte. 

a)  Cancellarius,  Domesticus  .     .  721 

ß)  Tabularius 722 

y)  Numerarius 723 

S)  Kohortalinus 723 

s)  Curator  viarum 723 

II.  Die  Provinzialen  §  9. 

1)  Schutz  gegen  die  Vermögensver- 
waltung des  Reichs       ....  724 

2)  Schutz  gegen  Überforderung      .  724 

3)  Schutz  gegen  Unterbeamte    .     .  726 


Seitä 
3.  Kapitel.     Die  Gemeinde. 

I.  Der  Defensor  §  10. 

1)  Wahl 728 

2)  Qualifikation 729 

3)  Kompetenz. 

a)  Kriminalgerichtsbarkeit     .     .  729 

ß)  Kontestation 730 

y)  Obervormundschaft  ....  730 

S)  Polizei 731 

£)  Schutz  der  Kurie      ....  732 

4)  Sonstige  Beamte. 

a)  Curator 732 

ß)  Assertor  pacis 733 

y)  Tabularii 734 

d)  Exceptor  publicus     ....  734 

IL  Die  Kurie  §  11. 

1)  Qualifikation  für  die  Kurialität  734 

2)  Erwerb  der  Kurialität  ....  736 

3)  Vindikation  des  Kurialen  .     .     .  739 

4)  Endigung  der  Kurialität    .     .     .  742 

5)  Sonderrecht  der  Kurialen. 

a)  Privatrechtliche  Beschränk- 
ungen        746 

ß)  Privatrechtliche  Bevorrech- 
tung      753 

y)  Strafrechtliches 755 

6)  Vermögen  der  Kurie. 

a)  Erwerbsquellen 756 

ß)  Privatrecht 759 

7)  Geschäftsgebiet. 

a)  Gesta 759 

(i)  Zustimmung  zurVeräusserung 

von  unbeweglichem  Gut  .     .  764 

y)  Testamentseröflfnung     .     .     .  766 

S)  Gerichtsbarkeit 767 

s)  Wahl  von  Beamten  ....  767 

^)  Steuern  und  Lasten       .     .     .  769 

yj)  Polizei 771 

8)  Schutz  der  Kurie 772 

9)  Klassen  unter  den  Kurialen. 

a)  Honoratus 773 

ß)  Primates  (Primi  patriae)  .     .  775 

y)  Magistrat  (Aedil) 775 

III.  Die  Collegiati  §  12 776 


I. 
IL 


Viertes  Buch.    Kirchenrecht. 


1.  Kapitel.     Der  Eintritt  in  die 
Hierarchie. 

Hinderungsgründe  §  1 781 

Ordination  §  2 783 


III.  Standespflichten  und  Standesrechte 
§  3. 

1)  Standespflichten 785 

2)  Standesrechte 786 


Inhaltsübersicht. 


XIX 


Seite 

2.  Kapitel.     Der  Kultus. 

I.  Feiertage  §  4 789 

IL  Res  divini  iuris  §  5 791 

3.  Kapitel.     Strafrecht  mit  Bezug 
auf  den  Klerus. 

I.  Gerichtsbarkeit. 

A)  Die  ordentliche  Gerichtsbarkeit  §  6    795 


Seite 


B)  Ausserordentliches  Gericht  §  7     .     798 

II.  Strafen  der  geistlichen  Gerichtsbar- 
keit §  8 798 


4.  Kapitel.     Das  Kirchen- 
vermögen. 

I.  Einkünfte  §  9 801 

II.  Vermögensverwaltung  §  10     .     .     .     803 


Zur  Satzeinrichtung. 


1.  Der  Text  ist  Übersetzung   des  Breviarium  Alaricianum,  und   zwar  regelmässig  der 
Interpretation,  ausnahmsweise  des  Legaltextes  (vgl.  S.  VI). 

2.  Der  Sitz  des  Textes   im  Breviarium  Alaricianum    wird   am   Rande,   wie    folgt,    be- 


zeichnet. 


C.  =  Cod.  Theod. 

N.  Th.  =  Nov.  Theod. 

N.  V.  =  Nov.   Val. 

N.  M.  =  Nov.  Mart. 

N.  Mai.  =  Nov.  Maior. 

N.  S.  =  Nov.  Sever. 


G.  =  Epit.  Gai. 
P.  =  Pauli  Sent.  Rec. 
Gr.  =  Cod.  Greg. 
H.  =  Cod.  Hermog. 
Pap.  =  Papin.  Resp. 


3.  Die  mit  Doppelbuchstaben  gezeichneten  eingerückten  Stücke  des  Textes  werden 
damit  als  Folgerungen  des  vorgängigen  durch  einfachen  Buchstaben  gezeichneten  Stückes 
charakterisiert. 

Die  eingerückten  Stücke  ohne  Buchstabenzeichnung  werden  damit  als  solche  charak- 
terisiert, die  den  gleichen  Rechtsinhalt  haben  wie  das  vorgängige  Stück. 

4.  Die  durch  Ziffern,  welche  im  Texte  wiederkehren,  gezeichneten  Anmerkungen 
unter  dem  Text  enthalten  Bemerkungen  zu  dem  Texte,  insbesondere  soweit  der  Text  aus 
der  Interpretation  (J)  stammt,  wörtliche  oder  inhaltliche  Wiedergabe  des  Legaltextes  (T) 
(vgl.  S.  VI  u.  VII).  1 

Bezieht  sich  die  Anmerkung  auf  einen  ganzen  Satz  des  Textes,  so  findet  sich  die 
Ziffer  im  Texte  zum  Schluss  des  Satzes. 

5.  Den  genannten  (vgl.  4)  Anmerkungen  schliesst  sich  der  dem  Texte  zu  Grunde 
liegende  Breviartext  an  (links  der  Legaltext,  rechts  die  Interpretation,  bez.  die  Epit.  Gai). 


1)  Mit  Cod.  Leg.  ist  der  Cod.  Palimps.  S.  Legion.  Eccl.  bezeichnet  (vgl.  S.  VII). 


Einleitung-. 


Quellen  des  Rechts  §  1. 

1)  Gesetz. 

a)  Die  Gesetze^  nicht  zu  kennen  oder  dasjenige,  was  verordnet  ist,  unbeachtet    c.  i,  i,  2 
zu  lassen,  soll  Niemandem  erlaubt  sein. 

aa)  Ein  Gesetz,  das  Alle  gemeinsam  bindet,  soll  eines  Einzelnen  Person,    c.  1, 1, 4 
bez.  eine  einzelne  Sache,  nicht  hinfälhg  machen.^ 

b)  Welche  Gesetze^  auch  immer  ohne  Datum  und  Konsul  vorgelegt*  gewesen    c.  1,1,1 
sein  werden,  sie  sollen  nicht  gelten. 

c)  Alle   Gesetze^  verdammen    nicht  dasjenige,   was   in   früherer   Zeit  sich  zu-    c.  1,1,3 
getragen  hat,  sondern  setzen  das  in  Zukunft  in  Acht  zu  Nehmende  fest. 

2)  Gewohnheit. 

a)  Eine  langjährige  Gewohnheit,  die  den  öffentlichen  Interessen  nicht  im  AVege    c.  5,12,1 
steht,  soll  als  Gesetz  in  Acht  genommen  werden. 


1)  Konstitutionen, 
vorgezogen  werden. 
5)  Constituta. 


2)  Eine  allgemeine  Vorschrift  muss  einem  speziellen  Privileg 
3)  Edikte  oder  Konstitutionen.  4)  angetroffen. 


1)  a)C.l,l,2.  Perpensas  serenitatis  nostrae 
longa  deliberatione  constitutiones  nee  igno- 
rare  quemquam  nee  dissimuiare  permittimus, 

aa)  C.  1,  1,  4.  Generale  praeceptum  bene- 
ficio  speciali  anteferendum  est. 

b)  C.  1,  1,  1.  Si  qua  posthac  edieta  sive 
constitutiones  sine  die  et  consule  fuerint 
deprehensa,  auctoritate  careant. 

c)  C.  1,  1,  3.  Omnia  constituta  non  prae- 
teritis  calumniam  faciunt,  sed  futuris  regu- 
latn  ponunt. 

2)  a)  C.  5, 12,  1.  Venientium  est  temporum 
disciplina,  instare  veteribus  institutis.  Ideo- 
que  quum  nihil  per  causam  publicam  inter- 
venit,   quae   diu  servata  sunt,   permanebunt. 


Leges  nescire  nulli  liceat,  aut  quae  sunt 
statuta  contemnere. 

Legem,  quae  communiter  omnes  tenet, 
unius  persona  vel  una  causa  non  vacuet. 

Quaeeunque  leges  sine  die  et  consule 
fuerint  prolatae,  non  valeant. 

Omnes  leges  non  ea,  quae  anteriore  tem- 
pore acta  sunt,  damnant,  sed  in  futurum  ob- 
servanda  constituunt. 

Longa  consuetudo,  quae  utilitatibus  pu- 
blicis  non  impedit,  pro  lege  servetur. 


C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Privatreclit. 


Erstes  Buch. 

Begründung  und  Schutz  der  Rechte, 


Erstes  Kapitel.     Entstehung  der  Rechte. 

I.    Das    Rechtsgeschäft   als    Entstehungsgrund    von  Rechten. 

A)   Form  und  Inhalt  der  Willenserklärung  §  1. 

1)  Form. 

c.  4, 18, 2  a)  Was  auch  immer  irgend  Jemand  einem  Andern  cediert  haben  wird,  ^er 
soll  lediglich  kundgeben,  den  Gegenstand,  bez.  den  Handel,  cediert  zu  haben, 
das  will  sagen,  entweder  mittels  Gesta  oder  mittels  Urkunde  oder  vor 
Zeugen,  und  die  blosse  Kundgebung  dieses  Willens  soll  zur  völligen  Giltig- 
keit  ausreichen.^ 

c.  3, 5, 1  aa)  Weder  eine  Nuptialis  donatio  noch  eine  beliebige  sonstige  Schenkung 

zwischen  irgendwelchen  Personen,  mit  Bezug  auf  irgendwelche  Sachen, 
kann  gütig  sein,    wenn  sie  nicht  zu  den  Gesta  allegiert  gewesen  sein 


1)  T  sagt,  dass  die  blosse  Profession  genügend  sei.    Der  Text  gehört  zu  einem  Titel: 
Qui  bonis  ex  lege  Julia  cedere  possunt. 


1)  a)  C.  4,  18,  2.  In  omni  cessione  pro- 
fessio  sola  quaerenda  est.  .  .  In  omni  ces- 
sione sufficit  voluntatis  sola  professio. 


aa)  C.  3,  5,  1.    .  ,  inter  sponsos  ac  sponsas 
nesque  personas    eam    solam    donationem 
valere  sancimus,  quam  testificatio  actorum 
secuta  est.  |   allegrata 


Quaecunque  aliquis  alteri  cesserit,  profi- 
teatur.  se  tan  tum  rem  cessisse  vel  causam, 
hoc  est  aut  gestis  aut  scriptura  aut  testibus, 
et  sola  voluntatis  illius  professio  pro  omni 
firmitate  sufficiat. 

.  .  nee  nuptialis  nee  quaelibet  alia  inter 


omnesque  personas    eam    solam    donationem   i    quascunque  personas  donatio,  de  quibuscun- 
.  ,  valere  sancimus,  quam  testificatio  actorum    !    que  rebus,  valere  potest,  si  gestis  non  fuerit 


Form    und  Inhalt  der  Willenserklärung  §  1.  3 

wird:^  2^^^Gim  Jemand  zum  Dominus  et  procurator  mit  Bezug  auf  die   c.  2,12,1 
Beanspruchung  einer   beliebigen  Sache    eingesetzt    gewesen   sein  wird, 
soll  das  Mandat,  das  als  Schenkung  errichtet  worden  ist,    den  Akten 
eingereiht    werden.^     Wenn,    während    Jemand    seine    Geschicke    zu   ^'pr.^2'^ 
fördern  den  Wunsch  hat,  es  gefallen  haben  wird,  städtische  oder  länd- 
liche Plätze  zu  geben,  sollen  die  wegen  Ausführung  von  Allem,  bez. 
wegen  Übergabe  der  Sache,  aufgenommenen  Gesta  vorgelegt  werden;  denn 
anders  wird  der  Besitz  auf  einen  andern  Herrn  nicht  übergehen  können, 
bb)  Ein  gerechtfertigter  Beginn  des  Besitzes  ist  vorhanden  bei  Schenkung    p.  5, 2, 4 
und  mit  Bezug   auf  sonstige  Sachen   der  Art,    die   mittels  der  gesetz- 
mässigen  Urkunden  und  Kontrakte  in  das  Eigentum  einer  jeden  Person 
überzugehen  erachtet  Averden :  ^  wenn,  während  Jemand  seine  Geschicke  p^.^  2^u.  l 
zu  fördern  den  Wunsch  hat,  es  gefallen  haben  wird,  städtische  oder  länd- 
liche Plätze  zu  geben,  soll  eine  Urkunde  folgen;  falls  Jemand  "^ohne  eine 
solche  Urkunde*  den  Besitz  eines  Andern  okkupieren  zu  sollen  geglaubt 
haben  wird,  soll  er  als  einer  Gewaltthätigkeit  schuldig  haften. 

cc)  Es  wird  befohlen,   dass  die  Nachbarn  einer  Sache,  die  verkauft   wird,   c.  3,1,2,1 
^Zeugen  und  gegenwärtig  sein   müssen.^    Insoweit  dass  man    für  gut 


1)  Vd.  drittes  Buch,  §  4,2b. 

2)  T  handelt  von  dem  Prokurator,  der  nach  der  Litiskontestation  Dominus  litis  geworden 
ist,  indessen  nicht  mit  Bezug  auf  den  Sachverhalt  der  Einreihung  des  Mandats  zu  den  Acta. 

3)  T  handelt  von    dem    lustum  initium  possessionis,    ohne   den  Begriff  zu  entwickeln 

4)  Dum  solo  commonitorio  de  suffragio  nititur. 

5)  Certa  et  vera  proprietas  darthun. 


C.  2,  12,  1. 


C.  2,  29,  2  pr.  2.  Si  qui  desideria  sua  ex- 
plicare  cupientes  ferri  sibi  a  quoquam  suf- 
fragium  postularint,  .  .  si  praedia  rustica  vel 
urbana  placitum  continebit,  .  .  sequatur  tra- 
ditio corporalis,  et  rem  fuisse  completam, 
gesta  testentur;  aliter  enim  ad  novum  do- 
minum transire  non  possunt  .  . 

bb)  P.  5,  2,  4.  .  .  iustum  initium  posses- 
sionis .  . 


C.  2,  29,  2  pr.  2  u.  3.  Si  qui  desideria  sua 
explicare  cupientes  ferri  sibi  a  quoquam 
suffragium  postularint,  .  .  si  praedia  rustica 
vel  urbana  placitum  continebit,  scriptura, 
quae  ea  in  alium  transferat,  emittatur  .  . 
Quod  si  quis,  dum  solo  commonitorio  de  suf- 
fragio nititur,  bona  duxerit  occupanda,  reus 
temeritatis  ac  violentiae  retinebitur  .  . 

cc)  C.  3,  1,  2,  1.     Id  (etiam)    placuit,    ne- 


Qui  dominus  et  procurator  de  cuiuslibet 
rei  petitione  fuerit  institutus  .  .  ,  ut  manda- 
tum  ad  vicem  donationis  factum,  actis  habea- 
tur  insertum. 

Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  .  .  si  loca  urbana  vel  rustica  dare 
placuerit,  .  .  de  completis  omnibus  vel  re  tra- 
dita  gesta  confecta  proferantur,  nam  aliter 
possessio  ad  alterum  dominum  transire  non 
poterit  .  , 

.  .  lustum  (autem)  initium  est  .  .  dona- 
tionis .  .  et  ceterarum  rerum  similium,  quae 
per  legitim as  scripturas  atque  contractus  ad 
uniuscuiusque  dominium  transire  noscuntur .  . 

Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  .  .  si  loca  urbana  vel  rustica  dare 
placuerit,  scriptura  sequatur  .  .  (Sane)  si  quis 
sine  tali  scriptura  possessionem  alterius  credi- 
derit  occupandam,  reus  violentiae  teneatur  .  . 


iubetur,   ut  vicini   rei,   quae   venditur, 

1* 


Privatrecht.     Erstes  ßucli. 


C.  8,5,  1, 
1  U.  2 


C.  4,  4,  4 


C.  8,5.  1, 
1  U.  2 


P.  1,  3,  1 


findet,  lauch  wenn  von  unbedeutenden  Sachen  etwas  zum  Gebrauch 
verkauft  wird/  Vorzeigung  an  die  Nachbarn  und  auf  diese  Weise 
Erwerb  stattfinden  zu  lassen,  damit  nicht  Fremdes  verkauft  werde. 
Werden  beweghche  Sachen  geschenkt,  so  sollen  sie  in  Gegenwart 
zahh'eicher  Personen  übergeben  wxrden.^ 

b)  Alle  Testamente  oder  sonstige  Urkunden  werden  bei  den  Censualen 
in  der  Stadt  Rom  verlautbart,  das  will  nämlich  sagen,  dass  in  den 
sonstigen  Regionen  bei  den  Männern  der  Kurie  Testamente,  bez.  welche 
Urkunden  auch  immer  durch  Acta  bekräftigt  zu  werden  pflegen,  mittels 
Allegation  der  Gesta  befestigt  werden.^ 

aa)  Der  Schenker  soll  die  Schenkung  unterzeichnen:  %n  diese  Schenkung 
soll  sich  die  Solennität  der  Gesta  anschliessen;  die  Gesta  über  die 
Schenkungen  sind  bei  der  Kurie  zu  allegieren.* 

bb)  Die  Procuratio  kann  zu  den  Akten  des  Magistrats  aufgetragen  werden: 


1)  Auch  wenn  Subsellien  oder,  wie  es  gemeinhin  heisst,  Scamna  verkauft  werden. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  dieselben  berufen  sind,  hernach  zu  erweisen,  dass  die  Tradition 
mit  dem  Willen  des  Schenkers  geschehen  sei. 

3)  T  spricht  lediglich  von  Testamenten    und  Sonstigem,   was  Apud  officium  censuale 
publiziert  zu  werden  pflege. 

4)  Es  sind  auch  Acta  anzuschliessen,  die  bei  den  Magistratus  zu  errichten  sind. 


minem  ad  venditionem  rei  cuiuslibet  accedere, 
nisi  eo  tempore,  quo  inter  venditorem  et 
emtorem  contractus  solenniter  explicatur, 
certa  et  vera  proprietas  a  vicinis  demonstre- 
tur;  usque  eo  legis  istius  cautione  currente, 
ut,  etiamsi  subsellia  vel,  ut  vulgo  aiunt, 
scamna  vendantur,  ostendendae  proprietatis 
probatio  compleatur  . 

C.  8,  5,  1,  1  u,  2.  In  . .  donationibus  .  .  cor- 
poralis  traditio  subsequatur  ad  excludendam 
vim  atque  irreptionem  advocata  vicinitate, 
omnibusque  arbitris  adhibitis,  quorum  postea 
'fide  probabitur,  donatam  rem,  si  est  mobilis, 
ex  voluntate  traditam  donatoris  .  . 

b)  C.  4,  4,  4.  Testamenta  omnium  cetera- 
que,  quae  apud  officium  censuale  publicari 
solent  .  . 


aa)  C.  8,  5,  1,  1  u.  2.  In  conscribendis 
(autem)  donationibus  nomen  donatoris  .  .  no- 
tari  oportet  .  .  actis  etiam  annectendis,  quae 
apud  .  .  magistratus  conficienda  sunt. 

bb)  P.  1,3,  1.  Mandari  potest  procuratio 
.  .  apud  acta  .  .  magistratus. 


testes  esse  debeant  et  praesentes,  in  tantum, 
ut  etiam  de  mediocribus  rebus  si  quid  in 
usum  venditur,  ostendi  vicinis  placeat,  et  sie 
comparari,  ne  aliena  vendantur. 


.  ,    si     mobilia    donantur,     praesentibua 
plurimis  tradantur  .  . 


Testamenta  omnia  vel  reliquas  scripturas 
apud  censuales  in  urbe  Roma  (voluit)  publi- 
cari, hoc  est,  ut  in  reliquis  regionibus  apud 
curiae  viros  testamenta,  vel  quaecunque  scri- 
pturae  actis  firmari  solent,  gestorum  alle- 
gatione  muniantur  .  . 

.  .  Quam  (tarnen)  donationem  .  .  donator 
(ipse)  subscribat:  .  .  donationem  gestorum 
solennitas  . ,  subsequatur  . .  Gesta  (vero)  dona- 
tionum  .  .  apud  curiam  alleganda  sunt. 


Form  und  Inhalt  der  Willenserklärung  §  1,  5 

das  Mandat,    das  nach  Art  der  Schenkung  gemacht  worden  ist,   soll  c.  2, 12, 1 
den  Akten  eingereiht  werden. 

2)  Bedingung. 

a)  Ungiltig  ist  ein  Versprechen,  wenn  irgend  Jemand  eine  Sache  unter  einer  g.  2, 9, 6 
solchen  Bedingung  verspricht,   die   um   der  Schwierigkeit  der  Sache   willen 

nicht  erfüllt  werden  kann. 

b)  ^Wenn  irgend  Jemand  in  seinem  Testamente  dem  Erben   eine  Bedingung  p.  3, 6, 7 
setzt,   die   dieser  erfüllen   soll,   bevor  er  die  Erbschaft  in  Anspruch  nimmt, 

ist  mit  Grund  behufs  ihrer  Erfüllung,  falls  sie  für  möglich  erachtet  wird,  jene 
Frist  abzuwarten,  und  soll  die  Erbschaft  nicht  in  Anspruch  genommen 
werden,  bis  die  Bedingung  erfüllt  wird.  Wird  dem  Erben  irgend  etwas 
Unmögliches  auferlegt  gewesen  sein,  was  durchaus  nicht  erfüllt  werden  kann, 
so  ist  eine  solche  Bedingung  unverzüglich  zu  entfernen;  sie  bereitet  dem 
eingesetzten  Erben  kein  Hindernis.^  Sobald  der  Schenker  denjenigen,  es, 5,1  pr. 
welchem  er  schenkt,  verpflichtet,  irgend  etwas  zu  thun  oder  nicht  zu  thun, 
das  will  sagen,  wenn  er  befiehlt,  dass  irgend  etwas  geschehe,  was  für  un- 
möglich gehalten  wird,  oder  wenn  er  anordnet,  dass  etwas  geschehe,  was 
ehrbar  ist  und  erfüllt  werden  kann,  so  wird  die  Schenkung  dann  entkräftet, 
wenn  die  möglichen  Bedingungen  von  Ehrbarkeit  nicht  erfüllt  gewesen  sein 
werden;  denn  sobald  unmögliche  Bedingungen  gesetzt  werden,  besitzt  unter 
Entfernung  der  Bedingungen  die  Schenkung  Kraft. ^ 


1)  T  sagt,  dass  es  zwei  Arten  Bedingungen,  die  mögliche  und  die  unmögliche,  gebe, 
die  erstere  suspendierende  Kraft  habe,  letztere  gestrichen  werde. 

2)  T  spricht  lediglich  von  Schenkung,  die  durch  Conditiones  faciendi  ac  non  faciendi 
suspendiert  ist. 


2)  a) 


b)  P.  3,  6,  7.  Conditionum  duo  sunt  ge- 
nera:  aut  enim  possibilis  est,  aut  impossi- 
bilis.  Possibilis  est,  quae  per  rerum  naturam 
admitti  potest:  impossibilis,  quae  non  potest: 
quarum  ex  eventu  altera  exspectatur,  altera 
impossibilis  submovetur. 


C.  8,  5,  1  pr.  Donatio  .  .  sive  conditionibus 
faciendi  ac  non  faciendi  suspensa  .  . 


0.  2,  12,  1.  . .  ut  mandatum  ad  vicem  dona- 
tionis  factum,  actis  habeatur  insertum. 

G.  2,  9,  6.  (Praeterea)  inutilis  est  promissio, 
si  aliquis  rem  sub  tali  conditione  promittat, 
quae   impleri  pro  rei  difficultate  non  possit. 

Si  aliquis  in  testamento  suo  conditionem 
heredi  constituat,  quam  prius  impleat,  quam 
hereditatem  praesumat,  merito  ad  eam  im- 
plendam,  quia  possibilis  videtur,  exspectan- 
dum  tempus  istud  est,  ut  non  praesumatur 
hereditas,  quamdiu  conditio  impleatur.  Nam 
si  impossibile  aliquid  heredi  fuerit  iniunctum, 
quod  impleri  penitus  non  potest,  talis  condi- 
tio statim  submovenda  est:  quia  nullum 
scripto  heredi  impedimentum  facit. 

(.  .  Est  et  alia  donatio,)  ubi  donator  obli- 
gat illum,  cui  donat,  ut  aliquid  faciat  aut  non 
faciat,  id  est,  si  aliquid  iubeat  fieri,  quod  im- 
possibile iudicetur,  .  .  aut  si  id  ordinet  fieri, 
quod  honestum  est  et  possit  impleri:  (quia) 
tunc  infirmatur   donatio,  quando  conditiones 


6 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


P.  3.  6, 


C.  8,  5,  1 


C.  8,  5,  1  pr. 


c)  Bedingungen,  die  gegen  die  Gesetze  und  Dekrete  der  Principes,  bez.  die 
guten  Sitten,  beigeschrieben  sind,  haben  keine  Giltigkeit;  beispielsweise 
„wenn  Du  die  Frau  nicht  geheiratet  haben  wirst",  „wenn  Du  Kinder  nicht 
bekommen  haben  wirst",  „wenn  Du  einen  Mord  verübt  haben  wirst",  „wenn 
Du  als  Gespenst  aufgetreten  sein  wirst"  und  dergleichen. 

Eine  Schenkung  ist  gegen  das  Gesetz,  wenn  Jemand  eine  Be- 
dingung gegen  die  guten  Sitten,  das  ist,  die  Sache  eines  beliebigen 
Verbrechens,  als  Schenker  in  der  Schenkung  verzeichnet. 

aa)  Sobald  der  Schenker  denjenigen,  welchem  er  schenkt,  verpflichtet, 
irgend  etwas  zu  thun  oder  nicht  zu  thun,  das  will  sagen,  wenn  er 
befiehlt,  dass  irgend  etwas  geschehe,  was  mit  der  Ehrbarkeit  in  Streit 
erachtet  wird,  oder  wenn  er  anordnet,  dass  dasjenige  geschehe,  was 
ehrbar  ist  und  erfüllt  werden  kann,  wird  die  Schenkung  dann  ent- 
kräftet, wenn  die  möglichen  Bedingungen  von  Ehrbarkeit  nicht  erfüllt 
gewesen  sein  werden;  denn  sobald  unehrbare  Bedingungen  gesetzt 
werden,  besitzt  unter  Entfernung  der  Bedingungen  die  Schenkung 
Kraft.  ^ 


1)  Eine  Schenkung,    durch  Conditiones    faciendi    ac    non   faciendi  suspendiert,    muss 
derart  geschehen,  dass  sie  Bedingungen  enthält,  welche  die  Gesetze  zulassen. 


c)  P.  3,  6,  8.  Conditiones  contra  leges 
et  decreta  principum  vel  bonos  mores  ad- 
scriptae  nullius  sunt  momenti:  veluti,  si 
üxorem  non  duxeris,  si  filios  non  suseeperis, 
si  homicidium  feceris,  si  larvali  habitu  pro- 
cesseris,  et  his  similia. 


aa)  C.  8, 5, 1  pr.  Donatio . .  sive  conditionibus 
faciendi  ac  non  faciendi  suspensa  .  .  sub  hac 
fieri  debet  observatione,  ut,  quas  leges  in- 
dulgent,  (actiones)  conditiones  (pactionesque) 
contineat .  . 


honestatis  possibiles  impletae  non  fuerint. 
Nam  si  .  .  impossibiles  conditiones  ponantur, 
remotis  conditionibus  firma  donatio  est  .  . 


C.  8,  5,  1.  .  .  illa  donatio  contra  legem 
est,  si  quis  .  .  conditionem  contra  bonos  mores, 
hoc  est,  causam  cuiuslibet  criminis,  donator 
in  donatione  conscribat  .  . 

.  .  Est  et  alia  donatio,  ubi  donator  obligat 
illum,  cui  donat,  ut  aliquit  faciat  aut  non 
faciat,  id  est,  si  aliquid  iubeat  fieri,  .  .  quod 
honestati  contrarium  videatur;  aut  si  id  ordinet 
fieri,  quod  honestum  est  et  possit  impleri: 
(quia)  tunc  infirmatur  donatio,  quando  condi- 
tiones honestatis  possibiles  impletae  non 
fuerint.  Nam  si  inhonestae  .  .  conditiones 
ponantur,  remotis  conditionibus  firma  dona- 
tio est  .  . 


Stellvertretung  §  2. 


B)  Stellvertretung  §  2. 

1)  Procuratio. 

a)  Die  Procuratio    kann    aufgetragen    werden    einem  Gegenwärtigen   und    mit  p.  i,  3,  i 
blossen  Worten,    und    durch  Brief  und   durch  Boten,    und  bei   den  Akten 

des  Praeses  und  des  Magistrats. 

b)  Der  Prokurator  kann  nur  diejenigen  Sachen  betreiben,  mit  Bezug  auf  welche  P-  i.  3,  2 
sich  deutlich  ergeben  haben  Avird,  dass  sie  ihm  übertragen  worden  sind.^ 

aa)  Wenn  Jemand  mittels  Mandats  zum  Prozess-Prokurator  eingesetzt  Gr.  1, 1 
gewesen  sein  wird,  und  wegen  eines  Vergleichs  mit  Bezug  auf  die 
Sache  in  diesem  Mandat  nichts  beigeschrieben  sich  findet,  kann  er 
prozessieren,  soll  aber,  einen  Vergleich  zu  schliessen,  durchaus  nicht 
sich  anmassen.  Wird  er  sich  verglichen  haben,  so  Avird  es  keine 
Giltigkeit  haben. 

bb)  Derjenige,  welcher  ein  Geschäft  seiner  Frau  ausgeführt  gehabt  haben   c.  2,  12, 4 
wird,  soll,  mag  er  auch  der  Gatte  sein,   nichts  anderes  betreiben,   als 
was  diese  ihm  mittels  Mandats  überlassen  haben  wird. 

c)  Durch    freie    Personen,    die    uns    durch    kein    Abhängigkeitsverhältnis    ver-   p.  5, 2, 2 
pflichtet  sind,    können   wir  nichts   erwerben.     Dagegen  ist   es   sicher,    dass 

uns  durch  Prokuratoren  der  Besitz  erworben  wird.     Auch  ist  allgemein  an-   p.  5,  9, 1 
genommen,  dass  unser  Prokurator  auf  Grund  unseres  Jussus  no vieren  kann. 


1)  Der  Procurator  wird  entweder  für  einen  Prozess  oder  für  ein  ganzes  Geschäft  oder 
für  den  Teil  eines  Geschäfts  oder  für  die  Vermögensverwaltung  gegeben. 


1)  a)  P.  1,  3,  1.  Mandari  potest  procuratio 
praesenti,  et  nudis  verbis,  et  per  literas, 
et  per  nuncium,  et  apud  acta  praesidis  et 
magistratus. 

b)  P.  1,  3,  2.  Procurator  aut  ad  litem, 
aut  ad  omne  negotium,  aut  ad  parten  negotii, 
aut  ad  res  administrandas  datur. 

aa)  Gr.  1,  1.  Transactionis  placitum  ab  eo 
interpositum ,  cui  causae  actionem ,  non 
decisionem  litis  mandasti,  nihil  petitioni 
tuae  derogavit. 

bb)  C.  2,  12,  4.  Procurator,  licet  maritus 
sit,  id  solum  exsequi  debet,  quod  procuratio 
emissa  praescripserit. 

c)  P.  5,  2,  2.  Per  liberas  personas,  quae 
in  potestate  nostra  non  sunt,  acquiri  nobis 
nihil  potest.  Sed  per  procuratorem  acquiri 
nobis  possessionem  posse,  utilitatis  causa 
receptum  est  .  . 

P.  5,  9,  1.  . .  Procurator  quoque  noster,  ex 
iussu  nostro  receptum  est,    ut  novare  possit. 


Procurator  eas  tantum  res  agere  potest, 
quas  ei  evidenter  constiterit  fuisse  commissas. 

Si  quis  per  mandatum  procurator  litis 
fuerit  institutus,  et  de  compositione  causae 
in  ipso  mandato  nihil  continetur  adscriptum, 
litigare  potest,  componere  penitus  non  prae- 
suraat.     Quod  si  composuerit,  non  valebit. 

Qui  uxoris  suae  negotium  fuerit  prosecutus, 
quamvis  maritus  sit,  nihil  aliud  agat,  nisi 
quod  ei  agendura  per  mandatum  illa  com- 
miserit. 

Per  liberas  personas,  quae  nobis  nulla  con- 
ditione  obligatae  sunt,  acquirere  nihil  possu- 
mus.  Sed  per  procuratores  acquiri  nobis 
possessionem  certum  est  .  . 


8 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


p.  5, 10, 2  d)  Von  dem  Tage,  an  welchem  über  eine  Sache  geurteilt  gewesen  sein 
wird,  werden,  wenn  bei  der  Rückgabe  ein  Verzug  veranstaltet  gewesen  sein 
wird,  doppelte  Früchte  gerechnet.^  Das  gleiche  Versprechen  schliesst  auch 
diejenigen  ein,  in  deren  Namen  das  Versprechen  gemacht  gewesen  sein  wird. 

2)  Ratihabition. 

p.  5, 2, 2  a)  Wird  irgend  etwas  in  Abwesenheit  des  Herrn  angeschafft  gewesen  sein, 
so  wird  nicht  anders  ihm  erworben,   als  wenn  der  Herr  seine  Zustimmung 

p.  4, 11,8  gegeben   haben   wird,    dass   dieser  Kauf  ihm    anstehe.     Nicht   allein,    dass 

einen  Sklaven  der  Herr,  ^sondern  dass  dessen  Prokurator,  bez.  Aktor, 
ihn  in  Fesseln  geschlagen,  und  der  Herr  sich  beruhigt  haben  wird,  dass  es 
zu  Recht  geschehen  sei,^  steht  der  künftigen  Freiheit  im  Wege. 

p.  4, 11,8       b)  Wird  einen  Sklaven,   der  von   dem  Aktor  gebunden  worden   ist,   der  Herr 

zu  lösen  befohlen    haben,^  so    wird   die   zukünftige  Freiheit  nicht  gehindert 

^^-  6»  5  werden    können.     Wenn    weder    auf    Grund    eines    Mandats    noch    zufolge 

Ratihabition    der  Ehemann    den  Besitz    der  Frau   veräussert  hat,    wird   sie 

nicht  gehindert,  ihre  Sache  zu  vindizieren.* 


1)  Von  dem  Tage  des  Acceptum  iudicium  werden  doppelte  Früchte  gerechnet. 

2)  Fesselt,    sondern   wenn   er  die  Fesselung  befiehlt   oder  die  durch  Prokarator  oder 
Aktor  vorgenommene  gutheisst. 

3)  Wird  der  Herr,  bevor  er  die  Fesselung  in  Erfahrung  brachte,  die  Gründe  für  eine 
Lösung  des  Gefesselten  gebilligt  haben. 

4)  Die  Fassung  von  T  bedient  sich  der  direkten  Anrede  der  Frau. 


d)  F.  5,  10,  2.  Ex  die  accepti  iudicii  dupli 
ftvjctus  computantur  .  .  personae  .  .  eadem 
•stipulatione  comprehenduntur  (;)  eorum  quo- 
que,  quorum  nomine  promittitur. 

2)  a)  P.  5,  2,  2.  .  .  possessionem  .  .  Absente 
(autem)  domino  comparata  non  aliter  ei, 
quam  si  rata  sit,  quaeritur. 

P.  4,  11,  8.  Non  tantum  si  ipse  dominus 
vinciat,  nocet  libertati,  sed  et  si  vinciri 
iubeat  aut  vincientis  procuratoris  actorisve 
factum  comprobet  .  . 

b)  P.  4,  11,  8.  (Non  tantum  si  ipse)  dominus 
(vinciat,  nocet  libertati,  sed  et  si  vinciri  iu- 
beat aut  vincientis  procuratoris  actorisve 
factum  comprobet.  Quod)  si,  antequam  sciret 
vinctum,  solutionis  eins  causas  approbaverit, 
libertati  futurae  vincula  non  nocebunt, 

Gr.  6,  5.  Si  neque  mandato  (tuo),  neque  ra- 
tum  habente  maritus  (tuus)  possessionem 
(iuris  tui)  alienavit,  non  prohiberis  rem  tuan 
vindicare  .   , 


Ex  ea  die,  qua  de  causa  fuerit  iudicatum, 
si  in  redhibitione  mora  facta  fuerit,  dupli 
fructus  computantur  .  .  eadem  promissio 
comprehendit  (.  Hie  etiam  tenendi  sunt), 
quorum  nomine  facta  fuerit  promissio. 

.  .  si  aliquid  absente  domino  fuerit  com- 
paratum,  non  aliter  ei  acquiritur,  nisi  hanc 
ipsam  venditionem  sibi  acceptam  dominus  esse 
consenserit. 

Si  servum  non  solum  dominus,  sed  pro- 
curator  eins  vel  actor  in  vincula  redegerit  et 
dominus  hoc  iuste  factum  acquieverit,  futurae 
impedit  libertati  .  . 

Si  servum  .  .  ab  actore  ligatum  dominus 
solvi  praeceperit,  futura  libertas  non  poterit 
impediri. 


Stellvertretung  §  2. 


9 


3)  Gewaltimterworfene  Personen. 

a)  Erworben  wird  uns  nicht  allein  durch  uns  seihst,   sondern  auch  durch  die-   G.  2, 1, 7 
jenigen,  die  sich  in  unserer  Gewalt  befinden,  wie  die  Haussöhne  oder  Sklaven. 

aa)  Alles   dasjenige,   was  Haussöhnen   oder   Sklaven  von   einer  beliebigen   G.  2, 1, 7 
Person  geschenkt,  bez.  verkauft,  gewesen  sein  wird,  oder  wenn  sie  zu 
Erben  eingesetzt  gewesen  sein  wx^rden,  wird  ohne  irgendwelchen  Zweifel 
den  Vätern  und  Herren  erworben. 

Wenn  irgendwelches  Vermögen  durch  Schenkung,  bez.  Gabe,  seitens   c.  8,9,  3 
fremder  Personen^   Kindern,   die   der  Familia  angehören,  zugekommen 
sein    wird,    soll  es   ganz   den  Vätern  erworben  werden,   sodass  sie  die 
Macht  haben,  damit  zu  thun,  was  sie  gewollt  haben  werden. 

bb)  Wird  einem  Haussohn  oder  Sklaven  irgend  etwas  durch  Furtum  weg-   p.  2, 32,21 
genommen   gewesen   sein,   so   wird  dem  Vater  oder  Herrn    die  Furti 
Actio  zukommen,   ^weil   ihnen   mit  Recht  diese  Actio   gewährt  wird: 
aus  den  Personen  Jener  pflegen  sie  zuweilen  verklagt  zu  werden.^ 
cc)  AVir  können  uns  durch  den  Haussohn  oder  Sklaven  mittels  Stipulation   p.  ^>,  o,  1 
versprechen  lassen. 

b)  Wir  novieren  nicht  nur  durch  uns  selbst,   was  uns  geschuldet  wird,  sondern   p.  5, 9, 1 
auch  durch  diejenigen,  mittels  deren  wir  uns  durch  Stipulation  versprechen 


1)  T  fügt  hinzu  Sive  ex  transversa  linea. 

2)  Denn  derjenige,  welcher  De  peculio  belangt  wird,    hat  ein  Interesse,  die  Actio  zu 
erhalten. 


3)  a) 


aa) 


C.  8,  9,  3.  .  .  Delatae  (vero)  ab  extraneis 
sive  ex  transversa  linea  facultates  .  .  patribus 
conferant,  quicquid  filiis  positis  in  eorum 
potestate  detulerint. 

bb)  P.  2,  32,  21.  Pater  vel  dominus  de 
eare,  quae  filiofamilias  velservo  surrepta  est, 
furti  agere  potest:  interest  enim  ei  deferri 
actionem,  qui  de  peculio  convenitur. 

cc)  P.  5,  9,  1.  .  .  (novamus  .  .  per  eos,  per 
quos)  stipulari  possumus  (:velutij  per  filium- 
familias  vel  servum  .  . 

b)  P.  5,  9,  1.  Non  solum  per  nosmet  ipsos 
novamus,  quod  nobis  debetur,  sed  etiam  per 


G.  2,  1,  7.  Acquiritur  (autem)  nobis  non 
solum  per  nosmet  ipsos,  sed  et  per  e<  , 
qui  in  potestate  nostra  sunt,  sicut  filii  vel 
servi  .  . 

G.  2,  1,  7.  .  .  filii  vel  servi:  (quia)  quic- 
quid his  a  qualibet  persona  donatum  vel 
venditum  fuerit,  aut  heredes  fuerint  instituti, 
id  patribus  et  dominis  sine  aliqua  dubi- 
tatione  conquiritur  .  . 

.  .  si  quae  extraneorum  donatione  vel 
munere  filiis  in  familia  positis  facultates  acces- 
serint,  .  .  id  totum  patribus  acquiratur,  ut 
faciendi  ex  hoc,  quod  voluerint,  habeant 
potestatem. 

Si  filiofamilias  vel  servo  furto  aliquid  subla- 
tum  fuerit,  ad  patrem  vel  dominum  furti  actio 
pertinebit:  quia  merito  eis  haec  actio  datur, 
ex  quorum  personis  solent  aliquotiesconveniri- 


10 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


lassen  können,  wie  durch  den  Haussolm  oder  Sklaven,  auf  Grund  eines 
Jussus  oder  unter  Ratiliabition. 
Gr.  13, 1  c)  ^  Wenn  Jemand  sich  in  der  Gewalt  des  Vaters  befunden  hat,  während  eine 
Erbschaft  angefallen  ist,  und  sie  zufolge  Jussus  des  Vaters  mittels  Kretion 
angetreten  hat,  hat  er  sie  nach  dem  Keclite  der  väterlichen  Gewalt  diesem 
erworben.  Deswegen  kann  er  unter  keinen  Umständen  verlangen,  dass, 
was  von  diesem  rechtsgiltig  veräussert  worden  ist,  gegen  Darbietung  des 
Preises  restituiert  werde.^ 

p.  1, 7, 5  d)  Wenn,  während  gegen  den  Herrn  Gewalt  geübt  wird,  er  in  Folge  der 
Furcht  einen  Sklaven  hingegeben,  und  dieser  bei  demjenigen,  welchem  er  ge- 
geben gewesen  war,  irgend  etwas  auf  behebige  Weise  erworben  haben  wird, 
so  wird,  sobald  diesen  Sklaven  der  Herr,  gegen  den  Gewalt  geübt  worden 
ist,  zurückempfangen  haben  wird,  ihm  Alles,  was  der  Sklave  erworben  hatte, 
zugehören.  - 

p.  1, 13, 2        e)  Ein  Haussohn  kann  kraft  eines  Jussus  des  Vaters  freilassen. 

p.  5,  8, 3  f)  Erwirbt  ein  Niessbrauchssklave  Etwas  Ex  re  des  Niessbrauchers  oder  aus 
seinen  Arbeiten,  so  kommt  es  dem  Niessbraucher  zu;  alles  dasjenige  aber, 
was  er  von  anderswoher  oder  Ex  re  des  Eigentümers  erwirbt,  erwirbt  er 
dem  Herren  des  Eigentums. 


1)  Die  Fassung  von  T  bedient  sich  der  direkten  Anrede   des  beteiH^ten  Hauskindes, 
dem  die  Erbschaft  der  Bassia  Cassia  angefallen  ist. 

2)  Bei    erpresster  Manzipation    des  Sklaven    fällt   der  Erwerb    des  Sklaven,    bez.  das 
von  ihm  Stipulierte,  demjenigen  zu,  an  welchem  Gewalt  geübt  worden  ist. 


eos,  per  quos  stipulari  possumus:  veluti  per 
filiumfamilias  vel  servum,  iubendo  vel  ratum 
habendo  .  . 

c)  Gr.  13,  1.  Si  in  potestate  patris  fuisti, 
quum  hereditas  (Bassiae  Cassiae  tibi)  obvenit, 
eamque  patris  iussu  crevisti,  iure  patriae 
potestatis  ei  eam  quaesisti.  Ideoque  quod 
ab  eo  iure  alienatum  est,  nuUa  ratione  oblato 
pretio  restitui  tibi  desideras. 

d)  P.  1,  7,  5.  Servus  per  metum  mancipatus 
quicquid  acquisierit  vel  stipulatus  sit,  ei 
acquirit,  qui  vim  passus  est. 


e)  P.  1,  13,  2.  Filiusfamilias  iussu  patris 
manumittere  potest  .  . 

f)  P.  5,  8,  3.  Fructuarins  servus  si  quid 
ex  re  fructuarii  aut  ex  operis  suis  acquirit, 
ad  ftuctuarium  pertinet:  quidquid  autem 
aliunde  vel  ex  re  proprietarii  acquirit,  do- 
mino  proprietatis  acquirit. 


Si,  quum  domino  vis  infertur,  servum  metu 
interveniente  dederit,  et  apud  eum,  cui 
datus  fuerat,  aliquid  quolibet  pacto  acquisierit, 
quum  servum  ipsum  dominus,  cui  est  vis 
illata,  receperit,  ad  eum  omnia,  quae  servus 
acquisierat,  pertinebunt. 


Die  Zeit  in  rechtlicher  Bedeutung  §  3. 


11 


aa)  Diejenigen  Sklaven,  Avelche  sich  in  unserem  Niessbraucli  und  in  dem 
Eigentum  eines  Andern  befinden,  können  dem  Niesbraucher  nur  das- 
jenige erwerben,  was  sie  durch  ilu*  Werk  oder  mit  ihren  Händen  ge- 
than  oder  aus  Löhnen  für  ihr  Werk  empfangen  haben  werden.  Denn 
wenn  ihnen  entweder  eine  Erbschaft  oder  ein  Legat  hinterLassen  oder 
irgend  eine  Schenkung  übertragen  wird,  wird  es  dem  Herren,  welcher 
Eigentümer  ist,  nicht  dem  Niessbraucher  erworben. 


G.  2,   1,  7 


IL    Die  Zeit  in  rechtlicher  Bedeutung  §  3. 

a)  Wir  verordnen,  dass  eine  seit  unvordenklicher  Zeit  bestehende  Wasser-  c.  15, 2,  i 
leitung  den  einzelnen  Bürgern  verbleibe  und  nicht  durch  irgendwelche 
Neuerung  gestört  werde,  derart  indessen,  dass  die  Einzelnen  das  Mass, 
w^elches  sie  nach  alter  Licenz  gemessen,  in  der  bis  auf  den  gegenwärtigen 
Tag  fortdauernden  AVeise  geniessen  sollen,  während  Strafe  bleiben  soll  für 
diejenigen,  die  zur  Bewässerung  der  Acker,  bez.  zum  Schmuck  der  Gärten, 
hinterrücks  verstohlener  Wasserwege  sich  bedienen. 


aa) 


a)  C,  15,  2,  1.  Usumaquaeveteremlongoque 
dominio  constitutum  singulis  civibus  manere 
censemus,  nee  ulla  novatione  turbari:  ita 
tarnen,  ut  quantitatem  singuli,  quam  vetere 
licentia  percipiunt,  more  usque  in  praesentem 
diem  perdurante  percipiant.  Mansura  poena 
in  608,  qui  adirrigationesagrorumvelhortorum 
delicias  furtivis  aquarum  meatibus  abutuntur. 


G.  2,  1,  7.  .  .  Hi  (vero)  servi,  qui  in  usu- 
frnctu  nostro  et  in  proprietate  alterius  sunt, 
hoc  tantum  usufructuario  acquirere  possunt, 
quod  opere  aut  manibus  suis  fecerint  aut  de 
mercedibus  operis  sui  receperint.  Nam  si  eis 
aut  hereditas  aut  legatum  dimittatur  aut 
donationis  aliquid  conferatur,  hoc  proprie- 
tario  domino,  non  usufructuario  aquiritur. 


Zweites  Kapitel.    Ausübung  und  Schutz  der  Rechte. 

I.    Selbsthilfe  §  4. 

p.  2, 14, 5        a)  Wenn   Jemand  Pfänder  des  Schuldners   ohne   die   Autorität   des    Richters 
weggeführt  haben  wird,  begeht  er  das  Crimen  \dolentiae. 

p,  3, 28, 4  aa)  Wird   ein    chirographarischer  Gläubiger,   ohne    Weisung    des    Praeses, 

mittels  Gewalt  Pfänder  seines  Schuldners,  die  er  nicht  auf  Grund  von 
Verpfändung  gehabt  haben  wird,  genommen  haben,  so  verfällt  er  der 
Lex  Julia  De  vi  privata. 

c.4,2o,5pr  b)  Weder  auf  Grund  eines  Befehls  des  Princeps,^  wenn  er  von  der  Partei  er- 
zielt gewesen  sein  wird,  noch  auf  Grund  einer  Antwort^  des  Judex,  wenn 
er  interpelliert  gewesen  sein  wird,  soll  in  Abwesenheit  des  Herrn  der  Besitz 
irgend  Jemandes  entzogen  werden,  '"^  indem  derjenige,  welcher  besitzt,  zuvor 
verklagt  werden  muss  und  ehi  Urteil  nicht  gefällt,  noch  ein  Handel  beendet 
c.  4, 20, 2  werden  kann,  es  sei  denn  unter  Gegenwärtigen.'^     *  ^Jedermann,  der  seine 


1)  Imperiale  rescriptum.  2)  Interlocutio. 

3)  Weil  Negotiorum  merita  durch  Assertio  partium  dargelegt  werden. 

4)  Auf   dieses   Gesetz  (C.  4,  20,  2)   scheint  der   Schlusssatz   von  C.  9,  7,  2  J   Bezug  zu 
nehmen,   wo   bemerkt  ist,   dass  der  bezügliche  Gesetzestext  darum  unerörtert  geblieben  sei 


a)  P.  2,  14,  5.  Si  quis  pignora  debitoris 
citra  auctoritatem  iudicantis  abduxerit,  vio- 
lentiae  crimen  admittit. 

aa)  P.  5,  28,  4.  Creditor  chirographarius, 
si  sine  iussu  praesidis  per  vim  debitoris  sui 
pignora,  quum  non  habuerit  obligata,  ceperit, 
in  legem  luliam  de  vi  privata  committit  .  . 

b)  C.  4,  20,  6  pr.  Nee  imperiale  rescriptum, 
quod  supplicatio  litigatoris  obtinuit,  nee  inter- 
locutio cognitoris  interpellare  possessionis 
statum  eo,  qui  rem  tenet,  absente  permittitur, 
quia  negotiorum  merita  partium  assertione 
panduntur . 

C.  4,  20,  2.  Quisquis  neque  vulgato  rescripto 
neque  adversario  solenniter  intimato  posses- 


Nec  per  principis  praeceptionem,  si  a  liti- 
gatore  fuerit  obtenta,  nee  per  responsum 
iudicis,  si  fuerit  interpellatus,  absente  domino 
possessio  ullius  auferatur,  quia  prius  conveniri 
debet  ille,  qui  possidet,  et  nisi  inter  praesentes 
iudicium  dari  non  potest,  nee  negotium 
terminari  . 

Quicunque  causam  suam  non  ita  agere  volu- 
erit,   ut  adversarium  suum  publice  patefacta 


Selbsthilfe  §  4.  13 

Sache  nicht  derart  wird  haben  betreiben  wollen,  dass  er  seinen  Gegner  mit 
öffentlich  knndgegebener  Actio  belangt,  und  die  Herrschaft  des  Besitzers  in 
jener  Weise  gestört  haben  wird,-"^  soll  derart  seines  Handels  verlustig  gehen, 
dass  er  diese  Sache  niemals  wiederaufzunehmen  vermag,  er,  der  eher  den 
Gegenstand  wegnehmen  als  von  dem  Judex  erbitten  wollte,  dass  er  gehört 
werden  müsste.  In  gleichen  soll  auch  derjenige  der  ganzen  Sache  verlustig 
gehen,  welcher,  mit  Unterdrückung  '^einer  Anordnung  des  Judex,^  unter  dem 
Vorgeben  ein  Erkenntnis  zu  haben,  fremden  Besitz  durch  seine  Anmassung 
okkupiert  haben  wird.*  Jemand,  der  sich  angemasst  hat,  in  dasjenige  ein-  c.  4, 20, 3 
zudringen,  was  er  im  Wege  des  Kechts  bei  dem  Judex  nicht  erzielen  konnte, 
soll  nach  stattgehabter  Schätzung  %ine  andere  Sache  der  Art  '"^  dem  Eigen- 
tümer zurückerstatten,  wie  er  befunden  wird,  vor  dem  Urteil  okkupiert  zu 
haben. 

aa)  AVir  haben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  Manche  in  eine  Sache  miseres  c.  4, 20, 3 
Fiskus*  gewaltthätig  eingedrungen  sind:  wir  verordnen  dann  durch  ein 


weil  er  sich  in  einem  jüngeren  Gesetze  des  vierten  Buches,  unter  dem  Titel  Unde  vi,  dar- 
gelegt finde  (De  reliquo  haec  lex  praetermittenda  est,  quia  in  quarto  libro  sub  titulo  Unde  vi, 
quae  tarnen  temporibus  posterior  inventa  est,  habetur  exposita).  C.  9,  7,  2  T  sagt  vielmehr, 
dass  bei  Gewaltübung  der  Entsetzte  zunächst  zu  restituieren  sei,  die  Art  der  Bestrafung 
aber  von  der  Entscheiduncr  im  Eigentumsstreite  abhänge,  indem  ihn,  wenn  er  dabei  den 
Kürzeren  ziehe,  Deportation  auf  eine  Insel  und  Vermögensverlust,  bei  Entscheidung  zu 
seinen  Gunsten  Konfiskation  der  Hälfte  des  Streitobjekts  trefte  (Quod  si  omissa  inter- 
pellatione  vim  possidenti  intulerit,  ante  omnia  violentiae  causam  examinari  praecipimus, 
et  in  ea  requiri,  quis  ad  quem  venerit  possidentem,  ut  ei,  quem  constiterit  expulsum,  amissae 
possessionis  iura  reparentur,  eademque  protinus  restituta  violentus,  poenae  non  immerito 
destinatus,  in  totius  litis  terminum  differatur,  ut,  agitato  negotio  principali,  si  contra  eum 
fuerit  iudicatum,  in  insulam  deportetur,  bonis  omnibus  abrogatis.  Qaod  si  pro  eo,  quem 
claruerit  esse  violentum,  sententia  proferetur,  omnium  rerum,  de  quibus  litigatum  est,  media 
pars  penes  eum  resideat,  cetera  fisci  viribus  vindicentur). 

1)  Ein  Jeder,    der  weder  Vulgato    rescripto   noch  Adversario  solenniter  intimato  den 
ruhigen  Besitzer  durch  einen  Schrecken  dieser  Art  gestört  haben  wird. 

2)  Eines  Interlokuts  des  Judex.  3)  Den  Schätzungswert  der  Sache. 
4)  In  eine  Res  privata  nostra,  die  durch  Konfiskation  erworben  war. 

Sorem  quietum  dominio  suo  huiusmodi  terrore  |  actione   conveniat,    et  dominium   possessoris 

turbaverit,   ea   in  perpetuum   lite   mulctetur,  |  illa    ratione    conturbaverit,  ita  negotio   ipso 

quam  praeoccupaveritviolentia,quumprecibus  careat,  ut  eam  causam  nunquam  valeat  repar- 

poposcisset  audiri.  Quae  non  minus  etiam  eum  ,  are,  qui  prius  rem  voluit  auferre,  quam  sperare 

tenebit  conditio,   qui,    iudicis   interlocutione  j  a    iudice,    ut    deberet    audiri.      Similiter    et 

suppressa,     sub  specie   iudicati    ins    alienum  |  ille  omni  causa  privetur,  qui  iudicis  ordinatione 

improba   temeritate    pervasit,    ita  ut  neuter  suppressa,  iudicium  se  habere  dicens,  alienam 


reparationem  interfecti  hoc  pacto  semel  nego- 
tii audeat  postulare  .  . 

C.  4,  20,  3.  .  .  Uli  (vero),  quos  in  tantum 
furorem  provexit  audacia,  ut,  quod  iurgaturi 
apud   examinis   fidem    sperare    non    possent,    j    obtinere,    habita     aestimatione,    talem    rem 


possessionem  sua  praesumtione   pervaserit 

Ille  (vero),  qui  hoc  praesumsit  invadere, 
quod  per  iustitiam  apud  iudicem  non  poterat 


ante  eventum  iudicialis  arbitrii  illicita  prae- 

sutiitione  temerarent,  aestimationem  rei,   de 

qua  litigari  convenerat,  cogantur  exsolvere  .  . 

aa)  C.  4,  20,  3.  Plerosque  detectum  est  rem 


aliam   illi   domino  restituat,  qualem  noscitur 
ante  iudicium  pervasisse. 

Cognovimus,     rem    fisci    nostri    violenter 


14 


Privatrecbt.     Erstes  Buch. 


C.  2,  29,  2 
pr.  2  u.  3 


unzweideutiges  Gesetz,  dass,  wenn  Jemand  entweder  eine  fiskale  oder 
eine  private  Sache  vor  dem  seitens  des  Iudex  vorgebrachten  Urteil 
okkupiert  und  den  Ausgang  des  Prozesses  nicht  abwarten  gewollt 
haben  wird,  er,  der  verschmäht  hat,  das  Urteil  abzuwarten,  den  Handel 
verlieren  solle.^ 
bb)  Wenn,  Avährend  Jemand  seine  Geschicke  zu  fördern  den  Wunsch  hat,  es 
gefallen  haben  wird,  städtische  oder  ländliche  Plätze  zu  geben,  soll  eine 
Urkunde  folgen;  wenn  Jemand  ^ohne  eine  solche  Urkunde^  den  Besitz 
eines  Andern  okkupieren  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  soll  er,  unter 
Verdammung  jeder  Rückforderung  von  seiner  Seite,  Alles,  worin  er 
eingedrungen  sein  wird,  zurückgeben. 


IL    Ordentliche  Rechtsschutzmittel. 

A)  Untergang  der  Klagen,  insbesondere  Ter  jährung  §  5. 

1)  Untergang  der  Klagen. 
C-  1'  2, 7        a)  Wenn  Jemand  dem  Princeps  wegen  seines  Handels  Preces  überreicht  haben 
wird,  wird  es  angesehen,  als  habe  er  Lis  kontestiert.    Wird  derjenige,  welcher 


1)  Zum  Schluss  heisst  es  bei  T:  Illucl  antem  ab  officio  magnificentiae  tuao  cavendum 
esse  decernimus,  ut  sacratissima  domus  nostra  exspectare  litem,  non  inferre  cogatur,  neque 
expetat,  sed  patiatur  examen.     Die  roagnificentia  ist  der  Comes  rerum  privatarum. 

2)  Dum  solo  commonitorio  de  suffragio  nititur. 


privatam  nostram,  quam  publicatio  celebrata 
quaesiverat,  invasisse:  quam  nos  a  retenta- 
toribus  ereptam  sociari  iubemus  aerario, 
punientes  contumacius,  quam  decus  publi- 
cum sinebat,  erectos,  ut,  qui  litem  inferre 
potuissent,  nollent  exspectare  iudicium  ac 
spernerent  victoriam,  quam  iustitiae  prae- 
scripsisset  eventus,  et  amplecterentur,  quod 
dedisset  audacia.  Cadat  igitur  lite,  quisquis 
operiri  noluerit  litis  eventum,  et  quod  reci- 
pere  lege  potuisset,  contemtor  examinis  vio- 
lentus  amittat  .  .  Quod  quidem  etiam  in  pri- 
vatis  observandum  negotiis  generali  lege 
sancimus  .  , 

bb)  C.  2,  29,  2,  pr.  2  u.  3.  Si  qui  desideria 
sua  explicare  cupientes  ferri  sibi  a  quoquam 
suffragium  postularint,  .  .  si  praedia  rustica 
vel  urbana  placitum  continebit,  scriptura 
.  .  emittatur  .  .  Quod  si  quis,  dum  solo  com- 
monitorio de  suffragio  nititur,  bona  duxerit 
occupanda,  .  .  in  statum  pristinum  possessio 
reducetur,  eo  a  petitione  reducetur,  eo  a  pe- 
titione  excluso,  qui  non  dubitavit  invadere, 
quod  petere  debuisset. 

1)  a)  C.  1,  2,  7.    Dubium  non  est,  contestati- 


aliquos  invasisse,  sed  nos  evidenti  lege 
praecipimus,  ut,  si  quis  aut  fiscalem  rem  aut 
privatam  ante  sententiam  a  iudice  prolatam 
invaserit  et  noluerit  exspectare  litis  eventum, 
perdat  negotium,  qui  contemsit,  exspectare 
iudicium  .  . 


Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  .  .  si  loca  urbana  vel  rustica  dare 
placuerit,  scriptura  sequatur  .  .  (Sane)  si  quis 
sine  tali  scriptura  possessionem  alterius  credid  e- 
rit  occupandam,  .  .  integrum,  quod  invaserit, 
reddat,  omni  sua  repetitione  damnata. 


Si  quis   principi   de    negotio   suo    preces 


Untergang  der  Klagen,  insbesondere  Verjährung  §  5. 


15 


b) 


die  Preces  überreicht  haben  wird,  bez.  gegen  den  dieser  sie  überreicht  hat, 
gestorben  gewesen  sein,  so  soll  die  Actio  sowohl  den  Erben  des  Verstor- 
benen, als  auch  gegen  die  Erben  des  Verklagten  unberührt  erhalten  bleiben : 
^denn  sobald  eine  Sache  durch  Actio  kontestiert  worden  ist,  steht  sie,  die 
dem  Verstorbenen  zugestanden  hat,  auch  dem  Erben  zu.  Wird  jedoch  der 
Erblasser  in  irgendwelcher  Weise  seine  Eückforderung  in  Person  nicht 
kundgegeben  haben,  so  wird  sein  Erbe,  mit  Bezug  worauf  der  Erblasser 
die  Actio  nicht  proponiert  hat,  gehindert  zu  klagen.^ 

aa)  Zu  den  Aktionen,  die  Perpetuae  gewesen  und  auf  einen  Zeitraum  von  n.v.  12,1 
dreissig  Jahren  zurückgebracht  worden  sind,  gehört  die  Hereditatis 
petitio,  vorausgesetzt  indessen,  dass  sie  von  dem  Erblasser,  welchem 
sie  zustand,  begonnen  gewesen  sein  wird:  wenn  der  Erblasser  mit  P- 1,  ib. '•' 
Bezug  auf2  das  Beanspruchen  einer  ihm  geschuldeten  Erbschaft^  derart 
Stillschweigen  in  Acht  genommen  hat,  dass  er  keine  Actio  propo- 
nierte,  wird  sein  Erbe  von'^  dem  Beanspruchen  dieser  Erbschaft- 
ausgeschlossen. 

^In    kriminellen    Sachen     soll,     für    den    Fall,    dass     Jemand,     bevor    er    h.  2,  1 
stirbt,  wegen  des  Verbrecherischen  seiner  That  nicht  belangt  und  überführt 


1)  Wie  aus  zahllosen  Sachen  auch  diese  Actio,  die  dem  Erblasser  zugestanden  zu 
haben  erwiesen  wird,  auf  den  Erben  übertragen  wird,  so  kann  umgekehrt  eine  Actio,  die 
dem  Erblasser  nicht  zugestanden  haben  wird,  von  dem  Erben  her  nicht  ihren  Anfang  nehmen. 

2)  Petitio  hereditatis. 


onem  intelligi  etiam,  si  nostrae  fuerint  tran- 
quillitati  preces  oblatae,  easque  adversus 
heredem  quoque  eius,  in  quem  porrectae 
sunt,  vel  ab  berede  eius,  qui  meruerit,  exer- 
ceri.  Nam  sicut  ex  causis  numerosis  etiam 
haec  actio  transmittitur  ad  heredem,  quae 
testatori  competiisse  monstratur,  sie  et  e  di- 
verso  definitione  iuris  consultorum  omnium 
consona  responsione  firmatur,  ab  berede  ac- 
tionem  non  incipere,  quae  non  competierit 
testatori. 

aa) 


P.  1,  13,  9.  Petitio  hereditatis,  cuius  de- 
functus  litem  non  erat  contestatus,ad  heredem 
non  transmittitur. 

b)  H.  2,  1.  Licet  ante  litem  contestatam 
defuncio  eo,  qui  ex  proprio  delicto  conveniri 
potuit,  successores  non  possint  poenali  actione 
ccnveniri,  tamen  hos  etiam  in  tantum,  quan- 
tum  ad  eos  pervenit,  teneri,  ne  scelere  diten- 
tur  alieno,  certissimi  iuris  est  .  . 


obtulerit,  litem  contestatus  esse  cognoscitur. 
Et  si  defunctus  fuerit  is,  qui  preces  obtulerit, 
vel  is,  contra  quem  obtulit,  actio  et  heredibus 
defuncti  et  contra  heredes  pulsati  salva 
permaneat:  quia  causa  actione  contestata,  ea, 
quae  competebat  defuncto,  competit  et  heredi. 
Si  vcro  auctor  quolibet  ordine  repetitionem 
suara  praesens  non  publicaverit,  heres  eius, 
unde  auctor  actionem  non  proposuit,  agere 
prohibetur. 

N.  V.  12,  1.  .  .  Quae  (vero)  actiones  perpe- 
tuae fuerunt,  et  ad  tricennium  revocatae 
sunt,  .  .  id  est,  hereditatis  petitio,  si  tamen 
ab  auctore,  cui  competebat,  fuerit  inchoata  .  . 

Si  auctor  de  petitione  hereditatis  sibi 
debitae  ita  silentium  gessit,  ut  nullara  pro- 
poneret  actionem,  heres  eius  ab  hereditatis 
ipsius  petitione  repellitur. 

(Haec  lex  praecipit  ut)  in  criminalibus 
causis,  si  quis,  antequam  moriatur,  non  fuerit 
de  facti  sui  scelere  conventus  atque  convictus, 
si  post  eius  obitum,  quod  ab  eo  cum  poena 
reddendumerat,  apud  successores  eius  fortasse 
repertum    fuerit,    hoc    tantum   ab   heredibus 


16 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


gewesen  sein  wird,  wenn  nach  seinem  Tode  dasjenige,  was  von  ihm  mit 
einer  Strafe  zurückgegeben  werden  musste,  bei  seinen  Nachfolgern  gefunden 
gewesen  sein  wird,  nur  das  von  den  Erben  zu  erstatten  sein,  was  nachweis- 
Hch  an  sie  gelangt  ist.  Hingegen  werden  in  solcher  Sache  die  Erben 
weder    auf  Strafe    noch    auf  irgendwelche    sonstige  Genugthumig    verhaftet 


seui. 


C.  4,  12,  1 
pr. 


N.V.12,1,12 


2)  Verjährung. 

a)  Wie  die  besonderen  Actiones  In  rem,  so  sollen  die  Ad  universitatem  und 
die  persönlichen  über  einen  Zeitraum  von  dreissig  Jahren  durchaus  nicht 
erstreckt  werden.  Vielmehr  wird,  wenn  eine  Sache  oder  irgend  ein  Recht 
beansprucht,  bez.  eine  Person  mit  einer  behebigen  Actio  oder  Persecutio 
verklagt  wird,  um  nichts  weniger  der  Kläger  die  Verjährung  von  dreissig 
Jahren  zu  fürchten  haben,  während  dasselbe  auch  bei  der  Person  desjenigen 
gilt,  der  ein  Faustpfand  oder  eine  Hypothek  nicht  von  seinem  Schuldner, 
sondern  von  einem  andern  Besitzer  zu  vindizieren  verlangt.^  Das  Gesetz  von 
der  Verjährung   innerhalb    eines  Zeitraumes   von   dreissig  Jahren   wird   bei 


1)  T  führt  aus,  dass  bei  dem  Tode  des  Thäters  vor  der  Litiskontestation  dessen  Erben 
nicht  mit  Poenalis  actio  belangt  vs^erden,  es  sei  denn  auf  den  Betrag  der  Bereicherung. 
Zum  Schluss  ist  noch  folgendes  beigefügt:  Auditis  itaque  partium  allegationibus,  V.  C.  pro- 
consul  provinciae  Africae,  amicus  noster,  in  pronuntiando  formam  iuris  sequetur. 

2)  Hierzu  hat  T  noch  die  folgende  Übergangsbestimmung  (§  5):  Verum  ne  qua  otioso 
nimis  ac  desidi  querimonia  relinquatur,  ei,  qui  se  fiducia  perpetuitatis  actionem  non  mo- 
visse  commemorat,  decem  post  hanc  legem  annorum  spatia  continua  superioribus  addi  prae- 
cipimus,  ut,  si  quidem  ante  sanctionem  hac  lege  praefinitos  annos  decurrisse  patuerit, 
praeter  ea  tempora,  quae  manarunt,  decem  actori  annorum  spatia  prorogentur,  ita  ut  tem- 
pus  illi  hoc  continuum  ex  legis  tempore  numeretur.  Quod  si  decem  illi  anni  superesse  vide- 
buntur  aut  amplius,  ulterius  eum  nihil  desiderare  conveniet,  sed  proprio  lapsu  temporis 
decurrente  ad  triginta  usque  consummationem  debere  suo  spatio  esse  contentum;   si  annos 


2)  a)  C.  4,  12,  1  pr.  Sicut  in  rem  speciales, 
ita  ad  universitatem  ac  personales  actiones 
ultra  triginta  annorum  spatium  minime  pro- 
tendantur.  Sed  si  qua  res  vel  ius  aliquod 
postuletur,  vel  persona  qualicunque  actione 
vel  persecutione  pulsetur,  nihilominus  erit 
agenti  triginta  annorum  praescriptio  metu- 
enda:  eodem  etiam  in  eins  valente  persona, 
qui  pignus  vel  hypothecam  non  a  suo  debi- 
tore,  sed  ab  alio  possidente  nititur  vindicare  .  . 

N.  V.  12,  1,  12.  Tricennali  temporum  de- 
finitione  concludi  ea  praecipimus,  quae  per- 
petuis  aut  infinitis  saeculis  servabantur  .  . 


reddendum,    quod    ad  eos    cognoscitur    per- 
venisse.     Ceterum  in  tali  re  heredes  nee  ad 
poenam  nee  ad  aliam   quameunque   satisfac 
tionem  tenentur  obnoxii. 


(Lex  .  .)  Tricennalem  (vero)  legem  in 
Omnibus  negotiis(itaiubet  evidentius)custodiri, 
ut  omnia  tempora,  quae  in  infinitum  negotia 
extendebant,  quia  diversi  in  quadraginta 
annos,  diversi  iurisconsultores  de  aliquibus 
rebus  perpetuam  feeerant  actionem  .  . 


Untergang  der  Klagen,  insbesondere  Verjährung  §  5. 


17 


allen    Geschäften  in    Acht  genommen,  bez.  für  sämtliche  Fristen/  die   die 
Geschäfte    ins  Unbegrenzte    erstreckten,    indem    verschiedene   vierzig    Jahre 
gesetzt,  verschiedene  Jurisconsnltoren  wegen  mancher  Sachen  eine  Perpetua 
actio  gemacht  hatten.^    Die  Aktionen,  welche  Perpctuae  gewesen  und  auf  einen   n.v.  12,1 
Zeitraum  von  dreissig  Jahren  eingeschränkt  worden   sind,   sollen   beigefügt 
werden:  nämlich  die  Hereditatis  petitio,  falls  sie  nur  von  dem  Erblasser,  dem 
sie    zustand,    begonnen    gewesen  sein  wird,  Finalis^   actio,  Homicidii,    Furtij 
Tutelae  gestae,  wegen  Fugitivi,  wegen  Rückrufung  von  Kurialen  oder  Collegiati, 
Emti  venditi,  Locati  et  conducti,  Negotiorum  gestorum,  Mandati,  Pro  socio. 
^Es  giebt  ein  Gesetz,^  welches  vorschreibt,  dass  nach  dreissig  Jahren 
durchaus  keine  Prozesse   angestrengt  werden,  die  in  der  Zwischenzeit 
nicht  erhoben  gewesen  waren.    Wir  geben  wegen  der  üblen  Interpreta- 
tionen Einiger,   welchen  das  genannte  Gesetz  nicht  genügt,  eine  Vor- 
schrift: indem  es  sagt    , Alles',  lässt  es  durchaus  keinen  Zündstoff  für 
irgend  einen  Prozess  oder  Rechtsstreit  zurück.^ 


N.v. 
8,1,3 


quidem  restare  non  dubium  est,  sed  infra  decem  eorum  intervalla  concludi,  nihilominus 
etiam  sie  eum  spatium  tantum  oportebit  accipere.  ut  decem  integer  numerus  compleatur; 
postquam  hac  definitione  nulli  movendi  ulterius  facultatem  patere  censuimus,  etiamsi  se  legis 
ignorantia  excusare  tentaverit. 

1)  Für  die  Perpetua  aut  infinita  saecula  gelten. 

2)  J  Leg.  liest  Poenalis.  C.  4,  12,  1  pr,  T  nimmt  vielmehr  die  Actio  finium  regundorum 
von  der  dreissigjährigen  Verjährung  aus  (.  .  erit  agenti  triginta  annorum  praescriptio  me- 
tuenda  .  .  Nam  petitio  finium  regundorum  in  eo  scilicet,  quo  nunc  est,  iure  durabit).  Insbe- 
sondere hierauf  geht  wohl,  wenn  J  dieses  Gesetz  (C.  4,  12,  1),  mit  Ausnahme  einiger  Be- 
stimmungen, für  abrogiert  erklärt  (Haec  lex,  licet  in  reliquis  rebus  fuerit  abrogata  .  .). 

3)  J  begleitet  das  Gesetz,  welchem  der  Text  entlehnt  ist,  mit  der  Bemerkung,  dass 
eine  Interpretation  unterblieben  sei,  weil  ein  folgendes  Gesetz  Sub  titulo  de  episcopali 
iudicio  et  diversis  negotiis  (N.  V.  12,  1)  auch  von  dem  Tvicennium  spreche  und  Alles,  was 
hier  nicht  eingeschlossen  sei,  deutlich  ausgedrückt  enthalte  (Tota  lex  ideo  interpretata  non 
est,  quia  sequens  sub  titulo  de  episcopali  iudicio  et  diversis  negotiis  et  de  tricennio  loquitur, 
et  omnia,  quae  hie  comprehensa  non  sunt,  evidenter  habet  expressa). 

4)  Das  Gesetz  (C.  4,  12,  1)  wird  als  Lex  domini  patris  clementiae  meae,  Theodosii 
perennis  Augusti,  bezeichnet. 


N.V.  12,1. 


N.  V.  8,  1,  3.  (Ad  quam  benevolentiam 
praecipue  nos  hortata)  est  lex  .  .  constituens, 
post  triginta  annos  nulla  penitus  iurgia,  quae 
medio  tempore  mota  non  fuerant,  excitari  .  . 
Praecipimus  igitur  propter  quorundam  pra- 
vas  interpretationes,  quibus  sanctio  memorata 
non  sufficit  .  .    Dicendo  enim,  omnia,  nullum 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


.  .  Quae  (vero)  actiones  perpetuae  fuerunt, 
et  ad  tricennium  revocatae  sunt,  placuit 
annecti,  id  est,  hereditatis  petitio,  si  tarnen 
ab  auctore,  cui  competehat,  fuerit  inchoata, 
finalis  actio,  homicidii,  furti,  tutelae  gestae, 
de  fugitivis,  de  curialibus  vel  de  collegiatis 
revocandis,  emti,  venditi,  locati  et  conducti, 
negotiorum  gestorum,  mandati,  pro  socio. 


18 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


C.  4,12,1,3 


N.V. 
12,  1,  12 


N.V.  12,1, 
12u.  13 


b)  Wie  mit  Bezug  auf  das,  was  Perpetua  war,  geheissen  worden  ist, 
dass  es  auf  einen  Zeitraum  von  dreissig  Jahren  eingeschränkt  werde, 
so  sollen  alle  Sachen,  für  die  Fristen  innerhalb  eines  Zeitraumes  von 
dreissig  Jahren  festgesetzt  worden  sind,  nach  ihren  bezüghchen  Ver- 
hältnissen von  Ort  und  Zeit  in  Acht  genommen  werden:  das  heisst, 
dass  Alles  das^  was,  sei  es  bezüglich  eines  zwanzigjährigen  Zeitraums, 
sei  es  mit  Bezug  auf  einen  Zeitraum  von  zehn  Jahren,  oder  einen  fünf- 
jährigen Zeitraum,  oder  eine  Jahresfrist  und  dergleichen  festgesetzt  worden 
ist,  unter  keinen  Umständen  zu  einem  Zeitraum  von  dreissig  Jahren 
erweitert  werde. ^ 

Das  Gesetz  der  dreissig  Jahre,  wie  es  diejenigen  Fristen  auf 
dreissig  Jahre  einschränkt,  die  die  Prozesse  sich  weiter  hatten  erstrecken 
lassen,  verordnet,  dass  das  Sonstige,  was  innerhalb  dreissig  Jahren, 
jedes  an  seinem  Orte,  in  Acht  zu  nehmen  unzweideutig  geheissen 
worden  ist,  in  Allem  beobachtet  werde. 

c)  Alles ^  soll  bei  allen  Sachen  in  den  Lauf  der  dreissig  Jahre  eingeschlossen 
werden.     Ausser  dass  Men  Gefangenen  —  unter  Aufrechthaltung  des  Zeit- 


1)  T  sagt,  dass  diejenigen  Aktionen,  welche  Perpetuae  erachtet  wurden,  nach  dreissig 
Anni  continui  erlöschen  sollen,  nicht  diejenigen,  die  von  Alters  durch  Fixa  tempora  be- 
grenzt wurden. 

2)  Was  Perpetuis  aut  infinitis  saeculis  galt. 


penitus  cuiuslibet  litis  aut   causationis  fomi- 
tem  derelinquit. 

b)  C.  4,12,1,3.  Hae(autem)actiones  annis 
triginta  continuis  exstinguantur,  quae  per- 
petuae videbantur,  non  illae,  quae  antiquitus 
fixis  temporibus  limitantur. 


N.  V.  12,  1,  12.  Tricennali  temporum  de- 
finitione  concludi  ea  praecipimus,  quae  per- 
petuis aut  infinitis  saeculis  servabantur  .  . 
Ceterum  alia  intra  expressa  metarum  suarum 
censemus  spatia  contineri. 

c)  N.V.  12,  1,  12  u.  13.  Tricennali  tem- 
porum definitione  concludi  ea  praecipimus, 
quae  perpetuis  aut  infinitis  saeculis  serva- 
bantur, exceptis  Afrorum  negotiis,  qui  se 
probaverint  necessitatem  Vandalicam  pertu- 
lisse:  ut  de  eorum  causis  illa  tempora  prae- 
fixo  tricennio  subtrahantur,  quae  claruerit 
sub  hostilitate  consumta  .  .  excepto  privi- 
legio  pupillaris  aetatis  .  . 


.  .  ut,  sicut  illa,  quae  perpetua  erant,  ad 
tricennium  iussa  sunt  revoctiri,  ita  omnes 
causae,  quibus  infra  tricennium  tempora 
constituta  sunt,  suis  quibusque  locis  et  tem- 
poribus observentur,  hoc  est,  ut,  quaecunque 
seu  de  vicennio  seu  de  decennio  seu  de  quin- 
quennio  seu  de  anni  spatio  posita  sunt  et 
his  similia,  nullatenus  ad  tricennium  perdu- 
cantur. 

(Quae  tamen)  lex  tricennalis,  sicut  illa 
tempora  ad  triginta  annos  revocat,  quae 
amplius  lites  fecerant  propagari,  ita  reliqua, 
quae  intra  triginta  annos  suis  quibusque  locis 
evidenter  iussa  sunt  observari,  in  omnibus 
(praecipit)  custodiri. 

.  .  ut  omnia  de  omnibus  causis  intra 
triginta  annorum  curricula  concludantur, 
praeter  .  .  ut  illi  anni  salvo  tricennio  captivis 
imputari  non  debeant,  in  quibus  hostium 
dominatione  detenti  sunt  .  .  (excepta  pupillari 
causa,  quibus)  pro  aetatis  fragilitate  .  .constat 
esse  consultum  :  ut  ea  tempora  in  tricennio 
non  imputentur,  in  quibus  minores  sub  tutorum 
iubentur  potestate  consistere. 


Untorgang  der  Klagen,  insbesondere  Verjährung  §  5. 


19 


raumes  von  dreissig  Jahren,  —  diejenigen  Jahre  nicht  eingerechnet  werden 
dürfen,  in  welchen  sie  durch  die  Gewalt  der  Feinde  festgehalten  worden 
sind.^  2  j^erner  steht  fest,  dass  um  der  Gebrechlichkeit  des  Alters  willen  Sorge 
getragen  ist,^  dass  diejenigeu  Fristen  in  den  Zeitraum  von  dreissig  Jahren 
nicht  eingerechnet  werden,  in  welchen  Minderjährige,  unter  der  Macht  von 
Tutoren  zu  stehen,  geheissen  werden. 

^Der  Zeitraum  von  dreissig  Jahren  soll  den  Pupillen,  solange  c. 4,12,1,2 
sie  sich  unter  Tutoren  befinden,  nicht  angerechnet  werden;  jedoch 
soll,  sobald  sie  in  die  Jahre  gelangt  sein  werden,  in  welchen  sie 
Kuratoren  hätten  haben  können,  von  diesem  Augenblick  in  den 
Geschäften  derselben  eine  dreissigi ährige  Actio,  wie  bei  allen  Personen, 
gerechnet  werden.*'  ^ 

d)  ^Auch  wenn  der  Prozess  innerhalb  des  Zeitraumes  von  dreissig  Jahren  be- 
gonnen und  nicht  beendet  gewesen  sein  wird,  soll  er,  als  wird  er  nicht  be- 


N.V. 
12,1,13 


1)  T  spricht  von  den  Negotia  der  Afri,  die  erwiesen  haben  werden,  den  vandahschen 
Notstand  erduldet  zu  haben. 

2)  J  spricht  von  Pupillaris  causa,  mit  Bezug  worauf  für  die  bezüglichen  Personen 
nach  der  Lex  divi  Theodosii  Sorge  getragen  sei  (pupillari  causa,  quibus  pro  aetatis  fragili- 
tate,  sicut  lex  divi  Theodosii  continet,  constat  esse  consultum),  T  von  dem  Privileg  der 
Pupillaris  aetas,  das  durch  das  Gesetz  des  Theodosius  gewährt  worden  sei  (privilegio  pu- 
pillaris aetatis,  quod  divae  raemoriae  patris  nostri  Theodosii  lege  concessum  est):  es  handelt 
sich  um  C.  4,  12,  1. 

3)  J  schickt  voraus,  dass  das  Gesetz,  wenn  es  auch  in  übriger  Hinsicht  abrogiert 
gewesen,  um  der  fraglichen  Bestimmung  willen  aufgenommen  sei  (Haec  lex,  licet  in 
reliquis  rebus  fuerit  abrogata,  propter  hoc  tarnen,  ut  poneretur,  oportuit  .  .).  T  fügt  hinzu, 
dass  Gebrechlichkeit  des  Geschlechts,  Abwesenheit  und  Militia  in  den  Lauf  der  Verjährung 
eingerechnet  werden. 

4)  J  setzt  noch  hinzu,  dass  die  Novella  Valentiniani  unter  anderm  den  Satz,  obschon 
weniger  deutlich,  enthalte,  und  fügt  Wortlaut  von  N.  V.  12,  1,  13  T  ein  (sicut  et  Novella 
A'alentiniani  testatur,  quae  videtur  haec  obscurius  inter  cetera  posuisse,  quae  tarnen  ita 
dicit :  ,,excepto  privilegio  pupillaris  aetatis,  quod  divae  memoriae  patris  nostri  Theodosii 
lege  concessum  est,  intra  eadem  tempora  terminetur"). 

5)  T  giebt  noch  die  folgende  Übergangsbestimmung  (§4):  Annorum  autem  curricula 
ita  numerari  conveniet,  ut  et  illa  in  demensionem  tempora  reducantur,  quae  ante  nostrae 
mansuetudinis  sanctionem  iugfi  taciturnitate  fluxerunt. 


C.  4,  12,  1,  2.  Non  sexus  fragilitate,  non 
absentia,  non  militia  contra  hanc  legem  de- 
fendenda,  sed  pupillari  aetate  duntaxat, 
quam  diu  sub  tutoris  defensione  consistit,  huic 
eximenda  sanctioni.  Nam  quum  ad  eos  annos 
pervenerit,  qui  ad  sollicitudinem  pertinent 
curatoris,  necessario  ei,  similiter  ut  aliis, 
annorum  triginta  intervalla  servanda  sunt. 

d)  N.  V.  12,  1,  13.  Sane  sicut  non  coep- 
tam  intra  tricennium  quamlibet  causam 
vetuimus  inchoari,  ita  quae  contestatae  litis 
sumsit  exordium,  excepto  privilegio  pupillaris 
aetatis,  quod  divae  memoriae  patris  nostri 
Theodosii  lege   concessum   est,    intra    eadem 


(Haec  lex  .  .)  de  tricennio  (loquitur)  quod 
pupillis,  quam  diu  sub  tutoribus  agunt,  non 
debeat  imputari,  sed,  ubi  ad  eos  annos  perve- 
nerint,  quibus  curatores  habere  possent,  .  .  ex 
eo  in  causis  eorum  tricennalis  actio,  quem- 
admodum  omnibus,  supputetur. 


Lex  .  .  etiamsi  lis  intra  tricennium  inchoata 
fuerit  et  non  definita,  quasi  nee  coepta  fuerit, 
habeatur  exstincta :  excepta  pupillari  causa  .  . 
A  quibus  tarnen,  si  post  vicesirnum  quintum 
annum,  ex  eo,  quo  competere  actio  coeperat, 
lis  fuerit  contestata,  quinque  tantum  annos 

2* 


20 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


gönnen  gewesen  sein,  für  erloschen  gelten.  Abgesehen  von  der  Pupillaris 
cansa:  wenn  nämhch  nach  dem  25.  Jahre,  seitdem  die  Actio  begonnen 
hatte,  zuständig  zu  sein,  Lis  kontestiert  gewesen  sein  wird,  sind  ledighch 
fünf  Jahre  über  den  Zeitraum  von  dreissig  Jahren  den  Pupillen  hinzu- 
zufügen. Derart,  dass  nach  Vollendung  von  35  Jahren,  wie  die  Sachen 
der  Übrigen  innerhalb  dreissig  Jahren,  so  auch  die  ihrigen  innerhalb  Fristen 
von  35  Jahren  beschlossen  werden.  Die  Sachen  oder  Prozesse  der  Pupillen 
hingegen,  die,  bevor  sie  zum  25.  Jahre  gelangen,  nachweislich  kontestiert 
gewesen  sein  werden,  sollen  unter  allen  Umständen  innerhalb  eines  Zeit- 
raums von  dreissig  Jahren  ohne  den  Zuschlag  eines  Zeitramnes  von  fünf 
Jalu'en  hinfälKg  werden.^ 


B)  Einwirkung  der  Prozessliandlungen  auf  das  geltend  gemachte  Keelit  §  6. 

1)  Prozessbeginn, 
c.  4, 5, 1  pr.      a)  Eine  Sache,  die  mittels  proponierter  Actio  zurückverlangt  wird,  kann  durch 
keine  Kontrakte   von    dem  Besitzer    auf   einen  Andern   übertragen  werden, 


1)  T  ist  ia  dem  Sinne  zu  verstehen,  dass  mit  der  Klageerhebung  eine  neue  Ver- 
jährung, der  Litispendenz,  von  dreissig  Jahren,  beginne.  Der  Fall  des  Zuschlags  von  fünf 
Jahren  handelt  dann  davon,  dass  im  allgemeinen  bei  Klageerhebung  25  Jahre  nach  der 
Nativität  der  Actio  die  Verjährungsfrist  der  Litispendenz  fünf  Jahre  beträgt.  Dagegen  soll 
für  die  Dauer  der  Unmündigkeit,  wie  die  Verjährung  überhaupt,  so  auch  diejenige  der 
Litispendenz  ausgeschlossen  sein.  Die  Anschauung,  dass  mit  der  Klageerhebung  die  neue 
Verjährung  der  Litispendenz  beginnt,  begegnet  bereits  C.  4,  12,  1,  1  T.  (Quae  [ergo]  ante 
non  motae  sunt  actiones,  triginta  annorum  iugi  silentio,  ex  quo  competere  iure 
coeperunt,  vivendi  ulterius  non  habeant  facultatem  .  .  In  eandeni  rationem  illis  procul 
dubio  recasuris,  quae  post  litem  contestatam,  in  iudicium  actione  deducta  habitoque 
inter    partes    de   negotio  principali   conflictu,    triginta    denuo    annorum   devoluto    curriculo. 


tempora  terminetur,  nisi  forte  post  vicesimum 
quin  tum  annum,  ex  quo  competere  actio 
coeperat,  contestata  lis  fuerit.  Cui  si  is 
casus  eveniat,  emenso  hoc  tricennio,  quod 
statutum  est,  aliud  quinquennium  prorogamus, 
intra  quod  debent  negotia  universa  consumi, 
ne  a  malitiosis  ingeniis,  calumniando  legem 
priorem  contestatis  litibus,  aliud  tricennium 
vindicetur.  Abunde  enim  sufficit  quinquennii 
adiectio,  qua  evoluta,  nulli  penitus  actioni 
copia  tribuetur.  Quae  autem  intra  vicesimum 
quintum  annum  contestata  lis  fuerit,  statuto 
tricennio  modis  omnibus  consumatur. 

1)  a)  C.  4,  5,  1  pr.  Lite  pendente  illud,  quod 
in  controversiam  devocatur,  in  coniunctam 
personam  vel  extraneamdonationibus  velemti- 
onibus  vel  quibuslibet  .aliis  contractibus 
minime  transferri  oportet,  tanquam  nihil 
factum  sit  lite  nihilominus  peragenda. 


supra  tricennium  pupillis  iubet  augeri.  Ita 
ut  completis  triginta  et  quinque  annis,  sicut 
reliquorum  causae  intra  triginta  annos,  ita  et 
eorum  intra  triginta  quinque  annorum  spatia 
concludantur.  Pupillorum  vero  causae  vel 
lites,  quae,  antequam  ad  vicesimum  quintum 
annum  perveniant,  contestatae  fuisse  proban- 
tur,  intra  tricennium  sine  adiectione  quin- 
quennii modis  Omnibus  consumantur. 


Res,  quae  proposita  actione  repetitur, 
transferri  a  possidente  ad  alterum  nullis 
contractibus  potest;  neque  inde  aliqua  fieri 
scriptura  permittitur,  nisi  prius  lis,  de  qua 
agitur,  fuerit  iudicio  definita. 


Einwirkung  der  Prozesshandlungen  auf  das  geltend  gemachte  Recht  §  6. 


21 


noch  wird  gestattet,  dass  darüber  irgendwelche  Urkunde  aufgenommen 
werde,  wenn  nicht  vorher  der  Prozess,  um  den  es  sich  handelt,  durch  Urteil 
entschieden  gewesen  sein  wird.^ 

aa)  Eine    Schenkung    ist    gegen     das    Gesetz,     wenn    Jemand    eine    im   es, 5,1 
Streite  befindliche  Sache,  die  zurückgefordert  wird,  schenkt. 

b)  Ein  Prozess   darf  nicht,   zum   Ruin    von   Privatpersonen,    dem    Eiskus   ge-   p.  5,14,3 
schenkt  werdeu,  bez.  von  demselben  als  Geschenk  angenommen  werden. 

2)  Urteil. 

a)  Die  Actio   wegen  Exekution    der  Judicatae  Res  steht   nicht  nur  dem  Erb-   p.  1,2,4 
lasser  selbst  zu,  welcher  geklagt  hat,   sondern  wird  gleichmässig  auch  dem 
Erben    gewährt.     Denn    auch    der   Erbe    des  Verurteilten    wird    um   nichts 
weniger  von  dem  Erben  des  Siegers  zur  Zahlung  des  Judikats  angehalten. 

b)  Von    dem  Tage,   an   welchem   über  eine  Sache  geurteilt  gewesen  sein  wird,  p.5,  10, 2 
werden,    wenn    bei    der    Rückgabe    Verzug    bereitet     gewesen     sein    wird, 
doppelte  Erüchte  gerechnet.^    ^Und  zwar  schliesst  sowohl  diejenigen,  Avelche 


tradita  oblivioni  ex  diuturno  silentio  comprobantur).  Dabei  wird  noch  näher  ausein- 
andergesetzt, in  welchem  Moment  im  Reskriptsprozess  die  Litispendenz  beginnt,  indem 
nicht  schon  die  Erzielung  eines  Reskripts,  bez.  Allegation  desselben  bei  Gericht,  ausreichend, 
sondern  unter  Aufführung  des  Reskripts,  bez.  Deposition  der  Postulatio  bei  Gericht,  die 
Conventio  erforderlich  ist  (Nee  sufficiat  precibus  oblatis  speciale  quoddam,  licet  per  anno- 
tationem,  meruisse  responsum  vel  etiam  iudiciis  allegasse,  nisi,  allegato  sacro  rescripto 
aut  in  iudicio  postulatione  deposita,  fuerit  subseruta  conventio). 

1)  Während  der  Litispendenz  darf  der  Streitgegenstand  durch  Schenkungen  oder 
Verkäufe  oder  irgend  welche  sonstige  Kontrakte  auf  einen  Verwandten  oder  eine  fremde  Person 
nicht  übertragen  werden,  indem  der  Prozesa  nichtsdestoweniger  fortzuführen  ist,  als  sei 
nichts  geschehen. 

2)  Von  dem  Tage  des  Acceptum  iudicium  werden  Dupli  fructus  gerechnet. 


b)  P.  5,  14,  3.  Litem  in  perniciem  priva- 
torum  fisco  donari  non  oportet,  nee  ab  eodem 
donatam  suscipi. 

2)  a)  P.  1,  2,  4.  Actio  iudicati  non  solum 
in  dominum  aut  domino,  sed  etiam  heredi 
et  in  heredem  datur. 


b)  P.  5,  10,  2.  Ex  die  accepti  iudicii  dupli 
fructus  computantur:  et  tam  dantes,  quam 
accipientes,  heredes  quoque  eorum,  procura- 
tores  cognitorumque  personae,  itemque  spon- 
sores  eadem  stipulatione  comprehenduntur; 
eorum   quoque,   quorum   nomine  promittitur. 


aa)  C.  8,  5,  1.  .  .  (Sed  praeterea)  illa donatio 
contra  legem  est,  si  quis  rem  in  lite  positam, 
quae  repetitur  . .  donet  .  . 


Actio  de  executione  iudicatarum  rerum 
non  solum  ipsi  auctori,  qui  egit,  competit, 
sed  et  heredi  similiter  datur.  Nam  et  heres 
victi  ab  berede  victoris  ad  Solutionen!  iudicati 
nihilominus  retinetur. 

Ex  ea  die,  qua  de  causa  fuerit  iudicatum, 
si  in  redhibitione  mora  facta  fuerit,  dupli 
fructus  computantur:  et  tam  hos,  qui  addicti 
fuerint,  quam  etiam  heredes  eorum,  vel 
procuratores  aut  cognitores  vel  fideiussores 
eadem  promissio  comprehendit.  Hie  etiam 
tenendi  sunt,  quorum  nomine  facta  fuerit 
promissio. 


99 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


C.  4,16,1 


C.  4,17,1 

pr.  1  u.  2 


verurteilt  gewesen  sein  werden,^  als  auch  obendrein  die  Erben  derselben, 
bez.  die  Prokuratoren  oder  Kognitoren  oder  die  Bm'gen,^  dasselbe  Ver- 
sprechen ein.  Hier  sind  auch  sie  haftbar  zu  machen^  ^in  deren  Namen 
das  Versprechen  gemacht  gewesen  sein  wird.^  Die  doppelten  Früchte  der 
Sache  soll  derjenige  haben,  Avelcher  arglos  ohne  Präsumtion  irgendwelche  Sache 
innegehabt  haben  wird,  von  dem  Augenblicke,  dass  ihm  durch  Deduziermig 
der  Sache  in  das  Judicium  das  BcAvusstsein  dessen  nicht  verborgen  zu  sein 
begonnen  haben  wird,  dass  er  die  Sache  zu  Unrecht  besitze, 
c)  Eni  Schuldner,  der  nach  Erlass  eines  Urteils,  durch  welches  er  besiegt  ge- 
wesen sein  wird,  die  Schuldsumme  zu  entrichten  verabsäumt  haben  wird, 
möge  wissen,  dass  er  nach  Verfluss  ^von  zwei  Monaten  ,4  die  doppelte 
Centesima  dieser  Schuld  ^bis  zu  dem  Tage  der  Zahlung^  erstatten  werde. 
Mit  der  Massgabe  jedoch,  dass  er  die  Hälfte  der  Res  iudicata  unverzüglich 


1)  Geber  wie  Empfänger.  2)  Sponsores. 

3)  Eorum  quoqne,  quorum  nomine  promittitur. 

4)  Der  zwei  Monate,  für  welche  bisweilen  gesetzlich  Zahlungsaufschub  gewährt  worden  ist. 

5)  Von  dem  Tage  des  patratum  iudicium  bis  zu  dem  Tage  der  Zahlung. 


C.  4,  16,  1.  .  .  duplos  fructus  .  .  exsolvat 
.  .  Et  .  .  ratio  .  .  habeatur  ei  (vero),  qui  simpli- 
citer  tenet,  ex  eo,  quo,  re  in  iudicium  deducta, 
scientiam  malae  possessionis  accepit  .  . 


c)C.4, 17,  l,pr.  1  U.2.  Qui  postiudicii  finem, 
exceptis  duobus  mensibus,  quibus  per  leges 
solutionum  nonunquam  est  concessa  dilatio, 
moram  afferent  solutioni,  a  die  patrati  iudicii, 
quo  obnoxii  redditi  sunt,  in  duplicium  centesl- 
marum  conveniantur  usuras  (extrinsecus 
scilicet  medietatem  debiti,  de  quo  litigatum 
est,  sicut  prius  constitutum  est,  inferentes) 
usque  in  id  tempus,  quo  debitum  solutione 
diluerint.  Quod  a  nobis  exemplo  aequabili 
ex  iuris  prisci  est  formulis  introductum,  ut, 
quia  malae  fidei  possessores  in  fructus  duplos 
conveniuntur,  aeque  malae  fidei  debitores 
simile  damni  periculum  persequatur.  Sed 
tarnen  creditor,  ternis  interiectis  mensibus 
post  sententiam,  contestari  moram  debebit 
adhibitae  tarditatis,  ut  ei  centesimaram 
duplicium  fructus  possit  acquiri . .  Distinguen- 
dumvero  hoc  quoque  arbitratisumus,ut,sicon- 
tractus  debiti  ex  stipulatione  descendit, 
et  casu  usurae  per  annorum  curricula  suaimam 
capitis  impleverint  (scilicet  ut  quantitas  sortis 
quantitati  foenoris  adaequetur),  post  senten- 
tiam usurae  duplices  non  utriusque  debiti 
currant,  sed  capitis  quidem  duplae,  usurarum 
vero  simplae. 


. .  fructus  rei  ipsius  duplos  .  .  qui  simpliciter 
sine  praosamtione  aliquam  rem  tenuerit,  ex  eo 
solvat,  ex  quo,  re  in  iudicium  dedacta,  quod 
rem  male  possideat,  conscientiam  ipsius 
coeperit  non  latere  .  , 

Debitor,  qui  post  emissum  iudicium,  a 
quo  victus  fuerit,  debiti  summam  implere 
neglexerit,  transactis  duobus  mensibus, 
duplam  centesimam  debiti  ipsius  usque,  in 
diem  solutionis  se  noverit  redditurum;  ita 
tarnen,  ut  medietatem  rei  iudicatae  mox 
cogatur  inferre:  quia  non  immerito  sicut 
malae  fidei  possessor  duplos  fructus,  ita  et 
qui  post  iudicium  tardior  ad  reddendum 
fuerit,  duplam  centesimam  reddat.  Sed  tarnen 
et  hoc  contra  creditorum  malitiam,  quibus 
debitores  addicti  fuerint,  ordinamus,  ut  non 
velint  pro  spe  duplicandae  centesimae  suo 
vitio  tardius  exsequi,  quod  fuerit  iudicatum: 
unde  debebit  creditor,  ternis  interiectis  mensi- 
bus, post  datum  iudicium  contestari, ut  sie  dup- 
lam centesimam  possit  exigere  .  .  Hoc  quoque 
praecipimus  observari,  ut,  si  debitoris  cautio 
cum  omni  firmitate  proferatur,  et  usurae  per 
annosplures  cum  capitati  debito  se  aequaverint. 
(a  debitore  amplius  non  petatur.  Sane)  post 
iudicium  duplam  centesimam,  quam  reddi 
iussimus,  taliter  solvat,  ut  de  capitali  debito 
tantum  duplae  usurae  reddantur:  de  illo  vero, 
quod  in  usuris  ante  iudicium  crevit,  simpla 
tantum  centesima  detur. 


Pjinwirkung  der  Prozesshandlungen  auf  das  geltend  gemachte  Recht  §  6.  23 

ZU  entrichten  gezwungen  Avird,  weil  nicht  zu  Unrecht,  wie  der  Malae  fidei 
possessor  die  doppelten  Früchte,  so  auch  derjenige,  welcher  nach  dem  Urteil 
im  Zahlen  sännng  gCAvesen  sein  wird,  die  doppelte  Centesima  entrichten 
soll.  Indessen  aber  verordnen  wir  auch  das  Folgende  gegen  die  Bosheit  der 
Gläubiger,  denen  die  Schuldner  verurteilt  gewesen  sein  werden,  damit  sie 
nicht  um  der  Hoffnung  auf  Verdoppelung  der  Centesima  willen  durch  ihre 
Schuld  dasjenige,  was  zuerkannt  gewesen  sein  Avird,  einzutreiben  säumen 
sollen:  der  Gläubiger  Avird,  nach  Einschaltung  von  drei  Monaten,  nach 
dem  gefällten  Urteil  kontestieren  müssen,  damit  er  dann  die  doppelte  Cen- 
tesima eintreiben  kann.  Auch  dies  befehlen  Avir  in  Acht  zu  nehmen,  dass, 
%enn  eine  Cautio  des  Schuldners  mit  aller  Sicherheit  errichtet  Avird^  und 
die  Zinsen  nach  vielen  Jahren  mit  der  Kapitalschuld  gleich  gcAvorden  sein 
AA'erden,  er  die  doppelte  Centesima  nach  dem  Urteil,  die  zu  entrichten  Avir 
angeordnet  haben,  in  der  Weise  zahlen  solle,  dass  lediglich  von  der  Kapital- 
schuld doppelte  Zinsen  gezahlt  Averden:  von  demjenigen  dagegen,  Avas  vor 
dem  Urteil  an  Zinsen  erwachsen  ist,  soll  lediglich  eine  einfache  Centesima 
gegeben  Averden. 

d)  Eine  ehedem  abgeurteilte  Sache  kann  nach  langem  StillscliAveigen  nicht  In   p  s, 
iudicium   deduziert  werden,    noch  kann  um  ihretAvillen    In  duplum  revoziert 
Averden.     Als   lange   Zeit  Avird,   nach   dem   Muster  der  Longa  praescriptio, 

ein  Zeitraum  von  zehn  Jahren  unter  GegeuAvärtigen  und  von  ZAvanzig 
Jahren  unter  Abwesenden  gerechnet. 

e)  Interdikte  AA^erden  also  genannt  als  Urteil,  das  nicht  für  die  Dauer  bestimmt  p.  5,6,  i 
ist,   sondern  auf  Zeit,    Interim,    diktiert  Avorden   ist,    d.  h.  von  dem  Judex, 

den  Besitz  dem  früheren  Besitzer  zurückzugeben. 

3)  Geständnis. 

a)  Schuldner,  die  ein  Geständnis  abgelegt  haben,  Averden  wie  Judicati  behandelt,  p.  5,5, 2 
aa)  AVenn   von  Jemandem    gezeigt   Avird,   dass   er  eine  Schuld  in   irgend-  p.2, 1,5 
welcher  Weise  anerkannt  habe,  Avird  dem  Gläubiger  hieraus  eine  Actio 
nicht  gegeben,  sondern  jener  zur  Zahlung  angetrieben. 


1)  Wenn  der  Contractus  debiti  aus  Stipulation  hervorgegangen  ist. 

d)  P.  5,  5,  8.  Res  olim  iudicata  post 
longum  silentium  in  iudicium  deduci  non 
potest,  nee  eo  nomine  in  duplum  revocari. 
Longum  autem  tempus ,  exemplo  longae 
praescriptionis,  decennii  inter  praesentes  et 
inter  absentes  vicennii  computatur. 

e) 


3j  a)  P.  5,  5,  2.  Confessi  debitores  pro  iudi- 
catis  habentur  .  . 

aa)  P.  2,  1,  5.  Si  qui  debitum  quocunque 
modo  confessus  docetur,  ex  ea  re  actio  credi- 
torinon  datur,  sed  ad  solutionem  compellitur. 


e)  P,  5,  6,  1.  Interdicta  dicuntur,  quasi 
non  perpetua  sententia,  sed  ad  tempus  interim 
dicta,  hoc  est,  aiudicemomentum  priori  reddere 
possessori  .  . 


24 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


III.   In   integrum  restitutio  §  7. 

1)  Im  Allgemeinen. 

P.  1, 7, 1  a)  Integri  restitutio  wird  genannt,  wenn  eine  beliebige  Sache  oder  Angelegenheit, 
die  ihren  Bestand  verloren  hatte,  in  den  früheren  Status  wiederhergestellt,  bez. 
dasjenige,  was  irgend  Jemandem  entzogen  worden  ist,  wiedergegeben  wird.^ 

P-1,7, 2  b)  Die  Integri  restitutio,  die  ehedem  durch  den  Prätor  geschah,  ist  nunmehr 
durch  die  Judices  civitatum  zu  verrichten.^ 

P.  1, 7, 2  c)  Die  Integri  restitutio  ist  derart  zu  verrichten,  dass  die  Angelegenheiten, 
bez.  Sachen,  derjenigen  In  integrum  zurückgerufen  werden,  welche  entweder 
durch  die  Furcht  vor  irgendwelcher  Potestas  bewogen  oder  durch  Betrug, 
bez.  Irrtum,  getäuscht  worden  sind,  oder  nachweislich  durch  Gefangenschaft, 
bez.  irgend  welchen  ungerechten  Zwang,  ihr  Vermögen  oder  den  Status 
der  Freiheit  verloren  haben,  oder  wenn  Personen  um  der  Notwendig- 
keit einer  langen  Reise  in  die  Ferne  willen  abwesend  sind,  bez.  behufs 
Wiederherstellung  desjenigen,  was  erwiesen  wird,  zum  Nachteile  Minder- 
jähriger verrichtet  worden  zu  sein.^ 

Gl'- 2,1  Minderjährigen  soll  gegen  dasjenige,  was  sie  innerhalb  der  25  Jahre 

zu  ihrem  Nachteil  verrichtet    haben    werden,    durch   Integri  restitutio 
geholfen  werden.* 


1)  Integri  restitutio  ist  die  Actio  redintegrandae  rei  vel  causae. 

2)  Integri  restitutio  gewährt  der  Praetor. 

3)  Integri    restitutio    findet    statt  bei   Metus   Dolus   Status    permutatio    Justus    error, 
notwendiger  Abwesenheit  und  Infirmitas  aetatis. 

4)  J   führt    diesen    Satz   auf  Jus   und   Leges   zurück   (Jure   et   legibus    continetur,    ut 
minoribus  u.  s.  w.) 


1)  a)  P,    1,   7,    1.      Integri    restitutio    est 
redintegrandae  rei  vel  causae  actio. 


b)  P.  1,  7,  2.     Integri  restitutionem   prae- 
tor tribuit  .  . 


c)  P.  1,  7,2.  Integri  restitutionem  praetor 
tribuit  ex  his  causis,  quae  per  metum,  dolum, 
et  Status  permutationem,  et  iustum  errorem, 
et  absentiam  necessariam,  et  infirmitatem 
aetatis  gesta  esse  dicuntur. 


P.  1,  7,  2.  Integri  restitutio  dicitur,  si 
quando  resquaelibet  aut  causa,  quae  perierat, 
in  priorem  statum  reparatur,  vel  id,  quod 
alicui  sublatum  est,  reforniatur, 

Integri  restitutio  .  ,  quod  per  praetorem 
antea  fiebat,  modo  per  iudices  civitatum 
agendum  est  .  . 

Integri  restitutio  .  .  (Hocenim  .  .)  agendum 
est:  ita  ut  eorum  causae  vel  res  in  integrum 
revocentur,  qui  aut  per  timorem  potestatis 
alicuius  compulsi  sunt,  aut  fraude  vel  errore 
decepti  sunt,  aut  per  captivitatem  vel  quam- 
cunque  iniustam  necessitatem  substantiam 
suam  aut  statum  ingenuitatis  perdidisse 
noscuntur:  autsi  quipronecessitatolonginquae 
peregrinationis  absentant:  vel  ad  restauranda 
ea,quaindamnisminorum  gesta  esse, probantur. 

Grr.  2,  1.  .  .  ut  minoribus  contra  ea,  quae 
intra  XXV  annos  male  gesserint,  per  integri 
restitutionem  debeat  subveniri. 


I 


In  integrum  restitutio  §  7. 


25 


d)  Dass  eine   Sache,   bez.  Angelegenheit,  In  integrum    zurückkehrt,   kann   nur  p- 
einmal  von  dem  Judex  Cognita  causa  zugestanden  werden.^ 

e)  2 Es  ist  gestattet,^  dass  den  Ersuchern  mit  Bezug  auf  die  Re(i[uisition  einer  c. 
jeden  Restitution  ein  Aufschub,  zugestanden  wird.  Wird  dann  diejenige 
Frist,  welche  zugelassen  Avorden  ist,  requiriert,  *d.  h.  die  vier  Monate 
nicht  übersteigen  kann,^  so  ist  man  darüber  einig,  dass  sie  gewährt 
wird.  Wird  jedoch  ein  Aufschub,  der  die  gesetzlich  verordnete  Zeit  über- 
schreitet, verlangt,  so  muss  dem  Ersucher  die  Frist  verweigert  werden, 
weil  er  hätte  wissen  müssen,  dass  seine  Actio  zur  festgesetzten  Zeit  zu  be- 
enden ist.  Wird  etwa  derjenige,  welcher  die  Sache  besitzt,  um  die  Frist 
eingekommen  sein,  so  muss  unter  allen  Umständen  ohne  Verzug  von  Zeit 
das  gewährt  werden,  was  den  Ersuchern  gewährt  worden  ist,  weil  jener 
nicht  wissen  konnte,  wann  er  von  dem  Gegner  zu  dem  Prozesse  veranlasst 
würde.  Sonach  soll  der  Besitzer,  um  sich  verantworten  zu  können, 
eine  Frist  empfangen.  Der  Ersucher  wird  dami  auch  das  für  seine  Partei 
Notwendige  vorkehren  können.^ 


1,7,3 


970 


1)  Integri  restitutio  ist  mehr  als  einmal  nicht  zu  verfügen  und  wird  deshalb  causa 
cognita  verfügt. 

2)  Es  handelt  sich  bei  T  darum,  ob  der  verlangte  Aufschub  über  die  für  Petenda  in 
integrum  restitutio  bestimmten  Fristen  hinausgehe  oder  nicht.  Letzterenfalls  sei  dem  Kläger 
die  Frist  Causa  cognita  zu  gewähren,  andernfalls  zu  versagen.  Dem  Possidens  sei  auch  eine 
ultra  constitutionis  regulam  hinausgehende  Frist,  von  der  zugleich  der  Kläger  In  requirendis 
probationibus  Gebrauch  machen  könne,  zuzugestehen. 

3)  In  den  Worten  von  J  Licet  quatuor  mensibus  constitutum  halte  ich  das  Quatuor 
mensibus  constitutum  für  verirrt:  vielleicht  standen  die  Worte  ursprünglich  in  dem  Satze 
Quod  si  ille  .  .  omnino  debet. 

4)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


d)  P.  1,  7,  3.  Integri  restitutio  plus  quam 
semel  non  est  decernenda:  ideoque  causa 
cognita  decernitur. 

e)  C.  2,  7,  2.  Petendae  in  integrum  restitu- 
tionis  temporibus,  ut  iam  constitutum  est, 
observatis,  si  dilatio  ab  actore  petatur,  quae 
intra  metas  lege  comprehensas  valet  arctari, 
eandem,  quocunque  flagitante,  causis  cognitis 
tribui  oportebit:  sin  vero  eiusmodi  postulantur 
curricula,  quae  intra  spatium  lege  receptum 
angustari  nequeunt  (quippe  si  in  confinio 
legitimi  temporis  petantur  et  eins  terminos 
prorogabuntj,  diiationem  petitori  denegari 
conveniet;  in  eins  enim  arbitrio  fuerat,  tunc 
inferre  litigium,  quum  petitae  dilationis 
mora  superstite  spatio  posset  includi.  Quod 
si  defensio  possidentium  dilationis  suffragia 
postulaverit,  eandem  asserta  causa,  citra 
obstaculum  temporis,  deferri  sancimus,  quia 
nequuquam  steterat  inipsiuspotestate,  quando 
litigio  pulsaretur.  Dari  igitur  debet,  etsi 
impetrata  dimensio  sese  ultra  constitutionis 


Ut  in  integrum  res  vel  causa  redeat,  non 
nisi  semel  a  iudice  potesfc  cognita  causa 
praestari. 

Licet  quatuor  mensibus  constitutum,  ut 
petentibus  pro  requirenda  omni  restitutione 
induciae  concedantur.  ünde  si  illud  spatium 
requiratur,  quod  indultum  est,  id  est,  quod 
quatuor  menses  non  possit  excedere,  praestari 
convenit.  Si  vero  tales  petantur  induciae, 
quae  tempus  lege  constitutum  excedant,  peti- 
tori debet  dilatio  negari,  quia  scire  debuit 
actionem  suam  constituto  tempore  finiendam. 
Quod  si  ille  spatium,  qui  rem  possidet,  for- 
tasse  petierit,  dari  sine  mora  temporis,  quod 
petentibus  datum  est,  omnino  debet:  quia 
scire  non  potuit,  quando  ab  adversario  provo- 
caretur  ad  causam,  et  ideo  possessor  spatium, 
ut  respondere  possit,  accipiat.  Petitor  etiam 
suis  partibus  necessaria  poterit  providere. 


26 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


2)  Metus  (vgl.  Drittes  Buch,  §  18,  2  y,  c). 
p.  1.7,6        s.)  Zwang    ist    ein  erheblicher  Angriff    auf   etwas,    der    nicht    zurückgewiesen 

werden  kann, 
p.  1,7, 8  aa)  AVer  Jemanden  in  Eisen   gefesselt  hat,    damit    er  ihm  irgend   etwas 

tradieren,  bez.  verkaufen  solle,  wird  erachtet  einen  Zwang  ausgeübt  zu 
haben. 
P- 1, 7,  9        b)  Hat  Einer  Jemanden  in   ein  Gefängnis  gesteckt,   um   irgend   etwas   zu  er- 
pressen, so  ist,  was  auch  immer  aus  diesem  Anlass  geschehen  ist,  von  keinem 
C.3, 1,9  Effekt.     Alle  mögen  wissen,  dass,  was  auch  immer  von  Potentiores  personae 

Bedrängte,    entweder    geschenkt    oder    verkauft    haben    werden,    widerrufen 
werden  könne.i 
F.  1.7,7  aa)  Wird  Einer  irgend  Jemanden    in    seinem   Hause    eingeschlossen    ge- 

halten haben,   -so  werden  alle  Geschäftsurkunden,  die  er  ihm  erpresst 
haben  wird,  nicht  gelten .^ 

c.  8, 8, 1  c)  Wir  geben  den  Provinzialen  die  Befugnis,  dass  alle,  die  sich  beschwert  ge- 
habt haben  werden,  ihnen  seien  von  den  den  verschiedenen  Rektoren  dienenden 
Numerarii  irgend  welche  Verkäufe  erpresst  worden,  sie  nichtig  und  kraftlos 


1)  Wir  verordnen,  dass  Verkäufe,  Schenkungen,  Vergleiche,    die  durch  eine  Potentia 
erpresst  worden  sind,  entkräftet  werden. 

2)  Damit  er  ihm    eine  Sache   nianzipiere  oder    verspreche,  so    wird    er    erachtet,    die 
Manzipation  erpresst  zu  haben. 


regulam  proferat.  Qua  dilatione,  si  a 
possessore  impetratur,  etiam  actor  in  requiren- 
dis  probationibus  uti  minirae  prohibetur. 

2)  a)  P.  1,  7,  6.  Vis  est  maior  rei  impetus, 
qui  repelli  non  potest. 

aa)  P.  1,  7,  8.  Qui  quem  ferro  vinxit,  ut 
sibi  aliquid  traderet  vel  venderet,  vim  intulisse 
videtur. 

b)  P.  1,  7,  9.  Qui  in  carcerem  quem 
detrusit,  ut  aliquid  extorqueret,  quicquid  ob 
hanc  causam  factum  est,  nullius  est  momenti. 

C.  3,  1,  9.  Venditiones,  donationes,  trans- 
actiones,  quae  per  potentiam  extortae  sunt, 
praecipimus  infirmari. 

aa)  P.  1,  7,  7.  Qui  quem  in  domo  inclusit, 
ut  sibi  rem  manciparet  aut  promitteret, 
extorsisse  mancipationem  videtur. 

c)  C.  8,  8,  1.  Damus  provincialibus  facul- 
tatem,  ut,  quicunque  sibi  a  numerariis,  qui 
diversis  rectoribus  obsequuntur,  conquesti 
fuerint  aliquas  venditiones  extortas,  irritas 
inanesque  efficiant,  et  male  vendita  ad  ven- 
ditoris  dominium  revertantur,  amissione  etiam 
pretii  illicitis  ac  detestandis  emtoribus  puni- 
endis. 


Sciant  omnes,  quaecunque  a  potentioribus 
personis  oppressi  aut  donaverint  aut  ven- 
diderint,  posse  revocari, 

Quialiquemin  domo  sua  clausum  tenuerit, 
quascunque  ei  scripturas  extorserit,  non 
valebunt. 


In  integrum  restitutio  §  7. 


27 


machen,  und  dass  das  zu  Unrecht  Verkaufte  in  das  Eigentum  des  Ver- 
käufers zurückkehre,  Avährend  die  unstatthaften  und  verabscheuungs würdigen 
Käufer  sogar  mit  dem  Verluste  des  Kaufpreises  zu  bestrafen  sind. 

d)  Wird,  während  gegen  den  Herren  Gewalt  geübt  wird,  er  in  Folge  der  p.  i,  7, 5 
Furcht  einen  Sklaven  gegeben,  und  dieser  bei  demjenigen,  welchem  er 
gegeben  gewesen  war,  h'gend  etwas  auf  eine  beliebige  Weise  erworben 
haben,  so  wird,  sobald  diesen  Sklaven  der  Herr,  gegen  den  Gewalt  geübt 
worden  ist,  zurückempfangen  haben  wird,  ihm  Alles,  was  der  Sklave  er- 
worben hatte,  zugehören.i 

e)  Ein  Jeder,    der,    um  sich  von  den  Feinden,  bez.   von  einem  Volksaufstand  p.  1,7, 4 
oder  von   einem  Überfall  von  Räubern,  zu  befreien,   Lohnes    halber,   damit 

er  davonkomme,  irgend  etwas  entweder  versprochen  oder  gegeben'^  hat, 
wird,  es  aus  Furcht  gegeben  zu  haben,  nicht  behaupten  können,  ^noch 
Aviderrufen  können,  was  er  gegeben  haben  wird.^ 

f)  Hat   Jemand    einen    Zwang  ausgeübt,   um    eine    Sache   auf  einen    andern   P.  1,8,2 
übergehen  zu  lassen,  so  werden  beide  mit  der  Actio  De  vi  haften. 

3)  Betrug  (vgl.  Drittes  Buch,  §  18,  2  y,  c). 

a)  Dolus  malus  ist  vorhanden,  wenn  etwas  Anderes  betrieben,  etwas  Anderes  p.  1,8, 1 
vorgegeben  wird. 

aa)  Dolus  malus  ist  vorhanden,  so  oft  auf  Grund  irgendwelcher  Urkunde,   0.2, 15, 1 
bez.  Täuschung,  dasjenige,  was  festgesetzt  worden  ist,  durch  den  Inhalt 


1)  Bei  erpresster  Manizipation  eines  Sklaven  gebührt  der  Erwerb  des  Sklaven,  bez.  das 
von  ihm  Stipulierte,  demjenigen,  an  welchem   Gewalt  geübt  worden  ist. 

2)  Manzipiert.  3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


d)  P.  1,7,  5.  Servusper  motum  mancipatus 
quicquid  acquisierit  vel  stipulatus  sit,  ei 
acquirit,  qui  vim  passus  est. 


e)  P.  1,  7,  4.  Si  aliquis,  ut  se  de  vi  latro- 
num  vel  hostium  vel  populi  liberaret,  ali- 
quid mancipavit  vel  promisit,  ad  metum  non 
pertinet:  mercedem  enimdepuisimetustribuit. 


f)  P.  1,  8,  2.  Si  qui  .  .  metum  adhibuit, 
ut  res  ad  alium  transiret,  uterque  de  vi  .  . 
actione  tenebitur. 

3)  a)  P.  1,  8,  1.     Dolus    malus    est,    quum 
aliud  agitur,  aliud  simulatur. 
aa) 


Si,  quum  domino  vis  infertur,  servum  metu 
interveniente  dederit,  et  apud  eum,  cui  datus 
fuerat,  aliquid  quolibet  pacto  acquisierit, 
quum  servum  ipsum  dominus,  cui  est  vis  illata, 
receperit,  ad  eum  omnia,  quae  servus  acqui- 
sierat,  pertinebunt. 

Quicunque  aliquid,  ut  se  de  hostibus  vel 
seditione  populi  aut  de  latronum  impetu 
liberaret,  causa  mercedis,  ut  evaderet,  aut 
promisit  aut  dedit,  hoc  pro  metu  se  dedisse 
non  poterit  allegare,  nee  revocare,  quod 
dederit. 


C.  2,  15,  1.  Dolus  malus  est,  quoties  per 
aliquam  scripturam  vel  fraudem  ea,  quae 
deönita  sunt,  per  scripturae  argumenta  mu- 
tantur.  Vel  si  quis  per  chartarum  suppositi- 
onem  au^  per  surreptionem  aliquam  id,  quod 
contra  se  futurum  sit,  ut  consentire  videatur, 


28 


Privatrecht.     Erstes  Buch, 


C.2, 16,  3 


P.  1, 8,  J 


C.  2.15,1 


der  Urkunde  verändert  wird,  bez.  wenn  jemand  mittels  Unterschiebung 
von  Papieren  oder  irgendwelcher  Erschleichung  verleitet  wird,  scheinbar 
zu  etw\as  zuzustimmen,  was  zu  seinen  Ungunsten  sein  sollte,  oder 
wenn  sich  demähnliches  bei  Vernehmung  durch  den  Judex  als  begangen 
herausstellt. 

b)  Wenn  grossjährige  Frauen,  die  in  schwierigeren  Sachen  Jus  oder  Leges  nicht 
kennen,  ein  Mandatsinstrument  bezüglich  ihrer  Geschäfte  unterzeichnet 
haben  werden,  damit  derjenige,  dem  sie  ein  Mandat  erteilt  haben  werden, 
ihr  Geschäft  ausführe,  und  dieser  in  dem  Instrument  nicht  nur  als  Proku- 
rator, sondern  auch  als  Dominus  sich  verzeichnet  haben  wird,  so  wird  den 
durch  diese  Täuschung  irregeführten  Frauen  zu  Hilfe  gekommen. 

c)  Hat  Jemand  Dolus  verübt,  um  eine  Sache  auf  einen  Andern  übergehen  zu 
lassen,  so  werden  beide  mit  der  Actio  De  dolo  haften. 

d)  ^Derjenige,  welcher  sich  darüber  beklagt,  dass  er  dolos  beschwert  gewesen 
sei,  soll  innerhalb  eines  Zeitraumes  von  zw^ei  Jahren  seine  Aktionen  sowohl 


b) 


c)  P.  1,  8,  2.  Si  qui  dolum  .  .  adhibuit, 
ut  res  ad  alium  transiret,  uterque  de  .  .  dolo 
actione  tenebitur. 

d)  C.  2,  15,  1,  Optimum  duximus,  non 
ex  eo  die,  quo  se  quisque  admissum  dolum 
didicisse  memoraverit,  neque  intra  anni  utilis 
tempus,  sed  potius  ex  eo  die,  quo  asseritur 
commissus  dolus,  intra  continuum  tempus 
anni,  eis,  quibus  esse  decertandi  ius  inveni- 
tur,  eiusmodi  actionem  causa  cognita  deferri; 
ita  ut,  si  forte  is,  contra  quem  res  agitur, 
longius  uUo  genere  discesserit,  nee  denun- 
tiandi  necessitate  petitor  oneretur,  nee  eins, 
qui  aberit,  praesentia  postuletur.  Nee  tarnen 
assistere,  si  velit,  quisquam  prohibeatur 
examini,  contra  quem  decernenda  intentio 
huiusmodi  fuerit  expetita:  ita  ut,  impetrata 
doli  actione,  lis  ad  suum  iudicem  translata 
intra  biennii  spatium  decidatur,  ratione  tem- 
poris  custodita,  quum  legitime  fuerit  apud 
suum  iudicem  coepta,  exemplo  litium  cete- 
rarum.  Perpetuo  vero  silentio  conquiescat, 
nisi  ex  die,  quo  impetrata  fuerit  actio,  intra 
continuum  biennium,  quod  sequitur,  omnis 
lis  fuerit  decisa.    Omnes  igitur  sciant,  neque 


inducitur,   vel   quum   his   similia   discutiente 
iudice  probantur  admissa. 

C.  2,  16,  3.  .  .  Maioribus(vero)mulieribus  . . 
si  in  difficilioribus  causis  ius  vel  leges  nesci- 
entes,  mandati  chartulam  pro  negotiis  suis 
forte  subscripserint,ut  earum,  cuimandaverint, 
negotium  exsequatur,  et  ille  in  Charta  non 
solum  procuratorem,  sed  et  dominum  si  se 
scripserit,  deceptis  ^ev  hanc  fraudem  mulieri- 
bus  subvenitur   .  . 


.  .  ille,  qui  queritur,  dolo  se  fuisse  grava- 
tum,  intra  biennium  suas  et  incipiat  et  de- 
finiat  actiones :  ultra  sibi  nee  ad  inchoandum, 
nee  ad  definiendum  tempus  noverit  esse  con- 
cessum.  Nam  si  aut  illum,  qui  dolum  admi- 
sisse  dicitur,  aut  illum,  qui  pertulit,  absentem 
esse  contigerit,  a  tempore,  quo  apud  iudicem 
agere  coeperit ,  biennium  ad  definiendam 
actionem  sciat  sibi  esse  permissum  . 


In  inteofrum  restitutio  ^'  7. 


29 


beginnen,  als  auch  beendigen:  darüber  hinaus,  möge  er  wissen,  ist  ihm 
weder  für  den  Beginn,  noch  für  die  Beendigung  eine  Frist  gewährt  worden. 
Wird  sich  zugetragen  haben,  dass  entweder  dieser,  der  den  Dolus  verübt 
haben  soll,  oder  jener,  der  ihn  erduldet  hat,  abwesend  ist,  so  möge  er  wissen, 
dass  ihm  von  der  Zeit  ab,  dass  er  bei  dem  Judex  zu  klagen  begonnen 
haben  wird,  ein  Zeitraum  von  zwei  Jahren  zur  Beendigung  der  Actio  ge- 
währt ist.'* 

4)  Irrtum. 

a)  Einen  Rechtsirrtum  kann  man  schwerlich  entschuldigen.  Gr.  8,  i 

aa)  2 Dass   die  Falcidia  bei  dem  Testamente  der  Mutter  fortfalle,  ist  eine    öi'-s,! 
falsche   Überzeugung.     Daher   verlangt  Jemand,    wenn    er   im    gross- 
jährigen Alter   auf  die  Erbschaft  der  Mutter  verzichtet  hat,   mit  ver- 
spätetem Ansuchen,  dass  ihm  Hilfe  zu  teil  werde.^ 

5)  Minderjährigkeit, 
a)  Im  Allgemeinen. 

a)  Wenn  ein  Minderjähriger  das  Grundstück,  welches  er  verkauft  hatte,  mittels  p.  1,9,7 
Integri  restitutio  nach  Eückgabe  des  Preises  an  den  Käufer  zurückempfangen 
haben  wird,  kann  er  die  von  dem  Käufer  gezogenen  Früchte  nicht  zurück- 
empfangen; vielmehr  ist  geheissen  worden,  wie  viele  ihrer  gewesen  sein  werden, 

sie  kompensations weise  mit  den  Zinsen  zu  verrechnen. 

b)  Wird    ein   Minderjähriger   nachgewiesen    haben,    dass    dasjenige,    was    sein  p.i,9, 8 


1)  T  sagt,  dass  die  Actio  doli  innerhalb  eines  Annus  continuus  vom  Tage  der  Ver- 
übung des  Dolus  Causa  cognita  gewährt  werde,  mit  der  Massgabe,  dass,  wenn  der  Verklagte 
sich  weit  entfernt  habe,  weder  der  Kläger  mit  der  Notwendigkeit  der  Denuntiatio  belastet, 
noch  bei  der  Prüfung  die  Anwesenheit  desjenigen,  gegen  den  die  Actio  erbeten  wurde,  er- 
fordert, andererseits  aber  zugelassen  werde.  Für  die  Anstellung  der  gewährten  Klage  und 
die  Beeendigung  des  Prozesses  werde  die  Frist  eines  Continuura  biennium  von  dem  Tage, 
quo  impetrata  fuerit  actio,  gewährt. 

2)  In  T  wird  der  Satz  in  direkter  Anrede  des  Adressaten  des  Gesetzes  ausgesprochen. 


incipiendae  post  biennium,  neque  ante  com- 
pletum  biennium  coeptae ,  post  biennium 
finiendae   doli   actionis  concessam  licentiam. 

4)  a)  Gr.  8,  1  .  .  (quum)  iuris  ignorantiam 
excusare  facile  non  possis  .  . 

aa)  Gr.  8,  1.  .  .  Falcidiam  (quoque)  in 
matris  testamento  cessare,  falso  (tibi)  per- 
suasum  est.  Proinde  .  .  si  maior  annis  here- 
ditati  matris  (tuae)  renuntiasti,  sera  prece 
subveniri  (tibi)  desideras. 

o)  a)  P.  1,  9,  7.  Minor  adversus  emtorem 
in  integrum  restitutus,  pretio  restituto  fun- 
dum  recipere  potest.  Fructus  enim  in  com- 
pensationem  usurarum  penes  emtorem  rema- 
nere  placuit, 

b)  P.  1,  9,  8.  Minor  adversus  distractiones 
eorum    pignorum   et  fiduciaram,   quas  pater 


Si  minor  praedium,  quod  vendiderat,  per 
integri  restitutionem,  reddito  emtori  pretio, 
receperit,  fructus  ab  emtore  perceptos  reci- 
pere non  potest:  sed  eos,  qaanti  fuerint,  in 
compensationem  usurarum  iussum  est  im- 
putari, 

Minor  annis  ea,  quae  pater  eins  oppigno- 
raverat  vel  fiduciae  causa  posuerat,  si  viliore 


30 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


C.2,  16,1 


P.  5,13,4 


P.  1,9,1 


Gr.  3,  1 


Vater  verpfändet^  bez.  Fiducia  halber  gesetzt  hatte,  ^zu  einem  geringeren 
Preise,  als  es  musste,^  von  dem  Gläubiger  verkauft  worden  ist,  ^so  kann  er 
nach  Zahlung  der  Schuld  behufs  Wiedergewinnung  seiner  Sache  die  Hilfe 
der  Integri  restitutio  erzielen  .^ 

c)  Minderjährige  mögen  wissen,  dass  gegen  Täuschungen  der  Tutoren,  bez. 
Verkäufe,  die  diese  ihnen  durch  irgend  welche  Vorspiegelungen  erpresst 
haben  werden,  oder  was  sie  auch  immer  in  Sachen  der  Tutel  zu  ihrem 
Nachteil  ausgeführt  haben  werden,  durch  Benefiz  des  Gesetzes  Widerruf  statt- 
finden solle.^ 

d)  Dem  Alter  desjenigen,  welcher  ein  Testament  angreift,  pflegt,  wenn  er  nicht 
durchdringt,  mit  Bezug  auf  das,  was  er  in  dieser  Weise  eingebüsst  hat, 
Hilfe  zu  teil  zu  werden,  besonders  wenn  auf  den  Rat  des  Tutors  oder 
Kurators  die  Klage  angestellt  worden  ist. 

ß)  Ausschluss. 

a)  Wenn  Minderjährige  schwere  Verbrechen  begangen  haben  werden,  werden 
sie  sich  mit  dem  Alter  nicht  entschuldigen  können.* 

b)  ^Wenn  Jemand,  mit  der  Absicht  zu  täuschen,  sich  in  irgendwelchen  Instru- 


1)  Non  ita,  ut  oportuit.  2)  So  kann  er  In  integrum  restituiert  werden. 

3)  Minderjährigen  wird  gegen  trügerische  Verkäufe  und  Nachstellungen  der  Tutoren 
Schutz  und  das  Fraudatorium  interdictum  zu  teil,  wenn  die  Tutoren  In  fraudem  tutelae  ver- 
äussert haben. 

4)  Ein  Minderjähriger,  der  ein  Flagitium,  quod  ad  publicam  coercitionem  spectat, 
begangen  haben  wird,  kann  nicht  In  integrum  restituiert  werden. 


obligaverat,  si  non  ita,  ut  oportuit,  a  credi- 
tore  distractae  sint,  restitui  in  integrum 
potest. 

c)  C.  2,  16,  1.  In  integrum  restitutione 
minoribus  adversus  commentitias  venditiones 
et  adversus  tutorum  insidias  sanctionum  prae- 
sidio  cautum  esse,  non  dubium  est:  ac  si 
quid  forte  iidem  de  suo  in  fraudem  tutelae 
alienasse  docerentur,  fraudatorio  interdicto 
prospectum  esse  minoribus  declaratur. 

d)  P.  5,  13,  4.  Aetati  eins,  qui  accusat 
testamentum,  si  non  obtineat,  succurri  solet 
in  id,  quod  ita  amisit:  maxime  si  tutoris 
aut  curatoris  consilio  actio  instituta  est. 

ß)  a)  P.  1,  9  1.  Minor  XXV  annorum,  si 
aliquod  flagitium  admiserit,  quod  ad  publicam 
coercitionem  speetet,  ob  hoc  in  integrum 
restitui  non  potest. 

b)  Gr.  3,  1.  Minoribus  annis  deceptis,  non 
decipientibus  subvenitur;  et  ideo,  si  ad  cir- 
cumveniendum  emtorem  mentitus  aetatem  ex 
adspectu  te  maiorem  annis  probari  effecisti, 
lubricum  frustra  praetendis. 


pretio,  quam  oportebat,  a  creditore  distracta 
cönvicerit,  potest  soluto  debito  ad  recipien- 
dam  rem  suam  integri  restitutionis  auxilium 
promereri. 

. .  adversus  tutorum  fraudesvel  venditiones, 
quas  minoribus  aliquibus  commentis  extor- 
serint,  aut  quicquid  sub  tatelae  nomine  iniuste 
egerint,  noverint  legis  beneficio  revocandum 


Minores  aetate,  si  crimina  graviora  com- 
miserint,  per  aetatem  se  non  poterunt  excu- 
sare. 

Si  cjuis  decipiendi  animo  maiorem  se  in- 
strumentis  quibuscunque  conscripserit  et  pos- 
tea  per  aetatis  veniam  contra  hoc  venire  tenta- 
verit,  nullatenus  audiatur:  quia  deceptus 
non  est,  sed  ipse  alium  voluit  fraude  decipere. 


In  integrum  restitutio  §  7. 


:n 


menten  als  grossjälirig  bezeichnet  und  hernach  mittels  der  dem  Alter  gewährten 
Gunst  hiergegen  aufzutreten  versucht  haben  wird/  soll  er  keineswegs  gehört 
werden^  weil  er  nicht  getäuscht  worden  ist,  sondern  den  Andern  selbst 
durch  Betrug  täuschen  wollte. 

c)  2  Wenn  Minderjährige  Etwas  3für  die  Verbindung  einer  Ehe  mittels  Sponsa-    Gr.  2,1 
litia  largitas  geschenkt  haben  werden,^  *  sollen  sie  es  unter  keinen  Umständen 
unter  dem  Deckmantel   der  Integri  restitutio   widerrufen  dürfen.*     Es  wird 

dies  ebenso  auch  bei  der  Dos  in  Acht  genommen  werden. 5 

d)  Weim  Jemand,  der  grossjährig  ist,   einem  Minderjährigen  mittels  Mandats  p.  1,9.2 
seine   Geschäfte    zur  Besorgung   übertragen    haben  wird,    kann    er   aus   der 
Person  des  Minderjährigen  Integri  restitutio  nicht  empfangen:  anders  wenn 

etwa  der  Minderjährige  ohne  Mandat  aus  freien  Stücken  sich  in  fremde 
Angelegenheiten  gemischt  haben  wird. 

e)  Wenn  ein  Minderjähriger  für  einen  Grossjährigen  Bürgschaft  leistet,  kann,   p.  1,9, 5 
wenn   er  auch  selbst  nicht  haftbar  gemacht  werden  kann,    dennoch  er,    für 

den  er  Bürgschaft  geleistet  hat,  haftbar  gemacht  werden.^     Ist  Jemand  für  pi.o,« 


1)  Wenn  der  Verkäufer  behufs  Täuschung  des  Käufers  sich  als  grossjährig  ausgegeben 
haben  wird. 

2)  T  schickt  den  Satz  voraus:  precibus  tuis  et  iuris  auctoritas  et  aequitas  assistit. 

3)  Der  Sponsa  affinitatis  contrahendae  causa  schenken. 

4)  So  kann  es  nicht  zurückgefordert  werden  und  wird  auch  In  integrum  restitutio 
versagt:  denn  wenn  auch  die  Parteien  minores  sind,  werden  sie  doch  in  diesem  Punkte 
gleich  Grossjährigen  behandelt. 

5)  J  beruft  sich  hierfür  auf  eine  Novelle  (Quod  similiter  iuxta  Novellam  legem  et 
de  dote  servabitur).  Bei  T  findet  sich  dieser  Satz  nicht,  dagegen  der  folgende:  Quare,  quae- 
cunque  Julius  Agrippinus  V.  C.  filiae  tuae  Aviniae  sponsae  donavit,  repetere  nuUo  modo 
poterit;  ac  si  facere  hoc  tentaverit,  opponet  auctoritatem  suam  Julius  Donatus,  V.  C.  Pf.  U., 
amicus  noster,  ut  tarn  improba  petitio  repellatur. 

6)  Ein  Minderjähriger  befreit  In  his  quae  fideiussit  vel  fidepromisit  vel  spopondit  vel 
mandavit,  durch  In  integrum  restitutio  nicht  den  Hauptschuldner. 


c)  Gr.  2,  1.  .  .  neque  (enim)  dubium  est, 
ea,  quae  sponsae  affinitatis  contrahendae 
causa  a  minore  donantur,  repeti  non  posse, 
quando  huiuscemodi  causas  communis  voti 
complenti  ratio  provocet,  propter  quae  et  in 
integrum  restitutio  denegatur;  nam  etsi  inter 
minores  verti  videatur,  non  discrepat  ab  his, 
qui  legitimae  aetatis  ad  huiuscemodi  contrac- 
tus  prodeunt. 

d)  P.  1,  9,  2.  Qui  minori  mandavit,  ut 
negotia  sua  agat,  ex  eins  persona  in  integrum 
restitui  non  potest:  nisi  minor  sua  sponte 
negotia  eins  intervenerit. 

e)  P.  1,  9,  5.  Minor  se  in  his,  quae  fide- 
iussit vel  fidepromisit  vel  spopondit  vel  man- 
davit, in  integrum  restituendo,  reum  princi- 
palem  non  liberat. 

P.  1,  9,  6.     Qui  sciens  prudensque  se  pro 


.  .  si  quid  minores  pro  coniunctione  matri- 
monii  sponsalitia  largitate  donaverint,  per 
obtentum  integri  restitutionis  nullatenus 
debeant  revocare.  Quod  similiter  .  .  et  de 
dote  servabitur. 


Si  quis  maior  annis  minori  per  mandatum 
negotia  sua  agenda  commiserit,  ex  persona 
minoris  integri  restitutionem  accipere  non 
potest:  nisi  forsitan  minor  sine  mandato 
voluntarie  se  causis  miscuerit  alienis. 

Si  minor  maiorem  fidedicat,  licet  ipse 
teneri  non  possit,  tamen  quem  fidedixit,  teneri 
potest, 

Qui   sciens  minorem,    hoc  argumento  pro 


32 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


eine  Person,  von  der  er  weiss,  dass  sie  minderjährig  ist,  in  der  Erwägung 
als  Bürge  aufgetreten,  mit  der  Entschuldigung  minderjährigen  Alters  seine 
Bürgschaft  in  Zukunft  zu  lösen,  so  wird  zwar  der  Minderjährige  durch 
das  Benefiz  des  Alters  befreit,  dagegen  der  Bürge,  der  sich  dieser  Erwägung 
bedient  hat,  zur  Zahlung  der  Schuld  angehalten. 

Y)  Verjährung, 
c.  2, 16,2        a)  Es    erscheint  gerecht,    dass  nach  dem  25.  Jahre,    sobald  das  26.  Jahr  an- 
gebrochen gewesen  sein  wird.  Jemand  unter  Niederlegung  einer  Kontestation 


minore  obligavit,  si  id.  consulto  consilio  fecit, 
licet  miiiori  succurratur,  ipsi  tarnen  non  suc- 
curretur. 


y)  a)  C.  2,  16,  2.  Placuit,  post  completum 
quintum  et  vicesimum  annum,  ex  eo,  quo 
vicesimi  et  sexti  anni  dies  illuxerit,  ad  inter- 
ponendam  contestationem  in  urbe  Roma  usque 
ad  anni  tricesimi  extremum  diem  spatia 
prorogari,  et  intra  centesimum  urbis  Romae 
milliarium,  si  tamen  ab  his  iudicibus,  qui 
Romae  sunt,  fuerit  iudicandum :  per  omnem 
vero  Italiam  usque  ad  finem  anni  vicesimi  et 
noni :  in  ceteris  omnibus  provinciis  usque  ad 
completum  annum  vicesimum  et  octavum. 
Quo  transacto  tempore  manifeste  omnes 
sciant,  legum  sibi  deinceps  praesidia  dene- 
gari,  quandoquidem,contestationis  necessitate 
depulsa,  finiendas  integri  restitutionum  deci- 
dendasque  causas  certo  genere  clauserimus. 
Eandem  autem  custodiri  temporum  convenit 
rationem,  si  forte  quis  beneficio  nostro  aetatis 
veniam  fuerit  consecutus,  ex  eo  die,  quo  in- 
dulgentia  nostra  in  iudicio  competenti  fuerit 
intimata,  eique  administratio  rei  propriae 
reserata,  ut  ad  persequendas  in  integrum 
restitutiones  finiendasque  causas  luge  tempus 
habeat  praestitutum.  Si  quando  sane  in 
minoris  iura  successerit  minor,  minime  pro- 
hibeatur,  quum  quintum  et  vicesimum  aetatis 
suae  annum  transierit,  integri  restitutionis 
beneficio  uti,  tempore  illibato.  Quod  si 
maioris  fuerit  minor  iura  nactus,  quantum 
ad  eas  pertinet  actiones,  quas  a  persona 
maioris  fuerit  consecutus,  tantum  temporis 
ad  exponendas  integri  restitutiones  deciden- 
dasque  causas  accipere  debebit,  quantum 
defuncto,  cuius  heres  aut  bonorum  possessor 
docebitur  exstitisse,  reliquum  fuerat.  Quum 
vero  maior  successionem  fuerit  adeptus  mino- 
ris, siquidem  civili  iure  ab  intestato  vel  ex 
testamento  successerit,  mox  quum  creta  fuerit 
vel   adita  bereditas,    si   vero  honorario  iure, 


eo  fideiussor  accessit,  ut  excusatione  minoris 
aetatis  fideiussionem  suam  in  posterum  libe- 
raret,  minor  quidem  aetatis  beneficio  libera- 
tur;  sed  ad  solvendum  debitum  fideiussor, 
qui  hoc  argumento  usus  est,  retinetur. 

lustum  videtur,  ut  post  XXV.  annum,  ubi 
XXVI.  annus  fuerit  ingressus,  deposita  apud 
iudicem  contestatione  petat,  qui  sibi  voluerit 
ea,  quae  in  annis  minoribus  aut  per  se  aut 
per  tutores  vel  curatores  vitio  male  acta 
sunt,  salva  et  integra  pro  aetatis  infirmitate 
restitui.  In  his  duntaxat  provinciis,  usque 
ad  XXVIIL  annum,  si  contestatus  fuerit, 
integra  ei,  salvo  principali  negotio ,  quae 
maleamiserat,  reformentur.  Nam  et  qui  sereni- 
tati  nostrae  pro  venia  aetatis  crediderit  sup- 
plicandum,  hoc  sibi  noverit  esse  concessum, 
ut  sine  praeiudicio  indulgentiae  nostrae  .  . 
usque  ad  constitutum  superius  tempus  liberum 
habeat  in  rerum,  quas  male  gesserat,  proprie- 
tatem  restitui.  Quod  si  forsitan  minor  annis 
in  illius  hereditate  successerit,  qui  et  ipse  in 
annis  minoribus  ab  hac  luce  discessit,  non 
prohibendus  est,  quum  ad  XXVI.  annum  per- 
venerit,  ut  sibi,  unde  illi  competebat,  repa- 
rationem  agendarum  rerum  interposita  con- 
testatione acquirat.  Sin  vero  minor  hereditatem 
illius,  qui  plena  et  integra  aetate  defecit,  acce- 
perit,mox  in  integrum  fuerit  restitutus,  eatem- 
pora  in  negotiis  prosequatur,  quae  defuncto 
maiori  legibus  competebant.  Quum  autem 
maior  minori  seu  ex  testamento  seu  ex  quo- 
cunque  iure  sucesserit,  quum  primum  ad  eum 
hereditas  defuncti  pervenerit,  quicquidpupillo 
potuit  pro  integri  restitutione  competere,  in 
illius  transeat  actionem;  ita  ut  illius  pro- 
vinciae  forum  sequatur,  in  qua  de  functus 
minor  habitasse  dig-noscitur. 


In  integrum  restitutio  §  7. 


33 


bei  dem  Judex  den  Antrag  stelle,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  dass  ihm  das- 
jenige, was  in  den  Jahren  der  Minderjährigkeit,  entweder  durch  ihn  selbst, 
oder  durch  die  Tutoren,  bez.  Kuratoren,  schuldhafter  Weise  zu  seinem  Nach- 
teil veiTichtet  worden  ist,  um  der  Gebrechlichkeit  seines  Alters  willen,  unbe- 
rührt und  vollständig  restituiert  werde.  Und  zwar  soll  in  diesen  Provinzen 
bis  zum  28.  Jahre,  wenn  er  kontestiert  gehabt  haben  wird,  unter  Aufleben 
des  früheren  Geschäftes  alles,  was  er  zu  seinem  Nachteil  eingebüsst  hatte,  ihm 
wiederhergestellt  werden.^  ^ Ingleichen  möge  derjenige,  welcher  an  unsere 
Majestät  behufs  Venia  aetatis  supplizieren  zu  müssen  geglaubt  haben  wird^ 
wissen,  dass  ihm  gestattet  ist,  '^ohne  Präjudiz  unseres  Gnadenbeweises  der 
Venia  aetatis'^,  bis  zu  der  oben  festgesetzten  Zeit  die  Freiheit  zu  haben, 
in  die  Herrschaft  derjenigen  Sachen,  die  er  zu  seinem  Nachteile  geführt 
hatte,  wieder  eingesetzt  zu  werden.^  Wird  etwa  ein  Minderjähriger  in  die 
Erbschaft  desjenigen  gefolgt  sein,  welcher  auch  seinerseits  in  minderjährigen 
Jahren  gestorben  ist,  so  darf  er  nicht  gehindert  werden,  sobald  er  in  sein 
26.  Jahr  gelangt  sein  wird,  für  sich  die  jenem  zukommende  Wiederher- 
stellung in  die  zu  führenden  Geschäfte  durch  Einlegung  der  Kontestation 
zu  requirieren.  Wird  hingegen  ein  Minderjähriger  die  Erbschaft  desjenigen, 
der  in  vollem  und  reifem  Alter  gestorben  ist,  in  Em[)fang  genommen  haben, 
und  bald  darauf  In  integrum  restituiert  gewesen  sein,  so  soll  er  mit  Bezug  auf 
die  Geschäfte  diejenigen  Fristen  erzielen,  ^die  dem  verstorbenen  Grossjährigen 
nach  den  Gesetzen  zustanden.*    Sobald  aber  ein  Grossjähriger  einem  Minder- 


1)  Bei  T  ist  davon  die  Rede,  dass  die  Kontestation  nach  dem  25.  Jahre  in  der  Stadt 
Rom,  bez.  innerhalb  des  hundertsten  Meilensteins  der  Stadt  Rom,  —  vorausgesetzt  jedoch, 
dass  von  den  Judices,  die  in  Rom  sind,  geurteiit  werden  musste,  —  bis  zu  dem  letzten 
Tage  des  30.  Jahres,  in  ganz  Italien  bis  zu  Ende  des  29.,  in  allen  anderen  Provinzen  bis 
zum  vollendeten  28.  Jahre  einzulegen  sei.  Nach  Ablauf  der  Zeit  würde  der  Schutz  versagt, 
indem  die  Restitutionssachen,  ohne  den  Zwang  der  Kontestation,  innerhalb  bestimmter  Frist 
zu  beenden  und  zu  entscheiden  seien. 

2)  Dieselbe  Ratio  temporum  wird  in  Acht  genommen,  wenn  Jemand  durch  unser 
Benefiz  Venia  aetatis  erzielt  haben  wird,  von  dem  Tage,  an  welchem  unser  Gnadenbeweis 
bei  dem  kompetenten  Gericht  eingereicht  und  ihm  die  Verwaltung  seines  Eigentums  über- 
lassen gewesen  sein  wird,  sodass  er  für  Erzielung  der  In  integrum  restitutiones  und  zur 
Erledigung  der  Sachen  die  gleiche  Frist  gewährt  erhält. 

3)  Es  heisst  bei  J:  sine  praeiudicio  indulgentiae  nostrae,  quod  in  sequenti  lege  compre- 
hensum  est.  Die  Sequens  lex  ist  die  Konstitution  des  Titels  De  his,  qui  veniam  aetatis 
impetrarunt  (C.  2,  14,  1). 

4)  Die  dem  Verstorbenen,  dessen  Heres  oder  Bonorum  possessor  er  zu  sein  erwiesen 
werden  wird,  zustanden. 


ex  quo  bonorum  possessio  fuerit  accepta 
examinando  integri  restitutionis  negotio  so- 
lida,  sine  ulla  deminutione,  tempora  suppu- 
tentur,  quae  non  pro  locis,  regionibus  atque 
provinciis,  in  quibus  morantur,  qui  heredes 
aut  bonorum  possessores  sunt,  observari 
iubemus,  sed  in  quibus  defuncti  domicilia 
collocaverant. 

Conrat,  Breviarium. 


34 


Privatrecht.     Erstes  Buch. 


jährigen,  ^sei  es  aus  Testament,  sei  es  aus  irgendwelchem  Rechte  gefolgt 
sein  wird,  soll,  sobald  nur  an  ihn  die  Erbschaft  des  Verstorbenen  gelangt 
sein  wird.^  Alles,  was  dem  Pupill  für  die  Integri  restitutio  zustehen  konnte, 
in  das  von  jenem  anzustrengende  Verfahren  übergehen,  mit  der  Massgabe, 
-dass  er  sich  an  das  Forum  derjenigen  Provinz  halte,  in  w^elcher  erweislich 
der  Minderjährige  gewohnt  hat.^ 
P.  1,9, 3  Hat  Jemand  dasjenige,    was   er  als  Minderjähriger  verrichtet  hat, 

nachdem  er  grossjährig  geworden  ist, ,  ^das  will  sagen,  bis  zu  dem 
vollendeten  28.  Jahre, '^  durch  sein  Stillsitzen  und  durch  Stillschweigen 
nicht  w^iderrufen  wollen,  so  kann  er  mit  Bezug  darauf  Integri  resti- 
tutio nicht  verlangen. 

p.  1, 9, 4  aa)  Wenn    ein    Minderjähriger    einem   Minderjährigen    gefolgt    sein    wird, 

kann  derjenige,  welcher  Erbe  ist,  nicht  aus  der  Person  des  Verstorbenen, 
sondern  aus  der  eigenen  klagen;  *das  will  sagen,  dass,  wenn  derjenige, 
welcher  verstorben  ist,  achtzehn  Jahre  ist,  und  der  Nachfolger  zwanzig, 
die  Fristen  nach  dem  Alter  desjenigen,  welcher  gefolgt  ist,  zu  be- 
rechnen sind.* 


1)  Civili  iure  ab  intestato,  bez.  ex  testamento,  nacli  vollzogener  Kretion  oder  Aditio 
hereditatis,  oder  Jure  honorario   bei  Antritt  der  Bonorum  possessio. 

2)  Dass  die  Fristen  gerechnet  werden  nicht  nach  den  einzelnen  Örtlichkeiten,  Regionen 
und  Provinzen,  wo  sich  die  Heredes  oder  Bonorum  possessores  aufhalten,  sondern  wo  die 
Verstorbenen  ihr  Domizil  aufgeschlagen  haben. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

4)  T  enthält  diesen  Satz  nicht. 


P.  1,  9,  3.  Si  maior  effectus  res,  quas 
minor  agit,  pacto  vel  silentio  comprobavit, 
adversus  hoc  quoque  in  integrum  restitui 
frustra  desiderat. 

aa)  P.  1,  9,  4.  Si  minor  minori  heres 
exsistat,  ex  sua  persona,  non  ex  defuncti  in 
integrum  restitui  potest. 


Si  quis  id,  quod  minor  aetate  gessit,  post- 
quam  maior  effectus  est,  id  est  usque  ad 
impletum  vicesimum  octavum  annum,  silentio 
suo  et  taciturnitate  revocare  noluit,  de  hac 
re  integri  restitutionem  petere  non  potest. 

Si  minor  minori  successerit,  non  ex  per- 
sona defuncti  ille,  qui  heres  est,  sed  ex  sua 
agere  potest;  hoc  est,  si  ille,  qui  defunctus 
est,  duodeviginti  annorum  sit,  et  succedens 
viginti,  ex  istius,  qui  sucessit,  aetate  tempora 
computanda  sunt. 


Zweites  Buch. 

Personenrecht. 


Erstes  Kapitel.    Rechtsfähigkeit. 

I.   Anfang  der  natürlichen  Rechtsfähigkeit  §  i. 

a)  Eine  abgegangene,  bez.  abgestossene,  Leibesfrucht  wird  nicht  als  Geburt  an-    p.  4, 8, 13 
gesehen. 

b)  Das  Gesetz  der  Pythagoreischen  Zahl  wird  dies  zu  ergeben  erachtet,   dass    p.  4, 8,12 
entweder   im   vollen  siebenten  oder  im  zehnten  Monate  die  Geburt  als  reif 
erachtet  wird. 

c)  Keine  Kinder  sind  diejenigen,  welche  in  einer  der  Gestalt  des  menschlichen    P.4, 8, 10 
Geschlechts  widersprechenden  Bildung  geboren  werden. 

d)  Eine    Geburt   mit    menschlichen  Ghedern  von  erweiterten  Funktionen  wird    P.4, 8,11 
einigem! assen  als  vollendet  angesehen. 

e)  Legitim  Konzipierte  gelten  für  geboren.^  G.  2, 3,2 


1)  J  nimmt  hierfür  auf  Früheres  Bezug  (Sicut  superius  iam  dictum  est,  legitime  u.  s.  w.) 
und  hat  dabei  wohl  G.  4,  9  (Regula  iuris  hoc  continet,  ut,  qui  legitime  concipiuntur, 
tempore  conceptionis  statum  sumant)  im  Auge. 


a)  P.  4,  8,  13.  Aborsus  vel  abactus  venter 
partum  efficere  non  videtur. 

b)  P.  4,  8,  12.  .  .  ratio  (enim)  Pythagoraei 
numeri  hoc  videtur  admittere,  ut  aut  septimo 
pleno  aut  decimo  mense  partus  maturior 
videatur. 

c)  P.  4,  8,  10.  .  .  non  sunt  (enim)  liberi, 
qui  contra  form  am  humani  generis  converso 
more  procreantur. 

d)  P.  4,  8,  11.  Partum,  qui  membrorum 
humanorum  officia  ampliavit,  (quia  hac  rati- 
one)  aliquatenus  videtur  efifectus  (,matri 
prodesse  placuit). 

e) 


G.  2,  3,  2 
habentur  .  . 


legitime  concepti  pro  natis 
3* 


36 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


G.  1  pr. 
G.  1  pr. 


C.  4,  8,  3 

Gr.  6,  3 

C.  4,8,3 


C.  4,  8,  3 


C.  4,  8,  3 


IL  Die  römische  Rechtsfähigkeit. 

A)  Im  Allgemeinen  §  2. 

1)  EiDteilungen. 

a)  Alle  Menschen  sind  entweder  Freie  oder  Sklaven. 

b)  Aus    der  Zahl    derjenigen,    welche  frei  sind,    sind  die  Einen  Freigeborene, 
die  Anderen  Freigelassene. 

2)  Erwerb  des  Status  dui'ch  Geburt. 

a)  Die  Nachkommenschaft  folgt  der  Person  niedrigeren  Standes. 

aa)  Dass  die  Geburt  einer  Sklavin  dem  Stande  der  Mutter  folgt  und  bei 
diesem  Punkte  nicht  der  Status  des  Vaters  in  Betracht  gezogen  wird, 
ist  ausgemachten  Rechtens.  Wenn  Jemand,  der  sich  in  der  Freiheit 
befindet,  sich  eine  Sklavin  zur  Ehe  verbunden  haben  wird,  soll,  wenn 
Kinder  daraus  geboren  gewesen  sein  werden,  die  Nachkommenschaft 
der  Mutter  folgen.^ 

bb)  Wenn  eine  Freigelassene  einen  Sklaven  zum  Gatten  genommen  haben 
wird,  soll  die  Nachkommenschaft  dem  Sklaven  folgen. 

cc)  Ein  Gesetz  war  einmal  promulgiert  gewesen,  dass,  wenn  Jemand  sech- 


1)  Nach  lus  comEQune  folgt  das  Kind  der  Rechtslage  der  Mutter,  derart,  dass,   auch 
wenn  die  Sklavin  sich  mit  ihrem  Herrn  verbunden  haben  wird,  sie  dem  Herrn  nicht  Kinder, 


sondern  Sklaven  gebärt. 


1)  a) 


b) 

2)  a) 

aa)  Gr.  6,  3.  Partum  ancillae  matris  sequi 
conditionem,  nee  statum  in  hac  specie  patris 
considerari,  explorati  iuris  est. 

C.  4,  8,  3.  .  .  Iure  (enim)  communi  mater- 
nam  conditionem  natum  sequi  necesse  est,  ita 
ut,  etsi  heridem  lectulum  ancilla  adscenderit, 
non  liberorum  domino,  sed  servorum  partum 
suscipiat. 

bb) 

cc)  C.  4,  8,  3.  Legis  promulgatio ,  quae 
per  sedecim  annos  bona  fide  in  libertate 
durantes  contra  eos,  qui  inquietant,  prae- 
scriptione  defendit,  non  opitulatur  his,  qui 
ex  ancillis  matribus  et  ingenuis  patribus  orti 


G,  1  pr.  (Gaius  Institutionum  libro  primo 
dicit,)  omnes  homines  aut  liberos  esse  aut 
servos  .  . 

G.  1  pr.  .  .  ex  his  ipsis ,  qui  liberi 
sunt,  alios  esse  ingenuos,  alios  libertinos  .  . 

C.  4,  8,  3.  .  .  ad  inferiorem  personam 
vadit  origo. 


Si  quis  in  libertate  positus  ancillam  sibi 
copulaverit  in  coniugium,  si  filii  ex  ipsis 
nati  fuerint,  origo  matrem  sequatur  .  . 


C.  4,  8,  3.  .  .  si  liberta  servum  duxerit  mari- 
tum,  agnatio  servum  sequatur  .  . 

Lex  aliquando  fuerat  promulgata,  ut,  si 
quis  sedecim  annos  sine  ulla  molestia,  nuUo 
repetente  vel  pulsante,  vixisset,  et  postea  in 
servitium  non  veniret.  Sed  hoc  illis  prodesse 
non    poterit,    quos    de   ingenuis   patribus   et 


Im  Allgemeinen  §  2. 


37 


zehn  Jahre  ohne  irgendwelche  Belästigung,  durch  Erhebung  eines 
Rückforderungsanspruchs  oder  einer  Klage,  gelebt  hätte/  er  auch  nach- 
her nicht  in  die  Knechtschaft  kommen  sollte.  Es  wird  dies  jedoch  den- 
jenigen nicht  zu  statten  kommen  können,  von  denen  nachgewiesen  sein 
wird,    "dass  sie  von  freien  Vätern  und  Kolonenfrauen  geboren  sind.^ 

Wird    eine  Kolonin   einen  Freien   zum  Gatten    genommen   haben,    13'^ ^4 
so  wird  die  ganze  Nachkommenschaft  der  Frau  ihrem  Herrn  gehören. 

dd)  Wenn  eine  freie  Frau  das  Contubernium  eines  fremden  Kolonen 
ausgewählt  haben  wird,  sollen,  falls  an  sie  eine  Denunciation  nicht 
gerichtet  gewesen  sein  wird,  die  Kinder  dem  Herrn  des  Kolonen  zu 
statten  kommen,  wie  viele  sie  auch  von  ihm  geboren  haben  wird.  ^ 

ee)  Werden  Collegiati^  sich    aus  ihren  Gemeinden  entfernt  haben,   so  ist  c.  14, 1,1 
mit  Bezug  auf  ihre  Kinder  der  Sachverhalt  in  Acht  zu  nehmen,  dass, 
^wenn  sie  von  einer  Kolonin  oder  Sklavin  stammen,^  die  Nachkommen- 
schaft der  Mutter  folgt. 

b)  Eine  Regula  iuris  enthält  dies,    dass  diejenigen,    welche  legitim    empfangen    g.  4, 9 


N.  V. 
9,  1,  6 


1)  T  fügt  hinzu  bona  fide. 

2)  Dass  sie  von  Ancillae  matres  und  Ingenui  patres  herstammend  die  Zeit  über  mit 
den  Eltern  In  libertatis  affectu  ausgeharrt  haben  werden. 

3)  T  redet  von  Kolonen  und  Sklaven  und  schickt  den  Satz  voraus,  dass  die  Frauen, 
welche  sich  mit  ihnen  verbinden,  sich  nicht  entfernen  dürfen  (Pari  lege  mulieres  ingenuas 
iubeo  detineri,  a  quibus  coniunctio  appetita  est  et  electa  servorum  vel  colonorum,  ut  his 
abire  non  liceat). 

4)  T  spricht  von  CoUegia  vel  collegiati. 

5)  Wo  kein  Aequale  coniugium  vorhanden  ist. 


per    id    tempus    in    libertatis    affectu    cum 
parentibus  perdurarint  .  . 

C.  5,  10,  1,  3  u.  4.  .  .  mulierum,  quae 
fuisse  originariae  docebuntur  .  .  Quod  si  non 
ad  alienum  praedium,  sed  cuiuscunque  liberi 
hominis  ac  sui  iuris  secuta  consortium  in 
urbibus  vel  in  quibuscunque  locis  victura 
consistit,  si  modo  intra  praefinitum  tempus 
reposcitur.  eius  omnem  originem  secundum 
vetera  constituta  conveniet  revocari. 

dd)  N.  V.  9,  1,  6.  .  .  mulieres  ingenuas 
.  .,  a  quibus  coniunctio  appetita  est  et  electa 
servorum  vel  colonorum  .  .  Filii  earum,  si 
denuntiatio  non  praecessit,  in  eorum  iure  et 
dominio,  apud  quos  creati  sunt  vel  creantur, 
colonario  nomine  perseverent  .  . 

ee)  C.  14,  1,  1.  De  retrahendis  collegiis 
vel  collegiatis  .  .  De  quorum  agnatione  haec 
forma  servabitur,  ut,  ubi  non  est  aequale  con- 
iugium, matrem  sequatur  agnatio  .  . 


colonis    mulieribus    (vel    ancillis)    constiterit 
procreatos  .  . 

.  .  Colona  .  .  Si  (vero  mulier  iuris  alieni) 
ingenuum  maritum  duxerit,  omnis  mulieris 
agnatio  ad  eius  dominium  pertinebit  .  . 


Ingenua  (itemque)  mulier,  si  contubernium 
coloni  elegerit  alieni,  si  ei  denuntiatum  non 
fuerit,  coloni  sint  domino  profuturi,  quos- 
cunque  eius  partus  ediderit  .  . 


Collegiati,  si  de  civitatibus  suis  forte 
discesserint,  .  .  :de  quorum  filiis  haec  servanda 
conditio  est,  ut,  si  de  colona  vel  ancilla  nas- 
cuntur,  matrem  sequatur  agnatio  .  . 

b)  G.  4,  9.  Regula  iuris  hoc  continet,  ut, 
qui  legitime  concipiuntur,  tempore  conceptionis 


38 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


G.  4,  9 


G.  4,  9 


G.  4,  9 


P.  2,  25, 1 

P.  2,  25,  2 

P.  2,  25,  3 


werden,  ziir  Zeit  der  Empfängnis  ihren  Status  erhalten  sollen.     Diejenigen 
aber,    die    nicht   aus    legitimer  Ehe    empfangen   werden,    sollen   den  Status 
zu  der  Zeit,  dass  sie  geboren  werden,  erhalten, 
aa)  Ist  Jemand  in  legitimer  Verbindung  empfangen,  so  kommt,  mag  auch 
die   Mutter  ihren   Status   ändern,   das  heisst,  wenn  sie  Sklavin  wird, 
Jemand,  der  legitim  empfangen  worden  ist,  als  Freier  zur  Welt, 
bb)  Wird  Jemand  in  nichtlegitimer  Ehe    empfangen,   so   wird,   Avenn   aus 
einer  Freien    die  Schwangere    eine  Sklavin    geworden    sein    wird,   ein 
Sklave  geboren  werden,   weil  er  nicht  legitim,   sondern  unehelich  em- 
pfangen worden  ist. 
cc)  Wer  in  nichtlegitimer  Ehe  empfangen  wird,  wird,  wenn  seine  Mutter, 
eine    Sklavin,    während    sie    schwanger   ist,  frei   geworden  sein  wird, 
als  Freier  geboren  werden. 

c)  Wenn  eine  Sklavin  empfangen  und,  nachdem  sie  hernach  freigelassen  w^orden 
ist^  geboren  haben  wird,  —  wenn  eine  Freie  empfangen  und,  nachdem  sie 
Sklavin  geworden  ist,  geboren  haben  wird,  bringt  sie  einen  Freien  zur 
Welt:  denn  dieses  erfordert  der  Favor  libertatis.  Wenn  eine  Sklavin  em- 
pfangen haben  wird  und  in  der  Zwischenzeit  freigelassen  worden  ist,  und, 
nachdem  sie  von  neuem  Sklavin  geworden  ist,  geboren  haben  wird,  bringt 
sie  einen  Freien  zur  Welt:  denn  die  Zwischenperioden  können  der  Freiheit 
zu  statten  kommen,  nicht  nachteilig  sein. 


aa) 


bb^ 


cc) 


c)  P.  2,  25,  1.  Si  serva  conceperit  et 
postea  manumissa  pepererit,  (liberum  parit: 
id  enim  favor  libertatis  exposcitj. 

P.  2,  25,  2.  Si  libera  conceperit  et  ancilla 
facta  pepererit,  liberum  parit:  id  emin  favor 
libertatis  exposcit 

P.  2,  25,  3.  Si  ancilla  conceperit  et  medio 
tempore  manumissa  sit,  rursus  facta  aucilla 
XDcpererit,  liberum  parit:  media  enim  tem- 
pora  libertati  prodesse ,  non  enim  nocere 
possunt. 


statum  sumant:  qui  vero  non  de  legitimo 
matrimonio  concipiuntur,  statum  sumant  eo 
tempore,  quo   nascuntur  .  , 

G.  4,  9.  .  .  (Ac  proinde)  de  legitima  con- 
iunctione  coneeptus,  etiamsi  mater  eius  statum 
mutet,  id  est,  si  ancilla  fiat,  ille,  qui  legitime 
coneeptus  est,  Über  nascitur  .  . 

G.  4,  9.  .  .  qui  de  non  legitimo  matrimonio 
concipitur,  .  .  si  (vero)  ex  ingenua  ancilla 
praegnans  facta  fuerit,  servus  nascetur;  quia 
non  legitime,  sed  vu]go  coneeptus  est. 

G.  4,  9.  . .  (nam)  qui  de  non  legitimo  matri- 
monio concipitur,  si  mater  eius  ancilla,  dum 
praegnans  est,  libera  facta  fuerit,  liber 
nascetur  .  . 


Freie  §  3,  Wesen  der  Servitus  §  4. 


39 


d)  Wenn  eine  freie  Frau  das  Contubernium  eines  fremden  Kolonen  ausgewählt 
haben  wird,  möge  sie  wissen,  dass,  wie  viele  sie  auch  nach  der  Denunciation 
geboren  haben  wird,  diese  nicht  Kolonen,  sondern  Sklaven  sein  w^erden.^ 


N.  Y. 
9,1,  6 


B)  Freiheit  und  Unfreiheit. 

a)  Freie  §  3. 

a)  Aus  der  Zahl   derjenigen,   welche  Freie  sind,   sind   die  Einen  Freigeborne,   o.  i,pr. 
die  Andern  Freigelassene. 

b)  Freigeborne   sind   diejenigen,   welche   als  Freie   geboren  sind,   Freigelassene,   g.  i,pr. 
die,  nachdem  sie  aus  legitimer  Kneclitschaft  freigelassen   worden   sind,   frei 
w^erden.     Alle  Freigebornen  haben  einen  Status. 

aa)  AVenn  irgendjemand  eine  freie  Person  in  betrügerischer  Absicht  frei-  p.  5, 1,2 
lassen  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,^   erfährt  hieraus  die  Ingenuität 
keinen  Eintrag. 

bb)  Die  Einzeichnung  von  Freigebornen  Ex  officio  fisci  in  die  Fiscalis  famiha  p.  5, 1,  3 
thut  der  Ingenuität  keinen  Eintrag. 

b)  Servitus. 
1)  Wesen  der  Servitus  §  4. 
1)  Rechtslage  des  Servus. 

a)  Wenn  einen  Sklaven  oder  ein  Pferd  oder  beliebiges  Sonstiges  irgend  Jemand  p.  2, 4, 3 
von  einem  Andern  lediglich  für  die  Benutzung   ihrer  Dienste  geliehen  em- 


1)  T  redet  von  Kolonen  und  Sklaven. 

2)  T  fügt  hinzu:  in  welcher  Weise  auch  immer  die  Freilassung  geschehen  sein  wird. 


d)  N.  V.  9,  1,  6.  (.  .  mulieres  ingenuars  .  ., 
a  quibus  coniunctio  appetita  est  et  electa 
servorum  vel  colonorum,  .  .)  post  denuntia- 
tionem  (vero)  editos  secundum  scita  divalia 
servos  esso  censemus,  ut  illos  nexus,  sicut 
dictum  est,  colonarius  teneat  semper  obnoxios, 
hos  conditio  servitutis  .  . 

a) 


b) 


aa)  P.5, 1,  2.  Veritati  et  origini  ingenuitatis 
manumissio,  quocunque  modo  facta  fuerit, 
non  praeiudicat. 

bb)  P.  5,  1,  3.  Descriptio  ingenuorum  ox 
officio  fisci  inter  fiscalem  familiam  facta  inge- 
nuitati  non  praeiudicat. 

1)  a)  P.  2,  4,  3.      Servus    vel    equus    si    a 


Ingenua  (itemque)  mulier  si  contubernium 
coloni  elegerit  alieni  .  .  Post  denuntiationem 
(vero)  quoscunque  ediderit,  non  colonos,  sed 
servos  noverit  esse  futuros.  .  . 


G.  1  pr.  .  .  (Sed)  ex  his  ipsis,  qui  liberi  sunt, 
alios  esse  ingenuos,  alios  libertinos. 

G.  1  pr.  .  .  Ingenuos,  qui  ingenui  nati 
sunt:  libertinos,  qui  pro  iusta  Servitute  manu- 
mi.^si  liberi  fiunt.  Ingenuorum  omnium  unus 
Status  est  .  . 

Quicunque  ingenuam  personam  fraudis 
studio  manumittendam  esse  crediderit,  praeiu- 
dicium  ex  hoc  ingrenuitas  non  incurrit. 


Si  servum  vel  equum  vel  qunecunque  alia 


40 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P.  2,5,2 


G.  3,  1 

P.  2,  20,  3 


N.M. 
4,  1,  2U.  3 


pfangen  und  sie  in  die  Schlacht,  wo  sie  der  Lebensgefahr  ausgesetzt  sind, 
geführt  haben  wird,  ist  er  auf  Eückgabe  der  geHehenen  Sache  dem  Herrn 
mit  Grund  haftbar.^  Wird  Jemand  eine  Herde  Stuten,  Kühe  oder  Schafe 
dem  Gläubiger  in  Pfand  gegeben  haben,  so  gehört  die  Frucht  dieser  Dinge 
dem  Schuldner,  nicht  dem  Gläubiger ;  so  verhält  es  sich  auch,  wenn  er  eine 
Sklavin  gegeben  und  sie  ein  Kind  zur  Welt  gebracht  haben  wird.^ 

b)  Die  Sklaven  befinden  sich  in  der  Gewalt  der  Herren:    es   ist  gewiss,    dass 
alle  Gentes  diese  Potestas  kennen. 

c)  Zwischen  Sklaven   und  Freien  kann  keine  Ehe   eingegangen   werden,  wohl 
ein  Contubernium. 

aa)  Senatoren  sollen,  falls  sie  gewollt  haben  werden,  die  Befugnis  haben, 
abgesehen  von  niedrigen  Personen,  Avie  eine  Sklavin,  einer  Sklavin 
Tochter,  arme  und  jeder  Dignität  der  Geburt  bare  Personen,  wenn 
sie  nur  ehrbar  sind  und  von  ehrbaren  Eltern  stammen,  zu  Frauen 
auszuwählen  und  zu  heiraten.'^ 


1)  Sind  Sklave  oder  Pferd,  die  zu  einem  andern  Zweck  geliehen  sind,  von  den  Räubern 
oder  im  Kriege  getötet  worden,  so  wird  die  Actio  commodati  gegeben. 

2)  Foetus  oder  Partus  der  verpfändeten  Sache  haften  nicht  Pignore  iure. 

3)  T  sagt,  dass  Senatoren  gestattet  sei,  auch  arme  Frauen,  falls  sie  von  Ingenui 
stammen,  zu  heiraten,  und  führt  im  Katalog  der  Humiles  (abiectaeque)  personae,  die 
nicht  hierzu  gehören,  die  Sklavin  und  deren  Tochter  auf.  J  giebt  den  Katalog  nicht  und 
verweist  mit  Bezug  darauf  auf  T  (exceptis  vilibus  infamibusque  personis,  quas  lex  ista 
commemorat). 


latronibus  vel  in  hello  in  aliam  causam 
commodati  occisi  sunt,  actio  commodati  da- 
tur  .  . 


P.  2,  5,  2.  Foetus  vel  partus  eius  rei, 
quae  pignori  data  est,  pignoris  iure  non 
tenetur  .  . 


b) 


c)  P.  2,  20,  3.  Inter  servos  et  liberos 
matrimonium  contrahi  non  potest;  con- 
tubernium potest. 

aa)  N.  M.  4,  1,  2  u.  3.  .  .  Heere  statuimus 
senatoribus  .  .,  ex  ingenuis  natas,  quamvis 
pauperes,  in  matrimonium  sibi  adsciscere  .  . 
Humiles  vero  abiectasque  personas  eas  tan- 
tummodo  mulieres  esse  censemus,  quas  enu- 
meratas  et  specialiter  expressas  copulari 
matrimoniis  senatorum  ex  praedicta  non  passa 
est,  hoc  est  ancillam,  ancillae  filiam  . . 


aliquis  ab  altero  ad  usum  tantum  serviendi 
commodata  susceperit,  et  eos  ad  pugnam., 
ubi  vitae  periculum  incurrant,  duxerit,  ad 
redhibitionem  commodatae  rei  merito  a domino 
retinetur. 

Si  quis  gregem  equarum,  vaccarum  vel 
ovium  .  .  pignori  creditori  dederit,  foetus 
earum  rerum  ad  debitorem,  non  ad  creditorem 
pertinet.  Ita  est  et  si  ancillam  dederit,  et 
partum  ediderit  .  . 

G.  3,  1.  In  potestate  (itaque)  dominorum 
sunt  servi;  quam  potestatem  omnes  gentes 
habere  certum  est  .  . 


(Hac  lege  permissum  est),  ut  exceptis  vilibus 
(infamibusque)  personis  .  .  pauperes  et  sine 
ulla  dignitate  natalium,  dummodo  honestas 
et  honestis  parentibus  procreatas,  senatores, 
sivoluerint,  uxores  eligendi  etducendihabeant 
potestatem  .  . 


Wesen  der  Servitus  §  4. 


41 


d)  Bei  der  Teilung  von  Patrimonien,    es    sei    fiskalischer  Häuser,    es   sei    von    c.  2, 25, 1 
privaten/  muss  besonders  beachtet  werden,  dass,  weil  es  unbillig  ist,  ^wenn 

die  Kinder  von  den  Eltern  oder  die  Frauen  von  den  Gatten,  sobald  an  einen 
Jeden  der  Besitz  gelangt  sein  wird,  getrennt  werden,  die  Sklaven,  welche 
mit  einander  verbunden  gewesen  sein  werden,  das  will  sagen,  die  Frau  mit 
den  Kindern  und  ihrem  Gatten,^  unter  Gewährung  von  Ersatzpersonen, 
Einem  zugehören  müssen,  der  seinerseits  zu  tauschen  nötig  gehabt  haben 
wird:  ^die  Fürsorge  der  Ordinantes  muss  besonders  im  Auge  behalten,  dass 
eine  Trennung  durchaus  nicht  stattfinden  könne. '^ 

e)  Wenn  ein  Sklave  ein  Darlelm  zur  Zeit  der  Knechtschaft  empfangen  haben   p.  2, 13, 4 
wird,   kann   er   aus   dieser   Obligation   nach   der  Freilassung  nicht  verklagt 
werden. 

f)  Wenn    ein  Sklave    ein  Furtum   verübt  haben   und  hernach  freigelassen  ge-   p  2,32,12 
wesen  sein   wird,   *wird  derjenige,  welcher  freigelassen  worden  ist,  auf  Rück- 
erstattung des  Furtum  haften. "^ 

g)  Ein  Sklave  kanii  kein  Testament  machen.  p  3,  6, 1 
2)  Inhalt  der  Potestas  (vgl.  Erstes  Buch  §  2,  3;  Drittes  Buch  §  13,  2  u.  3). 

a)  Die  Sklaven  einer  Züchtigung  zu  unterwerfen,  wird  den  Herren  auf  Grund    g.  3, 1 


1)  In  T  handelt  es  sich  darum,  dass  in  Sardinien  Fundi  patrimoniales  vel  emphyteuticarii 
unter  verschiedene  Herren  geteilt  worden  sind, 

2)  T  fügt  hinzu  den  Fall  der  Trennung  von  Geschvristorn. 

Bj  Es  ist  dafür  Sorge  zu  tragen,   dass    nicht  innerhalb  der  Provinz  die  Klage  Super 
divisis  affectibus  fortdauere. 

4)  Kann  gegen  den  Freigelassenen  geklagt  werden. 


d)  C.  2,  25,  1.  In  Sardinia  fundis  patrimo- 
nialibus  vel  emphyteuticariis  per  diversos 
nunc  dominos  distributis,  oportuit  sie  possessi- 
onum  fieri  divisiones,  ut  integra  apud 
possessorum  unumquemque  servorum  agnatio 
permaneret.  Quis  enim  ferat,  liberos  a 
parentibus,  a  fratribus  sorores,  a  viris  con- 
iuges  segregari.?  Igitur  qui  dissociata  in  ius 
diversum  mancipia  traxerunt,  in  unum  redigere 
eadem  cogantur:  ac  si  cui  propter  redinte- 
grationem  necessitudinum  servi  cesserunt, 
vicaria  per  eum,  qui  eosdem  susceperit,  man- 
cipia reddantur.  Et  invigilandum,  ne  per 
provinciamaliquaposthacquerela  super  divisis 
mancipiorum  affectibus  perseveret, 

e)  P.  2,  13,  4.  Servus,  si  mutuam  pecuniam 
ßervitutis  tempore  acceperit,  ex  ea  obligatione 
post  manumissionem  conveniri  non  potest. 

f)  P.  2,  32,  12.  Si  servus  furtum  fecerit, 
deinde  manumissus  fuerit  .  .,  cum  ipso 
manumisso  .  .  agi  potest  .  . 

g)  P.  3,  6,  1.  .  .  testamentum,  quasi  ser- 
vus, facere  non  potest  .  . 

2)  a) 


In  divisione  patrimoniorum  seu  fiscalium 
domorum  sive  privatorum  observari  specialiter 
debet,  ut,  quia  iniustum  est,  filios  a  parentibus 
vel  uxores  a  maritis,  quum  ad  quemcunque 
possessio  pervenerit,  sequestrari,  mancipia, 
quae  permixta  fuerint,  id  est  uxor  cum  filiis 
et  marito  suo,  datis  vicariis,  ad  unum  debeant 
pertinere,  cui  necesse  fuerit  commutare,  quod 
sollicitudo  ordinantium  debet  specialiter 
custodire,  ut  separatio  fieri  omnino  non  possit. 


Si  servus  furtum  fecerit,  et  postea  (aut) 
manumissus  .  .  fuerit,  .  .  is,  qui  manumissus 
est,  pro  furti  redhibitione  tenebitur  .  . 

.  .  (quia)  servus  (est,)  non  potest  facere 
testamentum  .  . 

G.  3,  1.      .  .  (sed)    distringendi    in    servos 


42 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  9,  9,  1 


ihrer  Potestas  gestattet;  hingegen  werden  die  Herren  die  Befugnis  nicht 
besitzen,  ihre  Sklaven  zu  töten.  Anders,  wenn  der  Sklave,  während  er 
nach  dem  Masse  seiner  Schuld  gezüchtigt  wird,  durch  einen  Zufall  zu 
Grunde  geht.  Wird  der  Sklave  ein  todeswürdiges  Verbrechen  begangen 
haben,  so  ist  er  den  Judices,  welchen  die  Macht  eines  Pubhcum  officium 
anvertraut  worden  ist,  auszuliefern,  damit  er  wegen  seines  Verbrechens 
gestraft  werde. 

Wird  ein  Sklave,  während  der  Herr  seine  Schuld  straft,  gestorben 
gewesen  sein,  so  haftet  der  Herr  nicht  wegen  der  Schuld  des  Tod- 
schlags, weil  er  dann  des  Todschlags  schuldig  ist,  wenn  er  überführt 
wird,  töten  gewollt  zu  haben:  die  Kasteiung  wird  nicht  als  ein  Ver- 
brechen angerechnet. 


2)  Entstehung  der  Servitus  §  5. 
1)  Gefangenschaft, 
p.  3, 6, 1        a)  Wer  von  den  Feinden  gefangen  gewesen  sein  wird  und  sich   in  Gefangen- 
G.  2. 3, 5  Schaft  befindet,  ist  Sklave.      Jemand  erfährt  eine  Capitis  minutio,  das  will 

sagen,  er  wird  von  den  Feinden  gefangen, 
p  1. 7, 2        b)  Die  Integri  restitutio  ist  derart  zu  verrichten,  dass  Angelegenheiten,  bez.  Sachen, 


C.  9,  9,  1.  Quoties  verbera  dominorum 
tahs  casus  servorum  comitabitur,  utmoriantur, 
culpa  nudi  sunt,  qui,  dum  pessima  corrigunt, 
meHora  suis  acquirere  vernulis  voluerunt. 
Nee  requiri  in  huius  modi  facto  volumus,  in 
quo  interest  domini  incolume  iuris  proprii 
habere  mancipium,  utrum  voluntate  Decidendi 
hominis  an  vero  simpliciter  facta  eastigatio 
videatur.  Toties  etenim  dominum  non  placet 
morte  servi  reum  homicidii  pronuntiari, 
quoties  simplieibus  quaestionibus  domesticam 
exerceat  potestatem.  Si  quando  igitur  servi 
plagarum  correetione,  imminente  fatali 
necessitate,  rebus  humanis  excedunt,  nullam 
metuant  domini  quaestionem. 

1)  a)  P.  3,  6,  1,  Qui  ab  hostibus  captus 
est,  .  .  servus  .  . 


b)  P.  1,  7,  2.  Integri  restitutionem  praetor 


dominis  pro  sua  potestate  permittitur;  Deci- 
dendi tarnen  servos  suos  domini  licentiam 
non  habebunt:  nisi  forte  servus,  dum  pro 
eulpae  modo  caeditur,  casu  moriatur.  Nam 
si  servus  dignum  morte  crimen  admiserit, 
iis  iudicibus,  quibus  publici  officii  potestas 
commissa  est,  tradendus  est,  ut  pro  suo  erimine 
puniatur. 

Si  servus,  dum  culpam  dominus  vindieat, 
mortuus  fuerit,  dominus  culpa  homicidii  non 
tenetur,  quia  tunc  homicidii  reus  est,  si 
occidere  voluisse  convineitur.  Nam  emendatio 
non  vocatur  ad  crimen. 


Qui  ab  hostibus  captus  fuerit,  in  captivi- 
tate  positus  (,  quia)  servus  est  .  . 

G.  2,  3,  5.    .  .  capite  minuatur,  id  est,  (aut) 
ab  hostibus  capiatur  .  . 

Integri  restitutio  .  .  agendum   est:   ita  ut 


Entstehung:  der  Servitus  ^  5. 


43 


G.  6,  2 


derjenigen  In  integrum  zurückgerufen  werden,  welche  nachweislich  durch  Ge- 
fangenschaft ihr  Vermögen  oder  den  Status  der  Freiheit  verloren  haben. ^ 

Wenn   Jemand   in  seine  Heimat  zurückgekehrt  sein  wird,  soll  er  ^-^'^-^-^ 
Alles,   was  ihm  gehört,  unversehrt  und   unberührt  zurückempfangen.  ^ 

Ist  der  Vater  von  den  Feinden  gefangen  worden  und  Postliminio  ^-  ^'  ^^'  * 
zurückgekehrt,  so  em})fängt  er  Alles,  was  seines  Rechtens  ist,  in  die 
Gewalt  zurück,  als  sei  er  niemals  von  den  Feinden  gefangen  worden. 
Wird  der  Vater,  welcher  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist, 
aus  der  Gefangenschaft  entwichen  sein,  so  empfängt  er  Jure  postli- 
•     minii  die  ganze  Gewalt  an  den  Sachen  zurück. 

aa)  Der    Vater,    welcher    von    den    Feinden    gefangen    worden    ist,   hört    p- 2, 26,1 
auf,    die    Söhne    in    der   Gewalt   zu    haben;    ist    er   aber    Postliminio 
zurückgekehrt,   so   empfängt  er  die  Söhne  in  die  Gewalt  zurück,   als 
sei  er  niemals  von  den  Feinden  gefangen  worden. 

Wenn    der   Vater   von    den    Feinden    gefangen    worden    ist,    wird    ^-  ß>  2 
er,   so   lange    er    bei    den    Feinden    gewesen    sein    wird,    die    Kinder 
nicht  in   der    Gewalt  haben:    wird    er    aber   aus   der    Gefangenschaft 
entwichen    sein,    so    empfängt  er  Jure    postliminii    die   ganze  Gewalt 
an  den  Khidern  zurück. 


1)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  7,  1  c. 

2)  T  spricht  hierbei  von  Jus  postUminii  und  Responsa  veterum. 


tribuit    ex    his    causis,    quae    per  .   .   status 
permutationem  .  .  gesta  esse  dicantur. 

C,  5,  5,  2,  2.  Reddantur  (igitur)  selibus 
propriis  .  .  ,  quibus  iure  postliminii  etiam 
veterum  responsis  incoluma  cuncta  servata 
sunt. 

P.  2,  26,  1.  Pater  ab  hostibus  captus  .  . 
postliminio  (vero)  reversus  .  .  omnia  sui  iuris 
in  potestatem  recipit,  ac  si  nunquam  ab 
hostibus  captus  sit. 


aa)  P.  2,  26,  1.  Pater  ab  hostibus  captus 
desinit  habere  filios  in  potestate :  postliminio 
vero  reversus  (tarn)  filios  (quam  omnia  sui 
iuris)  in  potestatem  recipit,  ac  si  nunquam 
ab  hostibus  captus  sit. 


eorum  causae  vel  res  in  integrum  revocentur, 
qui  .  .  per  captivitatem  .  .  substantiam  suam 
aut  statum  ingenuitatis  perdidisse  noscuntur . . 
.  .  quum  ad  propria  redierit,  omnia  sua 
integra  et  salva  recipiat  .  . 


G.  6,  2.  (Item  si)  ab  hostibus  pater  cap- 
tus .  .  si  de  captivitato  evasorit,  iure  post- 
liminii omnem  (,  sicut)  in  (aliis)  rebus  (,ita 
et  in  filiis)  recipit  potestatem  .  . 


G.  6,  2.  .  .  (Item)  si  ab  hostibus  pater 
captus  sit,  in  potestate,  quamdiu  apud  hostes 
fuerit,  filios  non  habebit.  Sed  si  de  captivi- 
tate  evaserit,  iure  postliminii  omnem  .  . 
in  filiis  recipit  potestatem  .  . 


44 


Privatrecht,     Zweites  Buch. 


C.2,  19,1 


P.  4,  8,  5 

G.  2,  3,  5 
P.  3,  6,  1 


N.  V. 
12,  1,  12 


C.  5,  6,  1 


bb)  Sind  Germaiü  fratres,  ^das  heisst,  die  von  dem  gleichen  Vater  ge- 
boren sind/  übergangen  worden,  so  wird,  wenn  an  Turpes  personae 
die  Erbschaft  hinterlassen  gewesen  sein  wird,  "die  Befugnis,  gegen  das 
Testament  zu  klagen,  vorbehalten,  vorausgesetzt  jedoch,  dass  nicht 
eben  dieser  Bruder  infolge  Gefangenschaft  Sklave  geworden  sein 
wird.^  Ist  Jemand  von  den  Feinden  gefangen  w^orden,  so  geht  er 
des  Rechts  weder  als  Suus  noch  als  Legitimus  heres  verlustig,  nach- 
dem er  Postliminio  zurückgekehrt  ist. 

cc)  Rechtsgiltig  errichtete  Testamente  werden  entkräftet,  wenn  irgend 
Jemand  nach  der  Testamentserrichtung  von  den  Feinden  gefangen 
w^ird.  Hat  Jemand,  der  von  den  Feinden  gefangen  gewesen  sein  wird, 
vorher  ein  Testament  gemacht,  so  ist  es,  falls  er  zurückgekehrt  sein 
wird,  Jure  postliminii  giltig. 

dd)  Diejenigen  Jahi-e  dürfen,  wie  von  dem  Postliminium  gesagt  worden 
ist,  unter  Aufrechthaltung  des  Zeitraumes  von  dreissig  Jahren  den 
Gefangenen  nicht  eingerechnet  werden,  in  welchen  sie  durch  die 
Hen-schaft   der  Feinde  festgehalten  worden  sind.^ 

ee)  Freie,  die  zu  den  Zeiten  des  Tyrannen  der  Sklaverei  zugesprochen 
worden  sind,  sollen  der  Ingenuität  wiedergegeben  werden.  Wird  Je- 
mand wissentlich   einen  in   dieser  Art  zugesprochenen   Freien  in   der 


1)  Hiervon   spricht  T  nicht. 

2)  Der  Aditus  petitionis  erschlossen  werden  Sine  auxilio  praetoris,  agnatione  durante. 

3)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  5,  2  c. 


bb)  C.  2,  19,  1.  .  .  germanis  tantum- 
modo  fratribus  adversus  eos  duntaxat  insti- 
tutos  heredes,  quibus  iniustas  constiterit  esse 
notas  detestabilis  turpitudinis,  agnatione 
durante,  sine  auxilio  praetoris,  petitionis  adi- 
tus reseretur. 

P.  4,  8,  5.  Ab  hostibus  captus  neque  sui 
neque  legitimi  heredis  ius  amittit  postliminio 
reversus. 

cc) 


P.  3.  6,  1,  Qui  ab  hostibus  captus  est,  .  . 
valet  testamentum  id,  quod  ante  captivitatem 
factum  est,  si  revertatur,  iure  postliminii  .  . 

dd)  N.  V.  12,  1,  12.  .  .  Afrorum  negotiis, 
qui  se  probaverint  necessitatem  Vandalicam 
pertulisse:  ut  de  eorum  causis  illa  tempora 
praefixo  tricennio  subtrahantur,  quae  claruerit 
sub   hostilitate  consumta  .  . 

ee)  C.  5,  6,  1.  Universi  devotionis  studio 
contendant,  si  quos  in^enuis  natalibus  pro- 
creatos   sub   tyrunno   ingenuitatem  amississe 


.  .  (Sed)  germanis  fratribus  praetermissis, 
id  est  uno  patre  natis,  si  turpibus  personis  .  . 
fuerit  hereditas  derelicta, . .  agendicontratesta- 
mentum  licentia  reservatur:  si  tarnen  is  ipse 
germanus  non  .  .  per  captivitatem  fuerit  ser- 
vus  effectus  ,  . 


G.  2,  3.  5.  ,  .  testamenta  iure  facta  in- 
firmantur,  si  aliquis  post  factum  testamen- 
tum ,  ,  ab  hostibus  capiatur  .  . 

Qui  ab  hostibus  captus  fuerit, .  .  si  quod 
testamentum  ante  fecit,  si  redierit,  iure  post- 
liminii valet  .  . 

.  .  sicut  de  postliminio  dictum  est,  ut  illi 
anni  salvo  tricennio  captivis  imputari  non 
debeant,  in  quibus  hostium  dominatione  de- 
benti  sunt  .  . 

Ingenui,  qui  tyranni  temporibus  addicti 
sunt  servituti,  ingenuitati  reddantur.  Quod 
si  quis  sciens  hoc  ordine  addictum  ingenuum 


Entstehung  der  Servitus  §  5. 


45 


Sklaverei  gehalten  haben,   so  möge  er  wissen,    dass  gegen   ihn   nach 
den  Gesetzen  einzuschreiten  ist.^ 

c)  Alle,    die   dnrch   den  Zwang   der  Gefangenschaft   fortgeführt   worden,    und   c.  5, 5,  i 
nicht  freiwillig,  sondern  durch  feindliches  Beutemachen  zu  den  Feinden  ge- 
langt   sind,   sollen  ohne  AViderspruch    von    selten    irgend   einer  Person,    zu  • 

der  Zeit,  dass  sie  zurückgekehrt  sein  werden.  Alles  dasjenige  ^vindi- 
zieren und  in  Anspruch  nehmen,^  was  sie  auch  immer  in  Grundstücken, 
bez.  Sklaven,  vorher  innegehabt  haben,  sei  es,  dass  es  von  dem  Fiskus  be- 
sessen wird,  sei  es,  dass  irgend  etwas  hiervon  durch  den  Princeps  einer 
beliebigen  Person  geschenkt  worden  ist.  Vorausgesetzt  indessen,  dass  sie 
bei  den  Feinden^  nicht  freiwillig  gewesen  sein,  sondern  nachgewiesen  haben 
werden,  dass  sie  durch  Gefangenschaft  zurückgehalten  worden  sind. 

d)  *Wenn  diejenigen,  welche  von  den  Feinden  zur  Zeit  der  Gefangennehmung   c.  5, 5, 2 


1)  T  spricht,  ausser  von  wissentlicher,  von  einer  den  offenkundigsten  Zeugnissen 
widersprechenden  Zurückhaltung  und  verordnet  die  Verhängung  der  schwersten  Strafen, 
und  zwar  auch  über  diejenigen,  welche  unter  Unterdrückung  des  ihnen  bekannten  Sach- 
verhalts zu  Unrecht  den  Zwang  der  Sklaverei  tragen  lassen. 

2)  Iure  postliminii  zurückempfangen.  3)  Bei  den  Barbaren. 

4)  T    schickt    den    Satz    voraus,    dass    Niemand    Menschen    verschiedener  Provinzen, 


aut  propria  content!  conscientia  aut  aliorum 
indiciis  recognoscunt,  natalibus  suis  resti- 
tuere,  nee  exspectata  iudicis  interpellatione. 
Nam  si  quis  contra  conscientiam  suam  vel 
certissima  testimonia  plurimorum  in  eadem 
avaritiae  tenacitate  permanserit,  severissima 
poena  mulctabitur.  Placet  autem,  etiam  eos 
periculo  subiugari,  qui  scientes  ingenuos  ser- 
vitutis  necessitatem  per  iniuriam  sustinere 
dissimulant. 

c)  C.  5,  5,  1.  Si  quos  forte  necessitas 
captivitatis  abduxit,  sciant,  si  non  trans- 
ierunt,  sed  hostilis  irruptionis  necessitate 
transducti  sunt,  ad  proprias  terras  festinare 
debere  recepturos  iure  postliminii  ea,  quae 
in  agris  vel  mancipiis  ante  tenuerunt,  sive 
a  fisco  nostro  possideantur,  sive  in  aliquem 
principali  liberalitate  transfusa  sunt.  Nee 
timeat  quisquam  alicuius  contradictionis  mo- 
ram,  quum  hoc  solum  requirendum  sit,  utrum 
aliquis  cum  barbaris  voluntate  fuerit  an 
coactus. 

d)  C.  5,  5,  2.  Diversarum  homines  pro- 
vinciarum  cuiuslibet  sexus,  conditionis,  aeta- 
tis,  quos  barbarica  feritas  captiva  necessitate 
transduxerat,  invitos  nemo  retineat,  sed  ad 
propria  redire  cupientibus  libera  sit  facultas. 
Quibus  si  quicquam  in  usum  vestium  vel  ali- 
moniae  impensum  est,  humanitati  sit  prae- 
stitum,   nee  maneat  victualis   sumtus  repeti- 


in  Servitute   tenuerit,    noverit  in   se  legibus 
vindicandum. 


Quicunque  necessitate  captivitatis  ducti 
sunt  et  non  sua  voluntate,  sed  hostili  deprae- 
dationeadadversariostransierunt,quaecunque 
in  agris  vel  mancipiis  antea  tenuerunt,  sive  a 
fisco  possideantur,  sive  aliquid  ex  his  per 
principem  cuicunque  donatum  est,  sine  ullius 
contradictione  personae  tempore,  quo  re- 
dierint,  vindicent  ac  praesumant,  si  tamen 
cum  adversariis  non  sua  voluntate  fuerint, 
sed  captivitate  se  detentos  esse  probaverint. 


Hi,  qui  ab  hostibus  tempore  captivitatis 
ducti  sunt,  si  ab  aliquibus  vel  ad  victum  vel 
ad  vestitum  aliquid  acceperunt,  quum  redire 
ad  propria  voluerint,  minime  aliquid  pro 
eorum  requiratur  expensis.  Tamen  si  pre- 
tium  pro  captivo  suo  praedator  acceperit, 
quod  dedisse  emtor  probaverit,  sine  dubi- 
tatione   recipiat.     Quod   si   pretium    non   ha 


46 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Aveggeführt  worden  sind,  seitens  irgendwelcher  Personen,  sei  es  auf  Nahrung 
oder  auf  Kleidung,  irgend  etwas  in  Empfang  genommen  haben,  soll,  sobald 
sie  in  ihre  Hehiiat  werden  haben  zurückkehren  wollen,  durchaus  nicht  irgend 
etwas  für  ihre  Ausgaben  verlangt  werden.  Wird  jedoch  der  Beutemacher ^ 
für  seinen  Gefangenen  einen  Preis  empfangen  haben,  so  soll  der  Loskäufer 
ohne  Zweifel  zurückempfangen,  was  er  gegeben  zu  haben  erwiesen  haben 
wird.  Wird  der  Gefangene  den  Preis  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er 
während  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  dem  Loskäufer  dienen^  und 
nach  dem  Zeitraum  von  fünf  Jahren  ohne  Preis  der  Ligenuität  wieder- 
gegeben werden.  Wird  dann  Jemand ^  dieser  so  gerechten  Vorschrift  sich 
zu  widersetzen  versucht  haben,  ^so  möge  er  wissen,  dass  er  dem  Exil  zu 
überliefern,^  wird  er  jedoch  Besitzer  gewesen  sein,  sein  Vermögen  zu 
konfiszieren  ist.  Mit  Bezug  auf  die  Christen,  ^  die  sich  um  den  Loskauf 
bemühen  müssen,    wollen  wir,    dass    sie    um   die  Gefangenen  besorgt    sind. 


irgendwelchen  Geschlechts  Standes  Alters,    die  die  barbarische  Wildheit  durch  den  Zwang 
der  Gefangenschaft  weggeführt  hatte,  wider  ihren  Willen  zurückhalten  solle. 

1)  Die  Barbaren. 

2)  T  fügt  hinzu,   dass  es  unter  Aufrechthaltung  seiner  Libertas  geschehe,  falls  er  in 
derselben   geboren  ist. 

3)  Ein  Actor  Conductor  procuratorque. 

4)  So  soll  er  den  Bergwerken  mit  Deportationsstrafe  überliefert  werden. 

5)  Die  Christiani  der  nächsten  Orte. 


exceptis  iis,  quos  barbaris  vendentibus  emtos 
esse  docebitur,  a  quibus  status  sui  pretium 
propter  utilitatem  publicam  emtoribusaequum 
est  redhiberi.  Ne  quando  enim  damni  consi- 
deratio  in  tali  necessitate  positis  negari  faciat 
emtionem,  decet  redemtos  aut  datuni  pro  se 
pretium  emtoribus  restituere  aut  labore,  ob- 
sequio  vel  opere  quinquennii  vicem  referre 
beneficii,  habituros  incolumem,  si  in  ea  nati 
suntjlibertatem.  Reddantur  igitur  sedibus  pro- 
priis  sub  moderatione,  qua  iussimus,  quibus 
iure  postliminii  etiam  veterum  responsis  in- 
columia  cuncta  servata  sunt,  Si  quis  itaque 
huic  praecepto  fuerit  conatus  obsistere  actor, 
conductor  procuratorque,  dari  se  metallis 
cum  poena  deportationis  non  ambigat ;  si 
vero  possessionis  dominus,  rem  suam  fisco 
noverit  vindicandam  seque  deportandum.  Et 
ut  facilis  executio  proveniat,  Christianos  pro- 
ximorura  locorum  volumus  huius  rei  sollici- 
tudinem  gerere.  Curiales  quoque  proxima- 
rum  civitatum  placuit  admoneri,  ut  emergen- 
tibus  talibus  causis  sciant,  legis  nostrae  auxi- 
lium  deferendum;  ita  ut  noverint  rectores 
universi,  decem  libras  auri  a  se  et  tantun- 
dem  a  suis  apparitionibus  exigendum,  si  prae- 
ceptum  neglexerint. 


buerit,  quinquennio  serviat  captivus  emtori 
et  post  quinquennium  sine  pretio  ingenui- 
tati  reddatur  .  .  Si  quis  itaque  huic  tarn  iustae 
praeceptioni  resistere  tentaverit,  noverit  se 
exilio  deputandum:  si  vero  possessor  fuerit, 
facultatem  suam  fisci  viribus  addicen- 
dam.  Sane  Christianos,  qui  redemtioni  stu- 
dere  debent,  pro  captivis  volumus  esse  solli- 
citos.  Ad  curiales  etiam  ista  sollicitudo  per- 
tineat,  ita  ut  omnes  iudices  sciant,  decem 
libras  auri  fisco  se  daturos,  qui  huius  legis 
praecepta  neglexerint. 


Entstellung  der  Servitus  §  5. 


47 


Auch  die  Kurialen^  soll  diese  Fürsorge  angehen:  mit  der  Massgabe,  dass 
alle  ludices  '^  wissen  mögen,  dass  sie  ^  dem  Fiskus  zehn  Pfund  Gold  geben 
werden,  falls  sie  die  Vorschriften  dieses  Gesetzes  verwahrlost  haben  werden, 
e)  Hat  Jemand,  der  von  den  Feinden  gefangen  gewesen  sein  wird,  vorher  P-  3, 6,  i 
ein  Testament  gemacht,  so  ist  es,  falls  er  dort  gestorben  sein  wird,  durch 
das  Benefiz  der  Lex  Cornelia,  durch  welches  Gesetz  auch  die  gesetzlichen 
Tutelen  und  Erbschaften  bestätigt  werden,  giltig.  Wenn  der  Vater,  der  g.  e,  2 
von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  in  der  Gefangenschaft  stirbt,  werden 
von  der  Zeit,  dass  er  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  die  Kinder 
als  Personen,  die  Sui  iuris  geworden  sind,  angesehen. 

2)  Verkauf. 

a)  Wird  irgend  einen   Freien   der  Vater  aus  Armut  verkauft   haben,   so   wird   c.  3, 3, 1 
er  nicht  in  dauernder  Knechtschaft  verharren  können,  sondern  ^soll  zu  seiner 
Ingenuität  zurückkehren,    wenn    er  seiner  Knechtschaft   genügt  haben  wird, 

und  zwar  sogar  ohne  Rückgabe  des  Preises.'^ 

Diejenigen,  welche  im  Hinblick  auf  die  äusserste  Not  oder  um  des   p.  5, 1,1 
Lebensunterhaltes    willen   ihre  Kinder    verkauft   haben    werden,    thun 
dem  Status  ihrer  Ligenuität  keinen  Eintrag:   denn   ein  freier  Mensch 
w^ird  zu  keinem  Preise  geschätzt. 

b)  ^Wenn  irgendwelche  Freie  ihre  Söhne   bei   irgendwelchem  Notstande    oder  ii^'^-i 


1)  Die  Kurialen  der  nächsten  Gemeinden,  2)  Rektoren. 

3)  T  fügt  die  Apparitoren  hinzu. 

4)  Er,  cui  non  minimi  temporis  spatio  satisfecit  ingenuus,   darf  nicht  Ersatz  für  den 
Preis  fordern. 

5)  T  beginnt  mit  dem  Hinweis  auf  die  Hungersnot,    die   ganz  Italien   verwüstet  und 


e)  P.  3,  6,  1.  Qui  ab  hostibus  captus  est,  .  . 
valet  testamentum  id,  quod  ante  captivita- 
tem  factum  est,  .  .  si  ibidem  decedat,  bene- 
ficio  legis  Corneliae,  qua  lege  etiam  legiti- 
mae  tutelae  hereditatesque  firmantur. 


2)  a)  C,  3,  3,  1.  Omnes,  quos  parentum 
miseranda  fortuna  in  servitium,  dum  victum 
requirit,  addixit,  ingenuitati  pristinae  refor- 
mentur.  Nee  sane  remunerationem  pretii 
debet  exposcere,  cui  non  minimi  temporis 
spatio  satisfecit  ingenuus. 

P.  5,  1,  1.  Qui  contemplatione  extremae 
necessitatis  aut  alimentorum  gratia  filios  suos 
alii  vendiderint,  statui  ingenuitatis  eorum  non 
praeiudicant:  homo  enim  über  nullo  pretio 
aestimatur  .  . 

b)  N.  V.  11,  1  pr.  1.  Quum  diebas  omnibus 


Qui  ab  hostibus  captus  fuerit, . .  si  quod  testa- 
mentum ante  fecit, . .  si  ibidem  defecerit,bene- 
ficio  leo-is  Corneliae  (qua  lege  etiam  legiti- 
mae  tutelae  hereditatesque  firmantur)  valet. 

G.  6,  2.  .  .  Si  (vero)  pater,  qui  ab  hostibus 
captus  est,  in  captivitate  moriatur,  ab  eo 
tempore,  quo  ab  hostibus  captus  est,  filii  sui 
iuris  effecti  intelliguntur. 

Si  quemcunque  ingenuum  pater  faciente 
egestate  vendiderit,  non  poterit  in  perpetua 
Servitute  durare,  sed  ad  ingenuitatem  suam, 
si  servitio  suo  satisfecerit,  non  reddito  etiam 
pretio,  revertatur. 


quicunque  ingenui  filios  suos  in  qualibet 


48 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


zur  Zeit  der  Hungersnot,  durch  diesen  Notstand  gezwungen,  verkauft  haben 
werden,  soll  der  Käufer,  falls  er  zu  fünf  Solidi  gekauft  hat,  sechs,  falls  zu 
zehn,  entsprechend  zwölf  Solidi  zurückempfangen,  oder,  wenn  zu  mehr,  nach 
dem  bezeichneten  Verhältnis  eine  Erhöhung  des  Preises  erzielen.  Wird 
Personen  dieser  Art  irgend  Jemand,  entweder  zu  fremden  Völkern^  oder 
nach  überseeischen  Orten  überzuführen  oder  zu  verkaufen  sich  angemasst 
haben,  so  möge  derjenige,  welcher  es  sich  gegen  die  Satzungen  angemasst 
haben  wird,  wissen,  dass  er  sechs  Unzen  Gold  dem  Fiskus  entrichten  werde. 


zum  Verkaufe  von  Eltern  und  Kindern  geführt  habe,  und  fügt  hinzu,  von  Alters  gelte,  dass 
der  Verkauf  die  Ingenuität  nicht  beeinträchtige. 
1)  Zu  den  Barbaren. 


et  momentis  Studium  celsitudinis  tuae  et  solli- 
citudinem  pervigilem  circa  utilitatem  publi- 
cam  comprobemus,  etiam  praesenti  insinuati- 
one  monstrasti,  qua  nullum  pateris  benigna 
et  salubri  Providentia  addictae  per  necessi- 
tatem  ingenuitati  praeiudicium  provenire. 
Ostendis,  non  omnia  sinistrae  licere  fortunae, 
ut  Status,  quem  illa  voluit  inopia  cogente 
mutari,  ad  splendorem  suum  humanitatis  no- 
strae  beneficio  reducatur.  Notum  est,  proxime 
obscoenissimam  famem  per  totam  Italiam 
desaevisse,  coactosque  homines  filios  et  pa- 
rentes  vendere,  ut  discrimen  distantis  mortis 
effugerent.  Tantum  unicuique  miseranda  ma- 
cies  et  letalis  pereuntium  pallor  extorsit,  ut 
totius,  quem  natura  concessit,  amoris  obliti, 
alienare  suos,  genus  pietatis  putarent.  Nihil 
est  enim,  ad  quod  non  desperatio  salutis  im- 
pellat:  nil  turpe,  nil  vetitum  credit  esuriens: 
sola  cura  est,  ut  qualicunque  sorte  vivatur. 
Sed  iniquum  iudico,  ideo  libertatem  perire, 
quia  vita  non  perit,  et  agi  horrore  vilissimae 
servitutis,  ut  exitium  pudeat  evasisse.  Cui 
non  ingenuo  mori  satius  est,  quam  iugum  ser- 
vile perferre?  lila  sunt  dulcia,  quae  prae- 
stita  non  deformant,  quae  accepisse  delectet, 
quibus  uti  non  turpe  sit.  Dici  beneficium  non 
potest,  si  pereat,  quod  servis  pro  summa  re- 
muneratione  praestatur.  Igitur  libero  statu i, 
cui  specialiter  sapientissimi  conditores  iuris 
legesque  voluerunt  esse  consultum,  nullum 
praeiudicium  patior  irrogari;  renovans  sta- 
tuta maiorum,  venditionem  censeo  summoveri, 
quam  praedicta  fames  de  ingenuis  fieri  per- 
suasit:  ita  sane,  ut  emtor  pretium  sub  quintae 
adiectione  recipiat,  hoc  est,  ut  quinto  solido 
unus  addatur,  decimo  duo,  similiter  crescente 
numero,  quamcunque  summam  venditio  facta 
designat.  Ita  fit,  ut  neque  illum  rebus  af- 
flictis    ac    desperatis    emisse    poeniteat,    qui 


necessitate  seu  famis  tempore  vendiderint, 
ipsa  necessitate  compulsi,  emtor  si  quinque 
solidis  emit,  sex  recipiat,  si  decem,  duodecim 
solidos  similiter  recipiat,  aut  si  amplius,  se- 
cundum  suprascriptam  rationem  augmentum 
pretii  consequatur.  Nam  si  huius  modi  per- 
sonas  aliquis  aut  ad  extraneas  gentes  aut 
transmarina  loca  transferre  aut  venumdare 
praesumserit,  ipse,  qui  hoc  contra  statuta  prae- 
sumserit,  sex  auri  uncias  fisco  se  noverit 
illaturum. 


Entstehung  der  Servitus  §  5. 


49 


c)  Wenn  Jemand   ein  kleines    Kind   unmittelbar   nach   der    Geburt   gekauft  ^   c.5, 8,  i 
mKp  aufgezogen    haben   wird,    soll  er   die  freie  Befugnis  haben,   es  zu  be- 
halten und  zu  besitzen.    Wird  freilich  der  Herr  oder  Vater  das  Aufgezogene 
haben    zurückempfangen   wollen,    so  wird  er  entweder  dem  Ernährer  einen 
Sklaven   von  gleichem  Wert  geben,  oder  soll  der  Ernährer  den  Preis,   wie 

viel  der  Aufgezogene  wert  gewesen  sein  wird,  erzielen.^ 

d)  Wenn  diejenigen,  w^elche  sich  im  grossjährigen  Alter  befinden  und  sich  be- 
wusst  sind,  Freigeborene  oder  Freigelassene  zu  sein,  sich  werden  haben 
verkaufen  lassen,  sollen  sie  in  der  Knechtschaft  verharren,  in  welche  sie 
wissentlich  aus  freien  Stücken  übergehen. 

*Wird  ein  Minderjähriger,  der  verkauft  worden  ist,  nachdem  er  nach  den 
25  Jahren  seines  Alters  bereits  grossjährig  geworden  ist,  Sklaven dienste  geleistet 
haben    ^oder   in    den  Sachen   des  Käufers   als  Aktor  oder  Ordinator  einer 


e) 


C.  4,  8,  2 


4,  8,  2, 
1—7 


1)  In  irgendwelcher  Weise  legitim  erworben.  2)  Oder. 

3)  T  fügt  hinzu,  dass  derjenige,  welcher  den  im  Instrument  verzeichneten  Preis  ent- 
richtet, das  freie  Verfügungsrecht  habe,  und  die  Kontravenienten  der  Strafe  unterliegen. 

4)  T  schickt  den  Satz  voraus,  dass  von  Alters  die  Väter,  denen  das  lus  vitae  necisque 
gegen  ihre  Kinder  gewährt  sei,  dennoch  ihnen  die  Freiheit  nicht  rauben  dürfen  (pr. :  Libertati 
amaioribus  tantum  impensum  est,  ut  patribus,  quibus  ius  vitae  in  liberos  necisque  potestas 
permissa  est,  eripere  libertatem  non  liceret). 


amplius  recipiat,  quam  ad  pretium  dederat, 
nee  pereat  sub  tanta  clade  distracta  liber- 
tas.  Si  quis  sane  barbaris  venditionem  pro 
hibitam  fecerit,  vel  emtum  ingenuum  ad  trans- 
marina  transtulerit,  sciat,  se  sex  auri  uncias 
fisci  viribus  illaturum. 

c)  C.  5,  8,  1.  Secundum  statuta  priorum 
principum,  si  quis  infantem  a  sanguine  quoque 
modo  legitime  comparaverit  vel  nutriendum 
putaverit,  obtinendi  eins  servitii  habeat  po- 
testam:  ita  ut,  si  quis  post  seriem  annorum 
ad  libertatem  eum  repetat  vel  servum  defen- 
dat,  eiusdem  modi  alium  praestet  aut  pretium, 
quod  potest  valere,  exsolvat.  Qui  enim  pre- 
tium competens  instrumento  confecto  dederit, 
ita  debet  firmiter  possidere,  ut  et  distrahendi 
pro  suo  debito  causam  liberam  habeat:  poenae 
subiciendis  iis,  qui  contra  hanc  legem  venire 
tentaverint. 


e)  C.  4,  8,  2,  1 — 7.  Si  quisquam  minor 
venumdatus  actum  maior  administravit,  quo- 
niam  minoris  emtio  scientiam  non  obligat, 
eum  ad  libertatem  venientem  emtionis  actus- 

Conrat,  Breviarium. 


Si  quis  infantem  a  sanguine  emerit  et 
nutrierit,  habendi  eum  et  possidendi  liberam 
habeat  potestatem.  Sane  sinutritum  dominus 
vel  pater  recipere  voluerit,  aut  eiusdem 
meriti  mancipium  nutritori  dabit,  aut  pretium 
nutritor,  quantum  valuerit,  qui  nutritus  est, 
consequatur. 


C.  4,  8,  2.  .  .  Hi  (vero\  qui  in  annis  maiori- 
bus  constituti  sunt,  scientes  se  esse  ingenuos 
vel  libertinos,  si  vendi  acquieverint,  in  ea, 
ad  quam  scientes  sua  voluntate  transeunt, 
Servitute  permaneant  . 

Minor  venditus,  si  post  viginti  et  quinque 
aetatis  suae  annos  iam  maior  effectus  servi- 
9rit  aut  in  rebus  emtoris  actor  aut  cuius- 
libet   rei  ordinator  fuerit  constitutus,    quum 

4 


50 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


beliebigen  Sache  eingesetzt  gewesen  sein/  so  soll  er,  sobald  er  wegen 
seiner  Ingenuität  proklamiert  haben  wird,  ohne  Präjudiz  wegen  des  von 
ihm  geleisteten  Dienstes,  gehört  werden,  und  ihm  der  Umstand,  "dass 
er  das  Haus  desjenigen,  von  dem  er  gekauft  worden  ist,  bez.  dessen 
Interessen,  im  grossjährigen  Alter  wahrgenommen  zu  haben  erachtet  worden 
ist,2  keinen  Nachteil  bereiten.*^  *Auch  mit  Bezug  auf  Freigelassene 
wird    in  Acht    genommen,    dass    für  diejenigen,    welche    innerhalb  vierzehn 


1)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

2)  Es  ist  bei  T  zugleich  davon  die  Rede,  dass  der  Verkauf  nicht  zum  Nachteil  gereiche. 

3)  T  motiviert  den  Satz  mit  den  Worten  Quoniam  minoris  emtio  scientiam  non  obligat. 
4j  Bei  T  ist  von  diesem  Fall  erst  nach  dem  Folgenden  die  Rede. 


que  a  maiore  administrati  praescriptio  non 
tenebit:  nee  vero  ille,  qui  apud  quempiam 
pro  servo  educatur,  ac  maior  elFectus  vendenti 
veluti  domino  acquievit  actuque  administrato 
iam  paene  extremam  relegit  libertatem, 
(quoniam  neque  maior  efFectus  originem 
suam  noverat,  neque  eam,  quam  ignoraverat, 
venditionem  patiens  deseruisse  iudicandus 
est)  minori  similis,  eadem  emtionis  atque 
actus  administrati  praescriptione  non  alli- 
gabitur,  sed  utrique  dabitur  assertio.  Paria 
etiam  in  libertinis  erunt,  qui  quaestu  quodam 
in  eandem  rursus  servitutem  relabuntur.  Sed 
eorum  hac  exceptione  causa  distinguenda  est, 
ut,  qui  impuberes  intra  annum  quartum  deci- 
mum  raanumissi  ac  deinceps  in  servitio  retenti 
ignorata  libertate  non  utantur,  maioresque 
venumdati  actum  gerant,  ab  assertione  non 
arceantur:  quum  illi  aetati  tributae  libertatis 
ignoratio  aut  oblivio  concessa  est.  Qui  vero 
memoria  firma  venditioni  post  factae  non 
nescius  innectitur,  huius  legis  beneficio  care- 
bit.  Et  quoniam  vicissim  etiam  ipsis,  qui  his 
rem  commiserunt,  medendum  est,  si  quisquam 
omnium,  qui  supra  comprehensi  sunt,  in  liber- 
tatem proclamaverit,  id,  quod  apud  se  esse 
eins,  qui  se  dominum  dicit,  profitebitur,  quo- 
niam de  eo  non  dubitatur,  reddi  ac  referri 
iudex  protinus  pronuntiabit.  Quod  vero  peti- 
tur,  si  id  fuerit  negotiatione  controversum, 
per  cautionem  assertoris,  ut  alia  lege  cora- 
prehensum  est,  conservabitur,  ac  petitio  dif- 
feretur,  ut,  si  fuerit  approbata  propria  liber- 
tas,  gestarum  rerum  ab  eodem  ratio  atque 
omne,  quod  debebitur,  reposcatur,  ut  Servitute 
depulsus,  qui  pro  domino  quondam  fuerat, 
habeat,  quod  ut  servo  domini  iure  largitus 
est,  et  quae  ex  earum  rerum  quaestu  ac 
fructibus  conciliata  sunt,  et  quae  de  fartivis 
compendiis  obscure  capta  ac  parta  sunt, 
quum  liberum  esse  non  oporteat,  quod  apud 


de  ingenuitate  sua  proclamaverit,  sine  prae- 
iudicio  servitii,  quod  gesserit,  audiatur,  nee 
hoc  ei  praeiudicium  generet,  quod  eins,  a 
quo  emtus  est,  domum  aut  utilitates  in  annis 
maioribus  positus  visus  est  ordinasse.  Hoc 
etiam  de  libertis(lex  haec  praecepit)  custodiri, 
ut,  qui  intra  quatuordecira  annos  fuerint 
manumissi  et  actum  in  maiore  aetate  positi 
gesserint  patronorum,  libertati  eorum  actus 
non  praeiudicet  servitutis,  sed  quum  voluerint, 
suas  aut  de  ingenuitate  aut  de  libertinitate, 
intra  tempora  legibus  constituta,  proferant 
actiones.  Sic  etiam,  si  quis  minor  ingenuus 
a  quolibet  fuerit  educatus  et,  liberum  se  esse 
nesciens,  fuerit  a  nutritore  distractus  et  actum 
vel  utilitatem  illius,  a  quo  emtus  est,  ut  ser- 
vus  gesserit,  priusquam  triginta  annorum 
praeiudicio  teneatur,  potestatem  habeat  recla- 
mandi,  et  quasi  minor  is,  priusquam  tempora 
suppleantur,  amissamrecipiat  libertatem.  Quic- 
quid  vero  eis  ille,  a  quo  emti  sunt,  vel  tra- 
didit  vel  donavit  vel  quaecunque  ex  rei  suae 
administratione  profecit,  totum  retinendi  ac 
revocandi  habeat  potestatem.  Si  vero  huius- 
modi  personis  aliquid  a  quibuscunque  aliis 
aut  testamento  aut  donatione  collatum  est, 
id  solura  sibi  iam  liberi  vindicent:  nam  quod 
de  re  patroni  libertus  vel  emtoris  ingenuus, 
dum  sorviret,  profecit,  libertati  redditus  liber- 
tus patrono,  ingenuus  emtori  restituat  . 


Entstehung  der  Servitus  §  5.  51 

Jahren  freigelassen  gewesen  sein  und  ^im  grossjährigen  Alter  befindlich 
Dienst  bei  ihreii  Patronen  verrichtet  haben  werden/  der  Sklavendienst  ihrer 
Freiheit  nicht  nachteilig  sein  solle.''  Vielmehr  sollen  sie,  wenn  sie  gewollt 
haben  werden,  ihre  Klagen,  entweder  mit  Bezug  auf  Ingenuität  oder  mit 
Bezug  auf  Libertinität,  '^innerhalb  der  in  den  Gesetzen  verordneten  Fristen  '^ 
vorbringen.*  So  soll  auch,  wenn  ein  minderjähriger  Freigeborener  von  einer 
beliebigen  Person  erzogen^  und  er,  ^'ohne  zu  wissen,  dass  er  ein  Freier  ist,  von 
dem  Ernährer  verkauft  gewesen  sein  und  den  Dienst,  bez.  das  Interesse,  des 
jenigen,  von  dem  er  gekauft  worden  ist,  als  Sklave  wahrgenommen  haben  wird,^ 
^ bevor  er  durch  das  Präjudiz  der  dreissig  Jahre  gebunden  wird,"'  die  Befugnis 
der  Beklamation  haben  und,  ^bevor  die  Fristen  voll  sind,'^  als  sei  er 
ein  Minderjähriger,  die  verlorene  Freiheit  wiedergewinnen.'  Alles  aber, 
was  ihnen  derjenige,  von  dem  sie  gekauft  worden  sind,  sei  es  übergeben, 
sei  es  geschenkt  hat,  sei  es,  was  derselbe  aus  der  Verwaltung  seiner 
Sache  verdient  hat,  soll  dieser  völlig  zurückbehalten  und  widerrufen  dürfen. 
Ist  jedoch  irgend  etwas  Personen  dieser  Art  von  beliebigen  Andern  entweder 
durch  Testament  oder  durch  Schenkung  übertragen  worden,  so  sollen  sie, 
die  bereits  frei  sind,  dieses  lediglich  für  sich  in  Anspruch  nehmen:  was 
aus  dem  Vermögen  des  Patrons,  bez.  des  Käufers,  der  Freigelassene,  bez. 
der  Freigeborene,  während  er  in  Knechtschaft  war,  verdient  hat,  soll  nach 
seiner  Rückgabe  in  die  Freiheit  der  Freigelassene  dem  Patron,  der  Frei- 
geborene dem  Käufer  zurückerstatten.^ 


1)  Darauf  in  der  Knechtschaft  zurückgehalten  sich  der  ihnen  unbekannten  Freiheit 
nicht  bedienen  und,  als  Grossjährige  verkauft,  Dienst  leisten. 

2)  T  motiviert  den  Satz  damit,  dass  diesem  Alter  Ignoratio  aut  oblivio  der  ihm  zu- 
ständigen Freiheit  gestattet  worden  ist,  und  schliesst  ausdrücklich  die  Anwendung  auf 
ältere  Personen  aus. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede.  4)  Vgl.  S.  50  Anm.  4. 

5)  Als  Sklave  erzogen. 

6)  Nachdem  er  grossjährig  geworden  ist,  sich  dabei  beruhigt  hat,  dass  ihn  jener,  als 
sei  er  sein  Herr,  verkauft,  und  nach  Verrichtung  von  Sklavendienst  noch  den  letzten  Rest 
von  Freiheit  zusammengerafft  hat. 

7}  T  motiviert  die  Entscheidung  damit,  dass  er  weder  als  Maior  seine  Origo  kannte, 
noch   darum  zu  erachten  ist,  diese  durch  Duldung  des  Kaufs  im  Stiche  gelassen  zu  haben. 

8)  Was  der  als  Sklave  Behandelte  zugestandenermassen  aus  dem  Vermögen  des  Herrn 
besitzt,  ist  sofort  zurückzugeben.  Ist  dagegen  dasjenige,  was  gefordert  wird,  Negotiatione 
controversum,  so  hat  es  der  Assertor  mittels  Kaution  sicher  zu  stellen.  Ist  dann  die  Frei- 
heit des  Quasisklaven  gerichtlich  erwiesen,  so  hat  er  Rechenschaft  abzulegen  und  sich  mit 

servum  dominus  peculii  nomine  collocaverat. 
Ea  vero,  quae  testamento  aut  donatione  quae- 
sita  sunt,  aut  quae  ex  earum  rerum  emolu- 
mentis  emta  confectaque  sunt,  eidem  ingenuo 
deputentur.  Quae  tamen  universa  exacto  liber- 
tatis  iudicio,  quo  a  supra  dictis  rebus  dis- 
cernuntur,  in  sequestri  esse  oportet,  ut,  his 
ab  utroque  deductis  atque  in  medio  iure 
locatis,  ad  eorum  proprietatem  uterque  con- 
tendat. 

4* 


52 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


3)  Strafe. 

a)  Bestrafung  der  flüchtigen  Kolonen. 
c.  5, 9, 1       a)  Wenn  Jemand  einen  fremden  Kolonen  wissentlich  in  seinem  Hause  zurück- 
behalten haben  wird,   soll  er  ihn  zunächst  dem  Herrn  zurückgeben,   dieser 
aber,   der  nicht  sein   wollte,  wozu  er    geboren  ist,   in  die  Sklaverei   versetzt 
werden.^ 
ß)  ßevocatio  in  servitutem. 
c.  4,10,1       a)  Welche    Person    sklavischen  Standes    auch   immer    von    ihrem    Herrn    die 
Freiheit  erworben  gehabt  und  hernach  auszuschreiten  begonnen  haben  oder 
den  Patron,    das  ist   ihren  Freilasser,    verletzt    haben    wird,    sie  soll,  unter 
Verlust  der  von  ihr  erzielten  Freiheit,  in  die  Sklaverei  zurückgerufen  werden, 
ß"?'^*!        ^)  ^Freigelassene,    ^die    Römische   Bürger    geworden  sind,^    sollen    von    den 


dem  Gegner  derart  auseinanderzusetzen,  dass  er  alles  herausgeben  muss,  was  ihm  der 
Quasiherr  geschenkt  hat,  bez.  was  daraus  an  Erwerb  oder  Früchten  erwachsen,  sowie  was 
im  Geheimen  durch  verborgenen  Gewinn  eingenommen  ist,  während  dasjenige,  was  durch 
Testament  oder  Schenkung  erworben  oder  mit  Hilfe  dessen  gekauft  oder  gewonnen  ist,  dem 
Quasisklaven  zukommt.  Bis  diese  Auseinandersetzung  stattgefunden  hat,  ist  das  Vermögen 
sequestriert  zu  halten. 

1)  Die  Kolonen,  welche  die  Flucht  planen,  werden  in  Eisen  In  servilem  conditionem 
gefesselt,  sodass  sie  die  den  Freien  gebührenden  Officia  Merito  servilis  condemnationis 
zu  verrichten  gezwungen  werden. 

2)  T  beginnt  mit  der  Ausführung,  dass  die  Sanctiones,  welche  Sub  ingrati  actione  die 
Freigelassenen  der  Revocatio  in  servitutem  seitens  der  Erben  der  Freilasser  aussetzen,  für 
unbillig  zu  erachten  seien. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


3a)  a)  C.  5,  9,  1.  (Apud  quemcunque  colo- 
nus  iuris  alieni  fuerit  inventus,  is  . .  eundem 
origini  suae  restituat)  .  .  Ipsos  etiam  colonos, 
qui  fugam  meditantur,  in  servilem  conditionem 
ferro  ligari  conveniet,  ut  officia,  quae  liberis 
eongruunt,  merito  servilis  condemnationis 
compellantur  implere. 

ß)  a)  C.  4,  10,  1.  Libertis  ingratis  in  tan- 
tum  iura  adversa  sunt,  ut,  si  quadam  iactantia 
vel  contumacia  cervices  erexerint  aut  levis 
offensae  contraxerint  culpam,  a  patronis  rur- 
sus  sub  imperia  ditionemque  mittantur. 

b)  N.  V.  6,  1,  pr.  1.  Quum  iuris  aequitas 
Omnibus  dominis  in  commune  permiserit, 
fructu  libertatis  et  praemio  fortunam  mutare 
servorum,  nee  manumissoris  posteros  his 
graves  esse  conveniat,  quos  meliere  iudicio 
tanti  muneris  auctor  evexerit,  duras  nimis 
bene  meritis  credimus  sanctiones,  quae  sie 
opprimunt  sub  ingrati  actione  libertos,  ut 
ab  heredibus  defunctorum  praecipiant  in 
servitutem  vocari,  tanqua;m  contra  iniuriarum 
vel  superbiae  reos  nulla,  nisi  abrogandae 
libertatis,  poena  sufficiat.    Huius  ergo  statuti 


Si  quis  alienum  colonum  sciens  in  domo 
sua  retinuerit,  ipsum  prius  domino  restituat 
.  .  :  ipse  vero,  qui  noluit  esse,  quod  natus 
est,  in  servitium  redigatur. 


Quaecunque  persona  servilis  a  domino 
suo  fuerit  consecuta  libertatem,  si  postea 
superbire  coeperit  aut  patronum,  id  est 
manumissorem  suum  laeserit,  amissa  über- 
täte, quam  meruit,  in  servitium  revocetur. 

(Lex  ista  constituit,)  ut  liberti,  qui  cives 
Romani  effecti  sunt,  ab  heredibus  manumis- 
sorum,  sive  filii  sint  sive  extranei,  proposita 
iniuriae  actione,  qua  se  dicunt  laesos,  pro 
occasione  istius  ingratitudinis  ad  servitium 
nullatenus  revocentur.  Sed  si  talis  casus 
emerserit,  quasi  contra  alios  ingenuos,  sie 
de  iniuriis  apud  iudicem  actio  proponatur. 


Entstehung  der  Servitus  §  5. 


53 


Erben  der  Freilasser,  mögen  es  Meren  Kinder,  mögen  es  Fremde^  sein, 
nach  Proponierung  ^der  Actio  wegen  einer  Injurie,  durch  welche  sie 
verletzt  zu  sein  behaupten,^  aus  Anlass  dieser  Undankbarkeit  unter  keinen 
Umständen  in  die  Sklaverei  zurückgerufen  werden.^  Vielmehr  soll,  wenn 
sich  ein  solcher  Fall  zugetragen  haben  wird,  wegen  der  Injurien  so,  wie 
gegen  andere  Freie,  bei  dem  Judex  die  Actio  proponiert  werden.*-  ^ 
Y)  Servitus  poenae. 

a)  Eine  Person  wird  aus  Anlass  der  Bergwerkstrafe  Servus  poenae.^  p.  3,  9,  is 

aa)  Ein  Niessbrauch  geht  durch  Capitis  minutio   unter,    wenn   der  Niess-    ^^  u  ib 
braucher  Servus  poenae  wird. 

b)  Dass   Jemand    des  Rechts    weder   als  Suus  noch   als  Legitimus  heres  ver-  p.  4, 8, 5 


1)  Fremde,  Söhne  und  Töchter,  Enkel  und  EnkeUnnen,  Blutsverwandte  jeden  Grades 
und  Namens. 

2)  Actio  contra  ingratos. 

3)  Bei  T    ist  ferner   davon    die  Rede,    dass    die   patroni  keinen  Anspruch  auf  Obse- 
quium  haben. 

4)  Vielmehr  sollen  sie  sich  Ad  coercendos  iniuriarum  reos  des  Jus  commune  bedienen. 

5)  T  rechtfertigt  zum  Schluss  noch  des  Näheren  die  Aufhebung  des  Satzes  Ut  in  ins 
vocati  postulet  servitutem, 

6)  Es  heisst  bei  T  mit  Bezug  auf  den  Untergang  des  Niessbrauchs,  dass  Jemand  ex 
causa  metalli  Sklave  wird. 


vigorem  benignius  corrigentes,  mansura  iu- 
giter  lege  decernimus,  ut,  si  quis  ex  familia 
sua  cuiuslibet  sexus  homines  libertate  dona- 
verit,  eins  heredes,  sive  extranei,  sive  filii 
sive  filiae,  sive  nepotes  neptesve  fuerint,  vel 
propinqui  cuiuscunque  cognationis  etnominis, 
manumissos  non  teneant  ad  obsequiorum 
necessitatem,  nullamque  contra  ingratos 
habeant  actionem.  Sed,  quod  minime  remur, 
si  contumeliam  fortasse  pertulerint,  ad  coer- 
cendos iniuriarum  reos  utantur  iure  com- 
muni.  Nemo  sibi  nostrae  legis  obstaculo 
credat  perire  vindictam:  late  adversum  noxios 
severitas  patet.  Hoc  unum  genus  ultionis 
nostro  saeculo  venturisque  temporibus  nulli 
prorsus  sperare  permittimus,  ut  in  ius  vocati 
postulet  servitutem.  lustitiam  praesentis 
edicti,  si  bene  sentiant,  famae  praestamus 
heredum,  ne  videantur  non  agere  causam 
doloris,  sed  exercere  potius  cupiditatis  ar- 
dorem. 

y)  a)  P.  3,  9,  13.  (Capitis  minutione  amit- 
titur  ,  .  si)  ex  causa  metalli  servus  poenae 
efficiatur  .  . 

aa)  P.  3,  9,  12  u.  13.    Ususfructus  .  .   Ca- 
pitis   minutione    amittitur,    si  .  .  fructuarius 
..  servus  poenae  efficiatur. 

b)  P.  4,  8,  5.    (Ab  hostibus  captus)  neque 


54 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


lustig  geht,  meinte  man,  auch  hinsichthch  derjenigen,  die  Servi  poenae 
geworden  sind,  gelten  lassen  zu  sollen,  wenn  sie  in  Allem  durch  kaiser- 
liche Gnade  In  integrum  restituiert  werden. 

4)  Aussetzung. 

c.  5, 7, 1  a)  AYenn  irgend  jemand  ein  sofort  nach  der  Geburt  ausgesetztes  Kind,^  mit 
Wissen  von  Vater  oder  Mutter  oder  des  Herren'^  aufgenommen  und  mit 
eigener  Anstrengung  aufgezogen  haben  wird,  ^soU  es  in  der  Macht  des- 
jenigen stehen,  von  dem  es  aufgenommen  worden  ist,  sei  es,  dass  er  ihn, 
den  er  genährt  hat,  frei,  sei  es,  dass  er  ihn  Sklave  wird  haben  sein  lassen 
wollen:  wird  er  ihn  als  Kind  haben  adoptieren,  bez.  Freigelassener,  oder 
in  der  Sklaverei  haben  bleiben  lassen  wollen,  so  soll  er  hierbei  seiner  eignen 
Macht  sich  bedienen.^- ^ 

c.  5, 7, 2  b)  Wird  Jemand  ein  ausgesetztes  Kind  männlichen  oder  w^eiblichen  Geschlechts, 
mit  Wissen  des  Herren  oder  Patrons,  des  Mitleids  halber,  aufgenommen 
haben,    ^so  wird  es    in  dessen  Eigentum    verbleiben,^  vorausgesetzt  jedoch. 


1)  Einen  Knaben  oder  ein  Mädchen,  welche  aus  dem  Hause  herausgetrieben  worden  sind. 

2)  Mit  Willen  und  Wissen  des  Vaters  oder  des  Herrn. 

3)  Soll  er  ihn  in  demjenigen  Status  halten,  den  er  gewählt  haben  v/ird,  sei  es,  dass 
er  ihn  Kind,  sei  es,   dass  er  ihn  Sklave  sein  lassen  gewollt  haben  wird, 

4)  T  fügt  hinzu,  dass  jede  Beunruhigung  durch  Rückforderung  seitens  derjenigen 
Personen  durchaus  auszuschliessen  ist,  welche  Sklaven  oder  Freie  sofort  nach  der  Geburt 
wissentlich  aus  freiem  Willen  aus  dem  Hause  gejagt  haben  werden. 

5)  So  steht  den  Herren  oder  Patronen  kein  Aditus  repetendi  offen,  wenn  Mitleid  die 
Ad  mortem  Ausgesetzten  aufgenommen  haben  wird. 


sui,  neque  legitimi  heredis  ins  amittit  (post- 
liminio  reversus).  Quod  et  circa  eos,  qui  .  . 
servi  poenae  effecti  sunt,  placuit  observari, 
si  per  omnia  in  integrum  indulgentia  princi- 
pali  restituantur. 

4)  a)  C.  5,  7,  1.  Quicunque  puerum  vel 
puellam  proiectam  de  domo,  patris  vel  domini 
voluntate  scientiaque,  collegerit  ac  suis  ali- 
mentis  ad  robur  provexerit,  eundem  retineat 
sub  eodem  statu,  quem  apud  se  collectum 
voluerit  agitare,  hoc  est  sive  filium  sive  ser- 
vum  eum  esse  maluerit:  omni  repetitionis 
inquietudine  penitus  summovenda  eorum,  qui 
servos  aut  liberos  scientes  propria  voluntate 
domo  recens  natos  abiecerint. 

b)  C.  5,  7,  2.  Nullum  dominis  vel  patronis 
repetendi  aditum  relinquimus,  si  expositos 
quodammodo  ad  mortem  voluntas  miseri- 
cordiae  amica  collegerit  (nee  enim  dicere 
suum  poterit,  quem  pereuntem  contemsit); 
si  modo  testes  episcopalis  subscriptio  fuerit 
subsecuta,  de  qua  nulla  penitus  ad  securi- 
tatem  possit  esse  cunctatio. 


Quicunque  expositumrecentipartu,  sciente 
patre  vel  matre  vel  domino,  collegerit  ac 
suo  labore  educaverit,  in  illius,  a  quo  coUec- 
tus  est,  potestate  consistat,  seu  ingenuum 
seu  servum,  quem  nutrivit,  esse  voluerit,  et 
si  adoptare  voluerit  in  filium  vel  libertum 
aut  in  servitium  permanere,  propria  utatur 
potestate. 


Qui  expositum  puerum  vel  puellam,  sciente 
domino  vel  patrono,  raisericordiae  causa 
collegerit,  in  eins  dominio  permanebit:  si 
tamen  contestationi  de  collectione  eius  epis 
scopus  clericique  subscripserint,  quem  postea 
suum  dicere  quisquam  non  poterit,  quem 
proiecisse  probatur  ad  mortem. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


55 


^dass  die  Kontestation  über  dessen  Aufnahme  Bischof  und  Kleriker  unter- 
zeichnet haben  werden:^  nachher  wird  Jemand  ihn,  den  er  nachweisbar  dem 
Tode  preisgegeben  hat,  nicht  als  sein  in  Anspruch  nehmen  können. 

5)  Verjährung. 

a)  ^Wird  ein  Minderjähriger,  der  verkauft  worden  ist,  nachdem  er  nach  den  ^-^W^ 
25  Jahren  seines  Alters  bereits  grossjährig  geworden  ist,  Sklavendienste 
geleistet  haben  oder  in  den  Sachen  des  Käufers  als  Aktor  oder  Ordinator 
einer  beliebigen  Sache  eingesetzt  gewesen  sein,  bez.  werden  Personen 
innerhalb  vierzehn  Jahren  freigelassen  gewesen  sein  und  im  gross- 
jährigen Alter  befindlich  Dienst  bei  ihren  Patronen  verrichtet  haben,  so 
sollen  sie,  wenn  sie  gewollt  haben  werden,  ihre  Klagen,  entweder  mit  Bezug 
auf  Ingenuität,  oder  mit  Bezug  auf  Libertinität,  innerhalb  der  in  den  Ge- 
setzen verordneten  Fristen  vorbringen.  So  soll  auch,  wenn  ein  minder- 
jähriger Freigeborener  von  einer  beliebigen  Person  erzogen  und  er,  ohne  zu 
wissen,  dass  er  ein  Freier  ist,  von  dem  Ernährer  verkauft  gewesen  sein 
und  den  Dienst,  bez.  das  Interesse,  desjenigen,  von  dem  er  gekauft  worden 
ist,  als  Sklave  wahrgenommen  haben  wird,  bevor  er  durch  das  Präjudiz  der 
dreissig  Jahre  gebunden  wird,  die  Befugnis  der  Beklamation  haben  und, 
bevor  die  Fristen  voll  sind,  als  sei  er  ein  Minderjähriger,  die  verlorene 
Freiheit  wiedergewinnen.  - 

3)  Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 

1)  Stand  des  Freigelassenen. 

a)  Von   den  Freigelassenen  giebt  es  nicht  einen  Stand,  weil  drei  Arten  Frei-   g.  i  pr. 


1)  Dass  die  Episcopalis  subscriptio,  de  qua  nulla  penitus  ad   securitatem    possit  esse 
cunctatio,  sich  den  Zeugenaussagen  angeschlossen  haben  wird.  / 

2)  Vd.  2  e. 


5)  a)  C.  4,  8,  2,  1.  2.  3.  Si  quisquam  minor 
venumdatus  actum  maior  administravit,  .  . 
nee  vero  ille,  qui  apud  quempiam  pro  servo 
educatur,  ac  maior  effectus  vendenti  veluti 
domino  acquievit  actuque  administrato  iam 
paene  extvemam  relegit  libertatem, .  .  eadeni 
emtionis  atque  actus  administrati  praescrip- 
tione  non  alligabitur,  sed  utrique  dabitur 
assertio.  Paria  etiam  in  libertinis  erunt,  qui 
quaestu  quodam  in  eandem  rursus  servitutem 
relabuntur.  Sed  eorum  hac  exceptione  causa 
distinguenda  est,  ut,  qui  impuberes  intra 
annum  quartum  decimum  manumissi  ac  dein- 
ceps  in  servitio  retenti  ignorata  libertate 
non  utantur ,  maioresque  venumdati  actum 
gerant,  ab  assertione  non  arceantur  .  . 


1)  a) 


Minor  venditus,  si  post  viginti  et  quinque 
aetatis  suae  annos  iam  maior  effectus  servi- 
erit  aut  in  rebus  emtoris  actor  aut  cuiuslibet 
rci  ordinator  fuerit  constitutus,  .  .  qui  intra 
quatuordecim  annos  fuerint  manumissi  et 
actum  in  maiore  aetate  positi  gesserint  patro- 
norura,  .  .  quum  voluorint,  suas  aut  de  in- 
genuitate  aut  do  libertinitate,  intra  tempora 
legibus  constituta,  proferant  actiones.  Sic 
etiam,  si  quis  minor  ingenuus  a  quolibet 
fuerit  educatus  et,  liberum  se  esse  nesciens, 
fuerit  a  nutritore  distractus  et  actum  vel 
utilitatem  illius,  a  quo  emtus  est,  ut  servus 
gesserit,  priusquam  triginta  annorum  prae- 
iudicio  teneatur,  potestatem  habeat  recla- 
mandi,  et  quasi  minor  is,  priusquam  tem- 
pora suppleantur,  amissam  recipiat  liber- 
tatem .  . 

G.  1  pr.     (.  .  Ingenuorum  omnium  unus) 


56 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


lieiteii  sind,  indem  die  Freigelassenen  entweder  Römische  Bürger  oder 
Latini  oder  Dediticii  sind. 

G.  1, 1  b)  Römische  Bürger  sind,  welche  auf  die  folgenden  drei  Weisen,  das  ist,  durch 
Testament  oder  in  der  Kirche  oder  vor  dem  Konsul  freigelassen  gewesen 
sein  werden. 

G.  1,  2  c)  Latini  sind,   welche  entweder  durch  Brief  oder  unter  Freunden  oder  durch 

Zuziehung  zum  Mahle  freigelassen  werden. 

G.  1, 3  ^\)  Dediticii  sind,  welche  nach  begangenen  Verbrechen  den  Supplizien  über- 
liefert und  öffentlich  für  Verbrechen  gezüchtigt  worden  sind,  oder  auf  deren 
Gesicht,  bez.  Körper,  irgendwelche  Zeichen,  entweder  mittels  Feuer  oder 
mittels  Eisen,  eingedrückt  worden  sind,  und  so  eingedrückt  worden  sind, 
dass  sie  nicht  getilgt  werden  können.  Werden  sie  freigelassen  gewesen 
sein,  so  werden  sie  Dediticii  genannt. 

2)  Verfügungsrecht  des  Freilassers. 

p.  1, 13, 2  a)  Ein  Haussohn  kann  kraft  eines  Jussus  des  Vaters,  nicht  der  Mutter  frei- 
lassen. 

p.  4, 11, 1  b)  Wenn  irgend  Jemand  einen  gemeinschaftlichen  Sklaven  freigelassen  haben 
wird,  kann  er  ihn  durch  die  Freilassung  weder  zum  Latinen  noch  zum 
Römischen   Bürger   machen.     Deswegen    geht   sein    Anteil   dem  Freilasser 


c) 


2)  a)  P.  1,  13,  2.   Filiusfamilias  iussu  patris 
manumittere  potest,  matris  non  potest. 

b)  P.  4,  11,  1.  Servum  communem  unus 
ex  dominis  manumittendo  Latinum  facere 
non  potest,  nee  magis  quam  civem  Romanum: 
cuius  portio  eo  casu,  quo,  si  proprius  esset, 
ad  civitatem  Romanam  perveniret,  socio 
accrescit. 


Status  (est.)  Libertorum  (vero  ideo)  non  unus 
est,  quia  tria  sunt  genera  libertatum:  quia 
liberti  aut  cives  Romani  sunt,  aut  Latini,  aut 
dediticii  .  . 

G.  1,  1.  Cives  Romani  sunt,  qui  bis  tribus 
modis,  id  est  testamento,  aut  in  ecclesia,  aut 
ante  consulem  fuerint  manumissi. 

G.  1,  2.  Latini  sunt,  qui  aut  per  episto- 
lam,  aut  inter  amicos,  aut  convivii  adhibitione 
manumittuntur. 

G.  1,3.  Dediticii  (vero)  sunt,  qui  post  ad- 
missa  crimina  suppliciis  subditi  et  publice  pro 
criminibus  caesi  sunt:  aut  in  quorum  facie 
vel  corpore  quaecunque  indicia  aut  igne  aut 
ferro  impressa  sunt  et  ita  impressa  sunt,  ut 
deleri  non  possint;  hi  si  manumissi  fuerint, 
dediticii  appellantur. 


Si  aliquis  servum  communem  manumiserit, 
eundem  manumittendo  nee  Latinum  nee  civem 
Romanum  facere  potest:  et  ideo  portio  eins 
manumissori  perit  et  alteri  domino  ex  integro, 
quasi  eins  tantum  proprius  fuisset,  acquiritur. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


57 


verloren   und   ^wird  dem    anderen  Herrn  erworben,    als  sei  er  von  Anfang 

an    lediglich    sein  Eigentum    gewesen.^     Wenn  er  von  beiden  Herren  frei-   p.  4, 11,5 

gelassen  gewesen  sein  wird,  kann  er  Römischer  Bürger  werden. 

aa)  Einem   gemeinschaftlichen  Sklaven  kann   mit  der  Freiheit  ein  Legat  P-  3,  a,  3 
vermacht  werden,    und   das   ganze    Legat  wird    dann   dem  Socius  des 
Testators  erworben. 

c)  '^Wird  irgend  Jemand  einen  fremden  Sklaven  h-eizulassen  sich  angemasst  c.  4,  9, 1 
haben  und  ^  es  in  Gegenwart  des  Princeps  oder  in  der  Kirche  gethan 
haben,3  so  wird  er  mit  der  Strafe  haften,  dass,  während  einmal  der  Frei- 
gelassene von  dem  Herrn  zurückgerufen  wird,  er  sodann  weitere  zwei  Sklaven 
zu  geben  gezwungen  wird,  von  gleichem  Alter  oder  Geschlecht  oder  von 
gleicher  Ausbildung,  wie  sie  der  Freigelassene  besessen  haben  wird.*  Wird 
jedoch  derjenige,  welcher  als  freigelassen  bezeichnet  wird,  den  Herrn,  der 
zurückfordert,  mit  dem  Einwand  zurückgewiesen  haben,^    dass  er  den  Be- 


1)  Wächst  dem  Socius  in  dem  Falle  an,  dass  der  Sklave  zur  Civitas  Romana  gelangen 
würde,  wenn  er  in  dessen  Eigentum  wäre. 

2)  T  schickt  den  Fall  voraus,  dass  Freilassung  des  fremden  Sklaven  vor  den  kompe- 
tenten Judices  erbeten  wurde,  und  bemerkt  hierzu:  sine  ulla  trepidatione  poenae  facilis 
dissolutio  est. 

3)  Auf  unsern  Befehl  'Lege  actum'  stattgefunden  hat. 

4)  T  fügt  hinzu,  dass  drei  weitere  der  Art  dem  Fiskus  zu  entrichten  sind. 
5;  Haben  können. 


aa)  P.  3,  8,  3.  Communi  servo  cum  liber- 
tate  .  .  legari  potest:  totumque  legatum 
socio  testatoris  acquiritur. 

c)  C.  4,  9,  1.  Si  a  non  dominis  libertas 
detur  raancipio  alieno,  si  quidem  ab  his  iu- 
dicibus  impetrabitur,  quibus  dandi  ins  est, 
sine  ulla  trepidatione  poenae  facilis  disso- 
lutio est.  Si  vero  iubentibus  nobis  quicquam 
lege  actum  esse  doceatur,  et  non  dominus, 
ut  alienum  mancipium  manumitteretur,  peti- 
isse,  tunc  eodem,  qui  in  conspectu  nostro  li- 
bertatem  monstrabitur  consecutus,  ei  pro- 
tinus,  ad  cuius  proprietatem  pertinet,  resti- 
tuto,  is,  qui  mancipium  alienum  fallendo 
principis  conscientiam  manumisit,  mancipia 
duo  rogatur  domino  eius  dare,  cuiusmodi 
sexus,  aetatis  atque  artis  constiterit  esse 
manumissum,  et  alia  tria  fisco  eademque  ra- 
tione  similia.  Quae  mulcta  non  semper  im- 
ponitur,  sed  potius  conquiescit,  si  forte  manu- 
missus  inferentem  sibi  quaestionem  status 
obiecta  legitima  praescriptione  potueritexclu- 
dere;  quum  sibi  amissi  mancipii  damna  debeat 
imputare,  qui  in  perniciem  suam  gesta  taci- 
turnitate  iirmaverit. 


P.  4,  11,  5  .  .  si  ab  utroque  domino  manu- 
missus  fuerit,  civist  Romanus  effici  potest. 


Si  aliquis  mancipium  manumittere  prae- 
sumserit  alienum  et  id  sub  praesentia  prin- 
cipis vel  in  ecclesia  fecerit,  hac  poena  tene- 
bitur,  ut  et  manumissus  a  domino  revocetur, 
et  alia  duo  mancipia  eiusdem  aetatis  aut 
sexus  aut  certe  artificii,  quod  ille,  qui  est 
manumissus,  scierit,  dare  cogatur.  Si  vero 
ille,  qui  manumissus  dicitur,  repetentem  do- 
minum sub  hac  praescriptione  superaverit, 
ut  iam  firmitatem  status  sui  temporibus  tu- 
eatur,  tunc  ille,  qui  manumisit,  non  est  con- 
stringendus  ad  poenam,  dum  ille,  qui  repe- 
tit,  praeiudicium  domini  sui  incurrerit  aut 
taciturnitate  nutrierit. 


58 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


G.  1.  6 


G.  1,5 


G.  1,7 


N.  Th. 
9,1,8 


stand  seines  Status  bereits  mit  Fristen  schütze,  so  ist  der  Freilasser  nicht 
zur  Strafe  anzuhalten,  indem  derjenige,  welcher  zurückfordert,  die  Schädi- 
gung des  Eigentümers  sich  selbst  zuzuschreiben  oder  durch  sein  Schweigen 
genährt  haben  wird. 

d)  Wenn  ein  Freigelassener,  der  Römischer  Bürger  ist,  Kinder  nicht  gehabt 
haben  wird  und  In  fraudem  seines  Patrons  seine  Sklaven  freilässt,  wird  die 
gewährte  Freilassung  keine  Giltigkeit  haben. 

e)  Nicht  alle  Herren  können  ihre  Sklaven  freilassen:  denn  hat  irgendjemand 
viele  Schulden,  dessen  Vermögen  dann  den  Gläubigern  verhaftet  ist,  so  hat, 
falls  er  In  fraudem  seines  Gläubigers  seine  Sklaven  wird  haben  freilassen 
wollen,  die  gewährte  Freilassung  keine  Giltigkeit. 

f)  Ein  beliebiger  Herr,  der  jünger  ist  als  zwanzig  Jahre,  kann  dem  Sklaven 
die  Freiheit  nicht  gewähren,  es  sei  denn  lediglich,  dass  der  minderjährige 
Freilasser,  dem  Vater  und  Mutter  von  dem  Patron  geschenkt  worden  sind, 
dieselben  freilässt  oder  den  Pädagogen  oder  den  Milchbruder  freilässt.  Denn 
wenn  auch  der  Herr,  das  will  sagen,  derjenige,  welcher  vierzehn  Jahre  über- 
schritten hat,  ein  Testament  machen  und  einen  Erben  einsetzen  und  Legate 
hinterlassen  kann,  so  kann  er  hingegen  in  diesem  Alter  die  Freiheit  den 
Sklaven  nicht  gewähren. 

3)  Testamentarische  Freilassmig. 

a)  Direkte. 

a)  Da  ja  bereits  gestattet  ist,  in  griechischer  Sprache  zu  testieren,  soll  es  er- 
laubt sein,   auch   die  Directae    libertates   mit  griechischen  Worten  in   den 


d) 


e) 


f) 


3a)  a)  N.  Th.  9,  1,  8.  (Illud  etiam  huie  legi 
perspicimus  inserendum,)  ut,  quoniam  Graece 
iam  testari  concessum  est,  .  .  directas  liber- 
tates .  .     Graecis  verbis   liceat  in  testamen- 


G.  1,  6.  (Aut)  si  libertus  civis  Romanus 
liberos  non  habuerit,  et  in  fraudem  patroni 
sui  servos  suos  manumittat,  (similiter)  data 
manumissio  non  valebit. 

G.  1,  5.  Non  (tarnen)  omnes  domini  ser- 
vos suos  manumittere  possunt:  nam  si  ali- 
quis  multa  debita  habeat,  cuius  substantia 
creditoribus  teneatur  obnoxia,  si  in  fraudem 
creditoris  sui  servos  suos  manumittere  volu- 
erit,  coUata  manumissio  non  valet. 

G.  1,  7.  (Praeterea)  minor  quicunque 
vigintiannorum  dominus  libertatem  servo  dare 
non  potest;  nisi  forte  tantum  minor  manu- 
missor,  cui  pater  suus  et  mater  a  patrono 
donati  sunt,eosdem  manumittat,  aut  certe  pae- 
dagogum  aut  collactaneum  manumittat.  Nam 
quamlibet  dominus,  id  est  quatuordecim 
annos  egressus,  testamentum  facere  possit  et 
heredem  instituere  et  legata  relinquere,  liber- 
tatem tamen  servis  non  potest  in  hac  aetate 
conferre. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


59 


Testamenten  zu  hinterlassen,  sodass  derart  gewährte  Libertates  directae  er- 
achtet werden,  als  wenn  sie  zu  gewähren  der  Testator  mit  Legitima  verba 
verordnet   hätte.  -^ 

b)  Freiheiten  werden  durch  Testament  und  Kodizill  gewährt,  sei  es,  dass  vor  p.  4, 13, 2 
dem  Testament  das  Kodizill  gemacht  worden  ist,  sei  es  nachher,  und  durch 

das  Testament  bestätigt  worden  ist. 

c)  Wird  einen  fremden  Sklaven  irgend  Jemand  unter  Gewährung  der  Freiheit  p.  3,  6, 13 
zum  Erben  eingesetzt  haben,  so  wird  die  veranstaltete  Einsetzung  Greltung 
haben:  hingegen  wird   die  einem   fremden  Sklaven  gewährte  Freiheit  nicht 

giltig  sein  können.  Mittels  Legats  kann  die  an  einen  fremden  Sklaven  g.  2, 7, 8 
gerichtete  Freiheit  nicht  gewiihrt  werden;  einem  gemeinschafthchen  Sklaven  p.  3,  8,  3 
kann  mit  der  Freiheit  ein  Legat  gegeben  werden. 

ß)  Fideikommissarische  Freilassung. 

a)  Freiheiten  können  auch  Sklaven  mittels  Fideikommiss  gewährt  werden,  so-   G.  2, 7, 7 
dass  der  Erbe  oder  Legatar  diejenigen  Sklaven  freilässt,   deren  Freilassung 


1)  In  J  findet  sich  keine  vollständige  Erörterung  des  Gesetzes ,  dem  der  Text  ent- 
nommen ist,  sondern  neben  der  Erwähnung  einzelner  Punkte  lediglich  die  Angabe,  dass 
das  Gesetz  viele  Punkte  bestätige,  die  mit  Bezug  auf  Testamente  In  Theodosiani  cor- 
poris auctoritate  verzeichnet  sind  (Haec  lex  multa  coniirmat,  quae  de  testamento  in  Theo- 
dosiani corporis  auctoritate  conscripta  sunt  .  .):  hierzu  gehört  übrigens  der  aufgeführte 
Satz  nicht. 


tis  relinquere,  ut  ita  .  .  libertates  directae 
(tutoresve)  dati  videantur,  ac  si  legitimis  ver- 
bis  ea  testator  dari  .  .  iussisset. 

b)  P.  4,  13,  2.  Codicillis  testamento  con- 
firmatis  datae  libertates  cum  his,  quae  ta- 
bulis  testamenti  datae  sunt,  concurrunt:  (et) 
sive  antecedant,  sive  sequantur  testamentum  .. 

c)  P.  3,  6,  13.  Servus  alienus  cum  liber- 
tate  heres  institutus  institutionem  non  in- 
firmat:  sed  libertas,  ut  alieno,  suporvacue 
data  videtur. 


P.  3,  8,  3.     Communi  servo  cum  libertate 
legari  potest  .  . 

ß)  a) 


(Quoties)  per  testamentum  et  codicillum 
libertates  dantur,  (qui  in  codicillo  raanumissi 
sunt),  sive  ante  testamentum  factus  sit  codi- 
cillus,  sive  postea  et  testamento  confirmatus 
sit  .  . 

Si  servum  alienum  aliquis  data  libertate 
heredem  iustituerit,  institutio  quidem  facta 
valebit:  sed  libertas  alieno  servo  data  valere 
non  poterit. 

G,  2,  7,  8.  .  .  per  legatum  servo  alieno 
directa  libertas  dari  non  potest  .  . 


ß)  a)  G.  2,  7,  7.  Libertates  etiam  servis 
per  fideicomraissum  dari  possunt,  ut  heres 
vel  legatarius  ea  mancipia  manumittant, 
quae  testator  ab  iis  ut  manumitterent  spa- 
ravit.  Nee  interest,  utrum  hoc  testator  de 
suis  servis  an  de  ipsius  heredis  vel  de  loga- 
tarii  aut  de  alienis  fieri  iubeat.  Quod  si  de 
alicnis  fecerit,  (similiter)  cogitur  heres  emere 
ipsum    servum     et    manumittere.      Quod    si 


60 


Privatrecbt.     Zweites  Buch. 


der  Erblasser  von  ihm  gewünscht  hat.  Es  macht  keinen  Unterschied,  ob 
es  der  Erblasser  mit  Bezug  auf  seine  Sklaven  oder  diejenigen  des  Erben 
selbst,  bez.  des  Legatars,  oder  mit  Bezug  auf  fremde  Sklaven  anordnet. 
Wenn  er  über  fremde  verfügt  haben  wird,  wird  der  Erbe  gezwungen, 
diesen  Sklaven  zu  kaufen  und  freizulassen.  AVill  sein  Herr  ihn  nicht  ver- 
kaufen, so  fällt  die  durch  Fideikommiss  gewährte  Freiheit  dahin,  weil  in 
dieser  Sache  der  Erbe  den  Wert  in  Geld  zu  geben  nicht  gezwungen  wird. 
Wird  mittels  Fideikommiss  die  Freiheit  gegeben,  so  ist  derjenige,  welcher 
freigelassen  gewesen  sein  wird,  nicht  des  Erblassers,  sondern  des  Erben  Frei- 

G.  2, 7, 8  gelassener.     Mittels  Legats    kann   die  an  einen  fremden  Sklaven  gerichtete 

Freiheit  nicht  gewährt  werden,  mittels  Fideikommiss  wohl. 

p.  4, 11,  4  b)  Eine  mittels  Fideikommiss  gewährte  Freiheit  kann  von  dem  Erben  dadurch 
nicht  widerrufen  werden,  dass  er  den  Sklaven,  den  er  freizulassen  geheissen 
worden  ist,  unter  Zurlastlegung  eines  Verbrechens  in  Fesseln  geschlagen 
haben  wird. 

p.  4, 12, 2  c)  Wenn  der  Testator  mittels  Fideikommiss  die  Freilassung  eines  Sklaven 
angeordnet  und  es  sich  zugetragen  haben  wird,  dass,  bevor  die  Frei- 
lassung erteilt  wurde,  derjenige  stirbt,  dessen  Fides  die  Freiheit  aufgetragen 
worden  ist,  so  wird  sein  Erbe  zur  Gewährung  der  Freilassung,  die  sein  Erb- 
lasser hätte  geben  sollen,  mit  Recht  angehalten. 

p.  2, 25,  4  d)  Wenn  eine  Frau,  deren  fideikommissarische  Freilassung  angeordnet  worden 
ist,  geboren  haben  wird,  während  der  Fideikommissar  bei  Gewährung 
der  Freiheit,  die  ihm  aufgetragen  worden  ist,  im  Verzug  ist,  wird  derjenige. 


b)  P.  4,  11,  4.  Fideicommissa  libertas  data 
facto  heredis  non  mutatur,  si  servum,  quem 
manumittere  iussus  est,  vinxerit. 

c)  P.  4,  12,  2.  Decedente  eo,  a  quo  fidei- 
commissa libertas  relicta  est,  heredes  eius  eam 
praestare  cogendi  sunt. 


d)  P.  2,  25,  4.  Ex  ea  muliere  natus,  quae 
ex  causa  fideicommissi  manumitti  debuit,  si 
mora  libertati  facta  nascatur,  ingenuus  nas- 
citur. 


illum  domnius  suus  nolit  vendere,  perit  per 
fideicommissum  data  libertas:  quia  in  hac  re 
heres  aestimationem  iu  pretio  dare  non  co- 
gitur.  Sed  quum  per  fideicommissum  libertas 
datur,  is,  qui  manumissus  fuerit,  non  testato- 
ris,  sed  heredis  libertus  est. 

G.  2,  7,  8  .  .  per  legatum  servo  alieno 
directa  libertas  dari  non  potest,  per  fidei- 
commissum potest  .  . 

Per  fideicommissum  data  libertas  ab  be- 
rede per  hoc  revocari  non  potest,  si  servum, 
quem  manumittere  iussus  est,  crimine  ob- 
iecto  in  vincula  redegerit. 

Si  testator  fideicommisso  servum  iusserit 
manumitti  et  ita  evenerit,  ut,  antequam  ma- 
numissio  daretur,  is,  cuius  fidei  commissa 
libeitas  est,  moriatur,  heres  eius  ad  manu- 
missionem  praestandam,  quam  auctor  suus 
daturus  erat,  iure  compellitur. 

Si  ea  mulier,  quae  per  fideicommissum 
manumitti  iussa  est,  fideicommissario  in  prae- 
standa  libertate,  quae  ei  mandata  est,  moram 
faciente  perpererit,  qui  natus  est,  ingenuus 
nascitur:  quia  fideicommissarii  tarditas  inge- 
nuitati  eius  obesse  non  potest. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


(U 


welcher  geboren  ist,  als  ein  Freier  geboren,  weil  das  Zögern  des  Fidei- 
kommissars  seiner  Ingenuität  nicht  im  Wege  stehen  kann. 
e)  Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode  die  Gewährung  der  Freiheit  an  seine  p.  4, 12, 3 
Sklaven  der  Fides  seiner  Kinder  überlassen  und  angeordnet  haben  wird,  dass 
jene  seinen  Kindern  Tutoren  sein  sollen,  ist  die  in  dieser  Weise  fideikommissa- 
risch  verliehene  Freiheit  einigermassen  behindert,  weil  Pupillen  ohne  Tutoris 
auctoritas  Sklaven  nicht  freilassen  können,  und  diejenigen,  welche  Tutoren 
haben,  die  von  dem  Vater  namentlich  hinterlassen  worden  sind,  keine  anderen 
Tutoren  haben  können.  Es  ist  jedoch  in  diesem  Falle  durch  Beschluss 
und  Ordnung  des  Ordo  ^  vorgesehen  worden,  dass  Pupillen,  bis  den  Sklaven 
die  Freiheit  gewährt  wird,  gleich  Abwesenden  gelten  sollen,  sodass  sie,  nach- 
dem ihnen  von  dem  Judex,  der  Festsetzung  des  Testamentes  gemäss,  zu- 
nächst die  Freiheit  gewährt  worden    ist,    auch  Tutoren    zu   sein  vermögen. 

y)  Lex  Fufia  Caninia. 

a)  Durch    die   Lex  Fufia  Caninia   wird  verordnet,    dass  eine    bestimmte  Zahl  ?•  *.  i3, 4 
von  Sklaven  durch  Testament  freigelassen  wird. 

Die  gesetzliche  Zahl  ist  diejenige,  welche   gemäss  der  Lex  Fufia  p.  4, 1,  le 
Caninia  in  Acht  genommen  wird.^    Es  ist  festgesetzt  worden,  eine  wie    G.2pr.u.i 


1)  Nach  dem  Dekret  des  Amplissimus  ordo. 

2)  T  spricht  von  solchen,  die  durch  Testament  die  Freiheit  innerhalb  der  gesetzlichen 
Zahl  erzielt  haben. 


e)  P.  4,  12,  3.  Si  decedens  servis  suis 
libertatem  ita  dederit,  illum  et  illum  liberos 
esse  volo  eosque  filiis  meis  tutores  do,  im- 
peditur  fideicommissa  libertas:  quia  pupilli 
sine  tutoris  auctoritate  manumittere  non 
possunt:  et  habentibus  tutores  tutor  dari  non 
potest.  Sed  interim  vice  absentium  pupilli 
habebuntur,  ut  ex  decreto  amplissimi  ordi- 
nis  primum  libertas  ac  deinde  tutela  com- 
petere  possit. 


y)  a)  P.  4,  13,  4.  Lege  Fufia  Caninia 
cavetur,  ut  certus  servorum  numerus  testa- 
mento  manumittatur  .  . 

P.  4,  1,  16.  (Quoties  libertis  fideicom- 
missum  relinquitur,  ad  eos  tantummodo  pla- 
cuit  pertinere,  qui  manumissi  sunt  vel  qui 
in  eodem)  testamento  libertatem  intra  nu- 
merum  legitimum  consecuti  (sunt). 


Si  quis  moriens  servis  suis  libertatem  dan- 
dam  filiorum  fidei  commiserit  eosque  filiis 
suis  tutores  esse  praeceperit,  hoc  ordine  fidei- 
commissa libertas  aliquatenus  impeditur: 
quia  nee  pupilli  sine  tutoris  auctoritate  ser- 
vos  manumittere  possunt :  et  qui  tutores  a 
patre  nominatim  relictos  habent,  alios  tuto- 
res habere  non  possunt.  Sed  in  tali  casu 
ordinis  consilio  et  ratione  prospectum  est,  ut 
pupilli  velut  absentium  vice,  dum  libertas 
servis  tribuitur,  habeantur,  ut  data  his  a  iu- 
dice  secundum  formam  testamenti  primitus 
libertate,  etiam  tutores  essa  praevaleant. 


.  .  Legitimus  (autem)  numerus  est,  qui 
secundum  legem  Fufiam  Caniniam  custo- 
ditur. 


G.2  pr.u.  1.  Constitutum  est,  quantum  ser- 
vorum numerum  testamento  de  quanta  fami- 
lia  liceat  manumitti  .  .  Nam  qui  voluerit 
aut  in  ecclesia,  aut  ante  consulem,  aut  inter 
amicos,     aut     per    epistolam     manumittere, 


62 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


grosse  Zahl  von  Sklaven  mittels  Testaments  aus  einer  Familia  von  be- 
stimmter Grösse  freizulassen  gestattet  ist.  Derjenige,  welcher,  ent- 
weder in  der  Kirche,  oder  vor  dem  Konsul,  oder  unter  Freunden, 
oder  durch  Brief  wird  haben  freilassen  wollen,  kann  durch  diese 
Freilassungen  die  ganze  Familia  von  dem  Joche  der  Sklaverei  befreien. 

p.  4, 13, 4  b)  Durch  die  Lex  Fufia  Caninia  wird  verordnet,  dass  freigelassen  werde  von 
zweien,  exklusive,  bis  zu  zehn  die  Hälfte,  von  zehn  bis  zu  dreissig  der  dritte 
Teil,  von  dreissig  bis  zu  hundert  der  vierte  Teil,  von  hundert  bis  zu  fünf- 
hundert der  fünfte  Teil.     Mehr   aber  als  hundert  aus  einer  grösseren  Zahl 

o.  2pr.  von  Sklaven  freizulassen,   ist  nicht  gestattet.     Wenn  Jemand  zwei  Sklaven 

hat,  soll  er  beide  freilassen  können.  Wer  aber  drei  hat,  soll  zwei  im  Testa- 
ment freilassen,  wer  vier  hat,  gleichfalls  zwei,  wer  sechs  hat,  drei,  wer  acht 
hat,  vier,  wer  zehn  hat,  fünf,  wer  elf,  zwölf,  dreizehn,  vierzehn,  fünfzehn, 
sechzehn,  siebzehn,  gleichfalls  fünf;  wer  achtzehn  hat,  sechs. 

o.  2  pr.  Von  der  Zahl  achtzehn  bis  zu  dreissig  soll  es  gestattet  sein,   den 

dritten  Teil  freizulassen.  Wer  mehr  als  dreissig  gehabt  haben  wird,  bis 
zu  hundert,  kann  den  vierten  Teil  aus  der  Zahl  der  Sklaven  freilassen; 
wer  aber  mehr  als  hundert  gehabt  haben  wird,  kann  den  fünften 
Teil  freilassen.     Jedoch    ist   festgesetzt  worden,    dass  von  einer   auch 


b)  P.  4,  13,  4.  Lege  Fufia  Caninia  cave- 
tur,  ut  (certus  numerus  testamento)  mauu- 
mittatur:  subductis  (igitur)  a  cluobus  usque 
ad  decem,  pars  dimidia:  a  decem  usque  ad 
triginta  pars  tertia :  a  triginta  usque  ad  cen- 
tum  pars  quarta:  a  centum  usque  ad  quin- 
gentos  pars  quinta.  Plures  autem  quam  cen- 
tum ex  maiori  numero  servorum  manumitti 
non  licet. 


potest  his  manumissionibus  omnera  familiam 
iuffo  servitutis  absolvere. 


G.  2  pr.  .  ,  si  quis  duos  servos  habet, 
ambos  manumittere  possit:  qui  vero  tres, 
duos  testamento  manumittat:  qui  quatuor, 
similiter  duos:  qui  sex,  tres:  qui  octo,  qua- 
tuor: qui  decem,  quinque:  qui  undecim,  duo- 
decim,  tredecim,  quatuordecim,  quindecim, 
sedecim,  decem.  et  septem,  similiter  quinque: 
qui  decem  et  octo,  sex  .  . 

G.  2  pr.  .  .  decem  et  octo  .  .  ab  hoc 
numero  usque  ad  triginta,  tertiana  partem 
manumittere  liceat:  qui  amplius  quam 
triginta  habuerit,  usque  ad  centum,  quar- 
tam  partem  de  numero  servorum  m^anumit- 
tere  potest:  qui  vero  plures  quam  centum 
habuerit,  quintam  partem  manumittere  potest. 
Sed  hoc  statutum  est,  ut  de  quamlibet 
grandi  familia  nulli  amplius  quam  centum 
testamento  manumittere  liceat. 


Endifjunof  der  Servitus.     Freilassunsr 


63 


noch  so  grossen  Familie  Niemandem  mehr  als  hundert  im  Testamente 
freizulassen  gestattet  ist. 

c)  So  oft  die  Zahl  der  Sklaven  wegen  der  Lex  Fufia  Caninia  in  Betracht  zu  P-  *•  i3, 3 
nehmen  ist,  sind  auch  die  Fugitivi,  deren  Besitz  stets  Animo  erhalten  bleibt, 
einzurechnen. 

d)  Nach  der  Lex  Fufia  können  Sklaven    im  Testamente  mit  Namensnennung  p.  4, 13, 1 
freigelassen   werden.     Als    mit  Namensnennung  aber  wird  eine  Freilassung 

der  folgenden  Art  angesehen:  Stichus  soll  frei  sein.  Erfolgt  jedoch 
die  Freilassung  der  Art :  ich  will,  dass  der  Einkäufer  für  die  Küche,  bez. 
derjenige,  welcher  von  dieser  Sklavin  geboren  wird,  frei  ist,  so  steht  nach 
dem  Orficianum  Senatusconsultum  ebenso  die  Freiheit  zu,  als  wenn  sie  mit 
Namensnennung  gegeben  worden  ist:  die  Benennung  nach  Officia  und  Artes 
ändert  an  der  Bedeutung  der  Namen  nichts;  es  müssten  denn  mehrere 
sein,  die  mit  diesem  Officium  bezeichnet  werden,  indem  daim  der  Name 
hinzuzufügen  ist,  damit  zu  Tage  trete,  an  wen  der  Erblasser  gedacht  zu 
haben  erachtet  wird. 

e)  Wird  irgend  Jemand   in   seinem  Testament  eine  grössere  Zahl  haben  frei-    G.  2,2 
lassen    w^ollen,    als    wie    viele    die   oben  genannte   Zahl  angiebt,    so   ist  die 
Ordnung  in  Acht  zu  nehmen,   dass   nur   für  diejenigen  die  Freiheit  Giltig- 

keit  besitzt,    welche    zuerst  freigelassen  wordeu  sind,  bis  zu  jener  Zahl,   die      • 
die  obige  Auseinandersetzung  ergiebt.     Mit  Bezug  auf  diejenigen  hingegen, 
w^elche   sich  hernach   über  die  festgesetzte   Zahl  freigelassen   finden,    ist  es 
sicher,  dass  sie  in  der  Sklaverei  verbleiben. 


c)  P.  4,  13,  3.  Quoties  numerus  servo- 
rum  propter  ledern  Fusiara  Caniniara  ineun- 
dus  est,  fugitivi  quoque,  quoruni  semper  pos- 
sessio animo  retinetur,  computandi  sunt. 

d)  P.  4,  13,  1.  Nominatim  servi  testa- 
mento  manumitti  secundum  legem  Fusiam 
possunt.  Nominatim  autem  manumittere  in- 
telligitur  hoc  modo:  'Stichus  liber  esto.' 
Qaum  autem  'obsonatorem',  vel  'qui  ex  an- 
cilla  illa  nascitur,  liberum  esse  volo',  ex  Or- 
ficiano  Senatusconsulto  perinde  libertas 
competit,  ac  si  nominatim  data  sit:  offici- 
orum  enim  et  artium  appellatio  nihil  de  signi- 
ficatione  nominum  mutat :  nisi  forte  plures 
sint,  qui  eo  officio  designentur:  tunc  enim 
nomen  adiungendum  est,  ut  eluceat,  de  quo 
testator  sensisse  videatur. 

e) 


G.  2,  2.  (Nam)  si  aliquis  testamento  plures 
manumittere  voluerit,  quam  quot  continet 
numerus  supra  scriptus,  ordo  servandus  est, 
ut  Ulis  tantum  libertas  valeat,  qui  prius 
manumissi  sunt,  usque  ad  illum  numerum, 
quem  explanatio  continet  superius  com- 
prehensa:  qui  vero  postea  supra  constitutum 
numerum  manumissi  leguntur,  in  Servitute 
eos  certum  est  permanere  .  . 


64 


Privatreclit.     Zweites  Buch. 


P.  4, 1,16  aa)  Wenn   einmal  Freigelassenen    ein  Fideikommiss   hinterlassen    gewesen 

sein   wird,     wird    es    denjenigen    geschuldet,     die    freigelassen    worden 
sind,  bez.  jenen,   die  innerhalb  der  gesetzlichen  Zahl  die  Freiheit  er- 
zielt gehabt  haben  werden:  die  gesetzliche  Zahl  ist  diejenige,   welche 
gemäss  der  Lex  Fufia  Caninia  in  Acht  genommen  wird.^ 
p.  4, 13,  2        f)  ^So  oft  durch  Testament  und  Kodizill  Freiheiten  gewährt  werden,  sind  hinsichthch 
derjenigen,  welche  in  dem  Kodizill  freigelassen  worden  sind,  sei  es,  dass  der 
Kodizill  vor  dem  Testament,   sei  es,   dass   er  nachher  gemacht   und  durch 
das  Testament  bestätigt  worden  ist,  diejenigen,  welche  durch  Kodizille  frei- 
gelassen gewesen  sein  werden,  nur  an  späterer  Stelle  in  Betracht  zu  ziehen. 
Nachdem  demnach  zuerst  die  in  dem  Testamente  Freigelassenen  gerechnet 
worden    sind,    werden    dann    die  in   den  Kodizillen   Freigelassenen  gezählt. 
Wird  eine  grössere  Zahl  mittels  Kodizills  freigelassen,  als  in  der  Lex  Fufia 
Caninia  enthalten    ist,    so  verlieren  diejenigen  die   Freiheit,  welche  sich    im 
Kodizill  über  die  gesetzliche  Zahl  freigelassen  finden.^ 
G.  2,  2  g)  Werden  nicht  mit  Namensnennung  Sklaven  oder  Sklavinnen  im  Testament 

freigelassen,  sondern  wird  ununterschieden  derjenige,  welcher  das  Testament 
macht,    alle   seine  Sklaven,   bez.  Sklavinnen,    haben   freimachen    wollen,    so 


1)  Vgl.  a. 

2)  Die  in  Coclicilh  testamento  confirmati  gewährten  Freiheiten  konkurrieren  mit  den 
in  Tabulae  testamenti  gewährten  und  rechnen,  mögen  sie  dem  Testament  vorangehen  oder 
folgen,  Novissimo  loco:  quia  ex  testamento  utraeque  confirmantur. 


aa)  P.  4,  1,  16.  Quoties  libertis  fideicom- 
missum  relinquitur,  ad  eos  tantummodo 
placuit  pertinere,  qui  manumissi  sunt  vel 
qui  in  eodem  testamento  libertatem  intra 
numerum  legitimum  consecuti  sunt. 

f)  P.  4,  13,  2.  Codicillis  testamento  con- 
firmatis  datae  libertates  cum  his,  quae  tabulis 
testamenti  datae  sunt,  concurrunt:  et  sive 
autecedant,  sive  sequantur  testamentum, 
novissimo  loco  adhibentur:  quia  ex  testamento 
utraeque  confirmantur. 


Si  quando  libertis  fideicommissura  relictum 
fuerit,  his  debetur,  qui  manumissi  sunt,  vel 
eis,  qui  intra  legitimum  numerum  libertatem 
fuerint  consecuti.  Legitimus  autem  numerus 
est,  qui  secundum  legem  Fufiam  Caniniam 
custoditur. 

Quoties  per  testamentum  et  codicil  lum  liber- 
tates dantur,  qui  in  codicillo  manumissi  sunt, 
sive  ante  testamentum  factus  sit  codicillus, 
sive  postea  et  testamento  confirmatus  sit, 
posteriori  loco  tamen  habendi  sunt,  qui  per 
codicillos  fuerint  manumissi.  Et  ideo  com- 
putatis  primum,  qui  testamento  manumissi 
sunt,  tum  illi,  qui  in  codicillis  manumissi, 
numerantur.  Et  si  maior  numerus  per  codi- 
cillum,  quam  in  lege  Fusia  Caninia  continetur, 
illi  libertatem  perdunt,  qui  in  codicillo  super 
legitimum   numerum  manumissi  inveniuntur. 

G.  2,  2.  .  .  Quod  si  non  nominatim  servi 
vel  ancillae  in  testamento  manumittantur, 
sed  confuse  omnes  servos  suos  vel  ancillas 
is,  qui  testamentum  facit,  liberos  facere 
voluerit,  nulli  penitus  firma  esse  iubetur  hoc 
ordine  data  libertas:  sed  omnes  in  servili 
conditione,  qui  hoc  ordine  manumissi  sunt, 
permanebunt . . 


Freilassung  §  6. 


65 


wird  durchaus  für  Niemanden  die  auf  diese  Weise  gewährte  Freiheit  rechts- 
giltig  zu  sein  geheissen :  viehnehr  Averden  Alle,  die  in  dieser  Art  freigelassen 
worden  sind,  in  der  Lage  von  Sklaven  verbleiben, 
h)  AVenn    in    dem   Testamente   die  Freilassung  der  Sklaven   derart    abgefasst    G-  2, 2 
gewesen  sein  wird,   nämlich  In  circulo,   dass  sich  nicht  erkennen  lässt,   wer 
früher,  wer  später  genannt  worden  ist,  so  liegt  es  auf  der  Hand,  dass  für 
kehlen  derselben   die  Freiheit  Giltigkeit   besitzt,    wenn   sich  nicht  erkennen 
lässt,  wer  früher,  wer  später  freigelassen  gewesen  sein  wird. 
i)  Wird  irgend  Jemand,    der  sich  in  erkranktem  Zustande  befindet,  In  frau-    G.  2, 3 
dem    dieses  Gesetzes   ein  Testament   nicht  haben   machen    wollen,    sondern 
mittels  Briefe  oder  beliebiger    sonstiger  Sachen  einer  grösseren  Zahl  seiner 
Sklaven,    als    mittels    Testaments    gestattet   ist,    die    Freiheiten    haben    ge- 
währen wollen,   und   er    wird    es  zur  Zeit   seines   Ablebens   gethan  haben, 
so  werden  diejenigen,  welche  zuerst  freigelassen  gewesen  sein  werden,  bis  zu 
der  oben  bezeichneten  Zahl  frei  sein,   während  diejenigen,  w^elche  nach  der 
festgesetzten  Zahl  freigelassen  gewesen  sein  w^erden,   ohne  Zw^eifel  Sklaven 
bleiben   werden.     Wenn  Jemand  bei  voller  Gesundheit  beliebige  Personen    G.  2, 4 
zu  verschiedener  Zeit  freigelassen  hat,    sollen   sie   unter   keinen  Umständen 
unter  die  Zahl  derjenigen,  die  mittels  Testaments  freigelassen  worden  sind, 
gerechnet  werden. 

4)  Freilassung  in  der  Kirche. 

a)  AVird  Jemand  die  Absicht  gehabt  haben,  in  der  geheiligten  Kirche  freizu-   c.  4, 7, 1 
lassen,  vorausgesetzt  nur,  dass  er  in  Gegenwart  der  Priester^  seine  Sklaven 


1)  sub  adspectu  antistitum. 


b) 


4)  a)  C.  4,  7,  1.     Qui    religiosa    mente    in 
ecclesiae  gremio    servulis  suis  meritam   con- 
C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


G.  2,  2.  .  .  (Nam  et)  si  ita  in  testamento 
servorum  manumissio  adscripta  fuerit,  id  est, 
in  circulo,  ut  qui  prior,  qui  posteriornominatus 
sit,  non  possit  agnosci,  nulli  ex  his  libertatem 
valere  manifestum  est,  si  agnosci  non  potest, 
qui  prior,  qui  posterior  faerit  manumissus. 

G.  2, 3.  (Nam)  si  aliquis  in  aegritudine 
constitutus  in  fraudem  huius  legis  facere 
noluerit  testamentum,  sed  epistolis  aut  qui- 
buscunque  aliis  rebus  servis  suis  pluribus, 
quam  per  testamentum  licet,  conferre  voluerit 
libertates,  et  sub  tempore  mortis  hoc  fecerit, 
hi,  qui  jDrius  manumissi  fuerint,  usque  ad 
numerum  superius  constitutum  liberi  erunt: 
qui  vero  post  statutum  numerum  manumissi 
fuerint,  servi  sine  dubio  permanebunt. 

G.  2,  4.  (Nam)  si  incolumis  quoscunque  di- 
verso  tempore  manumisit,  inter  eos,  qui  per 
testamentum  manumissi  sunt,  nullatenus  com- 
putentur. 

Qui  manumittendi  in  sacrosancta  ecclesia 
habuerit    voluntatem,    tantum    est,     ut    sub 

5 


66 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


freimachen  will,  so  möge  er  wissen,  ^dass  sie  unter  Empfang  der  Freiheit 
Römische  Bürger  sind.^  Werden  Kleriker  ihren  Sklaven  die  Freiheit  haben 
geben  wollen,  ^so  wird,  wenn  sie  es  auch  ausserhalb  des  Gesichtskreises 
der  Priester  gethan  haben  werden,  oder  jene  ohne  Urkunde,  mündlich,  frei- 
gelassen gewesen  sein  werden,  ihrer,  als  römischer  Bürger,  die  unbeschränkte 
und  volle  Freiheit  warten. ^ 

5)  Freilassung  vor  dem  Konsul. 

p.  2, 26,  4  a)  Bei  den  Munizipalmagistraten  kann  man,  wenn  sie  Legis  actio  haben,  frei- 
lassen. 

c.2,8, 1  b)  Am  heiligen  Tage  des  Herrn  ^  freizulassen,  hindern  wir  durchaus  nicht,  und 
gestatten  wir  in  gleichem  Masse  mit  Bezug  darauf  Gesta*  aufzunehmen. 

p.  4, 11, 2       c)  Ein  Tauber  und  ein  Stummer  können  Vindicta  einen  Sklaven  nicht  freilassen. 

p.  4, 11,2  d)  Um  zur  vollgiltigen  Freiheit  gelangen  zu  können,  kann  die  Bedingung 
hinsichtlich  des  Verkaufs  vorbehalten  werden. 


1)  Dass  ihnen  die  Freiheit  eodem  iure  gewährt  zu  sein  erachtet  wird,  wie  die  civitas 
Romana  nach  Vornahme  der  Solennitäten. 

2)  So  sollen  sie  nicht  bloss  bei  Freilassung  In  conspectu  ecclesiae  ac  religiosi  populi 
die  volle  Frucht  der  Freiheit  erzielen,  sondern  auch  wenn  sie  durch  letzten  Willen  die 
Freiheit  gegeben  oder  Quibuscunque  verbis  zu  gewähren  vorgeschrieben  haben  werden. 
Derart,  dass  von  dem  Ta^e  des  kundgegebenen  Willens  ohne  irgendwelchen  Testis,  bez.  Inter- 
pres,  Juris,  die  direkte  Freiheit  zusteht. 

3)  An  einem  Dies  festus.  4)  Acta. 


cesserint  libertatem ,  eandem  eodem  iure 
donasse  videantur,  quo  civitas  Romana 
solennibus  decursis  dari  consuevit.  Sed  hoc 
duntaxat  iis,  qui  sub  adspectu  antistitum 
dederint,  placuit  relaxari.  Clericis  autem 
amplius  concedimus,  ut,  quum  suis  famulis 
tribuunt  libertatem,  non  solum  in  conspectu 
ecclesiae  ac  religiosi  populi  plenum  fructum 
libertatis  concessisse  dicantur,  verum  etiam 
quum  postremo  iudicio  libertates  dederint, 
seu  quibuscunque  verbis  dari  praeceperint; 
ita  ut  ex  die  publicatae  voluntatis,  sine  aliquo 
iuris  teste  vel  interprete,  competat  directa 
libertas. 

5)  a)  F.  2,  26,  4.  Apud  magistratus  muni- 
cipaleSjsihabeant  legis  actionem,  . .  manumitti 
potest. 

b)  C.  2,  8,  1.  .  .  manumittendi  die  festo 
cuncti  licentiam  habeant,  et  super  his  rebus 
acta  non  prohibeantur. 

c)  F.  4,  11,  2.  Mutus  et  surdus  servum 
vindicta  liberare  non  possunt  .  . 

d)  P.  4,  11,  2.  .  .  Ut  (autem)  ad  iustam 
libertatem  pervenire  possit,  conditione  ven- 
ditionis  excipi  potest. 


praesentia  sacerdotum  servos  suos  velit  ab- 
solvere,  noverit  eos,  suscepta  übertäte  cives 
esse  Romanos:  nam  si  clerici  suis  mancipiis 
dare  voluerint  libertatem,  etiamsi  extra  con- 
spectum  fecerint  sacerdotum  vel  sine  scriptura 
verbis  fuerint  absoluti,  manebit,  sicut  civibus 
Romanis,  integra  et  plena  libertas. 


(Quam vis)  sancto  die  dominico . . manumittere 
minime  prohibemus,  et  de  his  rebus  gesta  con- 
fici  pari  ordinatione  permittimus. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


67 


6)  Freilassung  mit  Latiuität. 

a)  Ein  Tauber  und    ein  Stummer   sind,    einen  Sklaven    unter    Freunden    und  p.  4, 


11,  2 


mittels  Briefes  freizulassen,  nicht  behindert. 


7)  Freilassung  mit  Dediticia  libertas. 

a)  ^ Nicht  allein,  dass  einen  Sklaven  der  Herr,  sondern  dass  dessen  Prokurator,  P.  4,11,8 
bez.  Aktor,  ihn  in  Fesseln  geschlagen,    und  der  Herr   sich  ])eruhigt  haben 

wird,  dass  es  zu  Recht  geschehen  sei,  steht  der  künftigen  Freiheit  im  Wege. 
Denn  wird  der  Herr  die  Lösung  des  von  dem  Aktor  Gefesselten  befohlen 
haben,  so  wird  die  zukünftige  Freiheit  nicht   gehindert  werden  können.^ 

b)  Ein  Sklave,    der  auf  Befehl  eines  geisteskranken  Herrn    oder  Pupillen    ge-  p.  4, 11, 7 
fesselt  worden  ist,  wird  nicht  Dediticius,  weil  weder  ein  Greisteskranker,  noch 

ein  Pupill  eines  bestimmten  Entschlusses  fähig  ist. 

c)  Wird  Einer  aus  der  Zahl  der  Herren  einen  gemeinschafthchen  Sklaven  in   p.  *,  n,  5 
Fesseln    geschlagen    haben,    so    wird    er    um     deswillen,    falls  er  nachher 
freigelassen  gewesen    sein    wird,    seiner   Freiheit   keinen    Nachteil    bereiten, 

w^eil  hierbei  die  Meinung  des  nachsichtigeren  Herren,  der  nichts  gegen  ihn 
ausgeführt  hat,  für  die  bessere  erachtet  wird.  Wenn  er  daher  von  beiden 
Herren  freigelassen  gewesen  sein  wird,  kann  er  Römischer  Bürger  werden.^ 

d)  Der  Schuldner  oder  der  Gläubiger  können   den    zum  Faustpfand  gegebenen   P-  4, 11,  e 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  2  a,  b. 

2)  T  führt  vielmehr  des  Näheren  aus,  dass  die  mildere  Meinung  den  Vorzug  verdient. 


6)  a)  P.  4,  11,2.  Mutus  et  surdus  servum 
.  .  inter  amicos  (tamen)  et  per  epistolam 
manumittere  non  prohibentur  ,  . 

7)  a)  P.  4,  11,  8.  Non  tantum  si  ipse 
dominus  vinciat,  nocet  libertati,  sed  et  si 
vinciri  iubeat  aut  vincientis  procuratoris 
actorisve  factum  comprobet.  Quod  si,  ante- 
quam  sciret  vinctum,  solutionis  eins  causas 
approbaverit,  libertati  futurae  vincula  non 
nocebunt. 

b)  P.  4,  11,  7.  Servus  furiosi  domini  vel 
pupilli  iussu  vinctus  dediticiorum  numero 
non  efficitur:  quia  neque  furiosus,  neque 
pupillus  exacti  consilii  capax  est. 

c)  P.  4,  11,  5.  Communem  servum  unus 
ex  sociis  vinciendo  futurae  libertati  non 
nocebit:  inter  paresenimsententiasclementior 
severiori  praefertur.  Et  certe  humanae  ra- 
tionis  est  favere  miserioribus  et  prope  in- 
nocentes  dicere,  quos  absolute  nocentes  pro- 
nuntiare  non  possumus. 

d)  P.  4,  11,6.  Debitor  creditorve  servum 
pignoris     vinciendo     dediticium    facere    non 


Si  servum  non  solum  dominus,  sed  pro- 
curator  eius  vel  actor  in  vincula  redegerit 
et  dominus  hoc  iuste  factum  aequieverit, 
futurae  impedit  libertati.  Nam  si  eum  ab 
actore  ligatum  dominus  solvi  praeceperit, 
futura  libertas  non  poterit  impediri. 


Si  communem  servum  unus  ex  dominis 
in  vincula  redegerit,  propter  hoc  libertati 
eius,  si  postea  manumissus  fuerit,  non  noce- 
bit: quia  in  tali  re  indulgentioris  domini 
sententia,  qui  nihil  in  eum  fecit,  melior  iudica- 
tur.  Et  ideo  si  ab  utroque  domino  manumissus 
fuerit,  civis  Romanus  effici  potest. 


68 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P.4,  11,  4 


P.  4,  11,  3 


N.T. 
12,  1,  3  U.  6 


Sklaven   durch  Fesselung    nicht   zum   Decliticius   machen,    indem    der   eine 
ohne  den  andern  die  Rechtslage  des  Faustpfandes  nicht  verschlechtern  kann. 

e)  Eine  mittels  Fideikommiss  gewährte  Freiheit  kann  von  dem  Erben  nicht 
dadurch  widerrufen  werden,  dass  er  den  Sklaven,  den  er  freizulassen  geheissen 
worden  ist,  unter  Zurlastlegung  eines  Verbrechens  in  Fesseln  geschlagen 
haben  wird. 

f)  Wer  bei  dem  Praeses  den  Foltern  unterworfen  worden  ist  und  wegen  keiner 
Schuld  bekannt  hat,   kann   in   die  vollgiltige  Freiheit  versetzt  werden. 

8)  Fi*eiheitserwTrb  ohne  Freilassung  (vgl.  §  5,  4). 

a)  Kein  Sklave  soll  an  das  Officium  clericatus  herantreten  noch  in  Klöstern 
aufgenommen  werden,  damit  sie  nicht  aus  diesem  A.nlass  der  geschuldeten 
Abhängigkeit  entgehen  können.  Sklaven,  die  nach  einem  Honor  ecclesiasticus 
gestrebt  haben  werden,  müssen  innerhalb  eines  Zeitraums  von  dreissig  Jahren 
von  den  Herren  zurückgerufen  werden.^  Mit  der  Massgabe  indessen,  dass 
ein  Diakon  statt  seiner  einen  Ersatzmann,  falls  er  ihn  gehabt  haben  wird, 
gewähren  und  sein  Herr  sein  ganzes  Peculium  in  Besitz  nehmen  soll.  Wird 
er  einen  Ersatzmann,  den  er  geben  könne,  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er  selbst 
in  sein  Abhängigkeitsverhältnis  zurückgerufen  werden.^ 


1)  T  fügt  hinzu  Excepfcis  episcopis,  ut  dictum  est.  et  presbyteris.  Das  üt  dictum  est 
bezieht  sich  darauf,  dass  es  vorher  (§  5)  von  den  Personen,  welche  den  Urbium  ministeria 
angehören,  heisst,  dass  sie  in  der  Stellung  von  Episcopi  und  Presbyteri  verbleiben. 

2)  T  verweist  mit  Bezug  hierauf  auf  dasjenige,  was  für  den  Fall  des  Ermangeins 
eines  Vicarius  De  ministeriis   urbium   verordnet  ist  (§  5):   es   ist  dies  eben  die  Rückkehr  in 


das  Abhängigkeitsverhältnis. 


possunt:  alter  enim  sine  altero  causam pignoris 
deteriorem  facere  non  potest. 

e)  P.  4,  11,  4,  Fideicommissa  libertas  data 
facto  heredis  non  mutatur,  si  servum,  quem 
manumittere  iussus  est,  vinxerit. 

f)  P.  4,  11,  3.  Tormentis  apud  praesidem 
subiectus  et  de  nulla  culpa  confessus  ad 
iustam  libertatem  perduci  potest. 

8)  a)  N.  V.  12,  1,  3  u.  6.  Nullus  . .  servus  . . 
ad  clericale  munus  accedat,  neque  monachis 
et  monasteriisuggregetur,  utvinculum  debitae 
conditionis  evadat: . .  servi  qui  iugum  natalium 
declinantes  ad  ecclesiasticum  se  ordinem 
transtulerunt,  exceptis  episcopis,  ut  dictum 
est,  et  presbyteris,  ad  dominorum  iura  redeant, 
si  non  in  eodem  officio  annum  vicesimum 
compleverunt:  itauthuins  conditionis  diaconus 
domino  pro  se  vicarium  reddat,  omni  pariter 
peculio  restituto.  Circa  quem  nihilominus,  si 
copia  vicarii  dandi  non  suppetat,  quaedeminis- 
toriis  urbium  superius  sunt  statuta,  serventur. 


Per  fideicommissum  data  libertas  ab  berede 
per  hoc  revocari  non  potest,  si  servum,  quem 
manumittere  iussus  est,  crimine  obiecto  in 
vincula  redeg^erit. 


(Lex)  .  .  NuUum  .  .  servum  .  .  ad  clericatus 
officium  (iubet)  accedere,  neque  in  monasteriis 
recipi,  ne  per  hanc  occasionem  debitam 
conditionem  possint  evadere  .  .  servos,  qui 
ad  honorem  ecclesiasticum  adspiraverint, 
debere  intra  triginta  annos  a  dominis  revo- 
cari. Itatamen,  ut  diaconus  pro  se  vicarium, 
si  habuerit,  reddat,  et  omne  peculium  suum 
dominus  eins  usurpet.  Quod  si  vicarium 
non  habuerit,  unde  reddat,  ipse  ad  conditi- 
onem propriam  revocetur. 


Endigung  der  Servitus.     Freilassung  §  6. 


69 


C.  9, 
19,  1,  4 


b)  Wenn  eine  freigeborene  Frau  mit  dem  eigenen  Sklaven  heimlich  sich  ver-     c.  9, 
mischt  haben  wird,   sollen  Sklaven  oder  Sklavinnen,    falls  sie  wegen  dieses 
Verbrechens  eine  Anklage  angebracht  haben  werden,  gehört  werden:  jedoch 

mit  der  Massgabe,   dass  sie,    wenn  sie   den  Beweis  geführt   haben   werden, 
die  Freiheit  erzielen  sollen. 

c)  Wenn  der  Entführer  mit  den  Eltern  des  Mädchens  sich  vergleicht  und  die 
Ahndung  des  Raubes  infolge  des  Schweigens  der  Eltern  unterlassen  ge- 
wesen sein  wird,  soll  ein  Sklave,  der  es  angebracht  haben  wird,  die  Lati- 
nische Freiheit  erzielen. 

d)  Ein  Gesetz  war  einmal  promulgiert  gewesen,  dass  Jemand,  ^der  sechzehn  c.  4, 8,  s 
Jahre  ohne  irgendwelche  Belästigung  durch  Erhebung  eines  Rückforderungs- 
anspruchs oder  einer  Klage  gelebt  hätte  ,^  auch  nachher  nicht  in  die 
Knechtschaft  kommen  solle.  Es  wird  dieses  jedoch  denjenigen  nicht  zu 
statten  kommen  können,  von  denen  festgestanden  haben  wird,  ^dass  sie  von 
freigeborenen  Vätern  und  Kolonenfrauen,  bez.  Sklavinnen,   geboren  worden 

sind,^  es  sei  denn,  dass  ihre  Väter  für  den  Kopf  der  Kinder  den  Herren, 
deren  Sklavinnen  sie  zu  Genossinnen  haben,   entweder  Ersatzsklaven  nebst 


1)  Der  sechzehn  Jahre  hindurch  guten  Glaubens  im  Zustande   der  Freiheit  beharrte. 

2)  Dass    sie  von  Sklavinnen    und    freigeborenen  Vätern    abstammen    und    sich    wäh- 
rend dieser  Zeit  mit  den  Eltern  im  AfFectus  libertatis  befunden  haben  werden. 


b)  C.  9,  6,  1  pr.  Si  qua  cum  servo  oc- 
culte  rem  habere  detegitur,  .  .  sit  etiam  servo 
licentia  deferendi,  cui  probato  crimine  liber- 
tas  dabitur  .  . 

c)  C.  9,  19,  1,  4.  Si  quis  (vero)  servus 
raptus  facinus  dissimulatione  prateritum  aut 
pactione  transmissum  detulerit  in  publicum, 
Latinitate  donetur  .  . 

d)  C.  4,  8,  3.  Legis  promulgatio,  quae 
per  sedecim  annos  bona  fide  in  übertäte  du- 
rantes  contra  eos,  qui  inquietant,  praescrip- 
tione  defendit,  non  opitulatur  his,  qui  ex  an- 
cillis  matribus  et  ingenuis  patribus  orti  per 
id  tempus  in  libertatis  aÖectu  cum  parenti- 
bus  perdurarint,  quandoquidem,  nullo  prae- 
cedente  iusto  legitimae  possessionis  initio, 
usurpatio  libertatis  nuda  iactetur,  quum  neque 
redemtio  a  Servitute  neque  vicarii  traditio 
servuli  vel  peculii  assignatio  valeat  demon- 
strari;  qui  tituli  possint  famulatus  nexibus 
liberare  eum,  qui  convenitur,  si  quo  ex  iis 
genere  usus  in  libertate  esset  per  annos  se- 
decim demoratus.  Iure  enim  communi  mater- 
nam  conditionem  natum  sequi  necesse  est,  ita 
üt,  etsi  herilem  lectulum  ancilla  adscenderit, 
non  liberorum  domino,  sed  servorum  partum 
suscipiat. 


Si  qua  ingenua  mulier  servo  proprio  se 
occulte  miscuerit .  .  Servi  (etiam)  aut  ancillae, 
si  de  hoc  crimine  accusationem  detulerint, 
audiantur :  ea  tarnen  ratione,ut  si  probaverint, 
libertatem  consequantur  .  . 

Quod  si  fortasse  raptor  cum  parentibus 
puellae  paciscatur,  et  raptus  ultio  parentum 
silentio  fuerit  praetermissa,  si  servus  ista  de- 
tulerit, Latinam  percipiat  libertatem  .  . 

Lex  aliquando  fuerat  promulgata,  ut,  si 
quis  sedecim  annos  sine  ulla  molestia,  nullo 
repetente  vel  pulsante,  vixisset,  et  postea  in 
servitium  non  veniret.  Sed  hoc  illis  prodesse 
non  poterit,  quos  de  ingenuis  patribus  et  co- 
lonis  mulieribus  vel  ancillis  constiterit  procre- 
atos,  nisi  forte  patres  eorumpro  filiorum  capite 
dominis,  quorum  ancillas  in  consortio  habent, 
aut  vicaria  mancipia  cum  peculiis  aut  redem- 
tionem  status  eorum  solverint.  Si  vero  pa- 
tres hoc  se  persolvisse  non  doceant,  non  po- 
terunt  matrum  conditionem  mutare,  aut  man- 
cipia dominis  deperire,  etiamsi  de  propriis 
dominis  nascantur,  nisi  per  manumissionem 
servili  conditione  carere  non  possunt  .  . 


70 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C. 16,  4,  1 


Pekulien,  oder  eine  Loskaufssumme  für  ihren  Status  gezahlt  haben  werden.^ 
Zeigen  die  Väter  jedoch  nicht;  dass  sie  gezahlt  haben,  so  werden  sie 
die  Lage  der  Mütter  nicht  ändern  oder  die  Sklaven  den  Herren  entziehen 
können:  auch  wenn  sie  von  den  eigenen  Herren  erzeugt  werden,  können  sie 
anders  als  mittels  Freilassung  ihrer  Sklavenstellung  nicht  verlustig  gehen. - 
e)  Wenn  einer  aus  der  Zahl  der  Juden  einen  Sklaven,  der  Christ  ist  oder 
irgend  einer  anderen  Sekte  angehört,  gekauft  und  beschnitten  haben  wird, 
soll  er  der  Potestas  dieses  Juden  enthoben  sein  und  in  der  Freiheit  verharren. 


N.M. 
4,l,2li  3 


C.  2,  19,  1 


C.  2,  19,  3 


4)  Liberti  §  7. 
1)  Rechtsstellung. 

a)  Senatoren  sollen,  falls  sie  gewollt  haben  werden,  die  Befugnis  haben,  ab- 
gesehen von  niedrigen  und  infamen  Personen,  wie  eine  Freigelassene,  einer 
Freigelassenen  Tochter,  die  Römische  Bürgerin  oder  Latinerin  geworden 
ist,  arme  und  jeder  Dignität  der  Geburt  bare  Personen,  wenn  sie  nur  ehrbar 
sind  und  von  elirbaren  Eltern  stammen,  zu  Frauen  auszuwählen  und  zu 
heiraten.^  Sind  Germani  fratres  übergangen  worden,  so  wird,  wenn  an 
Turpes  personae,  wie  Jemandem  aus  der  Zahl  seiner  Freigelassenen, 
die  Erbschaft  hinterlassen  gewesen  sein  wird,  die  Befugnis  gegen  das  Testa- 
ment   zu    klagen  vorbehalten:    wenn  nach  Übergebung  der  Brüder  Freige- 


1)  Ohne  vorgängiges  lustum  initium  einer  Legitima  possessio,  wozu  der  Loskauf  aus 
der  Sklaverei  und  die  Hingabe  eines  Ersatzsklaven,  bez.  Anweisung  eines  Peculium,  gehört. 

2)  Diese  Titel  können  bei  sechzehnjährigem  Verbleib  in  der  Freiheit  den  Status 
ändern.  Nach  lus  commune  folgt  notwendig  das  Kind  der  Mutter,  sodass,  auch  wenn 
die  Sklavin  mit  dem  Herrn    sich    verbindet,  sie  ihm  Sklaven,  nicht  Kinder  gebärt. 

3)  Vgl.  §  4,  1,  c,  aa. 


e)  C.  16,  4,  1.  Si  quis  Judaeorum  Chris- 
tianum  mancipium  vel  cuiuslibet  alterius 
sectae  mercatus  circumciderit,  minime  in 
Servitute  retineat  circumeisum,  sed  libertatis 
privilegiis,  qui  hoc  sustinuerit,  poHatur. 

1)  a)  N.  M.  4,  1,  2  u.  3.  ,  .  licere  statui- 
mus  senatoribus,  .  .  ex  ingenuis  natas,  quam- 
vis  pauperes,  in  matrimonium  sibi  adsciscere 
.  .  Humiles  vero  abiectasque  personas  .  .  esse 
censemus,  .  .  libertam  .  libertae  filiam,  civem 
Romanam  vel  Latinam  factam  .  . 

C.  2,  19,  1.  .  .  germanis  tantummodo  fra- 
tribus  adversus  eos  duntaxat  institutos  he- 
redes,  quibus  inustas  constiterit  esse  notas 
detestabilis  turpitudinis,  .  .  petitionis  aditus 
reseretur. 

C.  2,  19,  3  .  .  si  quando  libertis  heredi- 
bus  institutis  fratres  fuerint  alieni,  inoffici- 
osi  actione  proposita  praevaleant  in  omnibus 
occupandis  facultatibus  defuncti,  quas  ille 
perperam  ad  liberos  voluerat  pertinere. 


Si  quis  Judaeorum  servum  Christianum 
vel  cuiuslibet  alterius  sectae  emerit  et  cir- 
cumciderit, a  Judaei  ipsius  potestate  sublatus 
in  libertate  permaneat. 

(Hac  lege  permissum  est,)  ut  exceptis  vi- 
libus  infamibusque  personis,  pauperes  et  sine 
ulla  dignitate  natalium,  dummodo  honestas 
et  honestis  parentibus  procreatas,  senatores, 
si  voluerint,  uxores  eligendi  et  ducendi 
habeant  potestatem  .  . 

.  .  germanis  fratribus  praetermissis  .  . ,  si 
turpibus  personis,  fuerit  hereditas  derelicta, 
hoc  est  .  .  de  libertis  suis,  agendi  contra 
testamentum  licentia  reservatur  .  . 

.  .  si  praetermissis  fratribus  liberti  per 
testamentum  heredes  fuerint  institati, . .  ger- 
mani defuncti  eos  a  bonis  fraternae  heredi- 
tatis   excludent  .  . 


Liberti  §  7. 


71 


lassene  mittels  Testaments  zu  Erben  eingesetzt  gewesen  sein  werden,  werden 
die  Germani  des  Verstorbenen  sie  von  dem  Vermögen  der  brüderlichen  Erb- 
schaft ausschliesseii. 
b)  Damit  Mütter,    ebenso  Freigeborene,    wie    Freigelassene,    welche    Römische  p.  4, 8, 8 
Bürgerinnen  sind,  das  Ins  liberorum  erzielt  zu  haben  erachtet  werden,  wird 
es  genügen,  dreimal  und  viermal  geboren  zu  haben,  wenn  sie  nur  lebendige 
und  ausgetragene  Kinder  zur  Welt  bringen:    damit  eine  Freigelassene   das   p.  4,  s,  u 
lus  liberorum  erzielen  könne,  genügt  es,  dass  sie  viermal  geboren  hat. 

2)  Patronatsrecht. 

a)  Person  des  Patrons  (vgl.  §  5,  4). 

a)  Patron  ist  der  Freilasser.  c.  4,  lo,  i 

b)  Wird  mittels  Fideikommiss  die  Freiheit  gewährt,  so  ist  derjenige,  der  frei-   g.  2, 7, 7 
gelassen  gewesen   sein  wird,  des  Erben,  nicht  des  Testators,  Freigelassener. 

ß)  Rechtsverhältnis  (vgl.  §  5,  3ß;  Fünftes  Buch  §  4,  5  u.  §  5,  3). 

a)  Wenn  ein  Freigelassener,    der  Römischer  Bürger  ist,    Kinder  nicht  gehabt 
haben    wird    und  In    fraudem    seines  Patrons    seine   Sklaven  freilässt,   wird    g.  1, 6 
die  gewährte  Freilassung  keine  Giltigkeit  haben. 

b)  Wenn  ein  Freigelassener  nach  der  Verbindung   mit  der  Patronin  oder  der 
Tochter^  des  Patrons  zu  streben  versucht  haben  wird,  ^soll  er  in  ein  Berg-   p.  2, 20,  6 
werk  gesteckt  werden.^ 

c)  AVenn  Jemand,   der  keine  Kinder  hat,  sein  Vermögen,   bez.  einen  Teil  des    c.  8, 6, 2 


1)  T  spricht  von  Frau  und  Tochter. 

2)  Soll  er  Pro  dignitate  personae  mit  der  Poena  metalli  vel  operis  publici  gestraft  werden. 


b)  P.  4,  8,  8.  Matres  tarn  ingenuae, 
quam  libertinae,  cives  Romanae,  ut  ius  libe- 
rorum consecutae  videantur,  ter  et  quater 
peperisse  sufficiet,  dummodo  vivos  et  pleni 
temporis  pariant. 

P.  4,  8,  14.  Libertina  ut  ius  liberorum 
consequi  possit,  quater  eam  peperisse  sufficit. 

2  a)  a) 


h) 


ß)  a) 


b)  P.  2,  20,  6.  Libertum,  qui  ad  nuptias 
patronae  vel  uxoris  filiaeque  patroni  affec- 
taverit,  pro  dignitate  personae,  metalli  poena 
vel  operis  publici  coerceri  placuit. 

c)  C.  8,  6,  2.    Si  unquam  libertis  patronus 


C.  4,  10,  1.  .  .  patronum,  id  est  manu- 
missorem  .  . 

G.  2,  7,  7.  .  .  quum  per  fideicommissum 
libertas  datur,  is,  qui  manumissus  fuerit,  non 
testatoris,  sed  lieredis  libertus  est. 

G.  1,  6.  (Aut)  si  libertus  civis  Romanus 
liberos  non  habuerit  et  in  fraudem  patroni 
sui  servos  suos  manumittat,  (similiter)  data 
manumissio  non  valebit. 

Libertus,  si  ad  coniunctionem  patronae 
vel  patroni  filiae  adspirare  tentaverit,  in  me- 
tallum  detrudatur. 

Si    quis    filios    non    habem   bona    sua  vel 


72 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Vermögens,  den  Freigelassenen  geschenkt  und  derjenige,  welcher  geschenkt 
hatte,  hernach  Kinder  gehabt  haben  wird,  werden  die  den  Freigelassenen 
gemachten  Schenkungen  vollständig  hinfällig. 

p.  2, 30,1  d)  Wenn  von  dem  Vater  minderjährigen  Kindern  ein  Freigelassener  als  Tutor 
hinterlassen  gewesen  sein  wird,  kann  er,  falls  er  als  wenig  geeignet  gilt, 
von  der  Führung  der  Tutel  nicht  verschont  werden,  sondern  kann  ihm  ein 
Kurator  beigefügt  werden. 

p.  2, 33, 1  e)  Wenn  Jemand  in  der  Art  freigelassen  gewiesen  sein  wird,  dass  er  weder 
ein  Geschenk  noch  Dienste  ^  dem  Patron  zu  leisten  brauchte,  und  sein 
Patron  in  Armut  geraten  gewesen  sein  wird,  so  soll  er  angehalten  werden, 
nach  dem  Masse  seiner  Mittel  ihn  zu  ernähren  und  zu  erhalten. 

G.  2,  9,  4  f)  Indem  der  eine  redet  und  ohne  eine  Frage  dem  andern  verspricht,  wird  eine 
Obligation  eingegangen,  nämlich,  wenn  der  Freigelassene  dem  Patron 
entweder  ein  Geschenk  oder  ein  Munus  oder  Dienste  leisten  zu  sollen  ge- 
schworen hat:  wobei  die  genannten  Freigelassenen  nicht  so  sehr  durch  eine 
Verbalsolen  nität,  als  vielmehr  durch  die  Heiligkeit  des  Eides  sich  verbinden, 
während  keine    andere  Person   in  dieser  Weise  verpflichtet  werden  kann. 


5)  Rechtsmittel  zuqi  Schutze  der  Freiheit  und  Ingenuität  §  8. 

1)  Rechtsmittel  zum  Schutze  der  Freiheit. 

p.  5, 1, 4  a)  Derjenige,  welcher  aus  Furcht  und  unter  dem  Eindruck  irgendwelchen 
Schreckens  bei  den  Akten  des  Praeses  fälschlich  sich  als  Sklaven  bezeichnet 
hat,  thut  der  späteren  Verteidigung  seines  Status  keinen  Eintrag. 


1)  T  fügt  hinzu  Munus. 

filios  non  habens  bona  omnia  vel  partem  ali- 
quam  facultatum  fuerit  donatione  largitus, 
et  postea  susceperit  liberos,  totum,  quiquid 
largitus  fuerit,  revertatur  in  eiusdem  dona- 
toris  arbitris  deditione  mansurum. 

d)  P.  2,  30,  1.  Libertus,  quem  pater  tu- 
torem  dedit,  si  minus  idoneus  dicatur,  excu- 
sari  quidem  non  potest,  sed  adiungi  illi  cu- 
rator  jjotest. 

e)  P.  2,  33,  1.  Egentem  patronum  liber- 
tus obligatione  doni,  muneris  et  operarum 
solutus  alere  cogendus  est,  pro  modo  facul- 
tatum suarura. 


f) 


1)  a)  P.  5,  1,  4.     Qui  metu  et  impressione 


partem  bonorum  libertis  donaverit,  et  is,  qui 
donaverat,  filios  postea  habuerit,  donationes 
in  libertis  factae  ad  integrum  vacuantur. 


Si  a  patre  filiis  minoribus  libertus  tutor 
fuerit  derelictus,  si  parum  idoneus  videtur, 
excusari  quidem  ab  actione  tutelae  non 
potest;  sed  potest  illi  curator  adiungi. 

Si  quis  ita  fuerit  manumissus,  ut  nee  do- 
num,  nee  operas  patrono  praestare  deberet, 
et  patronus  eins  egens  fuerit  effectus,  eum 
pro  modo  facultatum  suarum  pascere  et  sus- 
tentare  corapellatur. 

e)  G.  2,  9,  4.  .  .  uno  loquente  et  sine 
interrogatione  alii  promittente ,  contrahitur 
obligatio,  id  est,  si  libertus  patrono  aut  do- 
num  aut  munus  aut  operas  se  daturum  esse 
iuravit.  In  qua  re,  supradicti  liberti  non 
tarn  verborum  solennitate,  quam  iurisiurandi 
religione  tenentur.  Sed  nulla  altera  persona 
hoc  ordine  obligari  potest. 


Rechtsmittel  zum  Schutze  der  Freiheit  und  Ingenuität  §  8. 


73 


b)  Wenn  irgend  Jemand  eine  im  Zustande  der  Freiheit  belindliclie  Person  in  ^f» 
die  Sklaverei  zuzusprechen  versucht,  ^wird  der  Verklagte  auf  Anordnung 
des  Judex  durch  die  Bevölkerung  und  durch  die  Öffentlichkeit  herumgeführt,  um 
eineu  Verteidiger  seines  Status  zu  finden  und  den  gefundenen  Assertor 
mittels  Schreibens  von  dem  «Judex  zu  erbitten,  damit  nicht  durch  Schweigen 
die  Ingenuität  unterdrückt  werde. ^  Wird  er  -entweder  sich  selbst  nicht 
haben  beistehen  oder  ^   einen   Assertor  nicht  haben  finden  können,   so  soll 


8,1, 
1—4 


1)  Soll,  wenn  ein  Assertor  gefehlt  haben  wird,  eine  Circumductio  stattfinden,  mit 
einem  Titulus,  der  per  literas  anzeigt,  dass  ein  Assertor  gesucht  werde.  Hierauf  bringt 
T  noch  Näheres  über  Zweck  und  Form  der  Proklamation, 

2)  Hiervon  spricht  T  nicht. 


alicuius  terroris  apud  acta  praesidis  servum 
se  esse  mentitus  est,  postea  statam  suum 
defendenti  non  praeiudicat. 

b)  C.  4,  8,  1,  pr.  1—4.  Si  quis  libertate 
utentes  eiusquo  compotes  inopinatos  in  dis- 
crimen  ingenuitatis  adducat,  si  eos  forte  as- 
sertio  defecerit,  circumductio  praebeatur,  as- 
sertorem  quaeri  titulo  per  literas  indicante; 
ne  causa  per  silentium  ignoretur  vel  absurde 
etiam  proclametur:  ut,  qui  comperissent,  vel- 
lent  asserere,  vel  cunctantes  etiam  cogeren- 
tur;  neu,  si  assertor  defuerit,  vincti,  multis 
eos  scientibus  liberos,  a  dominis  ducantur. 
Ideoque  sancimus:  si  quis  assertoris  inops 
atque  ignotus,  circumlustratis  provinciae  po- 
pulis,  desertus  tradatur  ei,  qui  servum  dixe- 
rit,  non  infracta,  sed  dilata  libertate,  asser- 
tore  invento  vires  recolligat,  et  suis  renovatis 
defensionibus  resistat  in  iudicio,  possessoris  iure 
privilegiisque  subnixus,  quamquam  de  domo 
illius  processerit.  Neque  enim  illa  possessio 
est  in  tempus  accepti,  sed  exspectatio  asser- 
toris in  tempore  non  reperti ;  ita  ut,  si  instau- 
rata  lite  restitutisque  in  sua  iura  partibus, 
pro  libertate  fuerit  lata  sententia,  iniuriae 
impudentiaeque  causa  adversarius  pari  nu- 
mero  servorum  mulctetur,  quotquot  erunt, 
qui  in  servitutem  petiti  sunt:  lis  vero  non 
condemnatur,  qui  in  ipsa  fuerint  lite  pro- 
geniti.  Quod  bi  quis  ante  assertorem  reper- 
tum  vel  ante  sententiam  fuerit  mortuus,  he- 
redibus  causam  status  probantibus  mulctati- 
cius  servus  tradetur:  et  heredes  eius,  qui 
libettatem  temerabat,  si  implacabilem  ani- 
mum  indicant,  eadem  maneat  raancipiorum 
lex  atque  conditio;  si  liberos  sinent,  quos 
clausos  repererint,  occidunt  cum  personis  de- 
licta.  Minorum  defensores  eadem  manebit 
mancipiorum  mulcta:  ac  iudicio  his,  quos 
defenderant,    reposcentibus,   rei   male  gestae 


Si  aliquis  in  libertate  positum  ad  servi- 
"tium  conetur  addicere,  (iubet)  pulsatum  ex 
ordinatione  iudicis  per  populos  et  per  publi- 
cum duci,  ut  defensorem  sui  status  inveniat 
et  inventum  assertorem  per  chartam  petat  a 
iudice,  ne  silentio  ingenuitas  opprimatur. 
Quod  si  aut  ipse  sibi  adesse  aut  assertorem 
non  potuerit  invenire,  tradatur  domino  repe- 
tenti  ad  servitium,  non  ad  poenale  suppli- 
cium: ita  ut  non  per  hanc  traditionem  ex 
integro  spem  libertatis  amittat,  nisi  quum 
habuerit  locum,  invento  assertore  libertatis 
suae  statum  asserat  legibus  audiendus.  Quod 
si  tali  ordine  reparata  lite,  qui  pulsantur, 
ingenuoi*  se  esse  docuerint,  tunc  ille,  a  quo 
ingenuitas  iniuste  fuerat  appetita,  tot  man- 
cipia  his,  quos  ad  servitutem  vocabat,  eius 
aetatis  et  sexus  dare  cogatur,  illis  in  con- 
demnatione  non  annumerandis  his,  qui,  dum 
causa  protrahitur,  in  lite  nati  esse  probantur. 
Quod  si  ex  his,  qui  ad  servitutem  vocantur, 
dum  per  assertorem  requirenduni  aut  alia 
occasione  causa  protrahitur,  aliqui  moriantur, 
et  heredes  eorum  statum  ingenuitatis  ob- 
tinuerint,  pro  illius  persona,  quae  in  lite  mortua 
est,  heredibus  suis  eius  compensatio,  sicut  et 
pro  vivis,  a  pulsante  reddenda  est.  Si  vero 
ille  moriatur,  qui  liberos  conabatur  addicere, 
et  filios  aut  heredes  dimittat,  si  persequi  vo- 
luerint  causam,  quam  pater  aut  auctor  in- 
choaverat,  et  victi  fuerint,  ad  supra  scriptam 
satisfactionem  tenendi  sunt,  ut  alia  tot  man- 
cipia  male  pulsatis  satisfaciant.  Si  vero 
agere  noluerint,  nee  persequi  eos  tentaverint, 
sed  etiam  in  custodiam  ab  auctore  redactos 
absolverint,  erunt  a  uiulctae  condemnatione 
securi,  quia  non  in  auctoris  sui  vitio  persti- 


74 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


er  dem  Herrn,  der  ihn  zurückverlangt,  in  die  Knechtschaft  übergeben  werden 
—  -"nicht  zum  Poenale  suppHcium,  —  derart,  dass  er  durch  diese  Tradition 
der  Hoffnung  auf  die  Freiheit  nicht  vöUig  verlustig  geht/  bis  dass  er, 
falls  es  sich  zugetragen  haben  wird,  nach  Auffindung  eines  Assertors  den 
Status  seiner  Freiheit,  als  ein  nach  den  Gesetzen  zu  Vernehmender,  in  An- 
spruch nimmt.^  Werden,  nachdem  in  solcher  Weise  der  Prozess  wiederaufgenom- 
men worden  ist,  die  Verklagten  gezeigt  haben,  dass  sie  freigeboren  sind,  dann 
soll  derjenige,  von  welchem  die  Ingenuität  zu  Unrecht  angegriffen  ge- 
wesen war,  ebenso  viele  Sklaven  von  gleichem  Alter  und  Geschlecht 
jenen,  die  er  in  die  Sklaverei  rief,  zu  geben  gezwungen  werden,  wobei 
ihnen  Diejenigen,  welche,  während  sich  die  Sache  hinzieht,  nachweislich 
während  des  Prozesses  geboren  sind,  bei  der  Verurteilung  nicht  zu- 
zuschlagen sind.  Wenn  aus  der  Zahl  der  Personen,  die  in  die  Sklaverei  ge- 
rufen werden,  während  wegen  Suchens  eines  Assertors  oder  aus  einem  an- 
dern Anlass  die  Sache  sich  hinzieht,  irgendwelche  sterben  und  deren  Erben 
den  Status  der  Ingenuität  durchgesetzt  haben  werden,  muss  von  dem 
Kläger  für  die  während  des  Prozesses  verstorbene  Person  seinen  Erben 
eine  Entschädigung  hierfür,  in  gleicher  Weise  wie  für  Lebende,  gewährt 
werden.  Stirbt  dagegen  Jener,  welcher  sich  freie  Personen  zuzusprechen 
wagte, '^  und  hinterlässt  ^Kinder  oder  Erben,  so  müssen  sie,  wenn  sie  die 
von  dem  Vater  oder  Erblasser  *  begonnene  Sache  werden  haben  fort- 
setzen wollen  und  besiegt  gewesen  sein  werden,  zu  der  oben  bezeichneten 
Entschädigung  angehalten  werden,  damit  sie  ebensoviel  andere  Sklaven  den 
zu  Unrecht  Verklagten  zur  Entschädigung  gewähren.  Werden  sie  jedoch 
nicht  haben  klagen  wollen,  noch  auch  versucht  haben,  sie  zu  verfolgen, 
sondern  sogar  die  von  dem  Erblasser  in  Haft  Versetzten  freigelassen  haben, 
so  werden  sie  vor  der  Verurteilung  zu  einer  Strafe  sicher  sein,  weil  sie 
bei    dem   Fehler   ihres    Erblassers  nicht  beharrt  haben.     Sind    sie  minder- 


1)  Non  iüfracta,  sed  dilata  libertate. 

2)  T  fügt    hinzu   und  führt  aus,   dass   bei  Aufnahme  des  Prozesses  der  als  Sklave  in 
Anspruch  Genommene  auf  lus  und  Privilegien  des  Possessor  sich  stützen  dürfe. 

3)  Wird  Jener  vor  Auffindung  eines  Assertor  oder  vor  dem  Urteil  gestorben  sein. 

4)  Bei  T  ist  nur  von  Erben  die  Rede. 


dabitur  aestimatio.  Quum  id  proprio  peri- 
culo  fecerit  assertor,  ut  rem  salvam  fore 
promittit,  ita  satis  accipiat  de  mulctae  red- 
hibitione. 


terunt.  Quod  si  forte  minores  sint,  et  tu- 
tor  eorum  vel  curator  causas  eorum  ad  versus 
ingenuitatem  prosequi  velit,  et  fuerit  supe- 
ratus,  ipse  de  propria  facultate  ad  satisfac- 
tionem  tenendus  est.  Si  vero  post  secundam 
reparationem  assertor  inventus  periculo  suo 
addicti  causam  crediderit  replicandam,  ut, 
si  vincatur,  peculium  aut  servitia  susceptorum 
vel  ipsos  reddere  debeat:  similiter  et  ille, 
qui  pulsat,  dato  fideiussore  promittat  se  prae- 
dictum  numerum  vel  meritum  mancipiorum, 
vel  quod  ab  his  in  peculio  reposcit,  satisfa- 
cere,  quum  fuerit  superatus. 


Rechtsmittel  zum  Schutze  der  P'reiheit  und  Ingcnuität  §  8. 


7D 


jährig  und  will  ihr  Tutor  oder  Kurator  ihre  Sachen  gegen  die  Inge- 
nuität  verfolgen  und  wird  besiegt  gewesen  sein,  ^so  ist  er  selbst  aus  dem 
eigenen  Vermögen  zur  Entschädigung  anzuhalten.^  Wie  aber  nach  der 
Wiederaufnahme  der  ermittelte  Assertor  auf  seine  (xefahr  hin  die  Sache 
des  Zugesprochenen  erneuern  zu  sollen  geglaubt  haben  Avird,  sodass 
er,  wenn  er  besiegt  wird,  das  Peculium  oder  die  Dienste  der  von  ihm 
in  Schutz  Genommenen,  bez.  sie  selbst,  zurückgeben  muss,  älmhch  soll 
auch  der  Kläger  unter  Verbürgung  versprechen,  dass  er  die  genannte  Zahl, 
bez.  den  Wert  von  Sklaven,  oder  was  er  von  ihnen  als  Peculium  zurück- 
verLangt,  für  den  Fall,  dass  er  besiegt  gewesen  sein  wird,  entschädige.^-  ^ 

c)  AVenn   nach  Übernahme   des  Liberale   iudicium  der  Assertor  die  Sache  im  p.  5,  i,  & 
Stiche  gelassen  haben  wird,  entschied   man  sich   dafür,   dass    ein   jedes  Ju- 
dicium auf  einen  andern  Assertor  übertragen  werde.     Dagegen   wird  gegen 

den  früheren  Assertor,  was  als  Verrat  der  Freiheit  verübt  worden  ist, 
Extra  ordinem  geahndet:  denn  die  einmal  übernommene  Causa  Status  darf, 
ohne  zwingende  Notwendigkeit,  nicht  im  Stiche  gelassen  werden. 

d)  Diejenigen,  welche  zwanzig  Jahre  nicht  im  Verborgenen,  sondern  öffentlich   c  4, 8, 4 
in  der  Freiheit  ausgeharrt  und  irgend  ein  Officium,  bez.  irgend  eine  Militia, 


1)  So  wird  ihrer  die  gleiche  Mulcta  mancipiorum  harren,  und  wenn  diejenigen,  welche 
sie  verteidigt  hatten,  zurückfordern,  wird  der  Schätzungswert  der  Res  male  gesta  gegeben 
werden. 

2)  Da  der  Assertor  auf  eigene  Gefahr  gehandelt  haben  wird,  so  soll  er,  wie  er  ver- 
spricht Rem  salvam  fore,  Satisdation  empfangen  wegen  Mulctae  redhibitio. 

3)  Zum  Schluss  fügt  T  noch  hinzu  (§  5):  Libertatem  victis  hostibus  victorum  domi- 
natio  abstulit:  leges  vero  iniuriosos  poena  afficiunt  et  fama  spoliant,  dictumque  in  iurgio 
in  adversarium  immodestius  iactatum  petulantiusque  fusum  poenam  subire  cogitur:  atque 
non  erit  impunita  labefactatio  atque  oppugnatio  libertatis,  quae  in  convictis  quoque  puni- 
etur.  Iniustum  est  autem,  alienum  ad  servum  recepisse,  et  alterius  servi  abductione  con- 
demnatur. 


c)  P.  5,  1,  5.  Post  susceptum  liberale  iu- 
dicium si  assertor  causam  deseruerit,  in  alium 
assertorem  omne  iudicium  transferri  placuit. 
In  priorem  vero,  quod  prodendae  libertatis 
gratia  factum  est,  extra  ordinem  vindicatur: 
non  enim  oportet  susceptam  status  causam, 
nulla  cogente  necessitate,  destitui. 

d)  C.  4,  8, 4.  Si  cui  super  statu  suo 
quaestio  moveatur,  qui  diuturno  tempore, 
hoc  est  per  viginti  annorum  spatia  in  liber- 
tatis possessione  duravit,  vel  quem  asserant 
suffragia  munerum  et  privilegia  meritorum, 
quive  iis  praesentibus,  qui  dominos  se  esse 
contendunt,  in  hominum  erit  celebritate  ver- 
satus,  nulla  ei  dandi  assertoris  necessitas 
imponatur,  sed  liber  assistat  et  statum  suum 
ipse  tueatur,  calumniantem  repellat,redarguat 
persequentem,  ne  fluctuet  dubius,  si  de  alieno 
necesse   habebit  pendere   fastidio.     De   aliis 


Qui  viginti  annos  non  occulte,  sed  pu- 
blice in  libertato  duraverint  et  aliquid  officii 
vel  militiae,  praesente  et  tacente  petitore, 
gesserint,  assertorem  quaerendi  eos  necessitas 
non  manebit,  sed  ipsi  per  se,  si  voluerint, 
adversus  petitorem,  quod  libertati  eorum 
competit,  exsequentur.  Circa  alios  vero,  qui 
nescientibus  dominis  latuerint,  prioris  legis 
ordo  servabitur. 


76 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


in  Gegenwart  und  unter  Stillschweigen  des  Klägers,  geführt  haben  werden,^ 
werden  der  Notwendigkeit,  einen  Assertor  zu  suchen,  überhoben  sein;  viel- 
mehr werden  sie  selbst  in  eigener  Person,  wenn  sie  gewollt  haben  werden, 
gegen  den  Kläger  dasjenige,  was  ihrer  Freiheit  gebührt,  erzielen.  Mit  Bezug 
auf  andere  dagegen,  ^die  ohne  Wissen  der  Herren  sich  verborgen  gehalten 
haben  werden,^  wird  die  Ordnung  des  früheren  Gesetzes  in  Acht  genommen 
werden. 

2)  Eechtsmittel  zum  Schutze  der  Ingenuität. 
c.  9, 16, 1       a)  Wenn  ein  Freigelassener  sich  für  einen  Freigebornen  erklärt,  wird  er  ebenso 

sehr    wegen    der    Dienste    zivilrechthch,    als   ferner  nach   der   Lex    Visellia 

kriminell  verfolgt  werden  können.^ 
p.  5, 7, 13       b)  Der   göttliche  Pius   hat  verboten,    dass   der  Freigelassene  von   dem  Patron 

getrennt  werde,  es  komme   denn  in  Frage,   w^o   er  nützlicher  sich  aufhalten 

müsste. 


N.  V. 

i,  1,  lu.  3 


c)  Kolonat  §  9. 
1)  Endigung  (vgl.  §  5,  3  a). 

a)  ^Es    giebt   einen    starken    Anstoss,    dass    Manchen    auch    nicht  die    Privi- 
legien ihrer  Mihtia  helfen.     Dass  Personen,    nachdem  sie  eine  langwierige 


1)  Diejenigen,  welche  ein  Diuturnum  tempus,  das  ist  zwanzig  Jahre  hindurch,  im 
Besitze  der  Freiheit  beharrt  haben,  oder  quem  asserant  suffragia  munerum  et  privilegia 
meritorum. 

2)  Die  weder  ein  Honor  noch  Superscriptione  praedicti  temporis  Privilegium  mili- 
tare  schützt. 

3)  J  gedenkt  dieses  Falles  nicht  ausdrücklich  (Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter 
et  criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi,  ut  prias  civilis,  deinde  criminalis  agatur, 
si  voluerit  accusator  .  .)• 


vero,  quos  nee  honor  aliquis,  nee  superscrip- 
tione praedicti  temporis  Privilegium  militare 
defendit,  antiqui  iuris  forma  servetur, 

2)  a)  C.  9,  16,  1.  .  .  quum  libertus  se  dicit 
ingenuum,  tarn  de  operis  civiliter  quam  etiam 
lege  Visellia  criminaliter  poterit  perurgeri  .  . 
b)  P.  5,  7,  13.  .  ,  separari  .  .  divus  Pius 
prohibuit  .  .  a  patrono  libertum,  .  .  nisi  forte 
quaeratur,  ubi  utilius  mbrari  debeat. 

.  1)  a)  N.V.8,l,lu.3.  ..  vehementer  oflPendit, 
quod  quibusdam  nee  militiae  suae  privilegia 
suffragantur.  Diuturno  excubiarum  labore 
perfanctis  impingi  contumeliosam  status  com- 
perimus  quaestionem,  et  .  .  emeritos  aulicis 
honoribus  viros  trahi  ad  laqueos  vilissimi 
colonatus  .  .  est  lex  .  .  constituens  post  tri- 
ginta  annos  nulla  penitus  iurgia,  quae  medio 
tempore  mota  non  fuerant,  excitari  .  .  Prae- 
cipimus   i^igitur)   propter    quorundam   pravas 


Kolonat  §  9. 


77 


Arbeit  von  Bemühimgen  durchstanden  haben,  eine  schimpf  Hohe  Quaestio 
Status  angethan  wird,  und  dass  Männer,  die  in  Gefahren  ausgedient 
sind,  in  die  Schhngen  des  niedrigsten  Kolonats  verwickelt  werden,  haben 
wir  in  Erfahrung  gebracht.  Es  giebt  ein  Gesetz,  Avelches  vorschreibt,  dass 
nach  dreissig  Jahren  durchaus  keine  Prozesse  angestrengt  werden,  die 
in  der  Zwischenzeit  nicht  erhoben  gewesen  waren.  AVir  geben  wegen  der 
üblen  Interpretationen  Einigen,  denen  das  genannte  Gesetz  nicht  genügt, 
eine  Vorschrift:  indem  es  sagt  ^ Alles',  lässt  es  durchaus  keinen  Zündstoff 
für  irgend  einen  Prozess  oder  Rechtsstreit  zurück.^ 
b)  -Kein  Originarius  Inquilinus  oder  Kolone  soll  an  das  Officium  clericatus  ^'Ju^g 
herantreten  noch  in  Klöstern  aufgenommen  werden,  damit  sie  nicht  aus 
diesem  Anlass  der  geschuldeten  Abhängigkeit  entgehen  können.  Originarii, 
die  nach  einem  Honor  ecclesiasticus  gestrebt  haben  werden,  müssen  inner- 
halb eines  Zeitraums  von  dreissig  Jahren  von  den  Herren  zurückgerufen 
werden.  Mit  der  Massgabe  indessen,  dass  ein  Diakon  statt  seiner  einen 
Ersatzmann,  falls  er  ihn  gehabt  haben  wird,  gewähren  und  sein  Herr 
sein  ganzes  Peculium  in  Besitz  nehmen  soll.  Wird  er  einen  Ersatzmann, 
den  er  geben  könne,  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er  selbst  in  sein  Abhängig- 
keitsverhältnis zurückgerufen  werden.^ 

2)  Vindikation. 

a)  Wenn  Jemand  einen  fremden  Kolonen  wissentlich  hi  seinem  Hause  zurück-   c.  5,  9,  i 
behalten  haben  wird,    soll  er  ihn  zunächst  dem  Herrn  zurückgeben,    dieser 


1)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  5,  2  a. 


2)  Vgl.   §  6,  8  a. 


interpretationes,  quibus  sanctio  memorata 
non  sufficit  .  .  Dieendo  enim,  omnia,  nulluni 
penitus  cuiuslibet  litis  aut  causationis  fomi- 
item  derelinquit. 

b^  N.  V.  12,  1,  3  u.  6.  Nullus  originarius, 
inquilinus,  (servus)  vel  colonus  ad  clericale 
munus  accedat,  neque  monachis  et  mona- 
steriis  aggregetur,  ut  vinculum  debitae  con- 
ditionis  evadat  .  .  Originarii  sane  vel  servi, 
qui  iugum  natalium  declinantes  ad  ecclesi- 
asticum  se  ordinem  transtulerunt,  exceptis 
episcopis,  ut  dictum  est,  et  presbyteris,  ad 
dominorum  iura  redeant,  si  non  in  eodem 
officio  annum  tricesimum  compleverrint :  ita, 
ut  huius  conditionis  diaconus  domino  pro  se 
vicarium  reddat,  omni  pariter  peculio  resti- 
tuto.  Circa  quem  nihilominus,  si  copia 
vicarii  non  dandi  non  suppetat,  quae  de 
ministeriis  urbium  superius  sunt  statuta, 
serventur. 

2)  a)  C.  5,  9.  1.  Apud  quemcunque  colo- 
nus iuris  alieni  fuerit  inventus,  is  .  .  eundem 
origini  suae  restituat.  .  .  Ipsos  etiam  colonos, 
qui    fugam    meditantur,    in    servilem   condi- 


.  .  nullum  (etiam)  originarium,  inquilinum 
(servum)  sive  colonum  ad  clericatus  officium 
(iubet)  accedere,  neque  in  monasteriis  recipi, 
ne  per  hanc  occasionem  debitam  conditionem 
possint  evadere  .  .  Originarios  .  .,  qui  ad 
honorem  ecclesiasticum  adspiraverint,  debere 
intra  triginta  annos  a  dominis  revocari.  Ita 
tamen,  ut  diaconus  pro  se  vicarium,  si  ha- 
buerit,  reddat,  et  omne  peculium  suum  do- 
minus eins  usurpet.  Quod  si  vicarium  non 
habuerit,  unde  reddat,  ipse  ad  conditionem 
propriam  revocetur. 


Si  quis  alienum  colonum  sciens  in  domo 
sua  retinuerit,  ipsum  prius  domino  restituat . .: 
ipse  vero,  qui  noluit  esse,  quod  natus  est, 
in  servitium  redigatur. 


78 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  5,  10, 

1,  1  U.2 


C.5,  10, 
1  pr. 


N.  V. 

:9,  1  pr,  1 


aber,  der  nicht  sein  wollte,  wozu  er  geboren  ist,  in  die  Sklaverei  versetzt 
werden.^  Wird  der  fremde  Kolone,  der  in  sein  Eigentum,  sei  es  auf  der 
Flucht  geraten  ist,  sei  es  aus  eigenem  Entschluss  einwandert,  innerhalb  dreissig 
Jahren  von  dem  Herrn  gefunden  gewesen  sein,^  so  soll  er  mit  den  nach 
dem  Gesetze  ihm  geschuldeten  Kindern  ^und  dem  ganzen  Peculium^  zurück- 
gerufen werden.  Wird  er  gestorben  gewesen  sein,  so  sollen  seine  Kinder 
^mit  ihren,  bez.  des  verstorbenen  Vaters,  Löhnen^  von  dem  Herrn  zurück- 
gerufen w^erden.  Wenn  Jemand  einen  fremden  Kolonen,  der  in  sein  Eigen- 
tum, sei  es  auf  der  Flucht  geraten  ist,  sei  es  aus  eigenem  Entschluss  ein- 
wandert, dreissig  Jahre  innegehabt  haben  wird,  soll  er  ihn,  als  sein  eigen, 
vindizieren.^   ^Wenn    der    Kolone    dem    eigenen  Herrn    entflohen  sein    und 


1)  Vgl.§  5,  3a,  a. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  bezüglich  seiner  rechtlichen  Lage  kein  Zweifel  besteht. 
3j  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

4)  Mit  dem  ganzen  Peculium  und  den  Löhnen. 

5)  Wenn  ein  Kolone  Originalis  oder  Inquilinus  vor  dreissig  Jahren  den  Besitz  ver- 
lassen hat  und  nicht  zum  Solum  genitale  zurückgerufen  worden  ist,  soll  jede  Calumnia 
von  ihm,  bez.  von  demjenigen,  welcher  ihn  besitzt,  ferngehalten  werden. 


tionem  forro  ligari  conveniet,  ut  officia,  quae 
liberis  congruunt,  merito  servilis  condemna- 
tionis  compellantur  implere. 

C.  5,  10,  1,  1  u.  2.  Quod  si  quis  originarius 
intra  hos  triginta  annos  de  possessione  disces- 
sit,  sive  per  fugam  lapsus,  seu  sponte  seu 
sollicitatione  transductus,  neque  de  eins  con- 
ditione  dubitatur,  eum,  contradictione  sum- 
mota,  loco,  cui  natus  est,  cum  origine  iubemus 
sine  dilatione  restitui.  Quod  si  forte  ipse,  de 
cuius  proprietate  certatur,  fatali  sorte  consum- 
tus  est,  eius  posteritatem  agrorum  iuri  cum 
omni  peculio  atque  mercedibus ,  velut  eo 
ßuperstite,  qui  decessit,  celeri  iubemus  exse- 
cutionc  revocari. 

C,  5,  10,  1  pr.  Si  quis  colonus  originalis 
vel  inquilinus  ante  hos  triginta  annos  de 
possessione  discessit,  neque  ad  solum  geni- 
tale silentii  continuatione  repetitus  est,  omnis 
ab  ipso,  vel  a  quo  forte  possidetur,  calumnia 
penitus  excludalur;  quem  annorum  numerum 
futuris  quoque  temporibus  volumus  observari. 

N.V.  9,  1  pr.  1.  Quum  pure  et  fideliter 
observari  debeant,  quae  caventur  in  legibus, 
latam  dudum  de  colonis  originariis  fucum 
pati  quorundam  maligna  mente  cognovimus. 
Nam  quum  is,  a  quo  discessit  obnoxius,  tri- 
ginta annorum  repellatur  obiectu,  eundo  per 
hos  atque  ab'os  designatum  tempus  assumit; 
ita  coniußgit,  ut,  quum  illi  pereat,  a  quo 
fugit,    nee   huic,    ad   quem   venit,   possit  ac- 


.  .  colonum  alienum  in  re  sua  vel  in  fuga 
lapsum  vel  sua  voluntate  migrantem  . .  Qui 
si  intra  triginta  annos  inventus  fuerit  a  do- 
mino,  cum  filiis  secundum  legem  sibi  debitis 
et  omni  peculio  revocetur.  Quod  si  forte 
mortuus  fuerit,  filii  eius  cum  mercedibus  suis 
vel  patris  mortui  a  domino  revocentur. 


Si  quis  colonum  alienum  in  re  sua  vel  in 
fuga  lapsum  vel  sua  voluntate  migrantem 
triginta  annos  habuerit,  ac  si  suum  vindicet . . 


(Lex  ista  constituit,)  ut  si  colonus  pro- 
prium dominum  fugerit,  et  triginta  annis 
per  diversorum  domos  aut  agros  fortasse 
latuerit,  et  non  nisi  impletis  triginta  annis  a 
die  fugae  suae  praedictum  colonum  dominus 
potuerit  invenire,  ab  eo,  apud  quem  inventus 
fuerit,  tricennali  annorum  praescriptione  do- 
minus, qui  fugam  coloni  sequitur,  excludatur. 
Secunda  iterum   conditione   currente,    ut,    si 


Kolonat  §  9. 


79 


dreissig  Jahre  in  den  Häusern  oder  Äckern  Verschiedener  sich  verborgen 
gehalten  haben  wird  und  erst  nach  Vollendung  von  dreissig  Jahren  von 
dem  Tage  seiner  Flucht  der  Herr  den  genannten  Kolonen  wird  haben 
finden  können,  soll  der  Herr,  welcher  die  Flucht  des  Kolonen  verfolgt, 
von  demjenigen,  bei  dem  er  gefunden  gewesen  sein  wird,  durch  die  dreissig- 
jährige  Verjährungsfrist  ausgeschlossen  Averden,  während  der  zweite  Sach- 
verhalt derart  gestaltet  ist,  dass,  wenn  dieser  Kolone  bei  drei  Personen  je 
zehn  Jahre  gewohnt  haben  wird,  derjenige  ihn  in  Anspruch  nehmen  soll, 
bei  Avelchem  er  in  der  späteren  Zeit  gefunden  wird.  Der  dritte  Sach- 
verhalt ist,  dass,  wenn  zwischen  jenen,  bei  welchen  er  während  eines  Zeit- 
raums von  dreissig  Jahren  gewohnt  haben  wird,  ein  Streit  entstanden 
gewesen  sein  wird,  der  bezeichnete  Kolone  demjenigen  zugesprochen  wird, 
bei  dem  er  nachweislich  während  jener  dreissig  Jahre  die  grössere  Zahl 
von  Jahren  gewohnt  hat.^ 
b)  Mit  Bezug    auf   die  Flucht    einer  Kolonin    soll    die    gleiche    Ordnung,    bei 


welchen  Personen    sie  auch    immer 


gewohnt  haben 


wird,    gewahrt   werden, 


N.  Y. 
9,  l,lu.  2 


1)  T  redet  zunächst  von  dem  bisherigen  Rechtszustand,  nach  welchem  die  dreissig- 
jährige  Verjährung  lediglich  dem  Kolonen  zu  statten  kam.  Von  den  drei  behandelten 
Thatbeständen  ist  der  erste,  dass  der  Kolone  während  der  Verjährungsfrist  bei  demselben 
Herrn,  der  zweite,  dass  er  bei  verschiedenen  eine  gleiche  Zeit,  der  dritte,  dass  er  bei  einem 
der  verschiedenen  eine  länsrere  Zeit  greblieben  ist. 


quiri,  mansionum  permutatione  desinat  esse, 
quod  natus  est,  libertatem,  quam  nascendo 
non  habuit,  fugae  sibi  assiduitate  defendens. 
Nulli  unquam,  nisi  colono  fugitivo,  culjDa  sua 
praemium  fuit:  ea  causa  incipit  melior  ef- 
fici,  qua  poenam  meretur.  Quod  tamen  suf- 
ficit  huc  usque  licuisse.  Nam  quum  prior 
dominus  obice  legis  excluditur,  illi  euui  iu- 
beraus  acquiri,  apud  quem  eosdem  annos  sta- 
tuti  temporis  probatur  implesse.  Quod  si 
propter  conclusionem  tricennalem  et  ad  vim 
praescriptionis  eludend^m  aequaliter  habitet 
per  diversos,  is  eum  vindicet  iure  colonario 
serviturum,  penes  quem  a  die  primae  fugae 
triginta  annorum  posteriora  tempora  conclu- 
duntur,  alias  huic  lucro  cedat,  cum  quo  maxi- 
mam  tricennii  partem  vagus  et  infidus  habi- 
tator  efficit  .  . 

b)  N.  V.  9,  1,  1  u.  2.  .  .  Quod  etiam  de 
mulieribus  originariis  aeque  vagantibus  prae- 
cipio  custodiri.  Colona  (vero),  quae  petitori 
post  viginti  annorum  curricula  denegatur,  si 
quem  partum  ante  designatum  tempus  edidit, 
priori  domino  convenit  non  perire:  aequum 
est,utadeumsoboles  redeat  suscepta  tun c  tem- 
poris, quum  adhuc  mulier  competebat,  ut  dam- 
num  amissae  matris,  quod  processu  contingit 
annorum,  prolis  saltem  vindicatio  consoletur. . 


forte  apud  tres  personas  denis  annis  colonus 
ipse  habitaverit,  ille  eum  vindicet,  apud  quem 
posteriori  tempore  invenitur.  Tertia  con- 
ditio est,  ut,  si  inter  eos,  apud  quos  per  tri- 
cennium  habitaverit,  fuerit  orta  contentio, 
ipsi  praedictus  colonus  addicatur,  apud  quem 
per  illos  triginta  annos  maiori  annorum  nu- 
mero  diornoscitur  habitasse  .  . 


. .  De  colonae (vero) faga,par, apud quoscun- 
que  habitaverit,  forma  servetur,  ea  tamen  con- 
ditione  servata,  ut,  sicut  de  coloni  iure  pro- 
prius  dominus  triginta  annorum  praescriptione 
excluditur,  ita  et  impleto  viginti  annorum 
numero,  de  repetitione  colonae  domini  petitio 
repellatur.  Ita  tamen,  ut  filii,  qui  intra  viginti 
annos  nati  fuerint,  quando  adhuc  colona  domino 
competebat,  adomino,  quicolonampraeiudicio 
temporis  perdidit,  .  .  debeant  revocari,     Post 


80 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


jedoch  Hüter  Inaclitnehmung  des  Sachverhalts,  dass,  wie  der  Eigentümer 
durch  die  Verjährung  von  dreissig  Jahren  von  dem  Rechte  an  dem  Kolonen 
ausgeschlossen  wird,  so  auch  nach  Ablauf  der  Zahl  von  zwanzig  Jahren 
der  Anspruch  des  Herrn  wegen  der  Rückforderung  der  Kolonin  zurückge- 
wiesen wird.  Mit  der  Massgabe  indessen,  dass  die  Kinder,  die  innerhalb 
zwanzig  Jahren,  als  noch  die  Kolonin  dem  Herrn  zugehörte,  geboren  ge- 
wesen sein  werden,  von  dem  Herrn,  der  die  Kolonin  durch  das  Präjudiz 
der  Zeit  verloren  hat,  zurückgerufen  werden  sollen.^  Dagegen  werden 
die    nach    dem    zwanzigsten    Jahre    Geborenen   dem    Eigentum    desjenigen 

c.5,io,],3  erworben,  dem  die  Zeit  die  Kolonin  zugesprochen  haben  wird.'^     Wird  sie 

innerhalb  zwanzig  Jahren  gefunden  gewesen  sein  und  von  dem  fremden 
Kolonen  Kinder  empfangen  haben, ^  so  soll  sie  mit  dem  dritten  Teil  der 
Nachkommenschaft  zurückgerufen  werden,  weil  zwei  Teile  der  Nachkommen- 
schaft dem  Kolonen  folgen.  Damit  aber  nicht  eine  Trennung  der  Ehe  statt- 
linde, verordnen  wir,  dass  jener,  dem  der  Kolone  gehört,  eine  Frau  als  Ersatz 
und  für  den  dritten  Teil  der  Nachkommenschaft  der  Frau  dem  Herrn  Ent- 

N.v. 9, 1,4  Schädigung  leiste:    *wenn    übereingekommen    sein    wird,    wird  auch  für  den 

Kolonen    derjenige,    welchem    die    Kolonin    gehört,     in    gleicher    Ordnung 

c.  5,10,1,4  einen  Ersatz  leisten  müssen.*    Wenn  hingegen  die  Frau  fremden  Rechts  emen 


1)  J  nimmt  für  den  Text  auf  N.  Y.  12,  1  Bezug  (secundum  constitutionem,  cjuae 
sub  titulo  De  episcopali  iudicio  processit,  debeant  revocarij. 

2)  Hiervon  spricht  T  nicht  ausdrücklich. 

3)  T  fügt  hinzu,  da.ss  über  ihre  Rechtslage  kein  Zweifel  besteht. 

4)  T  spricht  davon,  dass,  wie  frühere  Gesetze  den  Tausch  von  Koloninnen  zulassen, 
es  gestattet  sei,  Kolonen  verschiedener  Grundstücke  zu  tauschen,  während  Veräusserung 
eines  Kolonen  ohne  Eintausch  eines  andern  untersagt  ist. 


C.  5,  10,  1,3.  ..quarumintracomprehensum 
tempus  discessio  comprobaturac  de  conditione 
nulla  dubitatio  est,  prorsus  dominis  perire 
non  sinimus,  ea  tamen  conditione  servata, 
ut  vicaria  cum  agnatione  partis  tertiae  non 
negetur,  quae  de  colono  suscepta  est  alieno, 
ita  ut  pro  filiis  quoque  contrarii  praebeantur. 

N.  V.  9,  1,  4.  (Sane  sicut  colonas)  commu- 
tari  posse,  (priora  statuta  iusserunt,  ita) 
etiam  de  viris  licentia  erit.  Igitur  commutati- 
ones  factas  lex  nostra  confirmat,  ac  si  aliqua 
cessio  sine  personarumcommutatione processit, 
vel  deinceps  facta  fuerit,  non  valeat,  ne  ad 
alterum  coloni,  ad  alterum  possessio  exhausta 
perveniat. 

C.  5,  10,  1,  4.  Quod  si  non  ad  alienum 
praedium,  sed  cuiuscunque  liberi  hominis  ac 
sui  iuris  secuta  consortium  in  urbibus  vel  in 


vicesimum  autem  annum  nati  illius  dominio 
acquiruntur,  cui  colonam  tempus  addixerit  .  . 

(colona  .  .)  si  (tamen)  intra  viginti  annos 
inventa fuerit  et  de  alieno  colono  filios  suscepe- 
rit,  cum  agnationis  parte  tertia  revocetur: 
quia  colonum  duae  partes  agnationis  sequuntur. 
Sane  ne  separatio  coniugii  fiat,  illum,  cuius 
colonus  est,  vicariam  mulierem  et  pro  tertia 
agnatione  mulieris  domino  compensare 
praecipimus. 

..(commutatio  non  negetur,  ,.)siconvenerit, 
et  pro  colono  is,  cuius  colona  est,  pari  con- 
stitutione debebit  implere. 


Si  vero  mulier  iuris  alieni  ingenuum  maritum 
duxerit,  omnis  mulieris  agnatio  ad  eins 
dominium  pertinebit. 


Kolon at  §  9. 


81 


Freigeborenen -^  zum  Gatten   genommen  haben  wird,  wird  die  ganze  Nach- 
kommenschaft der  Frau  in  das  Eigentum  des  Herrn  gehören.^ 

Wenn    eine    Kolonin    zwanzig    Jahre   in    fremdem    Eigentum  und  c. 5, 10,1,3 
Recht   verbheben    sein    Avird,   soll  sie  von  dem    früheren  Herrn    nicht 
beansprucht    werden.      Mit    Bezug    auf    die    Nachkommenschaft    der   12,1,19 
Koloninnen  steht  fest,  dass  unter  Aufhebung  von  Zweideutigkeit  vor- 
geschrieben worden  ist,  dass  die  Nachkommenschaft  unter  den  beiden 
Eigentümern  geteilt  werde,  das  will  sagen,  dass  der  Herr  des  Kolonen 
zwei    Drittel    der    Kinder   und    ein    Drittteil    der    Herr    der    Kolonin 
für    sich   in  Anspruch    nehmen    dürfe.  ^     Ein    Tausch   soll    nicht   ver-   "^^^u^^s^ 
Aveigert  werden,  derart,  dass  der  Herr  des  Kolonen  unverzüglich  sorgen 
solle,  Ersatzsklaven  sowohl  für  die  Kolonin,  als  auch  für  den  Anteil  an 
den  Kindern  zu  gewähren. 


1)  Einen  über  homo  und  Sui  iuris. 

2)  T  fügt  zum  Schluss  hinzu:  Quod  hie  minus  est  de  colonae  agnatione,  in  Novelhs 
legibus  invenitur;  es  sind  dies  N.  V.  8,  1;  N.  V,  9,  1;  N.  V.  12,  1.  T  enthält  noch  die  folgende 
Übergangsvorschrift  (§  5):  Contestatas  autem  lites,  si  tarnen  quisquam  docebitur  solenniter 
fuisse  conventus,  salvas  repetentibus  esse  decernimus. 

3)  Sowohl  T  (scilicet  secundum  legem  ad  Palladium  datam  .  ,  fuerit  alieno),  als  auch 


quibuscunque  locis  victura  consistit,  si  modo 
intra  praefinitum  tempus  reposcitur,  eins 
omnem  originem  secundum  vetera  constituta 
conveniet  revocari. 

C.  5,  10,  1,  3.  Infeminis  sane  Observationen! 
volumus  esse  diversam.  Itaque  mulierum, 
quae  fuisse  originariae  docebuntur,  si  ante 
vicesimum  annum  de  solo,  cui  debebantur, 
abscesserint,  universa  repetitio   cesset  .  . 

N.  V.  12,  1,  19.  Quod  (autem)  antehac 
promulgata  lege  censuimus,  amissae  tempo- 
ribus  originariae  sobolem  priori  domino  non 
perire,  id  in  argumentum  trahi  aperta  defi- 
nitione  prohibemns:  scilicet  .  .  sobolem  dividi 
censemus,  quae  de  originario  suscepta  fuerit 
alieno  .'. 

N.  V.  9,  1,  2  u.  3.  (Colona  vero,  quae 
petitori  post  viginti  annorum  curricula  dene- 
gatur,  si  quem  partum  ante  designatum 
tempus  edidit,  priori  domino  convenit  non 
perire  .  .).  Quem  casum  iubemus  vicariorum 
compensatione  finiri,  ne,  quod  impium  est, 
filii  a  parentibus  dividantur.  Item  placet, 
ut  pars,  cuius  maritum  esse  constiterit,  pro 
uxore  eiusdemmeriti  vicariamreddat,  quatenus 
prava  forsitan  dominorumobstinatioafaciendo 
divortio  conquiescat,  quia  et  in  eins  modi 
personis  salva  et  inconvulsa  debet  coniunc- 
tionis  afiectio  permanere. 

Conrat,  Breviarium. 


Colona  (etiam)  si  viginti  annis  in  alieno 
dominio  et  iure  permanserit,  a  priore  domino 
non  requiratur  .  . 


De  colonarum  (vero)  agnatione  id  remota 
ambiguitate  (hac  lege)  constat  esse  prae- 
ceptum,  ut  ,  .  inter  duos  dominos  dividatur 
agnatio,  id  est,  ut  coloni  dominus  duas  partes 
filiorum  et  tertiam  colonae  dominus  sibi 
debeat  vindicare  .  . 

.  .  ut  .  .  commutatio  non  negetur,  ita  ut 
vicaria  mancipia  tarn  pro  colona,  quam  pro 
portione  filiorum  dare  coloni  dominus  mox 
procuret  .  . 


82 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


N.V.8, 1, 
4—6 


c)  1-2  Mit  Bezug  auf  Originarii,  Kolonen,  Inquilinen  beiderlei  Geschlechts, 
die  Pekulien  und  Nachkommenschaften,  die  zu  einem  lus  perpetuum 
Patrimoniale  Emphyteuticarium  und  B.ei  publicae  gehören,  soll  nach  dem 
Verlauf  von  dreissig  Jahren  künftig  keine  Actio  angestellt  werden.  Eine 
Sache,  mit  Bezug  worauf  Niemand  innerhalb  der  bezeichneten  Fristen 
solenn  die  Klage  angestrengt  hat,  soll  Niemand  von  Neuem  proponieren. 
Dieses  muss  auch  mit  Bezug  auf  die  Beendigung  aller  Sachen  in  Acht  ge- 
nommen werden :  deim  es  ist  billig,  dass  so  viele  ohne  Interpellation  verflossene 
Jahre  unter  keinem  Vorgeben  und  aus  keinem  Anlass  ihren  Einfluss 
verlieren.  Wird  innerhalb  dieser  Eristen  ein  Prozess  wegen  Originarii, 
bez.  des  Nachwuchses  des  genannten  Bodens,  begonnen  gehabt  haben,  so 
befehlen  wir,  dass  die  Ordnung,  welche  durch  das  Gesetz'^  über  Kolonen 
Iuris  privati  beiderlei  Geschlechts  in  unzweideutiger  Verfügung  nieder- 
geschrieben worden  ist,  gegen  die  Besitzer  in  Acht  genommen  werde,   dass 


J  (ut  secundum  legem,  quae  ad  Palladium  data  e^t  de  colono  et  colona,  .  .  debeat  vindicare) 
nehmen  hierfür  auf  C.  5,  10,  1  Bezug. 

1)  Vgl.  S.  17  Anm.  3. 

2)  Es  geht  eine  Erörterung  voraus  (pr.)  des  Inhalts,  dass  das  Gesetz  die  Vagae  aeter- 
naeque  calumniae  et  nullo  temporum  fine  conclusae  des  Jus  perpetuum  emphyteuticum 
patrimoniale,  iügleichen  des  lus  rei  publicae,  durch  Certi  et  designati  termini  begrenzen  wolle, 
wozu  berechtigte  Klagen  Anlass  geben  (.  .  luvat  [itaque]  iuris  perpetui,  emphyteutici,  patri- 
monialis,  iuris  rei  publicae  vagas  aeternasque  calumnias  et  nullo  temporum  fine  conclusas 
certis  et  designatis  terminis  limitare.  Quam  nobis  necessitatem  ferendae  legis  iusta  im- 
posuit  querimonia  plurimorum.  Quis  ferat,  institui  iurgia,  quae  avi  ac  proavi  nescierunt? 
quae  alia  improbum  litigatorem  tarn  valida  defensio  summovebit,  si  possessorem  nee  saecula 
in  infinitum  transacta  defendunt?). 

3)  Das  in  Bezug  genommene  Gesetz  (C.  5,  10,  1)  wird  nls  Gesetz  des  Honorius  bezeichnet 
(quae  lege  divi  parentis  nostri  Honorii  .  .  descripta  est). 


c)  N.  V.  8,  1,  4 — 6.  De  originariis  et 
colonis,  inquilinis  .  .  utriusque  sexus,  peculiis 
atque  agnationibus  (designati)  iuris  (,id  est) 
perpetui,  patrimonialis,  emphj^teuticarii  et 
rei  publicae,  post  triginta  annorum  curricula 
nulla  deinceps  actio  moveatur.  Et  negotium, 
de  quo  per  expressa  tempora  solenniter  nemo 
pulsavit,  novum  nemo  proponat.  Quod  et 
in  omnium  consumraatione  causarum  (iussum 
est)  debere  servari.  Aequum  est  enim,  tot 
annos  sine  interpellatione  decursos,  nullo 
nomine,  nulla  prorsus  occasione  subverti  .  . 
Intra  haec  (sane)  tempora  si  coepta  lis  fuerit 
de  originariis  vel  agnatione  cespitis  designati, 
hanc  formam  erga  possidentes  servari  praeci- 
pimus,  quae  lege  . .  de  colonis  utriusque  sexus 
iuris  privati  evidenti  definitioneconscriptaest: 
scilicet  ut  a  persona  feminea  viginti  annorum, 
a  virili  triginta  repetentem  praescriptio  ob- 
iecta  summoveat.  Quam  et  in  illa  parte 
observari  convenit,  quae  statuta  est  de 
agnatione  talium  personarum. 


Kolonat  §  9.  83 

nämlich  mit  Bezug  auf  eine  Person  \veil)lichen  Geschlechts  der  Einwand 
der  Verjährung  von  zwanzig  Jahren,  männlichen  Geschlechts  von  dreissig 
Jahren  denjenigen,  welcher  einen  Kückforderungsanspruch  anstellt,  aus- 
schhessen  soll.  Man  war  der  Ansicht,  dass  dieselbe  auch  hinsichthch  dessen 
in  Betracht  komme,  was  mit  Bezug  auf  den  Nachwuchs  solcher  Personen 
verfügt  worden  ist.-*^ 

d)  Wenn  Jemand  einen  fremden  Kolonen  wissentlich  in  seinem  Hause  zurück-    ^-  ^'^,^'  ^ 
gehalten  haben  wird,  soll  er  gezwungen  werden,  die  Tribute  -  für  denselben, 
solange  dieser  bei  ihm  gewesen  sein  wird,  zu  entrichten. 

e)  Wenn  Jemand  einen   fremden  Kolonen    entweder  zur  Flucht  verleitet  oder   c.  5,  9, 2 
verborgen    haben    Avird,^  soll    er,    falls   er  den  Mann   einer  Privatperson  in 

Folge  seiner  Verleitung  aufgenommen  haben  wird,  sechs  Unzen  Gold  dem 
Herrn  erstatten,  wenn  er  dagegen  einen  verleiteten  Sklaven,  der  dem  Fiskus 
angehört,'*  gehabt  hat,  ein  Pfund  Gold  zu  entrichten  gezwungen  werden. 

f)  Wenn    Kolonen    einer    fremden   Sache    zu    andern    Herren   geflüchtet    sein   c.  4, 21, 1 


1)  Zum  Schluss  (§  7  u.  8)  wird  noch  hinzugefügt,  dass  derjenige,  welcher  dem  Gesetze 
gegenüber  sich  einer  Subreption  schuldig  macht,  ingleichen  das  Palatinum  officium  utriusque 
aerarii  und  das  Officium  des  Praefectus  praetorio  und  aller  Provinzialstatthalter  einer  Strafe 
von  dreissig  Pfund  unterliege,  und  die  Publikation  des  Gesetzes  angeordnet  (Et  licet  rem 
Omnibus  causis  generaliter  profuturam  a  nemine  temerari  posse  credamus,  tarnen,  ne  quos 
sacrilega  temeritas  ad  surreptionem  quacunque  compellat  audacia,  praesumentes  triginta 
librarum  auri  poena  percellat.  Eadem  manebit  palatinum  officium  utriusque  aerarii,  nee 
non  officium  culminis  tui  vel  cunctarum  iudicum  provinciarum,  ut  pari  sorte,  quae  salubriter 
constituimus,  periculo  etiam  salutis  suae  illibata  conservent  .  .  Illustris  et  praecelsa  magni- 
tudo  tua,  per  quam  novimus  universitatis  quietem  studiosa  diligentia  custodiri,  legem  cunctis 
provinciis,  universis  litibus  applicandam  propositis  vulgabit  edictis,  ut  post  triginta,  sicut 
dictum  est,  annos  perniciosa  diversarum  omnium  causarum  propositio  conquiescat).  Eine 
Übergangsbestimmung  (§  5):  .  .  ac  si  constiterit,  memorati  temporis  intercessisse  silentium, 
etiam  has  causas,  quae  sub  fiducia  legum  praesenti  sanctione  ablatarum  motae  sunt,  nee 
finitae,  huius  sacrae  praeceptionis  auctoritate  volumus  aboleri,  quia,  ut  inchoari  tales  no- 
lumus  actiones,  ita  male  inchoatas  haberi  oportet  exstinctas. 

2)  Die  Capitatio. 

3)  Wenn  Jemand  einen  Kolonen  fremden  Rechts,  sei  es  nach  seiner  Verleitung  auf- 
genommen, sei  es  unter  Verheimlichung  verborgen  gehalten  haben  wird. 

4)  Der  Patrimonialis  ist. 


d)  C.  5,  9,  1  pr.  Apud  quemcunque  colonus 
iuris  alieni  fuerit  inventus,  .  .  super  eodem 
capitationem  temporis  agnoscat. 

e)  C.  5,  9,  2.  Quisquis  colonum  iuris  alieni 
aut  sollicitatione  susceperit  aut  occultatione 
celaverit,  pro  eo,  qui  privatus  erit,  sex  auri 
uncias,  pro  eo,  qui  patrimonialis,  libram  auri 
cogatur  inferre. 

f)  C.  4,  21,  1.  Si  coloni,  quos  bona  fide 
quisque  possedit,  ad  alios  fugae  vitio 
transcuntes,  necessitatem  conditionis  propriae 
declinare   tentaverint,  bonae   fidei   possessori 


Si  quis  alienum  colonum  sciens  in  domo 
sua  retinuerit,  .  .  tributa  eins,  quamdiu  apud 
eum  fuerit,  cogatur  exsolvere. 

Si  quis  colonum  alienum  aut  sollicitaverit 
aut  occultaverit,  si  privati  hominem  sua 
sollicitatione  susceperit,  sex  auri  uncias 
domino  reddat;  si  fiscalem  sollicitatum  tenuit, 
libram  auri  cogatur  implere. 

Si  coloni  rei  alienae  ad  alios  dominos 
forte  confugerint,  primum  est,  ut  fug^itivos 
suos,  de  cuius  re  exisse  noscuntur,  momenti 
beneficio    possessor    sine    dilatione    recipiat, 

6* 


84 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


werden,  soll  zunächst  der  Besitzer,  aus  dessen  Sache  sie,  wie  sich  er- 
giebt,  gekommen  sind,  seine  Flüchtlinge  durch  das  Benefiz  des  Besitzes  ohne 
Aufschub  zurückempfangen,  und  so  soll  über  ihre  Herkunft  eine  Vernehmung 
stattfinden,  jedoch  nicht  bei  Grericht  erfordert  werden,  dass  der  Kläger 
zuerst  den  Titel  des  Streites  verzeichne,  weil  der  Anfang  des  Streites  zur 
Besitzklage  nicht  gehört.^ 

3)  Rechtsstellung. 

N.v.  12,1,18  a)  Wenn  Jemand  Eigentümer  zweier  Grundstücke  gewesen  sein  und  von  dem 
einen  auf  den  andern  ihm  gehörigen  Besitz  Mancipia  originaria,  bez.  colonaria, 
übertragen  haben  wird  und  beide  Grundstücke  an  verschiedene  Eigentümer 
gelangt  sein  werden,  soll  sich  der  Erwerber  durchaus  nicht  anmassen,  gegen 
die  Anordnung  des  früheren  Herrn  von  anderswoher,  nachdem  die  Sklaven 
übertragen  worden  sind,  zurückzufordern  oder  zu  klagen :  ^ sondern  derjenige, 
welchem  das  Grundstück  entweder  verkauft  oder  geschenkt  oder  hinter- 
lassen gewesen  sein  wird,^  soll  es  in  dem  Status  besitzen,  in  welchem  es 
feststehen dermassen  von  dem  Auetor  hinterlassen  worden  ist.'^ 

N.V.9, 1,5  b)  Freigeborene  Zuzügler,^  die  sich  einer  fremden  Kolonin  werden  haben  zu- 
gesellen wollen,  sollen,  weil  es  häufig  geschieht,  dass  sie  die  erwählten 
Verbindungen  im  Stiche  lassen,  zu  den  Gesta^   bekennen,  dass  der  Betreffende 


1)  T  handelt  davon,  dass  Kolonen,  die  bona  fide  besessen  werden,  flüchtig  werden, 
und  verordnet,  dass  dem  Besitzer  zu  allererst  und  Celeri  reformatione  zu  helfen  und  darauf 
Causa  originis  et  proprietatis  zu  erörtern  sei,  ohne  Beobachtung  der  Fristen  und  der  Denun- 
tiatio solennis. 

2)  Sondern  der  Erwerber,  sei  es  dass  durch  Verkauf,  sei  es  durch  Schenkung  oder  in 
beliebiger  anderer  Weise  beide  Sachen  an  verschiedene  Eigentümer  gelangt  sein  werden, 

3)  T  fügt  hinzu,  dass  es  nicht  schicklich  sei,  die  einmal  getroffenen  Verfügungen 
ungiltig  zu  machen  (Indecorum  est,  auctoris  facta  convelli,  quae  pro  consilio  suo  et  trac- 
tatu  necessaria  iudicavit,  quum  magis  deceat  ad  eins  reverentiam,  quae  illi  visa  sunt,  invio- 
lata  servari). 

4)  Zuzügler,  die  keiner  Gemeinde  in  irgendwelcher  Weise  unterworfen  sind. 

5)  Zu  den  Munizipalakten. 


primum  oportet  et  celeri  reformatione  suc- 
curri,  tunc  causam  originis  et  proprietatis 
agitari,  non  exspectatis  temporibus  nee 
denuntiatione  solenni,  quae  locum  in  his 
negotiis  non  habebunt. 

3)  a)  N.  V.  12,  1,  18.  Si  forte  duorum 
praediorum  unus  dominus  atque  possessor  ex 
referto  originariis  et  colonis  agro  ad  alterum 
rus  aliquos  homines  propria  voluntate  et 
ordinatione  transtulerit,  ita  id  maneat,  ut, 
sive  venditione  seu  donatione  seu  quolibet 
alio  modo  ad  diversos  dominos  res  utraque 
pervenerit,  translatos  originis  iure  et  titulo 
revocari  non  liceat  .  . 

b)  N.  V.  9,  1,  5.    Advenae  plerumque  tenues 
abiectaeque  fortunae  quorundam  se  obsequiis 


et  sie  de  eorum  origine  audiatur,  nee  re- 
quiratur  in  iudicio,  ut  prius  titulum  litis 
petitor  scribat,  quiainitium  litis  ad  momentari- 
am  non  pertinet  actionem. 

Si  quis  dominus  duorum  fuerit  praediorum, 
et  de  una  possessione  ad  aliam,  quae  iuris 
sui  est,  mancipia  originaria  vel  colonaria 
transtulerit,  et  ad  diversos  dominos  fundus 
uterque  pervenerit,  nihil  contra  ordinationem 
domini  prioris  aliunde  translatis  mancipiis 
repetere  aut  pulsare  praesumat,  sed  cui  aut 
venditus  aut  donatus  aut  dimissus  ager  fuerit, 
in  eo  eum  statu  possideat,  in  quo  ab  auctore 
constat  fuisse  dimissum  .  . 

Advenae  ingenui,  qui  se  colonae  iungi 
voluerint  alienae,   quia   saepe   fit,   ut   contu- 


Cives  Latini  Peregrini  §  10. 


85 


sich  aus  dem  Hause  des  Herrn  der  Kolonin,  der  er  sich  verbunden  gehabt 
haben  wird,  unter  keinen  Umständen  entferne,  und  unbeschadet  der  Inge- 
nuität  keine  Freiheit  habe,  davonzugehen  oder  die  Person,  der  er  verbunden 
gewesen  sein  wird,  zu  verhissen, 
c)  Kolonen  gelten  in  dem  Masse  ihren  Herren  in  Allem  als  unterthänig,  dass  c.  5, 11, 1 
ohne  Wissen  der  Herren  der  Kolone  nichts,  weder  von  dem  Boden  noch 
von  seinem  Peculium,  zu  veräussern  sich  anmassen  soll.^ 


C)  Cives  Latini  Peregrini  §  10. 

1)  Erwerb  des  Status. 

a)  Erwerb  der  Römischen  Civität. 

a)  Es  giebt  Juden,  die  sich  als  Pömer  ausweisen.^  c.  2,  i,  lo 

b)  Freigelassene    sind    entweder  Römische    Bürger  oder  Latini   oder  Dediticii.   G.ipr.u.i 
Römische  Bürger  sind  diejenigen,  welche  auf  die  folgenden  drei  Weisen,  das  ist, 


1)  Kolonen  entbehren  derart  das  Veräusserungsrecht,  dass  sie,  auch  wenn  sie  Eigen- 
tum habeo,  wider  Willen  und  Wissen  der  Patrone  nichts  von  ihrem  Eigentum  auf  andere 
übertragen  dürfen. 

2)  T  spricht  von  Juden,  die  nach  Römischem  und  gemeinem  Rechte  leben. 


iungunt,  ut,  simulata  laboris  et  obsequiorum 
patientia,  accepto  sumtu  ac  vestitu  illuviem 
et  squalorem  egestatis  evadant.  Ubi  de 
anijustiis  cladis  suae  ethumanitateet  miserati- 
one  coUigentes  fuerint  libevati,  iam  repleti,  iam 
nihil  de  miseria  cogitantes  eligunt  feminas 
ad  patremfamilias  pertinentes,  solertia,  forma, 
utilitate  meliores:  quum  sätias  ceperit,  dere- 
linquunt:  non  statu  priore  perpenso,  non 
assuetudine  coniunctionis,  non  dulcedine 
filiorum,  nuUa  lege  prohibente  discedunt. 
Itaque  si  nuUi  quolibet  modo  obnoxius  civitati 
ad  praedium  se  cuiuscunque  rusticum  ur- 
banumque  collegerit,  et  mulieri  obnoxiae 
sociari  voluerit,  gestis  municipalibus  profi- 
teatur  habitandi,  ubi  elegerit,  voluntatem, 
ut  hoc  vinculo  praecedente  nee  habitaculum, 
quod  placuit,  deserat,  nee  consortium  mulieris 
abrumpat.  Qua  professione  depromta,  salva 
ingenuitate,  licentiam  non  habeat  recedendi. 
c)  C.  5,  11,  1.  Non  dubium  est,  colonis 
arva,  quae  subigunt,  usque  adeo  alienandi 
ius  non  esse,  ut,  et  si  qua  propria  habeant, 
inconsultis  atque  ignorantibus  patronis  in 
alteros  transferre  non  liceat. 

1  a)  a)  C.  2,  1,  10.    ludaei  Romano  et  com- 
muni  iure  viventes  .  . 


bernia  electa  contemnant,  gestis  profiteantur, 
se  de  domo  domini  colonae,  cui  iunctus  fuerit, 
nullarationediscedere,  etingenuitatemanente, 
nullam  habeat  licentiam  evagandi,  aut  cui 
coniunctus  fuerit,  deserendi. 


In  tantum  dominis  coloni  in  omnibus 
tenentur  obnoxii,  ut  nescientibus  dominis 
nihil  colonus  neque  de  terra  neque  de  peculio 
suo  alienare  praesumat. 


tur 


ludaei  (omnes),   qui  Romani  esse  noscun- 
G.  1  pr.  u.  1.     .  .  liberti  aut  cives  Romani 


86 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


durch  Testament  "oder   in    der  Kirche    oder   vor   dem    Konsul   freigelassen 
gewesen  sein  werden. 
G.  1,4  c)  Von  den  drei  Klassen  von  Freigelassenen  können  die  Latini  durch  gewisse 

Umstände  das  Privileg  von  Freigelassenen,  welche  Römische  Bürger  sind, 
erzielen.  Denn  Latinen  erzielen  durch  Benefiz  der  Patrone,  das  will  sagen, 
wenn  sie  von  ihnen  von  Neuem,  entweder  durch  Testament  oder  in  der 
Kirche  oder  vor  dem  Konsul  freigelassen  werden,  das  Privileg  Kömischer 
C.9, 19, 1, 4  Bürger.     Wenn    ein   Entführer    mit    den    Eltern    des    Mädchens    sich   ver- 

gleicht und  die  Ahndung  des  Rauhes  infolge  des  Stillschweigens  der  Eltern 
unterlassen  gewesen  sein  wird,  soll,  wer  es  zur  Anzeige  gebracht  haben 
wird,  wenn  er  Latine  gewesen  sein  wird,  Römischer  Bürger  werden. 

P,  4,  8, 5        d)  Mit  Bezug  auf  diejenigen,  welche  auf  eine  Insel  deportiert  werden,  ereignet 
es  sich,  dass  sie  in  Allem  durch  kaiserliche  Gnade  In  integrum  restituiert 

c.  2,  22, 1  werden. 1     Es  ereignet  sich,   dass  ein  Freigelassener,  der  Römischer  Bürger 

ist,  nachdem  er  bei  Eintritt  einer  Schuld  Latinischer  Freigelassener  geworden 
sein  wird,  ohne  Wiederherstellung  des  früheren  Status  gestorben  sein  wird.- 


1)  Dem  Zusammenhang  nach  ist  bei  T  davon  die  Rede,  dass  in  dem  genannten  Falle 
das  lus  sui  heredis  und  das  lus  legitimi  heredis  unberührt  bleibt. 

2)  T  spricht  davon,    dass  Jemand,    der  unter  Verlust  der  Dignitas   Römischer  Civität 
Latinus  geworden  ist,  in  diesem  Status  verstirbt. 


c) 


C.  9,  19,  1,  4.  Si  quis  .  .  raptus  facinus 
dissimulatione  praeteritum  autpactione  trans- 
missum  detulerit  in  publicum,  .  .  si  Latinus 
sit,  civis  fiat  Romanus  .  . 

d)  P.  4,8, 5.  (Ab  hostibus  captus  neque  sui, 
neque  legitimi  heredis  ins  amittit  postliminio 
reversus.  Quod  et)  circa  eos,  qui  in  insulam 
deportantur  .  .,  (placuit  observari,)  si  per 
omnia  in  integrum  indulgentia  principali 
restituantur. 

C.  2,  22,  1.  Si  is,  qui  dignitate  Romanae 
civitatis  amissa  Latinus  fuerit  effectus,  in 
eodem  statu  munere  lucis  excesserit  .  . 


sunt,  aut  Latini,  aut  dediticii  .  .  Cives  Ro- 
mani  sunt,  qui  his  tribus  modis,  id  est  testa- 
mento,  aut  in  ecclesia,  aut  ante  consulem 
fuerint  manumissi. 

G.  1,  4.  (Sed)  inter  (haec)  tria  genera 
libertorum  .  .  Latini  certis  rebus  Privilegium 
civium  Romanorura  libertorum  consequi  pos- 
sunt  .  .  Nam  Latini  patronorum  beneficio, 
id  est,  SL  iterum  ab  ipsis  aut  testamento,  aut 
in  ecclesii),  aut  ante  consulem  manumittan- 
tur,  civium  Romanorum  Privilegium  conse- 
quuntur. 

Quod  si  fortasse  raptor  cum  parentibus 
puellae  paciscatur,  et  raptus  ultio  parentum 
silentio  fuerit  praetermissa,  si  (servus)  ista 
detulerit  (.Latinam  percipiat  libertatem,  si) 
Latinus  (fuerit),  civis  fiat  Romanus  .  . 


Si  quis  civis  Rbmanus  libertus ,  inter- 
cedente  culpa,  Latinus  libertus  fuerit  effectus, 
si  .  .  sine  reparatione  prioris  status,  ab  hac 
luce  discessent  .  . 


Cives  Latini  Peregrini  §  10. 


87 


e)  Es  kommt  vor,  dass  eine  freigeborene  Latinerin,    keine  Freigelassene,    das  P.  4, 9, 1 
lus  Quiritium  erzielt  liat.^ 

'^)  Latinität  (vgl.  a,  e). 

a)  Latini  sind,  welche  entweder  dmxh  Brief  oder  unter  Freunden  oder  durch    G.  1,  2 
Zuziehung  zum  Mahle  freigelassen  werden. 

b)  Es   ereignet    sich,    dass    ein    Freigelassener,   der  Römischer  Bürger  ist,    bei  c.  2, 22, 1 
Eintritt  einer  Schuld  Latinischer  Freigelassener  geworden  sein  wird.^ 

Y)  Peregrinität. 

a)  Freigelassene    sind   entweder   Römische    Bürger    oder  Latini  oder  Dediticii.    g.  1  pr. 
Dediticii     sind ,     welche     nach     begangenen    Verbrechen     den    Supplizien    g.  1, 3 
überliefert    und    öffentlich    für   Verbrechen    gezüchtigt    worden    sind,    oder 

auf  deren  Gesicht,  bez.  Körper,  irgendwelche  Zeichen,  entweder  mittels 
Feuer,  oder  mittels  Eisen,  eingedrückt  worden  sind,  und  so  eingedrückt 
worden  sind,  dass  sie  nicht  getilgt  werden  können.  Werden  sie  freigelassen 
gewesen  sein,  so  werden  sie  Dediticii  genannt. 

b)  Wenn  der  Vater  in  das  Exil  geschickt  gewesen  sein  wird,  ist  er  ein  Mensch    g.  6, 1 
peregrinischen    Standes    geworden.     Ebenso    wird    ein   Kind,    wenn    es    bei 
Lebzeiten  des  Vaters  in  das  Exil  geschickt   gewesen    sein    wird,    gleichfalls 
peregrinischen  Standes    geworden    erachtet.      Jemand   erfährt    eine    Capitis   g.  2, 3, 5 


1)  Dem  Zusammenhang    nach    ist    bei  T  von    diesem   Falle    mit  Bezug    auf   das    lus 
liberorum  die  Rede. 

2)  T  spricht  davon,  dass  Jemand  unter  Verlust  der  Dignitas  Römischer  Civität  Latinus 
geworden  ist. 


e)  P.  4,  9, 1.  Latina  ingenua  ius  Quiri- 
tium consecuta  .  .:  non  est  enim  manu- 
missa  .  . 


b)  C.  2,  22,  1.  Si  is,  qui  dignitate  Ro- 
manae  civitatis  amissa  Latinus  fuerit  effec- 
tus  .  . 

t)  a) 


b) 


G.  1,2.  Latini  sunt,  qui  aut  per  episto- 
]am,  aut  inter  amicos,  aut  convivii  adhibi- 
tione  manumittuntur. 

Si  quis  civis  Romanus  libertus,  interce- 
dente  culpa,  Latinus  libertus  fuerit  effectus  .  . 

G.  1  pr.  .  .  liberti  aut  cives  Romani  sunt, 
aut  Latini,  aut  dediticii  .  . 

G.  1, 3.  Dediticii  (vero)  sunt,  qui  post 
admissa  crimina  suppliciis  subditi  et  publice 
pro  criminibus  caesi  sunt :  aut  in  quorum 
facie  vel  corpore  quaecunque  indicia  aut 
igne  aut  ferro  impressa  sunt  et  ita  impressa 
sunt,  ut  deleri  non  possint ;  hi  si  manumissi 
fuerint,  dediticii  appellantur. 

G.  6,  1.  .  .  si  pater  (eorum)  in  exsilium 
missus  fuerit:  .  .  homo  peregrinae  conditi- 
onis  effectus.  Item  fllius,  si  vivo  patre  in 
exsilium  missus  fuerit, .  .  similiter  peregrinae 
conditionis  factus  agnoscitur. 

G.  2,  3,  5.     .  .    aliquis   .    .     capite    minu- 


88 


Privatrecht.     Zweites  Bucli. 


G.  4  pr. 
C.  3,14,1 


G.6,  1 


C.  9,  33,  1 
pr.l 


minutio,  das  will  sagen,   er  wird   wegen   eines  Yerbrecliens  dem  Exil  über- 
wiesen. 

2)  Rechtsstellung. 

a)  Eine  legitime  Ehe  ist  vorhanden,  wenn  ein  Römer  unter  Statthabung  einer 
Hochzeit,  bez.  mit  Konsens,  eine  Römerin  zur  Frau  nimmt.  -"^ Keiner  aus 
der  Zahl  der  Römer  soll  eine  Barbarin  irgendwelchen  Stammes  zur  Frau 
zu  haben  sich  anmassen,  noch  sollen  römische  Frauen  durch  Yerbmdungen 
mit  Barbaren  in  der  Ehe  verbunden  werden.  Werden  sie  es  gethan  haben, 
so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  kapitaler  Verurteilung  unterliegen.^ 

b)  Kinder  scheiden  aus  der  Gewalt  des  Vaters  aus,  wenn  ihr  Vater  in  das 
Exil  geschickt  gewesen  sein  wird,  weil  ein  Mensch,  der  peregrinischen 
Standes  geworden  ist,  ein  Kind,  das  römischer  Bürger  ist,  nicht  in  der 
Gewalt  haben  kann.  ^Sobald  freilich  der  Vater  zurückgekehrt  sein  wird, 
wird  er,  wenn  er  das  Kind  lebend  angetroffen  haben  wird,  kraft  väterlicher 
Gewalt  das  Kind  in   seine  Macht  zurückempfangen:     werden   sie,    im  Hin- 


1)  Kein  Provinziale,  welches  Ordo  oder  Locus  er  auch  gewesen  sein  wird,  soll  eine 
Verbindung  mit  einer  Barbarin  als  Gattin  haben,  noch  eine  provinziale  Frau  mit  irgend 
einem  Gentilen  verbunden  werden.  Werden  Affinitäten  zwischen  Provinzialen  und  Gentilen 
aus  einer  Ehe  dieser  Art  hervorgegangen  sein,  so  soll,  was  an  ihnen  als  verdächtig  oder 
schuldig  erkannt  wird,  kapital  gebüsst  werden. 

2)  T  schielst  voraus,  dass  mit  Bezug  a.uf  die  Quaestio  wegen  eines  seitens  des  Kindes 
nach  der  Rückkehr  seines  deportierten  Vaters  errichteten  Testamentes  die  Ansicht  Pa- 
pinians  gelte,  dass  sich  der  Sohn  in  der  Gewalt  des  Vaters  befi.nde,  welchem  Dignitas  und 
Vermösfen   restituiert  worden  seien. 


2)  a) 


C.  3,  14,  1.  NuUi  provincialium,  cuiuscun- 
que  ordinis  aut  loci  fuerit,  cum  baibara  sit 
uxore  coniugium,  nee  ulli  gentilium  provin- 
cialis  femina  copuletur.  Quod  si  quae  inter 
provinciales  atque  gentiles  affinitates  ex 
huiusmodi  nuptiis  exstiteriiit,  quod  in  iis 
suspectum  vel  noxium  detegitur,  capitaliter 
expietur. 

b) 


C.  9,  33,  1  pr.  1.  In  quaestione  testa- 
menti.  quod  deportati  filius  remeante  patre 
fecisset,  reraotis  Ulpiani  atque  Pauli  notis, 
Papiniani  placet  valere  sententiam,  ut  in 
patris  sit  filius  potestate,  cui  dignitas  ac  bona 


atur,  id  est  .  .  pro  crimine   in    exsilium   de- 
putetur  .  . 

G.  4  pr.  Legitimae  sunt  nuptiae,  si  Ro- 
manus Romanam  nuptiis  intervenientibus  vel 
consensu  ducat  uxorem. 

NuUus  Romanorum  barbaram  cuiuslibet 
gentis  uxorem  habere  praesumat,  neque  bar- 
barorum coniugiis  mulieres  Roiuanae  in  ma- 
trimonio  coniungantur.  Quod  si  fecerint, 
noverint,  se  capitali  sententiae  subiacere. 


G.  6,  1.  (Item)  de  potestate  patris  exeunt 
filii,  si  pater  eorum  in  exsilium  missus  fuerit: 
quia  non  potest  filium  civem  Romanum  in 
potestate  habere  homo  peregrinae  conditionis 
efFectus  .  . 

.  .  Sane  quum  redierit  pater,  si  filium 
vivum  invenerit,  filium  in  ius  suum  pa- 
terna  potestate  recipiet  .  . :  qui  (tarnen)  si 
pro  aetate  vel  absentia  patris  aut  tutores 
aut     curatores     acceperint,     reversus     pater 


Cives  Latini  Peregrini  §  10. 


89 


blick  auf  Alter,  bez.  Abwesenheit  des  Vaters,  ^entweder  Tutoren  oder 
Kuratoren^  empfangen  haben,  so  wird  der  Vater  nach  seiner  Rückkehr  die 
Kinder,  unter  Entfernung  der  ^  Kuratoren,  bez.  Tutoren,^  zurückempfangen.^ 

aa)  Wenn  ein  Vater,  der  in  das  Exil  geschickt  worden  ist,  ein  Kind  pr.^iu^.'a 
in  grossjährigem  Alter  zurückgelassen  haben  wird,  soll  Alles,  w^as 
das  Kind  über  das  eigene  Vermögen  verfügt  hat,  ^nach  Ansicht 
Papinians^  gütig  ^^^^^  wirksam  bleiben,  und  wird  dem  Vater  nicht 
gestattet,  nach  seiner  Rückkehr  entweder  gegen  ein  Testament  oder 
gegen  einen  Vergleich  des  Kindes  aufzutreten:  was  das  Kind  in 
Abwesenheit  des  Vaters  über  das  eigene  Vermögen  verfügt  hat,  wird 
der  Vater  nach  seiner  Rückkehr  nicht  widerrufen  können.^  Alles 
aber,  Avas  die  Kinder,  während  sie  sich  in  minderjährigen  Jahren 
befinden,  gethan  haben  werden,  wird  durchaus  keine  Giltigkeit  besitzen. 

c)  Wird    ein  Kind    bei  Lebzeiten    des  Vaters    in    das  Exil  geschickt  gewesen     ^'  ^>  ^ 
sein,  so  kann  es  nicht  in  der  Gewalt  des  Vaters,  der  Römischer  Bürger  ist, 
sich   befinden,    weil    es    erachtet    wird   peregrinischen  Standes  geworden  zu 
sein.     Sind    Germani   fratres,    ^das    heisst,    die    von    dem    gleichen    Vater   c.  2,  19,  i 
geboren  sind,^  übergangen  worden,  so  Avird,    wenn  an  Turpes  personae  die 


1)  Tutoren.  2)  T  fügt  hinzu  Behufs  Schutzes  und  Mehrung  des  Vermögens. 

3)  Vgl.  S.  88  Anm.  2. 

4)  T  bemerkt  hierzu,  dass  die   Rescission  der  Verfügungen  unzulässig  sei,  weil  nicht 
zu  gleicher  Zeit  Jemand  in  väterlicher  Gewalt  und  gewaltfrei  sein  könne. 

5)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


restituta  sunt  .  .  Quibus  si  damnato  patre 
tutor  datus  est,  necesse  est,  ut  ab  officio  re- 
cedat,  regresso  eo,  quem  non  solum  nomine 
redire,  sed  etiam  officium  suum  nulla  pravi- 
tate  corruptum  liberis  praebere  oportet,  ut 
eorum  bona  tueatur  et  augeat  .  . 

aa)  C.  9,  33,  1  pr.  1  u.  2.  .  .  deportati  filius 
remeante  patre  .  .  Ita  tarnen,  ut  gesta  per 
filium,  cuius  consilia  legitima  aetas  firma- 
verat,  rata  sint,  eodem  in  potestatem  patriam 
redeunte,  ne  eorum  rescissio  efficiat,quod  est 
maxime  absurdum,  eodem  tempore  nee  in 
patris  neo  in  sua  quemquam  fuisse  potestate. 
Minores  enim  aetate  iure  quicquam  agere 
prohibentur  .  . 


c) 


C.  2,  19,  1.     .   .  germanis  tantummodö  fra- 
tribus  adversus  eosduntaxatinstitutosheredes. 


filios,     repulsis     curatoribus     vel     tutoribus, 
recipiet  .  . 


Si  qais  pater  in  exsilium  missus  filium 
in  maiore  aetate  reliquerifc,  quaecunque  de 
bonis  propriis  gessit  filius,  iuxta  sententiam 
Papiniani  rata  et  firma  permaneant,  nee 
contra  aut  testamentum  aut  transactionem 
filii  reversus  pater  venire  permittitur  .  . 
(Ceterum)  quod  de  rebus  propriis  absente 
patre  filius  gessit,  reversus  pater  revocare 
non  poterit.  Quicquid  vero  filii  in  annis 
minoribus  constituti  fecerint,  penitus  non 
valebit  .  . 

G.  6,  1.  .  .  (Item)  filius,  si  vivo  patre  in 
exsilium  missus  fuerit,  in  potestate  patris 
civis  Romani  esse  non  potest,  quia  (similiter) 
peregrinae  conditionis  factus  agnoscitur. 

.  .  germanis  fratribus  praetermissis,  id  est 
uno  patre  natis,  si  turpibus  personis  .  .  fuerit 


90 


Privatrecbt.     Zweites  Buch. 


Erbschaft  hinterlassen  gewesen  sein  wird,  ^die  Befugnis,  gegen  das  Testa- 
ment zu  klagen,  vorbehalten :  vorausgesetzt  jedoch,  dass  nicht  dieser  Bruder 
um    eines   Verbrechens    willen    dem   Exil    überliefert    gewesen    sein   wird.^ 

p.  4, 8, 5  Dass  Jemand  des  Rechts  weder   als  Suus    noch    als  Legitimus    heres    ver- 

lustig geht,  meinte  man,  auch  hinsichtlich  derjenigen,  die  auf  eine  Insel 
deportiert  werden,  gelten  lassen  zu  sollen,  wenn  sie  in  Allem  durch  kaiser- 
liche Gnade  In  integrum  restituiert  werden, 
d)  Damit  Mütter,  ebenso  Freigeborene,  wie  Freigelassene,  welche  Römische 
Bürgerinnen  sind,  das  Ins  liberorum  erzielt  zu  haben  erachtet  werden, 
wird  es  genügen,  dreimal  und  viermal  geboren  zu  haben,  wenn  sie  nur  leben- 
dige und  ausgetragene  Kinder  zur  Welt  bringen.  Eine  freigeborene 
Latinerin,  die  das  lus  Quiritium  erzielt  hat,  wird,  wenn  sie  dreimal 
geboren  hat,  zur  legitimen  Kindeserbschaft  zugelassen:  denn  sie  ist  keine 
Freigelassene. 

P.  3, 6,  2  e)  Derjenige,  welcher  um  irgend  eines  Verbrechens  willen  auf  Zeit  entweder 
auf  eine  Insel  relegiert  oder  dem  Bergwerk  überwiesen  wird,  kann,  Aveil 
er  eine  dauernde  V^erurteilung  nicht  erfährt,  sowohl  ein  Testament  machen 
als   auch,   wenn  ihm  Etwas    aus   dem  Testament  hinterlassen  gewesen  sein 

Ct.  2, 3,  5  wird,  erzielen.^    Bechtsgiltig  errichtete  Testamente  werden   entkräftet,   wenn 


P.  4,  8, 


P.  4,9,1 


1)  Der  Acutus  petitionis  erschlossen  werden,  sine  auxilio  praetoris,  agnatione  durante. 

2)  T    spricht    von    dem  In   insulam  relegatus   und  dem  auf  Zeit  zum  Opus  publicum 
Verurteilten  und  motiviert  den  Satz  mit  der  Aufrechthaltung  der  Civität. 


quibus  inustas  constiterit  esse  notas  dete- 
stabilis  turpitudinis,  agnatione  durante,  sine 
auxilio  praetoris,  petitionis  aditus   reseretur. 

P.  4,  8,  5.  (Ab  hostibus  captus)  neque 
sui,  neque  legitimi  heredis  ins  amittit  (post- 
liminio  reversus).  Quod  et  circa  eos,  qui 
in  insulam  deportantur  .  .,  placuit  observari, 
si  per  omnia  in  integrum  indulgentia  prin- 
cipali  restituantur. 

d)  P.  4,  8,  8.  Matres  tarn  ingenuae,  cjuam 
libertinae,  cives  Romanae,  ut  ius  liberorum 
consecutae  videantur,  ter  et  quater  peperisse 
sufficiet,  dummodo  vivos  et  pleni  temporis 
pariant. 

P.  4,  9, 1.  Latina  ingenua  ius  Quiritium 
consecuta,  si  ter  peperit,  ad  legitimam  filii 
hereditatem  admittitur:  non  est  enim  manu- 
missa. 

e)  P.  3,  6,  2.  In  insulam  relegatus  et  in 
opus  publicum  ad  tempus  damnatus,  quia 
retinet  civitatem,  testamentum  facere  potest 
et  ex  testamento  capere. 


hereditas  derelicta,  .  .  agendi  contra  testa- 
mentum licentia  reservatur:  si  tamen  is  ipse 
germanus  non  pro  crimine  suo  exsilio  fuerit 
deputatus  .  . 


Qui  pro  aliquo  crimine  ad  tempus  aut  in 
insulam  relegatur  aut  in  metallum  deputatur, 
quia  perpetuam  damnationem  non  habet,  et 
testamentum  facere  potest  et  si  quid  ei  ex 
testamento  derelictum  fuerit,  obtinebit. 

G.  2,  3,  5.     .  .  testamenta    iure    facta  in- 


Cives  Latini  Peregrini  §  10. 


91 


N.  Th. 
0,  1,  2 


irgend  Jemand  nach  der  Testamentserriclitung  um  eines  Verbrechens  willen 
dem  Exil  überwiesen  wird, 
f)  Die  Emanzipation  pflegte  vor  dem  Praeses  zu  geschehen  und  ist  nun  vor  a.  6, 3 
der  Kurie  zu  verrichten,  wo  fünf  Zeugen,  die  Römische  Bürger  sind,  gegen- 
wärtig sein  werden,  und  statt  desjenigen,  der  Libripens,  das  will  sagen, 
Waghalter,  genannt  Avird,  und  welcher  Antestatus  genannt  wird,  zwei 
Andere,  sodass  die  Zahl  von  sieben  Zeugen  voll  ist.  Wir  verordnen 
durch  dieses  Gesetz,  dass  denjenigen,  welche  mittels  Urkunde  ein  Testa- 
ment machen,  verstattet  ist,  die  Urkunde  den  Zeugen,  sieben  an  Zahl,  die 
sämtlich  Römische  Bürger  und  mündig  sind,  gleichzeitig  zur  Siegelung  und 
Unterschrift  anbieten  zu  sollen.^ 

3)  Rechtsstellung  der  drei  Klassen  von  FreigeLassenen. 

a)  2 Freigelassene,    die  Römische  Bürger   geworden  sind,  sollen  von  den  Erben  n.v.  6, 1,1 
der   Freilasser,    mögen    es    deren    Kinder,    mögen    es    Fremde    sein,    nach 
Proponierung    der    Actio    wegen    einer    Injurie,    durch   welche   sie    verletzt 

zu  sein  behaupten,  aus  Anlass  dieser  Undankbarkeit  unter  keinen  Um- 
ständen in  die  Sklaverei  zurückgerufen  werden.  Vielmehr  soll,  w^enn  ein 
solcher  Fall  sich  zugetragen  haben  wird,  wegen  der  Injurien  so  wie  gegen 
andere  Freie  bei  dem  Judex  die  Actio  proponiert  werden.^ 

b)  Senatoren    sollen,   falls  sie  gewollt  haben   werden,   die  Befugnis  haben,  ab-    ■^■2^u.'^3^' 


1)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 


2)  Vgl.  §  5,  3  ß,  b. 


f) 


N.  Th.  9,  1,  2.  Hac  (itaque  consultissima) 
lege  sancimus,  licero  per  scriptuiam  con- 
ficientibus  testamentum  .  .  scripturam  .  . 
testibus  Septem  numero,  civibus  Romanis 
puberibus  omnibus,  simul  offerre  signandam 
et  subscribendam   .  . 

3)  a)  N.  V.  6,  1,  1.  .  .  mansura  (iugiter) 
lege  decernimus,  ut,  si  quis  ex  farailia  sua 
cuiuslibet  sexus  homines  libertate  doüaverit, 
eius  hererles,  sive  extranei,  sive  filii  sive  filiae. 
sive  nepotes  neptesve  fuerint,  vel  propinqui 
cuiuscunque  cognationis  et  norainis,  manu- 
missos  non  teneant  ad  obsequiorum  neceesi- 
tatem,  nullamque  contra  ingratos  habeant 
actionem.  Sed.  quod  minime  remur,  si  con- 
tumeliara  fortasse  pertulerint,  ad  coercendos 
iniuriarum  reos  utantur  iure  communi  .  . 
b)  N.  M.  4,  1,  2  u.  3.  .  .   Heere   statuiraus 


firmantur,  si  aliquis  post  testamentum  factum 
.  .  pro  crimino   in  exsilium  deputetur  .  . 

G.  6,  3.  .  .  Quao  (tamen)  emancipatio 
solobat  ante  praesidem  fieri,  modo  ante  cu 
riam  facienda  est:  ubi  quinque  testes  cives 
Romani  in  praesenti  erunt,  et  pro  illo,  qui 
libripens  appellatur,  id  est,  stateram  tenens, 
et  qui  antestatus  appellatur,  alii  duo,  ut 
Septem   testium  numerus  impleatur. 


.  .  ut  liberti,  qui  cives  Romani  effecti 
sunt,  ab  heredibus  manumissorum,  sive  filii 
sint  sive  extranei,  proposita  iniuriae  actione, 
qua  se  dicant  laesos,  pro  occasiono  istius 
ingratitudinis  ad  servitium  nuUatenus  revo- 
centur.  Sed  si  talis  casus  emerserit,  quasi 
contra  alios  ingenuos,  sie  de  iniuriis  apud 
iudicem   actio  proponatur  .  . 


(Hac    lege    permissum    est,)    ut    exceptis 


92 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


gesehen  von  niedrigen  und  infamen  Personen,  wie  eine  Freigelassene,  einer 
Freigelassenen  Tochter,  die  Römische  Bürgerin  oder  Latinerin  geworden  ist, 
arme  und  jeder  Dignität  der  Geburt  bare  Personen,  wenn  sie  nur  ehrbar  sind 
und  von  ehrbaren  Eltern  stammen,  zu  Frauen  auszuwählen  und  zu  heiraten.^ 
G.  1,4  c)  Unter   den   drei  Klassen   von  Freigelassenen    haben   die  Römischen  Bürger 

um  deswillen  einen  besseren  Status,  weil  sie  sowohl  Testamente  machen, 
als  auch  aus  Testament  beliebigen  Personen  folgen  können;  denn  Latini 
und  Dediticii  können  weder  Testamente  errichten,  noch  füi*  sich  aus  dem 
Testamente  Anderer  irgend  etwas,  was  hinterlassen  worden  ist,  irgendwie 
0.  2, 22, 1  in  Anspruch  nehmen.     Wenn  ein  Freigelassener,  welcher  Römischer  Bürger 

ist,  bei  Eintritt  einer  Schuld  Latinischer  Freigelassener  "geworden  sein  und 
in  dieser  Latinität,  ohne  Wiederherstellung  des  früheren  Status,  gestorben 
sein  wird,^  werden  sein  Vermögen^  der  Patron,  bez.  die  Kinder  oder  Enkel 
des  Patrons,  ^sofern  sie  nur  durch  die  männliche  Linie  abstammen  und 
nicht  emanzipiert  gewesen  sein  werden,^  für  sich  in  Anspruch  nehmen;  auch 
sollen,  wenn  er  Kinder,  die  er  als  Römischer  Bürger  gezeugt  hat,  hinter- 
lassen haben  wird,  diese  nicht  irgend  etwas  aus  seiner  Erbschaft  sich  an- 
massen,  weil  nicht  danach  zu  fragen  ist,  ^in  welcher  Freiheit  sie  geboren 
gewesen  sein  werden,^  sondern  iu  welcher  Art  von  Freiheit  befindlich 
ihr  Vater  gestorben  sein  wird. 


1)  Yfr\.  S.  40  Anm.  '6.  2)  Vgl.  S.  86  Anm.  2.  3)  Sein  ganzes  Peculium. 

4)  Die  des  lus  agnationis  durchaus  nicht  verlustig  gegangen  sein  werden. 

5)  Welchen    Status    der    Freigelassene    durch    das    Benefiz    der    Freiheit    erworben 
haben  wird. 


senatoribus  .  .  ex  ingenuis  natas,  quamvis 
pauperes,  in  matrimonium  sibi  adsciscere  .  . 
Humiles  vero  abiectasque  personas  .  .  esse 
censemus  .  .  libertam,  libertae  filiam,  civem 
Romanam  vel  Latinam  factam  .  . 

c) 


C.  2,  22,  1.  Si  is,  qui  dignitate  Romanae 
civitatis  amissa  I.atinus  fuerit  effectus,  in 
eodem  statu  munero  lucis  excesserit,  orane 
peculium  eins  a  patrono  vel  a  patroni  filiis 
sive  nepotibus,  qui  nequaquam  ins  agnationis 
amiserint,  vindicetur.  Nee  ad  disceptationem 
veluti  hereditariae  controversiae  filiis  liceat 
accedere,  quum  eins  potissimum  status  ratio 
tractanda  sit,  non  quem  beneficio  libertatis 
indultae  sortitus  acceperit,  sed  is,  in  quo 
munere  lucis  excesserit. 


vilibus  infamibusque  personis  .  .  pauperes  et 
sine  ulla  dignitate  natalium,duramodohonestas 
et  honestis  parontibus  procreatas,  senatores, 
si  voluerint,  uxores  eligendi  et  ducendi  hab- 
eant  potestatem  .  . 

G.  1,  4.  (Sed)  inter  (haec)  tria  genera 
libertorum  ideo  cives  Romani  meliorem  sta- 
tum  habent,  quia  et  testamenta  facere  et 
ex  testamento  quibuscunque  personis  succe- 
dere  possunt;  nam  Latini  et  dediticii  nee 
testamenta  condere,  nee  sibi  ex  testamento 
aliorum  aliquid  dimissum  possunt  ullatenus 
vindicare. 

Si  quis  civis  Romanus  libertus,  inter- 
cedente  culpa,  Latinus  libertus  fuerit  effectus, 
si  in  eadem  Latinitate,  sine  reparatione  pri- 
oris  status,  ab  hac  luce  discesserit,  facultates 
illius  patronus  vel  patroni  filii  vel  nepotes, 
qui  tarnen  per  virilem  lineam  descendunt  et 
emancipati  non  fuerint,  sibimet  vindicabunt. 
Nee  si  filios,  quos  civis  Romanus  generavit, 
fortasse  dimiserit,  aliquid  de  eius  hereditate 
praesumant:  quia  non  quaerendum  est,  in  qua 
libertate  nati  fuerint,  sed  in  qua  pater  eorum 
positus  conditione  defecerit. 


Familienverhältnisse  im  allgemeinen. 


Verwandtschaft  §  11, 


93 


d)  Latiiii    können    durch   gewisse  Umstände   das  Privileg    von  Freigelassenen,     o.  i,  4 
welche  Eömische  Bürger  sind,  erzielen;  dagegen  können  Dediticii  keinesfalls 
zu  der  Freiheit  Römischer  Bürger  durch  Benefiz  des  Ordo  gelangen. 

D)  Faiiiilien-Gewaltverliältnisse. 

a)  Familienverhältnisse  im  allgemeinen.     Verwandtschaft  §   11. 

1)  Wesen  der  Römischen  Familia. 

a)  Manche  Personen  sind  Sui  iuris,  manche  einem  fremden  Rechte  unterworfen,  a.spv.  u.2 
Wird   gezeigt,    welche  Personen    einem    fremden    Rechte   unterworfen   sind, 
so  lässt  sich  deutlich  erkennen,  welche  Sui  iuris  sind.     In   der  Gewalt  der 
Väter  befinden    sich    die    Kinder,    die    aus   einer    legitimen  Ehe    stammen. 
Einem  fremden  Rechte  unterworfen  sind  ebensosehr  die  von  uns  geborenen,   g.2,  2, 1 
wie  die  Adoptiv-Kinder. 

Sui  iuris  ist,  wer  einen  Vater  nicht  hat.  o.  2, 3, 3 

2)  Verhältnis  von  Agnation  und  Kognation. 

a)  ^Agnaten  sind  diejenigen,  welche  durch  das  männliche  Geschlecht  abstammen,  p.  4,8, 1 

aa)  Agnaten   sind  diejenigen,  welche   mit  einem  Verstorbenen   durch  das   G.  2,  s,  3 
männliche    Geschieht    verwandtschaftlich    verbunden    sind,    das    sind, 


1)  In  T  geht  der  Satz  voran,  dass  zwischen  Agnaten  und  Kognaten  ein  Unterschied 
bestehe:  Inter  agnatos  et  cognatos  hoc  interest,  quod  in  agnatis  etiam  cognati  continentur: 
inter  cognatos  vero  agnati  non  comprehenduntur. 


d) 


1)  a) 


2)  a) 
aa) 


G.  1,4.  (Tamen)  Latini  certis  rebus  Privi- 
legium civium  Komanorum  libertorum  conse- 
qui  possunt:  dediticii  vero  nuUa  ratione  pos- 
sunt  ad  civium  Romanorum  libertatem  ordinis 
beneficio  pervenire  .  . 

Gr.  3  pr.  u.  2.  Aliquae  personae  sui  iuris 
sunt,  aliquae  alieno  iuri  subiectae  sunt.  (Ita- 
que)  quum  ostenditur,  quae  personae  alieno 
iuri  subiectae  sint,  (tunc)  evidenter  agnosci- 
tur,  quae  sui  iuris  sint.  In  potestate  (etiam) 
patrum  sunt  filii  ex  legitimo  matrimonio  pro- 
er eati. 

G.  2,  2,  1.  .  .  (hi,  qui  sui  iuris  non  sunt, 
sed)  alieno  iuri  subiecti  sunt  (hoc  est,)  filii, 
tam  ex  nobis  nati,  quam  adoptivi. 

G.  2,  3,  3.  .  .  sui  iuris  est,  hoc  est,  qui 
patrem  non  habet  .  . 

P.  4,  8,  1.  Agnati  sunt,  qui  per  virilem 
sexum  descendunt  ,  . 

G.2, 8,3.  Agnati(enim)sunt  per  virilem  sexum 
defuncto  propinquitate  coniuncti,  id  est,  con- 
sanguinei  fratres,  hoc  est,  de  uno  patre  nati . . 
Item  patruus,  id  est,  frater  patris,  fratris  sui  filio 


94 


Privatrecht.     Zweites  Bucla. 


Consanguinei  fratres,  das  will  sagen,  von  dem  gleichen  Vater  Geborene. 
Ingleiclien  ist  der  Patruus,  das  ist  der  Bruder  des  Vaters,  Agnat  des 
Sohnes  seines  Bruders.  Derselben  Art  sind  die  Fratres  patrueles,  das 
heisst  diejenigen,  welche  von  je  einem  Germanus  geboren  sind.  In  dieser 
Weise  lässt  sich  erkennen,  welches  die  Agnateii,  wie  wir  oben 
bemerkt  haben,  die  durch  das  männliche  Geschlecht  verwandtschaft- 
^-  2, 8, 5  licl;^  Verbundenen  sind.     Aus  der  Zahl  der  Frauen  gilt  nur  allein  die 

Soror  consanguinea  als  Agnatin. 

P-  4,  8. 1        b)  Kognaten  stammen  durch  das  weibliche  Geschlecht  ab. 

p.  4, 8, 1  aa)  Mutterbrüder  und  deren  Kinder  sind  Kognaten,  nicht  Agnaten. 

G.  2, 8, 3        c)  Es  kann  nicht  zur  Erörterung   gestellt  werden,  ob  diejenigen,  die  von  dem 

einen  Vater  geboren  sind,  von  verschiedenen  Müttern  stammen. 
P.  4, 8, 1  aa)  Vaterbrüder,  bez.  die  Kinder  von  Vaterbrüdern,  sind  sowohl  Agnaten 

als  auch  Kognaten. 

3)  Nähe  der  Verwandtschaft. 

p.  4, 10, 1  a)  Im  ersten  Grad  aufsteigender  Linie  befinden  sich  Vater,  Mutter,  absteigender 
Linie  Sohn,  Tochter:  mit  diesen  verbinden  sich  keine  anderen  Personen. 

p.  4, 10, 2  b)  Im  zweiten  Grad  aufsteigender  Linie  befinden  sich  Grossvater,  Grossmutter, 
absteigender  Linie   Enkel,   Enkelin,    in   der   Seitenlinie  Bruder,  Schwester.^ 


1)  Hiervon  spricht  J  nicht. 


b) 


aa)   P.  4,  8,  1.     .  .  est  avunculus  (antem) 
coffnatus  tantummodo. 


c) 


aa)  P.  4,  8,  1.  .  .  Et  ideo  patruus  et  agna- 
tus  est  et  cognatus  .  . 

3)  a)  P.  4,  10,  1.  Primo  gradu  superiori 
linea  continentur  pater  mater:  inferiori  filius 
filia:  quibus  nullae  aliae  personae  iunguntur. 

b)  P.  4,  10,  2.  Secundo  gradu  continen- 
tur superiori  linea  avus  avia:  inferiori  nepos 
neptis:  transversa  frater  soror:  quae  personae 
duplicantur:  avus  enim  et  avia  tarn  ex  patre, 


agnatus  est.  Ipso  modo  sunt  fratres  patru- 
eles,  hoc  est,  qui  de  singulis  germanis  nati 
sunt.  Hoc  ordine  agnoscitur,  qui  sint  agnati, 
sicut  supra  diximus,  per  virilem  sexum  pro- 
pinquitate  coniuncti. 

G.  2,  8,  5.  .  .  inter  feminas  sola  tantum 
soror  consanguinea  habetur  aguata  .  . 

P.  4,  8,  1.  .  .  (per  virilem)  sexum  descen- 
dunt  (:)  cognati  (autem,  qui)  per  femineum  .  . 

,  .  avunculi  (vero)  et  eorum  filii  cognati 
sunt,  non  agnati. 

G.  2,  8,  3.  .  .  Nee  disputari  potest,  si  de 
diversis  matribus  nascantur,  qui  uno  patre 
geniti  sunt. 

.  .  (Et  ideo)  patrui  vel  patruorum  filii  et 
agnati  et  cognati  sunt  .  . 


Istae  personae  in  secundo  gradu  ideo 
duplices  appellantur,  quia  duo  avi  sunt, 
paternus  et  maternus.  Item  duo  genera  ne- 
potum  sunt,  sive  ex  filio,  sive  ex  filia  procreati. 


I 


Familienvei'hiiltnisse  im  allgemeinen.     Verwandtschaft  §  11. 


95 


Diese  Personen  im  zweiten  Grade  werden  deshalb  zu  zweien  genannt,  weil 
zwei  Grossväter  sind,  einer  von  Vaters  und  einer  von  Mutters  Seite.  Ebenso 
sind  zwei  Arten  von  Enkehi,  es  sei  von  dem  Sohn,  es  sei  von  der  Tochter 
stammende:  ^Bruder,  Schwester  werden  sowohl  von  dem  Vater,  als  auch  von 
der  Mutter  verstanden.  In  allen  folgenden  Graden  werden  diese  Personen 
gleichfalls  nach  dem  Bestand  derjenigen,  welche  in  jedem  Grade  vorhanden 
sind,  von  selbst  verdoppelt:  so  entweder  Bruder  des  Vaters  oder  Bruder 
der  Mutter,  der  Patruus,  bez.  Avunculus  genannt  wird.^ 

c)  Im    dritten    Grad    kommen    nach  oben   Urgrossvater,   Urgrossmutter,    nach   p  ^^  lo.  ^ 
unten    Urenkel,    Urenkelin,    in    der  Seitenlinie  Bruders-,  Schwesters-Sohn, 
Tochter,  Patruus  Amita,   das   ist  Vaters-Bruder  und  Schwester,   Avunculus 
Matertera,  das  ist  Mutters-Bruder  und  SchAvester. 

d)  ^Im  vierten  Grad  kommen  nach  oben  Ururgrossvater,  Ururgrossmutter,  nach  ?•  ^>  lo,  4 
unten  Ururenkel,  Ururenkelin,  in  der  Seitenlinie  Bruders-  und  Schwesters- 
Enkel,  Enkelin,  Frater  patruelis,  Soror  patruelis,  das  ist  Vaterbruders  Sohn, 
Tochter,  Consobrinus  Consobrina,  das  ist  Mutterbruders-  und  Mutter- 
schwester-Sohn,  Tochter,  Amitinus  Amitina,  das  ist  Vaterschwester- Sohn, 
Tochter,  ingleichen  Consobrini,  die  von  zwei  Schwestern  stammen.    Zu  ihnen 

tritt  Patruus  magnus,  Amita  magna,  das  ist  des  väterhchen  Gross vaters 
Bruder  und  Schwester,  Avunculus  magnus  Matertera  magna,  das  ist  der 
Grossmutter,  sowohl  väterlicher-  als  auch  mütterlicherseits  Bruder  und 
Schwester.^ 


1)  Von  J  ist,  wie  es  scheint,  kein  voUständif^er  Text  erhalten  (Frater  et  soror  ex 
transverso  veniunt,  id  est  aut  frater  patris  aut  frater  matris,  qui  aut  patruus  aut  avunculus 
nominatur:  qui  et  ipsi  hoc  ordine  duplicantur). 

2)  Hierzu  bemerkt  J  lediglich;  Ilaec  plus  exponi  opus  non  est,  quam  lex  ipsa  declarat. 


quam  ex  matre :  nepos  neptis  tam  ex  filio, 
quam  ex  filia:  frater  soror  tam  ex  patre, 
quam  ex  matre  accipiuntur.  Quae  personae 
sequentibus  quibuscunque  gradibus  similiter 
pro  substantia  earum,  quae  in  quoquo  gradu 
consistunt,  ipso  ordine  duplicantur. 

c)  P.  4,  10,  3.  Tertio  gradu  veniunt,  supra 
proavus  proavia:  infra  pronepos  proneptis: 
ex  obliquo  fratris  sororisque  filius  filia;  pa- 
truus amita,  id  est,  patris  frater  et  soror: 
avunculus  matertera,  id  est,  matris  frater  et 
soror. 

d)  P.  4,  10,  4.  Quarto  gradu  veniunt, 
supra  abavus  abavia:  infra  abnepoa  abneptis: 
ex  obliquo  fratris  et  sororis  nepos  neptis, 
frater  patruelis,  soror  patruelis,  id  est,  patrui 
filiu8  filia:  consobrinus  consobrina,  id  est, 
avunculi  et  materterae  filius  filia;  amitinus 
amitina,  id  est,  amitae  filius  filia;  itemque 
consobrini,  qui  ex  duabus  sororibus  nascun- 
tur,     Quibus  accrescit  patruus  magnus,  amita 


96 


Privatrecht,     Zweites  Buch. 


p.  4, 10, 5  e)  ^Im  fünften  Grad  kommen  nach  oben  ürurgrossvaters,  Ururgrossmutter 
Vater,  Mutter,  nach  unten  Ururenkels,  Ururenkehn  Sohn,  Tochter,  in  der 
Seitenhnie  Bruders-  und  Schwester  Urenkel,  Urenkehn,  des  Frater  patrueHs 
der  Soror  patruehs  des  Amitinus  der  Amitiua  des  Consobrinus  der  Conso- 
brina  Sohn,  Tochter,  der  Propius  sobrinus,  bez.  sobrina,  das  ist,  des  Patruus 
magnus  der  Amita  magna  des  Avunculus  magnus  der  Matertera  magna 
Sohn,  Tochter.  Zu  ihnen  treten  hinzu  Propatruus  Proamita,  welche  des 
väterlichen  Urgrossvaters  Bruder  und  Schwester  sind,  ferner  Proavunculus 
Promatertera,  welche  der  väterlichen  und  mütterlichen  Urgrossmutter  und 
des  mütterlichen  Urgrossvaters  Bruder  und  Schwester  sind.^ 

p.  4, 10, 6  f)  Im  sechsten  Grad  kommen  nach  oben  Ururgrossvaters ,  Ururgrossmutter 
Grossvater,  Grossmutter,  nach  unten  Ururenkels  Ururenkehn  Enkel  Enke- 
lin; in  der  Seitenlinie  Bruders  und  Schwester  Ururenkel,  Ururenkehn, 
des  Frater  patruelis  der  Soror  patruelis  des  Amitinus  der  Amitina  des  Con- 
sobrinus der  Consobrina  Enkel,  Enkelin,  des  Patruus  magnus  der  Amita 
magna  des  Avunculus  magnus   der   Matertera  magna  Enkel,  Enkelin,  das 


1)  Hierzu  bemerkt  J  lediglich:    Haec   species    nee   aliis   gradibus,   quam   scripta   est, 
nee  aliis  vocabulis  declarari  potest. 


magna,  id  est,  avi  paterni  frater  et  soror: 
avunculus  magnus,  matertera  magna,  id  est, 
aviae,  tam  paternae,  quam  maternae,  frater 
et  soror. 

e)  P.  4,  10,  5.  Quinto  gradu  veniunt,  supra 
quidem  atavus  atavia;  infra  atnepos  atneptis: 
ex  obliquo  fratris  et  sororis  pronepos  pronep- 
tis,  fratris  patruelis,  sororis  patruelis,  amitini 
amitinae,  consobrini  consobrinae  fihus  filia, 
propius  sobrinus  sobrina,  id  est,  patrui  magni, 
amitae  magnae,  avunculi  magni,  materterae 
magnae  filius  filia.  His  accrescunt  propatruus 
proamita:  hi  sunt  proavi  paterni  frater  et 
soror:  proavunculus  promatertera:  hi  sunt 
proaviae  paternae  maternaeque  frater  et 
soror,  proavique  materni. 

f)  P.  4,  10,  6.  Sexto  gradu  veniunt,  supra 
tritavus  tritavia:  infra  trinepos  trineptis:  ex 
obliquo  fratris  et  sororis  abnepos  abneptis, 
fratris  patruelis,  sororis  patruelis,  amitini 
amitinae,  consobrini  consobrinae  nepos  neptis: 
patrui  magni,  amitae  magnae,  avunculi  magni, 
materterae  magnae  nepos  neptis,  id  est,  pro- 
pioris  sobrini  filius  filia,  qui  consobrini  appel- 
lantur.  Quibus  a  latere  accrescunt  propatrui 
proamitae,  proavunculi  promaterterae  filius 
filia:  abpatruus  abamita;  hi  sunt  abavi  paterni 
frater  et  soror:  abavunculus  abmatertera;  hi 
sunt  abaviae  paternae  maternaeque  frater  et 
soror,  abavique  materni. 


Familienverkiltnisse  im  allgemeinen.     Verwandtschaft  §  11. 


97 


heisst,  des  Propior  sobrinus  Sohn,  Tochter,  die  Consobrini  genannt  werden. 
Ihnen  reihen  sich  in  der  Seitenlinie  an  des  Propatruus  der  Proaniita  des 
Proavunculus  der  Proniatertera  Sohn,  Tochter,  der  Abpatruus  die  Abaniita, 
welche  sind  des  väterlichen  Urnrgrossvaters  Bruder  und  Schwester,  Aba- 
vunculus  Abmatertera,  welche  sind  der  väterlichen  und  mütterlichen  Urur- 
grossmutter  Bruder  und  Schwester,  bez.  des  mütterlichen  Urnrgrossvaters. 

g)  Diejenigen,   welche  im  siebenten  Grade  blutsverwandt  sind,    werden  in  der    p.  4, 10, 7 
geraden  Linie  nach  oben  und  nach  unten  mit  eigen  Namen  nicht  bezeichnet: 
aus  der  Seitenhnie  sind  dagegen  inbegrili'en  des  Bruders,  bez.  der  Schwester, 
Ururenkelsohn,  Ururenkeltochter,  Söhne  und  Töchter  des  Konsobrinen.^ 

h)  In  diesen  sieben  Graden  sind  alle  Yerwandtschaftsnamen  enthalten  :  darüber    p.  4, 10, 8 
hinaus  kann  weder  Affinität  gefunden  werden,  noch  die  Erbfolge  weiter  sich 
ausbreiten.^ 

4)  Bechtliche  Folgen  der  Verwandtschaft  (vgl  §  13,2;  §  29,3.  Fünftes  Buch 
§  4  u.  5). 
a)  ^Falls  Witwen  innerhalb  des  25.  Jahres  sich  befunden  haben  werden  und  c.  3, 7, 1 
zu  einer  zweiten  Ehe  werden  haben  schreiten  wollen,  sollen  sie  auch  dann 
nicht,  Avenn  ihre  Väter  gestorben  sind,  lediglich  nach  ihrer  Willkür  die 
Befugnis  zum  Heiraten  haben,  sondern  ist  im  Interesse  der  Ehrbarkeit  der 
Verbindung  die  Entscheidung  der  Verwandten  zu  befolgen.     Werden  zwei 


1)  J:  Haec  quoque  explanari  amplius  non  potest,  quam  ut  auctor  ipse  disseruit. 

2)  Sieben  Successionsgrade  sind  festgeset'/t  worden,  weil  darüber  nach  der  Natur  der 
Dinge  weder  eine  Benennung  sich  finden,  noch  den  Succedierenden  das  Leben  erstrecken  lässt. 


g)  P.  4,  10,  7.  Septimo  gradu  qui  sunt 
cognati  recta  linea  supra  infraque  propriis 
nominibus  non  app^ellantur:  sed  ex  transversa 
linea  continentur  fratris  sororisve  atneptis, 
consobrini  filii  filiaeque. 

h)  P.  4,  10,  8.  Successionis  idcirco  gra- 
dus  Septem  constituti  sunt,  quia  ulterius  per 
rerum  naturam  nee  nomina  inveniri,  nee 
vita  succedentibus  prorogari  potest. 

4)  a)  C.  3,  7,  1.  Viduae  intra  vicesimum  et 
quintum  annum  degentes  .  .  in  secundas  nup- 
tias ,  .  conveniunt  .  .  publice  consulatur  affi- 
nitas,  adhibeatur  frequentia  procerum.  Quod 
si  in  conditionis  delectu  mulieris  voluntas 
certat  sententiae  propinquorum,  placet  ad- 
modum,  ut  in  pupillarum  coniunctionibus 
sanctum  est,  habendo  examini  auctoritatem 
quoque  iudiciariae  cognitionis  adiungi,  ut,  si 
pares  sunt  genere  ac  moribus  petitores,  is 
potior  aestimetur,  quem  sibi  consulens  niu- 
lier  approbaverit.  Sed  ne  forte  ii,  qui  gradu 
proximo  ad  viduarum  successiones  vocantur, 
etiam  honestas  nuptias  impediant,  si  huius 
rei  suspicio  processerit,  eorum  volumus  auc- 
toritatem iudiciumque  succedere,  ad  quos, 
Conrat,  Breviavium. 


In  his  Septem  gradibus  omnia  propinqui- 
tatum  nomina  continentur:  ultra  quos  nee 
affinitas  inveniri,  nee  successio  potest  amplius 
propagari. 

Viduae  intra  vicesimum  et  quintum  an- 
num si  fuerint  constitutae  et  .  .  ad  secundas 
nuptias  venire  voluerint.  .  .  Si  (vero)  patres 
mortui  sunt,  nee  sie  quoque  ex  suo  singu- 
lariter  arbitrio  nubendi  habeant  potestatem, 
sed  pro  honestate  coniunctionis  iudicium  se- 
quendum  e.st  propinquorum,  Quod  si  duo 
petitores  exstiterint,  consulendi  sunt  quidem 
parentes,  nee  praetermittendus  est  etiam  iu- 
dex, qui  voluntatem  feminae  pro  honestiore 
duntaxat  parte  prospiciat.  Nee  illis  tantum 
propinquis  praestet  assensum,  qui  suspicione 
hereditatis  utuntur,  qui  forte,  dum  nuptias 
difi'erunt,  pro  successione  hereditatis  mulieris 
mortem  exspectare  videntur:  sed  illorum 
magis,  si  talis  conditio  intercedit,  electio  se- 

7 


98 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Bewerber  aufgetreten  sein,  so  sind  zwar  die  Parentes  zu  befragen,  ist  aber 
auch  der  Judex  nicht  zu  übergehen,  der  für  den  Willensentschluss  der 
Frau,  für  die  ehrbarere  Partei,  versteht  sich,  eintreten  solL  Er  soll  auch 
nicht  lediglich  denjenigen  Verwandten  seine  Zustimmung  gewähren,  welche 
mit  Bezug  auf  die  Erbschaft  unter  einem  Verdacht  stehen,  indem  sie, 
während  sie  die  Ehe  hinziehen,  um  der  Nachfolge  in  die  Erbschaft  willen 
auf  den  Tod  der  Frau  zu  warten  scheinen:  sondern  es  ist,  wenn  eine  solche 
Sachlage  vorhanden  ist,  vielmehr  die  Auswahl  derjenigen  gutzuheissen,   die 

c.  3,  5, 7  aus  ihrer  Erbschaft  nichts  erwerben  könnend      Sobald  über  die  Verbindung 

der  Tochter  durch  die  Entscheidung  des  Vaters  eine  Bestimmung  getroffen 
gewesen  sein  wird,  wird,  weim  der  Vater  vor  der  Verheiratung  des  Mädchens 
gestorben  gewesen  sein  wird,  das  Mädchen  nicht  die  Befugnis  haben, 
anders  zu  handeln,  wenn  auch  die  Mutter  oder  die  Verwandten  einen  andern 
werden  haben  nehmen  wollen,  als  der  Vater  ausgewählt  hat.^ 

C.3, 5,6, 3  b)  Es  geschieht,  dass  wegen  der  Verheiratung  des  Mädchens  die  Mutter  oder 
c.  3,5,4  irgend  ein  Verwandter  eine  Verabredung   getroffen  haben  werden.     ^Wenn 

Jemand,  es  sei  ein  Privatmaiui  oder  ein  Militans,  nachdem  er  sich  verlobt 
haben  wird,  mit  den  Verwandten  wegen  der  Verbindung  des  Mädchens  eine 
Festsetzung  getroffen  haben  wird,  muss  er  innerhalb  eines  Zeitraumes  von 
zwei  Jahren  nach  der  Festsetzung  Hochzeit  machen.  Wird  infolge  Saum- 
seligkeit oder  Nachlässigkeit  des  Spousus  die  Frist  von  zwei  Jahren  ver- 
strichen sein  und  das  Mädchen  einen  andern  Mann  geheiratet  haben,  so 
wird  sie  von  Anfechtung  frei  sein,  sei  es,  dass  sie  sich  selbst,  sei  es,  dass 
irgend  Jemand  von  den  Ihrigen  sie  übergeben  haben  wird.^ 

c.  9, 10, 1         c)  Den  älteren  Verwandten  wird  durch  Gesetz  gestattet,  Irrtum  oder  Vergehen 


1)  Vgl.  §  14,2  b. 


2)  Vgl.  S.  114,  Anm.  2. 


3)  Vgl.  §  14,  4b. 


etiamsi  fatalis  sors  intercesserit,  tarnen  here- 
ditatis  commodum  per  venire  non  possit. 

C.  3,  5,  7.  Si  pater  pactum  de  filiae  nup- 
tiis  inierit  (et)  humana  sorte  consumtus  .  ., 
id  inter  sponsos  firmum  ratumque  permaneat, 
quod  a  patre  docebitur  definitum,  nihilque 
permittatur  habere  momenti,  quod  cum  de- 
fensore,  ad  quem  minoris  comraoda  pertine- 
bünt,  docebitur  fuisse  transactum  .  . 

b)  C.  3,  5,  6,  3.  .  .  de  nuptiis  paciscitur 
,  .  mater  .  .  aut  alii  parentes  .  . 

C.  3,  5,4.  .  .  cuilibet  eius  affini  non  liceat, 
quum  prius  militi  puellam  desponderit,  ean- 
dem  alii  in  matrimonium  tradere  .  .  Quod 
si  pactis  nuptiis,  transcurso  biennio,  qui 
puellam  desponderit,  altori  eandem  sociaverit, 
in  culpam  sponsi  potius  quam  puellae  refera- 
tur,  nee  quicquam  noceat  ei,  qui  post  biennium 
puellam  marito  alteri  tradidit. 

c)  C.  9,   10,   1.      In  corrigendis  minoribus 


quenda  est,  qui  nihil  possunt  de  ipsius  hero- 
ditate  conquirere. 

übi  de  coniunctione  filiae  patris  sententia 
fuerit  definitum,  si  .  .,  antequam  puella  iun- 
gatur,  mortuus  fuerit  pater,  .  .  nee  habebit 
puella  licentiam  aliud  faciendi,  etiamsi  mater 
.  .  vel  propinqui  alium  fortasse  voluerint 
suscipere,  quam  pater  elegit  .  . 

Si  .  .  de  nuptiis  puellae  mater  .  .  aut  pro- 
pinquus  aliquis  definierit   .  . 

Si  quis  aut  privabus  aut  militans,  post- 
quam  sponderit,  cum  .  .  propinquis  de  puellae 
conianctione  definierit,  debet  postdefinitionem 
intra  biennium  nuptias  celebrare.  Quod  si 
tarditate  aut  neglegentia  sponsi  biennii  tem- 
pus  excesserit,  et  alio  viro  se  puella  coniun- 
xerit,  absoluta  erit  a  calumnia,  vel  ipsa,  vel 
quieunque  suorum  eam  tradiderit  .  . 

Propinquis     senioribus     lege    permittitur 


Familienverhältnisse  im  allgemeinen.     Verwandtschaft  §  11. 


99 


von  jiigendliclien  Vcrwaiidti^n  durch  väterliche  Strenge  zu  strafen,  das  will 
sagen,  dass  sie  durch  private  Strenge  mittels  Schläge  zurechtgewiesen  werden, 
falls  sie  mit  Worten  oder  Respekt  nicht  gebessert  werden  können.  Wenn 
das  Vergehen  des  Jünglings  ein  schwereres,  das  sich  auf  privatem  Wege  nicht 
bessern  lässt,  gewesen  sein  wird,  ist  es  zur  Kenntnis  des  Judex  zu  bringen. 

d)  Ein  dem  Sohne,  mit  welchen  Worten  auch  immer,   von  dem  Vater  hinter-    p.  4, 1,11 
lassenes  Fideikonnniss  wird  rechtsgiltig   geschuldet:    denn   es   genügt   unter 
verwandten  Persojien,  wie  bei  der  Schenkung,  der,  mit  welchen  Worten  auch 
immer  ausgedrückte  Wille. 

e)  Wenn  Jemand  bei    seinem  Tode  aus  legitimer  Ehe  eine  schwangere  Frau  c.  4,  a,  1 
hinterlassen   haben  wird,  soll  die  Frau   von  den  Verwandten  bis  zum  Ein- 
tritt der  Geburt  bewacht  werden.^ 

f)  Wird    eine  Sohn    durch    die    Schenkung    der    Mutter   irgend    etwas    erzielt  c.  8, 6, 3 
gehabt    und    sie    nachher  verletzt  haben,  so  wird  die  Mutter  nach  gericht- 
lichem Nachweis  des  Sachverhalts  der  Verletzung,  wenn  sie  gewollt  haben 

wird,  die  Schenkung  In  integrum  widerrufen. 

4)  Uneheliche  Verwandtschaft  (vgl.  §  16). 

a)  AVTrd  Jemand  eine  blutschänderische  oder  ruchlose  Ehe  eingegangen  haben,  so    o.  4, 8 
wird  er  erachtet,  Kinder  nicht  zu  haben.    Denn  diejenigen,  die  aus  einer  Emp- 


1)  Vgl.  Fünftes  Buch,  §  6,  2  p,  a. 


pro  qualitate  delicti  senioribus  propinquis 
tribuimus  potestatem,  ut,  quos  ad  vitae 
decora  domesticae  laudis  exempla  non  provo- 
cant,  saltem  correctionis  medicina  compellat. 
Neque  nos  in  puniendis  morum  vitiis  potes- 
tatem in  immensum  extendi  volumus,  sed 
iure  patrio  auctoritas  corrigat  propinqui  iuve- 
nis  erratum  et  privata  animadversione  com- 
pescat.  Quod  si  atrocitas  facti  ius  domesti- 
cae emendationis  excedit,  placet,  enormis 
delicti  reos  dedi  iudicura  notioni. 

d)  P.  4,  1,  11.  Filio  quibuscunque  verbis 
a  patre  fideicommissum  relictum  iure  debe- 
tur:  sufficit  enim  inter  coniunctas  personas 
quibuscunque  verbis,  ut  in  donatione,  volun- 
tas  expressa. 

e)  C.  4,  3,  1.  Carbonianum  edictum  sub 
personis  legitimis  indubitato  matrimonio,  cu- 
stodito  partu  et  probata  legitima  successione 
defertur  .  . 

f )  C.  8,  6,  3.  Si  quis  forsitan  filiorum  ma- 
ternam  munificentiam  coneecutus  in  matrem 
impius  detegitur,  .  .  omnem  substantium  pro- 
prietatis  amittat  .  , 

4)  a) 


errorem  vel  culpas  adolescentium  propin- 
quorum  patria  districtione  corrigere,  id  est 
ut  si  verbis  vel  verecundia  emendari  non 
possint,  privata  districtione  verberibus  corri- 
gantur.  Quod  si  gravior  culpa  fuerit  ado- 
lescentis.  quae  privatim  emendari  non  possit, 
in  notitiam  iudicis  deferatur. 


Si  quis  moriens  ex  legitimo  matrimonio 
praegnantem  reliquerit  uxorem,  (iubet  lex,) 
mulierem  a  propinquis,  quo  usque  ad  partum 
veniat,  custodiri  .  . 

Si  quis  filius  donatione  matris  aliquid  fu- 
erit consecutus  et  eam  postmodum  laeserit,pro- 
batis  in  iudicio  laesionis  causis,  donationem 
mater,  si  voluerit,  in   integrum   revocabit  .  . 

G.  4,  8.  Quod  si  quis  incestas  vel  nefa- 
rias  .  .  nuptias  inierit,  nee  (uxorem)  habere 
videtur  nee  filios:  nam  hi,  qui  ex  huius- 
modi    conceptione    nati    fuerint,    quamlibet 


100 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


fängnis  dieser  Art  geboren  gewesen  sein  werden,  werden,  welche  Mütter  sie  auch 
immer  zu  haben  erachtet  werden,  dagegen  durchaus  angesehen,  als  hätten 
sie  keinen  Vater,  und  gerechnet,  als  werden  sie  im  Ehebruch  empfangen 
gewesen  sein:  sie  heissen  Spurii,  das  heisst,  Kinder  Sine  patre. 

c. 3, 12,3  aa)  Wenn    irgend   Jemand    mit    der   Tochter,    entweder    der    Schwester 

oder  des  Bruders,  oder  mit  einer  Konsobrine  weiteren  Grades  oder 
mit  der  Frau  des  Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben 
wird,  ^  sollen  die  Kinder,  die  sie  gehabt  haben  werden,  nicht  für  legitim 
gelten ;  ^  wenn  irgend  Jemand  mit  des  Bruders  oder  der  Schwester 
Tochter  eine  blutschänderische  Verbindung  unterhalten  zu  sollen  ge- 
glaubt haben  wird,  ^meinte  man,  dass  diejenigen  Spurii  sind,  welche  aus 
einer  solchen  Verbindung  geboren  werden;^  ^die  Befugnis,  die  Gattin 
des  Bruders  zu  heiraten,  oder  für  einen  Mann  zwei  Schwestern  zu 
haben,  ist  durchaus  versagt:  denn  die  aus  solcher  Ehe  Geborenen 
gelten  nicht  füi'  legitime  Kinder.^ 

c.  3, 12,4  Wird  irgend  welche  Frau  nach   dem  Tode  ihrer  Schwester   deren 

Gatten  genommen  oder  ein  Mann  nach  dem  Tode  der  Frau  sich  mit 
deren  Schwester  in  einer  andern  Ehe  verbunden  haben, '^  so  werden  die 
Kinder,  die  hieraus  geboren  gewesen  sein  werden,  nicht  als  Kinder  zählen.'^ 


C.  3,  12,1 


C.  3,  12,  2 


1)  Vgl.  S.   103,  Anm.  2. 

2)  So  soll  er  nicht  von  ihr  geborene  Kinder  zu  haben  erachtet  werden. 

3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.  4)  Vgl.  S.  104  Anm.  4. 
5)  T  fügt  noch  hinzu,   dass   diejenigen  Spuri    sind,   welche   geboren   werden   werden 

(nam  spurlos  esse  convenit,  qui  nascentur).  6)  Vgl.  S.   104,  Anm.  5. 

7)  Die  Kinder  werden  weder  als  legitim  gelten,  noch  In  sacris  patris  sein. 


aa)  C.  3,  12,  3.  .  ,  si  quis  incestis  post- 
hac  consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris 
filiae  uxorisve  vel  eius  postremo,  cuius  veti- 
tum  damnatumque  coniugium  est,  sesenuptiis 
funestarit,  .  .  neque  filios  ex  ea  editos  habere 
credatur  .  . 

C.  3,  12,  1.  Si  quis  filiam  fratris  sororisve 
faciendam  crediderit  abominanter  uxorem 
aut  in  eius  amplexum  non  ut  patruus  aut 
avunculus  convolaverit  .  . 

C.  3,  12,  2.  Etsi  licitum  veteres  credide- 
runt,  nuptiis  fratris  solutis  ducere  fratris 
uxorem,  licitum  etiam,  post  mortem  mulieris 
aut  divortium  contrahere  cum  eiusdem  sorore 
coniugium,  abstineant  huiusmodi  nuptiis 
universi,  nee  aestiment,  posse  legitimos  libe- 
ros  ex  hoc  consortio  procreari  .  . 

C.  3,  12,  4.  Tanquam  incestum  com- 
miserit,  habeatur,  qui  post  prioris  coniugis 
amissionem    sororem    eius     in    matrimonium 


matrem  habere  videantur,  patrem  vero  nuUa- 
tenus  habere  censentur,  et  tanquam  si  de 
adulterio  concepti  fuerint,  computantur:  qui 
spurii  appellantur,  hoc  est  sine  patre  filii. 

.  .  ut  .  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fra- 
tris fiham  aut  certe  ulterioris  gradus  conso- 
brinam  aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nu- 
ptiis iunxerit,  .  .  si  filios  habuerint,  non  ha- 
beantur  legitimi  .  . 

Quicunque  hominum  cum  fratris  filia  vel 
sororis  incestam  coniunctionem  se  habere 
crediderit,  .  .  spurios  esse  convenit,  qui  de 
tali  coniunctione  nascentur. 

Fratris  uxorem  ducendi  vel  uni  viro  duas 
sorores  habendi  penitus  licentia  denegatur; 
nam  ex  tali  coniugio  procreati  filii  legitimi 
non  habentur. 


Quaecunque  mulier  sororis  suae  maritum 
post  illius  maritum  acceperit,  vel  si  quis  ex 
viris,    mortua  uxore,    sororem   eius  aliis  nu- 


Das  Wesen  der  Ebe  §  12. 


101 


b)  Sind  Germaiii  fratres   übergangen  worden,    so   wird,    wenn   an  Turpes  per-   <'•  '^,  i9,  i 
sonae,    ^wie    aus    unehrbarer    Zuneigung   unehlichen   Kindern,^    die    Erb- 
schaft hinterlassen  gewesen  sein  wird,  die  Befugnis  gegen  das  Tesament  zu 
klasren  vorbehalten. 

b)  Die  Ehe. 
1)  Das  Wesen  der  Ehe  §  12. 

a)  Eine  legitime  Ehe  ist  vorhanden,  wenn  ein  Römer  unter  Statthabung  einer  G.  4pr. 
Hochzeit,   bez.  mit  Konsens,  eine  Römerin  zur  Frau  nimmt.     ^Keiner   aus  es,  u,  i 
der  Zahl  der  Römer  soll,  eine  Barbarin  irgend  welchen  Stammes  zur  Frau 

zu  haben,  sich  anmassen,  noch  sollen  Römische  Frauen  durch  Verbindungen 
mit  Barbaren  in  der  Ehe  verbunden  werden.  Werden  sie  es  gethan  haben, 
so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  kapitaler  Verurteilung  unterliegen." 

b)  Wir  wollen,  dass  die  Frauen  nach   dem  von  ihrem  Gatten  erzielten  Honor  c.  2,  i,  7 
genannt  werden:   ^derart  dass  sie  durch  die  Dignität  desjenigen  erhöht  wird, 

in  dessen  Haus  sie  mit  der  Heirat  eingetreten  sein  wird,  und  in  ihren  Ge- 
schäften vor  dem  Forum,  wohin  sie  dem  Manne  gefolgt  ist,  sich  verantwortet.^ 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.  2)  S.  88,  Anm.  1. 

3)  Nobilitieren  sie  genere,  bestimmen  ihnen  das  Forum   aus  der  Person   der   Männer 
und  ändern  ihre  Wohnsitze. 


proprium  crediderit  sortiendam;  pari  ac  simili 
ratione  etiam,  si  qua  post  interitum  mariti 
in  germani  eins  nuptias  crediderit  adspiran- 
dum:  illo  sine  dubio  insecuturo,  quod  ex  hoc 
contubernio  nee  filii  legitimi  habebuntur  nee 
in  sacris  patris  erunt  .  . 

b)  C.  2,  19,  1.  .  .  germanis  tantiimmodo 
fratribus  adoersus  eos  duntaxat  institutos 
heredes,  quibus  inustas  constiterit  esse  notas 
detestabilis  turpidudinis  .  .,  sine  auxilio  prae- 
toris,  petitionis  aditus  reseretur. 

a) 


C.  3,  14,  1.  Nulli  provincialium,  cuius- 
cunqne  ordinis  aut  loci  f'uerit,  cum  barbara 
sit  uxore  coniugium,  nee  ulli  gentilium  pro- 
vincialis  femina  copuletur.  Quod  si  quae 
inter  provinciales  atque  gentiles  affinitates 
ex  huiusmodi  nuptiis  exstiterint,  quod  in  iis 
suspectum  vel  noxium  detegitur,  capitaliter 
expietur. 

b)  C.  2.  1,  7.  Mulieres  honore  marito- 
rum  erigimus,  genere  nobilitamus.  lisdem 
forum  ex  eorum  persona  statuimus  et  domi- 
cilia  mutamus. 


ptiis    sibi    coniunxerit,    .    .   filii    qui    exinde 
fuerint  procreati, . .  nee  inter  filios  habebuntur. 


.  .  germanis  fratribus  praetermissis,  .  , 
si  turpibus  personis  .  ,  fuerit  hereditus  dere- 
licta,  hoc  est  .  .  pro  inhonesto  affectu  na- 
turalibus  .  .,  agendi  contra  testamentum  li- 
centia  reservatur  .  . 

G.  4  pr,  Legitimae  sunt  nuptiae,  si  Ro- 
manus Romanam  nuptiis  intervenientibus  vel 
consensu  ducat  uxorem. 

Nullus  Romanorum  barbaram  cuiuslibet 
gentis  uxorem  habere  praesumat,  neque 
barbarorum  coniugiis  mulieres  Romänae  in 
matrimonio  coniungantur.  Quod  si  fecerint, 
noverint  se  capitali  sententiae  subiacere. 


Feminas  secundum  honorem,  quem  mari- 
ti earum  meruerunt,  volumus  appellari,  ut,  ad 
cuius  domum  nupta  transierit,  eius  proficiat 
dignitate  et  pro  negotiis  suis  in  eodem  foro, 
ubi  est  maritum  secuta,  respondeat. 


102 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


G.4,  1 


G.4,  8 


G.  4, 1 


G.4, 


G.  4,  7 
G.  4,  6 


2)  Eheliindernisse  §  13. 

1)  Im  Allgemeinen. 

a)  Nicht  alle  Personen  zu  Frauen  zu  nehmen,  ist  erlaubt. 

2)  Verwandtschaft. 

a)  "Wird  Jemand  eine  blutschänderische  oder  ruchlose  Ehe  eingegangen  haben, 
so  wird  er  erachtet,  keine  Frau  zu  haben. 

b)  Weder  dem  Vater  ist  erlaubt  die  Tochter,  noch  dem  Sohne  die  Mutter, 
noch  dem  Grossvater  die  Enkehn,  noch  dem  Enkel  die  Grossmutter  zu 
Frauen  zu  nehmen.  Es  ist  billig,  dass  dieses  nicht  nur  mit  Bezug  auf 
Personen,  die  uns  durch  Verwandtschaft  verbunden  sind,  sondern  auch 
sogar  mit  Bezug  auf  Adoptierte  gelte :  mag  auch  die  Adoption  durch  Eman- 
zipation gelöst  werden,  es  steht  fest,  dass  die  Ehe  zwischen  diesen  Per- 
sonen dennoch  stets  unerlaubt  ist. 

c)  Zwischen  Bruder  und  Schwester,  sei  es  dass  sie  von  demselben  Vater  und 
derselben  Mutter,  sei  es  dass  sie  von  verschiedenen  Müttern  oder  Vätern  geboren 
sein  werden,  können  Ehen  nicht  bestehen.  Auch  zwischen  Adoptivgeschwis- 
tern  sind  Ehen  verboten,  es  sei  denn  dass  die  Adoption  durch  Emanzipation 
gelöst  gewesen  sein  wird:  denn  wird  Emanzipation  eingetreten  sein,  so 
wird  zulässigerweise  zwischen  Geschwistern  der  Art  eine  Ehe  eingegangen. 

d)  Es  wird  weder  einem  Manne  gestattet,  zwei  Schwestern  zu  Frauen  zu 
haben,  noch  einer  Frau,  mit  zwei  Brüdern  sich  zu  verbinden.     Dass  Fratres 


1)  a) 

2)  a) 

-b) 


c) 


d) 


G.  4,  1.  Sed  non  omnes  personas  uxores 
ducere  licet  .  . 

G.  4,  8.  Quod  si  quis  incestas  vel  nefa- 
rias  .  .  nuptias  inierit,  nee  uxorem  habere 
videtur  .  . 

G.  4,  1.  (Sed  non  omnes  personas)  uxores 
ducere  licet  (:  quia)  nee  patri  filiam,  nee 
filio  matrem,  nee  avo  neptem,  nee  nepoti 
aviam.  Quod  non  solum  de  personis,  quae  nobis 
propinquitate  coniunctae  sunt,  sed  etiam  vel 
adoptivis  .  .  iustum  est  observari;  nam  etsi 
per  emancipationem  adoptio  dissolvatur,  nu- 
ptias tarnen  inter  has  personas  semper  con- 
stat  illicitas. 

G.  4,  2.  Inter  fratrem  (quoque)  et  soro- 
rem,  sive  eodem  patre  ac  matre  nati  fuerint, 
sive  diversis  matribus  aut  patribus,  matri- 
monia  esse  non  possunt.  Inter  adoptivos 
etiam  fratres  illicita  sunt  coniugia,  nisi  forte 
adoptio  emancipatione  fuerit  dissoluta:  nam 
si  emancipatio  intervenerit,  nuptiae  inter 
huiusmodi  fratres  licito  contrahuntur. 

G.  4,  7.  (Sed)  nee  uni  viro  duas  sorores 
uxores  habere,  nee  uni  mulieri  duobus  iratri- 
bus  iungi  permittitur. 

G.  4,  6.     Fratres  (enim)  amitinos  vel  con- 


Ehehindernisse  §  13. 


103 


amitiiü  oder  Consobriiii  zur  Ehe  sich  verbinden,  Avird  durchaus  nicht 
gestattet.  ^Wenn  irgend  Jemand  mit  der  Tochter,  entweder  der  c.  3, 12, 3 
Schwester  oder  des  Bruders,  oder  mit  einer  Konsobrine  weiteren  Grades 
oder  mit  der  Frau  des  Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben 
wird,  soll  er  der  Strafe  unterliegen,  von  einer  solchen  Verbindung  getrennt  zu 
werden.^  Beiderseits  sollen  diese  Personen  dem  Schimpfe  der  Infamie  verfallen 
mit  der  Massgabe,  1  dass  sie  ihr  Eigentum  lediglich  kraft  Benefizes  des 
Princeps  zu  besitzen  erachtet  werden.  Ferner  sollen  sie,  während  ihnen 
die  Fähigkeit  zu  schenken  und  zu  testieren  entzogen  ist,  sich  nicht  an- 
massen,  einen  Kontrakt  einzugehen,  dürfen  aber  auch  nicht  derart  aus- 
gewählten Frauen  irgend  etwas  gCAvähren.  Ingleichen  soll,  was  ihnen 
diese  zur  Zeit  der  Verheiratung  gegeben  haben  werden,  konfisziert  werden 
oder,  wenn  sie  auch  Kinder  gehabt  haben  werden,  an  dieselben  nichts 
aus    ihrem  Vermögen   mittels    einer    vorgeschobenen    oder    einer    sonstigen 


1)  J  schickt  voraus,  dass  die  Vorschrift  an  Stelle  des  früheren  Gesetzes  getreten  sei,  von 
dessen  Strafe,  supplicium  und  proscriptio,  die  Thäter  in  Zukunft  befreit  seien  (Post  prioris  legis 
sententiam,  quae  de  talibus  personis  lata  est,  id  praecipit  observari,  ut  districtione  legis, 
supplicio  et  proscriptione  liberi,  quisque  .  .  iunxerit,  huic  poenae  subiaceat .  .).  T  bezeichnet 
die  Strafe  (supplicium)  als  Feuertod  und  proscriptio  und  erwähnt,  dass  es  bei  den  unter 
dem  alten  Gesetz  gefällten  Urteilen  sein  Bewenden  habe  (Manente  circa  eos  sententia,  qui 
post  latam  dudum  legem  quoquomodo  absoluti  sunt  aut  puniti,  si  quis  .  .  funeestarit^ 
designato  quidem  lege  supplicio,  hoc  est  ignium  et  proscriptione,  careat  .  .).  Das  in  Frage 
kommende  Gesetz  ist  C.  3,  12,  1.  welches  auf  die  Verbindung  mit  der  Tochter  von  Bruder 
und  Schwester  Kapitalstrafe  droht  (T:  Si  quis  filiam  fratris  sororisve  faciendam  crediderit 
abominanter  uxorem  aut  in  eins  amplexum  non  ut  patruus  aut  avunculus  convolaverit,  capi- 
talis  sententiae  )ioena  teneatur;  J:  Quicunque  hominum  cum  fratris  filia  vel  sororis  incestam 
coniunctionem  se  habere  crediderit,  capitale  periculum  se  noverit  subiturum  .  .). 

2)  Wenn  Jemand  sich  in  blutschänderischer  Ehe  mit  seiner  Konsobrine,  mit  der 
Tochter,  bez.  Frau  von  Bruder  oder  Schwester  oder  einer  Person,  Cuius  vetitum  dam- 
natumque  coniugium  est,  verbunden  haben  wird,  wird  er  erachtet,   keine  Gattin  zu  haben. 


C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  posthac 
consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris  filiae 
uxorisve  vel  eins  postremo,  cuius  vetitum 
damnatumque  coniugium  est,  sese  nuptiis 
funestarit,  .  .  proprias  etiam,  quamdiu  vixe- 
rit,  teneat  facultates ;  sed  neque  uxorem  (ne- 
que  fiiios  ex  ea  editos)  habere  credatur,  ut  nihil 
prorsus  praedictis,  ne  per  interpositam  qui- 
dem personam,  vel  donet  superstes  vel  mor- 
tuus  derelinquat.  Dos,  si  qua  forte  solenniter 
aut  data  aut  dicta  aut  promissa  fuerit,  iuxta 
ius  antiquum  fisci  nostri  commodis  cedat  .  . 
Id  sane,  quod  de  virs  cavimus,  etiam  de 
fluisnis,  quae  praedictorum  se  consortiis  com- 
macuiaverint,  custodiatur  .   . 


sobrinos  in  matrimonium  iungi  nuUa  ratione 
permittitur. 

.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris  filiam 
aut  certe  ulterioris  gradus  consobrinam  aut 
fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis  iunxe- 
rit, huic  poenae  subiaceat,  ut  de  tali  con- 
sortio  separetur  .  .  infamia  sint  notatae 
utrimque  personae,  ita  ut  possidere  tantum 
proprias  facultates  principis  beneficio  vide- 
antur.  Ceterum  nullum  praesumant  subire 
contractum,  donandi  atque  testandi  facultate 
summota:  sed  nee  ipsis  feminis,  quas  taliter 
sortiti  sunt,  aliquid  conferant.  et  si  etiam 
aliquid  tempore  nuptiarum  sibi  dederint,  re- 
vocftur  ad  fiscum:  aut  etiamsi  fiiios  habue- 
rint,  non  per  suppositam  aut  per  aliam  per- 
sonam aut  per  commenticiam  donationem  ad 
illlos  quicquam  ex  eorum  facultate  per- 
veniat  .  . 


104 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


c.  3,  lu,  i  Person  oder  durch  eine  simulierte  Schenkung  gelangen.^   ^Denjenigen  Per- 

sonen, welche  im  vierten  Grad  der  Herkunft  eine  angemasste  Verbindung 
zusammengebracht  haben  wird,  ^  ^as  dem  Schimpfe  unterliegt,^  wird  dennoch, 
wenn  sie  eine  Supplik  eingereicht  haben  werden,  Begnadigung  zu  teil.^ 

^'  *'  "^  Die  Tochter  des  Bruders  und  der  Schwester  als  Frau  heimzuführen, 

C- 3, 12,2  igt  nicht  erlaubt.     *Die  Befugnis,  die  Gattin  des  Bruders  zu  heiraten, 

oder  für  einen  Mann  zwei  Schwestern  zu  haben,  ist  durchaus  versagt. 

C-  3, 12, 4  Wird   irgend    welche   Frau   nach   dem    Tode    ihrer    Schwester   deren 

Gatten  genommen  oder  ein  Mann  nach  dem  Tode  der  Frau  sich  mit 
deren  Schwester  in  einer  anderen  Ehe  verbunden  haben,  so  mögen  sie 
wissen,  dass  sie  durch  eine  solche  Verbindung  dem  Schimpfe  verfallen.^ 


1)  T  sagt,  dass  sie  für  ihre  Lebensdauer  ihr  Vermögen  besitzen  sollen,  weder  der 
Frau,  noch  von  ihr  s^eborenen  Kindern,  und  zwar  auch  nicht  Per  interpositam  personam, 
schenken  oder  letztwillig  hinterlassen  können,  und  die  Dos,  quae  solenniter  aut  data  aat 
dicta  aut  promissa  fuerit,  nach  dem  lus  antiquum  dem  Fiskus  anheimfalle. 

2)  T  spricht  nach  dem  Zusammenhange  davon,  dass  die  Lex  triumphalis  des  Vaters 
des  Konstituenten  die  im  allgemeinen  unstatthafte  Supplikation  in  Ehesachen  in  dem  Falle 
beabsichtigter  Verbindung  von   Konsobrinen,   hoc    est   quarti   gradus,  gestattet  habe. 

3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

4)  T  spricht  zunächst  davon,  dass  bis  dahin  die  Ehe  nicht  verboten  war. 

5)  Als  Incest  soll  angesehen  werden,  wenn  Jemand  nach  dem  Verluste  der  ersten 
Gattin  ihre  Schwester  geheiratet,  oder  wenn  eine  Frau  nach  dem  Tode  des  Gatten  sich 
mit  dessen  Bruder  verbunden  haben  wird. 


C.  3,  10,  1.  .  .  (Si  quis  .  .  nuptias  pre- 
cum  surreptione  meruerit,  amissionem  bono- 
rum et  poenam  deportationis  subiturum  se 
esse  non  ambigat,  et  amisso  iure  matrimonii, 
quod  prohibita  usurpatione  meruerit,  filios 
se  iuste  hac  ratione  susceptos  non  habitu- 
rum,  nee  unquam  postulatae  indulgentiae 
annotationisve  principis  indulto  efficacem  se 
veniae  effectum  meruisse):  exceptis  his, 
quos  consobrinorum,  hoc  est  quarti  gradus, 
coniunctionem  lex  triumphalis  memoriae  pa- 
tris  nostri,  exemplo  indultorum,  supplicare 
non  vetavit  .  . 


C.  3,  12,  2.  Etsi  licitum  veteres  credide- 
runt,  nuptiis  fratris  solutis  ducere  fratris 
uxorem,  licitum  etiam,  post  mortem  mulieris 
aut  divortium  contrahere  cum  eiusdem  sorore 
coniugium,  abstineant  cuiusmodi  nuptiis  uni- 
versi  .  . 

C.  3,  12,  4.  Tanquam  incestum  com- 
miserit,  habeatur,  qui  post  prioris  coniugis 
amissionem  sororem  eins  in  matrimoniura 
proprium  crediderit  sortiendam;  pari  ac  si- 
mili   ratione    etiam,    si    qua    post    interitum 


..  His(vero),quosinquartumgradumoriginis 
coniunctio  praesumtiva  copulaverit,  quia  no- 
tabile  est,  tamen  si  supplicaverint,  veniam 
relaxabit  .  . 


G.  4,  3.     Fratris  (quoque)   et  sororis  fili- 
am  uxorem  ducere  non  licet. 

Fratris  uxorem  ducendi  vel  uni  viro  duas 
sorores  habendi  penitus  licentia  denegatur  .  . 


Quaecunque  mulier  sororis  suae  maritum 
post  illius  mortem  acceperit,  vel  si  quis  ex 
viris,  mortua  uxore,  sororem  eins  aliis  nuptiis 
sibi  coniunxerit,  noverint  tali  consortio  se 
esse  notabiles  .  . 


Ehehindernisse  §  13. 


105 


e)  Die  Schwester  von  Vater  und  Mutter  zu  heiraten,  ist  nicht  erlaubt.  G.4,4: 

f)  Dem  Schwiegersohn   ist   nicht    erlaul)t,    seine    Schwiegernnitter,    noch    dem    G.  4, 5 
Schwiegervater  die  Schwiegertochter,    noch    dem  Stiefvater  die  Stieftochter, 
noch  dem  Stiefsohn  die  Stiefmutter  zur  Frau  zu  nehmen. 

3)  Standesunterschied. 

a)  1  Senatoren  sollen,    falls    sie    gewollt   haben    werden,    die   Befugnis    haben,  41  ■.2 u. 3 
abgesehen  von  niedrigen   und  infamen  Personen,   arme  und  jeder  Dignität 


1)  T  beginnt  mit  dem  folgenden  Satze  (pr.):  Leges  sacratissimae,  quae  constringunt 
omnium  vitas,  intelligi  ab  Omnibus  debent,  ut  universi,  piraescripto  earum  manifestius 
coguito,  vel  prohibita  declinent  vel  permissa  sectentur.  Si  quid  vero  in  iisdem  legibus 
latum  fortassis  obscurius  fuerit,  oportet  id  imperatoria  interpretatione  pafcofieri,  ut  omnis 
sanctionis  removeatur  ambiguum,  et  in  suam  partem  iuris  dubia  derivare  litigaterum  con- 
tentio  alterna  non  possit,  negotiorum  quoque  cognitores  ac  tribunalium  praesides,  apertam 
definitionem  legum  secuti,  suspensis  nutantibusque  sententiis  inter  scita  incerta  non 
fluctuent.  Plana  enim  et  facilis  ad  pronuntiandum  via  patet  iudici,  quoties  non  est  illud 
ambiguum,  iuxta  quod  necesse  est  iudicari.  Hierauf  wird  ausgeführt,  dass  in  der  Lex 
Constantiniana,  die  dem  Senator  Perfectissimus  Duumvir  Flamen  municipalis  Sacerdos  pro- 
vinciae  die  Ehe  mit  gewissen  Personen  verboten  habe,  dem  im  Texte  verzeichneten  Kataloge  von 
Frauen  die  Humilis  abiectaqae  persona  beigefügt  sei,  was  zu  Zweifeln  Anlass  gegeben  habe: 
es  sei  jedoch  hierunter  nicht  eine,  wenn  auch  arme,  doch  von  freigeborenen  Eltern  stam- 
mende Person  zu  verstehen  (§  1  u.  2.  Magnificentia  tua,  in  causis  omnibus  terminandis 
rectum  semper  tramitem  studens  tenere  iustitiae,  consuluit  clementiam  nostram  super  Con- 
stantinianae  legis  ea  parte,  in  qua  aliquid  existere  videtur  ambiguum.  Nam  quum  sanciret, 
ne  senatori,  perfectissimo,  duumviro,  flamini  municipali,  sacerdoti  provinciae  habere  liceret 
uxorem  ancillam,  ancillae  filiam,  libertam,  libertae  filiam,  civem  Romanam  vel  Latinam 
faetara,  scenicam  vel  scenicae  filiam,  tabernariam  vel  tabernarii  filiam,  vel  lenonis,  aut 
arenarii,  aut  eam,  quae  mercimoniis  publice  praefuit,  vetitis  interdictisque  personis  adiecit 
etiam  humilem  abiectamque  personam  .  .,  humilem  vel  abiectam  feminam  minime  eam  iudi- 
eamus  intelligi,  quae,  licet  pauper,  ab  ingenuis  tamen  parentibus  nata  sit  . .). 


mariti    in    germani    eins    nuptias    crediderit 
adspirandum  .  . 

e) 


f) 


3a)  N.  M.  4,  1,  2  u.  3.  .  .  Heere  statuimus 
senatoribus  et  quibuscunque amplissimis digni- 
tatibus  praeditis,  ex  ingenuis  natas,  quam- 
vis  pauperes,  in  matrimonium  sibi  ad- 
sciscere,  nuUamque  inter  ingenuas  ex  di- 
vitiis  et  opulentiore  fortuna  esse  distantiam. 
Humiles  vero  abiectasque  personas  (eas  tan- 
tummodo  mulieres  esse)  censemus,  (quas 
enumeratas  et  specialiter  expressas  copulari 
matrimoniis  senatorum  lex  praedicta  non 
passa  est,  hoc  est)  ancillam,  ancillae  filiam, 
libertam,    libertae    filiam,    civem    Romanam 


G.  4,  4.  Sororem  (quoque)  patris  ac  ma- 
tris  uxores  accipere  non  licet. 

G.  4,  5.  Genero  (quoque)  socrum  suam, 
nee  socro  nurum  uxorem  accipere  licet,  nee 
vitrico  privignam,  nee  privigno  novercam. 

(Hac  lege  permissum  est,)  ut  exceptis  vi- 
libus  infamibusque  personis  .  .  pauperes  et 
sine  ulla  dignitate  natalium,  dumraodo  ho- 
nestas  et  honestis  parentibus  procreatas,  se- 
natores,  si  voluerint,  uxores  eligendi  et  du- 
cendi  habeant  potestatem.  Quod  et  omnibus 
exemplo  legis  huius  sine  dubitatione  permit- 
titur. 


106 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


der  Geburt  bare  Personen,  wenn  sie  nur  ehrbar  sind  und  von  ehrbaren 
Eltern  stammen,  zu  Frauen  auszuwählen  und  zu  heiraten.^  '^  Ohne  Zweifel 
wird  dies  nach  dem  Beispiel  dieses  Gesetzes  auch  allen  gestattet.  Für 
niedrige  und  infame  Frauen  aber  erachten  wir  eine  Sklavin  und  einer 
Sklavin  Tochter,  eine  Freigelassene  und  einer  Freigelassenen  Tochter,  die 
eine  Römische  Bürgerin  oder  Latinerin  geworden  ist,  eine  Schauspielerin, 
bez.  einer  Schauspielerin  Tochter,  eine  Tabernaria  oder  eines  Tabernarius 
oder  eines  Kupplers  oder  eines  Gladiators  Tochter,  oder  eine  Frauensperson, 
die  einem  öffentlichen  Hause  vorsteht.^  ^ 
p.  2, 20, 6  |3^  Wenn  ein  Freigelassener  nach  der  Verbindung  mit  der  Patronin  oder  der 
Tochter  des  Patrons  zu  streben  versucht  haben  wird,  soll  er  in  ein  Berg- 
werk gesteckt  werden.'* 

4)  Beligionsunterschied. 
c.  9, 4, 4        a)  Weder  soll   ein  Jude   eine  Christin ,   noch   ein  Christ  eine  Jüdin  zur  Frau 


1)  Vgl.  S.  40  Anm.  3. 

2)  T  spricht  neben  Senatoren  von  den  höchsten  Würdenträgern  und  verzeichnet  den 
Katalog  in  dem  Sinn,  dass  das  Gesetz  Konstantins  damit  angebe,  wer  Humilis  abiectaque  per- 
sona sei  (Humiles  vero  abiectasque  personas  eas  tantummodo  mulieres  esse  censemus,  quas 
enumeratas  et  specialiter  expressas  copulari  matrimonia  senatorum  lex  praedicta  non  passa 
est,  hoc  est  aucillam  u.  s.  w.). 

3)  T  fügt  hinzu  (§  4),  dass  die  Vorschriften  Konstantins  oder  seiner  Nachfolger  mit 
Bezug  auf  Naturales  filii  und  deren  Mütter,  Consobrinae  ingenuae  und  diejenigen,  welche 
nach  dem  Tode  der  Frau  in  die  Ehe  eingetreten  sind,  unverbrüchlich  bewahrt  werden,  mit 
der  Massgabe,  dass  die  späteren  Gesetze  den  früheren  an  Autorität  vorgehen  und  das 
spätere  Gesetz  das  massgebende  ist  (Cetera  etiam,  quae  ab  inclitae  recdationis  Constantino 
vel  ab  aliis  post  eum  divis  principibus  super  naturalibus  filiis  eorumque  mntribus,  de  con- 
cubinis  quoque  ingenuis,  et  de  his,  quae  post  uxoris  obitam  in  nuptias  convenerunt  quae- 
cunque  sacris  constitutionibus  definita  sunt,  iubemus  inviolabiliter  custodiri:  ita  tarnen,  ut 
promulgatas  prius  leges  hae,  quae  postmodum  latae  sunt,  auctoritate  praecedant,  et  quae- 
cunque  ex  ipsis  est  posterior  tempore,  sit  validior  sanctione  .  .). 

4)  Vgl.  §  7,  2  ß,  b. 


vel  Latinam  factam,  scenicam  vel  scenicae 
filiam,  tabernariam  vel  tabernarii,  vel  leno- 
nis,  aut  arenarii  filiam,  aut  eam,  quae  mer- 
cimoniis  publice  praefuit.  Quod  quidem 
haud  dubie  credimus  ipsum  divae  memoriae 
Constantinum  in  ea,  quam  promulgavit, 
sanctione  sensisse,  ideoque  huiusmodi  inhib- 
uisse  nuptias,  ne  senatoribus  harum  fenii- 
narum,  quas  nunc  enumeravimus,  non  tarn 
connubia  quam  vitia  iungerentur. 

b)  P.  2,  20,  6.  Libertum,  qui  ad  nuptias 
patronae  vel  uxoris  filiaeque  patroni  afi'ecta- 
verit,  pro  dignitate  personae,  metalli  poena 
vel  operis  publici  coerceri  placiut. 

4)  a)  C.  9,  4,  4.  Ne  quis  Christianam 
mulierem  in  matrimonium  Judaeus  accipiat, 
neque  Judaeae  Christianus  coniugium  sortia- 


Libertus,  si  ad  coniunctionem  patronae 
vel  patroni  filiae  adspirare  tentaverit,  in 
metallum  detrudatur. 

Nee  Judaeus  Christianam  nee  Christianus 
Judaeam  ducat  uxorem.  Quod  si  fecerit,  cuius- 
libet  accusatione  velut  in  adulterös  vindicetur. 


Ehehindernisse  §  13. 


107 


nehmen.     Wird   er   es   gethan  haben,  so  soll  auf  die  Anklage  eines  Jeden, 

wie  gegen  Ehebrecher,  eingeschritten  werden. 

Weder  soll  ein  Jude  sich  der  Ehe  mit  einer  Christin  bedienen,  c.  3,7,2 
noch  ein  Christ  eine  Jüdin  zur  Frau  nehmen.  Werden  sich  gegen 
das  Verbot  irgendwelche  Personen  dui'ch  solche  Verbindung  vermischt 
haben,  so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  mit  derjenigen  Strafe  zu  verfolgen 
sind,  mit  welcher  Ehebrecher  verurteilt  werden,  und  die  Anklage  dieses 
Verbrechens  nicht  nur  den  Verwandten,  sondern  auch  Allen  l)ehufs 
Verfolgung,  zugestanden  ist. 

o)  Geschlechtsbeziehungen  (vgl.  g  14,3;  g  15.3  a). 

a)   Wird  die  Frau  zuerst  dem  Manne  die  Scheidung  bereitet  und  die  im  Ge- 


setze bezeichneten  Gründe  nicht  erwiesen  haben,  so  soll  sie  nicht  die  Ge- 
legenheit besitzen,  um  zu  heiraten:  wird  sie  leichte  Vergehen,  auf  Grund 
deren  sie  die  Scheidung  zu  erstreben  erachtet  wird,  nachgewiesen  haben,  so 
soll  ihr  die  Befugnis  fehlen,  einen  andern  Mann  zu  heiraten;  wird  sie  gegen 
den  Mann  die  bestimmten  schweren  Verbrechen  erwiesen  haben,  so  wird  sie 
nach  einem  Zeitraum  von  fünf  Jahren  Freiheit  zu  heiraten  haben.^    AVenn 


C.3. 
pr. 


16, -j 

u.  1 


1)  Vgl.  §  15,  2  b. 


tur.  Nam  si  quis  aliquid  huiusmodi  admiserit, 
adulterii  vicem  commissi  huius  crimen  ob- 
tinebit,  libertate  in  accusandum  publicis 
quoque  vocibus  relaxata. 

C.  3,  7,  2.  Ne  quis  Christianam  mulierem 
in  matrimonium  Judaeus  accipiat,  neque 
Judaeae  Christianus  coniugium  sortiatur. 
Nam  si  quis  aliquid  huiusmodi  admiserit, 
adulterii  vicem  commissi  huius  crimen  ob- 
tinebit,  libertate  in  accusandum  publicis 
quoque  vocibus  relaxata. 

5)  a)C.8,16,2pr.u.  1,  Mulier, quae  repudii  a 
se  dati  oblatione  discesserit,  si  nullas  proba 
verit  divortii  suicausas, . .  secundi  viii  copulam 
.  .  negamus.  Sin  vero  morum  vitia  ac  medio- 
cres  culpas  mulier  matrimonio  relactata  con- 
vicerit,  .  .  nullius  unquam  penitus  socianda 
coniugio  .  .  Restat,  ut,  si  graves  causas  atque 
involutam  magnis  criminibus  conscientiam 
probaverit,  quae  recedit,  .  .  post  quinquen- 
nium  nubendi  recipiat  potestatem  .  .  Sane 
si  divortium  prior  maritus  obiecerit  ac  mulieri 
grave  crimen  intulerit,  .  .  ducendi  mox 
alteram  liberum  sortiatur  arbitrium.  Si  vero 
morum  est  culpa,  non  criminum,  .  .  aliam 
post  biennium  ducturus  uxorem.  Quod 
si  matrimonium   solo   maluerit  separare  dis- 


.  .  ut  nee  Judaeus  Christianae  matrimonio 
utatur,  nee  Christianus  homo  Judaeam  uxo- 
rem accipiat.  Quod  si  aliqui  contra  vetitum 
se  tali  coniunctione  miscuerint,  noverint  se 
ea  poena,  qua  adulteri  damnantur,  perse- 
quendos,  et  accusationem  huius  criminis  non 
solum  propinquis,  sed  etiam  ad  persequen- 
dum  Omnibus  esse  permissam. 

Si  mulier  prior  repudium  marito  intulerit 
et  statutas  lege  non  docaerit  causas,  .  .  nee 
nubendi  locum  habeat  .  .  Nam  si  leves  culpas 
edocuerit,  quibus  divortium  videatur  appetere, 
.  .  neque  alteri  viro  nubendi  habeat  potesta- 
tem .  ,  Quod  si  .  .  in  virum  gravia  crimina 
et  certa  probaverit,  .  .  post  quinquennium 
nubendi  habebit  liberam  facultatem.  Nam  si 
maritus  repudium  prior  intulerit,  probatis 
causis  .  .  continuo,  si  voluerit,  aliam  ducat 
uxorem:  nam  si  crimina  certa  non  fuerint, 
sed,  ut  solet  fieri,  femina  morum  levitate 
displiceat,  .  .  post  biennium  aliam  ducat 
uxorem.  Quod  si  nee  morum  culpa  docebitur, 
et  sola  est  dissensio  animorum,  mulier,  quae 
innocens  expulsa  est  a  marito,  .  .  ille  (vero) 


108 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.3,  16,  1 
C.  9, 19,  2 


C.  9,  20,  1 


C.  9,  20, 2 


der  Mann  zuerst  die  Scheidung  bereitet  haben  wird,  soll  er  nach  Beweis  der 
Gründe,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  unverzüglich  eine  andere  Frau  nehmen: 
werden  bestimmte  Verbrechen  nicht  vorhanden  gewesen  sein,  sondern  miss- 
fällt, wie  es  zu  geschehen  pflegt,  die  Frau  Murch  die  Leichtfertigkeit  ihrer 
Sitten, -"^  so  soll  der  Gatte  nach  einem  Zeitraum  von  zwei  Jahren  eine  andere 
Frau  nehmen.  Wird  auch  nicht  ein  Fehler  in  ihren  Sitten  erwiesen  werden, 
und  ist  lediglich  eine  Verschiedenheit  der  Ansichten  vorhanden,  so  wird  er 
auf  die  Dauer  un vermählt  bleiben  und  soll  sich  nicht  anmassen,  sich  einer 
andern  Frau  zur  Ehe  zuzugesellen,  während  der  Frau  gestattet  ist,  wenn 
sie  gewollt  haben  wird,  nach  einem  Jahre,  zu  einer  andern  Ehe  zu  schreiten. 

Wenn  der  Mann  die  Frau  der  Verbrechen  nicht  hat  überführen 
können,    soll  er  sich  nicht  anmassen,    eine  andere  Frau    zu    heiraten. 

b)  Wenn  Jemand  die  Anklage  Avegen  Entführmig  während  eines  Zeitraumes 
von  fünf  Jahren  verschoben  haben  wird,  soll  wegen  einer  solchen  Verbindung 
den  Entführern  nicht  irgend  etwas  entgegengehalten  werden,  und  sollen  die 
Kinder  sämtlich  als  legitim  gelten. 

c)  Wer  auch  immer,  entweder  eine  gottgeweihte  Jungfrau  oder  Witwe,  ent- 
führt haben  wird,  sie  sollen  in  gleicher  Weise  gestraft  werden,  falls  sich  nach- 
träglich mit  Bezug  auf  die  Verbindung  Übereinstimmung  ergeben  haben  wird: 
wird  Jemand  gottgeweihte  Jungfrauen  oder  Witwen,  mit  ihrer  Zustimmung 


1)  Vgl.  S.  118,  Anm.  2. 


sensa,  nuUisque  vitiis  peccatisque  gravetur 
exclusa,  .  .  perpetuo  coelibatu  insolen- 
tis  divortii  poenam  de  solitudiiiis  moerore 
sustineat,  mulieri  post  anni  metas  nuptiarum 
potestate  concessa  . 

C.3, 16,1.  .  .(tria  crimina  inquiri  conveniet) 
.  .  si  ab  his  criminibus  liberam  eiecerit,  .  . 
debet  (et)  aliam  non  ducere  .  . 

b)  C.  9,  19,  2.  Qui  coniugium  raptus 
scelere  contractum  voluerit  accusare  .  .,  si 
quo  casu  quis  vel  accusationem  differat  vel 
reatum,  .  .  ad  persecutionem  criminis  ex  die 
sceleris  admissi  quinquennii  tribuimus  facul- 
tatem.  Quo  .  .  exacto,  nulli  deinceps  copia 
patebit  .  .  de  coniugio  aut  sobole  disputandi. 

c)  C.  9,  20,  1.  Eadem  utrumque  raptorem 
severitas  feriat,  nee  sit  ulla  discretio  inter 
eum,  qui  pudorem  virginum  sacrosanctarum 
et  castimoniam  viduae  labefectare  scelerosa 
raptus  acerbitate  detegitur.  Nee  uUus  sibi 
ex.  posteriore  consensu  valeat  raptae  blandiri. 

C.  9,  20,  2.  Si  quis  non  dicam  rapere, 
sed  vel  attentare  inatrimonii  iungendi  causa 
sacratas    virgines    vel    viduas,    volentes    vel 


in  perpetuum  solitarius  permanebit,  nee  prae- 
sumat  alterius  mulieris  coniugio  sociari: 
mulier  vero  post  annum  ad  aliud  coniugium, 
si  voluerit,  transire  permittitur  .  , 

.  .  (Quod  si  a  viro  mulier  repellatur,  .  . 
nisi  certis  criminibus  ream  docuerit)  . .  Quod 
si  docero  non  potuerit,  .  .  alium  ducere  non 
praesumat  uxorem  .  . 

Si  accusationem  raptus  .  .  per  quinquen- 
nium  quisquam  distulerit,  . .  nee  de  tali  con- 
iunctione  raptoribus  aliquid  opponatur,  et 
filii  omnes  legritimi  habeantur. 


Quicunque  vel  sacratam  Deo  virginem  vel 
viduam  fortasse  rapuerit,  si  postea  eis  de 
coniunctione  convenerit,  pariter  puniantur. 


Schliessung  der  Ehe  §  14. 


109 


oder  wider  ihren  Willen,  —  nicht  zu  sagen,  —  zu  entführen,  sondern  sogar 
behufs  eh  eh  eher  Verbindung  anzufechten  gewagt  haben,  so  wird  er  von  einem 
Kapitalurteil  betroffen. 


3)  Schliessung  der  Ehe  §  14. 

1)  Form. 

a)  Eine  legitime  Ehe  ist  vorhanden,  wenn  ein  Römer  unter  Statthabung  einer  G.  4  pr. 
Hochzeit,  bez.  mit  Konsens,  eine  Römerin  zur  Frau  nimmt. 

b)  ^AVenn  der  Mann  durch  irgendwelche  Beschäftigung  in  der  Fremde  ziuück-   p  2, 20, 5 
gehalten   gewesen  sein    wird,   kann    an    dem    festgesetzten   Tage    in    seiner 
Abwesenheit    die  Hochzeit   abgehalten    werden,    derart,   dass   das   Mädchen 

von  seinen  Freunden,  bez.  Eltern,  in  Empfang  genommen  und  in  das 
Haus  des  Gatten  geführt  wird.  Wie  in  dieser  Weise  in  Abwesenheit  des 
Mannes  die  Hochzeit  abgehalten  werden  kann,  so  kann  sie  es  nicht  in  Ab- 
wesenheit der  Frau.^ 

c)  Wenn  sich  ein  Fall  der  Art  zugetragen  haben  wird,  ^dass  der  Eheschluss  der  c.  3, 7, 3 
gebührenden  Solennität  entbehrt^  oder  sogar  ^Donationes  sponsalitiae^  nicht 
erfolgen,    oder  *eine  Dos   nicht  gewährt  werden  kann,*  sondern  nach  über- 
einkommenden Entschlüssen   die  Gatten  sich  zu  einer  Ehe  vereinigt  haben 
werden,    so    wird    ^für  Personen    gleichen    Standes^    die    übereinkommende 


1)  Der  abwesende  Mann  kann  eine  Frau  nehmen,  während  die  abwesende  Frau  nicht 
heiraten  kann. 

2)  Dass  Pompa  und  sonstige  Nuptiarum  celebritas  unterbleibt. 

3j  Donationes  ante  nuptias.  4)  Instrumenta  dotis  gefehlt  haben  werden. 

5)  Unter  Personen,  die  an  Honestas  gleich  sind,  nuUa  lege  impediente. 


in  Vitas, 
rietur  . 

1)  a) 


ausus  fuerit,    capitali    sententia    fe- 


hl P.  2,  20,  5.    Vir  absens  uxorem  ducere 
potest:  femina  absens  nubere  non  potest. 


c)  C.  3,  7,  3.  Si  donationum  ante  nuptias 
vel  dotis  instrumenta  defuerint,  pompa  etiam 
aliaque  nuptiarum  celebritas  omittatur.  nullus 
aestimet,  ob  id  deesse  recte  alias  inito  matri- 
monio  firmitatem,  vel  ex  eo  natis  liberis  iura 
posse  legitimorum  auferri,  si  inter  pares 
honestate  personas,  nuUa  lege  impediente, 
fiat  consortium,  quod  ipsorum  consensu  atque 
amicorum  fide  firmatur. 


G.  4  pr.  Legitimae  sunt  nuptiae,  si  Ro- 
manus  Romanam  nuptiis  intervenientibus  vel 
consensu  ducat  uxorem. 

Sivirinperegrinis  aliqua fuerit  occupatione 
detentus,  absente  eo  constituto  die  possunt 
nuptiae  celebrari,  ut  ab  amicis  vel  parenti- 
bus  eius  puella  suscepta  ad  domum  mariti 
ducatur.  Nam  sicut  viro  absente  hoc  ordine 
possunt  nuptiae  celebrari,  ita  femina  absente 
non  possunt. 

Si  occasio  talis  emerserit,  ut  nuptiae  so- 
lennitate  debita  careant,  aut  etiam  donationes 
sponsalitiae  fieri  aut  dos  dari  non  possit, 
sed  convenientibus  animis  se  matrimonio 
copulaverint,  sufficiet  aequalibus  personis 
conveniens  electio  atque  consensus,  sie  tarnen, 
ut  conscientia  intercedat  amicorum,  et  tunc, 
si  ita  res  cesserit,  et  coniunctio  stabilis  et 
filii  legitimi  probabuntur. 


110 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Wahl  und  AVillensübereiiistimmung  ausreichen,  mit  der  Massgabe  jedoch. 
dass  die  Mitwisseiischaft  der  Freunde  hinzutritt.  Wird  die  Sache  derart 
von  statten  gegangen  sein,  dann  wird  die  Verbindung  als  fest,  und  werden 
die  Kinder  als  legitim  gelten. 

2)  Zustimmung. 

p.  2, 20,  2  a)  Bei  Lebzeiten  der  Väter  werden  unter  Hauskindern  ohne  den  Wüleii  der 
Väter  Ehen  rechtsgiltig  nicht  geschlossen. 

c.  3, 7, 1  }))  Falls  Witwen  innerhalb  des  25.  Jahres  sich  befunden  haben  werden 
und  noch  bei  Lebzeiten  der  Väter,  wenn  sie  auch  durch  Emanzi- 
pation die  Freiheit  erworben  haben  werden,  zu  einer  zweiten  Ehe  werden 
haben  schreiten  wollen,  mögen  sie  wissen,  dass  ihre  Verbindung  in  der 
Macht  der  Väter,  nicht  in  der  eigenen  Willkür  stehe,  und  sich  ihre 
Zustimmung  an  die  Auswahl  jener,  nicht  irgend  welcher  Freunde  oder 
Familiäres,  zu  halten  habe.  Sind  jedoch  die  Väter  gestorben,  so  sollen 
sie  auch  dann  nicht  lediglich  nach  ihrer  Willkür  die  Befugnis  zum  Heiraten 
haben,  sondern  ist  im  Interesse  der  Ehrbarkeit  der  Verbindung  die  Ent- 
scheidung der  Verwandten  zu  befolgen.^  Werden  zwei  Bewerber  aufgetreten 
sein,  so  sind  zwar  die  Parentes  zu  befragen,  ist  aber  auch  der  Judex  nicht 
zu  übergehen,  der  für  den  Willen sentschluss  der  Frau,  für  die  ehrbarere 
Partei,  versteht  sich,  eintreten  soll.^    Er  soll  auch  nicht  lediglich  denjenigen 


1)  Es  heisst  in  T:  Cessent  itaque  sequestres  atque  interpretes,  taciti  nuntii  renun- 
tiique  corrupti.  Nuptias  nobiles  nemo  redimat,  nemo  solHcitet,  sed  publice  consulatur 
affinitas,  adhibeatur  frequentia  procerum. 

2)  Wenn  bei  der  Wahl  der  Partie  der  Wille  der  Frau  der  Ansicht  der  Verwandten 
widerstreitet,  ist,  wie  es  bei  Verbindungen  von  Pupillae  vorgeschrieben  ist,  die  Autorität 
des  Richters  beizufügen,  derart  dass,  wenn  die  Bewerber  an  Geschlecht  und  Sitten  gleich 
sind,  derjenige  den  Vorrang  erhält,  den  eine  gewissenhafte  Frau  gebilligt  haben  wird. 


2)  a)  P.  2,  20,  2.  Forum,  qui  m  potestate 
patris  sunt,  sine  voluntate  eins  matrimonia 
iure  non  contrahuntur  .  . 

b)  C.  3,  7,  1.  Viduae  intra  vicesimum  et 
quintum  annum  degentes  etiamsi  emancipa- 
tionis  Übertäte  gaudent,  tarnen  in  secundas 
nuptias  non  sine  patris  sententia  conveniant 
aut  in  oppignerationem.  Cessent  itaque  seques- 
tres atque  interpretes,  taciti nuntiirenuntiique 
corrupti.  Nuptias  nobiles  nemo  redimat, 
nemo  soUicitet,  sed  publice  consulatur  affi- 
nitas, adhibeatur  frequentia  procerum,  Quod- 
si  in  conditionis  delectu  mulieris  voluntas 
certat  sententlae  propinquorum ,  placet  ad- 
modum,  ut  in  pupillarum  coniunctionibus 
sanctum  est,  habendo  examini  auctoritatem 
quoque  iudiciariae  cognitionis  adiungi,  ut, 
si  pares  sunt  genere  ac  moribus  petitores,  is 
potior  aestimetur,  quem  sibi  consulens  mulier 
approbaverit.     Sed   ne   forte   hi,    qui  gradu 


Viventibus  patribus  inter  filiosfamilias 
sine  voluntate  patrum  matrimonia  non  legi- 
time copulantur  .  . 

Viduae  intra  vicesimum  et  quintum  annum 
si  fuerint  constitutae  et  adhuc  vivis  patribus, 
tametsi  emancipatione  acquisierint  liber- 
tatem,  si  ad  secundas  nuptias  venire  volu- 
erint,  noverint  coniunctionem  suam  in  patrum 
potestate,  non  in  propria  voluntate  consistere, 
et  eorum  electione,  non  quorumcunque  ami- 
corum  aut  familiarium  sequendum  esse  con- 
sensum.  Si  vero  patres  mortui  sunt,  nee  sie 
quoque  ex  suo  singulariter  arbitrio  nubendi 
habeant  potestatem,  sed  pro  honestate  con- 
iunctionis  iudicium  sequendum  est  propin- 
quorum. Quod  si  duo  petitores  exstiterint, 
consulendi  sunt  quidem  parentes,  nee  praeter- 
mittendus  est  etiam  iudex,  qui  voluntatem 
feminae  pro  honestiore  duntaxat  parte  pro- 
spiciat.    Nee  illis  tantum  propinquis  praestet 


Schliessung  der  Ehe  §  14. 


111 


Verwandten  seine  Zustimmung  gewähren,  welche  mit  Bezug  auf  die  Erb- 
schaft unter  einem  Verdacht  stehen,  indem  sie,  während  sie  die  Elie  hin- 
ziehen, um  der  Nachfolge  in  die  Erbschaft  willeji  auf  den  Tod  der  Frau 
zu  warten  scheinen:  sondern  es  ist,  wenn  eine  solche  Sachlage  vorhanden 
ist,  vielmehr  die  Ausw^ihl  derjenigen  gutzuheissen,  die  aus  ihrer  Erbschaft 
nichts  erwerben  können, 
c)  Wenn  irgend  Jemand  ^  aus  der  Zahl  derjenigen  Judices,  welche  Provinzen  c.  3,11,1 
verwalten,  oder  auch  derjenigen,  denen  Gemeinden,  bez.  Loca,  anvertraut  wor- 
den sind,i  mittels  Machtentfaltung  wider  den  Willen  der  Eltern  Jungfrauen  oder 


1)  Jemand,  der  mit  Ordinaria  potestas  oder  mit  irgendwelcher  Potestas  bekleidet  ist. 


proximo  ad  viduarum  successiones  vocantur, 
etiam  honestas  nuptias  impediant,  si  huius 
rei  suspicio  processerit,  eorum  volumus  auc- 
toritatem  iudiciumque  succedere,  ad  quos, 
etiamsi  fatalis  sors  intercesserit,  tarnen  here- 
ditatis  commodum  perveniro  non  possit. 

c)  C.  B,  11,  1.  Si  quis  ordinaria  vel  qua- 
libet  praeditus  potestate  circa  nuptias  invitis 
ipsis  vel  parentibus  contrahondas,  sive  pu- 
pillae sive  apud  patres  virgines  sive  viduae 
erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  denique  cuius- 
cunque  sortis,  occasione  potestatis  utatur, 
et  minacem  favorem  suum  invitis  iis,  quorum 
utilitas  agitur,  exhibere  aut  exhibuisse  dete- 
gitur,  hunc  et  mulctae  librarum  auri  decem 
obnoxium  statuimus,  et,  qvium  honore  abierit, 
peractam  dignitatem  usurpare  prohibemus: 
tali  scilicet  poena,  ut,  si  circa  honorem  eum, 
quo  male  usus  est,  vindicandum  statuti  nostri 
sanctioni  parere  noluerit,  semper  eam  pro- 
vinciam,  in  qua  sibi  hoc  usurpaverit,  habi- 
tare  per  iuge  biennium  non  sinatur.  Quia 
tamen  contra  latentem  malitiam  praeterea 
quasdam  domos  vel  quosdam  parentes  intel- 
ligimus  muniendos,  iubemus,  ut,  quicunque 
iis  et  quaecunque  erit  latentibus  per  iudicem 
promissis  minisve  tentata,  ad  id  matrimoni- 
ura,  cui  adspernatur,  praestare  consensum, 
confestim,  contestatione  proposita,  cum  sua 
suorumque  domo  ad  iuiisdictionem  eins  de- 
sinat  pertinere  :  curaturis  hoc  uniuscuiusque 
civitatis  vindicibus  et  eiusdem  iudicis  appa- 
ritoribns.  Equidem  si  haec  pravitas  ordinarii 
iudicis  erit,  universa  eins  domus  ratio  atque 
omnia  vel  civilia  vel  criminalia  negotia, 
quamdiu  idem  in  administratione  fuerit,  vi- 
cario  competant;  sin  autem  vicarius  vel  si- 
niilis  potestatis  vim  in  huiusmodi  contra- 
hendo matrimonio  raolietur,  vicissim  Ordina- 
rius iudex  intercessor  exsistat;  si  erunt  uter- 


assensum,  qui  suspicione  hereditatis  utuntur, 
qui  forte,  dum  nuptias  differunt,  pro  succes- 
sione  hereditatis  mulieris  mortem  exspectare 
videntur:  sed  illorum  magis,  si  talis  conditio 
intercedit.  electio  sequenda  est,  qui  nihil 
possunt  de  ipsius  hereditate  conquirere. 

Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civitates 
vel  loca  commissa  sunt,  per  potentiam  in- 
vitis parentibus  virgines  aut  etiam  viduas, 
si  sui  iuris  sint,  per  potestatem  ad  nuptias 
suas  addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et 
earum  utilitatibus  obviantes  per  terrorem 
aut  per  quorumcunque  coUudium  addicantur, 
ut  his  personis,  de  quibus  loquitur,  invitae 
iungantur:  quicunque  hoc  praesumserit,  de- 
cem pondo  auri  se  noverit  condemnandum, 
et  in  ea  provincia,  in  qua  iudex  fuerit,  digni- 
tate  amissa,  biennio  prohibeatur  accedere. 
Beneficium  tamen  lex  ista  adversus  eiusmodi 
homines  parentibus  vel  ipsis  mulieribus,  quae 
in  suo  iure  sunt,  vel  qui  minorum  aetates 
tuentur,  indulsit,  ut  contestationes  ad  alios 
iudices  vel  civitates  proximas  deferant  et 
eorum  patrociniis  defendantur:  ut,  si  in  eadem 
provincia  sit  alia  potestas,  utpote  si  sint  duo 
iudices,  unus  privata  et  alius  dorainica  iura 
gubernans,  si  ab  altero  sub  hac  conditione 
quaecunque  persona  prematur,  alterius  tu- 
tela  debeat  defensari,  aut  certe  ad  magnifi- 
cam  potestatem,  quae  principis  auribus  hoc 
possit  intimare,  recurrat. 


112  Privatrecht.     Zweites  Buch. 

Witwen,  selbst  wenn  sie  Sni  iuris  sind/  kraft  ihrer  Gewalt  zur  Ehe  sich 
zugesprochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren  eigenen  Inter- 
essen zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels  Kollusion 
mit  beliebigen  Personen,  zugesprochen  werden,  sodass  sie  den  genannten 
Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  so  möge  ein  Jeder,  der  es 
sich  angemasst  haben  wird,  wissen,  dass  er  zu  zehn  Pfund  Grold  zu  ver- 
urteilen ist,  und  soll  er  unter  Verlust  seiner  Dignität  2  während  eines  Zeit- 
raums von  zwei  Jahren  gehindert  werden,  sich  in  die  Provinz,  in  welcher 
er  Judex  gewesen  sein  wird,  zu  begeben.^  Indessen  hat  das  Gesetz  gegen 
Menschen  dieser  Art  den  Eltern,  bez.  den  Frauen  selbst,  soweit  sie  selb- 
ständig sind,  bez.  denjenigen,  die  das  Alter  der  Minderjährigen  beschirmen, 
das  Benefiz  gewährt,  Kontestationen  bei  anderen  Judices,  bez.  den  nächst- 
gelegenen Civitates,  anzubringen  und  sich  unter  ihren  Schutz  zu  stellen.  Mit 
der  Massgabe,  dass,  wenn  sich  in  der  gleichen  Provinz  eine  andere  Gewalt 
befindet,  wie  wenn  zwei  Judices  vorhanden  sind,  von  denen  der  eine  die 
privaten  Hechte,  und  der  andere  die  Dominica  iura  verwaltet,  sobald  irgend 
eine  Person  unter  den  genannten  Bedingungen  von  dem  Einen  bedrückt  wird, 
sie  unter  den  Schutz  des  andern  gestellt  werden  muss  oder  an  die  Magni- 
fica  potestas,  die  es  dem  Princeps  zu  Gehör  bringen  kann,  rekurrieren  soll.^ 
c.  3, 10, 1       cl)  Es  geschieht  von  Seiten  von  Personen  zuweilen,    dass  sie,  der  Strenge   der 


1)  T  fügt  hinzu  Cuiuscunque  sortis. 

2)  Wenn  er  circa  honorem  eum,  quo  male  usus  est,  vindicandum  der  Vorschrift  nicht 
hat  genügen  wollen,  gehindert  werden,  in  der  Provinz,  in  welcher  er  es  sich  angemasst 
haben  wird,  zwei  Jahre  lang  zu  wohnen. 

3)  Wer  durch  geheime  Zusagen  oder  Drohungen  des  Judex  angegangen  ist,  zu  der 
Ehe  seine  Zustimmung  zu  geben,  hört  sofort  auf,  wenn  er  seine  Kontestation  angebracht 
hat,  mit  seinem,  bez.  der  Seinigen,  Haus  zur  Jurisdiktion  desselben  zu  gehören,  worauf  die 
Vindices  einer  jeden  Civitas  und  seine  Apparitores  bedacht  zu  sein  haben.  Ist  der  Beamte 
der  Judex  Ordinarius,  so  sollen  die  ganze  Ratio  dieses  Hauses  und  alle  bürgerlichen  und 
kriminellen  Angelegenheiten  desselben  für  die  Dauer  seiner  Verwaltung  dem  Vicarius  zu- 
stehen, während,  falls  ein  Vicarius  oder  ein  entsprechender  Beamter  sich  dessen  schuldig 
macht,  der  Judex  Ordinarius  eintreten  soll:  sind  beide  verdächtig,  so  liegt  der  Schutz  dieser 
Häuser  für  die  Dauer  der  Verwaltung  der  Fräfektur  ob. 

que  suspecti,  ad  illustrem  praefecturam  spe- 
cialiter  talium  domorum,  quamdiu  idem 
administraverit,  tutela  pertineat. 

d)  C.  3,  10,  1.  Quidam,  vetusti  iuris  or- 
dine  praetermisso,  obreptione  precum  nuptias, 
quas  se  intelligunt  non  mereri,  de  nobis 
aestimant  postulandas,  se  habere  puellae 
consensum  confingentes.  Quapropter  tale 
sponsalium  genus  praesentis  legis  definitione 
prohibemus.  Si  quis  igitur  contra  hanc  de- 
finitionem  nuptias  precum  surreptione  meru- 
erit,  amissionem  bonorum  et  poenam  depor- 
tationis  subiturum  se  esse  non  ambigat,  et 
amisso  iure  matrimonii,  quod  prohibita  usur- 


Fit  aliquoties  a  quibusdam,  ut  obliti  severi- 
tatem  leguni,obrepereprincipis  audeant  maie- 
statietconiugiasibiexpetantexpraecepto,quae 
consequi  non  merentur,  ut  de  consensu  pa- 
rentum  vel  puellae  mentiantur :  qua  de  causa 
huiusmodi  audaciam  interdicit.  Quicunque 
ergo  sub  tali  obreptione  matrimonium  se 
obtinere  putaverit,  et  amissione  bonorum 
et  exsilii  relegatione  se  noverit  esse  dam- 
nandum:  nee  matrimonium,  quod  taliter 
quaesierit,  habiturum,  nee  filios  tali  ordine 
patione  meruerit,  filios  se  iuste  hac   ratione    I    et  ambitione  susceptos  legitimos  appellandos: 


Schliessung  der  Ehe  §  14. 


113 


Gesetze  imeiiigedeiik.  bei  der  Majestät  des  Princeps  eine  Erschleichung  ver- 
suchen und  für  sich  aus  einer  Verfügung  Ehen  erstreben,  die  sie  zu  erzielen 
nicht  verdienen,  indem  sie  wegen  der  Zustimmung  ^  der  Eltern,  bez.  ^  des 
Mädchens,  unwahre  Angaben  machen.  Eine  derartige  Anmassung  ist  da- 
rum untersagt.  Jeder,  der  somit  unter  solcher  Erschleiclumg  eine  Ehe  durch- 
zusetzen geglaubt  haben  wird,  möge  wissen,  dass  er  sowohl  zum  Verlust 
des  Vermögens  als  auch  ^zur  Delegation  ins  ExiP  zu  vermieilen  ist:  weder 
wird  er  die  Ehe  haben,  die  er  auf  solche  Weise  erstrebt  haben  wird,  noch 
sind  die  in  solcher  Art  und  Ambition  gewonnenen  Kinder  legitim  zu  nennen, 
noch  auch  erzielen  sie  mittels  Supphk^  Verzeihung  für  das  Unterfangen. 
Werden  vorher  keine  Bestimmungen  derart,  dass  die  Mädchen  ihnen  bei 
Lebzeiten  der  Eltern  versprochen  worden  sind,  getroffen  gewesen  sein, 
so  ist  mit  aller  Strenge  verboten,   mittels    Supplik  die  Ehen  zu  begehren.* 

3)  ünbescholtenheitsnachweis. 

a)  Sobald  Mädchen,  die  unter  einem  Tutor  stehen,  in  die  heiratsfähigen  Jahre  c.  o,  5,  i 
gelangt  sein  Averden  und  irgend  Jemand  als  Bewerber  aufgetreten  sein  wird, 
soll  das  Mädchen  nicht  eher  verbunden  werden,    als   bis   erwiesen   gewesen 
sein  wird,   dass  ihre  Jungfräulichkeit  von  dem  Tutor  gewahrt  worden  ist.'^ 

4)  Verlöbnis  (vgl.  Viertes  Buch  §  3,  2). 

a)  Sponsalien    können   ebenso   sehr    unter  Mündigen,    wie    unter  Unmündigen    P- 2,20,1 
eingegangen  werden. 

b)  6  Wenn   Jemand,   es   sei    ein   Privatmann    oder   ein   Militans,    nachdem    er  c.3,5, 4 


1)  Hiervon  spricht  T  nicht.  2)  Zur  Deportationsstrafe. 

3)  Postulatae  indulgentiae  annotationisve  principis  indulto. 

4)  Wir  verbieten  von   uns   mittels  Supplik   eine  Ehe   zu  erbitten,    was  sich  vielmehr 
von  dem  Willen  der  Eltern  oder  erwachsenen  Mädchen  und  Frauen  zu  erzielen  schickt. 

5)  Vgl.  S.  179  Anm.  3. 

6)  T  schickt  den  Satz  voraus,  dass  dem  Vater,   Vormund   oder    Affinis   nicht   erlaubt 


susceptos  non  habiturum,  nee  unquam  postu- 
latae indulgentiae  annotationisve  principis 
indulto  efficacem  se  veniae  efFectum  meru- 
isse :  .  .  Nos  enim  peti  de  nobis  nuptias  suppli- 
catione  prohibemus,  quas  deceat  de  voluntate 
parentam  vel  de  ipsis  adultis  puellis  aut  mu- 
lieribus  impetrari  .  . 

3)  a)  C.  9,  5,  1.  Ubi  puellae  ad  annos  a- 
dultae  aetatis  accesserint  et  adspirare  ad 
nuptias  coeperint,  tutores  necesse  habeant, 
comprobare,  quod  puellae  sit  intemerata  vir- 
ginitas,  cuius  coniunctio  postulatur,  Quod 
ne  latius  porrigatur,  hie  solus  debet  tutorem 
nexus  adstringere,  ut  se  ipsum  probet  ab  in- 
iuria  laesi  pudoris  immunem  .  . 

4)  a)  P.  2,  20,  1.  Sponsalia  tarn  inter  pu- 
beres  quam  inter  impuberes  contrahi  possunt. 

b)  C.  3,  5,  4.     .  .  Quod  si    pactis    nuptiis, 
transcurso  biennio,  qui  puellam  desponderit, 

C  0  n  r  a  t  ,  Breviariuin. 


nec  etiam  per  supplicationem  huius  prae- 
sumtionis  veniam  promereri  .  .  pactis  sibi 
vivis  parentibus  puellis  .  .  si  ante  definita 
non  fuerint,  per  supplicationem  coniugia 
postulari  omni  severitate  prohibuit  .  . 


Ubi  primum  puellae  sub  tutore  viventes 
ad  annos  pervenerint  nuptiales,  et  quicunque 
petitor  accesserit,  non  prius  puella  iungatur, 
nisi  virginitas  illius,  quod  a  tutore  servata 
sit,  fuerit  approbata  .  . 


Si   quis   aut  privatus   aut  militans,   post- 
quam  sponderit,  cum  patre.  tutore  vel  cura- 


114 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


sich  verlobt  haben  wird,  mit  Vater,  Tutor  oder  Kurator  des  Mädchens, 
bez.  den  Verwandten,  wegen  der  Verbindung  des  Mädchens  eine  Fest- 
setzung getroffen  haben  wird,  muss  er  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei 
Jahren  nach  der  Festsetzung  Hochzeit  machen.  Wird  infolge  Saumsehg- 
keit  oder  Nachlässigkeit  des  Sponsus  die  Frist  von  zwei  Jahren  ver- 
strichen sein  und  das  Mädchen  einen  andern  Mann  geheiratet  haben,  so 
wird  sie  von  Anfechtung  befreit  sein,  isei  es  dass  sie  sich  selbst,  sei  es 
dass  irgend  Jemand  von  den  Ihrigen  sie  übergeben  haben  wird,  weil  es 
Schuld  desjenigen  ist,  w^elcher  durch  Hinausschieben  seiner  Verbindung  dem 
Andern  die  Gelegenheit  zum  Heiraten  eröffnet  hat.^ 
c.  3, 5, 7  c)  Sobald  über  die  Verbindung  der  Tochter  durch  die  Entscheidung  des  Vaters 
eine  Bestimmung  getroffen  gewesen  sein  wird,  wird,  wenn  der  Vater  — 
nach  seinem  Menschenschicksal  —  vor  der  Verheiratung  des  Mädchens  ge- 
storben gewesen  sein  wird,  die  Abrede  unter  keinen  Umständen  geändert 
werden  können,  ^noch  auch  das  Mädchen  die  Befugnis  haben,  anders  zu 
handeln,  wenn  auch  die  Mutter  oder  Tutor  oder  Kurator  oder  die  Verwandten 
einen  andern  werden  haben  nehmen  wollen,  als  der  Vater  ausgewählt  hat. 
Vielmehr  soll  die  Zusage  des  Vaters  mit  Bezug  auf  den  Spousus,  den 
er  selbst  angenommen  hat,  in  Kraft  bleiben.  Auch  ist  nicht  dem  Mädchen 
selbst  in  irgendwelcher  Weise  gestattet,  nach  eigenem  Ratschluss  gegen  den 
Willen  des  Vaters  etwas  anderes  zu  wollen.^ 


sei,  das  einem  Miles  verlobte  Mädchen  innerhalb  zweier  Jahre  einem  andern  in  die  Ehe  zu 
geben,  bei  Strafe  zweijähriger  Relegation  auf  eine  Insel  (Patri  puellae  aut  tutori  aut  cura- 
tori  aut  cuilibet  eius  affini  non  liceat,  quum  prius  militi  puellam  desponderit,  eandem  alii 
in  matiimonium  tradere.  Quod  si  intra  biennium,  ut  perfidiae  reus  in  insulam  relegatur;. 
Hierauf  bezieht  sich  bei  J  die  Bemerkung  zum  Schluss,  dass,  was  geschehe,  wenn  das 
Mädchen  innerhalb  der  zwei  Jahre  in  die  Ehe  gegeben  sei,  deutlicher  in  einem  folgenden 
Gesetze  (C.  3,  5,  6)  berichtet  werde  ( [Si  quis  aat  privatus  aut  militans,  postquam  spon- 
derit,  cum  patro,  tutore  vel  curatore  puellae  vel  proprinqnis  de  puellae  coniunctione  defi- 
nierit,  debet  post  definitionem  intra  biennium  nuptias  celebrare  .  .  Nam]  si  intra  biennium 
data  fuerit,  quid  observetur,  evidentius  sequente  lege  cognoscetur). 

1)  T  spricht  nur  davon,  dass,  wer  das  Mädchen  versprach,  es  einem  andern  hingiebt. 

2)  T  führt   lediglich    mit  Bezug  auf  den  Tutor  und   Kurator  aus,    dass  eine  mit  ihm 
gegen  den  väterlichen  Willen  getroffene  Verabredung  wirkungslos  sei. 


alteri  eandem  sociaverit,  in  culpani  sponsi 
potius  quam  puellae  referatur,  nee  quisquam 
noceat  ei,  qui  post  biennium  puellam  raarito 
alteri  tradidit. 


c)  C.  3,  5,  7.  Si  pater  pactum  de  filiae 
nuptiis  inierit  et  humana  sorte  consumtus 
ad  vota  non  potuerit  pervenire,  id  inter 
sponsos  firmum  ratumque  psrmaneat,  quod 
a  patre  docebitur  definitum,  nihilque  per- 
mittatur  habere  momenti,   quod   cum    defen- 


toro  puellae  vel  propinquis  de  puellae  coniunc- 
tione definierit,  debet  post  definitionem  intra 
biennium  nuptias  celebrare.  Quod  si  tardi- 
tate  aut  negligentia  sponsi  biennii  tempus 
excesserit,  et  alio  viro  se  puella  coniunxerit 
absoluta  erit  a  calumnia,  vel  ipsa,  vel  qui- 
cunque  suorum  eam  tradiderit:  quia  culpa 
est  illius,  qui  differendo  coniunctionem  suam 
alteri  nubendi  locum  patelecit  .  . 

Ubi  de  coniunctione  filiae  patris  sententia 
fuerit  definitum,  si  humano  casu,  anteqaam 
pnella  iungatur,  mortuus  fuerit  pater,  mutari 
placitum  nulla  poterit  ratione,  noc  habebit 
puella  licentiam  aliud  faciendi,  etiamsi  mater 
aut  tutor    aut    curator    vel  propinqui    aliura 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


115 


d)  Denjenigen,  welche  dem  Willen  der  Eltern  gemäss  verbunden  werden,  ist  c.  3, 10, 1 
nicht  untersagt,  eine  Verfügung  der  Majestät  zu  erbitten:  wenn  Jemand 
mit  den  Eltern  des  Mädchens  oder  mit  dem  Mädchen  selbst  über  die  Ehe 
übereingekommen  gewesen  sein  wird  und  einer  derselben  von  den  Ab- 
machungen wird  haben  abgehen  wollen,  verbieten  wir  nicht,  von  dem- 
jenigen, welcher  verschmäht  wird,  befragt  zu  werden.^ 

4)  Auflösung  der  Ehe  §  15. 

1)  Ausscheidung  von  Thatbeständen. 

a)  Wenn    Personen,    die    im    Besitz    ihrer    Geisteskräfte   sind,    eine    Ehe    ge-   p.  2, 20, 4 
schlössen  haben  werden  und  eine  der  beiden  Blödsinn  oder  Wahnsinn  über- 
kommen haben  wird,  können  wegen  dieser  Infirmität  die  Ehen  solcher  Per- 
sonen nicht  gelöst  werden.^ 

b)  Dass  eine  Ehe,   bei  der  sich   die  Ehegatten   vertragen,    seitens  des  Vaters  p.  5, 7,13 
getrennt  werde,  hat  der  göttliche  Pius  verboten. 

Bei  Lebzeiten  der  Väter  werden  unter  Hauskindern  ohne  den  Willen   p.  2, 20, 2 
der  Väter  Ehen  rechtsgiltig  nicht  eingegangen:   werden    sie  aber  ge- 
schlossen gewesen  sein,  so  werden  sie  nicht  gelöst,  weil  man  von  Alters 


1)  J  hat  zum  Schluss  die  Worte  Reliqua  pars  legis  istius  alibi  iam  habetur  exposita 

2)  Weder  ein  Wahnsinniger  noch  eine  Wahnsinnige  können  eine  Ehe  schliessen:  die 
einmal  geschlossene  Ehe  wird  durch   den  Wnhnsinn  nicht  gelöst. 


sore,  ad  quem  minoris  commoda  iDcrtinebunt, 
docebitur  fuisse  transactum.  Periniquum  est 
enim,  ut  contra  patriam  voluntatem  redemti 
forsitan  tutoris  aut  curatoris  admittatur 
arbitrium,  quum  plerumque  etiam  ipsius  fe- 
minae  adversus  commoda  propria  invenia.tur 
laborare  consilium. 

d)  C.  3,  10,  1.  .  .  his,  qui  parentum 
sponsionem  de  nuptiis  filiarum  impleri  deside- 
rant  . .  Nam  si  negato  coniugio,  quod  fuei-at 
ante  promissum,  lis  aliqua  legum  praocepto 
nasciitur,  de   iure    nos  consuli   non  vetamus, 

1)  a)  P.  2,  20,  4.  Neque  furiosus,  neque 
furiosa  matrimonium  contrahere  possunt:  sed 
contractum  matrimonium  furore  non  tollitur. 

b)  F.  5,  7,  13.  Bene  concordans  matri- 
monium separari  a  patre  divus  Pius  prohi- 
buit. 

P.  2,  20,  2.  Eorum,  qui  in  potestate  pa- 
tris  sunt,  sine  voluntate  eins  matrimonia  iure 
non  contrahuntur:  sed  coniuncta  non  solvun- 
tur:  contemplatione  enim  publicae  utilitatis 
privatorum  commoda  praeferuntur. 


fortasse  voluerint  suscipere,  quam  pater  ele- 
git.  Sed  patris  promissio  circa  sponsum,  quem 
ipse  suscepit ,  firma  permaneat :  nee  ipsi 
puellae  suo  consilio  contra  voluntatem  patris 
aliud  velle  ulla  ratione  permittitur. 


.  .  Nee  his  interdici,  ut  praeceptum  ex- 
petant  maiestatis,  qui  parentum  placito  co- 
pulantur  .  .  si  cum  parentibus  puellae  aut 
cum  ipsa  puella  quis  de  nuptiis  pactus  fuerit, 
et  unus  ex  his  voluerit  de  placitis  resilire, 
nos  ab  eo,qui  despicitur,  consuli  non  vetamus. 

Si  qui  matrimonium  sani  contraxerint,  et 
uni  ex  duobus  amentia  aut  furor  accesserit, 
ob  hanc  infirmitatem  coniugia  talium  solvi 
non  possunt. 


Viventibus  patribus  inter  filiosfamilias 
sine  voluntate  patrum  matrimonia  non  legi- 
time copulantur:  sed  si  coniuncta  fuerint, 
non  solvuntur:  quia  ad  publicam  utilitatem 
antiquitas  pertinere  decrevit,  ut  procreando- 
rum  liberorum  causa  coniunctio  facta  non 
debeat  separari. 

8* 


116 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  3.  16,  1 


C.  3,  16,1 


C.  3,  16, 2 
pr. 


dem  öffentlichen  Interesse  entsprechend  erachtete,  dass  eine  behufs  Er- 
zeugung   von    Kindern    eingegangene    Verbindung      nicht     getrennt 
werden  dürfe. 
Ehescheidung. 

a)  Um  gCAvisser  Dinge  willen  und  unter  Nachweis  der  Gründe  steht  zwischen 
Frau  und  Mann  die  Gelegenheit  zur  Scheidung  offen:  um  eines  leichten 
Vorwurfs  willen  die  Ehe  zu  lösen  sind  sie  behindert. 

b)  Wenn  die  Frau  ihren  Mann  entweder  als  Trunkenbold  oder  als  Wollüst- 
ling bezeichnet,^  darf  ihm  nicht  um  deswillen  die  Ehe  aufgesagt  werden.^ 
Anders,  wenn  sie  erwiesen  haben  wird,  dass  er  entweder  ein  Mörder 
oder  ein  Maleficus^  oder  ein  Grabschänder  sei.  Wird  die  Frau  zuerst 
dem  Manne  die  Scheidung  bereitet  und  die  im  Gesetze  bezeichneten  Gründe 
nicht  erwiesen   haben,    so  soll  sie    die    Sponsahcia  largitas*  verlieren    und 


1)  T  fügt  hinzu  Aleator.  2)  T  bemerkt  hierbei  auch,  dass  die  Ehe- 

männer nicht  um  jedes  Anlasses  willen  ihre  Frauen  wegschicken  dürfen. 

3j  Medicamentarius.  4)  Die  Donationes,  die  sie  als  Sponsa  empfangen  hatte. 


2)  a) 


b)  C.  3,  16,  1.  Placet,  mulieri  non  licere 
propter  suas  pravas  cupiditates  luarito  repu- 
dium  mittere  exquisita  causa,  velut  ebrioso  aut 
aleatori  aut  mulierculario,  nee  vero  maritis 
per  quascunque  occasiones  uxores  suas  di- 
mittere ,  sed  in  repudio  mittendo  a  femina 
haec  sola  crimina  inquiri,  si  homicidam  vel 
medicamentarium  vel  sepulcrorum  dissoluto- 
rem  maritum  suum  esse  probaverit .  . 

C.  H,  16,  2  pr.  Mulier,  quae  repudii  a 
se  dati  oblatione  discesserit,  si  nullas  pro- 
baverit divortii  sui  causas,  abolitis  donationi- 
bus,  quas  sponsa  perceperat,  etiam  dote  prive- 
tur,  deportationis  addicendasuppliciis:  cui  non 
solum  secundi  viri  copulam,  verum  etiam 
postliminii  ius  negamus.  Sin  vero  morum 
vitia  ac  mediocres  culpas  mulier  matrimonio 
reluctata  convicerit,  perditura  dotem,  dona- 
tionem  viro  refundat,  nullius  unquam  penitus 
socianda  coniugio :  quae  ne  viduitatem  stupri 
procacitate  commaculet,  accusationem  repu- 
diato  marito  iure  deferimus.  Restat,  ut,  si 
graves  causas  atque  involutam  criminibus 
magnis  conscientiam  probaverit,  quae  recedit, 
dotis  suae  compos,  sponsalem  quoque  obtineat 
largitatem,  atque  a  repudii  die  post  quin- 
quennium  nubendi  recipiat  potestatem;  tunc 
enim  videbitur  sui  magis  viri  id  exsecratione 
quam  alieni  appetitione  fecisse. 


C.  3,  16,  1.  Certis  rebus  et  probatis 
causis,  inter  uxorem  et  maritum  repudiandi 
locus  patet;  nam  levi  obiectione  matrimo- 
nium  solvere  prohibentur. 

Quod  si  forte  mulier  dicat  maritum  suum 
aut  ebriosum  aut  laxuriae  deditum ,  non 
propterea  repudiandus  est,  nisi  forte  eum 
aut  homicidam  aut  maleficum  aut  sepulcri 
violatorem  esse  docuerit  ,  . 


Si  mulier  prior  repudium  marito  intu- 
lerit  et  statutas  lege  non  docuerit  causas, 
amittat  sponsaliciam  largitatem,  nee  repetat, 
quod  marito  in  dotem  dedit,  atque  insuper 
exsilio  relegata  nee  nubendi  locum  habeat 
nee  ad  propria  revertendi.  Nam  si  leves 
culpas  docuerit,  quibus  divortium  videatur 
appetere,  et  dote  careat  et  donationem  re- 
fundat, neque  alteri  viro  nubendi  habeat  po- 
testatem. Si  vero  postea  maritum  dimittens 
adulterio  se  forte  miscuerit,  maritus  etiam 
post  repudium  habeat  licentiam  persequendi. 
Quod  si  mulier,  quae  discedit,  in  virum 
gravia  crimina  certa  probaverit,  et  dotem 
revocabit,  et  quod  ei  maritus  in  sponsaliciam 
largitatem  contulerat,  vindicabit  et  post 
quinquennium  nubendi  habebit  liberam  fa- 
cultatem. 


Auflösung-  der  Ehe  §  15. 


11 


was  sie  dem  Manne  zur  Dos  gegeben  hat,  nicht  zurückfordern,  und  obendrein, 
unter  Relegation  in  das  Exil,i  weder  die  Gelegenheit  besitzen,  um  zu  hei- 
raten, noch  2 zu  dem  ihrigen  zurückzukehren.^  AVird  sie  -^leichte  Vergehen,'' 
auf  Grund  deren  sie  die  Scheidung  zu  erstreben  erachtet  wird,  nachgewiesen 
haben,  so  soll  sie  soAvohl  die  Dos  entbehren  als  auch  die  Schenkung  zurück- 
erstatten und  nicht  die  Befugnis  haben,  einen  andern  Mann  zu  heiraten. 
Wird  sie,  die  den  Mann  verlässt,  jedoch  später  ehebrecherisch  sich  ver- 
mischt haben,  so  soll  der  Mann  auch  nach  der  Scheidung  die  Befugnis 
zur  Verfolgung  haben.  AVird  die  Frau,  die  sich  scheidet,  g^gen  den 
Mann  ^die  bestimmten  und  schweren  Verbrechen*  erwiesen  haben,  so 
wird  sie  sowohl  die  Dos  zurückfordern,  als  auch,  was  ihr  der  Manii  als 
Sponsahcia^  largitas  eingebracht  hatte,  in  Anspruch  nehmen  und  nach 
einem  Zeitramn  von  fünf  Jahren  Freiheit,  zu  heiraten,  haben. 

Ist  der  Mann  der  Verbrechen  überführt  worden,  so  wird  erachtet,   c.  3,  i6,  i 
dass  er  ohne   Schuld  der  Frau  mit  Grund  verlassen  wird,  und  geht 
die  Frau    unter  Bückempfang    der   Dos    davon.     Wird  die  Frau  die 
Verbrechen  nicht  haben  beweisen  können,  ^so  wird  sie  die  Strafe  treffen, 
sowohl   die    Dos,    die    sie    gegeben    hatte,    bez.    die    für  sie    gegeben 
gewesen  war,  als  auch  die  Schenkung,  die  sie  empfangen  hat,  zu  ver- 
lieren^ und  sogar  Belegation  in  das  Exil'  zu  erfahren. 
c)  Wird    die    Frau  von    dem    Manne   weggeschickt,    so    ist    auch    ihm    nicht   c.  3,  ig,  i 
gestattet,  wenn  er  sie  nicht  als  bestimmter   Verbrechen   schuldig  überführt 
haben   wird,  um  eines  leichten  Streites  willen,   wie  er  vorzukommen  pflegt, 
sich    von    ihr    zu    scheiden.    Wohl    aber  reicht   es    aus,  zu   beweisen,  dass 
sie  eine  Ehebrecherin  oder  Malefica^  oder  Kupplerin  sei.    Wenn  der  Mann   c.  3,  le,  2 


1)  Deportationsstrafe. 

2)  Das  Jus  postliminii  haben.  3)  Morum  vitia  ac  mediocres  culpas. 

4)  Graves  causas  atque  involutara  magnis  criminibus  conscientiam. 

5)  Sponsalis. 

6)  T  sagt,   dass  sie  Usque  ad  acuculam  capitis  im  Hause  des  Mannes  deponiere. 

7)  Deportation  auf  eine  Insel.  8)  Medicamentaria.* 


C.  3,  16,  1.  .  .  (in  repndio  mittenclo  a 
femina  haec  sola  crimina  inquiri,  si  hon^ici- 
dam  vel  medicamentarium  vel  sepulcrorum 
dissolutorem  maritum  suum  esse  probaverit,) 
ut  ita  demum  laudata  omnem  suam  dotem 
recipiat.  Nam  si  praeter  haec  tria  crimina 
repudium  marito  miserit,  oportet  eam  usque 
ad  acuculam  capitis  in  domo  mariti  deponere, 
et  pro  tarn  magna  sui  confidentia  in  insu- 
lam  deportari  .  . 

c)  C.  3,  16,  1.  . .  In  masculis  etiam,  si  repu- 
dium raittant,  haec  tria  crimina  inquiri  con- 
veniet,  si  moecbam  vel  medicamentariam  vel 
conciliatricem  repudiare  voluerit  .  . 

C.  3,  16,  2,  1,     Sane    si    divortium   prior 


,  .  maritum  .  .  criminibus  convictus  sine 
culpa  mulieris  merito  videtur  excludi,  et  mu- 
lier recepta  dote  discedit:  nam  si  haec  crimina 
mulier  non  potuerit  approbare,  hac  poena 
mulctatur,  ut  et  dotem,  quam  dederat  vel 
pro  ipsa  data  fuerat,  et  donationem,  quam 
percepit,  amittat  atque  etiam  exsilii  relega- 
tione  teneatur  ,  . 


.  .  Quod  si  a  viro  mulier  repellatur,  nee 
ipse,  nisi  certis  criminibus  ream  docuerit,  pro 
levi,  ut  assolet,  iurgio  repudiare  non  per- 
mittitur,  nisi  fortasseadulteram  aut  maleficam 
aut  conciliatricem  eam  probare  sufficiat  .  . 

,  .  si    maritus    repudium    prior    intiilerit, 


118 


Privatreclit.     Zweites  Buch. 


C.  3,  16,  1 


zuerst  die  Scheidung  bereitet  haben  wh'd,  soll  er,  nachdem  die  Gründe  er- 
wiesen sind  und  die  Bestrafung  erzielt  ist,  die  Dos  der  verstossenen  Frau 
in  Anspruch  nehmen  vmd  die  Schenkung  ^  zurückempfangen  und,  wenn  er 
gewollt  haben  Avird,  unverzüglich  eine  andere  Fr^u  nehmen:  werden  be- 
stimmte Verbrechen  nicht  vorhanden  gewesen  sein,  sondern  missfällt,  wie 
es  zu  geschehen  pflegt,  die  Frau  durch  ^die  Leichtfertigkeit  ihrer  Sitten,^  so 
soll  der  Gatte  zwar  seine  Schenkung  w^iderrufen,  dagegen  der  Frau,  '^was 
er  auch  immer  von  ihr  empfangen  hatte,^  unverzüglich  zurückerstatten  und 
nach  einem  Zeitraum  von  zw^ei  Jahren  eine  andere  Frau  nehmen.  Wird 
auch  nicht  ein  Fehler  in  ihren  Sitten  erwiesen  werden,  und  ist  lediglich 
eine  Verschiedenheit  der  Ansichten  vorhanden,  so  soll  die  Frau,  die  un- 
schuldig von  ihrem  Gatten  Verstössen  worden  ist,  sowohl  die  von  dem 
Manne  gemachte  Schenkung  für  sich  in  Anspruch  nehmen,  als  auch  ihre 
Dos  widerrufen;  jener  aber  wird  auf  die  Dauer  un vermählt  bleiben  und 
soll  sich  nicht  anmassen,  einer  andern  Frau  zur  Ehe  sich  zuzugesellen, 
W'ährend  der  Frau  gestattet  ist,  wenn  sie  gewollt  haben  wdrd,  nach  ehiem 
Jahre  zu  einer  andern  Ehe  zu  schreiten.  Wird  es  der  Mann  gewagt 
haben,  so  wnrd  die  Frau,  welche  unschuldig  Verstössen  w^orden  ist,  die  freie 
Befugnis  haben,  ^das  Haus  ihres  Gatten  und  sein  ganzes  Vermögen  für 
sich  in  Anspruch  zu  nehmen.  Dies  ist,  wie  sich  ergiebt,  um  deswillen  an- 
geordnet w^orden,  damit  der  zu  Unrecht  verschmähten  Frau  geheissen  w^erde, 
auch  die  Dos  der  zw^eiten  Frau  zu  erwerben.* 


1)  Die  Largitas.  2)  Morum   culpa. 

3)  Die  Dos. 

4)  In  das  Haus  einzudringen  und  für  das  ihr  angethane  Unrecht  sich  die  ganze  Dos 
der  zweiten  Frau  anzueignen. 


maritus  obiecerit  ac  mulieri  grave  crimen 
intulerit,  persequatur  legibus  accusatam,  ira- 
petrataque  vindicta  et  dote  potiatur,  et  suam 
recipiat  largitatem  et  ducendi  mox  alteram 
liberum  sortiatur  arbitrium.  Si  vero  morum 
est  culpa,  non  criminum,  donationem  recipiat 
et  dotem  relinquat,  aliam  post  biennium 
ducturus  uxorem.  Quod  si  matrimonium  solo 
maluerit  separare  dissensu,  nullisque  vitiis 
peccatisque  gravetur  exclusa,  et  donationem 
vir  perdat  et  dotem,  ac  perpetuo  coelibatu 
insolentis  divortii  poenam  de  solitudinis  moe- 
rore  sustineat,  mulieri  post  anni  metas  nup- 
tiarum  potestate  concessa. 


C.  3,  16,  1  .  .  (debet  et  aliam  non  ducere.) 
Quod  si  fecerit,  priori  coniugi  facultas  dabi- 
tur,  domum  eins  invadere  et  omnem  dotem 
posterioris  uxoris  ad  semet  ipsam  transferre 
pro  iniuria  sibi  illata. 


probatis  causis,  vindicta  percepta  expulsae 
uxoris  dotem  vindicet  donationemque  reci- 
piat et  continuo,  si  voluerit,  aliam  ducat 
uxorem;  nam  si  erimina  certa  non  fuerint, 
sed,  ut  solet  fieri,  femina  morum  levitate  dis- 
pliceat,  maritus  donationem  suam  revocet  et 
illi,  quicquid  ab  ea  perceperat,  mox  refundat 
et  post  biennium  aliam  ducat  uxorem.  Quod 
si  nee  morum  culpa  docebitur,  et  sola  est 
dissensio  animorum,  mulier,  quae  innocens 
expulsa  est  a  marito,  et  donationem  a  viro 
factam  sibi  vindicet  et  suam  dotem  revocet ; 
ille  vero  in  perpetuum  solitarius  permanebit, 
nee  praesumat  alterius  mulieris  coniugio 
sociari:  mulieri  vero  post  annum  ad  aliud 
coniugium,  si  voluerit,  transire  permittitur  .  , 

(.  .  aliam  ducere  non  praesumat  uxorem.) 
Quod  si  forte  tentaverit,  habebit  mulier  liberam 
facultatem,  quae  innocens  eiecta  est,  domum 
mariti  sui  atque  omnem  eins  substantiam 
sibimet  vindicare.     Quod  dignoscitur  ordina- 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


119 


Wenn    der    Mann    die    Frau    der    Verbrechen    nicht    wird   haben    c.  3,  le,  1 
überführen    können ,     soll    er    ihr    die    Dos    zurückgeben    und    sicli 
nicht    anmassen ,    eine    andere    zu    nehmen.       Wird    die    Ehe    durch    ^  '^\' 
Schuld    der   Frau    mittels   Ehescheidung    aufgelöst    gewesen    sein,    so 
wird    der  Mann    die    ganze  Schenkung,    nicht   Teile,   gerade   wie    bei 
einer  zweiten  Dos,  behalten.^ 

aa)  Es    giebt    gemischte  Sachen,   die  gleichzeitig  civil  und  kriminell  sind:    c.  9,  le,  1 
diese    Sachen   können    derart    geteilt    werden,    dass    zuerst    die   civile, 
hernach   die    kriminelle    angestrengt  wird,    falls  der  Ankläger  gewollt 
haben  wird.^      Die  eine   Causa   De  moribus  ist  hiervon  ausgenommen 
worden:^  wegen    Mores    klagt   der    Gatte    die    Ehefrau   an,    das  will   c.  3, 13, 1 
sagen,  bei  Maleficium,  Ehebruch  luid  sonstigen  ähnlichen  Verbrechen.* 

bb)  Wenn  der  Gatte  als  Ankläger  Ehebruch  zur  Last  gelegt  haben  wird,   c.  9, 4, 6 
soll  die  Rückforderung  von  Dos   oder  Donatio  ruhen,    weil  die  civile 
Rückforderung  mit  der  Kriminalanklage  nicht  gemischt  werden  darf.'"^ 


1)  J  giebt  diesen  Satz  nicht,  da  keine  vollständige  Darstellung  des  Gesetzes  geliefert 
werden  soll:  mit  Bezug  auf  dessen  nicht  wiedergegebenen  Inhalt  wird  auf  andere  Gesetze 
verwiesen  (Reliquum  vero  huius  legis  in  aliis  legibus  habetur  expositum). 

2)  Von  sehr  vielen  Prudentes  ist  der  allgemeine  Satz  aufgestellt:  so  oft  wegen  einer 
Res  familiaris  sowohl  civile  als  auch  kriminelle  Actio  zusteht,  darf  man  mit  beiden  klagen; 
wenn   civil   geklagt  gewesen  sein  wird,    kann  die  kriminelle  nicht  konsumiert  werden. 

3)  Hiervon  spricht  J  nicht  ausdrücklich  (Et  reliquis  similibus  causis  similis  actio 
tribuatur). 

4)  T  spricht  lediglich  von  De  moribus  actio  mit  Bezug  auf  ihre  Unvererblichkeit. 

5)  T  führt  aus,  dass  nach  Proposition  der  Accusatio  adulterii  die  Praescriptiones 
civiles,  Rückforderung  der  Dos  oder  Beanspruchung  einer  Schuld,  zurückzustellen  seien, 
weil  die  Civilis  actio  der  kriminellen  nachg^esetzt  werde. 


C.  3,  16,  1  .  .  in  masculis  .  .  si  ab  (his) 
criminibus  liberam  eiecerit,  omnem  dotem 
restituere  debet  et  aliam  non  ducere  .  . 

N.Th.  7,  1,  4.  (Nam  et)  si  culpa  mulieris  re- 
pudio  matrimonium  fuerit  dissolatum,  maritus 
totam  donationem,  non  partes,  ut  in  altera 
dote,  retinebit  .  . 

aa)  C.  9,  16,  1.  A  plerisque  prudentium 
generaliter  definitum  est,  quoties  de  re  fami- 
liari  et  civilis  et  criminalis  competit  actio, 
utraque  Heere  experiri,  nee  si  civiliter  fuerit 
actum,  criminalem  posse  consumi  .  .  Etquum 
una  excepta  sit  causa  de  moribus  .  . 

C.  3,  13,  1.     De  moribus  actio  .  . 


bb)  C.  9,  4,  6.   Adulterii  accusatione  prae- 
posita,  praescriptiones  civiles,  quibus  aut  dos 


tum,    ut    etiam    secundae    uxoris   dotem   re- 
pudiata  iniuste  mulier  iubeatur  acquirere. 

(.  .  nisi  certis  criminibus  ream  docuerit  .  .) 
Quod  si  docere  non  potuerit,  dotem  mulieri 
restituat  et  aliam  ducere  non  praesumat 
uxorem  .  . 


Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter  et 
criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi, 
ut  prius  civilis,  deinde  criminalis  agatur,  si 
voluerit  accusator  .  . 


(Si)  de  moribus  maritus  uxorem  accusat, 
hoq  est  in  maleficio,  in  adulterio,  similibus 
aliisque  criminibus  .  . 

Quum  adulterium  maritus  accusator  obiece- 
rit,   dotis  aut  donationis    repetitio   conquies- 


120 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


i2^"i^ii        ^)  ^^^^  Bezug  auf  Scheidungen    bei  Einverständnis    unter    den  Ehegatten   gilt 
dasjenige,  was  von  dem  götthchen  Constantius  verordnet  worden  ist.i 
c.  3, 16,2,2       e)  Wegen   der  gemeinsamen  Kinder^  falls   es  solche  gegeben  haben  wird,  gilt 
dasjenige,    was    im    Jus    mit   Bezug    auf  Retentionen    nach    der  Zahl  der 
Kinder  verordnet  worden  ist.'^ 

3)  Tod  des  Gatten. 

a)  Wartefrist. 

c.  3, 8, 1       a)  Eine  Frau,    die   nach   dem  Tode    des  Gatten  innerhalb  eines  Jahres  einen 

anderen  Mann  geheiratet  haben  wird,^  möge  wissen,  *dass  sie  der  Infamie 

unterliegt  und  in  dem  Masse  dem  Schimpfie  verfällt,^  dass  sie  x\lles  verliert, 

^was   sie    auch    immer    durch  Sponsalitia    largitas    erworben,   bez.  was  der 

fiiihere  Ehegatte    ihr  mittels  Testaments  gescheidd  hat,    und  es  vollständig 


1)  J  fügt  hinzu  (inter  coniuges)  Sublata  Novella  lege.  T  bemerkt,  dass  die  Novelle, 
welche  aufgehoben  wurde,  die  Lösung  der  Ehe  Contraria  voluntate  gestattet  hatte:  (ne 
deserantur)  antiquata  novella  lege,  quae  solvi  coniugia  sola  contraria  voluntate  permiserat  .  . 
Das  Gesetz  Konstantins  ist  C.  3,  16,  2. 

2)  J  fügt  hinzu  Quod  Paulus  in  libro  Responsorum  dicit  sub  titulo  de  Re  üxoria. 

3j  T  fügt  hinzu,  dass  ein  Parvum  temporis  nach  den  zehn  Monaten  beigefügt 
worden  sei.   . 

4)  Dass  Probrosis  inusta  notis  die  Person  des  Decus  und  Jus  einer  Persona  honestior 
nobilisque  verlustig  gehe. 


repeti  fingitur,  aut  ex  ratione  aliqua  debitum 
flagitatur,  quae  occurrere  atque  perstrepere 
examini  consuerunt,  iussiraus  sequestrari,  nee 
earum  obice  aliquid  negotio  tarditatis  afterri; 
sed  accusatione  fundata,  hoc  est  quum,  quo 
iure  quove  tempore  actio  fuerit  intromissa, 
constiterit,  discutiatur  crimen,  facti  qualitas 
publicetur,  quum  etiurgia,  quae  magnitudine 
superant,  praeponantur,  et  civilis  actio  cri- 
minali  iure  postponatur,  idem  tamen,  quum 
competere  coeperit,  habitura  momenti,  dum- 
modo  non  obsit  exaiuini. 

d)  N.  V.  12,  1,  11,  In  ipsorum  (autem) 
matrimoniorum  reverentia  et  vinculo,  ne 
passim  et  temere  deserantur  .  .,  ea,  quae  a  divo 
patre  nostro  Constantio  decreta  sunt,  inte- 
merata  serventur. 

e)  C.  3,  16,  2,  2.  Super  retentionibus  (au- 
tem) dotium  propter  liberos  iuris  antiqui 
praecepimus  cauta  servari. 

3  a)  a)  C.  3,  8,  1.  Si  qua  ex  feminis  perdito 
marito  intra  anni  spatium  alteri  festinaverit 
iam  nubere  (parvum  enim  temporis  post  decem 
menses  servandum  adicimus,  tametsi  id  ipsum 
exiguum  putemus),  probrosis  inusta  notis, 
honestioris  nobilisque  personae  et  decore  et 
iure  privetur,    atque  omnia,   quae  de  prioris 


cat:  quia  civilem  repetitionem  misceri  crimi- 
nali  accusationi  non  oportet. 


(Lex  ista)  .  .  De  divortiis  (vero)  inter 
coniuges  .  .  ,  quae  sunt  a  divo  Constantio 
ordinata,  (praecepit)  observari. 


Propter  communes  (vero)  liberos,  si  fue- 
rint,  ea  (praecepit)  observari,  quae  in  iure 
de  retentionibus  statuta  pronumero  filiorum  .  . 

Mulier,  quae  post  mortem  mariti  intra 
annum  alteri  viro  nupserit,  sciat  se  infamiae 
subiacere  et  notabilem  usque  adeo  reddi,  ut 
quaecunque  sponsalitia  largitate  percepit, 
vel  si  per  testamentum  ipsi  aliquid  prior 
maritus  donavit,  amittat,  et  totum  illius  filiis 
cedat:    si   filii  non   fuerint,    illis    profuturum 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


121 


an  dessen  Kinder  abgiebt:^  werden  Kinder  nicht  vorhanden  gewesen  sein, 
so  wird  es  denjenigen  Personen  zu  statten  kommen,  die  mit  dem  früheren 
Gatten  im  näheren  Grade  verbunden  werden  und  es  flu-  sich  nach  der 
Erbfolge  in  Anspruch  werden  nehmen  können. ^ 

Frauen    werden    nach   Verlust    der    Gatten    zu    der    gesetzlichen   c.  8, 8, 2 
Zeit,   das    ist  nach    Vollendung  eines    Jahres,   zu   einer    andern  Ehe 
geschritten  sein. 

b)  Wird  es   sich  zugetragen  haben,    dass  der  Ehemann  stirbt,    so  werden  die   c.3,8, 3 
Fi'auen  ''nach  Ablauf  der  Trauerfristen '^  rechtmässig  zu   einer  neuen  Ehe 
geschritteji  sein.     Wer    trauert,   muss   sich  der  Gastmähler,    der  Zierraten,   p.  1,21,3 
des  Purpurs  und  des  weissen  Kleides  enthalten. 

ß)  Vermögensrechtliche  Folgen  bei  Wiederverheiratung  der  Witwe. 

a)  Werden  Frauen,  die  nach  Verlust  der  Gatten  hernach  ^zu  der  gesetzlichen   ^-jp'^'cf 
Zeit,  das  ist  nach  Vollendung  eines  Jahres,*  zu  einer  andern  Ehe  geschritten 


1)  Was  sie  aus  dem  Vermögen  des  früheren  Gatten,  sei  es  Jure  sponsaliorum,  sei  es 
mich  dem  Willen  des  verstorbenen  Ehemanns,  erzielt  gehabt  hatte. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede:  hingegen  ist  erwähnt,  dass  gegen  die  Vorschrift 
weder  von  einem  kaiserlichen  Benefiz  noch  von  einer  Annotatio  Hilfe  zu  erwarten  sei. 

3)  Nach  Ablauf  der  Frist. 

4)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


mariti  bonis  vel  iure  sponsaliorum  vel  iudicio 
defuncti  coniugis  con secuta  fuerat,  amittat 
et  sciat,  nee  de  nostro  beneficio  vel  annota- 
tione  sperandum  sibi  esse  subsidium. 


b)  C.  3,  8,  3  .  .  mulieres  .  .  ad  secnndas 
nuptias  .  .  emenso  tempore  (forte)  raigra- 
verint  .  . 

P.  1,  21,  3.  Qui  luget,  abstinere  debet  a 
conviviis,  ornamentis,  purpura  et  alba  veste. 

3)  a)  C.  3,  8,  2  pr.  2.  Feminae,  quae  suscep- 
tis  ex  priori  matrimonio  filiis  ad  secundas 
transierint  nuptias,  quicquid  aut  mortis 
causa  donationibus  factis  aut  testamenti 
iure  directo  aut  fideicommissi  vel  legati  ti- 
tulo  vel  cuiuslibet  munificae  liberalitatis 
praemio  ex  bonis  maritorum  fuerint  assecutae, 
id  totum,  ita  ut  perceperint,  integrum  ad 
filios,  quos  ex  praecedenti  coniugio  habuerint, 
transmittant  vel  ad  quemlibet  ex  filiis  (dum- 
modo  ex  his  tantum,  quos  tali  successione 
dignissimos  iudicamus^  in  quem  contempla- 
tione  meritorum  liberalitatis  suae  iudicium 
mater  crediderit  dirigendum.  Nee  quicquam 
eaedem   feminae   ex   iisdem    facultatibus  ab- 


personis,  qui  priori  marito  gradu  proximiori 
iunguntur  et  hoc  sibi  per  successionem 
poterunt  vindicare. 

C.  3,  8,  2.  Mulieros  (,quae)  amissis  mari- 
tis  ad  alias  (postea)  nuptias  legitimo  tempore, 
id  est  expleto  anno,  venerint  .  . 

.  .  mulieres  .  .  si  maritum  mori  contigerit, 
.  .  post  transacta  luctus  tempora  legitime  ad 
alias  nuptias  venerint  . . 


Mulieres,  quae  amissis  mariti s  ad  alias 
postea  nuptias  legitimo  tempore,  id  est  ex- 
pleto anno,  venerint,  si  ex  priori  marito  filios 
habuerint  .  .  Quicquid  (vero)  prior  maritus  per 
testamentum  seu  fideicommissum  seu  legati 
titulo  vel  mortis  causa  uxori  donaverit,  de 
his  rebus,  quas  tali  mulier  donatione  percepit, 
seu  Omnibus  filiis  seu  in  unum  pro  merito 
servitii  si  conferre  voluerit,  habebit  liberam 
facultatem,  ita  ut  ei  de  bonis  prioris  mariti 
a  filiis  ipsius  quicquam  alienare  non  liceat. 
Quod  si  praesumserit,  de  propriis  facultatibus 
noverit  compensandum  .  .  Cui  mulieri,  si  de 
priore  marito  filii  non  supersint.  tunc  ([uae- 
cunque,    quae    sub    hac    occasione    percepit, 


122 


Piivatrecht.     Zweites  Bncli. 


C.  5,  1,  8 


sein  werden,  von  dem  früheren  Gatten  Kinder  gehabt  haben,  so  wird 
sie  mit  Bezug  auf  Alles,  was  der  frühere  Gatte  mittels  Testaments^  oder 
Fideikommiss  oder  als  Legat  oder  Mortis  causa  der  Gattin  geschenkt 
haben  wird,-  die  freie  Verfügung  haben,  sei  es  dass  die  Frau  von  den 
dm'ch  solche  Schenkung  empfangenen  Sachen  allen  Kindern,  "sei  es  dass 
sie  Einern^  als  Belohnung  einer  Dienstleistung  wird  haben  zuwenden 
wollen.  Derart  dass  ihr  nicht  gestattet  ist,  aus  dem  Vermögen  des  früheren 
Gatten  ihren  Kindern  etwas 
haben, 


*zu   entziehen;*   wird    sie   es  sich  angemasst 


^^    ^xv.    ,,,^^^..,    dass    aus    dem   eigenen  Vermögen   Ersatz  zu 
Hat    die  Frau    von    dem  früheren  Gatten  keine   überlebenden 


so   möge    sie    wissen 
leisten   ist 

Kinder,^   dann   soll  sie  Alles,  was  sie  aus  jenem  Anlass  erworben  hat,  für 
sich  als  ihr  eigenes  Vermögen  in  Anspruch   nehmen  und  rechtsgiltig   ^auf 
einen  Jeden,  dem  sie  es  wird  haben  zuwenden  wollen,  übertragen.^ 
b)  Wenn   eine  Mutter   mit  Jus    liberorum    nach    dem   Tode   von    Sohn  '^  oder 
Tochter  ^sonstige  überlebende  Töchter^  gehabt  und  einen  Sohn  nicht  gehabt 


1)  Testamenti  iure  directo. 

2j  T  fügt  noch  hinzu  Vel  cuiuslibet  munificae  liberalitatis  praemio. 

3)  Einem  aus  der  Zahl  derjenigen,  die  wir  einer  solchen  Nachfolge  für  völlig 
würdig  erachten. 

4)  Zu  Gunsten  einer  andern  fremden  Person  oder  der  Nachkommenschaft  der  zweiten 
Ehe  zu  entziehen,  und  die  Mütter  die  Fähigkeit  haben,  nur  auf  Lebenszeit  zu  besitzen, 
während  ihnen  keine  Verfügungsbefugnis  eingeräumt  ist. 

5)  Wird   sie   keine  Nachfolge  aus  erster  Ehe  gehabt  haben  oder  diese  ist  gestorben. 

6)  Die  Befugnis  haben,  Eigentum  zu  erwerben  und  darüber  nach  Beheben  za  testieren. 

7)  Nach  dem  kinderlosen  Tode  des  Sohnes.  8)  Eine  Tochter. 


abalienandiin  quamlibet  extraneam  personam, 
vel  successionem  ex  alterius  matrimonii  con- 
iunctione  susceptam  praesumant,  atque  habe- 
ant  potestatem  possidendi  tantum  in  diem 
vitae,  non  etiam  abalienandi  facultate  con- 
cessa.  Nam  si  quid  ex  iisdem  rebus  per 
fraudem  scaevioris  animi  in  alium  quemlibet 
fuerit  a  possidente  translatum,  maternarum 
redintegrabitur  compensationibus  facultatum, 
quo  illibata  ad  hos,  quos  statuimus,  heredeS 
bona  et  incorrupta  perveniant  .  .  Quod  si 
nullam  ex  priore  matrimonio  habuerit  siic- 
cessionem,  vel  natus  native  decesserint,  omne, 
quod  quoquomodo  percepit,  pleni  proprietate 
iuris  obtineat,  atque  ex  iis  nanciscendi  dominii 
et  testandi,  circa  quem  voluerit,  liberam 
habeat  potestatem. 

b)  C.  5,  1,  8.  Mater,  quae  habens  ius 
liberorum  defuncto  filio  sine  liberis  filiave 
cum  eius  sorore  succedit,  pari  sortis  paternae 
teneatur  exemplo,  .  .  si  (vero)  alterius  elegerit 
coniugium  mariti,  extrinsecus  quidem  quae- 
sita  filio  filiaeve  simili  firmitate  possideat, 
rerum   vero   paternaram    defuneti    solo   usu- 


sibi  velut  propriam  vindicet  facultatem  et  in 
quemcunque  voluerit,  iure  transmittat. 


Mater  ius  liberorum  habens,  mortuo  filio 
vel  filia,  si  superstites  alias  filias  habuerit  et 
filium  non  habuerit,  . .  mater  mediam  et  filiae, 
quantaefuerint,mediamvindicentportionem. .; 
si  vero  alium  maritum  acceperit,  quicquid 
filius  vel  filia  mortui  aliunde  acquisitum  reli- 
querint,    mater  perpetuo   iure   vindicet.     De 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


12;; 


haben  wird,  ^soll  die  Mutter  die  Hälfte  und  die  Töchter,  so  vieh^  ihrer 
gewesen  sein  werden,  die  Hälfte  in  Anspruch  nehmen.  Wird  sie  jedocli 
einen  andern  Mann  genommen  haben,  so  soll  die  Mutter,  was  aucli 
immer  jener  Sohn,  resp.  die  Tochter,^  des  verstorbenen  Gatten  als  von 
anderswo  erworben  hinterlassen  haben  wird,  zu  ewigem  Rechte  in  Ansprucli 
nehmen.  Hingegen  werden  den  aus  dem  Vermögen  des  früheren  Ehe- 
gatten stammenden  Teil,  den  sie  aus  der  Erbschaft  des  sterbenden  Sohnes 
erzielt  gehabt  haben  wird,  nach  dem  Tode  der  Mutter  die  Schwestern 
der  verstorbenen  Geschwister  für  sich  beanspruchen.^ 

c)  Wenn,   nachdem    sie    zu    einer   andern  Ehe   geschritten  sein  wird,    aus  der  c.  3,8,2,1 
Zahl    der  Kinder,    die    sie    aus    der    früheren  Ehe   bekommen  hatte,    eines 
stirbt,   soll,   solange  die  Mutter  gelebt  haben  wird,   sie  die  aus  dem  Nach- 

lass  von  Sohn  oder  Tochter  erworbene  Hälfte  nur  zu  Niessbrauch  besitzen 
und  nach  ihrem  Tode  den  übrigen  Kindern,  die  aus  der  früheren  Ehe 
überleben  werden,  hinterlassen,  während  sie  zur  Übertragung  auf  andere 
Personen,  weder  mittels  Testaments,  noch  mittels  Schenkung,^  die  Befugnis 
haben  wird. 

d)  Hat    der    Gatte    bei    seinem    Tode    der   Frau    den  Niessbrauch  an   seinem  c.  3, 9, 1 
Vermögen    hinterlassen,    so    soll  sie  nach  seinem  Willen  das  Hinterlassene 


ll  So  soll  sie  Pari  sortis  paternae  exemplo  behandelt  werden. 

2)  Hingegen  erwirbt  sie  an  demjenigen  im  Nachlass  des  Vei'storbenen,  was  Vatergut 
ist,  lediglich  den  Niessbrauch,  während  sie  das  Eigentum  den  Geschwistern  des  Verstorbenen 
überträgt.  3)  Noch  mittels  Veräusserunof. 


fructu  humanitatis   contemplatione  potiatur, 
proprietatem  fratribus  transmissura  defuncti . . 


c)  C.  3,  8,  2,  1.  lUud  etiam  addimus  legi, 
ut,  si  aliquis  ex  iisdem  filiis,  quos  ex  priore 
raatrimonio  susceptos  esse  constabit,  forte 
decesserit,  .  .  matri  (simul  ac  sororibus)  suc- 
cessionis  locum  fecisse  videatur  .  .  pro  di- 
midia  portione  .  .,  quod  successionis  beneficio 
mater  videbitur  consecuta,  in  diem  vitae  pro 
sibi  debita  portione  sola  tantum  possessione 
delata,  omne  his,  qui  supererunt  ex  priore 
suseepti  matrimonio,  filiis  relinquat,  nee 
super  istiusmodifacultatibus  testandi  in  quam- 
libet  aliam  extraneam  personam  vel  quicquam 
abalienandi  habeat  potestatem, 

d)  C.  3,  9,  1  .  .  in  eo  usufruetu,  quem  vir 
extremam  constituens  voluntatem  de  rebus 
propriis  uxori  dimiserit,  statim  post  seeundas 
nuptias  mulieri  volumus  imminere  iacturam, 
secundum  eam  legem,  quae  de  hoc  articulo 
non  dubitatur  emissa  .  . 


bonis  vero  prioris  mariti  portionem,  quam 
ex  hereditate  filii  morientis  fuerit  consecuta, 
sorores  mortuorum  fratrum  sibi  post  matri s 
obitum  vindicabunt  .  . 

(Hoc  specialius  huic  legi  credidit  inse- 
rendum,)  ut  (mulieri),  quum  ad  alias  nuptias 
venerit,  si  de  filiis,  quos  ex  matrimonio  priore 
susceperat,  (masculus)  moriatur  .  .  (Si  vero 
filia  moriatur  et  macrem  et  sorores  tantum 
dimittat,)  dimidiam  (defunctae  filiae)  heredi- 
tatem  (mater  acquirat  .  . :  ea  tamen  ratione, 
ut)  dum  advixerit  mater,  acquisitam  ex  hac 
filii  aut  filiae  (medietatem)  tantummodo  in 
usufruetu  possideat,  et  reliquis,  si  supererunt 
ex  priore  matrimonio,  filiis  post  obitum 
derelinquat,  ad  alias  personas  in  transferendo 
nee  per  testamentum,  nee  per  donationem 
habitura  licentiam. 

.  .  si  maritus  moriens  de  patrimonio 
suo  usumfructura  reliquit  uxori,  iuxta  volun- 
tatem eins  relicta  possideat,  ita  ut  si  mulier 
postea  alio  viro  nupserit,  mox  usumfruc- 
tum  ex  testamento  acquisitum  filiis  eins 
refundat,  a  quo  usumfructum  fuerat  conse- 
cuta .  . 


124 


Privatrecbt.     Zweites  Buch. 


besitzen,  derart  dass  die  Frau,  wenn  sie  hernach  einen  andern  Mann  ge- 
heiratet haben  wird,  unverzüghch  den  aus  dem  Testament  erworbenen  Niess- 
brauch  den  Kindern  desjenigen,  von  dem  sie  den  Niessbrauch  erzielt  gehabt 
hatte,  erstatte. 
c.  8, 6, 3  e)  Wird  die  Mutter,  welche  dem  Sohne  geschenkt  hat,  zur  zweiten  Ehe  ge- 
schritten sein,  so  soll  sie  keine  Befugnis  haben,  aus  irgendwelchem  Anlass 
gegen  die  Schenkung  aufzutreten.i 

y)  Vennögensrechtliche  Folgen  für  die  Witwe  mit  Kindern. 
N.  s.  1,1        a)  ^Xach  dem  Tode  des  Mannes  soll  die  hinterlassene  Grattin  an  der  Sponsa- 

pr.  u.  1  ...  . 

litia  donatio  ^  ledioflich  den  Niessbrauch  haben  und  nichts  davon  zu  veräussern 


1)  J  fügt  hinzu,  dass  die  Gesetze,  die  sich  in  dem  Titel  De  secundis  nuptiis  (C.  8,  8) 
finden,  in  Geltung  bleiben  sollen  (Servatis  de  reliquo  legibus,  quae  sub  titulo  De  secundis 
nuptiis  continentur),  wofür  es  bei  T  heisst,  dass  alles  andere  nach  dem  Tenor  des  früheren 
Gesetzes  zu  regeln  ist  (Quin  etiam  identidem  commonomus,  alia  omnia  iuxta  prioris  legis 
tenorem  debere  servari). 

2)  J  schickt  voraus,  dass  das  Gesetz,  ein  Gesetz  der  Kaiser  Leo  und  Severus,  das- 
jenige, was  ein  Gesetz  des  Majorian  mit  Bezuof  auf  verschiedene  Dinge  ano-eordnet  hat, 
aufgehoben  und  nur  hinsichtlich  dessen,  was  rationabel  und  den  früheren  Gesetzen  ent- 
sprechend sei,  aufrecht  erbalten  habe,  und  wiederholt  Worte  des  Gesetzes  (Haec  lex 
imperatorum  Leonis  et  Severi  ea,  quae  Maioriani  lex  de  diversis  rebus,  quas  ipsa  testatur, 
observanda  esse  praeceperat,  specialiter  vacuavit,  et  id  tantum,  quod  rationabile  et  pristinis 
legibus  congruum  fuit,  credidit  reservanduin,  quod  ipse  sua  constitutione  confirmat  dicens: 
„lUud  tantum  ex  eadem  lege  retinentes,  quod  veterum  legum  confirmat  auctoritas").  T 
schickt  voraus,  dass  unter  Aufhebung  von  Capita  des  ungerechten  Gesetzes  von  Majorian 
nur  dasjenige  aufrecht  erhalten  bleibe,  quod  veterum  legum  commendat  auctoritas  (Abrogatis 
capitibus  iniustae  legis  Maioriani,  illud  tantum  ex  eadem  lege  retinemus,  quod  veterum 
legum  commendat  auctoritas,  scilicet  ut  .  .) 

3)  Den  Syonsalia. 


e)  C.  8,  6,  3  .  .  Matres  (vero),  quae  in  se- 
cundas  convenerint  nuptias,, reposcerevetamus 
a  filiis,  quae  earum  perceperint  largitate  .  . 

y)  a)  N.  S.  1,  1,  pr.  u.  1  .  .  ut  post  viri  obi- 
tum  sponsalia  in  usumfructum  tantum  mater 
habeat,  et  a  filiis  alienare  non  possit,  sive  in 
alias  nuptias  venerit,  sive  non  venerit,  et  ut 
Omnibus  ex  eodem  matrimonio  filiis  ex  aequo 
communia  in  unum  aut  alterum  matri  con- 
ferre  non  liceat.  Nam  quid  est  aliud,  a 
filiis  alienare,  si  hoc  non  est,  quum  proles 
numerosa  contigerit,  praetermissis  ceteris 
uni  vel  alii  prava  velle  intentione  largiri. 
Sint  sane  matres,  si  ita  libuerit,  pro  impensis 
obsequiis  in  filiorum  electione  liberales,  usum- 
fructum suum,  cui  voluerint,  largiantur,  pro- 
prietatis  commoda  cunctis  pariter  filiis  depu- 
tata  non  minuant.  In  illa  tamen  parte  matri- 
bus    salva   filiorum   utilitate   consulimus,    ne 


.  .  Quod  si  mater  haec,  quae  filio  donavit, 
ad  secundas  nuptias  transierit,  contra  dona- 
tionem  per  quamcunque  occasionem  veniendi 
nullam  habeat  potestatem  .  . 

.  .  ut  post  viri  obitum  relicta  uxor  usumfruc- 
tum tantum  sponsalitiae  donationis  habeat, 
et  nihil  exinde  alienare  praesumat,  sive  ad 
alias  nuptias  venerit,  seu  certe  non  venerit, 
neque  aliis,  nisi  tantum  omnibus  filiis  suis 
ex  eodem  patre  genitis,  cuius  donatio  est, 
haec  ipsa  sponsalitia  largitas  aequaliter  di- 
mittatur.  Nee  liceat  matri,  cui  voluerit  de 
filiis  aliquid  exinde  amplius  pro  sua  voluntate 
donare.  Sane  de  usufructu  suo  quod  ei  lege 
concessum  est,  donandi,  cui  voluerit,  liberam 
habeat  potestatem  .  .  Nam  ea,  quae  Omni- 
bus tantum  filiis  aequaliter  iussa  est  reser- 
vare,  nee  minuat,  nee  inter  filios  pro  suo 
arbitrio  dividere  ulla  ratione  praesumat.  Hoc 
tamen  matribus  (hac  lege)  praestatur,  ut  salva 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


125 


sich  anmasseii,  mag  sie  zur  zweiten  Ehe  geschritten  sein  oder  nicht  ge- 
schritten sein,  l^nd  zwar  soll  diese  Sponsahtia  largitas  keinen  andern,  als 
nur  ihren  sämtlichen  Kindern,  die  von  dem  Vater,  dem  sie  die  Schenkung 
verdankt,  herrühren,  zu  gleichen  Teilen  hinterlassen  werden:  der  Mutter 
soll  es  nicht  freistehen,  demjenigen  von  den  Kindern,  welchem  sie  gewollt 
hahen  wird,  nach  ihrem  Gutdünken  irgend  etw^as  mehr  davon  zu  schenken, 
während  sie  wohl  die  freie  Befugnis  hat,  von  ihrem  Niesshrauch,  was  ihr  nach 
dem  Gesetze  gewährt  worden  ist,  demjenigen  zu  schenken,  welchen  sie  aus- 
gewählt hahen  wird.  Dasjenige,  w^as  ihr  geheissen  worden  ist,  lediglich 
sämtlichen  Kindern  zu  gleichen  Teilen  zu  bewahren,  soll  sie  weder  ver- 
mindern noch  unter  den  Kindern  nach  ihrer  Willkür  zu  teilen  irgendwie 
sich  anmassen.  Es  wird  indessen  dies  den  Müttern  zugestanden,  dass  sie 
unbeschadet  des  Interesses  der  Kinder  wegen  der  Bewahrung  dieser  Sponsahtia 
donatio  Bürgen  nicht  zu  geben  brauchen,  w^eil  ein  solcher  Anspruch  unbillig 
ist  und  den  Kindern  genügt,^  dass,  wenn  auch  ihre  Mütter  zum  z weiten- 
male geheiratet  haben  werden,  das  Vermögen  ihrer  Ehemänner  als  Pfand 
haftet,  und  die  Kinder,  wenn  ihre  Mütter  sich  davon  etwas  werden  zugeeignet 
haben,  aus  ihrem  Vermögen  die  ihnen  zugefügten  Schäden  ersetzt  erhalten 
sollen.^ 

aa)  1  Werden  Frauen,  die  nach  Verlust  der  Gatten  hernach  zu  der  ejesetz-   c.  3,8, 2 
...  .  ,  .  pi- 

liehen  Zeit,  das  ist  nach  Vollendung  eines  Jahres,  zu  einer  andern  Ehe 


1)  J  fügt  hinzu,  dass  hierfür  sowohl  durch  dieses  Gesetz  als  auch  durch  frühere  Vor- 
schriften nachweislich  Sorge  getragen  sei  (sufficit  filiis,  quod  vel  hac  lege  vel  prioribus 
statutis  constat  esse  prospectum).  Entsprechend  T  (quia  .  .  et  super  hoc  filiis  abunde  vel 
tutis  vel  praesenti  lege  prospicitur). 

2)  Von  dem  Pfandrecht  am  Vermögen  des  zweiten  Gatten  ist  bei  T  nicht  die  Rede, 
es  ist  ausschliesslich  davon  die  Rede,  dass  die  Vindikation  des  Veräusserten  und  Ersatz  für 
dasjenige,  was  aus  dem  Muttergut  verloren  gegangen  ist,  zustehe. 


eas  necessitas  dandae  fideiussionis  adstringat, 
quia  et  factu  difficile  est,  et  super  hoc  filiis 
abunde  vel  prioribus  constitutis  vel  praesenti 
lege  prospicitur,  quibus  et  alienatorum  vin- 
dicatio competit,  et  ex  maternis  bonis  perdi- 
tarum  redintecratio  facultatum   .  . 


aa)  C.  3,  8,  2  pr.  Feminae,  quae  susceptis 
ex  priore  natrimonio  filiis  ad  secundas  trans- 
lerint  nuptias,  quicquid  ex  facultatibus  pri- 
onim  maritorum  sponsaliorum  iure,  quicquid 
etiam  nuptiarum  solennitate  perceperint, 
quicquid  aut  mortis  causa  donationibus  factis 
aut  testamenti  iure  directo  aut  fideicommissi 
vel  legati  titulo  vel  cuiuslibet  munificae  libera- 
litatis   xjraemio   ex   bonis   maritorum    fuerint 


filiorum  utilitate,  fideiussores  pro  retinenda 
hac  ipsa  sponsahtia  donatione  dare  non  de- 
beant,  quia  talis  petitio  gravis  est,  et  suf- 
ficit filiis,  quod  vel  hac  lege  vel  prioribus 
statutis  constat  esse  prospectum,  ut  etiamsi 
matres  eorum  secundo  nupserint,  eorum  mari- 
torum facultates  loco  pignoris  obligentur, 
et  si  quid  ipsae  matres  exinde  praesumserint, 
de  facultatibus  earum  illata  sibi  filii  damna 
resarciant. 

Mulieres,  quae  amissis  maritis  ad  alias 
postea  nuptias  legitimo  tempore,  id  est  ex- 
pleto  anno,  venerint,  si  ex  priore  marito  filios 
habuerint,  quicquid  per  sponsalitiam  largi- 
tatem  vel  nuptiarum  tempore  consecutae  sunt, 
totum  filiis  conservabunt,  nee  in  alias  vel  ex- 
traneas  personas  noverint  transferendum. 
Quicquid  vero  prior  maritus  per  testamen- 
tum  seu  fideicommissum  seu  legati  titulo  vel 


126 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  3, 9, 1 


bb) 


geschritten  sein  werden,  von  dem  früheren  Gatten  Kinder  gehabt  haben, 
so  werden  sie  Alles,  was  sie  durch  Sponsalitia  largitas,  bez.  zur  Zeit 
des  Eheschhisses  erzielt  haben,  völhg  den  Kindern  aufbewahren, 
und  sollen  nicht  meinen,  dieses  auf  andere,  bez.  fremde,  Personen  über- 
tragen zu  dürfen.  Mit  Bezug  auf  Alles  jedoch,  was  der  frühere  Gatte 
mittels  Testaments  oder  Fideikommiss  oder  als  Legat  oder  Mortis 
causa  der  Gattin  geschenkt  haben  wird,  wird  sie  die  freie  Befugnis  haben, 
sei  es  dass  die  Frau  von  den  durch  solche  Schenkung  empfangenen 
Sachen  allen  Kindern,  sei  es  dass  sie  Einem  als  Belohnung  ihrer 
Dienstleistung  wird  haben  zuwenden  wollen. ^ 

2Hat,  abgesehen  von  der  Sponsalitia  donatio,  der  Gatte  bei  seinem 
Tode  der  Frau  den  Niessbrauch  an  seinem  Vermögen  hinterlassen, 
so  soll  sie  nach  seinem  Willen  das  Hinterlassene  besitzen,  derart  dass 
die  Frau,  wenn  sie  hernach  einen  andern  Mann  geheiratet  haben 
wird,   unverzüglich   den   aus    dem    Testament  erworbenen  Niessbrauch 


1)  Vgl.  ß,  a.  Bei  T  findet  sich  nicht  die  Gegenüberstellung  des  Erwerbs  Sponsaliorum 
iure  und  Nuptiarum  solennitate,  wie  es  hier  statt  Erwerb  per  Sponsalitiam  largitatem  und 
Nuptiarum  tempore  heisst,  und  des  sonstigen  Ehegewinns  :  vielmehr  wird  mit  Bezug  auf 
Ersteren  das  Gleiche   ausgesagt,   wie  hinsichtlich  des  letzteren. 

2)  J  schickt  den  Satz  voraus,  dass  das  Gesetz  Clara  interpretatione  den  Sinn  der  beiden 
Sätze  ausgedrückt  hat  (Clara  interpretatione  has  duas  sententias  explanavit . .).  T  beginnt  mit 
dem  Satze,  es  sei  ein  grosser  Unterschied  zwischen  demjenigen,  was  mit  Bezug  auf  die 
Res  ante  nuptias  verordnet  ist,  und  demjenigen,  was  aus  dem  eigenen  Vermögen  der  Mann 
nach  seinem  Gutdünken  der  Frau  zu  Niessbrauch  hinterlassen  hat  (Aperta  definitione 
signamus,  longe  aliud  esse,  quod  de  rebus  ante  nuptias  a  nostra  mansuetudine  constitutum 
est,  aliud,  quod  de  iis,  quae  ex  patrimonio  proprio  vir  suo  arbitrio  ad  usumfructum  uxori 
dereliquit). 


assecutae,  id  totum,  ita  ut  perceperint,  in- 
tegrum ad  filios,  quos  ex  praecedenti  coniugio 
habuerint,  transmittant  vel  ad  quemlibet  ex 
filiis  (dommodo  ox  his  tantum,  quos  tali 
successione  dignissimos  iudicamus),  in  quem 
contemplatione  meritorum  liberalitatis  suae 
iudicium  mater  credideiit  dirigendum  ,  . 

bb)  C.  3,  9,  1.  Aperta  dofinitione  signamus, 
longe  aliud  esse,  quod  de  rebus  ante  nuptias 
a  nostra  mansuetudine  constitutum  est,  aliud, 
quod  de  iis,  quae  ex  patrimonio  proprio  vir 
suo  arbitrio  ad  usumfructum  uxori  dereliquit. 
Nam  in  eo  usufructu,  quem  vir  extremam  con- 
stituens  voluntatem  de  rebus  propriis  uxori 
dimiserit,  statim  post  secundas  nuptias 
mulieri  volumus  immin ere  iacturam,  secun- 
dum  eam  legem,  quae  de  hoc  articulo  non 
dubitatur  emissa:  de  usufructu  vero  rerum 
ante  nuptias  donatarum  ea  servari,  quae 
saluberrima  lex  anterior  plena  definitione 
decrevit. 


mortis  causa  uxori  donaverit,  de  his  rebus, 
quas  tali  mulier  donatione  percepit,  seu  Om- 
nibus filiis  seu  in  unum  pro  merito  servitii 
si  conferre  voluerit,  habebit  liberam  facul- 
tatem  .  . 


.  .  ut  praeter  sponsalitiam  donationem, 
si  maritus  moriens  de  patrimonio  suo  usum- 
fructum reliquit  uxori,  iuxta  voluntatem  eius 
relicta  possideat,  ita  ut  si  mulier  postea  alio 
viro  nupserit,  mox  usumfructum  ex  testa- 
mento  acquisitum  filiis  eius  refundat,  a  quo 
usumfructum  fuerat  consecuta:  usumfructum 
vero  de  sponsalitia  largitate  usque  ad  obi- 
tum  suura  .  .  merito  retinebit,  unde  haec  ipsa 
post  obitum  matris  ad  illius  mariti  filios,  qui 
donavit,  proprietas  reditura  est. 


Auflösung  der  Ehe  §  15. 


127 


den  Kindern  desjenigen ,  von  dem  sie  den  Niessbrauch  erzielt  gehabt 
hatte,  erstatte.  Dagegen  wird  die  Frau  den  Niessbrauch  an  der 
Sponsahtia  hirgitas  bis  zu  ihrem  Tode  mit  Grund  behalten :  von  da 
ab,  nach  dem  Tode  der  Mutter,  soll  das  Eigentum  zu  den  Kindern 
desjenigen  Gatten,  welcher  geschenkt  hat,  zu  rückkehren.  ^ 
cc)  Es  ist  durchaus  bekannt,  dass  dasjenige  Vermögen,  welches  Frauen  zur  c.  3,8, 3 
Zeit  des  Eheschlusses  von  den  Gatten  empfangen,  ^in  ihre  Herrschaft 
fällt.^  Wird  es  sich  zugetragen  haben,  dass  der  Mann  mit  Hinter- 
lassuug  von  Kindern  stirbt,  und  werden  die  Frauen  nach  Ab- 
lauf der  Trauerfristen^  rechtmässig  zu  einer  andern  Ehe  geschritten 
sein,  so  sollen  sie  für  die  Zeit  ihres  Lebens  den  Niessbrauch  an  den 
geschenkten  Sachen  behalten.  Nach  ihrem  Tode  jedoch  soll  Alles 
zu  den  Kindern  des  früheren  Gatten  zurückkehren  und  ist  den  Müttern 
'  nicht  gestattet  worden,  daraus  irgend  etwas  bei  Lebzeiten  der  Kinder 
auf  Andere  zu  übertragen. 

b)  '^  Wenn  auch  die  Mutter  nach  dem  Tode  des  Gatten  nicht  zur  zweiten  Ehe  N.Th.7,1 
geschritten  sein  wird,  sollen,  falls  die  Kinder  ihre  Erbschaft  nicht  werden 
haben  antreten  wollen,  die  Kinder  Alles,  was  ihre  Mutter  aus  dem  väter- 
lichen Vermögen  in  irgendwelcher  Weise  ^  erworben  hat,  nach  dem  Tode 
der  Mutter,  deren  Erbschaft  sie  abgelehnt  haben  werden,  völlig  für  sich  in 
Anspruch  nehmen  und  behalten,  weil  ohne  Zweifel  im  Hinblick  auf  die 
Gerechtigkeit  dafür  gesorgt  ist,  dass,  indem  es  sich  offenbar  durchaus  nicht 
um  das  Vermögen  jenes  Parens,  der  später  stirbt,  handelt,  gerade  dasjenige, 
was  nachweislich  aus  dem  Vermögen  des  zuerst  verstorbenen  Parens  stammt, 
den  Kindern  unangetastet  zukommen  muss.* 


1)  Hierzu  fügt  J  hinter  Ad  obituni  suum  die  Worte  Sicuti  superius  alia  lex  locuta  est, 
was  sich  auf  C.  3,  8,  3  bezieht.  T  sagt  lediglich,  dass  bezüglich  der  Res  ante  nuptias 
donatae  dasjenige  gelte,  was  das  frühere  Gesetz  festgesetzt  hat. 

2)  Hiervon  ist  bei  T  nichts  gesagt.  3j  Nach  Ablauf  der  Frist. 

4)  Die  Worte  schliessen  sich  dem  Texte  0,  b,  dd  (vgl.  S.  131,  Anm.  2)  an. 

5)  J  fügt  hier  die  Worte  Ut  superius  dictum  est  ein  (vgl.  Anm.  4). 


cc)  C.  3,  8,  3.  NuUi  videatur  ambigaum, 
eorum,  quae  nuptiarum  tempore  mulieros 
accipiunt,  etiamsi  ad  secundas  nuptias,  ex- 
stantibus  ex  priore  matrimonio  liberis,  emen- 
so  tempore,  forte  migraverint,  in  diem  vitae 
usumfructum  circa  eas  debere  durare,  salva 
iis  proprietate,  quibus  ius  integrum  postearum 
obitum  leges  sacratissimae  reservarunt,  ut 
manifestum  est,  quod  delatum  ex  priori 
coniugio  liberis  constat. 


b) 


Notissimum  valde  est,  has  facultates,  quas 
tempore  nuptiarum  mulieres  a  maritis  acci- 
piunt, suo  dominio  vindicare:  et  si  maritum 
mori  contigerit,  qui  tamen  filios  derelinquat, 
et  post  transacta  luctus  tempora  legitime  ad 
alias  nuptias  venerint,  in  diem  vitae  suae 
donatarum  rerum  teneant  usumfructum. 
Post  obitum  vero  earum  ad  prioris  mariti 
filios  omnia  revertantur,  nee  exinde  aliquid 
matribus  vivis  filiis  in  aliorum  iura  trans- 
ferro  permissum  est. 

N.  Th.  7,  1.  (Simili  ratione,)  si  et  mater 
marito  mortuo,  etiamsi  ad  secundas  nuptias 
non  venerit,  si  hereditatem  eius  filii  adire 
noluerint,  omnia,  quae  de  paternis  facultati- 


128 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.3,  13,  3,1 


N.  Th. 
7,  1,  1-3 


h)  Vermögensrechtliche  Folgen  für  den  Witwer. 

a)  ^Wird  die  Frau  gestorben  gewesen  sein,  so  sollen  dasjenige,  was  der  Mann 
von  der  Frau  als  Dos  empfangen  hatte,  wenn  Kinder  vorhanden  sein  werden, 
so  lange  ihr  Vater  gelebt  haben  wird,  diese  nicht  für  sich  als  Muttergut  bean- 
spruchen, wird  aber  der  Vater  daran  nicht  irgend  etwas  anderes,  als  den 
Niessbrauch  haben  dürfen,  noch  die  freie  Befugnis  haben,  auf  eine  andere 
Person  zu  übertragen.  Dagegen  soll  nach  seinem  Tode  Alles  zu  den 
gemeinsamen  Kindern  zurückkehren.^ 

b)  ^Wie  die  Frau  nach  dem  Tode  des  Gatten  Alles,  was  ihr  aus  dem  Ver- 
mögen des  Gatten  in  irgendwelcher  Weise  zugekommen  ist,  den  Kindern 
vollständig  zu  Nutzen  erhalten  muss,  so  sollen  dies  ferner  auch  die  Väter 
mit  Bezug  auf  das  inütterliche  Vermögen  in  gleicher  Ordnung  in  Acht 
nehmen.^-  ^ 


1)  Dem  Zusammenhange  nach  ist  bei  T  davon  die  Rede,  dass  die  während  der  Ehe 
dem  Manne  ausj^elieferte  Dos  von  den  Erben  der  Frau  dem  Gatten  restituiert  werden  müsse, 
derart  dass  das  Eigentum  den  von  der  Frau  geborenen  Kindern  seitens  des  Mannes  nicht 
entfremdet  werden  kapn. 

2)  T  führt  aus,  dass  nach  früheren  Konstitutionen  im  Falle  des  Todes  des  Mannes  die  Frau 
die  Donatio  ante  nuptias  und  andere  auf  bestimmte  Weise  ihr  aus  dem  Vermögen  des  Gatten  zu- 
gekommene Sachen  den  Kindern  unter  gewissen  Bedingungen  erhalten  müsse  und  dem  Ehemann 
empfohlen  worden  sei,  mit  Bezug  auf  Dos  und  sonstiges  in  gewisser  Weise  ihm  durch  den  Tod 
der  Frau  zugefallenes  Vermögen,  unter  den  entsprechenden  Bedingungen,  sich  desgleichen 
Verhaltens  zu  befleissigen.  Nunmehr  solle  überall,  wo  das  bisherige  Recht  der  Frau  die 
Bewahrung  des  ihr  aus  dem  Tode  des  Gatten  zugefallenen  Gattenvermögens  für  die  Kinder 
auferlegte,  entsprechend  der  Gatte  das  aus  dem  Vermögen  der  verstorbenen  Frau  ihm 
zugekommene  Vermögen  den  gemeinschaftlichen  Kindern  zu  erhalten  haben:  dieses  gelte 
allgemein;  es  mache  keinen  Unterschied,  ob  ein  Dritter  für  den  Mann  die  Donatio  ante 
nuptias,  bez.  für  die  Frau  die  Dos  angeboten  habe. 

3)  J  fügt  hinzu,  dass  hierbei  ausser  Betracht  bleibe  der  dem  Vater  durch  Beerbung 
eines   Kindes   zugefallene   Erwerb   von  Vermögen    seiner  Frau,    der    in    der  Weise  geregelt 


o)  a)  C.  3, 13,  3,  1.  .  .  (Et  si  fortasse  constante 
matrimonio  a  marito  uxori  dos  refusa  est, 
quod  legibus  stare  non  potest,  quia  dona- 
tionis  instar  perspiciturobtinere,)eadem  uxore 
defuncta  marito  ab  eins  heredibus  cum  fruc- 
tibus ex  die  refusae  dotis  restituatur,  ita  ut 
proprietas  eiusdem  a  liberis  ex  eadem  sus- 
ceptis  alienari  a  marito  non  possit. 

b)  N.  Th.   7,    1,  1—3.      Praeteritae    con- 


bus  mater  eorumquoquo  modo  . .  acquisivit,filii 
post  mortem  matris,  cuius  hereditatem  repu- 
diaverint,  ad  integrum  sibi  vindicent  et  de- 
fendant:  quia  iustitiae  intuitu  constat  esse 
prospectum,  ut,  quia  nihil  de  illias  parentis 
rebus,  qui  posterior  moritur,  habere  dignos- 
citur,  vel  ea,  quae  ex  prioris  mortui  parentis 
bonis  esse  constat,  ad  filios  debeant  integra 
pertinere  .   . 

.  .  maritus  .  .  quod  a  muliere  in  dote 
perceperat,  .  .  Si  mortua  fuerit  mulier,  .  ,  si 
erunt  filii,  non  sibi  hoc,  dum  advixerit  pater, 
eorum,  quasi  ex  bonis  maternis  vindicent,  nee 
pater  aliquid  aliud  nisi  usumfructum  exinde 
habere  debebit,  nee  transferendi  in  aliam 
personam  habebit  liberam  potestatem,  sed 
omnia  post  eius  obitum  ad  communes  filios 
revertantur. 

(Haec  lex  confirmat,)  ut,  sicut  mulier  post 


Auflösung  der  Ehe  v^  15. 


129 


aa)  Wenn  das  Miittergut,  das  dem  Vater  gelieissen  worden  ist,  den  Kindern  ^'Ju  V' 
anfznbewahren,  nach  dem  Tode  des  Vaters  irgendwie   veränssert  oder 
verpfändet  gewesen  sein  wird,  sollen    es    die  Kinder,  wo  anch  immer 
sie  es   werden   haben  finden    können,    in   ihr  Eigentum  zurückrufen.^ 


wird,  wie  es  ein  Gesetz  des  achten  Buches  erläutert,  für  den  Fall  sowohl,  dass  der  Vater 
eine  zweite  Ehe  eingeht,  als  auch,  dass  er  keine  eingeht  (Excepto,  quod  eis  fuerit  filiorum 
morte  quaesitum,  ea  ratione,  sicut  lex  Theodosiani  in  octavo  libro  declarat,  si  ad 
secunda  vota  venerint  aut  forte  non  Yenerint).  Diese  Bestimmung  ist  C.  8,  9,  6,  pr.  u.  1 
(vgl.  bb). 

1)  Das  Eigentum  der  Sachen,  die  nach  diesem  und  den  früheren  Gesetzen  den  Kindern 
zu  bewahren  sind,  kommt  ihnen  zu,  sodass  nach  dem  Tode  des  Vaters  die  Kinder  die  vor- 
handenen Sachen  von  jedem  Besitzer  in  Anspruch  nehmen  und  die  konsumierten  von 
seinen  Erben  fordern  dürfen:  die  Befugnis  zur  Veräusserung  oder  Verpfändung  ist  den 
Vätern  entzosren. 


stitutiones  mulierem,  morte  mariti  matri- 
monio  dissoluto  communibus  liberis  exstan- 
tibus,  donationem  ante  nuptias  resque  alias 
certis  ujodis  ad  eam  devolutas  ex  mariti 
persona  iisdem  liberis  quibusdam  condi- 
tionibus  servare  praecepcrant.  Haec  divus 
nostrae  mansuetudinis  avus  humana  mente 
viros  quoque,  morte  mulieris  exstantibus 
liberis  matrimonio  dissoluto,  circa  dotem 
resque  alias  certis  modis  ad  eum  ex  persona 
mulieris  devolutas  iisdem  conditionibus 
suaserat  observare.  Nos  feliciter  vinculo  legis 
haec  a  viris  observanda  censemus.  Nam  gene- 
raliter,  quoquo  casu  constitutiones  ante  hanc 
legem  mulierem  liberis  communibus,  morte 
mariti  matrimonio  dissoluto,  quae  de  bonis 
mariti  ad  eam  devoluta  sunt,  servare  sanxe- 
runt,  iisdem  casibus  nos  per  huius  legis 
auctoritatem  maritum  quoque,  quae  de  bonis 
mulieris  ad  eum  devoluta  sunt,  morte  mulieris 
matrimonio  dissoluto,  communibus  liberis  ser- 
vare censemus,  nee  Interesse  volumus,  si  alter 
pro  marito  donationem  ante  nuptias  vel  pro 
muliere  dotem  crediderit  offerendam   .  . 

aa)  N.  Th.  7,  1,  4  u.  5.  .  .  dominium  au- 
tem  rerum,  quae  liberis  vel  huius  legis  vel 
praeteritarum  constitutionum  auctoritate  ser- 
vantur,  ad  liberos  pertinere  decernimus.  Ita- 
que  defuncto  eo,  qui  eas  liberis  reservabat, 
exstantes  ab  omni  possessore  liberi  vindi- 
cabunt,  consumtas  ab  heredibus  eins  exigent, 
qui  eas  servare  debuerat.  Alienandi  sane 
vel  obligandi  suo  nomine  eas  res,  quae  liberis 
servari  praeceptae  sunt,  eis,  qui  reservaturi 
sunt,  ademta  licentia  est.  Negotia  vero 
liberorum  patri  utiliter  administrare  conce- 
dimus.    Dividendi  quoque  res  inter  eos  ipsos 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium . 


mortem  mariti  omnia,  quae  ad  eam  de  rebus 
mariti  quolibet  ordine  pervenerunt,  totum 
liliis  profuturum  debeat  conservare,  hoc  etiam 
et  patres  de  rebus  maternis  simili  observati- 
one  custodiant  .  . 


..patres  de  rebus  maternis  (simili  observati- 
one  custodiant)  .  .:  post  quorum  obitum  si 
alienatae  vel  obligatae  quoquo  pacto  fuerint 
res,  quae  filiis  iussae  sunt  reservari,  ubicun- 
que  eas  potuerint  invenire,  ad  suum  domini- 
um filios  (praecipit)  revocare  .  .  Causas  vero 
filiorum  patres  agere  utiliter,  cum  summa 
strenuitate  (constituit),  et  ut  dividere  aequa- 
liter  inter  filios  facultates  maternas  aut  per 
se,  aut  per  quos  elegerint,  habeant  po- 
testatem  .  . 


130 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  8,  9,  6 
pr.  1 


C.3,  8,  2,  3 


Die  Väter  aber  sollen  die  Geschäfte  der  Kinder  nützlich  und  mit  dem 
grössten  Eifer  ausführen  und  ^die  Befugnis  haben,  sei  es  in  Person,  sei 
es  durch  diejenigen,  welche  sie  ausgewählt  haben  werden,  das  Mutter- 
gut zu  gleichen  Teilen  unter  die  Kinder  zu  teilen.^ 

bb)  Wenn  nach  dem  Verluste  der  Mutter  bei  Lebzeiten  des  Vaters  eines 
der  Kinder  männlichen  oder  weiblichen  Geschlechts,  es  sei  emanzipiert, 
es  sei  nicht  emanzipiert,^  ohne  Kinder  stirbt,  so  folgt  der  Vater  nach 
dem  Tode  des  Kindes  rechtsgiltig  in  dessen  ganze  Portion.  Wird  er 
eine  andere  Gattin  geheiratet  haben,  so  wird  der  Vater  dasjenige, 
was  der  verstorbene  Sohn  von  dem  mütterlichen  Vermögen  hinter- 
lässt,  lediglich  zu  Niessbrauch  besitzen,  während  nach  seinem  Tode, 
was  er  an  mütterlichem  Vermögen  gehabt  hat,  an  die  aus  derselben 
Ehe  stammenden  Geschwister  des  Verstorbenen  zurückkehrt.  Was 
dagegen  von  anderswoher  dem  Kinde,  welches  stirbt,  erworben  worden 
ist,  wird  im  väterlichen  Eigentum  verbleiben.^ 

cc)  Eine  derjenigen  der  Frauen  bei  Wiederverheiratung  nach  dem  Verluste 
der  Männer  gleiche  Rechtslage  kommt  auch  für  die  Väter  nach  dem  Verlust 


1)  Bei  T  ist  vielmehr  davon  die  Rede,  dass  die  Eltern  nach  Gutdünken  teilen,  bez. 
eine  Ausvv^ahl  treffen  können. 

2)  T  bemerkt,  dass  ein  Bruder  oder  mehrere,  eine  Schwester  oder  mehrere,  am 
Leben  sind. 

3)  T  fügt  hinzu,  dass  im  Falle  einer  Verheiratung  des  Vaters  Ante  mortem  filii  der 
gleiche  Sachverhalt  stattfinde  (Et  si  ante  mortem  filii  domum  secundis  nuptiis  occupavit, 
similem  causam  sequatur,  ut  filio  extrinssecus  acquisita  perpetuo  iure  possideat,  mater- 
narum  autem  rerum  eins  solum  usumfructum  retentet). 


liberos  parentibus  pro  suo  arbitrio  vel  eligen- 
di,  quem  voluerint,   licentiam   non  negamus. 

bb)  C.  8,  9,  6  pr.  1.  Si  sine  liberis  unus 
vel  una  moriatur  e  filiis,  et  superstitem  fratrem 
vel  fratres,  sororem  vel  sorores  et  patrem 
relinquat,  sive  is  emancipatus  sive  in  potcstate 
defecerit,  eins  portionem,  quam  ex  bonis  ma- 
ternis  vel  undeunde  iure  quaesiverit,  pater 
sine  dubio  consequatur,  iugi  dominio  possi- 
dendam.  Quod  si  novercam  superduxerit,  ea 
quidem,  quae  filius  defunctus  extrinsecus  ac- 
quisierat,  sibi  habeat  pater  et  perpetuo  iure 
dominii  possideat,  bonorum  vero  ex  matris 
patrimonio  filio,  qui  defunctus  est,  quaesi- 
torum  solum  usumfructum  retentet,  ad  alios 
filios  ex  eodem  matrimonio  natos  post  eins 
obitum  proprietate  reditura  .  . 

cc)  C.  3,  8,  2,  3.  Similiter  etiam  admoneri 
maritos  volumus  et  jDietatis  et  legis  exemplo; 
quos,  etsi  vinculo  non  adstringimus,  velut  im- 
positae  severius  sanctionis,  religionis  tarnen 
iure  cohibemus,  ut  sciant  id  a  se  promptius 
sperari  contemplatione  iustitiae,  quod  necessi- 


Si  amissa  matre,  patre  superstite,  unus 
vel  una  de  filiis  sive  emancipatus  sive  non 
emancipatus  sine  filiis  moriatur,  pater  mortuo 
filio  in  totam  illius  portionem  iure  succedit. 
Quod  si  aliam  uxorem  duxerit,  haec,  quae 
de  maternis  bonis  mortuus  filius  derelinquit, 
pater  usufructuario  tan  tum  ordine  possidebit; 
post  eins  obitum  ad  fratres  mortui  ex  eodem 
matrimonio  natos,  quod  ille  de  maternis  bonis 
habuit,  revertatur.  Aliunde  vero  filio,  qui 
moritur,  acquisita  in  proprietate  patria  resi- 
debunt  .  . 


Mulieres,  quae  ainissis  maritis  ad  alias 
nuptias  .  .  venerint  .  .  (In  hac  etiam  lege) 
similem  et  patribus  mortuis  uxoribus  conditi- 
onem,  si  ad  alias  nuptias  venerint,  (voluit) 
observari,  ut,  si  de  priore  uxore  filii  vel  filiae 
fuerint,    ex    quibus    aliqui  moriantur,    et  in 


Auflösunof  der  Ehe  §  15. 


131 


der  Gattinnen,  wenn  sie  zu  einer  zweiten  Ehe  geschritten  sein  werden, 
derart  in  Anwendung,  dass,  sobald  von  der  früheren  Frau  Söhne  oder 
Töchter  vorhanden  gewesen  sein  werden,  von  welchen  Einige  sterben 
und  zu  ihrem  Teile  dem  Vater  Platz  machen,  nach  seinem  Tode  den 
Brüdern  oder  Schwestern,  die  aus  dieser  Ehe  übrig  sein  werden,  der 
hinterlassene  Anteil  zu  statten  kommen  soll  und  nicht  auf  Grund 
der  väterlichen  Macht  auf  andere  Personen  wird  übergehen  können. -"^ 
dd)  Mit  Bezug  auf  alle  Sachen  der  Frau,  die  unter  irgendwelchem 
Titel  oder  Namen,  es  sei  durch  Schenkung,  es  sei  durch  Testament,  es 
sei  durch  den  Tod  des  Kindes,  in  das  Eigentum  des  Mannes  gelangt 
sein  werden,  gilt,  dass,  auch  wenn  er  zu  einer  andern  Ehe  nicht  ge- 
schritten sein  wird,  falls  nach  seinem  Tode  die  Kinder  seine  Erb- 
schaft nicht  werden  haben  antreten  wollen,  Alles,  was  der  Ehemann 
als  aus  dem  mütterlichen  Vermögen  in  irgendwelcher  Weise  erworben 
besessen  hat,  die  Kinder,  wie  sonstiges  mütterliches  Vermögen,  bei 
wem  sie  es  auch  gefunden  haben  werden,  für  sich  in  Anspruch 
nehmen  werden.^ 


N.  Th. 
7,  l,6u.  7 


1)  T  enthält  vielmehr  lediglich  die  Aufforderung  für  die  Ehemänner,  hinsichtlich  des 
Muttergutes  sich  in  gleicher  Weise  zu  verhalten,  v^^ie  es  den  Frauen  im  entsprechenden 
Falle  durch  das  Gesetz  vorgeschrieben  ist,  und  die  Inaussichtstellung  gesetzlicher  Regelung 
in  diesem  Sinne. 

2)  T  sp7'icht  gleichzeitig  von  einem  Sachverhalt  mit  Bezug  auf  Mann  und  Frau 
(vgl.  S.  127  Anm.  4)  und  zwar  von  dem  Folgenden.  In  dem  Falle,  dass  der  Mann  oder  die  Frau  das 


täte  propositae  observationis  matribus  impe- 
ratur:  ne,  si  ita  necessitas  persuaserit,  circa 
eorum  personam  subsidio  sanctionis  exigi  ab 
eis  oporteat,  quod  optari  Interim  sperarique 
condeceat. 

dd)  N.  Th.  7,  1,  6  u.  7.  In  his  autem 
casibus,  in  quibus  res  ut  paternas  mater 
liberis  communibus  servare  praecepta  est 
(hoc  est  ubi,  morte  mariti  matrimonio  dis- 
soluto,  mulier  ad  alias  nuptias  venit),  vel 
ubi  ut  maternas  patrem  liberis  communibus 
servare  censiimus  (hoc  est  ubi,  morte  mulieris 
matrimonio  dissoluto,  vir  ad  alias  nuptias 
venit),  si  hereditatem  eins  parentis,  qui  prior 
mortuus  est,  non  adierint  liberi,  licebit  eis, 
tanquam  eins  tantum  res  fuerint,  eas  sibimet 
vindicare,  scilicet  si  vel  eins,  qui  posterior 
moritur,  hereditatem  crediderint  adeundam, 
ne,  quod  favore  liberorum  indictum  est,  qui- 
busdam  casibus  ad  laesionem  eorum  videatur 
inventum.  Illud  etiam  humanis  sensibus 
huic  legi  credidimus  inserendum,  ut  eo  quo- 
que  casu,  quo  lucratur  vel  mulier  res,  quao 
ad  eam  a  marito  perveniunt,  vel  maritus  eas, 
quae    ex    bonis    mulieris   ad  eum    transeunt 


suam  portionem  locum  patri  faciant,  post  illius 
obitum  fratribus  vel  sororibus,  qui  supererunt 
de  ipso  coniugio,  portio  relicta  proficiat,  nee 
poterit  per  patriam  potestatem  ad  alias  trans- 
ire  personas. 

(Sane)  de  omnibus  rebus  uxoris,  quae  ad 
Proprietäten!  mariti  quolibet  titulo  vel  no- 
mine, seu  donatione,  seu  testamento,  seu 
morte  filii  pervenerint,  etiamsi  ad  alias  nu- 
ptias non  transierit,  si  mortuo  eo  heredita- 
tem eins  filii  adire  noluerint,  omnia,  quae 
de  maternis  bonis  maritus  quocunque  ordine 
habuit  acquisita,  filii  sibi,  sicut  reliquas  ma- 
ternas facultates,  apud  quoscunque  invene- 
rint,  vindicabunt. 


132 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


5.  Contubernium  und  Konkubinat  §  16. 

1)  Thatbestancl. 

p.  2, 20, 3       a)  Zwischen  Sklaven    und  Freien   kann    eine  Ehe    nicht   geschlossen    werden, 

wohl  ein  Contubernium. 
p.  2, 21, 1       b)  Wer  eine  Ehefrau  hat,  ist  gehindert,  zu  gleicher  Zeit  eine  Konkubine  zu  haben, 

Mamit  ihn  nicht  die  Neigung  zu  der  Konkubine  von  der  Ehefrau  trenne.^ 

2)  Rechtslage. 

p.  5, 7, 14  a)  Wenn  ein  Schuldner  seinem  Gläubiger  eine  Sicherheit  der  Art  gegeben  haben 
wird,  dass  er  ihm  Alles,  was  er  in  seinem  Vermögen  hat,  bez.  einmal  haben 
wird,  verpfändet  zu  haben  erachtet  wird,  können  bei  einer  solchen  Sachlage 
weder  die  Konkubine,  noch  das  natürliche  Kind  als  verpfändet  gelten. 

c.  4, 6, 1       b)  2  Wenn  Jemand,    der  aus  einer  gesetzlichen  Ehe  Söhne  oder  Töchter,  bez. 


ihnen  von  ihrem  verstorbenen  Gatten  zugekommene  Vermögen  den  geraeinsnmen  Kindern 
zu  bewahren  hat,  das  will  sagen,  bei  Wiederverheiratung,  steht  es  den  Kindern  frei,  das- 
selbe nach  dessen  Tode,  auch  wenn  sie  die  Erbschaft  des  vorverstorbenen  Parens  nicht 
angetreten  haben,  in  Anspruch  zu  nehmen.  In  dem  Falle,  dass  der  Gatte  das  ihm  von 
dem  Vorverstorbenen  zugekommene  Vermögen  lukriert,  das  ist  im  Falle  des  Unterbleibens 
einer  zweiten  Ehe,  können  nach  dem  Tode  des  überlebenden  Gatten  die  gemeinsamen 
Kinder  es  in  Anspruch  nehmen,  auch  wenn  sie  die  Erbschaft  hinter  diesen  nicht  an- 
getreten haben. 

1)  Die  Konkubine  unterscheidet  sich  von  der  Ehefrau  lediglich  durch  die  Schätzung. 

2)  Vgl.  Fünftes  Buch  §  2,  i. 


(hoc  est  ubi  primum  matriraonium  alterius 
morte  dissolvitur,  nee  superstes  ad  secundas 
nuptias  venit),  si  res  vel  maritus  vel  uxor 
(hoc  est  qui  superstes  est)  non  consumserit 
vel  alienaverit  (quod  eis  ad  secundas  nuptias 
non  venientibus  quasi  rerum  dominis  con- 
cessum  esse,  non  dubium  est),  si  hereditatem 
eius,  qui  posterior  moritur,  liberi  adire  no- 
luerint,  ut  eis  liceat  res  a  patre  profectas 
ut  paternas,   a  matre   ut   maternas  accipere. 

1)  a)  P.  2,  20,  3.  Inter  servos  et  liberos 
matrimonium  contrahi  non  potest;  contuber- 
nium potest. 

b)  P.  2,  21,  1.  Eo  tempore,  quo  quis 
uxorem  habet,  concubinam  habere  non  po- 
test. Concubina  igitur  ab  uxore  solo  dilectu 
separatur. 

2)  a)  P.  5,  7,  14.  Omnibus  bonis,  quae  ha- 
bet quaeque  habiturus  est,  obligatis,  nee 
concubina,  nee  filius  naturalis  . .  obligantur  .  . 


b)  C.  4,  6,  1,    Placuit,  manentibus  ceteris, 


Qui  uxorem  habet,  eo  tempore  concubi- 
nam habere  prohibetur,  ne  ab  uxore  eum 
dilectio  separet  concubinae. 

Si  quis  debitor  creditori  suo  talem  fecerit 
cautionem,  ut  omnia  ei,  quae  in  bonis  suis 
habet,  vel  quae  habiturus  est,  oppignorasse 
videatur,  in  tali  conditione  nee  concubina, 
nee  filius  naturalis  .  .  obligata  videri  pos- 
sunt  .  . 

'•    (Observandum    de    naturalibus    filiis    lex 


Contubernium  und  Konkubinat  §  16. 


138 


Enkel  männlichen  Geschlechts  von  den  Söhnen,  oder  Vater  oder  Mutter  besitzt, 
von  irgendwelcher  Frau,  das  will  sagen,  einer  freigeborenen  oder  einer  frei- 
gewordenen, natürliche  Kinder  bekommen  haben  wird,  möge  er  wissen,  dass 
den  natürlichen  Kindern  aus  seinem  Vermögen  nicht  mehr  als  eine  Unze 
zuzuwenden  ist.  AVerden  die  obengenannten  Personen  völlig  gefehlt  haben, 
dann  möge  er  wissen,  dass  er,  wer  er  auch  ist,  den  natürlichen  Kindern,  bez. 
der  Frau,  von  der  sie  stammen,  lediglicli  drei  Unzen,  nicht  mehr,  zu- 
w^enden  könne.  Wenn  Jemand  legitime  Söhne  nicht  gehabt  und  natür- 
hche  gehabt  haben  wird  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  wollen, 
wird  er  es  nicht  anders  können,  als  dass  er  sie  zuvor,  unter  Bezeugung  der 
Gesta,  dem  Corpus  der  Kurie  verbinde,  indem  er  so,  wenn  er  gewollt  haben 
wird,  ihnen  das  ganze  Vermögen,  sei  es  durch  Schenkung,  sei  es  durch  Erb- 
einsetzung im  Testament  wird  übertiagen  können,  während  die  Quart  dem 
Vater  oder  der  Mutter,  dem  Grossvater,  der  Grossmutter,  denen  die  Actio 
de  inofficioso  testamento  zusteht,  besonders  gewahrt  bleibt.  Dies  darf  Jemand, 
er  sei  Kuriale,  er  sei  von  der  Kurie  frei,  den  natürlichen  Söhnen  in  gleicher 
Weise    übertragen.      Auch    wenn    die   natürliche    Tochter    eines    Kurialen 


N.  Th. 
11,1,5U.6 


N.  Th. 
11,2,11 


quae  de  naturalibus  liberis  Constantinianis 
legibus  cauta  sunt,  haec  tantummodo  tem- 
poräre, ut  is,  qui  heredem  lieredesve  filios  ex 
legitimo  matrimonio  vel  nepotes,  qui  filiorum 
loco  habendi  sunt,  patrem  quoque  matremve 
dimittit,  si  ex  consortio  cuiuslibet  mulieris 
naturales  susceperit,  unam  tantum  bonorum 
suorum  et  hereditatis  unciam  naturalibus 
vel  mulicri  donandi  aut  relinquendi  habeat 
facultatem.  Si  quis  vero  nullo  ex  bis,  quos 
oxcipimus,  superstite  morietur,  atque  «  x  mu- 
liere,  quam  sibi  adiunxerat,  naturalem  plu- 
resve  dimittet,  usque  ad  tres  tantum,  si 
volet,  uncias  tarn  in  mulierem  quam  in  natu- 
rales, quo  maluerit  iure,  transscribat. 

N.  Th.  11,  1,  5  u.  6.  Si  quis  (vero)  pa- 
rentibus  amissis  naturalem  duntaxat  foecun- 
ditatem,  non  etiam  legitimam  sortiatur,  seu 
Über  ipse,  seu  curiae  sit  nexibus  obligatus, 
et  tradendi  filios  vel  omnes,  vel  quos  quemve 
maluerit,  eins  civitatis  curiae,  undc  ipse  ori- 
tur,  et  in  solidum  heredes  scribendi  liberam 
ei  concedimus  facultatem.  Parientibus  vero 
superstitibus  si  naturalis  pater  vitae  munus 
impleverit,  quartam  partem  bonorum,  contem- 
platione  gradus  legitimi,  patri  matrive,  avo 
vel  aviae  salvam  intactamque  servamus,  ut,  si 
quis  eorum  vel  praeteritus,  vel  parum,  quam  ei 
debebatur  ex  legibus,  fuerit  consecutus,  movere 
de  inofficioso  testamento  querelam  pro  iuris 
cridme  concedatur  .  , 

N.  Tb.  11,  2,  11.  .  .  Praecipimus  (namque). 


ista  constituit),  ut,  si  quis  habens  ex  legitimo 
matrimonio  filios  vel  filias,  sive  masculos  ne- 
potes ex  filiis,  vel  patrem  aut  matrem  ex 
quacunque  muliere,  id  est  ingenua  nata  vel 
facta  susceperit  naturales,  non  amplius  quam 
unciam  unam  de  facultatibus  suis  noverit 
naturalibus  conferendam.  Nam  si  defuerint 
ex  omni  parte  personae  superius  nominatae, 
tunc  naturalibus  filiis  vel  mulieri,  de  qua 
nascuntur,  tres  uncias  tantum,  non  amplius 
noverit,   quisquis  ille  est,    se   posse  conferre. 


Si  (vero)  legitimes  filios  non  habuerit,  et 
naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestern m 
testificatione  coniungat,  et  sie,  si  voluerit, 
integras  ad  eos  sive  donatione  sive  testa- 
mento heredes  scribendo  trnnsferre  poterit 
facultates :  quarta  vero  patri  vel  matri,  avo 
aviae,  quibus  de  inofficioso  testamento  actio 
suppetit,  specialiter  servata.  Hoc,  seu  curi- 
alis,  seu  über  a  curia,  naturalibus  filiis  (ita) 
conferre  .  .  permittitur. 


Filia    quoque     naturalis     si     curiali 


134 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


mit  einem  Kurialen  verheiratet  gewesen  sein  wird,  ist  es  erlaubt,  ihr  das 
eigene  Vermögen  sowohl  zu  schenken  als  auch  zu  hinterlassen,  mit  der 
Massgabe,  dass  er  den  Vater  oder  die  Mutter,  bez.  diejenigen,  welchen  die  Actio 
de  inofficioso  testamento  zusteht,  unter  keinen  Umständen  übergehen  solle.  ^ 


c)  Väterliche  Gewalt. 
1)  Wesen  und  Inhalt  der  Patria  potestas  §  17. 

1)  Wesen  der  Patria  potestas. 

G.  5, 2         a)  Frauen  haben  die  von  ihnen  geborenen  Kinder  nicht  in  der  Gewalt. 

G.  6, 2  b)  Ein  Vater,  der  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  kann,  solange  er  bei 

den  Feinden  gewesen  sein  wird,  die  Kinder  nicht  in  der  Gewalt  haben. 
G.  6, 1  c)  Ein  Kind,  das  Römischer  Bürger  ist,  kann  ein  Mensch,  der  peregrinischen 

Standes    geworden  ist,  nicht  in   der  Gewalt  haben.     Ingleichen    kann    ein 

Kind,    das  peregrinischen  Standes   geworden  ist,    nicht    in    der  Gewalt  des 

Vaters,  der  E^ömischer  Bürger  ist,  sich  befinden. 

2)  Inhalt  der  Patria  potestas   (vgl.  §  5,   2  u.  4;   §  14,   2  u.  4;  §  29,  2;  Erstes 

Buch  §  2,  3;   Viertes  Buch,  zweites  Kapitel;  Fünftes  Buch  §  4  u.  5; 
Drittes  Buch  §  13,  2  u.  3). 
P-  5, 1, 1        a)  Kinder  können  von  den  Eltern  nicht  zu  Faustpfand,  noch  zu  Fiducia  ge- 


1)  Vgl.  Fünftes  Buch  §  2,  i. 

ut  ad  similitudinem  naturalium  filiorum,  quos 
decurionatus  sorti  paterna  sententia  dedi- 
cavit,  filia  quoque  naturalis  in  matrimonium 
curialis  adscita,  si  tarnen  nulla  patri  eins 
suppetat  legitima  soboles ,  idque  paternae 
visum  fuerit  voluntati,  et  omnes  res  patrias 
donationis  titulo  consequatur,  et  heres  scri- 
batur  ex  integro:  ita  tarnen,  ut  et  parentum, 
quibus  quarta  pars  patrimonii  relinquenda 
est,  et  locorum,  unde  gener  eligitur  princi- 
palis,  ad  Ibrmam  nuper  emissae  constituti- 
onis  ratio  conservetur.  Quid  enim  interest, 
utrum  per  filios,  an  per  generös  oivitatum 
commoditatibus  consulatur?  et  utrum  novos 
lex  faciat  curiales,  an  foveat,  quos  invenit? 
1}  a) 


b) 


c) 


2)  a)  P.  5,  1,  1.  (Qui  .  .  filios  suos  vendide- 


nupta  fuerit,  licet  ei  proprias  et  donare  et 
relinquere  facultates,  ea  conditione,  ut  patrem 
niatremve,  vel  quibus  actio  de  inofficioso 
testamento  competit,  nullatenus  praetermit- 
tat. 


G.  5,  2.  .  .  feminae  .  .  nee  filios  a  se 
natos  in  potestate  habent. 

G.  6 ,  2.  (Item)  si  ab  hostibus  pater 
captus  sit,  in  potestate,  quamdiu  apud  hostes 
fuerit,  filios  non  habebit  .  . 

G.  6,  1.  .  .  non  potest  filium  civem 
Romanum  in  potestate  habere  homo  pere- 
grinae  conditionis  effectus.  Item  filius  . .  in 
potestate  patris  civis  Romani  esse  non  po- 
test, (quia  similiter)  peregrinae  conditionis 
factus  (agnoscitur). 


Wesen  und  Inhalt  der  Patria  potestas  §  17. 


135 


geben  werden,  mit  der  Massgabe,  dass  aus  diesem  Sachverhalt  der  Grläu- 
biger,  welcher  wissentlich  handelt,  deportiert  wird.  Dagegen  können  ihre 
Dienste  vermietet  werden, 
b)  Den  älteren  Verwandten  wird  durch  Gesetz  gestattet,  Irrtum  oder  Yer-  c.  o,  lo,  i 
gehen  von  jugendlichen  Verwandten  durch  väterliche  Strenge  zu  strafen, 
das  will  sagen,  dass  sie  durch  private  Strenge  mittels  Schläge  zurecht- 
gewiesen werden,  falls  sie  mit  Worten  oder  Respekt  nicht  gebessert  werden 
können.  Wenn  das  Vergehen  des  Jünglings  ein  schwereres,  das  sich  auf 
privatem  AVege  nicht  bessern  lässt,  gewesen  sein  wird,  ist  es  zur  Kenntnis 
des  Judex  zu  bringen. 

2)  Entstehung  der  väterlichen  Gewalt  §  18. 

1)  Im  allgemeinen. 

a)  Sohn,  Tochter,   Enkel  oder  Enkelin,    Urenkel,    Urenkelin    von   dem  Enkel   g.  2,8pr. 
sind  natürliche  und  Adoptivkinder:    im  Vergleich  mit    den  Adoptivkindern 
werden  hier  legitime  Kinder  natürhche  genannt. 

2)  Natürliche  Begründung  durch  Zeugung. 
a)  Im  allgemeinen. 

a)  Kinder,  die  aus  einer  legitimen  Ehe  stammen,  befinden  sich  in  der  Gewalt    g.  3, 2 
der  Väter. 

ß)  Geburt  nach  der  Scheidung. 

a)  Wenn    irgend    eine  Frau,    nach  Lösung   der   Ehe    infolge  Scheidung,    sich   p.  2, 25, 5 


rint  .  .)  lidem  nee  pignori  ab  his  aut  fidu- 
ciae  dari  possunt.  Ex  quo  facto  sciens  cre- 
ditor  deportatur.  Operae  tarnen  eorum  lo- 
cari  possunt. 

b)  C.  9,  10,  1.  In  corrio-endis  moribus 
pro  qualitate  delicti  senioribus  propinquis 
tribuimus  potestatem,  ut,  quos  ad  vitae  de- 
cora  domesticae  laudis  exempla  non  provo- 
cant,  saltem  correctionis  medicina  compellat. 
Neque  nos  in  puniendis  morum  vitiis  pote- 
statem in  immensum  extendi  volumus,  sed 
iure  patrio  auctoritas  corrigat  propinqui  iu- 
venis  erratum  et  privata  animadversione 
compescat.  Quod  si  atrocitas  facti  ius  do- 
mesticae emendationis  excedit,  placet,  euor- 
mis  delicti  reos  dedi  iudicum  notioni. 

1)  a) 


2  a)  a) 


ß)  a)  P,  2,  25,  5.     Si  mulier  divortio  facto 


Propinquis  senioribus  lege  permittitur, 
errorem  vel  culpas  adolescentium  propinquo- 
rum  patria  districtione  corrigere,  id  est  ut 
si  verbis  vel  verecundia  emendari  non  pos- 
sint,  privata  districtione  verberibus  corri- 
gantur.  Quod  si  gravier  culpa  fuerit  ado- 
lescentis,  quae  privatim  emendari  non  possit, 
in  notitiam  iudicis  deferatur. 


G.  2,  8  pr.  .  .  filius  filia,  nepos  vel  neptis, 
pronepos  proneptis  ex  nepote  .  .  Naturales 
sunt  (hae  personae,)  ac  adoptivae.  Adopti- 
vorum  comparatione  legitimi  naturales  ap- 
pellantur. 

G.  3,  2.  In  potestate  (etiam)  pa- 
trum  sint  filii  ex  legitime  matrimonio  pro- 
creati. 

Si  quaecunque  mulier  matrimonio  per  divor- 


136 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


schwanger  gefühlt  uucl  es  zur  Kenntnis  des  Gatten ,  bez.  seines  Vaters, 
gebracht  haben  wircl,^  sollen  diese  zur  Untersuchung,  bez.  Beobachtung, 
ihres  Mutterleibs  Wächter  senden:  sobald  sie  sie  gesendet  haben  werden, 
werden  sie  angehalten,  die  Frucht  der  Frau,  ^  das  will  sagen,  die  Geburt 
eines  Suus  heres  ^  anzuerkennen, 
p.  2,  25.  G  b)  Wenn  nach  der  Scheidung  die  Frau  sich  dem  Gatten  nicht  als  schwanger 
angegeben,  bez.  die  zur  Beobachtung  des  Mutterleibes  abgeschickten  Wächter 
zur  Bewachung  nicht  zugelassen  haben  wird,  braucht  der  Vater,  bez.  Grossvater, 
denjenigen,  welcher  geboren  gwesen  sein  wird,  nicht  zu  unterhalten.  Es  ist 
jedoch  verordnet  worden,  dass  die  Nachlässigkeit  der  Mutter  demjenigen, 
welcher  geboren  ist,  bei  der  Nachfolge  hinter  dem  Vater  durchaus  nicht 
hinderlich  sein  darf,  weil  er  ohne  Zweifel  nach  dem  Tode  des  Vaters  der 
Erbe  ist. 

c)  V/enn  eine  Frau  bestreitet,  von  ihrem  Manne  sclnvanger  zu  sein,  wird  dem 
Manne  gestattet,  den  jMutterleib  zu  untersuchen  und  für  den  Mutterleib 
Wächter  zu  stellen. 

d)  So  oft  an  der  Schwangerschaft  der  Frau  gezweifelt  wird,^  erhalten  fünf 
Hebammen,  *das  sind  Arztinnen,*  die  Weisung,  den  Mutterleib  zu  untersuchen: 
dasjenige,  was  die  Mehrzahl  derselben  als  ihren  Befund  bezeichnet  haben 
wird,  wird  als  ganz  sicher  erachtet. 

p.  2, 25, 9       e)  Man  war  der  Ansicht,  dass  eine  Hebamme,   die   ein  fremdes  Kind  herbei- 


P.  2,  25,  7 


P.  2,  25, 


1)  T  fügt  hinzu  Intra  tricesimum  dieni. 

2)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


4)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


gravidam  se  sciat,  intra  tricesimum  diem 
viro  denuntiare  debet  vel  patri  eins,  ut  ad 
ventrem  inspiciendum  observandumque  custo- 
des  mittant:  quibus  missis,  partum  mulieris 
omnimodo  coguntur  agnoscere. 

b)  P.  2,  25,  6.  Si  praegnantem  se  mulier 
esse  non  denuntiaverit,  vel  custodes  ventris 
missos  non  admiserit,  liberum  est  patri  vel 
avo  natum  non  alere.  Negligentia  matris, 
quominus  suus  patri  heres  sit,  obesse  non 
dobet. 


c)  P.  2,  25,  7.  Si  mulier  se  ex  viro  praeg- 
nantem neget,  permittitur  marito,  ventrem 
inspicere  et  ventri  custodes  dare. 

d)  P.  2,  25,  8.  Venter  inspicitur  per  quin- 
que  obstetrices:  et  quod  maxima  pars  earum 
denuntiaverit,  pro  vero  habetur. 


e)  P.  2,  25.  9.    Obstetricem,  quae  partum 


tium  dissoluto  praegnantem  se  esse  senserit, 
et  hoc  in  notitiam  mariti  vel  patris  eius  de- 
tulerit,  ut  ad  inspiciendum  vel  observandum 
ventrem  suum  custodes  mittant:  quos  dum 
miserint,  partum  mulieris,  id  est,  nativitatem 
sui  heredis  compelluntur  agnoscere. 

Si  post  divortium  praegnantem  sc  mulier 
marito  non  indicaverit  vel  custodes  ad  obser- 
vationem  ventris  missos  custodire  non  per- 
miserit,  potest  pater  vel  avus  eum,  qui  natus 
fuerit,  non  nutrire.  Sed  negligentiam  matris 
statutum  est  ei,  qui  natus  est,  in  successione 
patris  nocere  penitus  non  debere,  quia  post 
mortem  patris  sine  dubio  succedat. 


Quoties  de  mulieris  praegnationedubitatur, 
quinque  obstetrices,  id  est  medicae  ventrem 
iubentur  inspicere:  et  quod  plures  ex  ipsis 
se  agnovisse  dixerint,  hoc  certissimum  iudi- 
catur. 


Entstellung  der  väterlichen  Gewalt  §  18. 


13' 


geschafft  hat,    damit  es   untergeschoben   werden   kann,    von  dem  Summmn 
supphcium  betroffen  werde. 

3)  Künsthche  Begründung  durch  Rechtsgeschäft:  Adoption. 
a)  Im  allgemeinen. 

a)  Adoption  ist  das  Abbild  der  Natur,   dass   irgend  Jemand  ein  Kind   haben    ^'  •'»  p>- 
kann,  welches  er  nicht  gezeugt  haben  wird. 

aa)  Zu  Frauen  zu  nehmen  ist  weder  dem  Vater  die  Tochter,  noch  dem  f>-  4,  i 
Sohne  die  Mutter,  noch  dem  Grossvater  die  Enkelin,  noch  dem  Enkel 
die  Grossmuter  erlaubt.  Es  ist  billig,  dass  dieses  auch  für  Adoptiv- 
kinder gelte:  mag  auch  die  Adoption  durch  Emanzipation  gelöst 
werden,  es  steht  fest,  dass  die  Ehe  zwischen  diesen  Personen  dennoch 
stets  unerlaubt  ist. 

b)  Capitis  minutio  findet  statt,  wenn  Jemand  den  Status  infolge  Arrogation, 
bez.  Adoption,  verändert  haben  wird. 

c)  Adoptivkinder  sind  Affiliierte:  ein  Adoptivbruder  ist  ein  zu  den  Gesten  vor 
der  Kurie  affiliierter.  Die  Adoption  geschieht  auf  zwei  Weisen:  die  eine  ist 
diejenige,  welche  Arrogation,  die  andere,  welche  Adoption  genannt  wird. 
Arrogation  ist,  wenn  irgend  Jemand  adoptiert  wird,  der  keinen  Vater  hat 
und  sich  selbst  in  die  Gewalt  des  Adoptivvaters  giebt.  Jene  andere 
Adoption  aber  ist,  sobald  Jemand,  der  einen  Vater  hat,  von  einem  andern 


p. 

'^, 

9, 

12 

u. 

13 

G. 

4. 

1 

C.  5 

,  1 

2 

Gr. 

5, 

; 

alienum    attulit,    ut    supponi   possit,    summo 
supplicio  affici  placuit. 
3  a)   a) 


aa) 


b) 


c) 


G.  5  pr,  Afl Optio  naturae  similitudo  est, 
ut  aliquis  filiura  habere  possit,  quem  non 
generaverit. 

G.  4,  1.  .  .  uxores  ducere  licet  nee  patri 
filiam,  nee  filio  matrem,  nee  avo  neptem,  nee 
nepoti  aviam.  Quod  .  .  etiam  vel  adoptivis  .  . 
iustum  est  observari;  nam  otsi  per  emanci- 
pationem  adoptio  dissolvatur,  nuptias  tarnen 
inter  has   personas    semper   constat  illicitas. 

P.  3,  9,  12  u.  13.  (Uususfructus  .  .  Amitti- 
tur  .  .  capitis  minutione  .  .)  Capitis  minuti- 
0113  (amittitur),  .  .  si  statuiii  ex  arrogatione 
vel  adoptione  mutaverit. 

G.  4,  1.     .  .  adoptivis,  hoc  est  affiliatis  .  . 

C.  5,  1,  2.  .  .  fratrem  .  .  adoptivum,  id 
est  gestis  ante  curiam  affiliatum  .  . 

G.  5,  1.  Et  ipsa  adoptio  duobus  modis 
fit:  una,  quae  arrogatio  dicitur:  alia,  quao 
adoptio.  Arrogatio  est,  quando  aliquis  patrem 
non  habens  adoptatur,  et  ipse  se  in  potes- 
tatem  adoptivi  patris  dat  .  .  lila  vero  alia 
adoptio  est,  ubi  quis  patrem  habens,  ab  alio 
patre  adoptatur:  et  ita  ille,  qui  adoptatur, 
de  certi  patris  potestate  discedit,  et  in  adoptivi 
patris  incipit  esse  potestate. 


138 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Vater  adoptiert  wird:    dann    scheidet   jener,    der    adoptiert    wird,    aus    der 

Gewalt    eines   bestimmten    Vaters    aus    und    beginnt    in    der    Gewalt    des 

Adoptivvaters  zu  sein. 
G.  5,  2         d)  Audi  Frauen  können  adoptiert  werden,  sodass  sie  den  Adoptivvätern  als  Töchter 

gelten:  hingegen  können  Frauen  nicht  adoptieren,  weil  sie   auch  nicht  von 

ihnen  geborene  Kinder  in  der  Gewalt  haben. 
G.  5, 3  e)  Spadonen,   die  nicht   zeugen  können,   können   adoptieren:    mögen   sie    auch 

Kinder  nicht  zeugen  können,  so  können  sie  Kinder  haben,  die  sie  adoptiert 

haben  werden, 
c.  5, 1,  2       f)  Ein  Adoptivbruder  ist  gleich  einem  Frater  consanguineus  zu  erachten. 

0.4,2  aa)  Zwischen  Adoptivgeschwistern  sind  Ehen  verboten,  es  sei  denn,  dass 

die  Adoption  durch  Emanzipation  gelöst  gewesen  sein  wird. 

c.  5, 7, 1  g)  Wenn  irgend  Jemand  ein  sofort  nach  der  Geburt  ausgesetztes  Kind,  mit 
Wissen  von  Vater  oder  Mutter  oder  des  Herrn,  aufgenommen,  mit  eigener 
Anstrengung  aufgezogen  und  als  Kind  adoptieren  gewollt  haben  wird,  soll 
er  hierbei  seiner  eigenen  Macht  sich  bedienen.^ 

ß)  Arrogation. 
G.  2, 3, 3        a)  Jemand  wird  bei  dem  Volke  denjenigen  adoptiert  haben,  welcher  Sui  iuris 
ist,  das  will  sagen,  der  einen  Vater  nicht  hat,  gleich  als  sei  er  ihm  als  Kind 


1)  Vgl.  §  5,  4  a. 


d) 


e) 


n 


aa) 


g)  C.  5,  7,  1.  Quicunque  pueruin  vel 
puellam  proiectam  de  domo  patris  vel  . .  domini 
voluntate  scientiaque,  collegerit  ac  suis  ali- 
mentis  ad  robur  provexerit,  eundem  retineat 
(eodem  statu,  quem  apud  se  collectam 
voluerit  agitare,  hoc  est)  sive  filium  (sive  ser- 
vum)  eum  esse  maluerit  .  . 

ß)  a) 


G.  5,  2.  (Nam)  et  feminae  adoptari  possunt, 
ut  loco  filiarum  adoptivis  patribus  habeantur: 
feminae  vero  adoptare  non  possunt,  quia  nee 
filios  ex  se  natos  in  potestate  babent. 

G.  5,  3.  Spadones  (autem),  qui  generare 
non  possunt,  adoptare  possunt:  et  licet  filios 
generare  non  possint,  quos  adoptaverint  filios 
habere  possunt. 

C.  5,  1,  2.  .  .  fratrem  (consanguineum  ,  . 
vel  etiam)  adoptivum,  .  .  qui  consanguinei 
loco  haben dus  est  .  . 

G.  4,  2,  Inter  adoptivos  (etiam)  fratres 
illicita  sunt  coniugia,  nisi  forte  adoptio  eman- 
cipatione  fuerit  dissoluta. 

Quicunque  expositum  recenti  partu,sciente 
patre  vel  matre  vel  domino,  collegerit  ac  suo 
labore  educaverit,  .  .  et  si  adoptare  voluerit 
in  filium  .  .,  propria  utatur  potestate. 


G.  2,  3,  3.  (Si)  quis  .  .  adoptaverit  apud 
populum  illum,  qui  sui  iuris  est,  hoc  est,  qui 
patrem  non  habet,  .  .  quasi  ei  filius  natus 
sit  .  . 


Entstehung  der  väterlichen   Gewalt  §  18. 


139 


geboren.     Es    wird    deswegen   Arrogation    genannt^    weil    sowohl    derjenige,    G.  5, 1 
welcher  adoptiert,   gefragt   wird,  ob   er  jenen,  den  er  adoptiert,  zum  Kinde 
haben  will,  als  auch  derjenige,  welcher  adoptiert  wird,  gefragt  wird,  ob  er 
es  geschehen  lassen  wolle. 

b)  Wird  Jemand,    der  Kinder  hat,  sich  haben  adoptieren  lassen,    so    wird   er    G-5,  4 
nicht  nur  selbst  in  die  Gewalt  des  Adoptivvaters  gebracht,    sondern  auch 
seine  Kinder,  vorausgesetzt  nur,  dass  sie  einen  väterlichen  Grossvater  nicht 
gehabt  haben  werden,  gehen  als  Enkel  in  die  Gewalt  des  Adoptivvaters  über. 

c)  Per  universitatem,  das  heisst,  alles  Vermögen  zugleich,  erwerben  wir  durch   g.  2, 2pr. 
Adoption,  weil  derjenige,  welchen  wir  adoptiert  haben  werden,  w^enn  er  ohne 
Vater  ist,  mit  seinem   ganzen  Vermögen  zu  uns  übergeht.     Wird  Jemand   i2"u.'.i3 
infolge  Arrogation,  bez.  Adoption,  den  Status  verändert  haben,  so  geht  der 
Niessbrauch  verloren. 

d)  Wird  Jemand  adoptiert  gewesen  sein,  so  wird  das  Testament,  das  er  errichtet   ^-  2, 3, 5 
hatte,  bevor  er  adoptiert  wurde,  nicht  gelten. 

Y)  Adoption. 

a)  Jemand  wird  bei  dem  Prätor  denjenigen,  der  sich  in  der  Gewalt  des  Vaters   g.  2,3, 3 
befindet,  adoptiert  haben,  gleich  als  sei  er  ihm  als  Kind  geboren:  was  ehe-  P.1,7,2 
dem   durch    den  Prätor  geschah,   ist  nunmehr  durch  die  ludices  civitatum 
zu  verrichten. 


h) 


c) 


P.3,9, 12u.  13.  Ususfructus  . .  Amittitur, .  , 
si  statum  ex  arrogatione  vel  adoptione  muta- 
verit. 


d) 


T)  a) 


G.  5,  1.  . .  Et  ideo  arrogatio  dicitur,  quia 
et  ille,  qui  adoptat,  interrogatur.  utrum  illum, 
quem  adoptat,  filium  habere  velit:  et  ille,  qui 
adoptatur,  interrogatur,  utrum  id  fieri  velit . . 

G.  5,  4.  Si  quis  (vero)  filios  habens  se 
dederit  adoptandum,  non  solum  ipse  in  patris 
adoptivi  potestatera  redigitur,  sed  et  filii  eius, 
si  tamen  avum  paternum  non  habuerint,  in 
adoptivi  patris  transeunt  potestatem,  tanquam 
nepotes, 

G.  2,  2  pr.  Per  universitatem,  hoc  est, 
omnia  simul  bona,  acquirimus  .  .  adoptione: 
quia  is,  quem  adoptaverimus,  si  sine  patre 
est,  cum  Omnibus  bonis  suis  ad  nos  transit. 


G.  2,  3,  5.  •  .  si  quis  adoptatus  fuerit, 
testamentum,  quod,  antequam  adoptaretur, 
fecerat,  non  valebit. 

G.  2,  3,  3.  (Si)  quis  .  .  apud  praetorem 
illum  adoptaverit,  qui  in  potestate  patris  est, 
quasi  ei  filius  natus  sit  .  . 

P.  1,  7,  2.  .  .  quod  per  praetorem  antea 
fiebat,  modo  per  iudices  civitatum  agendum 
est. 


140 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P. 4,  1,  1J 


G.  f>  pr. 


P.  2,  26,  1 


G.  0,  2 


3.  Aufhebung  der  väterlichen  Gewalt  §  19. 

1)  Notwendige  Aufhebungsgrüiicle  (vgl.  §  5.  4J. 

a)  AVircl  ein  Fideikommiss  derart  einem  Haussohne  hinterlassen,  dass  das 
Fideikommiss  hinterlassen  ist,  für  den  Fall,  dass  er  von  dem  Vater  emanzi- 
piert gewesen  oder  Sui  iuris  geworden  sein  wird,  so  wird  dasjenige,  was 
hinterlassen  worden  ist,  rechtsgiltig  geschuldet,  in  welcher  Weise  auch  immer 
er  Yon  der  väterlichen  Gewalt  befreit  gewesen  sein  wird. 

b)  Kinder,  die  sich  in  der  Gewalt  des  Vaters  befinden,  werden  nach  dem  Tode 
des  Vaters  Sui  iuris.  Wenn  jedoch  der  Sohn,  der  durch  den  Tod  des 
Vaters  Sui  iuris  geworden  ist,  Kinder  hat,  so  Averden  nach  dem  Tode  seines 
Vaters  die  Kinder  in  seiner  Gewalt  sein.  Stirbt  der  Vater  und  lebt  der 
väterliche  Grossvater,  so  kann  der  Enkel  von  dem  Sohne  nicht  Sui  iuris 
sein^  weil  er  in  der  Gewalt  des  Gross vaters  verbleibt:  nach  dem  Tode  des 
Grossvaters  wird  er  Sui  iuris.  Ingleichen  werden,  wenn  der  Vater  stirbt 
und  einen  emanzipierten  Sohn  und  von  diesem  emanzipierten  Sohn  Enkel 
hinterlässt,  die  Enkel  dann  frei  und  Sui  iuris  sein  und  kommen  nicht  in 
die  Gewalt  des  emanzipierten  Sohnes. 

c)  Der  Vater,  welcher  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  hört  auf  die  Kinder 
in  der  Gewalt  zu  haben:  ist  er  aber  Postliminio  zurückgekehrt,  so  empfängt 
er  die  Kinder  in  die  (^ew^alt  zurück,  als  sei  er  niemals  von  den  Feinden 
gefangen  worden.     Wenn  jedoch  der  Vater,  der  von  den  Feinden  gefangen 


1)  a)  P.  4,  1,  12.  In  tempus  emancipati- 
onis  vel  quum  sui  iuris  erit,  fideicommissum 
relictum,  quo3unque  modo  patria  potestate 
liberato  debetur     ' 


b) 


c)  P.  2,  26,  1.  Pater  ab  hostibus  captus 
desinit  habere  filios  in  potestate :  postliminio 
vero  reversus  (tam)  filios  .  .  in  iDotestatem 
recipit,  ac  si  nunquam  ab  hostibus  captus  sit. 


Si  ita  fideicommissum  filiofamilias  relin- 
quatur,  ut  quum  emancipatus  a  patre  fuerit 
vel  quum  sui  iuris  factus  fuerit,  fideicom- 
missum relictum,  quocunque  modo  patria 
potestate  fuerit  liberatus,  id,  quod  relictum 
est  ei,  iure  debetur. 

G.  6  pr.  Filii,  qui  in  potestate  patris  sunt, 
mortuo  patre  sui  iuris  fiunt.  Scd  si  hie 
filius,  qui  morte  patris  sui  iuris  eflFcctus  est. 
filios  habeat,  in  eius  post  patris  sui  obitum 
erunt  filii  potestate.  Nam  si  pater  moriatur, 
ot  avus  patruus  vivat,  nepos  ex  filio  sui  iuris 
esse  non  potest:  quia  in  avi  remanet  potes- 
tate, qui  avo  mortuo  sui  iuris  efficitur.  Item 
si  moriatur  pater,  et  relinquat  filium  eman- 
cipatum,  et  ex  oodem  filio  emancipato  nepotcs, 
tunc  nepotcs  liberi  et  sui  iuris  erunt,  et 
in  patris  emancipati  potestatem  non  veniunt. 


G.  6,  2.  .  .  Si  vero  pater,  qui  ab  hostibus 
captus  est,  in  captivitate  moriatur,  ab  eo 
tempore,  quo  ab  hostibus  captus  est,  filii  sui 
iuris  effecti  intelliffuntur. 


Aufhebung  der  väterlichen  Gewalt  §  19. 


141 


worden  ist,  in  der  Gefangenschaft  stirbt,  werden  die  Kinder  von  der  Zeit,  dass 

er  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  als  Personen,  die  Siii  iuris  geworden   p.  4, 8, 5 

sind,  erachtet.    Ist  Jemand  von  den  Feniden  gefangen  worden,  so  geht  er  des 

Rechts  als  Suus  heres  nicht  verlustig,  nachdem  er  Postliminio  zurückgekehrt 

ist:  man  meinte,  dies  auch  hinsichtlich  derjenigen  gelten  lassen  zu  sollen,  die 

Servi  poenae   gew^orden   sind,   w^enn  sie  in  Allem   durch   kaiserliche  Gnade 

In  integrum  restituiert  werden. 

Wenn  der  Vater  von  den  Feinden  gefangen  worden  ist,  wird  er,  solange    g^.  6, 2 
er  bei  den  Feinden  gewesen  sein  wird,  die  Kinder  nicht  in  der  Gewalt 
haben.     Wird    er    aber    aus    der    Gefangenschaft    entwichen    sein,    so 
empfängt  er  Iure  postliminii  die  ganze  Gewalt  an  den  Kindern  zurück. 

d)  Kinder  scheiden  aus  der  Gewalt  des  Vaters  aus,  wenn  ihr  Vater  in  das  Exil    ^-  ß'  ^ 
geschickt  gewesen  sein  wird.     Ingleichen  kann  sich  ein  Kind,  wenn  es  bei 
Lebzeiten  des  Vaters  in  das  Exil  geschickt  gewesen  sein  wird,    in  der  Ge- 
w^alt    des  Vaters,    der    Römischer    ßürerer   ist,    nicht    befinden.     Wenn    ein   c.  9, 33, 1 

.  .  .  .  pr.  1  u.  2 

Vater    in    das   Exil    geschickt  ^  worden    ist,    wird    er  1  nach    seiner    Rück- 


1)  Deportiert. 


P.  4,  8,  5.  Ab  hostibus  captus  neque  sui .  . 
ius  amittit  postliminio  reversus.  Quod  et 
circa  eos,  qui  .  .  servi  poenae  efFecti  sunt, 
placuit  observari,  si  per  omnia  in  integrum 
indulgentia  principali  restituantur. 


d) 


C.  9,  33,  1  pr.  2  u.  3.  .  .  deportati  filius 
remeante  patre  .  .  in  patris  sit  (filius)  po- 
testate,  cui  dignitas  ac  bona  restituta  sunt 
.  .  Minores  .  ,  Quibus  si  damnato  patre  tutor 
datus  est,  necesse  est,  ut  ab  officio  recedat, 
regresso  eo,  quem  non  solum  nomine  rediro, 
sed  etiam  officium  suura  nulla  pravitate  cor- 
ruptum  liberis  praebere  oportet,  ut  eorum 
bona  tueatur  et  augeat.  Nam  si  patria  po- 
testate  ad  corrumpendi  atque  effundendi  pa- 
trimonii  licentiam  abutetur,  ut  furioso  ac 
dement],  item  prodigo,  libidinum  omnium 
vitiorumque  servo  non  est  eorum  pecunia 
committenda:  ab  administratione  fugiat: 
neque  tutor  esse  desinat,  omniaque  minoris 
dispendia  suis  ipse  damnis  praestet.    Senten- 


G.  6,  2.  (Item)  si  ab  hostibus  pater  cap- 
tus sit,  in  potestate,  quamdiu  apud  hostes 
fuerit,  filios  non  habebit.  Sed  si  de  captivi- 
tate  evaserit,  iure  postliminii  omnem  .  .  in 
filiis  recipit  potestatem  .  . 

G.  6,  1.  (Item)  de  potestate  patris  exeunt 
filii,  si  pater  eorum  in  exsilium  missus  fuerit 
.  .  Item  filius,  si  vivo  patre  in  exsilium 
missus  fuerit,  in  potestate  patris  civis  Ro- 
mani  esse  non  potest  .  . 

Si  quis  pater  in  exsilium  missus  .  . 
reversus  (pater)  filios,  repulsis  curatori- 
bus  vel  tutoribus,  .  .  recipiet:  ea  tamen 
conditione,  ut  rem  filiorum  ita  administret 
ac  regat,  ut  non  solum  detrimenta  non 
seatiant,  sed  studio  patris  res  et  facul- 
tas proficiat  filiorum.  Quod  si  pater  aut 
prodigus  aut  negligens  aut  eversor  aut  libi- 
dini  deditus  esse  convincetur,  et  filiorum  res 
impie  ac  dementer  vastare  ac  dilapidare 
cognoscetur,  filii  talis  patris,  tanquam  eo 
mortuo,  sub  tutore  aut  curatore  consistant: 
quia  sicut  aequum  est,  ut  bonus  et  utilis  pater 
rem  filiorum  regendam  administrandamquo 
recipiat,  ita  iniquum  est,  ut  in  damnum  fili- 
orum   reversus   facultates    a  tutoribus   cura- 


142 


Privatrecht,     Zweites  Buch. 


G.  6, 3 


kebr^  die  Kinder,  unter  Entfernung  der  2  Kuratoren  oder  Tutoren, 2  mit 
dem  ganzen  Vermögen  zurückempfangen,  jedoch  unter  der  Bedingung,  dass 
er  die  Sache  der  Kinder  derart  verwaltet  und  leitet,  dass  sie  nicht  nur 
nicht  Schaden  erleiden,  sondern  die  Sache  und  das  Vermögen  der  Kinder 
durch  die  Sorgfalt  des  Vaters  gefördert  wird.  Wird  jedoch  der  Vater  über- 
führt werden,  entweder  ein  Verschwender  oder  ein  Nachlässiger  oder  ein  Zer- 
störer oder  ein  Lüstling  zu  sein  und  stellt  er  sich  als  Jemand  heraus,  der  das 
Vermögen  der  Kinder  ruchlos  und  wahnwitzig  zerrüttet  und  zerschleudert,  so 
sollen  die  Kinder  eines  solchen  Vaters,  wie  nach  seinem  Tode,  unter  dem 
-Tutor  oder  Kurator  ^  sich  befinden,  ^weil,  wie  es  billig  ist,  dass  ein  guter  und 
nützlicher  Vater  die  Sache  der  Kinder  zur  Leitung  und  Verwaltung  zurück- 
empfängt, andrerseits  es  unbillig  ist,  dass  er  zum  Schaden  der  Kinder 
nach  seiner  Rückkehr  das  von  Tutoren  und  Kuratoren  gesparte  Vermögen  ^ 
durch  wahnwitzigen  Umsturz  zerstückele.^ 

2)  Emanzipation. 

a)  Form. 

a)  Kinder  werden  durch  Emanzipation  Sui  iuris.  Ein  Kind  männlichen  Ge- 
schlechts scheidet  durch  drei  Emanzipationen  aus  der  Gewalt  des  Vaters 
und  wird  Sui  iuris.  Frauen  oder  Enkel  männlichen  Geschlechts  von  einem 
Sohne  scheiden  durch  eine  einzige  Emanzipation  aus  der  Gewalt  des  Vaters 
oder  Gross vaters  und  werden  Sui  iuris. 


1)  Dem  Dignität  und  Vermögen  restituiert  worden  sind. 

2)  T  spricht  lediglich  von  Tutoren. 

3)  T  führt  aus,  dass  die  Begnadigung  ebensoviel  zur  Restitution  vermöge,  als  das  Urteil 
zur  Strafe  vermocht  habe:  wie  der  Name  der  Deportation  an  und  für  sich  die  Entziehung 
aller  Güter,  so  sei  Rückkehr  infolge  von  Begnadigung  die  Wiedergewinnung  des  Vermögens 
und  der  Dignität.     Die  Kinder  können  Emanzipation  verlangen. 


tia  vero  deportationis  nullo  patrempraeiudicio 
deminuat.  Quem  si  comperta  integritas  ut 
natura,  ita  officio  liberis  restituerit,  ei  guber- 
nacula  rerum  tradenda  sunt,  cuius,  ad  imi- 
tationem  publici  iuris,  provisa  custodia  est. 
Quae  nisi  bonis  patribus  detur,  luctuosior 
erit  reditus  quam  discessus  .  Ideoque  tantum 
ad  restitutionem  indulgentia  valeat,  quantuni 
ad  correctionem  sententia  valuit.  Utque  de- 
portationis ipsum  per  se  nomen  rerum  om- 
nium  spoliatio  est,  ita  indulgentia  reditus 
bonorum  ac  dignitatis  uno  nomine  amisso- 
rum  oranium  sit  recuperatio.  Et  filii  eman- 
cipationem  a  patribus  otficiis  petant,  ut  liber- 
tatem  non  damnationis,  sed  lenitatis  pater- 
nae  testem  habeant. 

2a)  a) 


toribusve  reservatas  dementi  subversione  di- 
laceret. 


G.  6,  3.  (Item)  per  emancipationem  filii 
sui  iuris  efficiuntur.  (Sed)  filius  masculus  tri- 
bus  emancipationibus  de  potestate  patris 
exit    et    sui    iuris    efficitur    .  .    Feminae   vel 


Aufhebung  der  väterlichen  Gewalt  §  19. 


143 


b)  Emanzipation,  das  will  sagen,  Manus  traditio,  ist  eine  Art  Abbild  eines  g. 6, 3 
Verkaufs,  indem  bei  Emanzipationen  ausser  dem  eigentlichen  Vater  ein 
anderer  Vater  zugezogen  wird,  der  Fiduciarius  genannt  wird.  Der  leib- 
liche Vater  manzipiert,  das  will  sagen  manutradiert  seinen  Sohn  dem  Fidu- 
ciarius pater.  Von  diesem  Fiduciarius  pater  empfängt  der  leibliche  Vater 
einen  oder  zwei  Numnii  als  Abbild  eines  Preises  und  übergiebt  ihn  da- 
gegen, nach  Empfang  der  Nummi,  dem  Fiduciarius  pater.  Es  geschieht 
dies  zum  zweiten  und  dritten  Male,  und  wenn  er  ihn  zum  dritten  Male 
dem  Fiduciarius  pater  manzipiert  und  übergiebt,  dan^  tritt  dieser  so  aus  der 
Gewalt  des  Vaters  aus.  Wenn  der  Sohn  zum  dritten  Male  von  dem  leib- 
lichen Vater  dem  Fiduciarius  pater  manzipiert  gewesen  sein  wird,  muss  der 
leibliche  Vater  dies  betreiben ,  dass  er  von  dem  Fiduciarius  pater  ihm 
zurückmanzipiert  und  von  dem  leiblichen  Vater  freigelassen  werde,  damit, 
wenn  dieser  Sohn  gestorben  gewesen  sein  wird,  der  leibliche  Vater,  nicht 
der  Fiduciarius,  ihm  in  die  Erbschaft  folge.  Obschon  Frauen  oder  Enkel 
männlichen  Geschlechts  von  einem  Sohne  durch  eine  einzige  Manzipation 
aus  der  Gewalt  des  Vaters  oder  Grossvaters  scheiden,  kann,  wenn  sie  nicht 
von  dem  Pater  fiduciarius  zurückmanzipiert  und  von  dem  leiblichen  Vater 
freigelassen  gewesen    sein    werden,    ihnen  der  leibliche  Vater  nicht  folgen, 


b) 


nepotes  masculi  ex  filio  una  mancipatione  de 
patris  vel  avi  exeunt  potestate  et  sui  iuris 
efficiuntur  .  , 

G.  6,  3.  .  .  Emancipatio  (autem),  hoc  est 
manus  traditio,  quaedam  similitudo  venditi- 
onis  est:  quia  in  emancipationibus  praeter 
(illum,  hoc  est)  certum  patrem,  alius  pater 
adhibetur,  qui  fiduciarius  nominatur.  Ergo 
ipse  naturalis  pater  filium  suum  fiduciario 
patri  mancipat,  hoc  est  nianutradit:  a  quo 
fiduciario  patre  naturalis  pater  unum  aut 
duos  numnos  quasi  in  similitudinem  pretii 
accipit,  et  iterum  eum  acceptis  nummis  fidu- 
ciario patri  tradit.  Hoc  secundo  et  tertio 
fit,  et  tertio  cum  fiduciario  patri  mancipat 
et  tradit,  et  sie  de  patris  potestate  exit  .  . 
(Tamen)  quum  tertio  mancipatus  fuerit  filius 
a  patre  naturali  fiduciario  patri,  hoc  agere 
debet  naturalis  pater,  ut  ei  a  fiduciario  patre 
remancipetur  et  a  naturali  patre  manumitta- 
tur:  ut,  si  filius  ille  mortuus  fuerit,  ei  in  he- 
reditate  naturalis  pater,  non  fiduciarius 
succedat.  Feminae  vel  nepotes  masculi  ex 
filio  .  .  quamlibet  una  mancipatione  de  pa- 
tris vel  avi  potestate  exeant,  nisi  a  patre 
fiduciario  remancipati  fuerint  et  a  naturali 
patre  manuumissi,  succedere  eis  naturalis 
pater  non  potest,  nisi  fiduciarius,  a  quo  ma- 
numissi  sunt.  Nam  si  reraancipatum  sibi 
naturalis  pater  vel  avus  manumiserit,  ipse 
eis  in  hereditate  succedit  .  . 


144 


Pi'ivatreclit.     Zweites  Buch. 


C.  5, 1,  3 

P.  2, 20,  4 
G.  6,  3 


P.  2    ^5   2 


C.  2,  8,  1 


vielmehr  der  Fiduciarius,  von  dem  sie  freigelassen  worden  sind;  wenn  den 
ihm  zurückmanzipierten  der  leibliche  Vater  oder  Grossvater  freigelassen  haben 
wird,  folcjt  er  ihnen  in  die  Erbschaft. 

Eine    Tochter,    die    eine    Fiduciata    genannt   wird,   ist    eine    eman- 
zipierte.^ 

c)  Bei  den  Munizipalmagistraten  kann  man,  wenn  sie  Legis  actio  haben, 
freilassen.  Die  Emanzipation  pflegte  vor  dem  Praeses  zu  geschehen  und 
ist  nun  vor  der  Kurie  zu  verrichten^  wo  fünf  Zeugen,  die  Römische  Bürger 
sind,  gegenwärtig  sein  werden,  und  statt  desjenigen,  der  Libripens,  das  will 
sagen,  Waghalter,  genannt  wird,  und  welcher  Antestatus  genannt  wird,  zwei 
Andere,   sodass    die   Zahl  von   sieben  Zeugen  voll  ist. 

d)  Die  einzelnen  Manzipationen  können  entweder  vor  denselben  oder  vor 
andern  Zeugen,  entweder  an  demselben  Tage  oder  mit  Unterbrechung 
geschehen. 

e)  Obschon  wir  befohlen  haben,  dass  am  heiligen  Tage  des  Herrn  alle  Prozesse 
und  Ansprüche  ruhen,  hindern  wir  durchaus  nicht  die  Vornahme  der 
Emanzipation  ^    und    gestatten    wir    in    gleichem  Masse    mit  Bezug  darauf 


1)  T  spricht  von  der  emanzipierten  Tochter,  sei  es  dass  Nomen  fiduciae  sie  ergriffen 
hat,  sei  es  dass  Nulla  sufFragia  liberorum  sie  begleiten. 

2)  T  spricht  hier  von  einem  Dies  festus. 


C.  5,  1,  3.  (Quoties  de)  emancipatae  filiae 
(successione  tractatur),  seu  eam  fiduciae  no- 
men  obstrinxit,  seu  etiam  nulhi  comitantur 
suffragia  liberorum  ,  , 

c)  P.  2,  26,  4.  Apud  magistratus  muni- 
cipales,  si  habeant  legis  actionem,  emanci- 
pari  .  .  potest. 


d)  P.  2,  26,  2,  Singuhxe  mancipationes 
vel  iisdem  vel  aliis  testibus  fieri  possunt, 
vel  eodem  die  vel  intermisso  tempore. 

e)  C.  2,  8,  1.  Sicut  indignissimum  vide- 
batur,  diem  solis,  veneratione  sui  celebrem, 
altercantibus  iurgiis  et  noxiis  partium  con- 
tentionibus  occupari,  ita  gratum  et  iucundum 
est,  eo  die,  quae  sunt  maxime  votiva,  com- 
pleri.  Atque  ideo  emancipandi  .  ,  die  festo 
cuncti  licentiam  habeant,  et  super  his  rebus 
acta  non  prohibentur. 


Filia,    quam  fiduciatam    nominavit,   (hoc) 
est  emancipata  .  . 


G.  6,  3.  .  .  (Quae  tarnen)  emancipatio 
solebat  ante  praesidem  fieri ,  modo  ante 
curiam  facienda  est:  ubi  quinque  testes  cives 
Romani  in  praesenti  erunt,  et  pro  illo,  qui 
libripens  appellatur,  id  est,  stateram  tenens, 
et  qui  antestatus  appellatur,  alii  duo,  ut 
Septem  testium  numerus  impleatur  .  , 


Quamvis  sancto  die  dominico  omnes  lites 
ac  repetitiones  quiescere  iusserimus,  emanci- 
pare  .  .  minime  prohibemus,  et  de  his 
rebus  gesta  confici  pari  ordinatione  permit- 
timus. 


Aufhebung  der  väterlichen  Gewalt  §  19, 


145 


Gesta^  aufzimehmen.     Die  Emanzipation    kann   aiieli   an  einem  Ferientage  p.  2, 26, 3 
geschehen. 

ß)  Sonstige  Erfordernisse. 

a)  Ein  Haussohn    wird  nicht  gezwungen,    wider    seinen  Willen    sich    emanzi-  p.  2, 26, 5 
pieren  zu  lassen. 

b)  Ein  Erbe,  der  unter  der  Bedingung,  wenn  er  seine  Kinder  emanzipiert  haben  P.  4, 12, 1 
wird,    zum  Erben    eingesetzt  worden  ist,  ist  auf  alle  Weise  zu  zwingen,  sie 

zu  emanzipieren:  denn  die  Emanzipation  wird  an  dieser  Stelle  als  Be- 
dingung beigefügt  zu  sein  erachtet. 

c)  Hat  Jemand  einen  Solm  und  von  diesem  Enkel  und  wird  den  Sohn  haben    G.  e,  3 
emanzipieren   und  die  Enkel  in  seiner  Gewalt  behalten  wollen,   so  steht  es 

in  seinem  Belieben:  oder  wenn  er  die  Enkel  wird  haben  emanzipieren  und 
den  Sohn  in  seiner  Gewalt  behalten  wollen,  wird  offenbar  ihm  auch 
dieses  nach  der  Ordnung  des  Rechts  gestattet  sein.  Er  kann  es  nicht 
allein  mit  den  Enkeln,  sondern  in  gleicher  Weise  auch  mit  den  Ur- 
enkeln thun. 

Y)  Wirkungen. 

a)  Stirbt  der  Vater  und  hinterlässt  einen  emanzipierten  Sohn  und  von  diesem   G.  6  pr. 
emanzipierten  Sohn  Enkel,  dann  werden  die  Enkel  frei  und  Sui  iuris  sein 

und  nicht  in  die  Gewalt  des  emanzipierten  Sohnes  kommen. 

b)  Sind  Germani  fratres,  das  heisst,  die  von  dem  gleichen  Vater  geboren  sind,   c.  2, 19, 1 


1)  Acta. 


P.  2,  26,  3.  Emancipatio  etiam  feriato 
die  fieri  potest, 

(i)  a)  P.  2,  26,  5.  Filiusfamilias  invitus 
emancipari  non  cogitur. 

b)  P.  4, 12,  1.  Ea  conditione  heres  insti- 
tutus,  si  liberos  suos  emancipaverit,  omni- 
modis  eos  cogendus  est  emancipare :  pro 
conditione  enim  hoc  loco  emancipatio  vide- 
tur  adscripta. 

c) 


T)a) 


b)  C.  2,  19,  1.     .  .  germanis  tantummodo 
fratribus    adversus    eos    duntaxat    institutos 
C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


G.  6,  3.  .  .  Quod  si  habeat  quis  filium 
et  ex  eo  nepotes,  et  voluerit  filium  emanci- 
pare et  nepotes  in  sua  potestate  retinere,  in 
arbitrio  eins  est:  aut  si  voluerit  nepotes  eman- 
cipare etfilium  in  sua  potestate  retinere,  ethoc 
ei  pro  iuris  ordine  licere  manifestum  est. 
Quod  non  solum  de  nepotibus,  sed  et  de 
pronepotibus  similiter  facere  potest. 

G.  6  pr.  .  .  si  moriatur  pater,  et  relin- 
quat  filium  emancipatum,  et  ex  eodem  filio 
emancipato  nepotes,  tunc  nepotes  liberi  et 
sui  iuris  erant,  et  in  patris  emancipati  po- 
testatem  non  veniunt. 

.  .  germanis  fratribus    praetermissis,   id 
est  uno  patre  natis,   si  turpibus  personis  .  . 

10 


146 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


übergangen  worden,  so  wird,  wenn  an  Turpes  personae  die  Erbschaft  hinter- 
lassen gewesen  sein  wird,  die  Befugnis,  gegen  das  Testament  zu  klagen, 
vorbehalten,  vorausgesetzt  jedoch,  dass  nicht  eben  dieser  Bruder  infolge 
Emanzipation  die  Rechte  der  Succession  oder  Actio  ^  verloren  haben  wird. ^ 

G.  4, 1  c)  Weder  dem  Vater  ist  erlaubt  die  Tochter,  noch  dem  Sohne  die  Mutter,  noch 

dem  Grossvater  die  Enkehn,  noch  dem  Enkel  die  Grossmutter  zu  Frauen 
zu  nehmen.  Es  ist  billig,  dass  dieses  auch  für  Adoptivkinder  gelte:  mag 
auch  die  Adoption  durch  Emanzipation  gelöst  werden,  es  steht  fest,  dass 
die    Ehe    zwischen    diesen   Personen    dennoch    stets    unerlaubt    ist.      Auch 

G.  4, 2  zwischen    Adoptivgeschwistern    sind  Ehen   verboten,    es    sei   denn    dass  die 

Adoption  durch  Emanzipation  gelöst  gewesen  sein  wird:  denn  wird  Eman- 
zipation eingetreten  sein,  so  wird  zulässigerweise  zwischen  Geschwistern  der 
Art  eine   Ehe   eingegangen. 

6)  Verhältnis  des  Emanzipierten  zum  Freilasser. 

c.  8, 7, 1  .^^  Werden  emanzipierte  Kinder  dem  Vater  eine  schwere  Beleidigung,  die  be- 
wiesen werden  kann,  zugefügt  haben  und  überführt  gewesen  sein,  sie  verübt 
zu  haben, 3  so  sollen  sie  unter  AViederaufhebung  der  Emanzipation  in  die 
Familie  zurückgerufen  werden. 

C-  3, 7, 1       1))    Falls  Witwen  sich  innerhalb   des  25.  Jahres    befunden    haben  werden  und 


1)  Vgl.   §  5,  1  b,  bb. 

2)  J  liest  Actio,  wofür  vielleicht  Agnatio  zu  setzen  ist. 

3)  T  spricht  von  halsstarrigen  Kindern,  die  die  Väter,    es  sei  Acerbitate  convicii,    es 
sei  Atrocis  iniuriae  dolore  verletzt  haben. 


heredes,  quibus  inustas  constiterit  esse  notas 
detestabilis  turpitudinis,  agnatione  durante, 
sine  auxilio  praetoris,  petitionis  aditus  re- 
seretur. 


§)  a)  C.  8,  7,  1.  Filios  contumaces,  qui 
patres  vel  acerbitate  convicii  vel  cuiuscunque 
atrocis  iniuriae  dolore  pulsassent,  leges,eman- 
cipatione  rescissa,  damno  libertatis  immeritae 
mulctare  voluerunt. 

b)  C.  3,  7,  1.  Viduae  intra  vicesimum  et 
quintum    annum    degentes    etiamsi    emanci- 


fuerit  hereditas  derelicta,  .  .  agendi  contra 
testamentum  licentia  reservatur :  si  tarnen  is 
ipse  germanus  non  .  .  per  emancipationem 
successionis  vel  actionis  iura  perdiderit. 

G.  4,  1.  .  .  uxores  ducere  licet  .  . 
nee  patri  filiam,  nee  filio  matrem,  nee 
avo  neptem,  nee  nepoti  aviam.  Quod  .  . 
etiam  vel  adoptivis  .  .  iustum  est  observari : 
nam  etsi  per  emancipationem  adoptio  dis- 
solvatur,  nuptias  tarnen  inter  has  personas 
semper  constat  illicitas. 

G.  4,  2.  .  .  Inter  adoptivos  etiam  fratres 
illicita  sunt  coniugia,  nisi  forte  adoptio  eman- 
cipatione  fuerit  dissoluta:  nam  si  emanci- 
patio  intervenerit,  nuptiae  inter  huiusmodi 
fratres  licito  contrahuntur. 

Filii  emancipati,  si  iniuriam  patri  gravem, 
quae  probari  possit,  intulerint  et  convicti 
fuerint  hoc  fecisse,  rescissa  emancipatione  in 
familiam  revocentur. 

Viduae  intra  vicesimum  et  quintum  an- 
num si  fuerint  constitutae  et  adhuc  vivis  pa- 


Aufhebung  der  väterlichen  Gewalt  §  19. 


147 


noch  bei  Lebzeiten  der  Väter,  wenn  sie  auch  durch  Emanzipation  die 
Freiheit  erworben  haben  werden,  zu  einer  zweiten  Ehe  werden  haben 
schreiten  wollen,  mögen  sie  wissen,  dass  ihre  Verbindung  in  der  Macht 
der  Väter,  nicht  in  der  eigenen  Willkür  stehe,  und  sich  ihre  Zustimmimg 
an  die  Auswahl  jener,  nicht  beliebiger  Freunde  oder  Familiäres,  zu  halten 
habe. 

c)  Eine  von    dem  Vater  dem  emanzipierten  Sohne  gemachte  Schenkung  wird   c.  8, 6,  i 
widerrufen,  wenn  der  Vater  erwiesen  haben  wird,    dass  er  verletzt  worden 

sei.    Wird  Jemand  dem  Sohne,  der  Tochter,  ^dem  Enkel  von  dem  Sohne,    c.  8,6,4 
bez.  Urenkel  von  dem   Enkel/   zur    Zeit    der   Emanzipation    irgend    etwas 
geschenkt  haben^  so  wird  er  es  ohne  den  gerichtlichen  NachAveis  offensicht- 
hcher  Thatbestände  von  Beleidigungen  nicht  widerrufen  können.^ 

d)  Wenn  der  Sohn    zum    dritten  Mal  von  dem  leiblichen  Vater  dem  Fiduci-    g  6, 3 


1)  T  spricht  von  Enkel  und  Urenkelin. 

2)  T  spricht  ausserdem  von  den  gesetzlichen  Gründen. 


pationis  übertäte  gaudent,  tarnen  in  secun- 
das  nuptias  non  sine  patris  sententia  con- 
veniant  .  . 


c)  C.  8,  6,  1.  Avi  nostri  pro  patribus  firma 
lege  sanxerunt,  ut,  si  quid  patres  in  liberos 
munificentiae  titulo  contulissent,  si  eos  impios 
in  iudicio  declarassent,  omne  id  esset  revo- 
candum,  ue  pietatis  praemium  apud  scelestos 
et  flagitiosos  animos  permaneret. 

C.  8,  6,  4.  Donationen!  circa  filium  fili- 
amve,  nepotem  neptemve,  pronepotem  pro- 
neptemve  emancipationis  tempore  celebratara 
pater  seu  avus  vel  proavus  revocare  non  po- 
terit,  nisi  edoctis  manifestissimis  causis,  qui- 
bus  eam  personam,  in  quam  coUata  donatio 
est,  contra  ipsam  venire  pietatem,  et  ex  causis, 
quae  legibus  continentur,  fuisse  constabit  in- 
gratum.  Quas  tamen  causas  in  cognitione 
discuti   oportebit  .  . 


ttibus,  taraetsi  emancipatione  acquisierint 
libertatem,  si  ad  secundas  nuptias  venire  vo- 
luerint,  noverint  coniunctionem  suam  in  pa- 
trum  potestate,  non  in  propria  voluntate 
consistere,  et  eorum  electione,  non  quorum- 
cunque  amicorum  aut  familiarium  sequendum 
es-e  consensum  .  , 

Donatio  in  emaneipatum  filium  a  patre 
facta,  si  laesum  pater  se  esse  probaverit,  re- 
vocatur  .  . 


Si  quis  filio,  filiae,  nepoti  ex  filio  vel 
pronepoti  ex  nepote  emancipationis  tempore 
aliquid  donaverit,  id  nisi  probatis  in  iudicio 
manifestis    offensarum    causis    revocare    non 


poterit. 


G.  6,  3.  .  .  quum  tertio  mancipatus  fue- 
rit  filius  a  patre  natural!  fiduciario  patri,  hoc 
agere  debet  naturalis  pater,  ut  ei  a  fiduciario 
patre  remancipetur  et  a  naturali  patre  manu- 
mittatur:  ut,  si  filius  ille  mortuus  faerit,  ei 
in  hereditate  naturalis  pater,  non  fiduciarius, 
succedat.  Feminae  vel  nepotes  masculi  ex 
filio  .  .  quamlibet  una  mancipatione  de 
patris  vel  avi  potestate  exeant,  nisi  a  patre 
fiduciario     remancipati   fuerint    et    a    natu- 

10* 


148 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


arius  pater  manzipiert  gewesen  sein  wird,  muss  der  leibliche  Vater  dies 
betreiben,  dass  er  von  dem  Fiduciarius  pater  ihm  znrückmanzipiert  und  von 
dem  leiblichen  Vater  freigelassen  werde,  damit,  wenn  dieser  Sohn  gestorben 
gewesen  sein  wird,  der  leibliche  Vater,  nicht  der  Fiduciarius,  ihm  in  die 
Erbschaft  folge.  Obschon  Frauen  oder  Enkel  männhchen  Geschlechts  von 
einem  Sohne  durch  eine  einzige  Manzipation  aus  der  Glewalt  des  Vaters 
oder  Grossvaters  austreten,  kann,  wenn  sie  nicht  von  dem  Pater  fiduciarius 
znrückmanzipiert  und  von  dem  leiblichen  Vater  freigelassen  gewesen  sein 
werden,  ihnen  der  leibliche  Vater  nicht  folgen,  vielmehr  der  Fiduciarius, 
von  dem  sie  freigelassen  worden  sind:  wenn  den  ihm  zurückmanzipierten 
der  leibliche  Vater  oder  Grossvater  freigelassen  haben  wird,  folgt  er  ihnen 
in  die  Erbschaft. 


4)  Schutz  der  väterlichen  Gewalt  §  20. 

p.  5, 7, 13  a)  Der  göttliche  Pius  hat  verboten,  dass  ein  Sohn  und  eine  Tochter  von  den 
Eltern  getrennt  werden,  es  käme  denn  in  Frage,  wo  sich  für  sie  ein 
passenderer  Verbleib  findet. 


E)  Bürgerliche  Ehre.     Infamia  §  21. 

1)  Begriff. 

p.  1,2,1        a)  Infamen  sind  diejenigen,  welche  wegen  irgendwelcher  Schuld  dem  Schimpfe 
der  Infamie  verfallen. 

2)  Grund  der  Infamie. 

^•g^.^l^'  ^)  Wird  irgend  Jemand  Grabstätten  ausgegraben,  Marmor  oder  Gestein  weg- 
geschafft haben,  so  sollen  Freigeborene,  die  von  höherem  Ansehn  oder  durch 
Dignitäten   ausgezeichnet  sind,    dem  Schimpfe  dauernder  Infamie    verfallen. 


a)  P.  5,  7,  13.  .  .  separari  divus  Pius  pro- 
hibuit  a  parentibus  filium.  filiamque  :  nisi  forte 
quaeratur,  ubi  utilius  morari  debeat. 

1)  a) 


2)  a)  N.V.  5,  1,  2  u.  4.  Quisquis  (igitur) 
sepulcra  .  .  effoderit,  .  .  marmora  aut  saxa 
sustulerit  .  .  Ingenui  .  .  splendidiores  (au- 
tem)  vel  dignitatibus  noti  .  .  perpetua  -noten- 
tur  infamia. 


rali  patre  manumissi,  succedere  eis  natu- 
ralis pater  non  potest,  nisi  fiduciarius,  a  quo 
manumissi  sunt.  Nam  si  remancipatum  sibi 
naturalis  pater  vel  avus  manumiserit,  ipse 
eis  in  hereditate  succedit  .  . 


P.  1,  2,  1.     Infames  sunt,  qui  propter  ali- 
quam  culpam  notantur  infamia  .   . 


Bürgerliche  Ehre.     Infamia  §  21. 


149 


b)  Wenn  Sklaven  auf  Befehl  der  Herren  ^  das  Verbrechen  der  Gewaltthätigkeit  0.9,7,3 
verübt  haben  werden,  werden  die  Herren,  die  das  Unerlaubte  vorgeschrieben 
haben,  dem  Schimpfe  der  Infamie  verfallen-    und  können  ^die  Dignität  der 
Nobilität.  bez.  ihres  Honor,^  nicht  behalten.     Den  ludices  soll  nicht  erlaubt 

sein,  die  Verhandlung  über  die  Gewaltthätigkeit  zu  verschieben  oder  zu 
unterlassen  oder  zu  schenken:  werden  sie  sich  von  der  Gewaltthätigkeit 
überzeugt  und  diese  nicht  unverzüglich  geahndet  haben,*  so  mögen  sie 
wissen,  dass  sie  der  Bestrafung ^  unterHegen  werden. 

c)  Eine  Person,  die  wegen  einer  beliebigen  Art  Furtum  verurteilt  worden  ist,  p.  2, 32,  is 
wird  famos. 

d)  Wer  wegen  massiger  Injurie  angehalten  wird,  die  Schäden  der  geschätzten  p.  5, 4, 9 
Injurie  zu  tragen,6  wird  dennoch  infam,  mag  er  auch  civil  verm-teilt  zu  sein 
erachtet  werden. 

aa)  Üble   Nachrede,    ingleichen   eine   öffentlich   verübte    Schmähung,  wird  p.  5, 4,  is 
der  Injmienstrafe  unterworfen :  wer  infolgedessen  verurteilt  worden  ist, 
wird  infam. 

bb)  Nicht    nur   wer  eine  üble  Nachrede  oder  Schmähung  zugefügt  haben  p.  5, 4, 19 


1)  Metu  atque  exhortatione  der  Herren. 

2)  T  fügt  hinzu  Secundum  legem  luliam. 

3)  Dignitas  loci  aut  originis  propriae. 

4)  T  fügt  den  Fall  der  Verhängung  einer  milderen,  als  der  gesetzlichen,  Strafe  hinzu. 

5)  T  spricht  von  Gravis  infamia. 

6 )  Wer  wegen  Injurien  civil  verurteilt  und  den  Schätzungswert  hierfür  zu  entrichten 
geheissen  worden  ist. 


b)  C.  9,  7,  3.  . .  Servos  si  (illi)  metu  atque 
exhortatione  dominorum  violentiam  admise- 
rint,  palam  est,  secundum  legem  luliam  do- 
minum infamem  pronuntiandum  loci  aut  ori- 
ginis propriae  dignitate  non  uti  .  .  ludicem 
vero  nosse  oportet,  quod  gravi  infamia  sit 
notandus,  si  violentiae  crimen  apud  se  pro- 
batum  distulerit,  omiserit  vel  impunitate  dona- 
verit  aut  moUiore,  quam  praestituimus,  poena 
perculevit. 

c)  P.  2,  32,  18.  Furti  quocunque  genere 
condemnatus  famosus  efficitur. 

d)  P.  5,  4,  9.  Iniuriarum  civilitcr  dam- 
natus  eiusque  aestimationem  inferre  iussus 
famosus  efficitur. 

aa)  P.  5,  4,  18.  Maledictum,  itemque  con- 
vicium  publice  factum  ad  iniuriae  vindictam 
revocatur:  quo  facto  condemnatus  infamis 
efficitur. 

bb)  P.  5,  4,  19.  Non  tan  tum  is,  qui  male- 
dictum aut  convicium  ingesserit,  iniuriarum 
convictus  famosus  efficitur :  sed  et  is,  cuius 
ope  consiliove  factum  esse  dicitur. 


Si  servi  .  .  iubentibus  dominis  violen- 
tiae crimen  admiserint,  domini,  qui  illi- 
cita  praeceperunt,  notantur  infamia  et  no- 
bilitatis  vel  honoris  sui  dignitatem  tenere 
non  possunt  .  .  (Ceterum)  non  liceat  iudici- 
bus  discussionem  violentiae  differre  vel  di- 
mittere  vel  donare:  qui  si  probaverint  violen- 
tiam et  non  statim  vindicaverint,  noverint 
se  periculum  subituros  .  . 


Qui  pro  iniuria  mediocri  aestimatae  in- 
iuriae damna  subire  compellitur,  quamvis  civi- 
liter  videatur  addictus,  tarnen  infamis  ef- 
ficitur. 


150 


Privatrecht.     Zweites  Bucli. 


Avird,  wird,  wenn  er  verübter  Beleidigungen  überführt  worden  ist, 
famos,  sondern  auch  derjenige,  mit  dessen  Hihe  oder  Rat  es  ge- 
schehen sein  soll. 

c.  9, 26, 1  e)  Ein  Jeder,  der  nach  vorgängiger  Inskription  Jemanden  als  irgendwelchen 
Verbrechens  schuldig  wird  haben  anklagen  wollen,  soll  von  dem  Tage  der 
Inskription  innerhalb  Jahresfrist  die  proponierte  Actio  durchführen.  Wird 
er  sie  hinausgeschoben  haben,i  so  wird  er  infam  ^  und  mit  dem  vierten  Teile 
seines  Vermögens  gestraft  werden. 

c.  9, 29, 3  f)  3^g^im-Qnia^toren  sind  alle  diejenigen,  welche  Sachen,  die  ihnen  nicht  zu- 
kommen, ohne  das  Mandat  des  Andern  proponiert  haben,  die,  nachdem 
sie  durch  ein  gerechtes  Urteil  besiegt  worden  sind,  die  Sache  zu  wieder- 
holen versucht  haben  werden,  die  im  Namen  des  Fiskus  fremdes  Vermögen 
beanspruchen  und  Unschuldige  nicht  in  Ruhe  lassen.  Kalumniatoren  sind 
auch  diejenigen,  welche,  indem  sie  Falsches  anbringen,  gegen  die  Person 
irgend  eines  Unschuldigen  die  Gemüter  der  Principes  zum  Zorn  zu  bewegen 
sich  anmassen.  Sie  alle  werden,  nachdem  sie  infam  geworden  sind,  in  das 
Exil  gestossen  werden.^ 


1)  T  fügt  noch  einen  weiteren  Fall  hinzu:  Vel,  quod  est  contumacius,  ultimo  anni  die 
adesse  neglexerit. 

2)  T  fügt  mit  Bezug  auf  die  Infamie  hinzu  Quam  veteres  iusserant  sanctiones. 

3)  T  bedroht  diejenigen,  welche  Sub  specie  falsae  criminationis  Unschuldige  mittels 
Impugnatio  callidorum  zu  vernichten  suchen,  mit  der  Strenge  der  Gesetze  (Innocentes  sub 
specie  falsae  criminationis  non  patimur  callidorum  impugnatione  subverti:  qui  si  tentaverint, 
intelligant,  sibimet  severitatem  legum  pro  commissis  facinoribus  incumbere).  Des  weiteren 
liegt  dem  Texte  C.  Th.  9,  29, 1  T  und  C.  Th.  9,  29,  2  T  zu  Grunde.  C.  Th.  9,  29,  1  T,  wozu  J 
eine  Verweisung  auf  den  Text  enthält  (Ista  Lex  sub  eodem  titulo  similem  interpretationem 
habet),  besagt,  dass  die  Bestrafung  eines  Manif'estus  calumniator  nicht  zu  verschieben  sei,  indem 
man  nicht  wiederholen  dürfe,  vv^as  Prima  actione  unhaltbar  gewesen  sei,  bez.  fremde  Un- 
schuld und  gutes  Gewissen  nicht  Damnabili  appetitione  in  vSchrecken  versetzen  dürfe  (Non 
est  ratio,  qua  manifesti  calumniatoris  supplicium  differatnr.  Nee  enim  patimur  frequenter 
iterari,  quae  consistere  prima  actione   non  quieverint,   atque   alienam  innocentiam  securita- 


e)  C.  9,  26,  1.  Quisquis  accusator  reum 
in  iudicium  sub  inscriptione  detulerit,  si 
intra  anni  tempus  accusationem  coeptam 
prosequi  supersederit,  vel,  quod  est  contu- 
macius, ultimo  anni  die  adesse  neglexerit, 
quarta  bonorum  omnium  parte  mulctatus 
aculeos  consultissimae  legis  incurrat;  scilicet 
manente  infamia,  quam  veteres  iusserant 
sanctiones. 


Quicunque  inscriptione  praemissa  cuius- 
cunque  criminis  reum  accusare  voluerit,  ab 
eo  die,  quo  inscripsit,  intra  annum  peragat 
propositam  actionem.  Qui  si  distulerit,  in- 
famis  eflfectus,  bonorum  suorum  quarta  parte 
mulctabitur. 


C.  9,  29,  3.  Calumniatores  sunt,  quicunque 
causas  ad  se  non  pertinentes  sine  mandato 
alterius  proposuerunt  (.  Calumniatores  sunt), 
quicunque  iusto  iudicio  victi  causam  iterare 
tentaverint  (.  Calumniatores  sunt),  qui  sub 
nomine  fisci  facultates  appetunt  alienas  et 
innocentes     quietos     esse     non     permittunt. 


Bürgerliche  Ehre.     Infamia  §  21. 


151 


g)  ^Wir  liaben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  viele  ihre  Sachen  mit  den  Personen  c.  2,  u,  1 
von  Potentes  verteidigen,  bez.  verfolgen.  Derart  dass  sie  Libelli,  bez.  Tituh, 
mit  dem  Namen  derjenigen,  welche  durch  Dignität  ausgezeichnet  sind,  um 
leichter  die  Besitzer  zu  schrecken,  an  den  Häusern,  die  sie  zurückfordern, 
anschlagen,  oder  dass  sie  sich,  wenn  irgend  etwas  zurückgefordert  wird,  aus- 
drücklich mit  dem  Namen  von  Magni  et  clarissimi  viri  in  den  vorgelegten 
Libelli  contradictorii  verteidigen.  Wird  dieses  mit  dem  Willen  derjenigen 
Personen  geschehen  sein,  deren  Namen  die  Libelli  bezeugen,  so  muss  um 
ihrer  ganzen  Schlechtigkeit  willen  ihre  Dignität  öffentlich  dem  Schimpfe 
verfallen.! 


temque  sine  crimine,  damnabili  appetitione  terreri).  Hingegen  sagt  C.  Th.  9,  29,  2  T,  dass 
nach  kaiserhchen  Konstitutionen  diejenigen,  welche  eine  Anklage  Alienis  nominibus  sich 
angeraasst  hätten,  für  Delatoren  zu  erachten  seien,  und  dass  Calumniosissimum  caput  und 
die  ludicio  irritae  delationis  infame  Person  die  Deportation  treffe,  damit  man  künftig 
erkenne,  dass  mit  nicht  nachweisbaren  Anschuldigungen  die  Gemüter  der  Principes 
nicht  erregt  werden  dürfen  (Nostris  et  parentum  nostrorum  constitutionibus  comprehensum 
est,  eos,  qui  accusationem  alienis  nominibus  praesumsissent,  delatorum  numero  esse  ducen- 
dos.  Atque  ideo  calumniosissimum  caput  et  personam  iudicio  irritae  delationis  infamem 
deportatio  sequatur,  quo  posthac  singuli  universique  cognoscant,  non  licere  in  eo  principum 
animos    commovere,   quod  non  possit  ostendi). 

1)  T  spricht  ausschliesslich  mit  Bezug  auf  die  Verklagten,  und  zwar  einmal  von  den- 
jenigen Personen,  welche  die  Tituli  von  Potentes  und  die  Privilegien  Clarissimae  digni- 
tatis  den  Klägern  entgegensetzen:  diejenigen,  die  wissentlich  zu  dem  Gebrauch  der  Nomina 
und  Tituli  ihre  Zustimmung  gewähren,  werden  von  Nota  publicae  sentcntiae  betroffen. 
Ingleichen  wird  aber  auch  derjenige,  der  freiwillig  seinen  Namen  in  fremde  Prozesse  inse- 
rieren lässt,  während  er  weder  Eigentum  noch  Besitz  hat,  als  Famae  suae  prodigus  und 
Calumniarum  redemtor  notiert. 


g)  C.  2,  14,  1.  Animadvertimus,  plurimos 
iniustarum  desperatione  causarum  potentium 
titulos  et  clarissimae  privilegia  dignitatis  his, 
a  quibus  in  ius  vocantur,  opponere.  Ac  ne 
in  fraudem  legum  adversariorumque  terrorem 
his  nominibus  abutantur  et  titulis,  qui  huius- 
modi  dolo  scientes  connivent,  afficiendi  sunt 
publicae  sententiae  nota  .  .  Quisquis  igitur 
lite  pulsatus,  quum  ipse  et  rei  sit  possessor 
et  iuris,  et  titulum  illatae  solenniter  pulsa- 
tionis  exceperit,  contradictoriis  libellis  aut 
titulis  alterius  nomen  crediderit  inserendum  .  . 
Eos  sane,  qui  se  sponte  alienis  litibus  inseri 
patiuntur,  quum  his  neque  proprietas,  neque 
possessio  competat,  veluti  famae  suae  prodigos 
et  calumniarum  redemtores  natari  oportebit. 


Calumniatores  etiam  sunt,  qui  falsa  deferen- 
tes  contra  cuiuscunque  innocentis  personam 
principum  animos  ad  iracundiam  commovere 
praesumunt.  Qui  omnes  infames  effecti,  in 
exsilium  detrudentur  .  . 

Cognovimus,  multos  causas  suas  per  po- 
tentium personas  excusare  vel  prosequi,  ita 
ut  libellos  vel  titulos  eorum  nominibus,  qui 
dignitate  praeclari  sunt,  quo  facilius  terreant 
possessores,  in  his  domibus,  quae  ab  eis  re- 
petuntur,  affigant,  aut  certe  si  aliquid  repe- 
tatur,  nomine  magnorum  et  clarissimorum 
virorum  prolatis  libellis  contradictoriis  se 
specialiter  excusare.  Quod  si  ex  eorum  vo- 
luntate  factum  fuerit,  quorum  nomina  libelli 
testantur,  publice  debet  dignitas  eorum  pro 
omni  vilitate  notari  .  . 


152 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  4,  17 


N.M. 
4,  1,  3 


h)  Eine  Schmähung  darf  einem  Judex  von  den  Appellanten  nicht  geschehen: 
sonst  werden  sie  mit  Infamie  gestraft. 

i)  Für  niedrige  und  infame  Frauen  erachten  wir  eine  Sklavin  und  einer 
Sklavin  Tochter,  eine  Freigelassene  und  einer  Freigelassenen  Tochter, 
die  eine  Römische  Bürgerin  oder  Latinerin  geworden  ist,  eine  Schau- 
spielerin, bez.  einer  Schauspielerin  Tochter,  eine  Tabernaria  oder  eines 
Tabernarius  oder  eines  Kupplers  oder  eines  Grladiators  Tochter,  oder  eine 
Frauensperson,  die  einem  öffentlichen  Hause  vorsteht.^  Turpes  personae, 
das  will  sagen  infame,  sind  entweder  Dirnen  oder  natürliche  Kinder  oder 
Schauspieler,  bez.  die  eigenen  Freigelassenen.^ 

aa)  Nach  Entfernung  einer  Infamis  persona^  sollen  die  Germani  fratres 
die  Erbschaft  an  sich  ziehen:  denn  auch  wenn  nach  Übergehung  der 
Brüder  Freigelassene  durch  Testament  zu  Erben  eingesetzt  gewesen 
sein  werden,  werden  die  Grermani  des  Verstorbenen  sie  von  dem  Ver- 
mögen der  brüderlichen  Erbschaft  ausschliessen. 

c.  3, 8, 1       k)   Eine  Frau,    die    nach  dem  Tode  des  Gatten  innerhalb  eines  Jahres   einen 


C.  2,  19,  1 


C.  2,  19,  3 


1)  Vgl.  S.  40  Anm.  3. 

2)  T    spricht    lediglich    von   Personen,    die    mit    Notae    detestabilis    turpitudinis    be- 
haftet sind  (Quibus  inustas  constiterit  esse  notas  detestabilis  turpitudimis). 

3)  T  spricht  von  einer  Person,  die  infolge  von  Turpitudo  oder  Aliqua  levis  nota  die 
Erbschaft  nicht  erwerben  könne. 


h)  P.  5,  4, 17.  Conviciura  iudici  ab  appella- 
toribus  fieri  non  oportet:  alioquin  infamia 
notantur. 

i)  N.  M.  4,  1,  3.  .  .  Humiles  (vero)  abiectas- 
que  personas  eas,  tantummodo  (mulieres  esse 
censemus,  (quas  enumeratas  et  specialiter  ex- 
pressas  copulari  matrimoniis  senatorum  lex 
praedicta  non  passa  est,  hocest)  ancillam,  an- 
cillae  filiam,  libertam,  libertae  filiara,  civem 
RomanaiD  V3l  Latinam  factam,  scenicam  vel 
scenicae  filiam,  tabernariam  vel  tabernarii, 
vel  lenonis,  aut  arenarii  filiam,  aut  eam,  quae 
mercimoniis  publice  praefuit  ,  , 


aa)  C.  2,  19,  3.  .  .  omniaque  fratribus 
tradi,  quae  per  turpitudinem  aut  aliquam  le- 
vem  notam  capere  non  potest  institutus.  Ita- 
que  in  hac  quoque  parte,  si  quando  libertis 
heredibus  institutis  fratres  fuerint  alieni,  .  . 
praevaleant  in  omnibus  occupandis  facultati- 
bus  defuncti,  quas  ille  perperam  ad  libertos 
voluerat  pertinere. 

k)  C.  3,  8,  1.     Si  qua  ex  feminis  perdito 


.  vilibus  infamibusque  personis 


C.  2,  19,  1.  .  .  turpibus  personis,  id  est 
infamibus  .  .,  hoc  est  aut  .  .  meretricibus, 
aut  .  .  naturalibus  aut  certe  thymelicis  vel 
de  libertis  suis. 

.  .  ut  remota  infami  persona  .  .  heredi- 
tatem  germani  fratres  ad  se  debeant  revo- 
care.  Nam  et  si  praetermissis  fratribus  li- 
berti  per  testamentum  heredes  fuerint  insti- 
tuti, . .  germani  defuncti  eos  a  bonis  paternae 
hereditatis  excludent  .   . 


Mulier,    quae    post    mortem    mariti  intra 


Bürgerliche  Ehre.     Infamia  §  21. 


153 


andern  Mann    geheiratet   haben  wird,    möge  wissen,   dass    sie    der   Infamie 
unterliegt  und  dem   Schimpf  verfällt.^ 
1)  Wenn   irgend  Jemand  mit  der  Tochter,   entweder  der  Schwester  oder  des   c.  3, 12,  .3 
Bruders,  oder  mit  einer  Konsobrine  weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau  des 
Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird,  sollen  beiderseits  diese 
Personen   dem  Schimpfe   der  Infamie  verfallen.  -     AVird   irgendwelche  Frau  c.  8, 12, 4 
nach  dem    Tode  ihrer   Schwester  deren  Gatten   genommen  oder  ein  Mann 
nach    dem  Tode  der  Frau  sich  mit  deren  Schwester  in   einer  andern  Ehe 
verbunden  haben,  so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  durch  eine  solche  Verbindung 
dem  Schimpfe  verfallen/' 

Wenn    eine    angemasste  Verbindung    Personen  im    vierten  Grade   c.  .3, 10, 1 
der  Herkunft  zusammen  gebracht  haben  wird,  unterliegt  es  dem  Schimpfe.* 

m)  Wenn  Jemand   nach   dem   25.  Jahre  seines  Lebens  gegenüber  seiner  Ver-   c  2, 9, 1 
abredung  oder  Abmachung,  die  er,  ohne  Zwang  von  seilen  einer  Potestas, 


1)  Vgl.   §  15,  3  a,  a. 
3)  Vgl.  S.  104  Anm.  5. 


2)  Vgl.  §  13,  2  d. 
4)  Vgl.  §  13,  2  d. 


marito  intra  anni  spatium  alteri  festinaverit 
iara  nubere  .  .,  probrosis  inusta  notis,  ho- 
nestioris  nobilisque  personae  et  decore  et 
iure  privetur  .  . 

1)  C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  post- 
hac  consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fra- 
tris  filiae  uxorisvo  vel  eius  postremo,  cuius 
vetitum  damnatumque  coniugium  est,  sese 
nuptiis  funestarit  .  . 

C.  3,  12,  4.  Tanquam  incestum  commi- 
serit,  habeatur,  qui  post  prioris  coniugis 
amissionem  sororem  eius  in  matrimonium 
proprium  crediderit  sortiendam;  pari  ao  si- 
mili  ratione  etiam,  si  qua  post  interitum  ma- 
riti  in  germani  eius  nuptias  crediderit  ad- 
spirandum   .  . 

C.  3,  10,  1.  .  .  consobrinorum,  hoc  est 
quarti  gradus  coniunctionem  .  . 

m)  C.  2,  9,  1.  Si  quis  maior  annis  ad- 
versum  pacta  vel  transactiones  nuUo  co- 
gentis  imperio,  sed  libero  arbitrio  et  volun- 
tate  confecta  putaverit  esse  veniendum,  vel 
interpellando  iudicem,  vel  supplicando  prin- 
cipibus,  vel  non  implendo  promissa  ea,  quae 
invocato  dei  omnipotentis  nomine,  eo  auc- 
tore,  solidaverit,  .  .  inuratur  infamia  .  , 
Eos  etiam  huius  litis  vel  iactura  dignos  iu- 
benius  esse  vel  munere,  qui  nomina  nostra 
placitis  inserentes,  salutem  principum  con- 
firmationem  initarum  esse  iuraverint  pacti- 
onum. 


annum  alteri  viro  nupserit,  sciat  so  infamiae 
subiacere  et  notabilem  .  .  reddi  .  . 


.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris 
filiam  aut  certe  ulterioris  gradus  consobrinam 
aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis 
iunxerit,  .  .  infamia  sint  notatae  utrimque 
personae  .  . 

Quaecunque  mulier  sororis  suae  maritura 
post  illius  mortem  acceperit,  vel  si  quis  ex 
viris,  mortua  uxore,  sororem  eius  aliis  nuptiis 
sibi  coniunxerit,  noverint  tali  consortio  se 
esse  notabiles  .  . 


.  .  His  (vero),  quos  in  quartum  gradum 
originis  coniunctio  praesumtiva  copulaverit, 
(quia)  notabile  est  .  . 

Si  quis  post  XXV.  aetatis  suae  annum 
adversus  pactionem  vel  definitionem  suam, 
quam  nulla  potestate  constrictus  emisit,  sed 
voluntate  propria  fecisse  dignoscitur,  aut 
interpellare  iudices  aut  potestatum  animos 
contra  hoc,  quod  fecit,  -precibus  adire  prae- 
sumserit  aut  implere  neglexerit  ea,  quae  sub 
sacramenti  interpositione  definitionis  suae 
scriptura  testatur:  (non  solum)  ex  hoc  facto 
pronuntietur  infamis  .  .  Illos  quoquo  praeci- 
pimus  similis  poenae  conditione  constringi, 
qui  dominorum  nomina  placitis  inserentes, 
deönita  implere  noglexerint  .  . 


154 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


getroffen  hat  und  vielmehr  aus  freiem  Willen  geschlossen  zu  haben  befunden 
wird,  sei  es  die  Judices  zu  interpellieren  oder  die  Gemüter  der  Potestates 
gegen  dasjenige,  was  er  gethan  hat,  mit  Preces  anzugehen  sich  angemasst 
oder  dasjenige  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  wird,  was  die  Niederschrift 
seiner  Abmachung,  unter  Leistung  eines  Eides,  bezeugt,  so  soll  er  aus  diesem 
Sachverhalt  für  infam  erklärt  werden.  Wir  befehlen,  dass  diejenigen  von  dem 
gleichen  Straflose  betroffen  werden,  welche,  während  sie  in  die  Verträge 
die  Namen  der  Herren  ehireihen,  die  Festsetzungen  zu  erfüllen  verab- 
säumt haben  werden. 

c.  2, 19, 3  n)  Wird  wegen  der  durch  Schulden  entstandenen  Notlage  von  dem  Herrn 
einem  Sklaven    mit    der  Freiheit   die  Erbschaft   hinterlassen    gewesen  sein, 

G.  2, 3,  6  so  wird  eine  Person  dieser  Art  infam  erachtet.  ^     Personen,   welche   Gläu- 

bigern verschuldet  sind  und  meinen,  dass  sie  nicht  so  viel  an  Vermögen, 
als  an  Schulden  hinterlassen,  machen  ihre  Sklaven  frei  und  setzen  sie  zu 
Heredes  necessarii  ein,  damit  eher  der  Erbe,  als  der  Herr,  der  Infamie 
unterliege,  wenn  sein  Vermögen,  das  ist  die  Erbschaft  des  Herrn  Schulden 
halber  verkauft  und  den  Gläubigern  gegeben  wird. 

3)  Wirkung. 

p.  1, -2, 3       a)  Eine    Infamis    persona    kann    weder   Procurator   in    fremder    Sache,    noch 
p.  1,2,1  Procurator  et  dominus,  um  in  eigener  Sache  aufzutreten,  werden.^     Infame 

können  zur  Besorgung  ihrer  Angelegenheiten  weder  ein  Mandat  geben,  noch 
von  einem  Andern  annehmen,  mögen  auch  ihre  Gegner  sich  dabei  be- 
ruhigen.^ 


1)  Ein  Sklave  ist  zum  Necessarius  heres  einzusetzen,    weil   er  nicht  sowohl  das  Ver- 
mögen als  die  Infamie  zu  erzielen  erachtet  wird. 

2)  In    rem    suam    cognitor    procuratorve    kann    derjenige    werden,    welcher    für    alle 
postuliert. 

3)  Alle  Infamen,  die  am  Postulieren  behindert  sind,  können  nicht  Kognitoren  werden, 
auch  wenn  es  die  Gesrner  wollen. 


n)  C.  2,  19,  3.  Servus  necessarius  heres 
instituendus  est,  quia  non  magis  Patrimo- 
nium quam  infamiam  consequi  videtur  .  . 


2)  a)  P.  1,  2,  3.  In  rem  suam  cognitor 
procuratorve  ille  fieri  potest,  qui  pro  Omni- 
bus postulat. 

P.  1,  2,  1.     Omnes  infames,  qui  postulare 


Si  servo  pro  necessitate  debiti  a  domino 
cum  libertate  hereditas  fuerit  dimissa,  (quia) 
huiusmodi  persona  videtur  infamis  .  . 

G.  2,  3,  6.  .  .  qui  creditoribus  tenentur 
obnoxii,  et  putant,  se  non  tantum  in  sub- 
stantia,  quantum  in  debitis  relinquere,  ipsi 
servos  suos  manumittunt,  et  heredes  neces- 
sarios  faciunt,  ut  quo  magis  heres  quam  do- 
minus infamiam  incurrat,  quum  res  eins,  id 
est,  hereditas  domini  pro  debitis  venditur  et 
creditoribus  datur  .  . 

Nee  procurator  in  causa  aliena,  nee  pro- 
curator et  dominus,  ut  pro  re  sua  agat,  in- 
famis persona  fieri  potest. 

Infames  .  .  ad  a^endas  causas   nee  man- 


Bürgerliche  Ehre.     Infamia  §  21, 


155 


b)  ^Senatoren  sollen,  falls  sie  gewollt  haben  werden,  die  Befugnis  haben,  a})ge-     f-^^-^ 
sehen  von  niedrigen  und  infamen  Personen,  arme  und  jeder  Dignität  der  Geburt 

bare  Personen,  wenn  sie  nur  ehrbar  smd  und  von  ehrbaren  Eltern  stammen, 
zu  Frauen  auszuwählen  und  zu  heiraten.  Ohne  Z^veifel  wird  dies  nach 
dem  Beispiel  dieses  Gesetzes  auch  allen  gestattet.  ^ 

c)  Sind  Germ ani  fratres  übergangen  w^orclen,  so  wird,  falls  an  Turpes  personae,   c.  2,19,1 
das  ist  Infame,'-  die  Erbschaft  hinterlassen  gewesen  sein  wird,  die  Befugnis, 

gegen  das  Testament  zu  klagen,  vorbehalten. 

Wird  wegen  der  durch  Schulden  entstandenen  Notlage  von  dem  c  2, 19, 3 
Herrn  einem  Sklaven  mit  der  Freiheit  die  Erbschaft  hinterlassen  ge- 
wesen sein,  weil  eine  Person  dieser  Art  infam  erachtet  wird,  so  wird 
den  Germani  fratres,  die  übergangen  worden  sind,  die  Befugnis  ge- 
geben, gegen  das  Testament  zu  klagen,  sodass  nach  Entfernung  der 
Infamis  persona,  unter  Aufrechterhaltung  jedoch  der  erzielten  Freiheit, 
die  Germani  fratres  die  Erbschaft  an  sich  ziehen  sollen  :3  denn  auch 
wenn  nach  Übergebung  der  Brüder  Freigelassene  durch  Testament 
zu  Erben  eingesetzt  gewesen  sein  werden,  werden  in  gleicher  Weise 
die  Germani  des  Verstorbenen  sie  von  dem  Vermögen  der  brüder- 
lichen Erbschaft  ausschliessen  und  Alles,  was  er  hinterlassen  haben 
wird,  für  sich  in  Anspruch  nehmen.^ 


1)  Vgl.  §  13,  3  a. 

2)  Vgl.  S.  152  Anm.  2. 

3)  Der  Sklave  ist  zum  Necessarius  heres  einzusetzen,  weil  er  nicht  sowohl  das  Ver- 
mögen als  die  Infamie  zu  erzielen  erachtet  wird.  Demgemäss  ist  die  Actio  inofficiosi  ge- 
währt, indem  er  Alles,  was  er  wegen  Turpitudo  oder  einer  leichten  Nota  nicht  erwerben 
darf,  den  Brüdern  übergeben  muss. 

4)  T  fügt  hinzu,  dass  hierzu  die  Inofficiosi  actio  diene. 


prohibentur,    cognitores    fieri    non    possunt, 
etiam  volentibus  adversariis. 

b)  N.  M.  4,  1,  2.  .  .  licere  »tatuimus  se- 
natoribus  et  quibuscunque  amplissimis  digni- 
tatibus  praeditis,  ex  ingenuis  natas,  quamvis 
pauperes,  in  matrimonium  sibi  adsciscere  .  . 


c)  C.  2,  19,  1.  .  .  germanis  tantummodo 
fratribus  adversus  eos  duntaxat  institutos 
heredes,  quibus  inustas  constiterit  esse  notas 
detestabilis  turpitudinis,  .  .  petitionis  aditus 
reseretur. 

b)  C.  2,  19,  3.  Servus  necessarius  heres 
instituendus  est,  quia  non  magis  Patrimo- 
nium quam  infamiam  consequi  videtur.  Unde 
claret,  actionem  inofficiosi  fratribus  relaxa- 
tara,  quum  infamiae  aspergitur  vitiis,  qui 
heres  exstitit,  omniaque  fratribus  tradi,  quae 


datum  dare,  nee  suscipere  ab  altero  possunt, 
etiamsi  hoc  eorum  adversarii  acquiescant, 

.  .  ut  exceptis  vilibus  infamibusque  per- 
sonis  .  .  pauperes  et  sine  uUa  dignitate  na- 
talium,  dummodo  honestas  et  honestis  pa- 
rentibus  procreatas,  senatores,  si  voluerint, 
uxores  eligendi  et  ducendi  habeant  potesta- 
tem.  Quod  et  omnibus  exemplo  legis  huius 
sine  dubitatione  permittitur. 

.  .  germanis  fratribus  praetermissis,  .  . 
si  turpibus  personis,  id  est  infamibus  fuerit 
hereditas  derelicta,  .  .  agendi  contra  testa- 
mentum  licentia  reservatur  .  . 

Si  servo  pro  necessitate  debiti  a  domino 
cum  libertate  hereditas  fuerit  dimissa,  quia 
huiusmodi  persona  videtur  infamis,  germanis 
fratribus,  qui  praetermissi  sunt,  agendi 
contra  testamentum  datur  facultas :  ut  re- 
mota  infami  persona,  salva  tarnen,  quam  me- 


156 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


F)  ßeligion  §  22. 


N.  Th. 

3,1,4U  5 


C.  16,  3,  1 


1)  Juden. 


C.  2,  1,  10 


a)  Kein  Jude  soll  einen  Sklaven  oder  Freien,  der  Christ  ist,  durch  irgend- 
welche Überredung  1  zu  seinem  Gesetze  überzuführen  wagen.  Wenn  er  es 
gethan  haben  wird,  soll  er  unter  Verlust  des  Vermögens  kapital  gestraft 
werden.^  Es  soll  den  Juden  nicht  erlaubt  sein,  denjenigen,  der  aus  einem 
Juden  Christ  geworden  ist,  zu  beunruhigen  oder  mit  irgendwelcher  Be- 
leidigung anzugreifen,  indem  eine  Beschimpfung  dieser  Art  nach  dem  Masse 
des  Vergehens  zu  bestrafen  ist. 

b)  Alle  Juden,  die  als  Römer  gelten,-^  sollen  bei  den  Oberen  ihrer  ßeh- 
gion  allein  dies  betreiben,  was  ihre  Glaubensdisziplin  angeht,  derart, 
dass  sie  dasjenige,  was  nacli  den  Hebräischen  Gesetzen  verordnet  ist 
untereinander  beobachten  sollen.  Dagegen  sollen  sie  die  sonstigen  Geschäfte, 
die  in  unsern  Gesetzen  enthalten  sind  und  auf  das  Forum  sich  beziehen, 
bei  dem  Judex  provinciae  nach   dem    gleichen  Rechte   wie  Alle  betreiben."^ 


1)  Wider  seinen  Willen  oder  durch  Überredung. 

2)  T  sagt  noch,  dass  Jemand  neben  Konfiskation  des  Vermögens  der  Foena  sanguinis 
zu  überliefern  ist,  der  den  Glauben  des  Andern  durch  perverse  Doktrin   angegriffen   hat. 

3)  Juden,  die  nach  Römischem  und  gemeinem  Rechte  leben,  sollen  in  denjenigen 
Sachen,  die  nicht  ihren  Aberglauben,  sondern  Forum  und  Leges  und  Iura  betreffen,  Sollemni 
iure  die  Gerichte  angehen  und  nach  Römischen  Gesetzen  als  Kläger  oder  Verklagte  auf- 
treten und  unsern  Gesetzen  unterstehen. 


per  turpitudinem  aut  aliquam  levem  notam 
capere  non  potest  institutus.  Ita  in  hac  quo- 
que  parte,  si  quando  libertis  heredibus  insti- 
tutis  fratres  fuerint  alieni,  inofficiosi  actione 
proposita  praevaleant  in  omnibus  oceupandis 
facultatibus  defuncti,  quas  ille  perperam  ad 
libertos  voluerat  pertinere. 

1)  a)  N.  Th.  3,  1,  4  u.  5.  His  adicimus,  ut 
quicunque  servum  seu  ingenuum  invitum  vel 
suasione  plectenda  ex  cultu  Christianae  re- 
ligionis  in  nefandam  se^tam  ritumve  tra- 
duxerit,  cum  dispendio  fortunarum  capite  pu- 
niendum  .  .  Cernat  praeterea  bona  sua  pro- 
scripta,  pOenae  mox  sanguinis  destinandus, 
qui  fidem  alterius  expugnavit  perversa  do- 
ctrina. 

C.  16,  3,  1.  Eum,  qui  ex  ludaeo  Chri- 
stianus factus  est,  inquietare  ludaeos  non 
liceat  vel  aliqua  pulsare  iniuria:  pro  quali- 
tate  commissi  istius  modi  contumelia  pu- 
nienda. 

b)  C.  2,  1,  10.  ludaei  Romano  et  communi 
iure  viventes  in  his  causis,  quae  non  tam  ad 
superstitionem    eorum,    quam    ad    forum    et 


ruit,  libertate,  hereditatem  germani  fratres 
ad  se  debeant  revocare.  Nam  et  si  praeter- 
missis  fratribus  liberti  per  testamentum  he- 
redes  fuerint  instituti,  simili  modo  germani 
defuncti  eos  a  bonis  fraternae  hereditates 
excludent,  sibique  omnia,  quae  reliquerit, 
vindicabunt. 

.  .  (Hoc  etiam  specialiter  in  hac  lege  com- 
prehonsum  est,)  ut  nullus  ludaeus  servum 
aut  ingenuum  Christianura  audeat  quacunque 
persuasione  in  suam  legem  transferre.  Quod 
si  fecerit,  araissis  facultatibus,  capite  puni- 
atur  .  . 


ludaei  omnes,  qui  Romani  esse  noscuntur, 
hoc  solum  apud  religionis  suae  maiores 
agant,  quod  ad  religionis  eorum  pertinet  dis- 


Religion  §  22. 


157 


Wenn  ireilicli  beide  Parteien  übereinstimmend  mit  Bezug  auf  eine  blosse 
Civilsache,  die,  bei  Vorhandensein  eines  Kompromisses,  durch  Schiedsspruch 
erledigt  wird,  bei  den  Oberen  ihres  Gesetzes^  werden  haben  verhandeln 
wollen,  -  soll  es  derart  sein,  als  wird  durch  Anordnung  des  Richters  die 
Entscheidung  getroffen  gewesen  sein.  ^ 

c)  Weder  soll  ein  Jude  eine  Christin,   noch    ein  Christ    eine  Jüdin  zur  Frau  c.  9, 4,4 
nehmen.     Wird  er  es  gethan  haben,    so  soll  auf  die  Anklage  eines  Jeden, 

w^e  gegen  Ehebrecher,  eingeschritten  werden. 

Weder  soll  ein  Jude  sich  der  Ehe  mit  einer  Christin  bedienen,  es,  1,2 
noch  ein  Christ  eine  Jüdin  zur  Frau  nehmen.  Werden  irgendwelche 
Personen  gegen  das  Verbot  durch  solche  Verbindung  sich  vermischt 
haben,  so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  mit  derjenigen  Strafe  zu  ver- 
folgen sind,  mit  welcher  Ehebrecher  verurteilt  werden,  und  die  An- 
klage dieses  Verbrechens  nicht  nur  den  Verw^andten,  sondern  auch 
Allen  behufs  Verfolgung  zugestanden  ist. 

d)  Man    kam    überein,    vor    allem    in    acht   zu    nehmen,    dass   keinem    Juden   c.  3, 1,5 
erlaubt   sei,    einen    christlichen   Sklaven    zu    haben, '^   und   er  unter  keinen 


1)  Bei  den  Juden  oder  Patriarchen, 

2)  Sollen  ihre  Urteile  die  ludices  provinciarum   derart  zur   Ausführung  bringen,    als 
ob  Arbitri  Ex  sententia  cognitoris  gewährt  worden  wären. 

3j  Erwerben. 


leges  ac  iura  pertinent,  adeant  solenni 
more  iudicia  omnesque  Romanis  legibus  in- 
ferant  et  excipiant  actiones:  postremo  sub 
legibus  nostris  sint.  Sane  si  qui  per  com- 
promissum,  ad  similitudinem  arbitroruni,  apud 
ludaeosvelpatriarchas  ex  consensu  partium,  in 
civili  duntaxat  negotio,  putaverint  litigandum, 
sortiri  eorum  iudicium  iure  publico  non  ve- 
tentur:  eorum  etiam  sententias  provinciarum 
iudices  exscquantur,  tanquam  ex  sententia 
cognitoris  arbitri  fuerint  attributi. 

c)  C.  9,  4,  4.  Ne  quis  Christianam  mu- 
lierem  in  matrimonium  ludaeus  accipiat, 
neque  ludaeae  Christianus  coniugium  sortia- 
tur.  Nam  si  quis  aliquid  huius  modi  admi- 
serit,  adulterii  vicem  commissi  huius  crimen 
obtinebit,  libertate  in  accusandum  publicis 
quoque  vocibus  relaxata. 

C.  3,  7,2.  Ne  quis  Christianam  mulierem 
in  matrimonium  ludaeus  accipiat,  neque  lu- 
daeae Christianus  coniugium  sortiatur.  Nam 
si  quis  aliquid  huiusmodi  admiserit,  adulterii 
vicem  commissi  huius  crimen  obtinebit,  liber- 
tate in  accusandum  publicis  quoque  vocibus 
relaxata. 

d)  C.  3,  1,  5.     Ne  quis  omnino  ludaeorura 


ciplinam,  ita  ut  inter  se,  quae  sunt  Hebraeis 
legibus  statuta,  custodiant.  Alia  vero  nego- 
tia,  quae  nostris  legibus  continentur  et  ad 
forum  respiciunt,  apud  iudicem  provinciae 
eo,  quo  omnes,  iure  confligant.  Sane  si  apud 
maiores  legis  suae  consentientes  ambae  partes, 
de  solo  tumen  civili  negotio  audiri  voluerint, 
quod,  inter veniente  compromisso  arbitrtili  iu- 
dicio  terminatur,  tale  sit,  quasi  ex  praecepto 
iudicis  fuerit  definitum. 

Nee  ludaeus  Christianam  nee  Christianus 
ludaeam  ducat  uxorem.  Quod  si  fecerit, 
cuiuslibet  accusatione  velut  in  adulteros  vin- 
dicetur. 


.  .  ut  nee  ludaeus  Christianae  matrimonio 
utatur,  nee  Christianus  homo  ludaeam  uxo- 
rem accipiat.  Quod  si  aliqui  contra  vetitum 
se  tali  coniunctioni  miscuerint,  noverint  se 
ea  pocna,  qua  adulteri  damnantur,  perse- 
quendos,  et  accusationem  huius  criminis  non 
solum  propinquis,  sed  etiam  ad  persequendum 
Omnibus  esse  permissum. 

Convenit  ante  omnia    observari,    ut   nuUi 


158 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  16,4,1 


T.  5,  24,  3 
P.  5,24,4 


N.Th. 

3,  1,  3u.  5 


Umständen  wagen  solle,  sich  anzumassen,  wenn  er  ihn  gehabt  haben  wird, 
den  Christen  zu  seinem  Gesetze  zu  bringen.  Wird  er  es  gethan  haben, 
so  möge  er  wissen,  dass  er,  unter  Entziehung  der  Sklaven,  einer  eines  so 
grossen  Verbrechens  würdigen  Strafe  unterliegen  werde.  ^  Wenn  einer 
aus  der  Zahl  der  Juden  einen  Sklaven,  der  Christ  ist  oder  irgend  einer 
anderen  Sekte  angehört,  gekauft  und  beschnitten  haben  wird,  soll  er 
der  Potestas  dieses  Juden  enthoben  sein  und  in  der  Freiheit  verharren. 
Römische  Bürger,  die  ihre  Sklaven  nach  jüdischem  Ritus  beschneiden  lassen, 
werden  unter  Entziehung  des  Vermögens  dauernd  auf  eine  Insel  relegiert, 
die  Arzte  kapital  gestraft.  Wenn  Juden  die  von  ihnen  erv^orbenen  Sklaven 
fremder  Nation  beschnitten  haben  werden,  werden  sie  entweder  deportiert 
oder  kapital  gestraft, 
e)  Ein  Jude,  ein  Samaritane  soll  nicht  wagen,  eine  Synagoge  zu  errichten. 
Denn  wenn  sie  es  gethan  haben  werden,  mögen  sie  wissen,  dass  dieser  Bau 
der  katholischen  Kirche  zu  statten  kommen  wird  und  die  Urheber  des 
Baues  mit  fünfzig  Pfund  Gold  zu  strafen  sind.  Hingegen  mögen  sie  wissen, 
dass  ihnen  gestattet  ist,  die  Ruinen  ihrer  Synagogen  wiederherstellen  zu 
dürfen. 


1)  Übergangsbestimmung  in  T:  (nam)  si  qui  apud  ludaeos  vel  adhuc  Christiani  servi 
vel  ex  Christiani  ludaei  reperti  fuerint,  soluto  per  Christianos  competenti  pretio  ab  indigna 
Servitute  redimantur.  Hierzu  sagt  J:  ante  leo^em  datam  id  faerat  statutum,  ut  pro  Chri- 
stiane servo,  si  inquinatus  fuisset  pollutione  ludaica,  sciret  sibi  pretium,  quod  dederat,  a 
Christianis  esse  reddendum,  ut  servus  in  Christiana  lege  permaneret 


Christianum  comparet  servum  neve  ex  Chri- 
stiano  ludaicis  sacramentis  attaminet.  Quod 
si  factum  publica  indago  compererit  et  servi 
abstrahi  debent,  et  tales  domini  congruae 
atque  aptae  facinori  poenae  subiaceant. 

C.  16,  4,  1.  Si  quis  ludaeorum  Christia- 
num maneipium  vel  cuiuslibet  alterius  sectae 
mercatus  circumciderit,  minime  in  Servitute 
retineat  circumcisum,  sed  libertatis  privile- 
giis,  qui  hoc  sustinuerit,  potiatur. 

P.  5,  24,  3.  Cives  Romani,  qui  (se)  ludaico 
ritu  (vel)  servos  suos  circuracidi  patiuntur, 
bonis  ademtis  in  insulam  perpetuo  relegan- 
tur.  Medici  capite  puniuntur. 

P.  5,  24,  4.  ludaei,  si  alienae  nationis 
comparatos  servos  circumciderint,  aut  depor- 
tantur  aut  capite  puniuntur. 

e)  N.  Th.  3,  1,  3  u.  5.  illud  .  .  arcen- 
tes,  ne  qua  synagoga  in  novam  fabricam 
surgat,  fulciendi  veteres  permissa  licentia, 
quae  ruinam  praesentaneam  minitantur  . 
Ut  quisque  .  .  sjnagogam  exstruxerit,    com- 


ludaeo  servum  Christianum  habere  liceat, 
certe  nullatenus  audeat,  ut  Christianum,  si 
habuerit,  ad  suam  legem  transferre  prae- 
sumat.  Quod  si  fecerit,  noverit  se  sublatis 
servis  poenam  dignam  tanto  crimine  subi- 
turum  .  . 

Si  quis  ludaeorum  servum  Christianum 
vel  cuiuslibet  alterius  sectae  emerit  et  circum- 
ciderit, a  ludaei  ipsius  potestate  sublatus  in 
libertate  perraaneat. 


.  .  ludaeus,  Samaritanus  .  .  NuUam  (denuo) 
audeant  construere  synagogam.  Nam  si  fe- 
cerint,  noverint,  hanc  fabricam  ecclesiae  ca- 
tholicae  profuturam,  et  quinquaginta  pondo 
auri  auctores  fabricae  esse  mulctandos.    Sed 


Religion  §  22. 


159 


f)  Kein    Jude,    kein    Samaritane    soll     zu    irgend    einem    Honor    militiae    aut    ^'^\' 
administrationis  ^  herantreten,  noch  irgendwie  das  Officium  eines  Defensors 
übernehmen   können,    damit  nicht  die  Genannten,   die   Feinde    unseres  Ge- 
setzes sind,  mittels  unserer  Gesetze  irgendwelche  Personen  entweder  zu  ver- 
urteilen oder  abzuurteilen  sich  amnassen.^' ^ 

g)  *  Wir  verordnen,  dass  die  Kurialen  aller  Gemeinden,  ingleichen  die  Kohorta-  s^J' JJ};? 
linen,   wie  sie  den  selbst  lästigen   oder  verschiedenen  Offizien    ihrer  Militia 

zu  Vermögens-  und  persönlichen  Diensten  verpflichtet  sind,  ihren  Ordines, 
welcher  Sekte  sie  auch  angehören  mögen,  nachgehen,  damit  wir  nicht  den 
verabscheuenswerten  Menschen,  die  wir  durch  die  Autorität  dieses  Gesetzes 
verurteilen  wollen,  in  schimpflichem  Bestreben  das  Benefiz  der  Immunität 
gewährt  zu  haben  erachtet  werden.  Hiervon  bildet  eine  Ausnahme,  dass 
die  Apparitoren  der  erwähnten  Sekten  in  Privatsachen  die  Urteile  keines 
Richters  exekutieren  sollen.*  Kein  Jude,  kein  Samaritane  soll  Wächter 
eines  Kerkers  sein  können,  damit  sie  nicht  unter  dem  Schein  eines  be- 
liebigen Officium  Christen  oder  sogar  Priester  bei  irgendwelcher  Gelegen- 
heit mit  Beleidigungen  zu  belästigen  wagen. 


1)  Zu  Honores  und  Dignitäten,  zur  Administration  eines  Civile  obsequium. 

2)  T  führt  aus,  dass  sie,  die  Feinde  der  kaiserlichen  Majestät  und  der  Römischen  Ge- 
setze sind,  nicht  gegen  die  Christen  und  deren  Priester  richten  sollen. 

3)  T  fügt  noch  hinzu  (§5):  Ut  quisque  .  .  infulas  ceperit,  acquisitis  dignitatibus  non 
potiatur  .  .  qui  ad  honores  irrepsit,  habeatur,  ut  ante,  conditionis  extremae,  etiamsi  hono- 
rariam  promeruerit  dignitatem  .  . 

4)  Hierzu  findet  sich  bei  J,  wo  keine  erschöpfende  Ausführung  über  das  Gesetz 
beabsichtigt  zu  sein  scheint  (Haec  lex  specialiter  iubet  .  .),  nichts. 


pendio  ecclesiae  catholicae  se  noverit  la- 
borasse  .  .  Et  qui  synagogae  fabricam  coepit 
non  studio  reparandi,  cum  damno  quinqua- 
ginta  librarum  auri  fraudetur  ausibus  suis .  . 

f)  N.  Th.  8,  1,  2.  .  .  sancimus,  neminem 
ludaeum,  neminem  Samaritam  neutra  lege 
constantem  ad  honores  et  dignitates  succe- 
dere,  nulli  administrationem  patere  civilis 
obsequii,  nee  defensoris  fungi  saltem  officio. 
Nefas  quippe  credimus,  ut  supernae  maiestati 
et  Romanis  legibus  inimici  cultores  etiam 
nostrarum  legum  surreptivae  iurisdictionis 
habeantur  obtentu,  et  acquisitae  dignitatis 
auctoritate  muniti  adversum  Christianos  et 
ipsos  plerumque  sacrae  religionis  antistetes, 
velut  insultantes  fidei  nostrae,  iudicandi  vel 
pronuntiandi  quod  velint  habeant  potestatem. 

g)  N.  Th.  3,  1,  6  u.  7.  .  .  curiales  civi- 
tatum  omnium,  nee  non  cohortalinos,  onero- 
sis  quin  etiam  militiae  seu  diversis  officiis 
facultatum  et  personalium  munerum  obliga- 
tos  suis  ordinibus,  cuiuscunque  sectae  sint, 
inhaerere  censemus,  ne  videamur  hominibus 
exsecrandis  contumelioso  ambitu  immunitatis 


hoc    sibi    sciant    esse  concessum,    ut    ruinas 
synagogarum    suarum   debeant    reparare. 


(Haec  lex  specialiter  iubet,)  ut  nuUus 
ludaeus,  nullus  Samaritanus  ad  nullum  mili- 
tiae aut  administrationis  honorem  possit  ac- 
cedere,  neque  defensoris  officium  uUa  ratione 
suscipere,  .  .  ne  supra  scripti,  qui  inimici 
legis  nostrae  sunt,  legibus  nostris  aliquos  aut 
condemnare  aut  iudicare  praesumant. 


.  .  ut  nullus  ludaeus,  nullus  Samaritanus 
.  .  possit  .  .  carceris  esse  custodes:  ne  forsi- 
tan  sub  specie  cuiuslibet  officii  Christianos 
vel  etiam  sacerdotes  sub  quacunque  occasione 
iniuriis  audeant  fatigrare. 


160 


Privatrecht,     Zweites  Buch. 


c.  2, 8.  3  h)  Wir  wollen,  dass  am  Tage  des  Sabbats  keiner  aus  der  Zahl  der  Juden, 
es  sei  wegen  eines  fiskalischen  Interesses,  es  sei  wegen  eines  beliebigen 
Geschäfts,  belangt  werde,  weil  der  Tag  ihrer  Rehgion  nicht  durch  irgend- 
welche Actio  gestört  werden  darf.  ^ 

2)  Apostaten. 

c.  16, 2, 1  a)  Das  Verbrechen  der  Christen,  die  zu  den  Altären  und  Tempeln  zurück- 
kehren, strafen  wir  mit  Versagung  der  Testierbefugnis. 

c.  IG,  2, 1  b)  Die  Verbrechen  derjenigen  sollen  gestraft  werden,  die  unter  Verachtung 
der  ^urde  der  christlichen  Religion  und  des  christlichen  Namens  mit  jüdi- 

c.  16, 3,  2  schem  Gifte  sich  besudelt  haben.     Wenn  Jemand,  der  aus  einem  Christen 

Jude  geworden  ist,  sich  zu  verruchten  Zusammenkünften  gesellt  haben 
wird,  befehlen  wir,  dass,  sobald  die  Ankhige  erwiesen  gewesen  sein  wird,  sein 

p.  5, 24,  3  Vermögen  in  das  Eigentum  des  Fiskus  vindiziert  werde.     Römische  Bürger, 

die  sich  nach  jüdischem  Ritus  beschneiden  lassen,  werden  unter  Entziehung 
des  Vermögens  dauernd  auf  eine  Insel  relegiert,  die  Arzte  kapital  gestraft. 


1)  Am  Tage  des  Sabbats  und  an  den  übrigen  jüdischen  Feiertagen  darf  Niemand 
etwas  thun  oder  irgendwie  belaugt  werden,  da  für  fiskalische  Interessen  und  die  Prozesse 
der  Privatpersonen  die  übrigen  Tage  hinreichen  können. 


beneficium  praestitisse,  quos  volumus  huius 
constitutionis  auctoritate  damnare.  Hac  ex- 
ceptione  servata,  ut  apparitores  memora- 
tarum  sectarum  in  privatis  duntaxat  negotiis 
nullius  iudicis  sententias  exsequantur,  nee 
carcerali  praesint  custodiae,  ne  Christiani, 
ut  fieri  assolet,  nonnunquam  obstrusi  custo- 
dum  odiis  alterum  carcerem  patiantur,  in- 
certum,  an  iure  videantur  inclusi. 

h)  C.  2,  8,  3.  Die  Sabbato  ac  reliquis, 
sub  tempore,  quo  ludaei  cultus  sui  reveren- 
tiam  servant,  neminem  aut  facere  aliquid 
aut  ulla  ex  parte  conveniri  debere  praecipi- 
mus:  quum  fiscalibus  commodis  et  litigiis 
privatorum  constat  reliquos  posse  sufficere. 
2)  a)  C.  16,  2,  1.  Christianorum  ad  aras 
et  templa  migrantium  negata  testandi  licentia 
vindicamus  admissum. 

C.  16,  2,  1.  .  .  Eorum  (quoque)  flagitia 
puniantur,  qui  Christianae  religionis  et  no- 
minis  dignitate  neglecta,  ludaicis  semet  pol- 
luere  contagiis. 

C.  16,  3,  2.  Si  quis  (lege  venerabili  con- 
stituta)  ex  Christiano  ludaeus  effectus  sacri- 
legis  coetibus  aggregetur,  quum  accusatio 
fuerit  comprobata,  facultates  eius  dominio 
fisci  iussimus  vindicari  .  . 

P.  5,  24,  3.  Cives  Romani,  qui  se  ludaico 
ritu  .  .  circumcidi  patiuntur,  bonis  ademtis 
in  insulam  perpetuo  relegantur,  Medici  ca- 
pite  puniantur. 


Die  Sabbati  nullum  ludaeorum  aut  pro 
fiscali  utilitate  aut  pro  quolibet  negotio  vo- 
lumus conveniri,  quia  religionis  eorum  dies 
non  debet  actione  aliqua  perturbari. 


Religion  §  22. 


161 


3)  Ketzer. 

a)  ^Wird  irgend  Jemand  mit  besudelten  und  befleckten  Sinnen  bei  irgend  3  •^J'^- 
einem  Opfer  an  Ort  und  Stelle  ergriffen  gewesen  sein^  so  soll  sich  unser  Zorn 
gegen  dessen  Vermögen  und  Blut  erheben.  Dasjenige,  was  gegen  die  allezeit 
gottverhassten  Manichäer,  die  Eunomianer,  die  Urheber  ketzerischen  Wahn- 
sinns, die  Montanisten,  Kataphrygen,  Photinianer,  Priscillianisten,  Ascodrogen, 
Hydroparastaten,  Borboriten,  Ophiten  in  zahllosen  Konstitutionen  verordnet 
worden  ist,  soll  ohne  Verzug  einer  schleunigen  Ausführung  überliefert 
werden.  1 

b)  ^  Wo  auch  immer  irgend   einer  aus    der  Zahl  der   Manichäer  ergriffen  ge-    ^-  '^• 
wesen    sein    wird,    er    soll    die    Strafen,    die    die    Gesetze    gegen    Sacrilegi 
verordnet    haben,    durch    die    Autorität    der  öffentlichen   Strenge    erleiden. 


1)  J  bemerkt  mit  Bezug  hierauf  lediglich :  De  reliquo  vero  haec   lex   damnat  sectas, 
quae  nominatim   hac  lege  continentur  insertae. 


a)  N.  Th.  3,  1,  8  u.  9  .  .  quicunque  pol- 
lutis  contaminatisque  mentibus  in  sacrificio 
quolibet  in  loco  fuerit  comprehensus,  in  for- 
tunas  eins,  in  sanguinem  ira  nostra  consur- 
gat  .  .  (Superest),  ut,  quae  in  Manichaeos, 
Deo  semper  ofFensos,  quae  in  Eunomianos, 
haereticae  fatuitatis  auctores,  quae  in  Monta- 
nistas,  Cataphrygas,  Photinianos,  Priscillia- 
nistas,  Ascodrogos,  Hydroparastatas,  ßorbo- 
ritas,  Ophitas  innumerabilibus  constitutioni- 
bus  lata  sunt,  cessante  desidia,  celeri  ex- 
secutioni  mandentur  .  . 

b)  N.  V.  2,  1,  1 — 4.  .  .  ubicunque  terra- 
rum  quisquis  Manichaeorum  fuerit  deprehen- 
sus,  poenas,  quas  in  sacrilegos  iura  sanxe- 
runt,  auctoritate  publicae  severitatis  ex- 
cipiat.  Sitque  publicum  crimen ,  et  omni 
volenti  sine  accusationis  periculo  tales  ar- 
guere  sit  facultas.  Nee  cuiquam  licitum  tu- 
tumque  sit  aut  celare  tales,  aut  talibus  con- 
nivere,  quum  omnia  de  bis  a  nobis  confir- 
mata  sint  retro  principum  constituta,  ut  no- 
verint  universi  hac  edictali  lege  proposita, 
Manichaeos  dignitate  militiae  et  urbium  ha- 
bitatione  privandos,  ne  quis  innocens  talium 
conversatione  aut  societate  capiatur.  Succes- 
siones  nee  capiant,  nee  relinquant,  sed  fisci 
nostri  viribus  aggregentur.  Nee  his  quod 
palam  interdicimus,  ulla  fraude  quaeratur. 
Iniuriarum  careant  actione,  contractus  liberos 
omnino  non  habeant.  Primates  uniuscuiusque 
militiae  vel  officii  mox  exigenda  per  appa- 
ritionem  vestram  decem  librarum  auri  mulcta 
percellat,  si  quem  hac  superstitione  pollutum 
siverint  militare. 

C  0  n  r  a  t ,  Breviariura. 


11 


162 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


Die  That  soll  ein  Publicum  crimen  sein  und  einem  Jeden,  der  es  will,  ohne 
die  mit  einer  Anklage  verbundene  Gefahr,  die  Befugnis  zustehen,  solche 
Personen  zu  beschuldigen.  Auch  soll  es  für  Niemanden  erlaubt  und 
unschädlich  sein,  solche  Personen  entweder  zu  verbergen  oder  zu  be- 
günstigen, indem  alle  Festsetzungen  der  früheren  Kaiser  mit  Bezug  hierauf 
von  uns  bestätigt  worden  sind,  auf  dass  Alle  nach  Proponierung  dieser 
Lex  edictalis  erkennen  mögen,  dass  die  Manichäer  der  Dignitas  militiae 
und  des  Rechts  der  Städtebewohnung  zu  berauben  sind,  damit  nicht  ein 
Unschuldiger  von  dem  Umgang  oder  der  Gesellschaft  mit  solchen  Personen 
ergriffen  werde.  Weder  sollen  sie  Erbschaften  in  Empfang  nehmen,  noch 
hinterlassen;  sondern  diese  sollen  unserm  Fiskus  angereiht  werden.  Auch 
soll  dasjenige,  was  wir  öffentlich  untersagen,  nicht  durch  irgendwelche  Hinter- 
list erworben  werden.  Sie  sollen  der  Iniuriarum  actio  entbehren  und 
durchaus  keine  Kontraktsfreiheit  besitzen.  Die  Primaten  einer  jeden  Militia, 
bez.  eines  jeden  Officium,  soll  eine  unverzüglich  -durch  die  Apparitio  des 
Praefectus  Praetorio  ^  einzutreibende  Strafe  von  zehn  Pfund  Gold  treffen, 
wenn  sie  Jemanden  werden  haben  dienen  lassen,  der  von  diesem  Aber- 
glauben besudelt  ist.i 


G)  Ins  liberoium  §  28. 


1)  Voraussetzungen. 


P.  4,  8, 


C.  5,  1,  1 


P.  4,  8,  14 


a)  Damit  Mütter,  ebenso  Freigeborene  wie  Freigelassene,  welche  Römische  Bür- 
gerinnen sind,  das  lus  liberorum  erzielt  zu  haben  erachtet  werden,  wird  es 
genügen,  dreimal  und  viermal  geboren  zu  haben,  wenn  sie  nur  lebendige  und 
ausgetragene  Kinder  zur  Welt  bringen.  Eine  Mutter  soll  das  lus  liberorum 
nicht  haben,  wenn  sie  nicht,  als  Freigeborene,  drei  und,  als  Freigelassene, 
vier  lebende  Geburten  von  sich  gegeben  haben  wird. 

Damit  eine  Freigelassene  das  lus  liberorum  erzielen  könne,  genügt 
es,  dass  sie  viermal  geboren  hat. 


1)  Hierauf  geht  C.  16,  2,  1  Jt    Reliqua    pars    legis   de  Manichaeis  ideo  facta  non  est, 
quia  evidenter  in  Novellis  invenitur. 

2)  Der  Adressat  des  Gesetzes,  der  darin  angeredet  wird,  ist  Praefectus  Praetorio. 


1)  a)  P.  4,  8,  8.  Matres  tarn  ingenuae, 
quam  libertinae,  cives  Romanae,  ut  ius  libe- 
rorum consecutae  videantur,  ter  et  quater 
peperisse  sufficiet,  dummodo  vivos  et  pleni 
temporis  pariant. 

C.  5,  1,  1.     Matri  ius  liberorum  non  ha- 
benti  .  . 


P.  4,  8,  14.     Libertina,   ut   ius  liberorum 
consequi  possit,  quater  eam  peperisse  sufficit. 


(Si)  mater  ius  liberorum  non  habeat,  (hoc 
est,)  si  ingenua  tres  partus  vivos  et  libertina 
quatuor  non  ediderit  .  . 


lus  liberorum  §  23. 


163 


aa)  Das    Ins    liberorum    hat    eine    Mutter,    die    drei    Kinder    entweder  p.  4, 9, 2 
hat  oder  gehabt  hat:  hat,  nämh'ch  diejenigen,  welche  überlebend  sind, 
gehabt  hat,  die  sie  verloren  hat. 

bb)  Eine  freigeborene  Latinerin,  die  das  Ins   Quiritium   erzielt  hat,   wird,   p,  4, 9, 1 
wenn,  sie    dreimal    geboren    hat,    zur    legitimen    Kindeserbschaft   zu- 
gelassen: denn  sie  ist  keine  Freigelassene. 

cc)  Diejenige,  welche  gleichzeitig  in  einem  einzigen  Gebärakt  drei  P.4, 8, 9 
Kinder  zur  Welt  gebracht  hat,  erzielt  nicht  das  lus  liberorum;  denn 
sie  wird  erachtet,  nicht  dreimal  geboren,  sondern  einmal  eine  Gebm't 
von  sich  gegeben  zu  haben:  anders  wenn  sie  in  Zwischenräumen  ge- 
biert. Hat  eine  Frau  etwas,  was  eine  Art  Monstrum  oder  Prodigiimn  ^-  *>  ^>  ^^ 
ist,  zur  Welt  gebracht,  so  kommt  es  ihr  durchaus  nicht  zu  statten:  denn 
keine  Kinder  sind  diejenigen,  welche  in  einer  der  Gestalt  des  mensch- 
lichen Geschlechts  widersprechenden  Bildung  geboren  werden. 

b)  Eine  abgegangene  bez.  abgestossene  Leibesfrucht  wird  nicht  als  Geburt  an-  p.  4, 8, 13 
gesehen.    Man  w^ar  der  Ansicht,  dass  eine  Geburt  mit  menschlichen  Gliedern    p. 4, 8,11 
von  erweiterten  Funktionen  der  Mutter  zu  statten  komme,  weil  sie  einigermassen 
als  vollendet  angesehen  wird.     Ein  im  siebenten  Monate  Geborener  kommt    p.  4, 8,12 
der  Mutter  zu  statten:  das  Gesetz  der  Pythagoreischen  Zahl  wird  dies  zu 
ergeben  erachtet,    dass  entweder  im  vollen  siebenten,  oder  im  zehnten  Mo- 
nate die  Geburt  als  reif  erachtet  wird. 


aa)  P.  4,  9,  2.  lus  liberorum  mater  habet, 
quae  tres  fihos  aut  habet  aut  habuit  .  . 
Habet,  qui  supersunt:  habuit,  quae  amisit  .  . 

bb)  P.  4,  9,  1.  Latina  ingenua  ius  Qui- 
ritium consecuta,  si  ter  peperit,  ad  legitimam 
fihi  hereditatem  admittitur:  non  est  enim 
manumissa. 

cc)  P.  4,  8,  9.  Quae  semel  uno  partu  tres 
filios  edidit,  ius  liberorum  non  consequitur: 
non  enim  ter  peperisse,  sed  semel  partum 
fudisse  videtur;  nisi  forte  per  intervalla 
pariat. 

P.  4,  8,  10.  Mulier,  si  monstrosum  ali- 
quid aut  prodigiosum  enixa  sit,  nihil  pro- 
ficit:  non  sunt  enim  liberi,  qui  contra  for- 
mam  humani  generis  converso  more  pro- 
er ean  tu  r. 

b)  P.  4,  8,  13.  Aborsus  vel  abactus  venter 
partum  efficere  non  videtur. 

P.  4,  8,  11.  Partum,  qui  membrorum  hu- 
manorum  officia  ampliavit,  quia  hac  ratione 
aliquatenus  videtur  efi'ectus,  matri  prodesse 
placuit. 

P.  4,  8,  12.  Septimo  mense  natus  matri 
prodest:  ratio  enim  Pythagorei  numeri  hoc 
videtur  admittere,  ut  aut  septimo  pleno  aut 
decimo  mense  partus  maturior  videatur. 


ir 


164 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P.  4,  9,  2 


N.V.  4,1 


c)  Eine  Mutter  hat  das  Ins  liberorum,  die  drei  Kinder  weder  hat  noch  ge- 
habt hat:  weder  hat  sie  sie,  noch  hat  sie  sie  gehabt,  die  durch  Benefiz 
des  Princeps  das  lus  hberorum  erzielt  hat. 

2)  Inhalt  (vgl.  Fünftes  Buch,  §  4,  2  ß). 

a)  Personen,  die  sich  in  der  Ehe  befinden,  sollen,  falls  sie  keine  Kinder 
haben,  wenn  sie  gewollt  haben  werden,  sei  es  der  Mann  die  Frau,  sei  es 
die  Frau  den  Mann,  als  Erben  hinterlassen:  was  lus  liberorum  genannt 
wird.  ^ 


1)  In  T  findet  sich  mit  Bezug  darauf  nichts  weiter,  als  dass  in  dem  konkreten  Fall, 
der  das  Gesetz  veranlasst  hat,  Ehegatten  neben  der  Ermächtigung  zu  gegenseitiger  Erbes- 
einsetzung, Fasis  simul  precibus,  von  dem  Kaiser  das  lus  liberorum  erbitten  i§  3  Leonius 
vero  et  lucunda,  uxor  eins,  tanta  vicissim  caritate  certarunt,  ut  fusis  simul  precibus  ius 
poscerent  liberorum  .  .). 


c)  P.  4,  9,  2.  Ius  liberorum  mater  habet, 
quae  tres  filios  .  .  neque  habet,  neque  ha- 
buit:  neque  habet,  neque  habuit,  quae  bene- 
ficio   principis    ius    liberorum   consecuta  est. 

2)  a) 


N.  V.  4,  1.  .  .  ut  in  coniugio  positi,  si 
filios  non  habeant,  seu  maritus  uxorem,  seu 
uxor  maritum  voluerit,  relinquant  heredem, 
quod  ius  dicitur  liberorum   .  . 


Zweites  Kapitel.    Handlungsfähigkeit. 

I.     Gründe    mangelnder   Handlungsfähigkeit. 

A)  Oeschlecht  §  34. 

1)  Rechtsfähigkeit. 

a)  Aus  der  Zahl  der  Frauen  gilt  nur  allein  die  Soror  consanguinea  als  Agnatin,    G.  2,  8, 5 
derart,   dass  sie  nach  dem  Tode  ihres  Frater  germanus   nach  dem  Rechte 

der  Agnation  ihm  Ab  intestato  folgt.  Die  übrigen  Frauen,  des  Vaters 
Schwester  oder  des  Bruders  Tochter,  sind  weder  beim  Erw^erb  von  Erb- 
schaften der  Verwandten  legitime  Erben,  noch  folgen  sie  den  männlichen 
Verwandten  nach  dem  Rechte  der  Agnation. 

Frauen    können,    es    sei    denn    hinter   Ab    intestato    verstorbenen  p.  *,  s,  3 
Fratres  consanguinei,  sonst  mit  Agnaten  nicht  succedieren. 

b)  Frauen  können  nicht  adoptieren,   weil   sie   auch   nicht  von  ihnen   geborene    g.  &»  2 
Kinder  in  der  Gewalt  haben. 

2)  Handlungsfähigkeit. 

a)  Unmündige  sind  Mädchen  unter  zwölf  Jahren.    Wie  die  Frauen  zwei  Jahre  ^  g^^'i^i 


1)  a) 


P.  4,  8,  3.  Feminae  ad  hereditates  legi- 
timas  ultra  consanguineas  successiones  non 
admittuntur  .  . 


b) 


2)  a) 


C,  2,  17,  1,  1.     Feminas  (quoque),  quarum 


G.  2,  8,  5.  .  .  inter  feminas  sola  tantum 
soror  consanguinea  habetur  agnata,  ut  ger- 
mano  suo  defuncto  ab  intestato  ei  agnationis 
iure  succedat.  Reliquae  feminae,  .  .  patris 
soror,  vel  fratris  filia,  nee  in  capiendis  he- 
reditatibus  propinquorum  legitim  ae  sunt,  nee 
masculis  propinquis  agnationis  iure  succe- 
dunt  .  . 

Feminae  nisi  fratribus  consanguineis  in- 
testatis  aliter  cum  agnatis  succedere  non 
possunt  .  . 

G.  5,  2.  .  .  feminae  (vero)  adoptare  non 
possunt,  quia  nee  filios  ex  se  natos  in  pote- 
state  habent. 

G.  2,  2,  2.  .  .  impuberes,  id  est  minores 
(quatuordecim)  annorum  (,aut)  puellae  duo- 
decim. 

.  .  antequam  ad  legitimam   aetatem  per- 


166 


Privatrecht.     Zweites  Bucb. 


P.3,4,  1 


C.2, 16,  3 


zur  Pubertät  weniger  haben,  so  sollen  sie  auch,  unter  Ablass  einer  zwei- 
jährigen Frist,  sobald  sie  zu  dem  18.  eJahre  gelangt  sein  werden,  die  freie 
Befrignis  haben,  bevor  sie  zu  der  Legitima  aetas  gelangen,  die  Hilfe  des 
Princeps  in  Anspruch  nehmen. 

aa)    Personen    weiblichen  Geschlechts    können   nach    dem    zwölften  Jahre 
ein  Testament  machen. 

b)  ^Für  grossjährige  Frauen  ist  um  der  Hinfälligkeit  des  Geschlechts  willen 
mit  Bezug  auf  viele  Angelegenheiten,  die  sie  infolge  von  Unerfahrenheit 
ausser  acht  gelassen  haben  werden,  ^  Fürsorge  getroifen,  das  will  sagen, 
dass,  wenn  sie  als  Bürgen  für  irgendw^elche  Personen  aufgetreten  sein 
werden,  sie  wegen  dieser  Bürgschaft  nicht  haftbar  sein  sollen.  Ferner  wird, 
wenn  sie,  die  in  schwierigeren  Sachen  lus  oder  Leges  nicht  kennen,  ein 
Mandatsinstrument  bezüglich  ihrer  Geschäfte  unterzeichnet  haben  werden, 
damit  derjenige,  dem  sie  ein  Mandat  erteilt  haben  werden,  ihr  Geschäft 
ausführe,  und  dieser  in  dem  Instrument  nicht  nur  als  Prokurator,  sondern 
auch  als  Dominus  sich  verzeichnet  haben  wird,  den  durch  diese  Täuschung 
irregeführten  Frauen  zu  Hilfe  gekommen.  Hingegen  sollen  sonstige  Kontrakte, 
die  sie  gefestigten  Alters  öffentlich  und  in  solennen  Urkunden  geschlossen 
haben  werden,  in  Kraft  bleiben.^ 


1)  T  sagt,  dass,  wie  aus  zahllosen  Autoritäten  feststehe,  für  Frauen  mit  Bezug  auf 
dasjenige,  was  sie  übergangen  oder  nicht  gewusst  haben  werden,  Sorge  getragen  ist  (Et 
mulieribus  [et  minoribus]  in  bis,  quae  vel  praetermiserint  vel  ignoraverint,  innumeris 
auctoritatibus  constat  esse  consultum). 

2)  J  fügt  hier  ein  Sicut  lex  ipsa  loquitur  hinzu. 


aetas  biennio  viros  non  sera  pubertate  prae- 
cedit,  servato  etiam  in  hoc  temporis  inter- 
vallo,  decem  et  octo  annos  egressas  ins  ae- 
tatis  legitimae  mereri  posse  sancimus  .  . 


aa) 


b) 


veniant,  .  .  auxilium  principis  implorare  .  . 
liberam  habeant  potestatem.  Feminae  (vero) 
sicut  biennio  in  pubertate  minores  sunt,  ita 
et  transacto  biennio,  ubi  ad  XVIII.  annum 
pervenerint  .  . 

P.  3,  4,  1.  Testamentum  facere  possunt 
.  .  annum  feminae  post  duodecimum, 

C.  2,  16,  3.  .  .  Maioribus  (vero)  mulieri- 
bus, pro  fragilitate  sexus  in  multis  rebus, 
quas  per  ignorantiam  praetermiserint,  .  . 
(iubet)  esse  consultum;  id  est,  ut  si  fide- 
iussores  pro  quibuscunque  accesserint,  pro 
ipsa  fideiussione  non  teneantur  obnoxiae.  Et 
si  in  difficilioribus  causis  ius  vel  leges  ne- 
scientes,  mandati  chartulam  pro  negotiis  suis 
forte  subscripserint,  ut  earum,  cui  manda- 
verint,  negotium  assequatur,  et  ille  in  charta 
non  solum  procuratorem,  sed  et  dominum  si 
se  scripserit,  deceptis  per  hanc  fraudem  mu- 
lieribus subvenitur.  Reliqui  autem  contractus, 
quos  firma  aetate  publice  et  solennibus  scrip- 
turis  gesserint,  in  sua  firmitate  perdurent. 


Geschlecht  §  24. 


167 


Den   Frauen  j    die    um    ihrer    Hinfälligkeit    willen    zuweilen    ent-   c.  3, 5, 3 
schuldigt  Aveiden  köniien,   wird  in  manchen  Sachen,    wenn    sie    nach- 
lässig gewesen  sein  w^erden,  das  Gesetz  nicht  hahen  zu  Hilfe  kommen 
wollen.^     In    jeglicher    Art   von  Geschäften  2  sind    Frauen   behindert,   p.  2, 11,  i 
■^  für  irgendwelche  Personen  ihr  AVort  einzulegen.  ^ 

c)  Unter  keinen  Umständen  sollen  Frauen  die  Befugnis  haben,  mehr  als  ihre   c.  2, 12, 5 
eigenen  Sachen  zu  besorgen,   noch  meinen,  "^  class    irgend   Jemandes  Sache 
von  ihnen  betrieben  werden  darf.  ^ 

aa)  Den    Frauen    soll    nicht    erlaubt    sein,     ausser     in    ihrer    und    der  c.  9, 1, 2 
Ihrigen  Sache  irgend    Jemanden  anzuklagen,    weil    sie    an  der  Über- 
nahme fremder  Sachen  durch    die  Gesetze  gehindert  werden.^     Auch 
die    Advokaten  ^   sind  zu  erinnern ,   nicht  gegen    die    Gesetze  Frauen 
anzunehmen,  die  in  fremden  Sachen  zu  prozessieren  verlangen. 

bb)  Frauen  sollen  behindert  werden,  eine  Procuratio  zu  übernehmen.  P-  ^>  2, 2 


1)  Mit  Bezug  auf  Lucrum  pflegt  auch  den  Frauen,  die  im  Rechtsirrtum  sich  befinden, 
nicht  geholfen  zu  werden. 

2)  Geschäften  und  Obligationen. 

3)  Sowohl  für  Männer  wie  für  Frauen  zu  intercedieren. 

4)  Dass  sie  für  Andere  intervenieren  können. 

5)  T  fügt   hierzu  eine   Bemerkung  über  den  früheren  Sachverhalt  In  publicis    quaes- 
tionibus. 

6)  Patroni  cau?arum. 


C.  3,  5,  3.     (Quamvis)  in  lucro  nee  femi- 
nis  ius  io-norantibus  subveniri  soleat  .  . 


P.  2,  11,  1.  In  omni  genere  negotiorum 
et  obligationum  tarn  pro  viris  quam  pro 
feminis  intercedere  mulieres  prohibentur. 

c)  C.  2,  12,  5.  Nullo  pacto  feminae  aut 
amplius,  quam  sibi  competit,  agere  aut  pro 
aliis  possunt  intervenire  personis. 

aa)  C.  9,  1,  2.  Quum  ius  evidens  atque 
manifestum  sit,  ut  intendendi  criminis  public! 
facultatem  non  nisi  ex  certis  causis  mulieres 
habeant,  hoc  est  si  suam  suorumque  iniuriam 
persequantur,  observari  antiquitas  statuta 
oportet.  Neque  enim  fas  est,  ut  passim  mu- 
lieribus  accusandi  permissa  facultas  sit;  alio- 
quin  in  publicis  olim  quaestionibus  interdum 
aut  admissa  probatio  est  aut  accusantis  auc- 
toritas.  Patroni  etiam  causarum  monendi 
sunt,  ne  respectu  compendii  feminae,  securi- 
tate  forsitan  sexus  in  actionem  illicitam  pro- 
ruentes,  temere  suscipiant. 

bb) 


(Quamquam  et)  feminis,  quae  per  fragili- 
tatem  interdum  excusari  possunt,  in  aliquibus 
causis,  si  negligentes  fuerint,  lex  subvenire 
noluerit  .  . 

In  omni  genere  causarum  pro  quibuscunque 
personis  mulieres  fidem  suam  interponere 
prohibentur. 

Nulla  ratione  feminae  amplius  quam  suas 
agendi  causas  habeant  potestatem:  nee  ali- 
cuius  causam  a  se  noverint  prosequendam. 

Feminis  nisi  in  sua  suorumque  causa 
queraquam  accusare  non  liceat,  quia  suscepti- 
one  alienarum  causarum  legibus  prohibentur. 
Advocati  etiam  commonendi  sunt,  ne  contra 
leges  suscipiant  in  alienis  causis  feminas  liti- 
gare  cupientes. 


P.  1,  2,  2.    Feminae  (,licet)  procarationem 
suscipere  prohibeantur  .  . 


168 


Privatreclit.     Zweites  Buch. 


P.  1,2,  2 


cc)  Frauen   können,   wenn   sie  Dominae    et  procuratrices  werden,    in    der 
Sache,  die  nunmehr  ihre  eigene  ist,  auftreten.  ^ 


G-.  2,  2,  2 


C. 2,17,1,  1 
N.Th. 
5,1,1 


P.  5,  4,  2 

P.  5,  4.  2 

P.  4,  11,  7 

G.  2,  2,  2 

P.  3,  4,  1 


B)  Aetas  §  35. 

1)  Impubes   aetas. 

a)  Termin. 

a)  Unmündige  sind  Personen,  die  jünger  als  vierzehn  Jahre  sind,  oder  Mädchen 
unter  zwölf  Jahren. 

Frauen  haben  zwei  Jahre  zur  Pubertät  weniger.  Ein  unmündiger 
Sohn  ist  einer  unter  dem  14.  Jahre. 

ß)  RechtssteUung. 

a)  Ein  Infans  entbehrt  des  Affekts  des  Dolus  und  der  Fähigkeit,  das  Wesen 
einer  Beschimpfung  zu  erfassen. 

aa)  Die  Actio  iniuriarum  kann  nicht  gegen  Infantes  erhoben  werden. 

b)  Ein  Pupill  ist  eines  festen  Entschlusses  nicht  fähig. 

aa)  Unmündige  können  nicht  Testamente  machen. 

Personen  männlichen  Geschlechts  können  ein  Testament  machen 
nach  vollendetem  vierzehnten,  weiblichen  Geschlechtes  nach  dem 
zwölften  Jahre. 


1)  Frauen  sind  nicht  behindert  In  rem  suam  Cognitoria  opera  zu  übernehmen. 


cc)  P.  1,  2,  2.     Fenjinae    in    rem    suam 
cognitoriamoperam  susciperenon  prohibentur. 

1)  a)  a) 

C.  2,  17,  1,  1.  Feminae  (quoque),  quarum 
aetas  biennio  viros  non  sera  pubertate  prae- 
cedit  .   . 


ß)  a)  F.  5,  4,  2.    (Furiosus   itemque;  infans 
afFectu   doH   et  captu  contumeliae  carent  .  . 

aa)  P.  5,  4,  2.  .  .  infans  .  ,  iniuriarum 
agi  cum  his  non  potest. 

b)  P.  4,  11,  7.  .  .  neque  pupillus  exacti 
consihi  capax  est. 

aa) 

P.  3,  4,  1.  Testamentum  facere  possunt 
masculi  post  impletum  quartum  decimum 
annum,  feminae  post  duodecimum. 


Feminae  si  dominae  et  procuratrices  fiant, 
pro  re  iam  sua  agere  possunt. 

G.  2,  2,  2.  .  .  impuberes,  id  est  minores  qua- 
tuordecim  annorum,   aut  puellae  duodecim. 

.  .  Feminae  (vero,  sicut)  biennio  in  puber- 
tate minores  sunt  .   . 

N.  Th.   5,  1,    1.     .  .  filio   impuberi,  id  est 
infra  annum  quartum  decimum  .  . 


G.  2,  2,  2.     (Item)  testamenta  facere  non 
possunt  impuberes  .  . 


Aetas  §  25. 


169 


Der    Herr,     welcher    vierzehn    Jahre     überschritten    hat,     kann   G.  1,7. 
ein  Testament  machen  und  einen  Erben  einsetzen  und  Legate  hinter- 
lassen. 

bb)  Ein  Sklave,   der   auf  Befehl  eines  Pupillen   gefesselt  worden  ist,  wird  p.  4,  u,  7 
nicht  Dediticiorum  numero. 

c)  Pupillen  können  ohne  Auctoritas  des  Tutors  Sklaven  nicht  freilassen.  P-  4, 12, 3 

d)  Sponsalien  können  sowohl  zwischen  Mündigen   als  auch  zwischen  Unmün-   p.  2, 20, 1 
digen  geschlossen  werden. 

2)  Minor  aetas. 
a)  Termin. 

a)  Minderjährige  befinden  sich  unter  einem  Kurator.    Diejenigen,  welche  minder-     g.  s 
jährig    sind,    befinden    sich    bis    zur  Vollendung   vo]i  25  Jahren  unter  dem 
Kurator. 

b)  Jünglinge,  die  nachweishch  von  ehrbaren  Sitten  sind   und    zur  Verwaltung  pr.^i.2^'4! 


bb)  P.  4,  11,  7.     Servus  .  .   pupilli  iussu 
vinctus  dediticiorum  numero   non  efficitur  .  . 

c)  P.  4,  12,  3.     .    .    pupilli    sine    tutoris 
auctoritate  manumittere  non  possunt  .  . 

d)  P.  2,  20,  1.     Sponsaha  tarn   inter  pu- 
beres,  quam  inter  impuberes  contrahi  possunt. 

2  a)  a) 


b)  C.2, 17, Ipr.  1.2,4.  Omnes  adolescentes, 
qui  honestate  morum  praediti  paternam  frugem 
vel  maiorura  patrimonia  urbana  vel  rustica 
conversatione  rectius  gubernare  cupiunt,  et 
imperiali  auxilio  indigere  coeperint,  ita  de- 
mum  aetatis  veniam  impetrare  audeant,  quum 
vicesimi  uni  clausa  aetas  adolescentiae  pate- 
facere  sibi  ianuam  coeperit  ad  firmissimae 
iuventutis  ingressum:  ita  ut,  post  impe- 
tratam  aetatis  veniam,  iidem  ipsi  principale 
beneficium  allegantes,  non  solum  praescri- 
ptorum  annorum  numerum  probent,  sed  etiam 
testibus  advocatis,  honesta  aut  simili  aut 
potiorc  dignitate  praeditis,  morum  suorum 
instituta  probitatemque  animi  testimonio  vi- 
tae  honestioris  edoceant.  Quod  quum  ea 
conditione  effecerint,  in  alienatione  prae- 
diorum  ius  tantum  aetatis  obtinebunt,  quan- 
tum  per  annorum  dimensiones  ac  temporum 
leges  et  natura  singulis  quibusque  deferre 
consuevit.     Feminas    quoque,    quarum    aetas 


G.  1,  7.  (Nam  quamlibet)  dominus  id  est 
quatuordecim  annos  egressus,  testamentum 
facere  possit  et  heredem  instituere  et  legata 
relinquere  .  . 


.  .  nee  pupilli  sine  tutoris  auctoritate  ser- 
vos  manumittere  possunt  .  . 


G.  8.  .  .  Sub  curatore  sunt  minores 
aetate  .  .  Hi  qui  minores  sunt,  usque  ad 
viginti  et  quinque  annos  impletos  sub  cura- 
tore sunt  .  . 

Adolescentes,  qui  honestis  moribus  esse 
probantur  et  ad  gubernandas  facultates  suas 
idoneam  cupiunt  habere  personam,  oportet 
eos  primum,  antequam  ad  legitimam  aetatem 
perveniant,  id  est,  ubi  vir  viginti  annorum 
esse  coeperit,  auxilium  principis  implorare, 
et  accepto  huius  rei  beneficio,  eo  ordine 
apud  testificationem  publicam  allegare,  ut 
probent,  se  viginti  annorum  implesse  curri- 
cula  et  honesta  conversatione  transigere,  et 
sie  praedia  sua  in  aliena  iura  cum  decreti 
tarnen  interpositione ,  transferre  liberam 
habeant  potestatem.  Feminae  vero ,  sieut 
biennio  in  pubertate  minores  sunt,  ita  et 
transacto  biennio,  ubi  ad  XVIII.  annum  per- 
venerint,  eas  tarnen,  quas  morum  et  hone- 
statis  commendat  opinio,  non  in  publico  an- 
nos probare  suos  cogendae  sunt,  sed  misso 
procuratore  per  scripturam  annos  eos,  quos 
superius  diximus,  se  habere  demonstrent  et 
similem,  quam   viri  in   contractibus  habeant 


170 


Privatreclit,     Zweites  Buch. 


ihres  Vermögens^  die  geeignete  Rechtsstellung  zu  haben  verlangen,  müssen 
zunächst,  ^vor  Erreichung  der  Legitim a  aetas,^  das  will  sagen,  sobald  eine 
Person  männlichen  Geschlechts  zwanzig  Jahre  zu  sein  begonnen  haben 
wird,  die  Hilfe  des  Princeps  in  Anspruch  nehmen  und,  ^nachdem  sie  das 
bezügliche  Benefiz  in  Empfang  genommen  haben,'^  in  dieser  Ordnung  zur 
öffentlichen  Bezeugung  sich  vernehmen  lassen,  dass  sie  nachweisen,  einen 
Lebenslauf  von  zwanzig  Jahren  vollendet  zu  haben  und  ^ einen  ehrbaren 
Wandel  zu  führen.^  Hiermit  sollen  sie  die  freie  Befugnis  haben,  ihre 
Grundstücke  in  fremdes  Recht,  jedoch  unter  Einlegung  eines  Dekrets,  zu 
übertragen.^  Wie  die  Frauen  jedoch  zwei  Jahre  zur  Pubertät  weniger 
haben,  so  sind  sie  auch,  unter  Ablass  einer  zweijährigen  Frist,  sobald 
sie  zu  dem  18.  Jahre  gelangt  sein  werden,  anzuhalten,  —  das  heisst, 
solche,  die  der  Ruf  der  Sitten  und  der  Ehrbarkeit  empfiehlt,  —  nicht 
in  der  Öffentlichkeit  ihre  Jahre  zu  erweisen,  vielmehr  durch  Absendung 
eines  Prokurators  ^urkundliche  darzuthun,  dass  sie  die  bezeichneten  Jahre 
haben,  und  sollen  dann  bei  den  Geschäften  die  gleiche  Fähigkeit,  wie  die 
Männer,    besitzen.     Mit  der  Massgabe,    dass,  je  nach  Beschaffenheit   oder 


1)  Des    väterlichen  Erwerbs,    bez.  des  städtischen  oder  ländlichen  Besitzes    der  Vor- 
fahren. 

2)  T  spricht  von  Erzielung  der  Venia  aetatis. 

3)  T  spricht  davon,  dass  die  Zeugen,  welche  es  bekunden,    mit  achtbarer,  und  zwar 
gleicher  oder  höherer,  Dignität  bekleidet  ?ein  müssen. 

4)  Werden  sie   den  Erfordernissen  genügt   haben,   so  erhalten  sie  .mit  Bezug  auf  die 
Veräusserung  von  Grundstücken  die  Rechtsstellung  der  Erwachsenen. 

5)  Durch  tabulae  oder  Zeugen. 


biennio  viros  non  sera  pubertate  praecedit, 
servato  etiam  in  hoc  temporis  intervallo, 
decem  et  octo  annos  egressas  ins  aetatis  legi- 
timae  raereri  posse  sancimus:  sed  eas,  quas 
morum  honestas  mentisque  solertia,  quas 
certa  fama  commendat.  Has  vero  proptör 
pudorem  ac  verecundiam  in  coetu  publico 
demonstrari  testibus  non  cogimus,  sed  per- 
cepta  aetatis  venia  annos  tantum  probare 
tabulis  vel  testibus  misse  procuratore  conce- 
dimus:  ut  etiam  ipsae  in  oranibus  contracti- 
bus  tale  ius  habeant,  quäle  viros  habere 
praescripsimus.  Ita  ut  senatores  apud  gravi- 
tatis  tuae  officium  de  suis  moribus  et  ho- 
nestate  perdoceant,  perfectissimi  apud  vi- 
cariam  praefecturam,  equites  Romani  et  ne- 
teri  apud  praefectum  vigilum,  navicularii 
apud  praefectum  annonae  .  .  In  ipsis  etiam 
contractibus  hac  appellatione  consignanda, 
ut  non  nudum  nomen  venditoris  inseratur 
tabulis  emtionum,  sed  ab  illo,  qui  firmatae 
aetatis  sit  et  honestus  vir  habeatur,  emisse 
illum  significetur,  et  venditorem  esse  firmatae 
aetatis  .  . 


facultatem:  ita  ut  qualis  vel  quam  digna  per- 
sona sit,  apud  talem  iudicem  haec,  quae 
dicta  sunt ,  debeat  approbare.  Ergo  quum 
fuerint  post  adolescentiam  hac  aetate  firmati, 
in  ipsis  quoque  scripturis  vel  venditionum 
instrumentis,  honestos  se  et  firmatos  aetate 
conscribant  .  . 


Aetas  §  25. 


171 


Dignität  der  Person,  sie  bei  einem  entsprechenden  Judex  das  Erwähnte 
erweisen  muss.^-^  Werden  sie  dann  nach  Abhiuf  ihrer  Jugend  in  diesem 
Alter  bekräftigt  gewesen  sein,  so  sollen  sie  sich  auch  in  den  Urkunden 
selbst,  bez.  den  Yerkaufsinstrumenten,  als  ehrbar  und  befestigten  Alters, 
unterzeichnen. 

^)  Rechtslage  (vgl.  Erstes  Buch  §  7,  5). 

a)  Minderjährigen    Frauen    wird    so,    wie    auch    Männern,    in    allen    Sachen   c.  2,  i6, 3 
geholfen.^ 

Es  steht  fest,  dass  für  Personen,  die  sich  in  minderjährigen  Jahren   c.  2,16,1 
befinden,  weithin  durch  die  Gesetze  Sorge  getragen  ist. 
aa)  Wenn  ^eine  in  den  Pupillenjahren  befindliche  Frau^  mit  dem  Gatten   c.3, 5, 3 
verbunden   gewesen   und  ^die  Sponsalitia  largitas^  aus  Nachlässigkeit 
zu  den  Akten  nicht  angegeben   haben    wird,    möge   sie    wissen,    dass, 
*^wenn  auch  die  Gesta  fehlen,^  die  Schenkung  unangreifbar  in  ihrem 
Eigentum  verbleibt. 

Bezüglich   derjenigen  Frauen,   die  in   minderjährigen  Jahren  nach  c.  3, 5, 8 
dem  Tode  des  Vaters  verheiratet  ^vorden  sind,  bleibt  das  Benefiz  des 


1)  T  entwickelt,  dass  Senatoren  den  Nachweis  ilu-er  Integrität  vor  dem  Officium 
gravitatis  tuae,  Perfectissimi  bei  der  Vicaria  praefectura,  Equites  Romani  und  Sonstige  bei 
dem  Praefectus  vigilum,  Navicularii  beim  Praefectus  annonae  zu  erbringen  haben. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  das  Lebensalter,  in  welchem  die  Venia  aetatis  erzielt  ist,  den 
Namen  Firmata  aetas  tragen  solle,  und  reiht  Bezeichnungen  der  sonstigen  Lebensabschnitte 
an  (§  3):  Cui  aetati,  quoniam  inter  plenam  perfectamque  adolescentiam  et  robustissimam 
iuventutem  media  est,  firmatae  aetatis  appellationem  imponimus,  ut  prima  aetas  pueritiae 
sit,  sequens  adolescentiae,  firmata  haec  tertia,  quarta  legitima,  quinta  senectus  habeatur. 

3)  VgL  S.  166  Anm.  1. 

4)  T  spricht  von  Aetas  imperfecta. 

5)  Die  Sachen,  welche  den  künftigen  Gatten,  die  sich  tempore  nuptiarum  intra 
aetatem  befinden,  geschenkt  und  übergeben  gewesen  sein  werden. 

6)  Mochte  auch  der  Mann  die  Donatio  nicht  zu  den  Akten  verzeichnen  wollen. 


ß)  a)  C.  2,  16,  3.  (Et  mulieribus  et)  mi- 
noribus  in  his,  quae  vel  praetermiserint  vel 
ignoraverint,  innumeris  auctoritatibus  constat 
esse  consultum. 


aa)  C.  3,  5,  3.  (Quamvis  in  lucro  nee  fe- 
minis  ins  ignorantibus  subveniri  soleat,)  contra 
aetatem  adbuc  imperfectam  locum  hoc  non 
habere  retro  principum  statuta  declarant. 
Ne  igitur  soluta  matrimonii  caritate  inhu- 
raanum  aliquid  statuatur,  censemus,  si  futuris 
coniugibus  tempore  nuptiarum  intra  aetatem 
constitutis  res  fuerint  donatae  et  traditae, 
non  ideo  ea  posse  revocari,  quia  actis  con- 
signare  donationem  quondam  maritus  noluit. 

C.  3,  5,  8.     .  .   illa    manente    lege,    quae 


Minoribus    mulieribus,    sicut    et    viris  ita 
in  causis  Omnibus  subvenitur  .  . 


C.  2,  16,  1.  In  annis  minoribus  consti- 
tutis multum  legibus  constat  esse  prospectum . . 

.  .  si  qua  in  pupillaribus  annis  marito 
fuerit  copulata,  et  sponsalitiam  largitatem 
per  negligentiam  actis  non  allegaverit,  (huius 
legis  beneficio)  etsi  gesta  desint,  inviolabilem 
in  suo  dominio  donationem  noverit  perma- 
nere. 


.   illo  (tarnen)  beneficio  legis   circa  eas 


172 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  3,  1,  3 


C.  2,17, 
1,4 


Gesetzes  bestehen,  dass  eine  Schenkung,  ^zii  einer  wie  grossen  Summe 
sie  auch  wird  verschrieben  gewesen  sein,^  in  aller  Kraft  Bestand  hat, 
wenn  sie  auch  nicht  zu  den    Gesta^  allegiert  gewesen  sein  wird. 

b)  Durch  ein  Gesetz  Kaiser  Konstantins  war  vorgeschrieben  gewesen,  dass 
minderjährige  Frauen,  wenn  sie  Ehemänner  hätten,  ^mit  Zustimmung  der- 
selben^ von  ihrem  Vermögen  irgend  etwas  verkaufen  könnten.  Es  ist  dieses 
jedoch  durch  das  gegenwärtige  Gesetz  abgeschafft  worden;*  vielmehr  wird 
in  Acht  zu  nehmen  sein,  dass,  wenn  die  Notwendigkeit  erfordert  haben 
wird,  dass  Personen,  die  sich  im  minderjährigen  Alter  befinden,  sei  es  Mann, 
sei  es  Frau,  irgend  etwas  verkaufen  wollen,  derjenige,  welcher  wird  haben 
erwerben  wollen,  sich  ^mit  der  Autorität  des  Judex  oder  der  Zustimmung 
der  Kurie  sichere:^  denn  sonst  wird  ein  von  Minderjährigen  veranstal- 
teter  Verkauf  keine  Gültigkeit  besitzen.  Diejenigen,  welche  das  erwähnte 
Benefiz  des  Princeps  wegen  Befestigung  ihres  Alters  erzielt  haben  werden, 
^sollen  ihre  Grundstücke  nicht  ohne  Ermächtigung,  resp.  Dekret,  des  Judex, 
—  was  auf  Grund  einer  Verfügung  der  ludices,  bez.  Konsens  der  Kurialen, 
gegeben  wird,  —  zu  veräussern  sich  getrauen.^ 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.  2)  Akten. 

3)  Ohne  Interpositio  decreti,  unter  Zustimmung  des  Mannes,  bez.  Subscriptio  in  den 
Instrumenten. 

4)  T  motiviert  die  Abschaffung  mit  der  Absurdität  des  früheren  Rechtszustandes, 
wonach  der  Regress  gegen  die  Männer,  auf  welchen  die  Frauen  angewiesen  waren,  im  Falle 
ihrer  Mittellosigkeit  versagte. 

5)  T  spricht  lediglich  von  der  Notwendigkeit  einer  Interpositio  decreti. 

6)  Sollen,  quia  spes  ademta  perfidiae  est,  sowohl  bei  Verkauf  der  Grundstücke 
aufmerksam  zu  Werke  gehen,  als  auch  die  Grundstücke  nicht  ohne  Dekret  veräussern. 


minoribus  aetate  feminis  etiam  actorum 
testificatione  omissa,  si  patris  auxilio  des- 
titutae  sint.  iuste  consuluit. 


b)  C.  3,  1,  3.  Patrui  mei  Constantini  con- 
stitutionem  iubemus  aboleri,  qua  praecepit, 
minores  feminas  consortio  virorum  copulatas 
sine  decreti  interpositione  venditiones  posse 
celebrare,  si  viri  earum  consensum  pariter 
atque  subscriptionem  instrumentis  putaverint 
esse  praebendam,  quoniam  absurdum  est, 
maritos  eis  interdum  inopes  obligari,  quum 
possint,  venditionis  iure  ipso  non  valente, 
res  proprias  recipere  ab  his,  qui  se  illicitis 
contractibus  miscuerunt.  Vetus  igitur  ius 
revocamus,  ut  omnis  venditio,  quaecunque 
fuerit  a  minoie,  viro  sive  femina,  sine  de- 
creti interpositione  celebrata,  nulla  ratione 
subsistat. 

C.  2,  17,  1,  4.  .  .  ut,  quia  spes  ademta 
perfidiae    est,   et  in   vendendis  praediis  dili- 


quae  in  minoribus  annis  defuncto  patre  nu- 
ptae  sunt,  permanente,  ut  de  quantalibet 
summa  fuerit  conscripta  donatio,  etiamsi 
gestis  allegata  non  fuerit,  omni  firmitate 
subsistat. 

Constantini  imperatoris  fuerat  lege  prae- 
ceptum,  ut  minores  aetate  feminae,  si  mari- 
tos haberent,  cum  illorum  consensu  possent 
de  facultatibus  suis  aliquid  vendere.  Sed 
hoc  praesenti  lege  remotum  est,  atque  id 
observandum  erit,  ut  in  annis  minoribus  con- 
stituti,  seu  vir  seu  femina,  si  ita  necessitas 
exegerit,  ut  aliquid  vendere  velint,  qui  com- 
parare  voluerit,  auctoritate  iudicis  aut  con- 
sensu curiae  muniatur:  nam  aliter  a  minori- 
bus facta  vennditio  non  valebit. 


.  .  qui  beneficium,   ut  diximus,    principis 
pro   confirmancla  aetate  meruerint,   ne  prae- 


Krankheit.  Prodigalität  §  26. 


173 


c)  Wird    eine  Frau   nicht  grossjäln-ig    gewesen   sein,   so   ist  sie   behindert  die  C- 3, 17.4, 3 
Tutel  zu  übernehmen.-^ 

d)  Wenn    gegen  Pupillen   eine  Actio  angestrengt  wird,  können  sie,  mögen  sie    c.  3,17,1 
auch  für  erwachsen  gelten,    zu  einem  Prozess  nicht  gelangen,    es  sei  denn, 

dass  ihr  Alter  durch  Testificatio   curiae   bekräftigt   wird   oder  ein  bestellter 
Kurator  das  Vermögen,  bez.  Geschäft,  des  Pupillen  beschützt.^ 

aa)  Wenn    behufs  Wiedererlangung   des    Besitzes    eine   Legitim a    persona   ^-  *>  ^^'  ^ 
nicht   vorhanden    ist,    soll    die  Actio    gegen    das  minderjährige  Alter, 
die  gehöriger  Weise  vielmehr  gegen  den  Kurator  des  Minderjährigen 
hätte  proponiert  werden  müssen,  keine  Gültigkeit  haben. 

bb)  Urteile  gegen  Minderjährige  werden  keine  Gültigkeit  besitzen.  Gr.12, 1 

C)  Krankheit.    Prodigalität  §  26. 

1)  Geisteskrankheit. 

a)  Ein  Wahnsinniger  entbehrt  des  Affekts   des  Dolus  und  der  Fähigkeit,  das   p.  5, 4, 2 
Wesen  einer  Beschimpfung  zu  erfassen. 

aa)  Die  Actio  iniuriarum  kann  nicht  gegen  Wahnsinnige  erheben  werden.   P-  5, 4,  2 

b)  Ein  Wahnsinniger  ist  eines  festen  Entschlusses  nicht  fähig.  p.  4, 11, 7 


1)  Vgl.  S.  183  Anm.  3. 

2)  In  allen  Prozessen  besitzt  ein  Pubes  nicht  elier  lusta  persona,  als  bis  Interposito 
decreto  ein  Kurator,  es  sei  behufs  Verwaltung  des  Vermögens,  es  sei  Ad  litem,  gegeben  ist, 
damit  Controversiae  in  iudiciis  agitatae  einer  Lis  legitime  initiata  den  Vorschriften  der 
Gesetze  entsprechend  ihre  Entscheidung  finden. 


gentiores  esse  persistant,  qui  beneficium 
meruerunt  principale,  nee  praedia  sine  de- 
creto alienent. 

c)  C.  3,  17,  4,  3.  .  .  mulier,  si  aetate  maior 
est,  tum  demum  petendae  tutelae  ins  habeat .  . 

d)  C.  3,  17,  1.  In  universis  litibus  placet 
non  prius  puberem  iustam  habere  personam, 
nisi  interposito  decreto  aut  administrandi 
patrimonii  gratia  aut  ad  litem  fuerit  curator 
datus;  ut  iuxta  praecedentia  nostrae  provi- 
sionis  statuta  legitime  initiatae  litis  agitatae 
in  iudiciis  controversiae  finiantur. 

aa)  C  4,  20,  6.  Momenti  actio  .  .  Nihil 
autem  opituletur  conventio  circa  minorem 
habita,  quum  id  rectius  circa  curatorem  de- 
buerit  custodiri. 

bb)  Gr.  12,  1,  Sententiam  adversus  ,  . 
minores  latam  nullas  vires  obtinere  .  . 

1)  a)  P.  5,  4,  2.     Furiosus  .  .  affectu   doli 
et  captu  contumeliae  carent  .  . 

aa)  P.  5,  4,  2.  Furiosus  .  .  iniuriarum 
agi  cum  his  non  potest  .  . 

b)  P.  4,  11,  7.  Ncque  furiosus  .  .  exacti 
consilii  capax  est. 


dia  sua  sine  iussu  iudicis  vel  decreto,  quod 
ex  praecepto  iudicum  vel  consensu  curialium 
datur,  alienare  praesumant. 

.  .  mulier,  nisi  maior  aetate  fuerit,  tutelam 
suscipere  prohibetur  .  . 

Si  pupillis  actio  inferatur,  quamvis  adulti 
videantur,  ad  litem  venire  non  possunt,  nisi 
forte  aetas  eorum  curiae  testificatione  firme- 
tur,  aut  certe  provisus  curator  Patrimonium 
pupilli  vel  negotium  tueatur. 


Ad  recipiendum  moraentum  .  .  quum  legi- 
tima  persona  non  sit,  nihil  valeat  actio  contra 
aetatem  minorem,  quae  contra  curatoiem 
suum  potius  debuit  iusta  ratione  proponi. 

Adversus  .  .  minores  iudicata  non  vale- 
bunt. 


174 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


P.  4,  11,  7 

P.  2,  18,  7 
G.  2,  2,  3 
P.  3,  6,4 

G.  8 
P.  2.  20,  4 


P.  3,  4,  5 


O.  2,  2,  3 


P.  3,  5,  1 


aa)  Ein  Sklave,  der  auf  Befehl  eines  wahnsinnigen  Herrn  gefesselt  worden 
ist,  wird  nicht  Dediticiorum  numero. 

bh)  Ein  Wahnsinniger  kann  weder  verkaufen  noch  kaufen. 

cc)  Diejenigen,  welche  Wahnsinnige,  das  heisst.  Geisteskranke  gewesen 
sein  werden,  können  kein  Testament  machen.  Ein  bei  körperlicher 
Krankheit  des  Verstandes  Beraubter  kann  zu  dieser  Zeit  ein  Testa- 
ment nicht  machen. 

dd)  Geisteskranke  können  ihr  Vermögen  rationell  nicht  verwalten. 

c)  Wenn  Personen,  die  im  Besitz  ihrer  Geisteskräfte  sind,  eine  Ehe  geschlossen 
haben  werden  und  eine  der  beiden  Blödsinn  oder  Wahnsinn  überkommen 
haben  wird,  können  wegen  dieser  Infirmität  die  Ehen  solcher  Personen 
nicht  gelöst  werden. 

d)  Ein  Wahnsinniger  kann  zu  der  Zeit  intermittierenden  Wahnsinns  ein  Testa- 
ment machen. 

Diejenigen,  welche  geisteskrank  sind,  können  während  der  Pausen, 
in  welchen  sie  geistesgesund  sind,  ein  Testament  machen. 

2)  Prodigalität. 

a)  Die  Vermögensinterdiktion  geschieht  nach  Gewohnheitsrecht  durch  den 
Prätor  folgender  Art:  Da  du  das  väterliche  und  grossväterliche  Vermögen 
durch  deine  Nichtswürdigkeit  verschwendest  und   deine  Kinder  in  Dürftig- 


aa.)  P.  4,  11,  7.  Servus  furiosi  domini  .  . 
iussu  vinetus  dediticiorum  numero  non  effici- 
tur   .  . 

bb)  P.  2,  18,  7.  .  .  furiosus  (autem)  nee 
vendere  nee  emere  potest. 

cc)  G.  2,  2,  3.  .  .  hi,  qui  furiosi,  id  est, 
mente  insani  fuerint,  non  possunt  facere 
testamenta  .  . 

P.  3,  6,  4.  In  adversa  corporis  valetudine 
mente  captus  eo  tempore  testamentum  facere 
non  potest. 

dd)  G.  8.  .  .  insani  .  ,  substantiam  suam 
rationabiliter  gubernare  non  possunt. 

c)  P.  2,  20,  4.  .  .  contractum  matrimo- 
nium  furore  non  tolHtur. 


d)  P.   3,   4,   5.     Furiosus    tempore    inter- 
missi  furoris  testamentum  facere  potest. 


2)  a)  P.  3,  5,  1.  Moribus  per  praetorem  bonis 
interdicitur  hoc  modo :  Quando  tibi  bona  pa- 
terna  avitaque  nequitia  tua  disperdis,  liberos- 
que  tuos  ad  egestatem  perducis :  ob  eam  rem 
tibi  ea  re  commercioque  interdico. 


Si  qui  matrimonium  sani  contraxerint,  et 
uni  ex  duobus  amentia  aut  furor  accesserit, 
ob  hanc  infirmitatem  coniugia  talium  solvi 
non  possunt. 


G.  2,  2,  3.  .  .  hi,  qui  inssni  sunt,  per 
intervalla,  quibus  sani  sunt,  possunt  facere 
testamentum. 


Krankheit.  Prodigalität  §  26 


175 


keit  versetzest,    iiiterdiciere    ich   dir  um   deswillen    den    Yermögensverkehr. 

Was    ehedem    durch   den    Pnltor   geschah,    ist    nunmehr  durch  die  ludices   p  1,7, 2 

civitatum  zu  errichten. 

b)  Verschwender  können  ihr  Vermögen  rationell  nicht  verwalten.  g.  s 

c)  Ein  Verschwender,   der  nach  Wiedergewinnung  seiner  geistigen  Gesundheit  p.  3, 6, 5 
sich    von   Neuem    guten    Sitten    zugewendet  hat,    kann   sowohl    Testamente 
machen   als  auch  zu  den  Solennitäten  eines  Testaments  zugezogen  werden. 

3)  Körperliche  Gebrechen. 

a)  Ein  Tauber   und    ein  Stummer    können  Vindicta  einen  Sklaven  nicht  frei-   p.  4,  ii,  2 
lassen:  unter  Freunden  und  mittels  Briefes  freizulassen  sind  sie  nicht  behindert. 

Ein  Stummer  kann  kaufen  und  verkaufen.  Wenn  ein  Tauber  oder  ein  E  ?>  J*'/ 
Stummer  von  einer  beliebigen  Person  mittels  Testaments  zum  Erben  einge- 
setzt gewesen  oder  ihr  Ab  intestato  gefolgt  sein  werden,  werden  sie,  falls  sie 
entweder  durch  das  Testament  oder  innerhalb  der  gesetzlichen  Zahl  mittels 
Fideikommiss  etwas  geben  zu  müssen  angewiesen  gewesen  sein  w^erden,  an- 
gehalten, es  unter  allen  Umständen  zu  geben. ^ 

b)  Ein  Blinder  kann  ein  Testament  machen,   weil  er  die  zugezogenen  Zeugen  p  s,  4, 4 
herbeirufen   und,    wenn   sie  ihm  Zeugnis  leisten,  vernehmen   kann.     Einem  p.  4, 11, 9 
Blinden  kann  ein  Kurator  nicht  gegeben  werden,   weil  er  sich  selbst  einen 
Prokurator  einsetzen  kann. 


1)  T  sagt,  dass  ein  Tauber  oder  Stummer,  der  ein  Legat  empfangen  hat  oder  testamen- 
tarischer, bez.  Tntestat-Erbe  ist,  mit  einem  Fideikommiss  beschwert  werden  kann. 


b) 


c)  P.  3,  6,  5.  Prodigus,  recepta  vitae  sani- 
tate,  ad  bonos  mores  reversus  et  testamenta 
facere  et  ad  testamenti  sollennia  adhiberi 
potest. 

3)  a)  P.  4,  11,  2.  Mutus  et  surdus  servum 
vindicta  liberare  non  possunt,  inter  amicos 
tamen  et  per  epistolam  manumittere  non 
prohibentur  .  . 

P.  2,  18,  7.  Mutus  emere  et  vendere 
potest. 

P.  4,  1,  4.  A  surdo  vel  muto,  sive  lega- 
tum  acceperit,  sive  heres  institutus  sit,  vel 
ab  intestato  successerit,  fideicommissum  relin- 
quitur. 


b)  P.  3,  4,  4.  Caecus  testamentum  potest 
facere:  quia  accire  potest  adhibitos  testes 
et  audire  sibi  testimonium  perhibentes. 

P.  4,  11,  9.  Caeco  curator  dari  non  potest: 
quia  ipse  sibi  procuratorem  instituere  potest. 


P.  1,  7,  2.    .  .  quod  per  praetorem  autea  fie- 
bat,  modo  per  iudices  civitatum  agendum  est. 

G.  8.     .  .  eversores  .  .  substantiam  suam 
rationabiliter  gubernare  non  possunt. 


Si  a  quocunque  per  testamentum  surdus 
aut  mutus  heres  fuerint  instituti,  aut  ab 
intestato  fortasse  successerint;  si  quid  aut 
per  testamentum  aut  per  legitimum  numerum 
tideicommissi  nomine  ut  dare  debeant,  fuerint 
delegati,  id  dare  omnimodis  compelluntur. 


176 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


C.  4,  12,1,2 


G.  8 


C.  9,  33,  1 
pr.  2U.3 


II.  Ergänzung  der  mangelnden  Handlungsfähigkeit  durch 

die  Vormundschaft. 

A)  Arten  und  Wesen  der  Yormundscliaft  §  37. 

1)  Arten. 

a)  Pupillen  befinden  sich  unter  Tutoren:  sie  werden  in  die  Jahre  gelangt  sein, 
in  welchen  sie  Kuratoren  hätten  haben  können,  ^das  will  sagen,  eine  Person 
männlichen  Geschlechts  in  das  fünfzehnte  und  eine  Person  weiblichen  Ge- 
schlechts in  das  dreizehnte  Jahr.^ 

Nach  Vollendung  der  Pupillenjahre,  womit  die  Tutoren  ent- 
bunden werden,  beginnt  die  Geschäftsführung  mit  Bezug  auf  Minder- 
jährige den  Kuratoren  zu  gebühren:  die  Minderjährigen  stehen  unter 
einem  Kurator. 

b)  2  Wenn  ein  Vater  in  das  Exil  geschickt  worden  ist,  wird  er  nach  seiner 
Rückkehr  die  Kinder,  falls  sie  im  Hinblick  auf  Alter,  bez.  Abwesenheit  des 
Vaters,  entweder  Tutoren  oder  Kuratoren,  empfangen  haben  werden,  unter 
Entfernung  der  Kuratoren,  bez.  Tutoren,  mit  dem  ganzen  Vermögen  zurück- 
empfangen. Wird  der  Vater  überführt  werden,  entweder  ein  Verschwender 
oder  ein  Nachlässiger  oder  ein  Verschwender  oder  ein  Lüstling  zu  sein,  und 
als  Jemand  erkannt  werden,  der  das  Vermögen  der  Kinder  ruchlos  und 
wahnwitzig  zerrüttet  und  verschleudert,  so  sollen  die  Kinder  eines  solchen 
Vaters,  wie  nach  seinem  Tode,  unter  einem  Tutor  oder  Kurator  stehen, 
weil,  wie  es  billig  ist,  dass  ein  guter  und  nützlicher  Vater  die  Sache  der 
Kinder  zur  Leitung  und  Verwaltung  zurückempfängt,  andererseits  es  unbillig 
ist,  dass  er  zum  Schaden  der  Kinder  nach  seiner  Rückkehr  das  von  Tutoren 
und  Kuratoren  gesparte  Vermögen  durch  wahnwitzigen  Umsturz  zerstückele. - 


1)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

2)  Vgl.  §19,  1  du.  §10,  2b. 


1)  a)  C.  4,  12,  1,  2.  .  .  pupillari  aetate 
(duntaxat,  quamdiu)  sub  tutoris  defensione 
consistit,  .  .  (quum)  ad  eos  annos  pervenerit, 
qui  ad  sollicitudinem  pertinent  curatoris  .  . 


b)  C.  9,  33,  1  pr.  2  u.  3.  .  .  deportati 
filius  .  .  in  patris  sit  potestate,  cui  dignitas 
ac  bona  restituta  sunt  .  .  Minores  .  .  Qui- 
bus  si  damnato  patre  tutor  datus  est,  ne- 
cesse  est,  ut  ab  officio  recedat,  regresso  eo  .  . 


.  .  pupillis  (, quamdiu)  sub  tutoribus  agunt, 
(non  debeat  imputari,  sed,  ubi)  ad  eos  annos 
pervenerint,  quibus  curatores  habere  possent, 
id  est  vir  ad  quintum  decimum  et  puella 
ad  tertium  decimum  annum  .  . 

G.  8.  Peractis  pupillaribus  annis,  qui- 
bus tutores  absolvuntur,  ad  curatores  ratio 
minorum  incipit  pertinere.  Sub  curatore  sunt 
minores  .  . 

Si  quis  pater  in  exsilium  missus  .  .  pro 
aetate  vel  absentia  patris  aut  tutores  aut 
curatores  acceperint,  reversus  pater  filios, 
repulsis  curatoribus  vel  tutoribus,  cum  omni 
facultate    recipiet    .    .      Quod    si    pater    aut 


Arten  und  Wesen  der  Vormundschaft  §  27. 


177 


c)  Unter  einem  Kurator  stehen  grossjährige  Verschwender,  Geisteskranke.    Die-      g.  8 
jenigen,    welche  Verschwender    oder  Geisteskranke    sind,    werden   die  ganze 
Zeit  ihres  Lehens  unter  einem  Kurator  zu  stehen  geheisseu. 

d)  Wenn    gegen  Pui)illen   eine  Actio  angestrengt  wird,  können  sie,  mögen  sie   c.  3,  17,  i 
auch  für  erwachsen    gelten,,  zu  einem  Prozess  nicht  gelangen,    es   sei   denn 

dass  ein  hestellter  Kurator  das  Vermögen,  bez.  Geschäft,  des  Pupillen  l)e- 
schützt.^  AVird  Jemand  gegen  diejenigen,  welche  sich  im  minderjährigen  c. 2, 4,1  pr. 
Alter  befinden ,2  einen  Prozess  angestrengt  haben,  oder  von  ihrer  Seite 
irgend  Jemand  verklagt  w^erden,  so  sind  die  Fristen  von  dem  Augenblicke 
zu  rechnen,  dass  Tutor  oder  Kurator^  des  Minderjährigen  die  Actio  ein- 
gebracht oder  übernommen  haben  wird. 

aa)  Wenn    behufs  Wiedererlangung   des  Besitzes    eine  Legitima    persona  c.  4, 20, 6 
nicht   vorhanden   ist,    soll    die  Actio    gegen    das  minderjährige   Alter, 


1)  Vg].  S.  173  Anm.  1.  2)  Minores  vel  adulti. 

3)  T  spricht  von  sämtlichen  Vormündern  und  fügt  mit  Bezug  auf  die  Tutoren  hinzu 
Sive  testamento  sive  decreto  dati  sunt.  4)  T  fügt  hinzu  Solenni  more. 


Nam  si  patria  potestate  ad  corrumpendi  atque 
effundendi  patrimonii  hcentiam  abutetur,  ut 
furiose  ac  dementi,  item  prodigo,  libidinum 
omnium  vitiorumque  servo  non  est  eorum 
pecunia  committenda:  ab  administratione 
fugiat:  neque  tutor  esse  desinat,  omniaque 
minoris  dispendia  suis  ipse  damnis  praestet  .  . 
Et  fihi  emancipationem  a  patribus  officiis  pe- 
tant,  ut  libertatem  non  damnationis ,  sed 
lenitatis  paternae  festem  habeant. 


d)  C.  3,  17,  1.  hl  universis  litibus  placet 
non  prius  puberem  iustam  habere  personam, 
nisi  .  .  ad  htem  fuerit  curator  datus;  ut  iuxta 
praecedentia  nostrae  provisionis  statuta  legi- 
time initiatae  litis  agitatae  in  iudiciis  con- 
troversiae  finiantur. 

C.  2,  4.  1  pr.  Si  quando  minoribus  vel 
adultis  inferenda  lis  erit,  vel  ab  ipsis  minori- 
bus vel  adultis  cuidam  quaestio  movenda  sit, 
non  alias  cursus  temporis  inchoetur,  nisi  ab 
universis,  quos  officii  sollicitudo  oonstringit, 
hoc  est  tutoribus,  sive  testamento  sive  de- 
creto dati  sunt,  vel  curatoribus,  per  quos 
minores  defenduntur,  vel  iisdem  omnibus 
.  .  lis  fuerit  intimata. 

aa)  C.  4,  20,  6.  Momenti  actio  .  .  Nihil 
autem    opituletur    conventio   circa    minorem 

Gonrat,  Breviarium. 


prodigus  aut  negligens  aut  eversor  aut  libi- 
dini  deditus  esse  convincetur,  et  filiorum  res 
impie  ac  dementer  vastare  ac  dilapidare 
cognoscetur,  filii  talis  patris ,  tan  quam  eo 
mortuo,  sub  tutore  aut  curatore  consistant: 
quia  sicut  aequum  est,  ut  bouus  et  utilis 
pater  rem  filiorum  regendam  administrandam- 
que  recipiat,  ita  iniquum  est,  ut  in  damnum 
filiorum  reversus  facultates  a  tutoribus  cura- 
toribusve  reservatas  dementi  subver^ione 
dilaceret. 

G.  8.  .  .  Sub  curatore  sunt  .  .  maiores 
eversores,  insani  .  .  Qui  (vero)  eversores  aut 
insani  sunt,  omni  tempore  vitae  suae  sub 
curatore  esse  iubentur  .  . 

Si  pupillis  actio  inferatur,  quamvis  adulti 
videantur,  ad  litem  venire  non  possunt,  nisi 
.  .  certe  provisus  curator  Patrimonium  pupilli 
vel  negotium  tueatur. 


Si  quis  contra  eos,  qui  in  annis  minoribus 
constituti  sunt,  litem  forte  commoverit,  aut 
si  a  parte  ipsorum  reus  aliquis  arguatur,  ex 
eo  tempora  computanda  sunt,  ex  quo  tutor 
sive  curator  minoris  . .  intulerit  seu  exceperit 
actionem. 


Ad  recipiendum  raomentum  .  .  quum  legi- 
tima persona  non  sit,  nihil  valeat  actio  contra 

12 


178 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


die  gehöriger  Weise  vielmehr  gegen  den  Kurator  des  Minderjährigen 
hätte  proponiert  werden  müssen,  keine  Giltigkeit  haben. 

c.  4, 3, 1  bb)   ^Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode  aus  legitimer  Ehe  eine  schwangere 

Frau  hinterlassen  haben  wird,  soll  derjenige,  welcher  geboren  ge- 
y\'esen  sein  wird,  zu  seinem  Anteil  in  die  Erbschaft  des  Vaters 
folgen  und  bis  zum  fünfzehnten  Jahre  seines  Alters  dasjenige,  was 
von  dem  Vater  hinterlassen  worden  ist,  ohne  Rückforderungsanspruch 
von   irgend  Jemandem   besitzen:   hernach   soll   er  durch   den  Kurator 

p.  3, 1, 1  seine  Aktionen  entweder  übernehmen  oder  einbringen.    Wenn  Jemand 

gegen  zwei  Brüder,  das  will  sagen,  einen  mündigen,  dessen  Alter 
einen  Kurator  haben  kann,  und  einen  unmündigen  eine  Sache 
hat,  und  der  Bruder,  Avelcher  der  ältere  ist,  um  die  Sache  nicht 
zu  verantworten,  wegen  der  Person  des  jüngeren  Bruders  sich  wird 
haben  entschuldigen  wollen,  Avird  derjenige,  welcher  der  ältere  ist, 
angehalten,  für  seine  Person,  bez.  Sache,  sich  zu  verantworten:  und 
wenn  er  auch  einen  Kurator  nicht  hat,  wird  er  gezwungen  werden, 
ihn  zuzuziehen.^ 

p.  2, 30, 1  e)  Wenn  von  dem  Vater  minderjährigen  Kindern  ein  Freigelassener  als  Tutor 
hinterlassen  gewesen  sein  wird,  kann  er,  falls  er  als  Avenig  geeignet  gilt,  von 
der  Führung  der  Tutel  nicht  verschont  werden,  sondern  kann  ihm  ein 
Kurator  beigefügt  w^erden. 


1)  Vgl.  Fünftes  Buch  §  6,  2  ß  a. 


habita,  quum  id  rectius  circa  curatorem  de- 
buerit  custodiri. 

bb)  C.  4,  3,  1.  Carbonianura  edictum  sub 
personis  legitimis  indubitato  matrimonio  .  . 
probata  legitima  successione  deferfcur:  seilicet 
ut  in  possessione  novus  heres  locatus  usque 
ad  pubertatis  annos  sine  inquietudine  rebus 
utatur  interdum  alienis. 


P.  3,  1,  1.  Si  fratri  puberi  controversia 
fiat,  an  pro  parte  impuberis  differri  causa 
debeat,  variatum  est:  sed  magis  est,  ut 
differri  non  debeat. 


e)  P,  2,  30,  1.  Libertus,  quem  pater  tu- 
torem  dedit,  si  minus  idoneus  dicatur,  excu- 
sari  quidem  non  potest,  sed  adiungi  illi  cura- 
tor  potest. 


aetatem    minorem,    quae    contra    curatorem 
suum  potius  debuit  iusta  ratione  proponi. 

Si  quis  moriens  ex  legitimo  matrimonio 
praegnantem  reliquerit  nxorem,  .  .  is,  qui 
natus  fuerit,  pro  sua  portione  in  patris  here- 
ditate  succedat  et  usque  ad  quintum  et  deci- 
mum  aetatis  suae  annum,  quae  a  patre  dere- 
licta  sunt,  sine  ulla  repetitione  possideat: 
futurum,  ut  suas  postmodum  per  curatorem 
aut  excipiat  aut  asserat  actiones. 

Si  quis  contra  duos  fratres,  id  est,  unum 
puberem,  cuius  aetas  curatorem  habere  po- 
test, et  alterum  impuberem  causam  habeat; 
si  frater,  qui  senior  est,  propter  personam 
fratris  iunioris,  ne  causam  dicat,  se  voluerit 
excusare,  ille,  qui  senior  est,  pro  sua  persona 
vel  causa  respondere  compellitur.  Quod 
etiamsi  curatorem  non  habeat,  adhibere  sibi 
cogitur  .  . 

Si  a  patre  filiis  minoribus  libertus  tutor 
fuerit  derelictus,  si  parum  idoneus  videtur, 
excusari  quidem  ab  actione  tutelae  non  po- 
test; sed  potest  illi  curator  adiungi. 


Arten  und  Wesen  der  Vormundschaft  i^  27. 


179 


f)  Emem  Blinden  kann  ein  Kurator  nicht  gegeben  werden,  weil  er  sich  seihst  p.  4, 11,  9 
einen  Prokurator  einsetzen  kann. 

2)  Wesen  (vgl.  Viertes  Buch,  Drittes  Kapitel). 
a)  Im  allgemeinen. 

a)  Der  Tutor    soll  das  Vermögen    des  unmündigen  Kindes  oder  den  Minder-   N.Th.5,1 
jährigen  selbst  regieren. 
ß)  Mit  Bezug  auf  die  Person  des  Bevormundeten  (vgl.  §  14,  2  c). 

a)  Es  trägt  sich  zu,  dass  ein  Privatmann  oder  ein  Militans,  nachdem  er  sich   c.  3, 5, 4 
verlobt  haben  wird,  mit  Tutor  oder  Kurator  des  Mädchens  wegen  der  Ver- 
bindung   des    Mädchens    eine    Festsetzung    getroffen    haben   wird.^     Sobald   c.  3, 5, 7 
über  die  Verbindung  der  Tochter  durch  die  Entscheidung  des  Vaters  eine 
Bestimmung  getroffen   gewesen    sein    wird,    wird,    wenn  der  Vater  vor  der 
Verheiratung    des    Mädchens    gestorben    gewesen    sein   wird,    das   Mädchen 

nicht  die  Befugnis  haben,  anders  zu  handeln,  wenn  auch  Tutor  oder 
Kurator  einen  andern  werden  haben  nehmen  wollen,  als  der  Vater  aus- 
gewählt hat.^ 

b)  Sobald  Mädchen,  die  unter  einem  Tutor  stehen,  in  die  heiratsfähigen  Jahre   c.  9. 5, 1 
gelangt   sein    werden    und    irgend    Jemand  als   Bewerber    aufgetreten    sein 

wird,  soll  das  Mädchen  nicht  eher  verbunden  werden,  als  bis  erwiesen 
gewesen  sein  wird,  dass  ihre  Jungfräuhchkeit  von  dem  Tutor  gewahrt 
worden  ist.^ 


1)  Vgl.  S.  113  Anm.  6.  2)  T  motiviert  diesen  Satz. 

3)  T  sagt,    dass    die  Jungfräulichkeit  des  Mädchens  von   dem  Tutor  zu  erweisen  sei, 
wozu  indessen  der  Nachweis   genüge,   dass   diese  von   ihm  selbst  nicht  verletzt  worden  sei. 


f)  P.  4,  11,  9.  Caeco  curator  dari  non 
potest:  quia  ipse  sibi  procuratorem  instituere 
potest. 

2  a)  a) 


'^  a) 


C.  3,  5,  7.  Si  pater  pactum  de  filiae  nup- 
tiis  inierit  et  humana  sorte  consumtus  ad 
Vota  non  potuerit  pervenire,  .  .  nihil  (que) 
permittatur  habere  momenti,  quod  cum  de- 
fensore,  ad  quem  minoris  commoda  pertine- 
bunt,  docebitur  fuisse  transactum.  Perini- 
quum  est  enim,  ut  contra  patriam  volun- 
tatem  redemti  forsitan  tutoris  aut  curatoris 
admittatur  arbitrium,  quum  plerumque  etiam 
ipaius  feminae  adversus  commoda  propria 
inveniatur  laborare  consilium. 

b)    C.    9,    5,    1.      Ubi    puellae    ad    annos 


N.  Th.  5,  1.  .  .  filio  impuberi  .  .  tuto- 
rem,  qui  res  eins  aut  ipsum  minorem  debeat 
gubernare  .  . 

C.  3,  5,  4.  (Si)  quis  aut  privatus  aut 
militans,  postquam  sponderit,  cum  (patre,) 
tutore  vel  curatore  puellae  .  .  de  puellae 
coniunctione  definierit  .  . 

Ubi  de  coniunctione  filiae  patris  sententia 
fuerit  definitum,  si  .  .,  antequam  puella 
iungatur,  mortuus  fuerit  pater,  . .  nee  habebit 
puella  licentiam  aliud  faciendi,  etiamsi  .  . 
tutor  aut  curator  .  .  alium  fortasse  voluerint 
suscipere,  quam  pater  elegit  .  . 


Ubi  primum   puellae   sub  tutore  viventes 

12* 


180 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


B)  Exkiisation  von  der  Yormundschaft  §  28. 

p.  2, 28, 1  a)  Wenn  irgend  Jemand  ersichtlich  mit  dem  Vater  der  Minderjährigen  in 
starker  Feindschaft  gelebt  hat,  wird  er  mit  Recht  von  der  Tutel  über  die 
Pupillen  entbunden,  damit  nicht  dem  väterlichen  Fehide  der  Schutz  über 
die  Kleinen  anvertraut  werde. 

p.  2,  29, 1  b)  Wer  mit  Bezug  auf  den  namhaft  gemachten  Potior  den  Sachverhalt  nicht 
angegeben   haben    wird,    wird    erachtet,    den   Potior   nicht   richtig    namhaft 

P.  2, 29, 2  zu   machen.     Wer   als    Potior   für    die    Tutel  auszuwählen  ist,    muss  nicht 

allein  als  dem  Pupill  durch  Yerwandtschaft  des  Geschlechts  näher- 
stehend, sondern  auch  als  eine  dem  Vermögen  nach  geeignetere  Persönlich- 
keit erwiesen  werden. 

p.  2, 30, 1  c)  Wenn  von  dem  Vater  minderjährigen  Kindern  ein  Freigelassener  als  Tutor 
hinterlassen  gewesen  sein  wird,  kann  er,  falls  er  als  wenig  geeignet  gilt, 
von  der  Führung  der  Tutel  nicht  verschont  werden,  sondern  kann  ihm  ein 
Kurator  beigefügt  werden. 

p.  2, 28, 2  d)  Zur  Kura  über  denjenigen,  dessen  Tutel  Jemand  verwaltet  hat,  kann  er 
wider  seinen  Willen  nicht  gerufen  werden. 


adultae  aetatis  accesserint  et  adspirare  ad 
nuptias  coeperint,  tutores  necesse  habeant 
comprobare,  quod  puellae  sit  intemerata  vir- 
ginitas,  cuius  coniunctio  postulatur.  Quod 
ne  latius  porrigatur,  hie  solus  debet  tutorem 
nexus  adstringere,  ut  se  ipsum  probet  ab 
iniuria  laesi  pudoris  immunem  .   . 

a)  P.  2,  28,  1.  Inimicitiae  capitales,  quas 
quis  cum  patre  pupillorum  habuit,  a  tuteUs 
excusant,  ne  paterno  inimico  pupilli  commit- 
tantur. 

b)  P.  2,  29,  1.  Non  recte  potiorem  vide- 
tur  nominare,  qui  causam  nominati  potioris 
non  expresserit. 

P.  2,  29,  2.  Potior  quis  esse  debet  non 
solum  gradu  generis,  sed  et  substantia  rei 
familiaris. 


c)  P.  2,  30,  1.  Libertus,  quem  pater  tu- 
torem dedit,  si  minus  idoneus  dicatur,  excu- 
sari  quidem  non  potest,  sed  adiungi  illi  cu- 
rator  potest. 

d)  P.  2,  28,  2.  Ad  curam  eins,  cuius  quis 
tutelam  administravit,  invitus  vocari  non 
potest. 


ad  annos  pervenerint  nuptiales,  et  quicunque 
petitor  accesserit,  non  prius  puella  iungatur, 
nisi  virginitas  ilUus,  quod  a  tutore  servata 
sit,  fuerit  approbata  .  . 


Si  cum  patre  minor  um  aliquis  graves  ini- 
micitias  habuisse  cognoscitur,  a  tutela  pu- 
pillorum merito  excusatur ;  ne  inimico  pa- 
terno parvulorum  defensio  committatur. 


Qui  potior  ad  tutelam  eligendus  est,  non 
solum  pupillo  generis  affinitate  propinquior, 
sed  et  facultatibus  debet  magis  idoneus  ap- 
probari. 

Si  a  patre  filiis  minoribus  libertus  tutor 
fuerit  derelictus,  si  parum  idoneus  videtur, 
excusari  quidem  ab  actione  tutelae  non  po- 
test; sed  potest  illi  curator  adiungi. 


Ernennung  des  Vormundes  §  29. 


181 


C)  Eriieniiiiiig  des  Yormundes  §  29. 

1)  Delationsgründe. 

a)  Die  Tutoren  sind  entweder  gesetzliche  oder  testamentarische.  G.  7  pr. 

b)  Wird    weder    ein   testamentarischer    noch  ein  gesetzhcher  Tutor  vorhanden    G.7, 2 
gewesen   sein,    dann  werden  Ex  inquisitione  ludicis  den  Pupillen  Tutoren 
gegeben  werden. 

2)  Testamentaria  tutela. 

a)  Testamentarische  Tutoren  sind  diejenigen,  welche  die  Väter  oder  die  väter- 
lichen Grossväter  in  ihrem  Testament  den  Kindern  oder  Enkeln  als  Tutoren 
angewiesen  haben  werden. 

b)  Da  ja  bereits  gestattet  ist  in  griechischer  Sjorache  zu  testieren,  soll  es  er- 
laubt sein,  auch  Tutoren  mit  griechischen  Worten  in  den  Testamenten  zu 
hinterlassen:  sodass  derart  gewährte  Tutoren  erachtet  werden,  als  wenn  sie 
zu  gewähren  der  Testator  mit  Legitima  verba  verordnet  hätte.  ^ 

c)  Wer   sich  dem   unmündigen  Sohne  des  Testators   als  Tutor  bei  geschrieben  p.  3,  8,  u 
haben  wird,  ist  als  suspekt  von  einer  Tutel  zu  entfernen,  nach  der  er  ge- 
flissentlich gestrebt  zu  haben  erachtet  Avird. 

3)  Gesetzliche  Yormundschaft. 

a)  Diejenigen ,    welche  Tutoren  haben,    die  von  dem  Vater  namentlich  hinter-   p.  4, 12, 3 
lassen  sind,  können  nicht  andere  Tutoren  haben. - 


G.7 
pr.  u.  2 


N.Th. 

9,  1,  8 


1)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 

2)  Denjenigen,  welche  Tutoren  haben,   kann  ein  Tutor  nicht  gegeben  werden. 


1)  a) 

b) 

2)  a) 


b)  N.  Th.  9, 1,  8.  .  .  ut,  quoniam  Graece  iara 
testari  concessum  est,  .  .  tutores  etiam 
Graecis  verbis  liceat  in  testamento  relinquere, 
ut  ita  .  .  tutores  (ve)  dati  videantur,  ac  si 
legitimis  verbis  ea  testator  dari  .  ,  iussis- 
set  .  . 

c)  P.  3,  8,  14.  Qui  se  filio  testatoris  im- 
puberi  tutorem  adscripserit,  ut  suspectus  a 
tutela  removendus  est,  ad  quam  ultro  vide- 
tur  aft'ectasse. 

3)  a)  P.  4,  12,  3.     .  .  habentibus    tutores 
tutor  dari  non  potest  .  . 


G.  7  pr.  Tutores  aut  legitimi  sunt  aut 
testamentarii. 

G.  7,  2.  .  .  Quod  si  nee  testamentarius 
tutor  fuerit,  nee  legitimus,  tunc  ex  inqui- 
sitione iudicis  pupillis  tutores  dantur. 

G.  7  pr.  u.  2.  Tutores  .  .  testamentarii. 
(Testamentarii)  sunt,  quos  patres  aut  avi  pa- 
terni  in  testamento  suo  tutores  filiis  aut  ne- 
potibus  delegaverint  ,  . 


.  .  qui  tutores  a  patre  nominatim  rclictos 
habent,  alios  tutores  habere  non  possunt  .  . 


182 


Privatrecbt.     Zweites  Buch. 


G.  7,  1 
G.  7,  pr.  1 

C.  3,17,2 
C.3,  17,4,  3 


C.  3,17,4 
pr.  1 


b)  Gesetzliche  Tutoren  sind  diejenigen,  welche  mit  dem  PupiU  dm^ch  das 
männliche  Geschlecht  verwandtschaftlich  verbunden  werden. 

c)  Die  gesetzliche  Tutel  kommt  demjenigen  zu,  welcher  aus  der  Zahl  der 
Agnaten  der  Nähere  gewesen  sein  wird :  derjenige,  welcher  der  Nächste  zu 
der  Tutel  gewesen  sein  wird,  ist  ebenso  der  Nächste  auch  zu  der  Erbschaft. 

d)  Mit  Bezug  auf  Frauen  soll  die  gesetzliche  Tutel  auch  der  Consanguineus 
patruus  nicht  ablehnen. 

e)  Wird  Jemand  aus  der  Zahl  derer,  welche  gesetzlich  zur  Tutel  gelangen, 
entweder  um  sein  Yermögen  gekommen  zu  sein  oder  von  niedrigen  Sitten 
zu  sein  erachtet  werden,  so  wird  er  nicht  zugelassen  werden  können,  damit 
nicht  das  Vermögen  der  Minderjährigen  zu  Grunde  gehe:  vielmehr  sollen 
diejenigen  in  die  Tutel  eintreten,  welche  durch  Integrität  der  Gesinnung 
und  einen  bestimmten  Verwandtschaftsgrad  verbunden  sind.^ 

f)  Frauen,  die  nach  dem  Tode  der  Gatten  selbst  die  Tutel  über  ihre  Kinder 
werden  haben  übernehmen  wollen,  sollen,  -bevor  sie  sie  antreten,"^  zu  den  Akten 


1)  Eine  Frau  hat  nur  dann  das  Recht,  die  Tutel  zu  erbitten,  wenn  der  legitime  Tutor 
gefehlt  haben  oder  durch  Privileg  von  der  Tutel  befreit  oder  durch  das  Genus  suspecti 
entfernt  oder  wegen  Geistes-,  bez.  Leibeskrankheit,  nicht  einmal  zur  Verwaltung  des 
eigenen  Vermögens  geschickt  befunden  wird. 

2)  Bevor  die  Bestätigung  eines  solchen  Officium  mit  Bezug  auf  dieselben  rechtsgültig 
erfolfft. 


h) 


c) 


d)  C.  3,  17,  2.  In  feminis  tutelam  legi- 
timam  et  consanguineus  patruus  non  re- 
cuset. 

e)  C.  3,  17,  4,  3.  . .  ut  mulier  . .  tum  demum 
petendae  tutelae  ius  habeat,  quum  tutor  legi- 
timus defuerit,  vel  privilegio  a  tutela  excu- 
setur,  vel  suspecti  genere  summoveatur,  vel 
ne  suis  quidem  per  animi  aat  corporis  valetu- 
dinem  administrandis  facultatibus  idoneus 
inveniatur. 

f)  C.  3, 17,  4  pr.  1.  Matres,  quae  amissis 
viris  tutelam  administrandorum  negotiorum 
in  liberos  postulant,  priusquam  confirmatio 
officii  talis  in  eas  iure  veniat,  fateantur  actis, 
ad  alias  se  nuptias  non  venire.  Sane  in 
optione  huiuscemodi  nulla  cogitur,  sed  libera 
in  conditiones,  quas  praestituimus,  voluntate 
descendat;  nam  si  malunt  alia  optare  matri- 
monia,  tutelas  filiorum  administrare  non  de- 
bent. 


G.  7,  pr.  1.  Tutores  .  .  legitimi  sunt, 
qui  pupillo  per  virilem  sexum  propinquitate 
coniunguntur  .  . 

G.  7,  1.  .  .  qui  proximior  fuerit  de  agna- 
tis,  ad  ipsum  legitima  tutela  pertinet,  quia 
is,  qui  proximus  fuerit  ad  tutelam,  ipse  proxi- 
mus  est  et  ad  hereditatem. 


De  his  (vero),  qui  cum  lege  veniunt  ad 
tutelam,  si  quis  ex  his  videbitur  aut  deceptus 
facultatibus  aut  moribus  vilis,  admitti  non 
poterit,  ne  minorum  bona  depereant :  sed  illi 
accedant  in  tutelam,  qui  integritate  mentis  et 
certa  propinquitate  iunguntur. 

Mulieres  mortuis  maritis,  si  ipsae  voluerint 
tutelam  suscipere  filiorum,  priusquam  hoc 
assumant,  actis  profiteantur,  se  non  esse  nu- 
pturas.  Sed  hoc  ipsum  non  extorquendum 
est;  sed  si  maluerint,  hoc  voluntate  propria 
fateantur:  nam  si  ad  alias  nuptias  migrare 
voluerint,  tutelam  filiorum  administrare  non 
possunt. 


ErneDnuDg  des  Vormundes  §  29. 


183 


kuüclgebeii,  dass  sie  nicht  heiraten  werden.  Jedoch  ist  dieses  nicht  ab- 
zupressen: sondern  sie  sollen,  wenn  sie  diese  Wahl  getroffen  haben  Averdcn, 
es  aus  freiem  Antriebe  erklären.  Werden  sie  zu  einer  anderen  Ehe 
haben  schreiten  wollen,  so  können  sie  die  Tutel  über  ihre  Kinder  nicht 
verwalten.  Wird  die  Mutter  die  Tutel  über  die  Kinder  in  legitimer  Weise  ^'g^u'l'^' 
übernommen^  und  sich  durch  Leistung  eines  Eides  gebunden  haben,  so 
soll,  falls  sie  gegen  das  Versprechen  zu  einer  andern  Ehe  geschritten  sein 
und  nicht,  nach  vorgängiger  Ablegung  der  Rechnung,  einen  andern  Tutor 
gegeben  oder  vorher  dasjenige,  was  sie  feststehendermassen  schuldig  ist, 
gezahlt  haben  wird,-  nicht  nur  ihr  Gut,  wenn  sie  Schuldnerin  gewesen 
sein  wird,  den  Kindern  verhaftet  sein,  sondern  auch  das  Vermögen  des 
zweiten  mit  der  verpflichteten  Person  verbundenen  Gatten  mit  Bezug 
auf  dasjenige,  was  sich  als  Schuld  ergeben  haben  wird,  als  Pfand 
haften:  so  lange,  bis  die  ganze  Schuld,  die  die  Tutelrechnung  vorgefunden 
haben  mrd,  abgethan  ist.  Es  wird  auch  dies  hinzugefügt,  dass  die  Erau,  c.3,17,4,3 
falls  sie  nicht  grossjährig  gewesen  sein  wird,  behindert  ist,  die  Tutel  zu 
übernehm  en.3 

Die  Männer,  die  sich  mit  den  Müttern  von  Kleinen  zu  verbinden  c.  3, 17, 4, 2 
verlangen,    mögen    sich    bewusst    sein,    dass,    wenn   Erauen    die  Tutel 
über  ihre  Kinder  zu  verwalten  begonnen  und  nachher  geheiratet  haben 


ll  Die  legitime  Tutel  über  die  Kinder  übernommen. 

2)  J  fügt  noch  hinzu  Contra  legis  huius  ordinationem  veniens 

3)  Die  Frau  soll,  wenn  sie  grossjährig  ist,  das  lus  petendae  tutelae  haben.  Dem  Zu- 
sammenhang-e  nach  ist  dies  von  dem  S.  182  Anm.  1  genannten  Falle  zu  verstehen  (Tum 
demum  petendae  tutelae  ius  habeat,  quum  tutor  legitimus  defuerit,  vel  privilegio  a  tutela 
excusetur,  vel  suspecti  genere  summoveatur,  vel  ne  suis  quidem  per  animi  aut  corporis 
valetudinem  administrandis  facultatibus  idoneus  inveniatur  .  .). 


N.  Th.  5,  1,  2  u.  3.  Idemque  observari 
volumus,  et  si  mater  legitima  liberorum  tu- 
tela suscepta  ad  secundas,  contra  sacramen- 
tum  praestitum,  adspiraverit  nuptias,  ante- 
quam  ei  tutorem  alium  fecerit  ordinari  eique 
quod  debetur  ex  ratione  tutelae  gestae,  per- 
solverit.  Quod  si  contra  huius  legis  auctori- 
tatem,  antequam  haec  adimpleverit,  secundo 
se  marito  crediderit  copulandam,  mariti  quo- 
que  eius  praeteritae  tutelae  ratiociniis  bona 
iure  pignoris  tenebuntur  obnoxia  .  . 


C.  3,  17,  4,  3.  His  illud  adiungimus,  ut 
mulier,  si  aetate  maior  est,  tum  demum  pe- 
tendae tutelae  ius  habeat  .  . 

C.  8,  17,  4,  2.  Sed  ne  sit  facilis  in  eas 
post  tutelam  iure  susceptam   irruptio,    bona 


.  .  (haec  constitutio  .  .  minoribus  in  hac 
parte  consulit,)  ut,  si  mater  tutelam  filiorum 
gerendam  legitime  susceperit  et  se  iuris- 
iurandi  interpositione  constrinxerit,  si  ad 
alias  nuptias  contra  promissa  transierit,  et 
alium  tutorem  filiis  deducta  ratione  non  de- 
derit,  aut  quae  eam  constiterit  debere,  non 
ante  persolverit,  .  .  non  solum  eius  bona,  si 
debitrjx  exstiterit,  filiis  teneantur  obnoxia, 
verum  etiam  secundi  mariti,  qui  obligatae 
personae  coniunctus  est,  facultas  in  eo,  quod 
debitum  processerit,  loco  pignoris  teneatur, 
donec  omne  debitum,  quod  ratio  tutelae  in- 
venerit,  suppleatur  .  . 

Additur  etiam  illud,  quod  mulier,  nisi 
maior  aetate  fuerit,  tutelam  suscipere  prohi- 
betur  .  . 

Sciant  hoc  etiam  viri,  qui  sibi  iungen- 
das    matres    postulant    parvulorum,    quod,   si 


-ß//i,c 


OOLLEQe 


184 


Privafcrecht.     Zweites  Buch. 


werden,  derjenige  welcher  in  die  eheliche  Verbindung  aufgenommen 
wird,  zu  wissen  hat,  dass  sein  Vermögen,  veri^fändet  sei  und  er  zur 
Rechenschaftslegung  an  die  Minderjährigen  verpflichtet  sein  werde. 

p.  3, 6, 1  g)  Wird  Jemand,  der  von  den  Feinden  gefangen  gewesen  sein  wird,  in  der 
Gefangenschaft  gestorben  sein,  so  werden  durch  das  Benefiz  der  Lex 
Cornelia  auch  die  legitimen  Tutelen  bestätigt. 

4)  Obrigkeitliche  Vormundschaft, 
c.  3, 17, 4, 4        a)  Werden  Personen  gefehlt  haben,  die  nach  dem  Gesetze  zur  Tutel  gelangen,  und 
wird  die  Mutter  die  Tutel  nicht  haben  übernehmen  wollen,  i  dann  wird  die  Wahl 
des  Judex,  bez.  der  Provinzialen  die  Tutoren  den  Minderjährigen  zuweisen.^ 

G.  7, 2  Wird    weder    ein    testamentarischer    noch    ein    gesetzlicher    Tutor 

vorhanden    gewesen    sein,    dann    werden   Ex   inquisitione    ludicis   den 
Pupillen  Tutoren  gegeben. 
0,3,17.3,1  Eine  Wahl  der  Tutoren  und  Kuratoren  wird  hinsichtlich  derjenigen 

Personen  in  Betracht  kommen,  welche  weder  durch  Testament  ange- 
wiesen worden  sind,  noch  durch  Verwandtschaft  zu  diesem  Officium  ge- 
führt werden.^ 


1)  Dann  werden  der  Vir  illustris  praefectus  urbi  unter  Zuziehung  des  Praetor  tute- 
laris  oder  die  ludices  in  den  Provinzen  De  alio  ordine  Per  inquisitionem  den  Minderjährigen 
Vormünder  geben.     J  schaltet  hinter  tunc  ein  Sicut  prius  constitutum  est. 

2)  T  sagt,  dass  Tutoren  und  Kuratoren  zu  ernennen  sind,  wenn  weder  testamentarische 
noch  gesetzliche  vorhanden  sind,  die  in  Führung,  Alter  und  Vermögen  den  Anforderungen  ent- 
sprechen und  sich  nicht  von  der  Übernahme  der  Vormundschaft  befreien  können.  J  fügt  hinzu : 
De  aliis  sane  minorum  commodis  legum  prionum  statuta  praecepit  observari  (T  [§  2].  Ceterum 
alia,   quae   in   causis   minorum  antiquis  legibus  cauta  sunt,  manere  intemerata  decernimus). 


eins  primitus,  qui  tutelam  gerentis  affecta- 
verit  nuptias,  in  Obligationen!  venire  et 
teneri  obnoxia  ratio nibus  parvulorum  prae- 
cipimus,  ne  quid  incuria,  ne  quid  fraude 
depereat. 

g)  P.  3,  6,  1.  Qui  ab  hostibus  captus  est, 
,  ,  si  ibidem  decedat,  beneficio  legis  Corne- 
liae  .  .  etiam  legitimae  tutelae  (hereditates- 
que)  firmantur. 

4)  a)  C.  3,  17,  4,  4.  Quod  si  feminae  tu- 
telas refugerint  et  praeoptaverint  nuptias, 
neque  quisquam  legitimus  ad  pares  possit 
causas  vocari,  tum  demum  vir  illustris  prae- 
fectus urbi,  adscito  praetore,  qui  imperti- 
endis  tutoribus  praesidet,  sive  iudices,  qui 
in  provinciis  iura  restituunt,  de  alio  ordine 
per  inquisitionem  dari  minoribus  defensores 
iubebunt. 


C.  3,  17,  3,  1.     Quod  tarnen  circa  eorum 
personas    censuisse    nos    palam    est,    quibus 


mulieres  tutelam  administrave  coeperint  fili- 
orum  et  postea  nupserint,  ille,  qui  in  con- 
sortio  recipitur  maritali,  bona  sua  noverit 
obligata  et  se  ad  rationem  reddendam  mi- 
noribus obnoxium  esse  futurum. 

Qui  ab  hostibus  captus  fuerit,  in  captivi- 
tate  positus  .  .  si  (ibidem)  defecerit,  bene- 
ficio legis  Corneliae  .  .  etiam  legitimae  tu- 
telae (hereditatesque)  firmantur  .   . 

De  his  (vero),  qui  cum  lege  veniunt  ad 
tutelam,  .  .  si  defuerint  personae  .  .  et  mater 
tutelam  suscipere  noluerit,  tunc  .  .  electio 
iudicis  vel  provincialium  tutores  minoribus 
deputabit. 


G.  7,  2.  .  .  Quod  si  nee  testamentarius  tu- 
tor  fuerit,  nee  legitimus,  tunc  ex  inquisitione 
iudicis  pupillis  tutores  dantur. 

.  .  aut  tutorem  aut  curatorem  eligere  .  . 
Quae    (tamen)    electio     circa    eas     personas 


Ernennung  des  Vormundes  §  29. 


185 


b)  So  oft  es  sich  um  die  Tutel  über  Pupillen  handelt,  müssen  die  Primi 
patriae  mit  dem  Judex,  je  nach  den  Lebensaltern  der  Minderjährigen, 
entweder  einen  Tutor  oder  einen  Kurator  auswählen,  sodass  derjenige, 
welcher  die  Tutel  auf  Grund  einer  solchen  i\.uswahl  übernommen  haben  ward, 
sicher  sein  kann.i 

c)  Wenn  der  väterliche  Grossvater  gefehlt  haben  wird,  werden  auch  die 
mütterlichen  Grossväter  und  die  Grossmütter,  sowohl  väterlicherseits  wie 
mütterlicherseits 2  zur  Erbittung  von  Tutoren  über  die  Kinder  angehalten, 
vorausgesetzt  indessen,  dass  nachweislich  testamentarische  oder  gesetzliche 
fehlen.  Werden  sie  verabsäumt  haben,  den  kleinen  Enkeln  Tutoren  zu  1)0- 
sorgen,  so  unterliegen  sie  einem  Nachteil  derart,^  dass  sie,  falls  sich  ein 
Erbschaftsfall  zugetragen  haben  wird,  von  der  Nachfolge  hinter  den  Minder- 
jährigen, für  die  sie  Tutoren  entweder  nicht  erbeten  haben  werden  oder 
nicht  werden  haben  besorgen  w^ollen,  ausgeschlossen  werden. 


C.  3,  17,  3 
pr. 


C.  3,  18,  1 


1)  Der  lllustris  praefectus  urbis  soll  unter  Zuziehung  von  Decem  viri  des  Senats  und 
des  Praetor  tutelaris  Tutoren,  bez.  Kuratoren,  Ex  quolibet  ordine,  nach  freier  Entschei- 
dung und  ohne  jede  Verantwortung  auswählen.  Bei  einem  die  Kräfte  des  Einzelnen 
überschreitenden  Geschäftsumfange  werden  mehrere  Vormünder  ernannt  und  wird  die 
Verwaltung  vom  Stadtpräfekten  der  nach  Ermessen  jenes  Kollegiums  würdigsten  Person 
übertragen. 

2)  T  spricht  lediglich  von  der  Verpflichtung  von  Grossvätern  und  Grossmüttern. 

3)  T  fügt  hinzu  Secundum  ea,  quae  priscis  legibus  statuta  sunt. 


neque  testamentarii  defonsores,  neque  legi- 
timi  vita,  aetate,  facultatibus  suppetunt.  Nam 
ubi  forte  huiuscemodi  homines  offeruntur, 
si  nihil  ad  defensionem  sui  privilegiis  com- 
parabunt,  ut  teneri  possint,  iure  praescribi- 
mus. 

b)  C.  3,  17,3pr.  lllustris  praefectus  urbis 
adhibitis  decem  viris  e  numero  senatus  am- 
plissimi  et  praetore  clarissimo  viro,  qui  tute- 
laribus  cognitionibus  praesidet,  tutores  cura- 
toresve  ex  quolibet  ordine  idoneos  faciat 
retentari.  Et  sane  id  libero  iudicio  expertes- 
que  damni  constituent  iudicantes,  et  si  re- 
gendis  pupillaribus  censibus  singuli  crean- 
dorum  pares  esse  non  possunt,  plures  ad  hoc 
secundum  leges  veteres  conveniet  advocari, 
ut,  quem  coetus  ille  administrandis  negotiis 
pupillorum  dignissimum  iudicarit,  sola  sen- 
tentia  obtineat  praefecturae.  Itaque  hoc 
modo  remoti  a  metu,  qui  consilio  adfuerint, 
permanebunt,  et  parvulis  adultisque  iusta 
defensio  sub  hac  prudentium  deliberationo 
proveniet. 

c)  C.  3,  18,  1.  Avos  quoque  et  avias  tu- 
toris  necessitas  postulandi  teneat  obligates, 
si  nepotibus  pupillaris  aetatis  testamentaria 
vel    legitima    tutela  defuerit.     Nam  si  tutor 


observabitur,  quae  nee  testamento  decretae 
sunt,  nee  propinquitate  ad  id  officium  addu- 
cuntur. 


Quoties  de  pupillorum  tatela  tractatur, 
debent  primi  patriae  cum  iudice,  secundum 
aetates  minorura,  aut  tutorem  aut  curatorem 
eligere,  ut  ille,  qui  susceperit  tutelam  tali 
clectione,  possit  esse  securus. 


Si  avus  paternus  defuerit,  avos  maternos 
etiam  atque  avias,  tam  patornas  quam  mater- 
nas  (iubet)  ad  tutores  parvulorum  potendos 
(legis  praeceptione)  constringi,  si  tarnen  testa- 


1S6 


Privatrecht.     Zweites  Buch. 


N.  Tb. 
5,1,1 


d)  ^Weiin  nach  dem  Tode  des  Vaters  für  den  immündigen  Sohn  diejenigen 
Personen,  die  ihm  bei  seinem  Tode,  nach  Leges  mid  Ins,  folgen  können, 
nicht  entweder  die  Tutel  über  ihn  zur  Führung  übernommen  oder  einen 
Tutor,  der  sein  Vermögen  oder  den  Minderjährigen  selbst  zu  regieren  hat, 
erbeten 2  haben  werde]i,  sollen  sie  von  der  Nachfolge^  hinter  ■  ihm  aus- 
geschlossen werden:  während  ohne  Zweifel  die  Nachfolge  denjenigen  zu- 
kommt, die  durch  Gesetz  zur  Erbittung  der  Tutoren  nicht  für  verpllichtet 
erachtet  und  dem  Verstorbenen  gegenüber,  nach  dem  Grade  der  Bluts- 
verwandtschaft, die  Nächsten  zu  sein  befanden  werden. 


G.  8 


D)  Ende  der  Tormimdschaft  §  29. 

a)  Nach  Vollendung  der  Pupillenjahre  werden  die  Tutoren  entbunden. 


1)  T  schickt  voraus  (pr.\  class  die  Konstitution,  wonach  Mütter,  die  den  Pupillen,  bez. 
Minderjährigen,  Defensio  legitima  nicht  erbitten,  bez.  ein  Inventar  nicht  errichten,  als  Inte- 
statae  versterben,  aufgehoben  sei  (pr.  .  .  Constitutionen!,  quae  matres  pupillis  vel  minoribus 
defensionem  legitimam  non  petentes  vel  relictarum  rerum  inventarium  non  facientes  niori 
praecepit  intestatas ,  utpote  amaram  ac  matres  immoderata  poena  plectentem,  antiquari 
decernimus).  J  versetzt  diese  Konstitution  in  das  Corpus  Theodosiani  Codicis  und  schreibt 
ihr  nicht  allein  die  Strafe  des  Testier-  und  Schenkungsverbotes,  sondern  auch  der  Infamie  zu 
(Lex  ista  liberat  matres  a  poena  illa,  quae  fuerat  in  Theodosiani  Codicis  corpore  constituta, 
ut,  si  non  providissent  filiis  tutores  vel  rerum  inventarium  non  fecissent,  faciendi  de  rebus 
suis  testamenta  vel  donandi,  cui  voluissent,  non  haberent  liberam  potestatem  et  insuper 
notarentur  infamia), 

2)  T  fügt  hinzu  Intra  annum. 

3)  T  fügt  hinzu  Sive  ab  intestato,  sive  iure  substitutionis. 


forte  petitus  non  fuerit,  .  .  emolumentum 
successionis  amittant,  ad  quos  poterat  here- 
ditas  pervenire. 


d)  N.  Th.  5,  1,  1.  Sed  ne,  superflua  vel 
inhumana  resecantes,  impunitatem  delin- 
quentibus  promittere  videamur,  hac  saluber- 
rima  lege  pupillorum  quoque  utilitatibus 
censuimus  providendum.  Sciant  itaque,  qui 
ad  successionem  vocantur  pupilli  mortui,  si 
defuncto  eins  patre  tutorem  ei  secundum 
leges  non  petierint  intra  annum,  omnem  eis, 
sive  ab  intestato,  sive  iure  substitutionis,  suc- 
cessionem eins,  si  impubes  moritur,  dene- 
gandam. 

a) 


raentarii  vel  legitimi  deesse  probantur.  Quod 
si  nepotibus  parvulis  tutores  providere  despex- 
erint,  (iubet)  eos  huiusmodi  dispendio  sub- 
iacere,  ut,  si  forte  cesserit  luctuosa  hereditas, 
de  successione  minorum,  quibus  tutores  aut 
non  petierint  aut  noluerint  providere,  habe- 
antur  extranei. 

.  ,  ut  patre  defuncto,  si  filio  impuberi  .  . 
hae  personae,  quae  ei  defuncto  possunt  legi- 
bus et  iure  succedere,  si  non  aut  agendam 
tutelam  ipsius  susceperint,  aut  petierint  tu- 
torem, qui  res  eins  aut  ipsum  minorem  de- 
beat  gubernare,  ab  eins  successione  habe- 
antur  extranei:  illis  sine  dubio  profutura  suc- 
cessione, qui  ad  petendos  tutores  lege  non 
tenentur  adstricti,  et  defuncto  cognationis 
gradu  inveniuntur  esse  propinqui. 

G.  8.  Peractis  pupillaribus  annis  (,quibus) 
tutores  absolvuntur  .  . 


Ende   der  Vormundschaft  §  30. 


187 


Die   Tutel    ist   vollendet,    das    will   sagen,    Jiaclidem   die  Pupillen-   p.  i,  4, 2 
jähre  erfüllt  sind/ 

b)  Wer   sich    dem   unmündigen  Sohne  des  Testators   als  Tutor  beigeschrieben   P-  3,  8,  i4 
haben  wird,    ist  als  suspekt  von  einer  Tutel   zu  entfernen,  nach  der  er  ge- 
flissentlich gestrebt  zu  haben  erachtet  wird. 

c)  Wenn  ein  Vater  in  das  Exil  geschickt  worden  ist,  wird  er  die  Kinder,  wenn  sie   ^'  ^^  l^»  ^ 
im  Hinblick    auf   Alter,   bez.    Abwesenheit    des  Vaters,   entweder    Tutoren, 

oder  Kuratoren,  empfangen  haben  w^erden,  nach  seiner  Rückkehr  unter  Ent- 
fernung der  Kuratoren,  bez.  Tutoren,  mit  dem  ganzen  Vermögen  zurück- 
empfangen.2 

d)  Wird    der  Tutor   nach  Vollendung  der  Tutel  in  der  Verwaltung  derselben  p.  1, 4, 2 
haben    beharren  wollen,    so    muss  er  genötigt  werden,  wegen  der  geführten 
Geschäfte  dem  Pupill,  bez.  seinem  Kurator,  Rechenschaft  ^ nicht  aus  Tutel, 
sondern  aus  unbeauftragter  Geschäftsführung   zu  geben.^ 


1)  T  spricht  lediglich  von  beendeter  Tutel  (Finitam  tutelam). 

2)  Vgl.  §  19,  1  d. 

3)  T  spricht  von  Haftung  mit  der   Actio  negotiorum  gestorum. 


b)  P.  3,  8,  14.  Qui  se  filio  testatoris  im- 
puberi  tutorem  adscripserit,  ut  suspectus  a 
tutela  removendus  est,  ad  quam  ultro  videtur 
affectasse. 

c)  C.  9,  33,  1  pr.  2.  .  .  deportati  filius  .  . 
in  patris  sit  (filius)  potestate,  cui  dignitas  ac 
bona  restituta  sunt  ,  .  si  damnato  patre  tu- 
tor  datus  est,  necesse  est,  ut  ab  officio  rece- 
dat,  regresso  eo,  quem  non  solum  nomine 
redire,  sed  etiam  officium  suum  nulla  pravi- 
tate  corruptum  liberis  praebere  oportet,  ut 
eorum  bona  tueatur  et  augeat  .  . 

d)  P.  1,  4,  2.  Tutor  post  finitam  tutelam, 
si  in  administratione  duret,  actione  negoti- 
orum gestorum  pupillo  vel  curatori  eins  tene- 
bitur. 


P.  1,  4,  2.     (Tutor,   si)  peracta  tutela,  id 
est,  impletis  pupillaribus  annis  .  . 


.  .  pater  in  exsilium  missus  .  .  si  pro 
aetate  vel  absentia  patris  aut  tutores  aut 
curatores  acceperint,  reversus  (pater)  filios, 
repulsis  curatoribus  vel  tutoribus,  cum  omni 
facultate  recipiet  .  . 


Tutor,  si  peracta  tutela  .  .  voluerit  in 
ipsa  administratione  persistere,  de  actis  ne- 
gotiis  pupillo  vel  curatori  eins  non  tutelae, 
sed  negotiorum  gestorum  cogendus  est  red- 
dere  rationem. 


Drittes  Buch. 

Reines  oder  einfaches  Vermögensrecht. 


Erstes  Kapitel.    Sachenrecht. 

I.    Begriff  und  Einteilung  der  Sachen  §  i. 

1)  Begriff  der  Sache. 

G.  2, 1,2  a)  Manche  Sachen  sind  körperUche;  manche  imkörperliche.  KörperHche  sind 
diejenigen,  welche  mit  der  Hand  berührt  werden  können,  wie  ein  Grund- 
stück, ein  Sklave,  ein  Kleid,  Gold,  Silber  und  dergleichen,  ünkörper- 
liche  sind  diejenigen,  welche  nicht  berührt  werden  können,  welcher  Art 
diejenigen  sind,  die  nicht  in  einem  Körper,  sondern  in  einem  Rechte  be- 
stehen, wie  ehie  Erbschaft  und  Obligationen,  die  über  verschiedene  Kon- 
trakte abgefasst  sind.  Wenn  auch  Erbschaft,  bez.  Kauf,  oder  verschiedene 
Kontrakte  körperliche  Sachen  in  sich  schliessen,  so  ist  doch  das  Recht  der 
Erbschaft  selbst,  bez.  des  Kaufes,  und  anderer  Kontrakte  unkörperlich. 

2)  Einteilung. 

Gr.  2, 1, 1  a)  Alle  Sachen  sind  entweder  unseren  oder  göttlichen  oder  öffentlichen  Rechts. 
Unseren  Rechts    ist    dasjenige,    was  in  unserem  Eigentum  zu  sein  erachtet 


1)  a) 


2)  a) 


G.  2,  1,  2.  (Praeterea)  quaedam  res  cor- 
porales  sunt,  quaedam  incorporales.  Corpo- 
rales  sunt,  quae  manu  tangi  possunt:  velut 
ager,  mancipium,  vestis,  aurum,  argentum, 
et  liis  similia.  Incorporales  sunt,  quae  tangi 
non  possunt:  qualia  sunt  ea,  quae  non  in 
corpore,  sed  in  iure  consistunt,  sicut  est  here- 
ditas,  et  obligationes  de  diversis  contractibus 
scriptae.  Et  licet  hereditas  vel  emtio  aut 
diversi  contractus  res  corporales  in  se  habe- 
ant;  ius  tarnen  ipsius  hereditatis  vel  emtionis 
aliorumque  contractuum  incorporale  est. 

Gr.  2,  1,  1.  Omnes  (itaque)  res  aut  nostri 
iuris  sunt,  aut  divini,  aut  publici.  Nostri 
iuris  sunt,  quae  in  proprietate  nostra  esse 
noscuntur.  Divini  iuris  sunt  ecclesiae,  id  est, 
templa  Dei,  vel  ea  patrimonia  ac  substantiae, 
quae  ad  ecclesiastica  iura  pertinent.    Publici 


Begriff  und  Einteilung  der  Sachen  §  1. 


189 


wird.  Göttlichen  Rechts  sind  die  Kirchen,  das  sind  die  Tempel  Clottes, 
bez.  Vermögen  und  Besitz  kirchhchen  Eechtes.  Offenthchen  Rechts  sind 
Mauern,  Fora,  Thore,  Theater,  Zirkus,  eine  Arena,  was  die  Alten  als 
Sancta  bezeichnet  haben,  um  deswillen,  weil  es  nicht  erlaubt  war,  davon 
irgend  Etwas  wegzunehmen  oder  zu  berühren.  Alles  dieses  befindet  sich  in 
dem  Eigentum  von  Niemandem  und  heisst  deshalb  öffentlichen  Rechtes. 
Aber  auch  Erbschaftssachen  gelten,  bevor  irgend  Jemand  als  Erbe  auftritt, 
das  will  sagen,  solange  zweifelhaft  ist,  ob  der  eingesetzte  oder  der  ge- 
setzliche Erbe  folgen  muss,  in  Niemandes  Vermögen  sich  zu  befinden. 

3)  Rechtsverhältnis  der  Res  divini  und  publici  iuris. 

a)  Ein  Versprechen  ist  ungiltig,    wenn   irgend  Jemand  einen  freien  Menschen   g.  2, 9, 5 
als  Sklaven   oder  einen  Locus   sacer  oder  sanctus  oder  religiosus  geben  zu 
sollen  versprochen  haben  wird. 

b)  Wie  ein  Interdikt,  so  wird  auch  eine  Actio  proponiert,  dass  nicht  Jemand  p.  5, 6, 2 
auf  einem   öffentlichen  Wege  irgend  Jemanden    behindere.     Die  Sorge  für 

diese  Sache  kommt  den  Kuratoren  der  Wege  zu,  von  deren  Instandhaltung 
Niemand  ausgenommen  ist:   wird  jedoch  Jemand  auf  demselben  irgend  ein 
Werk    errichtet   haben,   wodurch   die  Passanten  gehindert  werden,   so  wird 
er   nach  Zerstörung   des  AVerkes    verurteilt.     Wer  einen   öffentlichen  Weg   p.  1,  i4, 1 
ausgepflügt    haben  wird,    wird  allein    zu   dessen  Instandlialtung  angehalten. 

c)  Wegen    Einbruchs    des    Flusses,    bez.    Gefahr    des    Einstm'zes,    kann    ein    p.  1, 21, 1 
bereits    der    dauernden    Bestattung    überlieferter   Körper,   unter   Veranstal- 


3)  al 


b)  P.  5,  6,  2.  Ut  interdictum,  ita  et 
actio  proponitur,  ne  quis  via  publica  aliquem 
prohibeat.  Cuius  rei  sollicitudo  ad  viarum 
curatores  pertinet,  a  quarum  munitione  nemo 
exceptus  est.  Si  quis  tarnen  in  ea  aliquid 
operis  fecerit,  quo  commeantes  impediantur, 
demolito  opere  condemnatur. 

P.  1,  14,  1.  Qui  viam  publicam  exara- 
verit,  ad  eius  munitionem   solus  compellitur. 

c)  P.  1,  21,  1.  Ob  incursum  fluminis  vel 
metum  ruinae  corpus  iam  perpetuae  sepul- 
turae  traditum,  solennibus  redditis  sacrificiis, 
per  noctem  in  alium  locum  transferri  potest. 


iuris  sunt  muri,  fora,  portae,  theatra,  circus, 
arena,  quae  antiqui  sancta  appellaverunt,  pro 
eo,  quod  exinde  tolli  aliquid  aut  contingi 
non  liceret.  Sed  haec  omnia  in  nullius  bonis 
sunt,  ideo  publici  iuris  esse  dicuntur.  Sed 
et  res  hereditariae,  antequam  aiiquis  heres 
existat,  id  est,  quando  dubitatur,  utrum  scri- 
ptus  an  legitimus  heres  succedere  debeat, 
in  nullius  bonis  esse  videntur. 

G.  2,  9,  5.  (Praeterea)  inutilis  est  pro- 
missio,  .  .  si  aiiquis  .  .  ingenuum  hominem 
quasi  servum  .  .  aut  locnm  sacrum  aut  sanc- 
tum  aut  religiös  um  daturum  se  quicunque 
promiserit. 


190 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


tung   feierlicher    Opfer,    während    der    Nacht    an    einen    andern    Ort   über- 
p.  1,  21,  2  führt  werden.     Es  ist  nicht  gestattet,  einen  Körper  in  eine  Glemeinde  ein- 

zubringen, damit  nicht  die  Sacra  der  Gemeinde  entweiht  werden:  wird 
Jemand  im  Widerspruch  damit  gehandelt  haben,  so  wird  er  Extra  ordinem 
gestraft. 


IL  Eigentum  und  Besitz, 
A)    Wesen   des   Eigentums   §   2. 


1)  Miteigentum. 


p.  4, 11, 1  a)  Wenn  irgend  Jemand  einen  gemeinschaftlichen  Sklaven  freigelassen  haben 
wird,  kann  er  ihn  durch  die  Freilassung  weder  zum  Latinen  noch  zum 
Römischen  Bürger  machen.  Deswegen  geht  sein  Anteil  dem  Freilasser 
verloren  und  wird  dem  andern  Herrn  erworben,  als  sei  er  von  Anfang  an 

p.  4, 11, 5  lediglich  sein  Eigentum  gewesen.^     Wird  einer  aus    der  Zahl  der    Herren 

einen  gemeinschaftlichen  Sklaven  in  Fesseln  geschlagen  haben,  so  wird  er 
um  deswillen,  falls  er  nachher  freigelassen  gewiesen  sein  wird,  seiner  Frei- 
heit keinen  Nachteil  bereiten,  weil  hierbei  die  Meinung  des  nachsichtigeren 
Herrn,  der  nichts  gegen  ihn  ausgeführt  hat,  für  die  bessere  erachtet  wird. 
Wenn  er  daher  von  beiden  Herren  freigelassen  sein  wird,  kann  er  Römischer 
Bürger  werden.^ 

c.  2, 25, 1        b)  ^Bei  der  Teilung  von  Patrimonien,    es    sei    fiskalischer  Häuser,    es   sei  von 


1)  Vgl.  S.  57  Anm.  1. 


2)  Vgl.  S.  67  Anm.  2. 


P.  1,  21,  2.  Corpus  in  civitatem  inferri 
non  licet,  ne  funestentur  sacra  civitatis:  et 
qui  contra  ea  fecerit,  extra  ordinem  punitur. 

1)  a)  P.  4,  11,  1.  Servum  commnnem  unus 
ex  dominis  manuraittendo  Latinum  facere  non 
potest,  nee  magis  quam  civem  Romanum: 
cuius  portio  eo  casu,  quo,  si  proprius  esset, 
ad  civitatem  Romanam  perveniret,  socio  ac- 
crescit. 

P.  4,  11,  5.  Communem  servum  unus  ex 
sociis  vinciendo  futurae  libertati  non  nocebit: 
inter  pares  enim  sententias  clementior  severi- 
ori  praefertur.  Et  certe  humanae  rationis 
est  favere  miserioribus  et  prope  innocentes 
dicere,  quos  absolute  nocentes  pronuntiare 
non  possumus. 

b)  C.  2,  25,  1.  In  Sardinia  fundis  patri- 
monialibus  vel  emphyteuticariis  per  diversos 
nunc  dominos  distributis,  oportuit  sie  posses- 
sionum  fieri  divisiones,  ut  integra  apud  pos- 
sessorem  unumquemque  servorum  agnatio 
permaneret.  Quis  enim  ferat,  liberos  a  pa- 
rentibus,  a  fratribus  sorores,  a  viris  coniuges 
segregari?     Igitur   qui   dissociata   in   ius  di- 


Si  aliquis  servum  communem  manumiserit, 
eundem  manumittendo  nee  Latinum,  nee 
civem  Romanum  f'acore  potest:  et  ideo  portio 
eins  manumissori  perit  et  alteri  domino  ex 
integro,  quasi  eius  tantum  proprius  fuisset, 
acquiritur. 

Si  communem  servum  unus  ex  dominis 
in  vincula  redegerit,  propter  hoc  libertati 
eius,  si  postea  manumissus  fuerit,  non  noce- 
bit: quia  in  tali  re  indulgentioris  domini 
sententia,  qui  nihil  in  eam  fecit,  melior  iu- 
dicatur.  Et  ideo  si  ab  utroque  domino  mana- 
missus  fuerit,  civis  Romanus  effici  potest. 

In  divisione  patrimoniorum  seu  fiscalium 
domorum  sive  privatorum  observari  specialiter 
debet,  ut,  quia  iniustum  est,  filios  a  parenti- 
bus  vel  uxores  a  maritis,  quum  ad  quemcun- 
que  possessio  pervenerit,  sequestrari  mancipia, 
quae  permixta  fuerint,  id  est  uxor  cum  filiis 
et  marito  suo,  datis  vicariis,  ad  unum  debe- 
ant  pertinere,  cui  necesse  fuerit  commutare, 


Wesen  des  Eigentums  §  2. 


191 


c) 


privaten,  muss  besonders  beachtet  werden,  dass,  weil  es  unbillig  ist,  wenn 
die  Kinder  von  den  Eltern  oder  die  Frauen  von  den  Gatten,  sobald  an 
einen  Jeden  der  Besitz  gelangt  sein  wird,  getrennt  werden,  die  Sklaven, 
welche  mit  einander  verbunden  gewesen  sein  werden,  das  will  sagen,  die 
Frau  mit  den  Kindern  und  ihrem  Gatten,  unter  Gewährung  von  Ersatz- 
personen, Einem  zugehören  müssen,  der  seinerseits  zu  tauschen  nötig  ge- 
habt haben  wird:  die  Fürsorge  der  Ordinantes  muss  besonders  im  Auge 
behalten,  dass  eine  Trennung  durchaus  nicht  stattfinden  könne.^ 
Wenn    eine   benachbarte   Mauer  irgendwelchen  Personen  Einsturzgefahr  zu 


P.  5,  11, 
1  U.  2 


bieten  scheint,  müssen  sie  sich  durch  Bürgen,^  die  sie  sich  gegenseitig 
gegeben  haben,  versprechen,  dass,  wenn  die  benachbarte  Mauer  dem  Einen 
Schaden  verursacht  haben  wird,  von  dem  Socius  Ersatz  geleistet  werde. 
Wird  aber  von  dem  Einen  wegen  Gefahr  des  Einsturzes  die  gemeinschaft- 
liche Mauer  wiederhergestellt  gewesen  sein,  so  ist  der  Socius  zu  zwingen, 
jenem  die  Ausgaben  für  den  Bau  zu  seinem  Anteil  zu  ersetzen. 

2)  Legalservituten. 

a)  Ein    Baum,    der   auf   ein    fremdes    Gebäude    oder    das    Nachbargrundstück  p.  5,7,  11 
überragt,    kann    nur    von    dem    Eigentümer    entfernt    werden,    und    dieser 
ist    zu    belangen,    dass    er   ihn    entferne.     Wird    der    belangte    Eigentümer 
es    zu    thun    geweigert    haben,    so    soll    von    dem    Nachbar    die    Üppigkeit 
der    Zweige    beschränkt    werden,    und    zwar    ist   jeder    Eigentümer    hierzu 


befugt. 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  4,  1  d. 

2)  Sponsores. 


versum  mancipia  traxerunt,  in  unum  redigere 
eadem  cogantur:  ac  si  cui  propter  redinte- 
grationem  necessitudinum  servi  cesserunt, 
vicaria  per  eum,  qui  eosdem  susceperit,  man- 
cipia reddantur.  Et  invigilandum,  ne  per 
provinciam  alia  posthac  querela  super  divisis 
mancipiorum  affectibus  perseveret. 

c)  P.  5,  11,  1  u.  2.  Ob  mefcum  impendentis 
damni  vicinus  vicino  satisdare  debet,  additis 
sponsoribus,  super  eo,  quod  damni  acciderit. 
De  communi  pariete  utilitatis  causa  hoc 
coepit  observari,  ut  aedificet  quidem,  cui 
aedificare  interest:  cogatur  vero  socius  por- 
tionis  suae  impensas  agnoscere. 

2)  a)  P.  5,  7,  11,  Arbor,  quae  in  alienas 
aedes  imminet  vel  in  vicini  agrum,  nisi  a 
domino  sublucari  non  potest:  isque  conveni- 
endus  est,  ut  eam  sublucet.  Quod  si  con- 
ventus  dominus  id  facere  noluerit,  a  vicino 
luxuries  ramorum  compescatur,  idque  qualis- 
cunque  dominus  facere  non  prohibetur. 


quod  soUicitudo  ordinantium  debet  specialiter 
custodire,  ut  separatio  fieri  omnino  non  pos- 
sit. 


Si  quando  aliquibus  vicinus  paries  ruinae 
metum  videatur  ostendere,  invicem  sibi  datis 
fiideiussoribus  promittere  debent,  ut,  si  cui 
vicinus  paries  damnum  fecerit,  a  socio  sar- 
ciatur.  Sed  si  ab  uno  ex  bis  communis 
paries  propter  metum  ruinae  fuerit  reparatus, 
expensas  fabricae  socius  illi  pro  portione  sua 
praestare  cogendus  est. 


192 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


P.  2,  22,  2 


C.  3,  1,  3 


3)  Yeräusserimgsverbote. 
c.  4,  5,  i]'i.  a)  Eine  Sache,  die  mittels  proponiert er  Actio  zurückverlangt  wird,  kann  durch 
keine  Kontrakte  von  dem  Besitzer  auf  einen  Andern  übertragen  werden, 
noch  wird  gestattet,  dass  darüber  irgendwelche  Urkunde  aufgenommen  werde, 
wenn  nicht  vorher  der  Prozess,  um  den  es  sich  handelt,  durch  Urteil  ent- 
schieden   gewesen    sein    wird.^ 

b)  Nach  der  Lex  Julia  de  adulterhs  ist  vorgeschrieben,  dass  der  G-atte  ein 
Dotalgrundstück  wider  den  AVillen  der  Frau  nicht  veräussern  solle. 

c)  Falls  Personen,  die  sich  im  minderjährigen  Alter  befinden,  sei  es  Mann,  sei 
es  Frau,  wenn  die  Notwendigkeit  es  erfordert  haben  wird,  irgend  etwas  ver- 
kaufen wollen,  soll  derjenige,  welcher  wird  haben  erwerben  wollen,  sich  mit  der 
Autorität  des  Judex  oder  der  Zustimmung  der  Kurie  sichern:  denn  sonst 
wird  ein  von  Minderjährigen  veranstalteter  Verkauf  keine  Griltigkeit  besitzen.^ 
Diejenigen,  welche  das  Benefiz  des  Princeps  wegen  Befestigung  ihres  Alters 
erzielt  haben  werden,  sollen  ihre  Grundstücke  nicht  ohne  Ermächtigung, 
resp.  Dekret,  des  Judex,  —  was  auf  Grund  einer  Verfügung  der  ludices, 
bez.  Konsens  der  Kurialen,  gegeben  wird,  —  zu  veräussern  sich  getrauen.^ 

^"  f^^Q  d)  Die  Kurialen  Averden  geheissen^  städtische  oder  ländliche  Grundstücke  ohne 


C.  2,  17,  1,4 


1)  Vgl.  S,  21  Anm.  1.  T  fügt  hinzu  (§  1) :  Quod  si  tutelae  causa  vertitur,  post  examen 
iudicis  in  supplementum  pronuntiationis  dentur  arbitri,  qui  non  iaui  arbitri  sed  exsecutores 
putandi  sunt.  2)  Vgl.  S.   172   Anm.  5.  3)  Vgl.  S.  172  Anm.  6. 


3)  a)  C.  4,  5,  1  pr.  Lite  pendente  illud,  quod 
in  controversiam  devocatur,  in  coniunctam 
personam  vel  extraneam  donationibus  vel 
emtionibus  vel  quibuslibet  aliis  contractibus 
minime  transferri  oportet,  tanquam  nihil 
factum  sit  Ute  nihilomnius  peragenda. 

b)  P.  2,  22,  2.  Lege  Julia  de  adulteriis 
cavetur,  ne  dotale  praedium  maritus  invita 
uxore   alienet. 

c)  C.  3,  1,  3,  .  .  ut  omnis  venditio,  quae- 
cunque  fuerit  a  minore,  viro  sive  femina, 
sine  decreti  interpositione  celebrata,  nulla 
ratione  subsistat. 


C.  2,  17,  1,  4.  ,  .  ut,  quia  spes  ademta 
perfidiae  est,  et  in  vendendis  praediis  diligen- 
tiores  esse  persistant,  qui  beneficium  merue- 
runt  principale,  nee  praedia  sine  decreto 
alienent. 

d)  N.  Mai  1,  1,9.  Praedia  vel  urbana  vel 
rustica  nunquam  sine  interpositione  decreti 
curialis  alienet.  Quod  ne  forte  provincialis 
iudex  facile  aut  gratificanter  indulgeafc,  ad 
eminentium  praefectorum  sub  relatione  noti- 
tiam  dirigatur,  quibus  solis  aestimare  per- 
mittimus,utrum  ineluctabilis  necessitas  vendi- 


Res,  quae  proposita  actione  repetitur, 
transferri  a  possidente  ad  alterum  nullis  con- 
tractibus potest;  neque  inde  aliqua  fieri 
scriptura  permittitur,  nisi  prius  lis,  de  qua 
agitur,  fuerit  iudicio  definita. 


.  .  ut  in  annis  minoribus  constituti,  seu 
vir  seu  femina,  si  ita  necessitas  exegerit,  ut 
aliquid  vendere  velint,  qui  comparare  vo- 
luerit,  auctoritate  iudicis  aut  consensu  curiae 
muniatur:  nam  aliter  a  minoribus  facta  ven- 
ditio non  valebit. 

,  .  qui  beneficium  .  .  principis  pro  con- 
firmanda  aetate  meruerint,  ne  praedia  sua 
sine  iussu  iudicis  vel  decreto,  quod  ex  prae- 
cepto  iudicum  vel  consensu  curialium  datur, 
alienare  praesumant. 

lubentur  (etiam)  curiales,  ut  praedia  ur- 
bana vel  rustica  sine  decreti  interpositione 
non  vendant,  nisi  potestatibus  referatur,  quia 
vendendi  arcta  necessitas  imminet  curiali  .  . 


Wesen  des  Eigentums  §  2, 


193 


die  Einlegung  eines  Dekrets  nicht  zu  verkaufen,  es  sei  denn,  dass  den  Pote- 
states  berichtet  werde,  dass  eine  harte  Notwendigkeit  den  Kurialen  zum  Verkaufe 
drängt.^  Die  Einlegung  eines  Dekrets  soll  dann  nicht  erfordert  werden,  son- 
dern lediglich  sollen  seine  Mitkurialen,^  denen  seine  Not  nicht  wdrd  verborgen 
sein  können,  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen,  und  keinerlei  Chikane  soll 
dem  Käufer  mit  Bezug  auf  die  gekaufte  Sache  entgegengehalten  Averden, 
sondern  der  Käufer  die  erworbene  Sache  zu  ewigem  Rechte  besitzen.  Der- 
art indessen,  dass,  wenn  der  Verkäuier  erAviesen  haben  wird,  durch  irgend- 
welche Täuschung  bei  Intei'vention  seiner  Mitkurialen,  die  als  Unterzeichner 
einzutreten  geheissen  werden,  betrogen  gewesen  zu  sein,  der  Verkäufer,  zum 
Nachteil  sowohl  des  Käufers  als  auch  des  Unterzeichners,  schadlos  gehalten 
werden  soll.  Sklaven  ohne  Dekret  zu  veräussern,  wird  er  freie  Befugnis  haben, 
wenn  nur  fünf  Priores^  curiae  als  Zeugen  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen. 

aa)  Während  den  Kurialen  bis  heute  nicht  gestattet  war,  ohne  Einlegung 
eines  Dekrets  ihre  Sachen  zu  verkaufen  oder  dem  Corpus  der  Kurie  zu 
entfremden,  soll,  wenn  sie  durch  eine  offenbare  Notwendigkeit  dazu  ge- 
drängt gewesen  sein  werden,  eine  im  öffentlichen  Interesse  eingegangene 
Schuld,  aus  Furcht  vor  den  Strafen  der  Gläubiger,  schleunigst  ab- 
zustossen,  was  auch  immer  unter  einem  solchen  Zwange  verkauft  sein 
wird,  in  aller  Festigkeit  bestehen.^ 


1)  T  fügt    hinzu,    dass    der    dekretierende    Piovincialis    iudex   die  Entscheidung    den 
Präfekten  vorzulegen  habe  und  sonst  bezügliche  Verträge  ungiltig  seien. 

2)  Primores  curiae. 

3)  Primores, 


N.  V. 
10,  1,  6 


K.  Mai 
1,  1,  9 


N.  V. 
10,  1,  6 


torem    faciat     curialem.      Aliter     contractus 
super  his  rebus  initi  non  valebunt  .  . 

N.  V.  10,  1,6.  .  .  quum  praedia  sua  dis- 
trahunt  curiales,  primores  etiam  curiae,  qui 
vendendi  necessitatem  ignorare  non  possunt, 
in  collegae  venditionem  subscribant.  Hoc 
ordine  omnis  causatio  sopietur,  nee  emtor 
his  auctoribus  quicquam  de  resolutione  for- 
midat,  nee  venditor  potest  sub  tali  assertione 
fraudari.  Quem  si  deceptum  oppressumve 
claruerit,  ab  ipsis  etiam  subscriptoribus  reddi 
iubemus  indem nem,  ut  utilitati  eius  cum  em- 
tore  improbo  pariter  addicantur. 

N.  Mai  1,  1,9.  .  .  In  mancipio  tantum- 
modo  distrahendo  non  est  decreti  quaerenda 
solennitas,  si  quinque  primorum  curiae  sub- 
scriptio  atque  consensio  adiectio  monstretur. 

aa) 


Conrat,  Breviarium. 


.  .  Nec  interpositio  decreti  quaeratur,  sed 
tantum  concuriales  sui,  quos  necessitas  eius 
poterit  non  latere,  in  ea  venditione  subscri- 
bant, et  nihil  emtori  de  emta  re  calumniae 
penitus  opponatur,sed  rem  comparatam  emtor 
perpetuo  iure  possideat.  Ita  tarnen,  ut  si 
forsitan  se  aliqua  fraude,  intercedentibus 
concurialibus  suis,  qui  subscriptores  iubentur 
accedere,  venditor  se  probaverit  fuisse  de- 
ceptum, tam  emtoris  quam  subscriptoris  dis- 
pendio  venditor  reddatur  indemnis. 

.  .  Mancipia  (autem)  distrahendi  sine  de- 
creto  habebit  liberam  potestatem,  dummodo 
quinque  priores  curiae  testes  in  ea  vendi- 
tione subscribant. 

N.  V.  10,  1,  6.  Curiales  (etiam),  quibus 
hucusque  sine  decreti  interpositione  res  suas 
vendere  aut  alienari  a  corpore  curiae  non 
licebat,  si  certa  fuerint  necessitate  constricti, 
ut  debitum,  quod  pro  utilitate  publica  con- 
traxit,  dum  creditorum  poenas  metuit,  sup- 
plere festinet,  quicquid  sub  tali  necessitate 
vendiderit,  omni  firmitate  subsistat  .  . 

13 


194 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


B)    Eioeiituinserwerlb    unter    Lebenden. 

a)  Einzelne  Erwerbsarten  §  3. 

1)  Zuerkennung  durch  den  Staat, 
c.  10, 4.1  a)  Diejenigen,  denen  wir  irgend  etwas  für  ihre  Anstrengung  geschenkt  haben, 
sollen  nicht  behelhgt  werden.  Vielmehr  soll,  während  Alles,  was  von  uns 
geschenkt  worden  ist,  in  ihrem  Rechte  verbleibt,  derjenige,  welcher  sie  wird 
haben  behelligen  wollen,  ^zu  gerichtlichem  Gehört  gezogen  werden,  damit 
der  Kläger,  ohne  irgendwelche  Belästigung  des  Besitzers,  sein  Recht  zu 
erhärten  vermöge:  Alles,  was  dieserhalb  unter  den  Genannten  verhandelt 
gewesen  sein  wird,  muss  zu  unserer  Kenntnis  gebracht  w^erden,  ^  damit  der 
Behelligte  auch  durch  unsere  Hilfe  gestützt  werde.^ 


1)  T  führt  aus,  dass  von  der  Zeit  der  Invasion  des  Alarich  bis  zu  dem  vorliegenden 
Gesetze  den  Kurialen,  die  ohne  Dekret  von  ihrem  Vermögen  verkauft  hatten,  keine  Schwierig- 
keiten gemacht  werden  sollen,  und  warum  dies  geschehe  (Si  quis  curiali  venditori  aliqua 
laboranti  necessitate  subvenit,  quum  modo  ab  exactore  fiscalium  functionum,  modo  a  credi- 
toribus  urgeretur,  et  sine  cautela  vendidit,  quam  premente  iniuria  quaerere  non  vacabat, 
ne  diutius  suspendiis,  squalore  custodiae,  sportulae  concussione,  usuris  in  maiorem  cumulum 
crescentibus  vexaretur,  cur  non  maneat  venditio,  quae  praestitit  obnoxium  a  dispendiis  et 
suppliciis  liberari?  Alii  destituta  atque  inculta  propterea  vendiderunt,  quia  ieiuni  cespitis 
onerosam  professionem  non  poterant  sustinere.  Iniquum  est,  tam  iustis  praecedentibus 
causis  confectae  venditioni  ob  hoc  solum,  quia  decreti  interpositio  defuit,  adimi  firmitatem. 
Status  itaque  a  tempore,  quo  Italiara  Alaricus  intravit,  nullam  moveri  quaestionem  his,  quae 
curiales  taliter  de  facultatibus   propriis  vendiderunt). 

2)  T  spricht,  dem  Zusammenhange  nach,  von  dem  Examen  des  Praefectus  urbi,  wobei 
dieser  die  Partes  reluctantis  zu  übernehmen  habe. 

3)  Damit  Gregenstand  unserer  Erwägung  werde,  wie  denjenigen,  welche  ihre  Angaben 
nachgewiesen  haben  werden,  durch  kaiserliches  Benefiz  geholfen  werden  könne. 


1)  a)  C.  10,  4,  1.  Nee  interpellatis  his, 
quibus  pro  laboribus  suis  ac  meritis  aliquid 
donaverimus,  sed  in  iure  suo,  hoc  est  sine 
molestia  litis  manentibus,  concitatorem  iu- 
dicii,  qui  inquietudinem  inferre  tentaverit, 
examini  tuo  praesentari  oportet,  ut  citra 
molestiam  possideotis  ius  suum  manifestis 
probationibus  doceat:  in  quo  partes  reluctan- 
tis ipse  suscipies ,  quoniam  fructus  liberali- 
tatis  nostrae  pulsatur.  Hac  enim  lege  san- 
eimus,  ut,  quicunquo  in  tales  venient  querelas, 
secundum  praedictam  formam  ius  suum  osten- 
dant:  his,  quae  comperta  fuerint,  ad  nostram 
scientiam  referendis,  ut  salva  possidentium 
proprietate,  quibus,  ut  dictum  est,  in  per- 
petuum  quaesita  est  firmitas  possidendi,  de- 
liberationis  nostrae  sit,  qualiter  his,  qui  alle- 
gationes  suas  probaverint,  beneficio  lenitatis 
nostrae  extrinsecus  debeat  subveniri. 


Non  inquietentur  ii,  quibus  aliqua  pro  suo 
labore  donavimus,  sed  omnibus,  quae  a  nobis 
donata  sunt,  in  ipsorum  iure  positis,  is,  qui 
eos  inquietare  voluerit,  ad  iudicii  audientiam 
protrahatur,  ut  sine  aliqua  molestia  possi- 
dentis  ius  suum  pulsator  valeat  confirmare: 
Omnibus,  quae  hac  de  re  inter  praefatos  acta 
fuerint,  ad  nostram  notitiam  referendis,  ut 
et  nostris  inquietatus  remediis   adiuvetur. 


Die  einzelnen  Erwerbsarten  §  3. 


195 


b)  ^-  2  Wenn  durch  Schenkung  des  Princeps  oder  durch  Verkauf  oder  in  irgend-  ^i^u.V* 
welcher  Weise  etwas  aus  fiskahschen  Ackern  oder  Gebäuden  an  Privat- 
personeii  gelangt  sein  wird,  soll  es  unter  Zahlung  des  Kanons  dauernd  von  den 
Besitzern  innegehabt  werden,  und  sollen,  unter  Entrichtung  der  fiskalischen 
Lasten,  diejenigen,  welche  besitzen,  die  Befugnis  haben,  es  ihren  Erben  zu 
hinterlassen  oder  denjenigen,  welchen  sie  gewollt  haben  werden,  zu  schenken.^-  ^ 


1)  T  schickt  einen  Satz  voraus  (pr.),  worin  die  Suggestio  des  Adressaten  De  prae- 
diis  iuris  civilis  oblata  gerühmt  wird  (Avaritiae  sane  culpam  arguit,  qui  pro  possessionibus, 
quas  detinet,  debitas  functiones  inferre  cunctatur.  Itaque  inter  ceteros  egregios  actus,  qui- 
bus  rei  publicae  tua  sublimitas  prodest,  etiam  Suggestion em  de  praediis  iuris  civilis  oblatam 
iure  laudamus,  per  quam  postulatum  est,  ut,  si  qui  memorata  praedia  demto  civili  canone 
consecuti  sunt,  velerem  canonem  in  posterum  cogantur  agnoscere).    , 

2)  T  spricht  von  Possessiones  iuris  civilis  einer  jeden  Gemeinde  und  von  solchen  und 
Possessiones  agonotheticae  der  Urbs  aeterna,  die  durch  Schenkung,  Kauf  oder  irgendwelchen 
sonstigen  Titel  Demto  civili  canone  erworben  sind,  und  verordnet,  dass  der  Kanon  zu  ent- 
richten ist  Ex  praesenti  quarta  indictione,  unter  Erlass  des  Rückständigen.  Das  Gesetz 
beziehe  sich  nicht  auf  die  Possessiones  iuris  civilis,  welche  den  Kanon  den  Privatae  largi- 
tiones  entrichten,  indem  dieser,  auch  der  rückständige,  dem  Privatum  aerarium  zu  zahlen  sei. 

3)  Zum  Schluss  giebt  T  den  Satz  (§  3) :  lUud  etiam  dispositionis  culminis  tui  probamus 
atque  firmamus,  ut,  si  qui  cuiuslibet  iudicis  commotione  mulctati  sunt,  et  partem  seu  totam 
mulctam  adhuc  debere  noscuntur,  hi  quoque  indulgentia  nostrae  clementiae  perfruantur,  et 
nullam  sustineant   exactionem  .  . 


b)  N.  M.  3,  1,  1  u.  2.  Celsitudo  (igitur)  tua 
id  nobis  placuisse  cognoscat,  ut,  si  qui  vel 
ex  titulo  donationis,  vel  ex  emtione,  sive  ex 
alio  quolibet  titulo  possessiones  iuris  civilis 
tantummodo  et  cuiuslibet  civitatis  et  prae- 
cipue  huius  aeternae  urbis,  cui  maiorem  de- 
bemus  favorem,  tam  civilis,  ut  dictum  est, 
iuris,  quam  etiam  agonotheticas  possessiones, 
ex  consulatu  Ausonii  et  Olybrii  demto  civili 
canone  acceperunt,  impositum  praediis  ca- 
nonem iuxta  fidem  publicorum  monumentorum 
civitati,  ad  quam  praedia  pertinuerunt,  prae- 
bere  iubeantur,  ex  praesenti  quoque  quarta 
indictione,  cessante  praeteriti  temporis  ca- 
nonis  exactione,  manente  penes  eos  succes- 
soresque  eorum  et  detentatores  illibato  do- 
minio.  Nam  si  privatis  viris  debita  non 
patimur  denegari,  multo  magis  praebenda 
sunt  civitatibus,  quae  iure  debentur,  quum 
sufßciat  possessoribus,  quod  apud  eos  domi- 
nium in  perpetuum  ex  nostra  liberalitate 
permaneat.  Si  quae  tamen  possessiones  iuris 
civilis  canonem  privatis  largitionibus  in  prae- 
senti praebent  vel  nunquam  ademtum  vel 
postea  impositum,  ad  hanc  pragmaticam  ius- 
sionem  non  pertinebunt,  sed  privato  aerario 
canonem,  quem  nunc  agnoscunt,  inferre  ex 
more  debebunt,  dominio  firmiter  apud  eos 
succesöoresque  eorum  et  detentatores  pari 
modo  permanente. 


Si  quid  de  fiscalibus  agris  vel  aedificiis 
donatione  principis  vel  venditione  vel  qua- 
libet  ratione  ad  privatos  fortasse  pervenerit, 
(id  lex  ista  constituit,)  ut  soluto  canone  a 
possessoribus  in  perpetuum  teneatur,  et  ira- 
pletis  fiscalibus  debitis,  illi,  qui  possident 
heredibus  suis  relinquendi  aut  quibus  volue- 
rint  donandi  habeant  potestatem. 


13* 


196 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  8,  9, 1, 
1  u.  3 


P,  5,  2,  3 


P.  5,5,  8 


C.  4,  13,  1 


2)  Verjährung. 

a)  Res  habilis. 

a)  Es  soll  den  Vätern  nicht  erlaubt  sein,  das  Muttervermögen  der  Kinder  zu 
veräussern:  hiach  dem  Tode  des  Vaters  ist  es  den  Kindern  erlaubt,  ihre 
Sachen  von  jedermann,  mögen  sie  auch  von  dem  Vater  sei  es  verkauft,  sei 
es  geschenkt  gewesen  sein,  in  ihr  Eigentum  zurückzurufen.^ 

ß)  Zeitablauf. 

a)  Die  Longi  temporis  praescriptio  wird  unter  Anwesenden  auf  einen  Zeit- 
raums von  zehn,  unter  Abwesenden  dagegen  von  zwanzig  Jahren  gerechnet. 

Als  Longum  tempus  wird,  nach  dem  Beispiel  der  Longa  possessio, 
unter  Anwesenden  ein  Zeitraum  von  zehn  und  unter  Abwesenden 
von  zwanzig  Jahren  gerechnet. 

b)  Hat  irgend  eine  Person  nachweislich  eine  fiskale  Sache  fünf  Jahre  lang  be- 
sessen, ohne  dass  sie  von  Jemandem  daraus  vertrieben  gewesen  sein  wird,  so 
ist,  falls  irgend  Jemand  diese  Sache  von  dem  Princeps  für  sich  wird  haben 
erbitten  wollen,  für  den  Besitzer  in  dem  Masse  durch  das  Gesetz  gesorgt, 
dass  es  sogar  dem  Judex  aufgetragen  hat,  dem  Besitzer  Schutz  zu  gewähren, 
und  die  Vernichtung  einer  Verfügung  wegen  Competitio  angeordnet  hat, 
falls  nur  der  Besitzer  nachgewiesen  haben  wird,  dass  er  fünf  Jahre  lang  ohne 
jede  Störung  besitzt,  indem  es  verordnet  hat,  dass  nach  diesem  Zeitraum 
selbst  der  Fiskus  von  dem  Besitzer  ausgeschlossen  wird.^ 


1)  T  sagt,  dass  der  Käufer  der  Vindikation  keine  Praescriptio   entgegensetzen  kann. 

2)  Continuum  spatium, 

3)  T    führt    den  Ausschluss    des  Competitor   auf  eine  Constantiniana  lex  zurück  und 
bezeichnet  den  Judex  als  Judex  Ordinarius. 


2  a)  a)  C.  8,  9,  1,  1  u.  3.  .  .  res,  quae  ex  matris 
successione  fuerint  ad  filios  devolutae,  ita 
sint  in  parentum  potestate  atque  dominio,  ut 
. .  alienandi  eis  licentia  derogetur  . .  emtor  .  . 
nullam  poterit  praescriptionem  opponere 
iiliis  quandoque  rem  suam  vindicantibus. 

ß)  a)  P.  5,  2,  3.  Longi  autem  temporis  prae- 
scriptio inter  praesentes  continuo  decennii 
spatio,inter  absentesvicennio  comprehenditur. 

P.  5,  5,  8.  .  .  Longum  (autem)  tempus, 
exemplo  longae  praescriptionis,  decennii  inter 
praesentes  et  inter  absentes  vicennii  compu- 
tatur. 

b)  C.  4,  13,  1.  Competitorem  quinquen- 
nii  possessor  elininet:  debet  enim  iuxta  Con- 
stantinianae  legis  in  dultum  hoc  privilegio 
petitor  arceri,  quo  fiscus  noster  excluditur. 
Quod  si  quando  fortassis  emerserit,  ordina- 
rios  iudices,  competitionis  obreptione  rescissa, 
tuitionem  pulsatis  praestare  iubemus  eiuxam, 
quibus  tarnen  lustralis  aderit  obsque  inter- 
pellatione  possessio. 


.  .  rerum  maternarum  .  .  Res  filiorum  pa- 
tribus  alienare  non  liceat  .  .  defuncto  patre 
licet  filiis  res  suas  a  quibuscunque  personis, 
sive  venditae  sive  donatae  a  patre  fuerint, 
in  suum  dominium  revocare. 

(P.  5,  2,  4)  .  .  Huius  autem  rei  praescriptio 
inter  praesentes  decennii  est,  inter  absentes 
vero  vicennii  computatur. 


Quicunque  rem  fiscalem  per  quinquen- 
nium  possedisse  probatur,  ita  ut  a  nullo 
exinde  fuerit  expulsus,  et  hanc  ipsam  rem 
aliquis  sibi  peteie  a  principe  voluerit,  possi- 
denti  in  tantum  lege  consultum  est,  ut  etiam 
tuitionem  ferre  possessori  iudicem  iusserit  et 
competitionis  Constitutionen!  ordinaverit  re- 
scindendam,  si  tarnen  ille,  qui  possedit,  sine 
ulla  inquietudine   per   qninquennium   se  do- 


Die  einzelnen  Erwerbsarten  §  3. 


19' 


c)  Wenn   nach  Anstellung   der  Klage   innerhalb  der  Fristen  die  Sache  durch  p.  5, 2, 5 
Kauf  auf  einen  neuen  Eigentümer  übergegangen  und  auch   dieser  während 
zwanzig  Jahren    nicht  behelligt   gewesen   sein    wird,    darf  ihm    der    Besitz 
nicht  entzogen  werden. 

y)  lustum  initium. 

a)  ^Es  ist  sicher,  dass  der  nicht  abgeforderte  Besitz  von  zwanzig  Jahren,  voraus-  p.  5, 2, 4 
gesetzt  jedoch,  dass  nachweislich  ein  gerechtfertigter  Beginn  des  Besitzes 
vorhanden  ist,  dem  Besitzer  zu  statten  kommt.  Ein  gerechtfertigter  Beginn 
des  Besitzes  aber  ist  vorhanden  bei  Kauf,  Erbschaft,  Schenkung,  Legat, 
Fideikommiss  und  mit  Bezug  auf  sonstige  Sachen  der  Art,  die  mittels  der 
gesetzmässigen  Urkunden  und  Kontrakte  in  das  Eigentum  einer  jeden 
Person  überzugehen  erachtet  werden.^ 

3)  Eigentumsübertragungs vertrag. 

a)  Im  allgemeinen. 

a)  Was    auch    immer   irgend  Jemand    einem  Andern    cediert   haben  wird,    er   c.  4,  is,  2 
soll  lediglich  kundgeben,  den  Gegenstand  cediert  zu  haben,  das  will  sagen, 
entweder   mittels  Gesta   oder   mittels  Urkunde    oder   vor  Zeugen,   und    die 
blosse  Kundgebung   dieses  Willens  soll  zur  völligen  Giltigkeit  ausreichen.^ 

aa)  Ein    gerechtfertigter   Beginn    des    Besitzes    ist    vorhanden    bei    Kauf,  p.  5, 2, 4 
Schenkung   und  mit  Bezug  auf  sonstige  Sachen  der  Art,    die  mittels 


1)  Die  Praescriptio  viginti  annorum  kommt  auch  gegen  die  Res  publica  demjenigen 
zu  statten,  der  ein  lustum  initium  possessionis  hatte  und  nicht  in  der  Zwischenzeit  inter- 
pelliert worden  ist.  Es  wird  indessen  eine  Actio  auf  das  Quanti  eins  interest  der  Res 
publica  gegen  diejenigen  gegeben,  welche  versäumt  haben,  für  die  Geschäfte  zu  sorgen. 

2)  Vgl.  S.  2  Anm.  1. 


c)  P.  5,  2,  5.  Si  post  motam  intra  tempora 
quaestionem  res  ad  novum  dominum  emtione 
transierit,  nee  is  per  viginti  annos  fuerit  in- 
quietatus,  avelli  ei  possessionem  non  oportet. 

y)  a)  P.  5,  2,  4.  Viginti  annorum  prae- 
scriptio etiam  adversus  rempublicam  prodest 
ei,  qui  iustum  initium  possessionis  habuit, 
nee  medio  tempore  interpellatus  est.  Actio 
tamen,  quanti  eius  interest,  adversus  eos  rei- 
publicae  datur,  qui  ea  negotia  defendere 
neglexerunt. 

3  a)  a)  C.  4,  18,  2.  In  omni  cessione  pro- 
fessio  sola  quaerenda  est,  Idem  dixit:  In 
omni  cessione  sufficit  voluntatis  sola  pro- 
fessio. 


aa)  P.  5,  2,  4. 
sionis  ,  , 


iustum  initium  posses- 


cuerit  possidere,  quia  hoc  spatio  temporis 
ab  eo,  qui  sine  molestia  possedit,  etiam  fis- 
cum  suum  iussit  excludi. 


Viginti  annorum  non  requisitam  posses- 
sionem, si  tamen  iustum  possidendi  initium 
intercessisse  probatur,  possessori  prodesse 
certum  est.  lustum  autem  initium  est  em- 
tionis,  hereditatis,  donationis,  legati,  fidei- 
commissi  et  ceterarum  rerum  similium,  quae 
per  legitimas  scripturas  atque  contractus  ad 
uniuscuiusque  dominium  transire  noscuntur  .  . 

Quaecunque  aliquis  alteri  cesserit,  profi- 
teatur,  se  tantum  rem  cessisse  .  .,  hoc  est 
aut  gestis  aut  scriptura  aut  testibus,  et  sola 
voluntatis  illius  professio  pro  omni  firmitate 
sufficiat. 

.  .  lustum  (auto.ra)  initium  est  emtionis, 
(hereditatis,)  donationis  .  .  et  ceterarum  re- 


198 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  2,  29,  2 
pr.  1  u.  2 


C.  3, 1,2,1 


der  gesetzmässigen  Urkunden  und  Kontrakte  in  das  Eigentum  einer 
jeden  Person  überzugehen  erachtet  werden. -"^ 

bb)  Wenn  Jemand,  während  er  seine  Geschicke  zu  fördern  wünscht,  irgend 
einen  Vorteil  gewähren  zu  sollen  versprochen  haben  wird,  soll  er, 
nachdem  er  durch  Erzielung  dessen,  was  er  gewollt  hat,  verhaftet  ist, 
gezwungen  werden,  ohne  jeden  Verzug  zu  erfüllen.  Wird  er  irgend 
etwas  an  Gold,  bez.  Silber,  oder  an  sonstigen  beweglichen  Sachen 
angeboten  haben,  so  soll  es  ohne  Instrument  in  Kraft  bleiben,  weil 
bewegliche  Sachen  bei  Suffragien  ein  Instrument  durchaus  nicht  er- 
fordern, sondern  durch  die  blosse  Tradition  bekräftigt  werden.  Wird 
es  gefallen  haben,  städtische  oder  ländliche  Plätze  zu  geben,  so  soll 
eine  Urkunde  und  Übergabe  folgen  und  sollen  die  wegen  Ausführung 
von  Allem,  bez.  wegen  Übergabe  der  Sache,  aufgenommenen  Gesta 
vorgelegt  werden;  denn  anders  wird  der  Besitz  auf  einen  andern 
Herrn  nicht  übergehen  können.^ 

cc)  ^Es  wird  befohlen,  dass  die  Nachbarn  einer  Sache,  die  verkauft  wird, 
Zeugen  und  gegenwärtig  sein  müssen.  Insoweit  dass  man  für  gut 
fand,  auch  wenn  von  unbedeutenden  Sachen  etwas  zum  Gebrauch 
verkauft  wird,  Vorzeigung  au  die  Nachbarn  und  auf  diese  Weise 
Erwerb    stattfinden  zu    lassen,    damit  nicht  Fremdes  verkauft  werde. "^ 


1)  Vgl.  S.  3  Anm.  3. 
3)  Vgl.  Erstes  Buch 


1,  la,  cc. 


2)  T  fügt  hinzu:  Neque  de  veteri  iure  discedere. 


bb)  C.  2,  29,  2  pr.  1  u.  2.  Si  qui  desi- 
deria  sua  explicare  cupientes  ferri  sibi  a 
quoquam  suffragium  postularint,  et  ob  re- 
ferendam  vicem  se  sponsione  constrixerint, 
promissa  restituant,  quum  ea,  quae  optaverint, 
consequantur:  si  artibus  moras  nectent,  ad 
solutionem  debiti  coarctandi  sunt.  Sed  si 
quid  eo  nomine  in  auro  vel  argento  vel  in 
ceteris  mobilibus  datum  fuerit,  traditio  sola 
sufficiat,  et  contractus  habebit  perpetem  fir- 
mitatem,  quoniam  coUatio  rei  mobilis  inita 
integra  fide  hac  ratione  cumulatur.  Quod 
si  praedia  rustica  vel  urbana  placitum  con- 
tinebit,  scriptura,  quae  ea  in  alium  trans- 
ferat,  emittatur,  sequatur  traditio  corporalis, 
et  rem  fuisse  completam,  gesta  testentur; 
aliter  enim  ad  novum  dominum  transire  non 
possunt  .  . 

cc)  C.  3,  1,  2,  1.  .  ,  neminem  ad  vendi- 
tionem  rei  cuiuslibet  accedere,  nisi  eo  tem- 
pore, quo  inter  venditorem  et  emtorem  con- 
tractus solenniter  explicatur,  certa  et  vera 
proprietas  a  vicinis  demonstretur;  usque  eo 
legis    istius    cautione    currente,    ut,    etiamsi 


rum  similium,  quae  per  legitimas  scripturas 
atque  contractus  ad  uniuscuiusque  dominium 
transire  noscuntur. 

Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  aliquid  se  commodi  daturum  esse 
promiserit,  perceptis,  quae  voluit,  constrictus 
hoc  sine  ulla  dilatione  implere  cogatur.  Quod 
si  aliquid  in  auro  vel  in  argento  vel  in  ce~ 
teris  rebus  mobilibus  obtulerit,  firm  um  sine 
scriptura  permaneat:  quia  res  mobiles  in 
suffragiis  scripturam  penitus  non  requirunt, 
sed  sola  traditione  firmantur.  Quod  si  loca 
urbana  vel  rustica  dare  placuerit,  scriptura 
sequatur  atque  traditio,  et  de  completis  Om- 
nibus vel  re  tradita  gesta  confecta  proferan- 
tur,  nam  aliter  possessio  ad  alterum  dominum 
transire  non  poterit. 


.  .  iubetur,  ut  vicini  rei,  quae  venditur, 
testes  esse  debeant  et  praesentes,  in  tantum, 
ut  etiam  de  mediocribus  rebus  si  quid  in 
usum  venditur,  ostendi  vicinis  placeat,  et  sie 
comparari,  ne  aliena  vendantur. 


Die  einzelnen  Erwerbsarteu  §  3. 


199 


b)  Jemand  manzipiert,  das  will  sagen,  er  manutradiert.  g.  6, 3 

Emanzipation,  das  will  sagen,  Manutradition.  g.  6, 3 

ß)  Tradition. 

a)  So    oft    die    gleiche  Sache    von    dem   Eigentümer   zu    verschiedenen  Zeiten    Gr.  6, 4 
Mehreren  verkauft  wird,    hat  derjenige  den  Vorzug,    dem  der  Besitz  zuerst 
gegeben  worden  ist.    Wenn  ein  Grundstück  auf  den  Namen  des  Einen  und  p.  2, 18,11 
mit  dem  Geld  des  Andern  erworben  gewesen  sein   wird,    wird   es  erachtet, 
demjenigen  zu  gehören,  auf  dessen  Namen  es  erworben  worden  ist:  voraus- 
gesetzt indessen,   es  wird  festgestanden  haben,  dass  das  Grundstück  diesem 
Erwerber  übergeben  gewesen  sei.    Dagegen  werden  jene  das  Geld,  welches  sie 
gegeben    hatten,    von    dem  Besitzer    zurückempfangen.^     Den  Instrumenten   Gr.  7, 1 
wird  eine  Urkunde  nicht  um  deswillen  im  Wege  stehen,  dass  sie  den  Namen 
eines  andern  Käufers,  auf  dessen  Wort  der  Erwerber  gebaut  hatte,  enthält, 
während    er    die    Herrschaft    des    Besitzes,    die    er   stets  und    bis   auf  den 
heutigen  Tag  zu  haben  angiebt,  unangefochten  inne  hat.^ 

aa)  Wenn  Sachen  demjenigen,  auf  dessen  Namen  sie  erworben  worden  Gi-.  1, 2 
sind,  übergeben,  bez.  von  ihm  besessen  worden  sind,  kann  derjenige, 
welcher  gezeigt  haben  wird,  dass  hierfür  sein  Geld  gegeben  gewesen 
sei,  die  erworbene  Sache  nicht  vindizieren;  hingegen  kann  er  das  Geld 
von  dem  Besitzer  zurückempfangen:  zwei  Umstände  machen  denjenigen, 
bei  dem  sie  gewesen  sein  werden,  zum  besseren  Herrn.^ 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.     J  fügt  hinzu:  Sicut  multis  aliis  speciebus  habe- 
tur expositum. 

2)  Der  Text  bedient  sich  der  direkten  Anrede  des  Adressaten  des  Gesetzes. 

3)  Statt  (cum  quo  fuerint,)  eius  dürfte  zu  lesen  sein  eum. 


subsellia  vel,utvulgo  aiunt,scamna  vendantur, 
ostendendae  proprietatis  probatio  compleatur. 

b) 


ß)  a)  Gr.  6,  4.  Quoties  eadem  res  a  do- 
mino  diversis  temporibus  pluribus  venum- 
datur,  eum  potiorem  esse,  cui  possessio  pri- 
mum  tradita  est. 

P.  2,  18,  11.  Fundus  eius  esse  videtur, 
cuius  nomine  comparatus  est,  non  a  quo  pe- 
cunia  numerata  est:  si  tarnen  fundus  com- 
paratori  sit  traditus. 


Gr.  7, 1.  Instrum entis  scriptura  non  oberit, 
quod  nomen  contineat  alterius  emtoris,  ad 
cuius  fidem  ipso  confugeras,  quum  dominium 
possessionis,  quod  habuisse  te  semper  et  adhuc 
habere  proponis,  securus  obtineas. 

aa) 


G.  6,  3.  .  .  mancipat,  hoc  est  manu  tra- 
dit  .  . 

G.  6,  3.  .  .  Emancipatio  (autem),  hoc 
est  manus  traditio  .  . 


Si  ager  alterius  nomine  et  alterius  pecu- 
nia  fuerit  comparatus,  eius  esse  cognoscitur, 
cuius  nomine  comparatus  est:  si  tamen  ipsi 
comparatori  agrum  traditum  fuisse  consti- 
terit:  illi  vero  pecuniam,  quam  dederant,  a 
possessore  recipient  .  . 


Gr.  7,  2.    .  .  Quod  si  (vero),  cuius  nomine 


2oa 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Gr.  7, 2  bb)  So   oft    entweder    der    Gatte   oder    irgendwelche    andere    Person^    ein 

Grundstück  oder  eine  beliebige  Sache  mit  ihrem  Gelde,  auf  den 
Namen  der  Frau  oder  von  irgend  Jemandem  andern,  wird  haben  er- 
werben wollen,  und  derjenige,  welcher  das  Geld  giebt,  in  die  Sache 
eingewiesen  gewesen  sein  wird,^  und  sich  ergiebt,  dass  er,  der  das 
Geld  gegeben  hat,  die  erworbene  Sache  besessen  hat,  ^kann  er  nicht 
unter  dem  Präjudiz  leiden,  dass  sich  angegeben  findet,  die  Sache  sei 
im  Namen  des  Andern  erworben  worden.^ 

b)  Weini  weder  auf  Grund  eines  Mandats,  noch  zufolge  Ratihabition  der 
Ehemann  den  Besitz  der  Frau  veräussert  hat,  wird  sie  nicht  gehindert,  ihre 
Sache  zu  vindizieren.*-  ^ 

c)  Wenn  zwischen  irgendwelchen  Personen  ein  Streit  darüber  entsteht,  ob  eine 
Sache  tradiert  ist  oder  nicht,  so  betrifft  der  Beweis  hierfür  nicht  ein  Becht 
6 oder  eine  Urkunde,^  sondern  eine  Thatsache,  sodass  es  für  jeglichen 
Beweis  ausreichend  ist,  wenn  die  Sache  von  demjenigen,  der  behauptet, 
dass  sie  ihm  übergeben  worden  ist,  innegehabt  werde. 

c.  8, 5, 2        d)  ^Ein  Jeder,  der  von  den  eigenen  Sachen  unter  Vorbehalt  eines  Niessbrauchs 


GtT.  6,  5 


P.  5, 12,  2 


1)  Bei  T  ist  nur  von  dem  Gatten  die  Rede. 

2)  Ac  negotium  sibi  gestum  est,  idque  evidenter  probabitur. 

3)  So  vrird  der  Praeses  provinciae  verhindern,  dass  dem  Be^<itzer  Gewalt  angethan  werde. 

4)  Vgl.  S.  8  Anm.  4.  5)  T  fügt  hinzu:  Intercedente  rectore  provinciae. 
6)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.  7)  T  schickt  die  Ausführung 

voraus,  dass  mit  dem  Gesetz  das  lus  pristinum  wiederhergestellt  werde. 

[  res  comparatae  sunt,  ipsi  traditae  sunt  vel 
I  ab  ipso  possessae,  is,  qui  pecuniam  suam  pro 
I  hac  re  datam  fuisse  probaverit,  rem  quidem 
comparatam  non  potest  vindicare :  sed  pecu- 
niam potest  a  possessore  recipere,  quia  duae 
res,  cum  quo  fuerint,  eius'  dominum  faciunt 
meliorem. 

Quoties  aut  maritus  aut  alia  quaecunque 
persona  agrum  aut  quamcunque  rem  sua  pe- 
cunia,  uxoris  aut  cuiuscunque  alterius  no- 
mine, voluerit  comparare,  et  is,  qui  pecuniam 
dat,  in  rem  fuerit  intromissus,  et  ipse,  qui 
pecuniam  dedit,  rem  comparatam  cognosci- 
tur  possedisse,  non  potest  hoc  praeiudicio 
laborare,  quod  alterius  nomine  res  legitur 
comparata. 


bb)  G.  7,  2.  Si  nomine  quidem  uxoris 
tuae  emtionem  confecisti,  verum  pecuniam 
de  proprio  numerasti  et  ipso  inductus  es  in 
possessionem,  ac  negotium  tibi  gestum  est, 
idque  evidenter  probabitur,  praeses  provin- 
ciae vim  tibi  super  iuris  tui  rebus  inferri 
prohibebit. 


b)  Gr.  6,  5.  Si  neque  mandato  (tuo)  neque 
ratum  habente  maritus  (tuus)  possessionem 
(iuris  tui)  alienavit,  non  prohiberis  rem  tuara 
vindicare  .  . 

c)  P.  5,  12,  2.  Probatio  traditae  vel  non 
traditae  possessionis  non  tam  in  iure,  quam 
in  facto  consistit:  ideoque  sufficit  ad  proba- 
tionem,  si  rem  corporaliter  teneant. 


d)  C.  8,  5,  2.     Legis  a  nobis  paulo    ante 


Si  inter  aliquos  de  tradita  aut  non  tra- 
dita  re  nascatur  intentio,  huius  rei  probatio 
non  in  iure  aut  in  scriptura,  sed  in  facto 
constat;  et  ideo  ad  omnem  probationem  suf- 
ficit, si  res  ab  eo,  qui  sibi  traditam  asserit 
teneatur. 

Quicunque  de  rebus  propriis  servato  usn- 


Die  einzelnen  Erwerbsarten  §  3. 


201 


einer  beliebigen  Person  irgend  etwas  durch  eine  Schenkung  irgendwelcher 
Art  übertragen  oder  zur  Dos  gegeben  haben  wird  und  sich  den  Niess- 
brauch  vorbehältj  wird  erachtet,  als  habe  er  die  Sache  übergeben,  weil  der 
Vorbehalt  eines  Niessbrauclis,  auch  wenn  die  Stipulation  nicht  eingefügt 
gewesen  sein  wird,  als  Tradition  gilt. 

4)  Okkupation. 

a)  Wird  irgend  Jemand,  ^der  Soldat  ist,^  auf  öffentlichem  Boden  ein  Gebäude  ^'%^\^ 
errichtet  ^oder  irgend  etwas  zu  seinem  Vorteil  thun  zu  sollen  geglaubt 
■  haben, 2  so  soll  er  durchaus  nicht  durch  Jemandes  Chikane  vertrieben 
werden,  sondern  es  dauernd  in  seinem  Rechte  haben.  Wird  dieser 
Soldat,  der  uusern  Interessen  dient,  einen  Locus  publicus  hergerichtet,  bez. 
zur  Bebauung  inne  gehabt  haben,  es  hat  die  Ortlichkeit  jedoch  Niemand 
vorher  innegehabt,  an  dessen  Stelle  dieser  Soldat  als  Usurpant  getreten 
sein  wird,  so  soll  er  in  gleicher  Art  besitzen.^  Wird  hiergegen  auch 
bei  dem  Princeps  eine  Erschleichung  stattgefunden  gehabt  haben,  ^so  soll 
nicht  nur  das  Erzielte  keine  Giltigkeit  besitzen,^  sondern  auch  der  ungerechte 
Bewerber  dem  Fiskus   zwanzig  Pfund  Gold   zu  zahlen  verpflichtet  werden. 


1)  Armatae  mihtiae  stipendiis  communitus. 

2)  Vel  septis  quibuslibet  spatia  certa  concluserit. 

3)  Wenn  Milites  vor  Erlass  des  Gesetzes  loca  publica  innegehabt  und  hernach  in- 
folge Competitio  verloren  haben,  werden  sie  wiederhergestellt,  sobald  erwiesen  gewesen 
sein  wird,  dass  der  Boden  ehedem  in  Niemandes  Händen  gewesen  oder  aus  den  Händen 
der  Soldaten  von  andern  erworben  worden  sei. 

4)  Ausdrücklich  ist  dies  von  T  nicht  gesagt. 


latae  cetera  quidem  cautio  necessaria  nobis 
admodum  visa  est,  sublata  vero  in  donati- 
onibus  species  traditionis,  quam  olim  retentio 
ususfructus  induxerat,  non  sine  magna  rati- 
one  desiderata  est,  quum  observationem  iuris 
contrahere  polius  quam  propagare  debeamus. 
Ideoque  ius  pristinum  renovamus,  ut,  quis- 
quis  rem  aliquam  donando  vel  in  dotem 
dando  usumf'ructum  eins  retinuerit,  etiamsi 
stipulatus  non  fuerit,  eam  continuo  tradidisse 
credatur,  nee  quid  amplius  requiratur,  quo 
magis  videatur  facta  traditio,  sed  omni  modo 
idem  sit  in  his  causis  usumfructum  retinere, 
quod  tradere. 

4)  a)  C.  2,  23,  1  pr.  1.  Quisquis  armatae  mili- 
tiae  stipendiis  communitus  in  solo  publico 
vel  aedificium  aliquod  construxerit  vel  septis 
quibuslibet  spatia  certa  concluserit,  perpetuo 
ure  et  firmo  dominio  eadem  ex  nostra  ge- 
nerali auctoritate  possideat,  nee  per  surrepti- 
onem  aliquis  postea  eadem  loca  a  nostra  de- 
mentia audeat  postularo.  Illud  quoque  san- 
cimus,  si  quisquam  militum  simili  conditione 
ante  hoc  tempus  loca  publica  possidenda 
detinuit,   ac  postea   eadem  per  alias  compe- 


fructu  cuilibet  aliquid  quacunque  donatione 
contulerit,  vel  in  dotem  dederit,  et  sibi  usum- 
fructum reservet,  rem  tradidisse  cognoscitur; 
quia  reservatio  ususfructus,  etiamsi  stipulatio 
inserta  non  fuerit,  pro  traditione  habetur. 


Quicunque  militans  in  solo  publico  aedi- 
ficium fortasse  exstruxerit  aut  aliquid  pro 
utilitate  sua  crediderit  faciendum,  per  nullius 
calumniam  penitus  repellatur,  sed  hoc  per- 
petuo in  eins  iure  permaneat.  Idem  miles 
nostris  utilitatibus  serviens,  si  locum  publi- 
cum construxerit  vel  ad  excolendum  fortasse 
teauerit,  si  hoc  tarnen  nullus  antea  tenuit, 
cui  miles  ipse  pervasor  exstiterit,  simili  ra- 
tione  possideat.  Contra  quam  rem  etiamsi 
surreptum  principi  fuerit,    non    solnui  impc- 


202 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


c.  10, 10, 1  b)  Wenn  irgend  Jemand  einen  Schatz  auf  seinem  Boden  gefunden  haben 
wird/  soll  ihm  dasjenige,  was  gefunden  worden  ist,  vollständig  erworben 
werden  und  braucht  er  keine  Chikane  zu  fürchten.^  Wird  er  dagegen 
durch  Zufall  einen  Schatz  an  einem  fremden  Orte  gefunden  haben,  so  muss 
er  denjenigen,  welcher  der  Herr  des  Ortes  ist,  auf  den  vierten  Teil  der  gefun- 
denen Sachen  zulassen.  Indessen  soll  Niemand  sich  anmassen,  indem  er 
auf  fremden   Grundstücken  gräbt,  danach  zu  suchen.^ 

5)  Verbindung. 

a)  Unbewegliches  mit  Unbeweglichem. 

a)  ^Wenn  der  Fluss  sein  Bett  allmählich  anderswohin  angeführt  haben  wird, 
soll  derjenige  das  Land  erwerben,  an  dessen  Grenzen,  wie  sich  ergiebt,  das 
Stück  Erde  angetrieben  ist.     Niemand  soll  wagen,  diese   Sache,  die  durch 


N.  Th. 
10,1, 2U.3 


1)  Wenn  Jemand  Schätze    und    von    unbekannten  Eigentümern   in  alter  Zeit  nieder- 
gelegte Kleinodien  durch  Zufall  gefunden  haben  wird. 

2)  T  fügt  hinzu:  Fiscali  aut  privato  nomine,  ullis  deferentibus, 

3)  T  fügt  hinzu :  In  locis  non  sui  iuris  per  famam   suspecta  rimetur. 


titionum  nebulas  detectus  fuerit  amisisse, 
reformari  eadera ;  ita  tarnen,  si  probatum 
fuerit,  a  nullo  antea  possessum  solum  hac, 
qua  ostendimus,  a  milite  ratione  detentum: 
vel  si,  in  alios  forte  eorum  militum  voluntate 
translatum  fuissp,  quod  tenuerant,  potuerit 
edoceri.  Ne  quis  sane  post  hanc  definitionem 
nostri  numinis  surripiendo  postulare  audeat 
haec  spatia,  de  quibus  praesens  oraculi  nostri 
forma  comprehendit,  poenam  viginti  librarum 
auri  iubemus  adscribi. 

b)  C.  10,  10,  1.  Quisquis  thesauros  et 
condita  ab  ignotis  dominis  tempore  vetusti- 
ore  monilia  quolibet  casu  repererit,  suae  vin- 
dicet  potestati,  neque  calumniae  formidinem 
fiscali  aut  privato  noraine  ullis  deferentibus 
pertimescat;  non  metalli  qualitas,  non  re- 
perti  modus  sub  aliquod  periculum  quaesti- 
onis  incurrat.  In  hac  tamen  naturali  aequi- 
tate  animadvertimus  quoddam  temperamen- 
tum  adhibendum,  ut,  si  cui  in  solo  proprio 
huius  modi  contigerit,  integro  id  iure  prae- 
sumat;  qui  in  alieno,  in  quartam  repertorum 
partem  eum,  qui  loci  dominus  fuerit,  admit- 
tat.  Ne  tamen  per  hanc  licentiam  quisquam 
aut  aliena  effodiat,  aut  in  locis  non  sui  iuris 
per  famam  suspecta  rimetur. 

5  a)  a)  N.  Th.  10,  1,  2  u.  3.  .  .  (Et)  ea,  quae 
per  alluvionem  possessoribus  acquiruntur,  ne- 
que ab  aerario  vendi, neque  a  quolibet  peti,  nee 
separatim  censeri  vel  functiones  exigi,  hac  per- 
petuo  lege  valitura  sancimus,  ne  vel  alluvi- 
onum  ignorarevitia  vel  rem  noxiam  possessori- 
bus videamurindicere.  Similiterneceaquidem, 


trata  non  valeant,  verum  etiam  improbus 
petjtor  viginti  libras  auri  fisco  cogatur  ex- 
solvere. 


Si  quicunque  thesaurum  in  sua  terra  in- 
venerit,  ei  ex  integro,  quod  inventum  est, 
acquiratur,  et  nullam  calumniam  pertimescat. 
Si  vero  in  loco  alieno  thesaurum  casu  in- 
venerit,  eum,  qui  loci  dominus  est,  in  quar- 
tam inventarum  rerum  debet  admittere.  At- 
tamen  nullus  effodiendo  loca  aliena  prae- 
sumat  ista  requirere. 


(Hac  lege  sancitum  est,)  ut,  si  fluvius  al- 
veum  suum  paulatim  in  aliam  partem  con- 
tulerit,  terram  ille  acquirat,  cuius  finibus 
spatium  terrae  dignoscitur  contulisse.  Quam 
rem  beneficio  aquae  possessoribus  acquisitam 
nullus  velut  fiscalem  audeat  vindicare:  cui 
rei  tributum  nullus   adiciat.     Si    quis    etiam 


Die  einzelnen  Erwerbsarten  §  3. 


203 


Gunst  des  Wassers  den  Besitzern  erworben  worden  ist,  als  fiskal  in  An- 
spruch zu  nehmen,  und  Niemand  dieser  Sache  einen  Tribut  auferlegen.^ 
AVird  Jemand  ferner  mit  eigener  Bemühung  Sümpfe  abgeleitet  und  mit 
Bezug  auf  Fruchtertrag  in  den  Stand  der  Benutzbarkeit  versetzt  haben,  2 so 
soll  ingleichen  der  Bebauer  ohne  Steuerlast  zu  ewigem  Rechte  den  Besitz 
haben,  und  Niemand  es  von  unserer  Muniticenz  zu  erbitten  wagen.^-^ 
b)  Die  Accession  von  Anspülungen  gehört  nicht  zum  Niessbrauchgrundstück,  p.  3, 9, 6 
weil  es  nicht  eine  Frucht  des  Grundstücks  ist. 

p)  BewegHches  mit  Unbeweglichem. 

a)  Als  Begel  ist  angenommen  worden,  dass  dasjenige,  Avas  aufgesetzt  ist,  dem    g.  2, 1,4 
Boden  nachgiebt. 

aa)  Wird  irgend  Jemand  auf  unserm  Boden  Bäume  oder  Weinstöcke  oder   O-  2, 1, 4 
beliebige  Pflanzen  eingesetzt  haben,    so    giebt    das    Aufgesetzte    dem 
Boden  nach. 

Wenn    Jemand    Weinstöcke    auf   fremdem    Grund   gesetzt   haben   Gr.  6, 1 
wird,  werden  sie  ohne  Zweifel  demjenigen  zugehören,  welchem  erweis- 
hch  der  Grund  zugehört. 

bb)  Dass   das  Eigentum   demjenigen   zukommen    wird,    welchem  erweislich   ^^-  ^'  ^ 


1)  Das  mittels  AUuvion  Erworbene  soll  weder  von  dem  Ärar  verkauft,  noch  von 
irgend  Jemandem  erbeten  noch  besonders  censiert  oder  belastet  werden. 

2)  So  soll  das  gewonnene  Land  weder  verkauft  noch  erbeten  noch  besonders  censiert 
oder  belastet  werden. 

3)  T  fügt  hinzu  eine  Strafe  von  fünfzig  Pfund  Gold  für  die  Gesetzesübertreter  (§  4),  wozu 
auch  das  Officium  des  prätorischen  Prä/fekten  gehört,  falls  es  eine  damit  in  Widerspruch 
stehende  Anordnung  erschlichen  oder  die  Preces  eines  Petitor  instruiert  haben  wird  (Huius 
legis  temeratores  qainquaginta  librarum  auri  condemnatione  coerceri  decernimus.  Inter 
quos  habendum  est  officium  quoque  tuae  sedis  excelsae  [Pf.  P.],  si  aliquid  eius  modi  sug- 
gesserit  disponendum,  vel  si  preces  instruxerit  petitoris  .  .). 


quae  paludibus  antea  vel  pascuis  videbantur 
adscripta,  si  sumtibus  ac  laboribus  posses- 
sorum  nunc  ad  frugum  fertilitatem  translata 
sunt,  vel  vendi,  vel  peti,  vel  quasi  fertilia 
separatim  censeri,  vel  functiones  exigi  con- 
cedimus,  ne  doleant  diligentes,  operam  suam 
agri  dedisse  culturae,  nee  diligentiam  suam 
sibi  damnosam  intelligant. 

b)  P.  3,  9,  6.  Accessio  alluvionum  ad 
fructuarium  fundum,  quia  fundi  non  est,  non 
pertinet  .  . 

ß)  a) 


aa) 


Gr.  6,  1.    Vineas  in  alieno  agro  institutas 
solo  cedere  .  .  incognitum  non  est. 

bb)  Gr.  6,  2.     Aedificium   in   alieno  agro 


paludes  suo  studio  derivaverit  et  ad  usum 
fertilitatis  adduxerit,  hoc  is,  qui  excoluit, 
sine  censu  perpetuo  iure  possideat,  neque 
quisquam  hoc  audeat  a  nostra  munificentia 
postulare. 


G.  2,  1,  4.  (Item)  regulariter  constitutum 
est,  ut  superposita  inferioribus  cedant  .  . 

G.  2,  1,  4.  .  .  si  aliquis  in  agro  nostro 
arbores  aut  vineas  vel  plantas  quascunque 
posuerit,  (similiter)   superficies  solo  cedat  .  . 

Si  quis  vineas  in  aliena  terra  posuerit, 
ad  illum  sine  dubio  pertinebant,  cuius  terra 
etiso  probatur  .  . 

(Gr.  6, 1  u.  2.)  (Si  quis  vineas  in  aliena  terra 


204 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


der  Grund  zugehört,  wird  bei  Grebäuden  oder  sonstigen  Sachen,  die  auf 

fremden  Grund  gesetzt  worden  sind,  in  Acht  genommen  werden.^ 
0.2,1,4  Wenn  Jemand   auf  unserm  Boden,  ohne  unsere  Genehmigung,  ein 

Haus  gebaut  haben  wird,  soll  das  gebaute  Haus  demjenigen,  welchem 

der  Grund    gehört,    zukommen. 
G.  2, 1,4  cc)  Wird  auf  dem  Felde  Jemand  Samen  gesäet  haben,  so  soll  alles  dasjenige, 

was  in    den    fremden    Grund  ausgeworfen   wird,   dem  Eigentümer  des 

Grundes  erworben  werden. 

Y)  Bewegliches  mit  Beweglichem. 
G.  2, 1,4  a)  Schreibt  Jemand  auf  fremden  Chartae  oder  Pergamenten,  es  sei  auch  mit 
goldenen  oder  silbernen  Buchstaben,  so  kommt  die  Urkunde  demjenigen 
zu,  welchem  Chartae  oder  Pergamente  gehört  haben  werden.  Das  Gleiche  gilt 
auch  bei  der  Tafel,  das  heisst,  wenn  irgend  Jemand  auf  meiner  Tafel  ein 
Gemälde  angefertigt  haben  wird,  weil  verordnet  worden  ist,  dass  das  Ge- 
mälde der  Tafel  nachgiebt. 

6)  Sonstiges  (vgl.  §  15). 
a)  Spezifikation. 
G.  2, 1 , 5       a)  Wenn  Jemand    aus  meinen  Trauben  Wein  oder  aus  Ähren  Getreide  oder 


1)  J  verweist  bezüglich   dieses  Sachverhalts   auf  dasjenige,    was    von    dem  Fall    des 
Einbauens  der  Vineae  gesagt  ist  (vgl.  ßaa  [Gr.  6,  1]). 


exstructum    solo    cedere 
est. 


certissimi    iuris 


cc) 
t)  a) 


6  a)  a) 


ad  illumsine  dubio  pertinebunt,  cuius  terra  po- 
suerit,  esse  probatur.)  Pariter  de  aedificiis 
vel  de  reliquis  rebus  in  alieno  solo  positis, 
sicut   superius    dictum  est,  forma  servabitur. 

G.  2,  1,4.  .  .  (ut)  si  quis  in  solo  nostro,  sine 
nostro  permissu,  domum  aedificaverit,  ad  eum, 
cuius  terra   est,   domus  aedificata  pertineat. 

G. 2, 1,4.  .  .  (vel)  si  messem  in  campo  semi- 
naverit,  omnia  haec,  quae  in  terram  alienam 
iactantur,  domino  terrae  acquirantur. 

G.  2,  1,  4.  Quod  (et)  de  chartis  vel  per- 
gamenis,  si  in  alienis  scribat,  licet  aureis  aut 
argenteis  literis,  (similiter)  eins  est  scriptura, 
cuius  chartae  aut  pergamena  fuerit.  Quod  et 
de  tabula,  hoc  est,  si  aliquis  in  tabula  raea 
picturam  fecerit,  observatur:  quia  statutum 
est,  ut  tabulae  pictura  cedat. 

G.2, 1,5,  (Quod)si  quis  ex  uvis  meis  vinum 
aut  ex  spicis  frumentum  aut  ex  olivis  oleum 
fecerit,  eius  vinum,  triticum  vel  oleum  est, 
cuius  spicae  aut  uvae  aut  olivae  fuerint.  Si 
quis  etiam  ex  tabulis  alienis  navem  aut  ar- 
marium  aut  quodcunque  ad  usum  pertinens 
fecerit,  simili  ratione  eius  erunt,  quae  facta 
fuerint,  de  cuius  ligno  facta  probantur.  Simi- 
liter etiam  si  ex  lana  vel  lino  alieno  vesti- 
menta  fecerint,  eius  erunt  vestimenta,  cuius 
lana  vel  linum  fuisse  probabitur. 


Schenkung  §  4. 


205 


aus  Oliven  Öl  gemacht  haben  wird,  gehört  Wein,  Getreide  oder  (.)1  dem- 
jenigen, in  dessen  Eigentum  Ähren  oder  Trauben  oder  OHven  sich  be- 
funden haben  werden.  Wird  Jemand  ferner  aus  fremden  Balken  ein  Schiif 
oder  ein  Armarium  oder  irgend  etwas,  was  zum  Gebrauche  dient,  ge- 
macht haben,  so  wird  in  gleicher  Weise  dasjenige,  was  gemacht  ge- 
wesen sein  wird,  demjenigen  zugehören,  aus  dessen  Holz  es  erweislich 
gemacht  worden  ist.  Ingleichen  werden,  auch  wenn  sie  Kleider  aus  fremder 
Wolle,  bez.  Leinen,  gemacht  haben  werden,  die  Kleider  demjenigen  zuge- 
hören, in  dessen  Eigentum,  wie  erwiesen  Averden  wird,  Wolle  oder  Leinen 
sich  befunden  haben. 

b)  Schenkung  §  4. 
1)  Arten  der  Schenkung. 

a)  Die  Schenkung  ist  entweder  eine  direkte  oder  wird  von  Todeswegen  ab-  ^  ^' ?'  ^ 
gefasst.  ■'^Eine  direkte  Schenkung  ist  vorhanden,  sobald  eine  geschenkte 
Sache  sofort  übergeben  wird.  Eine  Schenkung  von  Todeswegen  ist  vor- 
handen, sobald  der  Schenker  für  die  Dauer  seines  Lebens  die  Sache, 
welche  er  schenkt,  sich  vorbehält,  indem  er  schreibt:  „falls  ich  früher  ge- 
storben gewesen  sein  werde  als  Du,  soll  meine  Sache  Dir  gehören'^,  sodass  die 
geschenkte  Sache  nachher  an  denjenigen,  welchem  er  schenkt,  nicht  an  die 
Erben  des  Schenkers  gelangt.     Stirbt  derjenige  früher,   welchem  die  Sache 

von  Todeswegen  geschenkt  worden  ist,  so  soll  die  Sache  in  dem  Rechte 
des  Schenkers  verbleiben. i 

b)  ^Eine  andere  Schenkung  ist,    sobald  der  Schenker  denjenigen,  welchem  er 
schenkt,    verpflichtet,   irgend    etwas    zu   thun   oder   nicht  zu  thun,    das  will 


8,5,  1 
pr. 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


1)  a)  C.  8,  5,  1  pr.     Donatio,   sive   directa 
sit,  sive  mortis  causa  instituta  .  . 


b)  C.  8,  5,  1  pr.     Donatio  .  .  sive   condi- 
tionibus  faciendi  ac  non  faciendi  suspensa .  . 


Donatio  aut  directa  est  aut  mortis  causa 
conscribitur.  Directa  donatio  est,  ubi  in 
praesenti  res  donata  traditur.  Mortis  causa 
donatio  est,  ubi  donator,  dum  advivit,  rem, 
quam  donat,  sibi  reservat,  scribens;  si  prius 
mortuus  fuero  quam  tu,  res  mea  ad  te  per- 
veniat,  ut  postea  ad  illum,  cui  donat,  non 
ad  heredes  donatoris  res  donata  perveniat. 
Quod  si  prius  moriatur,  cui  res  mortis  causa 
donata  est,  res  in  iure  permaneat  donatoris  . . 

.  .  Est  (et)  alia  donatio,  ubi  donator  obli- 
gat illum,  cui  donat,  ut  aliquid  faciat  aut 
non  faciat,  id  est,  si  aliquid  iubeat  fieri, 
quod  impossibile  iudicetur,  aut  quod  hone- 
stati  contrarium  videatur;  aut  si  id  ordinet 
fieri,  quod  honestum  est  et  possit  impleri: 
quia  tunc  infirmatur  donatio,  quando  condi- 
tiones  honestatis  possibiles  impletae  non  fue- 
rint.  Nam  si  inhonestae  et  impossibiles  con- 
ditiones  ponantur,  remotis  conditionibus  firma 
donatio  est  .  . 


206 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  8,  5,  1 
pr. 


P.4,1,  11 


C.  8,  5,  1, 
1  U.  2 


sagen,  wenn  er  befiehlt,  dass  irgend  etwas  geschehe,  was  für  unmögHch  ge- 
halten, oder  was  mit  der  Elirbarkeit  in  Streit  erachtet  wird,  oder  wenn  er 
anordnet,  dass  dasjenige  geschehe,  was  ehrbar  ist  und  erfüllt  werden  kann, 
weil  dann  die  Schenkung  entkräftet  wird,  wenn  die  möglichen  Bedingungen 
von  Ehrbarkeit  nicht  erfüllt  gewesen  sein  werden;  denn  sobald  unehrbare 
und  unmögliche  Bedingungen  gesetzt  werden,  besitzt  unter  Entfernung  der 
Bedingungen  die  Schenkung  Kraft.^ 
c)  Eine  andere  Schenkung  ist,  in  welcher  sich  der  Schenker  für  eine  bestimmte 
Zeit  den  Besitz  vorbehält.^ 

2)  Errichtung. 

a)  Ein  dem  Sohne  mit  welchen  Worten  auch  immer,  von  dem  Vater  hinter- 
lassenes  Fideikommiss  wird  rechtsgiltig  geschuldet;  denn  es  genügt  unter 
verwandten  Personen,  wie  bei  der  Schenkung,  der  mit  welchen  Worten  auch 
immer  ausgedrückte  Wille, 

b)  Die  Schenkung  ist  gegen  das  Gesetz,  wenn  Jemand  in  einfacher  Ordnung 
schenkt.  Bei  Abfassung  der  Schenkungen  ist  vielmehr  die  folgende  Ordnung 
in  Acht  zu  nehmen,  dass  die  Schenkung  den  Namen  zuerst  des  Schenkers, 
^bez.  desjenigen,  welchem  geschenkt  wird,^  enthält,  hierauf  ^die  Sachen,  welche 
geschenkt  werden,  sei  es  an  Grundstücken,  sei  es  an  Sklaven,  sei  es  an 
irgendwelchen  Sachen  und  Gegenständen,  namentlich  in  der  Schenkung 
zu  verzeichnen  sind,^  nicht  im  Verborgenen,  sondern  öffentlich,  nicht  privatim, 


1)  Vgl.  S.  5  Anm.  2. 

2)  Eine  Schenkung,  die  von  einer  bestimmten  Zeit  zugesagt  ist.  T  fügt  hinzu:  sive 
animo  dantium  accipientiumve  sententiis,  quantum  ins  sinit,  cognominata,  sub  hac  fieri 
debet  observatione,  ut,  quas  leges  indulgent,  actiones,  conditiones  pactionesque  contineat, 
hisque  penitus  cognitis  vel  recipiantur,  si  complacitae  sunt,  vel  reiciantur,  si  sunt  molestae. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

4)  T  spricht  von  lus  und  Res,  die  zu  verzeichnen  sind. 


c)  C.  8,  5,  1  pr.  Donatio  .  .  ex  aliquo 
notato  tempore  promissa  .  . 

2)  a)  P.  4,  1,  11.  Filio  quibuscunque  ver- 
bis  a  patre  fideicommissum  relictum  iure 
debetur:  sufficit  enim  inter  coniunctas  per- 
sonas  quibuscunque  verbis,  ut  in  donatione, 
voluntas  expressa. 

b)  C.  8,  5,  1,  1  u.  2.  In  conscribendis 
autem  donationibus  nomen  donatoris,  ins  ac 
rem  notari  oportet,  neque  id  occulte  aut  per 
impcritos  aut  privatim,  sed  aut  tabuhx,  aut 
quodcunque  aliud  materiae  tempus  dabit, 
vel  ab  ipso  vel  ab  eo,  quem  sors  ministra- 
verit,  scientibus  plurimis  perscribatur.  Et 
corporalis  traditio  subsequatur  ad  excluden- 
dam  vim  atque  irreptionem  advocata  vicini- 
tate,  omnibusque  arbitris  adhibitis,  quorum 
postea  fide  probabitur,  donatam  rem,  si  est 
mobilis,  ex  voluntate  traditam  donatoris,  vel, 


Donatio...    Est  (item  et)  alia,  in  qua  sibi 
donator  certum  tempus  possessionis  reservat . . 


.  .  illa  donatio  contra  legem  est,  si  quis  .  . 
recto  ordine  donet  .  .  In  conscribendis 
autem  donationibus  hie  ordo  servandus  est, 
ut  donatio  nomen  prius  contineat  donatoris 
vel  illius,  cui  donatur;  deinde  res,  quae  do- 
nantur,  sive  in  agris,  sive  in  mancipiis,  sive 
in  quibuslibet  rebus  atque  corporibus,  no- 
minatim  in  donatione  conscribendae  sunt, 
non  occulte,  sed  publice,  non  privatim  vel 
secrete,  sed  aut  in  tabulis  aut  in  chartis  aut 
ubicunque  legatur  facta  donatio.  Quam 
(tarnen)  donationem,  si  literas  novit,  donator 


Schenkung  §  4, 


20- 


bez.  heimlich,  sondern  entweder  auf  Tafehi  oder  auf  Chartae  oder,  worin 
immer  die  Schenkung  abgefasst  zu  lesen  ist.  Die  Schenkung  soll  sodann 
der  Schenker,  wenn  er  die  Schrift  kennt,  selbst  unterzeichnen;  kennt  er  sie 
aber  nicht,  so  soll  er  in  Gegenwart  zahlreicher  Personen  Jemanden  aus- 
wählen, der  an  seiner  Statt  unterzeichnet.  ^  An  diese  Schenkung  soll  sich  die 
Solennität  der  Gesta  und  die  körperliche  Übergabe  anschliessen,  derart,  ^dass, 
wenn  bewegliche  Sachen  geschenkt  werden,  sie  in  Gegenwart  zahlreicher  Per- 
sonen übergeben  werden  sollen,  wenn  dagegen  ein  Grundstück  oder  ein  Haus 
geschenkt  wird,  was  sich  nicht  bewegen  lässt,  der  Schenker  sich  von  dort 
entferne  und  die  geschenkte  Sache  dem  neuen  Eigentümer  zur  Verfügung 
stehe.^  Die  Gesta  über  die  Schenkungen  sind  entweder  bei  dem  Iudex  oder 
bei  der  Kurie  zu  allegieren. 3 

Vor  der  Zeit  dieses  Gesetzes  galten  Schenkungen  auch  ohne  Be-   c.  3, 5,  i 
Zeugung  der  Gesta:*  jetzt  dagegen   nach  diesem  Gesetze  kann  weder 
eine  Nuptialis  donatio,  noch  eine  beliebige  sonstige  Schenkung  zwischen 
irgendwelchen   Personen,    mit  Bezug   auf  irgendwelche  Sachen,  giltig 
sein,  wenn  sie  nicht  zu  den  Gesten  allegiert  gewesen  sein  wird.^ 
aa)  Wenn  Jemand    zum  Dominus    et    procurator  mit  Bezug   auf  die  Be-   c.  2, 12, 1 
anspruchung  einer  beliebigen  Sache  eingesetzt  gewesen  sein  wird,  soll 


1)  T  spricht  von  Unterzeichnung  durch  den  Schenker  selbst  oder  seitens  desjenigen, 
quem   sors   ministraverit,    scientibus    plurimis. 

2)  Vgl.  S.  4  Anm.  2.      T  bezieht  die  Zuziehung   der  Nachbarschaft,  bez.  von  Omnes 
arbitri,    auch  auf  die  Übergabe  von  Immobilien. 

3)  T  spricht  von  Acta  statt  Gesta  und  von  Magistratus  statt  der  Kurie. 

4j  Unser  Vater  wollte  keine  Liberalität  gelten  lassen,  ohne  Einreihung  in  die  Akten. 
6)  Wir  verordnen,  dass  auch  Inter  sponsos  ac  sponsas  und  für  alle  Personen  nur  die- 
jenige Schenkung  gilt,  an  die  sich  Testificatio  actorum  angeschlossen  hat. 


si  immobilis,  abscessu  donantis  novo  domino 
patefactam,  actis  etiam  annectendis,  quae 
apud  iudicem  vel  magistratus  conficienda 
sunt. 


C.  3,  5,  1.  Pater  noster  nullam  voluit 
liberalitatem  valere,  si  actis  inserta  non  esset. 
Nos  etiam  inter  sponsos  ac  sponsas  omnes- 
que  personas  eam  solam  donationem  ex  pro- 
mulgatae  legis  tempore  valere  sancimus, 
quam  testificatio  actorum  secuta  est. 


aa 


ipse  subscribat:  si  vero  ignorat,  praesentibus 
plurimis  eligat,  qui  pro  ipso  subscribat:  et 
hanc  ipsam  donationem  gestorum  solennitas 
et  corporalis  traditio  subsequatur,  ita  ut,  si 
mobilia  donantur,  praesentibus  plurimis  tra- 
dantur:  si  vero  ager  vel  domus  donatur,  quod 
moveri  non  potest,  ut  inde  donator  abscedat 
et  novo  domino  pateat  res  donata  .  .  Gesta 
vero  donationum  aut  apud  iudicem  aut  apud 
cui-iam  alleganda  sunt. 

Ante  tempus  legis  istius  donationes  etiam 
sine  gestorum  testificatione  valebant.  Nunc 
vero  post  hanc  legem  nee  nuptialis  nee  quae- 
libet  alia  inter  quascunque  personas  donatio, 
de  quibuscunque  rebus,  valere  potest,  si 
gestis  non  fuerit  allegata. 

C.  2,  12,  1.  Qui  dominus  et  procurator 
de  cuiuslibet  rei  petitione  fuerit  institutus  .  ., 
ut  mandatum  ad  vicem  donationis  factum, 
actis  habeatur  insertum. 


208 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


das  Mandat,  das  als  Schenkung  errichtet  worden  ist,  den  Akten  ein- 
gereiht werden. 1 

p.  5, 2,  4  bb)  Ein  gerechtfertigter  Beginn  des  Besitzes  ist  vorhanden  bei  Schenkung 

und  mit  Bezug  auf  sonstige  Sachen  der  Art,  die  mittels  der  gesetz- 
mässig  errichteten  Urkunden  und  Kontrakte  in  das  Eigentum  einer 
jeden  Person  überzugehen  erachtet  werden.^ 

P. 5, 12, 1  cc)  Gegenstände,  die,  abgesehen  von   der  Dos   von  der  Mutter  zu  Ehren 

der  Ehe  in  Gegenwart  der  Tochter  dem  Schwiegersohn  übergeben 
worden  sind,  werden  erachtet  eine  Schenkung  zur  Vollziehung  gebracht 
zu  haben. 

p.  5, 12, 4  c)  Wenn  irgend  Jemand  eine  Sache  mittels  gesetzmässig  errichteter  Ur- 
kunden zwei  Personen  geschenkt  haben  wird,  dem  einen  früher  und  dem 
andern  hernach,  ist  bei  diesen  Schenkungen  nicht  zu  untersuchen,  wer  der 
erste  und  wer  der  spätere  ist,  sondern  wer  die  Sache  aus  der  Übergabe 
des  Schenkers  besessen  haben  wird,  indem  er,  dem  sie  übergeben  worden 
ist,  sie  besitzen  wird.  Es  macht  nichts  aus,  ^ob  eine  solche  Schenkung 
an  Verwandte  oder  an  Fremde  gemacht  worden  ist.^ 

c.  8, 5,  2  d)  Ein  Jeder,  der  von  den  eigenen  Sachen  unter  Vorbehalt  eines  Niessbrauchs 
einer  beliebigen  Person  irgend  etwas  durch  eine  Schenkung  irgendwelcher 
Art  übertragen  haben  wird  und  sich  den  Niessbrauch  vorbehält,  wird  er- 
achtet, als  habe  er  die  Sache  übergeben,  weil  der  Vorbehalt  eines  Niess- 
brauchs,  auch  wenn  die  Stipulation  nicht  eingefügt  gewesen  sein  wird,  als 
Tradition  gilt.^ 


1)  Vgl.  S.  3  Anm.  2.  2)  Vgl.  S.  3  Anm.  3. 

3)  Ob  die  Beschenkten  P^xceptae  personae  sind  oder  nicht. 

4)  Vgl.   S.  200  Anm.  7. 


bb)  P.  5,  2,  4. 
sionis  .  . 


iustum  initium  posses- 


cc)  P.  5,  12,  1.  Species  extra  dotem  a 
matre  in  honorem  nuptiarum  praesente  filia 
genero  traditae  donationem  perfecisse  viden- 
tur. 

c)  P.  5,  12,  4.  Quum  unius  rei  in  duos 
donatio  confertur,  potior  est  ille,  cui  res  tra- 
dita  est.  Nee  interest,  posterior  quis  an 
prior  acceperit  et  exceptae  necne  personae 
sint. 


d)  C.  8,  5,  2.  Legis  a  nobis  paulo  ante 
latae  cetera  quidem  cautio  necessaria  nobis 
admodum  visa  est,  sublata  vero  in  donationi- 
bus  species  traditionis,    quam   olim   retentio 


.  .  Iustum  (autem)  initium  est  .  .  dona- 
tionis  .  .  et  ceterarum  rerum  similium,  quae 
per  legitimas  scripturas  atque  contractus  ad 
uniuscuiusque  dominium  transire  noscuntur  .  . 


Si  aliquis  unam  rem  duobus  per  legitimas 
scripturas  donaverit,  uni  prius  et  alteri  postea, 
non  quaerendum  est  in  his  donationibus,  qui 
primus,  qui  posterior  sit:  sed  qui  rem  tra- 
dente  donatore  possederit,  is  eam,  cui  est 
tradita,  possidebit.  Nee  interest,  utrum  in 
parentes  an  in  extraneos  talis  sit  facta  do- 
natio. 

Quicunque  de  rebus  propriis  servato  usu- 
fructu  cuilibet  aliquid  quacunque  donatione 
contulerit,  . .  sibi  usumfructum  reservet,  rem 
tradidisse  cognoscitur;   quia  reservatio  usus- 


Schenkung  §  4. 


209 


An  die  Schenkung  soll  sich  die  körperliche  Übergabe  anschhessen,   c.  s,  5, 1 
vorausgesetzt   indessen    dass    sich    der    Schenker   von    diesen    Sachen 
nicht  einen  Niessbrauch  vorbehalten  haben  wird. 

3)  Eviktion. 

a)  Wenn  irgend  Jemand  unter  Aufnahme  einer  Urkunde  eine  Sache,  die  seines  P-s,  12, 5 
Rechtens  ist,  geschenkt  haben  wird,  wird  er  wider  seinen  Willen  nicht  an- 
gehalten, eine  Eviktionsstrafe  gegen  sich  festzusetzen.  Ja,  wird  er  auch 
aus  freien  Stücken  sie  zugesagt  haben,  so  kann  er  nicht  angesprochen 
werden,  weil  eine  Sache,  die  einem  Andern  Vorteil  bringt,  dem  Schenker 
für  seine  Gabe  keinen  Nachteil  wird  bereiten  können.  Wird  derjenige, 
welchem  geschenkt  worden  ist,  den  Schenker  hierauf  haben  haftbar  machen 
wollen,  so  wird  ihm  unter  allen  Umständen  die  Actio  versagt. 

4)  "Widerruf. 

a)  AVird  Jemand   dem  Sohne,  der  Tochter,  ^  dem  Enkel  von   dem  Sohne,  bez.   c.  8, 6, 4 
Urenkel  von  dem  Enkel, ^  zur  Zeit  der  Emanzipation  irgend  etwas  geschenkt 
haben,  so  wird  er  es  ohne  gerichtlichen  Nachweis  offensichtlicher  Thatbestände 


1)  T  spricht  lediglich  von  Enkel  Enkelin,  Urenkel  Urenkelin. 


ususfructus  induxerat,  non  sine  magna  ra- 
tione  desiderata  est,  cum  observationem  iuris 
contrahere  potius  quam  propagare  debeamus. 
Ideoque  ins  pristinum  renovamus,  ut,  quis- 
quis  rem  aliquam  donando  .  .  usumfruc- 
tum  eins  retinuerit,  etiamsi  stipulatus  non 
fuerit,  eam  continuo  tradidisse  credatur, 
nee  quid  amplius  requiratur,  quo  magis 
videatur  facta  traditio,  sed  omni  modo  idem 
sit  in  his  causis  usumfructum  retinere,  quod 
tradere. 


3)  a)  P.  5,  12,  5.  Invitus  donator  de 
evictione  rei  donatae  promittere  non  cogitur; 
nee  eo  nomine,  si  promiserit,  oneratur:  quia 
lucrativae  rei  possessor  ab  evictionis  actione 
ipsa  iuris  ratione  repellitur. 


4)  a)  C.  8,  6,  4.  Donationem  circa  filium 
filiamve,  nepotem  neptemve,  pronepotem  pro- 
neptemve  emancipationis  tempore  celebratam 
pater  scu  avus  vel  proavus  revocare  non  po- 
terit,  nisi  edoctis  manifestissimis  causis,  qui- 
bus    eam    personam,    in    quam    collata    do- 

Conrat,  Breviarium. 


fructus,  etiam  si  stipulatio  inserta  non  fuerit, 
pro  traditione  habetur. 


C.  8,  5,  1.  .  .  donationem  .  .  corpo- 
ralis  traditio  subsequatur  .  .,  si  tamen  sibi 
de  his  rebus  usumfructum  donator  non  reser- 
vaverit  .  . 

Si  aliquis  rem  iuris  sui  scriptura  inter- 
veniente  donaverit,  evictionis  poenam  sibi 
constituere  invitus  non  compellitur:  ad  quam, 
etiamsi  volens  promiserit,  non  potest  retineri: 
quia  res,  quae  lucrum  alteri  facit,  damnum 
pro  munere  suo  donatori  inferre  non  poterit. 
Et  si  ad  hanc  rem  is,  cui  donatum  est,  do- 
natorem  voluerit  attinere,  ab  hac  actione 
omnimodis  removetur. 

Si  quis  filio,  filiae,  nepoti  ex  filio  vel  prone- 
poti  ex  nepote  emancipationis  tempore  ali- 
quid donaverit,  id  nisi  probatis  in  iudicio 
manifestis  offensarum  causis  revocare  non 
poterit. 


14 


210 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  8, 6, 1 


C.  8,  6,  3 


C.  8,  6,  2 


P.  5,  12, G 


von  Beleidigungen  nicht  widerrufen  können.^  Eine  von  dem  Vater  dem 
emanzipierten  Sohne  gemachte  Schenkung  wird  widerrufen,  wenn  der  Vater 
erwiesen  haben  wird,  dass  er  verletzt  w^orden  sei.^ 

b)  Wird  ein  Sohn  durch  die  Schenkung  der  Mutter  irgend  etwas  erzielt  ge- 
habt und  sie  nachher  verletzt  haben,  so  wird  die  Mutter  nach  gerichtlichem 
Nachweis  des  Sachverhalts  der  Verletzung,  wenn  sie  gewollt  haben  wird,  die 
Schenkung^  In  integrum  widerrufen.  Wird  die  Mutter,  welche  dem  Sohne 
geschenkt  hat,  zur  zweiten  Ehe  geschritten  sein,  so  soll  sie  keine  Befugnis 
haben,  aus  irgendwelchem  Anlass  gegen   die  Schenkung  aufzutreten.* 

c)  Wenn  Jemand,  der  keine  Kinder  hat,  sein  Vermögen,  bez.  einen  Teil  des 
Vermögens,  den  Freigelassenen  geschenkt  und  derjenige,  welcher  geschenkt 
hatte,  hernach  Kinder  gehabt  haben  wird,  so  werden  die  den  Freigelassenen 
gemachten  Schenkungen  vollständig  hinfällig. 

d)  Wenn  Jemand  irgend  Jemanden  einer  drohenden  Gefahr,  das  ist,  der  Ver- 


1)  Vgl.  S.  147  Anm.  2. 

2)  J  fügt  hinzu :  Hie  de  iure  requirendum  de  revocandis  donationibus. 

3)  T  fügt  ein:  nicht  schon  die  Hälfte,  wie  ehedem  verordnet   gewesen   war,   sondern 
das  Ganze.  4)  Vgl.  S.  124  Anm.   1. 


natio  est,  contra  ipsam  venire  pietatem,  et 
ex  causis,  quae  legibus  continentur,  fuisse 
constabit  ingratam.  Quas  tamen  causas  in 
cognitione  discuti  oportebit,  et  nostro  ad- 
mitti  iudicio,  quum  hoc  inter  partes  compe- 
tenti  visum  fuerit  cognitori.  Alias  iubemus 
non  audiri  parentis   querelas. 

C.  8,  6,  1.  Avi  nostri  pro  patribus  firma 
lege  sanxerunt,  ut,  si  quid  patres  in  liberos 
munincentiao  titulo  contulissent,  si  eos  impios 
in  iudicio  declarassent,  omne  id  esset  revo- 
candum,  ne  pietatis  praemium  apud  scelestos 
et  flagitiosos  animos  permaneret. 

b)  C.  8,  6,  3.  Si  quis  forsitan  filiorum 
maternam  munificentiam  consecutus  in  ma- 
trem  impius  detegitur,  non  iam  dimidiam 
portionem,  ut  ante  fuerat  iussum,  rei  dona- 
tae,  sed  omnem  substantiam  proprietatis 
amittat.  Matres  vero,  quae  in  secundas  con- 
venerint  nuptias,  reposcere  vetamus  a  filiis, 
quae  earum  perceperint  largitate  .  . 

c)  C.  8,  6,  2.  Si  unquam  libertis  patronus 
filios  non  habens  bona  omnia  vel  partem 
aliquam  facultatum  fuerit  donatione  largitus, 
et  postea  susceperit  liberos,  totum,  quicquid 
largitus  fuerit,  revertatur  in  eiusdem  dona- 
toris  arbitrio   ac  ditione  mansurum. 

d)  P.  5,  12,  6.  Ei,  qui  aliquem  a  latruncu- 
lis   vel   hostibus  eripuit,    in  infinitum  donare 


Donatio    in   emancipatum    filium  a  patre 
facta,  si  laesum  pater  se  esse  probaverit,  re- 

vocatur. 


Si  quis  filius  donatione  matris  aliquid 
fuerit  consecutus  et  eam  postmodum  laeserit, 
probatis  in  iudicio  laesionis  causis,  dona- 
tionem  mater,  si  voluerit,  in  integrum  revo- 
cabit.  Quod  si  mater  haec,  quae  filio  do- 
navit,  ad  secundas  nuptias  transierit,  contra 
donationem  per  quamcunque  occasionem  ve- 
niendi  nullam  habeat  potestatem. 

Si  quis  filios  non  habens  bona  sua  vel 
partem  bonorum  libertis  donaverit,  et  is, 
qui  donaverat,  filios  postea  habuerit,  dona- 
tiones 
antur. 


in  libertis   factae   ad  integrum  vacu- 


Si    quis    aliquem   de  imminenti  periculo, 
id  est,  de  latronum  aut  hostium  persecutione 


Schenkung  §  4. 


211 


folgung  oder  der  Gewalt  der  Räuber  oder  Feinde  entzogen  hat,  ^kann, 
was  auch  immer,  bez.  wie  viel,  oder  wenn  Alles  ihm  derjenige,  welcher 
befreit  worden  ist,  als  Lohn  für  seine  Rettung  geschenkt  haben  wird,  weder 
von  dem  Schenker  selbst,  noch  von  seinen  Erben  zurückgefordert  werden,^ 
weil  eine  Belohnung  für  eine  Lebensrettung  durch  keine  Schätzung  in  Geld 
aufgewogen  werden  kann. 

b)  Schenkungsverbot  (vgl.  Viertes  Buch,  §  3,  3). 

a)  Wenn  irgend  Jemand    mit   der  Tochter,  entweder  der  Schwester  oder  des   0,3,12,3 
Bruders,  oder  mit  einer  Konsobrine  weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau  des 
Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird,  sollen  sie,  während 

ihnen  die  Fähigkeit  zu  schenken  entzogen  ist,  sich  nicht  anmassen,  derart 
ausgewählten  Frauen  irgend  etwas  zu  gewähren,  oder  soll,  auch  wenn  sie 
Kinder  gehabt  haben  werden,  an  diese  nicht  etwas  aus  ihrem  Vermögen  mittels 
einer  vorgeschobenen  oder  einer  sonstigen  Person  oder  durch  eine  fingierte 
Schenkung  gelangen.^ 

b)  ^Wenn  Jemand,   der  aus  einer  gesetzhchen  Ehe  Söhne  oder  Töchter,  bez.   c.4, 6, 1 
Enkel  männlichen  Geschlechts  von  den  Söhnen,  oder  Vater  oder  Mutter  besitzt. 


1)  So  ist  eine  Schenkung  In  infinitum  nicht  behindert,  wenn  hier  von  Schenkung  und 
nicht  von  Lohn  für  ausgezeichnete  Arbeit  zu  reden  ist. 
2j  Vgl.  Zweites  Buch,  §  13.  2  d. 
3)  Vgl.  Fünftes  Buch,  §  2  i. 


non  prohibemur:  si  tarnen  donatio  et  non 
merces  eximii  laboris  appellanda  est:  quia 
■contemplationem  salutis  certo  modo  aestimari 
non  placuit. 


5)  a)  C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  posthac 
consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris  filiae 
uxorisve  vel  eius  postremo,  cuius  vetitum 
damnatumque  coniugium  est,  sese  nuptiis 
funestarit,  .  .  nihil  prorsus  praedictis,  ne  per 
interpositam  quidem  personam,  vel  donet 
superstes  vel  mortuus  derelinquat. 


b)  C.  4,  6,  1.  Placuit,  manentibus  ceteris, 
quae  de  naturalibus  liberis  Constantinianis 
legibus  causa  sunt,  haec  tantummodo  tem- 
perare,  ut  is,  qui  heredem  heredesve  filios  ex 
legitimo  matrimonio  vel  nepotes,  qui  filiorum 
loco  habendi  sunt,  patrem  quoque  matremve 
dimittit,  si  ex  consortio  cuiuslibet  mulieris 
naturales  susceperit,  unam  tan  tum  bonorum 
ßuorum  et  hereditatis  unciam  naturalibus 
vel   mulieri   donandi   aut  relinquendi  habeat 


vel  manu  eripuit,  quidquid  vel  quantum,  aut 
si  omnia  ei  is,  qui  liberatus  est,  pro  salutis 
suae  mercede  donaverit,  nee  ab  ipso  donatore, 
nee  ab  heredibus  eius  repeti  potest:  quia 
vitae  praemium  nulla  potest  pretii  aestima- 
tione  pensari. 

.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris  filiam 
aut  certe  ulterioris  gradus  consobrinam  aut 
fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis  iunxe- 
rit,  .  .  donandi  .  .  facultate  summota  (sed) 
nee  ipsis  feminis,  quas  taliter  sortiti  sunt, 
aliquid  conferant,  ,  .  aut  etiamsi  filios  ha- 
buerint,  non  per  suppositam  aut  per  aliam 
personam  aut  per  commenticiam  donationem 
ad  illos  quicquam  ex  eorum  facultate  per- 
veniat  .  . 

(Observandum  de  naturalibus  filiis  lex 
ista  constituit),  ut,  si  quis  habens  ex  legitimo 
matrimonio  filios  vel  filias,  sive  masculos  ne- 
potes ex  filiis,  vel  patrem  aut  matrem  ex 
quacunque  muliere,  id  est  ingenua  nata  vel 
facta  susceperit  naturales,  non  amplius  quam 
unciam  unam  de  facultatibus  suis  noverit 
naturalibus  conferendam.  Nam  si  defuerint 
ex  omni  parte  personae  superius  nominatae, 
tunc    naturalibus   filiis   vel   mulieri,   de    qua 

14* 


212 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


voll  irgendwelcher  Frau,  das  will  sagen,  einer  freigeborenen  oder  einer  fr-ei- 
gewordenen,  natürliche  Kinder  bekommen  haben  wird,  möge  er  wissen, 
dass  den  natürlichen  Kindern  aus  seinem  Vermögen  nicht  mehr  als  eine 
Unze  zuzuwenden  ist.  Werden  die  obengenannten  Personen  völlig  gefehlt 
haben,  dann  möge  er  wissen,  dass  er,  wer  er  auch  ist,  den  natürlichen 
Kindern,  bez.  der  Frau,  von  der  sie  stammen,  lediglich  drei  Unzen,  nicht 
mehr,  zuwenden  könne. '^ 

6)  Schenkung  an  ein  Hauskind, 
p.  5, 12, 3      a)  Wenn    der  Vater    dem  Hauskind   irgend   etwas    geschenkt   haben   und  bei 
diesem  Entschluss  beharrend    gestorben  sein   wird,    gewinnt    die  Schenkung 
durch  den  Tod  des  Vaters  Kraft. 


Gr.  8,  2 


Wenn  der  Vater  auf  den  Namen  des  Sohnes,  der  sich  in  seiner 
GTewalt  befand,  in  Schenkungsabsicht  ein  Haus  erworben  hat,  hat  die 
Schenkung  rechtlich  keinen  Bestand:  hat  jedoch  der  Vater  bis  zu 
dem  letzten  Tage  seines  Lebens  bei  diesem  Willen sentschluss  beharrt, 
so  ist  zweifellosen  Rechtes,  dass  sein  Wille  nach  dem  Inhalt  der  Fest- 
setzung in  Acht  zu  nehmen  ist.^ 


P.  5,  2,  1 


C)  Begriff,  Erwerb  und  Verlust  des  Besitzes  §  5. 

a)  ^Es    giebt  Manches,    was    wir  Animo    et    corpore.    Manches,   was    wir  nur 
Animo    besitzen.     Animo    et    corpore    besitzen    wir    dasjenige,    was  wir  im 


1)  Der  Text    ist    in  direkter  Rede    an    den  Sohn,    den  Adressaten    der    Konstitution, 


gerichtet. 


facultatem.  Si  quis  vero  nullo  ex  his,  quos 
excipimus,  superstite  morietur,  atque  ex  mu- 
liere,  quam  sibi  adiunxerat,  naturalem  plu- 
resve  dimittet,  usque  ad  tres  tantum ,  si 
volet,  uncias  tarn  in  mulierem  quam  in  natu- 
rales, quo  maluerit  iure,  transscribat. 

5)  a)  P.  5,  12,  3.  Pater  si  filiofamilias 
aliquid  donaverit,  et  in  ea  voluntate  perse- 
verans  decesserit,  morte  patris  donatio  con- 
valescit. 

Gr.  8,  2.  Si  domum  (,cuius  meministi,) 
pater  tuus,  quum  in  potestate  eius  ageres, 
nomine  tuo  donandi  animo  comparavit,  iure 
quidem  non  subsistere  donationem,  scire  de- 
buisti;  verum  si  in  extremum  fati  diem  pater 
eadem  animi  destinatione  duravit,  iudicium 
eius  iuxta  formam  constitutam  esse  servan- 
dum,  indubitati  iuris  est. 

a)  P.  5,  2,  1.  Possessionem  acquirimus 
et   animo   et   corpore:   animo  utique  nostro: 


nascuntur,  tres  uncias  tantum,   non  amplius 
noverit,  quisquis  ille  est,  se  posse  conferre. 


Aliqua  sunt,  quae  animo  et  corpore  possi- 
demus:  aliqua,  quae  tantum   animo.     Animo 


Eigentumsklagen  §  6. 


213 


Moment  iiine  zu  haben  erachtet  werden,  bez.  gebrauchen.  Hingegen  be- 
sitzen wir  Animo  dasjenige,  was  in  der  Ferne  gelegen  ist  und  in  unserer 
Herrschaft  sich  befindet:  dieses  können  wir  in  unser  Eigentum  bean- 
spruchen.^ 

b)  Ein  Sklave,  welcher  auf  der  Flucht  ist,  wird  von  dem  Herrn  besessen: 
an  Fugitivi  wird  stets  der  Besitz  Animo  erhalten. 

c)  Es  ist  sicher,  dass  uns  durch  Prokuratoren  der  Besitz  erworben  wird.  Wird 
irgend  etwas  in  Abwesenheit  des  Herrn  angeschafft  gewesen  sein,  so  wird 
nicht  anders  ihm  erworben,  als  wenn  der  Herr  seine  Zustimmung  gegeben 
haben  wird,  dass  dieser  Kauf  ihm  anstehe.  * 


P. 2, 32, 27 
P.  4,  13,  3 


P.  5,  2,  2 


D)  Eigentumsklageii  §  6. 

1)  Rei  vindicatio. 

a)  Beweislast. 

a)  2 Beweis    wird    nicht  von  dem  Besitzer,  sondern  von  der  Seite  des  Klägers   c.  11,14, 6 
erfordert:    jeglicher  Beweis   wird   von    demjenigen   verlangt  werden  müssen, 
der   die    beanspruchte    Sache    zu    erzielen    verlangt,    nicht   von  demjenigen, 
der  behauptet,  gerechtfertigtermassen  zu  besitzen.^ 


1)  Besitz  wird  et  Animo  et  Corpore  erworben,  Animo  utique  nostro,  Corpore  vel 
nostro  vel  alieno.  Mit  dem  blossen  Animus  kann  Besitz  zwar  nicht  erworben,  wohl  aber 
behalten  werden,  wie  bei  Saltus  hiberni. 

2)  T  schickt  den  Satz  voraus ,  dass  der  Besitzer  von  dem  Kläger  nicht  gezwungen 
werden  darf,  den  Titel  seines  Besitzes  anzugeben, 

3)  T  fügt  den  Satz  hinzu,  dass  dem  Kläger,  nicht  dem  Verklagten  die  Notwendig- 
keit der  Beweise  aufzuerlesren  ist. 


corpore  vel  nostro  vel  alieno.  Sed  nudo 
animo  adipisci  quidem  possessionem  non  pos- 
sumus;  retinere  tarnen  nudo  animo  possumus, 
sicut  in  saltibus  hibernis  aestivisque  con- 
tingit. 

b)  P.  2,  32,  27.  Servus,  qui  in  fuga  est, 
a  domino  (quidem)  possidetur  .  . 

P.  4,  13,  3.  .  .  fugitivi  .  .  semper  posses- 
sio animo  retinetur  .  . 

c)  P.  5,  2,  2.  .  .  per  procuratorem  ac- 
quiri  nobis  possessionem  posse,  utilitatis  causa 
reeeptum  est.  Absente  autem  domino  com- 
parata  non  aliter  ei,  quam  si  rata  sit,  quae- 
ritur. 

la)  a)  C.  11,  14,  6.  Cogi  possessorem  ab 
eo,  qui  expetit,  titulum  suae  possessionis 
edicere,  quae  tanta  erit  amentia,  ut,  ratione 
praepostera,  petitor  ab  eo,  quem  pulsat,  in- 
formari  suas  postulet  actiones,  quum  omnem 
probationem  exigi  oporteat  ab  eo,  qui  vindi- 


et  corpore  ea  possidemus,  quae  in  praesenti 
teuere  videmur  vel  utimur;  animo  vero  ea 
possidemus,  quae  in  longinquo  posita  sunt 
et  in  nostro  iure  consistunt  et  ea  proprietati 
nostrae  possumus  vindicare. 


.  .  per  procuratores  acquiri  nobis  posses- 
sionem certum  est.  Nam  si  aliquid  absente 
domino  fuerit  comparatum,  non  aliter  ei  ac- 
quiritur,  nisi  hanc  ipsam  venditionem'  sibi 
acceptam  dominus  esse  consenserit. 

(Lex  ista  hoc  praecipit,)  ut  probatio  non 
a  possessore,  sed  a  petitoris  partibus  requi- 
ratur,  (quia)  omnem  probationem  ab  eo  quaeri 
debere  (dicit),  qui  petitam  rem  desiderat  ob- 
tinere,  non  ab  illo,  qui  se  iuste  teuere  con- 
tendit  .  . 


214 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


ß)  Parteien. 
p.  5, 7, 10  a)  Wenn  sein  Erbe  in  demjenigen  Besitze,  den  der  Erblasser  prekaristisch 
inne  gehabt  hatte,  nach  dessen  Tode  verbheben  sein  wird,  ist  er  viehnehr 
zu  erachten  als  Jemand,  der  es  heimlich,  i  das  will  sagen,  im  Verbor- 
genen^ bleibt.^  Indessen  steht  die  Eigentumsklage  dem  Herrn  gegen  den- 
jenigen, welcher  in  dieser  Art  verblieben  sein  wird,  mit  Recht  zu.^ 

Y)  Impensen. 

a)  Wird  irgend  Jemand  auf  fremdem  Grunde  irgend  etwas  gesetzt  oder  ge- 
.  baut  ^oder  auf  fremden  Chartae  oder  Pergamenten  geschrieben,  auf  einer 
fremden  Tafel  ein  Bild  gemalt,  aus  fremden  Trauben  oder  Ähren  oder  Oliven, 
Wein  oder  Getreide  oder  Ol,  aus  fremden  Balken  ein  Schiff  oder  ein 
Armarium  oder  irgend  ein  nützliches  Gerät,  aus  fremder  Wolle,  bez.  Leinen^ 
Kleider  gemacht  haben,*  so  steht  denjenigen,  welche  das  Fremde  sich  an- 
gemasst  haben  werden,  dies  zu,  dass  sie  Ausgaben  oder  Verwendungen,  die 
sie  hierauf  gemacht  haben  werden,  von  den  Herren,  die  die  angefertigte 
Sache  vindizieren,  zurückempfangen  können. 


4—6 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

2)  T  fügt  hinzu :  nullae  enim  preces  eins  videntur  adhibitae. 

3)  Demgemäss   wird   die  Persecutio   dieser  Sache  stets  erhalten  bleiben  und  ist  kein 
Ort  für  das  Interdikt. 

4)  J  spricht  von  demjenigen,  wovon  früher  die  Rede  war  (.  .  horum,  quae  dicta  sunt, 
aliquid  fecerit),  womit  die  Angaben  des  Textes  gemeint  sind. 


care  nititur,  non  ab  eo,  qui  se  iuste  tenere 
contendit?  Intentanti  namque,  non  susci- 
pienti,  probationum  necessitas  imponenda 
est  .  . 

ß)  a)  P.  5,  7,  10.  Heres  eins,  qui  preca- 
riam  possessionem  tenebat,  si  in  ea  manserit, 
magis  dicendum  est,  clam  videri  possidere: 
nullae  enim  preces  eins  videntur  adhibitae. 
Et  ideo  persecutio  eius  rei  semper  manebit, 
nee  interdicto  locus  est. 

T)  a) 


Si  heres  eius  in  ea  possessione,  quam 
auctor  suus  precario  possederat,  post  mortem 
illius  manserit,  magis  aestimandus  est  clam, 
id  est,  occulte  manere.  Actio  tamen  pro- 
prietatis  domino  adversus  eum,  qui  ita  man- 
serit, iure  corapetit. 

G.  2,  1,  4 — 6.  . .  de  chartis  vel  pergamenis, 
si  in  alienis  scribat,  .  .  si  aliquis  in  tabula 
mea  picturam  fecerit  .  .  Quod  si  quis  ex 
uvis  meis  vinum  aut  ex  spicis  frumentum  aut 
ex  olivis  oleum  fecerit,  .  .  Si  quis  (etiam) 
ex  tabulis  alienis  navem  aut  armarium  aut 
quodcunque  ad  usum  pertinens  fecerit  .  . 
(Similiter  etiam)  si  ex  lana  vel  lino  alieno 
vestimenta  fecerit  .  .  (Sed  in  his  omnibus 
superius  comprehensis)  quicunque  in  terra 
aliena  aliquid  posuerit  aut  aedificaverit  (aut 
horum,  quae  dicta  sunt,  aliquid  fecerit,)  illis, 
qui  aliena  praesumserint,  hoc  competit,  ut 
expensas  vel  impendia,  quae  in  his  fecerint, 
a  dominis,  qui  rem  factam  vindicant,  reci- 
pere  possint. 


Eigentumsklagen  §  6. 


215 


b)  ^Wenn  Jemand  Weiiistöcke  auf  fremden  Grund  gesetzt  haben  wird,  ohne  Gr.  6,1 
zu  wissen,  dass  der  Boden  ihm  nicht  gehört,  während  er  geglaubt  haben 
wird,  ihn  bona  fide  zu  besitzen,  soll  er  die  Ausgaben,  welche  er  auf  Setzung 
dieser  Weinstöcke  gemacht  hat,  von  dem  Eigentümer  des  Grundes  zurück- 
empfangen. Wird  er  aber  wissentlich  auf  fremden  Grund  gesetzt  haben, 
so  soll  er  sowohl  die  Weinstöcke  zurückerstatten,  als  auch  die  Auslagen 
durchaus  nicht  beanspruchen.^  Eine  gleiche  Regelung,  wie  die  erwähnte,  Gr.  6, 2 
wird  mit  Bezug  auf  Gebäude  oder  sonstige  Sachen,  die  auf  fremden  Boden 
gesetzt  worden  sind,  gelten. ^ 

5)  Inhalt  des  Anspruchs. 

a)  iWer    auch   immer    eine    fremde  Sache    zu  Unrecht   besessen    haben   wird,   c.  4,  le,  1 
soll,    wenn    er    durch    ein    Urteil    besiegt    gewesen    sein     wird,    weil    er 


1)  T  sagt,  dass,  wenn  die  Weinstöcke  von  dem  Malae   fidei  possessor  gesetzt  worden 
sind,  die  hierauf  verwendeten  Auslagen  mittels  Retention  nicht  gesichert  werden  können. 

2)  Nur     der    Bonae    fidei    emtor    kann    die    durch    Errichtung    eines    Gebäudes    auf 
fremdem  Grundstück  erwachsenen  Ausgaben  zurüclibehalten. 


b)  Gr.  6,  1.  Vineas  in  alieno  agro  in- 
stitutas  solo  cedere,  et,  si  a  malae  fidei  pos- 
sessore  id  factum  sit,  sumtus  eo  nomine  ero- 
gatos  per  retentionem  servari  non  posse,  in- 
coffnitum  non  est. 


Gr.  6,  2.  (Aedificium  in  alieno  agro  ex- 
structum  solo  cedere,)  sumtus (que)  eo  no- 
mine factos  non  nisi  bonae  fidei  emtorem  per 
retentionem  posse  servare,  certissimi  iuris  est. 

0)  a)  C.  4,  16,  1.  Litigator  victus,  quem 
invasorem  alienae  rei  praedonemve  constabit, 
sed  et  qui  post  conventionem  rei  incubarit 
alienae,  non  in  sola  rei  redhibitione  teneatur, 
nee  tantum  siinplorum  fructuum  praestati- 
onem  aut  eorum,  quos  ipse  percepit,  agnoscat, 
sed  duplos  fructus  et  eos,  quos  percipi  opor- 
tuisse,  non  quos  eum  redegisse  constabit, 
exsolvat.  Et  praedoni  quidem  ratio  a  die 
invasi  loci  usque  ad  exitum  litis  habeatur; 
ei  vero,  qui  simpliciter  tenet,  ex  eo,  quo,  re 
in  iudicium  deducta,  scientiam  malae  pos- 
sessionis accepit.  Heredis  quoque  succedentis 
in  Vitium  par  habenda  fortuna  est. 


Si  quis  vineas  in  aliena  terra  posuerit  .  . 
Qui  si  solum  nesciens  alienum,  dum  id 
bona  fide  se  crediderit  possidere,  sumtus, 
quos  in  ipsis  vineis  ponendis  fecit,  a  do- 
mino  terrae  recipiat.  Si  vero  sciens  in  alieno 
posuerit,  et  vineas  restituat  et  expensas  pe- 
nitus  non   requirat. 

Pariter  de  aedificiis  vel  de  reliquis  rebus 
in  alieno  solo  positis,  sicut  superius  dictum 
est,  forma  servabitur. 

Quisquis  rem  alienam  male  possederit,  si 
in  iudicio  fuerit  superatus,  quod  rem  sibi 
non  debitam  occupare  praesumsit,  sed  et  ille, 
qui  conventus  a  certo  domino  reddere  per- 
vasa  noluerit,  non  solum  pro  hac  ipsa  re 
reddenda,  quum  superatus  fuerit,  teneatur, 
sed  fructus  rei  ipsius  duplos  ex  eo  tempore, 
quo  res  pervasa  est,  cogatur  exsolvere,  non 
quales  se  ipse  dixerit  coUegisse,  sed  quales 
per  diligentem  culturam  consequi  proprii  do- 
mini  utilitas  potuisset.  Ille  etiam,  qui  rem 
alienam  scienter  usurpare  praesumserit,  a  die 
invasi  loci  usque  ad  consummatam  litem  si- 
mili  ratione  exigatur.  Nam  qui  simpliciter 
sine  praesumtione  aliquam  rem  tenuerit,  ex 
eo  similiter  solvat,  ex  quo,  re  in  iudicium 
deducta,  quod  rem  male  possideat,  conscien- 
tiam  ipsius  coeperit  non  latere.  Heredes 
quoque  eorum  in  his  damnis,  si  victi  fuerint, 
quibus  auctor  ipsorum,  simili  modo  suc- 
cumbant. 


216 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


eine  ihm  nicht  gebührende  Sache  zu  okkupieren  sich  angemasst  hat,  wie 
aber  auch  derjenige,  welcher,  von  dem  richtigen  Eigentümer  angesprochen, 
das  Angemasste  nicht  wird  haben  zurückgeben  wollen,  nicht  allein  auf 
Rückgabe  eben  dieser  Sache,  wenn  er  verurteilt  gewesen  sein  wird,  haften, 
sondern  gezwungen  werden,  die  doppelten  Früchte  dieser  Sache  von  der  Zeit 
ab,  dass  die  Sache  okkupiert  worden  ist,  zu  entrichten,  und  zwar  nicht  solche, 
wie  sie  selbst  gesammelt  zu  haben  er  ausgesagt  haben  wird,  sondern  wie 
sie  bei  sorgfältiger  Pflege  das  Interesse  des  eigenen  Herrn  hätte  erzielen 
können.  Auch  derjenige,  welcher  eine  fremde  Sache  wissentlich  zu  usur- 
pieren sich  angemasst  haben  wird,  soll  von  dem  Tage  der  Invasion 
des  Grundstücks  bis  zur  Beendigung  des  Prozesses  in  gleicher  AVeise  in 
Anspruch  genommen  werden.^  Denn  derjenige,  welcher  arglos  ohne  Prä- 
sumtion irgendwelche  Sache  innegehabt  haben  wird,  soll  entsprechend  von  dem 
Augenblicke  zahlen,  dass  ihm  durch  Deducierung  der  Sache  in  das  ludicium 
das  Bewusstsein  dessen  nicht  verborgen  zu  sein  begonnen  haben  wird,  dass  er 
die  Sache  zu  Unrecht  besitze.  Auch  die  Erben  dieser  Personen  sollen  wenn 
sie  besiegt  gewesen  sein  werden,  mit  Bezug  auf  diese  Nachteile  in  gleicher 
Weise  wie  ihr  Auetor  haften. 

Der  Malae   fidei  possessor  soll  doppelte  Früchte  entrichten. 

Man  war  der  Ansicht,  dass  die  Malae  fidei  possessores  die  vor 
der  Litiskontestation  gezogenen  Früchte  restituieren. 

Wenn  irgend  Jemand  eine  fremde,  bez.  eines  Abwesenden  Sache  okku- 
pieren zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  möge  er  wissen,  dass  auch  seine 
Erben  in  gleicher  Weise  für  diese  Anmassung  des  Auetor  haftbar 
bleiben  werden. 

2)  Actio  negatoria. 

c.  10,11,1      a)  Allen  denjenigen,    welche    mit  der  Behauptung,    dass  Metall  unter  fremden 
Grundstücken  verborgen  ist,  irgendwelche  Gesteine  oder  Marmorstücke  aus- 


C.  4,  17,  1 
pr. 

Gr.  5, 1 
C.  4, 20, 5,1 


1)  T  spricht  von  Invasor  alienae  rei  und  Praedo,  soveie  von  demjenigen  qui  post  con- 
ventionem  rei  ineubarit  alienae,  und  legt  dem  Praedo  die  Restitutionspflicht  von  dem  Tage 
der  Invasion  bis  zu  dem  Ausgange  des  Prozesses  auf. 


C.  4,  17,  1  pr.  .  .  malae  fidei  possessores 
in  fructus  duplos  conveniuntur  ,  . 

Gr.  5,  1.  Fructus  ante  litem  contestatam 
pereeptos  malae  fidei  possessores  restituere, 
placuit. 

C.  4,  20,  5,  1.  Vitia  (autem)  a  maioribus 
contracta  perdurant,  et  successorem  auctoris 
sui  culpa  comitatur. 

2)  a)  C.  10,  11,  1.  Quosdam  operta  humo 
esse  saxa  dicentes  id  agere  cognovimus,  ut, 
defossis  in  altum  cuniculis,  alienarum  aedium 
fundamenta  latefactent.  Qua  de  re,  si  quando 
huius  modi  marmora  sub  aedificiis  latere  di- 
cantur,   perquirendi   eadem  copia  denegetur, 


malae  fidei  possessor  duplos  fructus 


reddat 


.  .  (Nam)  quicunque  alienam  vel  absentis 
rem  crediderit  occupandam,  noverit,  etiam 
heredes  suos  similiter  pro  hac  auctoris  prae- 
sumtione  obnoxios  esse  mansuros. 

Quicunque  metallum  dicentes  latere  sub 
alienis  aedificiis  quaelibet  saxa  vel  marmora 
effodienda  crediderint,  ut  per  eos  funda- 
mentorum  firmitas  incipiat  vacillare,  his  in- 
quisitionis  huius  licentiam  denegamus,  ne, 
dum  nobiliores  lapides  se  quaerere  asserunt 


Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 


217 


graben  zu  sollen  geglaubt  haben  werden,  sodass  durch  sie  die  Festigkeit  der 
Fundamente  zu  wanken  beginnt,  versagen  wir  die  Erlaubnis  zu  dieser  Nach- 
forschung, klamit  sie  nicht,  während  sie  vorgeben,  nach  Edelgestein  zu  suchen, 
fremde  Fundamente,  sei  es  zu  verkaufen,  sei  es  zu  zerstören  sich  anmassen.-* 

3)  Actio  finium  regundorum. 

a)  Wenn  Jemand  des  Eindringens  in  streitiges  Grenzgebiet  überführt  gewesen  sein  c.  2, 26, 1 
wird,  indem  er,  bevor  irgend  etwas  durch  Urteil  entschieden  wurde,  in  das- 
jenige, was  der  Andere  innegehabt  hatte,  eingedrungen  war,  soll  er  nicht 
allein,  was  er  zu  Unrecht  sich  angemasst  hat,  verlieren,  sondern,  damit 
nicht  Jedermann  eine  fremde  Sache  okkupiere,  sobald  in  dem  Handel  der  Ein- 
dringling in  fremdes  Kecht  besiegt  gewesen  sein  wird,  so  viel  Haum  resti- 
tuieren, als  er  in  Beschlag  zu  nehmen  sich  angemasst  hat. 


E)  Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 

Im  allgemeinen. 

a)  1  Interdikte  werden  also  genannt,  als  Urteil^  das  nicht  für  die  Dauer  bestimmt   p.  5,  6,  i 
ist,   sondern    auf  Zeit,    Interim,    diktiert  worden  ist,    d.  h.  von  dem  Judex, 
den  Besitz  dem  früheren  Besitzer  zurückzugeben.   Das  will  sagen,  dass,  wenn 
Jemand,    der   besitzt,    innerhalb    Jahresfrist    dasjenige,    was    er    verloren  zu 


1)  Damit  nicht,  indem  cautium  ementita  nobihtas  cum  aedificiorum  quaUtate  geschätzt 
und  ein  Preis  für  das  Haus,  zur  Verhütung  der  Zerstörung,  angeboten  wird,  nicht  sowohl 
ein  Studium  publicae  rei  als  vielmehr  eine  Causa  privati  dispendii  vorhanden  ist. 


ne,  dum  cautium  ementita  nobilitas  cum  aedi- 
ficiorum qualitate  taceatur,  et  pretium  domus, 
ne  diruatur,  offertur,  nontam  publicae  rei  Studi- 
um quam  privati  causa  videätur  fuisse  dispendii. 

3)  a)  C.  2,  26,  1.  Si  constiterit,  eum,  qui 
finalem  detulerit  quaestionem,  priusquam  ali- 
quid sententia  determinetur,  rem  sibi  alienam 
usurpare  voluisse,  non  solum  id,  quod  male 
petebat,  amittat,  sed  quo  ma,gis  unusquisque 
contentus  suo  rem  non  expetat  iuris  alieni, 
is,  qui  irreptor  agrorum  fuerit  in  Ute  su- 
peratus,  tantum  agri  modum,  quantum  diri- 
pere  tentaverit,  amittat. 

1)  a)  P.  5,  6,  1.  Retinendae  possessionis 
gratia  comparata  sunt  interdicta,  per  quao 
eam  possessionem,  quam  iam  habemus,  reti- 
nere  volumus:  quäle  est  Uti  possidetis  de 
rebus  soli  et  Utrubi  de  re  mobili.  Et  in 
priore  quidem  is  potior  est,  qui  redditi  inter- 
dicti  tempore  nee  vi,  nee  clam,  nee  precario 
ab  adverfc^ario  possidet.  In  altero  vero  potior 
est,  qai  maiorem  partem  anni  retrorsum  nu- 
merati  nee  vi,  nee  clam,  nee  precario  posse- 
dit. 


aut  vendere  aut  subvertere  aliena  fundamenta 
praesumant. 


Si  quis  pervasor  finium  fuerit  approbatus, 
eo  quod,  priusquam  aliquid  iudicio  finiretur, 
id,  quod  alter  tenuerat,  invasisset,  non  solum 
illud,  quod  male  praesumsit,  amittat,  sed  ut 
non  unusquisque  rem  alienam  occupet,  quum 
fuerit  in  causa  devictus  pervasor  iuris  alieni, 
tantum  spatii  restituat,  quantum  praesumsit 
invadere. 

Interdicta  dicuntur,  quasi  non  perpetua 
sententia,  sed  ad  tempus  interim  dicta,  hoc 
est,  a  iudice  momentum  priori  reddere  pos- 
sessori:  id  est,  ut  si  quis  possidens  intra 
anni  spatium,  quod  amisisse  videtur,  prae- 
sentibus  litigatoribus,  iudice  ordinante  reci- 
piat  et  postmodum,  si  voluerit,  tam  de  vi 
quam  de  rei  proprietate  confligat.  Nam  si 
talis  casus  emerserit,  ut  adventicium  quolibet 
titulo  rem  novus  possessor  adeat  et  eam 
maiore    parte    anni,    id    est,   plus  quam    sex 


218 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  4,  20,  6 
C.  2,  4,  6 
C.  2,  4,  5 


haben  erachtet  wird,  in  Gegenwart  der  Parteien  auf  Verfügung  des  Judex 
zurückempfängt,  er  auch  hernach,  falls  er  gewollt  haben  wird,  ebenso 
sehr  Avegen  Vis  wie  wegen  des  Eigentums  der  Sache  klagen  möge.  Wird 
sich  ein  derartiger  Fall  zugetragen  haben,  dass  ein  neuer  Besitzer 
eine  unter  einem  beliebigen  Titel  zugekommene  Sache  antritt  und  den 
grösseren  Teil  des  Jahres,  das  will  sagen,  mehr  als  sechs  Monate  inne 
hat,  und  von  einem  Andern  die  Sache,  welche  er  innegehabt  hat,  weg- 
genommen wird,  und  dieser,  der  weggenommen  hat,  sie  vier  oder  fünf 
Monate  inne  hat,  so  wird,  falls  innerhalb  dieses  Jahres  wegen  des  Besitzes 
geklagt  gewesen  sein  wird,  dem  früheren  Besitzer,  der  den  grösseren  Teil 
des  Jahres  besessen  hat,  die  Sache  in  Gregenwart  der  Parteien  von  dem 
Judex  mit  Grund  wieder  zugestellt,  derart  dass  die  Parteien  über  das 
Wesen  des  Handels  in  einer  folgenden  Actio  aneinander  geraten.  Wird  da- 
gegen derjenige,  welcher  weggenommen  hat,  vor  dem  Judicium  den  grösseren 
Teil  des  Jahres  besessen  haben,  so  wird  er  nicht  angehalten,  das  Benefiz  des 
Besitzes  zurückzugeben.^ 

Auf  Wiedererlangung  des  Besitzes,  das  will  sagen,  ^innerhalb 
Jahresfrist,^  kann  die  Person  eines  Jeden  klagen. 

Irgend  Jemand  behauptet,  dass  irgend  etwas  ihm  okkupiert  gewesen 
sei,oder  requiriert  ^innerhalb  Jahresfrist'*^  ein  beliebiges  Benefiz  desBesitzes. 

aa)  Wenn  derjenige,   welcher  aus  dem  Besitz  entsetzt  gewesen  sein  wird, 
innerhalb  Jahresfiist,    gemäss    der    OrdnuJig    des    Bechts,    Gehör    er- 


1)  Interdicta  retinendae  possessionis  gratia  comparata  sind  diejenigen,  welche  zur 
Erhaltung  des  Besitzes  dienen.  Es  sind  dies  das  Ubi  possidetis  wegen  unbeweg^licher 
Sachen,  bei  welchem  der  Tempore  redditi  interdicti  fehlerlose  Besitz  den  Sieg  davonträgt, 
und  das  Utrubi  De  re  mobili,  das  demjenigen  zusteht,  der  den  grösseren  Teil  des  letzten 
Jahres  fehlerlos  besessen  hat. 

2)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


C.  4,  20,  6.  Momenti  actio  exerceri  po- 
test  per  quamcunque  personam  .  . 

C.  2,  4,  6.  Si  quis  .  .  momentariam  pos- 
sessionem  pervasione  violatam  vel  quodlibet 
interdictum  efflagitet  .  . 

aa)  C.  2,  4,  5.  .  .  procurandum  est,  ne 
pervasionibus  improborum  protelandae  cogni- 
tionis  praebeatur  occasio  .  . 


mensibus  teneat  et  ab  alio  haec  res,  quam 
tenuit,  auferatur  et  ille,  qui  abstulit,  quatuor 
aut  quinque  mensibus  teneat,  si  intra  ipsum 
annum  de  momento  fuerit  actum,  priori  pos- 
sessori,  qui  maiore  parte  anni  possedit,  res 
a  iudice  partibus  praesentibus  merito  refor- 
matur,  ita  ut  de  negotii  qualitate  partes  se- 
quenti  actione  confligant.  Sin  vero,  qui  ab- 
stulit, maiori  parte  anni  possedit  ante  iu- 
dicium,  momenti  beneficium  reddere  non 
compellitur. 

Ad  recipiendum  momentum,  id  est  infra 
anni  spatium  cuiuslibet  persona  agere  potest . . 

.  .  aliquis  .  .  aliquid  sibi  alleget  fuisse 
pervasum,  aut  quodlibet  intra  annum  bene- 
ficium momenti  requirat  .  . 

.  .  quum  ille,  qui  fuerit  de  possessione 
deiectus,  audientiam  impetraverit,  iuxta  iuris 
ordinem  intra  annum  ad  recipienda,  quae 
perdidit,  nullatenus  differatur  .  . 


Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 


219 


langt  haben  wird,  soll  er  behufs  Wiedererlangung  desseu,  was  er  ver- 
loren hat,  durchaus  nicht  hingezogen  werden.^    Durch  das  Edictum  per-   P.4,7,6 
petuum  wird  vorgeschrieben,  dass,  wenn  die  Testamentsurkundc  nicht 
zu  Tage    tritt,    wegen  Vorweisung  derselben  iinierhalb  Jahresfrist  mit 
dem  Interdikt  geklagt  werden  kann, 
bb)  AVird    wegen    des  Besitzes   appelliert  gewesen  sein,   so  darf  das  Ver-   0.11,12,1 
fahren    in    der  Besitzsache    dem  Eigentum    durchaus    nicht  im  Wege 
stehen,   mag    auch    über  den  Besitz  irgend  etwas  geurteilt  worden  zu 
sein    erachtet    werden,    was   ohne  Zweifel  zur  Ausführung  zu  bringen 
ist   und    durch  die  Appellation  nicht   suspendiert  werden  kann  :2  nach 
Restitution    des  Besitzes    muss   die  Sache  des  Eigentums  von  Anfang 
an  verhandelt  werden.    Wenn  Kolonen  einer  fremden  Sache  zu  andern   c.  4, 21, 1 
Herren    geflüchtet    gewesen  sein    werden,    soll    nicht    bei    Gericht  er- 
fordert werden,    dass   der   Kläger   zuerst   den  Titel    des  Streites    ver- 
zeichne,   weil  der  Anfang  des  Streites    zur  Besitzklage    nicht  gehört.^ 
Wir  verordnen,    dass  es  billig  sei,    dass  Alles,    was  der  Erblasser  bis   ^'^pj.^'^ 
zu  dem  letzten  Tage  seines  Lebens  innegehabt  haben  wird,  den  Erben 
auf  ihre  Anforderung   angewiesen  werden  müsse,  unter  Vorbehalt  der 
Actio  für  später  zu  Gunsten  desjenigen,  welchem  sie  zusteht. 


1)  Den  Pervasiones  der  Improbi  soll  keine  Gelegenheit  gewährt  sein,  die  Cognitio 
hinzuziehen. 

2)  T  sagt,  dass,  wenn  De  possessione  et  momento  verbandelt  wird,  solle,  auch  bei 
eingelegter  Appellation,  das  Urteil  zur  Ausführung  kommen  und  erst  so  an  den  Kaiser 
referiert  werden  solle.  3)  Vg-l.  S.  84  Anm.   1 


P.  4,  7,  6.  Edicto  perpetuo  cavetur,  ut, 
si  tabulae  testamenti  non  appareant,  de 
earum  exhibitione  interdicto  reddito  intra 
annum  agi  potest  .  . 

bb)  C.  11,  12,  1.  Quum  de  possessione 
et  momento  causa  dicitur,  etsi  appellatio 
interposita  fuerit,  tarnen  lata  sententia  sor- 
tiatur  effectum,  atque  ita  demum  ad  nostram 
scientiam  referatur.  Ita  tarnen  possessionis 
reforraationem  fieri  oportet,  ut  integra  omnis 
proprietatis  causa  servetur, 

C.  4,  21,  1.  Si  coloni,  quos  bona  fide 
quisque  possedit,  ad  alios  fugae  vitio  trans- 
euntes,  necessitatem  conditionis  propriae 
declinare  tentaverint,  bonae  fidei  possessori 
(primum)  oportet  (et  celeri  reformatione  suc- 
curri,)  tunc  causam  originis  et  XDroprietatis 
agitari  .  . 

C.  4,  19,  1  pr.  Quid  iam  plenius,  quam 
ut  heredibus  traderentur,  quae  in  ultimum 
usque  diem  defuncti  possessio  vindicasset, 
etiamsi  quod  possit  tribui  de  proprietate 
luctamen? 


Si  de  momento  fuerit  appellatum,  momen- 
tariae  causae  audientiam  proprietati  obesse 
penitus  non  debere,  quamlibet  de  momento 
videatur  aliquid  iudicatum,  quod  in  eifectum 
sit  sine  dubio  deducendum,  nee  possit  appel- 
latione  suspendi.  (lubet  tarnen.)  restituto 
momento  causam  proprietatis  ex  integro  de- 
bere cognosci. 

Si  coloni  rei  alienae  ad  alios  dominos 
forte  confugerint,  .  .  nee  requiratur  in  iu- 
dicio,  ut  prius  titulum  litis  petitor  scribat, 
quia  initium  litis  ad  momentariam  non  per- 
tinet  actionem. 


lustum  esse  decernimus,  ut,  quodcunque 
auctor  usque  in  diem  vitae  suae  tenuerit, 
petentibus  heredibus  debeat  consignari,  illi 
postea,  cui  competit,  actione  servata. 


220 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


c.  9, 16,  1  cc)  Wenn  Jemand  mit  Gewalt  aus  seiner  Sache  vertrieben  gewesen  sein 

und  vorgezogen  haben  wird,  die  weggenommene  Sache  zuerst  mit 
einer  Civilldage  zurückzufordern,  soll  er  verlangen,  dass  der  Besitz 
ihm  restituiert  werde:  wenn  auch  der  Vertriebene  mit  Bezug  auf 
das  Eigentum  an  der  Sache,  während  die  Kriminalklage  für  später 
vorbehalten  worden  ist,  im  Civilwege  besiegt  gewesen  sein  wird, 
kann  er,  nachdem  zuvor  der  Besitz  wiedererhalten  ist,  hernach  den 
Gewaltthäter  an  greifen. ^ 

p.  5, 7, 5  b)  Vi  besitzt  derjenige,  welcher  besitzt,  nachdem  der  Gegner  mittels  wirk- 
samen Angriffs  vertrieben  worden  ist.  Clam  besessen  zu  haben  wird  er- 
achtet, wer  ohne  Kenntnis  und  Wissen  des  Herrn  den  Besitz  okkupiert, 
Precario,  wer  bittweise  verlangt,  dass  ihm  erlaubt  sein  soll,  mit  Gestattung 
des  Herrn,  bez.  Gläubigers,  die  Fiducia  zu  behalten.^ 

c.  4, 20, 6  c)  Wenn  behufs  Wiedergewinnung  des  Besitzes  mittels  Erschleichung  eine 
Petitio  veranstaltet  gewesen  sein  wird,  wird  der  Partei  des  andern  ein 
Nachteil  nicht  erwachsen  können. 

2)  Interdictum  Unde  vi. 
p.  5, 7, 1        a)  Nicht  nur  wenn  der  Eigentümer  selbst,    sondern   auch  wenn  seine  Familia 
aus  dem  Besitz  entsetzt  wird,  ist  das  Interdikt  zuständig;  unter  dem  Namen 
P.  5, 7, 4  einer    Familia  sind   auch  zwei  Sklaven   zu  verstehen.     Als  gewaltsam  ent- 


1)  Wird  der  Entsetzte  sich  des  Interdictum  unde  vi  bedient    haben,    so    ist   er  nicht 
behindert,  mit  der  Lex  JuUa  de  vi  in  einem  Publicum   iudicium  eine  Anklage   zu   erheben. 

2)  Wer  Vi  aut  clam  aut  precario  besizt,  wird  von  dem  Gegner  straflos  entsetzt. 


cc)  C.  9,  16,  1.  .  .  (Sic  denique  et)  per 
vim  possessione  deiectus,  si  de  ea  recuperanda 
interdicto  Unde  vi  erit  usus,  non  prohibetur 
tarnen  etiam  lege  Julia  de  vi  publico  iudicio 
instituere  accusationem  .  . 


b)  P.  5,  7,  5.  Qui  vi  aut  clam  aut  pre- 
cario possidet,  ab  adveisario  impune  dei- 
citur. 


c)  C.  4,  20,  6.  .  .  Sub  colore  (autem) 
adipiscendae  possessionis  obrepta  petitio  al- 
teri  obesse  non  debet  .  . 

2)  a)  P.  5,  7,  1.  Non  tantum  si  ipse  do- 
minus possessione  deiciatur,  utile  interdictum 
est,  sed  etiam  familia  eins.  Familiae  autem 
nomine  etiam  duo  servi  continentur. 

P.  5,  7,  4.  Vi  deiectus  videtur,  et  qui  in 
praedio  vi  retin etur  et  qui  in  via  territus 
est,  ne  ad  fundum  suum  accedcret. 


.  .  ut  si  quis  de  re  sua  fuerit  violenter 
expulsus,  et  rem  ablatara  civili  primitus  ma- 
luerit  actione  repetere,  momentum  sibi  resti- 
tui  petat,  et  si  de  eins  proprietate  is,  qui 
expulsus  est,  civiliter  fuerit  superatus,  crimi- 
nali  postmodum  actione  servata,  recepto  pri- 
mitus momento,  potest  postmodum  impetere 
violentum  .  . 

Vi  possidet,  qui  impetu  efficaci  depulso 
adversario  possidet:  clam  possedisse  videtur, 
qui  ignorante  et  inscio  domino  possessionem 
occupat:  precario,  qui  per  precem  postulat, 
ut  ei  in  possessione  permissu  domini  vel 
creditoris  fiduciam   commorari  liceat. 

Ad  recipiendum  momentum  .  .  Si  per 
obreptionem  fuerit  facta  petitio,  alterius  parti 
praciudicare  non  poterit  .  . 


Rechtsschutz  des  Besitzes 


221 


setzt  wird  erachtet  sowohl  derjenige,  welcher  auf  dem  Grundstück  mit  Ge- 
walt zurückgehalten  wird,  als  auch  derjenige,  welcher  auf  dem  Wege  ver- 
scheucht worden  ist,  damit  er  nicht  zu  seinem  Grundstücke  gelange. 
Gewaltsam  entsetzt  wird  nicht  nur  derjenige,  welcher  durch  den  Zudrang  p.  5, 7, 2 
der  Menge  oder  durch  Drohung  mit  Knütteln  oder  Geschossen  oder  Waffen 
geschreckt  wird,  sondern  auch  derjenige,  welcher,  nachdem  ihm  das  Gerücht 
von  der  Gewaltübung  bekannt  geworden  ist,  den  Besitz  verlassen  hat,  voraus- 
gesetzt jedoch,  dass  ihn  der  Gegner  betreten  hat. 

b)  Wer    aus    einem  Schiffe    mit  Gewalt    entsetzt   worden    ist,    kann    sich  des  P-  ^,  ?,  3 
Interdicts     nicht    bedienen:     hingegen    wird    ihm    eine    Utilis    actio   behufs 
AViedergewinnung  der  Sachen,  nach  dem  Muster  der  Actio  de  vi  bonorum 
raptorum,   gegeben.     Das  Gleiche  ist  mit  Bezug  auf  denjenigen  zu  sagen, 

der  von  einer  Carruca  oder  einem  Pferde  entsetzt  wird,  während,  sobald 
sie  nicht  weggeführt  worden  sind,  die  Actio  iniuriarum  gewährt  wird. 

c)  Wenn  von  den  Sachen,  die  irgend  Jemand  gewaltthätig  in  Besitz  genommen   P-  5, 7,  e 
hat,    einzelne    bei    irgendwelcher    Gelegenheit    zu    Grunde    gegangen   oder 
verbrannt  sein  werden,  oder  Sklaven,   die  mit  Gewalt  in  Besitz  genommen 
worden  sind,  gestorben  gewesen  sein  werden,  ^muss,  mag  es  auch  nicht  durch 

Trug  von  selten  desjenigen,  der  das  Untergegangene  okkupiert  hat,  ge- 
schehen zu  sein  gelten,  dennoch  Alles,  was  zu  Grunde  gegangen  sein  wird, 
von  demjenigen  zurückgegeben  werden,  der  erachtet  worden  ist,  die  Sache 
fremden  Rechts  gewaltthätig  in  Beschlag  genommen  zu  haben. ^ 

d)  Alle  ludices   mahnen  wir  ausdrücklich,   dass  Niemand  in  Abwesenheit  der    c. 4, 20,1 
Herren  in  ihre  Sachen  einzudringen  sich  anmasse:    vielmehr  soll  durch  die 


1)  So  rauss  derjenige,  welcher  die  Sache  fremden  Rechtes  in  dieser  Weise  gewinnen 
wollte,  auf  den  Schätzungswert  verurteilt  werden. 


P.  5,  7,  2.  Vi  deicitur  non  tantum,  qui 
oppressu  multitudinis  aut  fustium  aut  telo- 
rum  aut  armorum  metu  terretur;  sed  et  is, 
qui  violentiae  opinione  comperta  possessione 
cessit;  si  tarnen  eam  adversarius  ingressus 
sit. 

b)  P.  5,  7,  3.  De  navi  vi  deiectus  (hoc) 
interdicto  experiri  non  potcst:  sed  utilis  ei 
actio  de  rebus  recuperandis,  exemplo  de  vi 
bonorum  raptorum,  datur.  Idemque  in  eo 
dicendum  est,  qui  carruca  aut  equo  deicitur; 
quibus  non  abductis,  iniuriarum  actio  datur. 

c)  P.  5,  7,  6.  Ex  rebus  vi  possessis  si 
aliquae  res  arserint  vel  servi  decesserint,  li- 
cet id  sine  dolo  eins,  qui  deiecit,  factum  sit, 
aestimatione  tamen  condemnandus  est,  qui 
ita  voluit  adipisci  rem  iuris  alieni. 


d)  C.  4,   20,   1.     ludices    absentium,    qui 


Si  ex  rebus,  quas  violenter  aliquis  occu- 
pavit,  quaelibet  quacunque  occasione  perierint 
aut  arserint  vel  servi  violenter  occupati  mor- 
tui fuerint,  quamlibet  fraude  illius,  qui  occu- 
pavit,  id  quod  perit,  factum  non  videatur, 
tamen  ab  ipso,  quaecunque  perierint,  red- 
denda  sunt,  qui  rem  iuris  alieni  violenter 
visus  est  occupasse. 

Omnes  iudices  specialiter  admoneraus,  ut 


222 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Person    des  Judex,    ^  unbeschadet    der  Hauptsache  Alles    gegen    die  Übel- 
c.  4, 20, 4  thäter  vorgekehrt  werden.^     Alles,    was    den    in  Militia  Befindlichen,    bez. 

Abwesenden,  okkupiert  gewesen  sein  wird,  befehlen  wir  ohne  irgendwelchen 
c.  4, 20, 1  Verzug  zurückzugeben.^     Giebt  Jemand  vor,  gegen  einen  Abwesenden  einen 

Handel  zu  haben,  so  sollen  weder  ihr  Actor  noch  ihr  Procurator  oder 
irgendeiner  der  Sklaven,  welchen  jene,  die  auf  Reisen  sind,  ihr  Geschäft 
zur  Verwaltung  überlassen  haben   werden,    zur  Verhandlung  der  Sache,  es 


sei   in    Abwesenheit    oder   ohne  Weisung    des  Herrn, 


an  gehalten    werden .  '^ 


1)  T  sagt,  die  ludices  sollen,  unbeschadet  der  Hauptsache,  lediglich  dies  sorgfältig 
erforschen,  ob  der  Abwesende  irgendwie  um  seinen  Besitz  gekommen  sei,  während  ihn  ein 
Propinquus  oder  Amicus  oder  Servulus  quolibet  titulo  inne  hatte. 

2)  Der  Richter  muss  auch  die  Interessen  der  Abwesenden  beschützen  und  mit  Bezug 
auf  dasjenige,  was  nachweislich  weggenommen  ist,  durch  schleunige  Rückerstattung  Sorge 
tragen  und  das  ludicium  nicht  durch  eine  Verzögerung  suspendieren.  Unter  welchem 
Namen,  bez.  Titel,  auch  immer  dem  Besitzer,  der  die  Facultas  utendae  rei  hatte,  die  Be- 
fugnis der  Rückforderung  gewährt  wird,  dasjenige,  was  den  in  Militia  Befindlichen,  bez. 
Abwesenden,  nachweislich  entzogen  ist,  soll  stets  zurückerstattet  werden. 

3j  T  führt  aus,  dass  die  Richter  diejenigen,  welche  als  Besitzer  im  Namen  der  Ab- 
wesenden entsetzt  worden  sind,  und  zwar  auch  nicht  einmal  die  Sklaven,  von  der  Verfolgung 
der  Sache  ausschliessen  sollen:  diese  dürfen  auch  nach  Ablauf  der  für  Wiedererlangung  des 
Besitzes  srewährten  Zeit  klagen. 


cuiuslibet  rei  possessione  privati  sunt,  susci- 
piant  in  iure  personam,  et  auctoritatis  suae 
formidabile  ministerium  obiciant,  atque  ita 
tueantur  absentes.  Hos  tamen  iudices,  quos 
absentium  iussimus  subire  personam,  intra 
hos  terminos  ministerii  retinemus,  ut,  illi- 
batis  atque  omnibus  intcgris  causae  princi- 
palis  internis,  id  solum  diligenter  inquirant, 
utrum  eins,  quolibet  pacto,  qui  peregrinatur, 
possessio  ablata  est,  quam  propinquus  vel 
amicus  vel  servulus  quolibet  titulo  letinebat .  . 
C.  4,  20,  4.  .  .  ludicem  qaoque  absen- 
tium commoda  tueri  oportet  atque  in  his, 
quae  comprobantur  ablata,  celeri  redhibitione 
consulere,  nee  iudicium  dilatione  suspendi, 
Sub  quocunque  igitur  nomine  vel  titulo  possi- 
denti  repetendi  copia  praebeatur,  qui  uten- 
dae rei  habuit  facultatem,  ut,  quae  in  mili- 
tia constitutis  vel  absentibus  erepta  esse 
constiterit,  sub  cuiuslibet  personae  repeti- 
tione  reddantur. 

C.  4,  20,  1.  .  .  Nee  hos,  qui  deiecti  sunt, 
absentium  nomine  possidentes,  quia  minime 
ipsis  dictio  causae  mandata  sit,  ab  experiunda 
re  secludant,  nee  si  servi  sint,  eorum  reici- 
ant  in  iure  personas,  quia  huiuscemodi  con- 
ditionis  hominibus  causas  orare  fas  non  sit; 
sed  post  elapsa  quoque   spatia  recuperandae 


nuUus,  absentibus  dominis,  res  eorum  prae- 
sumat  invadere,  sed  contra  improbos  homines 
omnia  per  personam  iudicis  vindicentur,  salvo 
principali  negotio  .  . 


.  .  Quaecunque  (autera)  in  militia  consti- 
tutis vel  absentibus  pervasa  fuerint,  sine  ali- 
qua  iubemus  dilatione  restitui. 


.  .  Quod  si  quis  se  adversus  absentem  ne- 
gotium habere  causatur,  et  si,  cui  illi,  qui 
peregrinantur,  rem  suam  commiserint  guber- 
nandam,  nee  actor  nee  procurator  eorum 
aut  aliquis  servorum  ad  dicendam  causam 
domino  aut  absente  aut  non  iubente  coga- 
tur  .  . 


Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 


223 


Mit  Bezug  Hilf  die  Abwesenden  wollen  wir  das  Gesetz  wiederholen,  dass,  c.  4, 20, 4 
was  auch  immer  ihnen  von  Seiten  irgendwelcher  Person  wird  entzogen  ge- 
wesen sein,  ganz  den  Amici  derselben,  bez.  Proximi  oder  Sklaven,^  sobald 
sie  den  Richter  interpelliert  haben  werden,  ohne  Verzug  zurückgegeben 
werden  soll:  so  dass  die  Sache,  welche  der  Eigentümer  bei  seinem  Weg- 
gange in  seinem  Eigentum  zurückgelassen  hat,  bis  zu  seiner  Rückkehr  von  den 
Aktoren  des  Herrn  vollständig  in  Anspruch  genommen  werden  soll.  Hin-  c.  4, 20, 1 
gegen  wird  der  Herr  selbst,  wenn  er  infolge  von  Nachlässigkeit  der  Sklaven - 
die  Sache  nicht  wiedererhalten  gehabt  haben  wird,  sobald  er  aus  der  Fremde 
zurückgekehrt  sein  wird,  seinen  Besitz  durch  das  Benefiz  des  Besitzes 
zurückzuerhalten  keineswegs  verhindert,  mag  auch  das  Jahr  bereits  ver- 
strichen gewesen  sein;  vielmehr  soll,  nachdem  alles  in  seiner  Abwesenheit 
Entzogne  in  den  vorigen  Stand  gesetzt  worden  ist,  die  Actio  causae  unbe- 
rührt proponiert  werden;^  denn  es  gebührt  sich,  zu  verfügen,  dass  gegen  die 
Schlechtigkeit  derjenigen,  welche  gegenwärtig  sind,  in  solcher  Weise  für 
das  Interesse  der  Abwesenden  Sorge  getragen  ist. 

Wenn    etwas  ihnen    genommen    gewesen  sein  wird,  soll  unverzüg-    c.  4,20,1 
lieh,   sobald  sie    interpelliert   haben    werden,    ihnen,    die  in  Abwesen- 


1)  T  fügt  Parentes  und  Liberti  hinzu. 

2)  T  fügt  hinzu :  Propinqui  Amici  Coloni. 

3)  J   fügt   hinzu:    Jnter   legitimas   duntaxat   et    integra   aetate   personas    (T  :  iudicio 
reservato  iustis  legitimisque  personis). 


possessionis  legibus  praestituta  litigium  eis 
inferentibus  largiri  conveniet,  ut  eos  momen- 
tariae  perinde  possessioni  restituant,  ac  si 
reversus  dominus  Htigasset  .  . 

C.  4,  20,  4.  Legis  iteranda  sunt  bene- 
ficia,  quae  tantum  absentibus  detulerunt,  ut, 
si  perturbatus  possessionis  status  sit,  vel  di- 
reptum  ahquid,  ad  repetendum  momentum, 
redintegrationemque  fortunae  servis  etiam 
praebeatur  facultas,  amicis  praeterea,  paren- 
tibus,  proximis  vel  libertis. 

C.  4,  20,  1.  .  .  Cui  tarnen,  quolibet  tem- 
pore reverso,  actionem  recuperandae  posses- 
sionis indulsimus,  quia  fieri  potest,  ut  resti- 
tutio propter  servulos  infideles  vel  negligentes 
propinquos  vel  amicos  et  colonos  interea 
differatur.  Absenti  enim  officere  non  debet 
tempus  emensum,  quod  recuperandae  posses- 
sioni legibus  praestitutum  est,  sed  retormato 
statu,  qui  per  iniuriam  sublatus  est,  omnia, 
quae  supererunt,  ad  disceptationem  litigii 
immutilata  permaneant  .  . ,  quuni  valde  suf- 
ficiat,  possessionem  tenentibus  absentium  no- 
mine contra  praesentium  violentiam  subveniri. 


Propter  absentes  legem  volumus  iterare, 
ut,  quicquid  fuerit  iis  a  quaUbet  persona 
sublatum,  totum  amicis  eorum  vel  proximis 
vel  servis,  quum  iudicem  interpellaverint, 
sine  dilatione  reddatur:  ut  res,  quam  dece- 
dens  dominus  in  sua  proprietate  dimisit,  in- 
tegra ab  actoribus  domini,  quousque  redeat, 
vindicetur. 

,  .  Ipse  vero  dominus,  si  forte  per  negli- 
gentiam  servorum  res  recepta  non  fuerit, 
quum  de  peregrinis  redierit,  possessionem 
suam  momenti  beneficio,  etiamsi  annus  ex- 
cesserit,  nullatenus  recipere  prohibetur,  sed 
restitutis  in  integrum  omnibus,  quae  eo  ab- 
sente  sublata  sunt,  integra  causae  actio  pro- 
ponatur  .  .  quia  dignum  est,  ut  contra  ma- 
litiam  eorum,  qui  praesentes  sunt,  taliter  ab- 
sentibus iubeamus  esse  consultum. 


C.  4,  20,  1.     .  .  si  quid  eis   fuerit  subla- 


224 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


ausgeschlossen 


worden    sind,    Wiederherstellung    zu 


C,  9,  16,  1 


C.  4,  21,  1 


C.  4,  19,  1 
pr. 


heit    des    Herrn 
teil  werden. 

e)  Wenn  Jemand  mit  Gewalt  aus  seiner  Sache  vertrieben  gewesen  sein  und 
vorgezogen  haben  wird,  die  weggenommene  Sache  zuerst  mit  einer  Civil- 
klage  zurückzuforderDj  soll  er  verlangen,  dass  der  Besitz  ihm  restituiert 
werde:  wenn  auch  der  Vertriebene  mit  Bezug  auf  das  Eigentum  an  der 
Sache,  während  die  Kriminalklage  für  später  vorbehalten  worden  ist,  im 
Civilwege  besiegt  gewesen  sein  wird,  kann  er,  nachdem  zuvor  der  Besitz 
wiedererhalten  ist,  hernach  den  Glewaltthäter  angreifen.^ 

Besitzesschutz  wegen  heimlicher  Besitzentsetzung. 

a)  Wenn  Kolonen  einer  fremden  Sache  zu  andern  Herren  geflüchtet  gewesen 
sein  werden,  soll  zunächst  der  Besitzer,  aus  dessen  Sache  sie,  wie  sich 
ergiebt,  gekommen  sind,  seine  Flüchtlinge  durch  das  Benefiz  des  Besitzes 
ohne  Aufschub  zurückempfangen,  und  so  soll  über  ihre  Herkunft  eine 
Vernehmung  stattfinden,  jedoch  nicht  bei  Gericht  erfordert  werden,  dass  der 
Kläger  zuerst  den  Titel  des  Streites  verzeichne,  weil  der  Anfang  des  Streites 
zur  Besitzklage  nicht  gehört.^ 

b)  Wir  verordnen,  dass  es  billig  sei,  dass  Alles,  was  der  Erblasser  bis  zu  dem 
letzten  Tage  seines  Lebens  innegehabt  haben  wird,  den  Erben  auf  ihre 
Anforderung  angewiesen  werden  müsse,  unter  Vorbehalt  der  Actio  für  später 
zu  Gunsten  desjenigen,  welchem  sie  zusteht. 


1)  Vgl  S.  220  Anm.  1. 


2i  Vffl.  S.  84  Anm.  1. 


e)  C.  9,  16,  1.  (Sic  denique  et)  per  vim 
possessione  deiectus,  si  de  ea  recuperanda 
interdicto  ünde  vi  erit  usus,  non  prohibetur 
tarnen  etiam  lege  Julia  de  vi  publico  iudicio 
instituere  accusationem  ,  . 


3)  a)  C.  4,  21,  1.  Si  coloni,  quos  bona 
fide  quisque  possedit,  ad  aHos  fugae  vitio 
transeuntes,  necessitatem  conditionis  propriae 
declinare  tentaverint,  bonae  fidei  possessori 
primum  oportet  et  celeri  reformatione  suc- 
curri,  tunc  causam  originis  et  proprietatis 
agitari,  non  exspectatis  temporibus  nee  de- 
nuntiatione  solenni,  quae  locum  in  his  nego- 
tiis  non  habebunt. 

b)  C.  4,  19,  1  pr.  Quid  iam  plenius,  quam 
ut  heredibus  traderentur,  quae  in  ultimum 
usque  diem  defuncti  possessio  vindicasset, 
etiamsi  quod  possit  tribui  de  proprietate 
luctamen? 


tum,   mox    his,    qui    domino   absente   exclusi 
sunt,  quum  interpellaverint,  reformetur  .  . 

,  .  ut  si  quis  de  re  sua  fuerit  violenter  ex- 
pulsus  et  rem  ablatam  civili  primitus  malue- 
rit  actione  repetere,  momentum  sibi  restitui 
petat;  et  si  de  eins  proprietate  is,  qui  ex- 
pulsus  est,  civiliter  fuerit  superatus,  crimi- 
nali  postmodum  actione  servata,  recepto  pri- 
mitus momento,  potest  postmodum  impetere 
violentum  ,  . 

Si  coloni  rei  alienae  ad  alios  dominos 
forte  confugerint,  primum  est,  ut  fugitivos 
suos,  de  cuius  re  exisse  noscuntur,  momenti 
beneficio  possessor  sine  dilatione  recipiat,  et 
sie  de  eorum  origine  audiatur,  nee  requira- 
tur  in  iudicio,  ut  prius  titulum  litis  petitor 
scribat,  quia  initium  litis  ad  momentariam 
non  pertinet  actionem. 

lustum  esse  decernimus,  ut,  quodcunque 
auctor  usque  in  diem  vitae  suae  tenuerit, 
petentibus  heredibus  debeat  consignari,  illi 
postea,  cui  competit,  actione  servata. 


Rechtsschutz  des  Besitzes  §  7. 


225 


4)  Interdictum  de  precario. 

a)  Precario    zu    besitzen   gilt    nicht  nur  derjenige,    welcher   mittels  Briefs  oder    p.  n  7,9 
in  irgend  einer  andern  Weise  verlangt  hat,  dass  ihm  Etwas  gewährt  werde, 
sondern   auch   derjenige   welcher    ohne  Kundgebung    seines  Willens,  jedoch 

mit  Duldung  des  Eigentümers  besitzt. 

b)  Wird  auf  die  Wünsche  irgend  einer  Person,  die  eine  solche  Bitte  gestellt  p.  5, 7,  s 
hat,  irgend  etwas  einer  beliebigen  Person  zum  Besitz  auf  Zeit  hingegeben 
gewesen  sein,  und  wird  er  auf  die  erste  Mahnung  eben  dieses  nicht  haben 
zurückgeben  wollen,  so  wird  gegen  ihn  das  Interdikt  ^  und  eine  zuständige 
Klage  proponiert,  welche  Actio  eine  civile  ist,  wie  wenn  wegen  Kommodats 
geklagt  wird,  damit  die  in  dieser  Weise  hingegebene  Sache  ohne  irgend- 
welchen Anstand  zurückgegeben  werde:  denn  Niemand  darf  wegen  seines 
Benefizes  irgendwelche  Unbill  erdulden. 

c)  ^Wenn  sein  Erbe  in    demjenigen  Besitze,    den    sein  Erblasser  prekaristisch  p.  5, 7, 10 
inne    gehabt    hatte,    nach    dessen    Tode   verblieben    sein    wird,    ist   er   viel- 
mehr   zu   erachten    als  Jemand,    der   es  heimlich,    das  will  sagen,  im  Ver- 
borgenen bleibt.     Indessen  steht  die  Eigentumsklage  dem  Herrn  gegen  den- 
jenigen, welcher  in  dieser  Art  verblieben  sein  wird,  mit  Recht  zu.^ 

d)  Durch  das  Edictum  perpetuum  wird  vorgeschrieben,  dass,  wenn  die  Testaments-   p.  4, 7, 6 
Urkunde  nicht  zu  Tage  tritt,  wegen  Vorweisung  derselben  innerhalb  Jahresfrist 

mit  dem  Interdikt  geklagt  werden  kann,  wodurch  derjenige,  welcher  sie  unter- 


1)  Interdicti  actio. 


2)  Vgl.  §  6,  1  [?,  a. 


4)  a)  P.  5,  7,  9.  Precario  possidere  vide- 
tur,  non  tantum  qui  per  epistolam  vel  qua 
alia  ratione  hoc  sibi  concedi  postulavit,  sed 
et  is,  qui  nullo  voluntatis  indicio,  patiente 
tarnen  doraino  possidet. 

b)  P.  5,  7,  8.  Redditur  interdicti  actio, 
quae  proponitur  ex  eo,  ut  quis,  quod  pre- 
cario habet,  restituat.  Nam  et  civilis  actio 
huius  rei,  sicut  commodati,  competit:  eo  vel 
maxime,  quod  ex  beneficio  suo  unusquisque 
iniuriam  pati  non  debet. 


c)  P.  5,  7,  10.  Heres  eins,  qui  precariam 
possessionem  tenebat,  si  in  ea  manserit,  ma- 
gis  dicendum  est,  clam  videri  possidere:  nul- 
lae  enim  preces  eins  videntur  adhibitae.  Et 
ideo  persecutio  eins  rei  semper  manebit,  nee 
interdicto  locus  est. 

d)  P.  4,  7,  6.  Edicto  perpetuo  cavetur, 
ut,  si  tabulae  testamenti  non  appareant,  de 
earum  exhibitione  interdicto  reddito  intra 
annutn  agi  possit,  quo  ad  exhibendum  com- 
pellitur,  qui  supprimifc. 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Si  quando  alicuius  precibus  exorati  ali- 
quid cuicunque  possidendum  ad  tempus  prae- 
stitum  fuerit  et  ad  primam  admonitionem 
hoc  ipsum  reddere  noluerit,  datur  adversus 
eum  interdictum  et  actio  iusta  proponitur: 
quae  actio  civilis  est,  veluti  si  de  commodato 
agatur,  ut  res  ita  praestita  sine  aliqua  dif- 
ficultate  reddatur:  quia  pro  beneficio  suo  pati 
quemcunque  iniuriam  non  oportet. 

Si  heres  eins  in  ea  possessione,  quam 
auctor  SU  US  precario  possederat,  post  mortem 
illius  manserit,  magis  aestimandus  est  clam, 
id  est,  occulte  mauere.  Actio  tarnen  pro- 
prietatis  domino  adversus  eum,  qui  ita  manse- 
rit, iure  competit. 


15 


226 


Privatrecbt.     Drittes  Buch. 


c.  9, 16, 1  drückt,  zur  Vorweisung  angehalten  wird:  ^ wenn  Jemand  ein  von  dem  Erb- 

lasser anvertrautes  Testament  In  fraudem  des  Erben  unterdrückt  haben 
wird  und  der  eingesetzte  Erbe  gerichtlich  verlangt,  dass  es  ihm  ausgeliefert 
werde,  kann  er,  nachdem  das  Testament  gerichtlich  mittels  des  Benefizes  des 
Besitzes  restituiert  worden  ist,  nachher  wegen  der  Unterdrückung  des  Testa- 
ments eine  Kriminalklage  anstellen. i 


III.  Die  Servituten. 

A)    Prädialseivituten   §   8. 

1)  Im  allgemeinen. 

G-  2, 1, 3        a)  Die  Iura  praediorum  urbanorum,  bez.  rusticorum,  sind  unkörperlich. 

G.2, 1, 3       b)  Die  Iura  rusticorum,  bez.  urbanorum  praediorum,  werden  Servituten  genannt. 

2)  Iura  praediorum  urbanorum. 

G-2, 1,3  a)  Iura  praediorum  urbanorum  sind  die  Wassertropf-,  die  Fenster-,  die  Ab- 
zugskanalgerechtigkeiten, die  Dienstbarkeiten  des  Höherbauens  oder  Nicht- 
höherbauens  eines  Hauses,  und  mit  Bezug  auf  Licht,  des  Inhalts,  dass  Jemand 
so  baut,  dass  er  dem  Nachbarhause  das  Licht  nicht  entziehe. 

3)  Iura  praediorum  rusticorum. 

G.  2, 1, 3  a)  Iura  praediorum  rusticorum  sind  Via,  bez.  der  Iter,  über  welchen  Vieh  oder 
Tiere  gehen,  bez.  zum  Wasser  geführt  werden  dürfen,  und  die  Wasserleitungs- 
gerechtigkeit, welche  gleichfalls  unkörperlich  sind. 


1)  Wenn  nach  Unterdrückung  eines  Testaments  mit  dem  Interdikt  De  tabulis  exhi- 
bendis  geklagt  gewesen  sein  wird,  wird  nichtsdestoweniger  Ex  lege  Cornelia  testamentaria 
das  Verbrechen  verfolert  werden  können. 


C.  9,  16,  1.  .  .  suppresso  testamento 
quum  ex  interdicto  de  Tabulis  exhibendis 
fuerit  actum,  nihilo  minus  ex  lege  Cornelia 
testamentaria  poterit  crimen  inferri  .  . 


l)a) 
b) 


2)  a) 


3)  a) 


.  .  De  testamento  (etiam),  si  quis  commen- 
datum  a  testatore  testamentum  in  fraudem 
heredis  fortasse  suppresserit,  et  id  heres 
scriptus  iudicio  restitui  petit,  testamento  per 
iudicium  momenti  beneficio  restituto,  potest 
postmodum  de  suppresso  testamento  crimi- 
nalem  proponere  actionem  .  . 

G.  2,  1,  3.  Incorporalia  (etiam)  sunt  iura 
praediorum  urbanorum  vel  rusticorum  .  . 

G  2,  1,  3.  .  .  (Haec)  iura  tarn  rusticorum 
quam  urbanorum  praediorum  Servitutes  ap- 
pellantur. 

G.  2,  1,  3.  .  .  Praediorum  urbanorum  iura 
sunt  stillicidia,  fenestrae,  cloacae,  altius  eri- 
gendae  domus  aut  non  erigendae,  et  lumi- 
num,  ut  ita  quis  fabricet,  ut  vicinae  domui 
lumen  non  tollat  .  . 

G.  2,  1,  3.     .  .  Praediorum    (vero)    rusti- 


Prädialservituten  §  8. 


227 


b)  Es  ist  ganz  sicher,  dass  die  Via,  deren  wir  uns  zu  bedienen  pflegen,  indem  p.  1,17,  i 
wir  zu  unserer  Sache   schreiten,  bez.  der  Iter,  auf  welchem  wir  durch  die 
fremde  Sache  zu  der  unserigen  schreiten,  und  der  Actus,  das  ist,  wohin  wir 

das  Vieh   zu   treiben    gewohnt    sind,    bez.   eine  Wasserleitungsgerechtigkeit, 
durch  zweijährigen  Nichtgebrauch,  wenn  sie  Jemand  nicht  gebraucht  gehabt 
haben  wird,  ihm  verloren  geht.^   Die  Wasserschöpfgerechtigkeit  geht,  wenn  sie  p.  1, 17, 2 
während    eines  Zeitraumes    von  zwei  Jahren   ausgesetzt  gewesen  sein  wird, 
durch  Nichtgebrauch  verloren. 

Die  Wasserleitungsgerechtigkeit  geht,  wenn  sie  während  eines  Zeit-    p.  1,17,2 
raumes  von  zwei  Jahren  ausgesetzt  gewesen  sein  wird,  durch  Nichtge- 
brauch verloren. 

c)  Wird  die  Wasserschöpf-  oder  Wasserleitungsgerechtigkeit  von  neuem  während  P.  1,  iv,  2 
eines  Zeitraums   von   zwei  Jahren  in  den  Gebrauch  zurückgeführt  gewesen 

sein,  so  wird  sie  wiedergewonnen. 

d)  Wir   verordnen,    dass    eine    seit    unvordenklicher  Zeit   bestehende  Wasser-   c.  15, 2,1 
leitung    den    einzelnen   Bürgern    verbleibe    und    nicht    durch    irgendwelche 
Neuerung    gestört    werde,    derart   indessen,    dass    die  Einzelnen   das  Mass, 
welches  sie  nach   alter  Licenz  geniessen,  in  der  bis  auf  den  gegenwärtigen 


1)  Via  Iter  Actus  Aquaeductus,  die  während  eines  Zeitraumes  von  zwei  Jahren  nicht 
gebraucht  sind,  werden  verloren  zu  sein  erachtet;  dasjenige,  was  durch  Nichtgebrauch  verloren 
geht,  kann  nicht  ersessen  werden. 


b)  P.  1,  17,  1.  Viam,  iter,  actum,  aquae- 
ductum,  qui  biennio  usus  non  est,  amisisse 
videtur:  nee  enim  ea  usucapi  possunt,  quae 
non  utendo  amittuntur. 


P.  1,  17,  2.  Servitus  hauriendae  aquae 
.  .  biennio  omissa  intercidit  .  . 

P.  1,  17,  2.  Servitus  (hauriendae)  aquae 
(vel)   ducendae    biennio   omissa  intercidit  .  . 

c)  P.  1,  17,  2.  Servitus  hauriendae  aquae 
vel  ducendae  .  .  biennio  usurpata  recipitur. 

d)  C.  15,  2,  1.  Usum  aquae  veterem 
longoque  dominio  constitutum  singulis  civi- 
bus  manere  censemus,  nee  ulla  novatione 
turbari;  ita  tarnen,  ut  quantitatem  singuli, 
quam  vetere  licentia  percipiunt,  more  usque 
in  praesentem  diem  perdurante  percipiant. 
Mansura  poena  in  eos,  qui  ad  irrigationes 
agrorum  vel  hortorum  delicias  furtivis  aqua- 
rum  meatibus  abutuntur. 


corum  iura  sunt  via,  vel  iter,  per  quod  pecus 
aut  animalia  debeant  ambulare  vel  ad  aquam 
duci,  et  aquaeductus;  quae  sirailiter  incor- 
poralia  sunt  .  . 

Viam,  qua  eundo  ad  rem  nostram  uti  so- 
lemus,  vel  iter,  quo  per  rem  alienam  ad 
nostram  pergimus,  et  actum,  id  est,  qua  pe- 
cora  minare  consueviraus,  vel  aquaeductum, 
biennio  non  utendo,  si  quis  usus  non  fuerit, 
perire  ei  certissimum  est. 

Usus  hauriendae  .  .  aquae,  si  biennio 
destiterit,  non  utendo  perit  .  . 

Usus  .  .  ducendae  aquae,  si  biennio  desti- 
terit, non  utendo  perit  .  . 

Usus  hauriendae  vel  ducendae  aquae,  .  . 
si  iterum  biennio  in  usum  fuerit  reducta, 
recipitur. 


15^ 


228 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Tag  fortdauernden  Weise  geniessen  sollen ^  während  Strafe  bleiben  soll  für 
diejenigen,  die  zur  Bewässerung  der  Acker,  bez.  zum  Schmuck  der  Gärten, 
hinterrücks  verstohlener  Wasserwege  sich  bedienen, 
p.  5, 7, 7  e)  Wenn  unter  Nachbarn  aus  einem  gemeinsamen  Bache  Wasser  geleitet  wird, 
muss  zunächst  mit  dem  Interdikt  geklagt  werden  wegen  der  Male,  dass 
die  Einzelnen  das  Wasser  abzuleiten  pflegten:  dagegen  ist  dem  Ableitenden 
Vis  anzuthun  verboten. 


P.  3,  9, 
C.  8,  5, 


B)  Niessbraucli  und  Usus  §  9. 

1)  Niessbrauch. 
1  a)  Entstehung  (vgl.  Viertes  Buch,  §  5;  Zweites  Buch,  §  15,  3). 
^       a)  Niessbrauch  kann  an  einer  jeglichen  Sache  vermacht  werden. 

b)  Ein  Jeder,  der  von  den  eigenen  Sachen  unter  Vorbehalt  eines  Niessbrauchs 
einer  beliebigen  Person  irgend  etwas  durch  eine  Schenkung  irgendwelcher 
Art  übertragen,  oder  zur  Dos  gegeben  haben  wird  und  sich  den  Messbrauch 
vorbehält,  wird  erachtet,  als  habe  er  die  Sache  übergeben,  weil  der  Vor- 
behalt eines  Niessbrauchs,  auch  wenn  die  Stipulation  nicht  eingefügt  ge- 
wesen sein  wird,  als  Tradition  gilt.^ 

c.  8, 5, 1  An  die  Schenkung  soll  sich  die  körperliche  Übergabe  anschliessen, 


1)  Vgl.   S.  200  Anm.  7. 


e)  P.  5,  7,  7.  Si  inter  vicinos  ex  com- 
muni  rivo  aqua  ducatur,  interdici  prius  debet 
ex  his  vicibus,  quibus  a  singulis  duci  con- 
suevit:  ducenti  autem  vis  fieri  prohibetur  .  . 

1  a)  a)  P.  3,  9,   1.    Ususfructus  uniuscuius- 
que  rei  legari  potest. 

b)  C.  8,  5,  2.  Legis  a  nobis  paullo  ante 
latae  cetera  quidem  cautio  necessaria  nobis 
admodum  visa  est,  sublata  vero  in  donationi- 
bus  species  traditionis,  quam  olim  retentio 
ususfructus  induxerat,  non  sine  magna  ratione 
desiderata  est,  cum  observationem  iuris  con- 
trahere  potius  quam  propagare  debeamus. 
Ideoque  ius  pristinum  renovamus,  ut,  quis- 
quis  rem  aliquam  donando  vel  in  dotem 
dando  usumfructum  eins  retinuerit,  etiarasi 
stipulatus  non  fuerit,  eam  continuo  tradidisse 
credatur,  nee  quid  amplius  requiratur,  quo 
magis  videatur  facta  traditio,  sed  omni  modo 
idem  sit  in  his  causis  usumfructum  retinere, 
quod  tradere. 


Quicunque  de  rebus  propriis  servato  usu- 
fructu  cuilibet  aUquid  quacunque  donatione 
contulerit  vel  in  dotem  dederit,  et  sibi  usum- 
fructum reservet,  rem  tradidisse  cognoscitur ; 
quia  reservatio  ususfructus,  etiamsi  stipula- 
tio  inserta  non  fuerit,  pro  traditione  habetur. 


C.  8,  5,  1.  .  .  hanc  ipsam  donationem  .  . 
corporalis  traditio  subsequatur,  .  .  si  tamen 
sibi  de  his  rebus  usumfructum  donator  non 
reservaverit  .  . 


Niessbrauch   und  Usus  §  9, 


229 


vorausgesetzt  indessen,  dass  sich  der  Schenker  von  diesen  Sachen  nicht 
einen  Niessbrauch  vorbehalten  haben  wird. 

ß)  Gegenstand. 

a)  Niessbrauch  kann  an  einer  jeghchen  Sache  vermacht  werden.  p.  s,  9, 1 

Y)  Rechte  des  Niessbrauchers. 

a)  Ist   Fruchtgenuss    vermacht    worden    und    wird    Usus    nicht  beigeschrieben,    p.  3, 9, 8 
so  war  man   der  Ansicht,  dass  Niessbrauch  als  bei  geschrieben  gelte,  da  es 
Fruchtgenuss  ohne  Gebrauchsrecht  nicht  geben  kann. 

aa)  Wird   zweien  Personen    derart    vermacht,    dass  dem  Einen  der  Usus,   ^-  ^<  ^'  ^ 
dem  Andern  der  Fruchtgenuss  als  hinterlassen  vermacht  wird,  so  wird 
der  Fruchtgeniesser    mit    dem  Fruchtgenuss    den    Usus    in    Anspruch 
nehmen,   was    demjenigen,    welcher   den  Usus  empfangen  haben  wird, 
mit  Bezug  auf  die  Früchte  nicht  zustehen  wird. 

b)  Ist  der  Niessbrauch  an  einer  Herde  vermacht,  so  gebühren,  bei  unversehrtem  p  3,  9, 4 
Bestand  der  Herde,  die  Jungen  dem  Niessbraucher. 

c)  Der  Ertrag  der  Jagd  und  des  Vogelfangs  gebührt  dem  Niessbraucher.  p  3, 9, 6 

d)  Erwirbt  ein  Niessbrauchssklave    etwas  Ex  re   des  Niessbrauchers  oder  aus  P-  5, 8, 3 
seinen  Arbeiten,  so  kommt  es  dem  Niessbraucher  zu;    alles  dasjenige  aber, 

was  er  von  anderswoher  oder  Ex  re  des  Eigentümers  erwirbt,  erwirbt  er  dem 
Herren  des  Eigentums, 
aa)  Diejenigen  Sklaven,  welche  sich  in  unserem  Niessbrauch  und  in  dem   g.  2, 1, 7 
Eigentum  eines  Andern  befinden,  können  dem  Niessbraucher  nur  das- 


ß)  a)  P.  3,  9,  1.  Ususfructus  uniuscuius- 
que  rei  legari  potest  .  . 

Y)  a)  P.  3,  9,  8.  Fructu  legato,  si  usus  non 
adscribatur,  magis  placuit,  usumfructum  vi- 
deri  adscriptum:  fructus  enim  sine  usu  esse 
non  potest. 

aa)  P.  3,  9,  9.  Si  alteri  usus,  alteri  fruc- 
tus legatus  sit,  fructuarius  in  usum  concurrit: 
quod  in  fructu  usuarius  facere  non  potest. 

b)  P.  3,  9,  4.  Gregis  usufructu  legato, 
grege  integro  manente,  foetus  ad  usufructu- 
arium  pertinent. 

c)  P.  3,  9,  6.  .  .  venationis  (vero)  et 
aucupii  reditus  ad  fructuarium  pertinet. 

d)  P.  5,  8,  3.  Fructuarius  servus  si  quid 
ex  re  fructuarii  aut  ex  operis  suis  acquirit, 
ad  fructuarium  pertinet:  quidquid  autem 
aliunde  vel  ex  re  proprietarii  acquirit,  do- 
mino  proprietatis  acquirit. 

aa) 


Si  duobus  ita  lege'tur,  ut  alteri  usus,  al- 
teri fructus  legetur  relictus,  fructuarius  cum 
fructu  usum  praesumet;  quod  ei,  qui  usum 
acceperit,  de  fructibus  non  licebit. 


G.  2,  1,  7.  .  .  Hi  (vero)  servi,  qui  in  usu- 
fructu nostro  et  in  proprietate  alterius  sunt, 
hoc  tantum  usufructuario  acquirere  possunt, 
quod  opere  aut  manibus  suis  fecerint  aut  de 
mercedibus  operis  sui  receperint.    Nam  si  eis 


230 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


jenige  erwerben,  was  sie  durch  ihr  Werk  oder  mit  ihren  Händen  ge- 
than  oder  aus  Lohnen  für  ihr  Werk  empfangen  haben  werden.  Denn 
wenn  ihnen  entweder  eine  Erbschaft  oder  ein  Legat  hinterlassen  oder 
irgend  eine  Schenkung  übertragen  wird^  wird  es  dem  Herrn,  welcher 
Eigentümer  ist,  nicht  dem  Niessbraucher  erworben. 

5)  Beschränkungen  des  Niessbrauchers. 

P-  3,  d,  3       a)  Ist    der  Niessbrauch    an    einer  Sklavin   vermacht   w^orden,    so  kommen  ihre 

Kinder  dem  Niessbraucher  nicht  zu. 
p.  3,  9,  6       b)  Die  Accession  von  Anspülungen   gehört  nicht  zum  Niessbrauchgrundstück, 

weil  sie  nicht  Frucht  des  Grundstücks  ist. 
p.  3, 9, 5        c)  Ist  der  Niessbrauch   an   einem  Bauplatz   vermacht  Avorden,   so  können  auf 

ihm  Gebäude  nicht  errichtet  werden, 
p.  3, 9, 7       d)  Der  Niessbraucher  kann  die  Sklaven  weder  foltern,  noch  mit  Geissein  schlagen, 

noch  durch  sein  Verhalten  in  diejenige  Lage  versetzen,  wodurch  sie  schlechter 

werden, 
p.  3, 9, 4        e)  Ist   der  Niessbrauch    an   einer  Herde  vermacht  worden,    so  soll  Alles,  was 

der  Herde  abhanden  gekommen  sein  wird,  aus  den  Jungen  ergänzt  werden, 
p.  1,11,3       f)  Dem  Niessbraucher  wird  geheissen,  dem  Herrn  des  Eigentums  einen  Bürgen 

dafür  zu  geben,  dass  er  seinen  Niessbrauch  nicht  anders  gebrauchen  werde, 

als    ihn    der  Herr   des  Eigentums   selbst    unter   Aufwendung    von    Sorgfalt 

gebrauchen  konnte. 

p.  3, 9, 11  Ist   ein  Niessbrauch    vermacht  w^orden,    so  pflegt  über    das    Mass 

der  Benutzung    seitens    des    Niessbrauchers   eine  Kaution  gewährt  zu 
werden :  demgemäss  wird  er  gezwungen  werden,  durch  Darbietung  von 


o)  a)  P.  3,  9,  3.    Ancillae  usufructu  legato, 
partus  eius  ad  fructuarium  non  pertinent. 

b)  P.  3,  9,  6,  Accessio  alluvionum  ad 
fructuarium  fundum,  quia  fructus  fundi  non 
est,  non  pertinet  .  . 

c)  P.  3,  9,  5.  Areae  usufructu  legato, 
acdificia  in  ea  constitui  non  possunt. 

d)  P.  3,  9,  7.  Servos  nee  torquere,  ne- 
que  flagellis  caedere,  neque  in  eum  casum 
facto  suo  perducere  usufructuarius  potest, 
quo  deteriores  fiunt. 

e)  P.  3,  9,  4,  Gregis  usufructu  legato  .  . 
quidquid  gregi  deperierit,  ex  foetibus  imple- 
atur. 

f)  P.  1,  11,  3.  Usufructuarius  et  de  utendo 
usufructu  satisdare  debet,  se  perinde  usurum 
ac  si  ipse  paterfamilias  uteretur. 

P.  3,  9,  11.     Usufructu   legato    de    modo 


aut  hereditas  aut  legatum  dimittatur  aut 
donationis  aliquid  conferatur,  hoc  proprie- 
tario  domino,  non  usufructuario  acquiritur. 


Usufructuarius  proprietatis  domino  satis- 
datorem  dare  compellitur,  se  usufructu  suo 
non  aliter  usurum,  quam  ipse  proprietatis 
dominus  uti  potuit  diligenter. 


Niessbrauch  und  Usus  §  9. 


231 


P.  3,  9,  12 
P.  3,  9,  17 


Bürgen  Kaution  zu  leisten,  class  er  Alles  in  der  Art  benutzen  werde, 
wie  es  der  trefflichste  Hausvater  benutzen  würde. 

e)  Untergang  des  Niessbrauchs. 

a)  Ein  Niessbrauch,  der  verloren  worden  ist,  kehrt  zu  dem  Eigentum  zurück. 

b)  Der  Niessbrauch  wird  beendet  entweder  durch  den  Tod  oder  durch  Zeit- 
verlauf: durch  den  Tod,  wenn  der  Niessbraucher  stirbt,  durch  Zeitverlauf, 
so  oft  ein  Niessbrauch  für  eine  bostiinnite  Zeit  vermacht  wird,  wie  für 
einen  Zeitraum  von  zwei  oder  drei  Jahren. 

c)  Ein  Niessbrauch  geht  durch  Capitis  minutio   unter.    Durch  Capitis  minutio     '  J'  l'  ]l 
geht    er    unter,    wenn    der    Niessbraucher    auf   eine    Insel    deportiert    wird, 

oder  wenn  er  aus  Anlass  der  Bergwerksstrafe  Servus  poenae  wird,  oder 
wenn  er  den  Status  infolge  Arrogation,  bez.  Adoption,  verändert  haben 
wird. 

d)  Der  Niessbrauch   geht  durch  Veränderung  der  Sache  unter.     Durch  Yer-   p'  ^'  ^'  J^ 
änderung  der  Sache  geht  der  Niessbrauch  unter,  wenn  das  vermachte  Haus 

durch  Brand  in  Flammen  aufgegangen  oder  durch  Einsturz  untergegangen 
sein  wird,  mag  es  auch  hernach  wiederhergestellt  werden. 

e)  Der  Niessbrauch  geht  unter  durch  Nichtgebrauch.  Durch  Nichtgebrauch 
geht  der  Niessbrauch  unter,  wenn  sich  der  Niessbraucher  des  Besitzes  des 


P.  3,  9,  12 
P.  3,  9,  14 


utendi  cautio  a  fructuario  solet  interponi: 
et  ideo  perinde  omnia  se  usurum,  ac  si  opti- 
mus  paterfamilias  uteretur,  fideiussoribus  ob- 
latis  cavere  cogetur. 

s)  a)  P.  3,  9,  12.     Ususfructus  amissus   ad 
proprietatera  recurrit  .  . 

b)  P.  3,  9,  17.  Finitur  ususfructus  aut 
morte  aut  tempore :  morte,  quum  usufructu- 
arius  moritur:  tempore,  quoties  ad  certum 
tempus  ususfructus  legatur,  velut  biennio  aut 
triennio. 

c)  P.  3,  9,  12.  Ususfructus  .  .  Amittitur  .  , 
capitis  minutione  .  . 

P.  3,  9,  13.  Capitis  minutione  amittitur, 
si  in  insulam  fructuarius  deportetur  vel  si 
ex  causa  metalli  servus  poenae  efficiatur,  aut 
si  statum  ex  arrogatione  vel  adoptione  muta- 
verit. 

d)  P.  3,  9,  12.  Ususfructus  .  .  Amittitur  .  . 
rei  mutatione  .  . 

P.  3,  9,  15.  Rei  mutatione  amittitur  usus- 
fructus, si  domus  legata  incendio  conflagra- 
verit  aut  ruina  perierit,  licet  postea  resti- 
tuatur. 

e)  P.  3,  9,  12.  Ususfructus  .  .  Amittitur  .  . 
non  utendo  .  . 

P.  3,  9,  14.  Non  utendo  amittitur  usus- 
fructus, si  possessione  fundi  biennio  fructu- 
arius non  utatur,  vel  rei  mobilis  anno. 


232 


PrivatrecM.     Drittes  Buch. 


P.  3,  9,  12 
P.  3,  9,  16 


Grundstücks  während  eines  Zeitraumes  von  zwei  Jahren,  bez.  einer  beweg- 
hchen  Sache  während  eines  Jahres,  nicht  bedient, 
f)  Der  Niessbrauch   geht   unter    durch  In   iure    cessio.     Durch  In  iure  cessio 
geht  der  Niessbrauch  unter,   so  oft  der  Niessbraucher  ihn  dem  Herrn  des 
Eigentums  Li  iure  cediert  haben  wird, 
p.  3,  9, 12        g)  Der  Niessbrauch  geht  durch  Erwerb  des  Eigentums  unter. 

2)  Usus. 

p.  3, 9,  9  a)  Wird  zweien  Personen  derart  vermacht,  dass  dem  Einen  der  Usus,  dem  An- 
dern Eruchtgenuss  als  hinterlassen  vermacht  wird,  so  wird  der  Fruchtgeniesser 
mit  dem  Eruchtgenuss  den  Usus  in  Anspruch  nehmen,  was  demjenigen, 
welcher  den  Usus  empfangen  haben  wird,  mit  Bezug  auf  die  Erüchte  nicht 
zustehen  wird. 


IV.    Emphyteusis  und  Superficies  §  lo. 

1)  Emphyteusis. 

c.  3, 19, 3  a)  Wird  es  sich  zugetragen  haben,  dass  Minderjährige  enien  Besitz  emphyteu- 
sischen Rechtes,  ^das  ist  dasjenige,  was  ihre  Vorfahren  aus  dem  Vermögen 
des  Fiskus  zu  haben  erzielt  hatten,^  gegen  irgendwelche  Prästation  innege- 
habt haben  werden,  und  wird  dies  durch  Nachlässigkeit  oder  Untreue  ^des 
Tutors^  entweder  geschmälert  oder  aufgehoben  gewesen  sein,^  so  ist  Alles, 


1)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

2)  T  spricht  von  Tutor  und  Kurator. 

3)  T  fügt  hinzu  Vitio  intercedente  commissi. 


f)  P.  3,  9,  12.  Ususfructus  .  .  Amittitur  .  . 
in  iure  cessione  .  . 

P.  3,  9,  16.  In  iure  cessione  amittitur 
ususfructus,  quoties  domino  proprietatis  eum 
fructuarius  in  iure  cesserit. 

g)  P.  3,  9,  12.  Ususfructus  .  .  Amittitur  .  . 
dominii  comparatione. 

2)  a)  P.  3,  9,  9.  Si  alteri  usus,  alteri  fruc- 
tus  legatus  sit,  fructuarius  in  usum  concurrit: 
qaod  in  fructu  usuarius  facere  non  potest. 

1)  a)  C.  3,  19,  3.  Quoniam  per  negligen- 
tiam  seu  proditionem  tutorum  et  curatorum 
possessiones  iuris  emphyteutici,  vitio  inter- 
cedente commissi,  e  minorum  fortunis  avel- 
luntur,  placet,  ut  tutor  curatorve,  cuius  of- 
ficio manente  possessio  minoris  iuris  emphy- 
teutici praerogativam,  commissi  offensa,  per- 
diderit,  tantum  de  facultatibus  propriis, 
censura  imminente,  minoribus  restituat,  quanto 
rem  valere  potuisse  constabit. 


Si  duobus  ita  legetur,  ut  alteri  usus,  al- 
teri fructus  legetur  relictus,  fructuarius  cum 
fructu  usum  praesumet;  quod  ei,  qui  usum 
acceperit,  de  fructibus  non  licebit. 

Si  forte  cesserit,  ut  minores  possessionem 
iuris  emphyteutici,  hoc  est,  quod  ex  fisci 
bonis  parentes  eorum  habere  meruerant,  sub 
qualibet  praestatione  tonuerint,  et  hoc  per 
negligentiam  sive  proditionem  tutoris  aut 
imminutum  fuerit  aut  certe  sublatum,  quic- 
quid  perierit,  a  tutore  vel  curatore  esse  red- 
dendum. 


Emphyteusis  und  Superficies  §  10. 


!33 


was  verloren  gegangen  sein  wird,  von  dem  Tutor  oder  Kurator  zurück- 
zugeben. 

b)  Bei    der    Teilung  von    Patrimonien,    es    sei  fiskalisclier  Häuser,   es  sei  von   c.  2, 25, 1 
privaten,   muss  besonders  beachtet  werden,  dass,  weil  es  unbillig  ist,  wenn 

die  Kinder  von  den  Eltern  oder  die  Frauen  von  den  Gatten,  sobald  an  einen 
Jeden  der  Besitz  gelangt  sein  wird,  getrennt  werden,  die  Sklaven,  welche 
mit  einander  verbunden  gewesen  sein  werden,  das  will  sagen,  die  Frau  mit 
den  Kindern  und  ihrem  Gatten,  unter  Gewährung  von  Ersatzpersonen, 
Einem  zugehören  müssen,  der  seinerseits  zu  tauschen  nötig  gehabt  haben 
wird:  die  Fürsorge  der  Ordinantes  muss  besonders  im  Auge  behalten,  dass 
eine  Trennung  durchaus  nicht  stattfinden  könne.^ 

c)  Allen  Kurialen  soll  die  Befugnis  versagt  werden,  Acker  und  Wälder  einer  c.  10, 2, 1 
Bespublica  zu   pachten,    indem  dieses  im  Besonderen  zu  beachten  ist,  dass 

kein  Kuriale,  sei  es  auch  von  fremden  Gemeinden,  Acker  und  die  ge- 
nannten Ortlichkeiten  in  irgendwelche  Pacht  ül)ernehmen  solle,  damit 
er  nicht  aus  diesem  Anlass  die  der  Kurie  geschuldeten  Dienste  nicht 
ausrichte. 

d)  ^Mit  Bezug  auf  Originarii,   Kolonen,    Inquilinen    beiderlei  Geschlechts,    die  ^Jl^g^' 
Pekulien    und  Nachkommenschaften,    die    zu    einem   Ins   perpetuum,  Patri- 


1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  4,  Id. 


b)  C.  2,  25,  1.  In  Sardinia  fundis  patrimo- 
nialibus  vel  emphyteuticariis  per  diversos 
nunc  dominos  distributis,  oportuit  sie  possessi- 
onum  fieri  divisiones,  ut  integra  apud  pos- 
sessorum  unumqueraque  servorum  agnaiio 
permaneret.  Quis  enim  ferat,  liberos  a  pa- 
rentibus,  a  fratribus  sorores,  a  viris  con- 
iuges  segregari?  Igitur  qui  dissociata  in  ius 
diversum  mancipia  traxerunt,  in  unum  redi- 
gere eadem  cogantur:  ac  si  cui  propter  re- 
dintegrationem  necossitudinum  servi  cesse- 
runt,  vicaria  per  eum,  qui  eosdem  susceperit, 
mancipia  reddantur.  Et  invigilandura ,  ne 
per  provinciam  aUqua  posthac  querela  super 
divisis  mancipiorum  effectibus  perseveret. 

c)  C.  10,  2,  1.  Curialibus  oamibus  con- 
ducendorum  rei  publicae  praediorum  ac  sal- 
tuum  inhibeatur  facultas:  illo  etiam  obser- 
vando,  ne  quis  curialium  vel  de  extraneis 
civitatibus  fundos  aut  loca  huius  modi  con- 
ductione  suscipiat. 

d)  N.  V.  8,  1,  4 — 6.  De  originariis  et  colo- 
nis,  inquilinis  .  .  utriusque  sexus,  peculiis 
atque  agnationibus  (designati)  iuris  (,id  est) 
perpetui,  patrimonialis,  emphyteuticarii  et 
rei  publicae,  post  triginta  annorum  curricula 
nuUa  deinceps  actio  moveatur.     Et  negotium, 


In  divisione  patrimoniorum  seu  fiscalium 
domorum  sive  privatorum  observari  specialiter 
debet,  ut,  quia  iniustum  est,  filios  a  parentibus 
vel  uxores  a  maritis,  quuin  ad  quemcunque 
possessio  pervenerit,  sequestrari,  mancipia, 
quiie  permixta  fuerint,  id  est  uxor  cum  filiis 
et  marito  suo,  datis  vicariis,  ad  unum  debeant 
pertinere,  cui  necesse  fuerit  commutare,  quod 
sollicitudo  ordinantium  debet  specialiter  custo- 
dire,  ut  separatio  fieri  omnino  non  possit. 


Omnibus  curialibus  conducendorum  rei 
publicae  agrorum  ac  saltuum  licentia  dene- 
getur:  illo  specialiter  observando,  ut  nullus 
curialis  vel  de  extraneis  civitatibus  agros  ac 
loca  supra  scripta  sub  qualibet  conductione 
suscipiat,  ne  sub  hac  occasione  servitia  curiae 
debita  non  impendat. 


234 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


moniale  Emphyteuticarium  und  Rei  publicae  gehören,  soll  nach  dem  Ver- 
lauf Yon  dreissig  Jahren  künftig  keine  Actio  angestellt  werden.  Eine  Sache, 
mit  Bezug  worauf  Niemand  innerhalb  der  bezeichneten  Fristen  solenn  die 
Klage  angestrengt  hat,  soll  Niemand  von  Neuem  proponieren.  Dieses  muss 
auch  mit  Bezug  auf  die  Beendigung  aller  Sachen  in  Acht  genommen 
Averden:  denn  es  ist  billig,  dass  so  viele  ohne  Interpellation  verflossene 
Jahre  unter  kemem  Vorgeben  und  aus  keinem  Anlass  ihren  Einfluss 
verlieren.  Wird  innerhalb  dieser  Fristen  ein  Prozess  wegen  Originarii, 
bez.  des  Nachwuchses  des  genannten  Bodens,  begonnen  gehabt  haben,  so 
befehlen  wir,  dass  die  Ordnung,  welche  durch  das  Gesetz  über  Kolonen 
Iuris  privati  beiderlei  Geschlechts  in  unzweideutiger  Verfügung  niederge- 
schrieben Avorden  ist,  gegen  die  Besitzer  in  Acht  genommen  werde,  dass 
nämlich  mit  Bezug  auf  eine  Person  weiblichen  Geschlechts  der  Einwand 
der  Verjährung  von  zwanzig  Jahren,  männlichen  Geschlechts  von  dreissig 
Jahren  denjenigen,  welcher  einen  Bückforderun gsanspruch  erhebt,  ausschliessen 
soll.  Man  war  der  Ansicht,  dass  dieselbe  auch  hinsichtlich  dessen  in  Be- 
tracht komme,  was  mit  Bezug  auf  den  Nachwuchs  solcher  Personen  verfügt 
worden  ist.^ 

2)  Superficies. 

c.  15, 1,1  a)  Wird  Jemand,  ^der  in  einer  Gemeinde  ansässig  ist,  an  öffentlichen  Orten^ 
sich  Häuser  errichtet  haben,  so  soll  er  sie  ohne  irgendwelche  Störung  im 
Besitz  haben. 


1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  9,  2  c. 

2)  Super  ergasteria  publica,  quae  ad  ius  pertinent  civitatis. 


de  quo  per  expressa  tempora  solenniter  nemo 
pulsavit,  novum  nemo  proponat.  Quod  et 
in  omnium  consummatione  causarum  (iussum 
est)  debere  servari.  Aequum  est  enim,  tot 
annos  sine  interpellatione  decursos,  nullo 
nomine,  nulla  prorsus  occasione  subverti  .  . 
Intra  haec  (sane)  tempora  si  coepta  lis  fuerit 
de  originariis  vel  agnatione  cespitis  designati, 
hanc  formam  erga  possidentes  servari  praeci- 
pimus,  quae  lege  ,  .  de  colonis  utriusque  sexus 
iuris  privati  evidenti  definitione  descripta  est: 
scilicet  ut  a  persona  feminea  viginti  annorum, 
a  virili  triginta  repetentem  praescriptio  ob- 
iecta  summoveat.  Quam  et  in  illa  parte 
observari  convenit,  quae  statuta  est  de  agna- 
tione talium  personarum. 

2)  a)  C.  15,  1,  1.  Comperimus,  super  erga- 
steria publica,  quae  ad  ius  pertinent  civitatis, 
plerosque  sibi  domus  exstruxisse.  Praecipi- 
mus  ergo,  eos  inconcusso  iure,  quae  aedifica- 
verunt,  possidere. 


Si  quis  in  civitate  consistens  in  locis 
publicis  sibi  domos  forte  construxerit,  eas 
sine  inquietudine  aliqua  possideat. 


Pfandrecht  §  11. 


235 


V.    Pfandrecht  §  ii. 

1)  Pfaiiclobjekt. 

a)  Die  Kinder  können  von  den  Vätern  nicht  zu  Faustpfand  oder  Fiducia  hin-   p.  5,  i,  i 
gegeben  werden.     Aus  diesem  Thatbestand   wird  der  wissentUch  handehide 
Gläubiger  deportiert. 

b)  Wenn  ein  Schuldner  seinem  Gläubiger  eine  Sicherheit  der  Art  gegeben  haben   p.  5, 7,  u 
wird,  dass  er  ihm  Alles,  was  er  in  seinem  Vermögen  hat,  bez.  einmal  haben 

wird,  vei^fändet  zu  haben  erachtet  wird,  können  bei  einer  solchen  Sachlage 
weder  die  Konkubine,  noch  das  natürliche  Kind,  noch  der  Zögling,  noch 
dasjenige,  w^as  er  in  täglichem  Gebrauch  hat,  als  verpfändet  gelten:  der 
Gläubiger  kann  dann  auch  nicht,  wenn  er  es  verlangt,  den  Besitz  an  den 
genannten  Sachen  erhalten. 

2)  Entstehung  des  Pfandrechts, 
a)  Pignus  voluntarium. 

a)  Niemand  wird  den  Besitz  verhaften,    ausser  derjenige,    welcher  Eigentümer  c.  2, 30, 2 
zu    sein    erachtet    wird:    denn    weder    durch    einen    Sklaven    noch    durch 
einen  Prokurator,   bez.  Kolonen,   oder  Aktor  oder  Pächter,   wird,   wenn  die 
Sache  verpfändet  gewesen   sein   wird,   ein  Nachteil    dem  Eigentümer   zuge- 
fügt werden  können. 

ß)  Richterliches  Pfandrecht. 

a)  Wenn  Jemand  Pfänder  des  Schuldners  ohne  die  Autorität  des  Richters  weg-   P-  2, 14, 5 
geführt  haben  wird,  begeht  er  das  Crimen  violentiae. 


1)  a)  P.  5,  1,  1.  (Qui  ,  .  filios  suos  ven- 
diderint  .  .)  lidem  nee  pignori  ab  liis  aut 
fiducia e  dari  possunt.  Ex  quo  facto  sciens 
creditor  deportatur  .  . 

b)  P.  5,  7,  14.  Omnibus  bonis,  quae  habet 
quaeque  habiturus  est,  oblis^atis,  nee  concu- 
bina,  nee  filius  naturalis,  nee  alumnus,  nee 
ea,  quae  in  usu  quotidiano  habet,  obligantur: 
ideoque  de  bis  nee  interdictum  redditur. 


2  a)  a)  C.  2,  SO,  2.  Nexum  non  faciat  prae- 
diorum  nisi  persona,  quae  iure  potuit  obli- 
gari.  Per  servum  autem  vel  procuratoiem, 
colonum  vel  actorem  seu  conductorem  prae- 
iudicium  possessioni  invito  vel  inscio  domino 
imponi  non  posse,  et  iuris  et  legum  auctori- 
tatibus  decantatur. 

ß)  a)  P.  2,  14,  5.  Si  quis  pignora  debi- 
toris  citra  auctoritatem  iudicantis  abduxerit, 
violentiae  crimen  admittit. 


Si  quis  debitor  creditori  suo  talem  feccrit 
cautionem,  ut  omnia  ei,  quae  in  bonis  suis 
habet,  vel  quae  habiturus  est,  oppignorasse 
videatur,  in  tali  conditione  nee  concubiua, 
nee  filius  naturalis,  nee  alumnus,  nee  ea,  quae 
in  usu  quotidiano  habet,  obligata  videri  pos- 
sunt. Nee  momontum,  si  creditor  petat,  de 
his  rebus,  quas  supra  diximus,  accipere  potest. 

Non  obliget  possessionem  nisi  ille,  qui 
proprius  dominus  esse  dignoscitur:  nam  neque 
per  servum,  neque  per  procuratorem  sive  co- 
lonum aut  actorem  aut  conductorem,  si  res 
fuerit  obligata,  praeiudicium  domino  poterit 
exhiberi. 


236 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


P.  5,  28,  4 


C.  3,  19,  1 


N.S.1,1,1 


N.  Th. 
5,  l,2u.  3 


aa)  Wird  ein  cliirograpliarischer  Gläubiger  ohne  Weisung  des  Praeses 
mittels  Gewalt  Pfänder  seines  Schuldners,  die  er  nicht  auf  Grund 
von  Verpfändung  gehabt  haben  wird,  genommen  haben,  so  veriällt  er 
der  Lex  Julia  De  vi  privata. 

y)  Gesetzliches  Pfandrecht. 

a)  Wird  irgend  ein  Tutor  oder  Kurator  infolge  von  Nachlässigkeit  in  seiner 
Verwaltung  als  Schuldner  der  Minderjährigen  erwiesen,  so  möge  er  wissen, 
dass  sein  Vermögen  derart  verhaftet  ist,  dass,  wenn  er  nach  Rechnungslegung 
seinen  Verpflichtungen  nicht  nachgekommen  sein  wird,  seine  Güter  den 
Minderjährigen  als  Pfand  haften. 

b)  Die  Mütter  brauchen  wegen  der  Bewahrung  der  Sponsalitia  donatio  Bürgen 
nicht  zu  geben,  weil  ein  solcher  Anspruch  unbillig  ist  und  den  Kindern 
genügt,  dass,  wenn  auch  ihre  Mütter  zum  zweiten  Male  geheiratet  haben 
werden,  das  Vermögen  ihrer  Ehemänner  als  Pfand  haftet.^ 

c)  Wird  die  Mutter  die  Tutel  über  die  Kinder  zur  Führung  in  legitimer  Weise 
übernommen  und  sich  durch  Leistung  eines  Eides  gebunden  haben,  so  soll,  falls 
sie  gegen  das  Versprechen  zu  einer  andern  Ehe  geschritten  sein  und  nicht, 
nach    vorgängiger  Ablegung    der   Rechnung,    einen    andern   Tutor    gegeben 


1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  15,  3  y,  a. 


aa)  P.  5,  28,  4.  Creditor  chirographarius, 
si  sine  iussu  praesidis  per  vim  debitoris  sui 
pignora,  quum  non  habuerit  obligata,  ceperit, 
in  legem  Juliam  de  vi  privata  committit. 

y)  a)  C.  3,  19,  1.  Pro  officio  administra- 
tionis  tutoris  vel  curatoris  bona,  si  debitores 
exsistant,  tanquam  pignoris  titulo  obligata, 
minores  sibimet  vindicare  minime  prohiben- 
tur. 

b)  N.  S.  1,  1,  1.  In  illa  (tamen]  purte  ma- 
tribus  .  .  consulimus,  ne  eas  necessitas  dan- 
dae  fideiussionis  adstringat,  quia  et  factu 
difficile  est,  et  super  hoc  filiis  abunde  .  . 
prospicitur,  quibus  et  alienatorum  vindicatio 
competit  .  . 

c)  N.  Tb.  5,  1,  2  u.  3.  .  .  si  mater  legi- 
tima  liberorum  tutela  suscepta  ad  secundas, 
contra  sacramentum  praestitum,  adspircaverit 
nuptias,  antequam  ei  tutorem  alium  fecerit 
ordinari  eique,  quod  debetur  ex  ratione  tutelae 
gestae,  persolverit.  Quod  si  contra  huius 
legis  auctoritatem,  antequam  haec  adimple- 
verit,  secundo  se  marito  crediderit  copulan- 
dam,  marJti  quoque  eius  praeteritae  tutelae 
ratiociniis  bona  iure  pignoris  tenebuntur 
obnoxia  .  . 


Quicunque  tutor  sive  curator  negligentia 
administrationis  suae  debitor  minoribus  com- 
probatur,  noverit  facultates  suas  ita  obligatas, 
ut,  si  non  satisfecerit,  ratione  deducta,  bona 
sua  a  minoribus  loco  pignoris  teneantur. 

.  .  matribus  .  .  (praestatur),  ut,  .  .  fidei- 
iussores  pro  retinenda  .  .  sponsalitia  dona- 
tione dare  non  debeant,  quia  talis  petitio 
gravis  est,  et  sufficit  filiis,  .  .  ut  etiamsi 
matres  eorum  secundo  nupserint,  eorum 
maritorum  facultates  loco  pignoris  obligen- 
tur  .  . 

.  .  ut,  si  mater  tutelam  filiorum  gerendam 
legitime  susceperit  et  se  iurisiurandi  inter- 
positione  constrinxerit,  si  ad  alias  nuptias 
contra  promissa  transierit,  et  alium  tutorem 
filiis  deducta  ratione  non  dederit,  aut  quaeeam 
constiterit  debere,  non  ante  persolverit, .  .  non 
solum  eius  bona,  si  debitrix  exstiterit,  filiis 
teneantur  obnoxia,  verum  etiam  secundi  ma- 
riti,  qui  obligatae  personae  coniunctus  est, 
facultas,  in  eo,  quod  debitum  processerit,  loco 
pignoris  teneatur,  donec  omne  debitum,  quod 
ratio  tutelae  invenerit,  suppleatur  .  . 


Pfandrecht  §  11.  237 

oder  vorher  dasjenige,  was  sie  feststehendermassen  schuldig  ist,  gezahlt 
haben  wird,  nicht  nur  ihr  Gut,  wenn  sie  Schuldnerin  geAvesen  sein  wird, 
den  Kindern  verhaftet  sein,  sondern  auch  das  Vermögen  des  zweiten  mit 
der  verpflichteten  Frau  verbundenen  Gatten  mit  Bezug  auf  dasjenige,  was 
sich  als  Schuld  ergeben  haben  wird,  als  Pfand  haften:  solange,  bis  die 
ganze  Schuld,  die  die  Tutelrechnung  vorgefunden  haben  wird,  abgethan 
ist.i 

Wenn  Frauen  die  Tutel  über  ihre  Kinder  zu  verwalten  begonnen  c.  3, 17, 4, 2 
und   nachher   geheiratet  haben  werden,    hat  derjenige,  welcher  in  die 
eheliche  Verbindung  aufgenommen  wird,  zu  wissen,  dass  sein  Vermögen 
verpfändet  sei  und  er  zur  Rechenschaftslegung  an  die  Minderjährigen 
verhaftet  sein  werde. 

3)  Pfandverkauf. 

a)  Wenn  der  Gläubiger,  der   ein  ohne  Bedingung^  bei  ihm  hinterlegtes  Pfand  p.  2, 5, 1 
inne  hat,  seinen  Schuldner    dreimal    gemahnt   haben    wird,    dass    er   gegen 
Zahlung  der  Schuld  seine  Pfänder  zurücknehmen  soll,   und  der  Schuldner 

nach  den  drei  Erinnerungen  seine  Pfänder  unter  Zahlung  der  Schuld 
nicht  wird  haben  zurücknehmen  wollen,  wird  der  Gläubiger  die  freie  Be- 
fugnis haben,  das  Pfand  zu  verkaufen. 

b)  Der  Gläubiger  kann  die  ihm  verpfändete  Sache  von  dem  Schuldner  nicht  p.  2, 12,  e 
kaufen.^  Hingegen  kann  der  Schuldner  mit  einer  andern  Person  einen 
Kontrakt  eingehen,  um  nach  Empfang  des  Geldes  von  dem  Käufer  dem 
Gläubiger  die  Schuld  zurückzuerstatten.  In  dieser  AVeise  möge  nachher  der 
Schuldner,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  seine  von  ihm  befreite  Sache 
verkaufen.^ 

1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  29,  3 f. 

2)  Sirapliciter. 

3)  Der  Schuldner  kann  dem  Gläubiger  die  Fiducia  nicht  verkaufen. 

4)  So  darf  er  die  ihm  remanzipierte  Sache  dem  Käufer  liefern. 

C.  3,  17,  4,  2.     .  .    bona    eins    primitus,    j  .  .  si  mulieres   tutelam  administrare  coe- 

qui  tatelam  gerentis  affectaverit  nuptias,  in    \    perint  filiorum  et  postea  nupserint,  ille,  qui 


obligationem   venire   et  teneri  obnoxia  rati- 
onibus  parvulorum  praecipiraus,   ne  quid  in- 


in    consortio    recipitur    maritali,    bona    sua 
noverit   oblig-ata   et   se  ad  rationem  redden- 


curia,  ne  quid  fraude  depereat.  dam  minoribus  obnoxium  esse  futurum. 

3)  a)  P.  2,   5,    1.     Creditor    si    simpliciter  Creditor    si    sine    conditione   pignus    sibi 

sibi    pignus    depositum    distrahere  velit,  ter  ,    depositum    tenens   ter   debitorem   suum  con- 

ante  denuntiare  debitori  suo  debet,  ut  pignus  venerit,  ut  soluto  debito  pignora  sua  recipiat, 


luat,  ne  a  se  distrahatur. 


b)  P.  2,  12,  6.  Debitor  creditori  vendere 
fiduciam  non  potest;  sed  aliis,  si  velit,  ven- 
dere potest:  ita  ut  ex  pretio  eiusdem  pecu- 
niam  offerat  creditori,  atque  remancipatam 
sibi  rem  emtori  praestet. 


et  debitor  noluerit  post  tres  admonitiones 
soluto  debito  pignora  sua  recipere,  creditor 
distrahendi  pignoris  habebit  liberam  facul- 
tatem 

Creditor  rem  sibi  oppignoratam  a  debitore 
emere  non  potest.  Sed  debitor  cum  alia 
persona  inire  contractu  m  potest,  ut  accepta 
ab  emtore  pecunia,  debitum  restituat  credi- 
tori: et  sie  postea  rem  suam  a  debitore 
liberatam,  cui  voluerit,  vendat. 


238 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


p.  2, 12, 7  c)  ^Der  Gläubiger  kann  das  Pfand,  welches  er  von  dem  Schuldner  empfangen 
hat,  auch  nicht  durch  eine  vorgeschobene  Person  kaufen.  Wird  es  ge- 
schehen gewesen  sein,  so  wird,  wenn  der  Schuldner  nach  Zahlung  der 
Schuld  klagt,  der  Kauf  keine  Geltung  haben.i 

p.  1, 9, 8  d)  Wird  ein  Minderjähriger  nachgewiesen  haben,  dass  dasjenige,  was  sein 
Vater  verpfändet,  bez.  Fiducia  halber  gesetzt  hatte,  zu  einem  geringeren 
Preise,  als  es  musste,  von  dem  Gläubiger  verkauft  worden  ist,  so  kann  er 
nach  Zahlung  der  Schuld  behufs  Wiedergewinnung  seiner  Sache  die  Hilfe 
der  Integri  restitutio  erzielen. ^ 

p.  2, 12, 4  e)  Wejin  Jemand,  der  Gläubiger  ist,  während  der  Schuldner  mit  der  Zahlung 
zögert,  die  ihm  für  eine  Schuld  gesetzte  Sache  verkauft  haben  wird  und 
mehr,  als  geschuldet  wurde,  in  Empfang  genommen  gewesen  sein  wird,  ist 
ihm  geheissen  worden,  dasjenige,  was  mehr  in  Empfang  genommen  worden 
ist,  dem  Schuldner  zu  restituieren. ^ 

p.  2, 12, 8  f)  Wenn  zwischen  Gläubiger  und  Schuldner  eine  Übereinkunft  getroffen  wird, 
dass  das  Pfand  von  dem  Gläubiger  nicht  verkauft  werden  solle,  kann  der 
Gläubiger,  wenn  der  Schuldner  die  Schuld  nicht  zahlt,  das  Pfand  nach 
dreimaliger  Mahnung  verkaufen.* 


1)  Wenn  durch  eine  vorgeschobene  Person  der  Gläubiger  sein  Pfand  wider  den 
Willen  des  Schuldners  erworben  haben  wird,  wird  kein  Kauf  angenommen.  Daher  kann 
es  stets  gelöst  werden;  denn  auf  diese  Weise  kann  die  Causa  pignoris  vel  fiduciae  nicht 
beendet  werden. 

2)  Vgl.  Erstes  Bach,  §  7,  5,  c,  b. 

3)  Der  Schuldner  wird  nach  Verkauf  der  Fiduciae  seitens  des  Gläubigers  wegen  des 
Überschusses  die  Actio  gegen  ihn  haben. 

4)  Wird  zwischen  Gläubiger  und  Schuldner  eine  Abrede  getroffen  worden  sein,  dass 
ersterer  die  Fiducia  nicht  verkaufen  dürfe,  wenn  der  Schuldner  nicht  bezahlt,  so  kann  der 
Gläubiger  ihm  solenn  denunzieren  und  verkaufen:  denn  aus  einer  solchen  Verabredung 
kann  eine  Fiduciae  actio  nicht  entstehen. 


c)  P.  2,  12,  7.  Si  per  suppositam  perso- 
nam  creditor  pignus  suum  invito  debitore 
comparaverit,  emtio  non  videtur:  et  ideo 
quandoque  lui  potest:  ex  hoc  enim  causa 
pignoris  vel  fiduciae  finiri  non  potest. 

d)  P.  1,  9,  8.  Minor  adversus  distracti- 
ones  eorum  pignorum  et  fiduciarum,  quas 
pater  obligaverat,  si  non  ita,  ut  oportuit,  a 
creditore  distractae  sint,  restitui  in  integrum 
potest. 

e)  P.  2,  12,  4.  Debitor  distractis  fiduciis 
a  creditore  de  superfluo  adversus  eum  habe- 
bit  actionem. 


f)  P.  2,   12,  8.      Si   inter    creditorem    et 
debitorem  convenerit,    ut  fiduciam   sibi  ven- 


Creditor  pignus,  quod  a  debitore  accepit, 
nee  per  suppositam  personam  emere  potest. 
Quod  si  factum  fuerit,  agente  debitore  so- 
luto  debito,  emtio  non  valebit. 

Minor  annis  ea,  quae  pater  eins  oppignora- 
verat  vel  fiduciae  causa  posuerat,  si  viliore 
pretio,  quam  oportebat,  a  creditore  distracta 
convicerit,  potest  soluto  debito  ad  recipiendam 
rem  suam  integri  restitutionis  auxilium  pro- 
mereri. 

Si  quis  creditor,  debitore  in  solvendo  tar- 
dante,  rem  sibi  pro  debito  positam  distraxe- 
rit,  si  quid  amplius  acceptum  fuerit,  quam 
debebatur,  quod  plus  acceptum  est,  restitui 
iussum  est  debitori. 

Si  conveniat  inter  creditorem  et  debi- 
torem,   ut  pignus  a  creditore  non  vendatur, 


Pfandrecht  §  11. 


239 


g)  ^Commissoriae  cautiones  werden  diejenigen  genannt,  in  welchen  der  Schuldner  c  3, 2, 1 
in  einer  in  Zwangslage  niedergeschriebenen  Kaution  seinem  Gläubiger  die 
ihm  auf  Zeit  verpfändete  Sache  zu  verkaufen  verspricht.  Diese  Handlung 
widerruft  das  Gesetz  und  verbietet  es  durchaus,  vorzunehmen,  mit  der  Mass- 
gabe, dass,  wenn  Jemand,  der  Gläubiger  ist,  eine  Sache  des  Schuldners 
aus  einem  solchen  Anlass  zu  erwerben  befunden  gewesen  sein  wird,  er  sich 
nicht  mit  den  Dokumenten  schmeicheln  soll:  vielmehr  soll  derjenige,  welcher 
unter  dem  Drucke  der  Schuld  verkauft  hat,  sobald  er  gewollt  haben  wird, 
das  Geld  zurückgeben  und  seinen  Besitz  zurückempfangen.  ^ 

4)  Nutzungsrecht. 

a)  Alles,  was  der  Gläubiger  2 durch  den  ihm  für  die  Schuld  verpfändeten  Skia-   p.  2, 12, 5 
ven^  erworben  haben  wird,  wird  von  dem  Schuldbetrag  abgezogen. 

b)  Wird   Jemand    nach  Empfang    eines   Darlehiis   eine    Herde   Stuten,   Kühe  p.  2, 5, 2 
oder  Schafe  dem  Gläubiger  in  Pfand  gegeben  haben,  so  gehört  die  Frucht 
dieser  Dinge  dem  Schuldner,  nicht  dem  Gläubiger  zu;   so  verhält  es    sich 

auch,  wenn  er  eine  Sklavin  gegeben,  und  sie  ein  Kind  zur  Welt  gebracht 
haben  wird,  indem  es  dem  Schuldner  gehört,  nicht  dem  Gläubiger.^ 

c)  Der  Schuldner  oder  der  Gläubiger  können  den  zum  Faustpfand  gegebenen  ?•  -^- 11. 6 


1)  Bei  T  ist  lediglich  davon  die  Rede,   dass  die  Commissoria    lex    verboten    sei    und 
die  Gläubiger  zurückempfangen,  was  sie  gegeben  haben. 

2)  Durch  den  Servus  fiduciarius. 

3)  Vgl.  S.  40  Anm.  2.     T  fügt  hinzu:  Nisi  hoc  inter  contrahcntes  convenerit. 


dere  non  liceat,  non  solvente  debitore,  credi- 
tor  deuuntiare  ei  solenniter  potest  et  distra- 
here:  nee  enim  ex  tali  conventione  fiduciae 
actio  nasci  potest. 

g)  C.  3,  2,  1.  Quoniam  inter  alias  capti- 
ones  praecipue  commissoriae  legis  crescit 
asperitas,  placet  infirmari  eam  et  in  posterum 
omnem  eius  memoriam  aboleri.  Si  quis  igi- 
tur  tali  contractu  laborat,  hac  sanctione 
respiret,  quae  cum  praeteritis  praesentia  quo- 
que  depellit  et  futura  prohibet.  Creditores 
enim,  re  amissa,  iubemus  recipere,  quod  de- 
derunt. 


4)  a)  P.  2,  12,  5.  Quicquid  creditor  per 
fiduciarium  servum  quaesivit,  sortem  debiti 
minuit. 

b)  P.  2,  5,  2.  Foetus  vel  partus  eius  roi, 
quae  pignori  data  est,  pignoris  iure  non 
tenetur,  nisi  hoc  inter  contrahentes  con- 
venerit. 


c)  P.  4,  11,  6.    Debitor  creditorve  servum 


non  solvente  debitore  debitum,  creditor  pignus 
post  trinam  conventionem  vendere  potest. 


Commissoriae  cautiones  dicuntur,  in  qui- 
bus  debitor  creditori  suo  rem,  ipsi  oppignora- 
tam  ad  tempus,  vendere  per  necessitatem 
conscripta  cautione  promittit:  quod  factum 
lex  ista  revocat  et  fieri  penitus  prohibet:  ita  ut, 
si  quis  creditor  rem  debitoris  sub  tali  oc- 
casione  visus  fuerit  comparare,  non  sibi  de 
instrumentis  blandiatur,  sed  quum  primum 
voluerit  ille,  qui  oppressus  debito  vendidit, 
pecuniam  reddat  et  possessionem  suam  reci- 
piat. 

Quicquid  creditor  per  oppignoratum  sibi 
pro  debito  servum  acquisierit,  de  summa 
debiti  retrahitur. 

Si  quis  gregem  equarum,  vaccarum  vel 
ovium  accepta  mutua  pecunia  pignori  credi- 
tori dederit,  foetus  earum  rerum  ad  debi- 
torem,  non  ad  creditorera  pertinet.  Ita  est 
et  si  ancillam  dederit,  et  partum  ediderit, 
ad  debitorem  pertinet,  non  ad  creditorem. 


240 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Sklaven  durch  Fesselung  nicht  zum  Dediticius  machen,  mdem  der  eine 
ohne  den  andern  die  Rechtslage  des  Faustpfandes  nicht  verschlechtern  kann, 
p. 2, 32, 20  d)  Dadurch,  dass  der  Schuldner  die  verpfändete  Sache  dem  Gläubiger  ent- 
zieht, begeht  er  ein  Furtum, 
p.  5, 7,  5  e)  Precario  besitzt  derjenige,  welcher  bittweise  verlangt,  dass  ihm  erlaubt  sein 
soll,  mit  Gestattung  des  Gläubigers  die  Fiducia  zu  behalten.^ 

5)  Mehrheit  von  Pfandrechten. 

p.  2, 13, 3  a)  Wenn  zwei  Gläubiger  ein  und  dasselbe  Pfand  des  Schuldners  verhaftet 
halten  und  der  jüngere  Gläubiger  dem  älteren  Gläubiger  Zahlung  anbietet, 
kann  er  das  verhaftete  Pfand  an  sich  bringen.  Ingleichen  kann  der  jüngere 
Gläubiger,  mag  er  auch  bei  der  Zurückhaltung  des  Pfandes  den  Vorrang 
haben,  wenn  er  das  Geld  anbietet,  das  Pfand  bei  sich  behalten. 

6)  Schutz  des  Pfandrechts. 

p.  5, 28, 4  a)  Der  Gläubiger  wird  nicht  behindert,  Fiducia  und  Pfänder,  die  bei  ihm 
niedergelegt  worden  sind,  zu  verfolgen  und  ohne  Autorität  des  Judex  in 
Anspruch  zu  nehmen. 

aa)  Wird    der  Gläubiger   eine    ihm   zum  Pfand    gegebene  Sache  verloren 
haben,  so  kann  er  sie  in  eigenem  Namen  verfolgen. 

b)  Wenn  ein  Schuldner  seinem  Gläubiger  eine  Sicherheit  der  Art  gegeben  haben 
wird,  dass  er  ihm  Alles,  was  er  in  seinem  Vermögen  hat,  bez.  einmal  haben 


P. 2. 32, 20 


P.  .5,  7,  14 


1)  Vgl.  S.  220  Anm.  2. 


pignoris  vinciendo  dediticium  facere  non  pos- 
suüt;  alter  enim  sine  altero  causam  pignoris 
deteriorem  facere  non  potest. 

d)  P.  2,  32,  20.  Rem  pignori  datam  de- 
bitor  creditori  subtrahendo  furtum  facit  .  . 

e)  P.  5,  7,  5.  Qui  (vi  aut  clam  aut)  pre- 
cario possidet,  ab  adversario  impune  dei- 
citur. 

5)  a)  P.  2,  18,  3.  Novissimus  creditor  pvi- 
orem  oblata  pecunia,  quo  possessio  in  eum 
transferatur,  dimittere  potest.  Sed  et  prior 
creditor  secundum  creditorem ,  si  voluerit, 
dimittere  non  prohibetur,  quamquam  ipse  in 
pignore  potior  sit. 

6)  a)  P.  5,  28,  4.  Creditor  .  .  Fiduciam 
(vero)  et  pignora  apud  se  deposita  per- 
sequi  et  sine  auctoritate  iudicis  vindicare 
non  prohibetur. 

aa)  P,  2,  32,  20.  Rem  pignori  datam  de- 
bitor  .  .  si  et  ipse  (similitei)  amiserit,  suo 
nomine  persequi  potest. 

b)  P.  5,  7,  14.  Omnibus  bonis,  quae  ha- 
bet   quaeque    habiturus    est,    obligatis,    nee 


(Yi)  possidet  .  .  precario,  qui  per  precem 
postulat,  ut  ei  in  possessione  permissu  .  . 
creditoris  fiduciam  commorari  liceat. 

Si  duo  creditores  unum  pignus  debitoris 
habeant  obligatum,  et  posterior  creditor  pri- 
ori creditori  offerat  pecuniam,  potest  pignus 
obligatum  ad  se  transferre.  Item  prior  cre- 
ditor licet  potior  sit  in  pignore  retinendo, 
si  offerat  pecuniam,  potest  apud  se  pignus 
retinere. 


Si  quis  debitor  creditori  suo  talem  dederit 
cautionem,  ut  omnia  ei,    quae  in  bonis  suis 


Pfandrecht  §  11, 


241 


wird,  verpfändet  zu  haben  erachtet  wird,  können  bei  einer  solchen  Sachlage 
weder  die  Konkubine,  noch  das  natürliche  Kind,  noch  der  Zögliuijj,  noch 
dasjenige,  was  er  in  täglichem  Gebrauch  hat,  als  verpfändet  gelten:  der 
Gläubiger  kann  dann  auch  nicht,  wenn  er  es  verlangt,  den  Besitz  an  den 
genannten  Sachen  erhalten. 

c)  Wenn  ein  Gläubiger  ein  ihm  mittels  Fiducia  verpfändetes  Grundstück  durch  p.  2, 13,2 
seine  Mühe   und    sein  Werk  verbessert  haben   wird,  Hst  ihm  alles,   was   er 

für  die  Verbesserung  der  Sache  ausgegeben  zu  haben  erwiesen  haben  wird, 
von  dem  Schuldner  zu  erstatten.^ 

d)  Wenn  der  Gläubiger  eine  ^Res  fiduciae,  die  er  von  dem  Schuldner  zu  Pfand  p.  2, 13, 1 
empfangen    haben  wird,^  einem   der  Erben,   bez.   einem  Dritten,    unter  dem 

Titel  eines  Legats  hinterlässt,  ^wird  der  Schuldner  wegen  seines  Pfandes, 
nach  Darbietung  der  Schuld,  alle  Erben  des  Gläubigers  in  Anspruch 
nehmen  können.^ 

e)  Wenn  Jemand,  der  Gläubiger  ist,  während  der  Schuldner  mit  der  Zahlung  p.  2, 12, 4 
zögert,  die  ihm    für  seine  Schuld   gesetzte  Sache  verkauft  haben  wird,  und 

mehr,  als  geschuldet  wurde,  in  Empfang  genommen  gewesen  sein  wird,  ist 
ihm  auferlegt  worden,  dasjenige,  was  mehr  in  Empfang  genommen  worden 
ist,  dem  Schuldner  zu  restituieren.^ 


1)  T  bemerkt,  dass  hierzu  dns  Judicium  fiduciae  dient. 

2)  T  spricht  von  Rem  fiduciae  datam. 

3)  Steht  gegen  alle  Erben  die  Actio  fiduciae  zu. 

4)  Vgl.   S.  238  Anm.  3. 


concubinn,  nee  filius  naturalis,  nee  alumnus, 
nee  ea,  quae  in  usu  quotidiano  habet,  obli- 
gantur :  ideoque  de  his  nee  interdictum  reddi- 
tur. 


c)  P.  2,  13,  2.  Si  creditor  rem  fiduci- 
ariam  fecerit  meliorem,  ob  ea  recuperanda, 
quae  impendit,  iudicio  fiduciae  debitorem 
habebit  obnoxium. 

d)  P.  2,  13,  1.  Si  creditor  rem  fiduciae 
datam  uni  ex  heredibus  vel  extraneo  lega- 
verit,  adversus  omnes  heredes  actio  fiduciae 
competit. 

e)  P.  2,  12,  4.  Debitor  distractis  fidu- 
ciis  a  creditore  de  superfluo  adversus  eum 
habebit  actionem. 


habet,  vel  quae  habitiirus  est,  oppignorasse 
videatur,  in  tali  conditione  nee  concubina, 
nee  filius  naturalis,  nee  alumnus,  nee  ea, 
quae  in  usu  quotidiano  habet,  obligata  videri 
possunt.  Nee  momentum,  si  creditor  petat, 
de  his  rebus,  quas  supra  diximus,  accipere 
potest. 

Si  quis  creditor  praedium  sibi  fiducia  obli- 
gatum  studio  et  opere  suo  melioraverit,  quic- 
quid  se  pro  melioranda  re  irapendisse  proba- 
verit,  ei  a  debitore  reddendum  est. 

Si  creditor  rem  (fiduciae),  quam  a  debi- 
tore pignori  acceperit,  uni  ex  heredibus  vel 
extraneo  legati  titulo  derelinquat,  debitor 
pro  pignore  suo  oblato  debito  omnes  heredes 
creditoris  poterit  convenire. 

Si  quis  creditor,  debitore  in  solvendo 
tardante,  rem  sibi  pro  debito  positam  dis- 
traxerit,  si  quid  amplius  acceptum  fuerit, 
quam  debebatur,  quod  plus  acceptum  est, 
restitui  iussum  est  debitori. 


C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


16 


P.  2,  14,  1 


C.  4,  17,1 
pr.  1  u.  2 


Zweites  Kapitel.    Obligationenrecht. 

I.  Gegenstand  der  Obligationen  §  12. 

1)  Zinsleistimg. 

a)  Entstehung  aus  Vertrag. 

a)  Pactum  nudum  wird  genannt,  wenn  dem  Gläubiger  seitens  des  Schuldners 
eine  Kaution,  in  welcher  er  die  Centesima  zahlen  zu  sollen  versprochen 
hat,  ohne  Stipulation  ausgestellt  wird:  Zinsen  werden  aus  einer  Nuda  cautio 
dem  Gläubiger  durchaus  nicht  geschuldet.^ 

ß)  Gesetz. 

a)  lEin  Schuldner,  der  nach  Erlass  eines  Urteils,  durch  welches  er  besiegt 
gewesen  sein  wird,  die  Schuldsumme  zu  entrichten  verabsäumt  haben  wird, 


1)  Ein  Pactam   nudura   wegen  Zinszahlung  hat   keine  Giltigkeit:  aus   einem    Nudum 
pactum  entsteht  unter  Römischen  Bürgern  keine  Actio. 


la)  a)  P.  2,  14,  1.  Si  pactum  nudum  de 
praestandis  usuris  interpositum  sit,  nullius 
est  momenti:  ex  nudo  enim  pacto  inter  cives 
Romanos  actio  non  nascitur. 


ß)  a)  C.  4,  17,  1  pr.  1  u.  2.  Qui  post  iu- 
dicii  finem,  exceptis  duobus  mensibus,  quibus 
per  leges  solutionum  nonnunquam  est  con- 
cessa  dilatio,  moram  afferent  solutioni,  a  die 
patrati  iudicii,  quo  obnoxii  redditi  sunt,  in 
duplicium  centesimarum  conveniantur  usu- 
ras  .  .  usque  in  id  tempus,  quo  debitum 
solutione  diluerint.  Quod  a  nobis  exemplo 
aequabili  ex  iuris  prisci  est  formulis  intro- 
ductum,  ut  .  .  malae  fidei  debitores  si- 
mile  damni  periculum  persequatur.  Sed 
tarnen  creditor,  ternis  interiectis  mensibus 
post  sententiam,  contestari  moram  debe- 
bit    adhibitae    tarditatis,    ut    ei    centesima- 


Pactum  nudum  dicitur,  si  cautio  creditori 
a  debitore,  in  qua  centesimam  se  soluturum 
promisit,  sine  stipulatione  fiat.  Et  ideo  usu- 
rae  ex  nuda  cautione  creditori  penitus  non 
debentur. 

Debitor,  qui  post  emissum  iudicium,  a 
quo  victus  fuerit,  debiti  summam  implere 
neglexerit,  transactis  duobus  mensibus, 
duplam  centesimam  debiti  ipsius  usque  in 
diem  solutionis  se  noverit  redditurum;  .  . 
quia  non  immerito  .  .  qui  post  iudicium 
tardior  ad  reddendum  fuerit,  duplam  cente- 
simam reddat.  Sed  tamen  et  hoc  contra 
creditorum  malitiam,  quibus  debitores  addicti 
fuerint,  ordinamus,  ut  non  velint  pro  spe 
duplicandae  centesimae  suo  vitio  tardius  exse- 
qui,  quod  fuerit  iudicatum:  unde  debebit  cre- 
ditor, ternis  interiectis  mensibus,  post  datum 
iudicium    contestari,    ut    sie    duplam    cente- 


Gegenstand  der  Obligationen  §  12. 


243 


möge  wissen,  dass  er  nach  Yerfluss  von  zwei  Monaten  die  doppelte  Cente- 
sima  dieser  Schuld  bis  zu  dem  Tage  der  Zahlung  erstatten  werde,  weil 
nicht  zu  Unrecht  derjenige,  welcher  nach  dem  Urteil  im  Zahlen  säumig 
gewesen  sein  wird,  die  doppelte  Centesima  entrichten  soll.  Indessen  aber 
verordnen  wir  auch  das  Folgende  gegen  die  Bosheit  der  Gläubiger,  denen 
die  Schuldner  verurteilt  gewesen  sein  werden,  damit  sie  nicht  um  der  Hoff- 
nung auf  Verdoppelung  der  Centesima  willen  durch  ihre  Schuld  dasjenige, 
was  zuerkaimt  gewesen  sein  wird,  einzutreiben  säumen  sollen:  der  Gläubiger 
wird,  nach  Einschaltung  von  drei  Monaten,  nach  dem  gefällten  Urteil  kon- 
testieren müssen,  damit  er  dann  die  doppelte  Centesima  eintreiben  kann. 
Auch  dies  befehlen  wir  in  Acht  zu  nehmen,  dass,  wenn  eine  Cautio  des 
Schuldners  mit  aller  Sicherheit  errichtet  wird,  und  die  Zinsen  nach  vielen 
Jahren  mit  der  Kapitalschuld  gleich  geworden  sein  werden,  er  die 
doppelte  Centesima  nach  dem  Urteil,  die  zu  entrichten  wir  angeordnet  haben, 
in  der  Weise  zahlen  solle,  dass  lediglich  von  der  Kapitalschuld  doppelte 
Zinsen  gezahlt  w^erden:  von  demjenigen  dagegen,  was  vor  dem  Urteil  an 
Zinsen  erwachsen  ist,  soll  lediglich  eine  einfache  Centesima  gegeben  werden.^ 
b)  Wenn  es  sich  in  einem  ludicium  um  hinterlegte  Sachen  handelt,  und  p.  2, 12, 2 
mit  Bezug  auf  die  Rückgabe  von  selten  desjenigen,  bei  welchem  sie  hinterlegt 
worden  sind,  Verzug  geübt  wird,  so  werden,  2 wenn  die  hinterlegte  Sache  Geld 
gewesen  sein  wird,2  Zinsen  geschuldet  w^erden.  Hierin  ist  die  Rechtslage  G.  2, 7, 8 
der  Fideikommisse  und  der  Legate  eine  verschiedene,  dass,  wenn  Fidei- 
kommisse   später,  als  geschrieben  ist,   gezahlt  gewesen  sein  werden,  Zinsen 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  6,  2  c. 

2)  Hiervon  spricht  T  nicht  ausdrücklich. 


rum  duplicium  fructus  possit  acquiri  .  . 
Distinguendum  vero  hoc  quoque  arbitrati 
sumus,  ut,  si  contractus  debiti  ex  stipula- 
tione  descendit,  et  casu  usurae  per  annorum 
curricula  summam  capitis  impleverint  (scili- 
cet  ut  quantitas  sortis  quantitati  foenoris 
adaequetur),  post  sententiam  usurae  duplices 
non  utriusque  debiti  currant,  sed  capitis  qui- 
dein  duplae,  usurarum  vero  simplae. 

b)  P.  2,  12,   2.      In    iudicio    depositi    ex 
mora  .  .  usurae  rei  depositae  postulantur. 


simam  possit  exigere  .  .  Hoc  quoque  praeci- 
pimus  observari,  ut,  si  debitoris  cautio  cum 
omni  firmitate  proferatur,  et  usurae  per  an- 
nos  plures  cum  capitali  debito  se  aequaverint 
(a  debitore  amplius  non  petatur.  Sane)  post 
iudicium  duplam  centesimam,  quam  reddi 
iussimus,  taliter  solvat,  ut  de  capitali  debito 
tantum  duplae  usurae  reddantur:  de  illo  vero, 
quod  in  usuris  ante  iudicium  crevit,  simpla 
tantum  centesima  detur. 

Quum  in  iudicio  de  rebus  agitur  cora- 
mendatis,  si  mora  in  reddendo  ab  eo,  cui 
commendatae  sunt,  afferatur,  .  .  usurae,  si 
pecunia  .  .  fuerint,  debebuntur. 

G.  2,  7,  8.  .  ,  in  hoc  alia  fideicommis- 
sorum  et  legatorum  conditio  est,  quia  fidei- 
commissa,  si  tardius,  quam  scriptum  sit, 
soluta  fuerint,  usurae  et  fructus  debentur: 
legatorum  vero  usurae  non  debentur,  sed  ex 
mora  solutionis,  si  per  damnationem  relicta 
fuerint,  duplicantur. 

16* 


244 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


und  Früchte    geschuldet    werden,    hingegen    von  Legaten  Zinsen   nicht  ge- 
schuldet   werden,    sondern  bei  Verzug  in  der  Zahlung,    wenn  Damnations- 
legate hinterlassen  gewesen  sein  werden,  eine  Verdoppelung  stattfindet. 
P-  3, 11,  4  Aus  dem  Verzug  bei  Leistung  von  Fideikommissen"  oder  Legaten 

können  Früchte  und  Zinsen  beansprucht  Averden. 

p.  2, 18, 6  c)  Wenn  nicht  nach  Tradition  der  Sache  der  Käufer  den  Preis  unverzüglich 
zahlt,  ist  er  zu  zwingen,  hierfür  Zinsen  zu  entrichten. 

p.  2, 15, 2  d)  Wenn  ich  irgend  etwas  mit  eigenen  Mitteln  im  Auftrag  eines  Dritten  für 
diesen  erworben  haben  werde,  steht  mir  gegen  ihn  die  Mandati  actio 
zu,  auch  wenn  er  die  Sache  nachher  nicht  annehmen  will:  nicht  nur  das- 
jenige, Avas  aufgewendet  worden  ist,  sondern  auch  die  Zinsen  davon  können 
erzielt  werden.^ 
p.  1, 4, 3  e)  2  Wer  fremdes  Geld  verwaltet,  ist  anzuhalten,  Zinsen  hierfür  zu  erstatten. 
Wird  er  weniger  zuverlässigen  Personen  von  diesem  Gelde  kreditiert  haben, 
so  wird  derjenige,  av elcher  solchen  Personen  kreditiert  hat,  für  die  Personen 
derjenigen,  die  nicht  zahlen  können,  den  Schaden  tragen.^ 

p.  2, 14, 6  f )  Ein  Tutor  Avird  auf  Zinsen  nicht  belangt,  Avenn  er  das  Mündelgeld  um 
deswillen  nicht  angelegt  hat,  weil  er  geeignete  Posten,  in  denen  das  Geld 
angelegt  werden  sollte,  nicht  hatte.  Die  Kontestation  dieserhalb  ist  bei 
dem  Praeses  provinciae  niederzulegen. 


1)  J  bedient  sich  mit  Bezug  auf  den  Mandatar  der  zweiten  Person. 

2)  Wenn  Jemand  ein  Negotium  pecuniae  führt,  wird  er  gezwungen  werden,  die 
Zinsen  für  die  ganze  Zeit  zu  entrichten  und  das  Periculum  der  ausstehenden  Forderungen 
zu  tragen,  wenn  sie  zur  Zeit  des  Prozesses  nicht  zahlungsfähig  sind:  hoc  enim  in  bonae 
fidei  iudiciis  servari  convenit. 


P.  3, 11,  4.  Ex  mora  praestandorum  iidei- 
commissorum  vel  legatorum  fructus  et  usurae 
peti  possunt  .  . 

c) 


d)  P.  2,  15,  2.  Si  meis  nummis  mandato 
tuo  aliquid  tibi  comparavero,  et  si  rem  postea 
accipere  nolis,  mandati  actio  mihi  adversus 
te  competit.  Non  enim  tantum  quod  im- 
pensum  est,  sed  et  usuras  eius  consequi  pos- 
sum. 

e)  P.  1,  4,  3.  Si  pecuniae  quis  negotium 
gerat,  usuras  quoque  totius  temporis  prae- 
stare  cogetur  et  periculum  eorum  nominum, 
quibus  collocavit,  agnoscere,  si  litis  tempore 
solvendo  non  sint:  hoc  enim  in  bonae  fidei 
iudiciis  servari  convenit. 

f)  P.  2,  14,  6.  Tutor  in  usuras  non  con- 
venitur,  si  pecuniam  pupillarem  ideb  non 
collocavit,  quod  idonea  nomina  non  habebat, 
quibus  pecunia  collocaretur.     Cuius  rei  con- 


P.  2,  18,  6.  Post  rem  traditam  nisi  em- 
tor  pretium  statim  exsolvat,  usuras  eius  prae- 
stare  cosrendus  est. 


Qui  pecuniam  exercet  alienam,  usuras  eius 
reformare  cogendus  est.  Et  si  minus  idoneis 
personis  de  hac  ipsa  pecunia  fortasse  credi- 
derit,  pro  ipsorum  personis,  quae  solvere  non 
possunt,  damnum  ipse,  qui  talibus  personis 
credidit,  sustinebit. 


Gegenstand  der  Obligationen  §  12. 


245 


g)  Der  Erbschaftsbesitzer  ist  anzuhalten,  die  Preise  derjenigen  Sachen,  die  er  p.  i,  13,  8 
dolos  verilussert  hat,  mit  Zinsen  zu  erstatten. 

Y)  Zinsfuss  und  Zinsbeschränkungen. 

a)  Ein  Jeder,  der  ^flüssige  Früchte,^  das  ist  Wein  und  Ol  oder  irgendwelche  c.  2,33, 1 
Art  Getreide  einem  Andern^  geliehen  haben  wird,  soll  als  Zins  nicht  mehr 

von  ihm  als  den  dritten  Teil  empfangen,  das  will  sagen,  dass  der 
Empfänger  zu  zwei  Modii  einen  dritten  zurückgiebt.  Wir  verordnen,  dass 
sich  dieser  Sachverhalt  bloss  auf  Früchte  bezieht. 

b)  Wenn  Geld  geliehen  gewesen  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  von  den  c.  2, 33, 1 
Gläubigern  nicht  anders  als  imr  eine  Centesima  beigetrieben  werde.  Die  c.  2, 33, 2 
legitime  Centesima  ist  drei  Siliquae  im  Jahre  auf  den  Solidus.  Zinsen,  die  p.  2, 14, 4 
die  Centesima    überschreiten,  können,  wenn  sie  irrthümlich  gezahlt  worden 

sind,  zm-ückgefordert  w^ erden. 

c)  3  Wenn    bei    kreditierten    Geldern    die    Zahlung   der    Zinsen    dem  Kapital  p.  2,  u,  2 
gleichgekommen  sein  wird,  wird,    was  etw^a  darüber  hinaus  dem   Gläubiger 
gegeben   gewesen    sein    ward,    von    dem  Kapital    der  Schuld   in  Abzug  ge- 
bracht.    Ist  jedoch    sowohl  Centesima   als  auch  Kapital  entrichtet  worden, 

so  wird  der  Gläubiger,  was  er  darüber  hinaus  empfangen  hat,  dem  Schuldner 
zu  erstatten  verpflichtet  werden. ^ 


1)  Fruges  humidae  vel  arentes.  2)  T  spricht  von  Indigentes. 

3)  Zinsen,    die   über  die  Centesima  gezahlt  worden   sind,    mindern   das  Kapital  und 
können  Consumta  sorte  zurückgefordert  werden. 


testatio    apud    praesidem     provinciae    depo- 
nenda  est. 

g)  P.  1,  13,  8,  Possessor  bereditatis  pre- 
tia  earum  rerum,  quas  dolo  alienavit,  cum 
usuris  praestare  cogendus  est. 

y)  a)  C.  2,  33,  1.  Quicunque  fruges  hu- 
midas  vel  arentes  indigentibus  mutuas  de- 
derint,  usurae  nomine  tertiam  partem  super- 
fluam  consequantur,  id  est  ut,  si  summa  cre- 
diti  in  duobus  modus  fuerit,  tertium  modium 
amplius  consequantur  .  .  Quae  lex  ad  solas 
pertinet  fruges  .  . 

b)  C.  2,  33,  1.  .  .  pro  pecunia  ultra  singu- 
las  centesimas  creditor  vetatur  accipere. 


P.  2,  14,  4.  Usurae,  quae  centosimam 
excedunt,  per  errorem  solutae  repeti  possunt. 

c)  P.  2,  14,  2.  Usurae  supra  centesimam 
solutae  sortem  minuunt:  consumta  sorte  re- 
peti possunt. 


Quicunque  fruges  humidas,  id  est  vinum 
et  oleum,  vel  quodcunque  annonae  genus 
alteri  commodaverit,  non  plus  ab  eo  propter 
usuram  quam  tertiam  partem  accipiat,  id 
est  ut  supra  duos  modios,  qui  accepit,  ter- 
tium reddat  .  .  Quam  rem  ad  solas  fruges 
praecipimus  pertinere  .  . 

.  .  quando  pecunia  fuerit  commodata,  nisi 
unam  tantum  centesimam  a  creditoribus  exigi 
non  iubemus. 

C.  2,  33,  2.  .  .  legitima  centesima  (con- 
tinet),  hoc  est  tres  siliquas  in  anno  per  soli- 
dum  .  . 


In  pecuniis  creditis  quum  solutio  usura- 
rum  sortem  aequaverit,  si  quid  amplius  cre- 
ditori  fuerit  datum,  de  capite  debiti  subtra- 
hitur.     Si  vero  et  centesima  et  caput  imple- 


246 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  4,17,1,  2 


C.  2,  33,  2 


C.2,33,4 


d)  Auch  dies  befehlen  wir  in  Acht  zu  nehmen,  dass,  wenn  eme  Cautio  des 
Schuldners  mit  aller  Sicherheit  errichtet  wird,  und  die  Zinsen  nach 
vielen  Jahren  mit  der  Kapitalschuld  gleich  geworden  sein  werden,  von  dem 
Schuldner  Weiteres  nicht  gefordert  werden  solle.^ 

e)  Wenn  Jemand  anlässlich  seiner  Notlage  über  den  Betrag  der  legitimen 
Centesima  hinaus  Weiteres  von  dem  Schuldner  ^ anzunehmen,  bez.  weg- 
zunehmen, sich  angemasst  haben  wird,^  soll  er  nach  diesem  Gesetz  ohne 
jeden  Verzug  dasjenige,  was  er  Weiteres  empfangen  hat,  auf  die  Strafe  des 
Vierfachen  verhaftet,  zurückerstatten.^ 

f)  Senatoren,  die  Geld  zu  einer  Centesima  werden  haben  ausleihen  wollen, 
sollen  an  Zins  nicht  mehr,  als  die  Hälfte  der  Legitim a  centesima,  von 
ihren  Schuldnern  empfangen,  ^noch  sollen  diejenigen,  welche  das  geliehene 
Geld  aufnehmen, gezwungen  werden,  darüberhinaus  zu  kavieren  oder  sich  durch 
Kaution  zu  verpflichten.*  Wird  von  ihnen  Weiteres  eingefordert  gewesen  sein, 
^so  mögen  die  Senatoren  wissen,  dass  sie  dasjenige,  was  sie  geliehen  haben 


1)  T  gedenkt  des  Sachverhalts,  dass,  wenn  der  Contractus  debiti  aus  Stipulation 
hervorgegangen  ist,  die  Zinsscbuld  den  Betrag  des  Kapitals  erreicht  habe,  nicht  mit  Bezug 
darauf,  dass  der  Schuldner  Weiteres  nicht  zu  leisten  brauche,  sondern  hinsichtlich  des 
Masses  der  Verzinsung  (vgl.  Erstes  Buch,  §  6,  2  c). 

2)  Eruerit. 

3)  J  fügt  mit  Bezug  auf  Geschäfte  vor  Erlass  des  Gesetzes  den  Satz  hinzu,  dass 
das  Doppelte  zu  entrichten  sei  (Ea  vero,  quae  ante  legem  tali  ratione  data  sunt,  in  duplum 
volumus  reformari).  Übereinstimmend  T  (Hi  vero,  qui  antea  pari  furore  grassati  uspiam 
detegentur,  in  duplum  extorta  restituant), 

4)  Noch  sollen  sie  über  die  Hälfte  der  Centesima  sich  versprechen  lassen  oder  ein- 
fordern. 


d)  C.  4, 17,  1,  2.  Distinguendum  (vero)  hoc 
quoque  arbitrati  sumus,  ut,  si  contractus  de- 
biti ex  stipulatione  descendit,  et  casu  usu- 
rae  per  annorum  curricula  summam  capitis 
impleverint  (scilicet  ut  quantitas  sortis  quan- 
titati  foenoris  adaequeturj  ,  . 

e)  C.  2,  33,  2.  Quicunque  ultra  cente- 
simam  iure  permissam  quicquid  sub  occa- 
sione  necessitatis  eruerit,  quadrupli  poenae 
obligatione  constrictus,  sine  cessatione,  sine 
requie  protinus  ablata  redhibebit  .  . 

f)  C.  2,  33,  4.  Senatores  sub  medietate 
centesimae  usurae  ad  contractum  creditae 
pecuniae  censemus  adtiätti.  Itaque  omnes 
intelligant,  nulluni  florentissimo  coetui  soci- 
atum,  foenus  exercentem,  ultra  medietatem 
centesimae  vel  iure  stipulari  vel  petere  posso 
usuram:    quin   etiam,    si  quid  praeter  mode- 


tum    est,    quod    amplius     creditor     accepit, 
reddere  cogetur  debitori. 

Hoc  quoque  praecipimus  observari,  ut,  si 
debitoris  cautio  cum  omni  firmitato  profera- 
tur,  et  usurae  per  annos  plures  cum  capitali 
debito  se  aequaverint,  a  debitore  amplius  non 
petatur  .  . 

Si  quis  plus,  quam  legitima  centesima 
continet,  .  .  amplius  a  debitore  sub  occa- 
sione  necessitatis  accipero  vel  auferre  prae- 
sumserit,  post  datam  legem  sine  ulla  dila- 
tione  ea,  quae  amplius  accepit,  constrictus 
quadrupli  poena  restituat  .  . 

Senatores,  qui  pecuniam  ad  centesimam 
praestare  voluerint,  non  amplius  usurae  no- 
mine quam  medietatem  legitimae  centesimae 
a  debitoribus  suis  accipiant,  nee  amplius  ut 
caveant  aut  se  cautione  constringant ,  qui 
commodatam  suscipiunt  pecuniam,  forte  co- 
gantur.     Nam  si  ab  eis  amplius  fuerit  requi- 


Gegrenstand  der  Obligfationen  8  12. 


247 


werden,  verlieren  werden.^     Hingegen  verabsäumen  Schuldner  ohne  Grund,    c.  2,.33, 3 
Senatoren ,2  die  sich  in  den  Jahren  der  Minderjährigkeit  befinden,  die  Schuld  mit 
Zinsen  zurückzugeben,  unter  Berufung  darauf,  dass  Sprösslinge  senatorischen 
Geschlechts  die  Schuld  mit  den  ganzen  Zinsen  nicht  zurückempfangen  sollen: 
demnach    soll   ^dasjenige,     was    in    der    Kaution    mittels    Stipulation    ver- 
sprochen Avorden  ist,^  entrichtet  werden, 
g)  Traiecticia  pecunia  wird  genannt,  was  in  einem  Schiffe  behufs  Überführung   p.  2,14,  3 
in  überseeische  Gegenden  niedergelegt  wird:  weil  es  der  Gefahr  des  Meeres 
anvertraut   wird,   kann    der  Gläubiger    dieses    Geld,    für    soviel  Zinsen   als 
übereingekommen  sein  wird,  ausleihen.* 

2)  Verzug. 

a)  Mora  debitoris  (vgl.  Erstes  Buch,  §  6,  2  b  u.  c). 

a)  Mora  wird  erachtet  stattzuhnden,    wenn    auf  Erfordern  nicht  gegeben  wird.   p.  3, 11,4 

b)  Wenn    es    sich  in  einem  Judicium  um  hinterlegte  Sachen  handelt  und  mit  p.  2, 12,  2 
Bezug  auf  die  Rückgabe  von  selten  desjenigen,  bei  welchem  sie  hinterlegt 
worden    sind,    Verzug  geübt  wird,    so    werden,  ^je   nachdem   die  hinterlegte 

Sache  gewesen  sein  wird,  entw^eder  Zinsen,  wenn  sie  Geld,  oder  Früchte,  w^enn  sie 
Grundstücke  gewesen  sein  werden,^  geschuldet  werden.  Hierin  ist  die  Rechtslage    ^•'^>  ^^  ^ 


1)  T  sagt,  dass  damit  das  Kapital  gekürzt  werde. 

2)  T  spricht  von  Dignitate  praediti. 

3)  Das  Kapital  mit  den  in  die  Stipulation  deducierten  Zinsen. 

4)  Traiecticia  pecunia  verträgt   v^egen  der  Gefahr  des  Gläubigers,  solange  das  Schiff 
auf  Reisen  ist,  unbegrenzte  Zinsen.  5)  Früchte  und  Zinsen. 


ratam  nostri  numinis  definitionem  fuerit  flagi- 
tatum,  imminuendae  sorti  pro  huius  legis 
auctoritate  cessurum. 

C.  2,  33,  3.  Frustra  debitores  in  annis 
minoribus  constitutorum  usuras  se  restituero 
non  debere  contendunt,  quia  sententia  eos 
dignitate  praeditos  esse  testantur.  Unde  sor- 
tem  cum  usuris  in  Stipulationen!  deductis 
restituant. 

g)  P.  2,  14,  3.  Traiecticia  pecunia,  pro- 
pter  periculum  creditoris,  quamdiu  navigat 
navis,  infinitas  usuras  recipere  potest. 


2  a)  a)  P.  3,  11,  4.     .  .  Mora  (autem)  fieri 
videtur,  quum  postulanti  non  datur. 

b)  P.  2,  12,  2.  In  iudicio  depositi  ex 
mora  fructus  veniunt,  et  usurae  rei  depositae 
postulantur. 


situm,    sciant  se   senatores  hoc,    quod    com- 
modaverint,  perdituros. 

Sine  causa  senatoribus  in  annis  minoribus 
constitutis  debitum  cum  usuris  reddere  dissi- 
mulant  debitores,  pvopter  hoc,  quod  senatorio 
genere  nati  debitum  cum  usuris  integris  re- 
cipere non  iubentur:  et  ideo,  quod  cautione 
per  Stipulationen!  promissum  est,  reform etur. 

Traiecticia  pecunia  dicitur,  quae  in  navi, 
ut  ad  transmarina  deferatur,  deponitur,  quia 
maris  periculo  committitur,  in  quantas  con- 
venerit  usuras,  hanc  pecuniam  dare  creditor 
potest. 


Quum  in  iudicio  de  rebus  agitur  commen- 
datis,  si  mora  in  reddendo  ab  eo,  cui  com- 
mendatae  sunt,  afferatur,  prout  res  fuerit 
commendata,  aut  usurae,  si  pecunia,  aut 
fructus,  si  praedia  fuerint,  debebuntur. 

G.  2,  7,  8.     .  .  in   hoc   alia    fidaicommis 
sorum   et  legatorum  conditio   est,  quia  fidei- 
commissa,  si  tardius,   quam  scriptum  sit,  so- 


248 


Privatrecht,     Drittes  Buch. 


der  Fideikommisse  und  der  Legate  eine  verschiedene,  dass,  wenn  Fidei- 
kommisse  später,  als  geschrieben  ist,  gezahlt  gewesen  sein  werden,  Zinsen 
und  Früchte  geschuldet  werden,  hingegen  von  Legaten  Zinsen  nicht  ge- 
schuldet werden,  sondern  bei  Verzug  in  der  Zahlung,  wenn  Damnations- 
legate hinterlassen  gewesen  sein  werden,  eine  Verdoppelung  stattfindet. 
p.  3, 11, 4  Aus  dem  Verzug  bei  Leistung  von  Fideikommissen  oder  Legaten 

können  Früchte  und  Zinsen  beansprucht  w^erden. 

p.  2,  25,  4  c)  Wenn  eine  Frau,  deren  fideikommissarische  Freilassung  angeordnet  worden 
ist,  geboren  haben  wird,  während  der  Fideikommissar  bei  Gewährung  der 
Freiheit,  die  ihm  aufgetragen  worden  ist,  im  Verzug  ist,  wird  derjenige, 
welcher  geboren  ist,  als  ein  Freier  geboren,  weil  das  Zögern  des  Fidei- 
kommissars  seiner  Ingenuität  nicht  im  Wege  stehen  kann. 

ß)  Mora  creditoris. 

c.  4, 17, 1,1  a)  Mit  Bezug  auf  die  Gläubiger,  denen  die  Schuldner  verurteilt  gewesen  sein 
werden,  soll,  wenn  der  Schuldner  das  Geld  gesammelt  und  angeboten  gehabt 
haben  wird  und  jener,  welcher  gesiegt  hat,  im  Hinblick  auf  den  Gewinn  aus  zu 
verdoppelnden  Centesimae  nicht  wird  haben  annehmen  wollen,  ^der  Schuldner 
es  versiegelt  bei  geeigneten  Personen  niederlegen  lassen,^  um  dem  Nachteil 
der  Verzinsung  künftig  nicht  unterliegen  zu  können. 

c.  2, 33, 1       b)  Wird  derjenige,  welcher  flüssige  Früchte,  das  ist  Wein  und  Ol  oder  irgend- 


1)  Der  Schuldner  entweder  versiegelt  es  bei  den  ludices  niederlegen  oder  dem  Gericht 
anbieten. 


P.  3,  11,  4.  Ex  mora  praestandorum 
fideicommissorum  vel  legatorum  fructus  et 
usurae  peti  possunt  .  . 

c)  P.  2,  25,  4.  Ex  ca  muliere  natus,  quae 
ex  causa  fideicommissi  manumitti  debuit,  si 
mora  libertati  facta  nascatur,  ingenuus  nas- 
citur. 


ß)  a)  C.  4,  17,  1,  1.  .  .  Cavendum  (quippe) 
ex  diverso  est  etiam  contra  illam  malitiam 
creditorum,  ne,  iudicatis  ad  solutionem 
cunctantibus,  incipiant  spe  dupli  foenoris  im- 
minere;  quamquam  iudicatum,  si  hanc  poe- 
nam  a  se  removere  festinet,  contractam  pe- 
euniam  vel  apud  iudices  obsignatam  locare 
vel  iudicio  conveniat  ofi'erre,  ut  periculum 
duplicium  usurarum  incurrere  ex  ea  die,  qua 
obnoxius  esse  coeperit,  desistat, 

b)  C.  2,  33,  1.  Qaicunque  fruges  humidas 
vel  arentes  indigentibus  mutuas  dederint,  .  . 
Quodsi  conventus  creditor  propter  commodum 


luta  fuerint,  usurae  et  fructus  debentur:  le- 
gatorum vero  usurae  non  debentur,  sed  ex 
mora  solutionis,  si  per  damnationem  relicta 
fuerint,  duplicantur. 


Si  ea  mulier,  quae  per  fideicommissum 
manumitti  iussa  est,  fideicommissario  in  prae- 
standa  libertate,  quae  ei  mandata  est,  moram 
faciente  pepererit,  qui  natus  est,  ingenuus 
nascitur:  quia  fideicommissarii  tarditas  inge- 
nuitati  eins  obesse  non  potest. 

.  .  (contra)  creditorum  (malitiam),  quibus 
debitores  addicti  fuerint,  .  .  si  collectam  pe- 
cuniam  habuerit  debitor  et  oblatam;  et  ille, 
qui  vicit,  noluerit  pro  lucro  duplandarum  cen- 
tesimarum  accipere,  signatam  eam  debitor 
apud  idoneas  faciat  sequestrari  personas,  ut 
damnum  usurarum  postea  non  possit  incur- 
rere. 


(Quicunque)  fruges  humidas,  id  est  vinum 
et  oleum,  vel  quodcunque  annonae  genus 
alteri  (commodaverit  .  .).     Quodsi  conventus 


Subjekte  der  Obligationen  §  13. 


249 


welche  Art  Getreide  einem  Andern  leiht,  angegangen  gewesen  sein  und 
wegen  des  höheren  Zinses  das  ihm  Geschuldete  mit  Zuschlag  eines  dritten 
Modius  von  dem  Schuldner  nicht  haben  zurückempfangen  wollen,  so  soll 
er  auch  die  Schuld  verlieren.^ 


IL  Subjekte  der  Obligationen  §  13. 

1)  Im  allgemeinen. 

a)  Von  der  Person  des  Erben  kann  eine  Obligation  nicht  ihren  Anfang  nehmen,   g.  2,  9, 7 

aa)  Frage  und  Versprechen  ist  wirkungslos,  wenn  irgend  Jemand  der-  ^\l's' 
art  den  Schuldner  fragt:  versprichst  Du  nach  meinem,  bez.  Deinem 
Tode  jenes  zu  geben  ?  Das  ist  um  deswillen  für  wirkungslos  erachtet 
worden,  weil  von  der  Person  des  Erben  eine  Obligation  nicht  ihren 
Anfang  nehmen  kann.  Dem  gemäss  wird  aus  dieser  Sponsion  weder 
dem  Erben  des  Gläubigers  der  Schuldner  verbunden,  noch  ist  der 
Erbe  des  Schuldners  dem  Gläubiger  haftbar.  Ingleichen  ist  eine  Obli- 
gation wirkungslos,  wenn  der  Gläubiger  sagt:  versprichst  Du  zu  geben, 
einen  Tag  bevor  ich  sterbe,  oder  den  Schuldner  fragt,  einen  Tag 
bevor  Du  stirbst:  übereinstimmend  wird  auch  diese  Stipulation  für  wir- 
kungslos erachtet,  weil  sich  nicht  wissen  lässt,  wann  es  ist,  einen 
Tag  bevor  Jemand  stirbt,    er  wird  denn  gestorben  gewesen  sein. 

2)  Die  sogenannten  Actiones  adiecticiae. 
a)  Actio  quod  iussu. 

a)  Keiner   soll   den  Herrn   zur  Rückgabe    der  Schuld  verpflichten,    wie  bisher  c.  2, 31,1 


1)  Vgl.  ly,  a. 


usurarura  debitumrecipere  noluerit,  non  solum 
usuris,  sed  etiam  debiti  quantitate  privandns 
est  .  . 

1)  a) 

aa) 


2  a)  a)  C.  2,  31,  1.     Dominos  ita  constringi 


fuerit  ille,  qui  commodat,  et  pro  maiore 
usura  noluerit  debitum  suum  adiecto  tertio 
modio,  a  debitore  recipere,  etiam  debitum 
perdat  .  . 

G.  2,  9,  7.  .  .  a  persona  heredis  obli- 
gatio incipere  non  potest. 

G.  2,  9,  7  u.  8.  (Praeterea)  inutilis  est  inter- 
rogatio  et  promissio,  si  ita  aliquis  interroget 
debitorem,  post  mortem  meam,  vel,  tuam 
illud  dari  spondes?  Quod  propterea  inutile 
visum  est,  quia  a  persona  heredis  obligatio 
incipere  non  potest.  Ideo  nee  heredi  cre- 
ditoris  sub  hac  sponsione  obligatur  debitor, 
nee  debitoris  heres  creditori  tenetur  obnoxius. 
Item  inutilis  est  obligatio,  si  dicat  creditor, 
pridie,  quam  moriar,  dare  spondes?  vel  inter- 
roget debitorem,  pridie,  quam  moriaris?  simi- 
liter  et  haec  stipulatio  inutilis  iudicatur,  quia 
non  potest  sciri,  quando  sit  pridie,  quam  ali- 
quis raoriatur,  nisi  postquam  mortuus  fuerit. 

Nullus  dominum  ad  reddendum  debitum, 


250 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Gr.  9,  1 


P.  1,4,  6 


geschah,  Avenn  er  nicht  nachgewiesen  haben  wird,  auf  Ersuchen  des  Herrn 
seinem  Sklaven,  bez.  Aktor,  Geld  gewährt  zu  haben. ^  AVird  demnach 
Jemand  einem  Sklaven,  Kolonen,  Pächter,  Prokurator  oder  Aktor  Geld,  ohne 
Ersuchen  des  Herrn,  gegeben  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  die  Herren  des 
Bodens  um  dieser  Schuld  willen  unter  keinen  Umständen  haftbar  gemacht 
werden  können :'2  vielmehr  mögen  diejenigen,  welche  ohne  Ersuchen  des 
Herrn  solchen  Personen  Geld  kreditiert  oder  Bürgen  nicht  empfangen 
haben  werden,  wissen,  dass  sie  dasjenige,  was  geliehen  worden  ist,  verlieren 
Averden  und  es  nicht  von  dem  Herrn  zurückgefordert  werden  kann. 

b)  "Wird  der  Vater  einen  lussus  erteilt  haben,  dass  Geld  geliehen  werde,  so 
darf  nicht  gefragt  werden,  was  der  Sohn  mit  diesem  Gelde  getrieben  haben 
wird,  sondern  soll  der  Vater  die  Schuld  ohne  Verzug  zurückerstatten.^ 

c)  Wenn  ein  Vater  oder  Herr  dem  Sklaven  oder  Haussohn  fremde  Geschäfte 
zur  Besorgung  überlassen  haben  wird,  wird  er  In  solidum  haftbar. 


1)  T  bezeichnet  die  Klage,  von  welcher  die  Rede  ist,  als  Actio  praetoria,  quae  appel- 
latur  Quod  iussu. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  die  Familiäres  epistolae,  welche  Empfehlungen  enthalten,  nicht 
hierfür  gebraucht  werden  dürfen,  dass  der  Dai leiher  fälschlich  die  Verwendung  des  Geldes 
für  die  Grundstücke  behauptet. 

3)  T  fügt   hinzu,    dass  die  Perpetua  actio  gegen  den  Vater,    auch  nach  dem  Tode  des 
Sohnes,  zustehe  (et  perpetua  in  patrem,  etiam  mortuo  eo  filio,  actio  est). 


manifestum  est  actione  praetoris,  qnae  ap- 
pellatur  Quod  iussu,  si  certam  numerari  prae- 
ceperint  servo  actorive  pecuniam.  Igitur  in 
perpetuum  edictali  lege  sancimus,  ut,  qui 
servo,  colono,  conductori,  procuratori  acto- 
rive possessionis  pecuniam  commodat,  sciat, 
dominos  possessionum  cultoresve  terrarum  ob- 
ligari  uon  posse.  Neque  familiäres  epistolae, 
quibus  homines  plerumque  commendantur 
absentium,  in  id  trahere  convenit,  ut  pecu- 
niam quoque,  quam  non  rogatus  fuerat,  im- 
pendisse  se  pro  praediis  mentiatur:  quum,  nisi 
specialiter,  ut  pecuniam  commodet,  a  domino 
fuerit  postulatus,  idem  dominus  teneri  non 
possit;  creditaque  quantitate  mulctari  volu- 
mus  creditores,  si  huiusmodi  personis  non 
iubente  domino,  nee  fideiussoribus  specialiter 
acceptis  fuerit  commodata  pecunia. 

b)  Gr.  9,  1.  .  .  filiofamilias  .  .  si  iussu 
patris  datum  (ei)  probetur,  nee,  in  quos  usus 
versa    sit    pecunia,   disquiri  necesse    est    .   . 

c)  P.  1,  4,  6.  Si  pater  vel  dominus  servo 
vel  filiofamilias  aliena  agenda  negotia  com- 
miserit,  in  solidum  tenebitur. 


sicut  hucusque  fiebat,  adstringat,  nisi  servo 
suo  vel  actori  pecuniam  rogante  domino 
praestitisse  convicerit.  Et  ideo  si  quis  servo, 
colono,  conductori,  procuratori  vel  actori  pe- 
cuniam non  rogante  domino  dederit,  sciat, 
dominos  teirarum  propter  hoc  debitum  nuUa- 
tenus  posse  teneri;  sed  qui  non  rogante  do- 
mino pecuniam  talibus  personis  crediderint 
aut  fideiussores  non  acceperint,  ea,  quae 
commodata  sunt,  se  noverint  perdituros,  nee 
a  domino  posse  reposci. 


.  .  filiofamilias  .  .  si  pater  iusserit,  ut 
pecunia  praestaretur,  non  quaerendum  est. 
quid  de  ea  pecunia  fecerit,  sed  debitum  pater 
sine  mora  restituat. 


Subjekte  der  Obligationen  §  13. 


251 


P)  Actio  de  peciilio. 

a)  Wird    einem    Haiiskinde    oder    Sklaven    irgend    etwas    durch  Furtum  weg-  p.  2, 32, 21 
genommen   gewesen   sein,    so  wird   dem  Vater   oder  Herrn    die  Furti  actio 
zukommen,    weil    ihnen    mit    Recht    diese    Actio    gewährt   wird:    aus   den 
Personen  Jener  pflegen  sie  zuweilen  verklagt  zu  werden.  ^ 

b)  Wenn    ein  Haussohn    oder  ein  Sklave  ^  ohne  einen  lussus  des  Vaters  oder  p.1,4, 5 
des   Herrn '^  fremde   Geschäfte  geführt  haben  wird,  und  sie  hieraus  haftbar 
befunden  werden,  ^so  wird  der  Vater  oder  Herr  so  viel  von  dem  Schaden  tragen, 

als  in  ihrem  Peculium  wird  haben  gefunden  werden  können.^ 

c)  Dies   wollen  wir   den  Gläubigern    eingeräumt   wessen,  dass  der  Aktor,  bez.    c.  2,32, 1 
Sklave,    oder  Procurator  eines  Besitzes,    der  von  dem  Gläubiger  Geld  auf- 
genommen haben  wird,  ^  falls  er  dem  Herrn  aus  seinen   Rechnungen  nichts 
schuldig  gewesen    sein    wird,^  ^mit  Bezug  auf  das  Geld,  das  er  empfangen 

hat,  aus  dem  Peculium,  das  er  besitzt,  den  Gläubigern  zahlen  soll.^ 

d)  Wird    der  Haussohn    in    der   Fremde    gestorben    sein,    so    kaiui    innerhalb   Gr.  9, 1 
Jahresfrist    derjenige,    welcher  Geld    gehehen  hat.  De  peculio  klagen,    dass 

ihm  die  Schuld  zurückerstattet  werde.^ 

Y)  Actio  De  in  rem  verso. 

a)  Wenn  der  Sklave   oder  Haussohn  ein  Darlelm  von  irgend  Jemandem  auf-  p.  2, 9, 1 


1)  Vgl.  S.  9  Anm.  2.  2)  Hiervon  wird  in  T  nicht  gesprochen. 

3)  So  wird  gegen  den  Vater  oder  Herrn  die  Actio  Peculio  tenus  gegeben  werden. 

4)  Si  Über  a  rationibus  fuerit,  quas  regebat. 

5)  T  spricht  von  Zuständigkeit  einer  utilis  actio  de  peculio  in  dem  genannten  Falle 
einer  Geldaufnahme. 

6)  Aus  einem  Kontrakte  des  Sohnes  steht  nach  dem  Tode  desselben  die  Actio  de  pe- 
culio gegen  den  Vater  nur  dann  zu,  wenn  die  Frist  eines  Annus  utilis  die  Klage  nicht  hindert. 


fi)  a)  P.  2,  32.  21.  Pater  vel  dominus  de 
ea  re,  quae  filiofamilias  vel  servo  surrepta  est, 
furti  agere  potest:  interest  enim  ei  deferri 
actionem,  qui  de  peculio  convenitur. 

b)  P,  1,  4,  5.  Filiusfamilias  aut  servus  si 
negotium  alicuius  gerat,  in  patrem  dominumve 
peculio  tenus  actio  dabitur. 


c)  C.  2,  32,  1.  Hoc  quoque  creditoribus 
non  negamus,  ut,  si  liber  a  rationibus  fuerit, 
quas  regebat.  inventus  actor,  servus  procura- 
torve  praediorum,  utilis  actio  pateat  de  pe- 
culio. 

d)  Gr.  9,  1.  .  .  ex  contractu  filii  post 
mortem  eius  de  peculio  actio  in  patrem  com- 
petere  ita  demum  potest,  si  anni  utilis  spa- 
tium  petitionem  non  impedit  .   . 

Y)  a)  P.  2,  9,  1.     Servus  vel  liliusfamilias 


Si  filiofamilias  vel  servo  furto  aliquid 
sublatum  fuerit,  ad  patrem  vel  dominum 
furti  actio  pertinebit:  quia  merito  eis  haec 
actio  datur,  ex  quorum  personis  solent  ali- 
quoties  conveniri. 

Si  filiusfamilias  aut  servus  sine  iussu  pa- 
tris  aut  domini  negotia  gesserint  aliena,  et 
ex  hoc  inveniuntur  obnoxii,  tantum  damni 
pater  vel  dominus  sustinebit,  quantum  in 
eorum  peculio  potuerit  inveniri. 

Hoc  sane  creditoribus  volumus  esse  prae- 
standum,  ut  actor  vel  servus  sive  procurator 
possessionis,  qui  pecuniam  a  creditore  sus- 
ceperit,  si  nihil  de  rationibus  suis  domino 
debuerit,  pro  pecunia,  quam  accepit,  de  pe- 
culio, quod  habet,  creditoribus  reddat. 

.  .  Quod  si  ipse  filiusfamilias  in  pere- 
grinis  fortasse  defecerit,  intra  anni  spatium, 
qui  pecuniam  commodavit,  de  peculio  potest 
petere,  ut  sibi  debitum  reformetur  .  . 

Si  servus  vel  filiusfamilias  mutuam  pecu- 


252 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


genommen  haben  wird,  und  erwiesen  wird,  dass  er  es  für  die  Interessen  des 
Vaters  oder  Herrn  und  für  notwendige  Dinge  verwendet  habe,i  so  muss 
wegen  dieser  Schuld  der  Yater  oder  Herr  zur  Zahlung  angehalten  werden.^ 

o)  Actio  institoria. 

p.  2,8, 1  a)  Wie  wir  aus  der  Greschäftsführung  des  vorgesetzten  Institor  die  Vorteile 
geniessen,  so  müssen  wir  auch  die  Nachteile  tragen.  Hat  demgemäss  Jemand 
einen  Sklaven  oder  den  Haussohn,  bez.  die  Haustochter  oder  eine  Sklavin, 
den  Geschäften  oder  dem  Betriebe  eines  Handelsgeschäfts  vorgesetzt,  so 
wird  er  in  ihrem  Namen  auf  das  Ganze  belangt. 

P.  2,  8, 2  b)  Ergiebt  sich  von  irgend  Jemandem,  dass  er  eine  beliebige  Person,  entweder'^ 
behufs  Geschäftsführung^  oder  für  das  Ressort  der  Kultur  oder  für  Ein- 
bringung und  Verkauf  von  Früchten  vorgesetzt  hat,  *so  wird,  falls  ein  Schaden 
durch  seine  Geschäftsführung  erwachsen  sein  wird,  er  denjenigen  treffen, 
welcher  ihn  .eingesetzt  hat,^  er  sei  Sklave,  er  sei  frei. 

p.  2, 8, 3  c)  Wenn  mit  den  Lehrlingen  ^oder  den  Lohnbedienten ^  der  Budenbesitzer  oder 
irgendwelcher  Offizin  irgend  ein  Geschäft  geschlossen  gewesen  sein  wird,  ^wird 


1)  Wenn  ein  Sklave  oder  Haussohn  Geld,  das  er  empfangen  hat,  In  rem  patris,  bez. 
domini,  verwendet  haben  wird,  z.  B.  indem  er  den  Acker  bebaute,  das  Haus  stützte,  die 
Sklaven  kleidete,  Kaufgeschäfte  trieb  oder  den  Schuldner  bezahlte,  bez.  dergleichen  verrichtete. 

2)  T  fügt  hinzu:  vorausgesetzt  jedoch,  dass  das  Geld  um  dessenwillen  gegeben 
worden  ist  (si   tamen  ob  hanc  causam  pecunia  data  sit). 

3)  Behufs  verzinslicher  Anlegung  von  Kapital. 

4)  So  wird  mit  Bezug  auf  das^jenige,  was  mit  ihm  kontrahiert  worden  ist,  der  Eigen- 
tümer des  Grundstücks  In  solidum  verpflichtet. 

5)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


si  acceptam  pecuniam  in  rem  patris  v»  1  do- 
mini verterit,  hoc  modo,  agrum,puta,  colendo, 
domum  fulciendo,  mancipia  vestiendo,  mer- 
cando,  vel  creditori  solvendo,  vel  quid  talo 
faciendo,  de  in  rem  verso  in  solidum  vel 
patrem   vel  dominum  obligat  .  . 

8)  a)  P.  2,  8,  1.  Sicut  commoda  sentioius 
ex  actu  praepositi  institoris,  ita  et  incom- 
moda  sentire  debemus.  Et  ideo  qui  servum 
sive  filium  filiamve  familias  sive  ancillam 
praeposuit  negotiis  vel  mercibus  exercendis, 
eorum  nomine  in  solidum  convenitur. 

b)  P.  2,  8,  2.  Si  quis  pecuniae  foene- 
randae  agroque  colendo,  condendis  venden- 
disque  frugibus  praepositus  est,  ex  eo  nomine, 
quod  cum  illo  contractum  est,  in  solidum 
fundi  dominus  obligatur:  nee  interest,  servus 
an  über  sit. 

c)  P.  2,  8,  3.  Quod  cum  discipulis  eorum, 
qui  officinis  vel  tabernis  praesunt,  contrac- 
tum est,  in  magistros  vel  institores  tabernae 
in  solidum  actio  dabitur. 


niam  a  quocunque  susceperit  et  in  utilitati- 
bus  patris  vel  domini  necessariisque  rebus 
eam  expendisse  probatur ,  pro  hoc  debito 
patrem  vel  dominum  ad  solutionem  necesse 
est  retineri. 


Quicunque  quamlibet  personam  aut  ad 
exercendum  negotium  aut  pro  ratione  cultu- 
rae  aut  condendis  vendendisque  fructibus 
praeposuisse  cognoscitur,  si  quid  damni  per 
eius  actum  accesserit,  ad  eum,  qui  eum  in- 
stituit,  pertinebit,   sive  servus,  sive  liber  sit. 

Si  quid  cum  discipulis  vel  mercenariis 
tabernariorum  vel  cuiuslibet  officinae  actum 
fuerit,  ad  magistrum  officinae  vel  institorem 
tabernae  damnum,  quod  accesserit,  pertinebit. 


Subjekte  der  Obligationen  §  13. 


253 


der  ScliadeD,  der  entstanden  sein  wird,  den  Magister  der  Offizin,   bez.  den 
Institor  der  Bude,  treffen.^ 

e)  Actio  exercitoria. 

a)  Wenn  ein  Haussohn  mit  dem  AVillen  des  Vaters  ein  Schiff  ausrüstet,  ver-  p.  2,  e,  1 
pflichtet  er  mit  Bezug  auf  dasjenige,   was   er   zur  unversehrten  Bewahrung 
aufgenommen  haben  wird,  den  Vater  In  sohdum. 

3)  Noxalklagen. 

a)  Wird  ein  Sklave  gegen  irgend  Jemanden  ein  Furtum  verübt  oder  ihm  eine  p.  2, 32, 11 
Beschädigung  zugefügt  haben,  so  wird  er  ihn,  2  falls  sein  Herr  für  ihn  nicht 

wird   haben    zahlen    wollen,^   ^einer  Strafe  nach  Art  der  That^  überliefern 
müssen. 

b)  Die  Strafe  folgt  stets  dem  schuldigen  Haupte.  p.  2, 32, 12 

In  Allem  folgt  die  Strafe  dem  schuldigen  Haupte.  p.  2, 32, 13 

aa)  Wird  ein  Haussohn  ein  Furtum  verübt  haben  und  hierauf  emanzipiert,  p.  2, 32, 13 

so  wird  die  Furti  actio  gegen  ihn  gegeben, 
bb)  AVenn    ein  Sklave    ein  Furtum    verübt    haben    und  hernach  entweder  p.  2,32, 12 

freigelassen   oder   verkauft*  gewesen   sein   wird,    so  haftet  ^auf  Ersatz 

für  das  Furtum^  entweder  derjenige,   welcher  freigelassen  worden  ist, 

oder  der  Käufer  des  Sklaven. 

c)  Ein  Sklave,  welcher   auf   der  Flucht   ist,    wird    von    dem    Herrn  besessen;  p. 2, 32,27 
hingegen  haftet  in  seinem  Namen  der  Herr  mit  der  Furti  actio  nicht,  weil 

er  ihn  nicht  in  der  Potestas  hat. 


1)  Wird    gegen  Magistri  oder   Institores  der  Taberna  In  solidum  die  Actio    gegeben 


werden. 


2)  Nisi  id  pro  sui  quantitate  dominus  sarcire  sit  paratus.  3)  Noxae. 

4)  Alienatus.  "  5)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


s)  a)  P.  2,  6,  1.  Filiusfamilias,  si  volun- 
tate  patris  navem  exerceat,  patrem  in  soli- 
dum ob  ea,  quae  salva  receperit,  obligat. 

3)  a)  P.  2,  32,  11.  Servus,  qui  furtum  fe- 
cerit  damnumve  dederit,  nisi  id  pro  sui  quan- 
titate dominus  sarcire  sit  paratus,  noxae  dedi 
potest. 

b)  P.  2,  32,  12.  ,  .  noxa  (enim)  caput  se- 
quitur. 

P.  2,  32,  13.  .  .  in  omnibus  noxa  caput 
sequitur. 

aa)  P.  2,  32,  13.  Filiusfamilias  si  furtum 
fecerit,  deinde  emancipetur,  furti  actio  in 
eum  datur  .  . 

bb)  P.  2,  32,  12.  Si  servus  furtum  fecerit, 
deinde  manumissus  fuerit  aut  alienatus,  cum 
ipso  manumisso  vel  emtore  agi  potest  .  . 

c)  P.  2,  32,  27.     Servus,  qui  in  fuga  est, 


Si  servus  alicui  furtum  fecerit  vel  dam- 
num  dederit,  si  dominus  eius  pro  eo  reddere 
noluerit,  tradere  eum  vindictae  pro  qualitate 
facti  debebit. 

.  .  noxa  semper  caput  sequitur. 


Si  servus  furtum  fecerit  et  postea  aut 
manumissus  aut  venditus  fuerit,  aut  is,  qui 
manumissus  est,  pro  furti  redhibitione  tene- 
bitur  aut  emtor  eius  .  . 


254 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


III.  Entstehung  der  Obligationen. 

A)   Übersicht   der  Entsteh ungsgründe   §   14. 

1)  Im  allgemeinen. 

o.  2, 9pr.       a)  Die  Obligation  wird  in    zwei  Species  verteilt:    denn    alle  Obligationen    ent- 
stehen entweder  Ex  contractu  oder  aus  Schuld, 
p.  5, 14,5       b)  Aus  blosser  Pollicitatio  entsteht  keine  Actio. 

2)  Obligationen  aus  Kontrakt. 
a)  Einteilung. 

<5.2, 9rr.  a)  Die  Obligationen,  die  aus  Kontrakt  entstehen,  sind  vier  Klassen,  die  einzeln 
in  folgender  Art  unterschieden  werden:  eine  Obligation  wird  nämlich  ent- 
weder Re  eingegangen  oder  Verbis  oder  Literis  oder  Consensu. 

p.  2, 14, 1  b)  Pactum  nudum  wird  genannt,  wenn  dem  Gläubiger  seitens  des  Schuldners 
eine  Kaution,  in  welcher  er  die  Centesima  zahlen  zu  sollen  versprochen  hat, 
ohne  Stipulation  ausgestellt  wird.^ 

ß)  Erfordernisse. 
•G.  2, 9, 5       a)  Ein  Versprechen  ist  ungiltig,  mag  es  auch  mit  Hinzutritt  einer  Stipulation 
geschehen  sein,  wenn  irgend  Jemand  dasjenige  geben  zu  sollen  versprochen 
haben  wird,  was  seines  Rechtes  nicht  ist:  das  will  sagen,  wenn  er  entw^eder 


1)  Vgl.  S.  242  Anm.  1, 


a  domino  quidem  possidetur,  sed  dominus 
furti  actione  eins  nomine  non  tenetur:  quia 
in  potestate  eum  non  habet. 

1)  a) 


b)  P.   5,    14,   5.      Ex    nuda    pollicitatione 
nulla  actio  nascitur  .  . 

2  a)  a) 


b)  P.  2,  14,  1.  Si  pactum  nudum  de  prae- 
standis  usuris  interpositum  sit,  nullius  est 
momenti:  ex  nudo  enim  pacto  inter  cives 
Romanos  actio  non  nascitur, 

ß)  a) 


G.  2,  9  pr.  Obligatio  in  duas  species 
dividitur:  nam  omnes  obHgationes  aut  ex 
contractu  nascuntur  aut  ex  culpa  .  . 


G.  2,  9  pr.  .  .  obligationes  .  .  Quae  ex 
contractu  nascuntur,  quatuor  genera  sunt, 
quae  singula  hoc  ordine  distinguuntur:  aut 
enim  re  contrahitur  obligatio,  aut  verbis,  aut 
literis,  aut  consensu. 

Pactum  nudum  dicitur,  si  cautio  creditori 
a  debitore,  in  qua  centesimam  se  soluturum 
promisit,  sine  stipulatione  fiat  .  . 

G.  2,  9,  5.  (Praeterea)  inutilis  est  promissio, 
etiamsi  stipulatione  interveniente  facta  sit, 
si  aliquis  id  se  daturum  promiserit,  quod  sui 
iuris  non  est:  hoc  est,  si  aut  ingenuum  homi- 
nem  quasi  servum  se  daturum  promittat ;  aut 
si  mortuum  aliquis,  quem  vivura  credebat, 
promiserit:    aut  iocum  sacrum   aut  sanctum 


üb 


ersieht  der  Entstehungsgründo  §  14. 


255 


einen  freien  Menschen  als  Sklaven  geben  zu  sollen    verspricht,    oder    wenn 
irgend  Jemand    einen  Gestorbenen,  den    er    für    lebend    hielt,   versprochen 
haben    wird   oder    eine   beliebige    Person    einen    Locus  sacer   oder    sanctus 
oder  religiosus  geben  zu  sollen  versprochen  haben  wird, 
b)  Wenn  zwischen    irgendwelchen  Personen,    entweder    wegen  Begehung  eines   p.  1,1,2 
Verbrechens,  bez.  wegen  Verübung  einer  Gewaltthätigkeit,  resp.  Verrichtung 
desjenigen,  was  das  Gesetz  oder  die  Ehrbarkeit  verbieten,  oder  wegen  fremden 
Gutes    eine    Übereinkunft    stattfindet,    oder    wenn    sie    mit   Bezug  auf    das 
Vermögen    eines   Lebenden    irgend    etwas   verabreden,    können   diese    Ver- 
abredungen  nicht  gelten:  ^wenn    es   auch  unbillig   ist,    dass   das  Vermögen   c.  2, 21,2 
Lebender    geteilt   wird,^  soll  indessen,    falls    die    Mutter   bei    Lebzeiten    ihr 
Vermögen  den  Kindern  zur  Teilung  vorgeschrieben  und  überlassen  und  bis 
zum  Ausgang  ihres  Lebens  bei  demselben  Willensentschlusse  beharrt  haben 
wird,  die  unter  den  Kindern  veranstaltete  Teilung  Bestand  haben. 

aa)  Wir  können  entweder  unsere  oder  fremde  Geschäfte  Jedermann  zur  G.  2,9,  is 
Besorgung  auftragen,  vorausgesetzt  dass  wir  irgend  etwas  Ehrbares 
zu  besorgen  auftragen:  denn  wenn  wir  gegen  die  guten  Sitten  irgend 
etwas  werden  haben  auftragen  wollen,  das  will  sagen,  wenn  wir  einer 
beliebigen  Person  auftragen,  gegen  irgend  Jemanden  einen  Diebstahl 
zu  verüben  oder  einen  Mord  oder  Ehebruch  zu  begehen,  so  Avird  bei 
diesen  Sachen  eine  Mandatsobhgation   m'cht  eingegangen. 


1)  Weder    gegen    die  Gesetze    noch    gegen    die    guten  Sitten   können  wir    eine  Ver- 
abredung treffen. 

2)  Niemandem    ist    die  Befugnis  gewährt    worden,    das  Vermögen   von   Lebenden   zu 
usurpieren  oder  zu  teilen. 


b)  P.  1,  1,  2.     Neque  contra  leges,  neque 
contra  bonos  mores  pacisci  possumus. 


C.  2,  24,  2.  NuUi  quidem  de  bonis  usur- 
pandis  vivorum,  nee  dividendi  contra  bonos 
mores  concessa  licentia  est:  sed  si  praeci- 
piente  raatre  bona  eius  inter  se  liberi  divi- 
serunt,  placuit  omnifariam  nobis,  huiusmodi 
divisionem  durare,  si  modo  usque  ad  extre- 
mum  eius  vivendi  spatium  voluntas  eadem 
perseverasse  doceatur. 

aa) 


aut  religiosum  daturum  se  quicunque  promi- 
serit. 

Si  inter  aliquos  conveniat,  aut  de  admit- 
tendo  crimine,  vel  inferenda  violentia,  vel 
faciendo,  quod  lex  aut  honestas  prohibet, 
aut  de  rebus  alienis,  aut  si  de  bonis  viventis 
aliquid  paciscantur,  haec  pacta  valere  non 
possunt. 

Licet  vivorum  bona,  ut  dividantur,  in- 
iustum  sit,  tamen  si  mater  vivens  facultates 
suas  filiis  praeceperit  et  permiserit  dividen- 
das,  et  usque  ad  exitum  vitae  suae  in  eadem 
voluntate  perstiterit,  divisio  inter  filios  facta 
perduret. 


G.  2,  9,  18.  .  .  Possumus  aut  nostra  ne- 
gotia  aut  aliena  cuicunque  agenda  mandare: 
dummodo  honestum  aliquid  agi  mandemus. 
Nam  si  contra  bonos  mores  aliquid  mandare 
voluorimus,  hoc  est,  si  cuiquam  mandemus, 
ut  alicui  furtum  faciat,  aut  homicidium  aut 
adulterium  admittat,  in  his  rebus  mandati 
oblicratio  non  contrahitur  .  . 


256 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


c.  2, 9, 1  c)  ^Weiiii  Jemand  nach  dem  25.  Jahre  seines  Lebens  gegenüber  seiner  Ver- 
abredung oder  Abmachung,  die  er  ohne  Zwang  von  seilen  einer  Potestas 
getroffen  hat  und  vielmehr  aus  freiem  WiUen  geschlossen  zu  haben  be- 
funden wird,  sei  es  die  ludices  zu  interpellieren  oder  die  Gemüter  der 
Potestates  gegen  dasjenige  was  er  getlian  hat,  mit  Preces  anzugehen  sich  ange- 
masst  oder  dasjenige  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  wu"d,  was  die  Niederschrift 
seiner  Abmachung,  miter  Leistung  eines  Eides,  bezeugt,  so  soll  er  aus  diesem 
Sachverhalt  nicht  nur  für  infam  erklärt  Averden,  sondern  auch  diese  Sache  zu 
betreiben  nicht  befugt  sein,  und  gezwungen  werden,  die  Strafe,  welche  er  in 
dem  Vertrage  angeordnet  hat,  zu  entrichten,  und  soll  Alles,  was  seiner  Seite 
durch  diese  Urkunde  zugCAviesen  gewesen  sein  wird,  unverzüglich  denjenigen 
konferiert  werden,  welche  die  Abmachung  der  getroffenen  Vereinbarung 
ohne  irgendwelches  Widerstreben  in  Acht  genommen  haben  werden.  Wir 
befehlen,  dass  diejenigen  von  dem  gleichen  Straflose  betroffen  werden, 
welche,  während  sie  in  die  Verträge  die  Namen  der  Herren  einreihen,  die 
Festsetzungen  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  werden,^  ^mit  der  Massgabe,  dass 
zu  Gunsten  derjenigen  als  Lohn  für  die  Befolgung  der  Vereinbarung  Ac- 
crescenz  stattfinden  soll,  die  Eide  und  Festsetzungen  in  Acht  genommen 
haben  werden.^ 

p.  1, 1, 1  d)  Wenn  mit  Bezug  auf  die  eine  Sache  zwischen  denselben  Personen  zwei 
Pactiones  geschehen,  Avird  die  spätere  Geltung  haben.^ 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  21,  2  m.  2)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

2)  Ein  jedes  Pactum   wird   durch  ein  jüngeres  Pactum   aufgelöst,    mag  es  auch  eine 
Exceptio  erzeugen. 


c)  C.  2,  9,  1.  Si  quis  maior  annis  adver- 
sum  pacta  vel  transactiones  nullo  cogentis 
imperio,  sed  libero  arbitrio  et  voluntate  con- 
fecta  pataverit  esse  veniendum,  vel  inter- 
pellando  iudicem,  vel  supplicando  principibus, 
vel  non  implendo  promissa  ea,  quae  invocato 
dei  omnipotentis  nomine,  eo  auctore,  solida- 
verit,  non  solum  inuratur  infamia,  verum 
etiam  actione  privatus,  restituta  poena,  quae 
pactis  probatur  inserta,  earum  rerum  et  pro- 
prietate  careat  et  emolumento,  quod  ex  pacto 
vel  transactione  illa  fuerit  consecutus.  Quae 
omnia  eorum  mox  commodo  deputabuntur, 
qui  intemerata  pacti  iura  servaverint.  Eos 
etiam  huius  litis  vel  iactura  dignos  iubemus 
esse  vel  munere,  qui  nomina  nostra  placitis 
inserentes,  salutem  principum  confirmationem 
initarum  esse  iuraverint  pactionum. 


d)  P.  1,  1,  1.     Omne    pactum    posteriore 
pacto  dissolvitur,  licet  pariat  exceptionem. 


Si  quis  post  XKV.  aetatis  suae  annum  ad- 
versus  pactionem  vel  definitionem  suara,  quam 
nuUa  potestate  constrictus  emisit,  sed  volun- 
tate propria  fecisse  dignoscitur,  aut  inter- 
pellare  iudices  aut  potestatum  animos  contra 
hoc,  quod  fecit,  precibus  adire  praesumserit 
aut  implere  neglexerit  ea,  quae  sub  sacra- 
menti  interpositione  definitionis  suae  scrip- 
tura  testatur:  non  solum  ex  hoc  facto  pro- 
nuntietur  infamis,  sed  nee  causam  ipsam 
agere  permittatur  et  poenam,  quam  in  pacto 
constituit,  cogatur  exsolvere:  et  quicquid 
partibus  suis  per  eandem  scripturam  fuerit 
deputatum,  illis  continuo  conferatur,  qui 
emissae  pactionis  definitionem  sine  aliqua 
contrarietate  servaverint.  Illos  quoque  prae- 
cipimus  similis  poenae  conditione  constringi, 
qui  dominorum  nomina  placitis  inserentes, 
definita  implere  neglexerint:  quod  illis  pro 
munere  conservatae  pactionis  accrescat,  qui 
sacramenta  et  definita  servaverint. 

Si  de  una  re  inter  ipsas  personas  duae 
pactiones  fiant,  posterior  valebit. 


Obligationes  qufie  re  contrahuntur  §  15. 


257 


o)  Obligationen  aus  Delikt. 

a)  Aus  Delikt  eiitstelien  Obligationen,  wenn  irgend  Jemand  ein  Furtum  verübt   a.  2,10,1 
oder  fremdes  Vermögen  geraubt  oder  einem  Andern  einen  8cliaden  zugefügt 

oder  eine  Injurie  verübt  haben  wird.  Aus  allen  diesen  Dingen  entsteht, 
ohne  Unterschied  von  Art,  die  Obligation  aus  Delikt. 

b)  In  kriminellen  Sachen  soll,  für  den  Fall,  dass  Jemand,  bevor  er  stirbt,  wegen    H.  2, 1 
des  Verbrecherischen  seiner  That  nicht  belangt  und  überführt  gewesen  sein 
wird,  wenn  nach  seinem  Tode  dasjenige,  was  von  ihm  mit  einer  Strafe  zurück- 
gegeben werden  musste,  bei  seinen  Nachfolgern  gefunden  gewesen  sein  wird, 

nur  das  von  den  Erben  zu  erstatten  sein,  Avas  nachweislich  a^i  sie  gelangt 
ist.  Hingegen  werden  in  solcher  Sache  die  Erben  weder  auf  Strafe  noch 
auf  irgendwelche  sonstige  Genugthuung  verhaftet  sein.^ 

aa)  Die  Arten  von  Furtum  kann  der  Erbe  dessen,  der  ein  Furtum  erlitt,   p.  2, 32,10 
verfolgen:  dagegen  können  die  Erben  desjenigen,  der  ein  Furtum  ver- 
übt   hatte,   auf  die    Strafe  für  das  Vergehen    nicht    haftbar    gemacht 
werden.^ 

bb)  Alle  ludices  mögen  wissen,  dass  Alles,  was  sie  ruchlos  geraubt  haben   c.  9, 21, 2 
werden,  falls  sie  selbst  es  nicht  zurückgegeben  haben  werden,  von  ihren 
Erben  zurückzugeben  ist. 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  5,  1  b. 

2)  T    sagt,   dass   die  Actio  Manifesti   et  non   manifesti,   concepti   et  oblati  furti  dem 
Erben,  jedoch  nicht  gegen  den  Erben  zustehe. 


3)  a) 


b)  H.  2,  1.  Licet  ante  litem  contesta- 
tam  defuncto  eo,  qui  ex  proprio  delicto  con- 
veniri  potuit,  successorcs  non  possint  poenali 
actione  conveniri,  tarnen  hos  etiam  in  tan- 
tum,  quantum  ad  eos  pervenit,  teneri,  ne 
scelere  ditentur  alieno,  certissimi  iuris  est  .  . 


aa)  P.  2,  32,  10.  Manifesti  furti  actio  et 
non  manifesti  et  concepti  et  oblati  heredi 
quidem  corapetit,  sed  in  heredem  non  datur. 

bb)  C.  9,  21,  2.    Sciant  iudices,  super  ad- 
missis  propriis  aut  a  se  aut  ab  heredibus  suis    [ 
poenam  esse  repetendam.  j 

Conrat,  Brevi avium. 


G.  2,  10,  1.  .  .  Ex  delicto  nascuntur  obli- 
gationes, si  aliquis  furtum  fecerit,  vel  bona 
aliena  rapuerit,  vel  damnum  alteri  dederit, 
aut  iniuriam  fecerit.  Quarum  omnium 
rerum  uno  genere  ex  delicto  nascitur  obli- 
gatio. 

.  .  ut  in  criminalibus  causis,  si  quis,  ante- 
quam  moriatur,  non  fuerit  de  facti  sui  sce- 
lere conventus  atque  convictus,  si  post  eins 
obitum,  quod  ab  eo  cum  poena  reddendum 
erat,  apud  successores  eins  fortasse  repertum 
fuerit,  hoc  tantum  ab  heredibus  reddendum, 
quod  ad  eos  cognoscitur  pervenisse.  Cetcrum 
in  tali  re  heredes  nee  ad  poenam  neo  ad 
aliam  quamcunque  satisfactionem  tenentur 
obnoxii. 

Furtorum  genera  heres  eius,  qui  furtum 
pertulit,  persequi  potest:  eius  vero  heredes, 
qui  furtum  fecerat,  ad  poenam  criminis  te- 
neri non  possunt. 

Omnes  iudices  sciant,  quicquid  male  ra- 
puerint,  si  ipsi  non  roddiderint,  a  suis  here- 
dibus esse  reddendum 

17 


258 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


B)  Obligationen  aus  Yerträgen. 

a)  Obligatioues  quae  re  contrahiintur  §  15. 


1)  Darlehen. 


G.  2,  9 
pr.  u.  1 


Gr.  9,  1 
P.  2,  10,  1 


Gr.  9,  1 


a)  Eine  Obligation  wird  Re  eingegangen,  so  oft  irgend  etwas  einer  beliebigen 
Person  zum  Darlehen  gegeben  wird,  was  bei  denjenigen  Sachen  zutrifft, 
die  nach  Gewicht,  Zahl,  Mass  in  Betracht  kommen.  Das  will  sagen,  wenn 
Geld  zugezählt  oder  Getreide,  Wein  oder  Ol  oder  Erz  oder  Eisen,  Silber, 
bez.  Gold,  gegeben  wird.  Dieses  Alles  geben  wir  mittels  Zuzählens  oder 
Zuwägens  oderZumessens  zu  dem  Zwecke,  damit  es  Eigentum  derjenigen  werde, 
die  es  empfangen,  und  uns  zur  bestimmten  Zeit  nicht  die  Sache  selbst,  sondern 
andere  derart,  Avie  diejenigen,  w^elche  gegeben  worden  sind,  und  von  gleichem 
Gewichte  gleicher  Zahl  oder  gleichem  Mass  zurückgegeben  werden.  Um 
deswillen  ist  das  Geschäft  Mutuum  genannt  worden,  als  sei  nämhch  von 
mir  dir  derart  gegeben  worden,  dass  Ex  meo  tuum  werden  solle. 

b)  Das  Senatusconsultum  Macedonianum  hat  vorgeschrieben,  dass  einem  Haus- 
sohn Geld  nicht  kreditiert  werden  soll.  Wer  einem  Haussohn  gegen  die  Ver- 
bote der  Gesetze  wider  Wissen  des  Vaters  Geld  geliehen  hat,  wird  es 
weder  bei  Lebzeiten  noch  nach  dem  Tode  des  Vaters  von  ihm  fordern 
können.^     Geld,  das  Jemand  ^für  das  Studium  der  Wissenschaften^  einem 


1)  Wer  einem  Haussohne  gegen  das  Verbot  des  Amplissimus  ordo  Geld  geliehen  haben 
wird,  wird  nach  dem  Tode  des  Vaters  mit  Bezug  auf  dasjenige,  was  er  bei  Lebzeiten  des 
Vaters  kreditiert  hat,  gegen  jenen  nicht  klagen  können. 

2)  Studiorum    causa  Romae    agenti   ad  necessarios  sumtus. 


1)  a) 


b) 


P.  2,  10,  1.  Qui  filiofamilias  contra 
interdictum  amplissimi  ordinis  pecuniam  mu- 
tuam  crediderit,post  mortem  patris  ex  eo,  quod 
vivo  patre  credidit,  cum  eo  agere  non  potest. 

Gr.  9,  1.  Macedoniani  Senatusconsulti 
auctoritas  petitionem  eins  pecuniae  non  im- 
pedit,  quae  filiofamilias  studiorum  causa  Ro- 
mae agenti  ad  necessarios  sumtus,  quos  pa- 
tris pietas  non  recusaret,  credita  est  .  , 


G.  2,  9  pr.  u.  1.  .  .  obligatio  .  .  Re  con- 
trahitur,  quoties  aliqua  cuicunque  mutuo 
dantur,  quae  in  his  rebus  contingunt,  quae 
pondere,  numero,  mensura  continentur:  hoc 
est,  si  pecunia  numeretur,  vel  frumentum  de- 
tur,  vinum  aut  oleum,  aut  aes,  aut  ferrum, 
argentum  vel  aurum.  Quae  omnia  numerando 
aut  pensando  aut  metiendo  ad  hoc  damus, 
ut  eorum  fiant,  qui  ea  accipiunt,  et  ad  nos 
sfcatuto  tempore  non  ipsae  res,  sed  aliae  eins 
naturae,  quales  datae  sunt,  atque  ipsius  pon- 
deris,  numeri  vel  mensurae  reddantur.  Pro- 
pter  quod  mutuum  appellatum  est,  quasi  a 
me  tibi  ita  datum  sit,  ut  ex  meo  tuum  fieret. 

Gr.  9,  1.  Senatus  consultum Macedonianum 
praecepit,ut  filiofamilias  pecunia  non  credatur. , 

Qui  filiofamilias  contra  interdicta  legum 
inscio  patre  pecuniam  commodavit,  eam  nee 
vivente,  nee  mortuo  patre  ab  eodem  poterit 
postulare. 

. .  (Nunc  haec  constitutis  iubet),  ut  pro  stu- 
dio literarum  si  quis  filiofamilias  pecuniam 
dederit,  hanc  ei  pater  sine  aliqua  obiectione 
restituat  .  . 


Obligationes  qiiae  re  contrahuntur  §  15. 


259 


Haussoliii   gegeben  haben  wird,    soll    ihm   der  Vater    ohne  jeden  Einwand 
zurückerstatten.^ 

c)  Traiecticia  pecunia  wird  genannt,  was  in  einem  Schiffe  behufs  Überführung  p.  2,  u,  3 
in  überseeische  Gegenden  niedergelegt  wird:  weil  es  der  Gefahr  des  Meeres 
anvertraut   wird,    kann    der  Gläubiger,  dieses  Geld,    für  so  viel  Zinsen  als 
übereingekonmien  sein  wird,  ausleihen.^ 

d)  '"^ Mit  Bezug  auf  die  Schuldscheine  Verstorbener  befehlen  wir,  dass  Folgende    c.  2, 27,1 
in  Acht  zu  nehmen  ist.    Wenn  der  Schuldner  abwesend  gestorben  gewesen* 

sein  und  der  Gläubiger  seinen  Tod  in  Erfahrung  gebracht  haben  wird,  soll 
er  nicht  säumen,  seinen  Schuldschein  innerhalb  eines  Zeitraums  von  fünf 
Jahren  dem  Judex  vorzulegen.  Wird  er  jedoch  gestorben  sein,  vväln-end 
der  Gläubiger  gegenwärtig  ist,  so  soll  letzterer  innerhalb  eines  Zeitraums 
von  zwei  Jahren  den  Schuldschein  des  Verstorbenen  vorbringen.  Dabei 
ist  jedoch  erforderlich,  dass  die  Hand  des  Verstorbenen  verglichen  wird 
und  die  Unterschrift  als  die  seine  anerkannt  werden  kann,  oder  dass  der  Gläu- 
biger durch  die  Wissenschaft  irgendwelcher  Personen  zu  beweisen  vermag, 
dass  jener  bei  Lebzeiten  den  Vertrag  geschlossen  habe,  und  dass  er  die 
Ursachen  dieser  Schuld,  um  derentwillen  der  Schuldner  das  Geld  aufgenommen 
hat,    darlegt.^   Wird    dem  Gläubiger    nachgewiesen,   dass  er  mit  Bezug  auf 


1)  T  beruft  sich  hierfür  auf  die  Auctoritas  Macedoniani  Senatusconsulti. 

2)  Vgl.  S.  247  Anm.  4. 

B)  In  T  ist  davon  die  Rede,  dass  beiGefahr  des  Verlusts  der  Klage  die  Schuldscheine 
Verstorbener  unter  Abwesenden  innerhalb  fünf  Jahren,  unter  Anwesenden  innerhalb  zweier 
Jahre  den  kompetenten  Richtern  vorzulegen  und  die  Erben  zu  belangen  sind.  Der  Gläu- 
biger habe  dann,  absque  uUo  sequestrationis  obiectu,  die  Abfassung  des  Schuldscheins 
durch  den  Schuldner  zu  erweisen,  und  zwar  nicht  blos  durch  Handschriftenvergleichung, 
sondern  durch  andere  mannigfache  Dokumente,  aus  denen  sich  ergebe,  dass  das  Motiv 
seines  Schweigens  bei  Lebzeiten  des  Erblassers  die  Überzeugung  von  der  grossen  Sicher- 
heit gewesen  sei:  bei  Abwesenden  habe  der  Kläger  ausserdem  das  je  nach  dem  Stande 
eidlich    oder  mittels   Folter   zu   ermittelnde    Zeugnis   der  Besorger  der  Korrespondenz,    das 


e)  P.  2,  14,  3.  Traiecticia  pecunia,  pro- 
pter  periculum  creditoris,  quamdiu  navigat 
navis,  infinitas  usuras  recipere  potest. 


d)  C.  2,  27,  1.  Super  chirographis  mor- 
tuorum  hanc  servari  volumus  perpetua  obser- 
vatione  sententiam,  ut,  qui  inter  absentes 
intra  hoc  iuge  quinquennium,  inter  prae- 
sentes  vero  biennium  iudiciis  competenti- 
bus  non  publicaverit  cautiones,  nee  convene- 
rit  debitoris  heredes,  actione  privetur.  Hie 
tamen  si  intra  tempora  constituta  processerit, 
absque  uUo  sequestrationis  obiectu  prius 
manum  defuncti  probare  iubeatur:  hoc  enira 
toto  iure  cantatum  est,  ut  scripturam  prola- 
tor  affirmet;  quam  tamen  adstrui  non  sola 
manus  collatione  conveniet  (quid  enim  aliud 
falsarius  agit,  quam  ut  similitudinem  veri- 
tatis  imitetur?>,  sed  aliis  multiplicibus  docu- 


Traiecticia  pecunia  dicitur,  quae  in  navi, 
ut  ad  transmarina  deferatur,  deponitur,  quia 
maris  periculo  committitur,  in  quantas  con- 
venerit  usuras,  hanc  pecuniam  dare  creditor 
potest. 

De  cautionibus  mortuorum  hoc  praecipi- 
mus  observari,  ut,  si  debitor  absens  defunc- 
tus  fuerit,  et  mortuum  eum  creditor  esse 
cognoverit,  cautionem  suam  intra  quinquen- 
nium iudici  non  differat  publicare.  Si  vero 
praesente  creditore  defecerit,  intra  biennium 
defuncti  publicet  cautionem :  ita  tamen,  ut 
manus  mortui  conferatur,  et  agnosci  possit, 
illius  essesubscriptionem,aut  convenisse  illum, 
dum  viveret,  aliquibus  scientibus  valeat  ap- 
probare:  et  causas  ipsius  debiti,  unde  pecu- 
niam contraxit,  exponat.  Quod  si  supra  per- 
sonam  mortui  detegitur  fortasse  mentiri,  non 
solum  pecuniam  non  recipiat,  sed  etiam  se- 
veritatera  legis  incurrat.   Nam  de  reliquo  inter 

17=^= 


260 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


die  Person  des  Verstorbenen  die  Unwahrheit  sage,  so  soll  er  das  Geld 
nicht  nur  nicht  zurückempfangen,  sondern  auch  die  Strenge  des  Gesetzes 
erfahren.  Des  Weiteren  verordnen  wir,  dass  mit  Bezug  auf  die  Personen 
Lebender  das  Folgende  in  Acht  zu  nehmen  ist.  Alle  Schuldscheine  müssen 
innerhalb  zwölf  Jahren  kontestiert  werden,  derart  dass  sie  von  den  Schuldnern 
erneuert  werden.  Wird  es  sich  vor  Ablauf  der  zwölf  Jahre  zugetragen 
haben,  dass  der  Schuldner  auf  Reisen  geht,  so  soll  der  Gläubiger  ein  Edikt 
des  Judex  erzielen,  das  er  an  den  Pfosten  seines  Schuldners  statt  der  Konte- 
station anheften  muss,  und  nicht  nachlassen,  seine  Leute  anzugehen.^  Mit 
der  Massgabe,  dass,  wenn  eine  Schuld  in  solcher  Weise  kontestiert  gewesen 
sein  wird,  er,  der  in  der  Fremde  weilt,  ^die  Entschuldigung  des  Longum 
tempus  nicht  haben  könne ^  und  sich  auch  nicht  deshalb  entschuldigen  solle, 


Vorhandensein  eines  Grundes  der  Darlehnsaufnahme  und  die  Zahlung  der  Valuta  dar- 
zuthun. 

1)  T  fügt  hinzu ,  die  Kontestation  müsse  um  deswillen  vor  dem  zwölften  Jahre  ge- 
schehen, ut  per  interv9;lla  temporis  longioris  inclamatus  advertat,  confutari  debere,  si  fides 
non  agnoscitur  debitorum. 

2j  Weder  longa  debitoris  absentia  noch  redhibitio  vorwenden  könne. 


mentis,  ut  probet,  magnae  securitatis  fuisse, 
quod  siluit.  Nam  si  publicam  iudiciorum 
aditionem  amicitiarum  forsitan  impedivit  af- 
fectio,  privatam  saltem  conventionem  testis 
audivit,  libertus  aut  servus  agnovit,  admo- 
nere  etiam  potuit  sub  mortis  vicinitate  lan- 
guentem.  Quod  si  se  forsitan  causatur  absen- 
tem,  maioribus  adstrui  potest  conventio 
longinqua  documentis,  promissaeque  solu- 
tionis epistolare  rescriptum.  Si  ne  id  ip- 
sum,  qui  cautionem  fingit,  imitetur,  producat 
in  medium  portitores,  qui  altern  ae  partis 
scripta  confirment,  a  quibus  tarnen  verum 
vel  sacramento  dignitas  vel  suppliciis  terror 
exploret:  quamvis  ad  illuminandam  heredi- 
tarii  debiti  fidem  et  causas  oporteat  foenoris 
approbari  et  pecuniae  ba.iulos  hinc  inde  pro- 
duci.  His  ac  talibus  si  destituetur  taciturni- 
tas  longinqua  documentis,  in  evidenti  est, 
veteratorum  calumnias  non  solum  repetitione 
privandas,  verum  etiam  severitate  cohibendus. 
Sed  si  viventis  ,  .  cautio  proferatur  .  .  Sin 
vero  suam  quidem  manum  fateatur  obnoxius, 
sed  nihil  sibi  numeratum  pro  hac  obligatione 
causetur,  tunc  chirographi  discuti  oportebit 
aetatem,  ut,  si  iure  delata  contestationibus 
tempora  debitor  taciturnus  exegit,  cavilla- 
tionis  istius  perdat  obstaculum.  De  cetero 
vero  sancimus,  ut  omnes  deinceps  cautiones 
intra  duodecennium  vim  contestationis  acci- 
piant,  quam  debitor  facta  novatione  promit- 
tat.    Sed  si  mediis  temporibus   peregrinetur 


vivorum  personas  haec  observanda  decerni- 
mus,  ut  oranes  cautiones  intra  duodecim  an- 
nos  debeant  contestari,  ita  ut  a  debitoribus 
renoventur.  Quod  si  forsitan  ante  duodecim 
annos  debitorem  peregrinari  contigerit,  iudi- 
cis  mereatur  edictum,  quod  in  postibus  debi- 
toris sui  pro  contestatione  debeat  affigere, 
et  homines  illius  convenire  non  desinat,  ut 
quum  fuerit  taliter  debitum  contestatum,  ex- 
cusationem,  qui  peregrinatur,  longi  temporis 
habere  non  possit.  Nee  ideo  se  excuset,  quod 
non  renovaverit  cautionem.  Sane  si  debitor 
suam  esse  dixerit  cautionem,  sed  nihil  se  de 
ipsa  cautione  asserat  accepisse,  tempus  de- 
bet  inspici  cautionis,  ut,  si  intra  quinquen- 
nium  cautio  conscripta  cognoscitur,  et  proba- 
tum  fuerit,  quod  in  cautione  continetur  ac- 
ceptum,  debitor  suam  impleat  cautionem.  Si 
vero,  quae  in  cautione  scripta  sunt,  intra 
quinquennium  tradita  non  probantur,  is,  cu- 
ius  cautio  est,  non  teneatur  obnoxius:  nam 
transacto  quinquennio,  si  de  cauta  et  non 
consignata  pecunia  debitor  dixerit,  nuUa- 
tenus  audiatur. 


Obligation  es  quae  ro  contrahuntur  §  15. 


261 


dass  er  den  Schuldschein  nicht  erneuert  haben  wird.^  2^vij.(;[  der  Schuldner 
zugegeben  haben,  dass  der  Schuldschein  von  ihm  herrührt,  er  behauptet 
aber,  nichts  mit  Bezug  auf  diesen  Schuldschein  empfangen  zu  haben,  so 
muss  auf  die  Zeit  des  Schuldscheins  gesehen  werden,  mit  der  Massgabe,  dass, 
■%enn  sich  ergiebt,  dass  der  Schuldschein  innerhalb  der  verflossenen  fünf 
Jahre  geschrieben  ist,  und  was  im  Schuldschein  als  empfangen  enthalten  ist, 
nachgewiesen  gewesen  sein  wird,  der  Schuldner  seinen  Schuldschein  zur  Aus- 
führung bringen  soll:  wird  jedoch  nicht  erwiesen,  dass  dasjenige,  was  in  dem 
Schuldschein  verzeichnet  worden  ist,  innerhalb  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren 
gegeben  worden  ist,  so  soll  derjenige,  von  dem  der  Schuldschein  herrührt, 
nicht  verhaftet  sein.  Nach  Ablauf  des  Zeitraums  von  fünf  Jahren  soll  jener 
unter  keinen  Umständen  angehört  werden,  wenn  der  Schuldner  von  ver- 
sprochenem und  nicht  hingegebenem  Gelde  gesprochen  haben  wird.^-  ^ 


1)  T  fügt  hinzu:  Et  quamvis  nescire  promulgata  non  liceat,  per  omnem  liunc  annum 
pendere  iubemus  edictum. 

2)  Der  bezügliche  Text  vonT(§3)  bildet  den  Teil  einer  Erörterung,  die  sich  ausschliesslich 
auf  die  vor  Erlass  des  Gesetzes  ausgefertigten  Schuldscheine  Lebender  bezieht.  Es  ist  in  letzterer 
gesagt,  dass,  falls  der  Gegner  die  Echtheit  des  Schuldscheines  bestreite,  er,  sobald  die  Klage 
innerhalb  zwanzig  Jahren  unter  Anwesenden,  innerhalb  dreissig  Jahren  unter  Abwesenden 
angestrengt  werde,  den  Schuldbetrag  zu  deponieren  und  w^egen  Falsum  zu  klagen  habe: 
nach  Ablauf  der  Frist  habe  der  Gläubiger  die  Schuld  zu  beweisen,  ohne  dass  der  Schuldner 
den  Betrag  zu  hinterlegen  brauche  (Sed  si  viventis  ante  hanc  legem  facta  cautio  proferatur, 
quam  suam  neget  ille,  qui  petitur,  sequestret  pecuniam  litigaturus  ex  falso.  Cavendum  est 
enim,  ne  inficiandi  fomitem  ministremus  obnoxiis.  Quod  tarnen  tunc  conveniet  custodiri, 
si  inter  praesentes  utrosque  viventes  necdum  viginti  anni,  inter  absentes  necdum  triginta 
doceantur  emensi.  Alioquin,  si  chirographi  fides  sub  sillentio  iudiciariae  conventionis  sta- 
tutum  tempus  excesserit,  probari  prius  debitum  conveniet,  tunc  reposci,  sequestrationis 
necessitate  summota).  Der  bezügliche  Text  von  T  hat  dann  den  Sinn,  dass  der  Schuldner, 
sobald  er  die  Handschrift  anerkenne  und  lediglich  den  Empfang  bestreite ,  die  Aetas  des 
Schuldscheins  zu  bestreiten  habe,  mit  der  Massgabe,  dass  der  Schuldner,  der  die  iure  delata 
contestationibus  tempora  verstreichen  lasse,  des  Obstaculum  cavillationis  verlustig  gehe. 

3)  Die  fünfjährige  Frist,  von  welcher  J  spricht,  ist  einem  Gesetz  des  Codex  Hermo- 
genianus(l,  1)  entlehnt,  des  Inhalts,  dass  dieCautio  non  numeratae  pecuniae  nicht  in  einem  Jahre, 
sondern  in  lünf  Jahren  erlischt;  es  lautet  in  T:  Ex  cautione  non  numeratae  pecuniae  non  anni, 
sed  quinquennii  spatio  deficere,  nuper  censuimus.  J  begleitet  diesen  Text  mit  der  Bemerkung, 
dass  er,  im  Hinblick  auf  die  Lex  ex  corpore  TheodosianoSi  certumpetaturdechirographis(2,27, 1), 
um    deswillen   aufgenommen   sei ,   weil  darin  die  Fristen  der  Kontestation  De  cauta  et  non 


obnoxius,  quo  novationi  longior  obsit  absentia, 
volumus,  creditorem  ante  duodecennium  prae- 
stitutum  aditis  iudiciis  iudicis  edictum  mereri 
auctoritatemque  postibus  debitoris  affigere, 
domesticas  etiam  convenire  personas:  nullus 
enim  per  tanta  contestationum  poterit  docu- 
menta  mentiri.  Quod  ideo  ante  duodecen- 
nium iubemus  agitari,  ut  per  intervalla  tem- 
poris  loDgioris  inclamatus  advertat,  confutari 
debere,  si  fides  non  agnoscitur  petitorum, 
nee  obesse  iam  post  adscripta  tempora  cre- 
ditori,  si  post  has  contestationum  voces  longa 
debitoris  absentia  vel  redhibitio  proteletur, 
vel  novatio   iusta  ludatur  .  . 


/ßRARN 


262 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


2)  Depositum. 

G.  2, 10, 4  a)  Wenn  Jemand  eine  Sache  als  ihm  anvertraut  bei  sich  gehabt  haben  wird,  und 
er  sie  anders  benutzt  gehabt  haben  wird,  als  wozu  er  sie  empfangen  hat,  haftet 

p.  2, 12, 1  er  mit  der  Furti  actio.    Werde  ich  ein  Säckchen  oder  Silber  in  gesiegeltem 

Zustande  niedergelegt  und  wird  derjenige,  bei  welchem  es  niedergelegt  ge- 
wesen ist,  es  wider  meinen  Willen  angegriffen  haben,  so  steht  mir  gegen 
ihn  sowohl  die  Depositi  als  auch  die  Furti  actio  zu. 

p.  2, 12, 2  b)  Wenn  es  sich  in  einem  Judicium  um  hinterlegte  Sachen  handelt  und 
mit  Bezug  auf  die  Rückgabe  von  selten  desjenigen,  bei  welchem  sie  hinter- 
legt worden  sind,  Verzug  geübt  wird,  so  werden,  je  nachdem  die  hinterlegte 
Sache  gewesen  sein  wird,  entweder  Zinsen,  wenn  sie  Geld,  oder  Früchte, 
wenn  sie  Grundstücke  gewesen  sein  werden,  geschuldet  werden. i 

p.  2, 12, 3  c)  In  der  Causa  depositi  ist  für  Kompensation  kein  Raum,  sondern  muss  die 
Sache  selbst  zurückgegeben  werden. 

3)  Commodatum. 

p.  2,  4,  3  a)  Wenn  einen  Sklaven  oder  ein  Pferd  oder  beliebiges  Sonstiges  irgend  Jemand 
von  einem  Andern  lediglich  für  die  Benutzung  ihrer  Dienste  geliehen  emp- 
fangen, und  sie  in  die  Schlacht,  wo  sie  der  Lebensgefahr  ausgesetzt  sind, 
geführt  haben  wird,  ist  er  auf  Rückgabe  der  geliehenen  Sache  dem  Herrn 
mit  Grund  haftbar.^ 


numerata  pecunia,  das  ist  eben,  das  Quinquennium,  deutlich  sich  finden  (Secundum  legem 
ex  corpore  Theodosiano  Si  certum  petatur  de  chirographis,  quia  de  quinquennio  habetur 
expositum,  ideo  hanc  legem  ex  Hermogeniano  credidimus  adiungendam,  quae  tempora,  intra 
quae  contestari  convenit  de  cauta  et  non  numerata  pecunia,  id  est  intra  quinquennium, 
evidenter  ostendit). 

1)  Vgl.  S.  247  Anm.  5. 

2)  Vgl.  S.  40  Anm.  1.     T  fügt  hinzu:    custodia    enim    et   diligentia  rei   commodatae 
praestanda  est. 


2)  a) 


P.  2,  12,  1.  Si  sacculum  vel  argentum 
signatum  deposuero,  et  is,  penes  quem  depo- 
situm  fuit,  me  invito  contrectaverit,  et  depo- 
siti et  furti  actio  mihi  in  eum  competit. 

b)  P.  2,  12,  2,  In  iudicio  depositi  ex  mora 
fructus  veniunt,  et  usurae  rei  depositae  postu- 
lantur. 


c)  P.  2,  12,  3.  In  causa  depositi  com- 
pensationi  locus  non  est,  sed  res  ipsa  red- 
denda  est. 

3)  a)  P.  2,  4,  3.  Servus  vel  equus  si  a 
latronibus  vel  in  hello  in  aliam  causam  com- 
modati  occisi  sunt,  actio  commodati  datur  .  , 


G.  2,  10,  4.  Et  si  quis  rem  .  .  commen- 
datam  apud  se  habuerit,  et  ea  aliter  usus 
fuerit,  quam  accepit,  furti  actione  tenetur. 


Quum  in  iudicio  de  rebus  agitur  commen- 
datis,  si  mora  in  reddendo  ab  eo,  cui  com- 
mendatae  sunt,  afferatur,  prout  res  fuerit 
commendata,  aut  usurae,  si  pecunia,  aut 
fructus,  si  praedia  fuerint,  debebuntur. 


Si  servum  vel  equum  vel  quaecunque  alia 
aliquis  ab  altero  ad  usum  tantum  serviendi  com- 
modata  susceperit,  et  eos  ad  pugnam,  ubi  vitae 


Obligationes  quae  re  contrahuntur  §  15. 


263 


b)  Wenn  iiifolge  von  Brand,  Einsturz,    Schiffbruch   oder  irgend  einem  andern  P-  2,  4, 2 
ähnhchen  Zufall  eine  geliehene  Sache  verloren  worden  ist,  wird  mit  Bezug 
darauf  nicht  derjenige  haftbar  werden,  dem  sie  gehehen  worden  ist:    es  sei 

denn,  dass    er,    während  er  die  geliehene  Sache  hätte  erhalten  können,  die 
seine  vorgezogen  hat. 

c)  Wird  auf  die  Wünsche  irgend  einer  Person,    die  eine  solche  Bitte  gestellt  p-  s,  7,  s 
hat,    irgend    etwas    einer    beliebigen    Person    zum    Besitz    auf   Zeit    hin- 
gegeben gewesen  sein,  und  wird  er  auf  die  erste  Mahnung  eben  dieses  nicht 
haben    zurückgeben    wollen,    so    wird    gegen    ihn    eine    zuständige    Klage 
proponiert,  welche  Actio  eine  civile  ist,  wie  wenn  wegen  Kommodats  geklagt 

Avird,    damit  die  in  dieser    Weise    hingegebene  Sache    ohne    irgendwelchen 
Anstand  zurückgegeben  werde. 

d)  Alles  dasjenige,   was  auf  eine  geliehene  Sache  wiegen  ihrer  Krankheit  oder  p.  2,  4, 1 
wegen   eines  anderen  Grundes  verwendet  worden  ist,  kann  dem  Herrn  ab- 
verlangt werden. 

e)  Wenn  Jemand  eine  Sache  zur  Benutzung  empfangen   haben  wird,    und  er    g.  2, 10, 4 
sie  anders  benutzt  gehabt  haben  wird,  als  wozu  er  sie  empfangen  hat,  haftet 

er  mit  der  Furti  actio. 

aa)  Wenn  Jemand  das  Zugvieh  eines  Andern  zu  dem  Zwecke  empfangen  0.2,10,5 
hat,  es  fünf  Milien  zu   fuhren,    so  wird  er  des  Furtum  schuldig  sein. 


b)  P.  2,  4,  2.  Si  facto  incendio,  ruina, 
naufragio  aut  quo  alio  simili  casu  res  com- 
modata  amissa  sit,  non  tenebitur  eo  nomine 
is,  cui  commodata  est:  nisi  forte,  quum  pos- 
set  rem  commodatam  salvam  facere,  suam 
praetulit. 

c)  P.  5,  7,  8.  Redditur  interdicti  actio, 
quae  proponitur  ex  eo,  ut  quis,  quod  pre- 
cario  habet,  restituat.  Nam  et  civilis  actio 
huius  rei,  sicut  commodati,  competit  .  . 


d)  P,  2,  4,  1.  Quicquid  in  rem  commo- 
datam ob  morbum  vel  aliam  rationem  im- 
pensum  est,  a  domino  recipi  potest. 

e) 


aa) 


periculum  incurrant,  duxerit,  ad  redhibi- 
tionem  commodatae  rei  merito  a  domino 
retinetur. 


Si  quando  alicuius  precibus  exorati  ali- 
quid cuicunque  possidendum  ad  tempus  prae- 
stitum  fuerit  et  ad  primam  admonitionem 
hoc  ipsum  reddere  noluerit,  (datur)  adversus 
eum  .  ,  actio  iusta  proponitur:  quae  actio 
civilis  est,  velut  si  de  commodato  agatur,  ut 
res  ita  praestita  sine  aliqua  difficultate  red- 
datur  .  . 


G.  2,  10,  4.  Et  si  quis  rem  utendam  ac- 
ceperit,  .  .  et  ea  aliter  usus  fuerit,  quam 
accepit,  furti  actione  tenetur. 

G.  2,  10,  5.  (Praeterea)  si  quis  iumentum 
alterius  ad  hoc  accepit,  ut  eum  quinque  mi- 
libus  duceret,  si  id  decem  milibus,  aut  longius, 
quam  ab  illo,  qui  dedit,  fuerit  constitutum, 
abegerit,  furti  reus  erit. 


264 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


wenn    er   es    zehn  Milien,    oder    weiter,    als   von    demjenigen,    der  es 
gegeben  hat,  festgesetzt  gewesen  sein  wird,  weggetrieben  haben  wird. 


b)  Verborum  obligationes  §   16. 


1)  Stipulation. 
a)  Form 


P.  5,  8,  1 
G.  2,  9,  2 


P.  2,  3,  1 


P.  5,  8,  2 


a)  Stipulationen  werden  mit  einer  bestimmte]i  Yerbalsolennität  abgefasst. 
Die  Obligation  wird  Yerbis  eingegangen  mit  einer  Frage  des  Gebers  und 
einer  Antwort  des  Empfängers:  derart  dass,  wenn  derjenige,  welcher  giebt, 
fragt,  ,Hoc  mihi  dabis',  der  Empfänger  antwortet,  ,Dabo\ 

aa)  Stipulation  sind  unter  Gegenwärtigen  diejenigen  AVorte,  wodurch 
gegenseitig  die  Parteien  eine  Obligation  eingehen  können,  wobei  es 
erforderlich  ist,  dass  der  durch  die  Frage  des  Fordernden  Angesprochene 
auf  das  Gefragte  antwortet.^ 

Die  Verborum  obligatio  wird  um  deswillen  unter  Gegenwärtigen 
zu  bestehen  erachtet,  weil  es  erforderlich  ist,  dass  derjenige,  welcher 
irgend  etwas  geben  zu  sollen  verspricht,  auf  die  Fragen  des  Gläubigers 
antwortet,  wie,  wenn  er  gefragt  gewesen  sein  wird  .Istud  dabis^  und 
antwortet  ,Dabo',  wenn  er  gefragt  gewesen  sein  wird  ,Promittis',  und 
antwortet  ,Promitto^^ 


1)  Stipulation  ist  die  Verborum  couceptio,  auf  welche  ein  Befragter  entsprechend 
antwortet,  wie  Spondes  -  spondeo,  dabis  -  dabo,  promittis  -  promitto.  Sowohl  Pure,  als  auch 
unter  einer  Bedingung  kann  konzipiert  werden. 

2)  Eine  Verborum  obligatio  wird  unter  Gegenwärtigen,  nicht  auch  unter  Abwesenden 
eingegangen. 


la)  a)  P.  5,  8,  1.     .  .  stipulationes  .  .  qua- 
dam  verborum  solennitate   coucipiuntur  .  . 


aa)  P.  2,  3,  1.  Stipulatio  est  verborum 
conceptio,  ad  quam  quis  congrue  interrogatus 
respondet:  velut,  spondes?  spondeo;  dabis? 
dabo:  promittis?  promitto:  .  .  Et  tam  pure 
quam  sub  conditione  concipi  potest. 

P.  5,  8,  2.  Verborum  obligatio  inter  prae- 
sentes,  non  etiani  inter  absentes  contrahitur  .. 


G.  2,  9,  2,  Verbis  contrahitur  obligatio 
ex  interrogatione  dantis  et  responsione  acci- 
pientis,  ita,  ut  si  ille,  qui  dat,  interrogat, 
hoc  mihi  dabis? qui  accipit,  respondeat, dabo  . . 

Stipulatio  est  inter  praesentes  haec  verba, 
quibus  se  invicem  partes  obligare  possunt: 
ubi  necesse  est,  ut  interrogatione  petentis 
pulsatus  ad  interrogata  respondeat  .  . 

Verborum  obligatio  ideo  inter  praesentes 
constare  videtur,  quia  necesse  est,  ut  is,  qui 
aliquid  redditurum  se  promittit,  ad  creditoris 
interrogata  respondeat:  ut  si  interrogatus 
fuerit,  istud  dabis?  ille  respondet,  dabo:  si 
interrogatus  fuerit,  promittis?  ille  respondet, 
promitto  .  . 


Verborum  obligationes  §  IG. 


265 


b)  Die    Obligation  ist  imgiltig,  wenn    der  Gläubiger    bedingungslos   fragt,  und    ^„'g' 
der  Schuldner  unter  einer  Bedingung  verspricht. 

c)  Wenn  der  Gläubiger  den  Schuldner  um  zehn  Solidi  angeht  und  der  Schuldner  G.  2,  9,10 
fünf  verspricht,    wird    auf  diese   Weise    die    ganze  Schuld  als  hinfällig  an- 
gesehen. 

ß)  Haftpflicht. 

a)  Wird  Jemand  versprochen  haben,  irgend  etwas  einer  behebigen  Person  p.  5,  8, 4 
geben  zu  sollen,  so  kann,  wenn  durch  seine  Handlung  die  versprochene  Sache 
zu  Grunde  geht,  derjenige,  dem  sie  versprochen  worden  ist,  ^sie  von  ihm 
zurückempfangen,^  als  wird  sie  nicht  untergegangen  sein.  Demgemäss  wird 
der  Schuldner  angehalten,  nach  vorgängiger  Abschätzung  den  Preis  für 
diese  Sache,  die  untergegangen  sein  wird,  zu  erstatten,  ^was  dabei  um  so 
mehr  gelten  muss,  wemi  es  durch  einen  Dolus  des  Schuldners  geschehen 
gewesen  sein  wird.^ 

Y)  Cautio. 

a)  Wenn  irgend  Jemand  schreibt,  er  werde  eine  beliebige  Summe  zurückgeben,   P-  5,  8,  2 
wird    es    so    gehalten,    als    wird    er   auf  das    Gefragte    geantwortet    haben. 
Demgemäss  wird   er   nach   Massgabe  der  Fassung  der  Urkunde  zur  Rück- 
gabe angehalten.^ 

5)  Funktion  der  Stipulation. 

a)  Die  Stipulationen    sind    behufs  Festigung    der  Obligationen   eingeführt  und  p.  5, 8, 1 


1)  Ex  stipulatu  klagen. 

2)  Besonders  wenn  die  Stipulatio  in  dolum  konzipiert  gewesen  sein  wird. 

3)  Wird  in  dem  Instrument  geschrieben  gewesen    sein,    es  habe  irgend  Jemand  ver- 
sprochen,   so    wird   es   so  gebalten,  als  sei  Interrogatione  praecedente  geantwortet  worden. 


b) 


c) 


[j)  a)  P.  5,  8,  4.  Quum  facto  promissoris 
res  in  stipulatum  deducta  intercidit,  perinde 
agi  ex  stipulatu  potest,  ac  si  ea  res  exstaret. 
Ideo  promissor  aestimatione  eius  punitur: 
maxime  si  in  dolum  quoque  eius  coneepta 
fuerit  stipulatio. 


y)  a)  P.  5,  8,  2.  .  .  Quod  si  scriptum 
fuerit  instrumento,  promisisse  aliquem,  per- 
inde habetur,  atque  si  interrogatione  praece- 
dente responsum  sit. 

5)  a)  P.  5,  8,  1.  Obligationum  firman- 
darum  gratia  stipulationes  inductao  sunt  .  . 


G.  2,  9,  8  u.  9.  (Item)  inutilis  est  obli- 
gatio .  .  (Item)  si  pure  interroget  creditor, 
et  debitor  sub  conditione  promittat. 

G.  2,  9,  10.  (Vel)  si  creditor  decem  soli- 
dos  debitorem  interroget,  et  debitor  quinque 
promittat,  hoc  ordine  integrum  debitum  va- 
cillare  cognoscitur. 

Qui  aliquid  so  cuicunque  redditurum  esse 
promiserit,  si  eius  facto  res  promissa  depe- 
reat,  ita  eam  is,  cui  promissa  est,  ab  eo  reci- 
pere  potest,  tanquam  non  perierit:  ideoque 
promissor  aestimatione  habita  pretium  eius 
rei,  quae  perierit,  reformaro  compellitur. 
Quod  in  eo  magis  observandum  est,  si  pro- 
missoris fraude  fuerit  factum. 

.  .  (Sed)  si  scribat  aliquis,  se  quamcunque 
summam  redditurum,  ita  habetur,  quasi  ad 
intcrrogata  responderit.  Ideo  ad  redhibiti- 
onem  secundum  scripturae  ordinera  retinetur. 


266 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


SO  genannt  worden,  weil   mittels   derselben    die  Festigkeit   der  Obligationen 
verschärft  wird:   die  Alten  nannten  nämlich  Stipnlum,  was  fest  ist. 
p.  2, 23, 2       b)  Allen  Pacta  muss  eine  Stipulation  beigefügt  werden,  damit  eine  Actio  Ex 

stipulatu  entstehen  kann, 
p.  2, 14, 1  aa)  Pactum    nudum    wird    genannt,    wenn    dem    Gläubiger    seitens    des 

Schuldners    eine    Kaution,    in    welcher   er    die    Centesima   zahlen    zu 
sollen  versprochen  hat,  ohne  Stipulation  ausgestellt  w^ird :  Zinsen  werden 
aus  einer  Nuda  cautio  dem  Gläubiger  durchaus  nicht  geschuldet.^ 
G.  2, 9,  3  bb)  Die  Frau,  ihr  Vater  und  der  Schuldner  der  Frau    können  ohne  vor- 

gängige Frage  durch  Dictio  dotis  rechtsgiltig  verpflichtet  werden:  wenn 
dagegen  andere  Personen  für  die  Frau  eine  Dos  dem  Manne  ver- 
sprochen haben  werden,  müssen  sie  sich  nach  gemeinem  B.echte  ver- 
pflichten, das  will  sagen,  dass  sie  sowohl  das  Gefragte  beantworten, 
als  auch  das  Stipulierte  versprechen. 

s)  Stipulationsbürgschaft. 

G.  2,  9,  2  a)  Eine  Obligation  ward  Yerbis  eingegangen  mit  einer  Frage  des  Gebers  und 
einer  Antwort  des  Empfängers,  wie  bei  der  Obligation  des  Schuldners,  wenn 
irgend  Jemand  als  Bürge  hinzutritt,  derjenige,  welcher  mit  der  Person  des 
Bürgen  kontrahiert,  ihn  fragt  ,fide  tua  esse  iubes'  und  dieser  antwortet  ,fide  mea 


1)  Vgl.    S.  242  Anm.  1. 


et  appellatae,  quod  per  eas  firmitas  obliga- 
tionum  constringitur:  stipulum  enim  veteres 
firmum  appellaverunt. 

b)  P.  2,  23,  2.  Omnibus  pactis  stipulatio 
subiici  clebet,  ut  ex  stipulatu  actio  nasci 
possit. 

aa)  P.  2,  14,  1.  Si  pactum  nudum  de 
praestandis  usuris  interpositum  sit,  nullius 
est  momenti:  ex  nudo  enim  pacto  inter  cives 
Romanos  actio  non  nascitur. 


bb) 


0  a) 


Pactum  nudum  dicitur,  si  cautio  creditori 
a  debitore,  in  qua  centesimam  se  soluturum 
promisit,  sine  stipulatione  fiat.  Et  ideo  usu- 
rae  ex  unda  cautione  creditori  penitus  non 
debentur. 

G.  2,  9,  3.  .  .  raulier  .  .  pater  eins,  et 
debitor  ipsius  mulieris  .  .  nulla  interrogatione 
praecedente  possunt  dictione  dotis  legitime 
obligari.  Aliae  vero  personae,  si  pro  muliere 
dotem  viro  promiserint,  communi  iure  obligari 
debent,  id  est,  ut  et  interrogata  respondeant, 
et  stipulata  promittant. 

G.  2,  9,  2.  Verbis  contrahitur  obligatio 
ex  interrogatione  dantis  et  responsione  acci- 
pientis,  (ita,)  ut  .  .  in  obligatione  debitoris, 
si  aliquis  fideiussor  accedat,  ille,  qui  cum 
persona  fideiussoris  contrahit,  interroget 
ipsum:  fide  tua  esse  iubes?  et  ille  respon- 
deat:  fide  mea  esse  iubeo;  hac  conditione 
non  solum  ille,  qui  debitor  est,  sed  et  is,  qui 
Meiussor  exsistit,  obligantur. 


Verborum  obligationes  §  16. 


267 


esse  iubeo'.    Unter  dieser  Bedingung  werden  nicht  nur  jener,  welcher  Schuldner 
ist,    sondern    auch  derjenige,  welcher  als  Bürge  aufgetreten  ist,  verpflichtet. 
AVenn  Jemand  für  einen  Andern  als  Bürge  hinzuzutreten  erklärt,  wird  er,  sobald    p.  2,  3, 1 
er  sich  durch  diese  Antwort  verpflichtet  haben  wird,  auch  ohne  Urkunde  zur 
Zahlung  angehalten  werden  können.^ 

b)  Nicht  allein  der  Fideiussor  selbst,  solange  er  lebt,  sondern  auch  seine  Erben,   g.  2, 9,  2 
falls  jener  gestorben  sein  wird,  sind  verhaftet. 

c)  Der  Gläubiger,    welcher  Geld  gegeben  hat,  hat  in  der  Macht,    wen  er  mit  g.  2, 9, 2 
Bezug    auf  die  Bückgabe  des  Geldes   haftbar  machen  will,   den  Schuldner 
selbst    oder  den  Bürgen.     Wird  er  den  Schuldner  haftbar  zu  machen  aus- 
gewählt haben,    so    wird    er    den  Bürgen    entlassen:    wird   er  dagegen  den 
Bürgen     haftbar     gemacht    haben,     so    wq\1    er    den    Schuldner   entlassen, 

weil  der  Gläubiger  mit  der  Auswahl  des  Einen,  den  er  als  geeignet  erachtet 
hat,  den  Andern  befreit. 

AVenn  Jemand  mit  Übergehung  des  Bürgen  lieber  seinen  Schuldner  p.  2,  is,  12 
wird  haben  haftbar  machen  wollen,  wird  der  Bürge,  bez.  dessen  Erbe, 
von  der  Fessel  der  Bürgschaft  befreit. 

d)  Wenn    viele    Bürgen    aufgetreten    sein    werden,    muss,    auch   wenn    sie    zur  p.  1, 20, 1 
Zahlung  desjenigen,    was  sie  versprochen  haben,  als  geeignet  sich  erweisen 

und  Alle  In  solidum  haftbar  gemacht  werden  können,    dennoch  die  Bück- 


1)  T  giebt  lediglich  die  Formel  der  Bürgschaftsstipulation  (Stipulatio  est  .  .  velut; 
fidei  tuae  erit?  fidei  meae  erit). 


h) 


c) 


P.  2,  18,  12.  Electo  reo  principali,  fide- 
iussor vel  heres  eius  liberatur  .  . 

d)  P.  1,  20,  1.  Inter  fideiussores  ex  edicto 
praetoris,  si  solvendo  sint,  licet  singuli  in 
solidum  teneantur,  obligatio  dividetur. 


P.  2,  3,  1.  .  .  si  quis  pro  alio  fideiusso- 
rem  se  dicat  accedere:  (qui)  quum  se  hac 
responsione  obligaverit,  ad  solutionem  etiam 
sine  scriptura  poterit  retineri. 

G.  2,  9,  2.  .  .  non  solum  fideiussor  ipse, 
dum  vivit,  sed  et  heredes  ipsius,  si  ille  defe- 
cerit,  tenentur  obnoxii  .  . 

G.  2,  1),  2.  .  .  Creditor  (autem),  qui  pe- 
cuniam  dedit,  in  potestate  habet  ad  redden- 
dam  pecuniam,  quem  velit  tenere,  utrum  ip- 
sum  debitorem  an  fideiussorem.  Sed  si  debi- 
torem  tenere  elegerit,  fideiussorem  absolvet: 
si  vero  fideiussorem  tenuerit,  debitorem  ab- 
solvet, quia  uno  electo,  quem  idoneum  cre- 
ditor iudicavit,  alterum  liberat. 

Si  quis  contemto  fideiussore  debitorem 
suum  tenere  maluerit,  fideiussor  vel  heres 
eius  a  fideiussionis  vinculo  liberatur  .  . 

Quum  multi  fideiussores  exstiterint,  eti- 
amsi  ad  solvendum,  quae  promiserunt,  pro- 
bantur  idonei,  et  possint  omncs  in  solidum 
retineri,  tarnen  restitutio  debiti  inter  eos 
dividenda  est,  ut  unusquisque  id,  quod  eum 
pro  portione  sua  contingit,  exsolvat. 


268 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Zahlung  der  Schuld  unter  ihnen  geteilt  werden,  sodass  ein  Jeder  dasjenige 
entrichten  soll,  was  auf  ihn  zu  seinem  Anteile  trifft.^ 

p.  1, 9, 5  e)  Wenn  ein  Minderjähriger  für  einen  Grossjährigen  Bürgschaft  leistet,  kann, 
wenn    er  auch  selbst  nicht  haftbar  gemacht  werden  kann,    dennoch  er,  für 

p.  1,9,  6  den  er  Bürgschaft  geleistet  hat,  haftbar  gemacht   werden.^   Ist  Jemand  für 

eine  Person,  von  der  er  weiss,  dass  sie  minderjährig  ist,  in  der  Erwägung 
als  Bürge  aufgetreten,  mit  der  Entschuldigung  minderjährigen  Alters  seine 
Bürgschaft  in  Zukunft  zu  lösen,  so  wird  zwar  der  Minderjährige  durch 
das  Benefiz  des  Alters  befreit,  dagegen  der  Bürge,  der  sich  dieser  Erwägung 
bedient  hat,  zur  Zahlung  der  Schuld  angehalten. 

c.  3, 15, 1  f)  Wenn  Jemand  für  eine  Frau  behufs  Entrichtung  einer  Dos  als  Bürge  ein- 
getreten sein  wird,  soll  er  aus  dieser  Bürgschaft  nicht  haftbar  sein.^ 

2)  Dotis  dictio. 
G.  2,  9, 3        a)  Es  giebt  auch  andere  Obligationen,  die  ohne  vorgängige  Frage  eingegangen 


1)  Unter  Fidejussoren  wird  Ex  edicto  praetoris,  wenn  sie   zahlungsfähig  sind,  mögen 
auch  die  Einzelnen  In  solidum  haften,  die  Obligation  geteilt  werden. 

2)  Vgl.  S.  31  Anm.  6. 

3)  Die   Zusagen    aller  Sponsoren,    bez.   Fideijussoren    entbinden    wir    in  Zukunft    bei 
Kavierung  der  Dotis  sponsio. 


e)  P.  1,  9,  5.  Minor  se  in  his,  quae  fide- 
iussit  vel  fidepromisit  vel  spopondit  vel  man- 
davit,  in  integrum  restituendo,  reum  princi- 
palem  non  liberat, 

P.  1,  9,  6.  Qui  sciens  prudensque  se  pro 
minore  obligavit,  si  id  consulto  consilio  fecit, 
licet  minori  succurratur,  ipsi  tarnen  non  suc- 
curretur. 


f)  C.  3,  15,    1.     Omnium    sponsorum    vel 
fideiussorum  deinceps  in  cavenda  dotis  spon- 
sione  promissiones  absolvimus. 
2)  a) 


Si  minor  maiorem  fidedicat.  licet  ipse 
teneri  non  possit,  tamen  quem  fidedixit,  teneri 
potest. 

Qui  sciens  minorem  hoc  argumento  pro 
eo  fideiussor  accessit,  ut  excusatione  minoris 
aetatis  fideiussionem  suam  in  posterum  libe- 
raret,  minor  quidem  aetatis  beneficio  libera- 
tur;  sed  ad  solvendum  debitum  fideiussor, 
qui  hoc  argumento  usus  est,  retinetur. 

Si  quis  implendae  dotis  causa  pro  muliere 
fideiussor  accesserit,  pro  hac  fideiussione  non 
teneatur  obnoxius. 

G.  2,  9,  3.  Sunt  et  aliae  obligationes, 
quae  nulla  praecedente  interrogatione  con- 
trahi  possunt,  id  est,  ut  si  mulier  sive  sponso 
uxor  futura  sive  iam  marito  dotem  dicat. 
Quod  tam  de  mobilibus  rebus,  quam  de  fundis 
fieri  potest.  Et  non  solum  in  hac  obligatione 
ipsa  mulier  obligatur,  sed  et  pater  eius,  et 
debitor  ipsius  mulieris,  si  pecuniam,  quam 
illi  debebat,  sponso  creditricis  ipse  debitor  in 
dotem  dixerit.  Hae  tantum  tres  personae 
nulla  interrogatione  praecedente  possunt 
dictione  dotis  legitime  obligari.  Aliae  vero 
personae,  si  pro  muliere  dotem  viro  promi- 
serint,  communi  iure  obligari  debent,  id  est, 
ut  et  interrogata  respondeant,  et  stipulata 
promittant. 


Vcrborum  obligationes  §  16. 


269 


werden  können,  nämlich,  wie  wenn  eine  Frau  sei  es  dem  Verlobten  als 
zukünftige  Gattin,  sei  es  dem  mit  ihr  bereits  verheirateten  Manne  durch 
Dictio  eine  Dos  zusagt.  Es  kann  dies  ebenso  sehr  mit  Bezug  auf  beweg- 
liche Sachen,  wie  mit  Bezug  auf  Grundstücke  g(^schehen.  Bei  dieser  Obli- 
gation wird  nicht  allein  die  Frau  selbst  verpflichtet,  sondern  auch  ihr  Vater 
und  der  Schuldner  der  Frau,  wenn  dieser  Schuldner  Geld,  das  er  ihr 
schuldete,  dem  Verlobten  der  Gläubigerin  durch  Dictio  zur  Dos  zugesagt 
haben  wird.  Xur  diese  drei  Personen  können  ohne  vorgängige  Frage  durch 
Dictio  dotis  rechtsgiltig  verpflichtet  werden :  wenn  dagegen  andere  Personen 
für  die  Frau  eine  Dos  dem  Manne  versprochen  haben  werden,  müssen  sie 
sich  nach  gemeinem  Rechte  verpflichten,  das  will  sagen,  dass  sie  sowohl 
das  Gefragte  beantworten,  als  auch  das  Stipulierte  versprechen. 

Die   Dos    wird  durch  Dictio  zugesagt,   welche    von    der  Seite    der  P-  2,  22, 1 
Sponsae    den  Männern   gegeben  wird. 

Mit  Bezug  auf  Entrichtung,  bez.  Eintreibung  der  Dos,  das  Avill  sagen,   c.  3, 13,  4 
derjenigen,  welche  zur  Zeit  des  Eheschlusses  von  der  Frau  dem  Manne 
gegeben  wird,    wird   verordnet,  dass  die   Dos   giltig   sei,    mögen    auch 
Stipulation  des  Versprechenden  und  rechtsförmliche  Worte  fehlen.^ 

3)  lurata  operarum  promissio. 

a)  Auch  in  einem  andern  Falle  wird,  indem  der  eine  redet  und  ohne  eine  Frage  g.  2, 9, 4 
dem  Andern  verspricht,  eine  Obligation  eingegangen,  nämlich,  wenn  der  Frei- 
gelassene dem  Patron  entAveder  ein  Geschenk  oder  ein  Munus  oder  Dienste 
leisten  zu  sollen  geschworen  hat:  wobei  die  genannten  Freigelassenen  nicht 
so  sehr  durch  eine  Verbalsolennität,  als  vielmehr  durch  die  Heiligkeit  des 
Eides  sich  verbinden,  während  keine  andere  Person  in  dieser  Weise  ver- 
pflichtet werden  kann. 


1)  Zur  Eintreibung  der  einmal  zugesagten  Dos  sind  Qualiacunque  verba  ausreichend, 
mag  auch  Dictio  oder  Stipulation  bei   dem  Versprechen  der  Dotalsachen  ausgeblieben  sein. 


C.  3,  13,  4.  Ad  exactionem  dotis,  quam 
semel  praestari  placuit,  qualiacunque  suffi- 
cere  verba  censemus,  etiamsi  dictio  vel  stipu- 
latio  in  pollicitatione  rerum  dotalium  minimo 
faerit  subsecuta. 

3)  a) 


P.  2,  22,  1.  Dos  dicitur,  quae  a  parte 
sponsarum  viris  datur  .  . 

iCd  implendam  vel  exigendam  dotem,  hoc 
est,  quae  a  muliere  tempore  nuptiarum  viro 
datur,  etiamsi  desit  stipulatio  promittentis 
et  verba  iuridica,  dos  valere  iubetur. 

G.  2,  9,  4.  (Item)  et  alio  casu,  uno  lo- 
quente  et  sine  interrogatione  alii  promittente, 
contrahitur  obligatio,  id  est,  si  libertus  pa- 
trono  aut  donum  aut  munus  aut  operas  se 
daturum  esse  iuravit.  In  qua  re  supradicti 
liberti  non  tam  verborum  solennitate,  quam 
iurisiurandi  religione  tenentnr.  Sed  nulla 
altera  persona  hoc  ordine  obligari  potest. 


270 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


c)  Litterarum  obligatio  §  17. 

G.  2, 9, 12  a)  Literis  kommt  eine  Obligation  zu  stände,  entweder  A  re  in  personam,  oder 
A  persona  in  personam.  A  re  in  personam,  wie  wenn  Jemand  dasjenige,  was 
er  aus  Kauf  oder  Miete  oder  Societät  schuldet,  einem  Andern  zurück- 
erstattet.^ A  persona  in  personam,  wie  Avenn  ich  dasjenige,  was  mir  ein 
Anderer  schuldig  ist,  einer  andern  Person  delegiere,  dass  jener  es  ihr  zahlen 
rauss. 

d)  Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §   18. 

1)  Im  allgemeinen. 

o.  2, 9, 13  a)  Consensu  kommen  Obligationen  zu  stände  aus  Kaufgeschäften,  Mietge- 
schäften, Gesellschaftsverträgen  und  Aufträgen,  weil  bei  Geschäften  dieser 
Art  vielmehr  der  Konsens  als  irgendwelche  Urkunde  oder  Solennität  verlangt 
wird.  Bei  diesen  Geschäften  kann  auch  unter  Abwesenden  eine  Obligation 
eingegangen  werden,  was  bei  anderen  Geschäften  nicht  geschehen  kann. 

0-2,  9, 17  Die  Societät  wird  durch  Konsens  eingegangen. 

2)  Kauf. 

a)  Abschluss. 
o.  2, 9, 14       a)  Der  Kaufvertrag  wird  eingegangen,   sobald  bezüglich   des  Preises   zwischen 
Käufer  und  Verkäufer  eine  Bestimmung  getroffen  gewesen  sein  wird,  mag  auch 
der  Preis  nicht  gezahlt,  noch  ein  Teil  des  Preises  oder  eine  Draufgabe  ge- 
geben gewesen  sein. 


1)  J  bedient  sich  der  zweiten  Person. 


17)  a) 


1)  a) 


2  a)  a) 


G.  2,  9,  12.  Literis  obligatio  fit,  aut  a 
re  in  personam,  aut  a  persona  in  personam. 
A  re  in  personam,  velut  si  id,  quod  ex  emti- 
one  aut  conductione  aut  societate  debes,  alii 
reddas.  A  persona  in  personam,  velut  si  id, 
quod  mihi  alter  debet,  alteri  personae  dele- 
gem,  ut  reddere  debeat. 

G.  2,  9,  13.  Consensu  fiunt  obligationes, 
ex  emtionibus  et  venditionibus,  locationibus 
conductionibus,  societatibus  et  mandatis:  quia 
in  huiusmodi  rebus  consensus  magis  quam 
scriptura  aliqua  aut  solennitas  quaeritur. 
In  quibus  rebus  etiam  inter  absentes  obli- 
gatio contrahi  potest,  quod  in  aliis  rebus 
fieri  non  potest. 

G.  2,  9,  17.  .  .  societas  .  .  consensu  con- 
trahitur  .  . 

G.  2,  9,  14.  Emtio  (igitur)  et  venditio 
contrahitur,  quum  de  pretio  inter  emtorem 
et  venditorem  fuerit  definitum,  etiamsi  pre- 
tium  non  fuerit  numeratum  nee  pars  pretii 
aut  arra  data  fuerit. 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


271 


b)  ^Wenn  zwischen  Käufer  und  Verkäufer  eine  Sache  zu  einem  bestimmten  0.3,1,1 
Preise  erworben  gewesen  sein  wird,  ist,  mag  sie  auch  mehr  wert  sein,  als 
wofür  sie  zur  Zeit  verkauft  wird,  ledighch  zu  erforschen,  ob  derjenige, 
welcher  nachweislich  erworben  hat,  nichts  von  Betrug,  bez.  Gew^alt,  verübt 
hat.  Wird  deijenige,  welcher  verkauft  hat,  widerrufen  gewollt  haben,  so 
soll  es  unter  keinen  Umständen  zugelassen  werden.^ 

Weiui   zwischen   irgendwelchen    zwei  Personen ^  wegen  des  Preises   c  3, 1, 7 
einer  beliebigen  Sache    eine  Verabredung  getroffen  sein  wird,  soll  sie 
unter  keinen  Umständen  widerrufen^  werden,  mag  die  Sache  auch  zu 
einem  geringeren  Preise,  als  sie  wert  war,  erworben  gewesen  sein, 
aa)  Falls  irgend  eine  Person,  die,  bereits  gereifteren  Alters,  ihr  Haus  ver-  es,  1,4 
walten  kann,  *ein  Landgut,  ein  Haus  oder  irgendetwas  anderes,^   nach 
Vereinbarung  des  Preises,  verkauft  haben  w^ird^  und  hernach  entgegen- 
halten will,  dass  sie  weniger  an  Preis  empfangen  liaben  wird,  als  die 
Sache  wert  war,  weil  sie,  wie  sie  behauptet,  das  Grundstück,  das  sie  ver- 
kauft hat,  wegen  weiter  Entfernung  von  demselben  nicht  gekannt  habe, 
^wird    der  Verkauf  nicht   um    deswillen   widerrufen    werden   können;^ 
denn    das    gereifte    Alter    konnte    wissen,    was    es   verkaufte,    oder   zu 
welchem  Preise  die  zu  verkaufende  Sache  hätte  gewertet  werden  können. 


1)  Die  Fides  eines  Nulla  circuinscriptionis  violentia  gesclilossenen  Kaufgeschäfts  darf 
durchaus  nicht  gebrochen  werden.  Ein  Kontrakt,  sine  ulla  culpa  celebratus,  darf  nicht 
auf  die  blosse  Berufung  auf  einen  geringeren  Preis  hin  angefochten  werden. 

2)  Inter  personas  legitimas.  3)  Entkräftet. 

4)  Praedia. 

5)  T  fügt  hinzu:  etiamsi  praedii  forte  totius  quolibet  casu  minime  facta  distractio  est. 

6)  Findet  keine  Nachforderung  wegen  des  Restes  statt. 


b)  C.  3,  1,  1.  Venditionis  atque  emtionis 
fidem,  nulla  circumscriptionis  violentia  facta, 
rumpi  minime  decet.  Nee  enim  sola  peretii 
vilioris  querela  contractus  sine  ulla  culpa 
celebratus  litigioso  strepitu  turbandus  est. 


C.  3,  1,  7.  Semel  inter  persoans  legitimas 
^nitus  emti  contractus  et  venditi  ob  minorem 
annumeratam  pretii  quantitatem  nequeat  in- 
firm ari. 

aa)  C.  3,  1,  4.  Quisquis  maior  aetate  at- 
que administrandis  familiarum  suarum  curis 
idoneus  comprobatus  praedia,  etiam  procul  po- 
sita,  distraxerit,  etiamsi  praedii  forte  totius 
quolibet  casu  minime  facta  distractio  est,  re- 
petitionis  in  reliquum,  pretii  nomine  vili- 
oris, copiam  minime  consequatur.  Neque  in- 
anibus  immorari  sinatur  obiectis,  ut  vires 
sibimet  locorum  causetur  incognitas,  qui 
familiaris  rei  scire  vires  vel  merita  atque 
emolumenta  debuerit. 


Quum  inter  ementem  et  vendentem  res 
fuerit  definito  pretio  comparata,  quamvis  plus 
valeat,  quam  ad  praesens  venditur,  hoc  tan- 
tummodo  requirendum  est,  si  nihil  fraudis 
vel  violentiae  egit  ille,  qui  comparasse  pro- 
batur.  Et  si  voluerit  revocare,  qui  vendidit, 
nullatenus  permittatur. 

Quum  inter  duas  quascunque  personas  de 
pretio  cuiuscunque  rei  convenerit,  quamvis 
vilius,  quam  valebat,  res  fuerit  comparata, 
nullatenus  revocetur. 

Quaecunque  persona  iam  perfecta  aetate 
domum  suam  regere  potest,  si  villam,  domuni 
vel  quodlibet  aliud,  habita  pretii  definitione, 
vendiderit,  et  forsitan  postea  opponere  velit, 
quod  minus  pretii  acceperit,  quam  res  vale- 
bat, quia  forte  agrum,  quem  vendidit,  longe 
positus  ignorasse  se  dicat,  non  ideo  venditio 
poterit  revocari,  quia  aetas  perfecta  potuit 
scire,  quid  venderet,  aut  quo  pretio  res  ven- 
denda  valere  potuisset. 


272 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


c.  3, 1,  2, 1  c)  -'^Es  wird  befohlen,  class  die  Nachbarn  einer  Sache,  die  verkauft  wird,  Zeugen 
und  gegenwärtig  sein  müssen.  Insoweit,  dass  man  für  gut  findet,  auch  wenn 
von  unbedeutenden  Sachen  etwas  zum  Gebrauch  verkauft  wird,  Vorzeigung 
an  die  Nachbarn  und  auf  diese  Weise  Erwerb  stattfinden  zu  lassen, 
damit  nicht  Fremdes  verkauft  werde.^ 

p.  2, 18, 10  d)  Bei  Kaufgeschäften,  die  Bona  fide  geschlossen  werden,  werden  überflüssiger 
Weise  Verkaufsinstrumente  verlangt,  wenn  sich  mittels  irgendwelchen  Be- 
weises erkennen  lässt,  dass  die  Sache  in  irgendwelcher  Weise,  unter  Hin- 
gabe und  Empfang  eines  Preises,  verkauft  worden  ist.2 

ß)  Erfordernis  hinsichtlich  der  Sache. 

c.  16, 4, 1        a)  AVenn    einer    aus    der  Zahl    der  Juden   einen  Sklaven,   der  Christ  ist  oder 
irgend    einer    andern  Sekte  angehört,    gekauft  und  beschnitten  haben  wird, 
soll    er    der  Potestas    dieses  Juden   enthoben  sein  und  in  der  Freiheit  ver- 
harren. 
■  ^^j.^'  ^        b)  Ein  Jeder,    der    ein  Landgut    erwirbt,^  soll    anerkennen,    dass   er    das  Tri- 


1)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  1,  1  a,  cc.  T  fügt  noch  hinzu  (§  2):  Nee  inter  emtorem  et 
venditorem  solennia  in  exquisitis  cuniculis  celebrentur,  sed  fraudulenta  venditio  sepulta 
depereat. 

2)  Bei  demjenigen  Kontrakte,  welcher  aus  Bona  fide  herstammt,  wird  ohne  Grund 
auf  eine  Obligation  aus  Instrumenten  hingewiesen,  wenn  in  irgendwelcher  Weise  der  Wille 
De  fide  contractus  sich  zeigen  lässt. 

3)  Qui  comparat. 


c)  C.  3,1,  2,1.  !d  (etiam)  placuit,  neminem 
ad  venditionem  rei  cuiuslibet  accedere,  nisi 
eo  tempore,  quo  inter  venditorem  et  emto- 
rem contractus  sollenniter  explicatur,  certa  et 
vera  proprietas  a  vicinis  demonstretur;  usque 
eo  legis  istius  cautione  currente,  ut,  etiamsi 
subsellia  vel,  ut  vulgo  aiunt,  scamna  vendan- 
tur,  ostendendae  proprietatis  probatio  comple- 
atur. 

d)  P.  2,  18,  10.  In  eo  contractu,  qui  ex 
bona  fide  descendit,  instrumentorum  obligatio 
sine  causa  demonstratur,  si  quo  modo  volun- 
tas  de  fide  contractus  possit  ostendi. 

ß)  a)  C.  16,  4,  1.  Si  quis  ludaeorum 
Christianum  mancipium  vel  cuiuslibet  alte- 
rius  sectae  mercatus  circumciderit,  minime 
in  Servitute  retineat  circumcisum,  sed  liber- 
tatis  privilegiis,  qui  hoc  sustinuerit,  potiatur. 

b)  C.  3,  1,  2  pr.  Qui  comparat,  censum 
rei  comparatae  cognoscat:  neque  liceat  ali- 
cui,  rem  sine  censu  vel  comparare  vel  ven- 
dere.  Inspectio  autem  publica  vel  fiscalis 
esse  debebit  hac  lege,  ut,  si  aliquid  sine 
censu  venierit,  et  id  ab  alio  deferetur,  ven- 
ditor  quidem  possessionem,  comparator  vero 


. .  iubetur,  ut  vicini  rei,  quae  venditur,testes 
esse  debeant  et  praesentes,  in  tantum,  ut 
etiam  de  mediocribus  rebus  si  quid  in  usum 
venditur,  ostendi  vicinis  placeat,  et  sie  com- 
parari,  ne  aliena  vendantur. 


In  contractibus  emti  et  venditi,  qui  bona 
fide  ineuntur,  venditionis  instrumenta  super- 
flue  requiruntur,  si  quocunque  modo  res 
vendita,  dato  et  accepto  pretio,  qualibet  pro- 
batione  possit  agnosci. 

Si  quis  ludaeorum  servum  Christianum 
vel  cuiuslibet  alterius  sectae  emerit  et  cir- 
cumciderit, a  ludaei  ipsius  potestate  sublatus 
in  libertate  permaneat. 

Quicunque  villam  comparat,  tributum  rei 
ipsius,  sicuti  et  ins  possessionis  se  compa- 
rasse  cognoscat,  quia  non  licet  ulli  agrum 
sine  tributo  vel  solutione  fiscali  aut  compa- 
rare aut  vendere,  Quod  si  suppressa  fiscali 
solutione  aliquis  vendere  ausus  fuerit  vel 
comparare  praesumserit,  noverint,  inter  quos 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


273 


butiim  ^für  diese  Sache,  zugleich  auch  mit  dem  Rechte  des  Besitzes,  er- 
worben habe,  weil  es  Niemandem  erlaubt  ist,  ein  Grundstück^  ohne  Tributum,^ 
bez.  Zahlung  an  den  Fiskus,  entweder  zu  erwerben  oder  zu  verkaufen: 
Wird  irgend  Jemand  unter  Unterdrückung  der  Zahlung  an  den  Fiskus 
zu  verkaufen  gewagt  gehabt  oder  zu  erwerben  sich  angemasst  haben,^  so 
mögen  diejenigen,  zwischen  welchen  ein  solcher  Kontrakt  in  geheimer  Ab- 
machung geschlossen  gewesen  sein  wird,  wissen,  dass  sowohl  derjenige, 
welcher  als  Käufer  aufgetreten  sein  wird,  den  Kaufpreis,*  als  auch  der 
Verkäufer  den  Besitz  verliert, 
c)  Per  universitatem,  das  heisst,  alles  Vermögen  zugleich  erwerben  wir  durch  G-  ^^  2  pr. 
Kauf. 

Y)  Erfordernis  hinsichtlich  Personeu. 

a)  ^. Durch  ein  Gesetz  Kaiser  Konstantins  war  vorgeschrieben  gewesen,  dass  c.  3, 1,3 
minderjährige  Frauen,  wenn  sie  Ehemänner  hätten,  mit  Zustimmung  der- 
selben von  ihrem  Vermögen  irgend  etwas  verkaufen  können.  Es  ist  dieses  jedoch 
durch  das  gegenwärtige  Gesetz  abgeschafft  worden;  vielmehr  wird  in  Acht 
zu  nehmen  sein,  dass,  wenn  die  Notwendigkeit  erfordert  haben  wird,  dass 
Personen,  die  sich  im  minderjährigen  Alter  befinden,  sei  es  Mann,  sei  es 
Frau,  irgend  etwas  verkaufen  wollen,  derjenige,  welcher  wird  haben  er- 
werben wollen,  sich  mit  der  Autorität  des  Judex  oder  der  Zustimmung 
der  Kurie  sichere:  denn  sonst  wird  ein  von  Minderjährigen  verau stalte ter 
Verkauf  keine  Giltigkeit  besitzen.^ 


1)  Den  Census. 

3)  T  fügt  hinzu:  et  id  ab  alio  deferetur. 

5)  Vgl.  Zweites  Buch  §  25,  2  ß,  b. 


2)  Rem. 

4)  T  fügt   hinzu:   fisco    vindicante. 


id,  quod  dedit  pretium,  fisco  vindicante,  per- 
dat. 


c) 


y)  a)  C.  3,  1,  3.  Patrui  mei  Constantini 
Constitutionen!  iubemus  aboleri,  qua  praece- 
pit,  minores  feminas  consortio  virorum  copu- 
latas  sine  decreti  interpositione  venditiones 
posse  celebrare,  si  viri  earum  consensum  pa- 
riter  atque  subscriptionem  instrumentis  puta- 
verint  esse  praebendum,  quoniam  absurdum 
est,  maritos  eis  interdum  inopes  obligari, 
cum  possint,  venditionis  iure  ipso  non  valente, 
res  proprias  recipere  ab  iis,  qui  se  illicitis 
contractibus  miscuerunt.  Vetus  igitur  ins 
revocamus,  ut  omnis  venditio,  quaecunque 
fuerit  a  minore,  viro  sive  femina,  sine  decreti 
interpositione  celebrata,  nulla  ratione  sub- 
sistat. 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium . 


talis  fuerit  secreta  transactione  contractus, 
quod  et  ille  pretium  perdat,  qui  emtor  ac- 
cesserit,  et  venditor  possessionem  amittat. 

G.  2,  2  pr.  Per  universitatem,  hoc  est, 
omnia  siraul  bona,  acquirimus  (hereditate,) 
emtione. 

Constantini  imperatoris  fuerat  lege  prae- 
ceptam,  ut  minores  aetate  feminae,  si  maritos 
haberent,  cum  illorum  consensu  possent  de 
facultatibus  suis  aliqua  vendere.  Sed  hoc 
praesenti  lege  remotum  est,  atque  id  obser- 
vandum  erit,  ut  in  annis  minoribus  constituti, 
seu  vir  seu  femina,  si  ita  necessitas  exegerit, 
ut  aliquid  vendere  velint,  qui  comparare  vo- 
luerit,  auctoritate  iudicis  aut  consensu  curiae 
muniatur:  nam  aliter  a  minoribus  facta  ven- 
ditio non  valebit. 


18 


274 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


C.3, 1,  6 


N.  V.  10, 1 
pr.  1—4 


b)  Die  frühere  gesetzliche  Ordnung  war  die  gewesen,  dass,  wenn  einer  aus 
der  Zahl  der  Konsorten  ^  um  irgendwelcher  Notwendigkeit  willen  eine  Sache 
hatte  verkaufen  wollen,  ein  Fremder  die  Befugnis,  sie  zu  kaufen,  nicht  besass. 
Indessen  ist  die  bessere  Regelung  angenommen,  dass  Jedermann,  der  mit 
Bezug  auf  seine  Sachen  freie  Verfügung  hat,  auch  unter  Übergehung  der 
Consortes,  bez.  Propinqui,  die  freie  Befugnis  hat,  zu  verkaufen,  an  wen  er 
gewollt  haben  wird. 

c)  Mit  Bezug  auf  Personen,  die  in  einer  Administratio  sich  befinden,  bez.  in 
irgendwelchem  Officium  dienen,  haben  die  früheren  Gesetze  ausdrücklich  dies 
vorgeschrieben,  .dass  ihnen  zur  Zeit  der  Militia,  bez.  der  Administratio  nichts  in 
irgendwelcher  Weise  entweder  zu  erwerben  oder  zu  tauschen  oder  geschenkt 
anzunehmen  erlaubt  ist.  Nunmehr  ist  jedoch  verordnet  worden ,2  dass 
x^lle,    die  eine  Administratio,   bez.  Militia,    besitzen  oder  sich  in  einem  be- 


1)  T  spricht  von  Proximi  und  Consortes. 

2)  J  sagt:  Valentiniani  Imperatoris  hac  lege  praeceptum  est.  T  gedenkt  einer  Lex  divi 
Honorii  ad  Palladium  Pf.  P.  missa,  in  Theodosianuin  redacta  corpus,  als  eines  Gesetzes,  das 
bereits    den  Rechtssatz    eingeführt    habe,    und    giebt    eine  Ausführung    über    die  Billigkeit 


dieser  Regelung. 


b)  C.  3,  1,  6.  Dudum  proximis  consor- 
tibusque  concessum  erat,  ut  extraneos  ab  em- 
tioneremoverent,  neque  homines  suo  arbitratu 
vendenda  distraherent.  Sed  quia  gravis  haec 
videtur  iniuria,  quae  inani  honestatis  colore 
velatur,  ut  homines  de  rebus  suis  facere 
aliquid  cogantur  inviti,  superiore  lege  cassata, 
unusquisque  suo  arbitratu  quaerere  vel  pro- 
bare possit  emtorem. 

c)  N.  V.  10, 1  pr.  1 — 4.  . .  In  administratione 
(enim)  et  in  militia  positis  emendi  licentiam 
denegatam,  superflua  nonnuUorum  dicitur  esse 
persuasio,  quum  lex  divi  Honorii  ad  Palla- 
dium Pf.  P.  missa,  in  Theodosianum  re- 
dacta corpus,  hanc  copiam  talibus  legatur 
dedisse  personis.  Quem  non  taedeat  alio- 
quin  ista  conditio,  his  solis,  qui  ad  honores 
aliquos  evehuntur,  libertatem  in  contractibus 
non  patere?  et  quum  huic  obstaculo  nulla  for- 
tuna  subiaceat,  non  mediocris,  non  nobilis, 
non  plebeia,  universitatis  ius  et  commodum 
solis  militantibus  denegari?  Censeo  igitur, 
ut  in  quibuslibet  administrationibus,  officiis, 
in  quocunque  militiae  gradu  positis  emendi 
quae  ceteris  copia  sit,  dummodo  emtio  et 
venditio  celebretur  iure  communi.  Neminem 
volo  potestatis  iussu  et  impressione  compelli. 
Volenti  vendere,  definitam  et  conscriptam 
pecuniam  oportet  inferri.  Videat  instrumen- 
torum  scriptor,  sciant  ii,  apud  quos  vendi- 
tionis  documentum  necesse  est  allesrari.   Nihil 


Prior  ordinatio  legis  fuerat,  ut  si  unus 
ex  consortibus  pro  quacunque  necessitate 
rem  vendere  voluisset,  extraneus  emendi  li- 
centiam non  haberet.  Sed  hoc  melius  pro- 
batur  indultum,  ut  quicunque  de  rebus  suis 
libero  utatur  arbitrio,  et  praetermissis  con- 
sortibus vel  propinquis,  cui  voluerit,  vendendi 
liberam  habeat  facultatem. 

(Haec  lex  praecipit,)  ut,  quia  in  admini- 
stratione positis  vel  in  quolibet  officio  mili- 
tantibus leges  anteriores  id  specialiter  prae- 
scribebant,  ut  nihil  aut  comparare  aut  com- 
mutare  aut  donatum  suscipere  tempore 
militiae  vel  administrationis  eis  uUa  ratione 
liceret.  Sed  nunc  .  .  praeceptum  est,  ut 
omnes  administrantes  vel  militantes,  aut 
in  quocunque  officio  publico  constituti  sunt, 
et  comparandi  et  commutandi  et  accipiendi 
donationis  titulo  habeant  liberam  potestatem. 
Solum  est,  ut  nuUas  probet  huiusmodi  sriptu- 
ras  aut  per  metum  aut  per  fraudem  suppo- 
sitae  personae  aut  violenter  extortas,  id  est, 
aut  in  carcere  constituto,  aut  in  quibuslibet 
vinculis  posito,  aut  aliquod  se  tormentorum 
genus  suppliciorumque  perpesso  aut  forsitan 
pretium  se,  quod  instrumentis  inscriptum  est, 
non  docuerit  percepisse.  Tunc  vero  non  so- 
lum instrumentum,  si  fuerit,  vacuatur,  sed 
talis  emtor  et  possessionem  reddat,  et  pre- 
tium venditori,  quod  instrumentis  continetur 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


275 


liebigen  öffentliclieii  Officium  befinden,  die  Freiheit  haben  sollen,  sowohl  zu 
kaufen,  als  auch  zu  tauschen  und  unter  dem  Titel  einer  Schenkung  in 
Empfang  zu  nehmen.  Vorausgesetzt,  Niemand  beweise,  dass  Instrumente 
dieser  Art  entweder  unter  dem  Einfluss  der  Furcht  oder  mittels  Täu- 
schung durch  eine  vorgeschobene  Person,  oder  durch  Gewalt,  das  will  sagen, 
entweder  einem  in  den  Kerker  Gesetzten  oder  in  irgendwelchen  Ketten 
Gehaltenen  oder  irgendwelcher  Art  von  Foltern  und  Peinigungen  Unterwor- 
fenen, erpresst  worden  sind,  oder  Niemand  werde  gezeigt  haben,  dass  er  den 
in  den  Instrumenten  verzeichneten  Preis  nicht  empfangen  habe.^  In  diesem 
Falle  wird  ^  nicht  allein  das  Instrument,  wenn  es  vorhanden  gewesen  sein 
wird,  entkräftet,^  sondern  soll  ein  solcher  Käufer  sowohl  den  Besitz  zurück- 
geben als  auch  gezwungen  werden,  dem  Verkäufer  den  Preis,  der  sich  in 
den  Instrumenten  verzeichnet  findet,  zu  entrichten.  Wird  jedoch  der  Verkäufer 


1)  T  spricht  mit  Bezug  auf  den  Käufer,  Officio  et  administratione  perfunctus,  per 
anni  metam,  von  der  folgenden  gegen  ihn  erhobenen  Beschwerde :  aut  super  illata  violentia 
lege  conscripta  carceris,  catenarum,  custodiae  publicae  vel  privatae,  sodann  davon,  dass  der 
Käufer  in  quolibet  genere  factionis  oder  non  annumerato  preiio  überführt  gewesen  sein  oder 
sich  De  iudicio  tergiversatione  entzogen  haben  wird,  und  dass  er  klage  Ne  gestae  rei  veri- 
tas  possit  agnosci. 

2)  Hiervon  ist  bei  T  die  Rede. 


refert,  quis  emat,  quum  publica  fide  pretium 
venditor  consequatur.  Quod  si  emtor  officio  et 
administratione  perfunctus,  intra  anni  metas, 
aut  super  illata  violentia  lege  conscripta  car- 
ceris,  catenarum,  custodiae  publicae  vel  pri- 
vatae, vel  in  quolibet  genere  factionis,  aut 
non  annumerato  pretio  evidenter  fuerit  con- 
futatus,  vel  se  de  iudicio  tergiversatione  sub- 
traxerit,  et  agat,  ne  gestae  rei  veritas  possit 
agnosci,  venditori  solidorum  numerum  inferat, 
qui  tabulis  continetur,  possessionem  nihilo- 
minus  perditurus,  ut  ad  dominum  redeat,  cui 
taliter  probatur  ablata.  Item  si  venditor 
nihil  horum  sustineat,  quae  ponimus,  et  cal- 
lida  refragatione  causetur,  manente  contractu 
perpetua  firmitate,  et  pecuniam  reddat  emtori, 
quam  eum  in  pretium  constiterib  accepisse. 
Hac  sanctione  eos  quoque  iubemus  esse  mu- 
nitos, quos  administrantes  et  ulla  gereutes 
officia  praedia  rustica  vel  urbana  certum  est 
dato  pretio  comparasse.  Donationes  quoque 
habitas  et  commutationes  circa  eas  personas, 
quarum  immerito  hactenus  emtio  fluctuabat, 
similiter  roboramus.  Ita  fit,  ut  in  actu  pu- 
blice positos  fidelius  laborare  delectet,  quum 
vident,  seu  emtione,  seu  commutatione,  quae 
instar  obtinet  emtionis,  seu  donatione,  seu 
alio  quolibet  titulo  venientia  apud  se  poste- 
rosque  suos  inconvulsa  mansura. 


insertum,  cogatur  implere.  Si  vero  nihil 
horum  venditor,  ut  dictum  est,  fortasse  per- 
tulerit,  et  contra  venditionem  hanc  voluntarie 
factam  sub  tali  obiectione  venire  tentaverit, 
cum  proposita  poena,  quae  non  valuerit  com- 
probare,  merito  durante  possessione  in  iure 
illius,  a  quo  fuerat  comparata,  pretium  ven- 
ditor, quod  accepit,  emtori,  cui  calumniam 
intulit,  absque  ulla  dilatione  restituat. 


18^ 


276 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


C.  3,1. 


N.  Mai. 
1,1,9 


N.V. 
10,  1,  6 


nichts  von  dem  Genannten  erduldet  und  gegen  den  aus  freien  Stücken 
unternommenen  Verkauf  mit  einem  solchen  Einwand  —  und  zwar  mit  der 
vorgeschriebenen  Strafe  —  von  Dingen,  die  er  zu  beweisen  nicht  vermocht 
haben  wird,  aufzutreten  versucht  haben,  so  soll  er,  während  mit  Grund  der 
Besitz  in  dem  Rechte  desjenigen  verbleibt,  von  welchem  er  erworben  gewesen 
sein  wird,  dem  Käufer,  gegen  den  er  Kalumnie  verübt  hat,  den  empfangenen 
Preis  ohne  allen  Verzug  zurückerstatten. 

d)  Alle  diejenigen,  welche,  indem  sie  ^den  der  Kurie  oder  ihrer  Patria  ge- 
schuldeten Diensten^  zu  entgehen  suchen,  ihr  Gut  im  Verborgenen  werden 
haben  verkaufen  wollen,  mögen  wissen,  ^dass  dasjenige,  was  sie  gethan 
haben  werden,  nicht  giltig  sein  könne,  sie  selbst  zu  den  geschuldeten 
Diensten  zurückzurufen  seien,^  und  die  Käufer  den  Preis  einbüssen  werden. 

e)  ^Die  Kurialen  werden  geheissen,  städtische  oder  ländliche  Grundstücke  ohne 
die  Einlegung  eines  Dekrets  nicht  zu  verkaufen,  es  sei  denn,  dass  den  Pote- 
states  berichtet  werde,  dass  eine  harte  Notwendigkeit  den  Kurialen  zum  Verkaufe 
drängt.  Die  Einlegung  eines  Dekrets  soll  dann  nicht  erfordert  werden,  sondern 
lediglich  sollen  seine  Mitkurialen,  denen  seine  Not  nicht  wird  verborgen 
sein  können,  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen,  und  keinerlei  Chikane  soll 
dem  Käufer  mit  Bezug  auf  die  gekaufte  Sache  entgegengehalten  werden, 
sondern    der    Käufer    die    erworbene    Sache    zu    ewigem    E,echte    besitzen. 


1)  Den  Munera  civitatis  provinciarumque. 

2)  Sibi  nihil  haec  profutura  esse  eommenta. 


d)  C.  3,  1,  8.  Hi,  qui  imposita  fuga  mu- 
nera civitatis  provinciarumque  destituunt  et 
ineundos  furtim  existimant  esse  contractus, 
intelligant,  sibi  nihil  haec  profutura  esse 
eommenta,  et  pretio  emtorem  mulctandum 
esse,  quod  dederit. 

e)  N.  Mai.  1,  1,  9.  Praedia  vel  urbana 
vel  rustica  nunquam  sine  interpositione  de- 
creti  curialis  alienet.  Quod  ne  forte  provin- 
cialis  iudex  facile  aut  gratificanter  indulgeat, 
ad  eminentium  praefectorum  sub  relatione 
notitiam  dirigatur,  quibus  solis  aestimare  per- 
mittimus,  utrum  ineluctabilis  necessitas  ven- 
ditorem  faciat  curialem.  Aliter  contractus 
super  his  rebus  initi  non  valebunt  .  . 

N.  V.  10,  1,  6.  .  .  quum  praedia  sua 
distrahunt  curiales,  primores  etiam  curiae, 
qui  vendendi  necessitatem  ignorare  non  pos- 
sunt,  in  coUegae  venditionem  subscribant. 
Hoc  ordine  omnis  causatio  sopietur,  nee  emtor 
his  auctoribus  quicquam  de  resolutione  for- 
midat,  nee  venditor  potest  sub  tali  assertione 
fraudari.  Quem  si  deceptum  oppressumve 
claruerit,  ab  ipsis  etiam  subscriptoribus  reddi 
iubemus  indemnem,  ut  utilitati  eins  cum  em- 
tore  improbo  pariter  addicantur. 


Quicunque  debita  curiae  servitia  aut  pa- 
triae suae  fugientes,  res  suas  occulte  vendere 
voluerint,  sciant  non  posse  valere,  quod  fe- 
cerint,  et  se  ipsos  ad  debita  servitia  revo- 
candos,  et  illos,  qui  emerint,  pretium  perdi- 
turos. 

lubentur  curiales,  ut  praedia  urbana  vel 
rustica  sine  decreti  interpositione  non  ven- 
dant,  nisi  potestatibus  referatur,  quia  ven- 
dendi arcta  necessitas  imminet  curiali. 


.  .  Nee  interpositio  decreti  quaeratur,  sed 
tantum  concuriales  sui,  quos  necessitas  eins 
poterit  non  latere,  in  ea  venditione  subscri- 
bant, et  nihil  emtori  de  emta  re  calumniae 
penitus  opponatur,  sed  rem  comparatam  em- 
tor perpetuo  iure  possideat.  Ita  tamen,  ut 
si  forsitan  se  aliqua  fraude,  intercedentibus 
concurialibus  suis,  qui  subscriptores  iubentur 
accedere,  venditor  se  probaverit  fuisse  decep- 
tum, tarn  emtoris  quam  subscriptoris  dispen- 
dio  venditor  reddatur  indemnis. 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


277 


N.  Mai. 
1,1,9 


N.  Val. 
10, 1,  6 


Derart  indessen,  class,  wenn  der  Verkäufer  erwiesen  haben  wird,  durch 
irgendwelche  Täuschung,  bei  Intervention  seiner  Mitkurialen,  die  als  Unter- 
zeichner einzutreten  geheissen  werden,  betrogen  gewesen  zu  sein,  der  Ver- 
käufer, zum  Nachteil  sowohl  des  Käufers,  als  auch  des  Unterzeichners, 
schadlos  gehalten  werden  soll.  Sklaven  ohne  Dekret  zu  veräussern,  wird  er 
freie  Befugnis  haben,  w^enn  nui'  fünf  Priores  curiae  als  Zeugen  bei  diesem 
Verkauf  unterzeichnen.^ 

aa)  AVährend  den  Kurialen  bis  heute  nicht  gestattet  war,  ohne  Einlegung 
eines  Dekrets  ihre  Sachen  zu  verkaufen  oder  dem  Corpus  der  Kurie 
zu  entfremden,  soll,  wenn  sie  durch  eine  offenbare  Notwendigkeit  dazu 
gedrängt  gewesen  sein  w^erden ,  eine  im  öffentlichen  Interesse  ein- 
gegangene Schuld,  aus  Furcht  vor  den  Strafen  der  Gläubiger,  schleunigst 
(ibzustossen,  was  auch  immer  unter  einem  solchem  Zwange  verkauft  sein 
Avird,  in  aller  Festigkeit  bestehen.^ 

5)  Verpflichtungen  der  Parteien. 

a)  Wenn  nicht  nach  Tradition   der  Sache  der  Käufer  den  Preis  unverzüglich   p.  2,  is,  6 
zahlt,  ist  er  zu  zwingen,  hierfür  Zinsen  zu  entrichten. 

b)  Wird  Jemand  eine  Sache,  die  er  mittels  eines  unter  Empfang  des  Preises  p.  1, 13, 4 
abgeschlossenen  Kaufvertrags  veräussert  hat,    zu  übergeben  gezögert  haben, 


1)  Vgl.  §  2,  3d. 


2)  Vgl.  S.  194  Anm.  1. 


N.  Mai.  1,  1,  9.  .  .  In  mancipio  tan- 
tummodo  distrahendo  non  est  decreti  quae- 
renda  solennitas,  si  quinque  primorum  curiae 
subscriptio  atque  consensio  adiecta  monstretur. 

aa)  N.  Val.  10,  1,6.  Si  quis  curiali  venditori 
aliqua  laboranti  necessitate  subvenit,  quum 
modo  ab  exactore  fisoalium  functionum,  modo 
a  creditoribus  urgeretur,  et  sine  cautela  ven- 
didit,  quum  premente  iniuria  quaerere  non 
vacabat,  ne  diutius  suspendiis,  squalore  cu- 
stodiae,  sportulae  concussione,  usuris  in  ma- 
iorem  cumulum  crescentibus  vexaretur,  cur 
non  maneat  venditio,quae  praestitit  obnoxium 
a  dispendiis  et  suppliciis  liberari?  Alii  de- 
stituta  atque  inculta  propterea  vendiderunt, 
quia  ieiuni  cespitis  onerosam  professionem 
non  poterant  sustinere.  Iniquum  est,  tam 
iustis  praecedentibus  causis  confectae  vendi- 
tioni  ob  hoc  solum,  quia  decreti  interpositio 
defuit,  adimi  firmitatem.  Statuo  itaque  a 
tempore,  quo  Italiam  Alaricus  intravit,  nul- 
lam  moveri  quaestionem  bis,  quae  curiales 
taliter  de  facultatibus  propriis  vendiderunt  .  . 

5)  a)  P.  2,  18,  6.  Post  rem  traditam  nisi 
emtor  pretium  statim  exsolvat,  usuras  eins 
praestare  cogendus  est. 

b)  P.  1,  13,  4.     Si  id,   quod   emtum    est. 


Mancipia  (autem)  distrahendi  sine  decreto 
habebit  liberam  potestatem,  dummodo  quin- 
que priores  curiae  testes  in  ea  venditione 
subscribant. 

Curiales  (etiam),  quibus  hucusqae  sine 
decreti  interpositione  res  suas  vendere  aut 
alienare  a  corpore  curiae  non  licebat,  si  certa 
fuerint  necessitate  constricti ,  ut  debitum, 
quod  pro  utilitate  publica  contraxit,  dum 
creditoram  poenas  metuit,  supplere  festinet, 
quicquid  sub  tali  necessitate  vendiderit,  omni 
firmitate  subsistat. 


Si  eam  rem,  quam  aliquis  accepto  prctio 


278 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


SO    ist    er  in  jeder  Weise  zur  Übergabe  der  verkauften  Sache  anzuhalten/ 
p.  2, 18, 4  Von  dem  Tage    des   Kaufs   gebühren,    wenn    ein    Teil   des  Preises    gezahlt 

worden  ist,    dem    Käufer    sowohl    die    Früchte    als    auch    die    Dienste    der 
Sklaven  und  die  Jungen  des  Viehs  und  die  Kinder  der  Sklavinnen. 

e)  Eviktion. 

p.  2, 17, 1       a)  AVenn  Jemand  eine  fremde  Sache  verkauft  und  den  Preis  empfangen  haben 
wird,  ^wü'd  er  auf  Erstattung  des  doppelten  Geldbetrages  verhaftet  bleiben.^ 

P.  2, 17, 3  Wenn   eine    gekaufte    Sache ,   nach   vollendeter    Manzipation    und 

Tradition,  evinciert  wird,  ward  der  Verkäufer  wegen  Auctoritas  auf 
das  Doppelte  verhaftet. 

P.  2, 17,  2  aa)  Wenn  irgend  Jemand  eine  Sache  einfach,  ^das  wäll  sagen,  ohne  Ein- 

legung einer  Strafe,^  dem  Käufer  übergeben  haben  und  mit  Be- 
zug auf  diese  Sache  der  Käufer  verurteilt  gewesen  sein  wird,  wird 
ihm  der  Verkäufer  in  dem  Masse  verpflichtet  bleiben,  ^wie  wenn  er  ver- 
sprochen haben  wird,  die  Eviktionsstrafe,  das  will  sagen,  den  doppelten 
Verkaufspreis  zahlen  zu  sollen.* 

Q  Haftung  für  Zusagen  und  Mängel. 

p.  2, 18, 1       a)  Wenn    Jemand  bei  Verkauf   eines  Grundstücks  mit  Bezug    auf   das  Mass 
falsche  Angaben    macht,    wird    er,   nachdem  Officio   iudicis  eine  Schätzung 


1)  Wenn  dasjenige,  was  gekauft  worden  ist,  weder  übergeben  noch  manzipiert  wird, 
kann  der  Verkäufer  gezwungen  werden,  zu  tradieren  oder  zu  manzipieren. 

2)  Wird  der  Verkäufer  wegen   Auctoritas  verhaftet  bleiben:    sonst   nämlich   kann  er 
nicht  verpflichtet  werden. 

3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

4)  Wie  wenn  er  durch  Stipulation  wegen  Eviktion  sich  verpflichtet  hätte. 


neque  tradatur,   neque   mancipetur,  venditor 
cogi  potest,  ut  tradat  aut  mancipet. 

P.  2,  18,  4.  Ex  die  emtionis,  si  pars  pre- 
tii  numerata  sit,  et  fractus  et  operae  ser- 
vorum,  et  foetus  pecorum  et  ancillarum  par- 
tus  ad  emtorem  pertinent. 

e)  a)  P.  2,  17,  1.  Venditor,  si  eins  rei, 
quam  vendiderit,  dominus  non  sit,  pretio 
accepto,  auctoritatis  manebit  obnoxius,  aliter 
enim  non  potest  obligari. 

P.  2,  17,  3.  Res  emta,  mancipatione  et 
traditione  perfecta,  si  evincatur,  auctoritatis 
venditor  duplo  tenus  obligatur. 

aa)  P.  2,  17,  2.  Si  res  simpliciter  tradi- 
tae  evincantur,  tanto  venditor  emtori  con- 
demnandus  est,  quanto,  si  stipulatione  pro 
evictione  cavisset. 


Q  a)  P.  2,  18,  1.     Distracto  fundo,  si  quis   j 


facta  venditione  distraxit,  tradere  distulerit, 
ad  traditionem  rei,  quam  vendidit,  omnibus 
modis  compellendus  est. 


Si  quis  rem  alienam  vendiderit  et  pretium 
acceperit,  ad  redhibitionem  duplae  pecuniae 
manebit  obnoxius. 


Si  quicunque  rem  simpHciter,  id  est,  sine 
poenae  interpositione,  emtori  tradiderit,  et 
de  eadem  re  emtor  fuerit  superatus,  in  tan- 
tum  ei  venditor  manebit  obnoxius,  velut  si 
evictionis  poenam,  id  est,  duplum  se  reddi- 
turum  pretium  in  venditione  promiserit. 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


279 


veranstaltet  worden  ist,  auf  das  Doppelte  desjenigen,  wieviel  er  gelogen 
hat,  belangt. 

Einiges  wird,  weiui  es  seitens  derjenigen,  welchen  es  geschuldet  p.  i,  i9,  i 
worden  ist,  zurückgefordert  wird,  sobald  es  von  den  Schuldnern  geleugnet 
gewesen  sein  wird,  mit  dem  Ersätze  des  Doppelten  zurückgegeben, 
nämlich  wenn  mit  Bezug  auf  das  Mass  des  Grundstücks  der  Käufer 
von  dem  Verkäufer  übervorteilt  gewesen  sein  wird,  sodass  weniger 
gefunden  wird,  als  sich  geschrieben  zeigt.^ 

b)  Wenn  der  Verkäufer,    während  er  einen  Sklaven  verkaufte,  mit  Bezug  auf  p.  2,  is,  3 
die  Kunstfertigkeit    desselben    oder  das  Peculium,  zum  Zwecke  der  Teuer- 
keit des  Preises,  falsche  Angaben  gemacht  hat,    soll  er  angehalten  werden, 

■dem  Käufer  so  viel  zu  erstatten,  als  der  Sklave  ohne  Peculium,  bez. 
Kunstfertigkeit,  hätte  wert  sein  können,  oder  sich  begnügen,  nach  Bückgabe 
des  Preises,  den  verkauften  Sklaven  zurückzuempfangen.- 

c)  Wenn    zwischen  Käufer   und  Verkäufer   wegen    des  Preises    eines  Sklaven   c.  3, 4, 1 
eine  Abrede  getroffen  sein  und  der  Verkauf  urkundlich  verlautbart  gewesen 

sein  wird,^  wird  er  unter  keinen  Umständen  widerrufen  w^erden  können,  es  sei 


1)  T  spricht  von  den  Aktionen,  die  verdoppelt  werden,  wenn  von  dem  Verklagten 
geleugnet  wird.  Darunter  wird  aufgeführt  die  De  modo  agri,  sobald  der  Käufer  von  dem 
Verkäufer  betrogen  worden  ist. 

2)  Mit  der  Actio  ex  emto  zu  leisten  Quanto  minoris  valuisset,  nisi  paratus  sit  eum 
redhibere. 

3)  Habito  semel  bonae  fidei  contractu,  nach  Inempfangnahme  des  Sklaven  und  Zahlung 
des  Preises. 


de  modo  mentiatur,  in  duplo  eins,  quod  men- 
titus  est,  officio  iudicis  aestimatione  facta 
convenitur. 

P.  1,  19,  1.  Quaedam  actiones  si  a  reo 
inficientur,  duplantur:  velut  .  .  de  modo  agri, 
quum  a  venditore  emtor  deceptus  est. 


b)  F.  2,  18,  3.  Si  ut  servum  quis  pluris 
venderet,  de  artificio  eius  vel  peculio  menti- 
tus  est,  actione  ex  emto  conventus,  quanto 
minoris  valuisset,  emtori  praestare  compelli- 
tur,  nisi  paratus  sit  eum  redhibere. 

c)  C.  3,  4,  1.  Habito  semel  bonae  fidei 
contractu  mancipioque  suscepto  et  pretio 
dissoluto,  ita  demum  repetendi  pretii  pote- 
stas  est  ei,  qui  mancipium  comparaverit,  lar- 
gienda,  si  illud,  quod  dixerit  fugitivum,  po- 
tuerit  exhibere.  Hoc  enim  non  solum  in 
barbavis,  sed  etiaiA  in  provincialibus  servis 
iure  praescriptum  est. 


Aliqua,  (quae)  quum  ab  his,  quibus  sunt 
debita,  repetuntur,  si  a  debitoribus  negata 
fuerint,  dupli  satisfactione  redduntur,  id  est 
.  .  de  modo  agri,  quum  a  venditore  emtor 
fuerit  circumscriptus,  ut  minus  inveniatur, 
quam  probatur  scriptum  .  . 

Si  venditor,  quum  mancipium  distraheret, 
de  artificio  eius  vel  de  peculio  pro  caritate 
pretii  mentitus  est,  emtori,  quantum  sine 
peculio  vel  artificio  valere  potuerat,  tantum 
reddere  compellatur:  aut  certe  mancipium 
venditum  recipere,  reddito  pretio,  acquiescat. 

Quum  inter  emtorem  ac  venditorem  de 
mancipii  pretio  convenerit  et  fuerit  con- 
scripta  venditio,  nullatenus  poterit  revocari, 
nisi  forte  ille,  qui  emit  mancipium,  proba- 
verit  fusritivum,  et  tunc  habebit  licentiam 
pretium  recipere,  si  mancipium  reddiderit 
venditori. 


280 


Privatreclit.     Drittes  Buch, 


P.  2,  18,  8 


P.  2,  18,  9 


P.  2,  18,  2 


G.  2,  9. 
14  U.  15 


C.  10,  2,  1 


denn,  class  derjenige,  welcher  den  Sklaven  gekauft  hat,  ihn  als  Flüchtling 
erwiesen  haben  wird:  in  diesem  Falle  wird  er  die  Befugnis  haben,  den  Preis 
zurückzuempfangen,  wenn  er  den  Sklaven  dem  Verkäufer  zurückgegeben  haben 
wird.^  Wenn  der  in  gutem  Glauben  erworbene  Sklave  infolge  eingewurzelten 
Hanges  auf  die  Flucht  gegangen  sein  wird,  wird  der  Herr  nicht  nur  den  Preis, 
sondern  auch  dasjenige,  was  jener  auf  die  Flucht  mitgenommen  hat,  zurück- 
zugeben verpflichtet  werden.  Wird  der  Beweis  der  früheren  Flucht  gefehlt  haben, 
so  ist  der  Antwort  des  Sklaven  Glauben  zu  schenken:  denn  es  wird  erachtet, 
dass  er  gegen  sich  befragt  werde,  nicht  für  den  Herrn  oder  gegen  den  Herrn, 
d)  Die  Wandlung  eines  fehlerhaften  Sklaven  kann  wegen  eines  verborgenen 
Fehlers  innerhalb  sechs  Monaten  geschehen. 

2)  Miete. 

a)  Im  allgemeinen. 

a)  Das  Mietsgeschäft  hat  in  gleicher  Art  Bestand,  wie  das  Kaufgeschäft,  sodass 
auf  Grund  des  Konsenses,  auch  bloss  mündlichen,  eine  Festsetzung  unter 
den  Konsentierenden  Festigkeit  besitzt. 

ß)  Sachmiete. 

a)  Allen  Kurialen  soll  die  Befugnis  versagt  werden,  Acker  und  Wälder  einer 
Respublica    zu   pachten,    indem    dieses   im  besondern  zu  beachten  ist,  dass 


1)  T  fügt  hinzu,  dass  es  nicht  allein  für  Servi  barbari,  sondern  auch  für  provinciales  gelte. 


P.  2,  18,  8.  Servus  bona  fide  comparatus 
si  ex  veteri  vitio  fugerit,  non  tantum  pretium 
dominus,  sed  et  ea,  quae  in  fugam  abstulit, 
reddere  cogetur. 

P.  2,  18,  9.  Quum  probatio  prioris  fagae 
defecerit,  servi  responsioni  credendum  est: 
in  se  enirQ  interrogari,  non  pro  domino  aut 
in  dominum  videtur. 

d)  P.  2,  18,  2,  Redhibitiü  vitiosi  manci- 
pii intra  sex  menses  fieri  potest  propter  la- 
tens  Vitium. 

2a)  a) 


ß)  a)  C.  10,  2,  1,  Curialibus  omnibus  con- 
ducendorum  rei  publicae  praediorum  ac  sal- 
tuum  inhibeatur  facultas:  illo  etiam  obser- 
vando,  no  quis  curialium  vel  de  extraneis 
civitatibus  fundos  aut  loca  huius  modi  con- 
ductione  suscipiat. 


G.  2,  9,  14  u.  15.  Emtio  (igitur)  et  ven- 
ditio  (contrahitur,  quum  de  pretio  inter  emto- 
rem  et  venditorem  fuerit  definitum,  etiamsi 
pretium  non  fuerit  numeratum,  nee  pars 
pretii  aut  arra  data  fuerit).  Locatio  et  con- 
ductio  simili  ratione  consistunt,  ut  consensu, 
etiam  verbo,  definitio  inter  consentientes 
firma  permaneat. 

Omnibus  curialibus  conducendorum  rei 
publicae  agrorum  ac  saltuum  licentia  dene- 
getur,  illo  specialiter  observando,  ut  nuUus 
curialis  vel  de  extraneis  civitatibus  agros  ac 
Ipca  supra  scripta  sub  qualibet  conductione 
suscipiat,  ne  sub  hac  occasione  servitia  cu- 
riae  debita  non  impendat. 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


281 


kein  Kuriale,  sei  es  auch  von  fremden  Gemeinden,  Acker  und  die  genannten 
Ortlicbkeiten  in  irgendwelche  Pacht  übernehmen  solle,  damit  er  nicht  aus 
diesem  Anlass  die  der  Kurie  geschuldeten  Dienste  nicht  ausrichte, 
b)^- ^Keiner  aus  der  Zahl  der  Kurialen  soll  bei  einem  fiskalen  oder  privaten  4^"J^4 
Grundstück  als  Pächter  eintreten,  noch  für  irgendwelchen  Pächter  als  Bürge 
auftreten.  Wird  Jemand  einen  Kurialen  in  seinem  Grundstück  als  Pächter 
aufgenommen  oder  für  einen  andern  Pächter  einen  Kurialen  als  Bürgen 
angenommen  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  seine  Actio  in  allen  Hinsichten 
hinfälhg  ist:  denn  auch  das  Grundstück  selbst,  w^elches  für  den  Kurialen 
aus  der  Hand  des  Grundbesitzers  gepachtet  worden  ist,  soll  konfisziert  w^erden, 
der  Kuriale  aber  unter  den  genainiten  Bedingungen  nicht  haften,  mag  er 
auch  eine   Cautio  ausgestellt  liaben.^ 


1)  T  schickt  den  Satz  voraus  (pr.):  Non  dubium  est,  in  legem  committere  eurn,  qui  verba 
legis  amplexus  contra  legis  nititur  voluntatem.  Nee  poenas  insertas  legibus  evitabit,  qui  se 
contra  iuris  sententias  scaeva  praerogativa  verborum  fraudulenter  excusat. 

2)  T  führt  aus,  dass  die  Pacht  von  Grundstücken  von  selten  der  Kurialen,  obschon 
bereits  unter  das  Verbot  der  Procuratio  rerum  alienarum  fallend,  noch  einmal  ausdrücklich 
verboten  werde,  verordnet  die  Konfiskation  der  verpachteten  Grundstücke  und  versagt  den 
Parteien  die  Actio:  denn  im  Falle  eines  Verbots  komme  kein  Vertrag  zu  stände,  was  hin- 
sichtlich alter  und  neuer  Interpretationen  von  Gesetzen  gelte,  indem  allgemein  das  Verbot 
der  Eingehung  eines  Vertrags  die  Nichtigkeit  des  Geschäfts  zur  Folge  habe,  wenn  es  auch 
der  Gesetzgeber  nicht  ausdrücklich  ausgesprochen  habe.  Es  gelte  dies  auch  bezüglich 
dessen,  si  quid  fuerit  subsecutum  ex  eo  vel  ob  id,  quod  interdicente  factum  est  lege. 
Auch  die  Bürgschaft  seitens  eines  Kurialen  sei  ungiltig:  ingleichen  Stipulation  oder  Mandat 
bez.  ein  Sacramentum. 


b)  N.  Th.  4,  1,  1—4.  Curiales  ne  ad 
procurationem  rerum  alienarum  accederent, 
cautum  est  providentissima  sanctione,  cuius 
in  fraudem  conducendi  eos  sibimet  usurpare 
licentiam,  sublimitatis  tuae  suggestione  com- 
perimus.  Quos  licet  pristinae  legis  laqueis 
irretiri  cernamus  (conductionem  namque 
speciem  esse  procurationis,  certissimum  est), 
attamen  ne  sub  fraudis  suae  velamine  legis 
lateant  contemtores,  neve  eis  fucata  suae  cal- 
liditatis  excusatio  relinquatur,  hac  perpetuo 
lege  valitura  sancimus,  conducendi  quoque 
fundos  alienos  licentiam  curialibus  amputari, 
locatas  res  fisci  viribus  vindicari.  Conductor 
itaque  locatori  vel  contra  locator  conductori 
contra  hanc  legem  nuUa  tenebitur  actione. 
Nullura  enim  pactum,  nullam  conventionem, 
nuUum  contractum  inter  eos  videri  volumus 
subsecutum,  qui  contrahunt  lege  contrahere 
prohibente.  Quod  ad  omnes  etiam  legum 
interpretationes,  tam  veteres  quam  novellas, 
trahi  generaliter  imperamus,  ut  legislatori, 
quod  fieri  non  vult,  tantum  prohibuisse  suf- 
ficiat,  cetera  quasi  expressa  ex  legis  liceat 
voluntate  colligere:  hoc  est,  ut  ea,  quae  lege 


Nullus  curialium  in  fiscali  vel  in  privato 
agro  conductor  accedat,  nee  pro  aliquo  con- 
ductore  fideiussor  exsistat.  Quod  si  quis  cu- 
rialem  in  agro  suo  susceperit  conductorem 
aut  pro  alio  conductore  fideiussorem  acce- 
perit  curialem,  actionem  suam  noverit  in 
Omnibus  vacuari.  Nam  et  ager  ipse,  qai  a 
possessore  curiali  conductus  est,  fisci  viribus 
vindicetur.  Curialis  vero  pro  supra  scriptis 
conditionibus,  etiamsi  cautionem  emiserit, 
non  teneatur. 


282 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


p.  2, 19, 2        c)  Für  Verschlechterung  eines  Grundstücks  und  Unterlassung  der  Kulturpflege 
mit  Bezug  auf  dasselbe,  und  für  kulpose  NichtWiederherstellung  der  Gebäude 
kann   dem  Herrn  von   dem  Mieter  Ersatz   nach  Ermessen    des  Judex    ge- 
leistet werden. 
Y)  Dienstmiete. 

P.5,1,1       a)  Die  Dienste  der  Hauskinder  können  von  den  Hausvätern  vermietet  werden. 

p.  2, 19,1       b)  Ein  freier  Mensch,  der  seinen  Status  in  der  Gewalt  hat,    kann  ihn  sowohl 
verschlechtern  als  auch  verbessern:  demgemäss  vermietet  er  seine  Tag-  und 
Xachtdienste. 
5)  Lex  B,hodia  de  iactu. 

p.  2, 7, 1  a)  Wenn  behufs  Erleichterung  des  Schiffs  ein  Seewurf  von  Waren  gemacht 
worden  ist,  soll,  w^as  im  Interesse  Aller  hingegeben  worden  ist,  durch  die 
Beisteuer  Aller  ersetzt  w^erden. 


fieri  prohibentur,  si  fuerint  facta,  non  solum 
inutiHa,  sed  pro  infectis  etiam  habeantur, 
licet  legislator  fieri  prohibuerit  tantum,  nee 
speciaUter  dixerit,  inutile  debere  esse,  quod 
factum  est.  Sed  et  si  quid  fuerit  subsecutum 
ex  eo  vel  ob  id,  quod  interdicente  factum  est 
lege,  illud  quoque  cassum  atque  inutile  esse 
praecipimus.  Sed  quo  omnis  fraudis  semen 
per  hanc  legem  curialibus  radicitus  ampute- 
tur,  nee  fidem  suam  pro  conductoribus  fun- 
dorum  intcrponere  concedimus  curiales. 
Cur  enim  conductio  prohibetur,  si  conducti- 
onis  periculum  vel  soUicitudo  permittitur? 
Secundum  praedictam  itaque  regulam,  quam 
ubique  servari,  factum  lege  prohibente,  cen- 
suimus,  certum  est,  nee  Stipulationen!  eius 
modi  teuere,  nee  mandatum  ullius  esse  mo- 
menti,  nee  sacramentum  admitti,  nee  acti- 
onem  quolibet  pacto  adversus  eum  fideius- 
sorem  competere  locatori  .  . 

c)  P.  2,  19,  2.  Fundi  deterioris  facti,  et 
cultura  non  exercitati,  et  aedificiorum  non 
refectorum  culpa  arbitrio  iudicis  domino  a 
conductore  sarciri  potest, 

y)  a)  P.  5,  1,  1.  (Qui  .  .  filios  suos  ven- 
diderint,  .  .)  Operae  (tamen)  eorum  locari 
possunt. 

b)  P.  2,  19,  1.  Homo  liber,  qui  statum 
suum  in  potestate  habet,  et  peiorare  eum  et 
meliorem  facere  potest:  atque  ideo  operas 
suas  diurnas  nocturnasque  locat. 

o)  a)  P.  2,  7,  1,  Levandae  navis  gratia 
quum  iactus  merciam  factus  est,  omuium  in- 
tributione  sarciatur,  quod  pro  omnibus  da- 
tum  est. 


r 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


283 


b)  Ist  ein  Schiff  oder  ein  Mastbaum  durch  die  Gewalt  des  Unwetters  verloren  p.  2, 7,  2 
gegangen,    so    sind    die  Passagiere    zur  Beitragsleistung    nicht  verhaftet,   es 

sei  denn,  dass,  indem  si(^  selbst  den  Mastbaum  der  liettung  halber  heraus- 
nahmen, das  Schiff  erhalten  ist. 

c)  Wird    ein    Schiff,  das    durch   einen    Seewurf   erleichtert    worden  ist,  unter-   p.  2,7,3 
gegangen    sein,   und    sind    durch    die    Taucher   Waren    anderer    Personen 
herausgezogen  worden,    so  war  man  der  Ansicht,    dass    auch    derjenige    zu 
berücksichtigen  sei,   der  Waren  zu  der  Zeit,  dass  das  Schiff  heil  war,  aus- 
geworfen hat. 

d)  Man    ist    übereingekommen,    dass    für    Waren,    die    behufs    Erleichterung  p.  2, 7, 4 
des  Schiffes    auf  einen  Kahn   gesetzt    worden    und    deshalb    untergegangen 

sind,  durch  Beisteuer  von  Seiten  derjenigen,  die  auf  dem  Schiffe  erhalten 
geblieben  sein  werden,  Ersatz  zu  leisten  sei.  Ist  dagegen  das  Schiff 
untergegangen,  so  kommt  der  mit  den  Waren  gerettete  Kahn  nicht  in 
Betracht. 

e)  Die  Kollation    mittels  Beisteuer  wegen  SecAvurfs  muss  geschehen,  während  p.  2, 7, 5 
das  Schiff  erhalten  ist. 

3)  Societas. 

a)  Eine  Gesellschaft  können  wir  eingehen  entweder  mit  Bezug  auf  das  ganze  G.  2, 9,  ig 
Vermögen  oder  mit  Bezug  auf  irgend  ein  einzelnes  Geschäft. 

b)  Eine  Gesellschaft  kann  in  der  Art  eingegangen  werden,  falls  nur  die  Gesell-   g.  2, 9,  ig 
schafter  darüber  übereingekommen  sind,  dass  der  eine  Geld  giebt,  der  andere 


b)  P.  2,  7,  2.  Nave  vel  arbore  vi  tempe- 
statis  amissa,  vectores  acl  contributionem  non 
tenentur,  nisi  ipsis  arborem  salutis  causa 
eruentibus  navis  salva  sit. 

c)  P.  2,  7,  3.  lactu  navis  levata  si  peri- 
erit,  extractis  aliorum  per  urinatores  merci- 
bus,  eius  quoque  rationem  haberi  placuit, 
qui  merces  salva  nave  iactavit. 

d)  P.  2,  7,  4.  Levandae  navis  gratia  mer- 
ces in  scapham  transiectas  atque  ideo  amis- 
sas  intributione  earam,  quae  in  navi  salvae 
erunt,  refici  convenit.  Nave  autem  perdita, 
conservatae  cum  mercibus  scaphae  ratio  non 
habetur. 

e)  P.  2,  7,  5.  Collatio  intributionis  ob 
iaetum  salva  nave  fieri  debet. 

3)  a) 


b) 


G.  2,  9,  16.  Societatem  inire  possumus 
aut  omnium  bonorum  aut  unius  alicuius  ne- 
gotiationis. 

G.  2,  9,  16.  .  .  (Et)  potest  ita  iniri  so- 
cietas, si  tarnen  hoc  inter  socios  convenit, 
ut  unus  pecuniam  det,  alter  operam  suam 
pro  pecunia  ponat.  Et  huius  rei  definitio 
etiam  verbo  inita  valet;  ita  ut  quicquid  so- 
cietatis  tempore  quolibet  modo  fucrit  acqui- 
situm, sociis  commune  sit. 


284 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


seine  Arbeit  statt  Geld  einsetzt.  Eine  Festsetzung  dieses  Inhalts  hat,  auch 
wenn  sie  mündhch  getroffen  worden  ist,  Giltigkeit,  derart,  dass,  was 
auch  immer  zur  Zeit  der  Gesellschaft  in  irgendwelcher  Weise  erworben 
gewesen  sein  wird,  den  Gesellschaftern  gemeinschaftlich  ist. 

p.  2, 16, 1  c)  Wie  der  Gewinn,  so  wird  auch  der  Schade  unter  den  Gesellschaftern  ge- 
meinschaftlich, es  sei  denn,  dass  etwas  durch  Schuld  eines  Gesellschafters, 
bez.  durch  Betrug,  vernichtet  worden  ist. 

G.  2, 9, 17  d)  Eine  einmal  geschlossene  Gesellschaft  bleibt  bestehen,  solange  die  Gesell- 
schafter in  ihrem  Konsens  beharren,  weil  sie,  wie  durch  Konsens  ein- 
gegangen, auch  durch  Dissens  aufgelöst  wird.  Die  Gesellschaft  wird  somit 
gelöst  entweder  durch  den  Tod  eines  einzigen  Gesellschafters  oder  durch 
entgegengesetzten  Willen  oder  durch  Capitis  diminutio,  das  will  sagen, 
%enn  einer  der  Gesellschafter  eine  Capitis  diminutio  erfahren  gehabt 
haben  wird.^ 

4)  Mandat. 

G. 2, 9, 18  a)  Ein  Mandat  kann  mündlich  erteilt  werden:  sobald  mündlich  ein  Mandat 
erteilt  gewesen  sein  wird,  wird  eine  Obligation  eingegangen. 

G.  2, 9, 18  b)  Wir  können  entweder  unsere  oder  fremde  Geschäfte  Jedermann  zur  Be- 
sorgung auftragen,  vorausgesetzt,  dass  wir  irgend  etwas  Ehrbares  zu  be- 
sorgen auftragen:  denn  w^enn  wir  gegen  die  guten  Sitten  irgend  etwas  haben 
auftragen  wollen,  das  will  sagen,  wenn  wir  einer  beliebigen  Person  auftragen, 
gegen  irgend  Jemanden  einen  Diebstahl  zu  verüben  oder  einen  Mord  oder 


1)  J  nimmt  hierzu  auf  das  Frühere  Bezug  (si  unus  ex  sociis,  sicut  frequenter  supra 
dixiraus,  capite  fuerit  diminutus):  ausdrückliche  Angabe,  wann  Capitis  minutio  statthat,  bietet 
vor  dem  Texte  lediglich  G.  2,  3,  5.     Des  weiteren  spricht  sich  P.  3,  9,  13  darüber  aus. 


c)  P.  2,  16,  1.  Sicut  lucrum,  ita  et  dam- 
num  inter  socios  communicatur:  nisi  quid 
culpa  socii  vel  fraude  eversum  sit. 


4)  a) 


b) 


G.  2,  9,  17.  Permanet  inita  societas,  do- 
nec  in  ipso  consensu  socii  perseverant:  quia, 
sicut  consensu  contrabitur,  etiam  dissensu 
dissolvitur.  Dissolvitur  ergo  societas  aut 
morte  unius  socii,  aut  contraria  voluntate, 
aut  capitis  diminutione,  id  est,  si  unus  ex 
sociis  .  .  capite  fuerit  diminutus. 

G.  2,  9,  18.  (Similiter  et)  mandari  verbo 
potest.  Et  quum  verbis  mandatum  fuerit, 
obligatio  contrabitur  .  , 

G.  2,  9,  18.  .  .  Possumus  (enim)  aut 
nostra  negotia  aut  aliena  cuicunque  agenda 
mandare:  dummodo  honestum  aliquid  agi 
mandemus.  Nam  si  contra  bonos  mores  ali- 
quid  mandare  voluerimus,  hoc  est,  si  cuiquam 
mandemus,  ut  alicui  furtum  faciat,  aut  bomi- 
cidium  aut  adulterium  admittat,  in  his  rebus 
mandati  oblig'atio  non  contrabitur. 


Obligationes  quae  consensu  contrahuntur  §  18. 


285 


Ehebruch  zu    begehen,    so  wird    bei   diesen  Sachen  eine  Mandatsobhgation 
nicht  eingegangen. 

c)  Derjenige,  welchem  ein  Mandat  zu  teil  wird,  kann  den  Wortlaut  des  Mandats   G.  2. 9, 2a 
nicht  überschreiten:    der  Prokurator  kann  nur  diejenigen  Sachen  betreiben,   p.  1,3,2 
mit  Bezug  auf  welche  sich  deutlich  ergeben  haben  wird,  dass  sie  ihm  über- 
tragen worden  sind.^ 

aa)  Wenn  Jemand  mittels  Mandats  zum  Prozess- Prokurator  eingesetzt  Gr  1, 1 
gewesen  sein  wird,  und  wegen  eines  Vergleichs  mit  Bezug  auf  die 
Sache  in  diesem  Mandat  nichts  beigeschrieben  sich  findet,  kann  er 
prozessieren,  soll  aber,  einen  Vergleich  zu  schliessen,  durchaus  nicht 
sich  anmassen.  AVird  er  sich  verglichen  haben,  so  wird  es  keine 
Giltigkeit  haben. 

bb)  Derjenige,  welcher  ein  Geschäft  senier  Frau  ausgeführt  gehabt  haben   c.  2, 12,4 
wird,  soll,  mag  er  auch  der  Gatte  sein,    nichts  anderes  betreiben,  als 
was  diese  ihm  mittels  Mandats  überlassen  haben  w^ird. 

d)  Wird  Jemand,  dem  ein  Mandat  erteilt  wird,  über  den  Wortlaut  des  Mandats  G.  2,  9, 20 
hinausgegangen  gewesen  sein,  so  soll  er  sowohl  dem  Mandator  für  haftbar 
gelten,    als    auch  soll,    was  er  ausserhalb  des   Mandats  verrichtet  hat,  dem 
Auftraggeber  nicht  nachteilig  sein. 

aa)  Wenn  Jemand  einer  beliebigen  Person  den  Auftrag  giebt,  seine  Sache    p.  2, 15,  5 
für  zehn  Sohdi  zu  verkaufen,  und  dieser  sie  für  acht  verkauft  haben  wird, 


1)  Vgl.  S.  7  Anm.  1. 


P.  1,  3,  2.  Procurator  aut  ad  litem, 
aut  ad  omne  negotium,  aut  ad  parten  negotii, 
aut  ad  res  administrandas  datur. 

aa)  Gr.  1,1.  Transactionis  placitum  ab  eo 
interpositum,  cui  causae  actionem,  non  de- 
cisionem  litis  mandasti,  nihil  petitioni  tuae 
derogavit. 

bb)  C.  2,  12,  4.  Procurator,  licet  maritus 
sit,  id  solum  exsequi  debet,  quod  procuratio 
emissa  praescripserit. 


d) 


aa)  P.  2,  15,  3.  Certo  pretio  rem  iussus 
distrahere,  si  minoris  vendiderit,  mandati 
iudicio  pretii  summa  poterit  integrari.  Ven- 
ditionem  enim  dissolvi  non  placuit. 


G.  2,  9,  20.  (Sed)  is,  cui  mandatur,  man- 
dati formam  egredi  non  potest  .  . 

Procurator  eas  tantum  res  agere  potest, 
quas  ei  evidenter  constiterit  fuisse  commis- 
sas, 

Si  quis  per  mandatum  procurator  litis 
fuerit  institutus,  et  de  compositione  causae 
in  ipso  mandato  nihil  continetur  adscriptum, 
litigare  potest,  componere  penitus  non  prae- 
sumat.     Quod  si  composuerit,  non  valebit. 

Qui  uxoris  suae  negotium  fuerit  prosecutus, 
quamvis  maritus  sit,  nihil  aliud  agat,  nisi 
quod  ei  agendum  per  mandatum  illa  com- 
miserit. 

G.  2,  9,  20.  (Sed)  is,  cui  mandatur,  man- 
dati formam  .  .  si  egressus  fuerit,  et  man- 
datori  tenea.tur  obnoxius,  et  quod  extra  man- 
datum egit,  non  praeiudicet  mandatori. 

Si  quis  cuilibet  mandet,  ut  rem  suam 
decem  solidis  vendat,  et  ille  eam  octo  ven- 
diderit, pretium,  quod  ei  mandatum  est,  quic- 
quid  mmus  ab  emtore  percepit,  mandatori 
complere  compellitur.  Venditio  tarnen  re- 
scindi  non  potest. 


286 


Privatrecht,     Drittes  Buch. 


wird    er  angehalten,    den  Preis,  der  ihm  aufgetragen  worden   ist,  was 
er   auch   immer    weniger   von  dem  Käufer   empfangen  hat,  dem  Auf- 
traggeber zu  erstatten:^  dagegen   kann  der  Verkauf  nicht  angefochten 
werden, 
p.  2, 15, 2        e)  Wenn  ich  irgend  etwas  mit  eigenen  Mittehi  im  Auftrag    eines  Dritten  für 
diesen  erworben  haben   werde,   steht  mir   gegen  ihn  die  Mandati  actio  zu, 
auch  wenn  er  die  Sache  nachher  nicht  annehmen  will:  nicht  nur  dasjenige,  was 
aufgewendet  worden  ist,  sondern  auch  die  Zinsen  davon  können  erzielt  werden.'-^ 
G.2,  9, 19       f)  Das  Mandat  wird  gelöst  entweder  durch  den  Tod  desjenigen,  welchem  der 
Auftrag  erteilt  worden  ist,  oder  durch  einen  entgegengesetzten  Willen  des- 
p.  2,15, 1  jenigen,  welcher  einen  Auftrag  erteilt  hat.     Wegen  plötzlicher  Erkrankung 

und  der  Notwendigkeit  einer  Reise  in  die  Fremde,  bez.  wegen  Feindschaften 
einer  Maior  persona  kann,  damit  nicht  die  Actio  von  irgend  Jemandem 
für  hinfälhg  zu  erachten  ist,  solange  mit  der  Ausführung  nicht  begonnen 
ist,  derjenige,  welcher  es  übernommen  haben  wird,  das  übernommene  Ge- 
schäft ablehnen. 


e)  Sonstige  Verträge  §  19. 
1)  Trödelvertrag. 

p.  2.  4, 4  a)  Wird  irgend  Jemand  einer  beliebigen  Person  unter  Preisangabe  eine  Sache 
zum  Verkaufe  anvertraut  haben,  und  diese,  während  sie  von  ihm  zum  Ver- 
kauf angeboten  wird,  durch  irgendwelchen  Anlass  zu  Grunde  gegangen  sein. 


1)  Wird  Jemand,  dem  geheissen  worden  ist,  eine  Sache  für  einen  bestimmten  Preis 
zu  verkaufen,  sie  für  einen  geringeren  Preis  verkauft  haben,  so  wird  mit  dem  Mandati 
iudicium  die  Vervollständigung  der  Kaufsumme  verlangt  werden  können. 

2)  Vgl.  S.  244  Anm.  1. 


e)  P.  2,  15,  2.  Si  meis  nummis  mandato 
tuo  aUquid  tibi  comparavero,  et  si  rem  po- 
stea  accipere  nolis,  mandati  actio  mihi  adver- 
sus  te  competit.  Non  enim  tantum  quod 
impensum  est,  sed  et  usuras  eins  consequi 
possum. 


P.  2,  15,  1.  Ob  subitam  valetudinem,  ob 
necessariam  peregrinationem,  ob  inimicitiam 
et  inanes  rei  actiones  integra  adhuc  causa 
mandati  negotio  renuntiari  potest. 


1)  a)  P.  2,  4,  4.  Si  rem  aestimatam  tibi 
dedero,  ut,  ea  distracta,  pretium  ad  me  de- 
ferres,  eaque  perierit,  si  quidem  ego  te  ro- 
gavi,  meo  periculo  erit:  si  tu  de  vendenda 
promisisti,  tuo  periculo  erit. 


G.  2,  9, 19.  Solvitur  mandatum  aut  morte, 
cui  mandatum  est,  aut  contraria  illius  vo- 
luntate,  qui  mandavit. 

Propter  subitam  infirmitatem,  et  necessi- 
tatem  peregrinationis,  vel  propter  inimicitias 
maioris  personae  ne  cuiuscunque  videatur 
actio  vacillare,  integra  adhuc  causa,  is  qui 
susceperit,  susceptum  negotium  renuere  po- 
test. 

Si  facto  pretio  rem  vendendam  aliquis 
cuicunque  tradiderit,  et  dum  ab  eo  vendenda 
profertur,  quacunque  occasione  perierit,  ei 
perit,  qui  eam  dederit  distrahendam.'  Cete- 
rum   si  rem   acceptam  non  rogante  domino, 


Sonstige  Verträge  §  19. 


287 


so  geht  sie  demjenigen  zu  Grunde,  welcher  sie  zum  Verkaufe  gegeben  haben 
wird.  Wird  er  jedoch  die  in  Empfang  genommene  Sache,  ohne  Ersuchen 
des  Herrn,  jedoch  unter  Versprechen  von  seiten  seiner  Person,  die  empfangen 
hat,  während  er  zu  verkaufen  wünschte,  verloren  haben,  so  trifft  ihn  der 
Schaden  der  verlorenen  Sache. 

2)  Contractus  suffragii. 

a)  ^  Manche  Personen  werden  überführt ,  behufs  Erzielung  eines  Wunsches  c.  2, 29, 1 
Suffragien  gegeben  zu  haben,  und  haben  nachher,  sobald  sie  zu  der  Militia 
gelangt  sind,  gegen  den  Sinn,  unehrenhafter  imd  unerlaubter  Weise  das- 
jenige, was  sie  gegeben  hatten,  zurückzufordern,  bez.  wegzunehmen,  sich 
angemasst.  Deswegen  verordnen  wir,  dass,  wer  auch  immer  nachweislich 
irgend    etwas    für  Erzielung    desjenigen,    worum    er    sich    bewarb,    gegeben 

hat,  die  Befugnis,  zurückzufordern,  nicht  besitzt:^  wird  er  aber  zurückzu- 
fordern versucht  gehabt  haben,^  so  soll  derjenige,  welcher  empfangen  hat, 
es  behalten,  oder  soll  es,  wenn  es  ihm  weggeiiommen  gewesen  sein  wird, 
zurückgegeben  werden,  und  derjenige,  welcher  es  genommen  hat,  noch  ein- 
mal soviel  dem  Fiskus  zu  entrichten,  gezwungen  werden. 

b)  Wenn  Jemand,    während   er    seine    Geschicke    zu   fördern  wünscht,    irgend  c.  2, 29, 2 
einen  Vorteil  gewähren  zu  sollen  versprochen  haben  wird,  soll  er,  nachdem 


1)  Durch  Foeda  coramenta  haben  Manche  erzielt,  was  dem  Verdienste  der  Guten 
vorbehalten  wird,  und  meinen  dann,  das  Geld,  welches  sie  unehrenhafter  Weise  gezahlt 
hatten,  zurückfordern  zu  sollen,  während  Andere  das  Geschenkte,  bez.  Herausgeworfene, 
sich  wieder  aneignen  zu  sollen  geglaubt  haben:  da  die  Römischen  Gesetze  diesen  Kon- 
trakt nicht  kennen,  fehlt  jede  Befugnis,  zurückzufordern. 

2)  Versucht  er  zurückzufordern  oder  wird  er  überführt,  zurückgefordert  zu  haben. 


2)  a)  C.  2,  29,  1.  Foedis  commentis,  quae 
bonorum  merito  deferuntur,  quidam  occupare 
meruerunt  et  quum  meruissent,  in  republica 
quolibet  pacto  versari,  repetendam  sibi  pe- 
cuniam,  quam  inhoneste  solverant,  impru- 
dentius  atque  inhonestius  arbitrantur:  alii 
etiam,  quae  tunc  donaverant  vel  potius  proie- 
cerant  ob  immeritas  causas,  invadenda  denuo 
crediderunt.  Sed  quia  leges  Romanae  huius- 
modi  contractus  penitus  ignorant,  omnem 
repetendi  eorum,  quae  prodige  nefarieque 
proiecerunt,  copiam  prohibemus.  Qui  itaque 
repetere  nititur  vel  repetiisse  convincitur, 
et,  quod  dedit,  apud  suffragatorem  eius  ma- 
nebit  vel  extortum  restituet,  et  alterum  tan- 
tum  fisci  viribus  inferre  cogatur. 

b)  C.  2,  29,  2.  Si  qui  desideria  sua  ex- 
plicare  cupientes  ferri  sibi  a  quoquam  suffra- 
gium  postul  averint,   et  ob  referendam  vicem 


sed  promittente  eo,  qui  accepit,  dum  vellet 
venumdare,  perdiderit,  sibi  rei  perditae  inge- 
rit  detrimentum. 

Aliquanti  pro  sua  voluntate  suffragia  de- 
disse  probantur,  et  postea,  quum  ad  militiam 
pervenerunt,  ea,  quae  dederant,  repetere  vel 
auferre  contra  rationem  inhoneste  et  illicite 
praesumserunt.  Ideoque  praecipimus,  ut  qui- 
cunque  aliquid  pro  praestandis  sibi,  quae 
petiit,  dedisse  dignoscitur,  non  habeat  licen- 
tiam  repetendi:  qui  vero  repetere  fuerit 
conatus,  hoc  ille  habeat,  qui  accepit,  aut 
certo,  si  sublatum  ei  fuerit,  reformetur,  et 
aliud  tantum  ille,  qui  abstulit,  fisco  cogatur 
inferre. 


Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  aliquid  se  commodi  daturum  esse 
promiserit,  perceptis,  quae  voluit,  constrictus 


288 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


P.  5,  5.  1 


C.  2,  1,  10 


er  durch  Erzieluiig  dessen,  was  er  gewollt  hat,  verhaftet  ist,  gezwungen 
werden,  ohne  jeden  Verzug  zu  erfüllen.  Wird  er  irgend  etwas  an  Gold, 
bez.  Silber,  oder  sonstigen  beweglichen  Sachen  angeboten  haben,  so  soll 
es  ohne  Instrument  in  Kraft  bleiben,  weil  bewegliche  Sachen  bei  Suffragien 
ein  Instrument  durchaus  nicht  erfordern,  sondern  durch  die  blosse  Tradi- 
tion bekräftigt  werden.  Wird  es  gefallen  haben,  städtische  oder  ländliche 
Plätze  zu  geben,  so  soll  eine  Urkunde  und  Übergabe  folgen  und  sollen 
die  wegen  Ausführung  von  Allem,  bez.  wegen  Übergabe  der  Sache,  auf- 
genommenen Gesta  vorgelegt  werden;  denn  anders  wird  der  Besitz  auf  einen 
andern  Herrn  nicht  übergehen  können -.^  falls  Jemand  ohne  eine  solche  Ur- 
kunde den  Besitz  eines  Andern  okkupieren  zu  sollen  geglaubt  haben  wird, 
soll  er  als   einer   Gewaltthätigkeit  schuldig  haften.^ 

3)  Kompromiss. 

a)  Ist  unter  den  Parteien  auf  Grund  eines  Kompromisses  ein  Judex  genommen 
worden,  so  macht  er  nicht  Res  iudicata.  Wenn  aber  eine  Strafe  unter 
ihnen  versprochen  worden  ist,  kann  die  Strafe  für  Bes  in  iudicium  deducta 
Ex  stipulatu  beansprucht  werden. 

b)  Wenn  unter  Juden,  die  als  Römer  gelten,  beide  Parteien  übereinstimmend 
mit  Bezug  auf  eine  blosse  Civilsache,  bei  den  Obern  ihres  Gesetzes  werden 


1)  Vgl.  S.  198  Anm.  2. 

2)  Vgl.  S.  3  Anm.  4. 


se  sponsione  constrinxerint,  promissa  resti- 
tuant,  quum  ea,  quae  optaverint,  consequan- 
tur:  si  artibus  moras  nectent,  ad  solutionem 
debiti  coarctandi  sunt,  Sed  si  quid  eo  no- 
mine in  auro  vel  argento  vel  in  ceteris  mo- 
bilibus  datum  fuerit,  traditio  sola  sufficiat, 
et  contractus  babebit  perpetem  firmitatem, 
quoniam  collatio  rei  mobilis  inita  integra 
fide  bac  ratione  cumulatur.  Quod  si  praedia 
rustica  vel  urbana  placitum  continebit,  scri- 
ptura,  quae  ea  in  alium  transferat,  emittatur, 
sequatur  traditio  corporalis,  et  rem  fuisse 
completam,  gesta  testentur;  aliter  enim  ad 
novum  dominum  transire  non  possunt .  .  Quod 
si  quis,  dum  solo  commonitorio  de  suffragio 
nititur,  bona  duxerit  accupanda,  reus  temeri- 
tatis  ac  violentiae  retinebitur  .  . 

3)  a)  P.  5,  5,  1.  . ,  inter  partes  .  .  Ex  com- 
promisso  iudex  sumtus  rem  iudicatam  non 
facit:  sed  si  poena  inter  eos  promissa  sit, 
poena  rei  in  iudicium  deductae  ex  stipulatu 
peti  potest. 

b)  C.  2,  1,  10.  ludaei  Romano  et  com- 
muni  iure  viventes  . .  (Sana)  si  qui  per  com- 
promissum,  ad  similitudinem  arbitrorum,  apud 
ludaeos  vel  patriarchas  ex  consensu  partium, 


hoc  sine  ulla  dilatione  implere  cogatur. 
Quod  si  aliquid  in  auro  vel  in  argento  vel 
in  ceteris  rebus  mobilibus  obtulerit,  firmum 
sine  scriptura  permaneat:  quia  res  mobiles 
in  suffragiis  scripturam  penitus  non  requi- 
runt,  sed  sola  traditione  firmantur.  Quod  si 
loca  urbana  vel  rustica  dare  placuerit,  scri- 
ptura sequatur  atque  traditio,  et  de  completis 
Omnibus  vel  re  tradita  gesta  confecta  pro- 
ferantur;  nam  aliter  possessio  ad  alterum 
dominum  transire  non  poterit,  Sane  si  quis 
sine  tali  scriptura  possessionem  alterius  credi- 
derit  occupandam,  reus  violentiae  teneatur  .  . 


ludaei  (omnes),  qui  Romani  esse  noscun- 
tur . .  (Sane)  si  apud  maiores  legis  suae  con- 
sentientes  ambae  partes,  de  solo  tarnen 
civili   negotio   audiri  voluerint,   quod,  inter- 


Sonstige  Verträge  §  19. 


289 


N.  V. 


C.  8,  3,1 


haben  vernommen  werden  wollen,  soll  dasjenige,  was  bei  Vorhandensein 
eines  Kompromisses  durch  Schiedsgericht  erledigt  wird,  derart  sein,  als  wird 
durch  Anordnung  des  Richters  die  Entscheidung  getroffen  gewesen  sein.^ 

c)  Wenn  ein  Kleriker  irgend  Jemandem  einen  Prozess  angethan  haben  wird,  jg  i  2 
soll  er  in  dem  Forum  desjenigen,  welchen  er  vor  Gericht  ladet,  vernommen 
werden:  vorausgesetzt  jedoch,  dass  der  Verklagte  sich  nicht  dabei  beruhigt 
haben  Avird,  vor  das  Gericht  des  Bischofs  oder  Presbyters  zu  kommen. 

d)  Am  Sonntag  sollen  nicht  ludicia  privata  sein. 

4)  Constitutum  debiti. 

a)  Wer  für  die  Schuld  des  Andern,  Geld  zahlen  zu  sollen,  versprochen  haben   p.  2, 2, 1 
wird,  ist  zur  Erfüllung  des  Versprechens  anzuhalten. 

5)  Transactio. 

a)  Post   rem    iudicatam    hat    eine  Pactio    unter  den  Parteien  dann  Giltigkeit,   p.  1,1,3 
wenn  von  der  Summe,  die  feststehend ermassen  durch  das  Urteil  zugesprochen 
worden    ist,    seitens    desjenigen,    Avelcher    gesiegt  hat,    irgend  etwas  nachge- 
lassen wird.^ 

b)  Weim  Jemand  mittels  Mandats  zum  Prozess-Prokurator  eingesetzt  gewesen   Gr.  1,1 
sein  wird,  und  wegen  eines  Vergleichs  mit  Bezug  auf  die  Sache  in  diesem 
Mandat    nichts    beigeschrieben    sich  findet,   kann  er  prozessieren,  soll  aber, 
einen  Vergleich  zu  schliessen,  durchaus  nicht  sich  anmassen.    Wird  er  sich 
verglichen  haben,  so  wird  es  keine  Giltigkeit  haben. 

1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  22,  1  b. 

2)  Post  rem   iudicatam  ist  ein  Pactum,  abgesehen  Donationis   causa,  unstatthaft. 


in  civili  duntaxat  negotio,  putaverint  liti- 
gandum,  sortiri  eorum  iudicium  iure  publico 
non  vetentur:  eorum  etiam  sententias  pro- 
vinciarum  iudices  exsequantur,  tanquam  ex 
sententia  cognitoris  arbitri  fuerint  attributi. 

c)  N.  V.  12,  1,  2.  In  clerico  petitore  con- 
sequens  erit,  ut  secundum  leges  pulsati  fo- 
rum sequatur,  si  .  ,  adversarius  suus  ad  epi- 
scopi  vel  presbyteri  audientiam  non  praestat 
assensum  .  . 

d)  C.  8,  3,  1.  Solis  die  .  .  ne  apud .  .  arbitros 
.  .  sponte  delectos  ulla  sit  agnitio  iurgiorum. 

4)  a)  P.  2,  2,  1.  Si  id,  quod  mihi  Lucius 
Titius  debet,  soluturum  te  constituas,  teneris 
actione  pecuniae  constitutae. 

5)  a)  P.  1,  1,  3.  Post  rem  iudicatam  pac- 
tum, nisi  donationis  causa  interponatur,  ser- 
vari  non  oportet. 

b)  Gr.  1,  1.  Transactionis  placitura  ab 
eo  interpositum,  cui  causae  actionem,  non 
decisionem  litis  mandasti,  nihil  petitioni  tuae 
derogavit. 

Conrat,  Breviarium. 


veniente  compromisso,  arbitrali  iudicio  ter- 
minatur,  tale  sit,  quasi  ex  praecepto  iudicis 
fuerit  definitum. 


Clericus  si  aliquem  lite  pulsaverit,  in  foro 
illius,  quem  ad  iudicium  provocat,  audiatur: 
si  tarnen  pulsatus  non  acquieverit  ad  episcopi 
vel  presbyteri  venire  iudicium. 

Die  solis  .  .  iudicia  .  ,  neque  privata  fiant. 

Si  quis  pro  alterius  debito  se  pecuniam 
promiserit  redditurum,  ad  solutionem  statutae 
promissionis  est  retinendus. 

Post  rem  iudicatam  pactio  inter  eos,  qui 
litigaverunt,  tunc  obtinet  firmitatem,  si  de 
summa,  quam  iudicio  constat  addictam,  ab 
eo,  qui  vicit,  aliquid  concedatur. 

Si  quis  per  mandatum  procurator  litis  fue- 
rit institutus,  et  de  compositione  causae  in 
ipso  mandato  nihil  continetur  adscriptum, 
litigare  potest,  componere  penitus  non  prae- 
sumat.     Quod  si  composuerit,  non  valebit. 

19 


290 


Privatrecbt,     Drittes  Buch. 


p.  1  19, 1        c)  Diejenigen    Sachen,    welche   durch  das  Leugnen  der  Verklagten  verdoppelt 
werden,  können  durch  ein  Pactum  nicht  beendet  werden. 

G)  Receptum. 
p.  2,6,1       a)  Wenn  ein  Haussohn  mit  dem  Willen  des  Vaters  ein  Schiff  ausrüstet,  ver- 
pflichtet er,  mit  Bezug  auf  Alles,  was  er  zur  unversehrten  Bewahrung  auf- 
genommen haben  wird,  den  Vater  In  solidum. 

7)  Sonstiges. 
p.  2, 32, 25        a)  Eine  Prämie,  welche    für  die  Anzeige  behufs  Ergreifung  eines  Diebes  ver- 
sprochen worden  ist,  wird  rechtsgiltig  geschuldet. 


C)  Obli^ationes  ex  delicto. 

a)    F  u  r  t  u  m    u  n  d    B  a  p  i  n  a    §    20. 

1)   Wesen  des  Furtum. 
G.  2, 10, 3       a)  Wer    eine    fremde  Sache,    wider  Willen    oder  Wissen  des  Herrn,    angreift, 
bez.    wegnimmt,    oder  von  der  Stelle  zu  bewegen  sich  anmasst,    begeht  ein 
Furtum. 

P.  2, 32, 1  Ein  Für  ist  derjenige,  welcher  eine  fremde  Sache  bei  vorhandener 

böser  Absicht  angegriffen  haben  wird. 

p.  2, 32, 15  ]))  Man  war  der  Ansicht,  dass  auch  derjenige,  welcher  eine  öffentliche  Frauens- 
person der  Wollust  halber  geraubt  und  verborgen  hat,  mit  der  Furti  actio 
haftet. 
G.  2,10,  4  c)  Wenn  Jemand  eine  Sache  zur  Benutzung  empfangen  haben  wird  oder  als 
ihm  anvertraut  bei  sich  gehabt  und  anders  benutzt  gehabt  haben  wird, 
als  wozu  er  sie  empfangen  hat,  haftet  er  mit  der  Furti  actio. 


c)  P.  1,  19,  1.     Ex  bis  causis,  quae  infici- 
atione  duplantur,   pacto  decidi  non  potest. 

6)  a)  P.  2,  6,  1.  Filiusfamilias,  si  volun- 
tate  patris  navem  exerceat,  patrem  in  soli- 
dum ob  ea,  quae  salva  receperit,  obligat. 

7)  a)  P.  2,  32,  25.  Ob  indicium  compre- 
hendendi  furis  praemium  promissum  iure 
debetur. 

1)  a) 


P.  2,  32,  1.  Für  est,  qui  dolo  malo  rem 
alienam  contrectat. 

b)  P.  2,  32,  15.  Qui  meretricem  libidinis 
causa  rapuit  et  celavit,  cum  quoque  furti 
actione  teneri  placuit. 

c) 


Hae   causae,    quae   pulsatorum  negatione 
duplantur,  per  pactum  finiri  non  possunt. 


G.  2,  10,  3.  Qui  rem  alienam,  invito  aut 
nesciente  domino,  contingit  vel  tollit  aut  de 
loco  movere  praesumit,  furtum  facit. 

Für  est,  qui  rem  alienam  fraude  inter- 
veniente  contisrerit. 


G.  2,  10,  4.  Et  si  quis  rem  utendam  ac- 
ceperit,  aut  commendatam  apud  se  habuerit, 
et  ea  aliter  usus  fuerit,  quam  accepit,  furti 
actione  tenetur. 


Furtum  und  Rapina  §  20. 


291 


aa)  Wenn  Jemand  das  Zugvieh  eines  Andern  zu  dem  Zwecke  empfangen   g.  2, 10,5 
hat;  es  fünf  Mihen  zu  führen,  so  wird  er  des  Furtum  schukh'g  sein, 
wenn  er  es  zehn  Mihen,  oder  weiter,  als  von  demjenigen,  der  es  gegeben 
hat,  festgesetzt  gewesen  sein  wird,  weggetrieben  haben  wird. 

bb)  Werde  ich  ein  Säckchen  oder  Silber  in  gesiegeltem  Zustande  nieder-    p.  2, 12, 1 
gelegt  haben,  und  derjenige,  bei  welchem  es  niedergelegt  gewesen  ist, 
wird  es    wider    mehien  Willen  angegriffen    haben,  so  steht  mir  gegen 
ihn  die  Furti  actio  zu. 

d)  Dadurch,   dass    der   Schuldner   die  verpfändete  Sache    dem  Grläubiger   ent-  p.  2,32, 20 
zieht,  begeht  er  ein  Furtum. 

e)  Wenn  ich  eine   Sache,  die  ich  Jemandem  anvertraut   habe,    nachher   weg-  p. 2, 32,22 
genommen    habe,   wird  ihm  die  Furtio    actio   nicht  zustehen  können:    denn 

an  unserer  Sache  können  wir  ein  Furtum  nicht  verüben.^ 

f)  Derjenige,    welcher   Instrumente    oder   Kautionen    mittels    Furtum    beiseite  P.2, 32, 26 
geschafft   haben    wird,    wird    auf  den  Zahlungsbetrag,   welchen  die  beiseite 
geschafften  Instrumente,  bez.  Papiere,  enthalten,  mit  der  Furti  actio  haften. 

Es  macht  dabei  keinen  Unterschied,  ob  diese  Kautionen  ohne  irgendwelchen 
Strich  sind  oder  eingeritzt  oder  bezahlt  gewesen  sein  werden.^ 

2)  Arten  des  Furtum. 

a)  Arten  des  Furtum  sind  vier:  Manifestum.  Nee  manifestum.  Conceptum,  Oblatum.   P-  ''^'  ^^'  ^ 
^  '  .17  G.2, 10, 2 


1)  Der  Text  bedient  sich  bezüglich  des  Kommodatars  der  zweiten  Person. 

2)  Es    macht    keinen  Unterschied,    ob    sie    sind  Cancellatae   oder   nicht,    quia  ex  his 
debitum  magis  solutum  esse  comprobari  potest. 


aa) 


bb)  P.  2,  12,  1.  Si  sacculum  vel  argen- 
tum  signatum  deposuero,  et  is,  penes  quem 
depositum  fuit,  me  invito  contrectaverit,  .  . 
furti  actio  mihi  in  eum  competit. 

d)  P.  2,  32,  20.  Rem  pignori  datam  de- 
bitor  creditori   subtrahendo   furtum  facit  .  . 

e)  P.  2,  32,  22.  Si  rem,  quam  tibi  com- 
mendavi,  postea  surripui,  furti  actio  compe- 
tere  tibi  non  poterit:  rei  enim  nostrae  fur- 
tum fucere  non  jjossumus. 

f)  P.  2,  32,  26.  Qui  tabulas  cautionesve 
surripuerit,  in  adscriptam  suramam  furti  acti- 
one tenebitur :  nee  interest,  cancellatae,  nee  ne 
sint:  quia  ex  his  debitum  magis  solutum  esse 
comprobari  potest. 

2)  a)  P.  2,  32,  2.  Furtorum  genera  sunt 
quatuor:  manifesti,  nee  manifesti,  concepti, 
et  oblati. 

G.   2,   10,  2.      Furtorum    (autem)    genera 


G.  2,  10,  5.  (Praeterea)  si  quis  iumentum 
alterius  ad  hoc  accepit,  ut  id  quinque  mi- 
libus  duceret,  si  id  decem  milibus,  aut  longius, 
quam  ab  illo,  qui  dederit,  fuerit  constitutum, 
abeo^erit.  farti  reus  erit. 


Qui  tabulas  aut  cautiones  furto  abstulerit, 
ad  eam  summam  redhibitionis,  quam  tabulae 
vel  cartae  sublatae  continent,  furti  actione 
tenebitur.  Nee  interest,  utrum  cautiones 
ipsae  sine  aliqua  litura  sint,  an  fuerint  cara- 
xatae  aut  forsitan  solutae. 


19^ 


292 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


p.  2, 32, 3  b)  Maiiifestus  für  ist  derjenige,  welcher  bei  der  Yerübung  ergriffen  worden 
ist,  und  der  innerhalb  der  Grenzen  des  Ortes,  von  woher  er  etwas  weg- 
genommen hatte,  ergriffen  worden  ist,  bez.  bevor  er  an  den  Bestimmungsort 
gelangte. 

G.  2, 10, 2  Manifestum    furtum    wird    genannt,    wenn    ein    Dieb,    während    er 

die  Sache  von  Jemandem  wegnimmt,  bei  diesem  Furtum  ergriffen 
wird. 

G.  2, 10, 2  c)  Nee  manifestum  furtum  wird  genannt,  falls,  mag  es  auch  nicht,  während 
es  verübt  wurde,  entdeckt  worden  sein,  dennoch  nachweislich  ein  Furtum 
verübt  gewesen  ist. 

p.  2, 32, 4  Ein    Nee    manifestus    für    ist,    der    bei   Yerübung    nicht   ergriffen 

w^orden  ist,  während  nicht  geleugnet  werden  kann,  dass  er  das  Furtum 
verübt  hat. 

G.  2, 10, 2  d)  Conceptum  furtum  wird  genannt,  wenn  bei  irgend  Jemandem  Andern  eine 
gestohlene  Sache  gefunden  wird. 

G.  2, 10, 2  e)  Oblatum  furtum  wird  genannt,  wenn  eine  gestohlene  Sache  irgend  Je- 
mandem derart  von  dem  Für  gegeben  wird,  dass  sie  bei  dem  Diebe 
selbst  nicht  gefunden  werden  kann. 

3)  Aktionen  aus  Furtum, 
a)  Im  allgemeinen, 
p.  2, 32, 7       a)  Mit   der  Furti    actio    kann    derjenige    klagen,    der  ein  Interesse  daran  hat, 
dass  ihm  die  Sache  nicht  abhanden  gekommen  ist. 


sunt  quatuor:  manifesti,  nee  manifesti,  con- 
cepti,  et  oblati. 

b)  P.  2,  32,  3.  Manifestus  für  est,  qui  in 
faciendo  deprehensus  est,  et  qui  intra  ter- 
mmos  eins  loci,  unde  quid  sustulerat,  depre- 
hensus est,  vel  antequam  ad  eum  locum,  quo 
destinaverat,  perveniret. 


c) 


P.  2,  32,  4.  Nee  manifestus  für  est,  qui 
in  faciendo  quidem  deprehensus  non  est;  sed 
eum  furtum  fecisse  negari  non  potest. 

d) 


e) 


3  a)  a)  P.  2,  32,  7.     Furti  actione  is  agere 
potest,  cuius  interest  rem  non  perdidisse. 


G.  2,  10,  2.  .  .  Manifestum  furtum  dici- 
tur,  si  quando  für,  quum  cuiuscunque  rem 
toUit,  in  ipso  furto   deprehenditur  .  . 

G.  2,  10,  2.  .  .  Nee  manifestum  furtum 
appellatur,  quod,  quamlibet,  dum  fieret,  in- 
ventum  non  est,  tarnen  furtum  factum  fuisse 
probatur  .  . 


G.  2,  10,  2.  .  .  Conceptum  furtum  dici- 
tur,  quum  apud  aliquem  alterum  res  furata 
invenitur  .  . 

G,  2,  10,  2.  .  .  Oblatum  furtum  dicitur, 
quum  res  furtiva  alicui  ita  a  füre  datur,  ut 
apud  ipsum  furem  inveniri  non  possit. 


Furtum  und  Rapina  §  20. 


293 


b)  Nicht  nur  derjenige,  welcher  das  Furtum  verübt  haben  wird,  sondern  auch  p.  2, 32,  u 
derjenige,  mit  dessen  Hilfe  oder  Rat  das  Furtum  verübt  gewesen  sein  wird, 

wird  mit  der  Furti  actio  haften. 

aa)  Wegen   Furtum    haftet    derjenige,    welcher   selbst    das   Furtum    nicht  G.2, 10, 6 
verübt  haben  wird,  sondern  damit  es  geschehen  solle,  Hilfe  oder  Rat 
oder  Anstrengung   aufgewendet  haben  wird,  wie  wenn  Jemand  Geld, 
das  irgend  Jemand  in  der  Hand  hielt,    herausgeschlagen  haben  wird, 
damit  es  Andere  rauben  können. 

c)  Wenn  irgend  etwas  in  einer  Schenke,  bez.  einer  Wirtschaft,  Ausspannung,  p.  2, 32, 19 
Herberge,  zu  Grunde  gegangen  sein  wird,  steht  gegen  die  Wirte  derselben 

die  Furti  actio  zu.  p.  2, 32, 10 

d)  Die  Arten  von  Furtum  kann  der  Erbe  dessen,  der  ein  Furtum  erlitt,  ver- 
folgen: dagegen  können  die  Erben  desjenigen,  der  ein  Furtum  verübt  hatte, 
auf  die  Strafe  für  das  Vergehen  nicht  haftbar  gemacht  werden.^ 

e)  Wird  ein  Sklave  gegen  irgend  Jemanden  ein  Furtum  verübt  haben,  so  wird  p.  2, 32, 11 
sein  Herr,  falls  er  nicht  für  ihn  wird  haben  zahlen  wollen,  ihn  einer  Strafe 

nach  Art  der  That  überliefern  müssen.^    Wenn  ein  Sklave  ein  Furtum  verübt  p.  2, 32, 12 
haben  und  hernach    entweder  freigelassen  oder  verkauft  gewesen  sein  wird, 
so  haftet  auf  Ersatz  für  das  Furtum  entweder  derjenige,  welcher  freigelassen 


1)  Vgl.  S.  257  Anm.  2. 


2)  Vgl.  §  13,  3  a. 


b)  P.  2,  32,  14.  Non  tantum,  qui  furtum 
fecerit,  sed  etiam  is,  cuius  opera  aut  consilio 
furtum  factum  fuerit,  furti  actione  tenebitur. 


aa 


c)  P.  2,  32,  19.  Quaecunque  in  caupona 
vel  in  meritorio  stabulo  diversoriove  peri- 
erint.  in  exercitores  eorum  furti  actio  com- 
petit. 

d)  P.  2,  32,  10.  Manifesti  furti  actio  et  nee 
manifest!  et  concepti  et  oblati  heredi  quidem 
competit,  sed  in  heredem  non  datur. 

e)  P.  2,  32,  11.  Servus,  qui  furtum  fe- 
cerit .  .,  nisi  id  pro  sui  quantitate  dominus 
sarcire  sit  paratus,  noxae  dedi  potest. 

P.  2,  32,  12.  Si  servus  furtum  fecerit, 
deinde  manumissus  fuerit  aut  alienatus,  cum 
ipso  manumisso  vel  emtore  agi  potest  .  . 


G.  2,  10,  6.  (Et  multa  praeterea  horum 
quoque  similia  sunt  secundum  legem.  Nam) 
furti  tenetur,  qui  ipse  furtum  non  fecerit, 
sed  ut  fieret,  opem  aut  consilium  aut  studium 
commodarit:  velut,  si  quis  pecuniam,  quam 
in  manu  aliquis  tenebat,  excusserit,  ut  alii 
eam  rapere  possent. 


Furtorum  genera  lieres  eius,  qui  furtum 
pertulit,  persequi  potest:  eins  vero  heredes, 
qui  furtum  fecerat,  ad  poenam  criminis  te- 
neri  non  possunt. 

Si  servus  alicui  furtum  fecerit  .  .,  si  do- 
minus eins  pro  eo  reddere  noluerit,  tradere 
eum  vindictae  pro  qualitate   facti  debebit. 

Si  servus  furtum  fecerit  et  postea  aut 
manumissus  aut  venditus  fuerit,  aut  is,  qui 
manumissus  est,  pro  furti  redhibitione  tene- 
bitur aut  emtor  eins  .  , 


294 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


P.  2,  32,  27 

P.  2,  32,  13 
P.  2,  32,  18 
C.  4,  16,  1 


C.  9,  16,  1 


worden  ist  oder  der  Käufer  des  Sklaven.^  Ein  Sklave,  welcher  auf  der 
Flucht  ist,  wird  von  dem  Herrn  besessen;  hingegen  haftet  in  seinem 
Namen  der  Herr  mit  der  Furti  actio  nicht,  weil  er  ihn  nicht  in  der  Potestas 
hat.  Wird  ein  Haussohn  ein  Furtum  verübt  haben  und  hierauf  eman- 
zipiert, so  wird  die  Furti  actio  gegen  ihn  gegeben. 

f)  Eine  Person,  die  wegen  einer  beliebigen  Art  von  Furtum  verurteilt  worden 
ist,    wird  famos. 

g)  Wenn  Jemand  durch  ein  Urteil  besiegt  gewesen  sein  wird,  weil  er  eine 
ihm  nicht  gebührende  Sache  zu  okkupieren  sich  angemasst  hat,  soll  er 
nicht  allein  auf  Rückgabe  eben  dieser  Sache,  wenn  er  verurteilt  gewesen 
sein  wird,  haften,  sondern  gezwungen  werden,  die  doppelten  Früchte  dieser 
Sache  von  der  Zeit  ab,  dass  die  Sache  okkupiert  worden  ist,  zu  entrichten 
und  zwar  nicht  solche,  wie  sie  selbst  gesammelt  zu  haben  er  ausgesagt 
haben  wird,  sondern  wie  sie  bei  sorgfältiger  Pflege  das  Interesse  des  eigenen 
Herrn  hätte  erzielen  können.^ 

h)  Es  giebt  gemischte  Sachen,  die  gleichzeitig  civil  und  kriminell  sind: 
diese  Sachen  können  derart  geteilt  werden,  dass  zuerst  die  civile,  hernach 
die  kriminelle  angestrengt  wird,  falls  der  Ankläger  gewollt  haben  wird;  zu 
dieser  Art  wird  gerechnet  die  Furti  actio  und  die  Festsetzung  der  Lex 
Fabia.3 


1)  Vgl.  §  13,  3  b,  bb. 

3)  Vgl.  Zweites  Buch  §  15,  2  c,  aa. 


2)  Vgl.  S.  216  Anm.  1. 


P.  2,  32,  27.  Servus,  qui  in  fuga  est,  a 
domin 0  quidem  possidetur,  sed  dominus  furti 
actione  eius  nomine  non  tenetur:  quia  in 
potestate  eum   non  habet. 

P.  2,  32,  13.  FiliusfamiHas,  si  furtum  fe- 
cerit,  deinde  emancipetur,  furti  actio  in  eum 
datur  .  . 

f)  P.  2,  32,  18.  Furti  quocunque  genere 
condemnatus  famosus  efficitur. 

g)  C.  4,  16,  1.  Litigator  victus,  quem  in- 
vasorem  alienae  rei  praedonemve  constabit, 
.  .  non  in  sola  rei  redhibitione  teneatur,  nee 
tantum  simplorum  fructuum  praestationem 
aut  eorum,  quos  ipse  percepit,  agnoscat,  sed 
duplos  fructus  et  eos,  quos  percipi  oportuisse, 
non  quos  eum  redegisse  constabit,  exsolvat. 
Et  praedoni  quidem  ratio  a  die  invasi  loci 
usque  ad  exitum  litis  habeatur  .  . 

h)  C.  9,  16,  1.  A  plerisque  prudentium 
generaliter  definitum  est,  quoties  de  re  fami- 
liari  et  civilis  et  criminalis  corapetit  actio, 
utraque  licere  experiri,  nee  si  civiliter  fuerit 
actum,  criminalem  posse  consumi  .  .  Quo  in 
genere  habetur  furti  actio  et  legis  Fabiae 
constitutum. 


.  .  si  in  iudicio  fuerit  saperatus,  quod  rem 
sibi  non  debitam  occupare  praesumsit  .  . , 
non  solum  pro  hac  ipsa  re  reddenda,  quum 
superatus  fuerit,  teneatur,  sed  fructus  rei 
ipsius  duplos  ex  eo  tempore,  quo  res  pervasa 
est,  cogatur  exsolvere,  non  quales  se  ipse 
dixerit  collegisse,  sed  quales  per  diligentem 
culturam  consequi  proprii  domini  utilitas 
potuisset  .  . 

Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter  et 
criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi, 
ut  prius  civilis,  deinde  criminalis  agatur,  si 
voluerit  accusator  .  . 


Furtum  und  Rapina  §  20. 


295 


ß)  Die  einzelnen  Aktionen  aus  Furtum. 

a)  Die  Strafe  des  Furtum  manifestum  ist  die  des  Quadruplum  und  die  Rück-  p.  2, 32,  le 
gäbe  der  Sache  selbst,  die  weggenommen  worden  ist.^ 

b)  Sei  es  dass  Saaten,  sei  es  dass  irgendwelche  Bäume  mittels  Furtum  .gefällt  p.  2,32, 24 
worden  sind,    so   wird    mit  Bezug    auf  diese    Sache   der  Schuldige  auf  das 
Doppelte  belangt.     Abaktoren    sind    diejenigen,    welche   einen  Hengst,  zwei   P-  5, 20, 1 
Stuten    und  ebensoviel  Ochsen,  bez.  zehn  Ziegen,  oder   fünf  Schweine  ab- 
getrieben haben  werden.     Wenn  jedoch  innerhalb  dieser  Zahl  irgend  etwas 
weggenommen  gewesen  sein  wird,  wird  der  Thäter  mit  der  Strafe  des  Furtum, 

je   nach  Art  desselben,  entweder  auf  das  Doppelte  oder  auf  das  Dreifache 
belangt.     Wird    Jemand    das  Vieh,   worüber  er  streitet,   abgetrieben  haben,  p.  s,  20, 2 
so    ist    er   vor    das  Forum    zu  verweisen   und    wird,    nachdem  er  auf  diese 
Weise    überführt    worden    ist,    nach  Art    eines    Für    zum   Doppelten    oder 
Dreifachen  verurteilt. 

c)  Wegen  Conceptum  kann  derjenige  klagen,  welcher  der  Sache  habhaft  ge-  p.  2, 32, 8 
worden  ist  und  sie  gefunden  hat.  Mit  der  Concepti  actio  haftet  derjenige,  p.  2, 32, 5 
bei  welchem  ein  Furtum  gesucht  und  gefunden  worden  ist. 

d)  Hat  Jemand  eine  gestohlene  Sache  einem  Andern  angeboten,  damit  sie  p.  2, 32,17 
nicht  bei  ihm  gefunden  werde,    so  ist  die  Strafe    die  eines  Dreifachen  und 

die  Bückgabe  dieser  Sache,  welche,  wie  sich  ergiebt,  weggenommen  worden 


1)  Die  Furti  manifesti  actio  enthält  ausser  der  Strafe  des  Quadruplum  die  Verfolgung 
der  Sache  nach  dem  Genus  der  Vindicatio  und  condictio. 


,:)  a)  P.  2,  32,  16.  Furti  manifesti  actio 
praeter  poenam  quadrupli  ipsius  rei  perse- 
cutionem  genere  vindicationis  et  condictionis 
continet. 

b)  P.  2,  32,  24.  Sive  segetes  per  furtum 
sive  quaelibet  arbores  caesae  sint,  in  duplum 
eius  rei  nomine  reus  couvenitur. 

P.  5,  20,  1 .  Abactores  sunt,  qui  ununi 
equum,  duas  equas,  totidemque  boves  vel 
capras  decem  aut  porcos  quinque  abegerint. 
Quidquid  vero  intra  hunc  numerum  fuerit  abla- 
tum,  poena  furti  pro  qualitate  eius  aut  in 
duplum  aut  in  triplum  convenitur  .  . 

P.  5,  20,  2.  Si  ea  pecora,  de  quibus  quis 
litigat,  abegerit,  ad  forum  remittendus  est, 
atque  ita  convictus  in  duplum  vel  in  triplum 
furis  more  damnatur. 

c)  P.  2,  32,  8.  Concepti  is  agere  potest, 
qui  rem  concepit  et  invenit. 

P.  2,  32,  5.  Concepti  actione  is  tenetur 
apud  quem  furtum  quaCvsitum  et  inventum  est. 

d)  P.  2,  32,  17.  Furti  concepti  actio  ad- 
versus  eum,  qui  obtulit,  tripli  est  poena  et 
ipsius  rei  restitutio. 


Furti    manifesti    poena    quadrupli   est   et 
ipsius  rei,  quae  est  sublata,  redhibitio. 


Si  quis  rem  furtivam  alteri  obtulit,  ne 
apud  ipsum  inveniretur,  poena  tripli  est  et 
ipsius  rei  redhibitio,  quae  sublata  cognosci- 
tur. 


296 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


p.  2, 32,9  ist:^  wegen  Oblatiim    kann    derjenige   klagen,    bei    welchem    die   Sache    er- 

P.  2, 32, 6  griffen    und    gefunden    worden    ist.     Mit    der  Oblati  actio   haftet  derjenige, 

der   die  gestohlene  Sache  dem  andern  angeboten  hat^    damit  sie  nicht  bei 

ihm  gefunden  werde. 

4)  Rapina. 

p.  5, 7, 3  a)  Demjenigen,  w^elcher  aus  einem  Schiffe  mit  Gewalt  entsetzt  worden  ist,  wird 
eine  Utilis  actio  behufs  Wiedergewinnung  der  Sachen,  nach  dem  Muster  der 
Actio  de  vi  bonorum  raptorum,  gegeben.  Das  Gleiche  ist  mit  Bezug  auf  den- 
jenigen  zu    sagen,    der  von  einer  Carruca  oder  einem  Pferde  entsetzt  wird. 

p.  5, 3, 2  l)^  Mit  Bezug  auf  Alles,  was  aus  einem  Brande,  Einsturz,  Schiffbruch  und 
erstürmten  Schiff  geraubt,  verborgen  oder  unterdrückt  gewesen  sein  wird, 
wird  der  Thäter  innerhalb  eines  Jahres  auf  das  Vierfache  derjenigen  Sache 
belangt,  die  er  unterdrückt,  verheimlicht,  geraubt  haben  wird,  nachher  aber 
auf  das  Einfache. 

5)  Besondere  Fälle    von   Furtum    und   Rapina    (vgl.  Erstes  Buch  §  3  a.  Zweites 

Buch  §  6,  2  c  und  §  9,  2  e). 

p.  5, 20, 1  a)  Abaktoren  sind  diejenigen,  welche  einen  Hengst,  zwei  Stuten,  und  eben- 
soviel Ochsen,  bez.  zehn  Ziegen,  oder  fünf  Schweine  abgetrieben  haben 
werden.  Wenn  jedoch  innerhalb  dieser  Zahl  irgend  etwas  weggenommen 
gewesen    sein    wird,    wird    der  Thäter  mit  der  Strafe  des  Furtum,    je  nach 


1)  Die  Furti  concepti  actio  ist  gegen  denjenigen,  welcher  angeboten  hat,  die  Strafe 
des  Dreifachen  und  die  Rückgabe  der  weggenommenen  Sache. 


P.  2,  32,  9,  Oblati  is  agere  potest,  penes 
quem  res  concepta  et  inventa  est. 

P.  2, 32, 6.  Oblati  actione  is  tenetur,  qui  rem 
furti vam  alii  obtulit,  ne  apud  se  inveniretur. 

4)  a)  P.  5,  7,  3.  De  navi  vi  deiectus  .  . 
utilis  ei  actio  de  recuperandis  rebus,  exemplo 
de  vi  bonorum  raptorum,  datur.  Idemque 
in  eo  dicendum  est,  qui  carruca  aut  equo 
deicitur  ,  . 

b)  P.  5,  3,  2.  Quidquid  ex  incendio,  ruina, 
naufragio  navique  expugnata  raiDtum,  suscep- 
tum  suppressumve  fuerit,  eo  anno  in  quadru- 
plum  eins  rei,  quam  quis  suppresserit,  cela- 
verit,  rapuerit,  convenitur:  postea  vero  in 
simplum. 

5)  a)  P.  5,  20,  1.  Abactores  sunt,  qui  unum 
equum,  duas  equas,  totidemque  boves  vel 
capras  decem  aut  porcos  quinque  abegerint, 
Quidquid  vero  intra  hunc  numerum  fuerit 
ablatum,  poena  furti  pro  qualitate  eius  aut 
in  dupluni  aut  in  triplum  convenitur  vel 
fustibus  caesus  in  opus  publicum  unius  anni 
datur  aut  sub  poena  vinculorum  domino 
restituitur. 


Damnum  iniuria  datum  §  21. 


297 


Art  desselben,  entweder  auf  das  Doppelte  oder  auf  das  Dreifache  belangt, 
bez.,  nachdem  er  mit  Knütteln  geschlagen  worden  ist,  während  eines  Jahres 
in  die  öffentliche  Arbeit  gegeben  oder  in  Kettenstrafe  dem  Herrn  restituiert. 
Wird  Jemand  das  Yieh,  worüber  er  streitet,  abgetrieben  haben,  so  ist  er  P-  5, 20, 2 
vor  das  Forum  zu  verweisen  und  wird,  nachdem  er  auf  diese  Weise  über- 
führt worden  ist,  nach  Art  eines  Für  zum  Doppelten  oder  Dreifachen 
verurteilt. 

b)  Diejenigen,    welche    fremde    Grebäude    oder   Landhäuser   ausgeplündert,    er-   P-  5,  s,  3 
brochen,  erstürmt  haben  werden,  werden,  wenn  sie  es  mit  einem  zusammen- 
gebrachten bewaffneten  Haufen  gethan  haben  werden,  kapital  gestraft:  unter 

der  Bezeichnung  Waffen    wird    Alles    verstanden,    woraus  dem  Heile  eines 
Menschen  Schade  erwachsen  kann. 

c)  Diebe  oder  Räuber  in  Bädern  werden  meistens  zur  Bergwerkstrafe  oder  zur  p.  5,  3, 5 
öffentlichen   Arbeit    verurteilt.       Bisweilen    ermässigt    sich    das    Urteil    des 
Richters  um  der  Häufigkeit  der  Handlungen  willen. 

d)  Über    denjenigen,    welcher    eine    fremde  Wasserleitung  usurpiert,   wird  eine   P-  5, 3, 4 
Geldstrafe    verhängt:     die    Fürsorge    hierfür    gehört    zur    Obliegenheit    des 
Praeses. 


b)  Damnum  iniuria  datum  §  21. 

1)  Im  allgemeinen. 

a)  Einiges  wird,  wenn  es  seitens  derjenigen,  welchen  es  geschuldet  worden  ist,   p.  1, 19, 1 
zurückgefordert  wird,  sobald  es  von  den  Schuldnern  geleugnet  gewesen  sein 


P.  5,  20,  2,  Si  ea  pecora,  de  quibus  quis 
litigat,  abegerit,  ad  forum  remittendus  est, 
atque  ita  convictus,  in  duplum  vel  in  triplum 
furis  raore  damnatur. 

b)  P.  5,  3,  3.  Hi,  qui  aedes  alienas  vil- 
lasve  expilaverint,  efFregerint,  expugnaverint, 
si  quidem  id  turba  cum  telis  coacta  fecerint, 
capite  puniuntur.  Telorum  autem  appella- 
tione  omnia,  ex  quibus  saluti  hominis  noceri 
possit,  accipiuntur. 

c)  P.  5,  3,  5.  Fures  vel  raptores  balne- 
arum  plerumque  in  metallum  aut  in  opus 
publicum  damnantur.  Nonnunquam  pro  fre- 
quentia  admissorum  iudicantis  sententia  tem- 
peratur. 

dj  P.  5,  7,  7.  .  .  Alienam  (autem) 
aquam  usurpanti  poena  nummaria  irrogatur: 
cuius  rei  cura  ad  sollicitudinem  praesidis 
pertinet. 

1)  a)  P.  1,  19,  1.  Quaedam  actiones  si  a 
reo  inficientur,  duplantur:  velut  .  .  damni 
iniuria  legis  Aquiliae  .  . 


Aliqua,  (quae)  quum  ab  his,  quibus  sunt 
debita,  repetuntur,  si  a  debitoribus  negata 
fuerint,  dupli  satisfactione  redduntur,  id  est 
,  .  si  damnum  alicui  per  iniuriam  factum 
quis  sarcire  noluerit  .  . 


298 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


P.  1,  13,  5 
P.  1,  13,  6 
P.  1,  13,  6 


P.  2, 32,23 


P.  5,  3,  1 


P.  5,  3,  6 


wird,  mit  dem  Ersätze  des  Doppelten  zurückgegeben,  nämlich,  wenn  Jemand 
den  irgend  einer  Person  durch  ein  Unrecht  zugefügten  Schaden  nicht  wird 
haben  ersetzen  wollen.^ 
aa)  Jemand    verschlechtert    einen    Sklaven,    der    ihn    zur    Flucht   und  zur 
Verübung    eines  Furtum    verleitet,    und    der    seine  Sitten,  bez.  seinen 
Körper,   verdorben   haben    wird.     AVer    eine  fremde  Sklavin,  die  eine 
unreife  Jungfrau   ist,    verdorben   haben  wird,  wird  mit  der  Strafe  der 
Lex  Aquilia  haften.     Diese  beiden  Thatbestande  haben  nach  der  Lex 
Aquilia  die  gleiche    Strafe,    dass   nämhch   derartige    Übelthater  neben 
denjenigen,  w^elche  sie  an  Geist  oder  Körper  verdorben  haben,  andere 
Sklaven  dieser  Art  entrichten  sollen, 
bb)  Wenn  Jemand,  während  er  nach  dem  Furtum  sucht,  irgend  Jemandem 
einen  Schaden    bereitet  oder  ein  Unrecht^  zugefügt    haben  wird,  wird 
er  nach  der  Lex  Aquilia  mit  der  Erstattung  des  zugefügten  Schadens 
auf  das  Doppelte  gestraft, 
cc)  Wenn  irgend  Jemand  durch  eine  gesammelte  Menge  oder  durch  Er- 
regung   eines  Aufstandes    einer   beliebigen  Person   einen  Schaden  zu- 
gefügt haben  wird,^  wird,  sobald  ein  Vermögensschaden  geschieht,  mit 
der  Erstattung  des  Doppelten  gebüsst. 
dd)  Wird  erwiesen,  dass  infolge  von  Nachlässigkeit  ein  Brand  entstanden 
ist,  so  sollen  der  Schaden,  welcher  einem  Jeden  zugefügt  gewesen,  und 


1)  Vgl.   S.  279  Anm.   1.     Unter   den    bezüglichen  Aktionen   wird  Darani  iniuria  legis 
Aquiliae  genannt. 

2)  Ein  Damnum  iniuriae.  3)  T  fügt  hinzu:  dandumve  curaverint. 


aa)  P.  1,  13,  5.  Deteriorem  servum  facit, 
qui  fugam  suaserit,  et  qui  furtum,  et  qui 
mores  eius  corpusve  corruperit. 

P.  1,  13,  6.  Qui  ancillam  alienam  vir- 
ginem  immaturam  corruperit,  poena  legis 
Aquiliae  tenebitur. 


bb)  P.  2,  32,  23.  Si,  quum  furtum  quis 
quaerit,  damiium  iniuriae  dederit,  actione  le- 
gis Aquiliae  tenebitur. 


cc)  P.  5,  3,  1.  In  eos,  qui  per  turbam 
seditionemve  damnum  alicui  dederint  dan- 
dumve curaverint,  si  quidem  res  pecuniaria 
est,  aestimatione  dupli  sarcitur. 

dd)  P.  5,  3,  6,  (Incendiarii  .  .)  Quod  si 
incuria  eorum  ignis  evaserit,  dupli  compendio 
damnum  eiusmodi  sarciri  placuit. 


P.  1,  13,  6.  Hae  duae  secundum  legem 
Aquiliam  similetn  poenam  habent,  ut  cum 
his,  quae  animo  vel  corpore  corruperunt,  alia 
similia  mancipia  huiusmodi  praesumtores  ex- 
solvant. 

Si,  quum  furtum  quis  quaerit,  damnum 
alicui  dederit  vel  iniuriam  fecerit,  secundum 
legem  Aquiliam  in  duplum  damni  illati 
redhibitione  mulctatur. 

Si  aliquis  coUecta  multitudine  aut  con- 
citata  seditione  damnum  cuicunque  intulerit, 
si  pecuniae  damnum  fiat,  dupli  redhibitione 
componitur. 

.  .  Quod  si  per  negligentiam  factum  in- 
cendium  comprobatur,  damnum,  quod  cui- 
cunque illatum  fuerit,  resque,  quae  incendio 
pcrierit,  dupli  satisfactione  sarciatur. 


Damnum  iniuria  datum  §  21. 


299 


die  Sache,  die  durch  Brand  iiutergegaiigen  sein  wird,  durch  den  Er- 
satz des  Doppelten  erstattet  werden. 

b)   Wird  ein  Sldave  irgend  Jemandem  eine  Beschädigung  zugefügt  haben,  so  P- 2,32,11 
wird  sein  Herr,  falls  er  nicht  für  ihn  wird  haben  zahlen  wollen,  ihn   einer 
Strafe  nach  Art  der  That  überliefern  müssen.^ 

2)  Besondere  Fälle. 

a)  Gegen    denjenigen,    welcher    das  Album    der  Kurie   ausgekratzt,  beschädigt  p  1, 13, 3 
oder  eine  beliebige  andere  Art  von  Schriftstück  diurch  seine  Anmassung  in 
Unordnung    gebracht   haben  wird,    wird  ohne  Abwartung  eines  Urteils  des 

Ordo  mit  Kapitalstrafe  eingeschritten.^ 

b)  AVenn  irgend  Jemand  durch  eine  gesammelte  Menge  oder  durch  En^egung   p.  5,  3, 1 
eines  Aufstandes  einer  beliebigen  Person  einen  Schaden  zugefügt  haben  wird,'^ 

wird,  falls  der  Körper  irgend  einer  Person,  bez.  seine  Glieder,  durch  einen 
iknschlag  angegriffen  gewesen  sein  werden,  ein  Vergehen  dieser  Art  von 
dem  Judex  geahndet.* 

c)  Wenn   irgend  Jemand    in    böser  Absicht   einen  Brand   gelegt   haben  wird,   p.  5, 3, 6 
wird  befohlen,  dass  er,  nachdem  er  dieses  Verbrechens  überführt  worden  ist, 
mittels  der  schwersten  Strafen^  getötet  werde. 

d)  Diejenigen,  welche  bei  Nacht  fruchttragende  Bäume  unter  Anwendung  von   p.  5,  22, 1 


1)  Vgl.  §13,  3  a. 

2)  Derjenige,  welcher  ein  Album  ausgekratzt,  beschädigt,  weggenommen,  verändert 
oder  etwas  Anderes  Edicendi  causa  propositum  in  Unordnung  gebracht  haben  wird,  wird 
Extra  ordinem  gestraft  werden. 

3)  Vgl.  S.  298  Anm.  3. 

4)  T  fügt  hinzu:  extra  ordinem.  5)  Summo  supplicio. 


b)  P.  2,  32,  11.  Servus,  qui  .  .  damnum(ve) 
dederit,  nisi  id  pro  sui  quantitate  dominus 
sarcire  sit  paratus,  noxae  dedi  potest. 

2)  a)  P.  1,  13,  3.  Is.  qui  album  raserit, 
corruperit,  sustulerit,  mutaverit  quidve  aliud 
propositum  edicendi  causa  turbaverit,  extra 
ordinem  punietur. 

b)  P.  5,  3,  1.  In  eos,  qui  per  turbam  sedi- 
tionemve  damnum  alicui  dederint  dandumve 
curaverint,  ,  .  Quod  si  ex  hoc  corpori  ali- 
cuius,  vitae  membrisve  iioceatur,  extra  ordi- 
nem vindicatur. 

c)  P.  5,  3,  6.  Incendiarii ,  qui  consulto 
incendium  inferunt,  summo  supplicio  affici- 
untur  .  . 

d)  P.  5,  22,  1.  Qui  noctu  fructiferas  ar- 
bores  manu  facta  ceciderint,  ad  tempus  ple- 
ramque  in  opus  publicum  damnantur  aut 
honestiores  damnum  sarcire  coguntur  vel 
curia  submoventur  vel  relefjantur. 


Si  servus  alicui  .  .  damnum  dederit,  si 
dominus  eins  pro  eo  reddere  noluerit,  tra- 
dere  eum  vindictae  pro  qualitate  facti  debe- 
bit. 

In  eum,  qui  album  curiae  raserit,  vitia- 
verit  vel  quodcunque  aliud  scripturae  genus 
sua  praesumtione  turbaverit,  capitaliter  non 
exspectata  ordinis  sententia  vindicatur. 

Si  aliquis  collecta  multitudine  aut  conci- 
tata  seditione  damnum  cuicunque  intulerit,  .  . 
si  corpus  alicuius  vel  membra  caede  pul- 
sata  fuerint,  huiusmodi  admissum  a  iudice 
vindicatur. 

Si  aliquis  malitiae  studio  incendium  mi- 
serit,  de  hoc  crimine  convictus  poenis  gra- 
vissimis  iubetur  interfici  .  . 


300  Privatrecht.     Drittes  Buch. 

Gewalt  gefällt  haben  werden,  werden  zumeist  auf  Zeit  zu  öffentlicher 
Arbeit  verurteilt  oder,  falls  es  Personen  von  besserem  Stande  sind,  ge- 
zwungen, den  Schaden  zu  ersetzen,  bez.  aus  der  Kurie  entfernt  oder 
relegiert. 

c)  Iniuria  §  22. 
1)  Im  allgemeinen. 
P.  5, 4,  2       a)  Ein   Wahnsinniger  und  ebenso  ein  Infans  entbehren  des  Affekts  des  Dolus 
und  der  Fähigkeit,    das  Wesen    einer    Beschimpfung    zu   erfassen:    deshalb 
kann  eine  Actio  iniuriarum  gegen  sie  nicht  erhoben  werden. 
P.  5,  i,  1       b)  Eine  Injurie  erdulden  wir  entweder  am  Körper    oder    ausserhalb  des  Kör- 
pers.    Am    Körper   durch    Schläge    und    durch    Zufügung    eines  Stuprum. 
Ausserhalb  des  Körpers  durch  Beschimpfungen  und  Schmähschriften. 
P-  5, 4,  4  Dem  Körper  ^vird  eine  Injurie  zugefügt,  wenn  Jemand  geschlagen, 

ihm  ein  Stuprum  zugefügt  oder  er  zu  einem  Stuprum  eingeladen  wird. 
P-  5, 4, 18  Üble   Nachrede    und    ebenso     öffentlich    angethane  Beschimpfung 

wird  der  Injurienstrafe  unterworfen. 

P.  5, 7,  3  aa)  Mit  Bezug  auf  denjenigen,  der    aus  einem  Schiff  mit  Gewalt  entsetzt 

worden  ist,  bez.  mit  Bezug  auf  denjenigen,  der  von  einer  Carruca  oder 
einem  Pferde  entsetzt  wird,  wird,  sobald  diese  nicht  weggeführt  worden 
sind,  die  Iniuriarum  actio  gewährt. 

P.  5, 4, 17  bb)  Beschimpfung  darf  dem  Judex  von  den   Appellanten  nicht  geschehen. 

P.  5, 37, 3  Derienige,    welcher  appelliert,    darf  nicht   mit   Beschimpfung    des 

Judex  appellieren. 

p.  5, 4,  3        c)  Wird  den  Kindern,  die  sich  in  der  Gewalt  befinden,  oder  der  Ehefrau  eine 

1)  a;  P.  5,  4,  2.     Furiosus   itemque  infans    ' 
affectu  doh  et  captu  contumeliae  carent:  id- 
circo  iniuriarum  agi  cum   liis  non  potest. 

b)  P.  5,  4,  1.  Iniuriam  patimur  aut  in 
corpus  aut  extra  corpus.  In  corpus  verberi- 
bus  et  illatione  stupri.  Extra  corpus  con- 
viciis  et  famosis  HbelHs  .  . 

P,  5,  4,  4.  Corpori  iniuria  infertur,  quum 
quis  pulsatur,  cuique  stuprum  infertur  aut 
de  stupro  interpellatur. 

P.  5,  4,  18.  Maledictum,  itemque  convi- 
cium  publice  factum  ad  iniuriae  vindictam 
revocatur. 

aa)  P.  5,  7,  3.  De  navi  vi  deiectus  .  .  Idem- 
que  in  eo  .  .,  qui  carruca  aut  equo  deieitur; 
quibus  non  abductis,  iniuriarum  actio  datur. 

bb)  P.  5,  4,  17.  Convicium  iudici  ab  ap- 
pellatoribus  fieri  non  oportet . . 

P.  5,  37,  3.  Eum,  qui  appellat,  cum  con- 
vicio  ipsius  iudicis  appellare  non  oportet  .  . 

c)  P.  5,  4,  3.    Si  liberis,  qui  in  potestate 


Iniuria  §  22. 


301 


Beleidigung  zugefügt,  so  liegt  in  unserem  Interesse,  dagegen  aufzutreten. 
Demgemäss  kann  durcli  uns  die  Actio  angestrengt  werden,  vorausgesetzt 
nur,  dass  derjenige,  welcher  die  Injurie  verübt  hat,  sie  erweislich  zu  unserem 
Schimpf  verübt  hat. 

2)  Actio  iniuriarum. 

a)  Die  Iniuriarum  actio  ist  entweder  durch  Lex  oder  durch  Gewohnheit  oder  p.  5, 4,  e 
durch    gemischtes    Recht   eingeführt   worden.     Durch    Zwölftafelgesetz    mit 
Bezug  auf  Schmähgedichte,  gebrochene  Gliedmassen  und  zerbrochene  Knochen. 

Nach    Gewohnheiten    wird,    so   oft  eine  That,  gemäss  ihrer  Art,  nach  dem   p.  5, 4,  i 
Ermessen   des   Judex    geschätzt    Avird,    mit    der  Verhängung  einer  entspre- 
chenden    Strafe    eingeschritten.     Nach    gemischtem    Recht    ist    die    Actio   p.  5, 4, 8 
iniuriarum    aus    der  Lex  Cornelia  gewährt,   so  oft  Jemand  geschlagen  oder 
in  das  Haus  einer  Person  seitens  derjenigen  eingedrungen  wdrd,  die  gemeinhin 
Derectarii  genannt  werden. 

b)  Wer  wegen  massiger  Injurie  angehalten  wird,  die  Schäden  der  geschätzten   p.  5, 4, 9 
Injurie  zu  tragen,  wird  dennoch  infam,  mag  er  auch  civil  verurteilt  zu  sein 
erachtet  w^erden.^    Eine  Schmähiuig  darf  einem  Judex  von  den  Appellanten   p.  5, 4, 17 
nicht  geschehen:    sonst  w^erden  sie  mit  Infamie   gestraft. 

aa)  Wer    infolge    übler   Nachrede,     ingleichen     einer    öffentlich    verübten   p.  5, 4,  is 
Schmähung,  verurteilt  w^orden  ist,  wird  infam. 


1)  Vgl.  S.  149  Anm.  6. 


sunt,  aut  uxori  fiat  iniuvia,  nostra  interest 
vindicare:  icleoque  per  nos  actio  inferri  po- 
test,  si  modo  is,  qui  fecit,  in  iniuriam  no- 
stram  id  fecisse  doceatur. 

2)  a)  P.  5,  4,  6.  Iniuriarum  actio  aut  lege 
aut  more  aut  mixto  iure  introducta  est.  Lege 
duodecim  tabularum  de  famosis  carminibus, 
membris  ruptis  et  ossibus  fractis. 

P.  5,  4,  7.  Moribus,  quoties  factum  pro 
qualitate  sui  arbitrio  iudicis  aestimatur, 
congruentis  poenae  supplicio   vindicatur. 

P.  5,  4,  8.  Mixto  iure  actio  iniuriarum 
ex  lege  Cornelia  constituitur,  quoties  quis 
pulsatur  vel  cuius  domus  introitur  ab  bis, 
qui  vulgo  derectarii  appellantur. 

b)  P.  5,  4,  9.  Iniuriarum  civiliter  damna 
eiusque  aestimationem  inferre  iussus  famosus 
efficitur. 

P.  5,  4,  17.  Convicium  iudici  ab  appel- 
latoribus  fieri  non  oportet:  alioquin  infamia 
notantur. 

aa)  P.  5,  4,  18.    Maledictum  itemque  con- 


Qui  pro  iniuria  mediocri  aestimatae  in- 
iuriae  damna  subire  compellitur,  quamvis 
civiliter  videatur,  addictus  tarnen  infamis 
efficitur. 


:]02 


Privatreclit.     Drittes  Buch. 


p.  5, 4, 19  bh)  Nicht  nur.  wer  eine  üble  Nachrede  oder  Schmähung  zugefügt  haben 

wird,  wird,  wenn  er  verübter  Beleidigungen  überführt  worden  ist, 
famos,  sondern  auch  derjenige,  mit  dessen  Hilfe  oder  Rat  es  ge- 
schehen sein  soll. 

p.  5,  4, 1  c)  Eine  Injuj'ie  erdulden  wir  entweder  am  Körper  oder  ausserhalb  des  Körpers, 
wobei    die  Schätzung   nach    dem  Affekt  beider,    des  Erduldenden  und  des 

p.  5,4, 10  Thäters,  stattfindet.     Atrox  iniuria  wird  angenommen    mit   Rücksicht  ent- 

weder auf  den  Ort  oder  auf  die  Zeit  oder  auf  die  Person.  Mit  Rücksicht 
auf  den  Ort,  so  oft  sie  öffentlich,  mit  Rücksicht  auf  die  Zeit,  so  oft  sie 
bei  Tage,  mit  Rücksicht  auf  die  Person,  so  oft  sie  einem  Senator  oder 
Römischen  Ritter,  einem  Dekurio  oder  sonst  einem  Manne  von  ansehnlicher 
Autorität  zugefügt  wird,  und  von  selten  eines  Plebejers  oder  einer  Person 
von  niedriger  Geburt  einem  Senator  oder  Römischen  Ritter,  einem  De- 
kurio oder  Magistrat  oder  Adilen  oder  Judex,  einem  Jeden  von  ihnen, 
bez.  ihnen  allen,  von  selten  eines  Plebejers. 

3)  Besondere  Fälle. 

p.  5, 37, 3  a)  Derjenige,  welcher  appelliert,  darf  nicht  unter  Beschimpfung  des  Judex 
appellieren:  was  daher  in  dieser  AVeise  geschehen  ist,  wird  nach  dem  Er- 
messen des  Princeps  geahndet. 

c.  9, 2i,  1  b)  ^AYird  Jemand  ein  beschimpfendes  Schriftstück  zur  Beleidigung  und  Yer- 
unglimpfung  von  irgend  Jemandem  abgefasst,  an   geheimer  oder  an  öffent- 


vicium  publice  factum  .  .  quo  facto  condem- 
natus  infamis  efficitur. 

bb)  P.  5,  4,  19.  Non  tantum  is,  qui  male- 
dictum  aut  convicium  iugesserit,  iniuriarum 
convictus  famosus  efficitur:  sed  et  is,  cuius 
ope  consiliove  factum  esse  dicitur. 

c)  P.  5,  4,  1.  Iniuriam  patimur  aut  in 
corpus  aut  extra  corpus  ,  .:  quod  ex  affectu 
uniuscuiusque  patientis  et  facientis  aestima- 
tur. 

P.  5,  4,  10.  Atrox  iniuria  aestimatur  aut 
loco  aut  tempore  aut  persona.  Loco,  quoties 
in  publico  irrogatur:  tempore,  quoties  inter- 
diu:  persona,  quoties  senatori  vel  equiti  Ro- 
mano, decurioni  vel  alias  spectatae  auctori- 
tatis  viro:  et  si  plebeius  vel  humili  loco 
natus  senatori  vel  equiti  Romano,  decurioni 
vel  raagistratui  vel  aedili  vel  iudici,  quilibet 
horum  vel  si  liis  omnibus  plebeius. 

3)  a)  P.  5,  37,  3.  Eum,  qui  appellat,  cum 
convicio  ipsius  iudicis  appellare  non  oportet: 
ideoque  quod  ita  factum  est,  arbitrio  prin- 
cipis  vindicatur. 

b)  C.  9,  24,  1.  Si  quando  famosi  libelli 
reperiantur,  nullas  exinde  calumnias  patian- 
tur  hi,  quorum  de  factis  vel  nominibus  ali- 
quid continebunt,   sed  scriptionis  auctor  po- 


Qui  famosam  cbartam  ad  cuiuscunque  in- 
iuriam et  maculam  conscripserit,  in  secreto 
aut  in  publico  affixerit  inveniendamque 
proiecerit,    illi,    contra    quem    proposita    est 


Iniiiria  §  22. 


303 


liclier  Stelle  angeschlagen  und  zum  Auffinden  ausgeworfen  haben,  so 
wird  es  demjenigen,  gegen  den  das  Papier  gerichtet  worden  ist,  nicht 
schaden,  noch  seinem  Rirfe  in  irgend  etwas  Abbruch  thun.  "Wird  jedoch 
derjenige,  der  ein  Papier  dieser  Art  abgefasst  hat,  haben  aufgefunden 
werden  können,  so  soll  er  genötigt  werden,  was  er  niedergeschrieben  hat, 
zu  beweisen.  Derselbe  soll,  wenn  er  auch  dasjenige,  was  er  geschrieben  hat, 
wird  haben  beweisen  können,  gezüchtigt  werden,  —  er,  der  lieber  verleumden 
als  anklagen  gewollt  hat.^  Gegen  diejenigen,  welche  als  deren  Urheber  p.  5, 4,  le 
Schmähschriften  zur  Beschimpfung  eines  Andern  proponiert  haben  werden, 
wird  Extra  ordinem  bis  zur  Pelegation  auf  eine  Insel  eingeschritten.  AVenn  c.9, 24, 2 
Jemand  ein  zur  Beleidigung  oder  Beschimpfung  irgend  einer  Person  die- 
nendes Papier,  das  öffentlich  ausgestellt  worden  ist,  gesehen  und  gelesen  und 
nicht  unverzüglich  zerrissen  haben  wird,  sondern  einem  Jeden,  was  er 
darin  gelesen  haben  wird,  überbracht  haben  wird,  soll  er  selbst  als  Urheber 
dieses  Verbrechens  haften. ^ 


c)  Ein    Psalter, 


gewöhnlich 


Canticum    genannt,    der    zur  Beschimpfung    eines   p.  5, 4, 1.5 


1)  Wenn  Schmäbschriften  gefunden  werden,  sollen  diejenigen,  von  deren  Handlungen, 
bez.  Namen,  sie  etwas  überliefern  werden,  hieraus  keinen  Schaden  erleiden:  vielmehr  soll 
nach  dem  Urheber  geforscht  und  dieser,  falls  er  gefunden  ist,  zum  Beweis  angehalten, 
jedoch,  auch  w^enn  er  etwas  dargethan  haben  wird,  der  Strafe  nicht  entzogen  werden. 

2)  Wenn  Jemand  einem  Famosus  libellus,  es  sei  zu  Haus,  es  sei  öffentlich  oder  an 
irgend  einem  Orte,  unerwartet  begegnet  sein  wird,  soll  er  ihn  entweder  zerreissen,  bevor 
ihn  ein  Anderer  findet,  oder  Niemandem  von  dem  Funde  berichten,  bez.  den  Inhalt  mitteilen: 
wird  Jemand  den  gefundenen  Libell  einem  Anderen  dargeboten  haben,  so  ist  er  selbst  haftbar 
zu  machen,  wenn  er  nicht  den  Auetor  angegeben  haben  wird,  und  wird  der  für  Verbrechen 
dieser  Art  festgesetzton  Strafe  nicht  entgehen,  wenn  er  Mitteilung  von  dem  Gelesenen 
gemacht  haben  wird. 


tius  requiratur  et  repertus  cum  omni  vigore 
cogatur  his  de  rebus,  quas  proponendas  cre- 
didit,  comprobare;  nee  tamen  supplicio,  eti- 
amsi  aliquid  ostenderit,  subtrahatur. 


P.  5,  4,  16.  In  eos  auctores,  qui  famo- 
sos  libellos  in  contumaciam  alterius  propo- 
suerint,  extra  ordinem  usque  ad  relegationem 
insulae  vindicatur. 

C.  9,  24,  2.  Si  quis  famosum  libellum 
sive  domi  sive  in  publico  vel  quocunque  loco 
ignarus  offenderit:  aut  discerpat  prius,  quam 
alter  inveniat,  aut  nulli  confiteatur  inventum, 
nemini  denique,  si  tam  curiosus  est,  referat, 
quid  legendo  cognoverit.  Nam  quicunque 
obtulerit  inventum,  certum  est,  ipsum  reum 
ex  lege  retinendum,  nisi  prodiderit  auctorem, 
nee  evasurum  poenam  huius  modi  criminibus 
constitutam,  si  proditus  fuerit  cuiquam  retu- 
lisse,  quod  legerit. 

c)  P.  5,    4,  15.     Psalterium ,    quod    vulgo 


chartula,  non  nocebit,  nee  famae  eins  aliquid 
derogabit.  Sed  si  inveniri  potuerit,  qui 
huiusmodi  chartula m  fecit,  constringatur,  ut 
probet,  quae  conscripsit:  qui  si  etiam,  quae 
scripsit,  probare  potuerit,  fustigetur,  qui  in- 
famare  maluit  quam  accusare. 


Si  quis  chartulam  famosam  in  cuiuscun- 
que  iniuriam  vel  infamiam  in  publico  pro- 
positam  viderit  et  legerit  et  non  statim  dis- 
cerpserit,  sed  cuicunque,  quae  in  ea  legerit, 
fortasse  retulerit,  ipse  velut  auctor  huius  cri- 
minis  teneatur. 


304 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


P.  5,  4,  4 


P.  5,  4,  14 


P.  5,4,  5 


P.  5,4,  8 


Andern  angefertigt  und  öffentlich  gesungen  worden  ist,  wird  sowohl  an 
denjenigen,  die  ihn  gesungen  haben  w^erden,  als  auch  an  denjenigen,  die 
ihn  verfasst  haben  werden,  Extra  ordinem  gestraft:  um  so  strenger,  wenn 
die  Würde  einer  Person  vor  dieser  Injurie  zu  schützen  ist. 

d)  Dem  Körper  wird  eine  Injurie  zugefügt,  wenn  Jemand  geschlagen,  ihm 
ein  Stuprum  zugefügt,  oder  er  zu  einem  Stuprum  eingeladen  wird.  Diese 
Sache  wird  Extra  ordinem  geahndet,  derart,  dass  der  Angriff  auf  die 
Schamhaftigkeit  mit  Kapitalstrafe  geahndet  wird.  Wer  einen  Puer  praetex- 
tatus  zu  einem  Stuprum,  bez.  einer  andern  Schau dthat,  überredet  haben 
wird,  nachdem  der  Begleiter  von  ihm  weggeführt  oder  bestochen  worden  ist, 
ingleichen  wer  eine  Frau,  bez.  ein  Mädchen,  belästigt  oder  etwas  zum  Ver- 
derben der  Unschuld  gethan,  sein  Haus  zur  Verfügung  gestellt  oder  Geld 
zur  Verführung  gegeben  haben  wird,  wird  nach  Vollendung  der  Schandthat 
kapital  gestraft,  bei  unvollendetem  Verbrechen  auf  eine  Insel  deportiert:  die 
bestochenen  Begleiter  werden  von  dem  Summum  supplicium  betroffen. 

e)  Diejenigen,  welche  eine  fremde  Hochzeit  beunruhigen,  ingleichen  die  Störer 
von  Ehen  w^erden,  mögen  sie  sich  auch  nicht  des  Erfolges  des  Verbrechens 
bemächtigen  können,  wegen  der  auf  verderbte  AVollust  gerichteten  Absicht 
Extra  ordinem  gestraft. 

f)  Nach  gemischtem  Recht  ist  die  Actio  iniuriarum  aus  der  Lex  Cornelia 
gewährt,  so  oft  Jemand  geschlagen,  oder  in  das  Haus  einer  Person  seitens 
derjenigen    eingedrungen    wird,    die   gemeinhin    Derectarii    genannt   werden. 


dicitur  canticum,  in  alterius  infamiam  com- 
positum et  publice  cantatum,  tarn  in  eos, 
qui  hoc  cantaverint,  quam  in  eos,  qui  cora- 
posuerint,  extra  ordinem  vindicatur :  eo  acrius, 
si  personae  dignitas  ab  hac  iniuria  defen- 
denda  sit. 

d)  P.  5,  4,  4.  Corpori  iniuria  infertur, 
quum  quis  pulsatur,  cuique  stuprum  infertur 
aut  de  stupro  interpeUatur.  Quae  res  extra 
ordinem  vindicatur,  ita  ut  pulsatio  pudoris 
poena  capitis  vindicetur. 

P.  5,  4,  14.  Qui  puero  praetextato  stu- 
prum aliudve  flagitium,  abducto  ab  eo  vel 
corrupto  comite,  persuaserit,  mulierem  puel- 
lamve  interpellaverit,  quidve  corrumpendae 
pudicitiae  gratia  fecerit,  domum  praebuerit, 
pretiumve,  quo  id  persuadeat,  dederit,  per- 
fecto  flagitio  capite  punitur;  imperfecto,  in 
insulam  deportatur:  corrupti  comites  summo 
supplicio  afficiuntur. 

e)  P.  5,  4,  5.  SoUicitatores  alienarum 
nuptiarum  itemquematrimoniorum  interpella- 
tores,  etsi  effectu  sceleris  potiri  non  possunt, 
propter  voluntatem  perniciosae  libidinis  extra 
ordinem  puniuntur. 

f)  P.  5,  4,  8.  Mixto  iure  actio  iniuriarum 
ex    lege  Cornelia    constituitur,    quoties    quis 


Sonstige  Obligationen  §  23. 


305 


Es  wird  gegen  sie  Extra  ordineiii  verfahren,  mit  der  Massgabe,  dass  zuerst 
das  Vorhaben  des  Eindringenden,  nach  dem  Masse  des  dabei  ersonnenen 
Truges  mit  der  Strafe  des  Exils  oder  des  Bergwerks  oder  der  öffentHchen 
Arbeit  geahndet  wird. 

g)  Eine  Beleidigung  geschieht  gegen  die  guten  Sitten,  wie  wenn  Jemand  mit    p.  5, 4,13 
faulem    Mist    irgend    Jemanden    ])egossen,    mit   Kot,    Dreck    beschmutzt, 
Wasser    verunreinigt,    Zisternen,   Teiche    und    sonst    etwas    zu    öffentlichem 
Ärgernis    besudelt    haben    wird:    wogegen    streng  eingeschritten    zu  werden 
pflegt. 

h)  Ein  Sklave,    der    eine  Beleidigung    oder  Beschimpfung   verübt  haben  wird,  p.  5, 4, 20 
wird,  wenn  es  sich  um  eine  Iniuria  atrox   handelt,  zur  Bergvverkstrafe  ver- 
urteilt: handelt  es  sich    jedoch   um    eine    leichte,    so  wird    er,    nachdem   er 
mittels  Geissein  gezüchtigt  worden  ist,  mit  der  Strafe  zeitweiliger  Ketten  dem 
Herrn  zurückgegeben. 


D)  Sonstige  Obligationen  §  38. 

1)  Obligationen  aus  Quasikontrakten  (vgl.  Viertes  Buch  §  7). 
a)  Negotiorum  gestio. 

a)  Wird   Jemand,    ohne    Tutor  oder    Kurator   zu    sein,   als   sei  er  Tutor  oder  p.  1,4,8 
Kurator,  Geschäfte    eines  Pupillen,  bez.   eines   erwachsenen  Minderjährigen, 
geführt   haben,    so   wird  er  mit  der  Actio  negotiorum  gestorum  Pro  tutore 
curatoreve  haften. 

b)  Wird  der  Tutor  nach  Vollendung  der  Tutel,    das  will  sagen,  nachdem  die   p.  1,4,2 


g) 


h)  P.  5,  4,  20.  Servus,  qui  iniuriam  aut 
contumeHam  fecerit,  si  quidem  atrocem,  in 
metallum  damnatur:  si  vero  levem,  flageUis 
caesus  sub  poena  vinculorum  temporalium 
domino  restituitur. 

1  a)  a)  P.  1,  4,  8,  Qui,  quum  tutor  cura- 
torve  non  esset,  pro  tutore  curatoreve  res  pu- 
pilli  adultive  administraverit,  actione  nego- 
tiorum gestorum  pro  tutore  curatoreve  tene- 
bitur. 

b)  P.  1,  4,  2.     Tutor    post    finitam    tute- 
C  0  n  r  a  t  ,  Breviarium. 


pulsatur  vel  cuius  domus  introitur  ab  his, 
qui  vulgo  derectarii  appellantur:  in  quos 
extra  ordinem  animadvertitur,  ita  ut  prius 
ingruentis  consihum  pro  modo  commentae 
fraudis  poena  vindicetur  exsihi  aut  metalli 
aut  operis  publici. 

P.  5,  4,  13.  Fit  iniuria  contra  bonos 
mores,  veluti  si  quis  jBmo  corrupto  aUquem 
perfuderit,  coeno,  luto  obliniverit,  aquas  spur- 
caverit,  fistulas,  lacus  quidve  aliud  in  in- 
iuriam pubHcam  contaminaverit:  in  quos 
srraviter  animadverti  solet. 


Tutor,  si  peracta  tutela,   id   est,  impletis 

20 


306 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


P.  1,  4,  4 


P.  1,4,  7 


P.  1,  4,  5 


P.  1,4,  6 


P.  1,4,1 


Pupilleiijahre  erfüllt  sind,  in  der  Verwaltung  derselben  haben  beharren  wollen, 
so  muss  er  genötigt  werden,  wegen  der  geführten  Geschäfte  dem  Pupill,  bez. 
seinem  Kurator.  Rechenschaft  nicht  aus  Tutel,  sondern  aus  unbeauftragter 
Geschäftsführung  zu  geben.^ 

c)  Wird  die  Mutter  in  die  Angelegenheit  der  Erhaltung  des  Vermögens  ihrer 
Kinder  sich  gemischt  hal)en,  so  wird  sie  gezwungen  werden,  ihnen  ebenso 
sehr  wie  ihren  Tutoren  Rechenschaft  über  die  Geschäftsführung  abzulegen. 

d)  Hat  der  Vater  sich  angemasst,  dasjenige,  was  er  dem  emanzipierten  Sohne 
ohne  irgendwelche  Bedingung  geschenkt  hatte,  zu  verwalten,  so  wird  er  dem 
emanzipierten  Sohne  hinsichtlich  desjenigen,  was  er  in  dessen  Geschäften 
verrichtet  hat,  mit  der  Actio  negotiorum  gestorum  haften. 

e)  Wenn  ein  Haussohn  oder  ein  Sklave  ohne  eiiien  lussus  des  Vaters  oder 
des  Herrn  fremde  Geschäfte  geführt  haben  wird,  und  sie  hieraus  haftbar 
befunden  werden,  so  wird  der  Vater  oder  Heri-  so  viel  von  dem  Schaden 
tragen,  als  in  ihrem  Peculium  wird  haben  gefunden  werden  können. ^  Wenn 
ein  Vater  oder  Herr  dem  Sklaven  oder  Haussohn  fremde  Geschäfte  zm^ 
Besorgung  überlassen  haben  wird,  wird  er  In  solidum  haftbar. 

f)  Wer  fremde  Geschäfte  führt,  muss  sowohl  Bona  fides  als  auch  Sorgfalt 
auf  die  Angelegenheiten  desjenigen,    für  den  er  eingetreten  ist,   verwenden. 


1)  Vgl.  S.  187  Anm.  3. 

2)  VgL  Drittes  Buch  §  13,  2  ß,  b. 


lam,  si  in  administratione  duret,  actione  ne- 
gotiorum gestorum  pupillo  vel  curatori  eins 
tenebitur. 


c)  P.  1,4,  4.  Mater,  quae  filiorum  suorum 
rebus  intervenit,  actione  negotiorum  gesto- 
rum et  ipsis  et  eorum  tutoribus  tenebitur, 

d)  P.  1,  4,  7.  Pater,  si  emancipati  filii 
res  sine  uUa  exceptione  a  se  donatas  admini- 
straverit,  fiHo  actione  negotiorum  gestorum 
tenebitur. 

e)  P.  1,  4,  5.  Filiusfamihas  aut  servus 
si  negotium  alicuius  gerat,  in  patrem  domi- 
numve  peculio  tenus  actio  dabitur. 


P.  1,  4,  6.  Si  pater  vel  dominus  servo 
vel  filiofamilias  aliena  agenda  negotia  commi- 
serit,  in  soHdum  tenebitur. 

f)  P.  1,  4,  1.  Qui  negotia  ahena  gerit, 
et  bonam  fidem  et  exactam  diligentiam  rebus 
eins,  pro  quo  intervenit,  praestare  debet. 


pupillaribus  annis,  voluerit  in  ipsa  admini- 
stratione persistere,  de  actis  negotiis  pupillo 
vel  curatori  eius  non  tutelae,  sed  negoti- 
orum gestorum  cogendus  est  reddere  rati- 
onem. 

Mater,  quae  se  in  vetinendis  rebus  fiU- 
orum  miscuerit,  tarn  ipsis,  quam  tutoribus 
eorum  negotiorum  gestorum  cogetur  reddere 
rationem. 

Si  pater  ea,  quae  emancipato  filio  sine 
aliqua  conditione  donaverat,  administrare 
praesumsit,  fiho  emancipato  pro  his,  quae  in 
rebus  eius  gessit,  negotiorum  gestorum  tene- 
bitur actione. 

Si  filiusfamihas  aut  servus  sine  iussu  pa- 
tris  aut  domini  negotia  gesserint  aliena,  et 
ex  hoc  inveniuntur  obnoxii,  tan  tum  damni 
pater  vel  dominus  sustinebit,  quantum  in 
eorum  peculio  potuerit  inveniri. 


Sonstigre  Oblicrationen  S  23. 


307 


aa)  Wer    fremdes  Geld    verwaltet,    ist    anzuhalten,    Zinsen  hierfür  zu  er-   p.  i,  4, 3 
statten.     Wird    er    weniger  zuverlässigen  Personen  von  diesem    Gelde 
kreditiert   haben,    so  wird   derjenige,   welcher  solchen  Personen  kredi- 
tiert hat,    für  die  Personen  derjenigen,    die  nicht  zahlen  können,  den 
Schaden  tragen.^ 

g)  Wenn   derjenige,    welcher  einen  fremden  Toten    begraben  haben  wird,    auf  p.  1, 21, 5 
seine  Bestattung  irgend  etwas  verwendet  haben  wird,   kann  er  es  von  dem 
Erben  oder  von  dem  Vater  oder  dem  Herrn  zurückempfangen. 

ß)  Condictio  (vgl.  §  20,  3  ß). 

a)  Wenn  Jemand  beweisen  kann,  dass  das  ganze  Geld  seinem  Gläubiger  gezahlt    Gr.  10,  2 
worden  ist,  ist  der  Schuldschein,  der  bei  dem  Erben  des  letzteren  verblieben 
ist,  kraftlos:    ersterer   kann  indessen   den  Erben  darauf  verklagen,  dass  er 
entweder   ihm    zurückgegeben  werde   oder  mit   einem  Einschnitte    bei  dem 
Gläubiger  verbleibe.^ 

2)  Obhgationen   aus  blossen  Zuständen  (vgl.  Erstes  Buch  §  7,  2  u.  3). 

a)  Actio  de  pauperie. 

a)  Wenn  ein  fremdes  Tier  einer  beliebigen  Person  einen  Schaden  zugefügt  oder  p.  1,15, 1 
die  Früchte  von  irgend  Jemandem   beschädigt  haben  wird,^  soll  sein  Herr 
entweder  den  Wert   des  Schadens  ersetzen  oder  das  Tier  selbst  ausliefern, 
*was  auch  in  ähnlicher  Weise  von  dem  Hunde  verordnet  worden  ist.* 


1)  Vgl.  S.  244  Anm    2. 

2)  Der  Text  bedient  sich  für  den  Schuldner  der  zweiten  Person. 

3)  Wenn  ein  Quadrupes  Pauperies  oder  Schaden  zugefügt  haben  wird,  quidve  depasta  sit. 

4)  Quod  etiam  lege  Pesulania  de  cane  cavetur. 


aa)  P.  1,  4,  3.  Si  pecuniae  quis  nego- 
tium gerat,  usuras  quoque  totius  temporis 
praestare  cogetur  et  periculum  eorura  nomi- 
num,  quibus  collocavit,  agnoscere,  si  litis 
tempore  solvendo  non  sint:  hoc  enim  in  bo- 
nae  fidei  iudiciis  servari  convenit. 

g)  P.  1,  21,  5.  Qui  alienum  mortuum 
sepelierit,  si  in  funus  eius  aliquid  impenderit, 
recipere  id  ab  berede  vel  a  patre  vel  a  do- 
mino  potest. 

ß)  a)  Gr.  10,  2.  Si  potes  probare,  om- 
nem  pecuniam  exsolutam  creditori  tuo,  cau- 
tio  tua,  quae  apud  heredem  eius  remansit, 
inanis  est:  ut  tarnen  aut  ipsa  reddatur  tibi, 
aut  incisa  apud  creditorem  remaneat,  here- 
dem eius  convenire  potes. 

2  a)  a)  P.  1,  15,  1.  Si  quadrupes  pau- 
periem  fecerit  damnumve  dederit  quidve  de- 
pasta sit,  in  dominum  actio  datur,  ut  aut 
damni  aestimationem  subeat,  aut  quadrupede 
cedat:  quod  etiam  lege  Pesulania  de  cane 
cavetur. 


Qui  pecuniam  exercet  alienam,  usuras  eius 
reformare  cogendus  est.  Et  si  minus  idoneis 
personis  de  hac  ipsa  pecunia  fortasse  credi- 
derit,  pro  ipsorum  personis,  quae  solvere  non 
possunt,  damnum  ipse,  qui  talibus  personis 
credidit,  sustinebit. 


Si  alienum  animal  cuicunque  damnum  in- 
tulerit  aut  alicuius  fructus  laeserit,  dominus 
eius  aut  aestimationem  damni  reddafc,  aut 
ipsum  animal  tradat.  Quod  etiam  de  cane 
similiter  est  statutum. 


20^ 


308 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


p.  1,15, 2  b)  Es  wird  verboten  ,i  dass  ein  wildes  Tier  an  demjenigen  Teile,  wo  das 
Publikum  passiert  oder  sich  aufhält,  angebunden,  ^bez.  untergebracht ^  werde, 
damit  nicht  entweder  selbst  es  irgend  Jemandem  schade  oder  aus  Furcht 
vor  ihm^  durch  einen  beliebigen  Zufall  irgend  Jemand  von  einem  Andern 
verletzt  werde.  Wird  es  geschehen  gewesen  sein,  so  wird  *  wegen  dieses 
Schadens  oder  irgendwelcher  Verletzung,*  ohne  dass  das  Urteil  des  Ordo 
abgewartet  wird,^  die  Klage  gegen  den  Herrn,  ßwenn  er  es  geheissen  hat,^' 
oder  gegen  den  Wächter  des  Tieres  sich  richten.'^ 

p.  1,15, 3  c)  AVird  irgendjemand  ein  wildes  Tier  oder  irgendwelchen  Vierfüssler  gereizt 
und  auf  irgendwelche  Weise  gegen  sich  aufgehetzt  haben,  so  wird  es  weder 
dem  Herrn  noch  dem  Wächter  desselben  zugerechnet  werden  können, 
^Aveil  er  es  sich  ersichtlich  durch  eigene  Schuld  zugezogen  hat.^ 

^)  Actio  ad  exhibendum. 
p.  5, 7, 12  a)  Wenn  irgend  Jemand  einen  freien  Menschen  gebunden,  verborgen,  ein- 
geschlossen oder,  damit  es  geschehe,  Beistand  verliehen  haben  wird,  ^wird 
gegen  ihn  die  Legis  Fabiae  actio  gegeben,  nämhch,  damit  derjenige,  welcher 
unter  Verschluss  oder  in  Fesseln  gehalten  wird,  von  jenem,  der  überführt 
wird,  es  gethan  zu  haben,  vorgewiesen  werde.^ 


1)  Der  Prätor  hindert. 

2)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

3)  Propter  eam. 

4)  Pro  modo  admissi. 

5)  Extra  ordinem. 

6)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

7)  T  fügt  hinzu:  maxime  si  ex  eo  homo  perierit  vel  fuerit  laesus. 

8)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

9)  T  sagt,  dass  sowohl  das  Interdikt  wie  die  Actio  Legis  Fabiae  gewährt  werde,  und 
ersteres  auf  Exhibition  gerichtet  sei. 


b)  P.  1,  15,  2,  Feram  bestiam  in  ea  parte, 
qua  populi  iter  est,  coUigari  praetor  prohibet. 
Et  ideo  sive  ab  ipsa,  sive  propter  eam  ab 
alio  alteri  damnum  datum  fuerit,  pro  modo 
admissi  extra  ordinem  actio  in  dominum  vel 
custodera  datur;  maxime  si  ex  eo  homo  peri- 
erit vel  fuerit  laesus. 


c)  P.  1,  15,  3.  Ei,  qui  irritatu  suo  feram 
bestiam  vel  quamcunque  aliam  quadrupedem 
in  se  proritaverit,  eaque  damnum  dederit, 
neque  in  eins  dominum,  neque  in  custodem 
actio  datur. 

|i)  a)  P.  5,  7,  12.  Adversus  eum,  qui  ho- 
minem  liberum  vinxerit,  suppresserit,  inclu- 
serit  operamve,  ut  id  fieret,  dederit,  tam 
interdictum,  quam  legis  Fabiae  super  ea  re 
actio  redditur.  Et  interdicto  quidem  id  agi- 
tur,  ut  exhibeatur  is,  qui  detiuetur  .  . 


Fera  bestia  in  ea  parte,  qua  populi  trans- 
eunt  vel  frequentant,  ligari  vel  custodiri  pro- 
hibetur:  ne  aut  ipsa  aliquem  noceat,  aut 
terrore  eins  quolibet  casu  aliquis  ab  altero 
fortasse  laedatur.  Qu  od  si  factum  fuerit,  in 
dominum,  si  hoc  praecepit,  vel  in  custodem 
eins  damni  vel  cuiuscunque  laesionis  actio, 
non  exspectata  ordinis  sententia,  revertetur. 

Quicunque  feram  bestiam  vel  quamcunque 
quadrupedem  provocando  quocunque  modo 
adversum  se  incitaverit,  nee  domino,  nee 
custodi  eins  poterit  imputari:  quia  suo  vitio 
incurrisse  dignoscitur. 

Si  quicunque  hominem  liberum  ligaverit, 
absconderit,  incluserit  aut,  ut  id  fieret,  sola- 
tium  praebuerit,  adversus  eum  legis  Fabiae 
actio  datur,  id  est,  ut  exhibeatur  is,  qui  in 
clusura  aut  in  vinculis  detinetur  ab  eo,  qui 
fecisse  convincitur  .  . 


Aufhebung  §  24. 


309 


IV.  Aufhebung  und  Übertragung  der  Obligationen. 

A)  Aufhebung  §  34. 

1)  Soliitio. 

a)  Die  Obligation  wird  durch  Zahlung  der  Schuld  aufgehoben.  G.2,iopr. 

b)  Wenn   das   Geld  gezahlt  worden   ist,   steht  der  Wahrheit  durchaus  nichts    Gr.  lo,  i 
im  Wege,  dass  der  Schuldschein  unberührt  bei  dem  Gläubiger  verbleibt. 

c)  Wenn    Jemand    beweisen    kann,    dass    das   ganze    Geld    seinem    Gläubiger  Gr.  lo,  2 
gezahlt  worden  ist,   ist  der  Schuldschein,    der  bei  dem  Erben  des  letzteren 
verblieben  ist,  kraftlos:  ersterer  kann  indessen  den  Erben  darauf  verklagen, 

dass  er  entweder  ihm  zurückgegeben  werde  oder  mit  einem  Einschnitte  bei 
dem  Gläubiger  verbleibe.^ 

2)  Deposition. 

a)  Mit  Bezug  auf  die  Gläubiger,   denen  die  Schuldner  verurteilt  gewesen  sein  c.  4, 17, 1,1 
w^erden,  soll,  w^enn  der  Schuldner  das  Geld  gesammelt  und  angeboten  gehabt 
haben  wird  und  jener,  welcher  gesiegt  hat,  im  Hinblick  auf  den  Gewinn  aus  zu 
verdoppelnden  Centesimae  nicht  wird  haben  annehmen  wollen,  der  Schuldner 

es  versiegelt  bei  geeigneten  Personen  niederlegen  lassen,  um  dem  Nachteil 
der  Verzinsung  künftig  nicht  unterliegen  zu  können.2 

b)  Wird    derjenige,    welcher    flüssige    Früchte,    das    ist    Wein     und    Ol   oder  c.  2, 33, 1 


1)  Vgl.  S.  307  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  248  Anm.  1. 


1)  a) 
b) 


c)  Gr.  10,  2.  Si  potes  probare,  omnem 
pecuniam  exsolutam  creditori  tuo,  cautio  tua, 
quae  apud  heredem  eius  reraansit,  inanis  e8t: 
ut  tarnen  aut  ipsa  reddatur  tibi,  aut  incisa 
apud  creditorem  remaneat,  heredem  eius  con- 
venire  potes. 

2)  a)  C.  4,  17,  1,  1.  .  .  Cavendum  (quippe) 
ex  diverso  est  etiam  contra  illam  malitiam 
creditorum,  ne,  iudicatis  ad  solutionem 
cunctantibus,  incipiant  spe  dupli  foenoris 
imminere;  quamquam  iudicatum,  si  hanc 
poenam  a  se  removere  festinet,  contractam 
pecuniam,  vel  apud  iudiccs  obsignatam  lo- 
care  vel  iudicio  conveniat  offerre,  ut  peri- 
culum  duplicium  usurarum  incurrere  ex  ea 
die,  qua  obnoxius  esse  coeperit,  desistat. 

b)  C.  2,  33,  1.  Quicunque  fruges  humidas 
vel  arentes  indigentibus  mutuas  dederint  .  . 


G.  2,  10  pr, 
debiti  .  . 


Tollitur  obliofatio  solutione 


Gr.  10,  1.  Si  exsoluta  est  pecunia,  nihil 
obest  veritati,  quod  cautio  integra  manet 
apud  creditorem. 


.  .  (contra)  creditorum  (malitiam),  quibus 
debitores  addicti  fuerint,  .  .  si  collectam 
pecuniam  habuerit  debitor  et  oblatam;  et 
ille,  qui  vicit,  noluerit  pro  lucro  du- 
plandarum  centesimarum  accipere,  signatam 
eam  debitor  apud  idoneas  faciat  sequestrari 
personas,  ut  damnum  usurarum  postea  non 
possit  incurrere. 


(Quicunque)  fruges  humidas,  id  est  vinum 
et    oleum,    vel    quodcunque    annonae    genus 


310 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


irgendwelche  Art  Getreide  einem  Andern  leiht,  angegangen  gewesen  sein 
und  wegen  des  höheren  Zinses  das  ihm  Geschuldete,  mit  Zuschlag  eines 
dritten  Modius,  von  dem  Schuldner  nicht  haben  zurückempfangen  wollen, 
so  soll  er  auch  die  Schuld  verlieren.^ 
c.  2, 28. 1  c)  So  oft  von  Seiten  irgend  Jemandes  Geld  zurückgefordert  wird,  soll  derjenige, 
welchem  abgefordert  wird,  nicht  eher  verpflichtet  werden,  das  Geld  zu 
sequestrieren,  als  bis  Jener,  welcher  zurückfordert,  seinen  Schuldner  vorher 
durch  sicheren  Beweis  überführt:  nach  erfolgtem  Beweise  soll  er  dann  das 
Geld,  welches  gegeben  zu  haben  er  nachgewiesen  haben  wird,  zurück- 
empfangen. 

3)  Datio  in  solutum. 

G.  2, 10  pr.  a)  Zuweilen  wird  eine  Obligation  aufgehoben,  auch  wenn  Anderes,  als  von 
dem  Schuldner  versprochen  gewesen  war,  dem  Gläubiger  gezahlt  wird. 
Denn  wenn  irgend  Jemand  statt  des  Geldes,  welches  er  dem  Gläubiger 
versprochen  hat,  unter  Gutheissung  des  Gläubigers,  Gold  oder  Silber  oder 
Sklaven,  bez.  irgendwelche  andere  Sachen,  nach  einer  stattgehabten  Schätzung, 
mit  Zustimmung  des  Gläubigers,  gegeben  haben  wird,  wird  ohne  Zweifel 
die  Obligation   aufgehoben. 

4)  Kompensation. 

p.  2,  .5,  3       a)  ^Schuldet  Einer    irgend  Jemandem   zehn  Solidi    und    werden    Jenem,    der 


1)  Vgl.  §  12,  1  Y 


Quod  si  conventus  creditor  propter  commo- 
dum  usurarum  debitum  recipere  noluerit, 
non  solum  usuris,  sed  etiam  debiti  quantitate 
privandus  est  .  . 

c)  C.  2,  28,  1.  Quoties  ex  quolibet  con- 
tractu pecunia  postulatur,  sequestrationis  ne- 
cessitas  conquiescat:  oportet  enim  debitorem 
primo  convinci  et  sie  solutioni  succumbere. 
Quam  rem  quum  iuris  ratio,  tum  ipsa  aequi- 
tas  persuadet,  ut  probationes  secum  afferat 
debitoremque  convincat  pecuniam  petiturus. 
3)  a) 


4)  a)  P.  2,  5,  3.  Compensatio  debiti  ex 
pari  specie  et  causa  dispari  admittitur:  velut 
si  pecuniam  tibi  debeam,  et  tu  mihi  pecu- 
niam debeas  aut  frumentum  aut  cetera  huius- 
modi,  licet  ex  diverso  contractu,  compensare 


alteri  (commodaverit.  Quod  si)  conventus 
fuerit  ille,  qui  commodat,  et  pro  maiore 
usura  noluerit  debitum  suum,  adiecto  tertio 
modio,  a  debitore  recipere,  etiam  debitum 
perdat  .  . 

Quoties  ab  ahquo  pecunia  repetitur,  non 
prius  cogatur  sequestrare  pecuniam  ille,  qui 
petitur,  quam  ille,  qui  repetit,  debitorem 
suum  certa  prius  probatione  convincat,  et 
sie  pecuniam,  quam  se  dedisse  convicerit, 
adhibita  probatione  recipiat. 

G.  2,  10  pr.  .  .  aliquoties  toUitur  obli- 
gatio, etiam  si  aliud,  quam  cautum  fuerat  a 
debitore,  creditori  reddatur.  Nam  si  quicun- 
que  pro  pecunia,  quam  creditori  cavit,  ac- 
quiescente  creditore,  aurum  aut  argentum 
aut  mancipia  vel  alias  quaslibet  species, 
habita  aestimatione,  consentiente  creditore, 
dederit,  obligatio  evidenter  tollitur. 

Si  quis  debeat  alicui  solidos  decem,  et 
illi,  qui  debet,  de  quacunque  ratione  debe- 
antur  a  creditore  suo  solidi  quinque,  et  ve- 
niat  creditor,  et  totos  decem  solidos  a  debi- 
tore petat;  si  probaverit  ille  debitor,  sibi  ab 


Aufhebung  §  24. 


311 


Scliuklner  ist,  aus  irgendwelchem  Grunde  von  seinem  Gläubiger  fünf  Solidi 
geschuldet,  der  Gläubiger  aber  kommt  die  ganzen  zehn  Sohdi  von  dem 
Schuldner  fordern,  so  verliert  er,  der  seine  Schuld  nicht  kompensieren  wollte, 
falls  jener  Schuldner  nachgewiesen  haben  wird,  dass  ihm  von  dem  Kläger 
fünf  Solidi  geschuldet  werden,  die  Sache,  w^eil  er  jenen  wegen  der  ganzen 
zehn  Sohdi  In  solidum  belangt  hat.  Ein  gleicher  Sachverhalt  besteht 
sowohl  bei  Getreide  als  auch  bei  andern  Sachen.^ 
b)  In  der  Causa  depositi  ist  für  Kompensation  kein  Kaum,  sondern  muss  die  p.  2, 12,  3 
Sache  selbst  zurückgegeben  werden. 

5)  Erlass. 

a)  Wenn   mit  Bezug    auf   die    eine  Sache    zwischen    denselben  Personen  zwei  p.  1, 1, 1 
Pactiones  geschehen,  wird  die  spätere  Geltung  haben.^ 

b)  Eine  moratorische  Einrede  wird  genannt,  die  die  Sache  in  die  Länge  zieht,   c.  1, 2,  3 
das  will  sagen,   wenn  von  seiten  einer  Partei   eine  Frist  von  dem  Princeps 
erbeten  Avird,  eine  peremtorische,   die   eine  frühere  Sache  aufhebt,    das  will 
sagen,  wenii  die  Partei  durch  Benefiz  des  Princeps  ohne    Urteil  die   Sache 
abgethan  wissen  will.^    Eine  moratorische   Einrede    kann    mittels  Reskripts 

des  Princeps  den  Supplikanten  ge^vährt  werden:  eine  peremtorische  kann 
nicht  geAvährt  werden  und  wird,  wenn  sie  von  dem  Princeps  gewährt  ge- 
wesen sein  wird,  keine  Geltung  haben.*   Wird  der  Schuldner  einer  beliebigen   c.1,2,  6 


1)  Die  Kompensation  einer  Schuld  wird  Ex  pari  specie  et  causa  dispari  zugelassen, 
wie  man  bei  Schulden  von  Geld  oder  Getreide  oder  Sonstigem  derart,  licet  ex  diverso  con- 
tractu, kompensieren  oder  deduzieren  darf.    Si  totum  petas,  plus  petendo  causa  cadis. 

2)  Vgl.  S.  256  Anm.  B.  3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 
4)  T  sagt,    dass    die  Remission   einer   moratorischen  Einrede   den  Aditus   supplicandi 

erweitere,  hingegen  heisst  es  von  demjenigen,  quod  vires  principalis  negotii  exhaurit:  sine 


vel    deducere    debes. 
petendo  causa  cadis. 


Si    totum   petas,    plus 


b)  P.  2,  12,  3.  In  causa  depositi  com- 
pensationi  locus  non  est,  sed  res  ipsa  red- 
denda  est. 

5)  a)  P.  1,  1,  1.     Omne  pactum  posteriore 
pacto  dissolvitur,  licet  pariat  exceptionem. 

b)  C.  1,  2,  3.  Quoties  rescripto  nostro 
praeiudicium  vel  moratoria  praescriptio  re- 
mittitur,  aditus  supplicandi  pandatur;  quod 
autem  totius  negotii  cognitionem  tollit  et 
vires  principalis  negotii  exhaurit,  sine  gravi 
partis  alterius  dispendio  convelli  non  potest. 
Nee  praescriptionis  igitur  peremtoriae  rela- 
xatio  petatur,  nee  contra  edictum  supplicetur. 

C.  1,  2,  6.  Universa  rescripta,  quao  in 
debitoruni  causis  super  praestandis  dilationi- 


eo  quinque  solidos  deberi,  quare  illum  in 
solidum  pro  totis  decem  solidis  convenit,  cau- 
sam perdit,  qui  noluit  debitum  compensare. 
Similis  ratio  est  et  de  frumento  et  de  aliis 
speciebus. 


Si  de  una  re  inter  ipsas  personas  duae 
pactiones  fiant,  posterior  valebit. 

Moratoria  praescriptio  dicitur,  quae  cau- 
sam prolongat,  id  est,  quando  induciae  a  liti- 
gatore  petuntur  a  principe :  peremtoria,  quae 
causam  principalem  tollit,  id  est,  si  litigator 
beneficio  principis  sine  iudicio  causam  velit 
exstingui.  Et  ideo  moratoria  praescriptio 
per  rescriptum  principis  supplicantibus  con- 
cedi  potest;  peremtoria  concedi  non  potest, 
et  si  concessa  fuerit  a  principe,  non  valebit. 

Si  cuiuslibet  rei  debitor  convictus,  propter 
differendam   solutionem   a   principe   inducias 


312 


Privatrecht.     Drittes  Buch. 


Sache,  nachdem  er  überführt  worden  ist,  behufs  Verschiebung  der  Zah- 
hmg.  von  dem  Princeps  eine  Frist  erzielt  haben,  so  wird  das  Benefiz, 
welches  er  davongetragen  haben  wird,  keine  Gleltung  besitzen,  sondern  soll 
er  gezwungen  werden,  seine  Cautio  zu  erfüllen.^ 

6)  Novation  (vgl.  §  17). 

P-  5,  9, 1       a)  Novation  findet  statt,  so  oft  eine  Sache  noviert  wird. 

p.  5,  9, 1  b)  Wir  novieren  nicht  nur  durch  uns  selbst,  was  uns  geschuldet  wird,  sondern 
auch  durch  diejenigen,  mittels  deren  wir  uns  durch  Stipulation  versprechen 
lassen  können,  wie  durch  den  Haussohn  oder  Sklaven,  auf  Grund  eines 
lussus  oder  unter  Ratihabition.  Auch  ist  allgemein  angenommen,  dass 
unser  Prokurator  auf  Grund  unseres  lussus  novieren  kann. 
G.  2, 9, 11  c)  Wenn  irgend  Jemand  uns  Geld  schuldet,  können  wir  unsern  Schuldner 
antreiben,  zu  versprechen,  dass  er  das  Geld,  welches  er  uns  hätte  zurück- 
geben sollen,  einem  Andern  zurückgeben  werde.  Demjenigen,  welchem  er 
statt  unserer  Schuld  versprochen  hat,  kann  er  nicht  De  cauto  et  non 
numerato,  wie  es  zu  geschehen  pflegt,  irgend  eine  Weiterung  bereiten,  sobald 
er  versprochen  haben  wird,  dasjenige,  Avas  er  von  uns  empfangen  hat,  dem 
Andern  zurückgeben  zu  sollen. 

7)  Concursus  lucrativarum  rerum, 

p.  2, 18, 5        a)  Wenn  Jemand    einer    beliebigen  Person    ein    fremdes   Grundstück    verkauft 


gravi    partis    alterius    dispendio    convelli    non    potest.     Die  Relaxatio  einer  peremtorischen 
Einrede  solle  rieht  erbeten,  noch  gegen  das  Edikt  suppliziert  werden. 

1)  T  führt  aus,  dass  der  Schuldner  nur  um  so  strenger  anzuhalten  sei. 


bus  impetrata  sunt,  rescindantur,  cum  sit 
acerbius  perurgendus,  qui,  mansuetudinis 
nostrae  pudore  fatigato,  non  quid  utilitatibus 
publicis,  sed  quid  suis  fraudibus  conveniret, 
adspexit. 

6)  a) 

b)  P.  5,  9,  1.  Non  solum  per  nosmet 
ipsos  novamus,  quod  nobis  debetur,  sed  etiam 
per  eos,  per  quos  stipuiari  possumus:  veluti 
per  filiumfamilias  vel  servuui,  iubendo  vel 
ratum  habendo.  Procurator  quoque  noster, 
ex  iussu  nostro  receptum  est,  ut  novare  possit. 

c) 


impetraverit,  beneficium,  quod  obtinuerit,  non 
valebit,  sed  cautionem  suam  implere  cogatur. 


P.  5,  9,  1.    Novatio  est,  quoties  causa  no- 
vatur. 


7j  a)  P.  2,  18,   5.     Fundum   alienum   mihi 
vendidisti,    postea    idem    ea   causa  lucrativa 


G.  2,  9,  11.  Si  aliquis  nobis  pecuniam 
debeat,  possumus  debitorem  nostrum  com- 
pellere,  ut  pecuniam,  quam  nobis  redditurus 
erat,  alteri  se  caveat  redditurum.  Neque  po- 
test ei,  cui  pro  nostro  debito  cavit,  de  cauto 
et  non  numerato,  sicut  fieri  solet,  aliquid 
disputationis  afFerre,  quum  id,  quod  a  nobis 
accepit,  alteri  caverit  redditurum. 

Si  quis  agrum  alienum  cuicunque  vendi- 
derit  et  postea  hie  ipse  ager  ab  alio  domino, 


Cession  §  25. 


313 


a) 


haben  wird  und  nachher  dieses  Grundstück  von  einem  andern  Herrn, 
dem  es  gehörte,  dem  Käufer  geschenkt  worden  ist,  wird  der  Verkäufer 
dem  Käufer  auf  Rückgabe  des  Preises,  den  er  empfangen  hat,  haftbar 
bleiben.^ 


B)  Cession  §  25. 

^  Wenn  Jemand  zum  Dominus  et  procm'ator  mit  Bezug  auf  die  Bean-  c.  2, 12, 1 
spruchung  einer  behebigen  Sache  eingesetzt  gewesen  sein  wird  und  den 
übernommenen  Rechtsstreit,  indem  er  bei  Lebzeiten  des  Mandanten 
mittels  Actio  die  Rückforderung  geltend  macht,  zur  Litiskontestation  ge- 
bracht gehabt  haben  wird,  soll  er  die  Erlaubnis  haben,  auch  wenn  derjenige,  • 
welcher  ihm  ein  solches  Mandat  erteilt  hatte,  stirbt,  die  Sache,  die  er  zur 
Rückforderung  angenommen  hatte,  für  sich  selbst  zu  vertreten  und  als 
Dominus  einen  anderen  Prokurator  in  dieser  Sache,  wenn  er  es  bei  der 
Rückforderung  gewollt  haben  wird,  einzusetzen  und  die  Actio  auf  seine 
Erben  und  Nachfolger  zu  übertragen:  w^ie  in  den  Sachen,  die  besessen  werden, 
Personen,  die  lediglich  Prokuratoren  gegen  die  Kläger  sind,  ingleichen 
aber  auch  die  Herren  wirksam  auftreten  können,  so  darf  mit  Bezug  auf 
die  Sachen,  welche  zurückgefordert  werden,  derjenige,  welcher  klagt  und 
zurückfordert,  rechtsgiltig  Domini  procuratoresque  machen;  vorausgesetzt, 
dass  das  Mandat,  das  nach  Art  der  Schenkung  gemacht  worden  ist,  den 
Akten  eingereiht  wird.^ 


1)  T  spricht    von    dem  Käufer    in  erster,   von  dem  Verkäufer  in  zweiter  Person  und 
bezeichnet  den  Anspruch  als  Actio  ex  emto. 

2)  T  spricht  davon,  dass  Post  causam  in  iudicio  publicatam  der  Prokurator,   als  Do- 
minus   litis,    auch    nach    dem  Tode    seines  Auftraggebers  den  begonnenen  Prozess  beenden 


meus   factus   est,   competit   mihi  adversus  te 
ad  pretium  recuperandum   actio  ex  emto. 

^  25)  a)  C.  2,  12,  1.  Nulla  dubitatio  est, 
post  causam  in  iudicio  pubUcatam,  utpote 
dominum  litis  procuratorem  effectum,  etiam 
post  excessum  eins,  qui  defensionem  manda- 
verat,  posse  inchoatam  litem  iurgiumque 
finire :  quippe  quum  et  procuratorem  posse 
eum  institaere  et  ad  heredes  suos  inchoata 
transmittere ,  veteres  iuris  voluerunt  condi- 
tores. 


cuius  erat,  emtori  donatus  sit,  venditor  em- 
tori  in  redhibitione  pretii,  quod  accepit, 
manebit  obnoxius. 

Qui  dominus  et  procurator  de  cuiuslibet 
rei  petitione  fuerit  institutus  et  susceptam 
litem  vivo  mandatore  per  actionem  repetendo 
fuerit  contestatus,  etiamsi  ille,  qui  ei  man- 
datum  tale  fecerat,  de  hac  luce  discedat,  li- 
ceat  ei  rem,  quam  repetendam  susceperat. 
sibimet  ipsi  defensare  et  alium  procuratorem 
in  hac  causa,  si  voluerit,  qui  repetat,  ut  do- 
minus ordinäre  atque  actionem  ad  heredes 
suos  succcssoresque  transmittere:  quia  sicut 
in  rebus,  quae  possidentur,  procuratores  tan- 
tum  adversus  pulsantes  nee  non  et  domini 
possunt  firmiter  ordinari,  ita  in  rebus,  quae 
repetuntur,  dominos  procuratoresque  facere 
is,  qui  pulsat  ac  repetit,  iure  permittitur. 
Solum  est,  ut  mandatum  ad  vicem  donationis 
factum,  actis  habeatur  insertum. 


314 


Privatrecht.     Drittes  Bucb, 


c.  2, 12, 7  aa)  AVenn  Jemand,  der  blosser  Procurator  oder  Cogiiitor,  nicht  Dominus 

et  procurater  geworden  ist,  nach  der  Litiskontestation  infolge  irgend- 
welchen Zufalls  gestorben  sein  wird,  überträgt  er  von  dem  ihm  auf- 
getragenen Geschäft  Nichts  auf  seinen  Erben,  während  der  Prozess 
zu  seinem  Auftraggeber  zurückkehrt. 

b)  Wenn  Jemand  In  rem  suam  Dominus  et  procurator  geworden  sein  wird 
und  selbst  im  eignen  Iiiteresse  einen  Prokurator  eingesetzt  haben  wird, 
wird  der  Ausgang  der  Res  iudicata  den  Dominus  treffen,  nicht  den  Actor.^ 

c)  Wenn  grossjährige  Frauen,  die  in  schwierigeren  Sachen  lus  oder  Leges  nicht 
kennen,  ein  Mandatsinstrument  bezüglich  ihrer  Geschäfte  unterzeichnet  haben 
werden,  damit  derjenige,  dem  sie  ein  Mandat  erteilt  haben  werden,  ihr 
Geschäft  ausführe,  und  dieser  in  dem  Instrument  nicht  nur  als  Prokiu-ator, 
sondern  auch  als  Dominus  sich  verzeichnet  haben  wird,  so  wird  den  durch 
diese  Täuschung  irregeführten  Frauen  zu  Hilfe  gekommen. 

p.  1, 2, 2  d)  Frauen  können,  mögen  sie  auch  verhindert  werden,  eine  Procuratio  zu 
übernehmen,  dennoch,  wenn  sie  Dominae  et  procuratrices  werden,  in  der 
Sache,  die  nunmehr  ihre  eigene  ist,  auftreten.^ 


C.  2, 12,  7 


C.  2,  16,  3 


könne,    wie   er  ja  auch   einen  Prokurator  einsetzen    könne    und    das  Begonnene    auf   seine 
Erben  übertrage. 

1)  Bei  T  heisst  es:  .  .  persona  .  .  abunde  legum  veterum  observatione  munita  sit,  quae, 
si  in  rem  quoque  suam  cognitor  vel  procurator  quis  fuerit  ordinatus,  simili  modo  nihil 
novi  requirere  patiuntur.  Dem  Zusammenhange  nach  ist  damit  gesagt,  dass  beim  Tode  des 
Cognitor  vel  procurator  in  rem  suam  nach  der  Litiskontestation  dessen  Erben  eintreten. 

2)  Vgl.  S.  168  Anm.  1. 


aa)  C.  2,  12,  7.  Si  lite  contestata  procu- 
ratorem  vel  cognitorem,  qui  litis  minister 
est  ordinatus,  mori  contigerit,  minime  eins 
quaerantur  heredes,  ne  supervacua  domino 
causae  laboris  occasio  protendatur,  sed  sta- 
tim  ad  eum  migrent  omnes,  qui  dominus 
causae  fuerat,  actiones.  Et  successoribus 
procuratoris  nulla  super  eo  petitio  relinqua- 
tur  .  . 

b) 


c) 


d)  P.  1,  2,  2.    Feminae  in  rem  suam  cogni- 
toriam  operam  suseipere  non  prohibentur. 


.  .  Si  procurator  aut  cognitor  tantummodo» 
non  dominus  et  procurator  effectus,  post 
litem  contestatam  quolibet  casu  de  hac  luce 
discesserit,  de  mandato  sibi  negotio  ad  suum 
nihil  transmittit  heredem:  lis  vero  ad  man- 
datorem  redit  .  . 


C.  2,  12,  7.  . .  Et  si  in  rem  suam  quis  fac- 
tus  fuerit  dominus  et  procurator,  et  procura- 
torem  ipse  pro  sua  utilitate  iam  fecerit,  (simi- 
liter)  exitus  rei  iudicatae  dominum  respiciet, 
non  actorem. 

C.  2,  16,  3.  .  ,  Maioribus  (vero)  mulieribus 
.  .  si  in  difficilioribus  causis  ius  vel  leges 
nescientes,  mandati  chartulam  pro  negotiis 
suis  forte  subscripserint,  ut  earum,  cui  man- 
daverint,  negotium  exsequatur,  et  ille  in 
Charta  non  solum  procuratorem,  sed  et  do- 
minum si  se  scripserit,  deceptis  per  hanc 
fraudem  mulieribus  subvenitur  .  . 

Feminae,  licet  procurationem  suseipere 
prohibeantur,  tamen,  si  dominae  et  procura- 
trices fiant,  pro  re  iam  sua  agere  possunt. 


Intercession  §  26. 


315 


e)  Ein  Infamis  persona  kann  weder  Procurator  in  fremder  Sache,    nocli  Pro-   p.  1,2,3 
curator  et  dominus,  um  in  eigener  Sache  aufzutreten,  werden.^ 

f)  Diejenigen,  welche  Kautionen  zur  Eintreibung  an  Potentes    gegeben  haben  c.  2,13,1 
werden,    sollen   die    ganze  Schuld  verlieren,  ^weil,    wo    eine  Rückforderung 
stattfinden    kann,    die  Potestas    nicht  von    den  Gläubigern  zur  Eintreibung 
eingeladen  werden  darf.^ 


C)  Intercession  §  26. 

a)  In   jeghcher  Art    von  Geschäften  sind  Frauen    behindert,  für  irgendwelche   P-  *^.  n.  i 
Personen  ihr  Wort  einzulegen.^ 

aa)  Wenn  Frauen  als  Bürgen  für  irgendwelche  Personen  aufgetreten  sein   c.2,  le,  3 
werden,  sollen  sie  wegen  dieser  Bürgschaft  iiicht  haftbar  sein. 

b)  Ledighch    mit  Bezug    auf   diejenige  Bürgschaft   haftet    die  Frau,    dass    sie,   p.  2, 11,2 
falls  sie  ihren  Kindern  Tutoren  ausbittet  und  für  sie  als  Bürge  auftritt,  den 
Kindern  verhaftet  ist.* 


1)  Vgl.  S.  154  Anm.  2. 

2)  T  bezeichnet  die  Gläubiger  als  solche,  qui  alios  actionum  suarum  redimunt  exactores. 

3)  Vgl.  Zweites  Buch  §  24,  2  b. 

4)  Auf  die  Frau,    die  für  die  Tutoren  ihrer  Söhne  Indemnität  zugesagt  hat,   hat  das 
Benefiz  des  Senatuskonsults  keine  Anwendunof. 


e)  P.  1,  2,  3.  In  rem  suam  cognitor  pro- 
curatorve  ille  fieri  potest,  qui  pro  omnibus 
postulat. 

f)  C.  2,  13,  1.  Si  cuiuscunque  modi  cau- 
tiones  ad  potentum  fuerint  delatae  personas, 
debiti  creditores  iactura  mulctentur.  Apcrta 
enim  credentium  videtur  esse  voracitas,  qui 
alios  actionum  suarum  redimunt  exactores. 

§  26)  a)  P.  2,  11,  1.  In  omni  genere  ne- 
gotiorum et  obligationum  tarn  pro  viris  quam 
pro  feminis  intercedere  mulieres  prohibentur. 

aa) 


b)  P.  2,  11,  2.  Mulier,  quae  pro  tutori- 
bus  filiorum  suorum  indemnitatem  promisit, 
ad  beneficium  Senatusconsulti   non  pertinet. 


Nee  procurator  in  causa  aliena,  nee  pro- 
curator et  dominus,  ut  pro  re  sua  agat,  in- 
famis persona  fieri  potest. 

Qui  cautiones  exigendas  potentibus  dede- 
rint,  omne  debitum  perdant:  quia,  ubi  po- 
test esse  repetitio,  potestas  ad  oxigendum 
non  debet  a  creditoribus  invitari. 

In  omni  genere  causarum  pro  quibuscun- 
que  personis  mulieres  fidem  suam  interponere 
prohibentur. 

C.  2,  16,  3.  (Minoribus)  mulieribus  .  .  si 
fideiussores  pro  quibuscunque  accesserint,  pro 
ipsa  fideiussione  non   teneantur  obnoxiae  .  . 

In  hac  tantum  mulier  fideiussione  tenetur, 
ut,  si  tutores  filiis  suis  petat  et  pro  eis  fidc- 
iussor  oxsistat,  filiis  teneatur  obnoxia. 


Viertes  Buch. 

Familiengüterrecht. 


Erstes  Kapitel    Die  Ehe. 


I.  Im  allgemeinen  §  i. 

c.  3, 1,3  a)  Durch  ein  Gesetz  Kaiser  Konstantins  war  vorgeschrieben  gewesen,  dass 
minderjährige  Frauen,  wenn  sie  Eliemänner  hätten,  mit  Zustimmung  der- 
selben von  ihrem  Vermögen  irgend  etwas  verkaufen  könnten.  Es  ist  dieses 
jedoch  durch  das  gegen w^ärtige  Gesetz  abgeschafft  worden.^ 
c.  2, 12,  4  b)  Derjenige,  welcher  ein  Geschäft  seiner  Frau  ausgeführt  gehabt  haben  wird, 
soll,  mag  er  auch  der  Gatte  sein,    nichts   anderes  betreiben,    als    was  diese 

Gr.  6,5  ihm  mittels  Mandats  überlassen  haben  wird.     Wenn  weder  auf  Grund  eines 

Mandats  noch  zufolge  Ratihabition  der  Ehemann  den  Besitz  der  Frau  ver- 
äussert hat,  wird  sie  nicht  gehindert,  ihre  Sache  zu  vindizieren.^ 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  25,  2  ß,  b. 


2)  Vgl.  S.  8  Anm.  4. 


§  1)  a)  C.  3,  1,  3.  Patrui  mei  Constantini 
constitutionem  iubemus  aboleri,  qua  praece- 
pit,  minores  feminas  consortio  virorum  copu- 
latas  sine  decreti  interpositione  venditiones 
posse  celebrare,  si  viri  earum  consensum 
pariter  atque  subscriptionem  instrumentis 
putaverint  esse  praebendam  .  . 

b)  C.  2,  12,  4.  Procurator,  licet  maritus 
sit,  id  solum  exsequi  debet,  quod  procuratio 
emissa  praescripserit. 

Gr.  6,  5.  Si  neque  mandatu  (tuo),  neque 
ratum  habente  maritus  (tuus)  possessionem 
(iuris  tui)  alienavit,  non  proliiberis  rem  tuam 
vindicare  .  . 


Constantini  imperatoris  fuerat  lege  prae- 
ceptum,  ut  minores  aetate  feminae,  si  mari- 
tos haberent,  cum  illorum  consensu  possent 
de  facultatibus  suis  aliqua  vendere.  Sed  hoc 
praesenti  lege  remotum  est  .  . 


Qui  uxoris  suae  negotium  fuerit  prosecu- 
tus,  quamvis  maritus  sit,  nihil  aliud  agat, 
nisi  quod  ei  agendum  per  mandatum  illa 
comuiiserit. 


Im  allgemeinen  §  1, 


317 


c)  Zwischen    Mann    und    Frau    werden    Verträge    nicht    bloss    in    niündhcher    Pap. 
Form,  sondern  auch  durch  Willenserklärung  der  Kontrahenten  geschlosser. 

d)  Alles,    was    der    Ehemann    der    Gattin,    bez.    die    Gattin    dem    Ehemanne,   c.  8,  lo,  i 
^geschenkt    oder   testamentarisch    hinterlassen    haben    wird,^  während    sich 

die  Bedachten  in  der  Gewalt  des  Vaters  befinden,  wird  durchaus  nicht  in 
das  Eigentum  des  Vaters  fallen:  die  Kinder  werden  es  vielmehr  vollständig 
für  sich  in  Anspruch  nehmen. 

e)  Wenn  der  Mann  bei  Lebzeiten  der  Frau  stirbt,  soll  die  Mutter  keine  Be 
fugnis  haben,  die  Früchte,  welche  nachweislich  während  der  Ehe  aus- 
gegeben worden  sind,  hernach  von  den  gemeinsamen  Kindern  oder  von 
den  Erben  zurückzufordern.  Wird  die  Frau  bei  Lebzeiten  des  Mannes 
gestorben  sein,  so  ist  der  Gatte  durch  dieselbe  Norm  verbunden,  gleichfalls 
von  den  Kindern  oder  den  Erben  der  Frau  mit  Bezug  auf  diese  gemein- 
schaftlich ausgegebenen  Früchte  durchaus  Nichts  zurückzufordern. 

f)  Wenn  sich  ein  Fall  derart  zugetragen  haben  wird,  dass  der  Eheschluss  der   c.  3, 7,  s. 


N.V.1,1, 
l  U.  2 


1)  Quocunque  titulo  vel  iure  contulerit  sive  transmiserit. 


c)  Pap.  Inter  virum  et  uxorem  pacta  non 
soluni  verbis,  sed  voluntate  contrahentium 
constituuntur  .  . 

d)  C.  8,  10,  1.  .  .  quicquid  vel  uxor 
marito  non  emancipato  vel  maritus  uxori  in 
potestate  positae  quocunque  titulo  vel  iure 
contulerit  sive  transmiserit,  hoc  patri  nulla- 
tenus  acquiratur,  atque  ideo  in  eius  tantum, 
cui  delatum  est,  iure  durabit. 

e)  N.  V,  1,  1,  1  u.  2.  Comperimus  (enim), 
quasdam  post  maritorura  obitum  filios  suos 
proposita  indecora  actione  nudasse,  quum  ab 
bis  patrimonii  sui  fructus  quaererent,  quos 
utique  staute  matrimonio  in  illa  aequalitate 
vivendi  in  commune  consumtos  convenit 
aestimari,  quorumque  ratiocinium  perplexum 
atque  confusum  ad  veritatis  fidem  discuti 
posse  non  credimus.  Quumque  illud  fre- 
quentius  noverimus  accidere,  ut  maiores  ex- 
pensas  flagitet  matronalis  ornatus,  et  quum 
nunquam  viri  post  uxorum  obitum  huius 
modi  aliquid  credant  communibus  filiis  oppo- 
nendum,  durum  est,  muliebri  tantum  licen- 
tiae  ista  permitti.  Ideoque  .  .  magnitudo 
tua  hac  edictali  sciat  nos  lege  sanxisse,  ne 
de  coniugii  copula  eorum  alter  superstes  de- 
functi  heredes  super  hac  repetitione  redituum 
aestimet  lite  pulsandos.  Hac  enim  condi- 
tione  et  uxores  teneri  volumus  et  maritos. 
Sive  enim  intercesserit  dos,  seu  oblata  non 
fuerit,  omne  iurgium  huiusce  repetitionis  et 
ratiocinii  conticescat. 

f )  C.  3,  7,  3.    Si  donationum  ante  nuptias 


.  .  quicquid  maritus  uxori  vel  uxor  ma- 
rito in  patris  potestate  positis  donaverint  aut 
testamento  dimiserint,  id  ad  patris  dominium 
minime  pertinebit,  sed  hoc  sibi  filii  ad  inte- 


grum vindicabunt. 


Si  vir  uxore  superstite  moriatur,  fructus, 
quos  staute  coniugio  constat  expensos,  nul- 
lam  postea  a  communibus  filiis  seu  ab  here- 
dibus  mater  repetendi  habeat  facultatem. 
Quod  et  si  uxor  vivo  marito  decesserit,  mari- 
tum  (praecipit)  eadem  lege  constringi,  ut  et 
ipse  a  filiis  vel  heredibus  uxoris  de  ipsis 
fructibus,  qui  in  commune  expensi  sunt,  pe- 
nitus  nihil  requirat. 


Si  occasio  talis  emerserit,  ut  nuptiae  so- 


318 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


C.  3,  12, 3 


Gr.  4,  2 


P.  2,  22,  1 


N.Th. 
7,1,3 


gebührenden  Solenn  i  tut  entbehrt  oder  sogar  Donation  es  sponsaUtiae  nicht 
erfolgen  oder  eine  Dos  nicht  gewährt  werden  kann,  sondern  nach  über- 
einkommenden Entschlüssen  die  Gatten  sich  zu  einer  Ehe  vereinigt  haben 
werden,  so  wird  für  Personen  gleichen  Standes  die  übereinkommende  Wahl 
und  Willensübereinstimmung  ausreichen.^ 


IL  Die  Dos  §  2. 

1)  Die  Bestellung  (vgl.  Drittes  Buch  §  16,  2). 

a)  Wenn  irgend  Jemand  mit  der  Tochter,  entweder  der  Schwester  oder  des 
Bruders,  oder  mit  einer  Konsobrine  weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau  des 
Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird,  soll,  Avas  ihnen  diese 
zur  Zeit  der  Verheiratung  gegeben  haben  werden,  konfisziert  werden.^ 

b)  Dasjenige,  was  der  Yater  bei  seinen  Lebzeiten  als  Dos  entw^eder  versprochen 
oder  übergeben  haben  wird,  wdrd  erachtet,  aus  seinem  Vermögen,  bevor  er 
starb,  ausgeschieden  und  veräussert  worden  zu  sein. 

c)  Die  Dos  kann  vor  dem  Eheschluss  oder  nach  dem  Eheschluss  gegeben 
werden.^ 

d)  Es   ist    gestattet,    dass    die  Frau    von    der  Sponsalitia  donatio,   die  sie  von 


1)  Vgl.   Zweites  Buch  §  14,  1  c.  2)  Vgl.  Zweites  Buch  §  13,  2  d. 

3)  Die  Dos  geht  entweder  der  Ehe  voran  oder  folgt  ihr  und  kann  deswegen  ent- 
weder Ante  nuptias  oder  Post  nuptias  gegeben  werden:  die  Ante  nuptias  gegebene  wartet 
jedoch  den  Eheschluss  ab. 


vel  dotis  instrumenta  defuerint,  pompa 
etiam  aliaque  nuptiarum  celebritas  omittatur, 
nullus  aestimet,  ob  id  deesse  recte  alias 
inito  matrimonio  firmitatem, . .  si  inter  pares 
honestate  personas,  nulla  lege  impediente, 
fiat  consortium  .  . 

1)  a)  C.  3,  12,  8.  .  .  si  quis  incestis  post- 
hac  consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris 
filiae  uxorisve  vel  eius  postremo,  cuius  veti- 
tum  damnatumque  coniugium  est,sese  nuptiis 
funestarit,  .  .  Dos,  si  qua  forte  solenniter 
aut  data  aut  dicta  aut  promissa  fuerit,  iuxta 
ins  antiquum  fisci  nostri  commodis  cedat  .  . 

b)  Gr.  4,  2.  .  .  ea,  quae  ante  a  patre 
filiae  in  dotem  data  sunt,  non  placet  cora- 
putari,  quia  etiam  in  bonis  mariti  sunt  et  a 
patrimonio  patris  vivente  eo  separata  fuerunt. 

c)  P.  2,  22,  1.  Dos  aut  antecedit  aut  se- 
quitur  matrimonium :  et  ideo  vel  ante  nu- 
ptias vel  post  nuptias  dari  potest:  sed  ante 
nuptias  data  earum  exspectat  adventum. 

d)  N.  Th.  7,  1,  3.     (Haec  observari  prae- 


lennitate  debita  careant,  aut  etiam  donati- 
ones  sponsalitiae  fieri  aut  dos  celebrari  non 
possit,  sed  convenientibus  animis  se  matri- 
monio copulaverint,  sufficiet  aequalibus  per- 
sonis   conveniens   electio  atque  consensus  .  . 

.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris 
nliam  aut  certe  ulterioris  gradus  consobrinam 
aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis 
iunxerit,  .  .  si  etiam  aliquid  tempore  nuptia- 
rum sibi  dederint,  revocetur  ad  fiscum  .  . 


.  .  ea,  quae  pater  vivus  in  dotis  condi- 
tione  aut  promiserit  aut  tradiderit,  de  bonis 
eius,  antequam  moreretur,  discessisse  et 
alienata  esse  noscuntur  .  . 

Dos  .  .  potest  ante  nuptias  aut  post 
nuptias  dari. 


(Haec  lex  .  .  Nam  permisit,)  ut  mulier  de 


Die  Dos  §  2. 


319 


dem  Eliemanne  empfangen  hat,  wenn  die  Frau  nichts  Eigenes  hat,  daraus 
dem  Manne  selbst  eine  Dos  gewähren  kann.^ 

e)  Ein    Jeder,    der   von    den    eigenen    Sachen    unter   Vorbehalt    eines    Niess-   c  8, 5,2 
brauchs  einer  beliebigen  Person  irgend  etwas  zur  Dos  gegeben  haben  wird 

und  sich  den  Niessbrauch  vorbehält,  wird  erachtet,  als  habe  er  die  Sache 
übergeben,  weil  der  Vorbehalt  eines  Niessbrauchs,  auch  wenn  die  Stipu- 
lation nicht  eingefügt  gewesen  sein  wird,  als  Tradition  gilt.^ 

f)  Dass  INIinderj ährige,   die  Etwas   für    die  Verbindung    einer  Ehe    geschenkt   Gr.  2, 1 
haben    werden,    unter    dem  Deckmantel    der  Integri  restitutio  unter  keinen 
Umständen   widerrufen   dürfen,    wird  auch  bei  der  Dos  in  Acht  genommen 
werden.^ 

g)  Wenn  Jemand  für  eine  Frau  behufs  Entrichtung  einer  Dos  als  Bürge  ein-   c.  3, 15, 1 
getreten  sein  wird^  soll  er  aus  dieser  Bürgschaft  nicht  haftbar  sein> 

h)  Gegenstände,    die,    abgesehen  von  der  Dos,    von    der  Mutter  zu  Ehren  der  P-  5, 12, 1 
Ehe  in  Gegenwart  der  Tochter  dem  Schwiegersohn  übergeben  worden  sind, 
werden  erachtet  eine  Schenkung  zur  Vollziehung  gebracht  zu  haben. 

2)  Während  der  Ehe. 

a)  Nach    der  Lex  lulia    de    adulteriis    ist  vorgeschrieben,    dass   der  Gatte  ein   p.  2, 22, 2 
Dotalgrundstück  wider  den  Willen  der  Frau  nicht  veräussern  solle. 


1)  Res  ante  nuptias  donatae  werden,    wie  es  zu   geschehen  pflegt,    von  der  Frau  als 
Dos  verwendet. 

2)  Vgl.  S.  200  Anm.  7.  3)  Vgl.  Erstes  Buch  §  7,  5  ß,  c. 
4)  Vgl.  §  16,  1  £,  f. 


cipimus,   licet)  res   ante   nuptias  donatae,  ut 
assolet  fieri,  in  dotem  a  muliere  redigantur. 

e)  C.  8,  5,  2.  .  .  ius  pristinum  renova- 
mus,  ut,  quisquis  rem  aliquam  .  .  in  dotem 
dando  usumfructum  eius  retinuerit,  etiamsi 
stipulatus  non  faerit,  eam  continuo  tradidisse 
credatur,  nee  quid  amplius  requiratur,  quo 
magis  videatur  facta  traditio,  sed  omni  modo 
idem  sit  in  his  causis  usumfructum  retinere, 
quod  tradere. 

f) 


g)  C.  3,  15,  1.  Omnium  sponsorum  vel 
fideiussorum  deinceps  in  cavenda  clotis  spon- 
sione  promissiones  absolvimus. 

h)  P.  5,  12,  1.  Species  extra  dotem  a 
matre  in  honorem  nuptiarum  praesente  filia 
genero  traditae  donationem  perfecisse  vi- 
dentur. 

2)  a)  P.  2,  22,  2.    Lege  lulia  de  adulteriis 


sponsalitia  donatione,  quam  a  marito  susce- 
pit,  si  proprium  mulier  nihil  habeat,  dotem 
exinde  ipsi  marito  possit  offerre. 

Quicunque  de  rebus  propriis  servato  usu- 
fructu  cuilibet  aliquid  .  .  in  dotem  dederit, 
et  sibi  usumfructum  reservet,  rem  tradidisse 
cognoscitur;  quia  reservatio  ususfructus,  eti- 
amsi stipulatio  inserta  non  fuerit,  pro  tradi- 
tione  habetur. 


Gr.  2,  1,  .  .  ut,  si  quid  minores  pro 
coniunctione  matrimonii  .  .  donaverint,  per 
obtentum  integri  restitutionis  nuUatenas  de- 
beant  revocare,  (Quod)  similiter  .  .et  de 
dote  servabitur. 

Si  quis  implendae  dotis  causa  pro  muliere 
fideiussor  accesserit,  pro  hac  fideiussione  non 
teneatur  obnoxius. 


320 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


P.  2,  23,  1 


b)  Die  Früchte  des  Dotalgruiidstücks  kommen  während  der  Ehe  dem  Manne 
sie  kommen  aber  auch  ohne  allen  Zweifel  ^für  das  Jahr,   in  w^elchem 


zu: 


die  Ehe  durch  Scheidung  getrennt  wird,^  dem  Manne  zu. 

c.  3, 13,3,1  c)  Wenn  der  Ehemann,  während  er  lebte,  eben  das,  was  er  von  der  Ehefrau 
zur  Dos  empfangen  hatte,  zurückerstattet  haben  wird,^  erzielt  die  Rück- 
erstattung, weil  sie  der  Schenkung  gleicht,  keine  Giltigkeit.^ 

c.  9, 32, 3  d)  Wird  irgend  Jemanden  eine  Verurteilung  und  Proskribierung  getroffen 
haben,  so  soll  das  Frauengut  von  seinem  Vermögen  getrennt  werden,  derart 
dass  die  Dos,  welche  die  Frau  oder  deren  Eltern  dem  Manne  angeboten 
haben,  die  Frau  zurückerhält  und  für  sich  als  etwas  dem  Gute  des  proskri- 
bierten  Vermögens  Fremdes  in  Anspruch  nimmt,  weil  die  Frau  durch  das 
Verbrechen  des  Mannes  nicht  verpflichtet  werden  kann.^ 

3)  Nach  Lösung  der  Ehe  (vgl.  Zweites  Buch  §  15). 
c.  3, 13, 2       a)  Verträge  zwischen  Mann  und  Frau,  die  mit  Bezug  auf  die  Dos  eingegangen 
sind   und    mit    dem   Gesetze    übereinstimmen,    sind,    wie   sonstige  Abreden, 
giltig.5 


1)  Pro  rata  anni  eius,  quo  factum  est  divortium. 

2)  T  fügt  hinzu:  quod  legibus  stare  non  potest. 

3)  So  ist  es  nach  dem  Tode  der  Frau  dem  Manne  von  ihren  Erben  mit  den  Früchten 
von  dem  Tage  der  Dos  refusa  zu  restituieren.  4)  Vgl,  S,  349  Anm.  3. 

5)  Mit  Bezug  auf  die  Restitution  der  Dos  sind  sowohl  die  aus  dem  lus  stammenden 
Retentionen,  als  auch  die  den  Gesetzen  entsprechenden  Pacta  Ex  huius  sanctionis  auctori- 
tate  in  Acht  zu  nehmen.  J  fügt  noch  hinzu,  dass  wegen  Retentionen,  weil  dieses  Gesetz 
es  nicht  ausdrücklich  zeigt,  In  Iure  nachzuforschen  ist,  das  heisst,  in  den  Sentenzen  des 
Paulus  sub  titulo  de  Dotibus  oder  in  Pauli  Responsis  sub  titulo  de  Re  Uxoria  (De  reten- 
tionibus  vero,  quia  hoc  lex  ista  non  evidenter  ostendit,  in  iure,  hoc  est  in  Pauli  Sententiis 
sub  titulo  de  Dotibus    requirendum    aut  certe  in  Pauli  Responsis  sub  titulo  de  Re  Uxoria). 


cavetur,  ne  dotale  praedium    maritus    invita 
uxore  allen  et. 

b)  P.  2,  23,  1.  Fructus  fundi  dotalis  con- 
stante  rcatrimonio  percepti  lucro  mariti  ce- 
dunt,  etiam  pro  rata  anni  eius,  quo  factum 
est  divortium. 

c)  C.  3,  13,  3,  1.  P]t  si  fortasse  constante 
matrimonio  a  marito  uxori  dos  refusa  est, 
quod  legibus  stare  non  potest,  quia  donati- 
onis  instar  perspicitur  obtinere,  eadem  uxore 
defuncta  marito  ab  eius  heredibus  cum  fruc- 
tibus ex  die  refusae  dotis  restituatur  .  . 

d)  C.  9,  32,  3.  .  .  Sit  a  proscripti  mariti 
Sorte  uxor  aliena,  quo  (ut  assolet)  proscripto, 
uxor  proprias,  velut  manu  iniecta,  mox  vin- 
dicet,  aut  certe  quoquo  modo  occupatas  sta- 
tim  recipiat  facultates.  Dos  etiam,  non  quae 
aliquoties  inaniter  dotalium  instrumentorum 
tenore  conscribitur,  sed  quam  se  corporaliter 
tradidisse  docuerit,  praesentetur  .  , 

3j  a)  C.  3,  13,  2.     In  dote  reddenda  et  re- 


Fructus  agri  dotalis  manente  coniugio  ad 
maritum  pertinent.  Sed  et  illius  anni,  quo 
matrimonium  divortio  separatur,  ad  maritum 
pertinere  certissimum  est. 

.  .  si  maritus,  dum  adviveret,  hoc  ipsum, 
quod  a  muliere  in  dotem  perceperat,  fortasse 
refuderit,  quia  similitudo  donationis  est 
refusio,  nulhim  obtinet  firmitatem  .  . 


Quicunque  damnari  proscribique  meruerit, 
ab  eius  facultatibus  bona  uxoria  sequestren- 
tur,  ita  ut  (et)  dotem,  quam  marito  uxor  aut 
eius  parentes  obtulerunt,  .  .  uxor  retineat, 
sibique  vindicet  a  bonis  proscriptae  facul- 
tatis  aliena,  quia  mariti  crimine  uxor  non 
potest  obligari. 

Pacta  inter  maritum  et  uxorem,  quae  de 


Die  Dos  §  2. 


321 


b)  Wird  es  sich  zugetragen  haben,  dass  der  Ehemann  bei  Lebzeiten  der  Gattin   c.  3, 13, 3 
stirbt,  so  wird  die  Frau  Alles,   was  von  der  Ehefrau  dem  Gatten  zur  Dos 
gegeben  gewesen  war,^  in  ihr  Eigentum   zurückrufen,  und  sollen  die  Erben 

des  verstorbenen  Ehemannes  es  für  sich  nicht  in  Anspruch  nehmen  dürfen. 
AVird    die  Frau  gestorben    gewesen    sein,   so    werden   es    ihre  Erben    nicht 
für    sich    beanspruchen   können;    es    muss   vielmehr   dem   Gatten,    zugleich 
mit  den  Früchten,  restituiert  werden.^     Die  Dos  wird  von  dem  Sohne  nicht    ^/s" 
dem  Vater  erworben.^ 

aa)  Wenn  der  Mann  der  Ehefrau  in  seinem  Testamente  die  Dos,  die  er  P.  4, 1, 1 
von  ihr  empfangen  hat,  als  Legat*  hinterlassen  hat,  ^wird  sie  nicht 
gezwungen  werden,  aus  derselben  ein  Fideikommiss,  das  der  Erblasser 
anordnet,  zu  gewähren,^  weil  sie  nicht  aus  dem  Vermögen  des  Gatten 
irgend  etwas  erzielt,  sondern  dasjenige  zurückempfangen  zu  haben  er- 
achtet wird,  was  sie  gegeben  hatte. 

c)  Wenn  die  Frau  bei  Lebzeiten  des  Mannes   gestorben    sein    wird,    möge    er 
wissen,  dass  er  von  der  Dos,  die  der  Mann  von  der  Frau  empfiingen  hat,*' 


N.  V. 
12,  1,  9 


1)  Dos  quae  data  dicitur  vel  promissa. 
3)  Vgl.  S.  119  Anm.  1. 

5)  Kann  ein  Fideikommiss  nicht  hinterlassen  werden. 

6)  T  fügt  hinzu  :  quam  dari  praesentis  oraculi  decernit  auctoritas 


2)  Vgl.  S.  320  Anm.  8. 
4)  Als  Prälegat. 


tentiones  ex  iure  venientes  et  pacta,  quae 
legibus  consentanea  esse  monstrantur,  placet, 
etiam  ex  huius  sanctionis  auctoritate  inte- 
merata  inviolataque  servari. 

b)  C.  3,  13,  3.  Si  constante  matrimonio 
maritus  fatali  fuerit  sorte  consumtus,  dos, 
quae  data  dicitur  vel  promissa  ex  eius  uxoris 
facultatibu.s,  ad  ferainam  revertatur,  nihil- 
que  sibi  ex  hoc  defuncti  heres  audeat  vin- 
dicare,  quod  ad  mulierem  recurrere  fecit 
obitus  maritalis.  (Et  si  fortasse  constante 
matrimonio  a  marito  uxori  dos  refusa  est,)  .  . 
eadem  uxore  defuncta  marito  ab  eius  here- 
dibus  cum  fructibus  ex  die  refusae  dotis 
restituatur  .  . 

N.  Th.  7,  1,  8.  .  .  patri  ,  .  nee  a  filio 
dotem  acquiri  .  . 

aa)  P.  4,  1,  1.  Ab  uxore,  cui  vir  dotem 
praelegavit,  fideicommissum  relinqui  non 
potest:  quia  non  ex  lucrativa  causa  testa- 
mento  aliquid  capit,  sed  proprium  recipere 
videtur. 

c)  N.  V.  12,  1,  9.  Similis  erit  de  dote 
conditio,  quam  dari  praesentis  oraculi  decer- 
nit auctoritas,  ut,  si  nuUis  interpositis  con- 
ditionibus  viro  fuerit  attributa  (quae  lucra- 
tiva esse  potest),  uxoriae  mortis  eventu  patri 
matrive    defunctae     maritus    acceptae    dotis 

Conrat,  Breviarium. 


dote  inita  sunt  et  cum  lege  concordant,  (haec 
lex)  sicut  reliquas  pactiones  valere  (praece- 
pit)   .  . 

Si  contigerit,  ut  maritus  uxore  superstite 
moriatur,  quaecunque  a  muliere  marito  in 
dotem  data  fuerant,  ad  suum  dominium  fe- 
mina  revocabit,  nee  heredes  defuncti  mariti 
hoc  vindicare  praesumant  .  .  Si  mortua  fuerit 
mulier,  non  poterunt  eius  heredes  hoc  sibi- 
met  vindicare,  sed  marito  etiam  cum  fruc- 
tibus hoc  iubetur  debere  restitui  .  . 


Uxori,  cui  maritus  testamento  suo  dotem, 
quam  ab  ea  accepit,  legati  titulo  dereliquit, 
ex  ea  fideicommissum,  hoc  testator  si  iubeat, 
dare  non  cogetur:  quia  non  de  mariti  bonis 
aliquid  consequitur,  sed  quod  dederat,  rece- 
pisse  videtur. 

(.  ,  si  vir  uxore  viva  moriatur  .  .)  Quod 
(etiam)  si  uxori  talis  casus  evenerit,  de  dote, 
quam  ab  uxore  maritus  accepit,  (simili  rati- 
one,  id  est,)  medietateni  parentibus,  aut  si 
unus  eorum  superstes  fuerit,  se  noverit  red- 
diturum.     Quod    si   nee  parentes  supcrstites 

21 


322 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


Gr.  4,  2 


C.  3,  5,  1 


C.  3,5,  8 


die  Hälfte  den  Eltern,  oder  wenn  einer  derselben  überlebend  gewesen  sein 
wird,  zurückgeben  wird.^  Werden  weder  Eltern  noch  Kinder  überlebend 
gewesen  sein,  so  wird  die  Person  des  Gatten,  die  den  Andern  überlebt  hat. 
die  Dos  für  sich  zu  ewigem  Eechte  in  Anspruch  nehmen,  derart,  dass  er 
die  freie  Befugnis  haben  soll,  mit  Bezug  darauf  zu  thun,  was  er  auch 
immer  gewollt  haben  wird.^ 


III.    Schenkung.     Arra  sponsalitia  §  3. 

1)  Donatio  sponsalitia  (Donatio  ante  nuptias), 
a)  Bestellung. 

a)  Dasjenige,  was  der  Vater  bei  seinen  Lebzeiten  als  Dos  entweder  versprochen 
oder  übergeben  haben  wird,  wird  erachtet,  aus  seinem  Vermögen,  bevor  er 
starb,  ausgeschieden  und  veräussert  worden  zu  sein:  ^mit  Bezug  auf  die 
Sponsalitia  donatio  wird  die  Bechtslage  die  gleiche  sein.^ 

b)  Vor  der  Zeit  dieses  Gesetzes  galten  Schenkungen  auch  ohne  Bezeugung 
der  Gesta:  jetzt  dagegen  nach  diesem  Gesetze  kann  weder  eine  Nupti- 
alis  donatio  noch  eine  beliebige  sonstige  Schenkung  zwischen  irgend- 
welchen Personen,  mit  Bezug  auf  irgendwelche  Sachen,  giltig  sein,  wenn 
sie  nicht   zu  den  Gesta  allegiert  gewesen  sein  wird.^    -"^Wenn  die  Donatio 


1)  T  fügt  hinzu:  si  nullis  interpositis   conditionibus  viro  fuerit  attributa. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede.     Hingegen  wird  ausgeführt,  dass  von  seiten  der 
Frau  so  viel  zu  geben  ist,  als  der  Mann  an  SponsaUa  eingebracht  haben  wird. 

3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

4)  Vgl.  Drittes  Buch  §  4,  2  b. 


mediam  restituat  quantitatem.  Pars  vero 
feminae  tantum  dare  debebit,  quantum  spon- 
salibus  maritus  intulerit,  ut  dantis  et  acci- 
pientis  sit  aequa  conditio,  ne  placita  futuraque 
coniunctio  uni  lucrum,  alteri  faciat  detri- 
mentum. 

1  a)  a)  Gr.  4,  2.  .  .  ea,  quae  ante  a  patre 
filiae  in  dotem  data  sunt,  non  placet  com- 
putari,  quia  etiam  in  bonis  mariti  sunt  et  a 
patrimonio  patris  vivente  eo  separata  fuerunt. 

b)  C.  3,  5,  1.  Pater  noster  nullam  vo- 
luit  liberalitatem  valere,  si  actis  inserta  non 
esset.  Nos  etiam  inter  sponsos  ac  sponsas 
omnesque  personas  eam  solam  donationem 
ex  promulgatae  legis  tempore  valere  sanci- 
mus,  quam  testificatio   actorum  secuta  est. 

C.  3,  5,  8.  Si  donationis  instruraentum 
ante  nuptias  actorum  solennitate  firmatum 
sit,  de  traditione,  utrum    nuptias    antecesse- 


fuerint,  nee  filii,  persona  coniugis,  quae  altero 
supervixit,  (et)  dotem  .  .  sibi  iure  perpetuo 
vindicabit,  ita  ut  faciendi  de  his,  quicquid 
voluerit,  habeat  liberam  potestatem. 


.  .  ea,  quae  pater  vivus  in  dotis  condi- 
tione  aut  promiserit  aut  tradiderit,  de  bonis 
eius,  antequam  moreretur,  discessisse  et  alie- 
nata  esse  noscuntur.  Similis  erit  et  de  spon- 
salitia donatione  conditio. 

Ante  tempus  legis  istius  donationes  etiam 
sine  gestorum  testificatione  valebant.  Nunc 
vero  post  hanc  legem  nee  nuptialis  nee 
quaelibet  alia  inter  quascunque  personas  do- 
natio, de  quibuscunque  rebus,  valere  potest, 
si  gestis  non  fuerit  allegata. 

Si  donatio  sponsalitia  ante  nuptias  gestis 
inseritur,  etiamsi  res  donata  non  traditur, 
non  potest  infirmari.     In  illa  vero  donatione, 


Schenkung-.     Arra  sponsalitia  §  3. 


323 


sponsalitia  vor  der  Hochzeit  den  Gesta  inseriert  wird,  kann  sie,  anch  wenn 
die  geschenkte  Sache  nicht  übergeben  wird,  nicht  entkräftet  werden.    Hin- 
gegen   wird    bei    derjenigen    Schenkung,    deren   Betrag    unter    dem    Werte 
von  zweihundert  Sohdi  sich  erweist,    auch    wenn    die   Gesta    gefehlt   haben 
werden,  den  Frauen  unter  irgendwelchem  Trug  oder  Einwand  keine  Chikane 
bereitet    werden    können,    sondern    wird  jede    mit  Tag  und  Zeit  versehene 
Urkunde  ausreichen.^ 
aa)  Sowohl    die    Schenkung,    die    sich    ohne    Tradition    den    Gesta    ein-   c.s,  5, 8 
gereiht  findet,  als  auch  diejenige,  welche  unter  der  Summe  von  zwei- 
hundert   Solidi    bleibt,^    sollen    durch  keinerlei    chikanöse  Gründe^  in 
irgendwelchem  Punkte  hinfällig  sein:  es  wird  vielmehr  vorgeschrieben, 
dass    sie    von    dem    Manne,    bez.    dessen    Erben,    erhoben    und    den 
Frauen*  ausgeantwortet  werden. 

c)  Bezüglich  derjenigen  Frauen,  die  in  minderjährigen  Jahren  nach  dem  Tode   c.  3, 5, 8 
des    Vaters    verheiratet    worden    sind,    bleibt    das    Benefiz    des    Gesetzes 
bestehen,  dass  eine  Schenkung,  zu  einer  wie  grossen  Summe  sie  auch  wird 
verschrieben  gewiesen  sein,  in  aller  Kraft  Bestand  hat,  wenn  sie  auch  nicht 
zu  den  Gesta  allegiert  gewesen  sein  wird.^ 


1)  T  sagt,  dass,  wenn  das  Schenkungsinstrument  vor  der  Hochzeit  durch  die  Solennität 
der  Akten  bekräftigt  worden  sei,  ausser  Frage  bleibe,  ob  Tradition  vor  oder  nach  dem 
Eheschluss  geschehen,  bez.  unterblieben  sei,  und  dass  bezüglich  der  unter  zweihundert  Solidi 
verbleibenden  Schenkung  die  Confectio  actbrum  nicht  erfordert  werde. 

2)  T  spricht,  in  Fortsetzung  des  unter  Anm.  1  Bemerkten,  lediglich  von  Haec 
commoda. 

3)  Nee  mariti  fraude  nee  successorum  eius  improbitate,  nee  scrupulositate  iuris,  si  et 
imperite  vel  callide  rerum  offerendarum  in  dotem  habeat  donatio  mentionem. 

4)  T  fügt  die  Successoren  hinzu. 

5)  Vgl.  Zweitos  Buch  §  25,  2  [i,  a,  aa 


rit  an  secuta  sit  vel  penitus  praetermissa, 
minime  perquiratur:  in  illa  donatione,  quae 
in  Omnibus  intra  ducentorum  solidorara  est 
quantitatem,  nee  actorum  confectione  quae- 
renda  .  . 

aa)  C.  3,  5,  8.  .  .  Haec  (enim)  commoda 
nee  mariti  fraude,  nee  successorum  eius  im- 
probitate, nee  scrupulositate  iuris,  si  et  im- 
perite vel  callide  rerum  offerendarum  in  do- 
tem habeat  donatio  mentionem ,  denegari 
uxoribus  deceptis  patimur  vel  his,  qui  in 
earum  iura  succedunt,  sed  a  marito  vel  ab 
heredibus  eius  exacta  restitui  .  . 

c)  C.  3,  5,  8.  .  .  illa  manente  lege,  quae 
minoribus  aetate  feminis  etiam  actorum  testi- 
ficatione  omissa,  si  patris  auxilio  destitutae 
sint,  iuste  consuluit. 


cuius  summa  infra  ducentorum  solidorura 
pretium  invenitur,  etiamsi  gesta  defuerint, 
nulla  feminis  poterit  sub  quacunque  callidi- 
tate  aut  obiectione  calumnia  commoveri,  sed 
qualiscunque  cum  die  et  tempore  scriptura 
sufficiet  .  . 

(Et  ideo)  seu  illa  donatio,  quae  sine  tra- 
ditione  gestis  habetur  inserta,  seu  illa,  quae 
infra  ducentorum  solidorum  suramamconsistit, 
nuUis  calumniarum  argumentis  in  aliquo  va- 
cuentur,  sed  a  marito  vel  ab  heredibus  eius 
feminis  iubentur  exacta  restitui  .  . 


.  .  illo  (tamen)  beneficio  legis  circa  eas 
feminas,  quae  in  minoribus  annis  defuncto 
patre  nuptae  sunt,  permanente,  ut  de  quan- 
talibet  summa  fnerit  conscripta  donatio,  eti- 
amsi gestis  allegata  non  fuerit,  omni  firm.i- 
tate  subsistat. 

21* 


324 


Privatreclit.     Viertes  Buch. 


c.  3, 5, 3  Wenn  eine  in  den  Pupillenjahren  befindliche  Frau  mit  dem  Gatten 

verbunden  gewesen  sein  und  die  Sponsalitia  largitas  aus  Nachlässigkeit 
zu  den  Akten  nicht  angegeben  haben  wird,  möge  sie  wissen,  dass,  wenn 
auch  die  Gesta  fehlen,    die  Schenkung  unangreifbar  in  ihrem  Eigen- 
tume  verbleibt.^ 
Gr.  2, 1         d)  Wenn  Minderjährige  Etwas  für  die  Verbindung  einer  Ehe  mittels  Sponsa- 
litia largitas  geschenkt  haben  werden,  sollen  sie .  es  unter  keinen  Umständen 
unter  dem  Deckmantel  der  Integri  restitutio  widerrufen  dürfen.^ 

ß)  Rechtsverhältnis  vor  i^bschluss  der  Ehe. 
^pr!'u.'i^       ^)  ^'^^0  oft  zwischen  Sponsi  und  Sponsae  wegen  einer  zukünftigen  Ehe  aus- 
drücklich   eine  Verabredung    getroffen    gewesen    sein   wird,   und    der  Mann 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  25,  2  ß,  a,  aa. 

2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  7,  5  [i,  c. 

3)  T  schickt    voraus,    dass    die  Annahme    der  Veteres,    welche    Schenkungen   an   die 
Sponsa  auch  bei  Ausbleiben  der  Ehe  giltig  sein  lässt,  nicht  geteilt  werde. 


C,  3,  5,  3.  (Quamvis  in  lucro  nee  feminis 
ius  ignorantibus  subveniri  soleat,)  contra  aeta- 
tem  adhuc  imperfectam  locum  hoc  non  ha- 
bere, retro  principum  statuta  declarant.  Ne 
igitur  soluta  matrimonii  caritate  inhumanum 
aliquid  statuatur,  censemus,  si  futuris  con- 
iugibus  tempore  nuptiarum  intra  aetatem  con- 
stitutis  res  fuerint  donatae  et  traditae,  non 
ideo  eas  posse  revocari,  quia  actis  consignare 
donationem  quondam  maritus  noluit. 

d)  Gr.  2,  1.  .  .  neque  (enim)  dubium  est, 
ea,  quae  sponsae  uffinitatis  contrahendae 
causa  a  minore  donantur,  repeti  non  posse, 
quando  huiuscemodi  causas  communis  voti 
complenti  ratio  provocet,  propter  quae  et  in 
integrum  restitutio  denegatur;  nam  etsi  inter 
minores  verti  videatur,  non  discrepat  ab  his, 
qui  legitimae  aetatis  ad  huiuscemodi  contrac- 
tus  prodeunt. 

ß)  a)  C.  3,  5,  2  pr.  u.  1.  Quum  veterum 
sententia  displiceat,  quae  donationes  in  spon- 
sam  nuptiis  quoque  non  secutis  decrevit  va- 
lere,  ea,  quae  largiendi  animo  inter  sponsos 
et  sponsas  iure  celebrantur,  redigi  ad  huius- 
modi  conditiones  iubemus,  ut,  sive  in  pote- 
state  patris  degere  sive  ullo  modo  proprii 
videantur  esse  iuris,  et  tan  quam  futuri  causa 
matrimonii  aliquid  sibi  ipsi  vel  consensu  pa- 
rentum  mutuo  largiantur,  siquidem  sponte 
vir  sortiri  noluerit  uxorem,  id,  quod  ab  eo 
donatum  fuerit,  nee  repetatur  traditum,  et 
si  quid  apud  donatorem  resedit,  ad  sponsam 
summotis  ambagibus  transferatur.  Quod  si 
matrimonii  non  contrahendi  causa  ab  sponsa. 


.  .  si  qua  in  pupillaribus  annis  marito 
fuerit  copulata,  et  sponsalitiam  largitatem 
per  negligentiam  actis  non  allegaverit,  (huius 
legis  beneficio,)  etsi  gesta  desint,  inviola- 
bilem  in  suo  dominio  donationem  noverit 
pjsrmanere. 


.  .  si  quid  minores  pro  coniunctione  ma- 
trimonii sponsalitia  largitate  donaverint,  per 
obtentum  integri  restitutionis  nullatenus  de- 
beant  revocare  .  . 


Quoties  inter  'sponsos  et  sponsas  de  futu- 
ris nuptiis  specialiter  fuerit  definitum,  et 
donationem  sponsalitiae  largitatis  vir  in  spon- 
sam suam  aut  ex  consensu  parentum  aut  ipse, 
si  sui  iuris  est,  propria  voluntate  conscripse- 
rit  et  omni  eam  scripturarum  solennitate 
firmaverit,  ita  ut  et  gesta  legitime  facta  do- 
ceantur,  et  introductio  locorum  vel  rerum 
traditio  subsequatur:  quicquid  tali  et  tam 
solenni  donatione  ad  ius  dominiumque  spon- 
sae transierit,  si  vir  sponte  eam,  quam  de- 
pectus  est  factis  supra  scriptis  solennibus 
chartis,  accipere  noluerit  uxorem,  omnia, 
quae  sunt  tradita,  non  reposcat.  Et  si  quid 
de  nominatis  tam  solenniter  rebus  et  traditis 


Schenkung.     Arra  sponsalitia  §  3. 


325 


seiner  Sponsa,  entweder  unter  Zustimmung  der  Eltern  oder,  falls  er  Sui 
iuris  ist,  aus  eigenem  Entschlüsse  eine  Donatio  sponsalitiae  largitatis 
verbrieft  und  mit  aller  Solennität  von  Dokumenten  bekräftigt  haben 
wird,  derart  dass  sowohl  die  Gesta  für  gesetzmässig  errichtet  erachtet 
werden,  als  auch  eine  Einführung  in  die  Ortlichkeiten,  bez.  die  Übergabe 
der  Sachen,  sich  anschliesst,  soll  der  Mann,  was  auch  immer  durch  eine 
solche  und  derart  solenne  Schenkung  in  Recht  und  Eigentum  der  Sponsa 
übergegangen  sein  wird,  wenn  er  aus  eigenem  Antriebe  diejenige,  welche 
er  sich,  unter  Errichtung  der  genannten  solennen  Dokumente,  hat  ver- 
sprechen lassen,  nicht  wird  haben  zur  Frau  nehmen  wollen,  Alles,  was 
übergeben  worden  ist,  nicht  zurückfordern.  Wird  er  überführt,  etwas  von 
den  so  solenn  genannten  und  übergebenen  Sachen  bei  sich  zu  haben,  so 
soll  es  ohne  irgendwelchen  Verzug  in  das  Eigentum  der  Braut,  die  er  nicht 
nehmen  wollte,  übertragen  werden.^-  ^ 
b)  ^Wenn  nach  Abhaltung  der  Sponsalien  der  Sponsus,  der  die  Braut  geküsst  c.3,5, 5 


1)  T  sagt  lediglich,  dass  in  dem  Falle  einer  Schenkung  an  die  Sponsa  die  Donatio, 
falls  sie  übergeben  worden,  nicht  zurückerstattet,  bez.  was  bei  dem  Schenker  verblieben 
sei,  an  die  Sponsa  Summotis  ambagibus  übertragen  werden  solle.  Wenn  die  Causa 
raatrimonii  non  contrahendi  von  der  Sponsa,  bez.  deren  Gewalthaber,  herrühre,  solle 
die  Rückgabe   an  den  Sponsus  und  seine  Erben   ohne  jede  Verschränkung  geschehen. 

2)  T  fügt  den  Satz  (§  2)  hinzu,  dass  Entsprechendes  gelte,  wenn  von  Seiten  der 
Sponsa  eine  Schenkung  an  den  Sponsus  gemacht  worden  ist  (Quae  similiter  observari  oportet, 
et  si  ex  parte  sponsae  in  sponsum  donatio  facta  sit;  nullis  causis  ulterius  requirendis,  ne 
forte  mores  aut  origo  dicatur,  vel  quicquam  aliud  opponatur,  quod  sibi  quisquam  non  con- 
venire  existimat,  quum  longe  ante,  quam  sponsalia  contrahantur,  haec  cuncta  prospici 
debuerint.  Sola  igitur  indagetur  voluntas,  et  mutata  animi  sententia  ad  restitutionem  seu 
repetitionem  rerum  donatarum  sufficiat,  quum  universis  cautionibus  pulsis,  nihil  amplius 
constare  debeat,  nisi  ut  appareat,  qui  sibi  contrahendum  matrimonium  dixerit  displicere). 


vel  in  cuius  agit  potestate,  detegatur  exsti- 
tisse,  tunc  sponso  eiusque  heredibus  sine  ali- 
qua  deminutione  redhibeatur. 

b)  C.  3,  5,  5.  Si  ab  sponso  rebus  sponsae 
donatis  interveniente  osculo  ante  nuptias 
hunc  vel  illam  mori  contigerit,  dimidiam 
partem  rerum  donatarum  ad  superstitem  per- 
tinere  praecipimus,  dimidiam  ad  defuncti  vel 
defunctae  heredes,  cuiuslibet  gradus  sint  et 
quocunque  iure  successerint,  ut  donatio  stare 
pro  parte  media  et  solvi  pro  parte  media 
videatur:  osculo  vero  non  interveniente,  sive 
sponsus  sivG  sponsa  obierit,  totam  infirmari 
donationem  et  donatori  sponso  sive  heredibus 
eius  restitui.  Quod  si  sponsa,  interveniente 
vel  non  interveniente  osculo,  sponsaliorum 
titulo,  quod  raro  accidit,  fuerit  aliquid  sponso 
largita,  et  ante  nuptias  hunc  vel  illam  mori 
contigerit,  omni  donatione  infirmata,  ad  do- 
natricem  sponsam  sive  eius  successores  dona- 
tarum rerum  dominium  transferatur. 


apud  se  ha.bere  dignoscitur,  ad  sponsae  do- 
minium, quam  accipere  noluit,  sine  dilatione 
aliqua  transferatur. 

Si  quando  sponsalibus  celebratis,  inter- 
veniente osculo,  sponsus  aliquid  sponsae  do- 
naverit,  et  ante  nuptias  sponsus  forsitan  mo- 
riatur,  tunc  puella,  quae  superest,  medium 
donatarum  solenniter  rerum  portionem  pote- 
rit  vindicare,  et  dimidiam  mortui  heredes 
acquirunt,  quocunque  per  gradum  successi- 
onis  ordine  venientes.  Si  vero  osculum  non 
intervenerit,  sponso  mortuo  nihil  sibi  puella 
de  rebus  donatis  vel  traditis  poterit  vindicare. 
Si  vero  a  puella  sponso  aliquid  donatum  est, 
et  mortua  fuerit,  quamvis  aut  intercesserit 
aut  non  intercesserit  osculum,  totum  parentes 
puellae  sive  propinqui,  quod  puella  donaverat, 
revocabunt. 


326  Privatrecht.     Viertes  Buch. 

hat,  irgend  etwas  der  Sponsa  geschenkt  haben  wird  und  vor  dem  Ehe- 
schhiss  der  Sponsus  stirbt,  dann  wird  das  überlebende  Mädchen  die  Hälfte 
der  solenn  geschenkten  Sachen  iii  Anspruch  nehmen  können,  und  erwerben 
die  Hälfte  die  Erben  des  Verstorbenen,  in  welchem  Ordo  sie  auch  immer 
nach  dem  Grade  der  Erbfolge  kommen.  Wird  aber  ein  Kuss  nicht  statt- 
gefunden haben,  so  wird  das  Mädchen  nach  dem  Tode  des  Sponsus  von 
den  geschenkten,  bez.  tradierten,  Sachen  Nichts  für  sich  in  Anspruch 
nehmen  können. ^  Ist  jedoch  von  dem  Mädchen  dem  Sponsus  irgend  etwas 
geschenkt  worden  und  wird  jenes  gestorben  gewesen  sein,  so  werden,  wird 
entweder  ein  Kuss  stattgefunden  haben  oder  keiner  stattgefunden  haben, 
die  Eltern  oder  Verwandten  des  Mädchens  das  Ganze,  was  das  Mädchen 
geschenkt  hatte,  widerrufen.^-  ^ 
c.  9, 32, 3  c)  Wird  irgend  Jemanden  eine  Verm'teilung  und  Proskribierung  getroffen 
haben,  so  soll  das  Frauen  gut  von  seinem  Vermögen  getrennt  werden,  derart 
dass  die  Frau  die  Schenkung,  die  sie  vor  der  Ehe  für  die  eingegangene 
Verbindung  empfangen  hatte,  zurückerhält  und  für  sich  als  etwas  dem 
Gute  des  proskribierten  Vermögens  Fremdes  in  Anspruch  nimmt,  weil  die 
Frau  durch  das  Verbrechen  des  Mannes  nicht  verpflichtet  werden  kann4. 

1)  Bei  T  handelt  es  sich  darum,  dass  nach  Schenkung  an  die  Sponsa  Interveniente 
osculo  eine  der  Parteien  gestorben  ist:  hier  falle  die  Hälfte  dem  Überlebenden,  die  Hälfte 
den  Erben  des  Verstorbenen,  bez.  der  Verstorbenen,  zu,  während,  wenn  Sponsus  oder  Sponsa, 
Osculo  non  interveniente,  gestorben  sind,  die  ganze  Schenkung  rückgängig  werde. 

2)  T  behandelt  den  Thatbestand  des  Sponsaliorum  titulo  Geschenkten,  quod  raro 
accidit,  mit  Bezug  auf  den  Fall  des  Todes  der  Sponsa  oder  des  Sponsus  und  lässt  das 
Eigentum  an  die  Sponsa  oder  deren  Successoren  kommen. 

3)  Mit  Bezug  auf  die  Hinfälligkeit  der  Schenkung  für  den  Fall  des  Todes  von  Spon- 
sus oder  Sponsa  vor  Abschluss  der  Ehe  enthält  auch  C.  3,  5,  2,  3  u.  4  T  eine  Erörterung 
des  Inhalts,  dass  das  Recht,  den  Hinfall  der  Schenkung  geltend  zu  machen,  keinem  weiteren 
Erben,  als  Eltern  und  Kindern  aus  einer  früheren  Ehe  des  Schenkers  zustehe  (Et  quoniam 
fieri  potest,  ut  moriatur  alter  adhuc  incolumi  voluntate  prius,  quam  nuptiae  contrahantur, 
congruum  duximus,  eo,  in  quem  fuerat  facta  donatio,  ante  matrimonii  diem  functo,  quae 
sponsaliorum  titulo  vel  data  vel  uUo  genere  donata  sunt,  ad  eum,  qui  donaverat,  revocari: 
eo  etiam,  qui  donaverat,  ante  nuptias  mortuo,  mox  infirmari  donationem,  et  ad  eins  heredes 
sine  aliqua  difficultate  retrahi  res  donatas.  Quod  beneficium  usque  ad  personam  patris  aut 
matris,  filiorum  etiam,  si  qui  de  priore  matrimonio  fuerint,  stare  decernimus,  si  quocunque 
modo  ex  his  persona  aliqua  defuncto  successerit.  Quod  si  ex  bis  nuUa  persona  defancti 
heres  habetur,  sed  ex  reliquis  gradibus  quisquam  succedat,  donationes  convenit  etiam  non 
insecutis  ex  causa  mortis  nuptiis  convalescere,  quoniam  illis  tantum  personis  credimus  con- 
sulendum).  J  enthält  hierzu  keine  Ausführung,  sondern  begnügt  sich  mit  der  Bemerkung, 
dass  sich  eine  Explanatio  erübrige,  weil  das  Gesetz  durch  die  folgenden  Gesetze  hinfällig 
werde  (Reliquum  legis  istius  opus  non  fuit  explanare,  quia   sequentibus    legibus    vacuatur). 

4)  Vgl.  Fünftes  Buch,  §  1,  Ic. 


c)  C.  9,  32,  3.  .  .  Sit  a  proscripti  mariti 
Sorte  uxor  aiiena,  quo  (ut  assolet)  proscripto, 
uxor  proprias,  velut  manu  iniecta,  mox  vin- 
dicet,  aut  certe  quoquo  modo  occupatas  sta- 
tim  recipiat  facultates  .  .  Ea  (etiam),  si  forte 
cum  proscripti  bonis  mixta  sunt,  non  negen- 
tur,  quae  ab  innoxio  adhuc  marito  ante  nu- 
ptias titulo  donationis  acceperit  .  . 


Quicunque  damnari  proscribique  meruerit, 
ab  eins  facultatibus  bona  uxoria  sequestren- 
tur,  ita  ut  .  .  donationem,  quam  ante  nu- 
ptias pro  coniunctione  susceperat,  uxor  reti- 
neat,  sibique  vindicet  a  bonis  proscriptae 
facultatis  aiiena,  quia  mariti  crimine  uxor 
non  potest  obiigari. 


Schenkung.     Arra  sponsalitia  §  3. 


327 


Y)  Nach  Lösung  der  Ehe  (vgl  Zweites  Buch  g  15). 

a)  ^Wenn  der  Mann  bei  Lebzeiten  der  Frau  stirbt  und  Kinder  nicht  hat^ 
jedoch  entweder  Vater  oder  Mutter  hinterlässt,  soll  ^von  der  Sponsalitia 
donatio,  die  er  gemacht  hat,^  die  Hiilfte  die  Frau  für  sich  in  Ansi)ruch 
nehmen,  die  Hälfte  dem  Vater  oder  der  Mutter  des  verstorbenen  Gatten, 
wer  von  ihnen  überlebend  gewesen  sein  wird,  ohne  Umstände  restituieren. 
Werden  weder  Eltern  noch  Kinder  überlebend  gewesen  sein,  so  wird  die 
Person  der  Gattin,  die  den  Andern  überlebt  hat,  die  Schenkung  für  sich 
zu  ewigem  Rechte  in  Anspruch  nehmen,  ^derart,  dass  sie  die  freie  Befugnis 
haben  soll,  mit  Bezug  darauf  zu  thun,  Avas  sie  auch  immer  gewollt  haben 
wird.^  Die  Donatio  ante  nuptias  wird  nicht  von  der  Tochter,  die  sich  in 
der  Gewalt  betin det,   dem  Vater  erworben.* 

2)  Arra  sponsalitia. 

a)  Diejenigen,  welche,  nachdem  ihnen  bei  Lebzeiten  der  Eltern  die  Mädchen 
verlobt  worden  sind,  von  diesen  Mädchen  nach  dem  Tode  der  Eltern  ver- 
schmäht werden,  sollen  nach  dem  Wortlaut  des  Gesetzes  dasjenige,  Avas 
als  Arrha  gegeben  oder  geschenkt  worden  ist,  zum  Vierfachen  zurück- 
empfangen.^     Wird   der  Vater  oder  die  Mutter    des  Mädchens,    oder,    falls 


N.  V. 
12,1,8 


N.  Th. 

7,  1,  8 


C.  3,10,1 


C.  3,  5,  6 


1)  T  schickt  einen  Satz  voraus,  worin  der  Gesetzgeber  erklärt,  mit  Bezug  auf  die 
Successionen  dasjenige  zu  regeln,  was  in  den  früheren  Bestimmungen  nicht  ausdrücklich 
festgesetzt  ist  (Opportunum  duximus  occasione  legis,  ea  de  successione  decernere,  quae 
anterioribus  constitutis  non  sunt  evidenter  expressa). 

2)  Von  den  Sponsalien,  die  die  Frau  empfing. 

3)  Hiervon  v^^ird  in  T  nicht  gesprochen.  4)  Vgl.  S.  119  Anm.  1. 
5)  Dem  Zusammenhange  nach  ist  bei  T  davon  die  Rede,  dass  mit  Bezug  darauf  Supp- 
likation statthaft  ist. 


y)  a)  N.  V.  12,  1,  8.  .  .  Itaque  si  vir  sine 
liberis  uxore  superstite  moriatur,  sponsalium, 
quae  mulier  accepit,  obeuntis  patri  matrive 
mediam  restituat  portionem,  sibi  residuam 
servatura.  Si  desint  personae,  quas  loqui- 
mur,  ipsi  universa  proficiant  pro  pudore  per- 
cepta,  quae  non  exstantibus  tam  caris  reli- 
giosisque  nominibus  imminui  non  oportet. 


N.  Th.  7,  1,  8.  .  .  nee  a  filia,  quae  in 
potestate  est,  donationem  ante  nuptias  patri 
.  .  acquiri  .  . 

2)  a)  C.  3,  10,  1.  .  .  exceptis(que)  his,  qui 
parentum  sponsionem  de  nuptiis  filiarum  im- 
pleri  desiderant,  vel  sponsalia,  hoc  est  ar- 
rarum  data  nomine,  reddi  sibi  praecepto 
legum  cum  quadrupli  poena  deposcunt  .  . 
C.  3,  5,  6.     Patri,    matri,    tutori   vel  cui- 


(De  successione  quoque  hoc  specialiter 
credidit  inserendum,)  ut,  si  vir  uxore  viva 
moriatur,  et  filios  non  habeat,  sed  aut  patrem 
aut  matrem  dimittat,  de  sponsalitia  donatione, 
quam  fecit,  medietatem  sibi  uxor  vindicet, 
medietatem  patri  aut  matri  defuncti  mariti, 
qui  superstes  eorum  fuerit,  sine  difficultate 
restituat  .  .  Quod  si  nee  parentes  superstites 
fuerint,  nee  filii,  persona  coniugis,  quae  altero 
supervixit,  .  .  donationem  sibi  iure  perpe- 
tuo  vindicabit,  ita  ut  faciendi  de  his,  quic- 
quid  voluerit,  habeat  liberam  potestatem. 


.  .  Uli  (vero),  qui,  pactis  sibi  vivis  paren- 
tibus  puellis,  ab  ipsis  puellis  post  parentum 
obituua  contemnuntur.  praeeepti  tenore  in 
quadruplum  arrarum  nomine  data  vel  donata 
recipiant  .  . 

Pater  vel  mater  puellae,  aut  si  pater  de- 


828 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


der  Vater  gefehlt  haben  wird,  Tutor,  ^  Kurator,  bez.  irgend  Jemand  von 
den  Verwandten/  bevor  das  Mädchen  das  zehnte  Jahr  erreicht,  wegen  der 
Ehe  Verehibarungen  getroffen  gehabt  und  Sponsaha  empfangen  haben, 
2 so  werden  sie,  falls  sie  hernach  unter  Änderung  ihres  Entschlusses  den- 
jenigen, welchen  sie  früher  angenommen  hatten,  werden  haben  ablehnen 
wollen,  nicht  auf  das  Vierfache  verurteilt,  sondern  sollen  nur  dasjenige, 
was  empfangen  worden  ist,  restituieren:^  denn  auch,  wenn  die  Tochter 
gestorben  gewesen  sein  wird,  sollen  sie  nur  dasjenige  zurückgeben,  was  sie 
empfangen  hatten.  Wenn  sich  dagegen  ein  Mädchen  im  Alter  von  bereits 
zehn  Jahren  bis  zum  vollendeten  elften  Jahre  befindet,  und  ^sei  es  sie 
selbst,  sei  es  ihre  Eltern,  Tutoren  oder  Kuratoren^  die  Arrhae    empfangen 


1)  Oder  Jedermann. 

2)  So  erlassen  wir  die  Poena  quadrapli,  mag  auch  die  Ehe  nicht  folgen. 

3)  Pater  quisve  alius,  ad  quem  puellae   ratio  perUnet. 


cunque,  ante  decimum  puellae  annum  datis 
sponsalibus,  quadrupli  poenam  remittimus, 
etsi  nuptiae  non  sequantur.  Et  si  interea 
puella  decesserit,  sponsalia  iubemus  sponso 
restitui.  Quod  si  decimo  anno  vel  ultra  pater 
quisve  alius,  ad  quem  puellae  ratio  pertinet, 
ante  duodecim  annos,  id  est  usque  ad  unde- 
cim  metas,  suscepta  crediderit  pignora  esse 
retinenda,  deinceps  adventante  tempore  nu- 
ptiarum  a  fiele  absistens  quadrupli  fiat  ob- 
noxius.  Viduae  autem  ratio  diversa  est,  cui 
auxilium  non  suffragatur  aetatis,  scilicet  ut 
ea,  matrimonium  non  implens,  ad  quadru- 
plum  ex  veteri  constitutione  teneatur.  Duo- 
decimo  autem  anno  impleto  quisquis  de  nuptiis 
paciscitur,  si  quidem  pater,  semet  ipsum  obli- 
get,  sive  mater  curatorve  aut  alii  parentes, 
puella  fiat  obnoxia.  Cui  quidem  contra  ma- 
trem,  tutorem,  curatorem  eumve  parentem 
actio  ex  bono  et  aequo  integra  reservetur 
eorum  pignorum,  quae  ex  propriis,  iuxta  poe- 
nam iuris,  reddiderit  facultatibus,  si  ad  con- 
sensum  accipiendarum  arrarum  ab  bis  se 
ostenderit  fuisse  compulsam. 


fuerit,  tutor,  curator  vel  aliquis  ex  propin- 
quis,  si,  antequam  decimum  annum  puella 
contingat,  de  nuptiis  pacti  fuerint  et  spon- 
salia susceperint,  si  postea  mutata  voluntate 
renuere  voluerint,  quem  prius  susceperant, 
non  addicuntur  ad  quadruplum,  sed  ea  tan- 
tum,  quae  sunt  suscepta,  restituant:  nam  et 
si  puella  mortua  fuerit,  hoc  tantum,  quod 
acceperant,  reddant.  Sin  vero  iam  puella 
decimum  agens  annum  usque  ad  undecimum 
plenum  susceptas  arras  vel  ipsa  vel  paren- 
tes, tutores  curatoresve  tenuerint,  id  obser- 
vandum  est,  ut,  si  fidem  placiti  mutare  volu- 
erint et  illum  renuant,  cuius  sponsalia  sus- 
cepit,  ad  quadrupli  poenam  sine  dubio  tene- 
atur persona,  quaecunque  de  puellae  nuptiis 
placitum  fecit.  Quod  si  antequam  annus 
undecimus  compleatur,  pignora  suscepta  red- 
diderint,  nuHam  de  susceptis  arris  calumniam 
pertimescant.  Nam  si  vidua  fuerit,  nihil  per 
aetatem  poterit  excusare,  si  animum  alibi 
diverterit  et  priorem  sponsum  renuere  volu- 
erit.  Tunc  quaecunque  suscepit  sponsaliorum 
titulo,  in  quadruplum  reddat.  Puella  vero 
post  duodecimum  aetatis  suae  annum,  si 
pater  de  nuptiis  illius  aliud  facere  voluerit, 
quam  promisit,  ad  quadrupli  poenam  et  ipse 
tenendus  est.  Si  pater  mortuus  est,  et  de 
nuptiis  puellae  mater,  tutor  aut  curator  aut 
propinquus  aliquis  definierit,  et  puella  alteri 
nubere  maluerit,  ipsa  sponso  priori  de  pro- 
priis facultatibus  satisfaciat  in  quadruplum. 
quod  accepit:  hac  tamen  conditione  servata, 
ut  postmodum  contra  praedictas  personas 
agere  possit,  si  illius  arras,  quem  renuit,  illis 
cogentibus  invita  suscepit. 


Schenkung.     Arra  sponsalitia  §  3. 


329 


und  besessen  haben  werden,  so  ist  dies  in  Acht  zu  nehmen,  idass,  wenn 
sie  das  gegebene  Wort  der  Abrede  werden  haben  zurücknehmen  wollen 
und  jenen  ablehnen,  dessen  Sponsalien  das  Mädchen  angenommen  hat, 
ohne  ZAveifel  eine  jede  Person,  die  wegen  der  Heirat  der  Tochter  eine 
Vereinbarung  getroffen  hat,  auf  die  Strafe  des  Vierfachen  haftet.^  Werden 
sie,  bevor  das  elfte  Jahr  vollendet  wird,  die  empfangenen  Pfänder  zurück- 
gegeben haben ,  so  brauchen  sie  aus  den  empfangenen  Arrhae  keinerlei 
Weiterung  zu  befürchten.  Wird  es  eine  Witwe  gewesen  sein,  so  wird 
sie  sich  durchaus  nicht  mit  dem  Alter  entschuldigen  können,  falls  sie  den 
Sinn  anderswohin  gelenkt  und  den  früheren  Verlobten  ablehnen  gewollt 
haben  wird:  dann  soll  sie  Alles,  was  sie  als  Sponsalia  angenommen 
hat,  auf  das  Vierfache  zurückgeben.^  Wird  jedoch  bei  einem  Mädchen 
nach  ihrem  zwölften  Lebensjahre  der  Vater  wegen  ihrer  Heirat  etwas 
anderes  habeji  ausführen  wollen,  als  er  zugesagt  hat,  so  ist  er  auch  selbst 
auf  die  Strafe  des  Vierfachen  haftl)ar  zu  machen.  Ist  der  Vater  gestorben 
und  wird  wegen  der  Ehe  des  Mädchens  Mutter,  ^ Tutor  oder  Kurator'^ 
oder  irgend  ein  Verwandter  eine  Vereinbarung  getroffen  und  die  Tochter 
einen  Andern  zu  heiraten  vorgezogen  haben,  so  soll  sie  selbst  dem  früheren 
Sponsus  aus  dem  eigenen  Vermögen  auf  das  Vierfache  dessen,  was  sie 
empfangen  hat,  Ersatz  gewähren:  indessen  unter  der  Massgabe,  ^dass  sie 
nachher  gegen  die  genannten  Personen  klagen  kann,*  wenn  sie  die  Arrhae 
des  von  ihr  Verschmähten  infolge  des  Zwanges  jener  wider  ihren  Willen  an- 
genommen hat. 
b)  1  Mit  Bezug  auf  den  Judex  einer  beliebigen  Provinz,  bez.  einen  Jeden,  der  c.  s,  6,  i 
sich  in  einer  Administratio  befindet,  gilt,  dass,  wenn  irgendwelche,  die  den 
genannten  Honor  besitzen,  jugendliche  Söhne  oder  Verwandte,  bez.  Per- 
sonen, die  ihnen  als  zur  Teilnahme  an   der  Verwaltung  beigegeben  zu  sein 


1)  T  sagt  lediglich,  dass  bei  Zurückbehaltung  der  empfangenen  Pignora  eine  Haftung 
auf  das  Vierfache  stattfindet. 

2)  T  fügt  hinzu:  ex  veteri  constitutione.  3)  Der  Kurator. 
4)  Dass  gegea  Mutter,  Tutor,  Kurator  und  Parens  eine  Actio  ex  bono  et  aequo  integra 

vorbehalten  wird. 


b)  C.  3,  6,  1.  Si  quis  in  potestato  pu- 
blica positus  atque  honore  administrandarum 
provinciarum,  qui  parentibus  aut  tutoribus 
aut  curatoribus  aut  ipsis,  quae  matrimonium 
contracturae  sunt,  potest  esse  terribilis,  spon- 
salia dederit,  iubemus,  ut  deinceps,  sive  pa- 
rentes  sive  eaedem  mutaverint  voluntatem, 
non  modo  iuris  laqueis  liberentur  poenaeque 
expertes  sint,  quae  quadruplum  statuit,  sed 
extrinsecus  data  pignora  lucrativa  habeant, 
si  ea  non  putent  esse  reddenda.  Quod  ita 
late  patere  volumus,  ut  non  solum  circa 
administrantes,  sed  et  circa  administrantium 
filios,  nepotes,  propinquos,  participes  domesti- 


Judex  provinciae  cuiuslibet  vel  quicun- 
que  in  administratione  constitutus,  si  habe- 
ant aliqui  adultos  secum  filios  in  praedicto 
honore  positi  aut  propinquos  vel  qui  ipsis 
in  consortio  administrationis  videntur  ad- 
iuncti,  si  per  potestatem  aut  comminando 
parentibus  aut  terrendo  forte  tutores  sive 
curatores  vel  ipsas  quoque  puellas  sponsali- 
orum  nomine  aut  arrarum  ad  obligandam 
cuiuslibet  domum  aliqua  dederint,  si  contra 
hanc  voluntatem  aut  parentes  aut  ipsae  pu- 
ellae  resultare  voluerint,  habeant  liberam 
facultatem  renuere,  quod  ita  susccpisse  vi- 
dentur.    Nee  poenam  sibi  noverint  quadrapli 


3:jo 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


Pap. 


C. 3,13,3,1 


erachtet  werden,  bei  sich  haben  und  durch  Gewalt  oder  Bedrohung  der  Eltern 
oder  durch  Inschreckensetzung  der  Tutoren  oder  Kuratoren,  bez.  auch  der 
Mädchen  selbst,  irgend  etwas  als  Sponsalia  oder  Arrhae,  behufs  Ver- 
ptlichtung  des  Hauses  einer  behebigen  Person,  gegeben  haben  werden, 
entweder  die  Eltern  oder  die  Mädchen  selbst,  die  dieser  Absicht  sich 
werden  haben  widersetzen  w^ollen,  die  freie  Befugnis  haben,  was  sie  in 
dieser  W^eise  übernommen  haben,  zu  verweigern.  Auch  mögen  sie 
wissen,  dass  ihnen  nicht  die  Strafe  des  Vierfachen  abzufordern  ist:  ja  sie 
werden  sogar  dasjenige,  was  sie  unter  dem  Einflüsse  der  Furcht  em- 
l^fangen  zu  haben  erachtet  worden  sind,  wenn  sie  gewollt  haben  werden, 
zu  ihrem  Vorteil  zurückbehalten  und  können  nicht  gezwungen  werden,  wenn 
sie  nicht  aus  freien  Stücken  werden  haben  zurückgeben  wollen.^  Wenn 
nach  Ablauf  der  Administration  entw^eder  der  Eltern  oder  der  Mädchen 
Wille  zu  heiraten  sich  mit  Bezug  auf  diejenigen,  w^elche  die  Sponsalia 
gegeben  haben  werden,  erhalten  haben  wird,^  soll  die  erwählte  Verbindung 
sich  anschliessen. 

3)  Schenkungen  unter  Ehegatten. 

a)  Zwischen  Mann  und  Frau  werden  Verträge  nicht  bloss  durch  mündhche 
Form,  sondern  auch  durch  Willenserklärung  der  Kontrahenten  geschlossen, 
mit  der  Massgabe,  dass  keiner  der  Gatten  reicher  werden  soll. 

aa)  Wenn  der  Ehemann,  während  er  lebt,  eben  das,  w^as  er  von  der 
Frau  zur  Dos  empfangen  hatte,  zurückerstattet  haben  wird,  erzielt  die 
Rückerstatfujig,  Aveil  sie  der  Schenkung  gleicht,  keine  Giltigkeit.^ 


1)  T  sagt,  dass,  wenn  Jemand,  der  sich  in  einer  öifentlichen  Potestas  und  einem 
Honor  adniinistrandarum  provinciarum  befindet  und  Eltern  oder  Tutoren  oder  Kuratoren 
oder  den  Mädchen,  um  deren  Verheiratung  es  sich  handelt,  gefährlich  sein  kann,  Sponsalien 
gegeben  haben  wird,  und  die  Eltern,  bez.  die  Mädchen,  ihren  Entschluss  geändert  haben 
werden,  diese  nicht  bloss  von  der  Strafe  des  Quadruplum  befreit  sind,  sondern  auch  die 
Pignora  für  sich  behalten  können.  Es  gelte  dies  nicht  allein  für  die  Administrantes,  son- 
dern auch  für  deren  Kinder,  Enkel,  Verwandte,  Participes,  Domestici,  quibus  administrator 
operam  dedit. 

2)  Bei  T  ist  bloss  von  den  Sponsae  die  Rede.  3)  Vgl.  §  2,  2  c. 


cosque  censeamus,  quibus  tarnen  administra- 
tor operam  dederit.  Impleri  autem  id  po- 
tea  matrimonium  non  vetamus,  quod  tem- 
pore potestatis  ob  eas  personas,  de  quibus 
locuti  sumus,  arris  fuerat  obligatum,  si  spon- 
arum  consensus  acce  dat. 


3)  a)  Pap.  Inter  virum  et  uxorem  pacta 
on  solum  verbis,  sed  voluntate  contrahen- 
tium  constituuntur,  ut  neuter  coniugum  locu- 
pletior  fiat. 

aa)  C.  3,    13,   3,   1.      Et  si  fortasse   con- 
stante  matrimonio  a  marito  uxori  dos  refusa 


exigendam,  sed  etiam  ea,  quae  sub  terrore 
visae  sunt  accepisse,  in  lucrum  suum,  si  vo- 
luerint,  retinebunt,  nee  constringi  possunt, 
nisi  forte  ex  suo  arbitrio  reddere  voluerint. 
Nam  si  post  administrationem  aut  parentum 
aut  puellarum  circa  eos,  qui  sponsalia  de- 
derint,  voluntas  nubendi  permanserit,  sequa- 
tur  electa  coniunctio. 


.  .  si  maritus,  dum  adviveret,  hoc  ipsum, 
quod  a  muliere  in   dote  perceperat,   fortasse 


Schenkung.     Arra  sponsalitia  §  3. 


331 


b)  Zwischen    Mann    und  Frau    kann    auch   nicht   durch    eine   Zwischenperson  r.  2, 24,3 
eine  Schenkung  erfolgen. 

c)  Zwischen   Mann   und    Frau    kann    ein    Scheinkauf   im    Hinbhck    auf  eine   P.i,  24, 4 
Schenkung  nicht  geschlossen  werden. 

d)  In  der  Ehe  ist  nur  allein  die  Schenkung  gestattet,    dass   man   sich   gegen-   p.  2, 24, 2 
seitig  Sklaven  behufs  Freilassung,  nicht  behufs  Besitzes,  schenken  kann. 

e)  AVird    zwischen    Mann    und    Frau    während    der    Ehe    Mortis    causa    eine   P-  2, 24, 6 
Schenkung  gemacht  gewesen  sein,  so  gewinnt  sie  durch  den  Tod  des  einen 
Gatten  Bestand;    denn    bei  Schenkungen,    welche  Mortis    causa  geschehen, 

wird  die  folgende  AVortsoleiniität  in  Acht  genonnnen:  ich  will  lieber,  dass 
Du  dieses  Grundstück  oder  dieses  Haus  hast,  als  ich,  und  will  lieber,  dass 
Du  es  hast,  als  meine  Erben. ^ 

Wird  während  der  Ehe  der  Mann  der  Frau,    bez.   die  Frau  dem   p.  2, 24, 5 
Manne,  irgend  etwas  geschenkt  haben,  so  wird,  falls  derjenige,  welchem 
geschenkt  worden  ist,   zuerst  gestorben    gewesen  sein  wird,    dasjenige, 
was  geschenkt  gewesen  war,  bei  dem  Schenker  verbleiben. 


1)  Zu  welcher  Zeit  auch  immer  im  Hinblick  auf  den  Tod  eine  Schenkung  unter  Ehe- 
gatten gemacht  worden  ist,  durch  den  darauf  folgenden  Tod  wird  sie  giltig. 


est,  quod  legibus  stare  non  potest,  quia  dona- 
tionis  instar  perspicitur  obtinere,  eadem  uxore 
defuncta  marito  ab  eius  heredibus  cum  fruc- 
tibus ex  die  refusae  dotis  rcstituatur  .  . 

b)  P.  2,  24,  3.  Inter  virum  et  uxorem 
nee  per  interpositam  personam  donatio  fieri 
potest. 

c)  P.  2,  24,  4.  Inter  virum  et  uxorem 
contemplatione  donationis  imaginaria  vendi- 
tio  contrahi  non  potest. 

d)  P.  2,  24,  2.  Manumissionis  gratia  inter 
virum  et  uxorem  donatio  favore  libertatis 
recepta  est,  vel  certe  quod  nemo  ex  hac  fiat 
locupletior.  Ideoque  servum  manumittendi 
causa  invicem  sibi  donare  non  prohiben- 
tur. 

e)  P.  2,  24,  6.  Quocuncjue  tempore  con- 
templatione mortis  inter  virum  et  uxorem 
donatio    facta  est,   morte  secuta  convalescit. 


refuderit,  quia  similitudo  donationis  est  refu- 
sio,  nullam  obtinet  firmitatem  .  . 


P.  2,  24,  5.  Superstite  eo,  qui  matri- 
monii  tempore  donaverat,  ante  decedente, 
cui  fuerat  donatum,  id  quod  donatum  est 
penes  donatorem  remanet. 


In  coniugio  haec  sola  donatio  (hac  lege) 
permittitur,  ut  mancipia  sibi  invicem,  quae 
manumittant,  non  quae  habeant,  donare  pos- 
sint. 


Si  inter  maritum  et  uxorem  matrimonii 
tempore  mortis  causa  fuerit  facta  donatio, 
morte  unius  convalescit.  Nam  in  donationi- 
bus,  quae  mortis  causa  fiunt,  haec  verborum 
solennitas  custoditur:  lUum  agrum  aut  illam 
domum  te  malo  habere  quam  rae:  te  quam 
heredes  meos. 

Si  manente  coniugio  vir  uxori  vel  uxor 
marito  aliquid  donaverit,  si  is,  cui  donatum 
est,  prior  mortuus  fuerit,  apud  donatorem 
ea,  quae  donata  fuorant,  remanebunt. 


Zweites  Kapitel. 
Vermögensrecht  der  Personae  allen  o  iuri  subiectae. 

I.  Peculium  castrense  und  quasicastrense  §  4. 

G.  2, 1, 7  a)  Erworben  wird  uns  nicht  allein  durch  uns  selbst,  sondern  auch  durch  die- 
jenigen, die  sich  in  unserer  Gewalt  befiiideri,  wie  die  Haussöhne,  abgerechnet 
diejenigen  Söhne,  denen  nach  den  Gesetzen  ein  Castrense  peculium  zu  haben 

P.  3, 4, 3  gestattet  worden  ist.     Castrense  peculium   ist,  was   in  dem  Lager  erworben 

wird,  bez.  dem  sich  in  den  Kriegsdienst  Begebenden  gegeben  wird. 

c.  2, 10, 3  b)  Ein  Haussohn,  der  Advokat  ist,  möge  wissen,  dass,  was  er  auch  immer  bei 
Lebzeiten  des  Vaters  aus  der  Übernahme  von  Rechtssachen  erworben  haben 
wird,  er  für  sich  beanspruchen  soll,  wie  ein  Castrense  peculium,  das  Haus- 
söhne, die  sich  unter  den  Waffen  befinden,  bez.  diejenigen,  welche  bei 
Lebzeiten   der  Väter   die  ludiciaria  potestas   erzielt  haben   werden,   erweis- 

c.  1, 11, 1  lieh    erwerben.^     Wenn  Jemand    bei    Lebzeiten    des  Vaters  dem  Consilium 


1)  Nicht  nur  im  Forum  des  Adressaten,  Präfectus  Praetorio,  sondern  bei  allen  Gerichten 


§4)  a) 


P.  3,  4,  3.  .  .  Castrense  (enim)  peculium 
est,  quod  in  castris  acquiritur  vel  quod  pro- 
ficiscenti  ad  militiam  datur. 

b)  C.  2,  10,  3.  Altero  beneficio  non  so- 
lum  per  forum  tuae  magnitudinis,  sed  in  uni- 
versis  iudiciis  valituro,  ut  üliifamilias,  quic- 
quid  ex  huiuscemodi  professione  vel  ipsius 
occasione  oonquisierint,  id  post  patris  obitum 
praecipuum,  veluti  peculium  castrense,  pro- 
prio dominio  valeant  vindicare:  sub  tali  forma, 
quam  militantibus,  ex  iure  procinctis,  cinguli 
praerogativa  detulit. 

C.    1,    11,    1.     Velut    castrense    peculium 


G.  2,  1,  7.  Acquiritur  (autem)  nobis  non 
solum  per  nosmet  ipsos,  sed  et  per  eos,  qui 
in  potestate  nostra  sunt,  sicut  filii .  .  :  praeter 
eos  filios,  quibus  per  leges  ut  castrense  pe- 
culium habere  permissum   est. 


Quicquid  vivo  patre  filius  advocatus  de 
causarum  susceptione  acquisierit,  sibi  noverit 
vindicandum,  sicut  castrense  peculium,  quod 
in  armis  constituti  filii  probantur  acquirere 
vel  illi,  qui  iudiciariam  vivis  parentibus  me- 
ruerint  potestatem. 


Si    quis    vivo    patre    cuiuscunque    iudicis 


Peciilium  castrense  und  quasicastrense  §  4. 


333 


eines  beliebigen  Judex  angehört  haben  wird,  nimmt  er,  was  er  auch  immer 
aus  gerechten  und  guten  Anlässen  erworben  haben  wird,^  für  sich  derart 
in  Anspruch,  ^wie  jener  Sohn,  der  irgend  etwas  bei  Lebzeiten  des  Vaters, 
während    er    sich     unter     den    Waffen    befand,    empfangen    haben     wird.^ 

c)  Ein  Haussohn,    der  Militärdienste    geleistet    hat,    kann    über  das  Castrense   p.3,  4, 3 
peculium  sowohl  nach  gemeinem  als  auch  nach  besonderem  Rechte  ein  Testa- 
ment machen. 

d)  AVeini  emanzipierte  Kinder  in  dem  Testament  des  Vaters  übergangen  p.  5, 10, 4 
gewesen  sein  werden  und  sich  ^mit  den  übrigen  Brüdern ^  in  die  väterhche 
Erbschaft  werden  haben  mischen  wollen,  werden  sie  angehalten,  *  wegen 
Einwerfens  der  Sachen,  die  sie  zur  Zeit  der  Emanzipation  von  dem  Vater 
empfangen  haben  werden,  Bürgen  zu  stellen,  welche  durch  ihre  Bürg- 
schaft Axrsprechen  sollen,  dass  jene  Alles  zur  Teilung  einwerfen  werden.* 
Werden  sie  Bürgen  dieser  Art  nicht  gegeben  haben,  so  werden  sie  an- 
getrieben, unverzüglich  unter  Vermittlung  der  Fides ^  das  Einschiessen  aller 
Sachen,  die  sie  empfangen  haben,  zu  bewirken:  ^ abgerechnet  jedoch  die 
Sachen,  die  sie  nachweislich  aus  dem  Castrense  peculium  haben. 


sollen  Haussöhne  Alles,  was  sie  Ex  huiusmodi  professione,  bez.  anlässlich  derselben,  erworben 
haben  werden,  nach  dem  Tode  des  Vaters,  wie  ein  Peculium  castrense,  für  sich  zu  eigen 
beanspruchen  dürfen:  sub  tali  forma,  quam  militantibus,  ex  iure  procinctis,  cinguli  praero- 
gativa  detulit. 

1)  T  spricht  von  Assessoren,  qui  consiliis  propriis  administratores  iuvare  consueverunt 

2)  Wie  ein  Castrense  peculium. 

3)  T  fügt  hinzu :  qui  in  potestate  remanserint. 

4)  Bevor  sie  die  Bonorum  possessio   erbitten,    wegen   der  Kollation  Cum  satisdatione 
zu  kavieren. 

5)  Ex  tide  bonorum. 

6)  Excepto  peculio  castrensi. 


filiifamilias  assessores  post  patris  obitum  vin- 
dicent,  qui  consiliis  propriis  administratores 
iuvare  consueverunt,  si  quid  licitis  honestis- 
que  lucris  coadunare  potuerint, 

c)  P.  3,  4,  3.  Filiusfamilias,  qui  milita- 
vit,  de  castrensi  peculio  tam  communi  quam 
proprio  iure  testamentum  facere  potest  .  . 

d)  P.  5,  10,  4.  Emancipati  liberi  prae- 
teriti,  si  velint  se  miscere  paternae  heredi- 
tati  et  cum  his,  qui  in  potestate  remanserint, 
communis  patris  dividere  hereditatem,  ante- 
quam  bonorum  possessionem  petant,  de  con- 
ferendo  cavero  cum  satisdatione  debebunt. 
Quod  si  satisdare  non  possunt,  statim  ex  fide 
bonorum  oonfusionem,  excepto  peculio  ca- 
strensi, facere  cogendi  sunt. 


consilio  adhaeserit,  quicquid  ex  iustis  et  bo- 
nis  causis  acquisierit,  hoc  sibi  sie  vindicat, 
sicut  et  ille  filius,  qui  aliquid  vivo  patre  in 
armis  constitutus  acceperit. 


Emancipati  filii,  si  patris  testamento  fu- 
erint  praetermissi  et  se  paternae  hereditati 
cum  reliquis  fratribus  miscere  voluerint,  de 
confundendis  rebus,  quas  a  patre  emanci- 
pationis  tempore  perceperint,  fideiussores  dare 
compelluntur,  qui  eos  omnia  divisioni  refu- 
suros  sua  lideiussione  promittant.  Quod  si 
huiusmodi  fideiussores  non  dederint,  statim 
fide  media  confusionem  rerum  omnium,  quas 
acceperunt,  facere  compelluntur:  exceptis 
tarnen  rebus,  quas  de  castrensi  peculio  habere 
probantur. 


334 


Privatrecht.     Viertes  Buch, 


II.  Bona  adventicia 


C.  8,  9,  5 
pr. 

N.  V. 
12,  1,  lU 


C.  8,  9,  2 


a)  Wird  die  Frau  bei  Lebzeiten  des  Gatten  gestorben  sein  und  alle  Kindei- 
in  der  Gewalt  des  Vaters  hinterlassen  haben,  so  soll  der  Vater  von  dem 
mütterlichen  Gut  der  Kinder  den  Niessbrauch  haben. ^  Wird  die  Mutter, 
welche  Kinder  hinterlassen  hat,  bei  Lebzeiten  des  Mannes  ohne  ein  Testa- 
ment gestorben  sein,  so  soll  ihr  Gatte,  das  ist  der  Vater  derselben,  das  von 
der  Frau  hinterlassen  e  Vermögen  in  seiner  Macht  derart  zum  Niessbrauch 
haben,  dass  ein  Jedes  der  Kinder,  wenn  es  zu  seinem  zwanzigsten  Lebens- 
jahre gelangt  sein  wird,  die  Hälfte  seines  Anteils  ohne  Verzug  zuriick- 
empfangen  und  die  Hälfte  sich  der  Vater  für  die  Dauer  seines  Lebens 
zum  Niessbrauch  zurückbehalten  soll.  Wird  er  irgend  Jemandem  nach  Ablauf 
des  zwanzigsten  Jahres  die  Hälfte  seines  Anteils  nicht  haben  geben  wollen, 
so  soll  das  Kind  die  Früchte  dieser  Hälfte,  welche  er  hätte  geben  sollen, 
nach  dem  Tode  des  Vaters  aus  der  väterlichen  Erbschaft  von  seinen  Nach- 
folgern nach  vorgängiger  Schätzung  zurückempfangen,  —  sie,  die  er  dem 
Vater  abzufordern  um  dessen  Gewalt  willen  nicht  vermocht  hat. 

Das  Muttervermögen  der  Kinder  soll  nach  dem  Tode  der  Ehefrau 
der  Vater  in  der  Art  besitzen,    dass   er  den  Niessbrauch  daran  hat."-^ 


1)  J  fügt  hinzu:  usque  ad  illud  tempus,   quod   lex  Novella  constituit  (N.  V.  12,  1,  10). 
T  lässt  den  Niessbrauch  für  die  Dauer  der  Gewalt  bestehen. 

2)  J  fügt   hinzu:    sed    quantum    aut    quam  diu  habeat,   lex  Novella  constituit  (N.  V. 
12,  1,  10).     T  sagt,  dass  von  demjenigen,  was  aus  der  Nachfolge  der  Kinder  in  das  mütter- 


§  5)  a)  C.  8,  9,  5  pr.  Si  uxor  intestata 
defecerit  superstitibus  coramunibus  filiis  in 
patria  potestate  degentibus,  utitur  raaritus 
prisco  beneficio  iuris  ac  legum  circa  usum- 
fructum  retinendum,  quam  diu  filii  in  pote- 
state consistunt  .  . 

N.  V.  12,  1,  10.  Muliere  in  matrimonio 
intestata  deficiente  superstitibus  filiis  dere- 
lictis,  pater  ususfructus  totius  patrimonii 
habeat  potestatem  usque  ad  vicesimum  fili- 
orum  aetatis  annum:  post  medietatem  resti- 
tuat  filio  filiaeve,  sibi  in  diem  vitae  suae  me- 
dietate  detenta.  Si  expleto  filiorum  anno 
medietatem  portionis  suae  unicuique  dare 
noluerit,  soboli,  quae  medietatem  ex  bonis 
maternis  a  patre  non  fuerit  consecuta,  post 
obitum  patris  a  successoribus  aestiraatione 
habita  iubemus  exsolvi,  ut,  quod  in  familia 
quis  constitutus  amisit,  futura  saltem  com- 
penset  aetate. 


C.  8,  9,  2.     Quum   ad  patrem   aliquid  ex 
materna  successione  interposita  cretione  per- 


Uxor  si  superstite  marito  defecerit,  et 
omnes  filios  in  patris  potestate  dimiserit,  pater 
de  maternis  filiorum  bonis  usumfructum  ha- 
beat .  . 


.  .  Mulier  (vero),  quae  filios  dereliquit,  si 
marito  superstite  intestata  defecerit,  maritus 
eius,  hoc  est  pater  eorum,  facultates  ab  uxore 
dimissas  pro  usufructu  in  sua  habeat  potes- 
tate :  ita  ut  quum  unusquisque  filiorum  ad 
vicesimum  aetatis  suae  annum  pervenerint, 
medietatem  portionis  suae  sine  dilatione  re- 
cipiat,  et  medietatem  sibi  pater  in  diem 
vitae  suae  ad  usumfructum  retineat.  Quod 
si  alicui  transacto  vicesimo  anno  medietatem 
portionis  suae  dare  noluerit,  fructus  eius 
medietatis,  quam  daturus  erat,  post  mortem 
patris  filius  de  paterna  hereditate  a  succes- 
soribus eius  habita  aestimatione  recipiat, 
quos  patri  exigere  pro  sua  potestate  non 
valuit. 

Materna  bona  filiorum  defuncta  uxore  pater 
ita  possideat,  ut  usumfructum  de  his  habeat . . 


Bona  adventicia  §  5. 


:i35 


b)  ^ Väter,  denen  geheissen  worden  ist,  das  Vermögen  der  Kinder  zu  verwalten,  es, 9, 1,3 
sollen  die  Geschäfte  derselben  mit  der  grössten  Sorgfalt  und  Rechtschaffenlieit 
zu  führen  sich  beeifern,  ^damit  Nichts  infolge  ihrer  Nachlässigkeit  den 
Kindern  verloren  gehe:  die  Früchte  des  Muttervermögens  sollen  sie  viel- 
mehr ohne  irgendwelche  Nachlässigkeit  ernten,  bez.  verkaufen  lassen,  damit 
von  der  gebührenden  Zeit  ab^  die  Kinder  ihre  Anteile  ohne  irgendwelche 
Beeinträchtigung  geniessen.^    Es  soll  den  Vätern  nicht  erlaubt  sein,  Sachen 


liehe  Vermögen,    Interposita    cretione,    an  die  Väter  gelangt   sei,    diese  nur  das  Dominium 
possessionis  haben. 

1)  J  schickt  dem  Texte  das  Folgende  voraus:  Legis  istius  reliqua  pars  in  aliis  legibus 
continetur:  hoc  tantum  de  reliquis  legibus  plus  habet.  Es  ist  in  diesem  bei  J  unerörtert 
gebliebenen  Teile  des  Gesetzes  in  T  (pr.  1  u.  2)  davon  die  Rede,  dass  Salva  reverentia  et  pietate 
sacris  nominibus  debita  potestas  und  Genussrecht  des  Muttergutes  bei  den  Vätern  verbleibe, 
während  ihnen  die  Befugnis  fehle,  es  Kindern  zu  entziehen,  bez.  zu  veräussern.  Cesset 
itaque  in  maternis  duntaxat  successionibus  commentum  cretionis.  Beim  Tode  des  Vaters 
haben  die  Kinder  das  Muttervermögen  als  Praecipuum,  und  im  Falle  der  Emanzipation  hat 
es  der  Vater  ihnen  Q.uszuantworten,  erhält  jedoch  den  dritten  Teil  als  Dankesgabe,  mit  der 
Massgabe,  dass  die  Schätzung,  si  res  dividi  coeperint,  nach  dem  Arbitrium  von  Boni  viri 
zu  gestalten  ist  und  der  Vater  die  Veräusserungsbefugnis  besitzt  (Placuit,  salva  reverentia 
et  pietate  sacris  nominibus  debita,  ut  potestas  quidem  et  ius  fruendi  rebus  liberorum 
suorum  in  sacris  constitutorum,  in  maternis  duntaxat  facultatibus,  penes  patres  maneat, 
destituendorum  autem  liberorum  eis  licentia  derogetur.  Cesset  itaque  in  maternis  duntaxat 
successionibus  commentum  cretionis,  et  res,  quae  ex  matris  successione  fuerint  ad  filios 
devolutae,  ita  sint  in  parentum  potestate  atque  dominio,  ut  fruendi  pontificium  habeant, 
aliennndi  eis  licentia  derogetur.  Nam  maternum  Patrimonium,  quod  filiis  in  potestate  con- 
stitutis  obvenerit,  quum  patre  mortuo  sui  iuris  fuerint,  praecipuum  habere  eos  et  sine  cuius- 
quam  consortio  placuit.  Quod  si  pater  suum  filium  patremfamilias  videre  desiderans,  eum 
emancipaverit,  repraesentare  ei  maternam  debebit  substantiam,  ita  ut  filius  acccpto  munere 
libertatis,  reique  suae  dominus  effectus,  ne  videatur  ingratus,  tertiam  partem  custoditae 
sibi  rei  muneris  causa  parenti  offerat,  aestimatione,  si  res  dividi  coeperint,  bonorum  vi- 
rorum  arbitrio  permittenda,  quam  tertiam  alienare  quoque  pater,  si  hoc  maluerit,  habebit 
liberam  potestatem). 

2)  T  sagt,  sie  sollen  dem,  v^as  den  Kindern  geschuldet  wird,  nachforschen,  die  Aus- 
gaben aus  den  Früchten  bestreiten,  den  Litern  inferentes  widerstehen  und  derart  Alles  be- 
treiben, tanquam  solidum  perfectumque  dominium  et  personam  gerant  legitimam, 

3)  J  fügt  hinzu:  sicut  lex  Novella  dicit  iN.  V.  12,  1,  10). 


venerit,  et  ad  liberos  maternarum  rerum  suc- 
cessiones  defluxerint,  ita  eas  haberi  placet 
in  parentum  potestate,  ut  dominium  tantum 
possessionis  usurpent  .  . 

b)  C.  8,  9,  1,  3.  Ante  emancipationem 
autem  parentes,  penes  quos  maternarum  re- 
rum utendi  fruendique  potestas  est,  omnem 
debent  tuendae  rei  diligentiam  adhibere  et, 
quod  iure  filiis  debetur,  in  examine  poscere, 
et  sumptus  ex  fructibus  impigre  facere,  et 
litem  inferentibus  resistere,  atque  ita  omnia 
agere,  tanquam  solidum  perfectumque  domi- 
nium et  personam  gerant  legitimam;  ita  ut, 
si  quando  rem   alienare  voluerint,  emtor  vel 


.  .  ut  patres,  qui  filiorum  res  gubernare 
iussi  sunt,  negotia  eorum  summo  studio  et 
integritate  agere  procurent,  ut  nihil  per 
negligentiam  eorum  filiis  pereat,  sed  fruc- 
tus  rerum  maternarum  sine  aliqua  negli- 
gentia redigi  vel  vendi  faciant,  ut  ex 
tempore  competenti,  .  .  portiones  suas  filii 
sine  aliqua  imminutione  percipiant.  Res  fili- 
orum patribus  alienare  non  liceat,  hoc  est 
nee    vendere    nee    donare.     Quod  si  fortasse 


336 


Privatrecht.     Viertes  Buch, 


C.  8,  9,  2 


C.  8,  9,  3 


der  Kinder  zu  veräussern,  das  will  sagen,  entweder  zu  verkaufen  oder  zu  ver- 
schenken. AVerden  sie  das  Unterfangen  gehabt  haben,  so  sollen  der  Käufer 
—  bez.  wenn  Jener  als  Schenker  aufgetreten  sein  wird  —  mit  grosser 
Aufmerksamkeit  und  Sorgfalt  sich  hüten,  dass  sie  nicht  Sachen  von  Kindern, 
die  von  dem  Vater  verkauft  oder  geschenkt  worden  sind,  in  Empfang  nehmen, 
entweder  wissentlich  oder  auch  unwissentlich:  vielmehr  sollen  sie  den  Vater, 
der  V^erkäufer  oder  Schenker  gewiesen  sein  wird  und  das  Vermögen  der 
Kinder  in  seiner  Gewalt  hat,  antreiben,  nachzuweisen,  dass  dasjenige,  was 
er  übergeben  hat,  sein  ist.  Auch  soll  dieser,  um  seinen  Verdacht  abstreifen 
zu  können,  von  dem  verkaufenden  Yater  einen  Bürgen^  empfangen,  welcher 
durch  Verhaftung  seines  Vermögens  den  Käufer  vor  Schaden  schützen 
soll:  ^denn  nach  dem  Tode  des  Vaters  ist  es  den  Kindern  erlaubt,  ihre 
Sachen  von  jedermann,  mögen  sie  auch  von  dem  Vater  sei  es  verkauft,  sei 
es  geschenkt  gewesen  sein,  in  ihr  Eigentum  zurückzurufen.- 

Das  Muttervermögen  der  Kinder  soll  nach  dem  Tode  der  Frau 
der  Vater  in  der  Weise  besitzen,  dass  der  Vater  davon  ^zu  veräussern 
oder  zu  schenken^  keine  Befugnis  besitzt. 

Der  Vater  soll  nach  dem  Tode  der  Frau  das  Vermögen  der 
Kinder  in  der  Weise  besitzen,  dass  daraus  ihm  irgend  etwas  weder 
zu  verkaufen  noch  zu  schenken,  ^noch  in  irgendwelcher  anderen  Weise 
zu  veräussern*  erlaubt  ist. 


1)  Bei  T  ist  von  Fideiussor  und  Sponsor  die  Rede. 

2)  Vgl.  S.  196  Anm.  1. 

3)  Bei  T  ist  bloss  vom  Veräussern  die  Rede. 

4)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


is,  cui  res  donatur,  observet,  ne  quam  par- 
tem  earum  rerum,  quas  alienari  prohibitum 
est,  sciens  accipiat  vel  ignorans.  Docere 
enim  pater  debet,  proprii  iuris  eam  rem  esse, 
quam  dona^t  aut  distrahit;  et  emtori,  si  ve- 
lit,  sponsorem  aut  fideiussorem  licebit  acci- 
pere,  quia  nullam  poterit  praescriptionem 
opponere  filiis  quandoque  rem  suam  vindi- 
cantibus. 


C.  8,  9,  2.  Quum  ad  patrem  aiiquid  ex 
materna  successione  .  .  pervenerit,  .  .  alie- 
nandi  (vero)  licentiam  facultatemque  non 
habeant  .  . 

C.  8,  9,  B.  (Quemadmodum)  maternas 
facultates  venditione  vel  donatione  transscri- 
bere  in  alias  personas  patribus  non  licet  .  . 


praesumserint,  emtor,  vel  qui  donator  acces- 
serit,  grandi  se  sollicitudine  et  cura  custo- 
diant,  ne  filiorum  res  a  patre  venditas  aut 
donatas  accipiant,  aut  scientes  aut  etiam 
nescientes :  sed  compellant  patrem,  qui  ven- 
ditor  vel  donator  fuerit,  et  filiorum  res  in 
sua  retinet  potestate,  ut  probet  suum  esse, 
quod  tradidit.  Etiam  ut  suspicionem  suam 
possit  abstergere,  fideiussorem  a  patre  ven- 
ditore  percipiat,  qui  obligatione  rerum  su- 
arum  damnum  emtori  non  faciat:  quia  de- 
functo  patre  licet  filiis  res  suas  a  quibuscun- 
que  personis,  sive  venditae  sive  donatae  a 
patre  fuerint,  in  suum  dominium  revocare. 

Materna  bona  filiorum  defuncta  uxore 
pater  ita  possideat,  ut  .  .  distrahendi  (tarnen) 
aut  donandi  ex  his  nullam  pater  habeat 
potestatem  .  . 

Pater  uxore  mortua  filiorum  bona  ita 
possideat,  ut  ex  his  ei  nee  vendere  aliquid 
liceat,  nee  donare,  nee  quolibet  alio  ordine 
alienare  .  . 


Bona  adventicia  §  5. 


337 


c)  AVeiin  der  Vater  nach  dem  Tode  der  Mutter  einen  Sohn  emanzipiert  haben  c.  8,  o,  2 
wird,  soll  von  dem  mütterlichen  Vermögen,  das  will  sagen,  aus  dem  Anteil 
eines  emanzipierten  Sohnes,  dieser  Sohn  dem  Vater  als  Geschenk  den 
dritten  Teil  des  Mutterguts  anbieten,  damit  es  in  seinem  Eigentum  verbleibe, 
und  zwar  derart,  dass  ihn  der  Vater,  unter  Teilung  von  selten  von  Boni  viri, 
empfangen  soll.  Wenn  nur  der  blosse  Name  von  Vater  sich  hierzu  wird 
haben  finden  lassen  können,  das  Vermögen  der  Kinder  in  ruchloser  Gier 
zu  übernehmen  oder  anderen  Personen  zu  überlassen:  es  gebührt  sich  in- 
dessen auch,  dass  die  Kinder  sich  bestreben,  dasjenige,  was  sie  den  Eltern 
um  der  Emanzipation  willen  dargebracht  haben  werden,  auf  Grund  von 
Dienstleistung  und  pietätvollen  Betragens  zurückzuempfangen. 

AVenn  nach   dem   Tode   der  Mutter  der  Vater  Söhne,    bez.  einen  ^'^^^'^ 
Sohn,    emanzipiert   haben  wird,   soll  er  von   den  Anteilen    derjenigen, 
die    er   frei    macht,   für   die    gewährte    Freiheit    ein    Dritteil   von   den 
Kindern  erhalten,  um  es  zu  ewigem  Rechte  in  Anspruch  zu  nehmen.^ 

d)  Alles,    was    Grosseltern,    bez.  Urgrosseltern,    von    Mutterseite    den    Enkeln,   c.  8, 9, 3 
Enkelinnen,  Urenkeln,  bez.  Urenkelinnen,  geschenkt  bez.  hinterlassen  haben 


1)  T  spricht    von  Aufrechthaltung    des  Benefizes   der  Constantiniana  lex  (C.  8,  5,  1), 


e)  C.  8,  9,  2.  .  .  ut  quum  aetates  legi- 
timae  liberorum  ad  emancipationem  paren- 
tes  invitaverint,  et  patrestamilias  videre  libe- 
ros  suos  voluerint,  tertiani  partem  mater- 
norum  bonorum  eis  filii  tanquam  muneris 
causa  offerant;  quam  si  suscipiendam  patres 
putaverint,  faciendae  divisionis  arbitrium 
perinitti  oportebit  iustitiae  bonorum  vn-orum, 
per  quos  facta  divisione  tertiam  partem  obla- 
tam  parentes  ita  accipient,  ut  alienandae 
quoque  eins  partis  habeant  facultatem,  si 
modo  ullus  potuerit  inveniri,  cui  placeat 
hanc  amplecti  licentiam,  quum  omni  modo 
filios  conducat  anniti,  ut  pio  sedulitatis  af- 
fectu  mereantur  accipere  eam,  quam  patri- 
bus  dederint,  portionem. 

C.  8,  9,  5  pr,  Si  uxor  intestata  defecerit, 
superstitibus  communibus  filiis  in  patria 
potestate  degentibus,  utitur  maritus  prisco 
beneficio  iuris  ac  legum  .  .  in  praebenda 
filiis  libertate  circa  trientem  sibi  ex  Constan- 
tinianae  legis  beneficio  conqnirendum. 

d)  C.  8,  9,  3.  .  .  ea,  quae  pater  matris  ac 
mater  quaeque  avus  matris  aut  avia  nepoti- 
bus  pronepotibusve  donaverint  sive  ab  inte- 
stato  reliquerint,  patribus  alienare  non  liceat. 
Delatae  vero  ab  extraneis  sive  ex  transversa 
linea  facultates,  praeterquam  ab  bis  necessi- 
tudinibus,    quas   locuti   sumus,  patribus  con- 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


. .  pater  .  .  si  filium  mortua  matre  emanci- 
paverit,  de  bonis  maternis,  id  est  de  emanci- 
pati  filii  portione  ipse  filius  muneris  causa 
de  maternis  bonis  tertiam  ofi'erat  portionem: 
quae  tamen  in  ipsius  proprietate  mansura 
est  ita,  ut  eam  pater  bonis  viris  dividentibus 
consequatur.  Si  tamen  tantum  patris  nomen 
ad  hoc  adduci  potuerit ,  ut  rem  filiorum 
impia  cupiditate  suscipiat,  aut  aliis  derelin- 
quat:  studere  tamen  filios  decet,  ut  id,  quod 
parentibus  causa  emancipationis  obtulerint, 
servitio  et  pietate  recipiant. 


.  .  pater  .  .  Quod  si  post  matris  obitum 
filios  vel  filium  pater  emancipaverit,  de 
eorum  portionibus,  quos  liberos  facit,  trien- 
tem a  filiis  pro  coUata  libertate  percipiat, 
iuri  suo  perpetuo  vindicanduni. 

.  .  (similiter  et)  quaecunque  avi  vel  pro- 
avi  materni  nepotibus  neptibus,  pronepotibus 
proneptibusve  donaverint  vel  fortasse  reli- 
querint, in  alias  personas  transferre  patri 
quolibet  ordine  non  licebit.  Sane  si  quae 
extraneorum  donatione  vel  munere  filiis  in 
familia  positis  facultates  accesserint,  vel  alii 

22 


338 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


C.  8,9,  4 


C.  8,9,  5, 
1  U.  2 


werden/  auf  andere  Personen  zu  übertragen,  wird  dem  Yater  in  irgend- 
welcher Weise  nicht  gestattet  sein.  Wenn  irgendwelches  Vermögen  durch 
Schenkung,  bez.  Gabe,  seitens  fremder  Personen  Kindern,  die  der  Familia 
angehören,  zugekommen  sein  wird,  bez.  andere  Eltern,  als  die  genannten, 
etwas  gewährt  haben  werden,  soll  es  ganz  den  Vätern  erworben  werden, 
sodass  sie  die  Älacht  haben,  damit  zu  thun,  was  sie  gewollt  haben  werden. - 
Alles,  was  den  Enkeln,  l)ez.  Urenkeln,  der  Gross väter  oder  Grossmütter 
mütterlicherseits^  *durcli  Geschenk,  bez.  Testament  oder  Nachfolge,  oder  durch 
irgendwelche  Urkunde*  zugekommen  sein  wird,  ^werden  sie  nach  dem  Tode 
des  Vaters  als  Praecipuum,  das  will  sagen,  als  ihr  Voraus  in  Anspruch 
nehmen:  was  den  bezeichneten  und  genannten  Personen  durch  Liberalität 
der  mütterlichen  Gross^4iter  übertragen  gewesen  sein  wird,  ist  den  Mit- 
erben nicht  in  Gemeinschaft  zu  bringen.^ 
e)  Wenn  bei  Lebzeiten  der  Mutter  der  Vater  ein  Kind,  bez.  Kinder,  eman- 
zipiert haben  wird,  wird  es  nötig  sein,  weil  er  nicht  bei  Lebzeiten  der  Mutter 


1)  T  fügt  hinzu:  ab  intestato.  2)  Vgl.  S,  9  Anm.  1. 

3)  Hiervon  spricht  T  nicht  ausdrücklich, 

4)  Es  ist  bei  T  von  dem  Erwerb  Cuiuslibet  tituli  largitate  die  Rede,  id  est  testamento 
fideicommisso  legato  codicillo  donatione  vel  etiam  intestati  successione. 

5)  T  schickt  voraus,  dass  es  der  Vater  dem  Sohne,  bez.  der  Tochter,  bewahren  solle, 
während  er  es  einem  Andern  nicht  verkaufen,  schenken,  hinterlassen  oder  verpfänden  könne. 

6)  T  fügt  hinzu,    dass   in  Zukunft   hiergegen   auch  Supplikation   zulässig  ist  (Suppli- 
candi  etiam  in    futurum  contra  haec   licentiam  summovemus). 


ferant,  quiequid  filiis  positis  in  eorum  pote- 
state  detulerint. 


C.  8,  9,  4.  Quiequid  avus  avia,  proavus 
proavia,  nepoti  nepti,  pronepoti  pronepti 
cuiuslibet  tituli  largitate  contulerint,  id  est 
testamento,  fideicommisso,  legato,  codicillo, 
donatione  vel  etiam  intestati  successione, 
pater  filio  filiaeve  integra  illibataque  custo- 
diat,  ut  vendere,  donare,  relin  quere  alteri 
aut  obligare  non  possit,  ut,  quemadmodum 
ipse  super  his  licentiam  totius  potestatis 
amittit,  ita  defuncto  eo,  filio  filiaeve  prae- 
cipua  computentur,  nee  ab  Ulis,  qui  ex  patre 
sunt,  consortibus  vindicentur  .  . 

e)  C.  8,  9,  5,  1  u.  2.  Si  vero  viva  matre 
emancipati  sunt  filii,  tunc  demum,  quia  omni 
commodo  destituitur  pater,  nee  retinet  usum- 
fructum,  viriles  ei  inter  filios,  seu  unus  seu 
plures  sunt,  ususfructus  tribuimus  portiones. 
Si  vero  mulier  moriens  alios  ex  filiis  emanci- 
patos  a  patre,  alios  in  patria  potestate 
dimiserit,  in  casu  dispari  utitur  maritus  de- 
functae    beneficio,   quod  casui  utrique  prae- 


parentes,  quam  qui  supra  nominati  sunt, 
contulerint,  id  totum  patribus  acquiratur,  ut 
faciendi  ex  hoc,  quod  voluerint,  habeant 
potestatem. 

Quiequid  ad  nepotes  vel  pronepotes  avo- 
rum  vel  aviarum  maternarum  munere  vel 
testamento  vel  successione  aut  qualibet  scri- 
ptura  devenerit,  id  praecipuum,  hoc  est  pro- 
prium post  patris  obitum  vindicabunt,  neque 
in  coharedum  communione  mittendum  est, 
quod  avorum  expressis  nominatisque  personis 
maternorum  fuerit  largitate  collatum. 


Quod  si  superstite  matre  pater  filium  vel 
filios  emancipaverit,  quia  non  potest  matre 
viva  de  filiorum  portionibus  vindicare  tertiaui 
portionem,  necesse  erit,  ut  post  matris  obitum, 
si  superstes  pater  fuerit,  a  singulis  emanci- 
patis  filiis  virilem,  id  est  de  uno  mediam,  de 
duobus  tertiam,  de  tribus  quartam  percipiat 
portionem  in  usumfructum,  quoud  usque  vixe- 
rit,    possidendam.     Quod    si   aliqui   filii  viva 


Bona  adventicia  §  5. 


339 


von  den  Anteilen  der  Kinder  den  dritten  Teil  in  Anspruch  nehmen  kann, 
dass  der  Vater,  der  die  Mutter  überlebt  haben  wird,  von  den  einzelnen 
emanzipierten  Kindern  einen  Kopfteil,  ^das  ist  von  einem  Kinde  die  Hälfte, 
von  zweien  den  dritten,  von  dreien  den  vierten  TeiU  zu  niessbräuchlichem 
Besitz  ^auf  Lebenszeit''^  erhalten  solle.  AYenn  irgendwelche  Kinder  bei 
Lebzeiten  der  Mutter  von  dem  Vater  emanzipiert  und  irgendwelche  nicht 
emanzipiert  gewesen  sein  werden,  soll  mit  Bezug  auf  emanzipierte  oder 
nicht  emanzipierte  die  oben  beschriebene  Ordnung  von  dem  Vater  in  Acht 
genommen  werden.^ 
f)  Werden  nach  dem  Tode  der  Frau  Kinder  nicht  vorhanden  gewesen  sein 
und  wird  der  väterliche  Grossvater  Enkel  oder  Enkelinnen  von  den  Söhnen 


C.  8,9,  5, 
3—5 


1)  Seu  unus  seu  plures  sunt.  2)  T  gedenkt  dessen  nicht. 

3)  T  führt  noch  näher  aus:  mit  Bezug  auf  die  Kinder  in  der  Gewalt  behalte  der 
Vater  den  Niessbrauch,  bez.  das  Praemium  emancipationis,  mit  Bezug  auf  die  emanzipierten 
Kinder  den  Niessbrauch  an  einer  Virilis  portio. 


scribimus,  id  est  circa  eorum  quidem  por- 
tionem,  quos  adhuc  in  sacris  retinet,  usum- 
fructum  ex  legum  auctoritate  retinebit,  et 
praemium  debitae,  quum  volet,  emancipati- 
onis accipiet:  in  eorum  vero  parte,  quos 
exisse  de  potestate  viva  matre  constiterit, 
usumfructum  virilis  inter  eos  portionis  secun- 
dum  praescripta  percipiet. 

f)  C.  8,  9,  5,  3 — 5.  In  nepotibus  etiam 
vel  neptibus  hoc  observandum  esse  censemu?, 
ut  maritus,  qui  uxore  mortua,  non  exstanti- 
bu8  filiis,  cum  solis  nepotibus  vel  neptibus 
ex  hac  lege  ad  emolumentum  vocandus  est, 
si  unus  vel  ana  pluresve  nepotes  ex  filio 
uno  vel  pluribus,  qui  in  potestate  defecerunt, 
procreati  sunt,  hoc  iure  utatur,  quod  de  filiis 
constitutum  est.  Nam  licet  hoc  novum  prae- 
sens lex  constituat  in  nepotibus,  non  est 
tarnen  ab  re,  ut  in  hoc  casu  deteriores  esse 
nepotibus  filii  non  sinantur.  Habeat  igitur 
avus  veniens  cum  nepotibus  in  potestate  du- 
rantibus  usumfructum  bonorum  omnium,  quae 
ex  defunctae  aviae  successione  delata  sunt. 
Quum  vero  iis  quoque  libertatem  emancipati- 
one  largitur,  similiter  et  ab  ipsis,  sicut  de 
filiis  constitutum  est,  trientem  pro  praemio 
manumissionis  accipiat,  vel,  si  ex  pluribus 
alteros  manumittit,  alteros  retinet,  ex  parte 
manumissorum  trientem,  ex  parte  vero  in 
potestate  manentium  retineat  usumfructum. 
Quod  si  nepotes  sint  neptesve  aut  ex  eman- 
cipato  filio  aut  ex  filia  procreati,  aut  ab  ipso 
in  sacris  avia  vivente  dimissi,  idem  avus  vi- 
rilis cum  ipsis  portionis  habeat  usumfructum. 
Si    vero    ex    nepotibus    neptibusve    tempore. 


matre  a  patre  emancipati  fuerint,  et  aliqui 
fortasse  non  fuerint,  circa  emancipatos  vel 
non  emancipatos  eadem,  quae  superius  com- 
prehensa  est,  a  patre  forma  servetur. 


Quod  si  mortua  uxore  filii  non  fuerint, 
et  nepotes  vel  neptes  ex  filiis  avus  paternus 
habuerit,  qui  omnes  in  avi  potestate  con- 
sistunt,  eadem,  quae  de  filiis,  et  circa  nepotes 
in  Omnibus  forma  servetur.  At  vero  si  ali- 
quos  ex  ipsis  nepotibus  avus  emancipare  vo- 
luerit,  tertiam  similiter,  sicut  et  de  filiorum 
partibus,  accipiat  portionem :  nam  et  de  prone- 
potibus  similiter  observari  lex  ista  constituit. 


22* 


34:0 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


gehabt  haben,  die  sich  sämthch  in  der  Gewalt  des  Grossvaters  belinden,  so 
soll  die  gleiche  Ordnung,  wie  mit  Bezug  auf  die  Kinder,  auch  hinsichtlich 
der  Enkel  in  allen  Stücken  in  Acht  genommen  werden.  Wird  jedoch  der 
Grossvater  irgendwelche  aus  der  Zahl  dieser  Enkel  haben  emanzipieren 
wollen,  so  soll  er  gleichfalls  den  dritten  Teil,  wie  auch  von  den  Anteilen 
von  Kindern,  empfangen :  ^  auch  mit  Bezug  auf  Urenkel  ist  in  gleicher  Weise 
zu  verfahren. 

c.8,9,6, 2  g)  Sterben  Sohn  oder  Tochter  bei  Lebzeiten  des  Vaters  mit  Kindern,  so  wird 
der  Vater  das  Vermögen  der  Enkel,  wie  das  von  Khidern,  zu  niessbräuch- 
lichem  Eechte  behalten.  Wenn  jedoch  diejenigen,  welche  sterben,  männ- 
lichen oder  weiblichen  Geschlechts,  nach  ihrer  Emanzipation  sterben,  sollen 
in  die  Portionen  derselben  ihre  Kinder  auf  das  Ganze,  ohne  irgendwelches 
Anrecht  des  Gross vaters,  folgen. ^ 

c.  8, 10, 1  h)  Wie  dasjenige,  was  ^ Grossvater  oder  Grossmutter  mütterlicherseits^  den 
Enkeln,  Urenkeln,  die  sich  in  der  väterlichen  Gewalt  befinden,  geschenkt 
haben  werden,   dem  Vater  nicht  erworben  wird,   so  wird   auch  Alles,  was 


1)  T  fügt  bei,  dass  bei  Vorhandensein  von  Enkeln  oder  Enkelinnen,  Kindern  von 
einem  emanzipierten  Kinde  oder  den  bei  Lebzeiten  der  Grossmutter  freigelassenen  Enkeln, 
der  Grossvater  gleichfalls  den  Niessbrauch  an  einer  Virilis  portio  empfange:  falls  jedoch 
von  den  Enkeln,  bez.  Enkelinnen,  zur  Zeit  des  Erbfalles  die  einen  in  der  Gewalt  des  Gross- 
vaters sich  befinden,  die  andern  Sui  iuris  seien,  gelte,  je  nachdem,  das  Recht  des  Praemium 
emancipationis  und  des  Niessbrauchs  an  einer  Pars  virilis. 

2)  Befinden  sich  jedoch  Enkel  tempore  mortis  maternae  ausser  der  Gewalt  des  Gross- 
vaters, so  sollen  sie  unverzüglich  in  den  Nachlass  von  Vater  und  Mutter    gerufen    werden. 

3)  Avus  avia  proavus  proavia,  alio  modo  a  linea  materna  venientes. 


quo  in  aviae  successionem  vocantur,  alii  in 
avi  sunt  potestate,  id  est  mariti  defunctae, 
alii  sui  iuris  sint,  circa  personam  quidem 
eorum,  qui  in  potestate  consistunt,  et  in  usu- 
fructu  consequendo  et  in  triente  ex  emanci- 
pationis praemio  conquirendo  ratio  supra 
dicta  servetur:  in  his  vero,  qui  sui  iuris  sunt, 
facultas  capiendi  ususfructus  virilis  inter  eos 
portionis  habeatur.  Eadem  autem  et  de 
pronepotibus  sexus  utriusque  sancimus,  ma- 
nente  definitione,  quae  de  singulis  sancita 
est,  si  filii  sint  pariter  ac  nepotes. 

g)  C.  8,  9,  6,  2.  Quod  si  filius  filiave 
exstantibus  liberis  adhuc  positi  in  potestate 
defecerint,  portionis  eorum  totius  solum 
usumfructum  morientis  retentet,  nepotibus, 
id  est  defuncti  filiis  proprietate  servata.  Si 
vero  nepotes  tempore  mortis  maternae  extra 
avi  sint  potestatem,  ipsi  illico  in  patris  sui 
matrisve  successionem  vocentur. 

h)  C.  8,  10,  1.  Quum  venerandae  leges 
vetuerint  patribus  iure  potestatis  conquiri, 
quicquid  eorum  filiis  avus  avia,  proavus  pro- 
avia,   alio   modo  a  linea    materna  venientes 


Quod  si  filius  vel  filia  vivo  patre  haben - 
tes  filios  moriantur,  pater  res  nepotum,  sicut 
filiorum  iure  usufructuario  retinebit.  Si  vero 
hi,  qui  moriuntur,  emancipatus  vel  emanci- 
pata  moriantur,  in  portionibus  eorum  in  inte- 
grum filii  sui  sine  ulla  avi  potestate  succe- 
dant. 

Sicut  id,  quod  avus  vel  avia  materna  ne- 
potibus, pronepotibus  positis  in  patris  potes- 
tate donaverint,  patri  non  acquiritur,  ita  et 
quicquid   maritus   uxori    vel   uxor   marito  in 


Bona  adventicia 


341 


der  Ehemann  der  Gattin,  bez.  die  Gattin  dem  Ehemanne,  geschenkt  oder 
testamentarisch  hintedassen  haben  wird,  während  sich  die  Bedachten  in  der 
Gewalt  des  Yaters  befinden,  durchaus  nicht  in  das  Eigentum  des  Vaters 
fallen:  die  Kinder  werden  es  vielmehr  vollständig  für  sich  in  Anspruch  nehmen.^ 

aa)  Was  in  früheren  Vorschriften  sich  findet,  dass  weder  von  der  Tochter, 
die  sich  in  der  Gewalt  befindet,  die  Donatio  ante  nuptias,  noch  von 
dem  Sohne  die  Dos  dem  Vater  erAvorben  werde,  bekräftigen  wir  durch 
die  Hinzufügung,  dass,  sobald  sie  noch  in  der  Gewalt  des  Vaters 
gestorben  sind,  wenn  sie  bei  Vorhandensein  von  Kindern  sterben, 
dieses  Vermögen  kraft  des  Rechts  der  Erbschaft  auf  ihre  Kinder, 
nicht  Iure  peculii  auf  den  Vater  übertragen  wird,  welche  Erbschaft 
auch  nicht  dem  Grossvater  durch  die  Enkel  zu  erwerben  ist.^ 


N.Th. 

7,1,8 


1)  Vgl.  S.  817  Anm.  1. 

2)  J  giebt  diesen  Satz  nicht;  die  Schlussnotiz  in  diesem  Gesetze  (Reliquum  vero 
huius  legis  in  aliis  legibus  habetur  expositum)  könnte  sich  indessen  füglich  gerade 
darauf  beziehen. 


quocunque  titulo  jsontulissent:  hoc  quoque 
convenit  observari,  ut,  quicquid  vel  uxor  ma- 
rito  non  emancipato  vel  maritus  uxori  in 
potestate  positae  quocunque  titulo  vel  iure 
contulerit  sive  transmiserit,  hoc  patri  nuUa- 
tenus  acquiratur,  atque  ideo  in  eins  tantum, 
cui  delatum  est,  iure  durabit. 

aa)  N.  Th.  7, 1,  8.  Quod  (autem)  scitis  pri- 
oribus  continetur,  nee  a  filia,  quae  in  potes- 
tate est,  donationem  ante  nuptias  patri,  nee 
a  filio  dotem  acquiri,  eo  addito  confirmamus, 
ut,  defunctis  his  adhuc  in  potestate  patris, 
si  liberis  exstantibus  moriantur,  ad  liberos 
eorum  eadem  res  iure  hereditatis,  non  ad 
patrem  iure  peculii  transmittatur,  nee  per 
nepotes  avo  videlicet  acquirendae  .  . 


patris  potestate  positis  donaverint  aut  testa- 
mento  dimiserint,  id  ad  patris  dominium  mi- 
nime  pertinebit,  sed  hoc  sibi  filii  ad  inte- 
ofrum  vindicabunt. 


Drittes  Kapitel. 
Einfluss  der  Vormundschaft  auf  das  Vermögen. 


I.  Führung  der  Vormundschaft  §  6. 

1)  Inventarisierung. 

c.  3, 19, 4       a)  Sobald    Jemand   an   die   Tutel  herangetreten   sein    wird/  soll  er  unter  so- 

pr.  .       . 

fortiger  Zuziehung  der  ^Primates  civitatis,  bez.  des  Defensors  mit  seinem 
Officium, 2  das  in  Empfang  genommene  Vermögen  des  Pupillen  unter  Ver- 
anstaltung eines  Vermögensinventars  zusammenschreiben. 

2)  Vermögensverwaltung  (vgl.  §  3,  2  a). 

c.  3, 19, 4       a)  Wird  etwas  in  Geld^  oder  Silber,  bez.  was  mit  der  Zeit  nicht  zu   Grunde 
gehen  kann,  vorhanden  sein,  so  soll  es  derjenige,  welcher  an  die  Tutel  heran- 


1)  Sobald  die  Ordination  der  Tutoren  stattgefunden    haben    wird,    sollen    sie    unver- 
züglich Kognitoren  angehen. 

2)  Primates,  Defensor  und  Officia  publica,  3)  Gold. 


1)  a)  C.  3,  19,  4  pr.  Tutores  eodem  mo- 
mento,  quo  fuerint  ordinati,  mox  adeant  cog- 
nitores,(ut)praesentibus  primatibus,  defensore, 
officiis  etiam  publicis,  inventario  solenniter 
facto  .  . 

2)  a)  C.  3,  19,  4.  .  .  orane  aurum  argen- 
tumque,  et  quicquid  vetustate  temporis  non 
mutatur,  si  in  pupilli  substantia  reperiatur, 
iudicum  ac  senatorum,  officiorum  etiam  publi- 
corum  inustum  signaculis,  in  tutissima,  publi- 
cae  auctoritate  sententiae,  sine  spe  aliqua 
usurarum,  custodia  coUocetur;  non  prius 
qualibet  occasione  mutandum,  quam  adultus, 
legitimam  ingressus  aetatem,  non  tarn  litibus 
vacare  incipiat,  quam  integro  se  mox  gaudeat 
patrimonio  restitutum.  Et  quoniam  etiam 
mediocris  pensanda  fortuna  est,  si  cui  forte 
in  hereditate  mobilia  tantum,  non  etiam  im- 
mobilia    relinquantur,    nee    aliqui   fundorum 


Mox  ad  tutelam  quis  accesserit,  adhibitis 
continuo  primatibus  civitatis  vel  defensore 
cum  officio  suo,  suscepta  pupilli  bona  facto 
rerum  conscribat  inventario  .  . 

(Mox)  ad  tutelam  quis  accesserit,  (adhi- 
bitis continuo)  primatibus  civitatis  vel  de- 
fensore cum  officio  suo  .  .  (et)  si  quid 
erit  in  pecunia  vel  argento,  vel  quae  non 
possunt  vetustate  perire,  (praedictorum)  an- 
nulis  obsignata  reponat,  et  nulla  occasione 
minuatur,  neque  id  pupillo,  dum  in  annis 
minoribus  fuerit,  pro  litibus  aut  aliis  causis 
noverint  committendum,  sed  usque  ad  per- 
fectam  aetatem  omni  integritate  servetur; 
in  reliquis  rebus  proficiente  diligentia.  Nam 
si  minores  eius  sunt  facultates,  ut  non  sit 
Patrimonium  illis,  et  tantummodo  substantia 
in   rebus   mobilibus  invenitur,  sciant  tutores 


Führung  der  Vormundschaft  §  6. 


343 


getreten  sein  wird,  mit  den  Siegeln  der  Primates  civitatis,  bez.  des  Defensors 
mit  seinem  Ofticinm,i  versclilossen  niederlegen^  und  soll  es  bei  keiner  Gelegen- 
heit gemindert  werden.  Auch  mögen  sie  wissen,  dass  es  dem  Pupill,  solange 
er  im  minderjährigen  Alter  gewesen  sein  wird,  nicht  für  Prozesse  oder  für 
sonstige  Sachen  anzuvertrauen  ist,  sondern  bis  zur  Erreichung  des  voll- 
kommenen Alters  in  aller  Unversehrtheit  bewahrt  werden  muss,  während  mit 
Bezug  auf  sonstige  Gegenstände  für  Förderung  zu  sorgen  ist.^  Ist  seine 
Habe  eine  geringere,  sodass  kein  Erbgut  und  lediglich  ein  Besitz  an  beweg- 
lichen Sachen  vorhandeii  ist,  so  mögen  die  Tutoren  wissen,  dass  ihnen  ge- 
stattet worden  ist,  das  beweghche  Gut  verkaufen  und  Grundstücke  erwerben 
zu  dürfen,  um  in  diesem  Stücke  für  die  Minderjährigen  zu  sorgen.  Ist  jedoch 
derartiger  Besitz,  um  ein  Grundstück  zu  erwerben,  nicht  vorhanden,*  so  wird 
ihnen  befohlen,  eine  Sorgfalt  derart  anzuwenden,  ^dass  Geld  erworben  wird  und 
sie  durch  den  Gewiiui  an  Zinsen  oder  durch  irgendwelche  andere  Dinge 
den  Pupillen  einen  Vorteil  zuführen,  oder  es  soll,  wenn  eine  Kleinheit  des 
Besitzes  vorhanden  sein  wird,  daraus  ohne  Antastung  der  Sache  den  Pu- 
pillen Unterhalt  gewährt  werden.  Werden  sie  so  verfahren  haben,  so  wird 
der  Pupill  von  dem  Tutor  einen  Zins  nicht  verlangen  sollen.^ 
b)  Ein  Tutor  wird  auf  Zinsen  nicht  belangt,  wenn  er  das  Mündelgeld  um  P- 2,  u,  6 
deswillen  nicht  angelegt  hat,  weil  er  geeignete  Posten,  in  denen  das  Geld 
angelegt  werden  sollte,  nicht  hatte.  Die  Kontestation  dieserhalb  ist  bei  dem 
Praeses  provinciae  niederzulegen. 


1)  Der  ludices  und  Senatoren,  ingleichen  der  Officia  publica. 

2)  T  fügt   hinzu:    in   tutissima,   publicae  auctoritate  sententiae,    sine  spe  aliqua  usu- 
rarum,  custodia. 

3)  Als  bis  der  Adultus,    nach  Eintritt    in    die   Legitima  aetas,    nicht   sowohl  Litibus 
vacare  beginnen,  als  vielmehr  sich  der  Restitution  des  ganzen  Veruaögens  erfreuen  soll. 

4)  Werden,  wiie  es  oft  geschieht,  passende  Grundstücke  nicht  gefunden  werden  können. 

5)  T  spricht  lediglich  von  Zinsgewinn,  bez.  Incrementum  rei  mobilis. 


reditus  supputentur,  ex  quibus  vel  familia 
pupilli  sustentari  valeat  vel  pupillus,  ex  mo- 
bilibus  aut  praedia  idonea  comparentur,  aut, 
si  forte,  ut  assolet,  idonea  non  potu*  rint  inve- 
niri,  iuxta  antiqui  iuris  formam  usurarum  cre- 
scat  accessio;  ut  et  hie,  unde  fundorum  reditus 
non  sperantur,  ex  incremento  rei  mobilis  mi- 
noris  necessitas  adiuvetur,  et  ibi  sine  peri- 
culo  tutoris  usurae  penitus  non  petantur. 


b)  P.  2,  14,  6.  Tutor  in  usuras  non  con- 
venitur,  si  pecuniam  pupillarem  ideo  non 
collocavit,  quod  idonea  nomina  non  habebat, 
quibus  pecunia  collocaretur.  Cuius  rei  con- 
testatio  apud  praesidem  provinciae  deponenda 
est. 


sibi  esse  permissum,  ut  vendere  praesumant 
mobilia  et  agros  comparare,  ut  minoribus  in 
ea  parte  prospiciant;  si  vero  non  est  eius- 
modi  substantia,  unde  praedium  comparetur, 
hanc  iubentur  habere  diligentiam,  ut  pecunia 
colligatur,  et  compendiis  usurarum  aut  qui- 
buslibet  aliis  rebus  commodum  pupillis  acqui- 
rant;  aut  si  forte  tenuitas  substantiae  erit, 
exinde  salva  re  pupillis  substantia  ministre- 
tur;  et  si  ita  egerint,  a  tutore  pupillus  non 
erit  quaesiturus  usuram. 


344 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


c.  8,  5, 1  c)  Wenn  Minderjährigen  etwas  durch  Schenkung  von  irgend  Jemandem  an- 
geboten oder  übertragen  gewesen  sein  wird,  müssen  Tutoren  oder  Kuratoren 
derselben  sorgen,  dass  Nichts  zur  Giltigkeit  der  Schenkung  fehle. 

3)  Mitvormundschaft  und  Prozessführung  (vgl.  Zweites  Buch  §  27,  1  d). 

c.  2, 4, 1  a)  Wird  Jemand  gegen  diejenigen,  welche  sich  im  minderjährigen  Alter  befinden,^ 
einen  Prozess  angestrengt  haben,  oder  von  ihrer  Seite  irgend  Jemand  ver- 
klagt werden,  so  sind  die  Fristen  von  dem  Augenbhck  zu  rechnen,  ^dass  Tutor 
oder  Kurator  des  Minderjährigen,  entweder  durch  den  Judex  oder  durch 
die  Kurie,  die  Actio  eingebracht  oder  übernommen  haben  wird:^  der- 
art indessen,  dass,  wenn  Personen  dieses  Officium,  das  will  sagen,  Kuratoren 
oder  Tutoren,  die  die  Interessen  der  Minderjährigen  beschützen,  sich  in  ver- 
schiedenen Provinzen  befinden,  ^gerade  diejenigen,  w^elche  sich  in  der  Pro- 
vinz befunden  haben  w^erden,  wo  die  Klage  nachweislich  entstanden  ist,  die 
Aktionen  entweder  anstrengen  oder  übernehmen  sollen,^  weil  wir  nicht 
wollen,  dass  die  Beschützer  der  Minderjährigen  um  der  Notwendigkeit  der 
Vernehmung  willen  in  eine  andere  Provinz  gezogen  werden  sollen.^ 

4)  Mitwirkung. 

p.  4, 12, 3       a)  Pupillen  können  ohne  Auctoritas  des  Tutors  Sklaven  nicht  freilassen. 

p.  5, 13,4        b)  Dem  Alter  desjenigen,  w^elcher  ein  Testament  angreift,  pflegt,  wenn  er  nicht 


1)  Vgl.  S.  171  Anm.  2.  2)  Dass  seitens  Aller,  quos  officii  sollicitudo 

constringit,  Tutoren,  sive  testamento   sive    decreto   dati,   oder  Kuratoren,   bez.  an  dieselben 
sämtlich  Solenni  more  lis  intimata   stattgefunden  haben  wird. 

3)  An  alle  diejenigen,  die  in  der  Provinz  Tutel  oder  Kuratel  verwalten,  die  Insinuation 
zu  geschehen  hat,  bez.  von  diesen  der  Prozess  anzustrengen  ist. 

4)  J  knüpft  hieran  den  Satz:  Hie  de  iure  adiectum  est. 


c) 


3)  a)  C.  2,  4,  1.  Si  quando  minoribus 
vel  adultis  inferenda  lis  erit,  vel  ab  ipsis 
minoribus  vel  adultis  cuidam  quaestio  mo- 
venda  sit,  non  alias  cursus  temporis  inchoetur, 
nisi  ab  universis,  quos  officii  sollicitudo  con- 
stringit, hoc  est  tutoribus,  sive  testamento 
sive  decreto  dati  sunt,  vel  curatoribus,  per 
quos  minores  defenduntur,  vel  iisdem  Omni- 
bus solenni  more  lis  fuerit  intimata.  Quod 
si  divisum  administrationis  periculum  per 
provincias  sit,  his  tantum  omnibus  insinuari 
convenit,  et  ab  ipsis  inferri  litera,  qui  in  ea 
provincia  tutelae  vel  curae  officium  sustinent, 
ne  de  aliis  provinciis  defensores  minorum  ad 
iudicia  producantur, 

4)  a)  P.  4,  12,  3.  .  .  pupilli  sine  tutoris 
auctoritate  manumittere  non  possunt  .  . 

b)  P.  5,  13,  4.     Aetati   eius,   qui   accusat 


C.  8,  5,  1.  .  .  Minoribus  (vero)  siquid  fuerit 
per  donationem  a  quocunque  oblatum  sive 
collatum,  tutores  vel  curatores  eorum  debent 
studere,  ne  quid  firmitati  donationis  desit  .  . 

Si  quis  contra  eos,  qui  in  annis  minoribus 
constituti  sunt,  litem  forte  commoverit,  aut 
si  a  parte  ipsorum  reus  aliquis  arguatur,  ex 
eo  tempora  computanda  sunt,  ex  quo  tutor 
sive  curator  minoris  aut  per  iudicem  aut  per 
curiam  intulerit  seu  exceperit  actionem:  ita 
tarnen,  ut  si  in  diversis  provinciis  istius  of- 
ficii homines  sunt,  id  est,  curatores  vel  tu- 
tores, qui  minorum  causas  tueantur,  qui  in 
eadem  provincia  fuerint,  ubi  intentio  nata 
probatur,  ipsi  aut  ingerant  aut  excipiant 
actiones:  quia  nolumus,  ut  ad  aliam  pro- 
vinciam  defensores  minorum  pro  audientiae 
necessitate  ducantur. 

.  .  nee  pupilli  sine  tutoris  auctoritate 
servos  manumittere  possunt  .  . 


Klaeren  aus  der  Vormundschaft 


345 


durchdringt,  mit  Bezug  auf  das,  was  er  in  dieser  Weise  eingebiisst  hat, 
Hihe  zu  teil  zu  werden,  besonders  wenn  auf  den  Rat  des  Tutors  oder 
Kurators  die  Klage  angestellt  worden  ist. 


IL  Klagen  aus  der  Vormundschaft  §  7. 

1)  Actio  in  duplum. 

a)  Ist  der  Dolus  des  Tutors  oder  Kurators  aufgedeckt  worden,  so  werden  sie   p.  2, 31, 1 
durch  Verurteilung   auf  das  Doppelte   desjenigen  Betrages   angehalten,   mn 
welchen  sie  den  Minderjährigen  werden  haben  schädigen  wollen. 

2)  Actio  tutelae  (vgl.  §  3,  2  a;  Zweites  Buch  §  8,  Ib). 

a)  Wird  infolge  der  Nachlässigkeit  von  Tutoren  oder  Kuratoren  eine  Schenkung   c.  s,  5, 1 
nicht  zur  Vollendung  geführt  gewesen  sein,    so  wird  es  zu  ihrem  Schaden 
ausfallen,   derart  dass,   was  auch  immer  Minderjährige  von    der  Schenkung 
eingebiisst  haben  werden,  Kuratoren,  bez.  Tutoren,  ihnen  aus  dem  eigenen 
Vermögen  zurückerstatten  sollen.^ 

Wenn    mit   Bezug    auf   dasjenige,    was   Minderjährigen    geschenkt  c.3, 19, 2 
werden   kann,    infolge   Nachlässigkeit  oder   Kollusion    des   Tutors   die 
Solennität,   bez.  die  Bedingung,   der  Schenkung  nicht  erfüllt  gewesen 
sein  wird,  wird  er  gezwungen,  dasjenige,  was  dem  Minderjährigen  ver- 
loren gegangen  sein  wird,  aus  eigenen  Mitteln  zu  zahlen.^ 

b)  Wird  es  sich  zugetragen  haben,  dass  Minderjährige  einen  Besitz  emphyteu-   c.  3, 19, 3 


1)  Haben   die   Defensoren   der  Minderjährigen  die   Conditio   donationum  verwahrlost, 
so  sollen  sie  das  Periculum  rei  amissae  tragen. 

2)  T    spricht    nur    von    der    Vernachlässigung    mit    Bezug    auf   die    Bedingung    der 
Schenkung-. 


testamentum,  si  non  obtineat,  succurri  solet 
in  id,  quod  ita  amisit:  niaxime  si  tutoris 
aut  curatoris  consilio  actio  instituta  est. 

1)  a)  P.  2,  31,  1.  Dolo  tutoris  curatorisve 
detecto,  in  duplum  eius  pecuniae  condemna- 
tione  conveniuntur,  qua  minorem  fraudare 
voluerunt. 

2)  a)  C,  8,  5,  1  pr.  ,  .  ut  minorum  defen- 
sores,  si  per  eos  donationum  conditio  neglecta 
est,  rei  amissae  periculum  praestent. 


C.  3,  19,  2,  Minorum  defensores,  si  per 
eos  donationum  conditio  neglecta  est,  rei 
amissae  periculum  praestent. 


b)  C.  3,  19,  3.     Quoniam  per  negligentiam 
seu  proditionem   tutorum  et  curatorum  pos- 


.  .  tutores  vel  curatores  .  .  Quod  si  eorum 
negligentia  donatio  ad  effectum  perducta  non 
fuerit,  ad  eorum  dispendium  pertinebit,  ita 
ut  quicquid  minores  de  donatione  perdiderint, 
curatores  vel  tutores  illis  de  propria  facul- 
tate  restituant. 

Si  in  bis,  quae  minoribus  donari  possunt, 
per  tutoris  negligentiam  sive  colludium  do- 
nationis  solennitas  vel  conditio  impleta  non 
fuerit,  id,  quod  minori  deperierit,  de  proprio 
cogitur  solvere. 

Si  forte  cesserit,  ut  minores  possessionem 
iuris  emphyteutici,  hoc  est,  quod  ex  fisci  bo- 


346 


Privatrecht.     Viertes  Buch. 


tischen  Rechts,  das  ist  dasjenige,  was  ihre  Vorfahren  aus  dem  Vermögen 
des  Fiskus  zu  haben  erzielt  hatten,  gegen  irgendwelche  Prästation  inne- 
gehabt haben  werden,  und  wird  dies  durch  Nachlässigkeit  oder  Untreue 
des  Tutors  entweder  geschmälert  oder  aufgehoben  gewesen  sein,  so  ist  Alles, 
was  verloren  gegangen  sein  wird,  von  dem  Tutor  oder  Kurator  zurückzu  geben. -"^ 

c.  4, 20, 2  c)  AVenn  Tutoren,  bez.  Kuratoren,  der  Minderjährigen  im  Interesse  ihrer 
Geschäfte  mittels  irgendwelcher  Kollusion  gewaltthätig  eines  fremden  Gegen- 
standes "  sich  bemächtigt  haben  werden,  damit  die  Sache  der  Minderjährigen 
verloren  gehe,  gestatten  wir  durchaus  nicht,  den  Minderjährigen  aus 
der  AVillkür  der  Tutoren  oder  Kuratoren  einen  Nachteil  erwachsen  zu 
lassen:  vielmehr  sollen  sie  ihr  Eigentum  ohne  Verzug  zurückempfangen, 
Kuratoren  aber,  bez.  Tutoren,  unter  Verlust  ihres  Vermögens  ewigem  Exil'^ 
überliefert  werden. 

c.  3, 19, 1  (])  Wird  irgend  ein  Tutor  oder  Kurator  infolge  von  Nachlässigkeit  in  seiner 
Verwaltung  als  Schuldner  der  Minderjährigen  erwiesen,  so  möge  er  wissen, 
dass  sein  Vermögen  derart  verhaftet  ist,  dass,  wenn  er  nach  Rechnungs- 
legung seinen  Verpflichtungen  nicht  nachgekommen  sein  wird,  seine  Güter 
den  Minderjährigen  als  Pfand  haften. 

3)  Sonstiges, 
p.  1, 4, 8       a)  Wird    Jemand,    ohne    Tutor    oder  Kurator   zu    sein,    als    sei  er  Tutor  oder 
Kurator,  Geschäfte   eines   Pupillen,  bez.  eines  erwachsenen  Minderjährigen, 


1)  Vgl.  Drittes  Buch  §  10,  1  a. 

2)  Eines  ihnen  geschuldeten  Gegenstandes. 


3)  Ewiger  Deportation. 


sessiones  iuris  emphyteutici,  vitio  intercedente 
commissi,  e  minorum  fortunis  avelluntur,  pla- 
cet,  ut  tutor  curatorve,  cuius  officio  manente 
possessio  minoris  iuris  emphyteutici  praero- 
gativam,  commissi  offensa,  perdiderit,  tantum 
de  facultatibus  propriis,  censura  imminente, 
minoribus  restituat,  quanto  rem  valere  po- 
tuisse  constabit. 

c)  C.  4,  20,  2.  .  .  Si  (autem)  habito  ple- 
rumque  coUudio,  curatores  vel  tutores  mi- 
norum his  rem  debitameaoccasionepervadant, 
ut  pupillis  vel  adultis  iurgandi  copia  et 
fructus  adimatur,  his  eatenus  subvenimus,  at 
eosdem  non  atterat  damno  culpa  temeritatis 
alienae,  sed  illico  quidem  possessio  ei,  a  quo 
est  ablata,  reddatur;  curatores  autem  vel 
tutores  aeterna  deportatione  punitos  bonorum 
quoque  publicatio  persequatur. 

d)  C.  8,  19,  1.  Pro  officio  administrationis 
tutoris  vel  curatoris  bona,  si  debitores  ex- 
sistant,  tanquam  pignoris  titulo  obligata, 
minores  sibimet  vindicare  minime  prohiben- 
tur. 

3)  a)  P.  1,  4,  8.    Qui,  quum  tutor  curatorve 


nis  parentes  eorum  habere  meruerant,  sub 
qualibet  praestatione  tenuerint,  et  hoc  per 
negligentiam  sive  proditionem  tutoris  aut 
imminutum  fuerit  aut  certe  sublatum,  quic- 
quid  perierit,  a  tutore  vel  curatore  esse  red- 
dendum. 


. .  Quod  si  tutores  etiam  vel  curatores  mino- 
rum colludio  aliquo  pro  eorum  negotiis  ali- 
enam  rem  sub  (ea,  qua  diximus)  temeritate 
pervaserint,  ut  minorum  causa  depereat,  nul- 
luni minoribus  praeiudicium  fieri  ex  tutorum 
vel  curatorum  temeritate  permittimus,  sed 
proprietatem  suani  sine  dilatione  recipiant; 
curatores  autem  vel  tutores,  amissis  rebus 
suis,  perpetuo  exsilio  deputentur. 

Quicunque  tutor  sive  curator  negligentia 
administrationis  suae  debitor  minoribus  com- 
probatur,  noverit  facultates  suas  ita  obligatas, 
ut,  si  non  satisfecerit,  ratione  deducta,  bona 
sua  a  minoribus  loco  pignoris  teneantur. 


Klagen  aus  der  Vormundschaft  §  7. 


347 


geführt  haben,  so  wird  er  mit  der  Actio  negotiorum  gestorum  Pro  tutore 
curatoreve  haften. 

b)  AVird   der  Tutor  nach  Vollendung  der  Tutel,  das  will  sagen,  nachdem  die   ^-  ^'  *>  ^ 
Pupillenjahre  erfüllt  sind,  in  der  Verwaltung  derselben  haben  beharren  wollen, 

so  muss  er  genötigt  werden,  wegen  der  geführten  Geschäfte  dem  Pupill,  bez. 
seinem  Kurator,  Rechenschaft  nicht  aus  Tutel,  sondern  aus  unbeauftragter 
Geschäftsführung  zu  geben. ^ 

c)  Lediglich    mit  Bezug    auf   diejenige    Bürgschaft    haftet  die  Frau,    dass    sie,   P-  2,  u,  2 
falls  sie  ihren  Kindern  Tutoren  ausbittet  und  für  sie  als  Bürge  auftritt,  den 
Kindern  verhaftet  ist.- 


1)  Vgl.  S.  187  Anm.  3. 


2)  Vgl.  S.  315  Anm.  4. 


non  esset,  pro  tutore  curatoreve  res  pupilli 
adultive  administraverit,  actione  negotiorum 
gestorum  pro  tutore  curatoreve  tenebitur. 

b)  P.  1,4,  2.  Tutor  post  finitam  tutelam, 
si  in  administratione  duret,  actione  negoti- 
orum gestorum  pupillo  vel  curatori  eins  tene- 
bitur. 

c)  P.  2,  11,  2.  Mulier,  quae  pro  tutori- 
bus  filiorum  suorum  indemnitatem  promisit, 
ad   beneficium  Senatusconsulti   non  pertinet. 


Tutor,  si  peracta  tutela,  id  est,  impletis 
pupillaribus  annis,  voluerit  in  ipsa  admini- 
stratione persistere,  de  actis  negotiis  pupillo 
vel  curatori  eins  non  tutelae,  sed  negotiorum 
gestorum  cogendus  est  reddere  rationem. 

In  hac  tantum  mulier  fideiussione  tene- 
tur,  ut,  si  tutores  filiis  suis  petat  et  pro  eis 
fideiussor  exsistat,   filiis  teneatur  obnoxia. 


Fünftes  Buch. 

Erbrecht. 


Erstes  Kapitel.     Allgemeine  Lehren. 

I.  Wesen  und  Inhalt  des  Erbrechts,    Universalsuccession  §  i. 

1)  Fälle  der  universalsuccession  (vgl.  Öffentliches  Recht:  Zweites  Buch,  §  19  u. 
§  20,  3  a;    Drittes  Buch  §  11,  5  a,  f  u.  6  a,  b  u.  c). 

G.  2, 2  pr.  a)  Per  IJniversitatem,  das  heisst,  alles  Vermögen  zugleich  erwerben  wir  durch 
Beerbung,  Kauf,  Adoption,  weil  derjenige,  welchen  wir  adoptiert  haben 
werden,  wenn  er  ohne  Vater  ist,  mit  seinem  ganzen  Vermögen  zu  uns 
übergeht. 

c.  3, 16, 1  b)  Wenn  die  Frau  von  dem  Manne  weggeschickt  wird  und  letzterer,  während 
er  versucht  haben  wird,  sie  als  Ehebrecherin  oder  Malefica  oder  Kupplerin 
nicht  ward  haben  überführen  können,  so  wird  die  Frau,  welche  unschuldig  Ver- 
stössen worden  ist,  die  freie  Befugnis  haben,  das  Haus  ihres  Gatten  und 
sein  ganzes  Vermögen  für  sich  in  Anspruch  zu  nehmen.^ 


1)  Vgl.  S.  117  Anm.  8  und  S.  118  Anm.  4. 


1)  a) 


b)  C.  3,  16,  1.  .  .  In  masculis  (etiam),  si 
repudium  njittant,  haec  tria  crimina  inqairi 
conveniet,  si  moecham  vel  medicamentariam 
vel  conciliatricem  repudiare  voluerit.  Nam 
si  ab  liis  criminibus  liberam  eiecerit,  .  .  si 
fecerit,  priori  coniugi  facultas  dabitur,  domum 
eius  invadere  .  . 


G.  2,  2  pr.  Per  universitatem,  hoc  est, 
omnia  simul  bona,  acquirimus  hereditate, 
emtione,  adoptione,  quia  is,  quem  adoptaveri- 
mus,  si  sine  patre  est,  cum  omnibus  bonis 
suis  ad  nos  transit. 

.  .  Quod  si  a  viro  mulier  repellatur,  .  . 
adulteram  aut  maleficam  aut  conciliatri- 
cem eam  probare  ,  . ,  si  docere  non  po- 
tuerit,  .  .  si  forte  tentaverit,  habebit  mulier 
liberam  facultatem,  quae  innocens  eiecta  est, 
domum  mariti  sui  atque  omnem  eius  sub- 
stantiam  sibimet  vindicare  .  . 


Wesen  und  Inhalt  des  Erbrechts.     Universalsuccession  §  1. 


349 


c)  Wenn  Jemand  wegen  Begehung  irgend  eines  Verbrechens  sich  den  Tod  p.  5, 13, 1 
gegeben  haben  wird,  nimmt  der  Fiskus  sein  Vermögen  in  Anspruch.  Wird 
er  jedoch  aus  Überdruss  an  einem  schlechten  Leben  oder  aus  Scham  wegen 
Übermasses  einer  kontrahierten  Schukl  oder  aus  Verzweiflung  über  eine 
Krankheit  sich  den  Tod  gegeben  haben,  iso  wird  sein  Vermögen  den  Sui 
oder  Legitimi  heredes  durchaus  nicht  entzogen.^  ^^Vird  irgend  Jemanden  c.9,32,a 
eine  Verurteilung  und  Proskription  getroffen  haben,  so  soll  das  Frauengut 
von  seinem  Vermögen  getrennt  werden.  Mit  der  Massgabe,  dass  so- 
wohl ^die  Dos,  w^elche  die  Frau  oder  deren  Eltern  angeboten  haben,^  als 
auch  die  Schenkung,  ^die  sie  vor  der  Ehe  für  die  eingegangene  Verbin- 
dung empfangen  hatte ,^  die  Frau  zurückerhält  und  für  sich  als  etwas 
dem  Gute  des  proskribierten  Vermögens  Fremdes  in  Anspruch  nimmt, 
w^eil  die  Frau  durch  das  Verbrechen  des  Mannes  nicht  verpflichtet 
werden  kann.^    Wird  über  Jemanden  für  ein  von  ihm  verübtes  Verbrechen   c.  9, 32, 1 


1)  So  findet  die  ordentliche  Nachfolge  statt. 

2)  T  schickt  voraus,  dass  nur  der  Schuldige  durch  die  Proscriptio  getroffen  werden  solle. 

3)  Die  Dos,  nicht  diejenige,  welche  aliquoties  inaniter  nach  dem  Tenor  der  In- 
strumenta dotalia  verschrieben,  sondern  die  sie  nachweislich  corporaliter  übergeben 
haben  wird. 

4)  Quae  ,  .  ante  nuptias  titulo   donationis  acceperit. 

5)  T  fügt  hinzu,  dass  es  noch  viel  mehr  von  den  Verwandten  und  sonstigen  Ver- 
wandten gelte. 


c)  P.  5,  13,  1.  Eius  bona,  qui  sibi  ob  ali- 
quod  admissum  flagitium  mortem  conscivit, 
fisco  vindicantur.  Quod  si  taedio  vitae  aut 
pudore  aeris  alieni  vel  valetudinis  alicuius 
impatientia  hoc  admisit,  non  inquietabuntur: 
sed  ordinariae  successioni  relinquentur. 

C.  9,  32,  3.  Si  quis  posthac  stilum,  quod 
absit,  proscriptionis  exceperit,  solus  criminis 
sui  solvat  poenas:  neminem  habeat  in  bono- 
rum amissione  consortem.  Sit  a  proscripti 
mariti  sorte  uxor  aliena,  quo  (ut  assoletj 
proscripto,  uxor  proprias,  velut  manu  iniecta, 
mox  vindicet,  aut  certe  quoquo  modo  occu- 
patas  statim  recipiat  facultates.  Dos  etiam, 
non  quae  aliquoties  inaniter  dotalium  instru- 
mentorum  tenore  conscribitur,  sed  quam  se 
corporaliter  tradidisse  docuerit,  praesentetur. 
Ea  etiam,  si  forte  cum  proscripti  bonis  mixta 
sunt,  non  negentur,  quae  ab  innoxio  adhuc 
marito  ante  nuptias  titulo  donationis  acce- 
perit. Sin  vero  frater,  soror,  propinquus,  af- 
finis  et  quicunque  proscripto  qualibet  sorte 
sociantur.  Tam  longe  enim  unusquisque  a 
metu  ac  poena  abesse  debet,  quam  alienus 
a  crimine  est. 

C.   9,   32,    1.      Substantiam   damnatorum 


Si  quis  sibi  pro  aliquo  admisso  crimine 
mortem  intulerit,  facultatem  eius  fiscus  vin- 
dicat.  Nam  si  ingratitudine  malae  vitae  aut 
propter  verecundiam  contracti  enormis  debiti 
vel  impatientia  valetudinis  mortem  sibi  in- 
tulerit, bona  eius  suis  aut  legitimis  heredibus 
nullatenus  auferuntur. 

Quicunque  damnari  proscribique  meruerit, 
ab  eius  facultatibus  bona  uxoria  sequestren- 
tur,  ita  ut  et  dotem,  quam  marito  uxor  aut 
eius  parentes  obtulerunt,  et  donationem, 
quam  ante  nuptias  pro  coniunctione  susce- 
perat,  uxor  retineat,  sibique  vindicet  a  bonis 
proscriptae  facultatis  aliena,  quia  mariti  cri- 
mine uxor  non  potest  obligari. 


Si  quis  pro  crimine  suo  occidi  vel  damnari 


350 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


€.  9,  32,  2 


C.  9,  32, 4 

€.  9,  33,  1 
pr. 


die  Todesstrafe  oder  Verurteilung  verhängt  worden  sein,  so  soll  das  Verbrechen 
mit  dem  Urheber  hinfällig  ^\'erden :  hingegen  wird  sein  Vermögen  ^  den  Kin- 
dern oder  legitimen  Erben^  zukommen,  es  sei  denn  etw^a,  dass  irgend  Jemand 
wegen  Majestäts Verbrechens  verurteilt  worden  ist,  indem  wir  befehlen,  dass 
sogar  die  Kinder  dieser  Personen  dem  Vermögen  des  verurteilten  Vaters  fern 
bleiben.  Wird  irgend  eJemand,  der  verurteilt  worden  ist,  eine  schwangere 
Frau  hinterlassen  haben,  so  soll  die  Frau  unverzüglich  wegen  ihrer  Frucht 
bei  dem  Judex  oder  den  Kurialen  kontestieren,  damit,  wenn  sie  geboren 
haben  wird,  der  Posthumus,  das  ist,  der  nach  dem  Tode  des  Vaters  Ge- 
borene, in  das  Vermögen  des  Verurteilten  folge.^ 
d)  Unser  Gewissen  lässt  sich  in  gewohntem  Mitleid  bewegen  und  giebt  zurück, 
was  es  in  gerechtfertigter  Bewegung  zu  entziehen  geheissen  hat.  Ist  ein 
Vater  in  das  Exil  geschickt  w^orden,  so  wird  er  nach  seiner  Pückkehr  das 
ganze  Vermögen  zurückempfangen.^ 


1)  T  spricht  nur  von  den  Kindern. 

2)  T  begründet  ausführlich  das  Bedürfnis  der  bei  dem  Judex  einzulegenden  Testatio 
de  conceptione  und  fügt  hinzu:  petantur  futurae  partitudinis  testimonia,  adhibitisque  custo- 
dibus  foecunditas  pudica  servetur.  Es  wird  noch  bemerkt,  dass  Excepto  maiestatis  reatu, 
und  nur  sobald  über  die  Echtheit  der  Geburt  kein  Zweifel  bestehe,  dem  Fiskus  präju- 
diziert  werde. 

3)  Vgl.  Zweites  Buch  §  19,  1  d. 


integram  ad  liberos  pervenire,  et  in  qualibet 
causa  positis  parentibus  liberos  heredes  esse 
praecipimus,  excepta  sola  maiestatis  quae- 
stione:  qaam  si  quis  sacrilego  animo  assumit, 
iuste  poenam  ad  suos  etiam  posteros  mittit. 

C.  9,  32,  2.  Ad  beneficium  legis  Valen- 
tinianae  pertineant  posthumi  quoque  puniti 
patris,  ut  bona  faciant  non  caduca.  Et  ne 
quis  partum,  qui  fuerit,  vel  suppositum  arguat, 
vel  non  suppositum  mentiatur,  si  forte  eo 
tempore,  quo  maritum  severitas  rapiet  ad 
poenam  (excepto  tamen  maiestatis  reatu,  si- 
cut  ante  praeceptum  est),  gravid  am  se  uxor 
adverterit,  mittat  adiudicem,  conveniat  ma- 
gistratus,  maneat  deposita  de  conceptione 
testatio,  petantur  futurae  partitudinis  testi- 
monia, adhibitisque  custodibus  foecunditas 
pudica  servetur.  Quippe  illam  fidem  solam 
generis  fisco  nostro  volumus  esse  potiorem, 
de  cuius  minime  nativitate  dubitetur. 

d)  C.  9,  32,  4.  .  .  facultatibus  .  .  ut  (aut) 
proprias  quis  recipiat,  si  .  .  duriores  casus 
et  tristiorem  fortunara  imperatoria  humani- 
tate  molliamus  .  . 

C.  9,  33,  1  pr.  .  .  deportati  filius  reme- 
ante  patre  .  .  (in  patris  sit  filius  potestate), 
cui  (dignitas  ac)  bona  restituta  sunt  .  . 


meruerit,  crimen  cum  auctore  deficiat,  bona 
vero  eins  ad  filios  vel  ad  heredes  legitimus 
pertinebunt:  nisi  forte  maiestatis  crimine 
damnatus  sit  aliquis,  quorum  etiam  filios  de 
bonis  damnati  patris  fieri  iubemus  alienos. 

Si  quicunque  damnatus  praegnantem  re- 
liquerit  uxorem,  statim  mulier  de  conceptu 
suo  iudicem  vel  curiales  contestetur,  ut  quum 
pepererit,  in  bonis  damnati  posthumus,  id 
est  post  mortem  patris  natus  succedat. 


.  .  solita  misericordia  nostra  pietas  com- 
moveri  et  reddere,  quae  merito  commota  ius- 
sit  auferre. 


.  .    in    exsilium  missus  .  .  reversus  pater 
(filios)  .  .  cum  omni  facultate  recipiet  .  . 


Erbfähigkeit  im  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 


351 


e)  Manichäer    sollen    Erbschaften    weder    in    Empfang    nehmen    noch    hinter- 
lassen: sondern  diese  sollen  nnserem  Fiskus  angereiht  werden. 


N.  V. 

2,  1,  3 


2)  Wesen  und  Inhalt  der  Erbschaft. 

a)  Unkörperliclie  Sachen  sind  diejenigen,  welche  nicht  berührt  "werden  köiuien,   g.  2, 1,2 
sondern   in  einem  Rechte  bestehen,    wie   eine  Erbschaft.     Wenn  auch    eine 
Erbschaft  körperliche   Sachen  in    sich  schliesst,   so  ist  doch  das  Recht  der 
Erbschaft  selbst  unkörperlich. 

b)  Erbschaftssachen    gelten,   bevor  irgend  Jemand   als   Erbe  auftritt,    das   will   g  2, 1, 1 
sagen,   solange  zweifelhaft  ist,  ob  der  eingesetzte  oder  der  gesetzliche  Erbe 
folgen  muss,  in  Niemandes  Vermögen  sich  zu  befinden. 


II.  Erbfähigkeit  im  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 

a)  Wer  von  den  Feinden  gefangen  gewesen  sein  wird  und  sich  in  Gefangen-   p.  3, 6, 1 
Schaft  befindet,  kann,  weil  er  Sklave  ist,  kein  Testament  machen. 

b)  Derjenige,  welcher  um   irgend  eines  Verbrechens  willen   auf  Zeit  entweder  p.  3,  e,  2 
auf  eine    Insel  relegiert  oder    dem    BergAverk  überwiesen  wird,  kann,   weil 

er  eine  dauernde  Verurteilung  nicht  erfährt,  sowohl  ein  Testament  machen, 
als  auch,  wenn  ihm  Etwas  aus  dem  Testamente  hinterlassen  gew-esen  sein 
W'ird,  erzielen.^ 

c)  Unter  den  drei   Klassen  von   Freigelassenen   haben   die  Römischen  Bürger    ^- 1.  * 


1)  Vgl.  S.  90  Anm.  2. 


e)  N.  V.  2,  1,  3.  .  .  Manichaeos  .  .  Suc- 
cessiones  nee  capiant,  nee  relinquant,  sed 
fisci  nostri  viribus  aggregentur  ,  . 

2)a) 


b) 


§  2)  a)  P.  3,  6,  1.  Qui  ab  hostibus  captus 
est,  testamentum,  quasi  servus,  facere  non 
potest  .  . 

b)  P.  3,  6,  2,  In  insulam  relegatus  et  in 
opus  publicum  ad  tempus  damnatus,  quia 
retinet  civitatem,  testamentum  facere  potest 
et  ex  testamento  capere. 


c) 


G.  2,  1,  2.  .  .  res  .  .  Incorporales  sunt, 
quae  tangi  non  possunt:  qualia  sunt  ea,  quae 
.  .  in  iure  consistunt,  sicut  est  hereditas  .  . 
El  licet  hereditas  (vel  emtio)  .  .  res  corpo- 
rales  m  se  habeant;  ius  tamen  ipsias  here- 
ditatis  .  .  incorporale  est. 

G.  2,  1,  1.  . .  (Sed  et)  res  hereditariae,  an- 
tequam  aliquis  heres  existat,  id  est,  quando 
dubitatur,  utrum  scriptus  an  legitimus  heres 
succedere  debeat,  in  nullius  bonis  esse  vi- 
dentur. 

Qai  ab  hostibus  captus  fuerit,  in  captivi- 
tate  positus,  quia  servus  est,  non  potest  fa- 
cere testamentum  .  . 

Qui  pro  aliquo  crimine  ad  tempus  aut  in 
insulam  relegatur  aut  in  metallum  deputatur, 
quia  perpetuam  damnationem  non  habet,  et 
testamentum  facere  potest  et  si  quid  ei  ex 
testamento  derelictum  fuerit,  obtinebit, 
G.  1,   4.     (Sed)    inter   (haec)    tria    i,'enera 


352 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.  Y. 

2,1,3 
C.  16,  2,  1 


N.Th.5,1,1 


um  deswillen  einen  besseren  Status^  weil  sie  sowohl  Testamente  machen,  als 
auch  aus  Testament  beliebigen  Personen  folgen  können;  denn  Latini  und 
Dediticii  können  weder  Testamente  errichten,  noch  für  sich  aus  dem  Testa- 
mente Anderer  irgend  etwas,  w^as  hinterlassen  worden  ist,  irgendwie  in 
Anspruch  nehmen. 

d)  Manichäer  sollen  Erbschaften  weder  in  Empfang  nehmen,  noch  hinterlassen: 
sondern  diese  sollen  unserem  Fiskus  angereiht  werden.  Das  Verbrechen 
der  Christen,  die  zu  den  Altären  und  Tempeln  zurückkehren,  strafen  wir 
mit  Versagung  der  Testierbefugnis. 

e)  Wenn  nach  dem  Tode  des  Vaters  für  den  unmündigen  Sohn  diejenigen 
Personen,  die  ihm  nach  seinem  Tode,  nach  Leges  und  lus,  folgen  können, 
nicht  entweder  die  Tutel  über  ihn  zur  Führung  übernommen  oder  einen 
Tutor,  der  sein  Vermögen  oder  den  Minderjährigen  selbst  zu  regieren 
hat,  erbeten  haben  werden,  sollen  sie  von  der  Nachfolge  hinter  ihm  aus- 
geschlossen werden:  Avährend  ohne  Zweifel  die  Nachfolge  denjenigen  zukommt, 
die  durch  Gesetz  zur  Erbittung  der  Tutoren  nicht  für  verpflichtet  erachtet 
und  dem  Verstorbenen  gegenüber,  nach  dem  Grade  der  Blutsverwandt- 
schaft, die  Nächsten  zu  sein  befunden  w^erden.^ 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  28,  4  d.  T  verordnet  das  Gleiche  für  den  Fall,  dass  die 
Muttervormünderin  vor  Rechnungslegung  und  Ernennung  eines  neuen  Vormundes  heiratet 
(§  2 :  Idemque  observari  volumus,  et  si  mater  legitima  liberorum  tutela  suscepta  ad  secun- 
das,  contra  sacramentum  praestitum,  adspiraverit  nuptias,  antequam  ei  tutorem  alium 
feeerit  ordinari  eique,  quod  debetur  ex  ratione  tutelae  gestse,  persolverit). 


d)  N.  V.  2,  1,  3.  .  .  Manichaeos  .  .  Suc- 
cessiones  nee  capiant  nee  relinquant,  sed 
fisci  nostri  viribus  aggregentur. 

C.  16,  2,  1.  Christianorum  ad  aras  et 
templa  migrantium  negata  testandi  licentia 
vindicamus  admissum  .  . 

e)  N.  Th.  5,  1,  1.  Sed  ne,  superflua  vel 
inhumana  resecantes,  impunitatera  delin- 
quentibus  promittere  videamur,  hac  salu- 
berrima  lege  pupillorum  quoque  utilitatibus 
censuimus  providendum.  Sciant  itaque,  qui 
ad  successionem  vocantur  pupilli  mortui,  si 
defuncto  eins  patre  tutorem  ei  secundum 
leges  non  petierint  intra  annum,  omnem  eis, 
sive  ab  intestato,  sive  iure  substitutionis,  suc- 
cessionem eins,  si  impubes  moritur,  dene- 
gandam. 


libertorum  ideo  cives  Romani  meliorem  sta- 
tum  habent,  quia  et  testamenta  facere  et  ex 
testamento  quibuscunque  personis  succedere 
possunt;  nam  Latini  et  dediticii  nee  testa- 
menta condere,  nee  sibi  ex  testamento  ali- 
orum  aliquid  dimissum  possunt  ullatenus 
vindicare. 


.  .  ut  patre  defuncto,  si  filio  impuberi  .  . 
hae  personae,  quae  ei  defuncto  possunt 
legibus  et  iure  succedere,  si  non  aut  agen- 
dam  tutelam  ipsius  susceperint,  aut  pe- 
tierint tutorem,  qui  res  eins  aut  ipsum  mi- 
norem debeat  gubernare,  ab  eins  successione 
habeantur  extranei:  illis  sine  dubio  profutura 
successione,  qui  ad  petendos  tutores  lege  non 
tenentur  adstricti,  et  defuncto  cognationis 
gradu  inveniuntur  propinqui. 


Erbfähigkeit  im  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 


353 


aa)  ^Weiin  der  väterliche  Grossvater  gefehlt  haben  wird,  werden  auch  die  c.  3,  is,  i 
mütterlichen  Grossväter  und  die  Grossmütter,  sowohl  väterlicherseits 
wie  mütterlicherseits,  zur  Erbittung  von  Tutoren  über  die  Kinder 
angehalten,  vorausgesetzt  indessen,  dass  nachweislich  testamentarische 
oder  gesetzliche  fehlen.  Werden  sie  verabsäumt  haben,  den  kleinen 
Enkeln  Tutoren  zu  besorgen,  so  unterliegen  sie  einem  Nachteil  derart, 
dass  sie,  falls  sich  ein  Erbschaftsfall  zugetragen  haben  wird,  von  der 
Nachfolge  hinter  den  Minderjährigen,  für  die  sie  Tutoren  entweder 
nicht  erbeten  haben  werden  oder  nicht  werden  haben  besorgen  wollen, 
ausgeschlossen  werden. 1 

f)  Wird   irgendwelche  Erau    nach   dem   Tode   ihrer   Schwester    deren   Gatten   c.  3,  ig,  4 
genommen    oder    ein    Mann    nach    dem    Tode    der    Frau    sich    mit    deren 
Schwester  in  einer  andern  Ehe  verbunden  haben ,^    ^so  werden  die  Kinder, 
die  hieraus  geboren  gewesen  sein  werden,  von  der  Nachfolge  ausgeschlossen.^ 
^Wenn  irgend  Jemand  mit  der  Tochter,   entweder  der  Schwester  oder  des   c.  s,  12, 3 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  29,  4  c.  2)  Vgl.  S.  104  Anm.  5. 

3)  So  werden  die  Kinder  die  väterliche  Erbschaft  nicht  als  Sui  in  Empfang  nehmen. 


aa)  C.  3,  18,  1.  Avos  quoque  et  avias 
tutoris  necessitas  postulandi  teneat  obligatos, 
si  nepotibus  pupillaris  aetatis  testamentaria 
vel  legitima  tutela  defuerit.  Nam  si  tutor 
forte  petitus  non  fuerit,  secundum  ea,  quae 
priscis  legibus  statuta  sunt,  emolumentum 
successionis  amittant,  ad  quos  poterat  here- 
ditas  pervenire. 


f)  C.  3,  12,  4.  Tanquam  incestum  com- 
miserit,  habeatur,  qui  post  prioris  coniugis 
amissionem  sororem  eins  in  matrimonium 
proprium  crediderit  sortiendam;  pari  ac  simili 
ratione  etiam,  si  qua  post  interitum  mariti 
in  germani  eius  nuptias  crediderit  adspiran- 
dum :  illo  sine  dubio  insecuturo,  quod  ex  hoc 
contubernio  (nee)  filii  .  .  nee  paternam  ut  sui 
suscipient  hereditatem. 

C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  (posthac) 
consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris  filiae 
uxorisve  vel  eius  postremo,  cuius  vetitum  dam- 
natumque  coniugium  est,  sese  nuptiis  funes- 
tarit, .  .  (neque  uxorem  neque  filios  ex  ea  editos 
habere  credatur,)  ut  nihil  prorsus  praedictis, 
ne  per  interpositam  quidem  personam  .  . 
mortuus  derelinquat  .  .  Testamento  suo  ex- 
traneis  nihil  derelinquat,  sed  sive  testato  sive 
intestato  legibus  ei  et  iure  succedant,  si  qui 
forte   ex  iusto   et   legitimo  matrimonio  editi 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Si  avus  paternus  defuerit,  avos  maternos 
etiam  atque  avias,  tarn  paternas  quam  ma- 
ternas  (iubet)  ad  tutores  parvulorum  petendos 
(legis  praeceptione)  constringi,  si  tamen  testa- 
nientarii  vel  legitimi  deesse  probantur.  Quod 
si  nepotibus  parvulis  tutores  providere  de- 
spexerint,  iubet  eos  huiusmodi  dispendio  sub- 
iacere,  ut,  si  forte  cesserit  luctuosa  hereditas, 
de  successione  minorum,  quibus  tutores  aut 
non  petierint  aut  noluerint  providere,  habe- 
antur  extranei. 

Quaecunque  mulier  sororis  suae  maritum 
post  illius  mortem  acceperit,  vel  si  quis  ex 
viris,  mortua  uxore,  sororem  eius  aliis  nuptiis 
sibi  coniunxerit,  .  .  filii,  qui  exinde  fuerint 
procreati,  ex  successione  excluduntur  .  . 


.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris 
filiam  aut  certe  ulterioris  gradus  consobrinam 
aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis 
iunxerit,  .  .  etiam  si  filios  habuerint,  non  habe- 
antur  .  .  heredes  .  .  testandi  facultate  sum- 
mota  (:  sed)  nee  ipsis  feminis,  quas  taliter 
sortiti  sunt,  aliquid  conferant,  .  .  etiamsi 
filios  habuerint,  non  per  suppositam  aut 
per  aliam  personam  aut  per  commenticiam 
donationem  ad  illos  quicquam  ex  eorum 
facultate    perveniat,    sed    ipsis    mortuis    ad 

23 


354 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


C.  9,  6, 1 
pr.  2  u.  3 


Bruders,  oder  mit  einer  Konsobriiie  weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau 
des  Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird,  sollen  Kinder, 
die  diese  gehabt  haben  werden,  nicht  als  Erben  gelten.  Während  ihnen  die 
Fähigkeit  zu  testieren  entzogen  ist,  dürfen  sie  auch  nicht  derart  ausgewählten 
Frauen  irgend  etwas  gewähren.  Wenn  sie  auch  Kinder  gehabt  haben  werden, 
soll  an  dieselben  nichts  aus  ihrem  Vermögen  mittels  einer  vorgeschobenen 
oder  einer  sonstigen  Person  oder  durch  eine  simulierte  Schenkung  gelangen,^ 
vielmehr  iiach  ihrem  Tode  an  ihre  legitimen  Erben,  indem  letztere,  welche 
auch  immer  der  Grad  zulässt,  bis  zu  einer  bestimmten  Stelle  der  Verwandt- 
schaft —  2  von  den  Descendenten  Sohn,  Tochter,  Enkel,  Enkelin,  Urenkel, 
Urenkelin,  von  den  Ascendenten  Vater,  Mutter,  Grossvater,  Grossmutter, 
von  den  Seiten  verwandten  Bruder,  Schwester,  Vatersbruder  und  Vaters- 
schwester^  —  Ab  intestato  folgen.  Lediglich  hinsichtlich  dieser  Personen, 
mit  Bezug  auf  welche  es  durch  das  Gesetz  gestattet  worden  ist,  ist  ihnen 
auch  die  Erlaubnis  zu  testieren  gewährt  worden,  derart  dass  sie  aus  ihrer 
Zahl  solche,  die  sie  ausgewählt  haben  werden,  zu  Erben  einsetzen  dürfen. 
Mit  der  Massgabe  indessen,  dass  Personen,  die  nachweislich  bei  einer  solchen 
Verbindung  ihr  Einverständnis  mit  jenen  gehabt  haben,  von  der  Erbschaft 
ausgeschlossen  werden  und  Andern,  die  im  nächsten  Grade  kommen,  Platz 
machen:  fehlen  Personen  von  Verwandten,  die  das  Gesetz  zur  Erbfolge 
beruft,  dann  soll  der  Fiskus  hi  ihr  Vermögen  eintreten.^ 
g)  Wenn  eine  freigeborene  Frau  mit  dem  eigenen  Sklaven  heimlich  sich  vermischt 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  13,  2  d. 

2)  Sive  testato  sive  intestato  legibus  et  iure  succedant,  si  qui  forte  ex  iusto  et 
legitimo  matrimonio  editi  fuerint.  Hierauf  bringt  T  die  Aufzählung  der  betreffenden  Ver- 
wandten: sie  fehlt  in  J. 

3)  T  schliesst  damit,  dem  Gesetze  rückwirkende  Kraft  zu  geben  (Ad  cuius  legis  nexum 


fuerint,  hoc  est  de  descendentibus  filius,  filia, 
nepos,  neptis,  pronepos,  proneptis,  de  adscen- 
dentibus  pater,  mater,  avus,  avia,  de  latere 
frater,  soror,  patruus,  amita.  Testandi  sane  ita 
demum  habeat  facultatem,  ut  his  tantum 
personis  pro  iuris  ac  legum,  quod  voluerit, 
arbitrio  relinquat,  quas  succedere  imperialis 
praecepti  tenore  mandavimus;  ita  tarnen,  ut 
hereditate  defuncti  penitus  arceatur,  si  quis 
ex  his,  quos  memoravimus,  in  contrahendis 
incestis  nuptiis  participatum  atque  consilium 
iniisse  monstrabitur,  successuro  in  locum  il- 
lius,  qui  post  eum  gradum  proximus  inveni- 
tur.  Id  sane,  quod  de  viris  cavimus,  etiam 
de  feminis,  quae  praedictorum  se  consortiis 
commaculaverint,  custodiatur.  Memoratis 
vero  personis  non  exstantibus,  fisco  locus 
pateat  .  . 

g)  C.  9,  6,  1  pr.  2  u.  3.     Si  qua  cum  servo 
occulte  rem  habere  detegitur  .  .  Filii  (etiam), 


legitimos  heredes,  quoscunque  gradus.admit- 
tit,  usque  ad  certum  originis  locum  ab  in- 
testato ipsi  succedunt.  Testandi  etiam  eis 
in  his  tantum  personis,  quibus  lege  conces- 
sum  est,  permissa  potestas,  ita  ut  ex  his, 
quos  elegerint,  scribant  heredes,  ita  tamen, 
ut,  si  qui  in  tali  consortio  consensum  cum 
his  habuisse  docentur,  hereditate  exclusi, 
aliis  in  proximo  gradu  venientibus  locum  fa- 
ciant:  nam  si  desunt  personae  propinquorum, 
quos  ad  successionem  vocat  lex,  tunc  in 
eorum  facultatibus  fiscus  accedat. 


Si   qua   ingenua   mulier  servo  proprio  se 
occulte  miscuerit,  . .  Hereditas  mulieris,  quae 


Erbfähigkeit  im  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 


355 


haben  Avird/  soll  die  Erbschaft  der  Frau,  die  sich  durch  eiu  solches  Ver- 
brechen befleckt  haben  wird,  ^sei  es  den  Kindern,  wenn  sie  von  dem  Ehe- 
mann gezeugt  worden  sind,  sei  es  den  nach  dem  Gesetz  kommenden  Ver- 
wandten gewährt  werdeii.^-  ^ 

h)  Denjenigen,  welche,  während  sie  wider  ihren  Willen  entführt  werden,  nicht  c.  9, 19, 1,2 
mit  ihren  Stimmen  Avegen  des  Entführers  Geschrei  erhoben  haben  werden, 
sodass  sie,  durch  den  Beistand  der  Nachbarn   oder  Eltern  gestützt,  hätten 
befreit  werden  können,  soll  hinter  ihren  Eltern  die  Erbfolge  verweigert  werden. 

i)  ^Wenn  Jemand,   der  aus   einer  gesetzlichen  Ehe  Söhne  oder  Töchter,  bez.   c.  4,  e,  1 
Enkel  männlichen  Geschlechts  von  den  Söhnen,^  oder  Vater  oder  Mutter  be- 
sitzt, von  irgendwelcher  Frau,  ^das  will  sagen,  einer  freigeborenen  oder  einer 
h'ei gewordenen,^  natürliche  Kinder  bekommen  haben   wird,  möge  er  wissen, 
'dass   den  natürlichen  Kindern   aus   seinem  Vermögen  nicht  mehr  als  eme 


et  conditioneni  pertinere  iubemus,    si   qui   forte   iam   dudum   ante   promulgationem  huiusce 
legis  illicitis  memoratarum  nuptiarum  sceleribus  commaculati  quoquo  modo  latere  potuerunt). 

1)  T  fügt  hinzu,  dass  die  Kinder  aus  dieser  Verbindung  in  der  blossen  Freiheit  ver- 
bleiben sollen,  indem  sie  weder  direkt  noch  durch  eine  Zv^ischenperson  mittels  Willens- 
erklärung irgend  etwas  aus  dem  Vermögen  der  Frau  empfangen  können. 

2)  Ab  intestato  sei  es  den  Kindern,  falls  sie  legitim  sein  werden,  sei  es  den  Proximi 
cognatique,  bez.  demjenigen,  quem  ratio  iuris  admittit  übertragen  werden, 

3)  T  fügt  hinzu,  dass  Alles,  was  der  Liebhaber  und  die  Kinder  der  Verbindung  haben, 
dem  Vermögen  der  Frau  zugeschlagen  wird  und  ihren  Successoren  zufällt  (ita  ut  et  quod 
ille,  qui  quondam  amatus  est,  et  quod  ex  eo  suscepti  filii  quolibet  casu  in  sua  videntur 
habuisse  substantia,  dominio  mulieris  sociatum  a  memoratis  successoribus  vindicetur). 

4)  T  schickt  voraus,  dass  das  Übrige,  was  von  den  natürlichen  Kindern  in  den  Gesetzen 
Konstantins  verordnet  worden  ist,  Bestand  haben  soll, 

5)  bez.  Enkel,  die  an  Sohnesstatt  gelten. 

6)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 

7j  Dass  er  nur  eine  Unze  seines  Vermögens  und  der  Erbschaft  den  natürlichen 
Kindern,  bez.  der  Frau,  zu  schenken  oder  zu  hinterlassen  die  Befugnis  hat. 


quos  ex  hac  coniunctione  habuerit,  .  .  in 
nuda  maneant  libertate,  neque  per  se  neque 
per  interpositam  personam  quolibet  titulo 
voluntatis  accepturi  aliquid  ex  facultatibus 
mulieris.  Successio  autem  mulieris  ab  inte- 
stato vel  filiis,  si  erunt  legitimi,  vel  proximis 
cognatisque  deferatur  vel  ei,  quem  ratio  iuris 
admittit  .  . 

h)  C.  9,  19,  1,  2.  .  .  neque  his  impunitas 
praestanda  sit,  quae  rapiuntur  invitae,  quum 
et  domi  se  usque  ad  coniunctionis  diem  ser- 
vare  potuerint  et,  si  fores  raptoris  frange- 
rentur  audacia,  vicinorum  opem  clamoribus 
quaerere  seque  omnibus  tueri  conatibus.  Sed 
his  poenam  leviorem  imponimus  solamque  eis 
parentum    negari   successionem   praecipimus. 

i)  C,  4,  6,  1,  Placuit,  manentibus  ceteris, 
quae  de  naturalibus  liberis  Constantinianis 
legibus   cauta   sunt,    haec  tan  tum  modo  tem- 


se  tali  crimine  maculaverit,  vel  filiis,  si  sunt 
ex  marito  suscepti,  vel  propinquis  ex  lege 
venientibus  tribuatur. 


.  .  Illae  (vero),  quae  rapiuntur  invitae, 
quae  non  vocibus  suis  de  raptore  clamaverint, 
ut  vicinorum  vel  parentum  solatio  adiutae 
liberari  possent,  parentum  suorum  eis  suc- 
cessio denesretur. 


(Observandum  de  naturalibus  filiis  lex  ista 
constituit,)  ut,  si  quis  habens  ex  legitimo 
matrimonio  filios  vel  filias,  sive  masculos  ne- 

23* 


356 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.Th.  11,1, 

5—8 


Unze  zuzuwenden  ist.'  Werden  die  oben  genannten  Personen  völlig  gefehlt 
haben,  dann  möge  er  wissen,  dass  er,  wer  er  auch  ist,  den  natürlichen 
Kindern,  bez.  der  Frau,  von  der  sie  stammen,  lediglich  drei  Unzen,  nicht 
mehr,  zuwenden  könne.^     Wenn  Jemand  legitime  Söhne'^  nicht  gehabt  und 


1)  Mit  Bezug  auf  ein  weiteres  Gesetz  (C.  4,  6,  2)  begnügt  sich  J  zu  bemerken,  dass  es 
einer  Interpretation  nicht  bedarf,  weil  man  es  lediglich  aus  dem  Grunde  aufgenommen  habe, 
dass  es  das  jüngste  sei  und  das  ältere  (C.  4,  6,  1),  das  von  einem  späteren  Gesetze  ab- 
geschafft gewesen  war,  bekräftige  (Haec  lex  interpretatione  non  indiget,  quia  ad  hoc 
solum  intromissa  est,  quia  posterior  omnibus  est  et  priorem,  quae  a  posteriore  damnata  fuerat, 
confirmavit).  C.  4,  6,  2  T  führt  aus,  dass  natürliche  Kinder  und  ihre  Mütter  nicht  Passim 
und  Sine  legis  distinctione  congrua  zur  Succession,  bez.  zu  sonstigem  Erwerb,  zugelassen  und 
durch  die  Härte  des  neuerlichen  Gesetzes  bedrückt  werden  sollen,  da  es  genüge,  dass 
natürliche  Kinder  und  deren  Mütter  sowohl  beim  Vorhandensein,  als  auch  beim  Fehlen 
ehelicher  Kinder  nur  dasjenige  von  dem  Vater  erzielen,  was  lusta  moderatione  verordnet 
sei:  dagegen  bleibe  das  Sonstige,  was  De  eorum  matribus  libertis  libertinisque  durch  die 
neue  Konstitution  verordnet  worden  sei,  in  Geltung  (Naturales  liberi  eorumque  matres  nee 
parentum  arbitrio  in  successionibus  ceterisque  modis,  quibus  rei  mobilis  vel  immobilis  do- 
minium confirmatur,  passim  et  sine  legis  distinctione  congrua  permittantur,  nee  tamen  legis, 
quae  nuper  lata  est,  asperitate  premantur,  quum  satis  sit,  eos  secundum  priorem  coustitu- 
tionem,  aut  exstantibus  iustis  liberis  aut  etiam  non  exstantibus,  id  tantum  consequi,  si  patris 
deferatur  arbitrio,  quod  per  eam  iusta  moderatione  decretum  est;  ceteris,  quae  de  eorum 
matribus,  libertis  libertinisque,  per  novam  Constitutionen!  decreta  sunt,  in  sua  manentibus 
firmitate), 

2)  T  fügt  hinzu:  nach  Verlust  der  Eltern. 


perare,  ut  is,  qui  heredem  heredesve  filios 
ex  legitimo  matrimonio  vel  nepotes,  qui  fili- 
orum  loco  habendi  sunt,  patrem  quoque  ma- 
tremve  dimittit,  si  ex  consortio  cuiuslibet 
mulieris  naturales  susceperit,  unam  tantum 
bonorum  suorum  et  hereditatis  unciara  natu- 
ralibus  vel  mulieri  donandi  aut  relinquendi 
habeat  facultatem.  Si  quis  vero  nullo  ex 
his,  quos  excipimus,  superstite  morietur,  at- 
que  ex  muliere,  quam  sifbi  adiunxerat,  natu- 
ralem pluresve  dimittet,  usque  ad  tres  tan- 
tum, si  volet,  uncias  tam  in  mulierem  quam 
in  naturales,  quo  maluerit  iure,  transscribat. 

N.  Th.  11,  1,  5—8.  Si  quis  (vero)  paren- 
tibus  amissis  naturalem  duntaxat  foecundi- 
tatem,  non  etiam  legitimam  sortiatur,  seu 
liber  ipse,  seu  curiae  sit  nexibus  obligatus, 
et  tradendi  filios  vel  omnes,  vel  quos  quemve 
maluerit,  eins  civitatis  curiae,  unde  ipse  ori- 
tur,  et  in  solidum  heredes  scribendi  liberam 
ei  concedimus  facultatem.  Parentibus  vero 
superstitibus  si  naturalis  pater  vitae  munus 
impleverit,  quartam  partem  bonorum,  con- 
templatione  gradus  legitimi,  patri  matrive,  avo 
vel  aviae  salvam  intactamque  servamus,  ut, 
si  quis  eorum  vel  praeteritus,  vel  parum, 
quam  ei  debebatur  ex  legibus,  fuerit  conse- 


potes  ex  filiis,  vel  patrem  aut  matrem  ex 
quacunque  muliere,  id  est  ingenua  nata  vel 
facta  susceperit  naturales,  non  amplius  quam 
unciam  unam  de  facultatibus  suis  noverit 
naturalibus  conferendam.  Nam  si  defuerint 
ex  omni  parte  personae  superius  nominatae, 
tunc  naturalibus  filiis  vel  mulieri,  de  qua 
nascuntur,  tres  uncias  tantum,  non  amplius 
noverit,   quisquis   ille  est,   se  posse  conferre. 


Si  quis  .  .  legitimos  filios  non  habuerit, 
et  naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestorum 
testificatione  coniungat,  et  sie,  si  voluerit, 
integras  ad  eos  sive  donatione  sive  testa- 
mento  heredes  scribendo  transferre  poterit 
facultates:  quarta  vero  patri  vel  matri,  avo 
aviae,  quibus  de  inofficioso  testamento  actio 
suppetit,  specialiter  servata.  Hoc  seu  curi- 
alis,  seu  liber  a  curia,  naturalibus  filiis  ita 
conferre  legis  istius  ordinatione  permittitur, 
ita  ut  in  ea  civitate,  in  qua  vel  in  cuius 
territorio  habitat,   naturales  filios  constituat 


Erbfähigkeit  im  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 


357 


natürliche  gehabt  haben  wird  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  wollen, 
wird  er  es  nicht  anders  können,  als  dass  er  sie^  zuvor,  unter  Bezeugung  der 
Gesta,  dem  Corpus  der  Kurie^  verbinde,  indem  er  so,  wenn  er  gewollt 
haben  wird,  ihnen  das  ganze  Vermögen,  ^sei  es  durch  Schenkung,  sei  es 
durch  Erbeinsetzung  im  Testament,^  wird  übertragen  können,  während  die 
Quart  dem  Vater  oder  der  Mutter,  dem  Grossvater,  der  Grossmutter,  denen 
die  Actio  de  inofficioso  testamento  zusteht,  besonders  gewahrt  bleibt.  Dies 
darf  Jemand,  er  sei  Kuriale,  er  sei  von  der  Kurie  frei,  den  natürlichen 
Söhnen  in  gleicher  Weise  übertragen,  mit  der  Massgabe,  ^dass  er  in  der 
Gemeinde,  in  welcher,  bez.  in  deren  Territorium  er  Avohnt,  die  natürlichen 
Söhne  zu  Kurialen  einsetzt.  Wird  er,  wie  es  zu  geschehen  pflegt,  in  zwei 
Provinzen  Besitz  oder  Wohnung  gehabt  haben  und  in  seiner  Gemeinde  sie 
zu  Kurialen  haben  machen  wollen,  so  soll  der  Vater  die  Befugnis  haben, 
welche  Provinz  er  ausgewählt  haben  wird,  daselbst,  wenn  nur  in  der 
Metropolitan  gemeinde,    die    natürlichen    Söhne    zu   Kurialen    einzusetzen.*-  ^ 


1)  Sei  es  alle,  sei  es  diejenigen,  bez.  denjenigen,  welchen  er  gewollt  haben  wird. 

2)  T  fügt  hinzu:  unde  ipse  oritur. 

3)  T  spricht  lediglich  von  Erbeseinsetzung  In  solidum. 

4)  Dass,  wenn  der  Vater  der  natürlichen  Kinder  nicht  Ex  urbe,  sondern  aus  einem 
Vicus  oder  einer  Possessio  stammt,  er  sie  dem  Ordo  derjenigen  Civitas  zuzuschreiben  hat, 
in  welcher  sich  Vicus,  bez.  Possessio,  befindet.  Wenn  er  Alterutra  regnantium  civitas  zur 
Heimat  hat,  ist  es  gestattet,  die  Kinder  dem  Ordo  einer  jeden  Civitas  beizuschreiben,  voraus- 
gesetzt, dass  die  Civitas  das  Prinzipat  der  ganzen  Provinz  inne  hat. 

5)  Zum  Schluss  (§  9)  fügt  T  hinzu,  dass,  sobald  der  Vater,  sei  es  durch  letzte  Willens- 
erklärung, sei  es  durch  Schenkung,  unter  Berücksichtigung  der  Eltern  verfügt,  dasjenige, 
was   er  De   subeunda    sorte   curiali  testamentarisch   oder  Actorum  fide    verordnet,   Bestand 


cutus,  movere  de  inofficioso  testamento  quere- 
lam  pro  iuris  ordine  concedatur.  Quos  ex 
hac  nostra  dispositione  nee  laedi  credimus, 
nee  offendi.  Nee  enim  aliquid  ex  eorum  iure 
decoquitur,  quum  nequeant,  ad  quoscunque 
heredes  sorte  transraissa,  quicquam  amplius 
ex  filiorum  suorum  nepotumve  facultatibus 
praeter  memoratam  defendere  quantitatem. 
Nisi  forte  moleste  ferendum  sit,  natura  sibi 
cohaerentes,  licet  iure  seiuncti  sint,  alienis- 
simis  anteferri  rerumque  esse  participes, 
quos  consortes  sanguinis  confitentur.  Quod 
si  cui  non  ex  urbe,  sed  vico  vel  possessione 
qualibet  oriundo  naturales  liberi  contigerint, 
eosque  velit  sub  definitione  praedicta  et 
curiae  splendore  cohonestare,  et  hereditatis 
opibus  adiuvare,  eins  civitatis  adscribendi 
sunt  ordini,  sub  qua  vicus  ille  vel  possessio 
censeatur.  Quod  si  alterutram  regnantium 
civitatem  patriam  sortiatur,  sit  ei  liberum, 
susceptam  ex  inaequali  coniugio  sobolem  cu- 
iuscunque  civitatis  decurionibus  immiscere, 
dummodo  civitas,    quae  eligitur,   totius   pro- 


curiales.  Quod  si,  ut  assolet,  in  duabus 
provinciis  ei  possessio  vel  habitatio  faerit,  et 
voluerit  in  civitate  sua  eos  facere  curiales, 
(hoc  lex  ista  permittit,)  ut,  in  quaprovincia 
elegerit,  dummodo  in  metropolitana  civitate, 
instituendi  naturales  filios  curiales  pater 
habeat  potestatem. 


358 


Privatrecht,     Fünftes  Buch. 


N.  Th. 
11,2,  11 


N.  Th. 
11,1,4 


Auch  wenn  die  natürliche  Tochter  eines  Kurialeni  mit  einem  Kurialen  ver- 
heiratet gewesen  sein  wird,  ist  es  erlaubt,  ihr  das  eigene  Vermögen  sowohl 
zu  schenken  als  auch  zu  hinterlassen,  mit  der  Massgabe,  dass  er  den  Vater 
oder  die  Mutter,  bez.  diejenigen,  welchen  die  Actio  de  inofficioso  testamento 
zusteht,  unter  keinen  Umständen  übergehen,  sondern  das  ihnen  nach  den  Ge- 
setzen zu  der  Zeit,  sei  es  der  Schenkung,  sei  es  des  Todes,  Geschuldete,  das 
ist,  den  vierten  Teil  vorbehalten  solle. 

Wenn  Jemand  legitime  und  natürliche  Kinder  gehabt  haben  wird, 
darf,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  der  Vater  bei  Vorhandensein  von 
legitimen  Kindern  ein  Zwölftel  der  Erbschaft  den  natürlichen  Kindern, 
bez.  ihren  Müttern,  hinterlassen. 2 


habe,  derart,  dass  auch  bei  Ausschlagung  der  Erbschaft  und  bei  Verzicht  auf  die  Schenkungen 
die  Kinder,  sobald  sie,  sei  es  ganz,  sei  es  teilweise,  als  Besitzer  des  Vaterguts  sich  ergeben, 
mögen  sie  es  auch  veräussert  haben,  auch  w^ider  ihren  Willen  in  die  ihnen  von  dem  Vater 
angewiesene  Stellung  eintreten  (Haec  sive  quum  postrema  definiat,  sive  quum  donationem 
cuiuslibet  quantitatis,  habita  ratione  parentum,  in  liberos  naturales  pater  conferat,  quod  de 
subeunda  sorte  curiali  seu  testamento  seu  actorum  fide  constituat,  ita  ratus  esse  stabiliter- 
que  volumus  observari,  ut,  sive  abstinendo  hereditatibus  sive  abdicando  donationes  naturales 
liberi  curialem  voluerint  evitare  fortunam,  postquam  paternarum  opum  vel  in  solidum  vel 
ex  parte  reperti  fuerint  possessores,  licet  eas  alienaverint,  omni  modo  ad  conditionem,  in  qua 
pater  eos  amplificatis  opibus  esse  voluit,  etiam  inviti  coguntur  accedere  .  .). 

1)  T  spricht  nicht  lediglich  von  einem  Kurialen. 

2)  T  will  die  Auctoritas  der  Veteres  constitutiones  gewahrt  wissen.     J  nimmt  für  den 
Text  auf  das  Theodosianum  corpus  Bezug  (id  lex  ista  constituit,  ut  id  observetur,  quod  est  in 


vinciae  teneat  principatum.  Indignum  est 
enim,  ut,  qui  sacratissimae  urbis  ubere  glori- 
atur,  natales  suos  non  illustris  ordine  civi- 
tatis illuminet. 

N.  Th.  11,  2,  11.  Femineo  vero  sexui  non 
hac  tantum  provisione,  sed  illis  insuper  iuris 
adiectione  consulimus.  Praecipimus  naraque, 
ut  ad  similitudinem  nnturalium  filiorum,  quos 
decurionatus  sorti  paterna  sententia  dedica- 
vit,  filia  quoque  naturalis  in  matrimonium 
curialis  adscita,  si  tarnen  nulla  pa,tri  eins 
suppetat  legitima  soboles,  idque  paternae 
visum  fuerit  voluntati,  et  omnes  res  patrias 
donationis  titulo  oonsequatur,  et  heres  scri- 
batur  exintegro:  ita  tamen,  ut  et  parentum, 
quibus  quarta  pars  patrimonii  relinquenda 
est,  et  locorum,  unde  gener  eligitur  princi- 
palis,  ad  formam  nuper  emissae  constituti- 
onis  ratio  conservetur.  Quid  enim  interest, 
utrum  per  filios,  an  per  generös  civitatum 
commoditatibus  consulatur  et  utrura  novos 
lex  fac  at  curiales,  ac  foveat,  quos  invenit? 

N.  Th.  11,  1,  4.  Hac  (igitur)  perpetuo 
duratura  promulgatione  decernimus,  ut,  si 
cui  et  legitimorum  et  naturalium  liberorum 


. .  Curialis  . .  Filia  quoque  naturalis  si  curiali 
nupta  fuerit,  licet  ei  proprias  et  donare  et 
relinquere  facultates,  ea  conditione,  ut  pa- 
trem  matremve,  vel  quibus  actio  de  inoffici- 
oso testamento  competit,  nullatenus  praeter- 
mittat.  Sed  eis  legibus  debitam  vel  dona- 
tionis vel  mortis  tempore,  hoc  est  quartam 
portionem  reservet. 


Si  quis  habuerit  legitimos  filios  et  natu- 
rales, (id  lex  ista  constituit,  ut  id  observe- 
tur,) .  .  ut  exstantibus  legitimis  filiis  duode- 


Erbfähigkeit  iin  aktiven  und  passiven  Sinne  §  2. 


B59 


Wird  auch  der  Kuriale  legitime  Söhne  nicht  gehabt  und  natürhche^-'^^-^^»^ 
gehabt  haben  und  wird  sie  der  Kurie  haben  verbinden  und  zu  Erben 
einsetzen,    bez.   mittels    Schenkung   ihnen    sein   eigenes  Vermögen   zu- 
wenden w^ollen,  so  soll  er  die  Befugnis  haben,  es  zu  thun. 


Theodosiani  corpore  constitutum),  womit  m,  E.  C.  4,  6,  1  gemeint  ist:   demgemäss  lese  ich 
Duodecimam  statt  Octavam. 


progenies  suppetat,  veterum  illibata  consti- 
tutionum  auctoritate  servata,  iustae  ac  legi- 
timae  sobolis  iura  nuUa  imminutione  de- 
crescant. 


cimam    hereditatis     naturalibus     vel    eorum 
matribus  pater,  si  voluerit,  derelinquat. 


N.  Th.  11,2.  .  .  Curialis  etiamsi  legitimus 
filios  non  habuerit,  et  habuerit  naturales, 
si  voluerit  eos  curiae  iungere,  et  heredes 
scribere,  vel  donatione  in  eos  propriam 
conferre  substantiam,  faciendi  habeat  potes- 
tatem  .  . 


.  Zweites  Kapitel.     Delation  der  Erbschaft. 

I.   Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 

1)  Fähigkeit  zur  Testamentserrichtuiig. 

a)  Es  ist  verordnet,   dass  nicht  allen  gestattet  ist,  ein  Testament  zu  machen. 

b)  Personen,  die  nicht  Sui  iuris,  sondern  einem  fremden  Rechte  unterworfen 
sind,  nämlich  ebensosehr  den  von  uns  geborenen,  wie  den  Adoptiv-Kindern, 
soll  nicht  gestattet  sein,  ein  Testament  zu  machen. 

c)  Unmündige  köonen  nicht  Testamente  machen. 

Personen  männlichen  Greschlechts  können  ein  Testament  machen 
nach  vollendetem  vierzehnten,  weiblichen  Geschlechts  nach  dem  zwölften 
Jahre. 

Der  Herr,  welcher  vierzehn  Jahre  überschritten  hat,  kann  ein  Testa- 
ment machen  und  einen  Erben  einsetzen  und  Legate  hinterlassen. 
G. 2. 2, 3        d)  Diejenigen,   welche    Wahnsinnige,    das    heisst    Geisteskranke   gewesen  sein 
werden,    können   kein    Testament    machen.      Hingegen    können    diejenigen, 
welche  geisteskrank  sind,  während  der  Pausen,  in  welchen  sie  geistesgesund 


G.  2,  2,  1 
G.  2,  2,  1 


G.  2,  2,  2 
P.  3,  4,  1 

G.  1,  7 


1)  a) 
b) 

c) 

P.  3,  4,  1.  Testamentum  facere  possunt 
masculi  post  impletum  quartum  decimum 
annum,  feminae  post  duodecimum. 


d) 


G.  2,  2,  1.  Id  (quoque)  statatum  est,  quod 
non  Omnibus  liceat  facere  testamentum  .  . 

G.  2,  2,  1.  .  .  non  (omnibus)  liceat  facere 
testamentum:  sicut  sunt  hi,  qui  sui  iuris  non 
sunt,  sed  alieno  iuri  subiecti  sunt,  hoc  est, 
filii,  tam  ex  nobis  nati,  quam  adoptivi. 

G.  2,  2,  2.  (Item)  testamenta  facere  non 
possunt  impuberes  .  . 


G.  1,  7.  .  .  (Nam  quamlibet)  dominus,  id 
est  quatuordecim  annos  egressus,  testamentum 
facere  possit  et  heredem  instituere  et  legata 
relinquere  .  . 

G.  2,  2,  3.  (Item  et)  hi,  qui  furiosi,  id 
est,  mente  insani  fuerint,  non  possunt  facere 
testamenta.  Sed  hi,  qui  insani  sunt,  per  in- 
tervalla,  quibus  sani  sunt,  possunt  facere 
testamenta. 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 


361 


sind,    ein    Testament   machen.     Ein    bei   körperlicher   Krankheit    des   Ver-   p.  3,  e,  4 
Standes  Beraubter  kann  zu  dieser  Zeit  ein  Testament  nicht  machen. 

Ein  Wahnsinniger  kann  zu  der  Zeit  intermittierenden  Wahnsinns   p.  3, 4, 5 
ein  Testament  machen. 

e)  Ein    Verschwender,    der   nach    Wiedergewiiniuug    seiner   geistigen    Gesund-   p.  3,6, 5 
heit  sich  von  Neuem  guten  Sitten  zugewendet  hat,  kann  Testamente  machen. 

f)  Ein  Bhnder  kann  ein  Testament  maclien,  weil  er  die  zugezogenen  Zeugen   p.  3,  4, 4 
herbeirufen  und,  wenn  sie  ihm  Zeugnis  leisten,  vernehmen  kann. 

g)  Spadonen  können  zu   der  Zeit  ein  Testament  machen,   in  der   die  Meisten   p.  3, 4, 2 
mannbar  werden,  das  ist,  im  achtzehnten  Jahre. 

2)  Testamentsformen. 

a)  Schriftliches  Testament  im  Allgemeinen. 

a)  Es  soll    allen    gestattet    sein.    Iure  civili  und    Iure  praetorio    ihren    letzten     4/1^2 
Willen  zu  emchten.i    Ein  Testament  ist  entweder  Iuris  civilis,  das  ist,  das   c.  4,  4, 3 
durch  die  Unterschrift  von  fünf,  oder  Praetorii  iuiris,  das  durch  die  Unter- 
schrift von  sieben   Zeugen  zu  bekräftigen  sein  wird. 

Dem  Willen  der  Verstorbenen,  der,  sei  es  durch  sieben,  sei  es  durch    ^'^  v 
fünf  Zeugen  befestigt  wird,  kommt  volle  Kraft  zu.^) 


1)  J  überhefert  diesen  Satz  nicht:  es  sollte  indes  nicht  der  vollständige  Gesetzesinhalt 
wiedergegeben  werden  (Haec  lex  .  .  id  amplius  habet  .  .). 


P,  3,  6,  4.  In  adversa  corporis  valetudine 
mente  captus  eo  tempore  testamentum  facere 
non  potest. 

P.  3,  4,  5.  Furiosus  tempore  intermissi 
furoris  testamentum  facere  potest. 

e)  P.  3,  6,  5.  Prodigus  recepta  vitae  sa- 
nitate,  ad  bonos  mores  reversus  (et)  testa- 
menta  facere  .  .  potest. 

f)  P.  3,  4,  4.  Caecus  testamentum  potest 
facere :  quia  accire  potest  adhibitos  testes  et 
audire  sibi  testimonium  perhibentes. 

g)  P.  3,  4,  2.  Spadones  eo  tempore  tes- 
tamentum facere  possunt,  quo  plerique  pu- 
bescunt,  id  est,  anno  decimo  octavo. 

2a)  a)  N.V.  4,  1,  2.  .  .  (quum)  liceat 
cunctis  iure  civili  atque  praetorio  .  .  iudicia 
suprema  componere^  .  . 


N.  V.  4,  1,  4.  .  .  defunctorum  .  .  volun- 
tatem,  cui  multum  coboris  erit,  si  vel  Septem 
vel  quinque  testibus  muniatur. 


C.  4,  4,  3.  .  .  testamenti  .  .  aut  civilis, 
id  est,  quod  quinque  testium,  aut  praetorii 
iuris,  quod  septem  testium  erit  subscriptione 
firmandum  .  . 


362 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


N.Th.9,1 


C.  4,4,1 


P.  3,  6,  6 


P.  3,  G,  5 


C.  4,  4,  3,3 


Es  geschieht,  dass  Jemand  nach  Ins  praetorium  ein  Testament 
errichtet  haben  wird,  das  will  sagen,  das  durch  die  Unterschriften  von 
sieben  Zeugen  bekräftigt  wird. 

aa)  AVenn  Jemand  nicht  ein  Testament  gemacht,  sondern  statt  eines 
Testaments  ein  Kodizill  gemacht  haben  wird,  in  welchem  Kodizill  sich 
eine  legitime  Erbeseinsetzung  findet,  soll  er  auch  dieses  durch  die 
gleiche  Zahl  von  Zeugen,  das  will  sagen,  sieben  oder  fünf  Unter- 
schriften, bekräftigen  lassen:  bei  weniger  als  fünf  wird  es  nicht  gelten 
können,  wie  auch  sonstige  Willenserklärungen.^ 

b)  Wenn  sich  unter  denjenigen,  die  zu  dem  Testament  zugezogen  werden, 
solche  befinden,  die  Lateinisch  nicht  kennen,  bez.  nicht  begreifen,  aber 
dennoch  verstehen,  welcher  Sache  sie  beiwohnen,  beeinträchtigen  die  Hinzu- 
gezogenen nicht  das  Testament.  Ein  Verschw^ender,  der  nach  Wieder- 
gewinnung seiner  geistigen  Gesundheit  sich  von  Neuem  guten  Sitten  zuge- 
wendet hat,  kann  zu  den  Solennitäten  eines  Testaments  zugezogen  werden. 
Ein  Testament  soll  nicht  um  deswillen  für  kraftlos  gelten,  weil  der  Testator 
Jem^andem  aus  der  Zahl  der  Unterzeichner  irgend  etwas  als  Legat^  hinter- 
lässt.3 


1)  Bei  einem  Kodizill,  das  dem  Testament  vorausgeht,  dürfen,  wie  bei  Testamenten, 
sieben,  bez.  fünf  Zeugen  nicht  fehlen:  auf  diese  Weise  sollen  die  Successionen  der  Erblasser 
Sine  aliqua  captione  respektiert  werden.  Fehlt  es  an  der  Zeugenzahl,  so  soll  das  Kodizill- 
instrument  ungiltig  sein,  was  auch  bei  Ceterae  voluntates  gilt. 

2)  Ex  Munificentia. 

3)  T  beruft  sich  hierfür  auf  den  Juristen  Scaevola. 


C.  4,  4,  1.  In  codicillis,  quos  testamen- 
tum  non  praecedit,  sicut  in  voluntatibus 
testamenti  Septem  testium  vel  quinque  inter- 
ventum  non  deesse  oportet:  sie  enim  fiet,  ut 
testantium  successiones  sine  aliqua  captione 
serventur.  Si  quando  igitur  testium  numerus 
defecerit,  instrumentum  codicilli  habeatur  in- 
firmum.  Quod  et  in  ceteris  voluntatibus  pla- 
ciut  observari. 

b)  P.  3,  6,  6.  Ex  his,  qui  ad  testamen- 
tum  adhibentur,  si  qui  sint,  qui  Latine  nesci- 
ant  vel  non  intelligant,  sed  tarnen  sentiant, 
cui  rei  intersint,  adhibiti  non  vitiant  testa- 
mentum. 

P.  3,  6,  5.  Prodigus  recepta  vitae  sani- 
tate,  ad  bonos  mores  reversus  .  .  ad  testa- 
menti solennia  adhiberi  potest. 

C.  4,  4,  3,  3.  Nee  si  quid  ex  munificen- 
tia morientis  fuerint  consecuti,  infructuosum 
subscribentes  facient  testamentum,  quum  hoc 


N.  Th.  9,  1.  .  .  si  aliquis  iure  praetorio 
condiderit  testamentum,  id  est,  quod  Septem 
testium  subscriptionibus  confirmatur  .  , 

Si  quis  non  fecerit  testamentum,  sed  vice 
testamenti  fecerit  codicillum,  in  quo  codi- 
cillo  legitima  heredis  institutio  teneatur,  et 
hunc  ipsum  eodem  numero  testium,  hoc  est 
Septem  aut  quinque  subscriptionibus  faciat 
confirmari:  si  minus  quam  quinque,  valere 
non  poterit,  sicut  et  ceterae  voluntates  .  . 


.  .  testamentum,  nee  ideo  habeatur  in- 
firmum,  si  alicui  de  subscriptoribus  testator 
aliquid  legati  nomine  derelinquit. 


Erbfolge  P]x  testamento  §  3. 


363 


ß)  Prätorisches  Testament. 

a)  AVir  verordnen  durch  dieses  Gesetz,  dass  denienif]ren,  welche  mittels  Ur-„^'J^- 
künde  ein  Testament  errichten,  verstattet  ist^  falls  sie  wollen,  dass  Niemand 
wisse,  was  darin  geschrieben  worden  ist,  gesiegelt  oder  gebunden  oder  iiur  ge- 
schlossen, bez.  eingeschlagen,  die  Urkunde,  von  der  Hand  sei  es  des  Testators 
selbst,  sei  es  von  irgend  Jemandem  andern  geschrieben,  vorzulegen  und  den 
hierzu  eingeladenen  Zeugen,  sieben  an  Zahl,  die  sämtlich  Römische  Bürger 
und  mündig  sind,  gleichzeitig  zur  Siegelung  und  Unterschrift  anzubieten, 
vorausgesetzt  jedoch,  dass  der  Testator  in  Gegenwart  der  Zeugen  das  an- 
gebotene Testament  für  das  seine  erklärt  und  selbst  mit  eigener  Hand  in 
Gegenwart  der  Zeugen  auf  dem  übrigen  Teile  des  Testaments  unterzeichnet 
haben  Avird.^  Mögen  auch  die  Unterzeichner  nicht  wissen,  was  in  der 
Testamentsurkunde  enthalten  ist,  so  wird  ein  Testament  aus  diesem  Grunde 
nicht  als  ungiltig  angesehen.  Dem  Testamente  wird  indessen  durch  den  Um- 
stand durchaus  kein  Abbruch  gethan,  dass  es  angeblich  während  mehrerer 


1)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 


auctoretn    prudentissimum     iurisconsultorum 
non  sit  ambiguum  Scaevolam  comprobasse. 

ß)  a)  N.  Th.  9,  1,  2,4, 5.  Hac  (itaque  consul- 
tissima)  lege  sancimus,  licere  per  scripturam 
conficientibus  testamentum,  si  nulluni  scire 
volunt,  quae  in  eo  scripta  sunt,  signatam  vel 
ligatam  vel  tantuni  clausam  involutamve  pro- 
ferre  scripturam,  vel  ipsius  testatoris  vel  cu- 
iuslibet  alterius  manu  conscriptam,  eamque 
rogatis  testibus  Septem  numero,  civibus  Ko- 
manis  puberibus  Omnibus,  simul  ofFerre  sig- 
nandam  et  subscribendam,  dum  tamen  testi- 
bus praesentibus  testator  suum  esse  testa- 
mentum dixerit,  quod  offertur,  eique  ipse 
coram  testibus  sua  manu  in  reliqua  parte 
testamenti  subscripserit:  quo  facto,  et  testi- 
bus uno  eodemque  die  ac  tempore  subscri- 
bentibus  et  signantibus,  valere  testamentum, 
nee  ideo  infirmari ,  quod  testes  nesciant,  quae  in 
eo  scripta  sunt  testamento.  In  omnibus  autem 
testamentis,  quae  vel  absentibus  vel  praesenti- 
bus testibus  dictantur,  superfluum  est,  uno 
eodemque  tempore  exigere  testatorem  et 
testes  adhibere,  et  dictare  suum  arbitrium, 
et  finire  testamentum.  Sed  licet  alio  tem- 
pore dictatum  scriptumve  proferatur  testa- 
mentum, sufficiet,  uno  eodemque  die,  nuUo 
actu  interveniente,  testes  omnes  videlicet 
simul,  nee  diversis  temporibus,  subscribere 
signareve  testamentum.  Finem  autem  testa- 
menti subscriptiones  et  signacula  testiutn  esse 
decernimus.  Non  subscriptum  namque  a  tes- 
tibus atque  signatum  testamentum  pro  im- 
perfecto  haberi  convenit  .  . 


.  .  Nam  etsi  subscriptores  nesciant,  quid  in 
testamenti  pagina  continetur,  testamentum  ex 
hac  re  non  habetur  infirmum.  Testamento 
vero  nihil  detrahitur,  si  per  plures  dies  dica- 
tur  fuisse  dictatum,  dummodo  uno  die  sub 
praesentia  testatoris  simul  omnes  rogati  a 
testatore  subscribant  ac  suis  sigillis  sub- 
scriptum rauniant  testamentum. 


364 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.  V.  4,  2, 
3—5 


Tage  diktiert^  gewesen  ist,  wenn  niu'  an  einem  Tage  in  Gegenwart  des 
Testators  gleichzeitig  Alle,  die  von  dem  Testator  geladen  sind,  unter- 
schreiben und  das  mit  ihren  Siegeln  unterfertigte  Testament  bekräftigen. 
Wir  verordnen  aber,  dass  das  Ende  des  Testaments  die  Unterschriften  und 
die  Siegelungen  der  Zeugen  sind:  denn  man  ist  übereingekommen,  dass  ein 
nicht  von  den  Zeugen  unterschriebenes  und  gesiegeltes  Testament  als  un- 
vollendet angesehen  wird.^ 

^Wir  lieben  die  gefährliche  Notwendigkeit  auf,  die  die  Testatoren 
bis  heute  verpflichtet  hat,  während  der  gar  zu  kurzen  Frist  eines 
einzigen  Tages  den  letzten  Willen  zu  beginnen  und  zu  vollenden. 
Wir  gewähren  ihnen  die  Befugnis  und  die  Zeit,  den  Willen,  welchen  sie 
mit  Bezug  auf  ihr  Vermögen  im  Gleiste  konzipiert  haben  werden,  wieder- 
holt niederzuschreiben,  wiederholt  von  Neuem  aufzunehmen,  wiederholt 
zu  verbessern  und  an  einer  beliebigen  Zahl  von  Tagen  mit  dem  Über- 
denken einer  so  wichtigen  Sache  sich  zu  beschäftigen.  Denn  eine 
Erwägung,  der  erlaubt  sein  wird,  das  Diktierte  öfters  zu  verbessern, 
hinterlässt  nichts  Unreifes.  Wir  befehlen  jedoch,  dass  die  Zeugen 
ihre  Unterschriften  an  einem  Tage,  es  sei  alle  zugleich,  es  sei,  wenn 
die  gesetzliche  Zahl  einen  kleinen  Verzug  verursacht  haben  wird, 
zu  verschiedenen  Stunden,  in  Gregenwart  des  Testators  gewähren. 
Da  die  meisten  Erblasser  ihre  Entschlüsse  geheim  sein  lassen  und 
nicht  eher  bekannt  gemacht  wissen  wollen,  als  bis  sie  sterben,  ver- 
ordnen und  befehlen  wir,  dass,  wenn  die  eingeladenen  Zeugen  die 
Urkunde,   deren  geheimeji  Inhalt  sie  nicht  gekannt  haben  werden,   in 


1)  T  fügt  hinzu:  vel  absentibus  vel  praesentibus  testibus. 

2)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 


N.  V.  4,  2,  3 — 5.  Necessitatem  (quoque) 
praecipitem  summovemus,  quae  testatores 
hactenus  compulit,  sub  unius  cliei  spatio 
supremum,  festinato  nimis,  ordiri  et  implere 
iudicium.  Quibus  nos  licentiam  tempusque 
la.rgimur,  ut  voluntatem,  quam  de  rebus  pro- 
priis  mente  conceperint,  frequenter  scribant, 
frequenter  retractent,  frequenter  emendent, 
et  quot  voluerint  diebus  in  tantae  praeser- 
tim  causae  meditatione  versentur.  Haec  enim 
deliberatio  nihil  immaturum  relinquit,  cui 
licebit  saepe  dictata  corrigere.  Testes  autem 
subscriptiones  suas  uno  die  vel  omnes  pari- 
ter,  vel,  si  legitimus  numerus  exiguam  moram 
fecerit,  horis  praebere  diversis  sub  obtutibus 
testatoris  iubemus.  Praeterea  quoniam  ple- 
rique  deficientium  voluntates  suas  cupiunt 
esse  secretas,  nee  ante  vulgari,  quam  luce 
priventur,  statuimus  ac  iubemus,  ut,  si  testes 
ro^ati  paginae,  cuius  arcana  nescierint,  co- 
ram  testatore  subscripserint,  nihil  ex  igno- 
ratione  testium  testamentorum  firmitatibus 
derogretur  .  . 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 


365 


Gegenwart  des  Testators  unterschrieben  haben  werden,  aus  der  Un- 
kunde  der  Zeugen  in  keiner  Hinsicht  der  Kraft  der  Testamente  Ab- 
bruch geschehen  solle. ^ 

b)  Wenn    irgend  Jemand    nach   prätorischem  Rechte    ein   Testament   errichtet    9*  1^  3 
haben  ^vird,  soll  der  Urheber  des  Testaments,  falls  er  das  Schreiben  kennt,  als 
achter  selbst  unterzeichnen;  wenn  er  dagegen  entweder  nicht  unterschreiben 
kann    oder    das   Schreiben    nicht   kennt,  ^dann    soll    er    statt    seiner   einen 
achten  als  Unterzeichner  zuziehen .^ 

c)  Mehr  als  sieben  zu  dem  Testamente  zugezogene  schaden  nicht:  denn  über-   ^-^'^'^ 
flüssige  Thatsachen  können  dem  Rechte  nur  nützen,  nicht  schaden. 

Y)  Civiles  Testament. 

a)  Es  ist  gestattet  worden,  dass  das  Testament,  bis  zu  der  Zahl  von  fünf  ^iu^2'^' 
Unterzeichnern,  ^ mögen  sie  es  auch  nicht  vorlesen,^  Giltigkeit  besitzt,  mit  der 
Massgabe,  dass,  wie  eine  kleinere  Zahl  dem  Willen  im  Wege  steht,  so, 
was  auch  immer  darüber  hinaus  gegangen  sein  wird,  dem  Testamente 
nicht  nachteilig  ist.*  Auch  ist  dies  in  Acht  zu  nehmen,  dass  der  Testator 
den  Zeugen  das  Testament  zur  Siegelung  anbietet. 


1)  J  liefert  hierfür  Nichts,  da  von  dem  Gesetze,  dem  der  Text  entnommen  ist,  gerade 
dasjenige,  was  sich  in  andern  Gesetzen  findet,  nicht  aufgenommen  werden  sollte  (Haec  lex 
licet  alia  replicet,  quae  in  aliis  legibus  habentur  exposita  .  .). 

2)  So  verordnen  wir,  dass  unter  Zuziehung  eines  achten  Unterzeichners  dasselbe  gilt. 

3)  T  führt  unter  Berufung  auf  das  frühere  Recht  noch  näher  aus,  dass  die  Erblasser 
die  Unterzeichner  sehen,  und  letztere  über  den  Zweck  ihres  Kommens,  nicht  aber  über  con- 
tinentia  scripturae  unterrichtet  sein  müssen. 

4)  J  fügt  hinzu:  quia  et  lex  ipsa  constituit,  quod  superflua  iuri  impedire  non  debeant. 


b)  N.  Th.  9,  1,  3.  Quod  si  literas  testator 
ignoret  vel  subscribere  nequeat,  octavo  sub- 
scriptore  pro  eo  adhibito  eadem  servari  decer- 
nimus. 

c)  P.  3,  6,  3.  Plures  quam  septem  ad  tes- 
tamentum  adhibiti  non  nocent:  superflua 
enim  facta  prodesse  iuri  tantum,  nocere  non 
possunt. 

y)  a)  C.  4,  4,  3,  1  u.  2.  .  .  quum  quinque  huic 
non  ignari  subscripserint  testamento,  licet 
non  eisdem  series  fuerit  recensita,  sed  hie, 
qui  extremum  disponit  arbitrium,  obsignan- 
dum  porrexerit  testamentum.  Nee  enim  no- 
vum  promulgamus,  sed  divi  Constantini  sanc- 
tionem  et  inclytae  recordationis  sententiam 
patris  serenitatis  nostrae  nostraque  super 
huiusmodi  causa,  quae  sunt  ex  antiquioribus 
propagata,  secuti  decreta  statuimus,  iis,  qui 
exiremas  ordinant  voluntates,  haec  esse  ser- 
vanda, ut  et  praesentes  videant  subscriptores, 
et  ii,  cur  venerint,  non  ignorent,  etiamsi  iis- 
dem  scripturae  continentia  non  fuerit  inti- 
mata. 


.  .  ut,  si  aliquis  iure  praetorio  condiderit 
testamentum,  ,  ,  auctor  testamenti,  si  literas 
seit,  octavus  ipse  subscribat:  sin  autem  aut 
subscribere  non  potest  aut  literas  nescit, 
tunc  octavum  pro  se  adhibeatsubscriptorem. 


.  .  usque  ad  quinque  subscriptorum  nume- 
rum,  etiamsi  non  relegant  testamentum,  va- 
lere  permissum  est,  ita  ut,  sicut  minor  nume- 
rus impedit  voluntatem,  sie,  quicquid  super- 
fuerit,  non  noceat  testamento  .  .  Hoc  etiam 
observandum,  ut  testator  signandum  testibus 
offerat  testamentum  ,  . 


366 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


C.4,  4,  5 


K.  Y. 
4,  1,  2 


5)  Nunkupatioii. 

a)  ^Die  Milde  des  Princeps  gestattet  nicht  die  Bezeugung,  dass  irgend  Je- 
mand sagt:  ich  habe  vernommen,  dass  der  Sterbende  dies  dem  Princeps, 
bez.  auch  Personen,  die  der  Potestas  verbunden  sind,  oder  von  irgend- 
welchem Potens,  in  solcher  Weise  habe  zuweisen  wollen;  sie  duldet 
nicht,  dass  diese  Stimme  zugelassen  werde.  Wie  sie  verordnet  hat,  dass 
legitime  Urkunden  mit  Bezug  entweder  auf  die  eigene  Person,  oder  auf 
irgendwelche  sonstige  Potestates,  oder  sei  es  auf  Private,  giltig  sind,  so 
wollte  sie  nicht,  dass  sie,  unter  solcher  Bezeugung  vorgebracht,  irgend- 
welche Geltung  besitzt.! 

b)  Es  soll  Allen  erlaubt  sein,  mittels  Nunkupation,  bez.  zu  den  Municipalia 
gesta  die  letzten  Willen  zu  errichten.^ 


1)  T  führt  aus,  dass  die  Willenserklärungen  der  Erblasser,  welche  gesetzmässig 
und  solenn  errichtet  worden  sind,  unter  Berufung  auf  einen  letzten  nicht  geschriebenen 
Willen  zu  Gunsten  des  Kaisers  nicht  angefochten  werden  dürfen,  den  Privatpersonen  und 
Militantes  verboten  sei,  hierzu  Zeugnis  zu  leisten,  und  diejenigen  wegen  Falsi  crimen  haften, 
welche  gegenüber  Scriptae  iure  ac  solenniter  deficientium  voluntate's  etwas  nicht  Geschriebenes 
auf  den  Namen  des  Kaisers  fälschlich  zur  Geltung  zu  bringen  suchen.  Kein  rechtsgiltig 
zur  Erbfolge  Berufener  brauche  den  Namen  des  Kaisers,  bez.  von  Potentes  zu  scheuen: 
niemand  solle  ein  Zeugnis  auf  den  Namen  des  Kaisers,  bez.  privater  Potentes,  in  dieser 
Weise  ablegen,  bez.  zu  den  Gesta  nehmen. 

2)  Vgl.  S.  361  Anm.  1. 


ö)  a)  C.  4,  4,  5.  Nolumus  convelli  de- 
ficientium scriptas  iure  ac  solenniter  volun- 
tates,  dum  quoddam  raorientis  supremum  et 
non  adscriptum  processisse  confirmatur  ar- 
bitrium,  tanquam  Patrimonium  suum  ad  nos 
deficiens  maluerit  pertinere.  Omnibus  enim 
privatis  et  militantibus  interdicimus,  ne  hu- 
iusmodi  perhibeant  testimonia,  et  falsi  cri- 
minis  reos  teneri  praecipimus ,  si ,  quum 
scriptae  iure  ac  solenniter  deficientium  ex- 
stiterint  voluntates,  non  scriptum  aliquid 
sub  nostrorum  nominum  mentione  falso  ad- 
struere  moliantur.  Nemo  itaque  relictus  he- 
res  vel  legibus  ad  successionem  vocatus 
nostrum  vel  potentium  nomen  horrescat;  nemo 
ferre  testimonia  in  hunc  modum  vel  susci- 
pere  gestis  huiusmodi  voces  audeat  nostro 
vel  etiam  privatorum  potentium  nomine. 
Maneat  arbitrium,  quod  vera  et  solennis 
scriptura  commendat;  excludatur,  si  quid 
adversus  eam  vel  deficientis  animum  sub  de- 
ferenda  hereditate  nostrae  perennitati  per 
testimonia  non  scripta  et  falso  contexta  as- 
severatur;  nemo  scriptis  proprium  auf  erat 
robur  et  non  scriptis  sub  praetextu  nostri 
vel  potentium  ingerat  firmamentum. 

b)  N.  V.  4,  1,  2.  .  .  liceat  cunctis  .  .  per 
nuncupationem ,  liceat  municipalibus  gestis 
iudicia  suprema  componere  .  . 


.  .  Nee  admittit  hanc  testificationem  princi- 
pis  dementia,  si  forte  dicat  aliquis:  audivi 
morientem  velle  hoc  principi  vel  etiam  his 
personis,  quae  potestati  adiunctae  sunt,  vel 
cuiuscunque  potentis  taliter  deputatum:  hanc 
vocem  admitti  non  patitur.  Et  sicuti  legi- 
timas  scripturas  vel  in  suam  personam  vel 
in  quascunque  alias  potestates  sive  in  pri- 
vatos  valere  mandavit,  ita  .  .  sub  tali  sub  tes- 
tificatione  prolatam  penitus  valere  non  voluit. 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 


367 


c)  Wer  Per  nuneupationemj  das  will  sagen^  ohne  Urkunde  seiiieu  Willen  kund-  ^']^^q 
zugeben  vorgezogen  haben  wird,  soll,  naclideni  zugleich  auf  eine  Stunde  die 
sieben  Zeugen  zusammengerufen  worden  sind,  deutlich  darlegen,  zunächst 
zu  welchem  Zwecke  er  sie  zu  kommen  eingeladen  haben  wird,  damit,  weil 
er  ein  Testament  nicht  gemacht  hat.  Jene  zu  den  Gesta  den  Willen  des 
Verstorbenen  kundgeben  und  allegieren.^ 

Ohne  Urkunde,  das  ist,  Per  nuncuj^ationem.-  pr'^ 

aa)  Der   Wille   des  Vaters   oder    väterlichen    Grossvaters    muss   in   Allem   c.  2,24,  i 
genau   beobachtet  werden,   wird   sein   Testament   auch   nicht  von    der 
gesetzhchen  Zeugenzahl  unterzeichnet   noch  Allegation  zu   den  Gesta 
stattfinden.^ 

e)  Holographisches  Testament. 

a)  Wenn  Jemandem  die  Absicht   innegewohnt  haben  wird,   ein   Testament  zu  n.v.  4, 2, 1 
machen,  und  Zeugen  gefehlt  haben  werden,  soll  er  seinen  Willen  mit  eigener 
Hand  niederschreiben:   w^ird   dieser  nach   dem  Tode  des  Verstorbenen  vor- 
gelegt, so  soll  er  volle  Kraft  besitzen.* 


1)  Per  nuncupationem,  das  lieisst,  Sine  scriptura,  sind  Testamente  nicht  anders  giltig, 
als  wenn  sieben  Zeugen,  Simul  uno  eodemque  tempore  collecti,  den  Willen  des  ein  Testa- 
ment Sine  scriptura  machenden  Erblassers  vernommen  haben  werdeD,  nicht  in  der  Art,  dass 
er  lediglich  futurum  suae  voluntatis  arbitrium  verheisst. 

2)  T  spricht  von  einem  Testamentum  sine  scriptura  confectum. 

3)  Vgl.  S.  369  Anm.  2. 

4)  T  fügt  hinzu  (§  1,  2),  dass  es  für  den  in  solcher  Weise  Eingesetzten  ausreiche, 
auch  ohne  Zeugen  den  wahren  Sachverhalt  zu  bekräftigen,  wenn  er  nur  zeige,  dass  das 
Übrige  zutreffe,  was  nach  den  gesetzlichen  Vorschriften  bei  Testamenten  in  Acht  genommen 


c)  N.  Th.  9 ,  1 ,  6.  Per  nuncupationem 
(quoque),  hoc  est  sine  scriptura,  testamenta 
non  alias  valere  sancimus,  nisi  septem  festes, 
ut  supra  dictum  est,  simul  uno  eodemque 
tempore  collecti  testatorisvoluntatem  ut  testa- 
mentum sine  scriptura  facientis  audierint,  non 
ut  suum,  ut  assolet  fieri,  narrantis  arbitrium, 
hoc  est,  ut  manifeste  testari  se  sub  iisdem 
testibus  sine  scriptura  eo  ipso  tempore  dicat, 
non  futurum  suae  voluntatis  promittat  ar- 
bitrium. 


aa)  C.  2,  24,  1,  .  .  Quamobrem,  quum 
fillis  ac  nepotibus  civili  iure  vel  auxilio  prae- 
toris  ut  suis  heredibus  defuncti  successio  de- 
feratur,  etiarasi  .  .  ab  utilitate  verborum  vel 
solennitate  iuris  inanis  scriptura  esse  dica- 
tur,  considerari  specialiter  voluntatem  pla- 
cet  .  . 

£)  a)  N.  V.  4,  2,  1.  .  .  mansura  iugiter 
lege  decernimus,  ut,  quisquis  per  holo- 
grapham  scripturam  supremum  maluerit  or- 


Per  nuncupationem  (quoque),  hoc  est  sine 
scriptura,  qui  suam  publicare  maluerit  vo- 
luntatem, convocatis  simul  una  hora  septem 
testibu«,  primum  pro  qua  re  eos  venire  roga- 
verit,  evidenter  explanet,  ut,  quia  testamen- 
tum non  fecit,  illi  apud  gesta  defuncti  publi- 
cent  et  allegent  voluntatem. 


C.  4,  4,  7  pr.  .  .  sine  scriptura,  hoc  est 
per  nuncupationem  .  . 

.  .  voluntas  patris  vel  avi  paterni  debet 
in  Omnibus  custodiri,  cuius  testamentum 
etiamsi  .  .  non  legitimo  numero  testium  sub- 
scribatur,  nee  gestis  allegetur  .  . 


(Haec  lex  licet  alia  replicet,  quae  in  aliis 
legibus  habentur  exposita,  tarnen  hoc  amplius 
observandum  esse  praecepit,)  ut,  si  cui  fuerit 


368 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


X.  Tli. 
9,  1,7 


')  Anomalische  Formen 

'0 


^Wenn  der  unvollendete  Wille    eines  Sterbenden    vorhanden    gewesen 

in 


sein 
wirdj  soll  er  als  zweiter  dann  Geltung  haben,  falls  der  Erblasser  in  dem 
ersten  Testamente,  das  er  errichtet  hatte,  Fremde  als  Erben  ernannt  und 
nachher  in  dem  zweiten  Willen  diejenigen  eingesetzt,  bez.  zur  Erbfolge 
gerufen  hat,  die,  auch  w^enn  er  nicht  testiert  gehabt  hätte.  Ab  intestato  in 
die  Erbschaft  des  Verstorbenen  hätten  folgen  können,  i  Dieser  spätere 
Wille  des  Verstorbenen,  mag  er  auch  nicht  vollendet  sein,  soll  indessen  nur 
dann  in  Allem,  was  geschrieben  ist,  gelten,  w^enn  fünf  Zeugen  mit  der 
Heiligkeit  des  Eides  bekräftigen,  dass  sie  der  Testator  zu  dem  Zw^ecke 
berufen  habe,  um  unter  Ausschluss  des  früheren  Testaments  einen  zweiten 
Willen,  den  er  nicht  zu  vollenden  vermochte,  mit  Bezug  auf  seine  Ver- 
wandten zu  errichten:  er  soll  dann  in  Allem,  bez.  mit  Bezug  auf  alle, 
festen  Bestand  haben. ^ 


werden  müsse,  damit  nach  dem  Beweise  der  Echtheit  der  Urkunde  eine  Einweisung  in  den 
Besitz  der  Erbschaftssachen  stattfinde;  werde  sich  jedoch  der  Erblasser  für  die  ^Anwesenheit 
von  Zeugen  entschieden  haben,  so  müsse  die  gesetzliche  Zahl  zugezogen  werden  (Scripte  [enim] 
taliter  sufficiet  heredi,  asserere  etiam  sine  testibus  fidem  rerum,  dummodo  reliqua  congruere 
demonstret,  quae  in  testamentis  debere  servari  tarn  veterum  principum,  quam  nostrae 
praecipiunt  sanctiones,  ut  in  hereditariorum  corporum  possessionem  probata  scripturae  veritate 
mittatur.  Quum  tamen  testium  praesentium  testator  elegerit  legitimum  numerum,  semper 
oportebit  adhiberi). 
1)  Vgl.  4,  b. 


dinare  iudicinm,  habeat  liberam  facultatem. 
Multis  enim  casibus  saepe  contingit,  ut  mo- 
rientibus  testium  numerus  et  copia  denege- 
tur.  Quibus  erit  de  legibus  nostris  inter 
ipsa  vitae  deficientis  pericula  causatio,  si 
propriae  manus  literis  scribere,  quos  volu- 
erint,  non  sinantur  heredes  .  .  Nostrae  post- 
hac  beneficio  sanctionis  intestatus  nemo  mo- 
rietur,  cui  fuerit  sollicitudo  testandi,  late 
viam  supremis  aperimus  arbitriis:  si  holo- 
grapha  manu  testamenta  condantur,  testes 
necessarios  non  putamus  .  . 

a)  N.  Th.  9,  1,  7.  (Si  quis  autem  testa- 
mento  iure  perfecto  postea  ad  aliud  perve- 
nerit  testamentum,  non  alias,  quod  ante 
factum  est,  infirmari  decernimus,  quam  id, 
quod  secundo  facere  testator  instituit,  iure 
fecerit  consummatum.)  nisi  forte,  in  priore 
testamento  scriptis  his,  qui  ab  intestato  ad 
testatoris  hereditatem  successionemve  venire 
non  poterant,  in  secunda  voluntate  testator 
eos  scribere  instituit,  qui  ab  intestato  ad  eius 
hereditatem  vocantur.  Eo  enim  casu,  licet  im- 
perfecta videatur  scriptura  posterior,  infir- 
mato  priore  testamento  secundam  eius  vo- 
luntatem  non   quasi  testamentum,  sed  quasi 


testandi  voluntas,  et  testes  forsitan  defuerint, 
voluntatem  suam  propria  manu  perscribat, 
quae  prolata  post  defuncti  obitam  plenam 
obtineat  firmitatem. 


.  .  si  imperfecta  (forsitan)  fuerit  deficien- 
tis voluntas,  secunda  voluntas  tunc  valeat, 
si  in  primo  testamento,  quod  fecerat,  extra- 
neos  scripsit  heredes  et  postea  in  secunda 
voluntate  illos  instituit  vel  ad  successionem 
vocavit ,  qui ,  etiamsi  non  testatus  fuisset, 
poterant  in  hereditate  defuncti  ab  intestato 
succedere.  Quae  tamen  posterior  voluntas 
defuncti,  licet  non  sit  perfecta,  sie  in  Omni- 
bus, quae  scripta  sunt,  valeat,  ut  quinque 
testes  iurisiurandi  religione  confirment,  tes- 
tatorem  ad  hoc  eos  convocasse,  ut  remoto 
priori  testamento,  secundam  in  propinquis 
suis,  quam  perficere  non  valuit,  conderet  vo- 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 


369 


b) 


c) 


N.Th. 
9,  1,5 


Ein    Haussohii,   der  Militärdienste  geleistet  hat,    kann  über  das   Castrense  p.  3, 4, 3 
peculium    sowohl    nach    gemeinem   als    auch    nach   besonderem   Rechte    ein 
Testament  machen. 

Wir  wollen  nicht,  dass  aus  einem  unvollendeten  Testamente  der  Wille  eines 
Verstorbenen  Bestand  hat,  es  sei  denn,  dass  er  sich  lediglich  unter  den 
Kindern  des  Erblassers  bewegt.^  Sobald  das  Vermögen  des  Vaters  imter  den  c.  2, 24, 1 
Kindern  oder  Enkeln  geteilt  wird,  muss  der  Wille  des  Vaters  oder  väterlichen 
Grossvaters  in  Allem  genau  beobachtet  werden.^  Wird  sein  Testament  auch 
nicht  vollendet  gewesen  sein,  oder  wird  es  nicht  von  der  gesetzlichen  Zeugen- 
zahl   unterzeichnet,   noch  Allegation   zu    den    Glesta    stattfinden,  ^so    sollen 


dennoch,    w^enn    sich 


ergiebt. 


dass    der    oben    erwähnte    Verstorbene    über 


sein  Vermögen    irgend    etwas  angeordnet  hat,^  was    er  auch  immer    einem 


1)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 

2)  T  führt  aus,  dass  mit  Bezug  auf  Teilung  die  Willensübereinstimmung  der  Erben 
entscheide  und  Urkunden,  die  als  Testamente  beabsichtigt  sind,  wie  unvollendete,  die  der 
erforderlichen  Solennität  entbehren,  zwischen  Sui  gelten  sollen. 

3)  T  führt  aus,  dass,  wo  Kindern  und  Enkeln  nach  Civile  ius  oder  Auxilio  praetoris 
als  Rui  heredes  die  Erbfolge  zukommt,  auch  ein  unvollendetes  Testament,  bez.  eine  der 
Utilitas  verborum,  bez.  Solennitas  iuris,  bare  Urkunde  respektiert  werde. 


voluntatem  intestati  valere  censemus.  In 
qua  voluntate  quinque  testium  iuratorum 
depositiones  sufficient:  quo  non  facto,  valebit 
primum  testamentum,  licet  in  eo  scripti  vi- 
deantur  extranei. 

b)  P.  3,  4,  3.  Filiusfamilias,  qui  militavit, 
de  castrensi  peculio  tarn  communi  quam  pro- 
prio iure  testamentum  facere  potest  .  . 

c)  N.  Th.  9,  1,  5.  .  .  Ex  imperfecto  (autem) 
testamento  voluntatem  teuere  defuncti,  nisi 
inter  solos  liberos  habeatur,  non  volumus. 

C.  2,  24,  1.  Quum  dividendae  res  erunt, 
dubitari  non  potest,  ab  heredibus  suis  con- 
sensum  sine  ulla  controversia  commodandum. 
Qaod  vero  ad  huiusmodi  spectat  scripturas, 
in  quibus  talis  defunctorum  fuisse  mens  in- 
venitur,  ut  de  testamento  intelligatur  tan- 
tummodo  cogitatum,  etsi  repugnare  ius  vi- 
deatur,  huiusmodi  quoque  conscriptiones  intor 
suos  duntaxat  heredes  valere  oportet,  quem- 
udmodum  valent  scripturae  simpliciter  in- 
choatae,  quas  nuUa  solennitatis  adminicula 
defendunt,  solis  nixae  radicibus  voluntatis. 
Licet  enim  sub  testamenti  vocabulo  coeptae, 
quum  perfectae  non  sint,  neque  appellari 
aliter  uUo  modo  possint,  evanuisse  videntur, 
tarnen  dispositiones  ultimae,  coloratam  iuris 
imaginem  referentes,  iustius  in  se  legum 
proclivem  favorem  debent  provocare.  Quam- 
obrem,  quum  filiis  ac  nepotibus  civili  iure 
vel    auxilio   praetoris    ut   suis   heredibus   de- 

Conrat,  Breviarium. 


luntatem:   quae  in  omnibus  vel  circa  onlnes 
firma  permaneat. 


Quando  facultas  patris  inter  filios  vel  ne- 
potes  dividitur,  special  iter  voluntas  patris  vel 
avi  paterni  debefc  in  omnibus  custodiri,  cuius 
testamentum  etiamsi  non  fuerit  perfectum, 
aut  si  non  legitimo  numero  testium  subscri- 
batur,  nee  gestis  allegetur,  tarnen  si  agnos- 
citur  defunctus,  de  quo  supra  dictum  est, 
de  facultate  sua  aliquid  ordinasse,  quicquid 
unumquemque  de  filiis  ac  nepotibus  cuius- 
cunque  sexus  habere  voluerit,  hoc  sibi  sine 
consortis  repetitione  defendat:  nee  praesumat 
aliquis,  quod  alteri  consorti  auctor  ille  dimi- 
serit.  Sed  hoc  inter  filios  ac  nepotes  ex  filiis 
masculis  observetur,  quod  voluntate  auctoris 
per  quamcunque  scripturam  probabitur  ordi- 
natum. 


24 


370 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.V.  4,  1 
pr.  1—5 


jeden  aus  der  Zahl  der  Kinder  und  Enkel  jedes  Geschlechts  wird  haben 
lassen  wollen,  letztere  für  sich  ohne  Rückanspruch  eines  Consors  behalten, 
und  soll  sich  Niemand  das  anmassen,  was  jener  Erblasser  dem  andern  Consors 
hinterlassen  haben  wird.  Vielmehr  soll  unter  Kindern  und  Enkeln  von  den 
Söhnen  das  gelten,  wovon  erwiesen  werden  wird,  dass  es  mittels  Willens- 
erklärung des  Erblassers  durch  irgendwelche  Urkunde  angeordnet  worden  ist. 
d)  Personen,  die  sich  in  der  Ehe  befinden,  sollen,  falls  sie  keine  Kinder 
haben,  wenn  sie  gewollt  haben  werden,  sei  es  der  Mann  die  Frau,  sei  es  die 
Frau  den  Mann,  als  Erben  hinterlassen,   was  lus  liberorum   genannt  wird: 


functi  successio  deferatur,  etiamsi  coeptum, 
neque  impletum  testamentum  esse  memore- 
tur,  vel  si  ab  utilitate  verboram  vel  solenni- 
tate  iuris  inanis  scriptura  esse  dicatur,  con- 
siderari  specialiter  voluntatem  xalacet,  et 
obsecundari  protinus,  quum  res  dividentur, 
nee  retineri  amplius,  quam  quod  singulorum 
personis  detegetur  adscriptum,  ut  et  memo- 
ria dofuncti  non  violetur  parentis,  et  occa- 
siones  litium  dirimantur. 

d)  N.  V.  4,  1  pr.  1 — 5.  lam  dudum  qui- 
dem  divus  avunculus  noster,  testamentorum 
compendia  generali  lege  complexus,  formulam 
iuris  antiqui  et  inanem  verborum  conquisi- 
tionem  non  necessariam  iudicavit,  vaUdissi- 
mam  statuens  voluntatem,  qaum  de  nostris 
altaribus  coniuges  petunt,  ut  decedenti  prius 
succedat  superstes.  Sed  quoniam  Leonius, 
vir  spectabilis,  munitus  veteribus  constitutis 
nostram  supplex  maluit  exspectare  senten- 
tiam,  occasionem  novandae  legis  amplecti- 
mur,  .  .  ut,  sive  inter  se  coniugum,  seu  quo- 
rumcunque  consensus  oblatis  serenitati  nostrae 
precibus  optaverit,  morte  praeventis  heredem 
superstitem  fieri  oportere  personam,  hoc  ita 
ratum  firmumque  permaneat,  ut  nihil  ro- 
bustius  aestimetur.  Et  in  augustam  notitiam 
pervenisse  sufficiat,  etiamsi  nulluni  proces- 
serit  ex  hac  parte  responsum.  Nam  quum 
liceat  cunctis  iure  civili  atqae  praetorio,  li- 
ceat  per  nuncupationem,  liceat  municipalibus 
gestis  iudicia  suprema  componere,  procul 
dubio  manebit  firmior  haec  voluntas,  quae 
testimonio  principis  et  subscriptione  condi- 
toris  firmatur,  si  tarnen  nuUum  defuncti 
posterius  exstabit  arbitrium.  Leonius  vero 
et  lucunda,  uxor  eins,  tanta  vicissini  cari- 
tate  certarunt,  ut  fusis  simul  precibus  ius 
poscerent  liberorum,  et  propter  incertum 
sortis  humanae  superstitem  coniugem  pre- 
carentur  heredem:  licet  superfluo  illud  ad- 
dentes,  ut,  intestatae  successionis  ius  ac  li- 
centiam  sortirentur  (quum   hoc  ipsum,   quod 


(Haec  lex  de  aliis  titulis  testamentorum 
id  amplius  habet,)  ut  in  coniugio  positi,  si 
iilios  non  habeant,  seu  maritus  uxorem,  seu 
uxor  maritum  voluerit,  relinquant  heredem, 
quod  ius  dicitur  liberorum:  quia,  etiamsi 
una  Charta  suam  condere  maluerint  volun- 
tatem, ut  invicem  se  heredes  scribant,  qui 
alteri  superstes  exstiterit,  dimissam  rem  .  . 
vindieabit  .  . 


Erbfolge  Ex  testaraento  §  3. 


371 


werden  sie  auch  in  einer  Urkunde  ihren  Willen ^  gegenseitig  sich  zu  Erheii 
einzusetzen,  haben  errichten  wollen,  so  wird  derjenige,  welcher  den  andern 
überlebt  haben  wird,  das  hinterlassene  Gut  in  Anspruch  nehmen:^  eine  Mutter  p.  4, 9, 2 
hat  das  lus  liberorum  durch  Benefiz  der  Princeps  erzielt. 

1)  T  fühlt  aus,  dass  schon  der  Oheim  des  Konstituenten  die  Formel  des  lus  antiquum  und 
die  Inanis  verborum  conquisitio  für  überflüssig  erklärt  und  den  Sachverhalt  als  rechtsgiltig 
erachtet  habe,  dass  Ehegatten  von  dem  Kaiser  die  Beerbung  durch  den  Überlebenden  erbitten. 
Nunmehr  solle,  wenn,  sei  es  Ehegatten  untereinander,  sei  es  irgendwelche  Personen,  unter 
Darbietung  von  Preces  an  den  Kaiser  übereinstimmend  gewünscht  haben,  die  Beerbung  des 
Vorverstorbenen  durch  den  Überlebenden  Bestand  haben.  Dabei  solle  genügen,  dass  es  zur 
Kenntnis  des  Kaisers  gelangt  sei,  werde  auch  kein  Responsum  von  statten  gegangen  sein: 
denn  wie  es  Allen  erlaubt  sei,  nach  lus  civile  und  praetorium  oder  Per  nuncupationem, 
bez.  zu  den  Municipalia  gesta,  die  letzten  Willen  zu  errichten,  so  werde  bei  Bekräftigung 
durch  das  Zeugnis  des  Princeps  und  die  Unterschrift  des  P]rblassers  die  Verfügung  nur  um 
so  mehr  Bestand  haben,  vorausgesetzt,  dass  kein  jüngerer  Wille  des  Verstorbenen  vorhanden 
sei.  Wenn  die  Ehegatten  Leonius  und  lucunda  gemeinschaftlich  das  Tus  liberorum  sowie 
gegenseitig  den  Überlebenden  zum  Erben  erbeten  und  eine  einzige  Testamentsurkunde  mit 
sieben  Zeugen  errichtet  haben,  so  sei  dies  giltig,  da  es  nicht  kaptatorisch  genannt  werden 
könne  und  Allen  bereits  freistehe,  in  welcher  Weise  und  mit  welchen  Worten  auch  immer 
den  letzten  Willen  zu  diktieren.  Wie  es  nun  unter  Aufhebung  der  Minutiae  priscae  con- 
suetudinis  und  der  Obscuritas  allein  auf  den  Willen  der  Verstorbenen  ankomme,  cui  multum 
roboris  erit,  si  vel  Septem  vel  quinque  testibus  muniatur,  und  dem  Leonius,  abgesehen  von 
den  Preces  communes,  Voluntas    alia    et    subscriptionibus    munita  zur  Seite  stehe,  so  solle, 


serenitati  nostrae  preces  pariter  obtulerunt, 
sit  testamenti  ordo  praecipuus);  praeterea, 
sicut  supplicationi  connexa  monstrarunt, 
quamvis  in  unius  chartae  volumine  supremum 
votis  paribus  condidere  iudicium,  Septem  tes- 
tium  subscriptionibus  roboratum.  Cui  nos 
aeternam  tribui  firmitatem  legis  huius  de- 
finitione  censemus,  quoniam  nee  captatorium 
dici  potest,  quum  düorum  fuerit  similis  af- 
fectus  et  simplex  religio  testamenta  conden- 
tium,  cunctisque  iam  liceat,  quoquomodo  et 
quibuscunque  verbis  ultimum  dictare  iudi- 
cium, sicut  eorum  principum  statuta  decla- 
rant,  qui  removerunt  sanctionibus  suis  me- 
liore  prudentia  vetusti  iuris  ambages.  Id- 
circo,  quia  minutiis  priscae  consuetudinis  et 
obscuritate  summota  solam  defunctorum  con- 
venit  inspici  voluntatem,  cui  multura  roboris 
erit,  si  vel  Septem  vel  quinque  testibus  mu- 
niatur, et  virum  spectabilem  Leonium,  praeter 
tiduciam  precum  pridem  cum  uxore  commu- 
nium,  voluntas  quoque  alia  et  subscriptioni- 
bus testium  munita  defendit,  apud  eundem 
solida  successione  lucundae  coniugis  suae 
iugiter  permanente,  quisquis  voluerit  delata 
nobis  supplicatione  testari,  habeat  liberam 
facultatem.  Cuius  heres  .  .  hereditaria  Cor- 
pora consequetur  .  . 

P.  4,  9,  2.    .  .  mater  .  .  beneficis  prineipis 
ius  liberorum  consecuta  est. 


24* 


372 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


£)  Unzureichende  Formen. 

G.  2, 7,  8  a)  Niemand  kann  zmn  Erben  mittels  Kodizills  eingesetzt  werden,  möge  letzterer 
auch  durch  Testament  bestätigt  sein. 

c.  4, 4, 5  b)  Man  war  der  Ansicht,  dass  der  Wille  der  Verstorbenen  derart  in  xA.cht 
genommen  werde,  dass,  wenn  Jemand,  der  stirbt,  das  Testament  nicht 
vollendet  haben  wird.  Niemand  als  eines  vollendeten  sich  dessen  bedienen 
könne,  was  unvollendet  geblieben  ist:  die  Majestät  wollte,  dass  eine  un- 
vollendete Urkunde  keine  Geltung  besitze.^ 

Wir  wollen  nicht,   dass   aus  einem  unvollendeten  Testamente   der 
AVille  des  Verstorbenen  Bestand  hat.^ 

aa)  Wenn  Jemand  nach  Errichtung  eines  rechtsgiltigen  Testaments  hernach 
ein  anderes  wird  haben  machen  wollen,  soll  das  früher  en'ichtete  nicht 
anders  hinfällig  werden,  ^als  wenn  das  folgende  Testament  in  aller 
Festigkeit  abgefasst  und  dm'ch  die  gesetzliche  Zeugenzahl  bekräftigt 
gewesen  sein  wird.^ 

p.  5, 14, 5  c)  xVus  blosser  Pollicitatio  entsteht  keine  Actio :  demnach  kann  das  Vermögen 
desjenigen,  der  laut  verkündet  hatte,  er  werde  den  Lnperator  zum  Erben 
machen,  von  dem  Fiskus  nicht  okkupiert  werden. 

3)  Inhalt  des  Testaments. 
a)  Form  der  Erbeseinsetzung. 
4 -^^3  a)  Allen  soll  es  bereits  freistehen,  in  jeglicher  Weise  und  mit  Avelchen  Worten 


N.  Th. 

9,1,5 

N.  Th. 

9,  1,  7 


wer  auch  immer  durch  Delation  einer  Supplik  werde    haben    testieren    wollen,    hierzu    die 
freie  Befugnis  haben:  der  Erbe  werde  daraus  die  Erbschaft  erzielen. 

1)  Vgl.  S.  366  Anm.  1.  2)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 

3)  Als  wenn  es  rechtsgiltig  vollendet  gewesen  sein  wird. 


£)  a) 


N.  Th.  9,  1,5.  .  .  Ex  imperfecto  (autem) 
testamento  voluntatem  tenere  defuncti  .  . 
non  volumus. 

aa)  N.  Th.  9,  1,  7.  Si  quis  (autem)  testa- 
mento iure  perfecto  postea  ad  aliud  perve- 
nerit  testamentum,  non  alias,  quod  ante  fac- 
tum est,  infirmari  decernimus,  quam  id,  quod 
secundo  facere  testator  instituit,  iure  fuerit 
consummatum  .  . 

c)  P.  5,  14,  5.  Ex  nuda  pollicitatione 
nuUa  actio  nascitur:  ideoque  eins  bona,  qui 
se  heredem  imperatorem  facturum  esse  iacta- 
verat,  a  fisco  occupari  non  possunt, 

3  a)  a)  N.  V.  4,  1,  3.     .  .   cunctis(que)  iam 


G.2,7,8.  ..  per  codicillos  nemoheresinstitui 
potest,  quamvis  testamento  confirmati  sint  .  . 

C.  4,  4,  5.  Placuit,  voluntatem  defuncto- 
rum  ea  ratione  servari,  ut,  si  deficiens  quis  non 
perfecerit  testamentum,  non  potest  quicun- 
que  pro  perfecto  uti,quodimperfectuniresedit- 
.  .  principis  dementia  . .  ( scripturas)  .  .  imper- 
fectam  .  .  prolatam  . .  penitus  valere  non  voluit. 


Si  quis  (autem)  facto  legitime  testamento, 
aliud  postea  facere  voluerit  testamentum,  non 
aliter,  quod  prius  factum  est,  reddatur  infir- 
mum,  nisi  sequens  testamentum  omni  fuerit 
firmitate  conscriptum  et  legitimo  testium 
numero  roboratum  .  . 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3, 


373 


auch  immer  den  letzten  Willen  zu  diktieren,  wie  die  Gesetze  derjenigen 
Kaiser  verordnen,  die  in  höherer  Weisheit  durch  ihre  Festsetzungen  die 
Umschweife  des  alten  Rechts  beseitigt  haben.^ 

b)  Es  ist  gestattet,  in  griechischer  Sprache  zu  testieren.^  9,1,8 

c)  Vor  der  Erbeseinsetzung  kann  ein  Legat  nicht  gemacht  werden;    zwischen  p.  3,8, 2 
Erbeseinsetzungen  kann  es,   sei  es  dass  einer  der  beiden,   sei  es  dass  beide 
antreten. 

d)  AVenn  ein  Sterbender,  während  er  die  Urkunde  eines  Testaments  schreibt  oder     p*'  * '  ^ 
diktiert,   versäumt   haben    wird,    das  Wort   entweder  CiviHs    iuris,   das    ist, 

das  durch  die  Unterschrift  von  fünf,  oder  Praetorii  iuris,  das  durch  die 
Unterschrift  von  sieben  Zeugen  zu  bekräftigen  sein  wird,  zu  setzen,^  oder 
wenn  der  Testator  zu  Beginn  gesagt  haben  wird,  dass  er  eine  grössere, 
bez.  kleinere,  Zahl  von  Zeugen*  eingeladen  habe,  ist  gestattet  worden,  dass 
das  Testament   bis   zu  der  Zahl  von  fünf  Unterzeichnern  Giltigkeit  besitzt. 

^)  Erbfähigkeit. 

a)  Wird  einen  fremden  Sklaven  irgend  Jemand  unter  Gewährung  der  Freiheit  P.  3,  e,  13 
zum  Erben   eingesetzt   haben,  so  wird  die  veranstaltete  Einsetzung  Geltung 


1)  Vgl.  S.  361  Anm.  1.  2)  Vgl.  S.  59  Anm.  1. 

3)  T  spricht  von  dem  Fall,  dass  der  Erblasser   das  Testament  mit  verschiedenen  Be- 
zeichnungen benannt  habe. 

4)  T  fügt  hinzu  Nullum  numerum. 


liceat,  quoquomodo  et  quibuscunque  verbis 
ultimum  dictare  iudicium,  sicut  eorum  prin- 
cipum  statuta  declarant,  qui  removerunt 
sanctionibus  suis  meliore  prudentia  vetusti 
iuris  ambages. 

b)  N.  Tb.  9,  1,  8.  .  .  Graece  (iam)  testari 
concessum  est  .  . 

c)  P.  3,  8,  2.  Ante  heredis  institutionem 
legari  non  potest:  inter  medias  heredum  in- 
stitutiones,  sive  alter,  sive  uterque  adeat, 
potest  .  . 

d)  C.  4,  4,  3  pr.  1.  Testamentum  non 
ideo  infirmari  debebit,  quod  diversis  hoc  de- 
ficiens  norainibus  appellavit,  quum  superflua 
non  noceant.  Praetermissa  naraque  neces- 
saria,  non  abundans  cautela  vel  contractus 
imminuit  vel  testatoris  officit  voluntati.  Nee 
patimur  fidem  conditi  arbitrii  ob  hoc  debere 
convelli,  si  aut  maiorem  in  principio  signa- 
torum  aut  minorem  aut  nullum  numerum 
conditor  suae  praedixerit  voluntati,  quum 
quinque  .  .  subscripserint  testamento  .  . 

[j]  a)  P.  3,  6,  13.  Servus  alienus  cum 
libertate  heres  institutus  institutionem  non 
infirmat:  sed  libertas,  ut  alieno,  supervacue 
data  videtur. 


Si  moriens,  quum  scribit  aut  dictat  char- 
tulam  testamenti,  praetermiserit  forsitan  vo- 
cabulum  ponere,  aut  civilis,  id  est,  quod 
quinque  testium,  aut  praetorii  iuris,  quod 
Septem  testium  erit  subscriptione  firmandum ; 
aut  si  maiorem  vel  minorem  testium  nume- 
rum se  testator  in  principio  dixerit  evocasse, 
usque  ad  quinque  subscriptorum  numerum 
.  .  valere  permissum  est  .  . 


Si  servum  alienum  aliquis  data  libertate 
heredem  instituerit,  institutio  quidem  facta 
valebit:  sed  libertas  alieno  servo  data  valere 
non  poterit. 


374 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  3,6,  9 


P.  5,  14,  4 


N.M.  5,1, 
2U.  3 


haben:  hingegen  whxl  die   einem  fremden    Sklaven  gewährte  Freiheit  nicht 
giltig  sein  können. 

b)  So  oft  in  dem  Testamente  nicht  deutlich  ausgedrückt  wird,  wer  zum  Erben 
eingesetzt  worden  ist,  besteht  keine  Sicherheit  bezüglich  des  Erben.  Wenn 
es  sich  zuträgt,  dass  mehrere  Freunde  des  Testators  mit  einem  Namen 
genannt  werden,  muss  der  Testator  durch  deutliche  Umstände  zu  erkennen 
geben,  wen  er  von  jenen  zum  Erben  beruft. 

c)  Dass  der  Imperator  Prozesses  halber  zum  Erben  eingesetzt  wird,  ist  anstössig : 
denn  ein  Anlass  zur  Kalumnie  darf  aus  der  kaiserlichen  Majestät  nicht 
geschöpft  werden. 

d)  Den  Gottgeweih ten,i  Witwen,  Diakonissinnen  und  allen  geistlichen  Matronen'-^ 
wird  gestattet,  sei  es  in  einem  Testament,  ^sei  es  durch  Nunkupation,^  sei 
es  durch  Kodizill,  bez.  beliebige  andere  Urkunden,  was  sie  gewollt  haben 
werden,  ^der  Kirche,  den  Bischöfen,  Priestern  oder  Diakonen  und  sämtlichen 
Klerikern*  zu  hinterlassen.  Werden  sie  ihren  Erben  nach  ihrem  Tode 
^irgendwelche  Personen^  substituieren  gewollt  haben,  so  sollen  sie  hierzu 
die  Befugnis  haben. 


1)  Virgo  Deo  dicata. 

2)  Sanctimonialis    mulier   sive  quocunque  alio  nomine  religiosi  honoris  vel  dignitatis 
femina  nuncupetur. 

3)  Non  scripta  voluntate. 

4)  Der  Kirche,  dem  Martyrium,  einem  Kleriker  oder  Mönche  oder  den  Armen. 

5)  Bei  T  handelt  es  sich  um  Substituierung  der  genannten  Personen. 


b)  P.  3,  6,  9.  Quoties  non  apparet,  quis 
sit  heres  institutus,  institutio  non  valet:  quod 
evenit,  si  testator  plures  amicos  unius  nomi- 
nis  habeat. 


c)  P.  5,  14,  4.  Imperatorem  litis  causa 
heredem  institui  invidiosum  est:  nee  enim 
calumniandi  facultatem  ex  principali  ma- 
iestate  capi  oportet. 

d)  N.  M.  5,  1,  2  u.  3.  .  .  generali  per- 
petuoque  victura  hac  lege  sancimus,  ut,  sive 
vidua,  sive  diaconissa,  sive  virgo  Deo  dicata, 
vel  sanctimonialis  mulier,  sive  quocunque 
alio  nomine  religiosi  honoris  vel  dignitatis 
femina  nuncupetur,  testamento  vel  codicillo 
suo,  quod  tamen  alia  omni  iuris  ratione  mu- 
nitum  sit,  ecclesiae,  vel  martyrio,  vel  clerico, 
vel  monacho,  vel  pauperibus  aliquid  vel  ex 
integro,  vel  ex  parte  in  quaounque  re  vel 
specie  credidit  relinquendum,  id  modis  Omni- 
bus ratum  firmumque  consistat,  sive  hoc  in- 
stitutione  sive  substitutione, . .  sive  scripta  sive 
non  scripta  voluntate  fuerit  derelictum  .  . 


Quoties  in  testamento  evidenter,  heres  qui 
sit  scriptus,  non  exprimitur,  nulla  firmitas 
est  heredis :  nam  si  evenit,  ut  testatori  amici 
plures  uno  nomine  nuncupentur,  debet  testa- 
tor, quem  de  illis  heredem  appellat,  rebus 
evidentibus  declarare. 


Sanctimonialibus,  viduis,  diaconissis  omni- 
busque  religiosis  matronis  (hac  lege)  permitti- 
tur,  ut  seu  testamento,  .  .  seu  per  nuncupa- 
tionem,  seu  per  codicillos  vel  quibuslibet 
aliis  scripturis,  quod  voluerint,  ecclesiae, 
episcopis,  presbyteris  vel  diaconibus  et  Om- 
nibus clericis  relinquendi  habeant  potestatem. 
Et  si  voluerint  heredibus  suis  quoscunque  post 
eorum  obitum  substituere,habeantpotestatem. 


Erbfolge  Ex  testameuto  §  3. 


375 


Y)  Inhalt  der  Erbeseinsetzung. 

a)  Wenn  Jemand  mittels  Testaments  irgend  Jemanden  zum  Erben  ernannt  und  Gr 
ihm  eine  Res  certa,  das  will  sagen^  entweder  einen  Besitz,  oder  einen 
Sklaven  oder  irgendwelche  sonstige  Sache,  mit  Bezug  auf  welche  ein  Zweifel 
nicht  bestehen  kann,  unter  der  Bezeichnung  eines  Erben  hinterlassen  haben 
wird,  soll  demjenigen,  dem  er  den  Namen  eines  Erben  auferlegt  haben  wird, 
auch  dasjenige,  was  nicht  genannt  worden  ist,  zukommen.^ 

b)  ^  Der  Testator  kann  sein  As  in  so  viel  Unzen,  als  er  will,  unter  die  verschiedenen   p.  3 
Erben  verteilen,    sodass   er,    wenn  er    gewollt  haben  wird,    sowohl  fünfzehn 

als  auch  ZAvanzig  Unzen,  bez.  eine  grössere  Zahl,  machen  darf:  wenn  er 
gewollt  haben  wird,  kann  er  aber  auch  zu  einer  geringeren  Zahl,  das  heisst, 
entweder  sieben  oder  neun  oder,  wieviel  er  gewollt  haben  wird,  in  geringerem 
Masse  Unzen  machen.  Wird  er  jedoch  zwölf  Unzen,  das  ist,  das  ganze 
As  in  seinem  Testament  erschöpft  haben  und  sagt  hernach  mit  Bezug  auf 
einen  Andern:  dieser  soll  mein  Erbe  sein,  sagt  aber  nicht,  zu  wieviel  Unzen, 
so  nehmen,    weil  nach  Erschöpfung   des  As   in   der  Erbschaft  Nichts   ver- 


8,1 


,6,12 


1)  Ein  Ex  re  certa  eingesetzter  Erbe  wird  so  angesehen,  als  sei  er  ohne  Erwähnung 
dieser  Sache  zum  Erben  eingesetzt  gewesen.  Dem  Officium  des  Judex  familiae  herciscundae 
entspricht  es,  dass  der  Eingesetzte  nicht  mehr  Ertrag  erzielt,  als  hätte  er  auf  eine  Res 
certa  als  Erbe  eingfesetzt  werden  können 


y)  a)  Gr.  8,  1.  Ex  re  certa  heredem  in- 
stitutum  sie  haberi,  ac  si  sine  eius  rei  com- 
memoratione  heres  institutus  fuisset,  sane 
officio  familiae  herciscundae  iudicis  convenire, 
ut  non  plus  emolumenti  consequatur,  quam 
alioqui  esset  habiturus,  ac  si  ex  re  certa 
heres  institui  potuisset,  in  dubium  non  venit .  . 

b)  P.  8,  6,  12.  In  quot  vult  uncias,  tes- 
tator  hereditatem  suam  dividere  potest.  Im- 
pleto  asse,  sine  parte  heredes  instituti  ad 
prioris  assis  semissem  aequis  portionibus  ve- 
niunt. 


Si  quis  per  testamentum  heredem  aliquem 
appellaverit  et  rem  certam,  id  est  aut  pos- 
sessionem  aut  mancipia  aut  quamlibet  aliam 
speciem,  de  qua  dubietas  esse  non  possit, 
sub  heredis  vocabulo  dimiserit,  cui  heredis 
nomen  imposuerit,  ad  eum  et  illa,  quae  non 
sunt  nominata,  perveniant. 

In  quot  vult  uncias,  testator  assem  suum 
in  diversos  heredes  dividere  potest,  ut  faciat, 
si  voluerit,  et  XV  et  XX  uncias  et  in  maiori 
numero:  aut  certe  si  voluerit,  et  in  minori 
potest,  hoc  est,  aut  VII  aut  IX  aut  quot  vo- 
luerit in  minori  modo  uncias  facere  potest. 
Si  vero  XII  uncias  impleverit,  id  est,  totum 
assem,  in  testamento  suo,  et  postmodum  al- 
teri  dicat:  ille  heres  mihi  esto,  et  non  dicat, 
in  quot  uncias;  quia  nihil  impleto  asse  in 
hereditate  remansit,  illi,  qui  in  XII  uncias 
heredes  nominatim  instituti  sunt,  medietatem 
tollunt  et  medietatem  iUe,  qui  post  impletum 
assem  heres  est  posterior  sine  portione  ali- 
qua  nominatus.  Quod  si  heredes  instituti 
in  XII  uncias  inveniantur  et  postmodum  he- 
redem his  verbis  testator  instituat,  ut  dicat: 
ex  reliqua  parte  ille  heres  mihi  esto,  ei,  qui 
sie  institutus  est,  nihil  debetur:  quia  impleto 
asse  nihil,  quod  ei  testator  reliquerit,  dignos- 
citur  remansisse. 


376 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


blieben  ist,  diejenigen,  welche  unter  Namensnennung  zu  12  Unzen  als  Erben 
eingesetzt  worden  sind,  die  Hälfte,  die  Hälfte  aber  jener,  der  nach  Er- 
schöpfung des  As  hernach  ohne  irgendwelchen  Teil  als  Erbe  genannt 
worden  ist.  Wenn  sich  Erben  linden,  die  auf  zwölf  Unzen  eingesetzt  worden 
sind,  und  hernach  der  Testator  einen  Erben  mit  den  folgenden  Worten  einsetzt, 
dass  er  sagt:  jener  soll  auf  den  Rest  mein  Erbe  sein,  so  wird  demjenigen, 
welcher  in  dieser  Weise  eingesetzt  worden  ist,  nichts  geschuldet,  weil  nach 
Erschöpfung  des  As  etwas,  was  ihm  der  Testator  hinterlassen  haben  wird, 
nicht  verblieben  zu  sein  erachtet  wird.^ 

p.  3, 6, 7  c)  ''^Wenn  irgend  Jemand  in  seinem  Testamente  dem  Erben  eine  Bedingung 
setzt,  die  dieser  erfüllen  soll,  bevor  er  die  Erbschaft  in  Anspruch  nimmt, 
ist  mit  Grrund  behufs  ihrer  Erfüllung,  falls  sie  für  möglich  erachtet  wird,  jene 
Frist  abzuwarten,  und  soll  die  Erbschaft  nicht  in  Anspruch  genommen 
werden,  bis  die  Bedingung  erfüllt  wird.  Wird  dem  Erben  irgend  etwas 
Unmögliches  auferlegt  gewesen  sein,  was  durchaus  nicht  erfüllt  werden  kann, 
so   ist  eine   solche  Bedingung  unverzüglich  zu    entfernen;    sie  bereitet   dem 

p.  3, 6,8  eingesetzten  Erben   kein  Hindernis.^     Bedingungen,    die  gegen   die   Gesetze 

und  Dekrete  der  Principes,  bez.  die  guten  Sitten,  beigeschrieben  sind, 
haben  kein  Giltigkeit;  beispielsweise  „wenn  Du  die  Frau  nicht  geheiratet 
haben  wirst",  „wenn  Du  Kinder  nicht  bekommen  haben  wirst",  „wenn  Du 
einen  Mord  verübt  haben  wirst",  „wenn  Du  als  Gespenst  aufgetreten  sein 
p.  4, 12, 1  wirst"    und  dergleichen.     Ein    Erbe,    der    unter    der    Bedingung,    wenn    er 

seine  Kinder  emanzipiert  haben  wird,  zum  Erben  eingesetzt  worden  ist,  ist 


1)  Der  Testator  kann  seine  Erbschaft  in  eine  beUebige  Zahl  von  Unzen  teilen.  Nach 
Erschöpfung  des  As  kommen  die  ohne  Teil  eingesetzten  Erben  zu  gleichen  Teilen  auf  die 
Hälfte  des  früheren  As, 

2)  Vgl.  S.  5  Anm.  1.  ' 


c)  P.  3,  6,  7.  Conditionum  duo  sunt  ge- 
nera:  aut  enim  possibilis  est,  aut  impossi- 
bilis.  Possibilis  est,  quae  per  rerum  naturam 
admitti  potest:  impossibilis,  quae  non  potest: 
quarum  ex  eventu  altera  exspectatur,  altera 
impossibilis  submovetur. 


P.  3,  6,  8.  Conditiones  contra  leges 
et  decreta  principum  vel  bonos  mores  ad- 
scriptae  nullius  sunt  momenti:  veluti,  si 
uxorem  non  duxeris,  si  filios  non  susceperis, 
si  homicidium  feceris,  si  carnali  habitu  pro- 
cesseris,  et  his  similia. 

P.  4,  12,  1.  Ea  conditiono  heres  institu- 
tus,  si  liberos  suos  emancipaverit,  omnimodis 
eos  cogendus  est  emancipare :  pro  conditione 
enim  hoc  loco  emancipatio  videtur  adscripta. 


Si  aliquis  in  testamento  suo  conditionem 
heredi  constituat,  quam  prius  impleat,  quam 
hereditatem  praesumat,  merito  ad  eam  im- 
plendam,  quia  possibilis  videtur,  exspectan- 
dum  tempus  istud  est,  ut  non  praesumatur 
hereditas,  quamdiu  conditio  impleatur.  Nam 
si  impossibile  aliquid  heredi  fuerit  iniunctum, 
quod  impleri  penitus  non  potest,  talis  condi- 
tio statim  submovenda  est:  quia  nullum 
scripto  heredi  impedimentum  facit. 


Erbfolge  Ex  testamento  §  3. 


377 


G.  2,  4 
pr.  u.  1 


auf   alle  Weise    zu    zwingen,    sie    zu  emanzipieren:   denn  die  Emanzipation 
wird  an   dieser  Stelle  als  Bedingung  beigefügt  zu  sein  erachtet. 

5)  Substitutionen. 

a)  Diejenigen,  welche  Testamente  machen,  können,  wie  sie  Erben  einsetzen,  p.  3,  e,  lo 
so  auch  substituieren.!  Substitution  ist  die  Einsetzung,  die  seitens  des  G.  2, 4pr. 
Testators   nach   der  Institution   zu  geschehen   pflegt,    das  ist,   die  Nennung 

eines    zweiten    Erben.     Es    giebt    zwei,    von    denen    die   eine  Vulgaris,    die 
andere  Pupillaris  genannt  wird. 

b)  Substitutio  vulgaris  wird  genannt:  Jener  soll  mein  Erbe  sein,  sei  es  dass 
dies  einem  Sohne,  sei  es  dass  es  einem  Extraneus  geschieht.  Wenn  Du 
meine  Erbschaft  nicht  wirst  haben   antreten  wollen,  substituiere  ich  diesen, 

dem  meine  Erbschaft  zukommen  muss.  ^Diejenigen,  welche  im  ersten  Grade  p  3,6,10 
als  Erben  eingesetzt  worden  sind,  werden  Instituti,  im  zweiten  Substituti 
genannt:  die  im  dritten  werden  Scripti  geheissen,  indem  gestattet  worden 
ist,  bis  zum  dritten  Grad  nach  dem  Belieben  des  Testators  Erben  zu  sub- 
stituieren, das  will  sagen,  dass  entsprechend  dem  Willen  des  Testators  eine 
derart  angeordnete  Substitution  in  Acht  genommen  wird.  In  der  Art  jedoch, 
dass,  wie  einem  Erben  ein  Fideikommiss  aufgetragen  wird,  so,  mit  welcherlei 
AVorten  auch  immer  der  Testator  angeordnet  haben  wird,  die  Erbschaft 
des  Verstorbenen  von  dem  Instituierten  an  den  Substituten  zu  gelangen 
vermag.^   ^Demgemäss    kann    eine    Substitution    auch   pure,    das    ist,    ohne  p.  3. 6, 11 


1)  Erben  werden  entweder  Instituti  oder  Substituti  (genannt. 

2j  Im  ersten  Grade  werden  die  Erben  instituiert;  substituiert  werden  die  im  zweiten 
oder  dritten  Grade  Geschriebenen. 


o)  a)  P.  3,  6,  10.     Heredes    aut   instituti 
aut  substituti  dieuntur  .  . 


b) 


P.  3,  6, 10.    Heredes  .  .  Instituuntur  primo 
gradu :  substituuntur  secundo  vel  tertio  scripti. 


P.  3,  6,  11.     Substituere  quis  et  pure  et 


Qui  testamenta  faciunt,  sicut  instituere 
heredes,  ita  et  substituere  possunt  .  . 

G.  2,  4  pr.  Substitutio  est,  quae  post  in- 
stitutionem  a  testatore  fieri  solet,  id  est,  se- 
cundi  heredis  appellatio.  Et  duae  sunt,  qua- 
rum  una  vulgaris  dicitur,  alia  pupillaris. 

G.  2,  4,  pr.  u.  1.  Substitutio  .  .  Vul- 
garis dicitur,  ille  heres  mihi  esto,  sive  hoc 
filio  sive  extraneo.  Quod  si  hereditatem 
meam  adire  nolueris,  illum  substituo,  ad 
quem  hereditas  mea  debeat  pertinere. 

.  .  (Nam)  qui  primo  gradu  heredes  scripti 
sunt,  instituti  appellantur:  qui  secundo,  sub- 
stituti: qui  tertio,  scripti  vocantur:  quia 
usque  ad  tertium  gradum  heredes  substituere 
pro  testatoris  voluntate  permissum  est,  hoc 
est,  ut  secundum  voluntatem  testatoris  ita 
substitutio  ordinata  servetur:  ea  tamen  ra- 
tione,  ut,  sicut  committitur  fidei  heredis,  sie 
quibuscunque  verbis  testator  iniunxerit,  here- 
ditas defuncti  ab  instituto  ad  substitutum 
valeat  pervenire. 

Substitutio    et  pure,   id  est,  sine  conditi- 


878 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


Bedingung  geschehen,  das  will  sagen,  dass  die  Erbschaft,  sobald  sie  an  den 
Substituten  gelangt  sein  wird,  an  den  dritten  Erben  nicht  gelangen  darf. 
Dagegen  wird  Jemand  unter  einer  Bedingung  in  der  Art  substituiert,  dass, 
wenn  jener  gestorben  gewesen  sein  wird,  die  Erbschaft,  die  von  ihm  inne- 
gehabt worden  ist,  an  den  dritten  Erben,  das  ist,  an  den  Scriptus  gelangen 
solle.  Diese  Substitution  kann  indessen  ebenso  sehr  mit  Bezug  auf  Sui 
heredes  als  Fremde  und  ebenso  sehr  mit  Bezug  auf  Mündige  als  Unmün- 
dige geschehen,  dass  will  sagen,    sowohl  bezüghch  Pupilli  als  auch  x^dulti.^ 

p.  4, 8, 7  Bei    eingesetzten    Erben    ist    die    testamentarische    Ordnung    fest- 

zuhalten, derart  dass  mit  Bezug  auf  den  Antritt  der  Erbschaft  für 
Instituierte  oder  Substituten  die  Satzung  des  Testaments  in  Acht 
genommen  werden  soll.^ 

G.  2, 4, 2  c)  Die  Pupillarsubstitution  kann  nur  unmündigen  Kindern  gegeben  werden 
und  geschieht  folgen  de rmassen:  wenn  mein  Sohn  innerhalb  der  Pubertät 
gestorben  sein  wird,  substituiere  ich  ihm  jenen.  Die  Pupillarsubstitution 
muss  aber  so  geheim  sein,  dass  sie  nicht  zur  Kenntnis  des  Substituten 
gelangen  kann,  damit  nicht  der  Substitut  dem  Leben  des  Pupilleii  irgend- 
welche Nachstellungen  bereite:  sie  muss  auf  der  äussersten  Seite  des 
Testaments  geschehen,  damit  jener  Teil,  in  welchem  sich  die  Pupillarsubstitu- 
tion geschrieben  findet,  so  lange  versiegelt  bleibe,  bis  der  Pupill  die  Jahre 
der  Pubertät  überschreitet,  und  der  frühere  Teil  des  Testaments,  wo  der 
Erbe  verzeichnet  worden  ist,  eröffnet  werde.  Es  kann  dies  auch  mit  Bezug 
auf  Posthumi  geschehen. 


1)  Jemand  kann  sowohl  Pure  als  auch  Sub  conditione  substituieren  und  ebenso  sehr 
für  Sui  wie  für  Extranei,  für  Puber  es  wie  für  Impuberes. 

2)  Dem  Zusammenhang  nach  will  T  sagen,  dass  die  Substitution   vor  der  Accrescenz 
den  Vorrang  hat. 


sub    conditione    potest:    et    tam   suis,   quam 
extraneis;  tam  puberibus,  quam  impuberibus. 


P.  4,  8,  7.  (Ex  pluribus  heredibus  iisdem- 
que  legitimis,  si  qui  omiserint  hereditatem 
vel  in  adeundo  aliqua  ratione  fuerint  impe- 
diti,  his,  qui  adierunt  vel  eorum  heredibus 
omittentium  portiones  accrescunt.)  Quod  in 
berede  instituto  eum,  qui  acceperat  substi- 
tutum,  evenire  non  poterit  .  . 

c) 


one  fieri  potest:  hoc  est,  ut,  quum  ad  sub- 
stitutum  hereditas  pervenerit,  ad  tertium 
heredem  non  debeat  pervenire.  Sub  condi- 
tione autem  ita  quis  substituitur,  ut,  quum 
ille  mortuus  fuerit,  ad  tertium  heredem,  id 
est,  scriptum,  hereditas,  quae  est  ab  eodem 
tenta,  perveniat.  Quae  tamen  substitutio 
tam  in  suoa  heredes,  quam  in  alienos,  et 
tam  puberes,  quam  impuberes,  fieri  potest: 
hoc  est  et  in  pupillos  -et  in  adultos. 

.  .  in  heredibus  scriptis  testamenti  ordo 
tenendus  est,  ut  institutis  vel  substitutis  de 
adeunda  hereditate  scripturae  forma  servetur. 


G.  2,  4,  2.  Pupiilaris  substitutio  filiis  tan- 
tummodo  impuberibus  dari  potest,  quae  ita 
fit:  Ille  filius  maus  si  intra  pubertatem  de- 
cesserit,  illum   ei    substituo.     Sed    pupiilaris 


Erbfolsre  Ex  testamento  §  3. 


379 


d)  Wenn  ein  Extraneus  lieres  eingesetzt  worden  ist,  kann  er,  obschon  wir  g.  2, 4, 3 
irgend  Jemanden  nicht  in  der  Weise  substituieren  können,  dass,  für  den 
Fall,  dass  ein  Erbe  aufgetreten  sein  und  innerhalb  irgendwelcher  Zeit  gestorben 
gewesen  sein  wird,  ein  anderer  sein  Erbe  sei,  dennoch  mittels  Fideikommisses 
verpflichtet  werden,  einem  Andern  im  Auftrage  des  Testators  die  Erbschaft 
entweder  ganz  oder  zum  Teil  zu  restituieren. 

4)  Entkräftung  des  Testaments  (vgl.  §  5). 

a)  Wenn  Jemand  nach  Errichtung  seines  Testaments  zehn  Jahre   gelebt  und   0. 4, 4, 6 
seinen  Willen  nicht  geändert  haben  wird,  wird  das  Testament,  das  vor  ehiem 
Zeitraum  von  zehn  Jahren  gemacht  worden  ist,  hinfällig  sein. 

b)  Durch   ein    späteres  Testament,   das  rechtsgiltig  errichtet  worden  ist,   wird   g.  2, 3, 4 
dasjenige,    welches   vorher    rechtsgiltig    errichtet    gewesen   war,    aufgehoben. 


dj 


4)  a)  C.  4,  4,  6.  Ne  quis  post  diem  mor- 
tis scriptis  ante  decennium  testamentis  prae- 
stetur  assensus,  nullisque  penitus  viribus 
scriptura  huiusmodi  tempore  antiquata  taxe- 
tur:  praesertim  quum,  si  voluntas  continuata 
perstiterit,  brevis  mora  sit,  recentibus  ve- 
tustatem  renovare  temporibus.  Vix  enim  fieri 
potest,  ut  per  haec  tempora,  quae  fidei  amore 
contraximus,  omnem  testium  conscientiam 
mors  coniurata  surripiat,  et  revera  nefas  est, 
ut  antiquae  deliberationis  ordinatio  voluntas 
postrema  dicatur. 


substitutio  ita  secreta  esse  debet,  ut  ad  no- 
titiam  substituti  perveiiire  non  possit,  ne  vi- 
tae  pupilli  aliquas  substitutus  insidias  mo- 
liatur:  nam  in  extrema  pagina  testamenti 
fieri  debet,  ut  pars  illa,  in  qua  substitutio 
papillaris  scripta  est,  quamdiu  pupillus  annos 
pubertatis  egrediatur,  obsignata  permaneat, 
et  prior  pars  testamenti,  in  qua  heres  scriptus 
est,  reseretur.  Hoc  etiam  de  posthumis  fieri 
potest. 

G.  2,  4,  3.  (Nam)  si  extraneus  heres  scriptus 
sit,  etsi  aliquem  substituere  non  possumus, 
ut  si  heres  exstiterit,  et  intra  aliquod  tem- 
pus  mortuus  fuerit,  alius  ei  heres  sit,  potest 
tam.en  per  fideicommissum  obligari,  ut  alii 
rogatus  a  testatore  hereditatem  aut  integram 
aut  pro  parte  restituat. 

Si  quis  condito  testamento  decennio  su- 
perstes  fuerit  et  suam  non  mutaverit  volunta- 
tem,  quod  ante  decennium  factum  est,  va- 
cuum  remanebit. 


G.  2,  3,  4.  Posteriore  (quoque)  testamento, 
quod  iure  factum  est,  id,quod  ante  iure  factum 
fuerat,  rumpitur.  Quod  si  facto  posteriore 
testamento  heres  scriptus  aut  ante  aditionem 
hereditatis  moriatur,  aut  vivo  testatore  defe- 
cerit,  aut  conditio  possibilis,  sub  qua  heres 
constitutus  est,  impleta  non  fuerit,  is,  qui 
testamentum  fecit,  intestatus  mori  videtur: 
quia  testamentum,  quod  prius  fecerat,  testa- 


380 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.  Th. 
9.1,7 


N.  Th. 
9,1,7 


Falls  nach  Errichtuiig  des  späteren  Testaments  der  eingesetzte  Erbe  ent- 
weder vor  Antritt  der  Erbschaft  stirbt  oder  bei  Lebzeiten  des  Testators 
gestorben  sein  wird,  oder  die  mögliche  Bedingung,  unter  welcher  der  Erbe 
eingesetzt  worden  ist,  nicht  erfüllt  gewesen  sein  wird,  wird  derjenige,  welcher 
das  Testament  gemacht  hat,  ohne  Testament  zu  sterben  erachtet,  weil  das 
Testament,  das  er  zuerst  gemacht  hatte,  durch  das  spätere  Testament  ver- 
nichtet worden  ist,  und  was  später  gemacht  worden  ist,  durch  die  genannten 
Umstände  entkräftet  wird.  Wenn  der  unvollendete  Wille  eines  Sterbenden 
vorhanden  gewesen  sein  wird,  soll  er  als  zweiter  dann  Geltung  haben,  falls  der 
Erblasser  in  dem  ersten  Testamente,  das  er  errichtet  hatte.  Fremde  als  Erben 
ernannt  und  nachher  in  dem  zweiten  Willen  diejenigen  eingesetzt,  bez. 
zur  Erbfolge  berufen  hat,  die,  auch  wenn  er  nicht  testiert  gehabt  hätte,  Ab 
intestato  in  die  Erbschaft  des  Verstorbenen  hätten  folgen  können.  Dieser 
spätere  Wille  des  Verstorbenen,  mag  er  auch  nicht  vollendet  sein,  soll 
indessen  nur  dann  in  Allem,  was  geschrieben  ist,  gelten,^  ^wenn  fünf  Zeugen 
mit  der  Heiligkeit  des  Eides  bekräftigen,  dass  sie  der  Testator  zu  dem 
Zwecke  berufen  habe,  um  unter  Ausschluss  des  früheren  Testaments  einen 
zweiten  Willen,  den  er  nicht  zu  vollenden  vermochte,  mit  Bezug  auf  seine 
Verwandten  zu  errichten:  er  soll  dann  in  Allem,  resp.  mit  Bezug  auf  alle, 
festen  Bestand  haben. '^ 

Wird  Jemand  nach  Errichtung  eines  legitimen  Testaments  hernach 
ein  anderes  haben  machen  wollen,  so  soll  das  zuerst  gemachte  nur 
dann  kraftlos  werden,  wenn  das  folgende  Testament  in  aller  Giltigkeit 
abgefasst  und  durch  die  legitime  Zeugenzahl  bekräftigt  gewesen  sein  wird. 


1)  T  fügt  hinzu:  non  quasi  testamentum,  sed  quasi  voluntatem  intestati. 

2)  Bei  T  heisst   es   lediglich,   dass   die    Depositionen  von   fünf  Testes  iurati  genügen 
und  sonst  das  erste  Testament  Bestand  hat,  mögen  auch  Extranei  sich  darin  eingesetzt  ünden. 


N.  Th.  9,  1,  7.  .  .  nisi  forte,  in  priore 
testamento  scriptis  his,  qui  ab  intestato  ad 
testatoris  hereditatem  successionemve  venire 
non  poterant,  in  secunda  voluntate  testator 
eos  scribere  instituit,  qui  ab  intestato  ad 
eins  hereditatem  vocantur.  Eo  enim  casu, 
licet  imperfecta  videatur  scriptura  posterior, 
infirmato  priore  testamento  secundam  eius 
voluntatem,  non  quasi  testamentum,  sed  quasi 
voluntatem  intestati  valere  censeraus.  In  qua 
voluntate  quinque  testium  iuratorum  depo- 
sitiones  sufficient:  quo  non  facto,  valebit 
primum  testamentum,  licet  in  eo  scripti  vi- 
deantur  extranei. 


N.  Th.  9,  1,  7.     Si  quis  (autem)  testamento 
iure  perfecto  postea  ad  aliud  pervenerit  tes- 


mento  posteriore  rescissum  est,  et  quod 
posterius  factum  est,  his  rebus,  quas  dixi- 
mus,  infirmatur, 

.  .  si  imperfecta  (forsitan)  fuerit  deficientis 
voluntas,  secunda  voluntas  tunc  valeat,  si  in 
primo  testamento,  quod  fecerat,  extraneos 
scripsit  heredes  et  postea  in  secunda  volun- 
tate illos  instituit  vel  ad  successionem  vo- 
cavit,  qui,  etiamsi  non  testatus  fuisset,  po- 
terant in  hereditate  defuncti  ab  intestato 
succedere.  Quae  tamen  posterior  voluntas 
defuncti,  licet  non  sit  perfecta,  sie  in  Omni- 
bus, quae  scripta  sunt,  valeat,  ut  quinque 
testes  iurisiurandi  religione  confirment,  tes- 
tatorem  ad  hoc  eos  convocasse,  ut  remoto 
priori  testamento,  secundam  in  propinquis 
suis,  quam  perlicere  non  valuit,  conderet 
voluntatem :  quae  in  omnibus  vel  circa  om- 
nes  firma  permaneat. 

Si  quis  (autem)  facto  legitimo  testamento, 
aliud  postea  facere  valuerit  testamentum,  non 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


381 


c)  Rechtsgiltig  errichtete  Testamente  werden  entkräftet,  wenn  Jemand  nach  der  g.  2, 3, 5 
Errichtung  eine  Capitis  minutio  erfährt,  das  ist  entweder  von  den  Feinden 
gefangen   oder   wegen    eines   Verbrechens    dem   Exil  überwiesen  wird.     In- 
gleichen wird  auch,  wenn  Jemand  adoptiert  gewesen  sein  wird,  das  Testa- 
ment, das  er  errichtet  hatte,  bevor  er  adoptiert  wurde,  nicht  gelten. 

5)  Wiederholung  der  Erbeseinsetzung. 

a)  Es  geschieht,  dass  Jemand  mittels  Urkunde  ein  Testament  errichtet  und  c.  4, 4, 7 
hernach  ohne  Urkunde,  das  ist.  Per  nuucupationem,  seinen  Willen  wieder- 
holen zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  bez.  dass  er  in  einem  Kodizill,  was  dann 
ein  Eideikommiss  ist,  seinem  Erben  die  Befugnis  übertragen  haben  wird, 
aus  derjenigen  Verfügung  des  Erblassers,  aus  welcher  er  gewollt  haben 
wird,  zu  folgen.^  Wird  jedoch  nach  Errichtung  eines  Testaments  hernach  c.  4, 4, 1 
ein  Kodizill  gemacht  gewesen  sein  und  er  darin  einen  andern,  als  den  er 
im  Testamente  gemacht  hatte,  zum  Erben  haben  ernennen  wollen,  so  wird 
die  Erbeseinsetzung  in  diesem  Kodizill  keine  Giltigkeit  haben.^ 

IL  Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 

1)  Nach  älterem  lus  civile. 

a)  Erbrecht  der  Sui   (vgl.  Zweites  Buch,  §  18,  2  ß). 

a)  Von  Personen,  die  kein  Testament  sremacht  haben,  kommen  die  Erbschaften    ^-  ^\^ 
zunächst    den    Sui  heredes    zu.     Sui    heredes    aber  werden    genannt    Sohn 


1)  Vgl.  §  7,  2  ß,  a.  2)  J  nimmt  dabei  auf  ein  früheres  Gesetz  Be- 

zug (Nam  secundum  superiorem  legem  .  .).     Es  ergiebt  sich  nicht,  worauf  sich  das  bezieht. 


tamentum,  non  alias,  quod  ante  factum  est, 
infirmari  decernimus,  quam  id,  quod  secundo 
facere  testator  instituit,  iure  fuerit  consum- 
matum  .  . 

c) 


5j  a) 


la)  a) 


aliter,  quod  prius  factam  est,  reddatur  in- 
firmum,  nisi  sequens  testaaientum  omni 
fuerit  firmitate  conscriptum  et  legitimo  tes- 
tium  numero  roboratum   .  . 

G.  2,  3,  5.  (Alio  quoque  modo)  testamenta 
iure  facta  infirmantur,  si  aliquis  post  factum 
testamentum  capite  minuatur,  id  est,  aut  ab 
hostibus  capiatur,  aut  pro  crimine  in  exsi- 
lium  deputetur.  Similiter  et  si  quis  adop- 
tatus  fuerit,  testamentum,  quod,  antequam 
adoptaretur,  fecerat,  non  valebit. 

C.  4,  4,  7.  Si  quis  per  scripturam  con- 
diderit  testamentum  et  postmodum  sine  scrip- 
tura,  hoc  est  per  nuncupationem  suam  iter- 
andam  crediderit  voluntatem,  vel  si  codicillis, 
quod  est  fideicommissum,  potestatem  heredi 
suo  commiserit,  ut,  ex  qua  voluerit,  testato- 
ris  ordinatione  succedat  .  . 

C.  4,  4,  1.  .  .  si  condito  testamento  po- 
stea  factus  fuerit  codicillus,  et  in  eo  alium, 
quam  in  testamento  fecerat,  heredem  volu- 
erit nominare,  in  eo  codicillo  heredis  insti- 
tutio  non  valebit, 

G.  2,   8   pr.  1.     Intestatorum    hereditates 


382 


Privatrecht.     Fünftes  Buch, 


G.2,  3,  6 


G.  2,8,  2 


Tochter,  Enkel  oder  Enkelin,  Urenkel  Urenkelin  von  dem  Enkel,  indem 
alle,  die  durch  männliches  Greschlecht  abstammen,  Sui  genannt  werden. 
Es  sind  diese  Personen  natürliche  und  Adoptivkinder:  im  Vergleich  mit 
den  Adoptivkiiidern  werden  hier  legitime  Kinder  natürliche  genannt. 
Enkel  oder  Enkelin  von  dem  Sohne  sind  für  den  Grossvater  Sui  heredes, 
Avenn  ihr  Yater  entweder  durch  den  Tod  oder  durch  Emanzipation  aus  der 
Gewalt  seines  Vaters  ausgeschieden  sein  wird:  denn  wenn  zu  der  Zeit, 
dass  irgend  Jemand  stirbt,  er  einen  Sohn  und  Enkel  von  ihm  in  der  Gewalt 
hat,  können  diese,  während  ihr  Vater  lebt  und  in  der  Gewalt  des  Gross- 
vaters sich  befindet,  nicht  Sui  heredes  des  Grossvaters  sein.  Ingleichen 
sind  Posthumi,  die,  wenn  sie  bei  Lebzeiten  des  Vaters  geboren  gewesen 
wären,  in  seiner  Gewalt  hätten  sein  müssen,  Sui  heredes. 

Sui  heredes  werden  genannt  Kinder  oder  Enkel  von  Söhnen,  die 
der  Grossvater  oder  Vater  in  der  Gewalt  hat. 

b)  Wenn    irgend    Jemand    stirbt    und   einen    Sohn    oder    eine    Tochter    und 
von   einem    andern  verstorbenen   Sohn  Enkel  oder  Enkelinnen   hinterlassen 


h) 


primum  ad  suos  heredes  pertinent.  Sui 
autem  heredes  appellantur  filius  filia,  nepos 
vel  neptis,  pronepos  proneptis  ex  nepote: 
quia  omnes  per  virilem  sexum  descendentes 
sui  vocantur.  Naturales  sunt  hae  personae, 
ac  adoptivae.  Adoptivorum  comparatione 
legitimi  naturales  appellantur.  Sed  ita  ne- 
pos vel  neptis  ex  filio  avo  sui  heredes  sunt, 
si  pater  eorum  de  potestate  patris  aut  morte 
aut  emancipatione  discesserit:  nam  si  eo 
tempore,  quo  aliquis  moritur,  filium  in  po- 
testate habeat,  et  ex  eo  nepotes,  illi  vivo 
patre  suo  et  in  potestate  avi  constituto,  sui 
heredes  avo  esse  non  possunt.  Similiter 
posthumi,  qui,  si  vivo  patre  nati  fuissent,  in 
potestate  eius  futuri  erant,  sui  heredes  sunt. 

G.  2,  3,  6.  .  .  Sui  heredes  appellantur 
filii  aut  nepotes  ex  filiis  masculis,  quos  in 
potestate  avus  vel  pater  habet. 

G.  2,  8,  2.  Si  quando  aliquis  moriatur,  et 
reliquerit  filium  aut  filiam  et  ex  alio  filio 
mortuo  nepotes  neptesve,  filii  vel  nepotes  ex 
filio  defuncto  patre  vel  avo  pro  ratione  suc- 
cedunt,  ut  filius  ac  filia  suas  partes  accipiant 
et  nepotes  ex  filio  portionem,  quam  pater 
eorum  erat  habiturus,  accipiant:  quia  regu- 
lariter  constitutum  est,  ut  inter  suos  proxi- 
mior  longiore  gradu  positum  non  excludat: 
et  non  in  capita,  sed  in  stirpem  dividatur 
hereditas.  Item  si  quis  moriens  filium  non 
relinquat,  sed  ex  duobus  masculis  filiis  di- 
mittat  nepotes,  hoc  est,  ex  uno  filio  unum 
vel  duos  nepotes,  ex  altero  tres  aut  quatuor, 
similiter,   sicut   superius   dictum  est,  in  stir- 


Erbfolg-e  Ab  intestato  §  4. 


383 


haben  wird,  folaeii  Kinder  oder  Enkel  von  dem  Sohne  nach  dem  Tode  des 
Vaters  oder  Gross vaters  in  der  Art,  dass  der  Sohn  und  die  Tochter  ihre 
Anteile  empfangen  imd  die  Enkel  von  dem  Sohne  den  Teil  empfangen, 
welchen  ihr  Vater  gehabt  haben  würde,  weil  es  als  Regel  festgesetzt 
ist,  dass  unter  den  Sui  der  Nähere  den  im  entfernteren  Grade  sich  Be- 
findenden nicht  ausschliesst,  und  zwar  soll  die  Erbschaft  nicht  in  Köpfen, 
sondern  nach  dem  Stamme  geteilt  werden.  Ebenso  wird,  wenn  Jemand  bei 
seinem  Tode  einen  Sohn  nicht  hinterlässt,  sondern  von  zwei  Söhnen 
Enkel  zurücklässt,  und  zwar  von  dem  einen  einen  oder  zwei  Enkel, 
von  dem  andern  drei  oder  vier,  die  Erbschaft  in  gleicher  Weise,  wie 
oben  ausgeführt  worden  ist,  nach  dem  Stamme,  nicht  nach  Köpfen 
geteilt,  derart,  dass  die  zwei  Enkel  von  dem  einen  Sohn  die  Hälfte  erhalten 
und  die  vier  von  dem  andern  Sohne  die  andere  Hälfte,  das  will  sagen 
dass  sie  solche  Portionen  empfangen,  wie  ihre  Väter  gehabt  haben  würden. 
wen]i  sie  gelebt  hätten. 

Unter   Sui   findet,   wie   wir  oben   gesagt  haben,   die  Art  der  Erb- 
teilung statt,  dass  der  Nähere  den  Entfernteren  nicht  ausschliesst. 

Unter  Sui  soll  stets  die  Erbschaft  nach  dem  Stamme,  nicht  nach   g.  2,  s,  e 
Köpfen  geteilt  werden. 

c)  Ist  Jemand  von  den  Feinden  gefangen  worden,  so  geht  er  des  Rechts   als   p.4,  8, 5 
Suus  heres  nicht  verlustig,  nachdem  er  Postliminio  zurückgekehrt  ist.     Man 
meinte,    dieses   auch    hinsichtlich   derjenigen,    die   auf  eine  Insel    deportiert 
werden  oder  Servi  poenae  gCAVorden  sind,  gelten  lassen  zu  sollen,  wenn  sie 
in  Allem  durch  kaiserliche  Gnade  In  integrum  restituiert  werden. 

ß)  Agnaten. 

a)  Wenn  Sui  heredes   gefehlt  haben  werden,   dann  gebülirt  die  Erbschaft  des  g.  2, 8, 3 
Verstorbenen  den  Agnaten.     Agnaten  nämlich  sind  diejenigen,   welche  mit 


G.  2,  8,6 


c)  P.  4,  8,  5.  Ab  hostibus  captus  neque 
sui  (neque  legitimi)  heredis  ius  amittit  post- 
liminio reversus.  Quod  et  circa  eos,  qui  in 
insulam  deportantur  vel  servi  poenae  effecti 
sunt,  placuit  observari,  si  per  omnia  in  in- 
tegrum indulgentia  principali  restituantur. 

ß)  a) 


pem,  non  in  capita  bereditas  dividitur,  hoc 
modo,  ut  illi  duo  nepotes  ex  uno  filio  me- 
dietatem  percipiant,  et  illi  quatuor  ex  alio 
filio  aliam  medietatem,  hoc  est,  ut  tales  ac- 
cipiant  portiones,  quales  patres  eorum.  si 
vixissent,  habituri  erant. 

G.  2,  8,  6.  .  .  ut  dividatur  hereditas  .  . 
inter  suos,  sicut  superius  diximus,  (alia)  ratio 
est,  ut  proximior  posteriorem  non  excludat .  . 

G.  2,  8,  6.  .  .  inter  suos  .  .  semper  here- 
ditas in  stirpem,  non  in  capita  dividatur  .  . 


G,  2,  8,  3.  Si  defuerint  sui  heredes,  tunc 
hereditas  defuncti  pertinet  ad  agnatos, 
Agnati    enim    sunt    per    virilem    sexum    de- 


384 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


einem  Verstorbenen  durch  das  männliche  Geschlecht  verwandtschaftlich 
verbunden  sind,  das  sind,  Consanguinei  fratres,  das  will  sagen,  von  dem 
gleichen  Vater  Geborne.  Es  kann  auch  nicht  zur  Erörterung  gestellt  werden, 
ob  diejenigen,  die  von  dem  einen  Vater  geboren  sind,  von  verschiedenen 
Müttern  stammen.  Ingleichen  ist  der  Patruus,  das  ist  der  Bruder  des  Vaters, 
Agnat  des  Sohnes  seines  Bruders.  Derselben  Art  sind  die  Fratres  patrueles, 
das  heisst  diejenigen,  welche  von  je  einem  Germanus  geboren  sind.  In 
dieser  Weise  lässt  sich  erkennen,  welches  die  Agnaten,  wie  wir  oben  bemerkt 
haben,  die  durch  das  männliche  Geschlecht  verwandtschaftlich  Verbun- 
denen sind. 

G.  2, 8, 4  b)  Nicht  allen  Agnaten  zugleich  giebt  das  Gesetz  die  Erbschaft  des  ohne 
Testament  versterbenden  Verwandten,  sondern  denjenigen,  welche  als  die 
dem  Verstorbenen  zur  Zeit  seines  Todes  näherstehenden  befunden  werden» 

G.  7, 1  Derjenige,  welcher  der  Nächste  zu  der  Tutel  gewesen  sein  wird,  ist  ebenso 

der  Nächste  auch  zu  der  Erbschaft. 

G.2,  8, 6  Als  Begel  ist  festgesetzt  worden,  dass  unter  den  Agnaten  der  Nähere 

den  Entfernteren  ausschliesst. 

G.2, 8, 6  aa)  Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode  einen  Germanus  und  von  dem  andern 

Germanus  Kinder  hinterlässt,  so  folgt  der  Germanus  frater,  weil  er 
dem  Grade  nach  der  Nähere  ist,  allein  und  folgen  die  Kinder  des 
Bruders  nicht. 

P-'*'^'^  Stirbt  Jemand  ohne  Testament,  der  einen  Bruder  und  einen  Sohn 


b) 


aa) 


functo  propinquitate  coniuncti,  id  est,  con- 
sanguinei fratres,  hoc  est,  de  uno  patre  nati. 
Nee  disputari  potest,  si  de  diversis  matribus 
nascantur,  qui  uno  patre  geniti  sunt.  Item 
patruus,  id  est,  frater  patris,  fratris  sui  filio 
agnatus  est.  Ipso  modo  sunt  fratres  patru- 
eles, hoc  est,  qui  de  singulis  germanis  nati 
sunt.  Hoc  ordine  aguoscitur,  qui  sint  agnati, 
sicut  supra  diximus,  per  virilem  sexum  pro- 
pinquitate coniuncti. 

G.  2,  8,  4.  Non  (tamen)  Omnibus  simul 
agnatis  lex  hereditatem  propinqui  intestati 
dat;  sed  his,  qui  defuncto  mortis  suae  tem- 
pore proximiores  inveniuntur. 

G.  7,  1.  .  .  qui  proximior  fuerit  de  agna- 
tis, ad  ipsum  legitima  tutela  pertinet  .  . 

G.  2,  8,  6.  Regulariter  constitutum  est, 
ut  inter  agnatos  proximior  posteriorem  ex- 
cludat  .  . 

G.  2,  8,  6.  .  .  (Nam)  si  quis  moriens  di- 
mittat  germanum,  et  ex  altero  germano  filios, 
germanus  frater,  quia  gradu  proximior  est, 
solus  succedit,  fratris  filii  non  succedunt  .    . 

P.  4,  8,  4.  Si  quando  quis  intestatus 
moriatur,   qui  fratrem  et  fratris  filium  dere- 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


385 


eines  Bruders  hinterlässt,  so  wird  die  Erbschaft  dem  Bruder^  nicht  dem 
Sohne  des  Bruders  zugehören. 

bb)  Hat  der  Verstorbene  Brüder  und  zwar  Söhne  oder  Enkel  eines  Bruders,   P-  *>  s,  2 
so  wird,  wenn  der  Bruder  nicht  vorhanden  ist,  der  Sohn  des  Bruders 
dem  Enkel  vorgezogen. 

c)  Mit  Bezug  auf  Frauen  ist  der  Sachverhalt  ein  anderer,  weil  aus  der  Zahl   G.  2,  s,  5 
der  Frauen  nur  allein  die  Soror  consanguinea  als  Agnatin  gilt,  derart,  dass 
sie  nach  dem  Tode  ihres  Frater  germanus  nach  dem  Rechte  der  Agnation 
ihm  Ab  intestato  folgt.     Die  übrigen  Frauen,    also   die  Amita,  das  ist  des 
Vaters  Schwester,  oder  des  Bruders  Tochter,  sind  weder  beim  Erwerb  von 
Erbschaften  der  Verwandten  legitime  Erben,  noch  folgen  sie  den  männlichen 
Verwandten  nach  dem  Eechte  der  Agnation:  dagegen  gelangen  ihre  Nach- 
lässe an  die  männlichen  Verwandten  nach  dem  Verhältnis  der  Agnation. 
aa)  Stirbt  Jemand  und  hinterlässt  von  zwei  Germani  fratres  Kinder  mann-   0.2,  8,6 
liehen  Geschlechts,  und  werden  diese    Schwestern    gehabt   haben,    so 
kommen  letztere  nicht  in  die  Erbschaft  des  Patruus,   wie  auch  nicht 
die  Kinder  der  Schwester  in  die  Erbschaft  des  Mutterbruders  folgen. 

bb)  Frauen  können ,  es  sei  denn  hinter  Ab  intestato  verstorbenen  Fratres  P-  i>  s,  3 
consanguinei,   sonst    mit  Agnaten    nicht  succedieren,    weil  auch   nicht 
männliche  Kognaten  zur  Erbfolge  von    ohne   Testament  Verstorbenen 


bb)  P.  4,  8,  2.  Si  sint  fratres  defuncti 
et  fratris  filii  vel  nepotes,  fratre  non  existente 
filius  fratris  nepoti  praefertur. 

c) 


aa) 


bb)  P.  4,  8,  3.  Feminae  ad  hereditates 
legitimas  ultra  consanguineas  saccessiones 
non  admittuntur:  idque  iure  civili  Voconiana 
ratiore  videtur  effectum.  Ceterum  lex  XII 
tabularum  nuUa  discretione  sexus  cognatos 
admittit. 

Conrat,  Breviarium. 


linquat,    ad    fratrem,    non   ad   fratris  filium- 
hereditas  pertinebit. 


G.  2,  8,  5.  In  feminis  (vero)  alia  condi- 
tio est:  quia  inter  feminas  sola  tan  tum  soror 
consanguinea  habetur  agnata,  ut  germano 
suo  defuncto  ab  intestato  ei  agnationis  iure 
succedat.  Reliquae  feminae,  hoc  est,  amita, 
id  est,  patris  soror,  vel  fratris  filia,  nee  in 
capiendis  hereditatibus  propinquorum  legi- 
timae  sunt,  nee  masculis  propinquis  agnati- 
onis iure  succedunt.  Ipsarum  vero  heredi- 
tates ad  masculos  propinquos  agnationis 
conditione  perveniunt. 

G.  2,  8,  6.  .  .  si  moriatur  quis,  et  de 
duobus  germanis  fratribus  dimittat  filios  dun- 
taxat  masculos,  .  .  si  sorores  habuerint,  in 
patrui  hereditatem  non  veniunt,  sicut  nee 
sororis  filii  in  avunculi  hereditate  succedunt. 

Feminae  nisi  fratribus  consanguineis  in- 
testatis  aliter  cum  agnatis  succedere  non 
possunt:  quia  nee  cognati  masculi  ad  suc- 
cessionem  intestatorum  vocantur,  nisi  quando 
agnatos  deesse  constiterit  .   . 


25 


386 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


gerufen  werden,  es  sei  denn,  es  wird  festgestanden  haben,  dass  Agnaten 
fehlen.^ 
P.  4, 8, 4  d)  Stirbt  Jemand  ohne  Testament,  der  einen  Bruder  und  den  Sohn  eines 
Bruders  hinterlässt,  und  wird  der  Bruder  die  Erbschaft  des  Verstorbenen 
abgelehnt  haben  oder  nicht  haben  antreten  wollen,  dann  wird  der  Sohn 
des  Bruders  die  Erbschaft  des  Vaterbruders  für  sich  nicht  in  Anspruch 
nehmen  können.^ 
e)  Als  Regel  ist  festgesetzt,  dass  Ab  intestato  unter  Agnaten  die  Erbschaft 
nicht  nach  dem  Stamme,  sondern  nach  Köpfen  geteilt  wird. 

aa)  Stirbt  Jemand  und  hinterlässt  von  zwei  Germani  fratres  lediglich  Kinder 
männlichen  Geschlechts,  und  zwar  wird  er  von  dem  einen  Bruder  zwei, 
von  dem  andern  gleichfalls  vier  Kinder  männlichen  Geschlechts  hinter- 
lassen haben,  so  folgen  alle  Kinder  der  Brüder  ihrem  Vaterbruder 
Ab  intestato,  jedoch  nicht  nach  dem  Stamme,  sondern  nach  Köpfen, 
derart,  dass  jene  beiden  von  dem  einen  Vater  zwei  Portionen  empfangen 
und  diese  vier  von  dem  andern  vier  Portionen  empfangen. 

p.  4,  8, 5  f)  Ist  Jemand  von  den  Feinden  gefangen  worden,  so  geht  er  des  Rechts  als 
Legitimus  heres  nicht  verlustig,  nachdem  er  Postliminio  zurückgekehrt  ist. 
Man  meinte,  dieses  auch  hinsichtlich  derjenigen,  die  auf  eine  Insel  deportiert 


G.  2,  8,  6 


G.  2,  8,  6 


1)  Frauen  werden  zu  den  legitimen  Erbschaften,  abgesehen  von  den  Successionen  hinter 
Consanguinei,  nicht  zugelassen,  was  nach  lus  civile  Voconiana  ratione  angeordnet  ist:  die 
lex  duodecim  tabularum  lässt  die  Agnaten  ohne  Unterschied  des  Geschlechts  zu. 

2)  Bei  der  Hereditas  legitima  ist  für  eine  Nachfolge  keine  Stelle.  Demgemäss 
kann,  wenn  der  Bruder  stirbt,  bevor  er  die  Erbschaft  antritt  oder  ablehnt,  der  Sohn  des 
Bruders  nicht  zugelassen   werden,  weil  jede  Nachfolge  nur  dem  Näheren  angetragen  wird. 


d)  P.  4,  8,  4.  In  hereditate  legitima  suc- 
cessioni  locus  non  est.  Et  ideo  fratre  dece- 
dente,  antequam  adeat  aut  repudiet  heredi- 
tatem,  fratris  filius  admitti  non  potest:  quia 
omnis  successio  proximiori  defertur. 

e) 


aa 


f)  P.  4,  8,  5.  Ab  hostibus  captus  .  .  ne- 
que  legitimi  heredis  ius  amittit  postliminio 
reversus.  Quod  et  circa  eos,  qui  in  insulam 
deportantur  vel  servi  poenae  effecti  sunt, 
placuit  observari,  si  per  omnia  in  integrum 
indulgentia  principali  restituantur. 


Si  quando  quis  intestatus  moriatur,  qui 
fratrem  et  fratris  filium  derelinquat,  .  . 
(Quod)  si  frater  defuncti  hereditatem  repu- 
diaverit  vel  adire  noluerit,  tunc  fratris  filius 
hereditatem  patrui  sibi  non  poterit  vindicare. 

G.  2,  8,  6.  Regulariter  constitutum  est, 
ut  inter  agnatos  .  .  non  in  stirpem,  sed  in 
capita  ab  intestato  dividatur  hereditas  .  . 

G.  2,  8,  6.  .  .  (Item)  si  moriatur  quis, 
et  de  duobus  gerraanis  fratribus  dimittat 
filios  duntaxat  masculos,  et  ex  uno  fratre 
dimiserit  duos,  ex  alio  quatuor  similiter 
masculos;  omnes  quidem  fratrum  filii  patruo 
suo  ab  intestato  succedunt:  sed  non  in 
stirpem,  sed  in  capita,  ita  ut  illi  duo  ex 
uno  patre  duas  accipiant  portiones,  et  illi 
quatuor  ex  alio  accipiant  quatuor  portiones  .  . 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


387 


werden  oder  Servi  poeiiae  geworden  sind,  gelten  lassen  zu  sollen,  wenn  sie 
in  Allem  durch  kaiserliche  Gnade  In  integrum  restituiert  werden. 

2)  Descendenten-  und  Ascendentenerbrecht  (vgl.  Viertes  Buch,  §  5). 

a)  Descendentenerbrecht. 

a)  Werden  Sohn  oder  Tochter,  die  sterben,  eine  Mutter  mit  dem  lus  liberorum   c.  5, 1, 8 
und  Schwestern  hinterlassen  haben,   haben  aber  dagegen  Kinder,  so  folgen 

ihre  Kinder  in  das  ganze  Yermögen  von  Vater  oder  Mutter,  derart,  dass 
Mutter  oder  Schwestern  von  diesem  Nachlasse  ferngehalten  werden:  dies 
gilt  auch  von  den  Enkeln  und  Urenkeln  der  Kinder. 

b)  AVenn  eine  Tochter,  die  eine  Fiduciata  genannt  wird,  das  will  sagen,   eine   c.  5, 1, 3 
emanzipierte,  ohne  Testament  stirbt  und  Vater,  Mutter  und  Kinder  hinter- 

lässt,   so  folgen    unter   Ausschluss  von  Vater    und  Mutter,    mag  auch    die 


c) 


Verstorbene  das  lus  liberorum  nicht  besitzen,  die  Kinder  ausschliesslich  in 

ihre  Erbschaft.^-  ^ 

Was    in    früheren  Vorschriften 


sich    findet,    dass   weder  von   der   Tochter, 


1)  T  führt  aus,  dass,  so  oft  es  sich  ura  die  Nachfolge  hinter  der  emanzipierten  Tochter 
handelt,  mag  sie  Nomen  fiduciae  ergriflPen  haben,  oder  Nulla  sutfragia  liberorum  sie  begleiten, 
den  Kindern  die  Nachfolge  zustehe  und  dem  Vater  und  der  Mutter  kein  Erbrecht  Ab  intestato 
zu  teil  werde. 

2)  J  fü^t  hinzu:  Hie  de  iure  addendum,  quid  sit  fiducia. 


N.  Th. 
7, 1,8 


2  a)  a)  C.  5,  1,  8.  Mater,  quae  habens  ius 
liberorum  defuncto  filio  .  .  cum  eius  sorore 
succedit .  .  Si  (vero)  filius,  qui  moritur,  filium 
vel  filiam  derelinquit,  omnimodo  patri  suo 
matrive  ipso  iure  succedant.  Quod  sine  dubio 
et  de  pronepotibus  observandum  esse  cen- 
semus. 

b)  C.  5,  1,  3.  Quoties  de  emancipatae 
filiae  successione  tractatur,  seu  eam  fiduciae 
nomen  obstrinxit,  seu  etiam  nulla  comitantur 
sufi'ragia  liberorum,  filiis  ex  ea  genitis,  eti- 
amsi  talis  occasus  avo  vivente  contingat,  in- 
tacta  pro  solido  successio  deferatur,  neque 
uUa  defunctae  patri  matrique  concedatur 
intestatae  successionis  hereditas,  quum  satis 
superque  sufficiat  adversus  omnes  legitimo 
gradu  ad  successionem  venientes  in  heredi- 
tatibus  matrum,  incolumes  ac  superstites 
optabili  Sorte   genitoris,  successio  liberorum. 

c)  N.  Th.  7,  1,  8.  Quod  (autem)  scitis 
prioribus  continetur,  nee  a  fi.lia,  quae  in  po- 
testate  est,  donationem  ante  nuptias  patri, 
nee  a  filio  dotem  acquiri,  eo  addito  confir- 
maraus,  ut,  defunctis  his  adbuc  in  potestate 
patris,  si  liberis  exstantibus  moriantur,  ad 
liberos  eorum  eadem  res  iure  hereditatis, 
non  ad  patrem  iure  peculii  transmittatur  .  . 


.  .  Quod  si  filius  vel  filia,  qui  moriuntur, 
matrem  ius  liberorum  habentem  superstitem 
dimiserint  et  sorores,  sed  tamen  filios  habe- 
ant,  filii  eorum  in  integra  patris  vel  matris 
facultate  succedunt,  ita  ut  mater  vel  sorores 
ab  hac  successione  habeantur  extraneae.  Quod 
et  de  nepotibus  et  pronepotibus  filiorum  (lex 
ista)  constituit. 

Filia,  quam  fiduciatam  nominavit,  hoc  est 
emancipata,  si  intestata  moriatur  et  relinquat 
superstitem  patrem,  matrem  et  filios,  excluso 
patre  et  matre,  etiamsi  ius  liberorum  de- 
functa  non  habeat,  filii  soli  in  eius  heredi- 
tate  succedunt  .  . 


25^ 


388 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


C.  5,  1,  4 
pr.  1  u.  2 


die  sich  in  der  Gewalt  befindet,  die  Donatio  ante  nuptias^  noch  von  dem 
Sohne  die  Dos  dem  Vater  erworben  werde,  bekräftigen  wir  durch  die  Hin- 
ziifügung,  dass,  sobald  sie  noch  in  der  Gewalt  des  Vaters  gestorben  sind, 
wenn  sie  bei  Vorhandensein  von  Kindern  sterben,  dieses  Vermögen  kraft 
des  Rechts  der  Erbschaft  auf  ihre  Kinder,  nicht  Iure  peculii  auf  den  Vater 
übertragen  wird.  ^ 
d)  Stirbt  Jemand,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben,  und  hinter- 
lässt  überlebende  Söhne  oder  Töchter  oder  Enkel  von  der  verstorbenen 
Tochter,  so  folgen  die  Kinder  zu  ihrem  Anteil,  während  die  Enkel  von  der 
Tochter  aus  der  Portion  ihrer  Mutter  den  dritten  Teil  verlieren,  der  ihren  über- 
lebenden Mutterbrüdern  und  Mutterschwestern  zu  statten  kommt.  Hinter- 
lässt  aber  Jemand,  der  ohne  ein  Testament  verstirbt,  von  der  Tochter 
Enkel,  hinterlässt  aber  keine  Kinder,  sondern  ^ Bruder  und  Schwester,  so 
w^erden  Enkel  oder  Enkelinnen  von  der  Tochter  drei  Teile  der  Erbschaft 
des  mütterlicheii  Grossvaters  für  sich  in  Anspruch  nehmen,  den  vierten 
der  Bruder  oder  die  Schwester  des  verstorbenen  Grossvaters  nach  der  Ord- 
nung dieses  Gesetzes  erzielen.''^  ^AVenn  dagegen  eine  Frau,  das  will  sagen^ 
die  Grossmutter  von  Vater-  oder  von  Mutterseite,  ohne  ein  Testament  ge- 
macht  zu   haben,    stirbt   und  Kinder,   sowie  von  einem  verstorbenen  Sohn, 


1)  Vgl.  S.  341  Anm.  2. 

2)  Agnaten,  die  den  Enkeln  vorgezogen  werden  können,  so  sollen  diese  In  quandani 
Falcidiam  und  die  Enkel  auf  Dreiviertel  folo^en. 


d)  C.5,  l,4pr.lu.  2.  Si  defunctus  cuiuscun- 
que  sexus  aut  numeri  reliquerit  filios  et  ex  filia 
defuncta  cuiuscunque  sexus  aut  numeri  ne- 
potes,  eius  partis,  quam  defuncti  filia,  super- 
stes  patri,  inter  fratres  suos  fuisset  habitura, 
duas  partes  consequantur  nepotes  ex  eadem 
filia,  tertia  pars  fratribus  sororibusve  eius, 
quae  defuncta  est,  id  est  tiliis  filiabusque 
eius,  de  cuius  bonis  agitur,  avunculis  scilicet 
sive  materteris  eorum,  quorum  commodo  le- 
gem sancimus,  accrescat.  Quod  si  hie  de- 
functus, de  cuius  bonis  loquimur,  habebit  ex 
filia  nepotes,  et  praeterea  filios  non  habebit, 
sed  qui  praeferri  nepotibus  possint,  habebit 
agnatos,  in  quandam  Falcidiam  et  in  dodran- 
tem  nepotes  iure  succedant.  Haec  eadem, 
quae  de  avi  materni  bonis  constituimus,  de 
Hviae  maternae  sive  etiam  paternae  simili 
aequitate  sancimus  .  . 


Si  aliquis  moriatur  intestatus  et  filios  vel 
filias  superstites  vel  nepotes  ex  filia  mortua 
derelinquat,  filii  in  sua  portione  succedunt; 
nepotes  ex  filia  de  portione  matris  suae  ter- 
tiam  perdunt,  quae  superstitibus  avunculis 
eius  et  materteris  proficit.  Si  vero  quis  mo- 
riatur intestatus  et  relinquat  ex  filia  nepotes 
et  filios  non  dimittat,  sed  fratrem  et  sororem 
superstites  derelinquat,  tres  partes  heredi- 
tatis  avi  materni  sibi  nepotes  vel  neptes  ex 
filia  vindicabunt,  quartam  frater  vel  soror 
avi  defuncti  iuxta  legis  huius  ordinem  conse- 
quentur.  Si  vero  mulier,  id  est  paterna  vel 
materna  avia  intestata  moriatur  et  relinquat 
filios  et  ex  mortuo  filio  vel  filia  nepotes, 
aequaliter  de  patris  vel  matris  portione  ne- 
potes vel  neptes  tertiam  perdunt,  quam  pa- 
truis  et  amitis  ex  aviae  paternae  bonis,  avun- 
culis et  materteris  ex  aviae  maternae  bonis, 
sicut  et  de  avi  materni  conquirunt.  Nam  si 
patruus  et  amita  vel  avunculus  et  matertera 
fortasse  defuerint,  ad  fratres  vel  sorores  avi- 
arum  tres  unciae  et  ad  nepotes  novem  per- 
veniant:  nam  in  avi  paterni  hereditate  ne- 
potes vel  neptes  ex  filio  mortuo  de  patris  sui 
portione  nihil  perdunt  ,  . 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


389 


bez.  einer  verstorbenen  Tochter,  Enkel  hinterlässt,  so  verlieren  gleichmässig 
die  Enkel  oder  Enkelinnen  aus  der  auf  Vater  oder  Mutter  fallenden  Portion 
den  dritten  Teil,  den  sie  den  Vaterbrüdern  und  Mutterbrüdern  mit  Bezug 
auf  das  Vermögen  der  väterlichen  Grossmutter,  den  Mutterbrüdern  und 
Mutterschwestern  mit  Bezug  auf  das  Vermögen  der  mütterlichen  Gross- 
mutter, wie  bei  dem  mütterlichen  Grossvater,  erwerben.  Werden  Vater- 
bruder und  Vaterschwester,  bez.  Mutterbruder  und  Mutterschwester,  ge- 
fehlt haben,  so  sollen  den  Brüdern  oder  Schwestern  der  Grossmütter  drei 
Unzen  und  den  Enkeln  neun  zukommen.  Bei  der  Erbschaft  des  väterhchen 
Grossvaters  verlieren  Enkel  oder  Enkelinnen  von  dem  verstorbenen  Sohn  von 
der  Portion  ihres  Vaters  nichts.^  Mit  Bezug  auf  das  Vermögen  der  Gross-  c.  5,  i,  6 
mutter  soll  die  Emanzipation  von  Vater  oder  Mutter  den  Enkeln  nicht  nach- 
teilig sein:  vielmehr  sollen  sie  mit  Verlust  des  Drittels  zu  dem  Anteil  folgen, 
welchen  das  Gesetz  ihnen  gewährt.^ 

aa)  Wenn  der  Grossvater  ohne  Testament  gestorben  ist,  müssen  die  Enkel  C-  5,  i,  5 
die  Dos,  welche  dem  Schwiegersohn  für  die  Tochter  bestellt  worden 
ist,  bez.  Alles,  was  die  Tochter  zur  Zeit  des  Eheschlusses  empfangen 
hat,  einschiessen,  derart  dass  sie  von  der  in  die  Erbschaft  eingeschossenen 
Dos  zwei  Drittel  desjenigen  empfangen,  was  ihre  Mutter  gehabt 
haben  würde. '^ 

ß)  Muttererbrecht. 

a)  Werden  Sohn  oder  Tochter,   die  sterben,    eine  Mutter,    mit    dem  lus    libe-   c.  5,  i,  s 


1)  T  sagt  lediglicli,  dass  das  Gleiche,  was  von  dem  Vermögen  des  mütterlichen  Gross- 
vaters verordnet  sei,  gleichmässig  von  dem  Vermögen  der  Grossmutter  von  Mutter-  und  von 
Vatersseite  gelte. 

2)  T  sagt,  dass  bei  der  Erbfolge  in  den  Nachlass  der  Grossmutter  die  mütterliche 
Capitis  deminutio  ausser  Betracht  bleibt,  da  es  darauf  nur  beider  Succession  hinter  dem  Ge- 
walthaber ankomme. 

3)  J  beginnt  damit,  dass  das  Gesetz  dem  vorangehenden  (C.  5,  1,4)  gleiche  (Haec  lex 


C.  5,  1,  6.  übi  aviarum  successio  occasu 
interveniente  discutitur,  capitis  deminutio 
materna  quaerenda  non  est.  Tunc  enim  in 
huiusmodi  hereditatibus  filiorum  status  aut 
persona  spectatur,  quoties  de  eins  bonis,  qui 
potestatem  familiae  potuit  habere,  tractatur. 

aa)  C.  5,  1,  5.  Nepotes  ex  filia  avis  pro 
rata  parte  hac  conditione  succedant,  qua  et 
matres,  si  viverent,  hereditatem  patrum  sibi 
cum  fratribus  vindicarent,  scilicet  ut  mixtis 
matrum  suarum  dotibus  avi  hereditatem  pro 
rata  parte,  quam  lex  divalis  censuit,  cum 
avunculis  partiantur;  nee  amplius  his  quic- 
quam  de  avitis  facultatibus  tribuatur,  quam 
legis  dudum  latae  sanctio  comprehendit,  sci- 
licet detracta  tertia  parte  eins,  quae  eorum 
matri,  si  dotem   lungeret,  debebatur  .  . 

[i)  a)  C.  5,  1,  8     .  .  Si  (vero)  filius,  qui  mo- 


In  bonis  aviae  emancipatio  patris  aut 
matris  nepotibus  non  impediat:  sed  perdito 
triente,  in  ea,  quam  lex  eis  tribuit,  portione 
succedant. 


.  .  quod  dotem  pro  filia  in  generum  fac- 
tam,  vel  quicquid  ipsa  filia  accepit  tempore 
nuptiarum,  post  mortem  avi  intestati  ne- 
potes confundere  (iubet),  ita  ut  de  dote  in 
hereditatem  confusa  duas  partes  de  eo,  quod 
mater  eorum  erat  habitura,  percipiant  .  . 


Quod  si  filius  vel  filia,  qui  moriuntur, 


390 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


C.  5, 1,  2 


romm  und  Schwestern  hinterlassen  haben,  haben  aber  dagegen  Kinder,  so 
folgen  ihre  Kinder  in  das  ganze  Vermögen  von  Vater  oder  Mutter,  der- 
art dass  Mutter  oder  Schwester  von  diesem  Nachlasse  ferngehalten  werden : 
dies  gilt  auch  von  den  Enkeln  und  Urenkeln  der  Kinder. 

b)  ^Stirbt  Jemand  und  hinterlässt  eine  Mutter  und  einen  Bruder,  der  Frater 
consanguineus  ist,  das  will  sagen,  einen  von  dem  gleichen  Vater  geborenen, 
oder  auch  einen  adoptierten,  so  schliesst  der  Consanguineus  frater,  bez.  der 
Adoptivbruder,^  die  Mutter  völlig  von  der  Succession  hinter  dem  verstorbenen 
Bruder  aus.^ 


similis    superiori).     T  führt    aus,   dass  letzteres  in  Anwendung   komme,   redet  aber  nur  mit 
Bezug  auf  Dosbestellung. 

1)  T  fügt  hinzu:  nuUa  capitis  diminutione. 

2)  Auf  den  Text  nimmt  auch  C.  5,  1,  7  J  Bezug,  mit  dem  Hinweis,  dass  letzteres  Ge- 
setz jenem  ähnlich,  jedoch  wegen  seiner  grösseren  Deutlichkeit  aufgenommen  sei,  während 
jener  Text  auch  von  dem  Adoptivsöhne  rede  (Similis  est  haec  lex  superiori,  sed  quia 
evidentior  est,  et  istam  inseruimus.  Nam  illa  hoc  amplius  habet,  quod  et  de  adoptivo  filio 
loquitur).  Es  bezieht  sich  dies  auf  Worte  von  C.  5,  1,  7,  wo  es  mit  Bezug  auf  den  Bruder 
heisst  (§  2),  dass  er,  wie  er  Agnationis  iure  die  Mutter  von  der  Nachfolge  völlig  ausschliesse, 
als  Capite  deminutus  Nichts  erziele,  indes  Exemplo  patrui  bei  Konkurrenz  mit  der  Mutter 
quatuor  uncias  erhalten  solle  (Emancipati  quoque  fratris  merita  tractamus,  qui,  ut  agna- 
tionis iure  integro  matrem  in  totum  a  successione  filii  decedentis  excludit,  ita  capite  demi- 
nutus nihil  penitus  consequitur.  Exemplo  igitur  patrui  etiam  huic  cum  matre  hanc  volu- 
mus  esse  rationem,  ut  quatuor  uncias  hereditatis  accipiat).  Im  übrigen  führt  C.  5,  1,  7  aus, 
dass,  wie  die  Mutter  mit  dem  lus  liberorum  nach  Capitis  deminutio  des  Vaterbruders  den 
dritten  Teil  zu  geben  habe,  so  auch  die  Frau  ohne  lus  liberorum  dem  Vaterbruder  vier 
Unzen  geben  solle,  ferner  die  Mutter  niemals  mit  weiteren  Agnaten  als  dem  Vaterbruder, 
dessen  Sohn  und  Enkel,  konkurriere,  und  dass  die  Vorschrift  auch  die  Pendentia  negotia 
regle  (pr.  u.  1:  Sicut  mater,  quae  liberorum  iure  subnixa  est,  patruo  capite  demi- 
nuto  dare  iussa  est  tertiam  portionem,  ita  etiam,  quae  nullo  huiusmodi  fulcitur  auxilio, 
patruo  quatuor  cedat  unciis  facultatem.  In  illa  quoque  parte  matris  non  est  Privilegium 
transeundum,  in  qua  Constantinianae  legis  potissimum  constitutum  tenendum  esse  censemus, 
ut,  sicuti  nulli  unquam  vel  ex  prioris  generis  parte  venientium  vel  ex  consequenti  sanguine 
probatorum  agnationis  compositionisve  nomine  de  successione  filii  iusta  cum  matre  potuit 
esse  contentio,  praeterquam  patruo,  filio  patrui  et  eins  nepoti,  ita  contra  omnes  rcliquos, 
sicut  custoditum  hactenus  arbitramur,  persona  potior  matris  habeatur).  Eine  Übergangs- 
vorschrift (§  3):  Laxa  vero  decernimus  sanctione,  ut  statuta  nostra  non  solum  futurarum 
ambigua  quaestionum,  verum  etiam  pendentium  negotiorum  hoc  ordine  fata  discingant. 


ritur,  filium  vel  filiam  derelinquit,  omnimodo 
patri  suo  matrive  ipso  iure  succedant.  Quod 
sine  dubio  et  de  pronepotibus  observandum 
esse  censemus. 


b)  C.  5,  1,  2.  Quia  non  solum  filius 
consanguineus,  sed  etiam  per  adoptionem 
quaesitus,  nuUa  capitis  deminutione  inter- 
cedente  eius,  matrem  excludit  .  . 


matrem  ius  liberorum  habentem  superstitem 
dimiserint  et  sorores,  sed  tarnen  filios  habeant, 
filii  eorum  in  integra  patris  vel  matris  facul- 
tate  succedunt,  ita  ut  mater  vel  sorores  ab 
hac  successione  habeantur  extraneae.  Hoc 
et  de  nepotibus  et  pronepotibus  filiorum  (lex 
ista)  constituit. 

Si  moriatur  quis  et  relinquat  matrem  et 
fratrem  consanguineum ,  id  est  uno  patre 
natum  vel  etiam  adoptivum,  . .  consanguineus 
frater  vel  adoptivus  matrem  in  totum  a  suc- 
cessione mortui  fratris  excludunt  .  . 


Erbfolffo  Ab  intestato 


391 


c)  AVeiin    eine   Mutter   mit   lus  liberorum    nach   dem    Tode    von   Sohn    oder  c.5,1, 8 
Tochter  sonstige  überlebende  Töchter  gehabt  und  einen  Sohn  nicht  gehabt 
haben  wird,  soll  die  Mutter  mit  den  Töchtern  zu  gleichem  Lose  succedieren, 

das  will  sagen,  dass  die  Mutter  die  Hälfte  und  die  Töchter,  so  viele  ihrer 
gewesen  sein  werden,  die  Hälfte  in  Anspruch  nehmen:  derart  dass  die 
Mutter,  wenn  sie  einen  andern  Gatten  nicht  genommen  haben  wird,  die 
Befugnis  besitzt,  über  die  von  ihr  erzielte  Portion  nach  Belieben  zu  ver- 
fügen.^ Wenn,  nachdem  sie  zu  einer  andern  Ehe  geschritten  sein  wird,  aus  es, 8, 2,1 
der  Zahl  der  Kinder,  die  sie  aus  der  früheren  Ehe  bekommen  hatte,  eines 
männlichen  Geschlechts  stirbt,  dann  soll  in  dem  Falle,  dass  es  eine  Mutter 
und  Schwestern  oder  wenigstens  eine  überlebende  Schwester  hinterlässt  und 
einen  Bruder,  der  die  Mutter  ausschliessen  könnte,  nicht  hinterlässt,  nach 
dem  Benefiz  des  Gesetzes  ^  die  Mutter  mit  den  Töchtern,  bez.  der  Tochter, 
^zu  gleichem  Lose^  folgen:  stirbt  die  Tochter  und  hinterlässt  nur  Mutter 
und  Schwestern,  so  soll  die  halbe  Erbschaft  der  verstorbenen  Schwester 
die  Mutter  erwerben  und  die  Hälfte  den  Schwestern,  sei  es  dass  eine, 
sei  es  dass  mehrere  sind,  zu  statten  kommen. 

d)  ^Wird  ein  Frater    consanguineus   oder    ein  Adoptivbruder   emanzipiert  ge-   c.  5, 1, 2 
wesen    sein   und  stirbt   sein  Bruder,    so   schliessen,   falls    die   emanzipierten 
Brüder  und    die   Mutter  am   Leben    sind,    auch    die   emanzipierten   Brüder 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  § 

2)  Des  Senatuskonsults. 


15,  3  [i,  b. 


3)  Hiervon  spricht  T  nicht. 


c)  C.  5,  1,  8.  Mater,  quae  habens  ius 
liberorum  defuncto  filio  sine  liberis  filiave 
cum  eins  sorore  succedit,  pari  sortis  paternae 
teneatur  exemplo,  ut,  si  torum  priorem  se- 
cundo  non  mutarit  amplexu,  omnia  filii  morte 
delata  pleno  iure  conquirat  .  . 


C.  3,  8,  2,  1.  lUud  etiam  addimus  legi, 
ut,  si  aliquis  ex  iisdem  filiis,  quos  ex  priore 
matrimonio  susceptos  esse  constabit,  forte 
decesserit,  qui  sorores  vel  sororem,  non  etiam 
fratrem  relinquens,  Senatusconsulti  beneficio 
matri  simul  ac  sororibus  successionis  locum 
fecisse  videatur,  seu  etiam  filia,  quae,  nullo 
existente  fratre  et  superstitibus  matre  ac 
sororibus  tantum,  adeundae  hereditatis  locum 
matri  pro  dimidia  portione  servabit  .  . 


d)  C.  5,  1,  2.  .  .  mater  .  .  fratribus  con- 
sanguineis  existentibus,  quibus  ipsa  praefera- 
tur  intercedente  capitis  deminutione  .  .  Nam 
constitutio  divi  Constantini  ad  Bassum  prae- 
fectum  praetorio   emi&sa  patrui  tantummodo 


Mater  ius  liberorum  habens,  mortuo  filio 
vel  filia,  si  superstites  alias  filias  habuerit  et 
filium  non  habuerit,  cum  filiabus  aequali 
Sorte  succedat,  hoc  est  ut  mater  mediam  et 
filiae,  quantae  fuerint,  mediam  vindicent 
portionem:  ita  ut,  si  alium  maritum  non  ac- 
ceperit,  portionem,  quam  consecuta  est,  fa- 
ciendi de  ea,  quod  voluerit,  habeat  potesta- 
tem  .  . 

(Hoc  specialius  huic  legi  credidit  inseren- 
dum,)  ut  mulieri,  quum  ad  alias  nuptias  ve- 
nerit,  si  de  filiis,  quos  ex  matrimonio  priore 
susceperat,  masculus  moriatur,  eo  casu,  ut 
matrem  et  sorores  aut  certe  sororem  super- 
stitem  dimittat  et  fratrem  non  dimittat,  qui 
matrem  possit  excludere,  tunc  beneficio  legis 
mater  cum  filiabus  vel  filia  aequali  sorte  suc- 
cedat. Si  vero  filia  moriatur,  et  matrem  et 
sorores  tantum  dimittat,  dimidium  defunctae 
filiae  hereditatem  mater  acquirat,  et  media 
sororibus,  seu  una  seu  plures  sint,  proficiat .  . 

.  .  Quod  si  emancipatus  fuerit  consangui- 
neus aut  adoptivus,  et  moriatur  frater,  su- 
perstitibus emancipatis  fratribus  et  mati*e, 
patruos  eorumque  filios  vel  nepotes  etiam 
emancipati  fratres   evidenter  excludunt:    ita 


392 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


C.  5.  1,  1 


offensichtlich  die  Vaterbrüder  und  deren  Kinder,  bez.  Enkel,  aus:  derart  in- 
dessen, dass,  wenn  die  Mutter  das  lus  Hberorum  gehabt  haben  wird,  sie 
zwei  Teile  aus  der  Erbschaft  des  sterbenden  Kindes  vorwegnimmt  und  den 
dritten  die  emanzipierten  Brüder,  die  feststehendermassen  am  Leben  sind, 
empfangen.  Wird  die  Mutter  das  lus  Hberorum  niclit  gehabt  haben,  so 
wird  den  dritten  Teil  die  Mutter  erzielen,  und  zwei  Teile  werden  gleichfalls 
die  emanzipierten  Kinder,  unter  Ausschluss  der  Vaterbrüder,  besitzen.^ 
e)  Wird  eine  Mutter  ohne  lus  Hberorum  ihren  einzigen  Sohn,  welcher  kein 
Testament  gemacht  hat,  verloren  haben,  und  der  sterbende  Sohn  neben  der 


1)  T  sagt,  dass  im  Falle  des  Vorhandenseins  von  Capite  deminuierten  Brüdern,  vor 
denen  die  Mutter  den  Vorrang  habe,  der  nächste  Grad  an  die  Reihe  komme.  Das  Gesetz 
Konstantins,  welches  dem  Patruus.  nebst  Descendenten,  neben  der  Mutter  ein  Dritteil  zuweise, 
habe  hierauf  keinen  Einfluss,  da  es  sich  auf  die  Consanguinei  fratres  nicht  beziehe:  es 
habe  nur  den  Anschein,  als  ob  der  Frater  consanguineus  im  Falle  von  Ausschliessung,  wegen 
Capitis  deminutio,  nunmehr  mit  der  Mutter  konkurriere;  vielmehr  treten  die  Patrui,  nebst 
Descendenten,  ein. 


ius  antiquum  temperavit,  ut,  si  unus  patruus 
seu  duo  pluresve  sint,  sive  filius  filiive  eorum 
usque  ad  nepotem  exstiterint,  beneficio  con- 
stitutionis  m  partem  tertiam  componant;  de 
consanguineis  vero  fratribus  nuUam  fuisse 
mentionem  cognovimus.  Evidenter  licet  anti- 
quo  iure  servato,  ac  divalis  memoriae  Con- 
stantini  constitutione  comprobata,  prospectum 
esse  videatur  a  nostra  dementia,  ut  in  huius- 
modi  litibus,  qui  frater  consanguineus  debet 
excludi  secundum  ius  antiquum,  praeferatur 
iuxta  memoratam  destinationem ;  vel  certe, 
si  patrui  persona  intercesserit,  usque  ad  ne- 
potem ius  constitutionis  temperatum  suum 
teneat  robur  atque  firmitatem. 

e)  C.  5,  1,  1.  Matri  ius  Hberorum  non 
habenti,  interveniento  licet  patruo  ceteris- 
que,  inter  quos  agnationis  incorrupta  iura 
per  ordinem  porriguntur,  et  quicunque  dein- 
ceps  agnati  erunt,  a  quibus  consanguinitatis 
iure  mater  poterat  excludi,  placet  omnium 
filii  bonorum,  quotiescunque  ab  intestato 
venitur,  deferri  tertiam  portionem ;  etiam  pa- 
truo eiusque  filio  et  duntaxat  nepoti,  agna- 
tione  minime  durante  (si  forte  per  emanci- 
pationem  cuiusquam  fuerit  consanguinitas 
diminuta),  beneficio  pari  deferri  tertiam  por- 
tionem, licet  habeat  mater  ius  liberorum. 
Nee  immerito,  si  quando  supra  dicto  subnixa 
mater  fuerit  privilegio,  agnatione  diremta 
ultra  nepotis  gradura  nostrum  beneficium 
minime  placuit  extendi,  ne,  multis  personis 
vocatis,  plus  ablatum  matri,  minus  additum 
videretur.    Sive  igitur  unas  exstiterit  pluresve 


tarnen,  ut,  si  ius  liberorum  mater  habuerit, 
duas  partes  de  morieutis  filii  hereditate  prae- 
sumat  et  tertiam  emancipati  fratres,  quos 
constat  esse  superstites.  Quod  si  mater  ius 
liberorum  non  habuerit,  tertiam  mater  con- 
sequetur,  et  duas  partes  etiam  emancipati 
filii,  exclusis  patruis,  possidebunt. 


Si  mater  ius  liberorum  non  habeat  .  .  et 
unicum  filium  intestatum  fortasse  perdiderit, 
et  filius  moriens  patruum  unum  vel  plures 
aut  certe  patrui  vel  patruorum  filios  vel  ne- 
potes  plures  cum  matre  reliquerit,  qui  tarnen 
emancipati  non  fuerint,  mater  in  tertia  por- 
tione  in  filii  intestati  hereditate  succedat,  et 
duas  partes  patruus,  vel  si  plures  patrui 
fuerint,  aut  filii  vel  nepotes  sibimet  vindi- 
cabunt.  Quod  si  mater  liberorum  ius  habeat, 
et  patruus  vel  patrui  cum  matre  superfuerint, 
etiamsi  emancipati  sunt,  duas  partes  de  bonis 
filii  intestati  morientis  mater  consequatur, 
quae  ius  liberorum  habet,  et  tertiam  patruus 
vel  patrui:  qui  si  defuerint,  filii  patruorum, 
quanti  fuerint,  aequales  sibi  per  capita  faciant 
portiones.  Quod  si  filii  patruorum  defuerint, 
simili  etiam  nepotes  patruorum  divisione  suc- 
cedant  .  . 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


393 


Mutter  einen  einzigen  Yaterbruder,  ^bez.  mehrere,  oder  von  einem  Vater- 
bruder, bez.  Yaterbrüdern,  mehrere  Kinder,  bez.  Enkel,  hinterlassen  haben, 
die  indessen  nicht  emanzipiert  gewesen  sein  werden,  so  soll  die  Mutter  auf 
den  dritten  Teil  in  die  Erbschaft  des  Sohnes,  der  ohne  Testament  verstorben 
ist,  succedieren,  und  zwei  Teile  der  Yaterbruder,  bez.  wenn  mehrere  Yater- 
bruder gewesen  sein  werden,  oder  die  Kinder,  bez.  die  Enkel,  für  sich  in 
Anspruch  nehmen.^  Besitzt  dagegen  die  Mutter  das  lus  liberorum  und 
werden  der  Yaterbruder,  bez.  die  Yaterbruder,  mit  der  Mutter  übriggeblieben 
sein,  so  soll  die  Mutter  mit  lus  liberorum,  auch  wenn  jene  emanzipiert 
worden  sind,  zwei  Teile  von  dem  Yermögen  des  Sohnes,  der  ohne  Testament 
verstorben  ist,  erhalten,  und  den  dritten  der  Yaterbruder,  bez.  die  Yaterbruder: 
werden  sie  gefehlt  haben,  so  sollen  die  Kinder  der  Yaterbruder,  wie  viele 
ihrer  gewesen  sein  werden,  für  sich  gleiche  Teile  nach  KöpfeJi  machen. - 
Werden  Kinder  der  Yaterbruder  gefehlt  haben,  so  sollen  in  gleicher  Teilung 
auch  die  Enkel  der  Yaterbruder  succedieren.^ 
f)  Eine  freigeborene  Latinerin,  die  das  lus  Quiritium  erzielt  hat,  wird,  wenn  p.  4, 9, 1 
sie  dreimal  geboren  hat,  zur  legitimen  Kindeserbschaft  zugelassen:  denn 
sie  ist  keine  Freigelassene. 

y)  Yäterliches  Erbrecht. 

a)  AYenn  nach  dem  Yerluste  der  Mutter,  während  der  Yater  hinterblieben  ist,   ^-  ^' ?'  ^ 
eines  der  Kinder  männlichen  oder  weiblichen  Geschlechts,  es  sei  emanzipiert 
worden  oder  nicht,  ohne  Kinder  stirbt,  folgt  der  Yater  rechtsgiltig  nach  dem 


1)  T  spricht  von  Vaterbruder  und  von  sonstigen,  inter  quos  agnationis  incorrupta  iura 
per  ordinem  porriguntur,  und  von  allen  weiteren  Agnaten,  die  auf  Grund  ihrer  Konsan- 
guinität   die  Mutter  ausschliessen  könnten. 

2)  Vaterbruder,  dessen  Sohn  und  Enkel  haben,  auch  bei  Lösung  der  Agnation  mittels 
Emanzipation,  Anspruch  auf  ein  Dritteil,  wenn  die  Mutter  das  lus  liberorum  hat. 

3)  T  bezeichnet  zum  Schluss  als  Prinzip,  dass  die  Mutter  dem  Erbrecht  aller  Agnaten 
gegenüber,  dem  Erbrechte  der  Mutter  gegenüber  indessen  nur  der  Patruus,  dessen  Sohn 
und  Enkel  Mitberechtigüng  haben  (Supra  dictae  ergo  originis  exsistentibus  personis  agnatis 
in  infinitum,  matri  adversus  omnes  censuimus  subveniendum,  licet  non  omnibus  adversus 
matreui,  sed  certis  superius  comprehensis  personis  hoc  auxilium  tribuatur  ,  .). 


patrui,  eorumque  filius  aut  etiam  filii  et  ne- 
potes  ncptesve,  non  amplius  quam  sola  tertia 
universorum  bonorum  simul  omnibus  vel 
singulis  pro  suis  quibusque  gradibus  deferenda 
est.  Et  eodem  genere,  si  plures  erunt,  a 
quibus  mater  possit  excludi,  non  plus  quam 
tertia  bonorum  matri  adversus  omnes  com- 
petere  debebit  .  . 

fj  P.  4,  9,  1.  Latina  ingenua  ius  Quiri- 
tium consecuta,  si  ter  peperit,  ad  legitimam 
filii  hereditatem  admiLtitur:  non  est  enim 
manumissa. 

y)  a)  C,  8,  9,  6  pr.  Si  sine  liberis  unus 
vel  una  moriatur  e  filiis,  et  superstitem  fra- 
trem  vel   fratres,   sororem  vel  sorores  et  pa- 


Si  amissa  matre,  patre  superstite,  unus 
vel  una  de  filiis  sive  emancipatus  sive  non 
emancipatus    sine  filiis  moriatur,  pater  mor- 


394 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


G.  6, 3  Tode  des  Kindes   in  dessen  ganze  Portion.     "Wenn   der  Sohn  zum   dritten 

Male  von  dem  leiblichen  Vater  dem  Fiduciarius  pater  manzipiert  gewesen 
sein  wird,  muss  der  leibliche  Vater  dies  betreiben,  dass  er  von  dem  Fiduciarius 
pater  ihm  remanzipiert  und  von  dem  leiblichen  Vater  freigelassen  werde, 
damit,  wenn  dieser  Sohn  gestorben  gewesen  sein  wird,  der  leibliche  Vater, 
nicht  der  Fiduciarius,  ihm  in  die  Erbschaft  folge.  Obschon  Frauen  oder 
Enkel  männlichen  Geschlechts  von  einem  Sohne  durch  eine  einzige  Manzi- 
pation  aus  der  Gewalt  des  Vaters  oder  Grossvaters  austreten,  kann,  wenn 
sie  nicht  von  dem  Pater  fiduciarius  zurückmanzipiert  und  von  dem  leib- 
lichen Vater  freigelassen  gewesen  sein  werden,  ihnen  der  leibliche  Vater  nicht 
folgen,  viehnehr  als  Fiduciarius,  von  dem  sie  freigelassen  worden  sind:  denn 
wenn  den  ihm  zurückmanzipierten  der  leibliche  Vater  oder  Grossvater  frei- 
gelassen haben  wird,  folgt  er  ihnen  in  die  Erbschaft. 

c.  4, 1, 1  Stirbt  ein  Infans,  so  folgt  ihm  der  Vater. 

G.  2, 8, 7  3)  Kognaten-  und  Ehegattenerbrecht. 

a)  Es  ist  Rechtsregel,  dass  die  Kognaten  dann  die  Erbschaften  von  Verwandten, 
die    ohne  Testament    gestorben    sind,    empfangen,    wenn  entweder  Sui  oder 
p.  4, 8,  3  Agnaten  gefehlt  haben  werden. 

aa)  ^Frauen  können,  es  sei  denn  hinter  Ab  intestate  verstorbener  Fratres 


trem  relinquat,  sive  is  emancipatus  sive  in 
potestate  defecerit,  eius  portionem,  quam  ex 
bonis  maternis  vel  undeunde  iure  quaesiverit, 
pater  sine  dubio  consequatur,  iugi  dominio 
possidendam. 


C.  4,  1,  1.     .  .  pater 
fanti  .  .  succedat. 

3)  a) 


morienti  filio  in- 


aa)  P.  4,  8,  3.  Feminae  ad  hereditatem 
legitimas  ultra  consanguineas  successiones 
non  admittuntur:  idque  iure  civili  Voconiana 
ratione   videtur  effectum.     Ceterum    lex   XII 


tuo  filio  in  totam   illius  portionem  iure  suc- 
cedit. 


G.  6,  3.  .  .  quum  tertio  mancipatus  fu- 
erit  filius  a  patre  naturali  fiduciario  patri, 
hoc  agere  debet  naturalis  pater,  ut  ei  a  fidu- 
ciario patre  remancipetur  et  a  naturali  patre 
manumittatur :  ut,  si  filius  ille  mortuus  fuerit, 
ei  in  hereditate  naturalis  pater,  non  fiduci- 
arius, succedat.  Feminae  vel  nepotes  mas- 
culi  ex  filio  .  .,  quamlibet  una  mancipatione 
de  patris  vel  avi  potestate  exeant,  nisi  a 
patre  fiduciario  remancipati  faerint  et  a  na- 
turali patre  manumissi,  succedere  eis  natu- 
ralis pater  non  potest,  nisi  fiduciarius,  a  quo 
manumissi  sunt.  Nara  si  remancipatum  sibi 
naturalis  pater  vel  avus  manumiserit,  ipse  eis 
in  hereditate  succedit  .  . 

.  .  infans  .  .  cui  morienti  pater  .  .  succe- 
dit. 

G.  2,  8,  7.  Nam  et  reguläre  est,  ut 
cognati  tunc  intestatorum  propinquorum 
hereditates  capiant,  quando  aut  sui  aut  agnati 
defuerint. 

Feminae  nisi  fratribus  consanguineis  in- 
testatis  aliter  cum  agnatis  succedere  non 
possunt  .  .  quia  nee  cognati  masculi  ad  suc- 
cessionem  intestatorum  vocantur,  nisi  quando 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


395 


consanguinei,  sonst  mit  Agnaten  nicht  succedieren,  weil  auch  nicht 
männhche  Kognaten  zur  Erbfolge  von  ohne  Testament  Verstorbenen 
gerufen  werden,  es  sei  denn,  es  wird  festgestanden  haben,  dass  Agnaten 
fehlen.  AVenn  in  Ermangelung  von  Agnaten  Kognaten  folgen,  können 
Frauen  mit  Männern,  die  gleichen  Grades  sind,  rechtsgiltig  folgen.^ 

b)  In   den   sieben   Graden   sind   alle  Verwandschaftsnamen  enthalten:   darüber    p. 4, 10,8 
hinaus  kami  weder  iiflinität    gefunden    werden,   noch    die  Erbfolge    weiter 

sich  ausbreiten.^ 

c)  ^Alle  Verwandte  halten  die  Ehefrau  von  der  Nachfolge  hinter  ihrem  Maime,   c.  5. 1,  9 
der  ohne  Testament  verstorben  ist,  fern  und  schliessen  in  gleicher  Weise  den 
Ehemann   von    der  Nachfolge  hinter  der  Gattin,    die   ohne   Testament  ver- 
storben   ist,    aus.     AVerden   aber  Verwandte   ganz    und   gar    gefehlt   haben, 

dann  sollen  Mann   und  Frau  unter  Ausschluss   des  Fiskus  sich  gegenseitig 
folgen.^ 

AVir  verordnen 
ment   und    ohne   Kinder   verstorbenen  Frau 


,  dass  der  Mann  das  Vermögen  seiner  ohne  Testa-c.4,19,1,1 

ihren 


legitimen  Blutver- 


1)  Vgl.  S.  386  Anm.  1.  2)  Vgl.  S.  97  Anm.  2. 

3)  T  führt  zugleich  aus,  dass  ein  Teil  einer  kürzlicli  gegebenen  Konstitution  abzuschaffen 
sei,  damit  nicht  Parentes  oder  Propinqui  bei  Erwerb  der  Erbschaften  Ab  intestato  den  Ehe- 
frauen nachstehen,  bez.  gleichstehen  (Pridem  latae  constitutionis  pars  quaedam  abroganda 
est,  ne  ullis  parentibus  aut  propinquis,  quos  naturae  legisque  pariter  praerogata  defendity 
in  capiendis  ab  intestato  hereditatibus  praeferantur  coniuges  vel  etiam  comparentur;  quum, 
si  sanctitas  inter  eos  sit  digna  foedere  coniugali,  non  ita  laboriosa  vel  sumtuosa  est  testandi 
oecasio,  ut  desiderio  suo  quisquam  subvenire  differat,  quod  interdum  ita  sensu  leviore  con- 
cipitur,  ut  antiqui  nee,  quod  extraneis  ac  saepe  ignotis  in  donationibus  successionibusque 
tribuatur,  coniugibus  concesserint,  reprimendum  inter  hos  potius,  ut  in  loco  ancipiti,  quam 
invitandum  favorem  mutuum  arbitrati.  Verum  lex  alia,  quam  pridem  tulimus,  ut  matri- 
moniis  auxilium  impartiret,  deficientis  hoc  totum  credidit  arbitrio  permittendum  .  .  Itaque 
nulla  mentio  prioris  legis  sit,  si  qua  hoc  medio  brevique  tempore  contigisse  alicui  dicatur 
coniugis  ab  intestato  hereditas  .  .). 


tabularum   nulla   discretione   sexus   cognatos 
admittit. 


b)  P.  4,  10,  8.  Successionis  idcirco  gra- 
dus  Septem  constituti  sunt,  quia  ulterius  per 
rerum  naturam  nee  nomina  inveniri,  nee  vita 
succedentibus  prorogari  potest. 

cj  C.  5,  1,  9.  .  .  parentibus  exstantibus 
vel  propinquis  ab  intestato  venire  coniuges 
prohibemus  .  .  et  lege  proposita  divulgetur, 
omnem  huiusmodi  spem  successionis,  quae 
ab  intestato  deferatur,  coniugibus  deponen- 
dam,  nisi  si  ille  casus  emerserit,  ut  nemo  de 
propinquis  successionem  mortui  vindicare 
possit  ex  lege,  quum  fisco  nostro  qualiacun- 
que  iura  matrimonii  praeponamus. 

C.  4,  19,  1,1.    Constat  autem,  virum  ab  in- 


agnatos  deesse  constiterit.  Sane  deficien- 
tibus  agnatis  quum  cognati  succedunt,  pos- 
sunt  feminae  cum  viris,  quae  aequalis  gradus 
sunt,  iure  succedere. 

In  his  Septem  gradibus  oumia  propinqui- 
tatum  nomina  continentur:  ultra  quos  nee 
affinitas  inveniri,  nee  successio  potest  amplius 
prorogari. 

(Haec  lex  id  constituit,)  ut  omnes  pro- 
pinqui uxorem  ab  intestati  mariti  successione 
prohibeant  et  maritum  similiter  a  succes- 
sione intestatae  uxoris  excludant.  Sed  si 
propinqui  omnino  defuerint,  tunc  sibi  invi- 
cem,  excluso  fisco,  maritus  vel  uxor  succe- 
dant. 


Virum    (quoque)    intestatae    uxoris    suae 


396 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


wandten  ohne  irgendwelche  Verzögerung  unverzüghch  herausgeben  soll, 
und  hindern  durchaus  nicht  den  Mann,  Aktionen  zu  proponieren,  wenn 
er  geglaubt  haben  wird,  dass  ihm  welche  zustehen.^ 

4)  Sonstiges  Intestaterbrecht  (vgl.  §  5,  4). 

c.  5, 2, 1  a)  Wenn  ein  Kuriale,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben,  bei  seinem  Tode 
weder  Kinder  noch  Verwandte  hinterlässt,  wird  die  Kurie,  deren  Ordo  er 
entzogen  wird,  was  er  auch  immer  hinterlassen  haben  wird,  in  Anspruch 
nehmen,  derart,  dass  Niemand  wagen  soll,  das  Vermögen  als  Bona  caduca 
von  den  Principes  zu  erbitten.^  Falls  er  es  gethan  haben  wird,  wird  es 
keine  Giltigkeit  haben.  Die  Kurialen  haben  indessen  die  Befugnis,  ein  Testa- 
ment zu  machen. 3 

c.  5, 3, 1  b)  Wenn  ein  Bischof  ^oder  ein  Presbyter  oder  ein  Diakon  oder  eine  Diakonissni 
oder  ein  Subdiakon,  bez.  ein  Kleriker  irgend  eines  andern  Grades,  oder  ein 
Mönch  oder  eine  Frau,  die  sich  dem  beschaulichen  Leben  gewidmet  hat,* 
oder  irgendwelche  Religiösen  männlichen   oder  weiblichen   Geschlechts,    die 


1)  T  fügt  hinzu,  dass  nach  Responsa  prudentium  und  der  Lex  naturae  die  Blut- 
verwandten als  Erben  vor  der  Frau  den  Vorzug  haben  (quum  prudentium  omnium  responsa, 
tum  lex  ipsa  naturae  successores  eos  faciat). 

2)  T  fügt  hinzu:  etiamsi  revera  et  testamentum  et  successor  deesse  legitimus  approbetur. 
3}  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

4)  Diese  Aufzählung  liefert  T,  nicht  J,  wo  auf  das  Gesetz  selbst  verv^^iesen  wird  (vel 
quos  lex  ipsa  commemorat). 


testatae  uxoris   bonis,    superstitibus    consan- 
guineis,  esse  extraneum  .  . 


4)  a)  C.  5,  2,  1.  Si  decurio  sine  liberis 
intestatus  diem  vitae  solverit,  cui  neque  vo- 
luntas  postrema  legibus  fulta,  neque  alio 
iure  gradu  proximo  heres  exstiterit,  bona 
eins  curiae  suae  commodis  cedant,  id  est 
ordinis  utilitati  proficiant,  cuius  corpori  fa- 
tali  necessitate  exemtus  est,  nulli  praebenda 
licentia  postulandi  haec  bona  ut  vacantia  de 
nostra  dementia,  etiamsi  revera  et  testa- 
mentum et  successor  deesse  legitimus  appro- 
betur; omni  etiam  beneficio,  si  quod  fuerit 
impetratum,  protinus  infirmando. 

b)  C.  5,  3,  1.  Si  quis  episcopus  aut  pres- 
byter  aut  diaconus  aut  diaconissa  aut  sub- 
diaconus  vel  cuiuslibet  alterius  loci  clericus 
aut  monachus  aut  mulier,  quae  solitariae 
vitae  dedita  est,  nullo  condito  testamento 
decesserit,  nee  ei  parentes  utriusque  sexus 
vel  liberi,  vel  si  qui  agnationis  cognationisve 
iure  iunguntur  vel  uxor  exstiterit,  bona,  quae 
ad  eum  pertinuerint,  sacrosanctae  ecclesiae 
vel  monasterio,   cui  fuerat  destinatus,   omni- 


facultatem,  quae  sine  filiis  recessit,  consan- 
guineis  eius,  qui  legitimi  sunt,  tradere  mox 
sine  ulla  dilatione  praecipimus  et  maritum 
proponere  minime  prohibemus,  si  quas  sibi 
competere  putaverit  actiones. 

Si  curialis  intestatus  moriens  neque  filios 
neque  proximos  derelinquat,  curia,  cuius  or- 
dini  subducitur,  quicquid  reliquerit,  vindi- 
cabit,  ita  ut  nullus  audeat  ea  quasi  bona 
caduca  a  principibus  postulare.  Quod  si  fe- 
cerit,  non  valebit:  nam  testamentum  faciendi 
curialibus  lex  ista  tribuit  potestatem. 


Si  quis  episcopus,  vel  quos  lex  ipsa  com- 
memorat, aut  quilibet  religiosi  vel  religiosae 
intestati  sine  filiis,  propinquis  vel  uxore  de- 
cesserint,  qui  tamen  nee  curiae  quicquam  de- 
fuerint  nee  patrono,  quicquid  dereliquerint, 
ad  ecclesias  vel  monasteria,  quibus  obsecuti 
fuerint,  pertinebit.  Qui  si  testari  voluerint, 
habebunt  liberam  potestatem. 


Erbfolge  Ab  intestato  §  4. 


397 


kein  Testament  errichtet  haben,  ohne  Kinder,  Verwandte  oder  eine  Ehe- 
frau^ gestorben  sein  werden,  die  indessen  weder  der  Kurie  noch  dem  Patron 
gegenüber  irgendwelche  Verpflichtung  gehabt  haben  werden,2  wird  dasjenige, 
was  sie  auch  immer  hinterlassen  haben  werden,  den  Kirchen  oder  Klöstern, 
in  deren  Dienst  sie  sich  gestellt  gehabt  haben  werden,  zukommen.  Werden 
sie  haben  testieren  wollen,   so  werden  sie  hierzu  die  freie  Befugnis  haben."' 

c)  Werden  Soldaten,  w^elche  kein  Testament  gemacht  haben,  ohne  gesetzlichen    c.  5, 4, 1 
Erben   gestorben    sein    und    Verwandte    nicht    gehabt   haben,    so     werden 

ihr  Vermögen  diejenigen,  die  in  demselben  Officium  dienen,  in  Anspruch 
nehmen.* 

d)  Wenn  Verwandte  völlig  gefehlt  haben  werden,  dann  folgen  sich  gegenseitig   c.5, 1,9 
mit  Ausschluss  des  Fiskus  Mann  oder  Frau. 


1)  T  fügt  hinzu  die  Eltern  beiderlei  Geschlechts  und  spricht  von  Personen,  die  Iure 
agnationis  cognationisve  verwandt  sind. 

2)  T  spricht  auch  von  dem  Vermögen,  das  der  Censibus  adscriptus  dem  Grundherrn 
schuldet,  behält  aber  auch,  wenn  das  Vermögen  dem  Patron,  der  Kurie  oder  dem  Possessor 
zukommt,  der  Kirche  eventuelle  Aktionen  vor. 

3)  Hiervon  spricht  T  nicht;  dagegen  findet  sich  zum  Schluss  hinzugefügt:  nee  liceat 
petitori  post  huius  legis  publicationem  iudicium  ingredi,  vel  oeconomis  aut  monachis  aut 
procuratoribus  inferre  molestiam,  ipsa  petitione  antiquata,  et  bonis,  quae  relicta  sunt,  reli- 
giosissimis  ecclesiis  vel  monasteriis,  quibus  dedicati  fuerant,  consecratis. 

4)  T  verordnet,  es  sei  allen  Legionen  Vexillationes  Comitatenses  oder  Cunei  kund- 
zugeben, dass  das  Vermögen  der  Vexillatio  zukommt,  in  welcher  der  Soldat  gedient 
haben  wird. 


fariam  socientur:  exceptis  iis  facultatibus, 
quas  forte  censibus  adscripti  vel  iuri  patro- 
natus  subiecti  vel  curiali  conditioni  obnoxii 
clerici  vel  monachi  cuiuscunque  sexus  relin- 
quunt.  Nee  enim  iustum  est,  bona  seu  pe- 
culia,  quae  aut  patrono  legibus  debentur  aut 
domino  possessionis,  cui  quis  eorum  fuerat 
adscriptus,  aut  ad  curias  pro  tenore  dudum 
latae  constitutionis  sub  certa  forma  pertinere 
noseuntur,  ab  ecclesiis  detineri;  actionibus 
videlicet  competenter  sacrosanctis  ecclesiis 
reservatis,  si  quis  forte  praedictis  conditioni- 
bus  obnoxius  aut  ex  gestis  negotiis  aut  ex 
quibuslibet  aliis  ecclesiasticis  actibus  obli- 
gatus  obierit :  ita  ut,  si  qua  litigia  ex  huius- 
modi  competitionibus  in  iudiciis  pendent, 
penitus  sopiantur. 

c)  C.  5,  4,  1.  Universis  tam  legionibus 
quam  vexillationibus,  comitatensibus  seu 
cuneis  insinuare  debebis,  uti  cognoscant, 
quum  aliquis  fuerit  rebus  humanis  exemtus 
atque  intestatus  sine  legitimo  berede  deces- 
serit,  ad  vexillationem,  in  qua  militaverit, 
res  eiusdem  necessario  pervenire. 

d)  C.  5,  1,  9.     .  .  si  ille  casus  emerserit, 


Si  milites  sine  legitimo  berede  intestati 
decesserint  et  proximos  non  habuerint,  eorum 
bona,  qui  in  eodem  officio  militant,  vindi- 
cabunt. 


si  propinqui   omnino   defuerint,    tunc 


398 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


N.  V. 
€,  1,  7 


5)  Intestaterbrecht  hinter  Freigelassenen  (vgl.  4  b). 

a)  Civis  Romanus. 

a)  ^AVerden  Freigelassene  weder  Kinder  noch  Enkel  hinterlassen  haben  und 
wird  festgestanden  haben,  dass  Vater,  Mutter,  Bruder,  Schv/ester,  die  sie 
als  Hinterbliebene  zurücklassen,  gleichfalls  Freigelassene  und  Römische  Bürger 
geworden  sind,  dann  sollen  die  Erben  des  Patrons  die  Hälfte  für  sich  in 
Anspruch  nehmen  und  die  Hälfte,  wer  von  den  oben  genannten  Personen 
dem  Grade  nach  dem  verstorbenen  Freigelassenen  gegenüber  sich  als  näher- 
stehend herausstellt.2 
p.  3, 2, 1  b)  An  dem  Vermögen  des  Freigelassenen  hat  der  Patron  den  Vorzug  vor  dem 
Sohne  des  andern  Patrons.  Ingleichen  hat  der  Sohn  des  Patrons  den  Vor- 
zug vor  dem  Enkel  des  andern  Patrons, 
c)  Die  Erbschaft  der  Freigelassenen  wird  in  Köpfe,  nicht  in  Stämme  geteilt. 
Demgemäss  werden,  wenn  von  dem  einen  Patron  zwei  Kinder  vorhanden 
sind,  von  dem  andern  vier,  die  Einzelnen  Kopfteile,  das  vdW  sagen,  gleiche 
Teile  haben. 

Latinus. 
€.  2,  22, 1        a)  Wenn  ein  Freigelassener,  welcher  Römischer  Bürger  ist,    bei  Eintritt  einer 


P.  3,  2,  3 


K 


1)  T  schickt  voraus  (§  6),  dass  beim  Tode  der  Freigelassenen,  die  kein  Testament 
gemacht  haben,  Sohn,  Tochter,  Enkel,  Enkelin,  bez.  mehrere  überlebende,  falls  sie  frei  und 
Römische  Bürger  sind,  in  das  ganze  Vermögen  succedieren  (Praeterea  intestatis  libertis 
filius  filiave,  nepos  neptisque,  vel  si  plures  superstites  fuerint,  dummodo  liberi  civesque 
Romani,  pro  totius  patrimonii  soliditate  succedant). 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  die  Erben  der  Freilasser  in  Ermangelung  von  Verwandten  das 
Ganze  empfangen. 


ut  nemo  de  propinquis  successionem  mortui 
vindicare  possit  ex  lege,  (quum)  fisco  nostro 
qualiacunque  iure  matrimonii  prohibemus. 

5  a)  a)  N.V.  6,1,7.  Nam  sinecfilioshabuerint, 
nee  nepotes  reliquerinttamen  patrem,matrem, 
fratrem,  sororem,  pari  libertate  gaudentes, 
medietatem  sibi  intestatae  successionis  haec 
de  Bupra  dictis  persona  defendat,  quae  gradu 
potior  invenitur,  aliam  vero  medietatem  manu- 
luissorum  reservamus  heredibus,  quos  tunc 
respiciet  omnis  hereditas,  si  intestato  ex- 
pressa  necessitudinum  nomina  defuisse  con- 
stiterit. 

b)  P.  3,  2,  1.  In  bonis  liberti  prior  est 
patronus  quam  filius  alterius  patroni.  Item- 
que  prior  est  filius  patroni,  quam  nepos  al- 
terius patroni. 

c)  P.  3,  2,  3.  Libertorum  hereditas  in 
capita,  non  in  stirpes  dividitur:  et  ideo  si 
unius  patroni  duo  sint  liberi,  alterius  qua- 
tuor,  singuli  viriles,  id  est  aequales  portiones 
habebunt. 

ß)  a)  C.  2,  22,  1.     Si  is,  qui  dignitafce  Ro- 


sibi  invicem,   excluso  fisco,   maritus  vel  uxor 
succedant. 

Si  (vero)  liberti  nee  filios  dimiserint,  nee 
nepotes,  si  patrem,  matrem,  fratrem,  sororem, 
et  ipsos  libertos  civesque  Romanos  factos 
esse  constiterit,  quos  superstites  derelinquunt, 
tunc  medietatem  sibi  patroni  heredes  vindi- 
cent,  et  medietatem  supra  scriptis  personis 
de  gradu  defuncti  liberti,  qui  proximior  in- 
venitur. 


Si   quis    civis  Romanus  libertus,    interce- 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


:^,99 


Schuld,  Latinischer  Freigelassener  geworden  sein  und  in  dieser  Latinität, 
ohne  AViederherstellung  des  früheren  Status,  gestorben  sein  wird,  werden 
sein  Vermögen  der  Patron,  bez.  die  Kinder  oder  Enkel  des  Patrons,  sofern 
sie  nur  durch  die  männliche  Linie  abstammen  und  nicht  emanzipiert  gewesen 
sein  werden,  für  sich  in  Anspruch  nehmen;  auch  sollen,  wenn  er  Kinder, 
die  er  als  Römischer  Bürger  gezeugt  hat,  hinterlassen  haben  wird,  diese 
nicht  irgend  etwas  aus  seiner  Erbschaft  sich  anmassen,  weil  nicht  danach 
zu  fragen  ist,  in  welcher  Freiheit  sie  geboren  gewesen  sein  werden,  sondern 
in  welcher  Art  von  Freiheit  befindlich  ihr  Vater  gestorben  sein  wird.^ 


III.  Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 

1)  Präteritionsrecht. 

a)  Ins  civile. 

a)  Derjenige,  welcher  ein  Kind  in  der  Gewalt  hat,  muss  Sorge  tragen,  dass 
er,  wenn  er  ein  Testament  macht,  das  Kind  männlichen  Geschlechts  ent- 
weder unter  Namensnennung  zum  Erben  einsetzt  oder  unter  Namensnennung 
enterbt:  denn  wenn  er  ein  Kind  männlichen  Geschlechts  in  dem  Testamente 
übergangen  haben  wird,  wird  das  Testament  nicht  giltig  sein.  Wird  nach 
Errichtung  des  Testaments,  in  welchem  ein  Kind  männlichen  Geschlechts 
übergangen  worden  ist,  sich  zugetragen  haben,  dass,  während  der  Vater  noch 


G.  2, 3 

pr.  1 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  10,  3  c. 


manae  civitatis  amissa  Latinus  fuerit  efFectus, 
in  eodem  statu  munere  lucis  excesserit,  omne 
peculium  eius  a  patrono  vel  a  patroni  filiis 
sive  nepotibus,  qui  nequaquam  ius  agnationis 
amiserint,  vindicetur.  Nee  ad  disceptationem 
veluti  hereditariae  controversiae  filiis  liceat 
accedere,  qiium  eius  potissimum  status  ratio 
tractanda  sit,  non  quem  beneficio  libertatis 
indultae  sortitus  aceeperit,  sed  is,  in  quo 
munere  lucis  excesserit. 

la)  a) 


dente  culpa,  Latinus  libertus  fuerit  effectus, 
si  in  eadem  Latinitate,  sine  reparatione  pri- 
oris  Status,  ab  hac  luce  discesserit,  faculta- 
tes  illius  patronus  vel  patroni  filii  vel  nepo- 
tes,  qui  tamen  per  virilem  lineam  descendunt 
et  emancipati  non  fuerint,  sibimet  vindica- 
bunt.  Nee  si  filios,  quos  civis  Romanus  ge- 
neravit,  fortasse  dimiserit,  aliquid  de  eius 
hereditate  praesumant:  quia  non  quaerendum 
est,  in  qua  libertate  nati  fuerint,  sed  in  qua 
pater  eorum  positus  conditione  defecerit. 

G.  2,  3  pr.  1,  Is,  qui  filium  in  potestate 
habet,  curam  gerere  debet,  ut  testamentum 
faciens  masculum  filium  aut  nomin  atim 
heredem  institiiat  aut  nominatim  exheredet; 
nam  si  masculum  filium  testamento  praeter- 
ierit,  non  valebit  testamentum  .  .  (Nam)  si 
facto  testamento,  in  quo  filius  masculus 
praetermissus  est,  evenerit,  ut,  vivente  adhuc 
patre,  filius,  qui  praetermissus  est,  moriatur, 
sie  quoque,  quamlibet  filius  ille  mortuus 
fuerit,  testamentum,  quod  factum  est,  non 
valebit. 


400 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


lebt,  der  Sohn,  der  übergangen  worden  ist,  stirbt,  so  wird  auch  so,  mag 
auch  jener  Sohn  gestorben  gewesen  sein,  das  errichtete  Testament  keine 
Giltigkeit  besitzen. 

G.  2, 3, 1  b)  Wird  Jemand  eine  Tochter  übergangen  haben,  so  wird  durch  die  über- 
gangene Tochter  das  Testament  nicht  gebrochen:  viehnehr  erzielt  sie  unter 
ihren  Geschwistern,  während  das  Testament  als  rechtsgiltig  bestehen  bleibt,  ihre 
Portion,  wie  die  andern  Geschwister.  Werden  jedoch  in  dem  Testament 
Fremde  zu  Erben  eingesetzt  gewesen  sein,  so  erwirbt  unter  Aufrechthaltung 
P.  3, 6, 14  des  Testaments  die  Tochter  die  Hälfte  der  Erbschaft.    Setzt  Jemand  seinen 

Sohn  und  einen  Fremden  zu  gleichen  Teilen  in  dem  Testamente  zu  Erben 
ein,  so  wird  die  übergangene  Tochter  ebensoviel  von  der  Portion  ihres 
Frater  germanus,  wie  von  den  Fremden,  abfordern.  Werden  jedoch  zwei 
Söhne  zu  Erben  eingesetzt  gewesen  sein,  so  entzieht  die  übergangene  Tochter 
den  beiden  Brüdern  ein  Dritteil  und  den  Fremden  die  Hälfte. 

G.2, 3,  2  c)  Von  Posthumi  giebt  es  zwei  Gattungen,  indem  einmal  diejenigen  Posthumi 
genannt  werden,  welche  nach  dem  Tode  des  Vaters  von  der  Frau  geboren 
gewesen  sein  werden,  und  sodann  jene,  die  nach  Errichtung  des  Testaments 
geboren  werden.  Wird  dann  nicht  derjenige,  welcher  das  Testament  macht, 
in  dem  Testamente  selbst  vermerkt  haben :  ,Ein  jeder  Sohn  oder  eine  jede  Tochter, 
die  mir  geboren  gewesen  sein  wird,  soll  mein  Erbe  sein',  oder  wenigstens  ,soll 
enterbt  sein',  so  kann  sein  Testament  nicht  giltig  sein,  weil  legitim  Konzipierte 


h) 


P.  3,  6,  14.  Filio  et  extraneo  aequis  par- 
tibus  heredibus  instHutis,  si  praeterita  ac- 
crescat,  tantum  suo  avocabit,  quantum  ex- 
traneo. Si  vero  duo  sint  filii  instituti,  suis 
tertiam,  extraneis  dimidiam  tollit. 


c) 


G.  2,  3,  1.  Si  (vero)  filiani  praeterierit, 
non  rumpit  testamentum  filia  praetermissa: 
sed  inter  fratres  suos,  legitimo  stante  testa- 
mento,  suam,  sicut  alii  fratres,  consequitur 
portionem:  si  vero  testamento  extranei  here- 
des  scripti  fuerint,  stante  testamento,  filia 
medietatem  hereditatis  acquirit  ,  . 

Si  quis  filium  suum  et  extraneum  aequis 
partibus  testamento  scribat  heredes ,  filia 
praetermissa  tantum  de  portione  germani 
sui,  quantum  de  extraneis  revocabit.  Si  vero 
duo  filii  fuerint  heredes  scripti,  filia  praeter- 
missa duobus  fratribus  tertiam  tollit  et  ex- 
traneis dimidiam. 

Cr.  2,  3,  2.  Posthumorum  duo  genera  sunt: 
quia  posthumi  appellantur  hi,  qui  post  patris 
mortem  de  uxore  nati  fuerint,  et  illi,  qui 
post  testamentum  factum  nascuntur.  Et 
ideo,  nisi  is,  qui  testamentum  facit,  in  ipso 
testamento  comprehenderit:  Quicunque  filius 
aut  filia  mihi  natus  natave  fuerit,  heres  mihi 
sit;  aut  certe  dicat,  exheres  sit,  valere  non 
potest  eins  testamentum:  quia  .  .  legitime 
concepti  pro  natis  habentur,  nisi  quod  me- 
lior  est  conditio  posthumae  quam  natae: 
quia  nata,  si  praetermissa  fuerit,  non  rumpit 
testamentum:  posthuma  vero,  sicut  masculus, 
testamentum  rumpit. 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


401 


als  Geborene  gelten,  ausser  dass  die  Rechtslage  der  Posthuma  besser  ist  als 
die  der  Geborenen,  weil  eine  Geborene,  Avenn  sie  übergangen  gewesen  sein 
wird,   das   Testament  nicht  bricht,   hingegen  eine  Posthuma,   wie   ein  Kind 
männlichen  Geschlechts,  das  Testament  bricht.     Wenn  der  Vater  bei  seinem  p.  3,  e,  15 
Tode    in    seinem    Testamente,    indem   er   weiss,    dass   er   eine   schwangere 
Frau    hat,    verordnet,    dass    .wenn    Kinder    nach    seinem    Tode    geboren 
gewesen  sein  werden^,  sie  Erben  sein  sollen,   soll,  falls  sie  nach    dem  Tode 
des  Vaters  geboren  gewesen  sein  werden,  das  Testament  giltig  sein.    Werden 
sie    nach    Errichtung    des    Testaments    bei    Lebzeiten    des  Vaters    geboren 
gewesen    sehi  und  wird    der  Vater    das   Testament    nicht  geändert  haben, 
so  werden  sie  das  Testament  brechen.     Ein  Nepos  posthumus,  der  an  Stelle   p.  3, 6,  le 
des  Vaters  folgen  kann,  ist  von  dem  Grossvater  entweder  zum  Erben  einzu- 
setzen oder  unter  Namensnennung  zu  enterben,  damit  er  nicht  durch  nach- 
träglichen Eintritt  das  Testament  breche.     Wenn  Jemand  nach  Errichtung  G.  2. 3, 3 
eines  Testaments  bei  dem  Volke  denjenigen,  w^elcher  Sui  iuris  ist,  das  will  sagen, 
der  einen  Vater  nicht  hat,  adoptiert  haben  oder  bei  dem  Prätor  denjenigen, 
der  sich  in  der  Gewalt  des  Vaters  befindet,  adoptiert  haben  wird,  gleich  als 
sei  er  ihm  als  Kind  geboren,  wird  sein  Testament  gebrochen, 
d)  ^Gegen  den  AVillen  des  Verstorbenen  soll  Alles  derart  gelten,  dass  sowohl  ge-   c.  2, 19,  e 
stattet  ist,   De   inofficioso  zu  klagen,   als  auch  Jemand  gehört  werden  soll, 
wenn  er  sich  als  übergangen  bezeichnet  haben  wird.    Indessen  verordnen  wir, 
dass  alles  dieses  derart  gelte,  dass,  falls  irgend  eine  andere  Proposition  mitße- 


P.  3,  6,  15.  Talis  est  posthuraorum  in- 
stitutio:  si  qui  post  mortem  meam  posthumi 
nati  fuerint,  heredes  sunto.  Si  vivo  eo  nas- 
cantur,  rumpunt  testamentum. 


P.  3,  6,  16.  Nepos  posthumus,  qui  in  lo- 
cum  patris  succedere  potest,  ab  avo  aut  heres 
instituendus  est,  aut  nominatim  exheredandus, 
ne  agnascendo  rumpat  testamentum. 


d)  C.  2,  19,  6.  Adversus  iudicium  Omni- 
bus integris  atque  servatis,  quibus  inofficiosi 
antio  aut  de  immodicis  donationibus  coeperit 
forte  competere,  vel  qui  se  praeteritum  esse 
testatur.  Nos  enim  ita  huiusmodi  institu- 
tiones  firmandas  esse  concessimus,  ut  com- 
peten^ibus  actionibus  viam  minime  claudere- 
mus. 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Si  pater  moriens  in  testamento  suo,  sciens, 
uxorem  praegnantem  se  habere,  ita  scribat: 
ut  si  qui  filii  post  mortem  ipsius  nati  fuerint, 
heredes  sint;  si  post  mortem  patris  nati 
fuerint,  valeat  testamentum.  Nam  si  post 
testamentum  vivo  patre  nati  fuerint,  et  tes- 
tamentum pater  non  mutaverit,  rumpent 
testamentum. 


G.  2,  3,  3.  Si  quis  post  factum  testa- 
mentum adoptaverit  apud  populum  illum, 
qui  sui  iuris  est,  hoc  est,  qui  patreui  non 
habet,  aut  apud  praetorom  illum  adoptaverit, 
qui  in  potestate  patris  est,  quasi  ei  filius 
natus  sit,  ita  eins  rumpitur  testamentum. 

Contra  voluntatem  defuneti  ita  omnia, 
.  .  serventur,  ut  et  de  inofficioso  agere  li- 
ceat,  et,  si  quis  se  praeteritum  dixerit,  audi- 
atur. Sed  ita  haec  omnia  observari  praeci- 
pimus,  ut,  si  qua  alia  propositio  fuerit  de 
testamento  vel  donatione,  quae  possit  op- 
poni,  in  omnibus  audiatur. 


26 


402 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.4,5,  1 


P.4,5,  2 


Gr.  8,  1 


C.5, 1,4,3 


N.  Th. 
11,  1,  6 


zug  auf  Testament  oder  Schenkung,  die  sich  entgegensetzen  lässt,  vorhanden 
gewesen  sein  wird,  sie  in  Allem  angehört  werden   soll.^ 

2)  Materielles  Pflichtteilsrecht. 
a)  Berechtigte. 

a)  Inoffiziös  wird  ein  Testament  genannt,  das,  indem  die  Kinder  enterbt  worden 
sind,  nicht  nach  dem  Officium  pietatis,  und  somit  hinfällig  abgefasst  zu  sein 
erachtet  wird.  Wenn  die  Frau  nach  Errichtung  des  Testaments  einen  Sohn 
geboren  und  das  Testament  nach  der  Geburt  des  Sohnes  nicht  geändert 
haben  wird,  kann  ^der  übergangene  Sohn^  wegen  inoffiziösen  Testaments 
der  Mutter  klagen. 

Dass    die    Falcidia  bei    dem    Testamente   der    Mutter  fortfalle,  ist 
eine  falsche  Überzeugung.^ 

b)  Wenn  der  Grossvater  oder  die  Grossmutter  Enkel  und  Enkelinnen  von  der 
Tochter  in  ihrem  Testament  übergangen  oder  ohne  Nachweis  von  Gründen 
enterbt  haben  werden,  wird  ihnen  die  Actio  de  inofficioso  gegen  das  Testa- 
ment des  Grossvaters  oder  der  Grossmutter,  die  ihrer  Mutter  zustehen 
konnte,  durch  Benefiz  des  Gesetzes  gewährt  w^erden.* 

c)  Indem  ihnen  die  Quart  ausdrückhch  gewahrt  bleibt,   steht  dem  Vater  oder 


1)  Vgl.  2  y,  b. 

2)  Ad  exemplum  praeteriti  der  Sohn.  3)  Vgl.  S.  29  Anm.  2. 

4)  T  führt  aus,  dass  den  Enkeln,  welchen  das  Intestaterbrecht  zusteht,  im  Falle 
Übergehung  oder  Enterbung  mit  Bezug  auf  Testamentum  iniustum  und  die  der  Tochter 
gebührenden  Aktionen,  nach  dem  Muster  der  den  Kindern  wegen  der  inoffiziösen  Testamente 
der  Eltern  zustehenden,  Rechtsmittel  zu  teil  werden. 


2  a)  a)  P.  4,  5,  1.  Inofficiosum  dicitur  tes- 
tamentum, quod  frustra,  liberis  exheredatis, 
non  ex  officio  pietatis  videtur  esse  conscrip- 
tum. 

P.  4,  5,  2.  Post  factum  a  matre  testa- 
mentum filius  procreatus,  non  mutata  ab  ea, 
quum  posset,  voluntate,  ad  exemplum  prae- 
teriti, inofficiosi  querelam  recte  instituit. 

Gr.  8,  1.  .  .  Falcidiam  (quoque)  in  ma- 
tris  testamento  cessare,  falso  tibi  persuasum 
est  .  . 

b)  C.  5,  1,  4,  3.  Non  solum  (autem),  si 
intestatus  avus  aviave  defecerit,  haec  nepo- 
tibus,  quae  sancimus,  iura  servamus,  sed  et 
si  avus  vel  avia,  quibus  huiusmodi  nepotes 
erant,  testati  obierint  et  praeterierint  nepo- 
tes aut  exheredaverint  eosdem ,  et  de  in- 
iusto  avorum  testamento,  et  si  quae  filiae 
poterant  vel  de  re  vel  de  lite  competere  ac- 
tiones  nepotibus  deferimus,  secundum  iustum 
nostrae  legis  modum,  quae  de  parentum  in- 
officiosis  testamentis  competunt  filiis. 

c)  N.  Th.  11,  1,  6.     .   .    quartam   partem 


Si  mulier  post  factum  testamentum  filium 
pepererit  et  testamentum  nato  filio  non  mu- 
taverit,  filius  praeteritus  de  inofficioso  matris 
testamento  agere  potest. 


Si  (vero)  avus  vel  avia  nepotes  ac  nep- 
tes  ex  filia  in  testamento  suo  praeterierint 
aut  non  probatis  causis  exheredaverint,  actio 
illis  de  inofficioso  contra  testamentum  avi  vel 
aviae,  quae  matri  eorum  competere  potuit, 
lesfis  beneficio  tribuetur. 


quarta  (vero)  patri  vel  matri,  avo  aviae, 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


403 


der  Mutter,  dem  Gross vater,  der  Grossmutter,  die  Actio  de  iuofficioso  testa- 

mento  zu.      Die  übergangene  Mutter  kann  das  Testament,    das  der  Sohn   c.  2, 19, 2 

gemacht  hatte,  removieren  auf  Grund  dessen,  dass  ihr  der  Sohn  die  Quart 

an   seinem  Vermögen   nicht  hinterlassen    hat:    falls    nm*   nachweislich    der 

Sohn  keine  agnatischen  consanguinischen  Geschwister,^  das  will  sagen,  von 

dem  gleichen  Vater  Geborene,  oder  deren  Kinder  männlicher  Abstammung, 

besitzt. 

aa)  Personen,  die  sich  in  der  Ehe  befinden,  sollen,  falls  sie  keine  Kinder 
haben,  wenn  sie  es  gewollt  haben  werden,  sei  es  der  Mann  die 
Frau,  sei  es  die  Frau  den  Mann  als  Erben  hinterlassen,  derart  indessen, 
dass  den  Personen,  denen  das  Gesetz  es  zusteht,  wenn  es  eine  In- 
offiziositätsquerel  gegeben  haben  wird,  die  Actio  vorbehalten  wird.^ 

bb)  ^AVenn  Jemand  legitime   Söhne  nicht   gehabt  und   natürliche   gehabt   n'^^i.öu'.e 
haben  wird,  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  wollen,  wird  er  es 


N.  V. 

4,1,  6 


N.  Th. 


1)  T  spricht  von  Consanguinei  agnati. 

2)  T  sagt,  dass  auch  gegen  das  Testamenti  genus,  von  v^^elchem  in  dem  Gesetze  die 
Rede  ist  (vgl.  §  3,  2^,  d),  die  Inofficiosi  querela  vel  praeteriti  secundum  iuris  et  legum 
statuta  zulässig:  sei. 


bonorum  .  .  patri  matrive,  avo  vel  aviae  sal- 
vam  intaetamque  servamus,  ut,  si  quis  eorum 
vel  praeteritus,  vel  parum,  quam  ei  debe- 
batur  ex  legibus,  fuerit  consecutus,  movere 
de  inofficioso  testamento  querelam  pro  iuris 
ordine  concedatur  .  . 

C.  2,  19,  2.  .  .  si  mater  contra  filii  tes- 
tamentum  inofficiosi  actionem  instituat,  .  . 
testamento  remoto  matri  successio  deferatur, 
si  tarnen  defuncto  consanguinei  agnati  non 
sunt  superstites  .  . 

aa)  N.  V.  4,  1,  6.  Ne  tamen  hoc  testa- 
menti genus  plus  iusto  muniisse  credamur, 
si  quis  sibi  vel  inofficiosi  querelam  vel  prae- 
teriti competere  duxerit  actionem,  hanc 
utramque  secundum  iuris  et  legum  statuta 
servamus  .  . 

bb)  N.  Th.  11,  1,  5  u.  6.  Si  quis  .  .  na- 
turalem duntaxat  foecunditatem,  non  etiam 
legitimam  sortiatur,  .  .  et  tradendi  filios  vel 
omnes,  vel  quos  quemve  maluerit,  eins  civi- 
tatis curiae,  unde  ipse  oritur,  et  in  solidum 
heredes  scribendi  liberam  ei  concedimus  facul- 
tatem.  Parentibus  vero  superstitibus  si  na- 
turalis pater  vitae  munus  impleverit,  quartam 
partem  bonorum,  contemplatione  gradus  legi- 
timi,  patri  matrive,  avo  vel  aviae  salvam 
intaetamque  servamus,  ut,  si  quis  eoram  vel 
praeteritus,   vel  parum,    quam   ei   debebatur 


(quibus)  de  inofficioso  testamento  actio  sup- 
petit,  specialiter  servata. 


.  .  potest  removere  praetermissa  mater, 
quia  ei  quartam  de  rebus  suis  portionem 
filius  non  dimisit,  quod  filius  fecerat  testa- 
mentum:  si  tamen  filio  fratres  consanguinei 
agnati,  id  est  uno  patre  nati,  aut  eorum  filii 
per  virilem  sexum  non  esse  probantur  .  . 

.  .  ut  in  coniugio  positi,  si  filios  non  ha- 
beant,  seu  maritus  uxorem,  seu  uxor  mari- 
tum  voluerit,  relinquant  heredem,  .  .  ita 
tamen,  ut  his  personis,  quibus  lex  concedit, 
si  fuerit  de  inofficioso  querela,  actio  reser- 
vetur. 

Si  (vero)  legitimos  filios  non  habuerit,  et 
naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestorum 
testificatione  coniungat,  .  .  quarta  vero  patri 
vel  matri,  avo  aviae,  quibus  de  inofficioso 
testamento  actio  suppetit,  specialiter  servata  . . 


26* 


404 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.  Th. 
11,  2,11 


C.  2,  19,  1 


nicht  anders  können,  als  dass  er  sie  zuvor,  unter  Bezeugung  der 
Gesta,  dem  Corpus  der  Kurie  verbinde,  während  die  Quart  dem 
Vater  oder  der  Mutter,  dem  Grossvater,  der  Grossmutter,  denen  die 
Actio  de  inofiicioso  testamento  zusteht,  besonders  gewahrt  bleibt. 
Auch  Avenn  die  natürliche  Tochter  eines  Kurialen  mit  einem  Kurialen 
verheiratet  gewesen  sein  wird,  ist  es  erlaubt,  ihr  das  eigene  Vermögen 
sowohl  zu  schenken  als  auch  zu  hinterlassen,  mit  der  Massgabe,  dass 
er  den  Vater  oder  die  Mutter,  bez.  diejenigen,  weichen  die  Actio 
de  inofficioso  testamento  zusteht,  unter  keinen  Umständen  übergehen, 
sondern  das  ihnen  zu  der  Zeit,  sei  es  der  Schenkung,  sei  es  des 
Todes,  Geschuldete,  das  ist  den  vierten  Teil  vorbehalten  solle.  ^ 

d)  Den  Fratres  uterini,  ^das  will  sagen,  denjenigen,  welche  von  verschiedenen 
Vätern  und  einer  einzigen  Mutter  geboren  sind,^  soll  es  nicht  freistehen. 
De  inofficioso  gegen  das  Testament  des  Bruders  vorzugehen.  Sind  jedoch 
Germani  fratres,  das  heisst,  die  von  dem  gleichen  Vater  geboren  sind,  über- 
gangen worden,  so  wird,  wenn  an  Turpes  personae,  das  ist  Infame,  die  Erb- 
schaft hinterlassen  gewesen  sein  wird,  wie  entweder  um  der  Wollust  willen 
Dirnen  oder  aus  unehrbarer  Zuneigung  unehelichen  Kindern  oder  Schau- 
spielern, bez.  den  eigenen  Freigelassenen,  die  Befugnis,  gegen  das  Testament 
zu  klagen,  vorbehalten:  vorausgesetzt  jedoch,  dass  nicht  eben  dieser  Bruder 
um  eines  Verbrechens  wollen  dem  Exil  überliefert  gewesen  oder  infolge  Ge- 
fangenschaft Sklave  geworden    sein,    oder   infolge  Emanzipation  die  Rechte 


1)  Vgl. 


2,  i. 


2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


ex  legibus,  fuerit  consecutus,  movere  de  in- 
officioso testamento  querelam  pro  iuris  ordine 
concedatur  .  . 

N.  Th.  11,  2,  11.  .  .  Praecipimus  (namque), 
ut  ad  similitudinem  naturalium  filiorum,  quos 
decurionatus  sorti  paterna  sententia  dedi- 
cavit,  filia  quoque  naturalis  in  matrimonium 
curialis  adscita,  si  tarnen  nulla  patri  eins 
suppetat  legitima  soboles,  idque  paternae 
visum  fuerit  voluntati,  et  omnes  res  patrias 
donationis  titulo  consequatur,  et  heres  scri- 
batur  ex  integro:  ita  tarnen,  ut  et  parentum, 
quibus  quarta  pars  patrimonii  relinquenda 
est,  .  .  ratio  conservetur  .  . 

d)  C.  2,  19,  1.  Fratres  uterini  ab  inof- 
ficiosis  actionibus  arceantur,  et  germanis  tan- 
tummodo  fratribus  adversus  eos  duntaxat 
institutos  heredes,  quibus  inustas  constiterit 
esse  notas  detestabilis  turpitudinis,  agnatione 
durante,  sine  auxilio  praetoris,  petitionis 
aditus  reseretur. 


.  .  Curialis  .  .  Filia  quoque  naturalis  si 
curiali  nupta  fuerit,  licet  ei  proprias  et 
donare  et  relinquere  facultates,  ea  conditione, 
ut  patrem  matremve,  vel  quibus  actio  de 
inofficioso  testamento  competit,  nuUatenus 
praetermittat.  Sed  eis  legibus  debitam  vel 
donationis  vel  mortis  tempore,  hoc  est  quar- 
tam  portionem  reservet. 


Fratribus  uterinis,  id  est  diversis  patribus 
et  una  matre  natis,  non  liceat  de  inofficioso 
contra  testamentum  fratris  agere.  Sed  ger- 
manis fratribus  praetermissis,  id  est  uno  patre 
natis,  si  turpibus  person,  id  est  infamibus 
fuerit  hereditas  derelicta,  hoc  est  aut  pro 
libidinemeretricibus,  aut  pro  inhonesto  affectu 
naturalibus  aut  certe  thymelicis,  vel  de  liber- 
tis  suis,  agendi  contra  testamentum  licentia 
reservatur:  si  tarnen  is  ipse  germanus  non  pro 
crimine  suo  exilio  fuerit  deputatus,  aut  per 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


405 


der  Successiou  oder  Actio  verloren  haben  wird.^  Wird  wegen  der  durch  c.  2, 19, 3 
Schulden  entstandenen  Notlage  von  dem  Herrn  einem  Sklaven  mit  der 
Freiheit  die  Erbschaft  hinterlassen  gewesen  sein,  weil  eine  Person  dieser 
Art  infam  erachtet  wird,  so  wird  den  Germani  fratres,  die  übergangen 
worden  sind,  die  Befugnis  gegeben,  gegen  das  Testament  zu  klagen,  so- 
dass nach  Entfernung  der  Infamis  persona,  unter  Aufrechthaltung  jedoch 
der  erzielten  Freiheit,  die  Germani  fratres  die  Erbschaft  an  sich  ziehen  sollen/^ 

Wenn  nach  Übergebung  der  Brüder  Freigelassene  durch  Testament  c.  2, 19, 3 
zu  Erben    eingesetzt  gewesen  sein  werden,    werden  in  gleicher  Weise 
die  Germani  des  Verstorbenen  sie  von  dem  Vermögen  der  brüderlichen 
Erbschaft  ausschliessen   und  Alles,  was    er    hinterlassen    haben  wird, 
für  sich  in  Anspruch  nehmen.^ 

ß)  Grösse,  Berechnung  und  Hinterlassung  des  Pflichtteils. 

a)  Den  Kindern  wird  die  Falcidia,  das  will  sagen,  der  vierte  Teil  einer  jeden  p.  4, 5,6 
Portion    geschuldet.^    Die  Kinder  sollen  wegen  des   inoffiziösen  Testaments   c.  2, 19, 2 
der  Mutter  proponieren,  das  will  sagen,  wenn  der  vierte  Teil  der  geschuldeten 
Portion  dem  Kinde  nicht  hinterlassen  gewesen  sein  wird. 

b)  So  oft  der  Vater  mittels  Testaments  vorgeschrieben  haben  wird,  den  Kindern   c.  2, 19, 4 
von  dem  von  ihm  hinterlassenen  Vermögen  den  vierteil  Teil  zu  geben,  und 


1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  5,  1  b,  bb. 

3)  T  spricht  nur  von  Quartae  portionis  portio. 


2)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  21,  3  c. 


C.  2,  19,  3.  Servus  necessarius  heres  in- 
stituendus  est,  quia  non  magis  Patrimonium 
quam  infamiam  consequi  videtur.  Unde 
claret,  actionem  inofficiosi  fratribus  relaxatam, 
quum  infamiae  aspergitur  vitiis  is,  qui  heres 
exstitit,  omniaquo  fratribus  tradi,  quae  per 
turpitudinem  aut  aliquam  levem  notam  ca- 
pere  non  potest  institutus.  . 

C.2,19,3.  .  .  Ita  in  hac  quoque  parte,  si 
quando  libertis  heredibus  institutis  fratres 
fuerintalieni,  inofficiosi  actione  propositaprae- 
valeant  in  omnibus  occupandis  facultatibus 
defuncti,  quas  ille  perperam  ad  libertos  vo- 
luerat  pertinere. 

ß)  a) 


b)  C.  2,  19,  4.     Quum  scribit  moriens,  ut 
arbitratu   boni   viri,   si   quid   minus   filiis   sit 


captivita,tem  fuerit  servus  effectus,  aut  per 
emancipationem  successionis  vel  actionis  iura 
perdiderit. 

Si  servo  pro  necessitale  debiti  a  domino 
cum  libertate  hereditas  fuerit  dimissa,  quia 
huiusmodi  persona  videtur  infamis,  germanis 
fratribus,  qui  praetermissi  sunt,  agendi  con- 
tra testamentum  datur  facultas:  ut  remota 
infami  persona,  salva  tamen,  quam  meruit, 
libertate,  hereditatem  germani  fratres  ad  se 
debeant  revocare.  . 

(Nam  et)  si  praetermissis  fratribus  liberti 
per  testamentum  heredes  fuerint  instituti, 
simili  modo  germani  defuncti  eos  a  bonis 
fraternae  hereditatis  excludent,  sibique  om- 
nia,  quae  reliquerit,  vindicabunt. 

P.  4,  5,  6.  .  .  liberis  Falcidia,  id  est, 
uniuseuiusque  portionis  quarta  portio  debe- 
tur. 

C.  2,  19,  2.  .  .  filiis  .  ,  ut  de  inofficioso 
matris  testamento  proponant,  id  est,  si  quarta 
debitae  portionis  suae  filio  dimissa  non  fu- 
erit .  . 

Quoties  pater  filiis  per  testamentum  de 
facultatibus  a  se  dimissis  quartam  dari  prae- 


406 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


dem  Arbitrium  von  Boni  viri  überlassen  zu  sollen  geglaubt  haben  wird; 
dass  es  in  Geld  geschehe,^  soll,  ^sei  es  dass  er  es  in  diesem  Testament,  sei 
es  dass  er  es  in  einer  Schenkung  niedergeschrieben  haben  wird,  der  Sohn 
keine  Klage  gegen  den  Willen  des  Vaters  haben,^  wenn  er  nur  in  Geld 
das  Viertel  seiner  Portion  an  Allem,  was  der  Vater  zur  Zeit  seines  Todes 
hinterlassen  haben  wird,  erzielt. 

P.4, 5,6  c)  So  oft  die  Falcidia  für  die  Kinder  zu  berechnen  ist,  werden  von  dem  As 
der  Erbschaft  an  erster  Stelle  die  Schulden  des  Verstorbenen  und  die  Aus- 
gabe, die  für  seine  Beerdigung  geleistet  worden  ist,  abgezogen:  in  gleichen 
werden  die  gewährten  Freilassungen  um  nichts  weniger  geschuldet  werden. 
Dann  wird  den  Kindern  die  Falcidia,  das  will  sagen,  der  vierte  Teil  einer 
jeden  Portion  geschuldet. 

Gr.  4, 2  d)  Wenn  der  Vater  für  die  Tochter  eine  Dos  übergeben  oder  dem  Schwieger- 
sohn für  diese  Dos  eine  Kaution  gewährt,  bez.  sich  diu-ch  das  Band  eines 
Versprechens  verhaftet  haben  wird,  und  der  Vater  zur  Zeit  des  Todes  der 


1)  Wenn  der  Erblasser  verordnet,  dass  Arbitratu  boni  viri,  falls  den  Kindern  weniger 
als  die  guten  Kindern  geschuldete  Quart  hinterlassen  ist,  von  dem  Erben  eine  Ergänzung 
in  Geld  stattfinden  solle. 

2)  T  hat  die  Anfechtung  von  Schenkungen  im  Auge. 


relictum,  quam  modus  quartae,  quae  per 
successionem  bonis  tantum  liberis  debetur, 
efflagitat,  id  ipsum  ab  berede  eisdem  in  pe- 
eunia  compleatur,  manifestum  est,  null  am 
iam  prorsus  nee  super  testamento,  nee  super 
donationibus  querelam  remanere,  praesertim 
quum  universam  eadem  repellat  et  reprimat, 
quae  ad  pecuniam  redigit,  iusta  taxatio. 

c)  P.  4,  5,  6.  Quartae  portionis  portio 
liberis  deducto  aere  alieno  et  funeris  im- 
pensa  praestanda  est,  ut  ab  inofficiosi  que- 
rela  excludantur.  Libertates  quoque  eam 
portionem  minuere  placet. 


d)  Gr.  4,  2.  Si  ex  voluntate  patris,  qui 
tres  ex  se  natos  relinquit  heredes,  tertiae 
portionis  quarta  ad  te  sine  ulla  diminutione 
pervenire  non  potuit,  inofficiosi  testamenti 
accusationem  instituere  non  prohiberis.  In 
qua  tamen  parte  ea,  quae  ante  a  patre  filiae 
m  dotem  data  sunt,  non  placet  computari, 
quia  etiam  in  bonis  mariti  sunt  et  a  patri- 
monio  patris  vivente  eo  separata  fuerunt. 


ceperit  portionem,  et  hoc  in  nummo  fieri 
bonorum  virorum  arbitrio  crediderit  commit- 
tendum,  seu  hoc  testamento  sive  donatione 
conscripserit,  nuUam  contra  voluntatem  patris 
filius  habeat  actionem,  duramodo  quartam 
portionis  suae,  quam  erat  habiturus  de  Om- 
nibus, quae  tempore  mortis  suae  pater  reli- 
querit,  consequatur  in  nummo. 

Quoties  Falcidia  filiis  computanda  est,  de 
asse  hereditatis  primo  loco  defuncti  debita 
detrahuntur  et  expensa,  quae  in  funere  eins 
praestita  est.  Sed  et  collatae  libertates  ni- 
hilominus  debebuntur.  Et  sie  liberis  Falci- 
dia, id  est  uniuscuiusque  portionis  quarta 
portio  debetur. 

Si  pater  pro  filia  dotem  tradiderit,  aut 
certe  genero  pro  ipsa  dote  fecerit  cautionem, 
vel  se  promissionis  vinculo  obligaverit,  et 
mortis  tempore  Falcidiam  filiae  pater  de  his 
rebus,  quas  mortis  tempore  dereliquit,  non 
dimiserit,  de  inofficioso  patris  testamento 
agere  filia  non  prohibetur:  quia  illud,  quod 
pro  ea  a  patre  in  dotem  datum  est  aut  pro- 
missum,  in  Falcidia  non  potest  imputari. 
Nam  ea,  quae  pater  vivus  in  dotis  condi- 
tione  aut  promiserit  aut  tradiderit,  de  bonis 
eins,  antequam  moreretur,  discessisse  et 
alienata  esse  noscuntur.  Similis  erit  et  de 
sponsalitia  donatione  conditio. 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


407 


Tochter  von  denjenigen  Sachen,  die  er  zur  Zeit  des  Todes  zurückgelassen 
hat,  die  Falcidia  nicht  hinterhissen  haben  wird,  wird  die  Tochter  nicht 
behindert  wegen  des  inoffiziösen  Testaments  des  Vaters  zu  klagen,  iweil  das- 
jenige, was  für  sie  von  dem  Vater  als  Dos  gegeben  oder  versprochen  worden 
ist,  in  die  Falcidia  nicht  eingerechnet  werden  kann:-"^  denn  dasjenige,  was 
der  Vater  bei  seinen  Lebzeiten  als  Dos  entweder  versprochen  oder  über- 
geben haben  wird,  wird  erachtet,  aus  seinem  Vermögen,  bevor  er  starb, 
ausgeschieden  und  veräussert  worden  zu  sein;  ^mit  Bezug  auf  die  Sponsalitia 
donatio  wird  die  Rechtslage  die  gleiche  sein.^ 

^Die  Dos,  die  der  Tochter,  welche  sich  verheiratet,  von  dem  Vater  Gr.  4, 1 
gegeben  oder  in  eine  Obligation  aufgenommen  worden  ist,  wird  in  die 
Quart,  die  sie  aus  dem  Vermögen  des  Vaters  haben  muss,  um  sie 
von  der  Bezichtigung  des  Testaments  als  eines  inoffiziösen  ausschliessen  zu 
können  nicht  eingerechnet,  da  sie  bei  Lebzeiten  des  Vaters  aus  dessen 
Vermögen  getrejint  gewesen  ist.  Demgemäss  bedient  sich  die  Frau  ohne 
Grund  der  Querel  über  die  von  ihrem  Manne  herrührende  Kaution, 
als  sei  nicht  Alles  ihm  übergeben  worden,  da,  mag  auch,  was  sich 
in  der  Urkunde  findet,  zutrefien,  die  Querela  non  inofficiosi  testamenti 
nicht  hinfällig  wird,  wenn  aus  dem  letzten  Willen  des  Vaters  die 
Quart  der  Tochter,  die  sie  im  Falle  des  Todes  des  Vaters  ohne  Testa- 
ment von  ihrem  Anteil  haben  musste,  nicht  voll  ist.^ 


y)  Erfordernisse. 

a)  AVenn  der  Vater  den  Sohn  auf  das  Ganze  zum  Erben  einsetzt  und  mittels 
Fideikommissen    oder    Legaten    diese    Erbschaft    vollständig    verschiedenen 


p.  4,5, 5 


1}  T  sagt,  class,  wenn  der  Vater  nicht  jedem  seiner  drei  Kinder  die  Quart  des  Drittels 
der  Erbschaft  hinterlassen  hat,  die  Accusatio  inofficiosi  testamenti  zustehe  und  die  der 
Tochter  gegebene  Dos  auf  die  Quart  nicht  in  Rechnung  komme. 

2)  Vgl.  S.  322  Anm.  3. 

3)  T  bedient  sich  der  Anrede  der  Frau,  an  welche  das  Gesetz  gerichtet  ist. 


Gr.  4,  1.  Dos,  quae  a  patre  nubenti  filiae 
data  est  aut  in  obligatione  constituta,  in 
quartam,  quam  habere  ex  bonis  patris  debet, 
ne  inofficiosum  testamentum  possit  accusare, 
non  computatur,  quoniam  vivente  patre  bonis 
eins  fuit  separata.  Imperite  itaque  intro- 
ducis  querelam  cautionis  a  marito  tuo  emis- 
sae,  quasi  non  omnia  tradita  ei  essent,  quum, 
etsi  verum  sit,  quod  scriptura  continetur, 
non  perimatur  querela  inofficiosi  testamenti, 
si  ex  iudicio  patris  supremo  quarta  filiae 
non  suppletur,  quam  intestato  patre  pro  por- 
tione  sua  habere  debuit. 

y)  a)  P.  4,  5,  5,  Filius  ex  asse  heres  in- 
stitutüs  inofficiosum  dicere  non  potest:  nee 
interest,  exhausta  necne  sit  hereditas:  quum 
apud    eum    quarta    aut   legis    Falcidiae    aut 


Si  pater  filium  ex  asse  heredeni  instituat 
et  per  fideicommissa  aut  legata  hereditatem 
ipsam  totam  diversis  distribuat,  filius  contra 
patris  testamentum  de  inofficioso  agere  non 


408 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


,  Personen    zuweist,    kann    der    Sohn    gegen   das    Testament  des  Yaters  De 

inofficioso  nicht  klagen,  weil  er  sich  die  Quart  entweder  durch  die  Lex 
Falcidia  oder  durch  das  Benefiz   des  Senatuskonsults^  zurückbehalten  wird. 

c.  2, 19,  6  b)  Gegen  den  Willen  des  Verstorbenen  soll  Alles  derart  gelten,^  dass  sowohl 
gestattet  ist  De  inofficioso  zu  klagen,  als  auch  Jemand  gehört  werden  soll, 
wenn  er  sich  als  übergangen  bezeichnet  haben  wird.  Indessen  verordnen  wir, 
dass  alles  dieses  derart  gelte,  dass,  falls  irgend  eine  andere  Proposition  mit 
Bezug  auf  Testament  oder  Schenkung,  die  sich  entgegensetzen  lässt,  vor- 
handen gewesen  sein  wird,  sie  in  Allem  angehört  werden  soll.^ 

c.  2, 19, 2        c)  Obschon    die   Gesetze    den    Kindern,  wenn    sie  im   Testament   übergangen 


1)  Senatusconsultum  Pegasiauum. 

2)  Es  ist  in  J  von  Omnia,  quae  superiore  lege  sunt  statuta  die  Rede. 

3)  T  sagt,  dass  Einsetzungen  dieser  Art  in  der  Weise  zu  unterstützen  sind,   dass  für 
Actiones  competentes  der  Weg  nicht  verschlossen  sein  solle. 


Senatusconsulti    Pegasiani    beneficio    sit    re- 
mansura. 


b)  C.  2,  19,  6.  Adversus  iudicium  Omni- 
bus integris  atque  servatis,  quibus  inofficiosi 
actio  aut  de  immodicis  donationibus  coepe- 
rit  forte  competere,  vel  qui  se  praeteritum 
esse  testatur.  Nos  enim  ita  huiusmodi  in- 
stitutiones  firmandas  esse  concessimus,  ut 
competentibus  actionibus  viaui  minime  clau- 
deremus. 

c)  C.  2,  19,  2.  Licet  legum  auctoritas 
filiorum  potius  quam  matrum  personis  voluit 
laborem  incumbere,  ut  de  inofficioso  agentes 
intra  praefinita  tempora  doceant,  nullo  suo 
vitio  factum,  nee  oft'ensionem  se  parentibus 
praestitisse,  sed  iugiter  obsecutos,  ut  naturae 
ipsius  religio  flagitabat,  disciplinam  illaesam 
inoffen samque  servasse,  ut  his  probatis  re- 
moveant  parentum  voluntatem:  tamen  si 
mater  contra  filii  testamentum  inofficiosi  ac- 
tionem  instituat,  inquiri  diligenter  iubemus, 
utrum  filius  nulla  ex  iusta  causa  laesus  ma- 
trem  novissima  laeserit  voluntate,  nee  luctu- 
osam  ei  nee  legitimam  reliquerit  portionem, 
ut  testamento  remoto  matri  successio  de- 
feratur  .  .:  an  mater  inhonestis  factis  atque 
indecentibus  votis  filium  forte  obsedit,  insi- 
diisque  eum  vel  clandestinis  vel  manifestis 
appetiit,  vel  inimicis  eins  suas  amicitias  co- 
pulavit,  atque  in  aliis  sie  versata  est,  ut  ini- 
mica  potius  quam  mater  crederetur:  hoc 
probato,  invita  etiam  aequiescat  filii  volun- 
tati. 


XDotest:  quia  quartana  sibi  aut  per  legem  Fal- 
cidiam  aut  per  Senatusconsulti  beneficium 
retin  ebit. 

Contra  voluntatem  defuncti  ita  omnia, 
.  .  serventur,  ut  et  de  inofficioso  agere  li- 
ceat,  et,  si  quis  se  praeteritum  dixerit,  audi- 
atur. Sed  ita  haec  omnia  observari  prae- 
cipimus,  ut,  si  qua  alia  propositio  fuerit  de 
testamento  vel  donatione,  quae  possit  op- 
poni,  in  omnibus  audiatur. 


Quamvis  leges  filiis,  si  praetermissi  testa- 
mento fuerint,  maiorem  quam  matribus 
agendi  dederint  potestatem,  ut  de  inof- 
ficioso matris  testamento  proponant,  .  . 
ita  tamen,  si  probare  potuerint,  quod  ma- 
tris in  nullo  laeserint  pietatem,  sed  se  ob- 
sequium,  ut  decuit,  praestitisse:  sie  testa- 
mentum matris,  in  quo  praetermissi  fuerint, 
non  valebit.  Nam  si  mater  contra  testa- 
mentum filii,  quod  inofficiosum  dixerit,  agat, 
debet  diligenter  requiri,  si  contra  filium  mater 
nihil  egisse  probatur,  aut  si  nullis  insidiis 
vel  publice  vel  secrete  eum  laedere  fortasse 
tentaverit:  nee  forsitan  consilium  adversus 
filium  inimicis  suis,  quod  irapium  est,  auxi- 
liumque  praestiterit.  Quod  si  factum  non 
fuerit,  potest  removere  praetermissa  mater, 
quia  ei  quartana  de  rebus  suis  portionem 
filius  non  dimisit ,  quod  filius  fecerat  testa- 
mentum .  .  Nam  si  mater,  ut  superius  dic- 
tum est,  pro  manifestis  inimicitiis  suis  prae- 
termissa docebitur,  invita  aequiescat  laesi 
filii  voluntati. 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5.  409 

gewesen  sein  werden,  eine  grössere  Klagebefugnis,  wegen  inoffiziösen  Testa- 
ments der  Mutter  zu  proponieren,  als  den  Müttern  gewährt  haben, ^  wird  das 
Testament  der  jNIutter,  in  welchem  sie  übergangen  gewesen  sein  werden,  ^nur 
dann  nicht  giltig  sein,2  wenn  sie  werden  haben  erweisen  köimen,  dass  sie 
die  der  Mutter  geschuldete  Pietät  in  keiner  Hinsicht  verletzt,  sondern 
geziemende  Ergebenheit  an  den  Tag  gelegt  haben.  Klagt  die  Mutter  gegen 
das  Testament  des  Sohnes,  welches  sie  als  inoffiziös  bezeichnet  haben  wird, 
so  muss  genau  erforscht  werden,  ob  sich  erweisen  lässt,  dass  die  Mutter 
gegen  den  Sohn  nichts  verübt  habe,  oder  ob  sie  durch  keine  Nachstellungen, 
es  sei  öffentlich,  es  sei  im  geheimen,  ihn  zu  verletzen  sich  unterfangen  haben 
wird,  und  nicht  vielleicht  seinen  Feinden  gegen  den  Sohn  Rat  und  Hilfe 
—  was  ruchlos  ist  —  gewährt  haben  wird.  Wird  es  nicht  geschehen  ge- 
wesen sein,  so  kann  die  übergangene  Mutter^  das  Testament,  welches  der  Sohn 
gemacht  hatte,  daraufhin  removieren,  dass  ihr  der  Sohn  die  Quart  an  ihrem 
Vermögen  nicht  hinterlassen  hat.  Wird  sich  zeigen  lassen,  dass  die  Mutter, 
wie  oben  bemerkt  worden  ist,  um  offenkundiger  Feindseligkeiten  willen 
übergangen  worden  ist,  so  soll  sie  sich  auch  wider  ihren  Sinn  bei  dem 
Willen  des  verletzten  Sohnes  beruhigen. 

d)  Das  Testament,  in  welchem  der  Imperator  als  Erbe   eingesetzt  worden  ist,   p.4.5,3 
kann  als  inoffiziös  bezichtigt  werden:  denn  man  war  der  Ansicht,  dass  der- 
jenige, welcher  die  Gesetze  macht,  in  gleicher  Majestät  den  Gesetzen  gehorcht. 

e)  Derjenige,  welcher  irgend  etwas,  was  mittels  Testaments  hinterlassen  worden   c.  2, 19, 7 
ist,  angenommen  oder  beanspruclit  haben  wird  und  dann  gegen  den  Willen 

des  Verstorbenen  wird  haben  auftreten  Avollen,  wird  hierzu  durchaus  nicht 
die  Befugnis  haben.^ 

f)  Wenn  bei  Lebzeiten  des  Vaters  eine  x\brede  derart  unter  den  Kindern  ge-   p.  4, 5, 8 
troffen    wird,    dass    die    Kinder   nach    dem  Tode    des  Vaters  De  inofticioso 


1)  T  sagt,  dass  zwar  die  Autorität  der  Gesetze  den  Kindern  eher,  als  den  Müttern 
die  Last  auferlogen  wollte,  bei  einer  Klage  De  inofficioso  innerhalb  der  bestimmten  Fristen 
zu  zeigen,  dass  sie  ohne  Grund  übergangen  sein, 

2)  T  spricht  von  Remotion  des  Testaments. 

3)  Die  Mutter,  der  nee  luctuosa  nee  legitima  portio  hinterlassen  ist. 

4)  Wenn  Jemand  den  Willen  des  Verstorbenen  anerkannt  haben  wird,  wird  er  ver- 
hindert De  inofficioso  zu  klagen. 

d)  P.  4,  5,  3.  Testamentum,  in  quo  im- 
perator  heres  scriptus  est,  inofficiosum  argui 
potest:  eum  enim,  qui  leges  facit,  pari  nia- 
iestate  legibus  obtemperare  convenit. 

e)  C.   2,    19,   7.     Si    quis    defuncti    agno-  Qui    per  testamentum   sibi   aliquid   dere- 


verit  voluntatem,  de  inofficioso  agere  prohi 
betur. 


lictum  acceperit  aut  vindicaverit  et  voluerit 

contra  voluntatem  defuncti  agere,  licentiam 

penitus  non  habebit. 
f )  P.  4.  5,  8.     Pactio    talis,    ne   de    inof-  Si  talis  pactio  vivo  patre  inter  filios  fiat, 

ficioso    testamento    dicatur,    querelam   saper       ut  post  obitum  patris  de  inofticioso  filii  non 
iudicio  futuram  non  excludit.   .  [    querantur,  talis  pactio  non   valebit:   sed  cui 

competit,  de  inofficioso  agere  potest. 


410 


Privatrecbt.     Fünftes  Buch. 


nicht  klagen  sollen,   wird  eine  solche  Abrede  keine  Giltigkeit  haben:    viel- 
mehr kann  derjenige,  welchem  es  zukommt,  De  inofticioso  klagen.^ 

5)  Inhalt  des  Anspruchs, 
c.  2, 19,  2       a)  Die  Mutter,   welche  übergangen  worden    ist,    kann    das  Testament,   das  der 
c.  2, 20, 1  Sohn  gemacht  hatte,  removieren:  wie  wegen  eines  inofliziösen  Testaments,  so 

kann  Jemand  klagen,  dass  die  Schenkung  entkräftet  werde.^ 
p.  4,  5, 7  b)  Wird  einem  Sohne,  der  zum  Erben  eingesetzt  w^orden  ist,  auf  Anordnung 
des  verstorbenen  Vaters  weniger  als  das  Viertel  seines  Erbteils  überwiesen 
gewesen  sein,  "^so  verlangt  er  mit  Grund,  dass  es  ihm  von  den  miterbenden 
Brüdern  ergänzt  werde,  weil  die  Inofficiosi  actio  in  einem  solchem  Falle 
abgewiesen  wird.^ 

e)  Verjährung. 

c.  2, 19, 5  a)  ^Wer  auch  immer  innerhalb  fünf  Jahren  von  dem  Tage  des  Todes  des  Ver- 
storbenen das  Testament  als  inoffiziös  wird  haben  bezeichnen  wollen,  möge 
wissen,  dass  er  die  Befugnis  haben  wird,  die  Actio  zu  beginnen.  Auch  die 
Kinder  mögen  sich  bewusst  sein,  dass  ihnen  dieser  Zeitraum  gewährt  ist,  wenn 
sie  gegen  die  Testamente  und  den  Willen  der  Eltern  werden  haben  klagen 
wollen.  Wird  nach  Ablauf  desselben  mit  dem  Bückforderungsanspruch  nicht  be- 
gonnen gewesen  sein,  so  soll  der  Anspruch  aller  Personen  wegen  Inofficiosum 
ruhen.  Ist  dagegen  innerhalb  des  Zeitraums  von  fünf  Jahren  begonnen,  so 
soll  Jemand  bis  zu  einem  Zeitraum  von  dreissig  Jahren  eine  Actio  haben.* 


1)  T  fügt  hinzu:   meritis  enim  liberos  quam  pactionibus  adstricgi  placuit. 

2)  Vgl.  r,  a. 

3)  T  sagt,  dass  es  Citra  inofficiosi  querelam  geschieht. 

4)  Innerhalb  des  fünf  jährigen  Zeitraums,  der  für  Inofficiosae  actiones  festgesetzt  worden 
ist,  sind  auch  für  die  Kinder,  die  den  Willen  der  Eltern  als  inoffiziös  bemängeln,  die  gleichen 
Fristen  gewährt  worden. 


S)  a)  C.  2,  19,  2.  .  .  ut  testamento  re- 
moto  matri  successio  deferatur  .  . 

C.  2,  20,  1.  .  .  quod  immodicarum  dona- 
tionum  omnis  querela  ad  similitudinem  inoffi- 
ciosi testamenti  legibus  fuerifc  inducta,  et 
sit  in  hoc  actionis  utriusque  vel  una  causa 
vel  similis  aestimanda  .  . 

b)  P.  4,  5,  7.  Filius  in  iudicio  patris 
si  minus  quarta  portione  consecutus  sit,  ut 
quarta  sibi  a  coheredibus  fratribus  citra  in- 
officiosi  querelam  impleatur,   iure  desiderat. 

s)  a)  C.  2,  19,  5.  Intra  quinquennium, 
quod  inolficiosis  actionibus  constitutum  est, 
liberis  quoque,  parentum  iudicia  inofficiosa 
causantibus,  eadem  temporis  curricula  prae- 
stituta  sunt. 


.   .   potest    removere    praetermissa  mater 
.  .  quod  filius  fecerat  testamentum  .  . 

.  .  sicut  de  inofficioso  testamento,  ita  po- 
test asrere,  ut  donatio  evacuetur. 


Filio  berede  scripto,  si  ex  ordinatione  de- 
functi  patris  minus  quam  quarta  portionis 
suae  fuerit  deputata,  suppleri  eam  sibi  a 
coheredibus  fratribus  iure  desiderat :  quia  in 
tali  casu  inofficiosi  actio  removetur. 

Intra  quinque  annos  a  die  mortis  defuncti, 
quicunque  inofficiosum  dicere  voluerit  testa- 
mentum, inchoandae  actionis  licentiam  se 
noverit  habiturum.  Quod  temporis  spatium 
etiam  filii  sibi,  si  contra  parentum  testamenta 
ac  voluntatem  agere  voluerint,  agnoscant  esse 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


411 


Q  Inoffiziöse  Schenkung  (vgl.  y,  b  u.  2  a,  c,  bb). 

a)  Es  ist  sicher,  dass  eine  Schenkung  der  Querel  De  inoificioso  testamento  c.  2, 20, 1 
gleich  erachtet  wird,  wogegen  in  gleicher  Weise  dem  Übergangenen,  und 
wenn  ihm,  dem  diese  Klage  zusteht,  weniger  als  das  Mass  seines  vierten 
Teils  hinterlassen  wird,  innerhalb  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  zu 
klagen  gestattet  wird:  wie  wegen  eines  inofficiösen  Testaments,  kann  Je- 
mand klagen,  dass  die  Schenkung  entkräftet  werde.^ 

Wenn   Schenkungen   das  gesetzlich  verordnete  Mass  überschritten   c.  s,  5, 1 
haben  Averden,    woraus  bestimmte  Personen  wegen  Immodica  donatio 
proponieren  können,  das  will  sagen,  wenn  sich  der  Schenker  die  Quart 
seines   Vermögens    nicht   vorbehalten    haben    wird,    werden    sie    nicht 
giltig  sein, 
aa)  Wenn    eine  Schenkung,    die   für   den  Haussohn   gemacht  worden    ist,   Gr.  8, 2 
so  gross  gewesen  sein  wird,  dass  das  ganze  Vermögen  des  Vaters  den 
vierten  Teil  der  Sache,  die  der  Sohn  geschenkt  empfangen  hat,  nicht 
erreichen  kann,   soll   den   übrigen  Kindern   aus   dieser  Schenkung  die 
Falcidia  ergänzt  werden.^ 


1)  Für  Immodicae  donationes  ist  eine  Querel  nach  dem  Vorbild  des  inoffiziösen  Testa- 
ments eingeführt:  bei  beiden  Aktionen  ist  Una  vel  similis  causa  zu  erachten,  Idem  et  tem- 
poribus  et  moribus. 

2)  Ein  Text  von  T,  auf  welchen  sich  J  beziehen  könnte,  fehlt:  er  dürfte  ausgefallen 


X)  a)  C.  2,  20,  1.  Illud  omuino  dubitare 
non  convenit,  quod  immodicarum  donationum 
omnis  querela  ad  similitudinem  inofficiosi 
testamenti  legibus  fuerit  inducta,  et  sit  in 
hoc  actionis  utriusque  vel  una  causa  vel  si- 
milis aestimanda,  vel  idem  et  temporibus  et 
moribus. 


aa) 


concessum.  Quo  transacto,  si  repetitio  in- 
choata  non  fuerit,  omnium  personarum  de 
inofficioso  intentio  conquiescat.  Ceterum  in- 
tra  quinquennium  inchoata,  usque  ad  tri- 
cennium  obtineat  actionem. 

Certum  est,  quod  donatio  facta  de  inof- 
ficioso testamento  querelae  similis  iudicatur, 
contra  quam  similitcr  praetermissus,  et  si  ei 
minus,  cui  haec  actio  competit,  quam  quar- 
tae  portionis  suae  modus  est,  dimittatur,  in- 
tra  quinquennium  (superius  constitutum)  agere 
permittitur.  Et  sicut  de  inofficioso  testa- 
mento, ita  potest  agere,  ut  donatio  eva- 
cuetur, 

C.  8,  5,  1.  .  .  (Quae  tamen  omnes)  do- 
nationes (superius  comprehensae)  si  modum 
excesserint  lege  conscriptum,  unde  possint 
certae  personae  de  immodica  donatione  pro- 
ponere,  hoc  est  si  quartam  sibi  facultatis 
suae  donator  non  reservaverit,  non  valebunt . . 

Gr.  8,  2.  .  .  si  maior  fuerit  (ista)  dona- 
tio, quae  nomine  filiifamilias  facta  est,  ut 
omnis  facultas  patris  quartam  eins  rei,  quam 
filius  donatam  accepit,  implere  non  possit,  re- 
liquis  filiis  de  hac  ipsa  donatione  Falcidia 
suppleatur. 


412 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


C.  2,  21,  2 


Tj)  Inoffiziöse  Dosbestelliuig. 
c.  2, 21,1  a)  So  oft  erweislich  durch  die  Dos  die  ganze  Erbschaft  derart  erschöpft  wird^ 
dass  die  Quart  dieser  Erbschaft  nicht  vorbehaften  gewesen  ist,  soll  den 
Kindern  erlaubt  sein,  nach  dem  Vorbild  eines  inoffiziösen  Testaments  gegen 
die  Dos  zu  klagen  und  die  ihnen  geschuldete  Portion  auf  Grund  des 
Gesetzes  zurückzufordern. 

aa)  Wenn  die  Frau  dem  zweiten  Gatten  eine  Dos  gegeben  und  von  dem 
früheren  Gatten  Kinder  gehabt  und  ihnen  nicht  drei  Unzen,  das  will 
sagen,  den  vierten  Teil  von  ihrem  Vermögen  vorbehalten  haben  wird, 
wird  die  Dos,  die  gegen  die  Lex  Papia  dem  zweiten  Gatten  gegeben 
worden  ist,  nicht  gelten.^ 

8)  Noterbrecht  in  den  Nachlass  von  Freigelassenen. 

a)  Werden  Freigelassene,  die  Kömische  Bürger  gewesen  sein  werden,  bei  Leb- 
zeiten des  Freilassers  gestorben  sein,  so  werden  die  Testamente,  die  sie  ohne 
den  Willen  des  Patrons  werden  haben  errichten  wollen,  durchaus  nicht 
gelten,  weil  Alles  der  Autorität  der  Freilasser  vorbehalten  bleibt.^ 

b)  Mit  Bezug  auf  die  Erbschaften  von  Freigelassenen,  das  will  sagen.  Kömischer 
Bürger,  ist  in  Acht  zu  nehmen,  dass  der  Freigelassene  oder  die  Freigelassene, 
welche  ein  Kind  oder  mehrere  gehabt  haben  werden.^  ihnen,  falls  sie  gewollt 


N.  V. 
6,  1,8 


N.  V. 
6,1,2-5 


sein.  Hierauf  werden  andererseits  die  einleitenden  Worte  von  J  gehen  (In  hac  lege  similis 
erit  et  de  donatione  conditio,  quam  filiusfamilias  a  quocunque  perceperit.  Sed  hoc  amplius 
habet,  quod  .  .),  welche  jetzt  in  der  Luft  schweben. 

1)  T  sagt,  dass  es  keine  Klage  gebe,  wenn  die  Dos  weder  ultra  dodrantem,  noch  in  fraudem 
legis  Papiae  constituiert  werde.     J  fügt  hinzu:  Hie  de  iure  addendura,    quid  sit   lex  Papia. 

2)  T  will  den  Freilassern,  denen  das  Tus  patronatus  erhalten  bleibt,  in  nichts  derogiert 
wissen,  was  auch  immer  ihnen  das  alte  Recht  und  kaiserliche  Satzungen  Contra  ingratos 
eingeräumt  haben. 

3)  T  fügt  hinzu:   cuiuslibet  sexus. 


T^)  a)  C.  2,  21,  1.  Quum  omnis  hereditas 
dote  dicatur  exhausta,  concordare  legibus 
promptum  est,  ut  ad  exemplum  inofficiosi 
testamenti  adversus  dotem  immodicam  exer- 
cendae  actionis  copia  tribuatur,  et  filiis  con- 
querentibus  emolumenta  debita  deferantur. 

aa)  C.  2,  21,  2.  Dote  ab  uxore  marito 
data,  filios  ex  priore  matrimonio,  si  neque 
ultra  dodrantem,  neque  in  fraudem  legis 
Papiae  constituatur,  de  hac  repetenda  nul- 
lam  habere  constat  actionem. 

3)  a)  N.  V.  6,  1,  8.  Ipsis  vero  manumis- 
soribus  nihil  penitus  derogamus,  quibus  ius 
patronatus  integrum  semper  manebit  sal- 
vumque  durabit,  quicquid  vel  prisci  iuris 
a-uctoritas  vel  superiorum  principum  sancti- 
ones  contra  ingratos  detulere  libertos. 

b)  N.  V.  6,  1,  2—5.  . .  (Itaque)  libertus,  qui 
civis  Romani  Privilegium   fuerit    consecutus. 


Quoties  per  dotem  ita  omnis  hereditas 
evacuata  probatur,  ut  quarta  hereditatis 
ipsius  non  fuerit  reservata,  liceat  filiis  ad 
similitudinem  inofficiosi  testamenti  contra 
dotem  agere  et  debitam  sibi  portionem  ex 
lege  repetere. 

Si  mulier  marito  secundo  dotem  dederit, 
et  ex  priore  marito  filios  habuerit,  et  non 
eis  tres  uncias,  id  est  quartam  portionem 
de  rebus  suis  reservaverit,  dos,  quae  contra 
legem  Papiam  secundo  marito  data  est,  non 
valebit  .  . 

(Nam)  si  liberti,  qui  cives  Romani  fuerint, 
vivo  manumisore  decesserint,  si  sine  volun- 
tate  patroni  condere  voluerint  testamenta, 
penitus  non  valebunt:  quia  auctoritati  manu- 
missorum  omnia  (lex  ista)  servavit  .  . 

De  successionibus(vero)  libertorum,hocest 
civium  Romanorum,  id  (censuit)  observandum, 


Erbfolge  gegen  das  Testament 


413 


haben  werden,  bei  ihrem  Tode  ihr  ganzes  Vermögen  hintedassen  mögen. 
Weder  Kinder  von  dem  Patron,  noch  die  Enkel  von  dem  Sohne  werden 
gegen  seinen  Willen  in  irgendwelcher  Weise  aufkommen  können.^  AVerden 
der  Freigelassene,  bez.  die  Freigelassene,  die  gestorben  gewesen  sein 
werden,  Kinder  nicht  gehal)t  und  testieren  gewollt  haben,  so  sollen 
sie  den  dritten  Teil  ihres  Vermögens  den  Söhnen  der  Freilasser,  bez. 
den  Enkeln,  die  von  Männern  herrühren  werden,  hinterlassen.  Hin- 
gegen mögen  sie,  wenn  sie  gewollt  haben  werden,  in  Ruhe,  da  das  Testa- 
ment unangefochten  bleibt,  Töchter  des  Freilassers  und  deren  Kinder  und 
Enkel  bei  dieser  Erbschaft  übergehen,  weil  Frauen  zu  diesen  Erbschaften 
überhaupt  nicht  gerufen  werden:  es  sei  denn,  dass  diese  Freigelassenen 
mittels  ihrer  Verfügung  als  Gunstbezeugung  von  den  zwei  Teilen  irgend 
etwas  den  Töchtern,  bez.  Enkeln  von  der  Tochter  der  Patrone,  werden 
haben  zuweisen  wollen. 

Wenn  der  Freigelassene  irgend  etwas  aus  seinem  Vermögen  in  der  Absicht  p.  3,  3, 1 
veräussert  haben  wird,  es  unter  den  Erbschaftsgegenständen  nicht  an  den 
Patron,  bez.  die  Kinder  des  Patrons,  gelangen  zu  lassen,^  kann  dasjenige, 
wovon  sich  ergeben  haben  wird,  dass  es  Per  fraudem  in  dieser  Weise  ver- 
äussert worden  ist,  von  dem  Patron,  bez.  seinen  Kindern,  widerrufen 
werden.^ 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  ausdrücklich   die  Rede. 

2)  T  spricht  von  Veräusserung  irgendwelcher  Art  In  fraudem  patroni. 

3)  T  fügt  hinzu:  Fabiana  formula. 


sive  unicum  pignus,  sive  plures  cuiuslibet 
sexus  habeat  filios,  quum  mori  coeperit,  so- 
boli  suae  omnes  proprias,  si  maluerit,  facul- 
tates  supremo  securus  dimittat  arbitrio.  Quod 
si  nuUa  prole  gaudebit,  quatuor  uncias  bo- 
norum suorum  manumissoris  filio  vel,  si  plu- 
res erunt,  filiis  derelinquat,  aut,  si  filiorum 
nuUus  exstiterit,  nepoti  ex  filio  vel  nepotibug 
eandem  deputet  portionem.  Filias  vero  ma- 
numisspris  earumque  filios  et  nepotes  impune 
praetereat,  nisi  forsitan  aliud  amor  suaserit 
voluntasque  morientis.  Ne  quid  autem  scaevis 
interpretationibus  calumniantium  moliantur 
insidiae,  quod  pro  liberto  statuimus,  pari 
sibi  munere  etiam  liberta  defendat. 


c)  P.  3,  3,  1.  Ea,  quae  in  fraudem  pa- 
troni a  liberto  quoquo  modo  alienata  sunt, 
Fabiana  formula  tam  ab  ipso  patrono,  quam 
a  liberis  patroni  revocantur. 


ut  libertus  sive  liberta,  si  unum  filium  seu 
plures  habuerint,  ipsis  facultatem  suam  mo- 
rientes,  si  voluerint,  integram  derelinquant. 
Contra  cuius  voluntatem  nee  filii  ex  patrono, 
nee  nepotes  ex  filio  uila  venire  poterunt  ra- 
tione.  Quod  si  libertus  libertave,  qui  de- 
functi  fuerint,  filios  non  habuerint,  et  testari 
fortasse  voluerint,  tertiam  facultatis  suae 
manumissorum  filiis  vel  nepotibus,  qui  ex 
masculis  nati  fuerint,  derelinquant.  Filias  vero 
manumissoris  eorumque  filios  et  nepotes  ab 
hac  hereditate,  salva  pagina  testamenti,  se- 
curi,  si  voluerint,  praetermittant:  quia  femi- 
nae  ad  istas  hereditates  penitus  non  vocan- 
tur:  nisi  forte  illi  liberti  de  daabus  partibus 
per  gratiam  aliqua  filiabus  vel  nepotibus  ex 
filia  patronorum  suo  voluerint  conferre  iu- 
dicio  . 

Si  libertus  aliqua  ex  bonis  suis  hoc  animo 
alienaverit,  ne  ad  patronum  vel  filios  patroni 
inter  hereditaria  corpora  perveniant,  id,  quod 
hoc  ordine  per  fraudem  alienatum  consti- 
terit,  potest  a  patrono  vel  filiis  ipsius  revo- 
cari. 


414 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.  Th. 

11,2,1  —  10 


4)  Anspruch  der  Kurie. 

a)  ^Kurialen  werden  durchaus  nicht  behijidert,  ein  Testament  zu  machen,  und 
zwar  derart,  dass  sie  den  legitimen  Kindern,  wenn  sie  es  gewollt  haben 
werden,  ihr  ganzes  Vermögen  ohne  irgendwelche  Beschränkung  hinterlassen 
dürfen.  Werden  dagegen  legitime  Kinder  gefehlt  haben,  so  sollen  sie  einen 
Jeden,  auch  einen  der  Kurie  Fremden,  zum  Erben  enisetzen  dürfen,  jedoch 
derart,  dass  ein  Erbe,  welcher  der  Kurie  keinen  Dienst  schuldet,  ein  Viertel 
der  empfangenen  Erbschaft  der  Kurie  ohne  irgendwelche  Verkürzung  un- 
verzüglich erstatten  soU.i  Wird  derjenige,  welcher  als  Erbe  eingesetzt 
worden  ist,2  die  ganze  Erbschaft  haben  besitzen  w^ollen,  so  soll  er,  als  jene 
Quart,  die  der  Kurie  überwiesen  wird,  den  Schätzungswert  in  Geld  zu  geben, 
nicht  säumen.  Grundstücke,  Häuser,  bez.  alles  dasjenige,  was  nicht  verborgen 
bleiben  kann,^  sollen  durch  gemeinsame  Schätzung  veranschlagt  w^erden.  Hin- 
gegen sollen  *mit  Bezug  auf  Praesidium,  oder  alles  dasjenige,  was  verborgen 
gehalten  werden  kann ,4  der  eingesetzte  Erbe  der  Kurie  Eide  leisten,  dass 
er  in  Treuen  den  Preis  entrichten  werde.     Wird  er  es  nicht  gewollt  haben, 


1)  T  bezeichnet  als  Inhalt  einer  Lex  divalis,  dass  beim  Tode  eines  Kurialen,  sei  es 
Ab  intestato,  sei  es  mit  Hinterlassung  eines  Testaments,  die  Kurialen  ein  Anrecht  auf  die 
Quart  besitzen,  es  sei  denn  dass  die  Kinder  die  Erben  sind. 

2)  Derjenige,  dem  Ab  intestato  oder  aus  letztem  Willen,  directis  vel  fideicommissariis 
verbis,  die  Erbschaft  zufällt. 

3)  T  hat  Immobiles  res  im  Auge. 

4)  T  spricht  von  Mobilien  Instrumenta  und  Si  quid  .  .  in   huius   modi  iure  consistit. 


4)  a)  N.Th.11,2, 1  — 10.  Meminimus  quippe, 
nuper  emissa  lege  divali  portionem  quartam 
de  facultatibus  curialium  fati  munus  implen- 
tium  ex  qualibet  novissima  voluntate,  vel  ab 
intestato  etiam,  ad  quemcunque,  praeterquam 
si  ad  filios,  deferantur,  curiarum  deputasse 
corporibus.  Sed  multi,  tamquam  corrum- 
pendi  totius  patrimonii  occasione  captata, 
uniuscuiusque  rei  sibi  particulam  vindicando 
adeo  totas  dilacerant  facultates,  ut,  dum  par- 
ticipibus  relictarum  opum  nocere  cupiant, 
sua  quoque  iura  praecipitent.  Quorum 
nimiam  licentiam  provida  dispositione  fre- 
nantes ,  ipsis  quidem  curialibus  occupandi 
sua  auctoritate  res  mortui  copiam  deneg-a- 
mus,  Optionen!  vero  damus  heredi,  ad  quem 
vel  ab  intestato  vel  ex  postrema  voluntate 
directis  vel  fideicommissariis  verbis  decurrit 
hereditas,  utrum  aestimationem  quartae  par- 
tis  curiae  velit  oflFerre,  an  omne  Patrimonium, 
quod  relictum  est,  in  partes  quatuor  pro  sua 
voluntate  dividere,  ut,  rebus  totis  in  sorti- 
tum  casumque  deductis,  vel  curiae  quadran- 
tis  vel  heredi  ac  fideicommissario  per  uni- 
versitatem   dodrantis    electio   ex    sortis   con- 


(Lege  hac)  curiales  minime  prohibentur 
testamentum  facere,  sed  ita  ut  legitimis  filiis, 
si  voluerint,  facultates  suas  integras  sine 
imminutione  aliqua  derelinquant.  Ceterum 
si  filii  legitimi  defuerint,  quemlibet  etiam 
extraneum  a  curia  scribere  permittantur 
heredem,  sed  ita,  ut  heres,  qui  conditionem 
curiae  nullam  debet,  quartam  hereditatis  ac- 
ceptae  curiae  sine  aliqua  imminutione  mox 
refundat.  Quod  si  is,  qui  heres  scriptus  est, 
integram  hereditatem  habere  voluerit,  pro 
quarta  illa,  quae  curiae  deputatur,  pretium, 
quantum  valuerit,  dare  non  differat.  Agri, 
domus,  vel  quicquid  latere  non  potest,  com- 
muni  aestimatione  taxentur.  De  praesidio 
vero,  aut  quicquid  latere  potest,  heres  scri- 
ptus curiae  praebeat  sacramenta,  secundum 
fidem  pretium  soluturus.  Quod  si  noluerit, 
prolatis  omnibus,  tres  partes  heres  et  quar- 
tam curia  vindicabit.  De  cautionibus  vero, 
quae  testatori  curiali  debentur,  simili  ratione 
divisis  etiam,  quae  testator  curialis  debuisse 
convincitur,  tres  partes  heres  et  quartam 
curia  creditoiibus  sine  dilatione  dissolvat. 
Pactiones,  quae  inter  heredem  et  curiam  de 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


415 


so  soll  nach  Vorlegung  von  Allem  drei  Teile  der  Erbe  und  den  vierten 
Teil  die  Kurie  in  Anspruch  nehmen.^  Das  Gleiche  soll  mit  Bezug  auf  Kau- 
tionen, die  dem  testierenden  Kurialen  geschuldet  werden,  gelten  und  gleich- 
falls unter  Teilung  dessen,  was  nachweishch  der  testierende  Kuriale  ge- 
schuldet hat,  ohne  Verzug  drei  Teile  der  Erbe  und  den  vierten  die  Kurie 
den  Gläubigern  zahlen .2  Abreden,  die  zwischen  dem  Erben  und  der  Kurie 
wegen  Zahlung  der  Erbschaft  getroft'en  gewesen  sein  werden,  sollen  giltig 
bleiben.  Hingegen  sollen  Söhne,  Enkel  und  Urenkel,  die  den  Grossvätern 
und  Urgrossvätern  im  männlichen  Grade  gefolgt  sein  werden,  mögen  sie 
eingesetzte  Erben  sein  oder  Ab  intestato  folgen,  Kurialen  oder  von  der 
Kurie  freie  Personen  sein,  von  der  ihnen  geschuldeten  oder  hinterlassenen 
Erbschaft  den  vierten  Teil  zu  Gunsten  der  Kurie  durchaus  nicht  verlieren. 
Auch  die  Kurialentochter,  Enkelin,  Urenkelin,  die  einem  Kurialen*^  dieser 
Gemeinde    zur  Ehe    sich   verbunden    gehabt   haben   wird,  folgt  dem  Gross- 


1)  T  lässt  zwischen  Kurie  und  dem  Erben,  bez.  üniversalfideikommissor,  das  Los 
entscheiden. 

2)  T  sagt,  dass,  wenn  mit  Bezug  auf  Erbschaftsforderungen  der  Erbe  den  auf  die 
Kurie  fallenden  Anteil  nicht  auszahlt,  sowie  mit  Bezug  auf  Erbschaftsschulden  die  Kurie 
für  ihren  Anteil  eintritt.  T  fügt  hinzu,  dass  bei  Weigerung  der  Eidesleistung  Vorlegung 
der  Gegenstände  stattfindet  und  der  Anteil,  nach  Wahl  des  Erben,  in  Geld  oder  in  Natura 
zu  entrichten  ist. 

3)  Principalis. 


ditione  contingat.  Ita  scilicet  et  praefati 
successores  et  curia  promiscui  rerum  dominii 
liberabuntur  incommodo.  Naturale  quippe 
Vitium  est,  negligi,  quod  communiter  possi- 
detur,  utque  se  nihil  habere,  qui  non  totum 
habeat,  arbitretur.  Denique  suam  quoque 
partem  corrumpi  patitur,  dum  invidet  alie- 
nae.  Sed  ubi  quarta  pars  bonorum  mortui 
curiae  debet  offerri,  immobiles  quidem  res, 
quae  nee  latere  facile  possunt,  nee  quicquam, 
si  divulgentur,  of'ficiunt,  sub  adspectu  etiam 
curialium  aestimari  dividive  concedimus:  mo- 
biles autem  res  vel  se  moventes,  vel  instru- 
menta, vel  si  quid  etiam  in  huius  modi  iure 
consistat,  in  medium  proferri  divulgarique 
non  patimur,  sed  iuratis  successoribus,  quum 
apud  se  diligenter  aestimaverint,  quae  quan- 
tique  sint  pretii  facultates,  credi  oportere 
decernimus.  Quid  enim  tam  durum  tamque 
inhumanum  est,  quam  publicatione  pompaque 
rerum  familiarium  et  paupertatis  detegi  vi- 
litatem,  et  invidiae  patere  divitias?  In 
exigendis  vero  debitis  si  pretium,  quod  pro 
quarta  parte  actionum  curiae  competit,  suc- 
cesso-es  praestare  noluerint,  cautionibus  lu- 
rata  fide  prolatis  in  medium  unusquisque  a 
debitoribus   convenientem   sibi   exigat  porti- 


hereditatis  divisione  factae  fuerint,  firmae 
permaneant.  Filii  vero,  nepotes  et  prone- 
potes,  qui  avis  et  proavis  per  virilem  gra- 
dum  successerint,  seu  scripti  heredes  sint, 
seu  ab  intestato  succedant,  sive  curiales  sint, 
sive  a  curia  liberi,  de  hereditate  sibi  debita 
vel  dimissa  quartam  partem  curiae  nomine 
penitus  non  amittant.  Filia  etiam  curialis, 
neptis.  proneptis,  si  curiali  ipsius  civitatis  in 
matrimonio  iuncta  fuerit,  avo,  proavo  intes- 
tatis  in  integra  hereditate  succedit.  Et  si 
testatus  fuerit  et  has  personas  relinquat 
heredes,  quartam  portionem  curiae  refundere 
non  coguntur.  Quod  si  filia,  neptis  aut  pro- 
neptis a  patre,  avo  vel  proavo  vel  in  minore 
aetate  vel  viduae  relinquantur  heredes, 
posteaquam  ad  annos  pubertatis  accesserint, 
triennio  exspectentur,  ut,  si  curiali  eins  civi- 
tatis nupserint,  integram  hereditatem,  sicut 
eis  vel  debita  est  vel  dimissa,  sine  aliqua 
imminutione  possideant.  Si  vero  ei  nupserint, 
qui  curiae  nihil  debebat,  quartam  partem 
hereditatis  a  die  mortis  auctoris  curiae  cum 
fructibus  sine  aliqua  dissimulatione  resti- 
tuant.  Et  si  sine  maritis  voluerint  perdurare, 
quartam  similiter  curiae  cum  fructibus  red- 
dant.      Quod   si   rem   relictam   a   parentibus 


416 


Privatrecbt.     Fünftes  Buch. 


vater,  Urgrossvater,  welche  kein  Testament  gemacht  haben,  in  die  ganze 
Erbschaft,  Wird  er  testiert  gehabt  haben  und  hinterlässt  diese  Personen 
zu  Erben,  so  werden  sie  nicht  gezwungen,  den  vierten  Teil  der  Kurie  zu 
erstatten.  Werden  Tochter,  Enkelin  oder  Urenkelin  von  dem  Vater,  Gross- 
vater oder  Urgrossvater,  sei  es  minderjährigen  Alters,  sei  es  im  Witwen- 
stande, als  Erben  hinterlassen,  so  soll,  nachdem  sie  zu  den  Jahren  der 
Mündigkeit  gelangt  sein  werden,  während  eines  Zeitraums  von  drei  Jahren 
abgewartet  werden,  damit  sie,  wenn  sie  einen  Kurialen  dieser  Gemeinde 
geheiratet  haben  werden,  die  ganze  Erbschaft,  wie  sie  ihnen  entweder  ge- 
schuldet oder  hinterlassen  worden  ist,  ohne  irgendwelche  Einschränkung 
])esitzen  sollen.  Werden  sie  jedoch  Jemanden  geheiratet  haben,  der  der 
Kurie  nichts  schuldete,  so  sollen  sie  der  Kurie  den  vierten  Teil  der  Erb- 
schaft, von  dem  Tage  des  Todes  ihres  Auetor  mit  Erüchten,  ohne  irgend- 
welche Einbusse  erstatten.  Auch  wenn  sie  ohne  Gatten  werden  haben 
bleiben  wollen,  sollen  sie  gleichfalls  den  vierten  Teil  der  Kurie  mit  Früchten 
zurückerstatten.  Werden  sie  vorgezogen  haben,  die  von  den  Eltern  hinter- 
lassene  Sache  innezuhaben,  so  sollen  sie  unter  Eidesleistung  mit  Bezug  auf 


onem:  eque  diverso  aes  ahenum,  si  cui  de- 
functus  fuerat  obligatus,  tarn  iidem  succes- 
sores,  quam  curia  pro  sua  sorte  restituere 
compellantur.  Quod  si  saepe  dicti  succes- 
sores  sacramentum  sibi  crediderint  excusan- 
dum,  tum  vero,  ad  similitudinem  rerum  im- 
mobilium,  diligentior  curialibus  omnium  re- 
rum indago  praebebitur:  scilicet  ut  universis 
mortui  facultatibus  in  aperto  propositis,  vel 
aestimatio  rerum  vel  divisio,  prout  succes- 
sores  elegerint,  sub  praesentia  curiahum  ce- 
lebretur.  In  omnibus  autem  casibus ,  ubi 
quarta  pars  curiae  comj^etit,  transactiones 
interpositas  firmas  illibatasque  manere  decer- 
nimus.  Ad  filiorum  vero  numerum,  ad  quos  in- 
tegras  opes  venire  censuimus,  iilium,  nepotem, 
pronepotem,  patrem,  avum  et  proavum,  ad 
virilis  sexus  originem  pertinentes,  etsi  alieni 
sint  curia,  iubemus  adiungi,  ut  ad  has  quo- 
que  personas  ex  ultima  voluntate  vel  ab  in- 
testato  delapsae  facultates  nullius  partis  im- 
minutione  decrescant.  Filiam  quin  etiam, 
neptem  proneptemve  principali  eiusdem  civi- 
tatis, unde  pater,  avus  vel  proavus  oriuntur, 
nuptam  rerum  vel  ab  intestato  vel  ex  dis- 
positione  voluntatis  ultimae  quaesitarum  in- 
tegrum nullaque  parte  minutum  dominium 
habere  sancimus.  Quod  si  post  parentum 
obitum  inveniantur  innuptae  vel  viduae, 
impuberibus  quidem  post  transactam  puber- 
tatem,  in  aliis  vero,  quae  pubertatem  ex- 
cesserint,  vel  etiam  in  viduis  post  mortem 
parentis  triennium  duntaxat  volumus  exspec- 
tari,  ut    interim    quarta   portio  suspensa  vel 


teuere  maluerint,  sacramento  praebito  de 
quantitate  hereditatis  quartam  partem  cu- 
riae in  pretio  mox  refundant,  Matri  quo- 
que  vel  aviae,  si  tamen  curiales  maritos  ha- 
buerint,  quartam  portionem  hereditatis  de- 
functi  filii  vel  nepotis,  quae  eis  acquisita 
est,  lex  ista  a  curia  non  iubet  auferri.  Nam 
si  quis  curialis  quemlibet  extraneum  et  tamen 
curialem  scribat  heredem,  et  ipse  quartam, 
quia   portio   curiae  ipsius  est,  non  refundat. 


Erbfolge  gegen  das  Testament  §  5. 


417 


die  Grösse  der  Erbschaft  der  Kurie  den  vierten  Teil  in  Wert  unverzüglich 
erstatten.!  Auch  der  Mutter  oder  Grossmutter,  vorausgesetzt  nur  dass  sie 
Kurialen  zu  Ehegatten  gehabt  haben  werden,  wird  der  vierte  Teil  der  Erb- 
schaft des  verstorbenen  Sohnes  oder  Enkels,  die  von  ihnen  erworben  worden  ist, 
von  Seiten  der  Kurie  nicht  weggenommen.  Setzt  ein  Kuriale  einen  beliebigen 
Fremden,  der  indessen  Kuriale  ist,  zum  Erben  ein,  so  soll  auch  dieser  den 
vierten  Teil  nicht  erstatten,  weil  die  Portion  der  Kurie  selbst  zufällt. 


1)  T  sagt,  dass  mit  Bezug  auf  Hingabe  des  Anteils  in  Geld  oder  In  natura,  bez.  die 
Eidesleistung,  das  früher  Gesagte  gilt. 


apud  eam,  si  in  matrimonio  curialis  eiusdem 
civitatis  fuerit  oollocata,  perpetuo  iure  per- 
maneat,  vel  si  intra  id  temporis  alienum 
eadem  curia  sortiatur  maritum,  penitusve 
nupta  non  fuerit,  memorata  pars  curiae  cum 
triennii  tam  urbanorum  quam  rusticorum 
praediorum  duntaxat  fructibus  addicatur;  ita 
tamen,  ut  et  optionis  conditio  in  ofFerendis 
rebus  quartae  partis  sive  eins  pretio,  et  sa- 
eramenti  tam  de  quantitate  quam  de  aesti- 
matione  rerum  mobilium  deque  actionibus 
inferendis  excipiendisve,  sicut  in  extraneis 
personis  dictum  est,  ratio  conservetur,  cete- 
ris  videlicet,  quae  super  hac  re  prolata  con- 
stitutio  continet,  firmiter  duraturis.  Sed  et 
si  mater  mortui  vel  avia  tempore,  quo  filius 
neposve  moritur,  in  coniugio  curialis  inventa 
fuerit,  ne  ipsas  quidem  patimur  quartae  posses- 
sionis subire  iacturam.  Extraneum  quin  etiam 
heredem,  propinquitatis  quidem  iure  discre- 
tum,  curiae  tamen  eiusdem  civitatis  obnoxium 
supra  dictae  portionis  dispendio  liberamus. 


Conrat,  Breviarium. 


27 


Drittes  Kapitel, 
Erwerb  der  Erbschaft  und  Schutz  des  Erbrechts. 

I.    Schutzmassregeln   zu    Gunsten    der    Erbinteressenten  §  6. 

1)  Eröffnung  des  Testaments. 

c.  4, 4, 4  a)  Alle  Testamente  oder  sonstige  Urkunden  werden  bei  den  Censualen  in  der 
Stadt  Rom  verlautbart,  das  will  nämlich  sagen,  dass  in  den  sonstigen 
Regionen  bei  den  Männern  der  Kurie  Testamente,  bez.  welche  Urkunden 
auch  immer  durch  Acta  bekräftigt  zu  werden  pflegen,  mittels  Allegation 
der  Gesta  befestigt  werden.^  Werden  die  letzten  Willen  der  Verstorbenen 
zu  den  Acta  nicht  aufbewahrt  gewesen  sein,  so  werden  sie  durchaus  keine 
Giltigkeit  besitzen. ^ 

P.4, 6,1       b)  Die  Testamentsurkunde  wird  in  der  Weise  eröffnet,   dass  die  Zeugen,  bez. 


1)  Vgl.  S.  4  Anm.  3. 

2)  T  sagt,  dass  die  Aufbewahrung  bei  dem  Officium  censuale  stattzufinden  habe  und 
die  Translation  irgendwohin  verboten  sei:  Abweichung  von  diesem  ehrwürdigen  Mos  In  hac 
urbe  mache  den  letzten  Willen  wirkungslos. 


1)  a)  C.  4,  4,  4.  Testamenta  omnium  cete- 
raque,  quae  apud  officium  censuale  publicari 
solent,  in  eodem  reserventur,  nee  usquam 
permittatur  fieri  ulla  translatio.  Mos  namque 
retinendus  est  fidelissimae  vetustatis,  quem  si 
quis  in  hac  urbe  voluerit  iramutare,  irritam 
mortuorum  videri  faciet  voluntatem. 

b)  P.  4,  6,  1.  Tabulae  testamenti  ape- 
riuntur  hoc  modo,  ut  testes  vel  maxima  pars 
eorum  adhibeatur,  qui  signaverint,  testa- 
mentum:  ita  ut,  agnitis  signis,  rupto  lino, 
aperiatur  et  recitetur:  atque  ita  describendi 
exempli  fiat  potestas:  ac  deinde  signo  publico 
obsignatum  in  archium  redigatur:  ut,  si 
quando  exemplum  eins  interciderit,  sit,  unde 
peti  possit. 


Testamenta  omnia  vel  reliquas  scripturas 
apud  censuales  in  urbe  Roma  (voluit)  publi- 
cari, hoc  est,  ut  in  reliquis  regionibus  apud 
curiae  viros  testamenta,  vel  quaecunque  scrip- 
turae  actis  firmari  solent,  gestorum  allegatione 
muniantur.  Si  vero  mortuorum  voluntates 
actis  reservatae  non  fuerint,   nihil  valebunt. 


Schutzmassregreln  zu  Gunsten  der  Erbinteressenten 


419 


der  grösste  Teil  derselben,  welche  das  Testament  gesiegelt  haben  werden, 
zugezogen  werden,  damit  es  nach  Anerkennung  der  Siegel  und  nach  Lösung 
der  Schnur  geöffnet  und  verlesen  werde:  dann  soll  die  Befugnis  zur  An- 
fertigung einer  Abschrift  gewährt,  und  es  hierauf  mit  dem  öffentlichen  Siegel 
verschlossen  in  das  Archiv  gebracht  werden,  damit,  wenn  etwa  die  Ab- 
schrift abhanden  gekommen  sein  wird,  etwas  vorhanden  ist^  von  wo  eine 
solche  genommen  werden  kann. 

c)  Das    Gesetz   wollte,    dass  ein  Testament  unverzüglich   nach   dem  Tode   des  P.  4, 6, 3 
Testators  eröffnet  werde.     Demgemäss  ist  die  Urkunde,   mag  auch  in   den 
Reskripten  gewechselt  worden  sein,  dennoch  von  anwesenden  Parteien  inner- 
halb eines  Zeitraums  von  drei  Tagen,  bez.  innerhalb  fünf  Tagen,   von  Ab- 
wesenden   zudem    innerhalb    derjenigen    Tage,    dass    sie  herübergekommen 

sein  werden,  zu  eröffnen:  denn  das  Testament  darf  den  Erben  oder  Legataren 
oder  Freiheiten,  bez.  der  erforderlichen  Steuer,  keinen  Verzug  bereiten. 

d)  Die  in  den  Munizipien,  Kolonien,  Städten,  in  einer  Präfektur,  einem  Vicus,  P.  4, 6, 2 
Kastell,  Conciliabulum  errichteten  Testamente  werden  auf  dem  Forum  oder 

in  der  Basilika,  in  GegeuAvart  der  Zeugen  oder  von  ehrbaren  Männern, 
zwischen  der  zweiten  und  der  zehnten  Tagesstunde  vorgelesen  und,  nachdem 
eine  Abschrift  genommen  ist,  wiederum  von  denselben  Magistraten,  in  deren 
Gegenwart  sie  nachweislich  eröffnet  worden  sind,  versiegelt  werden  müssen. 

e)  Durch  das  Edictum  perpetuum  wird  vorgeschrieben,  dass,  wenn  die  Tabulae  p.  4, 7,  6 
testamenti   nicht   zu  Tage    treten,    wegen    Vorweisung    derselben    innerhalb 
Jahresfrist   mit    dem    Literdikt  geklagt   werden    kann,    wodurch    derjenige, 
welcher    sie    unterdrückt,    zur    Vorweisung    angehalten    wird.      Unter    der 


c)  P.  4,  6,  3.  Testamentum  lex  statim 
post  mortem  testatoris  aperiri  voluit:  et  ideo, 
quam  vis  sit  rescriptis  variatum,  tarnen  a  prae- 
sentibus  intra  triduum  vel  quinque  dies 
aperiendae  sunt  tabulae.  Ab  absentibus 
quoque  intra  eos  dies,  quum  supervenerint: 
nee  enim  oportet  testamentum  heredibus  aut 
legatariis  aut  libertatibus  quam  necessario 
vectigali  moram  fieri. 

d)  P.  4,  6,  2.  Testamenta  in  municipiis, 
coloniis,  oppidis,  praefectura,  vico,  castello, 
€onciliabulo  facta,  in  foro  vel  basilica,  prae- 
sentibus  testibus  vel  honestis  viris,  inter 
horam  secundam  et  decimam  diei  recitari 
debebunt  exemploque  sublato  ab  iisdem  rursus 
magistratibus  obsignari,  quorum  praesentia 
constat  aperta. 

e)  P.  4,  7,  6.  Edicto  perpetuo  cavetur, 
ut,  si  tabulae  testamenti  non  appareant,  de 
earum  exhibitione  interdicto  reddito  intra 
annum  agi  possit,  quo  ad  exhibendum  com- 
pellitur,  qui  supprimit.  Tabularum  autem 
appellatione  chartae  quoque  et  membranae 
<;ontinentur. 


2T 


420 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


C.  9, 16,  1 


P.  3,  7,  11 


N.V. 

4,l,4u.5 


N.  V. 
4,2,1 


Bezeichnung  Tabulae  sind  auch  Chartae  und  Membranen  inbegriffen.  Wenn 
Jemand  ein  von  dem  Erblasser  anvertrautes  Testament  In  fraudem  des 
Erben  unterdrückt  haben  wird  und  der  eingesetzte  Erbe  gerichtlich  ver- 
langt, dass  es  ihm  ausgeliefert  werde,  kann  er,  nachdem  das  Testament 
gerichtlich  mittels  des  Benefizes  des  Besitzes  restituiert  worden  ist, 
nachher  wegen  der  Unterdrückung  des  Testaments  eine  Kriminalklage 
anstellen.^ 

2)  Provisorien. 

a)  Besitzeinweisung  aus  fehlerfreiem  Testament. 

a)  Mag  das  Testament  als  falsch  oder  als  entkräftet  oder  als  ungiltig  bezeichnet 
werden,  so  verlangt,  unter  Vorbehalt  der  Entscheidung  hierüber,  der  ein- 
gesetzte Erbe  mit  Grund  die  Einweisung  in  den  Besitz. 

aa)  ^Haben  Personen,  die  sich  in  der  Ehe  befinden,  keine  Kinder,  so 
mögen  sie,  wenn  sie  es  gewollt  haben  werden,  sei  es  der  Mann  die 
Frau,  sei  es  die  Frau  den  Mann,  gegenseitig  sich  zu  Erben  einsetzen : 
derjenige,  welcher  den  andern  überlebt  haben  wird,  wird  nach  dem 
Edikt  des  göttlichen  Hadrian^  das  hinterlassene  Gut  in  Anspruch 
nehmen.^ 

bb)  Wird   irgend  Jemand   mittels  holographischer  Urkunde   einen  letzten 


1)  Vgl.   S.  226  Anm.  1. 

2)  Vgl.   S.  371  Anm.  1, 


3)  J  spricht  von  luxta  legis  huius  ordinem. 


C.  9,  16,  1.  .  .  suppresso  testamento  quum 
ex  interdicto  de  Tabulis  exhibendis  fuerit 
actum,  nihilo  minus  ex  lege  Cornelia  testa- 
mentaria  poterit  crimen  inferri  .  . 


2  a)  a)  P.  3,  7,  11.  Sive  falsum,  sive  rup- 
tum,  sive  irritum  dicatur  esse  testamentum, 
salva  eorum  disceptatione,  scriptus  heres  iure 
in  possessionem  mitti  desiderat. 

aa)  N.  V.  4,  1,  4  u.  5.  .  .  quisquis  volu- 
erit  delata  nobis  supplicatione  testari,  habeat 
liberam  facultatem.  Cuius  heres  ex  edicto 
divi  Hadriani  hereditaria  corpora  conseque- 
tur  .  . 

bb)  N.  V.  4,  2,  1.  .  .  quisquis  per  holo- 
grapham  scripturam  supremum  maluerit  ordi- 
näre iudicium  .  .  Scripto  (enim)  taliter  suffi- 
ciet  heredi,  .  .  dummodo  reliqua  congruere 
demonstret,  quae  in  testamentis  debere  ser- 
vari  tam  veterum  principum,  quam  nostrae 
praecipiunt  sanctiones,  ut  in  hereditariorum 
corporum  possessionem  probata  scripturae 
veritate  mittatur. 


. .  De  testamentis  (etiam),  si  quis  commen- 
datum  a  testatore  testamentum  in  fraudem 
heredis  fortasse  suppresserit,  et  id  heres  scrip- 
tus iudicio  restitui  petit,  testamento  per 
iudicium  momenti  beneficio  restituto,  potest 
postmodum  de  suppresso  testamento  crimi- 
nalem  proponere  actionem  .  . 


.  .  ut  in  coniugio  positi,  si  filios  non  habe- 
ant,  seu  maritus  uxorem,  seu  uxor  maritum 
voluerit,  .  .  invicem  se  heredes  scribant, 
qui  alteri  superstes  exstiterit,  dimissam  rem 
.  .  vindicabit  .  . 


Schutzmassregeln  zu  Gunsten  der  Erbinteressenten  §  6. 


421 


Willen  haben  errichten  wollen,  so  wird  es  für  einen  derart  eingesetzten 
Erben  genügen,  wenn  er  nur  nachweist,  dass  das  Sonstige  zutrifft,  was 
in  Testamenten  beachten  zu  müssen  die  Satzungen  sowohl  der  alten 
Principes  als  auch  die  unsrigen  hierfür  vorschreiben,  um  nach  Er- 
weis der  Echtheit  der  Urkunde  in  den  Besitz  der  Erbschaftssachen 
gesetzt  werden  zu  müssen.^ 
cc)  Wird  zwischeji  dem  eingesetzten  und  dem  substituierten  Erben  wegen  P-  3, 7, 12 
der  Erbschaft  ein  Streit  entstanden  gewesen  sein,  so  ist  jener,  ^der 
vielmehr  sich  als  instituiert  erweist,  während  sich  dieser  substituiert 
findet,2  in  den  Besitz  der  Erbschaftssachen  einzuweisen. 

b)  Der  eingesetzte  Erbe  verlangt  mit  Grund,   unverzüghch  in  den  Besitz  ein-   P-  3, 7, 13 
gewiesen  zu  werden.     Nach  Jahresfrist  wird  er  es  mit  Grund  nicht  fordern 
können. 

c)  Der  Erbe,   welcher  in  einem  Testament  eingesetzt   ist,   das  weder,   wie  es  P- 3, 7,  u 
musste,  angeboten  noch  öffentlich  verlesen  worden  ist,  verlangt  ohne  Erfolg, 

in  den  Besitz  eingewiesen  zu  werden. 

d)  Der  eingesetzte  Erbe  verlangt  zu  Unrecht,  bevor  er  auf  dem  regelmässigen    p.  3, 7, 15 
Kechtswege  klagt,    Einweisung   in    den  Besitz    von    Sachen,    die   der   Erb- 
lasser zur  Zeit  des  Todes  nicht  besessen  hat. 

ß)  Edictum  Carbonianum. 

a)  ^Wennn  Jemand  bei  seinem  Tode  aus  legitimer  Ehe  eine  schwangere  Frau  c.  4, 3, 1 
hinterlassen    haben    wird,    soll    die  Frau    von    den    Verwandten    bis    zum 
Eintritt  der  Geburt  bewacht  werdeii.     Wird  sie  zur  richtigen  Zeit  geboren 


1)  Vgl.  S.  365  Anm.  1. 


2)  Der  an  erster  Stelle  eingesetzt  worden  ist. 


cc)  P.  3,  7,  12.  Si  inter  lieredem  insti- 
tutum  et  substitutum  controversia  sit,  magis 
placuit  eum  in  possessionem  rerum  lieredi- 
tariarum  mitti,    qui  primo  loco    scriptus  est. 

b)  P.  3,  7,  13.  Scriptus  heres,  ut  statim 
in  possessionem  mittatur,  iure  desiderat. 
Hoc  post  annum  iure  impetrare  non  poterit. 

c)  P.  3,  7,  14.  In  eo  testamento,  quod 
nee  ut  oportuit  oblatum,  nee  publice  reci- 
tatum  est,  heres  scriptus  in  possessionem 
mitti  frustra  desiderat. 

d)  P.  3,  7,  15.  In  possessionem  earum 
rerum,  quas  mortis  tempore  testator  non 
possedit,  heres  scriptus,  priusquam  iure  ordi- 
nario  experiatur,  improbe  mitti  desiderat. 

ßa)  C.  4,  3,  1.  Carbonianum  edictum  sub 
personis  legitimis  indubitato  matrimonio, 
custodito  partu  etprobata  legitimasuccessione 
defertur:  scilicet  ut  in  possessione  novus 
heres  locatus  usque  ad  pubertatis  annos  sine 
inquietudine  rebus   utatur  interdum   alienis. 


Si  inter  institutum  et  substitutum  heredem 
intentio  de  hereditate  nata  fuerit,  ille  in 
possessionem  rerum  hereditariarum  mittendus 
est,  qui  institutus  magis  probatur,  quam  is, 
qui  legitur  substitutus. 


Si  quis  moriens  ex  legitimo  matrimonio 
praegnantem  reliquerit  uxorem,  (iubet  lex,) 
mulierem  a  propinquis,  quo  usque  ad  partum 
veniat,  custodiri:  quae  quum  legitimo  tem- 
pore ediderit,  is,  qui  natus  fuerit,  pro  sua 
portione    in    patris    hereditate    suecedat    et 


422 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


haben,  so  soll  derjenige,  welcher  geboren  gewesen  sein  wird,  zu  seinem 
Anteil  in  die  Erbschaft  des  Vaters  folgen  und  bis  zum  fünfzehnten  Jahre 
seines  Alters  dasjenige,  was  von  dem  Vater  hinterlassen  worden  ist,  ohne 
Rückforderungsanspruch  von  irgend  Jemandem  besitzen:  hernach  soll  er 
durch  den  Kurator  seine  Aktionen  entweder  übernehmen  oder  einbringen.^ 
P.  3^  1^  1  Wenn  Jemand  gegen  zwei  Brüder,   dass  will  sagen,  einen   mündigen,   dessen 

Alter  einen  Kurator  haben  kann,  und  einen  unmündigen  eine  Sache  hat,  und 
der  Bruder,  welcher  der  ältere  ist,  um  die  Sache  nicht  zu  verantworten, 
wegen  der  Person  des  jüngeren  Bruders  sich  wird  haben  entschuldigen 
wollen,  wird  derjenige,  welcher  der  ältere  ist,  angehalten,  für  seine  Person, 
bez.  Sache,  sich  zu  verantworten:  und  wenn  er  auch  einen  Kurator  nicht 
hat,  wird  er  gezwungen  werden,  ihn  zuzuziehen,  da  sich  ein  Erwachsener 
um  der  Person  des  Pupillen  durchaus  nicht  entschuldigt.^ 

Y)  Bedingte  Erbeseinsetzung. 

p.  5,10,1  a)  Der  substituierte  Erbe  kann  denjenigen,  welcher  unter  einer  Bedingung 
zum  Erben  eingesetzt  worden  ist,  nach  Antritt  der  Erbschaft  anhalten,  dass 
ihm  der  eingesetzte  Erbe  kaviere,  das  will  sagen,  durch  Kaution  verspreche, 
die  Erbschaft^  iii  keiner  Hinsicht  irgendwie  anzutasten.     Wird  hiernach  der 


1)  Das  Carbonianum  edictum  wird,  Personae  legitimae  vorausgesetzt,  bei  zweifelloser 
Ehe,  unter  Bewachung  der  Geburt  und  Nachweis  der  legitimen  Nachfolge,  erlassen,  mit  der 
Massgabe,  dass  sich  der  in  den  Besitz  gesetzte  Erbe  bis  zur  Erreichung  der  Pubertät  ohne 
Beunruhigung  des  fremden  Vermögens  bedienen  solle. 

2)  T  sagt  lediglich,  dass  bei  einer  gegen  den  Pubes  gerichteten  Controversia  pro 
parte  impuberis  die  Causa  nicht  verschoben  werden  darf. 

3)  T  fügt  hinzu:  petita  bonorum  possessione. 


P.  3,  1,  1.  Si  fratri  puberi  controversia 
fiat,  an  pro  parte  impuberis  differri  causa 
debeat,  variatum  est:  sed  magis  est,  ut  differri 
non  debeat. 


y)  a)  P.  5,  10,  1.  Substitutus  heres  ab  in- 
stituto,  qui  sub  conditione  scriptus  est,  uti- 
liter  sibi  institutum  hac  stipulatione  cavere 
compellit,  ne  petita  bonorum  possessione  res 
hereditarias  deminuat.  Hoc  enimc  asu  ex  die 
interpositae  stipulationis  duplos  fructus  prae- 
stare  compellitur  .  . 


usque  ad  quintum  et  decimum  aetatis  suae 
annum,  quae  a  patre  derelicta  sunt,  sine 
uUius  repetitione  possideat:  futurum,  ut  suas 
postmodum  per  curatorem  aut  excipiat  aut 
exserat  actiones. 

Si  quis  contra  duos  fratres,  id  est,  unum 
puberem,  cuius  aetas  curatorem  habere  potest, 
et  alterum  impuberem  causam  habeat;  si 
frater,  qui  senior  est,  propter  personam  fra- 
tris  minoris,  ne  causam  dicat,  se  voluerit 
excusare,  ille,  qui  senior  est,  pro  sua  persona 
vel  causa  respondere  compellitur.  Quod  eti- 
amsi  curatorem  non  habeat,  adhibere  sibi 
cogetur:  nam  adultus  se  per  personam  pupilli 
penitus  non  excusat. 

Substitutus  heres  eum,  qui  sub  conditione 
heres  institutus  est,  adita  hereditate  com- 
pellere  potest,  ut  sibi  institutus  caveat  heres, 
id  est,  cautione  promittat,  hanc  ipsam  here- 
ditatem  a  se  in  nullo  penitus  minuendam. 
Quo  facto  si  quid  de  hereditate  fuerit  immi- 
nutum,  duplos  fructus  eins  rei  a  die  cautionis 
heres  institutus  redhibere  compellitur. 


Der  Erwerb  der  Erbschaft  §  7. 


423 


Erbschaft  etwas  entzogen  gewesen  sein,  so  wird  der  eingesetzte  Erbe  an- 
gehalten, von  dem  Tage  der  Kaution  die  doppelten  Früchte  dieser  Sache  zu 
erstatten.^ 
b)  Wird  zwischen  dem  eingesetzten  und  dem  substituierten  Erben  wegen  der  p.  3, 7, 12 
Erbschaft  ein  Streit  entstanden  gewesen  sein,  so  ist  jener,  der  vielmehr  sich 
als  instituiert  erweist,  während  sich  dieser  substituiert  findet,  in  den  Besitz 
der  Erbschaftssachen  einzuweisen.^ 


II.    Der  Erwerb  der  Erbschaft  §  7. 

1)  Übersicht. 

a)  Sui,  Necessarii  und  Extranei  heredes  (vgl.  Zweites  Buch  §  18,  2  ß). 

a)  Die  Erben  sind  entweder  Sui  oder  Necessarii  oder  Extranei.  G.  2, 3,  6 

b)  Sui    heredes    werden    genannt    Kinder    oder    Enkel    von    Söhnen,    die    der  g.  2, 3, 6 
Grossvater  oder  Vater  in  der  Gewalt  hat. 

c)  Necessarii  heredes  sind  die  Sklaven,  welche  mit  der  Freiheit  zu  Erben  ein-   G.  2, 3,  6 
gesetzt  werden,    und   zwar   Necessarii   um    deswillen,    w^eil   sie   notwendiger 
Weise     Erben      sind,      mögen     sie     wollen     oder    nicht    wollen.        Denn 
Personen,   welche  Gläubigern  verschuldet   sind  und  meinen,    dass  sie  nicht 

so  viel  an  Vermögen  als  an  Schulden  hinterlassen,  machen  ihre  Sklaven  frei 
und    setzen   sie    zu  Heredes  necessarii  ein,    damit   eher    der  Erbe,    als   der 


1)  T  fügt  hinzu:  Huius  enim  praeiudicium  a  superiore  differt,  quo  quaeritur,  an  ea 
res,  de  qua  agitur,  maior  sit  centum  sestertiis:  ideoque  in  longiorem  diem  concipitur.  Diese 
Worte  haben  dem  Zusammenhange  nach  keinen  Sinn. 

2^  Vd.  S.  421  Anm.  2. 


b)  P.  3,  7,  12.  Si  inter  heredem  insti- 
tutum  et  substitutum  controversia  sit,  magis 
placuit  eum  in  possessionem  rerum  heredi- 
tariarum  mitti,   qui  primo   loco  scriptus  est. 

la)  a) 


c) 


Si  inter  institutum  et  substitutum  heredem 
intentio  de  hereditate  nata  fuerit,  ille  in 
possessionem  rerum  hereditariarum  mittendus 
est,  qui  institutus  magis  probatur,  quam  is, 
qui  legitur  substitutus. 

G.  2,  3,  6.  Heredes  aut  sui  sunt,  aut 
necessarii,  aut  extranei  .  . 

G.  2,  3,  6.  .  .  Sui  heredes  appellantur 
filii  aut  nepotes  ex  filiis  masculis,  quos  in 
potestate  avus  vel  pater  habet  ,  . 

G.  2,  3,  6.  .  .  Necessarii  sunt  heredes 
servi,  qui  cum  libertate  heredes  institu- 
untur.  Necessarii  ideo,  quia,  aut  velint 
aut  nolint,  necesse  est  eis  heredes  esse.  Nam 
qui  creditoribus  tenentur  obnoxii,  et  putant, 
se  non  tantum  in  substantia,  quantum  in 
debitis  relinquere,  ipsi  servos  suos  manu- 
mittunt,  et  heredes  necessarios  faciunt,  ut 
quo  magis  heres  quam  dominus  infaraiam  in- 
curiat,  quura  res  eius,  id  est,  hereditas  domini 
pro    debitis   venditur    et   creditoribus   datur. 


424 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


Herr,   der  Infamie   unterliege,   wenn   sein  Vermögen,   das  ist  die  Erbschaft 
des  Herrn,  Schulden  halber  verkauft  und  den  Gläubigern  gegeben  wird. 
G.  9, 3, 6       d)  Heredes  extranei  sind,   welche  durch  keinen  Verwandtschaftsgrad   mit  dem 
Erblasser   verbunden   werden,    sondern,    die    ein   Jeder    nach  seinem   Be- 
lieben zu  Erben  einsetzt, 

ß)  Bonorum  possessio  und  Cretio. 

a)  Die  Cretio  und  Bonorum  possessio  wurde  nach  altem  Rechte  von  den 
Prätoren  erbeten;  durch  die  Gesetze  ist  beides  aufgehoben  worden.^  Allen 
im  allgemeinen  erlassen  wir  die  Notwendigkeit,  Bonorum  possessio  zu 
erbitten.  '-^ 

aa)  Die  Cretio  und  Bonorum  possessio  sind  beide  durch  die  Gesetze  auf- 
gehoben worden:  somit  erwirbt  ein  Infans,  obschon  er  nicht  sprechen 
kann,  dennoch  die  ihm  geschuldete  Erbschaft,  sodass  ihm  auf  Grund 
des  Gesetzes  bei  seinem  Tode  der  Vater  oder  derjenige,  welcher  der 
Nächste  gewesen  sein  wird,  folgt.^ 


C.  4,1,1 

N.  V. 
4,1,5 


C.  4,  1,  1 


1)  Vgl.  Anm.  3.     J  fügt  hinzu,  dass  sich  mit  Rücksicht    auf   ihre    Abschaffung    eine 
Erläuterung  erübrige  (quod  explanari  opus  non  est,  quia  legibus  utrumque  sublatum  est). 

2)  Vgl.  S.  361  Anm.  1. 

3)  Der  Vater  soll  nicht  in  irgend  einem  Teile  den  Müttern  nachstehen.     Denn  da  die 
Mutter  auch   eines   sterbenden  Kindes   das  Vermögen   erwirbt,   dürfen   dem  Vater  aus   dem 


d) 


ß)  a)  C,  4,  1,  1.  .  .  legitima  successio 
non  modo  in  matre,  verum  etiam  in  succes- 
soribus  longius  constitutis  non  bonorum  pos- 
sessionis petitionem ,  non  cretionis  solenni- 
tatem  cogitur   custodire  .  . 

N.  V.  4,  1,  5.  .  .  bonorum  possessionis 
petendae  (sustinebit)  necessitatem  (,quam) 
generaliter  omnibus  relaxamus. 

aa)  C.  4,  1,  1.  Patrem  aliqua  ex  parte 
minorem  esse  matribus,  non  sinemus.  Nam 
quum  etiam  infantis  filii  morientis  mater 
bonorum  solatia  consequatur,  cur  de  aetate 
eins  pater  graves  patiatur  tendiculas,  non 
videmus;  et  quum  legitima  successio  non 
modo  in  matre,  verum  etiam  in  successoribus 
longius  constitutis  non  bonorum  possessionis 
petitionem,  non  cretionis  solennitatem  cogi- 
tur custodire,  qualicunque  contenta  aditae 
vel  adeundae  hereditatis  iudicio,  quanto  magis 
pater talibus  est  vinculisexuendus?  Atque  ideo 
hac  oratione  sancimus,  ut  pater  etiam  in- 
fantis filii  successionem,  sive  ille  matre  eins 
moriente  adeundae  hereditatis  vel  petendae 


G.  2,  3,  6.  .  .  Heredes  .  .  extranei  .  . 
sunt,  qui  nullo  propinquitatis  gradu  testatori 
iunguntur,  sed  eos  quicunque  pro  arbitrio 
suo  scribit  heredes. 

Cretio  et  bonorum  possessio  antiquo  iure 
a  praetoribus  petebatur  .  .  legibus  utrumque 
sublatum  est  .  . 


Cretio  et  bonorum  possessio  .  .  legibus 
utrumque  sublatum  est.  Et  ideo  infans,  licet 
loqui  non  possit,  tarnen  hereditatem  sibi 
debitam  capit,  cui  morienti  pater  aut  is,  qui 
proximus  fuerit,  ex  lege  succedit. 


Der  Erwerb  der  Erbschaft  §  7. 


425 


bb)  Haben  Personen,   die    sich    in    der    Ehe    behnden,    keine   Kinder,    so  ■'^'/uV' 
mögen    sie,    wenn    sie    gewollt    haben  werden,    sei  es  der  Mann  die 
Frau,  sei  es  die  Frau  den  Mann,  gegenseitig  sich  zu  Erben  einsetzen: 
der  Erbe   wird  nicht   der  Notwendigkeit  verfallen.  Bonorum  possessio 
zu  erbitten.^- 

cc)  Mit  Bezug  auf  die  Nachfolge  der  Mutter,  der  Yaterbrüder  und  deren   ^-  ^^  ^'  i 
Söhne   und  Enkel  ist   schon    die   blosse    gesetzliche  Vorschrift   hierzu 
ausreichend,  damit  unter  ihnen  der  Besitz  des  Vermögens  in  Anspruch 
genommen   wird.'^ 

b)  ^Wenn    Jemand    sich    in    der    Gewalt    des  Vaters    befunden    hat,   während   ^^-  i^,  i 


Alter  des  Kindes  keine  Schwierigkeiten  gemacht  werden,  und  da  die  gesetzliche  Nachfolge 
nicht  genötigt  ist,  nicht  nur  bei  der  Mutter,  sondern  auch  bei  weiterstehenden  Successoren 
die  Erbittung  der  Bonorum  possessio,  bez.  die  Solennitiit  der  Kretion,  in  Acht  zu  nehmen 
indem  sie  sich  mit  irgend  einem  Anzeichen  des  bereits  erfolgten  oder  stattfindenden  Erb- 
schaftsantritts begnügt,  ist  der  Vater  umsomehr  von  solchen  Fesseln  zu  befreien.  Demgemäss 
folge  der  Vater  dem  Filius  infans  jeglichen  Alters,  mag  er  nach  dem  Tode  der  Mutter  das 
Officium  des  Erbschaftsantritts  oder  der  Erbittung  der  Bonorum  possessio  ausgeführt  oder 
verabsäumt  haben. 

1)  Vgl.  S.  371  Anm.  1.  Hierzu  sagt  J  lediglich,  dass  der  Erbe  die  hinterlassene 
Sache   luxta   legis  huius  ordinem  in  Anspruch  nehmen  wird. 

2)  Bei  T  ist  davon  die  Rede,  dass  im  Falle  konkurrierenden  Erbrechts  der  Mutter 
und  der  Agnaten  auch  ohne  Erbittung  der  Bonorum  possessio,  mit  dem  Tage  der  Delation 
durch  blosse  Antretung,  sei  es  Besitzergreifung  oder  Kundgebung  des  Willensentschlusses, 
die  volle  Herrschaft  über  den  deferierten  Erbteil  erworben  werde  und  die  Antretung  zeit- 
lebens zugelassen  sei. 


bonorum  possessionis  fuerit  exsecutus  officium, 
sive  ista  neglexerit,  morienti  filio  infanti  in 
qualibet  aetate  sine  ambiguitate  succedat. 

bb)  N.  V.  4,  1,  4  u.  5.  .  .  quisque  volu- 
erit  delata  nobis  supplicatione  testari,  habeat 
liberam  facultatem.  Cuius  heres  .  .  nee  bo- 
norum possessionis  petendae  sustinebit  ne- 
cessitatem  .  . 

cc)  C.  5,  1,  1.  .  .  existentibus  personis 
agnatis  (in  infinitum,)  matri  (adversus  omnes 
censuimus  subveniendum,  licet  non  omnibus 
adversus  matrem,  sed  certis  .  ,  personis)  hoc 
auxilium  tribuatur;  ita  ut,  nee  petita  bono- 
rum possessione  (quoniam  huius  legis,  non 
praetoris  est  beneficium),  illico,  ut  sibi  dela- 
tae  portionis  dies  exstiterit,  aditione  simplici, 
arrepto  rerum  quolibet  corpore  vel  animi 
destinatione  patefacta,  plenum  dominium 
delatae  sibi  portionis  consequantur,  facultate 
eis  perpetua,  dum  advixerint,  tribuenda  in 
adeunda  concessa  sibi  parte  successionis  .  . 

b)  Gr.  13,  1.  Si  in  potestate  patris  fuisti, 
quum  hereditas  (Bassae  Cassiae  tibi)  obvenit, 


.  .  ut  in  coniugio  positi,  si  filios  non  ha- 
beant,  seu  maritus  uxorem,  seu  uxor  mari- 
tum  voluerit,  .  .  invicem  se  heredes  scribant, 
qui  alteri  superstes  exstiterit,  dimissam  rem 
iuxta  legis  huius  ordinem  vindicabit  .  . 

. .  in  hac  successione  sola  constitutio  (prae- 
sens) sufficit,  ut  inter  matrem,  patruos  eorum- 
que  filios  et  nepotes  bonorum  possessio  prae- 
sumatur  .  . 


426 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


eine  Erbschaft  angefallen  ist,  und  sie  zufolge  lussus  des  Vaters  mittels 
Kretion  angetreten  hat,  hat  er  sie  nach  dem  Rechte  der  väterlichen  Gewalt 
diesem  erworben.  Dagegen  kann  er  unter  keinen  Umständen  verlangen, 
dass,  was  von  diesem  rechtsgiltig  veräussert  worden  ist,  gegen  Darbietung 
des  Preises  restituiert  werde.^ 


2)  Erbschaftsantritt. 

a)  Im  allgemeinen  (vgl.  Öffentliches  Recht,  Zweites  Buch,  §  1. 


5\ 


C.  5,1,  1 


C.5,  1,1 


C.  11,  11,  5 


a)  Die  Erbschaft,  welche  nicht  angetreten  worden  ist,  soll  nicht  auf  die  Erben 
übergehen.^ 

aa)  Wird  bei  der  Nachfolge  unter  Mutter,  den  Vaterbrüdern  und  deren 
Söhnen  und  Enkeln  die  Erbschaft  nicht  angetreten  gewesen  sein  und 
sterben  diejenigen,  welche  hätten  antreten  müssen,  so  werden  die  Erben 
derselben  von  der  Nachfolge  der  nicht  angetretenen  Erbschaft  ausge- 
schlossen.^ 

b)  Wird  Jemand  mittels  Appellation  die  Eröffnung  eines  von  einer  beliebigen 
Person  errichteten  Testaments  haben  hinziehen  und  den  eingesetzten  Erben  von 
dem  Erbschaftsantritt  haben  abhalten  wollen,^  und  wird  der  Judex  in  diesem 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  3,  3  c. 

2j  J  fügt  hinzu:  Hie  de  iure  addendum  est. 

3)  Vgl.  S.  425  Anm.  2.  T  fügt  hinzu,  dass  die  Nachfolge  bei  denjenigen  verbleibe,  die 
bis  dahin  nach  dem  Gesetz  erbberechtigt  waren  (sed  penes  eos  raanere,  apud  quos  ante 
istam  legem  residere  potuisset). 

4)  T  fügt  hinzu:  ne  hi,  quos  scriptos  patuerit,  heredes  edicti  per  divum  Hadrianum 
conditi  beneficium  consequantur. 


eamque  patris  iussu  crevisti,  iure  patriae 
potestatis  ei  eam  quaesisti.  Ideoque  quod 
ab  eo  iure  alienatum  est,  nulla  ratione  oblato 
pretio  restitui  tibi  desideras. 

2  a)  a) 


aa)  C.  5,  1,  1.  .  .  existentibus  personis 
agnatis  (in  infinitum),  matri  .  .  Nee  enim 
ad  eos,  qui  eorundem  successores  erunt,  nisi 
ipsis  prius,  quos  indulgentiae  nostrae  ratio 
complectitur,  quae  sita  fuerit  hereditas,  trän- 
sire  quicquam  iubemus  .  . 


b)  C.  11,  11,  5.  Quisquis,  ne  voluntas 
diem  functi  testamento  scripta  reseretur,  vel 
ne  hi,  quos  scriptos  patuerit,  heredes  edicti 
per  divum  Hadrianum  conditi  beneficium 
consequantur,  ausus  fuerit  provocare,  inter- 
positamque    appellationem,    cuius    de    ea  re 


C.  5,  1,  1.  .  .  (evidenter  haec  lex  con- 
stituit,)  ut  non  adita  hereditas  non  transeat 
ad  heredes. 

(Si  mater .  .  unicum  filium  intestatum  for- 
tasse  perdiderit,  et  filius  moriens  patriium 
unum  vel  plures  aut  certe  patrui  vel  patru- 
orum  filios  vel  nepotes  plures  cum  matre  re- 
liquerit.)  .  .  inter  matrem,  patruos  eorumque 
filios  et  nepotes  .  .  si  fortasse  adita  non  fu- 
erit hereditas,  et  hi,  qui  adire  debuerant, 
moriuntur,  heredes  eorum  a  successione  non 
aditae  hereditatis  excludit  .  . 

(Haec  lex  specialiter  praecipit,)  ut,  si 
quis  a  quocunque  conditum  testamentum  per 
appellationem  differre  voluerit,  ut  non  de- 
beat  reserari,  et  scriptum  heredem  ab  adc- 
unda  hereditate  suspendere,  et  in  hac  parte 
iudex  appellatori  voluerit  praebere  consensura, 


Der  Erwerb  der  Erbschaft  §  7. 


427 


Punkte  dem  Appellanten  seine  Zustimmung  haben  gewähren  wollen,  damit  dem 
niedergeschriebenen  letzten  AVillen  um  so  weniger  der  Effekt  auf  dem  Fusse 
folge,  so  soll  ebenso  sehr  der  Judex  selbst,  wie  derjenige,  welcher  appelliert 
haben  wird,  gezwungen  w^erden,  dem  Fiskus  zwanzig  Pfund  Gold  zu  zahlen. 

c)  Wer  einmal  sich  entschieden  hat,  dass  die  Erbschaft  ihm  zukomme,  und  in  p.  3, 6,  i? 
Geschäfte  derselben  sich  gemischt  hat,   kann  sie    nicht    ablehnen,    mag    sie 

auch  unvorteilhaft  sein. 

d)  Unter  Pro  berede  gestio   versteht   man    die  Aneignung   irgend   einer   Erb-   p.  4, 8, 6 
Schaftssache  in    der  Absicht  auf  künftiges  Eigentum.     Demnach  wird   der- 
jenige als  Pro  berede  gestor  angesehen,  welcher  die  Kulturen  und  Geschäfte 

von  Erbschaftsgrundstücken  regelt  und  der  zur  Erbschaft  gehörigen  Sklaven, 
Zugtiere  oder  sonstigen  Sachen  sich  bedient. 

e)  Von    einer  Sache,   die   vermacht   worden   ist,   kann    der  Legatar  nach  dem   p.  3, 8,  n 
Beisj^iele  des  Erben  nicht  einen  Teil  antreten,  und  einen  Teil  ausschlagen. 

f)  Eine    Erbschaft   kann    nicht    nur   mit   Worten,    sondern    auch    durch    eine  p.  4, 4, 1 
Handlung  und  durch  irgendwelche  sonstige  Willensbezeigung  abgelehnt  werden. 

ß)  Bei  wiederholter  Erbeseinsetzung. 

a)  ^  Wenn  Jemand  mittels  Urkunde  ein  Testament  errichtet  und  hernach  ohne   c.  4, 4, 7 
Urkunde,   das  ist,  Per  nuncupationem  seinen  Willen  wiederholen  zu  sollen 


notio  erit,  recipiendam  esse  crediderit,  vi- 
ginti  librarum  auri  mulcta  et  litigatorem, 
qui  tarn  importune  appellaverit,  et  iudicem, 
qui  tarn  ignave  conniventiam  adhibuerit,  in- 
volvat. 

cj  P.  3,  6,  17.  Qui  semel  constituit,  ad 
se  hereditatem  pertinere,  ac  se  rebus  eius 
immiscuit,  repudiare  eam  non  potest,  etiamsi 
damnosa  sit. 

d)  P.  4,  8,  6.  Pro  berede  gerere  est 
destinatione  futuri  dominii  aliquid  ex  here- 
ditariis  rebus  usurpare.  Et  ideo  pro  berede 
gerere  videtur,  qui  fundorum  hereditariorum 
culturas  rationesque  disponit  et  qui  servis 
hereditariis,  iumentis  rebusve  aliis  utitur. 

e)  P.  3,  8,  11.  Eius  rei,  quae  legata  est, 
exemplo  heredis,  partem  agnoscere,  partem 
repudiare  legatarius  non  potest. 

f)  P.  4,  4,  1.  Recusari  hereditas  non 
tantum  verbis,  sed  etiam  re  potest  et  alio 
quovis  indicio  voluntatis. 

ß)  a)  C.  4,  4,  7.  Si  quis  agere  ex  testa- 
mento,  quoUbet  modo,  sive  scripto,  sive  sine 
scriptura  confecto,  de  hereditate  voluerit,  ad 
fideicommissipersecutionemadspirarecupiens, 
minime  permittatur.  Tantum  enim  abest, 
ut  aditum  cuiquara  pro  suo  migrandi  desiderio 
concedamus,  ut  etiam  illud  sanciamus,  ut, 
si  testator  faciens  testamentum  in  eodem  pro 
codicillis  etiam  id  valere  complexus  sit,  qui 


ut  quo  minus  scriptam  voluntatem  non  se- 
quatur  effectus:  tarn  ipse  iudex  quam  is,  qui 
appellaverit,  viginti  libras  auri  fisco  cogatur 
exsolvere. 


Si  quis  per  scripturam  condiderit  testa- 
mentum et  postmodum  sine  scriptura,  boc 
est  per  nuncupationem  suam  iterandam  cre- 
diderit voluntatem,  vel  si  codicillis,  quod  est 
fideicommissum,  potestatem  beredi  suo  com- 
miserit,  ut,  ex  qua  voluerit,  testatoris  ordi- 
natione  succedat:  tunc  in  primordio  adeundae 
hereditatis  suam  publicare  non  desinat  volun- 
tatem,  utrum  ex  testamento,  an  per  nuncu- 


428 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


geglaubt  haben  wird,  bez.  in  einem  Kodizill,  was  dann  ein  Fideikommiss 
ist,  seinem  Erben  die  Befugnis  übertragen  haben  wird,  aus  derjenigen  Ver- 
fügung des  Erblassers,  aus  welcher  er  gewollt  haben  wird,  zu  folgen,  dann 
soll  er  zu  Beginn  des  Antritts  der  Erbschaft  seinen  Willen  dahin  kund- 
zugeben nicht  nachlassen,  ob  er  aus  Testament,  oder  auf  Grund  der  Nun- 
kupation,  oder  mittels  Fideikommiss  die  Erbschaft  fiu*  sich  in  Anspruch  zu 
nehmen  wählt.  Wird  die  von  ihm  erstgetroffene  Auswahl  zurückgewiesen 
gewesen  seiu,  so  soll  zu  einer  andern  überzugehen  ihm  nicht  gestattet  sein, 
während  er  wissen  möge,  dass  er  nach  Gewährung  des  Anspruchs  bezüglich 
des  emen  von  den  übrigen  ausgeschlossen  werden  muss,  indem  offenbar 
und  ersichtlich  die  eine  Petitio  die  anderen  ausschliesst.^-  ^ 


1)  T  liefert  die  folgende  Erörterung,  Habe  Jemand  aus  einem,  es  sei  schriftlich,  es 
sei  mündlich  errichteten  Testamente  wegen  der  Erbschaft  klagen  wollen,  so  könne  er  keines- 
falls nachher  zur  Beanspruchung  des  Fideikommisses  seine  Zuflucht  nehmen  wollen.  Es  sei 
dies  auch  der  Fall  bei  Erbeseinsetzung  mit  der  Kodizillarklausel,  indem  der  Eingesetzte, 
sobald  er  gerichtlich  sich  als  Erbe  oder  als  Universalfideikommissar  erkläre,  durch  seine  Wahl 
gebunden  werde,  sodass  er,  mag  er  die  Bonorum  possessio  secundum  tabulas  vel  secun- 
dum  nuncupationem  und  dergleichen,  oder  die  missio  ex  edicto  dici  Hadriani  verlangt  haben, 
unverzüglich  Inter  ipsa  huius  iuris  auspicia  das  Propositum  suae  intentionis  darlegen  solle. 
Wie  durch  Anerkennung  des  letzten  Willens  der  Inoffiziositätsanspruch,  durch  Wahl  der 
Munera  liberti  et  operis  seitens  des  Patrons  die  Bonorum  possessio  contra  tabulas  verloren 
gehe,  schliesslich  auf  Grund  des  Edictum,  quod  de  alteratro  est,  die  grossjährige  Frau  nach 
getroffener  Auswahl  sogar  unter  Satisdation  gegen  eine  Wandlung  sich  verpflichten  muss. 
Habe  der  Erblasser  ein  Testament  errichten  wollen,  sei  jedoch  an  der  Vollendung  behindert 
worden,  so  könne  er  es  nicht  als  Fideikommiss  gelten  lassen,  es  sei  denn,  dass  er  die  Kodi- 
zillarklausel beigefügt  habe,  wobei  die  einmal  getroffene  Wahl  gleichfalls  bindend  sei.  Nur 
Descendenten  und  Ascendenten  des  Erblassers  bis  zum  vierten  Grad  agnatischer  und  bis 
zum  dritten  Grad  kognatischer  Verwandtschaft  haben  bei  dem  Testament  mit  Kodizillar- 
klausel das  Recht  beliebiger  Änderung  ihres  Entschlusses. 

2)  J  fügt  zum  Schluss  hinzu:  Extrema  pars  legis  istius  ideo  non  habetur  scripta  vel 
exposita,  quia  Novella  lege  calcatur.  Es  bezieht  sich  dies  auf  einen  Satz,  der  anderweit 
überliefert  ist  (In  omni  autem  genere  testamenti,  sive  id  praetorio  iure  sive  civili  consistat 
seu  codicilii  conscribantur,  sive  non  scripta  voluntas  altima  praetendatur,  id  volumus  ob- 
servari,  ut  eodem  die,  quo  coeptum  quid  eorum  fuerit,  ad  perfectum  sui  plenitudine  sortiatur, 
nihilque  eins  in  diem  alterum  differatur;  quod  quidem  nullam  habeat  firmitatem,  nisi  aut 
Septem  aut  quinque  vel  rogati  aut  qui  fortuitu  venerint,  possint  iure  testimonium  perhibere, 
videlicet  ut  post  hanc  sanctionem  divinis  et  liquescentibus  apicibus,  qui  triura  testium 
numero  sint  content!):  gemeint  sind  N.  Th.  9,  1,  4  u.  N.  V.  4,  2,  3. 


hereditatem  petit  ab  ipsis  intentionis  exordiis, 
utrum  velit,eligendi  habeat  potestatem,  sciens, 
se  unius  electione  alterias  sibi  aditum  prae- 
clusisse;  ita  ut,  sive  bonorum  possessionem 
seeundam  tabulas  vel  secundum  nuncupatio- 
nem ceterasque  similes  postularit,  aut  certe 
ex  edicto  divi  Hadriani  se  mitti  ad  possessi- 
onem ex  more  petierit,  statim  inter  ipsa  huius 
iuris  auspicia  propositum  suae  intentionis 
explanet.  Sic  enim,  si  quis  defuneti  agno- 
verit  voluntatem,  de  inofficioso  agere  prohi- 
betur,  et  patronus,   liberti  muneribas  electis 


pationem,  an  per  fideicommissum  hereditatem 
sibi  eligat  vindicandam.  Quod  si  prima  electio 
eins  fuerit  superata,  ad  alteram  ei  transire 
non  liceat :  quia  unius  petitione  concessa,  de 
reliquis  se  noverit  excludendum,  quia  una 
petitio  alias  aperte  et  evidenter  excludit  .  . 


Wirkung  des  Erwerbs  §  8. 


429 


III.  Wirkung  des  Erwerbs  §  8. 

1)  Rechtsstellung  des  Erben. 

a)  Die  Lex  Falcidia,  ingleichen  auch  das  Senatusconsultum  Pegasianum  ver-  p.  4, 3,  s 
ordneten,  dass,  ^nach  Aufmachung  der  Rechnung  der  Erbschaftsschuld  und 
nach  Ausscheidung  desjenigen,  was  zu  Ehren  Gottes  den  Kirchen  hinter- 
lassen wird/  dem  eingesetzten  Erben  der  vierte  Teil  der  Erbschaft  in  Allem 
zukommt.  Alles,  was  für  die  Beerdigung  des  Verstorbenen  ausgegeben  p.  1,21,4 
gewesen  sein  wird,  ist  vor  den  andern  Gläubigern  aus  der  Erbschaft  des 
Verstorbenen  zu  erstatten. 


1)  Nach  Abzug  der  ganzen  Erbschaftsschuld  und  der  Dona  deorum. 


et  operis.  contra  tabulas  bonorum  possessione 
repellitur:  sie  mulier  in  edicto,  quod  de  alter- 
utro  est,  quum  suam  explanaverit  optionem, 
ne  poenitentia  possit  ad  aliud  transire,  etiam 
satisdatione  cogetur  praecavere,  nisi  si  aeta- 
tis  invetur  auxilio.  Illud  quoque  pari  ratione 
servandum  est,  ut  te^tator,  qui  decreverit 
facere  testamentum,  si  id  implere  nequiverit, 
intestatus  videatur  esse  defunctus,  nee  tradu- 
cere  liceat  ad  fideicommissi  interpretationem, 
veluti  ex  codicillis  ultimam  voluntatem,  nisi 
si  id  ille  complexus  sit,  ut  vim  etiam  codi- 
ciilorum  scriptura  debeat  obtinere;  illo  iure 
electionis  videlicet  perdurante,  ut,  qui  ex 
testamento  agere  voluerit,  ad  fideicommissum 
migrare  non  possit.  Si  quis  vero  ex  paren- 
tibus  utriusque  sexus  ac  iiberis  usque  ad 
gradum  quartum  agnationis  vinculis  alliga- 
tus  vel  cognationis  nexu  constrictus  ad  ter- 
tium  usque  scriptus  heres  fuerit  vel  nuncu- 
patus,  in  eo  videlicet  testamento,  quod  tes- 
tator  vicem  quoque  codicillorum  voluit  obti- 
nere, licebit  ei,  si  de  hereditate  ex  testa- 
mento secundum  mortui  voluntatem  agens 
fuerit  forsitan  superatus,  vel  certe  ipse  sponte 
voluerit,  ad  fideicommissi  subsidium  convo- 
lare. Non  enim  par  eademque  ratio  videtur, 
amittere  debita  et  lucra  non  capere. 

1)  a)  P.  4,  3,  3.  Lex  Falcidia  itemque  Se- 
natusconsultum Pegasianum,  deducto  omni 
aere  alieno  deorumque  donis,  quartam  resi- 
duae  hereditatis  ad  heredes  voluit  pertinere. 


P.  1,  21,  4,     Quicquid  in  funus  erogatur, 
inter  aes  alienum  primo  loco  deducitur. 


Lex  Falcidia,  similiter  et  Pegasianum 
Senatusconsultum,  facta  hereditarii  debiti 
ratione  et  separatis  bis,  quae  in  honorem  Dei 
ecclesiis  relinquuntur,  quartam  hereditatis  ex 
Omnibus  ad  scriptum  heredem  censuit  per- 
tinere. 

Quicquid  in  sepultura  defuncti  expensum 
fuerit,  prius  quam  aliis  creditoribus  de  mor- 
tui hereditate  reddendum  est. 


430 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


p.  3,  2,4  b)  Wenn  nach  dem  Tode  des  Freigelassenen  der  Patron  oder  die  Kinder  des 
Patrons  gemäss  dem  Texte  des  Testaments  in  die  Hälfte  seiner  Erbschaft 
succediert  sein  werden,  sollen  sie  die  Schuld  des  Freigelassenen  nach  der 
Grösse  ihrer  Erbteile  entrichten. 

2)  Kollation. 

p.  5, 10, 4  a)  ^Wenn  emanzipierte  Kinder  in  dem  Testament  des  Vaters  übergangen 
gewesen  sein  werden  mid  sich  mit  den  übrigen  Brüdern  in  die  väterliche 
Erbschaft  werden  haben  mischen  wollen,  werden  sie  angehalten,  wegen  Ein- 
werfens  der  Sachen,  die  sie  zur  Zeit  der  Emanzipation  von  dem  Vater  em- 
pfangen haben  werden,  Bürgen  zu  stellen,  welche  dmxli  ihre  Bürgschaft 
versprechen  sollen,  dass  jene  Alles  zur  Teilung  einwerfen  werden.  Werden 
sie  Bürgen  dieser  Art  nicht  gegeben  haben,  so  werden  sie  angetrieben, 
unverzüghch  unter  Vermittlung  der  Fides  das  Einschiessen  aller  Sachen, 
die  sie  empfangen  haben,  zu  bewirken :  abgerechnet  jedoch  die  Sachen, 
die   sie  nachweislich  aus  dem  Peculium  castrense  haben.^ 

c.  4, 2, 1  b)  Wird  eine  Tochter  zur  Zeit  des  Eheschlusses  von  dem  Vater  dotiert  ge- 
wesen sein,  und  stirbt  darauf  der  Vater,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu 
haben,  so  soll  sie,  falls  sie  mit  Bezug  auf  das  übrige  Vermögen  des  Vaters  zu 
den  sonstigen  Geschwistern  ^als  gleichberechtigt^  hinzutreten  will,  die  Dos, 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  4,  d. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


b)  P.  3,  2,  4.  Patronus  vel  patroni  liberi 
•ex  parte  dimidia  heredes  instituti  aes  alienum 
liberti  pro  portionibus  exsolvere  coguntur. 


2)  a)  P.  5,  10,  4.  Emancipati  liberi  prae- 
teriti,  si  velint  se  miscere  paternae  heredi- 
tati  et  cum  his,  qui  in  potestate  remansei'int, 
communis  patris  dividere  hereditatem,  ante- 
quam  bonorum  possessionem  petant,  de  con- 
ferendo  cavere  cum  satisdatione  debebunt. 
Quod  si  satisdare  non  possunt,  statim  ex  fide 
bonorum  confusionem,  excepto  peculio  ca- 
strensi,  facere  cogendi  sunt. 


b)  C.  4,  2,  1.  Filia,  quae  dote  a  patre 
suscepta  matrimonio  sociata  est,  intestato 
patre  mortuo,  si  hereditatem  velit  adire  cum 
fratribus,  dotem,  quam  susceperat,  miscere 
cogatur  paternae  substantiae  atque  ita  in 
subeunda  hereditate  sociari  cum  fratribus. 


Si  liberto  mortuo  patronus  vel  patroni  filii, 
quum  secundum  paginam  testamenti  in  di- 
midia eins  hereditate  successerint,  debitum 
liberti  pro  portionum  suarum  quantitate 
restituant. 

Emancipati  filii,  si  patris  testamento  fu- 
erint  praetermissi  et  se  paternae  hereditati 
cum  reliquis  fratribus  miscere  voluerint,  de 
confundendis  rebus,  quas  a  patre  emanci- 
pationis  tempore  perceperint,  fideiussores  dare 
compelluntur,  qui  eos  omnia  divisioni  re- 
fusuros  sua  fideiussione  promittant.  Quod  si 
huiusmodi  fideiussores  non  dederint,  statim 
fide  media  confusionem  rerum  omnium,  quas 
acceperunt,  facere  compelluntur:  exceptis 
tamen  rebus,  quas  de  castrensi  peculio  ha- 
bere probantur. 

Filia,  si  tempore  nuptiarum  a  patre  fuerit 
dotata,  et  postea  pater  intestatus  moriatur, 
si  in  reliqua  patris  substantia  vult  cum  aliis 
fratribus  aequalis  accedere,  dotem^  vel  quic- 
quid  accepit  tempore  nuptiarum  hereditati 
paternae  cum  fratribus  dividendam  confun- 
dat.  Quod  si  noluerit,  sit  his,  quae  percepit, 
pro  sua  portione  contenta. 


Wirkung  des  Erwerbs  §  8. 


431 


^bez.  Alles  dasjenige^  was  sie  zur  Zeit  des  Eheschlusses  empfangen  liat,^ 
zur  Teilung  mit  den  Geschwistern  in  die  väterliche  Erbschaft  einwerfen.  Wird 
sie  es  nicht  gewollt  haben,  so  soll  sie  mit  demjenigen,  was  sie  empfangen 
hat,  zu  ihrem  Anteil  zufrieden  sein.^  Die  für  die  Tochter  dem  Schwieger-  c.5,  i,  5 
söhn  bestellte  Dos,  bez.  Alles  was  die  Tochter  zur  Zeit  des  Eheschlusses  em- 
pfangen hat,  sollen,  nachdem  der  Grossvater  ohne  Testament  gestorben  ist, 
die  Enkel  einschiessen,  derart  dass  sie  von  der  in  die  Erbschaft  ein- 
geschossenen Dos  zwei  Drittel  desjenigen  empfangen,  was  ihre  Mutter 
gehabt  haben  würde.  Werden  die  Enkel  nicht  haben  konferieren  wollen, 
^so  sollen  sie  sich  mit  denjenigen  Sachen,  die  zur  Zeit  des  Eheschlusses 
empfangen  worden  sind,  bez.  mit  der  blossen  Dos,  begnügen.^ 

3)  Erbteilung. 

a)  "^Wenn    wegen    Teilung    des    gemeinschaftlichen    Vermögens    zwischen    Ge-   p.  1,18,1 
schwistern  ein  Streit  schwebt,  wird  behufs  Teilung  der  Sache  nicht  mehr  als 
einmal  ein  Arbiter  zugewiesen,  um  unter  ihnen,  unter  Wahrung  der  BiUig- 

keit,  das  Gemeinschaftliche  zu  teilen.  Wird  der  von  dem  Judex  zugewiesene 
Arbiter  irgend  etwas  ungeteilt  gelassen  haben,  so  soll  in  gemeinsamem  Einver- 
ständnis nachher  ein  Teilungsmittler  erwählt  werden.* 

b)  Wird    der  Testator  einem    der  Erben  Geld,    das   er    in   seinem  Vermögen   p.  3, 8, 1 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

3)  So  sollen  sie,  die  bereits  in  fremder  Familie  geboren  sind,  sich  mit  dem  mütterlichen 
und  väterlichen  Vermögen  begnügen. 

4)  Ein  Arbiter  familiae  herciscundae  kann  nur  einmal  gegeben  werden:  demnach  soll 
bezüglich  desjenigen,  was  in  diesem  Verfahren  ungeteilt  geblieben  ist,  der  verlangte  Arbiter 
Communi  dividundo  teilen. 


C.  5,  1,  5.  Nepotes  ex  filia  avis  .  . 
mixtis  matrum  suarum  dotibus  avi  heredi- 
tatem  pro  rata  parte,  quam  lex  divalis  cen- 
suit,  cum  avunculis  partiantur;  nee  amplius 
his  quicquam  de  avitis  facultatibus  tribuatur, 
quam  legis  dudum  latae  sanctio  comprehen- 
dit,  scilicet  detracta  tertia  partis  eins,  quae 
eorum  matri,  si  dotem  iungeret,  debebatur. 
Si  vero  dotem  matris  miscere  noluerint,  ma- 
ternis  et  paternis  facultatibus  oportet  esse 
contentos,  quos  constat  alienae  iam  familiae 
esse  procreatos. 

3)  a)  P.  1,  18,  1.  Arbiter  familiae  hercis- 
cundae plus  quam  semel  dari  non  potest:  et 
ideo  de  his,  quae  divisa  eo  iudicio  non  sunt, 
communi  dividundo  arbiter  postulatus  par- 
tietur. 


b)  P.  3,  8,  1.     Per  praeceptionem  uni  ex 


.  .  quod  dotem  pro  filia  in  generum  fac- 
tam,  vel  quicquid  ipsa  filia  accepit  tempore 
nuptiarum,  post  mortem  avi  intestati  nepotes 
confundere  (iubet),  ita  ut  de  dote  in  here- 
ditatem  confusa  duas  partes  de  eo,  quod 
mater  eorum  erat  habitura,  percipiant:  aut, 
si  noluerint  confundere  nepotes,  sint  acceptis 
tempore  nuptiarum  rebus  vel  sola  dote  con- 
tenti. 


Pro  divisione  bonorum  communium  si 
quando  inter  fratres  intentio  vertitur,  divi- 
dendae  rei  non  plus  quam  semel  arbiter  de- 
putatur,  ut  inter  eos  quae  sunt  communia, 
habita  aequitate  distribuat.  Quod  si  deputa- 
tus  a  iudice  arbiter  indivisum  aliquid  dimi- 
serit,  communi  consensu  postea  qui  sit  divi- 
sionis  medius  eligatur. 

Si    testator    uni    ex   heredibus  pecuniam, 


432 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


nicht  zurückgelassen  hat,  zu  geben  verordnet  haben,  so  werden  die  Summen, 
die  in  dem  Legate  hinterlassen  worden  sind,  dem  Legatar  zur  Zeit  der 
Teilung  von  den  Miterben  entrichtet  werden.^ 

4)  Accrescenzrecht. 

p.  4, 8, 7  a)  Werden  viele  gesetzliche  Erben  hinterlassen  gewesen  sein  und  einige  derselben 
die  Erbschaft  anzutreten  verabsäumt  haben  oder  ^  nicht  haben  antreten 
wollen,'^  so  werden  die  Anteile  derjenigen,  die  anzutreten  ausser  Acht  ge- 
lassen haben  werden  oder  nicht  werden  haben  antreten  wollen,  den  gesetz- 
lichen Erben,  welche  angetreten  haben  werden,-^  erworben. 

p.  3,  2,  2  b)  Wenn  ein  Freigelassener  die  beiden  Patrone  zu  Erben  eingesetzt  haben  und 
einer  dieser  Patrone  bei  Lebzeiten  des  Freigelassenen  gestorben  gewesen 
sein  wird,  ^wird  dem  Patron,  welcher  übrig  bleibt,  was  er  beiden  hinter- 
lassen hatte,   zu  gehören.* 

5)  Lidignität. 

p.  3, 7, 10  a)  Wenn  der  eingesetzte  Erbe  irgend  etwas  gegen  den  letzten  Willen  des  Ver- 
storbenen getan  haben  wird,  wird  ihm  als  einem  Unwürdigen  die  Erbschaft 
entzogen:  vorausgesetzt  indessen,  dass  in  seinem  Testamente  nichts  gegen 
die  Gesetze^  enthalten  gewesen  sein  wird. 


1)  Sind  Per  praeceptionem  einem  der  Erben  Geldstücke,  die  er  zu  Haus  nicht  hatte, 
vermacht  worden,   so  werden   sie   von   den   Miterben   Officio   iudicis    mit  der  Actio  familiae 

.   herciscundae  geleistet  werden. 

2)  In  adeundo  aliqua  ratione  fuerint  impediti. 

3)  T  fügt  hinzu:  oder  deren  Erben. 

4)  Verlangt  der  Überlebende  mit  Grund  die  Bonorum  possessio  contra  tabulas. 

5)  In  fraudem  legis. 


heredibus  nummi  legati,  qui  domi  non  erant, 
officio  iudicis  familiae  herciscundae  a  cohe- 
redibus  praestabuntur. 

4)  a)  P.  4,  8,  7.  Ex  pluribus  heredibus 
iisdemque  legitimis,  si  qui  omiserint  heredi- 
tatem  vel  in  adeundo  aliqua  ratione  fa- 
erint  impediti,  his,  qui  adierunt  vel  eorum 
heredibus  omittentium  portiones  accres- 
cunt  .  . 

b)  P.  3,  2,  2.  Si  libertus  duos  patronos 
heredes  instituit  et  alter  eorum  vivo  liberto 
moritur,  is,  qui  superest,  contra  tabulas 
testamenti  bonorum  possessionem  recte  pos- 
tulat. 

5)  a)  P.  3,  7,  10.  Omnibus,  qui  contra  vo- 
luntatem  defuncti  faciunt,  ut  indignis  aufer- 
tur  hereditas,  si  nihil  testamento  in  fraudem 
legis  fuerit  cautum. 


quam  in  substantia  non  reliquit,  dari  prae- 
ceperit,  nummi,  qui  in  legato  relicti  sunt, 
legatario  tempore  divisionis  a  coheredibus 
implebuntur. 

Si  quando  multi  heredes  legitimi  fuerint 
derelicti  et  aliqui  eorum  hereditatem  prae- 
termiserint  vel  adire  noluerint,  portiones 
eorum,  qui  omiserint  vel  adire  noluerint,  his 
legitimis,  qui  adierint,  acquiruntur  .  . 

Si  libertus  duos  patronos  heredes  scripserit, 
et  unus  ex  ipsis  patronis  vivente  liberto  mor- 
tuus  fuerit,  ad  illum  patronum,  qui  super- 
est, quod  ambobus  dimiserat,  pertinebit. 

Heredi  scripto,  qui  aliquid  contra  ultimam 
defuncti  fecerit  voluntatem,  ut  indigno  aufer- 
tur  hereditas:  si  tamen  nihil  contra  leges 
in  eius  testamento  fuerit  comprehensum. 


Wirkung  des  Erwerbs  §  8. 


433 


b)  Wird  jemand    einen  Affinen    oder  Kognaten,    dem    er    selbst  Ab   intestato  p.  5, 13, 2 
folgen  sollte,  gehindert  haben,   ein  Testament  zu   machen,   oder  Mühe  auf- 
gewendet haben,   damit  es  rechtlich  keinen  Bestand  habe,  so  wird  ihm  als 

einem  Unwürdigen  die  Erbschaft  entzogen. 

c)  Wenn   der  Vater    oder  Herr   dasjenige   Testament,    in  welchem    sein  Sohn   p.  5, 13,  s 
oder  Sklave  zu  Erben  eingesetzt  worden  sind,  oder  aus  dem  sie  ein  Legat 
angenommen  haben,  als  falsch  bezeichnen  und  nicht  durchdringen,   ist  Raum 

für  den  Fiskus. 

d)  Dem  Alter  desjenigen,  welcher  ein  Testament  angreift,  pflegt,  wenn  er  nicht   p.  5, 13,  4 
durchdringt,   mit  Bezug   auf  das,   was   er   in   dieser  Weise   eingebüsst  hat, 

Hilfe  zu    teil    zu   werden,    besonders  wenn    auf   den  Rat  des   Tutors    oder 
Kurators  die  Klage  angestellt  worden  ist. 

e)  Hat    ein  eingesetzter  Erbe  einen  Substituten   und    wird  das  Testament  als   p.  4, 5, 10 
inoffiziös  bezeichnet  haben  und  damit  nicht  durchgedrungen    sein,    so  wird 

die  Erbschaft  nicht  dem  Fiskus,  sondern  dem  Substituten  zugehören. 

f)  Wird  derjenige,  welcher  von  dem  Verstorbenen  aufgefordert  worden  ist,  die  p.  4, 5, 9 
hinterlassene  Erbschaft  einem  Andern  auszuantworten,  wegen  der  Inoffiziositäts- 
querel  eine  Klage  angestrengt  haben,   so  wird,   was  fideikommissarisch  auf- 
getragen worden  ist,    demjenigen  herauszugeben,   welchem  es  herauszugeben 

ihm  geheissen  ist,  durchaus  nicht  hinfällig  werden.     Hingegen  verliert,  wer 


b)  P.  5,  13,  2.  Ei  (etiam)  velut  indigno 
aufertur  hereditas,  qui  affinem  vel  cognatum, 
cui  ipse  ab  intestato  successurus  erat,  testa- 
mentum  facere  prohibuit  aut  ne  iure  subsi- 
steret  operam  dedit. 

c)  P.  5,  13,  3.  Si  pater  vel  dominus  id 
testamentum,  quo  fihus  eins  vel  servus  here- 
des  instituti  sunt  aut  legatum  acceperunt, 
falsum  redarguant,  nee  obtineant,  fisco  lo- 
cus est. 

d)  P.  5,  13,  4.     Aetati   eius,   qui  accusat   ' 
testamentum,  si  non  obtineat,  succurri  solet 
in  id,  quod  ita  araisit:  maxime  si  tutoris  aut 
curatoris  consiHo  actio  instituta  sit. 

e)  P.  4,  5,  10.  Heres  institutus  haben s 
substitutum,  si  de  inofficioso  dixerit,  nee  ob- 
tinuerit,  non  id  ad  fiscum,  sed  ad  substi- 
tutum pertinebit. 

f)  P.  4,  5,  9.  Rogatus  hereditatem  resti- 
tuere,  etsi  inofficiosi  querelam  instituerit, 
fideicommisso  non  fit  iniuria:  quartam  enim 
solummodo  hereditatis  amittit,  quam  bene- 
ficio  Senatusconsulti  habere  potuisset. 


Conrat,  Breviarium. 


Si  is,  qui  a  defuncto  rogatus  est,  ut 
rehctam  hereditatem  alteri  restituat,  de  in- 
officiosi querela  instituerit  actionem,  id, 
quod  fideicommissum  est,  ut  redderet  ei, 
cui  reddere  iussus  est,  penitus  non  peribit: 
sed  ille,  qui  inofficiosi  querelam  proposuit, 
quartam,  quam  ex  fideicommisso  Senatus- 
consulti beneficio  erat  habiturus,  suo  vitio 
perdit. 

28 


434 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


die  Inoffiziositätsquerel  propoiiiert  hat,  um  seiner  Schuld  willen  die  Quart, 
die  er  nach  dem  Benefiz  des  Senatuskonsuits  aus  dem  Fideikommiss  hätte 
haben  sollen. 


P.  4,  5,  4 


C.  11,  14,  6 


Gr. 


P.  1,  13,  7 


IV.  Schutz  des  Erbrechts  §  g. 

1)  Hereditatis  petitio. 

a)  Derjenige,  welcher  ein  Testament  als  inoffiziös  nicht  bezeichnen  kann,  ist 
nicht  behindert,  die  Hereditatis  petitio  anzustrengen. 

b)  "■^Beweis  wird  nicht  von  dem  Besitzer,  sondern  von  der  Seite  des  Klägers 
erfordert:  jeglicher  Beweis  wird  von  demjenigen  verlangt  werden  müssen, 
der  die  beanspruchte  Sache  zu  erzielen  verlangt,  nicht  von  demjenigen,  der 
behauptet,  gerechtfertigtermassen  zu  besitzen:  abgerechnet  allein  den  Fall, 
wo  der  Besitzer  gefragt  werden  muss,  ^ob  er  aus  seiner  Person  oder  aus 
Succession  zu  besitzen  begonnen  haben  wird.^-  ^ 

c)  Man  war  der  Ansicht,  dass  die  Malae  fidei  possessores  die  vor  der  Litis- 
kontestation  gezogenen  Früchte  restituieren. 

d)  In  die  Petitio  hereditatis  fällt  dasjenige,  was  der  Verstorbene  zur  Zeit  des 
Todes  hinterlassen  hat,  bez.  dasjenige,  was  nach  dem  Tode  vor  Antritt  der 
Erbschaft  daraus  erworben  worden  ist. 


1)  Ob  er  Pro  possessoro  oder  Pro  berede  besitzt. 

2)  Vgl.  Drittes  Buch,  §  6,  1  a,  a. 


1)  a)  P.  4,  5,  4.  Qui  inofficiosum  dicere 
non  potest,  hereditateni  petere  non  prohi- 
betur. 

b)  C.  11,  14,  6.  Cogi  possessorem  ab  eo, 
qui  expetit,  titulum  suae  possessionis  edicere, 
quae  tanta  erit  amentia,  ut,  ratione  prae- 
postera,  petitor  ab  eo,  quem  pulsat,  infirmari 
suas  postulet  actiones,  quura  omnem  proba- 
tionem  exigi  oporteat  ab  eo,  qui  vindicare 
nititar,  non  ab  eo,  qui  se  iuste  teuere  con- 
tendit?  Intentanti  namque,  non  suscipienti, 
probationumnecessitasimponenda  est;  praeter 
eum,  qui  edicere  cogitur,  utrum  pro  X)Osses- 
sore  an  pro  berede  possideat. 

c)  Gr.  5,  1.  Fructus  ante  litom  contesta- 
tam  perceptos  malae  fidei  possessores  resti- 
tuere,  placuit. 

d)  P.  1,  13,  7.  In  petitione  hereditatis 
ea  veniunt,  quae  defanctus  mortis  tem- 
pore reliquit,  vel  ea,  quae  post  mortem 
ante  aditam  hereditatem  ex  ea  acquisita 
sunt. 


(Lex  ista  hoc  praecipit,)  ut  probatio  non 
a  possessore,  sed  a  petitoris  partibus  requi- 
ratur,  quia  omnem  probationem  ab  eo  quaeri 
debere  dicit,  qui  petitam  rem  desiderat  ob- 
tinere,  non  ab  illo,  qui  se  iuste  teuere  con- 
tendit;  praeter  illum  tan  tum  casum,  ubi  in- 
terrogari  necesse  est  possidentem,  utrum  ex 
sua  persona  an  ex  successione  coeperit  pos- 
sidere. 


Schutz  des  Erbrechts  §  9. 


435 


p.  1,11, 

1  U.  2 


e)  Der  Erbschaftbesitzer  ist  anzuhalten,   die  Preise  derjenigen  Sachen,   welche  p.  i,  i3, 
er  dolos  veräussert  hat,  mit  Zinsen  zu  erstatten. 

f)  Wenn  irgend  Jemand  die  Erbschaft  ^  zufolge  AVillens  des  Verstorbenen  oder 
nach  dem  Inhalt  des  Testaments^  besitzt  und  ein  Anderer  behauptet,  dass 
sie  ihm  geschuldet  sei,  verlangt  der  Kläger  mit  Grund,  dass  ihm  von  dem  Be- 
sitzer eine  Satisdation  gegeben  werde,  durch  welche  zugesagt  wird,  dass  alle 
Erbschaftssachen  bis  zu  dem  Ausgang  des  Verfahrens  unangetastet  bleiben 
werden.  Wird  der  aus  diesem  Anlass  verklagte  Besitzer  für  eine  Satis- 
dation dieser  Art  nicht  Sorge  getragen  haben,  so  werden,  nachdem  von 
dem  Kläger  ein  Bürge  gegeben  worden  ist,  die  Erbschaftssachen  auf  ihn 
übertragen.  Wird  jedoch  auch  nicht  der  Kläger  einen  Satisdator  gegeben 
haben,  so  wird  der  Besitz  bis  zu  dem  Ausgang  des  Prozesses  bei  dem 
Besitzer  verbleiben.^ 

g)  Zu  den  Aktionen,  welche  Perpetuae  gewesen  und  auf  einen  Zeitraum  von  n.v.  12,  i 
dreissig  Jahren  zurückgebracht  worden  sind,  gehört  die  Hereditatis  petitio, 
vorausgesetzt  indessen,  dass  sie  von  dem  Erblasser,  welchem  sie  zustand,  be- 
gonnen gewesen  sein  wird:  wenn  der  Erblasser  mit  Bezug  auf  das  Be-  p.  1, 13, 9 
anspruchen  einer  ihm  geschuldeten  Erbschaft  derart  Stillschweigen  in  Acht 
genommen  hat,  dass  er  keine  Actio  proponierte,  wird  sein  Erbe  von  dem 
Beanspruchen  dieser  Erbschaft  ausgeschlossen.^ 


1)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede, 

2)  T  fügt  hinzu:  in  pari  enim  causa  potior  est  possessor. 

3)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  5,  1  a,  aa. 


e)  P.  1,  13,  8.  Possessor  hereditatis  pre- 
tia  earum  rerum,  quas  dolo  alienavit,  cum 
usuris  praestare  cogendus  est. 

f)  P.  1,  11,  1  u.  2.  Quoties  hereditas  pe- 
titur,  satisdatio  iure  desideratur:  et  si  satis- 
datio  non  detur,  in  petitorem  hereditas  trans- 
fertur.  Si  petitor  satisdare  noluerit,  penes 
possessorem  possessio  remanet  .  . 


g) 


P.  1,  13,  9.  Petitio  hereditatis,  cuius  de- 
functus  litem  non  erat  contestatus,  ad  here- 
■dem  non  transmittitur. 


Si  quicunque  hereditatem  ex  defuncti  vo- 
luntate  aut  testamenti  conditione  possideat, 
quam  alter  sibi  debitam  esse  contendit,  pe- 
titor iure  postulat,  ut  ei  a  possessore  satis- 
datio detur,  quae  omnia  hereditaria  corpora 
salva  futura  esse  promittat,  usque  in  cogni- 
tionis  eventum.  Et  si  possessor  ex  hac  re 
conventus  huiusmodi  satisdationem  non  pro- 
viderit,  dato  a  petitore  fideiussore,  ad  eum 
hereditaria  corpora  transferuntur.  Si  vero 
nee  petitor  satisdatorem  dederit,  penes  pos- 
sessorem usque  ad  eventum  iudicii  possessio 
remanebit. 

N.  V.  12,  1.  .  .  Quae  (vero)  actiones  per- 
petuae fuerunt,  et  ad  tricennium  revocatae 
sunt,  .  .  id  est,  hereditatis  petitio,  si  tarnen 
ab  auctore,  cui  competebat,  fuerit  inchoata  .  . 

Si  auctor  de  petitione  hereditatis  sibi 
debitae  ita  silentium  gessit,  ut  nullam  pro- 
poneret  actionem,  heres  eius  ab  hereditatis 
ipsius  petitione  repellitur. 

28* 


436 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


2)  Interdictum  quorum  bonorum. 

^'  ^pr^'  ^  ^)  ^^^  verordnen,  dass  es  billig  sei,  dass  Alles,  was  der  Erblasser  bis  zu  dem 
letzten  Tage  seines  Lebens  innegehabt  haben  wird,  den  Erben  auf  ihre 
Anforderung  angewiesen  werden  müsse,  unter  Vorbehalt  der  Actio  für 
später  zu  Gunsten  desjenigen,  welchem  sie  zusteht. 


2)  a)  C.  4,  19,  1  pr.  Quid  iam  planius, 
quam  ut  heredibus  traderentur,  quae  in  ul- 
timum usque  diem  defuncti  possessio  vindi- 
casset,  etiamsi  quod  possit  tribui  de  proprie- 
tate  luctamen? 


lustum  esse  decernimus,  ut,  quodcunque 
auctor  usque  in  diem  vitae  suae  tenuerit, 
petentibus  heredibus  debeat  consignari,  illi 
postea,  cui  competit,  actione  servata. 


Viertes  Kapitel. 
Vermächtnisse  und  mortis  causa  donationes. 

I.    Wesen   und    Gegenstand    der    Vermächtnisse   §   lo. 

1)  Gegenstand, 
a)  Sachen. 

a)  Ein  Legat,  das  nicht  eine  bestimmte  Sache  betrifft,  hat  keine  Giltigkeit.        p.  3,  8, 12 

b)  Eine  jede  Sache  kann  durch  Fideikommiss  hinterlassen   werden,   also  ent-   g.  2, 7, 1 
weder  ein  Grundstück  oder  ein  Haus  oder  ein  Sklave  oder  Silber. 

c)  Ist  ein  Fundus  oder  ein  Sklave  vermacht  worden,   so  kommt  dem  Legatar  p.  3, 9,  is 
sowohl  das  Instrumentum  fundi,    als   auch  das  Peculium   des   Sklaven   zu. 

Zum  Instrumentum  gehört  dasjenige,  was  zum  Zwecke  des  Einsammelns  der  p.  3^  9, 20 
Früchte  angeschafft  worden  ist,  w^ie  Körbe,  Tröge,  Sicheln  für  die  Ernte  und  das 
Mähen,  sowie  Ölmühlen,  ferner  dasjenige,  w^as  mit  Bezug  auf  die  Bewahrung  p.  3,  9, 21 
der  Früchte  angeschafft  worden  ist,  wie  Fässer,  Tonnen,  Landwagen,  Nahrungs- 


la)  a) 
rei  sit,  . 

b) 


P.  3,  8,  12.     Legatum,  nisi  certae 
nullius  est  momenti. 


c)  P.  3,  9,  18.  Fundo  vel  servo  legato, 
tarn  fundi  instrumentum  quam  servi  pe- 
culium ad  legatarium  pertinet. 

P.  3,  9,  20.  Cogendorum  fructuum  causa 
comparata  instrumento  cedunt:  velut  corbes, 
alvei,  falces  messoriae  et  foenariae,  item 
molae  olivariae. 

P.  3,9,  21.  Conservandorum  fructuum 
causa  comparata  (instrumento  cedunt):  velut 
dolia,  cupae,  vehicula  rustica,  cibaria,  pistores, 
asini,  focariae:  item  ancillae,  quae  vestimenta 
rusticis  faciunt:  scotra  quoque  et  sutor  con- 
tlnebuntur. 


G.  2,  7,  1.  (Et)  singulae  quaecunque  res 
per  fideicommissum  dimitti  possunt,  hoc  est, 
aut  fundus   aut  domus  aut    mancipium    aut 


argentum. 


438 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


mittel,  Bäcker,  Esel,  Küchenmägde,  ingleichen  Sklavinnen,  die  den  Bauern  die 

Kleider  machen;  auch  Lederzeug  und  der  Schuster  werden  inbegriffen  sein, 
p.  3,  9, 19  Der  Gewinnung  von  Früchten  werden  diejenigen  zu  dienen  erachtet,  welche 

landwirtschaftliche  Arbeit  verrichten,  ferner  Sklavenaufseher,  und  Vögte  und 

Trifthüter,  ingleichen  Pflugochsen,  Pflüge,  zweizinkige  Karste  und  Hippen, 
p.  3, 9, 22  sowie  Getreide,  welches  zur  Aussaat  zurückgelegt  ist.    Auch  die  Frauen  der 

Arbeitsleute  gehören  zum  Instrumentum,  ingleichen  das  Vieh  nebst  seinen 
p.  3, 9, 23  Hirten,  was  zur  Düngung  angeschafft  ist.    Hingegen  ist  dasjenige,  was  mehr  zur 

Aufbewahrung  als  zum  Gebrauch  des  Paterfamilias  hierhin  verbracht  worden 
p.  3, 9, 24  ist,  unter  der  Bezeichnung  Instrumentum  nicht  inbegriffen.     Ingleichen  sind 

die  Frauen  derjenigen,    welche  Lohn  auszuzahlen  pflegen,    weder  unter   der 

Bezeichnung  Instructio  noch  unter  derjenigen  des  Instrumentum  inbegriffen, 
p.  3, 9, 25  Das  Instrumentum  für  Fischfang  und  Jagd  ist  nur  dann  in  dem  Instrumentum 

fundi  inbegriffen,  wenn  gerade  hieraus  der  Ertrag  des  Grundstücks  gewonnen 
p.  3, 9, 26  wird.     Ebenso  gehören  die  gewonnenen  Früchte  zu  dem  Instrumentum  fundi 

nur  dann,  wenn  sie  von  dem  Testator  auf  dem  Grundstück  konsumiert  zu 
p.  3, 9, 27  werden  pflegten.     Ist  ein  Fundus  cum  omni  instrumento  rustico  et  urbano 

et  mancipiis,  quae  ibi  sunt,  vermacht  worden,  so  werden  auch  die  Samen 
p.  3, 9,  28  und  Speisen    geschuldet  werden,   ferner   sowohl  Hausrat   als   auch    ehernes 


P.  3,  9,  19.  Quaerendorurn  fructuum 
causa  esse  videntur,  qui  opus  rusticum  faciunt, 
et  monitores  et  villici  et  saltuarii:  item  boves 
aratorii,  aratra,  bidentes  et  falces  putatoriae : 
frumentum  quoque   ad  sementem  repositum. 

P.  3,  9,  22.  Uxores  eorum,  qui  operantur, 
magis  est  ut  instrumento  cedant.  Pecora 
quoque  et  pastores  eorum,  stercorandi  causa 
comparata  (, instrumento  continentur). 

P.  3,  9,  23.  Ea  autem,  quae  custodiae 
magis  causa,  quam  ad  usus  patrisfamilias  eo 
delata  sunt,  instrumenti  nomine  non  conti- 
nentur. 

P.  3,  9,  24.  Uxores  vero  eorum,  qui  mer- 
cedes  praestare  consueverunt,  neque  instruc- 
tionis,  neque  instrumenti  appellatione  con- 
tinentur. 

P.  3,  9,  25.  Piscationis  et  venationis  in- 
strumentum ita  demum  instrumento  fundi 
continetur,  si  ex  his  maxime  fundi  reditus 
cogatur. 

P.  3,  9,  26.  Fructus  percepti  instrumento 
fundi  ita  demum  cedunt,  si  ibidem  absumi 
a  testatore  consueverant. 

P.  3,  9,  27.  Fundo  cum  omni  instrumento 
rustico  et  urbano  et  mancipiis,  quae  ibi  sunt, 
legato,  semina  quoque  et  cibaria  debebuntur. 

P.  3,  9,  28.  (Fundo  cum  omni  instru- 
mento rustico  et  urbano  et  mancipiis,  quae 
ibi  sunt,  legato,)  tarn  suppellex,  quam  aera- 


Wesen  und  Gegenstand  der  Vermächtnisse  §  10. 


439 


Geschirr,  ingleichen  8ilber  und  Kleider,  die  der  Paterfamilias  daselbst  zwecks 
seiner  Einrichtung  zu  halten  pflegt,  ebenso  diejenigen  Sklaven,  welche  dem 
Gebrauche    des    Paterfamilias    zu   dienen    pflegen,    ferner  Vögel    und  Vieh, 
die    zur  Herrichtung    von  Gastmählern    auf   dem    Grundstücke    angeschafft 
worden  sind,  mit  Ausnahme  derjenigen,  welche  daselbst  zur  Aufbewahrung 
niedergelegt  worden  sind.     Ist  ein  Fundus   cum  mancipiis   et  pecoribus  et  p.  3, 9, 31 
omni  instrumento  rustico  et  urbano  vermacht  worden,  so  gehört  das  Peculium 
des  Actor,  der  vor  dem  Testator  verstorben  ist,  wenn  es  aus  diesem  Grund- 
stücke  genommen  sein  ^Yird,    dem  Legatar.      War    ein    Fundus    cum  omni  p.  3, 9, 32 
instrumento   vermacht  worden,   so  gehört  der  Actor    oder  Kolone,   die   von 
einem  andern  Fundus  dahin  gesetzt  worden    sind,    dem  Legatar    nur  dann, 
wenn    ihn   der    Testator    zu    dem  Recht    dieses  Grundstücks    als    zugehörig 
wird    haben    betrachtet   wissen   wollen.     Ist    ein  Praedium   instructum  ver-   p.  3, 9, 34 
macht  worden,  so  fallen  Schmiede,  ingleichen  Zimmerleute,  Beschneider  und 
diejenigen,  welche  behufs  Ausstattung  des  Grundstücks  daselbst  verweilten, 
unter  das  Legat.    Ist  ein  Fundus  instructus  vermacht  worden,  so  werden  auch   p.  3,  9, 35 
Bücher  und  Bibliotheken,  die  sich  in  diesem  Fundus  befinden,  unter  das  Legat 
fallen.     Wird   irgend    Jemand  einen  Ager    cum    mancipiis    mittels  Legates   p.  3, 9, 36 
hinterlassen  haben,  so  wird,  wer  auch  immer  von  dort,  ^um  eine  Kunstfertig- 
keit zu  lernen,^  anderswohhi   versetzt  gewesen  sein  wird,  unter  den  andern 
Sklaven  dieses  Grundstücks  dem  Legatar  zugehören. 


1)  Studendi  gratia. 


raentum,  itemque  argentum  et  vestes,  quae 
ibi  paterfamilias  instruendi  gratia  habere 
solet,  debebuntur,  item  ea  mancipia,  quae 
usui  patrifamilias  esse  solent:  itemque  aves 
et  pecora,  quae  instruendarum  epularum 
gratia  in  fundo  comparata  sunt:  exceptis 
bis,   quae  ibi  custodiae   causa  deposita  sunt. 

P.  3,  9,  31.  Fundo  legato  cum  mancipiis 
et  pecoribus  et  omni  instrumento  rustico  et 
urbano,  peculium  actoris  ante  testatorem 
defuncti,  si  ex  eodem  fundo  fuerit,  magis 
placet  ad  legatarium  pertinere. 

F.  3,  9,  32.  Actor  vel  colonus  ex  alio 
fundo  in  eodem  constitutus,  qui  cum  omni 
instrumento  legatus  erat,  ad  legatarium  non 
pertinet:  nisi  eum  ad  ius  eius  fundi  testator 
voluerit  pertinere. 

P.  8,  9,  34.  Instructo  praedio  legato, 
fabri  ferrarii,  item  tignarii,  putatores  et  qui 
instruendi  fundi  gratia  ibidem  morabantur, 
legato  cedunt. 

P.  3,  9,  35.  Instructo  fundo  legato,  libri 
quoque  et  bibliothecae,  quae  in  eodem  fundo 
sunt,  legato  continebuntur. 

P.  3,  9,  36.     Servum   studendi   gratia  ex 


Si  aliquis  agrum  cum  mancipiis  per  lega- 


440 


Privatreclit.     Fünftes  Buch, 


P.  3,  9,  37 


P.  3,  9,  39 
P.  3,  9,  40 


P.  3,  9,  29 


P,  3,  9,  41 
P.  3,  9,  42 


d)  Ist  ein  ,Fimdus  ita  iit  possederat'  vermacht  worden,  so  gehören  städtische 
wie  ländHche  Sklaven,  ingleichen  Gold  und  Kleider,  die  zu  der  gleichen 
Zeit  sich  auf  dem  Grundstück  befinden,  dem  Legatar  zu. 

e)  Hat  ein  Paterfamlias  Instructa  domus  vermacht,  so  gehört  Alles,  was  er 
daselbst,  um  sich  dauernd  einzurichten,  gehabt  hat,  dem  Legatar;  ^ferner  das- 
jenige, wodurch  das  Haus  befestigter  oder  vor  Brand  sicher  gestellt  wird, 
die  Ziegel,  Spiegel  und  Vorhänge,  ingleichen  die  ehernen  Geschirre,  Betten, 
Kissen,  Polster,  Bänke,  Sessel,  Tische,  Schränke,  Prunktische,  Schüsseln, 
Gefässe,  Waschbecken,  Kandelaber,  Lampen  und  dergleichen,  in  welchem 
Stoffe  sie  auch  immer  ausgeführt  sind.^ 

f)  Ist  ein  Fundus  uti  optimus  maximusque  est  vermacht  worden,  so  werden 
Netze  zum  Fangen  der  Wildschweine  und  sonstige  Jagdinstrumente  in- 
begriffen sein,  welche  auch  zu  dem  Instrumentum  gehören,  wenn  der  Erwerb 
aus  dem  Fundus  zu  dem  grössten  Teile  in  der  Jagd  besteht. 

g)  Ist  ein  Haus  vermacht,  so  fällt  das  Bad  desselben,  welches  öffentlich  gewährt 
wird,  wenn  es  sonst  nicht  getrennt  wird,  unter  das  Legat.     Ist  Domus  cum 


1)  J  begleitet   den  Text  mit   der  Bemerkung:    Hie   de   domus    conversatione,   non   de 
villa  dicit. 


eodem  fundo,  qui  cum  mancipiis  fuerat  le- 
gatus,  alio  translatum  ad  legatarium  placuit 
pertinere. 

d)  P.  3,  9,  37.  Fundo  ita,  ut  possederat, 
legato,  mancipia,  tarn  urbana  quam  rustica, 
itemque  aurum  et  vestes,  quae  eodem  tem- 
pore in  fundo  comprehenduntur,  ad  legata- 
rium pertinent. 

e)  P.  3,  9,  39.  Quidquid  in  eadem  domo, 
quam  instructam  legavit  pateri'amilias,  per- 
petuo  instruendi  se  gratia  habuit,  legatario 
cedit. 

P.  3,  9,  40.  (Instructa  domo  legata,)  ea 
(legato  continentur),  quibus  domus  munitior 
vel  tuta  ab  incendio  praestatur:  tegulae,  spe- 
cularia  et  vela  (legato  continebuntur):  item 
aeramenta,  lecti,  culcitae,  pulvini,  subsellia, 
cathedrae,  mensae,  armaria,  delphicae,  pel- 
ves,  concliae,  aquimanilia,  candelabra,  lucer- 
nae  et  similia,  quacunque  materia  expressa. 

f)  P.  3,  9,  29.  Fundo  legato,  uti  optimus 
maximusque  est,  retia  apraria  et  cetera 
venationis  instrumenta  continebuntur,  quae 
etiam  ad  instrumentum  pertinent,  si  quaestus 
fundi  ex  maxima  parte  in  venationibus  con- 
sistat. 

g)  P.  3,  9,  41,  Domo  legata,  balneum 
eins,  quod  publice  praebetur,  nisi  alias  se- 
paretur,  legato  cedit. 

P.  3,  9,  42.     Domo   cum   omni    iure    suo. 


tum  reliquerit,  quicunque  exinde  discendi 
artificii  causa  alibi  translatus  fuerit,  inter 
alia  eins  fundi  mancipia  ad  legatarium  per- 
tinebit. 


Wesen  und  Gegenstand  der  Vermächtnisse  §  10. 


441 


omni  iure  suo,  sicut  instructa  est,  vermacht,  so  fallen  die  städtische  FamiUa, 
in  gleichen  Künstler,  Garderobiers,  Zimmerwärter  und  Wasserträger,  welche 
dem   Hause    dienen,    unter    das   Legat.     Ist  Alles   vermacht,    was    sich    im   p.  3, 9,  .s 
Hause   befindet,    so   fallen   die  Kautionen   der  Schuldner  und  die  Sklaven- 
rechnungen unter  das  Legat. 

h)  Sind  Mobilien  vermacht,  so  wird  Gold  oder  Silber  nicht  geschuldet,  es  sei   p.  3, 9, 44 
denn  dass   gezeigt  werden  kann,   dass  der  Testator  offenbar  auch  an  diese 
gedacht  hat. 

i)  Ist  eine  Gastwirtschaftseinrichtung  vermacht,   so  wird   dasjenige  geschuldet,   p.  3, 9, 45 
was    zum   Gebrauche    eines  Wirtes  bestimmt    ist,   wie  Gelasse,    in   die    der 
AYein    gegossen    wird;    auch  Speise-    und    Trinkgefässe   werden    geschuldet, 
während  die  Bedienung   hierfür  nicht  unter  das  Legat  fällt.     Ist   die  Ein-   p.  3, 9, 4ß 
richtung  eines   Arztes  vermacht,   so  fallen  Salben,   Pflaster  und  der  ganze 
Apparat  für  Zubereitung  von  Arzneimitteln,  ingleichen  mit  Eisen  beschlagene 
Geräte   unter  das  Legat.     Ist  die    Einrichtung   eines  Malers    vermacht,   so  P.  3, 9, 47 
werden    Farben,    Sclnvämme,    Kauterien   und   Getässe   für   Farbenmischung 
geschuldet  werden.     Ist  Bäckergerät  vermacht,  so  fallen  Siebe,  Esel,  Mühl-   p.  3,  9,4s 
steine   und  Sklaven,   die   die  Bäckerei  betreiben,  ingleichen   die  Maschinen, 
mittels  deren  das  Mehl  bearbeitet  wird,  unter  das  Legat.    Ist  eine  Badeein-  p.  3, 9, 49 


sicut  instructa  est,  legata,  urbana  familia, 
item  artifices  et  vestiarii  et  zetarii  et  aquarii 
eidem  domui  servientes,  legato  cedunt. 

P.  3,  9,  43.  Omnibus,  quae  in  domo  sunt, 
legatis,  cautiones  debitorum  rationesque  ser- 
vorum  legato  cedunt. 

h)  P.  3,  9,  44.  Mobilibus  legatis,  anrum 
vel  argentuni  non  debetur;  nisi  de  his  quoque 
manifeste  sensisse  testatorem  possit  ostendi. 

i)  P.  3,  9,  45.  Instrumente  cauponio  le- 
gato, ea  debentur,  quae  in  cauponis  usum 
parata  sunt:  velut  vasa,  in  quibus  vinum  de- 
t'unditur:  escaria  quoque  et  pocularia  vasa 
debentur.  Sane  ministri  earum  rerum  legato 
non  cedunt. 

P.  8,  9,  46.  Instrumento  medici  legato, 
collyria  et  emplastra  et  apparatus  omnis 
conficiendorum  medicamentorum,  itemque 
ferramenta  legato  cedunt. 

P.  3,  9,  47.  Instrumento  pictoris  legato, 
colores,  penicilli,  cauteria  et  teraperandorum 
colorum  vasa  debebuntur. 

P.  3,  9,  48.  Pistoris  instrumento  legato, 
cribra,  asini,  molae  et  servi,  qui  pistrinum 
excercent,  item  machinae,  quibus  farinae 
subiguntur,  legato  cedunt. 

P.  3,  9,  49.  Instrumento  balneatorio  le- 
gato, balneator  ipse  et  scamma  et  hypo- 
podia,    fistulae,    miliaria,    epistomia,    rotae 


442 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  9,  50 


P.  3,  9,  51 


P.  3,  9,  52 


P.  3,  9,  53 


richtung  vermacht,  so  fallen  der  Badewärter  selbst,  Bänke,  Fussbänke,  B.ÖhreD, 
Gefässe  zum  Wärmen  des  Wassers,  Hähne,  Schöpf bäder,  sowie  Zugvieh, 
mittels  dessen  Holz  hingebracht  wird,  unter  das  Legat.  Ist  Fischergerät- 
schaft vermacht,  so  werden  sowohl  Netze  als  auch  Schlingen  und  Harpunen 
und  Kähne,  auch  Haken  und  Sonstiges,  was  für  einen  Gebrauch  dieser  Art 
bestimmt  ist,  geschuldet. 

k)  Ist  Hausrat  vermacht,  so  werden  Kasten,  Schränke,  und  zwar  nicht  bloss 
für  Bücher,  oder  welche  für  Niederlegung  von  Kleidung  hergerichtet  sind, 
geschuldet  werden:  sondern  auch  sowohl  battistene  Gewänder,  als  auch 
Kristall-,  Silber-  und  Glasgefässe,  sowohl  zum  Speisen,  wie  zum  Trinken, 
und  Decken  fallen  unter  das  Legat. 

1)  ^Wird  Jemand  mittels  Testaments  irgend  Jemandem  als  Legat  ein  Grund- 
stück hinterlassen  haben,  so  wird  es  angesehen,  als  habe  er  auch  das  Land- 
haus hinterlassen.  Wird  Jemand  ein  Landhaus  hinterlassen  haben,  so  wird 
erachtet,  dass  er  auch  das  Grundstück  hinterlassen  habe.^ 
m)  "Sind  Sklaven  als  Legat  hinterlassen,  so  werden  sowohl  männliche  als  auch 
weibliche  geschuldet,  weil  unter  der  männlichen  Bezeichnung  auch  die 
Frauen  inbegriffen  sind:  sind  dagegen  Ancillae  vermacht,  so  gehören  die 
Sklaven  nicht  dazu.  Unter  der  Bezeichnung  von  Ancillae  sind  jedoch  sowohl 
Jungfrauen  als  auch  mündige  oder  unmündige  zu  verstehen,  mit  Ausnahme 
derjenigen,  welche  der  Testator  an  Pfandesstatt  gesetzt  haben  wird.''^ 


1)  Sind  Landhäuser  oder  Grundstücke  gesondert  vermacht  worden,  so  folgt  das  Eine 
dem  Andern. 

2)  Sind  Skkiven  vermacht  worden,  so  werden  auch  Ancillae  geschuldet  werden,  nicht 
umgekehrt.  Unter  der  Bezeichnung  der  Ancillae  werden  sowohlJungfrauen  als  auch  die  Kleinen 
der  Sklaven  begriffen,  mit  Ausnahme  derjenigen,  die  in  Fiducia  gegeben  worden  sind. 


aquariae,     iumenta    quoque,     quibus     ligna 
deferuntur,  legato  cedunt. 

P.  3,  9,  50.  Instrumento  piscatoris  legato, 
et  retia  et  nassae  et  fuscinae  et  naviculae; 
hami  quoque  et  cetera  eiusmodi  usibus 
destinata  debentur. 

k)  P,  3,  9,  51.  Supellectile  legata,  capsae, 
armaria,  non  solum  librorum,  aut  quae  vestis 
ponendae  gratia  parata  siut,  debebuntur:  sed 
et  byssina  et  crystallina  et  argentea  et  vitrea 
vasa,  tarn  escaria  quam  pocularia  et  vestes 
stratoriae  legato  cedunt. 

1)  P.  3,  9,  52.  Villis  vel  agris  separatim 
legatis,  alterum  alteri  cedit. 


m)  P.  3,  9,  53.  Servis  legatis,  ancillae 
quoque  debebuntur:  non  item  servi  legatis 
ancillis.  Sed  ancillarum  appellatione  tarn 
virgines  quam  servorum  pueri  continentur; 
iis  scilicet  exceptis,  quae  fiduciae  datae  sunt. 


Si  quis  per  testamentum  cuicunquo  legati 
titulo  agrum  reliquerit,  et  villam  reliquisse 
videtur.  Si  vero  villam  reliquerit,  et  agrum 
reliquisse  cognoscitur. 

Servis  legati  titulo  dimissis,  tarn  pueri 
quam  ancillae  debentur:  quia  masculorum 
appellatione  etiam  feminae  continentur. 
Ancillis  vero  legatis,  servi  non  continentur. 
Ancillarum  autem   appellatione  tarn  virgines 


Wesen  und  Gegenstand  der  Vermächtnisse  §  10. 


44::^ 


ii)  Sind  Servi  amanuenses  vermacht,    so  werden   Alle    geschuldet  werden,   die   p.  3, 9, 54 
Bedienung  sind.     Ob  Sklaven,   die   als  Jäger  oder  für  den  Vogelfang  an-   p.  3, 9, 55 
gestellt  sind,  zu  der  städtischen  Bedienung  gerechnet  werden,  ist  zweifelhaft 
geblieben  und  demnach  eine  Frage  der  Willensinterpretation:  wenn  sie  jedoch 
behufs   Herrichtung  täglicher   Mahlzeiten   gehalten   werden,   werden   sie  ge- 
schuldet.   Maultiertreiber  und  Institoren  werden  zu  der  städtischen  Bedienung   p.  b,  9, 56 
gerechnet,  ingleichen  Kücheneinkäufer  und  Garderobiers,  Kellermeister  und 
Kammerdiener,  Kassierer  und  Köche,  Kuchenbäcker,  Haarschneider,  Bäcker, 
Senftenträger,  Stallwirte. 

0)  Sind  Pecora  vermacht,  so  fallen  alle  Vierfüssler  darunter,    die  herdenweise   p.  3, 9, 57 
weiden.     Sind  Zugtiere  vermacht,    so  fallen   Ochsen   nicht   darunter.     Sind   p.  3, 9,58 
dagegen  Pferde  vermacht,  so  meinte  man,  dass  auch  Stuten  darunter  fallen : 
sind  aber  Schafe  vermacht,   so  fallen  die  Lämmer  nicht  darunter,  sie  seien   p.  3, 9. 59 
denn  jährig.     Ist   eine    Schafherde   vermacht,    so    sind    darunter    auch    die 
Böcke  inbegriffen.    Sind  Vögel  vermacht,  so  werden  Gänse,  Fasanen,  Hennen   p.  3, 9,  eo 
und  Vogelhäuser  geschuldet  werden.    Ob  auch  die  Fasanenwärter  und  Gänse- 
hirten, ist  eine  Frage  der  Willensinterpretation. 


n)  P.  3  9  54.  Servis  amanuensibus  le- 
gatis,  omnes,  qui  ex  conuersatione  urhana  et 
in  ministerio  fuerint,  debebuntur:  nisi  ex  bis 
aliqui  perpetuo  ad  opus  rusticuni  transferan- 
tur. 

P.  3,  9,  55.  Venatores  serui  uel  aucupes 
an  inter  urbana  ministeria  contineantiir,  du- 
bium  remansit:  et  ideo  uoluntatis  est  quae- 
stio.  Tarnen  si  instruendarum  quotidianarum 
epularum  gratia  habentur,  debentur. 

P.  3.  9,  56.  Muliones  et  institores  inter 
urbana  ministeria  continentur:  item  obsona- 
tores  et  vestiarii  et  cellararii  et  cubicularii 
et  arcarii  et  coqui,  placentarii,  tonsores,  pi- 
stores,  lecticarii,  stabularii. 

0)  P.  3,  9,  57.  Pecoribus  legatis,  quadru- 
pedes  omnes  continentur,  quae  gregatim 
pascuntur. 

P.  3,  9,  58.  lumentis  legatis,  boues  non 
continentur.  Equis  uero  legatis,  equas  quo- 
que  placuit  contineri.  Ovibus  autem  legatis, 
iigni  non  continentur  nisi  annuales  sint. 

P.  3,  9,  59.  Grege  ovium  legato,  arietes 
etiam  continentur. 

P.  3,  9,  60.  Avibus  legatis,  anseres,  pha- 
siani,  gallinae  et  aviaria  debebuntur.  An 
autem  phasianarii  et  pastores  anserum,  vo- 
luntatis  quaestio  est. 


quam  puberes  vel  impuberes  accipiendae 
sunt,  exceptis,  quas  testator  loco  pignoris  po- 
suerit. 

Servis    nmanuensibus    legatis,  omnes,  qui 
ad  manum  serviunt,  debebuntur. 


444 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  9,  61 


P.  3,  9,  62 


P.  3,  9,  63 


P.  3,9,  64 


P.  3,  9,  65 
P.  3,  9,  66 


P.  3,  9,  69 
P.  3,  9,  67 


p)  Sind  die  Süssigkeiten  vermacht,  so  werden  Mostsaft,  Defrut,  Met,  auch 
süsser  Wein,  Palmae,  carische  Feigen,  Wein  aus  getrockneten  Trauben  ge- 
schuldet werden.  Doch  ist  auch  hierin  eine  Frage  der  Willensinterpretation 
gelegen,  weil  sie  auch  in  der  Species  Früchte  inbegriffen  sein  können.  Sind 
Fruges  vermacht,  so  fallen  darunter  sowohl  Hülsenfrüchte  als  auch  Gerste 
und  Korn. 

q)  Ist  Kleidung  vermacht,  so  fällt  unter  das  Legat  dasjenige,  was  aus  Wolle 
und  Lein  gew^oben  ist,  in  gleichen  Seidenzeug  und  seidene  Gre  wänder,  vor- 
ausgesetzt jedoch,  dass  es  des  Bekleidens,  des  Verhüllens,  des  Umgürtens, 
des  Überdeckens  und  des  Überwerfens  halber  angeschafft  worden  ist.  Auch 
Pelze  w^erden  hierzu  gehören.  Ist  Männerkleidung  vermacht,  so  wird  nur 
dasjenige  geschuldet  werden,  was,  unter  Wahrung  des  Schamgefühls,  sich 
für  männlichen  Grebrauch  eignet;  auch  Decken  sind  in  diesem  Legat  in- 
begriffen. Ist  Frauenkleidung  vermacht,  so  wird. Alles  geschuldet  Averden, 
was  zum  Gebrauch  seitens  Frauen  gehört.  Ist  Wolle  vermacht  worden, 
so  fällt,  sei  es  ganz  frisch  abgeschorene  oder  gewaschene  oder  bunt- 
farbige gekämmte,  unter  das  Legat,  w^ährend  Purpur  oder  Gewebe,  bez. 
GarD,  in  dieser  Bezeichnung  nicht  inbegriffen  sind:  ist  Wolle  vermacht, 
so  werden  die  Kleider  nicht  geschuldet  werden.  Ist  weiblicher  Putz  ver- 
macht,   so    fällt    dasjenige   hierunter,    wodurch    eine  Frau    ausgestattet  und 


p)  P.  3,  9,  61.  Dulcibus  legatis,  sapa,  de- 
frutum,  inulsum,  dulce  etiam  vinum,  palmae, 
caricae,  uvae  passae  debebuntur.  Sed  in  hoc 
quoque  voluntatis  est  quaestio:  quia  et  in 
specie  pomorum  comprehendi  possunt. 

F.  3,  9,  62.  Frugibus  legatis,  tarn  legu- 
mina  quam  hordeum  et  triticum  continentuv. 

q)  P.  3,  9,  63.  Veste  legatu,  ea  cedunt, 
quae  ex  lana  et  lino  textasunt:  item  serica 
et  bombycina;  quae  tamen  induendi,  operi- 
endi,  cingendi,  sternendi  iniciendique  causa 
parata  sunt.  Pelles  quoque  indutoriae  con- 
tinebuntur. 

P.  3,  9,  64.  Veste  virili  legata,  ea  tan- 
tummodo  debebuntur,  quae  ad  usum  virilem, 
salvo  pudore,  attineat:  stragulo  quoque  huic 
legato  cedunt. 

P.  3,  9,  65.  Muliebri  veste  legata,  omnia, 
quae  ad  usum  muliebrem  spectant,  debe- 
buntur. 

P.  3,  9,  66.  Lana  legata,  sive  succida, 
sive  Iota  sit,  sive  pectinata,  sive  versicoloria, 
legato  cedat.  Purpura  vero  aut  stamen 
subtemenve  hoc  nomine  non  continentur. 

P.  3,  9,  69.  .  .  nee  lana  legata,  vesti- 
menta  debebuntur. 

P.  3,  9,  67.  Mundo  muliebri  legato,  ea 
cedunt,  per  quae  mundior  mulier  lautiorque 
efficitur:  velut  speculum,  conchae,  situli:  item 


Wesen  und  Gegenstand  der  Vermächtnisse  §  10. 


445 


geputzt   wird,    wie  Spiegel,    Büchscheii,  Urnen,   ingleichen  Kämme,   Salben 
und  Gef iisse,  in  welchen  sie  sich  befinden :  ebenso  Badestuhl  und  Sonstiges 
derart.     Sind    Schmuckgegenstände    vermacht,    so   fällt   dasjenige    darunter,   p.  3,9,  es 
wodurch   die  Frau    geschmückt  wurd,    wie    Ringe,    Ketten,    Haarnetze    und 
Sonstiges,  wodurch  Frauen  an  Hals,  Kopf  oder  Händen  geschmückt  werden, 
r)  Ist  Silber  vermacht,  so  Averden  lediglich  Klumpen  geschuldet  werden:    Ge-   p.  ;j,  o,  69 
fasse,  welche  durch  einen  besonderen  Namen  geschieden  werden,  fallen  nicht 
unter  das  Legat.     Sind  silberne   Gefässe  vermacht,    so  ist  Alles  dasjenige   p.  3, 9,  lo 
inbegriffen,    was    bestimmt    ist,    irgend    etwas    aufzunehmen,    sodass    sowohl 
Trink-  als  auch  Speisegef  ässe,  und  ingleichen  alles  Geschirr  geschuldet  werden, 
wie  kleine  Krüge,    Schalen,    Schüssel,    Pfefferfässer,   in  gleichen    Schnecken- 
behälter   sowie    Teller,    Kelche,    Becher   und    dergleichen.      Ist    Gold    ver-   p.  3, 9, 72 
macht,    so    sind    auch    die    eingeschlossenen    Gemmen,    ingleichen    Perlen 
und  Smaragde  im  Legat  inbegriffen;  doch  wird  es  richtiger  als  eine  Frage 
der   Willensinterpretation   angesehn:    denn    unbearbeitetes    Silber  wird    ge- 
schuldet, das  bearbeitete  ist  jedoch  unter  Schmuck  inbegriffen.!    Sind  silberne   p.  3,9,73 
Gefässe  vermacht  worden,  so  fallen  auch  die  eingefügten  Goldplatten  unter 
das  Legat.     Ist   das   Silber   für    den   Trinkgebrauch   vermacht   worden,    so   p.  3, 9, 74 
Avird  Alles  geschuldet  werden,  was  nach  Art  von  Trinkgefässen  angeschafft 
ist,  wie  Schalen,    Kelche,   Becher,    Krüglein,   Kenophorien   und  Büchschen. 


1)  J  begleitet  ■  den  Text  mit   den  Worten:   Ista  species  in  inferiore  parte  utilius  per 
se  evidentur  exposita  est. 


buxides,  unguenta  et  vasa,  in  quibus  ea  sunt: 
item  sella  balnearis  et  cetera  eiusmodi. 

P.  3,  9,  68.  Ornamentis  logatis,  ea  ce- 
dunt,  per  quae  ornatior  efficitur  mulier:  ve- 
luti  anuli,  catenae,  reticuli  et  cetera,  quibus 
collo  vel  capite  vel  manibus  mulieres  ornantur. 

r)  P.  3,  9,  69.  Argento  legato,  massae 
tantummodo  debebuntur:  vasa  enim,  quae  pro- 
prio nomine  separantur,  legato  non  cedunt  ,  . 

P.  3,  9,  70.  Vasis  argenteis  legatis,  ea 
omnia  continentur,  quae  capacitati  alicui 
parata  sunt:  et  ideo  tarn  potoria  quam  escaria, 
item  ministeria  omnia  debebuntur:  veluti 
urceoli,  paterae,  lances,  piperatoria;  cochle- 
aria  quoque,  itemque  trullae,  calices,  scyphi, 
et  bis  similia. 

P.  3,  9,  72.  Auro  legato,  gemmae  quoque 
inclusae,  itemque  margaritae  et  smaragdi 
legato  cedunt.  Sed  magis  est,  voluntatis  esse 
quaestionem:  infectum  enim  aurum  debetur: 
factum  ornamentorum  genere  continetur. 

P.  3,  9,  73.  Vasis  argenteis  legatis,  em- 
blemata  quoque  ex  auro  infixa  legato  cedunt. 

P.  8,  9,  74.  Argento  potorio  legato,  omnia, 
quae  ad  poculorum  speciem  comparata  sunt, 


446 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  9,  1 
P.  3,  9,  2 


p.  3, 9, 75  s)  Wird  ein  Wagen  mit  Geschirr  mittels  Legats  hinterlassen  gewesen  sein, 
so  werden  Kutsche  mit  Geschirr  und  Maulesel  geschuldet,  der  Treiber  aber 
nicht  geschuldet. 

p.  3, 9, 71  t)  Sind  Libri  vermacht  worden,  so  sind  darunter  Chartae,  Volumnia  oder 
Membranen  und  Philurae  inbegriffen.  Ingleichen  werden  Codices  geschuldet: 
unter  der  Bezeichnung  Libri  gehen  dagegen  keine  Volumnia  von  Chartae, 
sondern  ein  in  bestimmten  Grenzen  eingeschlossenes  Mass  von  Schrift. 

ß)  Niessbrauch. 

a)  Ein  Niessbrauch  kann  an  jedweder  Sache  vermacht  werden.  Der  Niess- 
braucli  an  einem  Wahnsinnigen,  an  einem  Kranken,  sowie  an  einem  Kinde 
wird  rechtsgiltig  hinterlassen,  indem  von  den  Genannten  der  Eine  Verstand 
bekommen,  der  Andere  genesen,  der  Dritte  w^achsen  kann. 

y)  Sonstiges. 

a)  Dem  Erben  kann  durch  Legatum  per  damnationem  auferlegt  werden,  irgend 
Jemandem  ein  Haus  zu  bauen  oder  ihn  von  einer  Schuld  zu  befreien, 
p.  3,  8, 10  b)  Sinendi  modo  können  sowohl  körperliche  Sachen  als  auch  solche,  die  Li  iure 
bestehen,  vermacht  werden,  weshalb  dem  Schuldner  dasjenige,  was  er  schuldet, 
rechtsgiltig  vermacht  wird. 
c)  Es  trägt  sich  zu,  dass  ein  Mann  der  Gattin  in  seinem  Testamente  die  Dos, 
welche  er  von  ihr  empfangen  hat,  als  Legat  hinterlassen  hat. 


P.  3,  8,  9 


P.  4,  1,  1 


debebuntur:   veluti  paterae,    calices,  scyphi, 
urceoH,  oenophoria  et  conchae. 

s)  P.  3,  9,  75.  Carruca  cum  iunctura  le- 
gata,  mulae  quoque  legatae,  non  mulio  vide- 
tur,  propter  quotidianam  loquendi  consuetu- 
dinem. 

t)  P.  3,  9,  71.  Libris  legatis,  chartae  Vo- 
lumina vel  membranae  et  philurae  continen- 
tur.  Codices  quoque  debentur:  librorum  enim 
appellatione  non  volumina  chartarum,  sed 
scripturae  modus,  qui  certo  fine  concluditur, 
aestimatur. 

[!■)  a)  P,  3,  9,  1.  UsusfrQctus  uniuscuius- 
que  rei  legari  potest  .  , 

P.  3,  9,  2.  Furiosi  et  aegrotantis  et  in- 
fantis  ususfructus  utiliter  relinquitur:  horum 
enim  alias  resipiscere,  alius  convalescere,  alius 
crescere  potest. 

y)  a)  P.  3,  8,  9.  Damnari  heres  potest,  ut 
aUcui  domum  exstruat  aut  aere  alieno  eum 
liberet. 

b)  P.  3,  8,  10.  Sinendi  modo  tarn  corpo- 
rales  res,  quam  quae  in  iure  consistunt,  le- 
gari possunt:  et  ideo  debitori  id,  quod  debet, 
recte  legatur. 

c)  P.  4,  1,  1.  Ab  uxore,  cui  vir  dotem 
praelegavit  .  . 


Si  carruca  cum  iunctura  per  legatum  di- 
missa  faerit,  carpentum  cum  iunctura  et  mulae 
debentur:  mulio  autem  non  debetur. 


Uxori  (,cui)  maritus  testamento  suo  dotera, 
quam  ab  ea  accepit,  legati  titulo  dereliquit  .  . 


Wesen  und  Gegenstand  der  Vermächtnisse  §  10. 


447 


2)  Erfordernisse  eines  Vermächtnisses. 
a)  Der  Honorierte. 

a)  Ein  Legat,   das  nicht  einer  bestimmten  Person   angetragen  wird,  hat  keine  p.  s,  8,  i2 
Giltigkeit. 

b)  Ein  Legatum  jiraeceptionis   kann   nur  einem   aus   der  Zahl   der  Erben  ge-   G.2, 5, 7 
geben  werden,   derart  dass   ihm  irgend  etwas    aus   der  Erbschaft  als  Prae- 
cipuum  hinterlassen   wird:    es  ereignet    sich,   dass  der  Gläubiger  eine   Res  p.  2,13,  i 
fiduciae,  die  er  von  dem  Schuldner  zu  Pfand  empfangen  haben  Avird,  einem 

der  Erben  unter  dem  Titel  eines  Legats  hinterlässt.^ 

c)  Einem  gemeinschaftlichen  Sklaven  kann  mit  der  Freiheit  und  ohne  die  Frei-   p.  3,  8, 3 
heit    ein   Legat  vermacht  werden,    und    das    ganze  Legat  wird    dann    dem 
Socius  des  Testators  erworben. 

d)  Den  Gottgeweihten,  Witwen,  Diakonissinnen  und  allen  geistlichen  Matronen 
wird  gestattet,  durch  Fideikommiss,  was  sie  gewollt  haben  werden,  der  Kirche, 
den  Bischöfen,  Priestern  oder  Diakonen  und  sämmtlichen  Klerikern  zu 
hinterlassen.^ 

ß)  Der  Onerierte. 

a)  Wenn   der  Mann   der  Ehefrau   in   seinem  Testamente  die  Dos,  die  er  von   p.  4, 1, 1 
ihr  empfengen  hat,   als  Legat   hinterlassen  hat,    wird   sie  nicht  gezwungen 


K.  M. 

5, 1, 2 


1)  Vgl.  S.  241  Aum.  2. 


2)  Vgl.  §  3,  3  ß,  d. 


2a)  a)  P.  3,  8,  12.  Legatum,  nisi  .  .  ad 
certam  personam  deferatur,  nullius  est  mo- 
menti. 

b) 


P.  2, 13,  1.  Si  ereditor  rem  fiduciae  datam 
uni  ex  lieredibus  vel  extraneo  legaverit  .  . 

c)  P.  3,  8,  3.  Communi  servo  cum  liber- 
tate  et  sine  libertate  legari  potest:  totumque 
legatum  socio  testatoris  acquiritur. 

d)  N.  M.  5,  1,  2.  .  .  ut,  sive  vidua,  sive 
diaconissa,  sive  virgo  Deo  dicata,  vel  sancti- 
monialis  mulier,  sive  quocunque  alio  nomine 
religiosi  honoris  vel  dignitatis  femina  nuncu- 
petur,  .  .  ecclesiae,  vel  martyrio,  vel  clerico, 
vel  monacho,  vel  pauperibus  aliquid  .  .  cre- 
didit  relinquendum,  id  modis  omnibus  ratum 
firmumque  consistat  .  . 

{i)  a)  P.  4,  1,  1.  Ab  uxore,  cui  vir  dotem 
praelegavit,  fideicoramissum  relinqui  non  po- 
test: quia  non  ex  lucrativa  causa  testamento 
aliquid  capit,  sed  proprium  recipere  videtur. 


G.  2,  5,  7.  Praeceptionis  (vero)  legatum 
non  nisi  uni  ex  lieredibus  dari  potest,  ut  ali- 
quid ei  ex  hereditate  praecipuum  relinqua- 
tur  .  , 

Si  ereditor  rem,  quam  a  debitore  pignori 
acceperit,  uni  ex  lieredibus  .  .  legati  titulo 
derelinquat  .  . 


Sanctimonialibus,  viduis,  diaconissis  om- 
nibusque  religiosis  matronis  .  .  permittitur, 
ut  .  .  fideicommisso  . .,  quod  voluerint,  eccle- 
siae, episcopis,  presbyteris  vel  diaconibus  et 
Omnibus  clericis  relinquendi  habeant  potes- 
tatam  .  . 


Uxori,  cui  maritus  testamento  suo  dotem, 
quam  ab  ea  accepit,  legati  titulo  dareliquit, 
ex  ea  fideicommissum,  hoc  testator  si  iubeat, 
dare  non  cogetur:  quia  non  de  mariti  bonis 
aliquid  consequitur,  sed  quod  dederat,  rece- 
pisse  videtur. 


448 


Privatreclit.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  8,  4 


G.  2,  7,  8 


G.  2,7,  8 


G.  2,  7,  8 
G.  2,  7,  2 

G.  2,  7,  3 


werden,  aus  derselben  ein  Fideikommiss,  das  der  Erblasser  anordnet,  zu  ge- 
währen, weil  sie  nicht  aus  dem  Vermögen  des  Gatten  irgend  etwas  erzielt, 
sondern  dasjenige  zurückempfangen  zu  haben  erachtet  wird,  was  sie  ge- 
geben hatte.  ^ 

b)  AVenn  Jemand  seinem  Erben  aufgetragen  haben  wird,  der  Erbe  dessen,  an 
welchen  er  sich  gewendet  haben  wird,  solle  zahlen,  darf  diese  Bedingung 
keine  Giltigkeit  haben,  weil  es  unsicher  ist,  wen  derjenige,  der  als  Erbe 
hinterlassen  wird,  zum  Erben  wird  haben  wollen.^  Hingegen  wird  ein  Fidei- 
kommiss  an  denjenigen,  dem  irgend  etwas  hinterlassen  worden  ist,  nach  dem 
Tode  des  Erben  gelangen  können,  wenn  die  Bedingung  des  Testaments 
derart  gewesen  sein  wird. 

Ein  Legat  kann  in  der  Weise  nicht  hinterlassen  werden,  dass  es 
an  denjenigen,  welchem  irgend  etwas  hinterlassen  worden  ist,  nach 
dem  Tode  des  Erben  wird  gelangen  können:  hingegen  kann  auch 
nach  dem  Tode  des  Erben  ein  Fideikommiss  demjenigen,  welchem  es 
hinterlassen  worden  ist,  gegeben  werden. 

c)  Durch  einen  Legatar  kann  einem  Andern  ein  Legat  nicht  hinterlassen 
werden,  aber  ein  Fideikommiss  kann  es.  Einem  Fideikommissar  selbst 
kann  ein  Fideikommiss  an  einen  Andern  aufgetragen  werden. 

Auch  einem  Legatar  kann  zwar  kein  Legat,  wohl  aber  ein  Fidei- 
kommiss aufgetragen  werden. 


1)  Vgl.  Viertes  Buch,  §  2,  3,  b,  aa. 

2)  Nach  dem  Tode  des  Erben  kann  nicht  legiert  werden,  weil  nichts  von  dem  Erben 
des  Erben  hinterlassen  werden  kann. 


b)  P.  3,  8,  4.  Post  mortem  heredis  legari 
non  potest:  quia  nihil  ab  berede  heredis  re- 
linqui  potest. 


c) 


(Constitutum  est,)  ut,  si  quis  heredi  suo 
iniunxerit,  ut  eins  heres,  cui  dixerit,  solvat, 
haec  conditio  valere  non  debeat:  quia  ille, 
qui  heres  relinquitur,  quem  sit  heredem  habi- 
turus,  incertum  est. 

G.  2,  7,  8.  .  .  Fdeicommissum  ad  eum, 
cui  aliquid  dimissum  est,  berede  mortuo  po- 
terit  pervenire,  si  talis  fuerit  conditio  testa- 
menti  .  . 

G.  2,  7,  8.  .  .  (Fideicommissum)  ad  eum, 
cui  aliquid  dimissum  est,  berede  mortuo  po- 
terit  pervenire  .  .  (nam)  legatum  ita  relinqui 
non  potest  .  .  etiam  post  mortem  heredis 
fideicommissum  ei,  cui  relictum  est,  dari 
potest  .  . 

G.  2,  7,  8.  .  .  per  legatarium  legatum 
alteri  relinqui  non  potest,  sed  fideicommis- 
sum potest  .  . 

G.  2,  7,  2.  Ab  ipso  fideicommissario  al- 
teri fideicommissum  dimitti  potest. 

G.  2,  7,  3.  Et  a  legatario,  licet  legatum 
dimitti  non  possit,  fideicommissum  potest  .  . 


Arten  der  Vermächtnisse  §  11. 


449 


d)  Wenn    Jemand,    der  ein  Testament  macht,    dem    Erben  auferlegt,   zu    der  p.  3, 8, 5 
Zeit,    dass  der  Erbe  selbst  stirbt,  dem  Legatar   das  Legat  auszuantworten, 

ist  das  Legat  giltig.i    Auch   ,am   Tage  vor  seinem   Tode^   Avird  rechtsgiltig  p.  4, 1, 11 
hinterlassen  zu  sein  erachtet. 

e)  Ein   Posthumus,    der   zum  Erben    eingesetzt  worden    ist,    kann   mit   einem   p.  4,  i,a 
Fideikommiss  beschwert  werden. 

f)  Der  Imperator,  der  zum  Erben  eingesetzt  worden  ist,  kann  mit  einem  Legat  p.  4,  1,  3 
und  mit  einem  Fideikommiss  beschwert  werden. 

g)  Wenn   ein  Tauber  oder   ein  Stummer  von   einer  beliebigen  Person   mittels   p.  4, 1, 4 
Testaments    zum  Erben    eingesetzt    gewesen    oder  ihr  Ab   intestato    gefolgt 

sein  werden,  werden  sie,  falls  sie  entweder  durch  das  Testament  oder  inner- 
halb der  gesetzlichen  Zahl  mittels  Fideikommiss  etwas  geben  zu  müssen 
angewiesen  gewesen  sein  werden,  angehalten,  es  unter  allen  Umständen  zu 
geben.2 


IL  Arten  der  Vermächtnisse  §  ii. 

1)  Legatum. 

a)  Im  allgemeinen  (vgl.  §  10).  g.  2, 7, 8 

a)  Ein  in  einem  Kodizill  hinterlassenes  Legat  hat  keine  Giltigkeit,  es  sei  denn, 

dass  die  Kodizille  im  Testament  ])estätigt  gewesen  sein  werden.  p.  3, 8,  2 

b)  Vor  der  Erbeseinsetzung  kann   ein  Legat  nicht  gemacht  werden;  zwischen 


1)  T  spricht  von  Legat  In  mortis  tempus  tarn  suae  quam   heredis  eins  und  hat  dabei 
den  Tod  von  Legatar  und  Erben  im  Auge. 

2)  Vgl.  S.  175  Anm.  1. 


d)  P.  3,  8,  5.  In  mortis  tempus,  tam  suae, 
quam  heredis  eins  legata  contirmari  possunt, 
hoc  modo:  Lucio  Titio,  quum  moritur,  do 
lego  aut  heres  mens  dare  damnas  esto. 

P.  4,  1,  11.  .  .  Et  ideo  etiam  pridie,  quam 
moriatur,  recte  relictum  videtur. 

e)  P.  4,  1,  2.  A  posthumo  herede  instituto 
fideicommissum  dari  potest. 

f)  P.  4,  1,  3.  Ab  imperatore  herede  insti- 
tuto legatum  et  fideicommissum  dari  potest. 

g)  P.  4,  1,  4.  A  surdo  vel  muto,  sivc  le- 
gatum acceperit,  sive  heres  institutus  sit,  vel 
ab  intestato  successerit,  fideicommissum  re- 
linquitur. 


laj  a) 


b)  P.  3,  8,  2,     Ante  heredis  institutionem 
Conrat,  Breviavium, 


Si  quis  faciens  testamentum  iniangat  he- 
redi,  ut  tempore,  quo  ipse  heres  moritur, 
legatum  legatario  tradat,  valet  legatum. 


Si  a  quocunque  per  testamentum  surdus 
aut  mutus  heres  fuerint  instituti,  aut  ab  in- 
testato fortasse  successerint;  si  quid  aut  per 
testamentum  aut  per  legitimum  numerum 
fideicommissi  nomine  ut  dare  debeant,  fuerint 
delegati,  id  dare  omnimodis   compelluntur. 

G.  2,  7,  8.  .  .  (Item)  legatum  per  codi- 
ciilum  relictum  non  valet,  nisi  codicilli  tes- 
tamento  fuerint  confirmati  .  . 


29 


450 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


N.Th. 
9,1,8 


G.  2,  5  pr. 


G.2,  5,  1 


P.  3,  8,  6 


G.2,  5,1 


G.2,  5,  1 


Erbeseiiisetziuigen  kann  es,   sei  es  dass  einer  der  beiden,   sei  es  dass  beide 
antreten. 

c)  Da  ja  bereits  gestattet  ist,  in  griechischer  Sprache  zu  testieren,  soll  es  erlaubt 
sein,  auch  Legate  mit  griechiscten  AVorten  in  den  Testamenten  zu  hinter- 
lassen, sodass  derart  hinterlassene  Legate  erachtet  werden,  als  wenn  sie  der 
Testator  mit  Legitima  verba  verordnet  hätte.  ^ 

d)  Es  giebt  vier  Arten  von  Legaten,  Yindicationis,  Damnationis,  Sinendi  modo 
und  Praeceptionis. 

ß)  Yindicationis  legatum. 

a)  Ein  Vindicationis  legatum  ist,  wenn  der  Erblasser  folgendermassen  geredet 
gehabt  haben  Avird:  ,Illum  servum  tibi  do  oder  lego,  bez.  illam  rem  tibi 
praesume,  habe,  vindica'.  Der  Legatar  nimmt  es  nach  dem  Tode  des 
Testators  unverzüglich,   ohne  den  Erben  abzuwarten,  für  sich  in  Anspruch. 

Ein  Vindicationis  legatum  ist  dasjenige,  welches  der  Legatar,  ohne 

den  Erben  abzuwarten,  in  Anspruch  nimmt, 
aa)  Wird   der  Legatar  das  Vindicationis  legatum  in  Anspruch  genommen 

haben,    so  kann   er  nicht  wegen   des  beanspruchten   Legats  von   dem 

Erben  Anfechtung  erleiden, 
bb)  Wird   die  Sache,    welche   vermacht  worden  ist,    eine   fremde   gewesen 

sein,  so  wird  der  Legatar  sie  nicht  von  dem  Erben  verlangen  können. 


11  Vd.  S.  59  Anm.  1. 


legari  non  potest:  inter  medias  heredum  in- 
stitutiones,  sive  alter,  sive  uterque  adeat, 
potest  .  . 

c)  N.  Th.  9,  1,  8.  .  .  quoniam  Graece  iam 
testari  concessum  est,  legata  quoque  .  .  Graecis 
verbis  liceat  in  testamentis  relinquere,  ut  ita 
(vel)  legata  relicta  .  .  videantur,  ac  si  legiti- 
mis  verbis  ea  testator  dari  .  .  iussisset  .  . 


ß)  a) 


aa) 


bb) 


G.  2,  5  pr.  Legatorum  genera  sunt  qua- 
tuor,  vindicationis,  damnationis,  sinendi 
modo,  et  praeceptionis, 

G.  2,  5,  1.  Vindicationis  legatum  est,  si 
testator  eic  locutus  fuerit;  lllum  servum  tibi 
do,  aut  lego:  vel,  illam  rem  tibi  praesume, 
habe,  vindica.  Quod  post  mortem  testatoris 
statim  legatarius,  non  exspectato  berede,  sibi 
praesumit  .  . 

P.  3,  8,  6.  .  .  legatum  vindicationis  (,id) 
est,  quod  non  exspectato  berede  legatarius 
praesumit  .  . 

G.  2,  5,  1.  Vindicationis  legatum  .  . 
legatarius  .  .  Quam  si  praesumserit,  nee  pro 
praesumto  legato  ab  berede  potest  calum- 
niam  sustinere  .  . 

G.  2,  5,  1.  .  ,  nee,  si  aliena  res  fu- 
erit, quae  legata  est,  legatarius  hoc  poterit 
ab  berede  petere  .  . 


Arten  der  Vermächtnisse  § 


§  11. 


451 


Per  vindicationem  kann  eine  fremde  Sache  nicht  hinterlassen  werden,    g.  2, 5, 3 
cc)  Dass  Sachen,  die  in  Natur  nicht  vorhanden  sind,  hinterlassen  werden,   G-s,  5,  3 
kann  bei  dem  Legatum   vindicationis  nicht   geschehen,   weil  jene   der 
Legatar  nach  dem  Tode  des  Testators  nicht  unverzüglich  in  Anspruch 
nehmen   kann. 

b)  Ein  Legatum  vindicationis  soll,  wenn  es  auch  nicht  in  Anspruch  genommen  p.3,8, 6 
worden  ist,  von  dem  Erben  des  Legatars  in  Anspruch  genommen  werden.^ 

c)  Ein  Niessbrauch  wird  Per  vindicationem  Ipso  iure  begründet  werden.  p.  3, 9, 1 

Y)  Per  damnationem 


legatum. 

a)  Ein  Legat,  das  Per  damnationem  hinterlassen  worden  ist,  ist,  wenn  dem 
Erben  geheissen  worden  ist,  etwas  als  Legat  zu  geben."  Per  damnationem 
wird  in  der  Art  das  Legat  hinterlassen,  dass  der  Testator  in  dem  Testament 
schreibt:  ,Tu  heres  meus  illi  hoc  da^  oder  ,illud  illi  ab  berede  meo  dari 
iubeo^  In  dieser  Legatsart  können  mittels  Legates  auch  fremde  Sachen 
hinterlassen  werden,  wobei  der  Erbe  nötig  hat,  entweder  diejenige  Sache, 
welche  fremden  Rechtes  ist,  anzukaufen  und  dem  Legatar  auszuantworten, 
oder,  wenn  derjenige,  welchem  die  Sache  gehört,  nicht  wird  haben  verkaufen 
wollen,  soviel  als  jene  Sache  wert  sein  wird,  dem  Legatar  in  Geld  zu  vergüten. 


1)  T  fügt  hinzu,    dass  der  Tod  des  Legatars  Post  apertas  tabulas  und  vor  dem  Erb- 
schaftsantritt geschieht.  2)  T  giebt  keine  Beschreibung  des  Legats. 


P.  1, 19, 1 
Gr.  2,  5,  2 


cc) 


b)  P.  3,  8,  6.  Per  vindicationem  legatum, 
elsi  nondum  constituerit  legatarius  ad  se 
pertinere,  atque  ita  post  apertas  tabulas 
ante  aditam  hereditatem  decesserit,  ad  here- 
dem  suum  transmittit. 

c)  P.  3,  9,  1.  Ususfructus  .  .  ipso  iure 
constituetur  .  .  per  vindicationem. 

y)  a)  P.  1,  19,  1.  .  .  legati  per  damna- 
tionem relicti. 


G.  2,  5,  3.  .  .  per  vindicationem  res 
aliena  relinqui  non  potest. 

G.  2,  5,  3.  .  .  (Illae  etiam)  res,  quae 
in  rerum  natura  non  sunt  (,per  damnationem 
le^ato)  dimitti  (possunt),  .  .  (quod)  in  legato 
vindicationis  fieri  non  potest;  quia  non  potest 
haec  legatarius  testatore  mortuo  continuo 
vindicare. 

(Constitutum  est,)  ut  legatum  vindicationis 
.  .  etiam  non  praesumtum  a  legatarii  berede 
praesumatur. 


.  .  legati  per  damnationem  relicti  (,id)  est, 
si  quid  heres  legati  titulo  dare  iussus  est  .  . 

G.  2,  5,  2.  Per  damnationem  isto  ordine 
legatum  dimittitur,  ut  testator  in  testamento 
scribat:  Tu  heres  meus  illi  hoc  da:  aut,  illud 
illi  ab  berede  meo  dari  iubeo.  In  quo  genere 
legati  etiam  alienae  res  per  legatum  dimitti 
possunt.  Et  necesse  est  heredi,  aut  redimere 
eam  rem,  quae  iuris  alieni  est,  et  legatario 
tradere;  aut  si  is,  cuius  est  res,  vendere  no- 
luerit,  quantum  res  illa  valebit,  legatario  in 
pretio  compensare  .  . 

29* 


452 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


G.  2,  5,  3 


G.  2,  7,  6 


G.  2,  5,  2 


P.4,1,8 


Zwischen  dem  Damnationis  legatum  und  Yindicationis  legatum  ist 
dieser  Unterschied,  dass  Per  vindicationem  eine  fremde  Sache  nicht 
hinterlassen  werden  kann,  Per  damnationem  hingegen  wohl. 

Wenn  eine  fremde  Sache  mittels  Fideikommiss  hinterlassen  wird, 
ist  es  für  den  Erben  oder  Legatar  nötig,  diejenige  Sache,  welche 
mittels  Fideikommiss  hinterlassen  worden  ist,  entweder  anzukaufen 
und  dem  Fideikommissar  zu  geben,  oder  den  Preis  für  diese  Sache, 
für  wieviel  sie  geschätzt  gewesen  sein  wird,  dem  Fideikommissar  zu- 
zuzählen, wie  wir  gesagt  haben,  dass  es  bei  dem  Damnationis  legatum 
geschieht. 

b)  Wird  der  Testator  eine  fremde  Sache,  die  er  für  die  eigene  hält,  in  dieser 
Art  als  Legat  hinterlassen  haben,  so  kann  der  Legatar  sie  nicht  von  dem 
Erben  verlangen  und  ist  das  Legat  ungiltig:  wenn  er  hingegen  wissentlich 
eine  fremde  Sache  mittels  Legates  gegeben  haben  wird,  ist  nötig,  dass 
von  dem  Erben  entweder  die  Sache  selbst  oder  den  Schätzungswert  der 
Sache  in  Geld  dem  Legatar  gegeben  werde. 

W^enn  Jemand  mittels  Fideikommiss  eine  fremde  Sache  um  des- 
willen hinterlassen  haben  wird,  weil  er  sie  für  die  seine  hielt,  während 
er  sie  unter  keinen  Umständen  hinterlassen  haben  würde,  wenn  er 
gewusst  hätte,  dass  sie  fremd  ist,  kann  nicht,  ^  wie  auch  bei  den  Legata 


b) 


P.  4,  1,  8.  Si  alienam  rem  tanquam  suam 
testator  per  fideicommissum  reliquerit,  non 
relicturus,  si  alienam  scisset,  ut  solet  lega- 
tum, ita  inutile  erit  fideicommissum. 


G.  2,  5,  3.  (Ceterum)  inter  damnation's 
legatum  et  vindicationis  hoc  interest,  quod 
per  vindicationem  res  aliena  relinqui  non 
potest;  per  damnationem  (eo  pacto,  quo  supe- 
rius  comprehensum  est,)  potest  .  . 

G.  2,7,  6.  Quum(autem) aliena  res  per  fidei- 
commissum relinquitur,  necesse  est  heredi 
vel  legatario  rem  illam,  quae  per  fideicom- 
missum est  relicta,  aut  redimere  et  fideicom- 
missario  dare,  aut  pretium  eins  rei,  quantum 
aestimata  fuerit,  fideicommissario  numerare, 
sicut  in  damnationis  legato  fieri  diximus. 

G,  2,  5,  2.  .  .  (Sed)  si  testator  rem  alie- 
nam quasi  suam  credens,  per  hoc  genus  le- 
gatum reliquerit,  legatarius  hoc  ab  herede 
petere  non  potest,  et  inutile  est  legatum. 
Nam  si  sciens  alienam  esse,  per  legatum  de- 
derit,  necesse  est  ab  herede  aut  ipsam  rem 
aut  aestimationem  rei  in  pretio  legatario 
dari. 

Si  quis  per  fideicommissum  rem  alienam 
ideo  reliquerit,  quia  suam  esse  credebat,  non 
utique  dimissurus,  si  scisset  alienam,  sicut 
et  in  legatis  damnationis  constitutum  est, 
non  potest  propter  hoc  heres,  cuius  fidei 
commissum  est,  retineri. 


Arten  der  Vermächtnisse  §  11. 


453 


damnationis   verordnet  worden   ist/  um   deswillen   der  Erbe,   dem  das 
Fideikommiss  auferlegt  Avorden  ist,  haftl)ar  gemacht  werden. 

c)  Sachen,    die    in    Natur   nicht   vorhanden    sind,    können    durch    Legat   Per   0.2, 5,3 
damnationem   hinterlassen  werden,  wie  wenn  der  Erblasser  folgendermassen 

in  dem  Testamente  schreibt:  ,die  Früchte,  welche  aus  jenem  Grund- 
stück gewonnen  gewesen  sein  werden',  oder  ,was  von  jener  Sklavin  geboren 
gewesen  sein  wird',  was  bei  dem  Legatum  vindicationis  nicht  geschehen 
kann,  weil  sie  der  Legatar  nach  dem  Tode  des  Testators  nicht  unverzüg- 
lich in  Anspruch  nehmen  kann. 

d)  Ein   Niessbrauch   wird   aus   der   Causa  damnationis   durch   den   Erben   be-   p.  3, 9, 1 
stellt  werden. 

e)  Dem  Erben  kann  durch  Legatum  Per  damnationem  auferlegt  werden,  irgend  p.  3, 8,  9 
Jemandem  ein  Haus  zu  bauen  oder  ihn  von  einer  Schuld  zu  befreien. 

f)  Wenn  bei  dem  Gläubiger  für  eine  Schuld  ein  Faustpfand  hinterlegt  gewesen  p.  3,  s,  1 
sein  wird,   und  der  Schuldner  diesem  Gläubiger  in  seinem  Testament,  was 

er  als  Pfand  gesetzt  hatte.  Per  damnationem  als  Legat  hinterlässt,  besitzt  der 
Gläubiger  das  nach  dem  Testament  Vermachte  und  wird  er  die  Schuld  von 
den  Erben  des  Testators  zurückverlangen.^ 

g)  Einiges  wird,  wenn  es  seitens  derjenigen,  welchen  es  geschuldet  worden  ist,   p.  1, 19, 1 
zurückgefordert  wird,  sobald  es  von  den  Schuldnern  geleugnet  gewesen  sein 


1)  Ut  solet  legatum, 

2)  Ist   eine  verpfändete  Sache,   cuius   causam   testator  non  ignoravit,   dem   Gläubiger 
Per  damnationem  vermacht  worden,   so  ist  die  Luitio  Sache  des  Erben. 


c) 


d)  P.  3,  9,  1.  Ususfructus  .  .  Ex  causa 
(quidem)  damnationis  per  heredem  praesta- 
bitur  .  . 

e)  P.  3,  8,  9.  Damnari  heres  potest,  ut 
alicui  domura  exstruat  aut  aere  alieno  eum 
liberet. 

f)  P.  3,  8,  7.  Si  res  obligata  creditori, 
cuius  causam  testator  non  if]fnoravit,  per 
damnationem  legata  sit,  luitio  ad  heredis 
sollicitudinem  spectat. 


g)  P,  1,  19,  1.  Quaedam  actiones  si  a  reo 
inficientur,  duplantur:  velut  .  .  legati  per 
damnationem  relicti  .  . 


G.  2,  5,  3.  .  .  Illae  etiam  res,  quae  in 
rerum  natura  non  sunt,  per  damnationem 
legato  dimitti  possunt,  velut  si  ita  testator 
in  testamento  scribat:  Fructus,  qui  ex  illo 
agro  nati  fuerint,  aut,  id,  quod  ex  illa  an- 
cilla  natum  fuerit,  quod  in  legato  vindica- 
tionis fieri  non  potest;  quia  non  potest  haec 
legatarius  testatore  mortuo  continuo  vindi- 
care. 


Si  pro  debito  pignus  depositum  fuerit 
creditori  et  testamento  suo  debitor  id,  quod 
pignus  posuerat,  per  damnationem  ipsi  cre- 
ditori legati  titulo  derelinquat,  creditor  se- 
cundum  testamentum  legatum  possidet  et 
debitum  ab  heredibus  recipiet  testatoris, 

Aliqua,  quae  quum  ab  his,  quibus  sunt 
debita,  repetuntur,  si  a  debitoribus  negata 
fuerint,  dupli  satisfactione  redduntur,  id  est 


454 


Privatrecht,     Fünftes  Buch. 


wird,    mit   dem  Ersätze   des  Doppelten    zurückgegeben,    wie    das  Per   dam- 
nationem  hinterlassene  Legat,  das  heisst,  wenn  dem  Erben  geheissen  worden 
ist,   etwas    als    Legat    zu   geben,   und    er    den   Anspruch   geleugnet    haben 
wird.^ 
5)  Smendi  modo. 
G.  2, 5,  6       a)  Füi'  ein  Legatum  Sinendi  modo  gelten  die  folgenden  AVorte:  Ille  heres  meus, 
rem  illam  illum   permitte  praesumere   et  sibi  habere.      Sowohl   die   eigene 
Sache  als  auch  diejenige  seines  Erben  und  eine  fremde  kann  der  Testator 
durch    Sinendi    legatum    hinterlassen.      Bei    diesem    Legat    wird    durchaus 
nicht  dem  Erben  geheissen,  die  Sache,  welche  hinterlassen  worden  ist,  dem 
Legatar  auszuantworten,  dagegen  nicht  gestattet,  dem  vindizierenden  Legatar 
ein  Hindernis  zu  bereiten. 
p.  3, 8, 10       b)  Sinendi  modo  können   sowohl   körperliche  Sachen   als  auch  solche,    die  lu 
iure  bestehen,   vermacht  werden,   weshalb  dem  Schuldner  dasjenige,   was  er 
schuldet,  rechtsgiltig  vermacht  wird. 

z)  Legatum  praeceptionis. 

G.  2, 5, 7  a)  Ein  Legatum  praeceptionis  kann  nur  einem  aus  der  Zahl  der  Erben  gegeben 
werden,  derart  dass  ihm  irgend  etwas  aus  der  Erbschaft  als  Praecipuum 
hinterlassen  wird. 

p.  3, 8, 1       b)  Wird    der  Testator  einem    der  Erben   Geld,   das    er  in   seinem   Vermögen 


t 


1)  Vgl.  S.  279  Anm.  1.     Unter   den   bezüglichen  Aktionen  wird  die  des  Damnations- 
legats genannt. 


>)  a) 


b)  P.  3,  8,  10.  Sinendi  modo  tarn  corpo- 
rales  res,  quam  quae  in  iure  consistunt,  legari 
possunt:  et  ideo  debitori  id,  quod  debet,  recte 
legatur. 

s)  a) 


b)  P.  3t  8,  1.  Per  praeceptionem  uni  ex 
heredibus  nummi  legati,  qui  domi  non  erant, 
officio  iudicis  familiae  herciscundae  a  cohere- 
dibus  praestabuntur. 


.  .  legati  per  damnationem  relicti,  id  est,  si 
quid  heres  legati  titulo  dare  iussus  est,  et 
petitum  negaverit  .  . 

G.  2,  5,  6.  Sinendi  modo  haec  legati 
verba  sunt:  Ille  heres  meus,  rem  illam  illum 
permitte  praesumere  et  sibi  habere.  Nam 
et  propriam  rem  testator,  et  heredis  sui,  et 
alienam  per  sinendi  legatum  relinquere  po- 
test.  In  quo  legato  quoquo  modo  non  qui- 
dem  heres  legatario  rem,  quae  relicta  est, 
iubetur  tradere,  sed  vindicanti  legatario  non 
permittitur  prohibere. 


G.  2,  5,  7.  Praeceptionis  (vero)  legatum 
non  nisi  uni  ex  heredibus  dari  potest,  ut  ali- 
quid ei  ex  hereditate  praecipuum  relinquatur . . 

Si  testator  uni  ex  heredibus  pecuniam, 
quam  in  substantia  non  reliquit,  dari  prae- 
ceperit,  nummi,  qui  in  legato  relicti  sunt, 
legatario  tempore  .  divisionis  a  coheredibus 
implebuntur. 


Arten   der  Vermächtnisse  §  11. 


455 


nicht  zurückgelassen  hat,  zu  geben  verordnet  haben,  so  werden  die  Summen, 
die  in  dem  Legate  hinterlassen  worden  sind,  dem  Legatar  zur  Zeit  der  Teilung 
von  den  Miterben  entrichtet  werden.^ 

2)  Fideikommiss  (vgl.  g  10). 

a)  Ein  Fideikommiss  wird,  mag  auch  das  Kodizill  durch  das  Testament  nicht   G.  2, 7,  s 
bestätigt  gewesen  sein,  nichtsdestoweniger  geschuldet. 

Ein  mittels  Kodizills  hinterlassenes  Fideikommiss  wird  rechtsgiltig  p.  4, 1, 10 
geschuldet,  wird  auch  das  Kodizill  durch  das  Testament  nicht  bestätigt 
gewesen  sein. 

b)  Wenn  ein  Fideikommiss  hinterlassen  wird,   kann  es  mit  Bittworten  hinter-   p.  4, 1,6 
lassen    werden,   dass    Einer    den  Andern  ersucht,  ihm  ans  Herz  legt,  von 

ihm  verlangt,  erwartet,  dass  er,  was  seiner  Fides  anheim gestellt  worden 
ist,  an  denjenigen,  dem  der  Testator  es  hat  zuw^enden  wollen,  auf  die 
Weise,  wie  er  es  ans  Herz  gelegt  hat,  gelangen  lässt.  Denn  sobald  Jemand 
sagt  ,dimitto  hoc  illi^  oder  ,commendo^,  kann  es,  weil  es  direkte  Worte 
sind,  die  kStelle  eines  Fideikommisses  nicht  einnehmen. 

c)  Wer  irgend  Jemandem    ein  Fideikommiss    hinterlässt,   kann   sich   mit  den   p.  4, 1, 5 
folgenden  Worten   an   denjenigen,   v/elchem    er  es  hinterlassen  haben  wird, 
wenden:  ,icli  Avill,  dass  dieses  von  meinen  Sachen  Dir  geschenkt  ist',  oder: 

ich  erwarte  von  Dir,  dass  Du  geruhst,  mit  dieser  Sache  Dich  zu  be- 
gnügen*: ^es  muss  dies  indessen  entweder  durch  den  Testamentsaufsatz  oder 
durch  die  Angabe  von  Zeucfen  feststehen.^   Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode   ^-  ^'  *»  ^ 


1)  Vgl.  S.  432  Anm.  1. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


2)  a) 


P.  4,  1,  10.  CodiciUis,  qui  testamento  con- 
firmati  non  sunt,  adscriptum  fideicommissum 
iure  debetur. 

b)  P.  4,  1,  6.  Fideicommittere  his  verbis 
possumus:  rogo,  peto,  volo,  mando,  deprecor, 
cupio,  iniungo.  Desidero  quoquc  et  impero 
verba  utile  faciunt  fideicommissum.  Relinquo 
vero  et  commendo  nullam  fideicommissi  j)a- 
riunt  actionem. 


c)  P.  4.  1,5.  Qui  fideicommissum  relinquit, 
etiam  cum  eo,  cui  relinquit,  loqui  potest, 
velut:  peto,  Gai  Sei,  contentus  sis  illa  re: 
aut,  volo  tibi  illud  praestari. 


C.  4,  4,  2  pr.    Quae  codicillis  aut  epistolis 
.  .  relinquuntur,  .  .  sit  ille  usus  inter  privatos 


G.  2,  7,  8.  .  .  fideicommissum  (vero),  eti- 
amsi  codicilli  testamento  non  fuerint  confir- 
mati,  nihilominus  dobetur  .  . 

Per  codicillos  fideicommissum  relictum 
iure  debetur,  etiamsi  codicilli  testamento  non 
fuerint  confirmati. 

Si  quando  fideicommissum  relinquitur, 
precativis  verbis  relinqui  potest,  ut  roget 
quis,  iniungat,  petat,  speret,  ut  id,  quod 
fidei  suae  commissum  est,  ad  eum,  quem  tes- 
tator  voluit,  sicut  iniunxit,  ita  faciat  perve- 
nire.  Nam  si  dicat  quis:  dimitto  hoc  illi, 
vel  commendo,  quia  verba  directa  sunt,  fidei- 
commissi locum  habere  non  possunt. 

Qui  fideicommissum  cuicunque  dimittit, 
potest  his  verbis  ad  eum,  cui  reliquerit,  lo- 
qui: volo  tibi  de  rebus  meis  illud  esse  dona- 
tum:  aut,  spero  a  te,  ut  illa  re  digneris  esse 
contentus.  Quod  tarnen  debet  aut  testamenti 
Serie  aut  testium  professione  constare. 

Si  quis  moriens  .  .  aliquid  per  codicillum 
aut   per   epistolam   crediderit   relinquendum, 


456 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  4,  1,  11 


C.  4,  4,  2 


G.  2,  7,4 


geglaubt  haben  wird^  mittels  Kodizills  oder  Briefes  irgend  etwas  hinterlassen 
zu  sollen,  wird,  falls  in  dieser  Weise  Privatpersonen  etwas  hinterlassen 
und  mit  Bezug  auf  solche  Papiere  ein  Streit  entstanden  gewesen  sein 
wird,  les  von  der  Erörterung  des  Judex  abhängen,  ob  die  vorgelegte  Ur- 
kunde rechtsgiltig  bestehen  kann.^ 

d)  Ein  dem  Sohne,  mit  welchen  Worten  auch  immer,  von  dem  Vater  hinter- 
lassenes  Fideikommiss  wird  rechtsgiltig  geschuldet:  denn  es  genügt  unter 
verwandten  Personen,  wie  bei  der  Schenkung,  der,  mit  welchen  Worten  auch 
immer  ausgedrückte  Wille. 

e)  Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode  dem  Princeps  oder  seinen  Propinqui,  bez. 
Amici,  irgend  etw^as  mittels  Kodizills  oder  Briefes  hinterlassen  zu  sollen  ge- 
glaubt haben  wird,  besitzt  es  aus  Pietätsrücksicht  keine  Griltigkeit.^  Hin- 
gegen ist  gestattet,  dass  dasjenige,  was  auch  immer  dem  Princeps,  bez.  seinen 
Proximi,  mittels  Testaments  oder  Nunkupation  hinterlassen  wird,  für  sie  nach 
den  Gresetzen  Geltung  besitzt.^ 

f)  Nicht    nur    eigne   Sachen    können   von  dem   Erblasser  durch  Fideikommiss 


1)  T  sagt,    dass,    wenn   nach  Wahl    des  Actor  civil   oder  kriminell  verfahren  ist,   das 
vorgelegte  Schriftstück  untersucht  werde  und  der  Beweis  dem  Producenten  obliege. 

2)  T   führt  aus,  dass,  was  Nobis  necessitudinibusve  hinterlassen  Avorden  ist,  vielmehr 
den  Kindern  und  in  deren  Ermangelung  dem  Proximus  quisque  zukommt. 

3)  T  fügt  hinzu:  nee  in  ea  re  distare  ius  nostrum  a  privatis  heredibus  profitemur. 


ratus.  Et  sane  hoc  loco  praebemus  licentiam, 
ut  civiliter  sive  criminaliter,  ut  actor  elegerit, 
super  prolata  epistola  requiratur,  et  incum- 
bat  probatio  ei  primitus,  qui  scripturam  ob- 
tulerit  .  . 

d)  P.  4,  1,  11.  Filio  quibuscunque  verbis 
a  patre  fideicommissum  relictum  iure  debetur: 
sufficit  enim  inter  coniunctas  personas  quibus- 
cunque verbis,  ut  in  donatione,  voluntas  ex- 
pressa  .  . 

e)  C.  4,  4,  2.  Quae  codicillis  aut  epistolis 
nobis  necessitudinibusve  nostris  relinquun- 
tur,  non  admittimus  .  ,  (Ceterum)  quod  ad  nos 
nostrosque  attinet,  codicillos  et  epistolas  adeo 
refutamus,  ut  ex  illis,  etiamsi  veras  eas  esse 
quaestionum  regula  approbarit,  quicquid nobis 
relictum  nostrisve  constiterit,  ad  liberos  de- 
functi  vel,  si  hi  non  sint,  ad  proximum  quem- 
que  iudicii  nostri  humanitate  pertineat.  Testa- 
menti  vero  scripturam  legitimam  vel  nun- 
cupa.tionem ,  quae  in  nomen  nostrum  forte 
processerit,  iure  capiemus  .  . 

f) 


.  .  si  quid  tali  modo  privatis  fuerit  derelic- 
tum,  et  de  talibus  chartulis  orta  fuerit  for- 
tasse  contentio,  in  iudicis  discussione  con- 
sistat,  utrum  possit  scriptura  prolata  iure 
subsistere  .  . 


Si  quis  moriens  principi  vel  propinquis 
vel  amicis  eins  aliquid  per  codicillum  aut 
per  epistolam  crediderit  relinquendum,  pieta- 
tis  intuitu  id  (praecipit)  non  valere  . .  Ceterum 
principi  vel  eins  proximis,  quicquid  testa- 
mento  aut  nuncupatione  dimittitur,  hoc  sibi 
legibus  valere  permittitur. 


G.  2,  7,  4.  (Et)  non  solum  propriae  res 
a  testatore  per  fideicommissum  dimitti  pos- 
sunt,  sed  etiam  ipsius  heredis  aut  legatarii 
aut  cuiuslibet  extranei. 


Mass  und  Beschränkung  der  Vermächtnisse  §  12. 


457 


hinterlassen  werden,  sondern  auch  solche  des  Erben  selbst  oder  des  Legatars 
oder  von  irgend  welchem  Extraneus.  Wird  er  durch  Fideikommiss  die  seinigen  p.  4,  i,  i 
hinterlassen  haben,  so  werden  ebendieselben,  welche  hinterlassen  wordeii  sind, 
gegeben  :i  falls  dagegen  fremde,  so  wird  der  Erbe,  dem  das  Fideikommiss 
auferlegt  worden  ist,  entweder  den  AV^ert  der  hinterlassenen  Sache  zu 
geben  oder  sie  anzukaufen  und  zu  geben  mit  Grund  angehalten.  Wenn  p.  4,  i,8 
Jemand  mittels  Fideikommiss  eine  fremde  Sache  um  deswillen  hinterlassen 
haben  wird,  weil  er  sie  für  die  seine  hielt,  während  er  sie  unter  keinen 
Umständen  hinterlassen  haben  würde,  wenn  er  gewusst  hätte,  dass  sie  fremd 
ist,  kann  nicht  um  deswillen  der  Erbe,  dem  das  Fideikommiss  auferlegt 
worden  ist,  haftbar  gemacht  werden. 

Mittels  Fideikommiss  kann  ein  Jeder  ebensosehr  eigene  als  fremde   p.  4, 1,7 
Sachen  hinterlassen. 

AVenn  eine  fremde  Sache  mittels  Fideikommiss  hinterlassen   wird,   g.  2. 7, 6 
ist  es  für  den  Erben  oder  Legatar  nötig,  diejenige  Sache,  welche  mit- 
tels Fideikommiss    hinterlassen    worden  ist,    entweder  anzukaufen  und 
dem  Fideikommissar  zu    geben,    oder    den  Preis  für  diese  Sache,  für 
wieviel  sie  geschätzt  gewesen  sein  wird,  dem  Fideikommissar  zuzuzählen. 


in.  Mass  und  Beschränkung  der  Vermächtnisse  §  12. 

a)  Dem  Legatar,  welchem  durch  Testament  nur  wenig  hinterlassen  worden  ist,   G.2, 7, 5 
soll  nicht  mittels  Fideikommiss  geheissen  werden,   einem  Andern  mehr,  als 
dasjenige,  was  er  erzielt,  zu  erstatten. 


1)  Unverzüghch  gegeben. 


P.  4,  1,  7.  Tarn  nostras  res  quam  ahenas 
per  fideicommissum  rehnquere  possumus:  sed 
nostrae  statim;  alienae  (autem)  aestimatae 
aut  redemtae  praestantur. 

P.  4,  1,  8.  Si  ahenam  rem  tanquam  suam 
testator  per  fideicommissum  rehquerit,  non 
rehcturus,  si  alienam  scisset,  .  .  inutile  crit 
fideicommissum. 

P.  4,  1,  7.  Tarn  nostras  res  quam  aUenas 
per  fideicommissum    relinquere  possumus  .  . 


§  12)  a) 


Per  fideicommissum  .  .  si  suas  dimiserit, 
ipsae,  quae  relictae  sunt,  dantur:  si  vero 
alienas,  aut  aestimationem  dimissae  rei  dare, 
aut  ipsas  redimere  et  dare  lieres,  cuius  fidei 
commissum  est,  iure  compelHtur. 

Si  quis  per  fideicommissum  rem  ahenam 
ideo  reliquerit,  c|uia  suam  esse  credebat,  non 
utique  dimissurus,  si  scisset  alienam,  .  .  non 
potest  propter  hoc  lieros,  cuius  fidei  commis- 
sum est,  retineri. 

Per  fideicommissum  unusquisque  potest 
tarn  proprias   res  quam  aUenas  dimittere  .  . 

G.  2, 7,  6.  Quum  (autem)  aHena  res  per  fidei- 
commissum relinquitur,  nccesse  est  heredi 
vel  legatario  rem  illam,  quae  per  fideicom- 
missum est  relicta,  aut  redimere  et  fideicom- 
missario  dare,  aut  pretium  eins  rei,  quantum 
aestimata  fuerit,  fideicommissario  numerare  . . 

G.  2,  7,  5.  Ne  legatarius,  cui  per  testa- 
mentum   parum    dimissum   est,   plus   alii  per 


458 


Privatrecbt.     Fünftes  Buch. 


G.  2,  6 


P.  3,  11,  1 


P.  4,  5,  5 


P.  i,  3,3 


b)  Durch  die  Lex  Falcidia  ist  verordnet  worden,  dass,  wer  auch  immer  zum 
Erben  eingesetzt  gewesen  sein  wird,  den  vierten  Teil  der  ganzen  Erbschaft 
haben  soll.  AVird  demnach  der  Testator  seinen  Nachlass  durch  Legate  er- 
schöpft haben,  so  ist  verordnet  worden,  dass  der  Erbe  sich  durch  Ver- 
kürzung der  Legate  die  Falcidia  zurückbehalten  solle,  während  das  Testament 
nichtdestoweniger  aufrecht  erhalten  bleibt.  Macht  Jemand  ein  Testament 
und  setzt  einen  Erben  ein  und  vergiebt  den  Legataren  oder  Fideikommis- 
saren,  bez.  durch  Schenkungen  von  Todeswegen,  seine  ganze  Erbschaft,  so 
ist  das  Testament  zwar  giltig,  behält  jedoch  der  eingesetzte  Erbe  den  vierten 
Teil  aus  allem  Vermögen  des  Testators  zurück.^ 

aa)  Wenn  der  Vater  den  Sohn  auf  das  Ganze  zum  Erben  einsetzt  und 
mittels  Fideikommissen  oder  Legaten  diese  Erbschaft  vollständig  ver- 
schiedenen Personen  zuweist,  kann  der  Sohn  gegen  das  Testament  des 
Vaters  De  inofficioso  nicht  klagen,  w^eil  er  sich  die  Quart  entweder  durch 
die  Lex  Falcidia,  oder  durch  das  Benefiz  des  Senatuskonsults ,  zu- 
rückbehalten wird." 

c)  Die  Lex  Falcidia  verordnete,  dass,  nach  Aufmachung  der  Rechnung  der 
Erbschaftsschuld  und  nach  Ausscheidung  desjenigen,   was  zu  Ehren  Gottes 


1)  T  führt  den  Satz  auf  die  Lex  Falcidia  zurück. 

2)  Vgl.  S.  408  Anm.  1. 


P.  3,  11,  1.  Exhausta  leo^atis  aut  fidei- 
commissis  vel  mortis  causa  donationibus  here- 
ditate,  auxilio  Falcidiae  institutus  heres  qua- 
drantem  retinere  potest. 


aa)  P.  4,  5,  5.  Filius  ex  asse  heres  institu- 
tus inofficiosum  dicere  non  potest:  nee  inter- 
est,  exhausta  necne  sit  hereditas:  quum  apud 
eum  quarta  aut  legis  Falcidiae  aut  Senatus- 
consulti  Peo-asiani  beneficio  sit  remansura. 


c)  P.  4,  3,  3.  Lex  Falcidia  .  .  deducto 
omni  aere  alieno  deorumque  donis,  quartana 
residuae  hereditatis  ad  heredem  voluit  per- 
tinere. 


fideicommissum,  quam  id,  quod  consequitur, 
reddere  iubeatur. 

Gr.  2,  6.  Lege  Falcidia  constitutum  est, 
ut,  quicunque  heres  fuerit  institutus,  quartam 
partem  totius  hereditatis  habeat.  Quod  si 
testator  hereditatem  suam  legatis  exinanierit, 
hoc  statutuui  est,  ut  Falcidiam  sibi  de  ini- 
minutione  legatorum  heres  retineat,  constante 
nihilominus  testamento. 

Si  quis  faciat  testamentum,  et  heredem 
instituat,  et  omnem  suam  hereditatem  lega- 
tariis  aut  fideicommissariis  vel  mortis  causa 
donationibus  conferat,  valet  quidem  testa- 
mentum: sed  heres  scriptus  quartam  sibi  ex 
Omnibus  bonis  retinet  testatoris, 

Si  pater  filium  ex  asse  heiedem  instituat 
et  per  fideicommissa  aut  legata  hereditatem 
ipsam  totam  diversis  distribuat,  filius  contra 
patris  testamentum  de  inofficioso  agere  non 
potest:  quia  c^uartam  sibi  aufc  per  legem 
Falcidiam  aut  per  Senatusconsulti  beneficium 
retinebit. 

Lex  Falcidia  .  .  facta  hereditaiii  debiti 
ratione  et  separatis  his,  quae  in  honorem 
Dei  ecclesiis  relinquuntur,  quartam  heredi- 
tatis ex  Omnibus  ad  scriptum  heredem  cen- 
suit  pertinere. 


Wegfall  der  Vermächtnisse  §  13. 


459 


den  Kirchen  hinterlassen  wird,  dem   eingesetzten  Erben  der  vierte  Teil  der 
Erbschaft  in  Allem  zukommt.^ 

d)  So  oft  von  dem  Mass  der  znrückzubehaltenden  Quart  die  Rede  ist,  ist,  wegen   p.  3, 11,2 
Gefahr  der  Pluspetitio,   Officio  iudicis,    nach   Abschätzung   von  Allem,    die 
Quart,  welche  bei  dem  Erben  verbleiben  soll,   zu  berechnen,  oder  von  dem 
Legatar  Kaution  darüber  zu  erfordern,  dass  er,  was  er  mehr  als  ein  Viertel 
empfangen  habe,  restituieren  solle. 

e)  Dasjenige,   was  die  überlebende  Mutter  mittels  gesetzmässig  errichteter  Ur-   p.  3, 11,3 
künde    dem  Sohne    geschenkt  hat,    kann  nach   dem  Tode   der  Mutter  von 
seinen  Brüdern   auf  die  Falcidia   nicht  angerechnet  werden:    vielmehr  folgt 

er  in  den  ihm  geschuldeten  Anteil,  unbeschadet  der  Schenkung.^ 


IV.   Wegfall  der  Vermächtnisse  §  13. 

a)  AVird  Jemand  nach  Errichtung  eines  Testaments,  in  welchem  er  irgend-  p.  3, 9, 76 
welchen  Personen  Legate  hinterlassen  hatte,  hernach  ein  anderes  Testament 
gemacht  und  die  in  dem  früheren  Testamente  gegebenen  Legate  entzogen 
oder  mittels  Kodizills  entfernt  haben,  so  wird,  folls  jenes  ältere  Testament 
nach  dem  Tode  des  Testators  vorgelegt  gewesen  sein  und  deü  eingesetzte 
Erbe  die  in  dem  späteren  Testament,  bez.  Kodizill,  entfernten  Legate  ent- 


1)  Vgl.  S.  429  Anm.  1. 

2)  Dasjenige,  was   die  Mutter   bei  Lebzeiten   dem  Sohne   geschenkt  hat,  wird  in   die 
Quart  nicht  eingerechnet. 


d)  P.  3,  11,  2.  Quoties  de  modo  quartae 
retinendae  quaeritur,  propter  periculum  plus 
petendi,  officio  iudicis  omnibus  aestimatis, 
quarta  facienda  est,  quae  apud  heredem  re- 
maneat:  aut  certe  exigenda  cautio  a  legatario, 
ut,  quod  plus  dodrante  percepit,  restituat. 

e)  P.  3,  11,  3.  Ea,  quae  mater  viva  filio 
donavit,  in  quartam  non  imputantur. 


§  13)  a)  P.3,9,76.  Prolatis  codicillis  vel  alio 
testamento,  quibus  adcmtum  est  legatum  vel 
certe  rescissum,  perperam  fcoluta  repetuntur. 


Ea,  quae  mater  superstes  filio  per  legi- 
timam  scripturam  donavit,  in  Falcidiam  ei 
post  mortem  matris  a  germanis  eins  non 
possunt  imputari:  sed  in  partem  sibi  debitam 
salva  donatione  succedit. 

Si  quis  facto  testamento,  in  quo  aliquibus 
legata  reliquerat,  aliud  postmodum  fecerit 
testamentura  et  illa  legata,  quae  priori  tes- 
tamento dederat,  abstulcrit  vel  codicillis  for- 
tasse  removerit,  si  illud  prius  testamentum 
post  mortem  tcstatoris  prolatum  fuerit,  et 
legata  heres  scriptus  absolverit,  quae  in 
posteriore  testamento  vel  codicillo  remota 
sunt:  is,  qui  ex  priori  testamento  legatum 
consecutus  est,  reddere  iubetur,  quod  sequen- 
tibus  scripturis  ostenditur  fuisse  sublatum. 


460 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  8,  15 


P.  4,  1,  9 


richtet  haben  wird,  demjenigen,  welcher  das  Legat  aus  dem  früheren  Testa- 
ment erworben  hat,  geheissen  zurückzuerstatten,  was  nachweislich  durch  die 
folgenden  Urkunden  aufgehoben  gewesen  ist. 

b)  AVird  der  Testator  eine  legierte  Sache  nachträglich  zu  Faustpfand  oder 
Fiducia  gegeben  haben,  so  ist  daraus  nicht  zu  folgern,  dass  er  seinen 
Willen  geändert  habe. 

c)  AVird  der  Testator  die  Sache,  welche  er  hinterlassen  hatte,  bei  seinen  Leb- 
zeiten verkauft  haben,  so  wird  das  Fideikommiss  getilgt. 


V.   Erwerb  und  Schutz  der  Vermächtnisse  §  14. 

1)  Erwerb  der  Vermächtnisse. 

p.  3, 8, 11  a)  Von  einer  Sache,  die  vermacht  Avorden  ist,  kann  der  Legatar  nicht  einen 
Teil  antreten,  einen  Teil  ausschlagen. 

p.  4, 1,12  b)  Wird  ein  Fideikommiss  derart  einem  Haussohne  hinterlassen,  dass  das  Fidei- 
kommiss hinterlassen  ist,  für  den  Fall,  dass  er  von  dem  Vater  emanzipiert 
gewesen  oder  Sui  iuris  geworden  sein  wird,  so  wird  dasjenige,  was  hinterlassen 
worden  ist,  rechtsgiltig  geschuldet,  in  welcher  Weise  auch  immer  er  von 
der  väterlichen  Gewalt  befreit  gewesen  sein  wird. 

p.  4, 1, 14  c)  Weder  kann  der  Erbe,  bevor  er  die  ihm  hinterlassene  Erbschaft  antritt, 
noch  der  Legatar,  bevor  er  das  Legat,  das  ihm  hinterlassen  worden  ist, 
in  Empfang  nimmt,  gemäss  dem  Fideikommiss  irgend  etwas  von  demjenigen, 
was  ihnen  hinterlassen  worden  ist,  auf  andere  Personen  übertragen. 


b)  P.  3,  8,  15.  Rem  legatam  testator  si 
postea  pignori  vel  fiduciae  dederit,  ex  eo  vo- 
luntatem  mutasse  non  videtur. 

c)  P.  4,  1,  9.  Testator  supervivens,  si  eam 
rem,  quam  reliqueiat,  vendidcrit,  exstinguitur 
fideicommissum. 

1)  a)  P.  3,  8,  11.  Eius  rei,  quae  legata  est, 
.  .  partem  agnoscere,  partem  repudiare  lega- 
taiius  non  potest. 

b)  P.  4,  1,  12.  In  tempus  emancipationis 
vel  quuni  sui  iuris  erit,  fideicommissum  relic- 
tum,  quocunque  modo  patria  potestate  libe- 
ral o  debetur. 


c)  P.  4,  1,  14.  HeiTs  ante  aditam  heredi- 
tatem,  legatarius,  antequam  legatum  accipiat, 
fideicommissum  praestare  non  possunt. 


Si  ita  fideicommissum  filiofamilias  relin- 
quatur,  ut  quum  emancipatus  a  patre  fuerit 
vel  quum  sui  iuris  factu3  fuerit,  fideicommis- 
sum relictum,  quocunque  modo  patria  pote- 
state fuerit  liberatus,  id,  quod  relictum  est 
ei,  iure  debetur. 

Neque  heres,  antequam  relictam  sibi  here- 
ditatem  adeat,  neque  legatarius,  antequam 
legatum,  quod  ei  dimissum  est,  accipiat,  ali- 
quid per  fideicommissum  de  eo,  quod  eis  re- 
lictum est,  ad  alias  possunt  transferro  per- 
sonas. 


Erwerb  und  Schutz  der  Vermächtnisse  §  14. 


461 


P.  4,  1,17 


P.  4,  1,  15 


2)  Schutz  der  Yerinäclitiüsse. 

a)  So  oft  ein  Fideikommiss  hinterlassen  wird,  kann  es  zwar  beansprucht,  aber  p.  4,  i,i8 
nicht  vindiziert  werden. 

b)  Derjenige,  dem  von  dem  Erben  das  Fideikommiss  nicht  gewährt  wird,  wird 
nicht  allein  in  die  Erbschaftssachen,  sondern  auch  in  die  eignen  Sachen  des 
Erben  eingewiesen. 

c)  AVird  der  Erbe  die  Sache,  welche  mittels  Fideikommiss  irgend  Jemandem 
hinterlassen  worden  ist,  einer  beliebigen  Person  verkauft  und  irgend  Jemand, 
der  wusste,  dass  sie  einem  Andern  vermacht  worden  ist,  sie  erworben  haben, 
so  verlangt  der  Fideikommissar  mit  Grund,  in  den  ihm  zuerkannten  Besitz 
gesetzt  zu  werden. 

d)  Hierin  ist  die  Kechtslage  der  Fideikommisse  und  der  Legate  eine  verschiedene,   g.  2, 7,  s 
dass   wenn  Fideikommisse   später,   als  geschrieben  ist,  gezahlt  gewesen  sein 

'  werden,  Zinsen  und  Früchte  geschuldet  werden,  von  Legaten  hingegen  Zinsen 
nicht  geschuldet  werden,  sondern  bei  Verzug  in  der  Zahlung,  wenn  Damna- 
tionslegate hinterlassen  gewesen  sein  werden,  eine  Verdoppelung  stattfindet. 

Aus   dem  Verzug  bei  Leistung  von  Fideikommissen  oder  Legaten  p.  3, 11,4 
können  Früchte  und  Zinsen  beansprucht  werden. 

e)  Die  Früchte,    die   zur  Zeit    des  Todes   des    Testators  mit  dem  Boden    zu-   p.  3, 9, 30 
sammenhingen,   gehören   dem  Legatar,   die  vorher  gewonnenen  dem  Erben. 

Man    war   der  Ansicht,   dass  Zuthaten,  die  der  Testator  aus  verschiedenen  p.  3, 9, 33 


Käufen  dem  vermachten  Grundstück  beigefügt  hatte, 


dem  Legatar  zufallen. 


2)  a)  P.  4,  1,  18.  lus  omne  fideicommissi 
non  in  vindicatione ,  sed  in  petitione  con- 
sistit. 

b)  P.  4,  1,  17.  Cui  ab  herede  fideicom- 
missum  non  praestatur,  non  solum  in  res 
hereditarias,  sed  et  in  proprias  heredis  in- 
ducitur. 

c)  P.  4,  1,  15.  Rem  fideicommissariam  si 
heres  vendiderit,  eamque  sciens  comparaverit, 
nibilominus  in  possessionem  eius  fideicommis- 
sarius  mitti  iure  desiderat. 


d) 


P.  3,  11,  4.  Ex  mora  praestandorum  fidei- 
commissorum  vel  legatorum  fructus  et  usurae 
peti  possunt  .  . 

e)  P.  3,  9,  30.  Fructus,  qui  solo  cohaere- 
bant  mortis  testatoris  tempore,  ad  legatarium 
pertinent:  ante  percepti  ad  heredem. 

P.  3,  9,  33.    Adiunctiones,  quas  fundo  le- 


Quoties  fideicommissum  relinquitur,  sicut 
peti  potest,  ita  non  potest  vindicari. 


Si  rem,  qaae  per  fideicommissum  alicui 
relicta  est,  cuicunque  heres  vendiderit  et 
eam  sciens  relictam  alii  aliquis  comparaverit, 
fideicommissarius  in  possessionem  sibi  depu- 
tatani  mitti  iure  deposcit. 

G.  2,  7,  8,  .  .  in  hoc  alia  fideicommissorum 
et  legatorum  conditio  est,  quia  fideicommissa, 
si  tardius,  quam  scriptum  sit,  soluta  fuerint, 
usurae  et  fructus  debentur:  legatorum  vero 
usurae  non  debentur,  sed  ex  mora  solutionis, 
si  per  damnationem  relicta  fuerint,  dupli- 
cantur. 


462 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


P.  3,  9,  38 


P.  3,  8,  8 


P.  3,  8,  2 


•G.  2,  5,  1 


O.  2,  5, 
4u.  5 


Weiden,  die  der  Erblasser  nachträglich  erworben  und  dem  vermachten  Grund- 
stücke hinzugefügt  hatte,  gehören,  wenn  sie  unter  der  Bezeichnung  desselben 
inbegriffen  sind,  dem  Legatar, 
f)  Ist    ein  Sklave    unter  Namensnennung   als  Legat   hinterlassen   worden,    so 
wird  er,  wenn  er  gestorben  gewesen  sein  wird,  dem  Legatar  nicht  geschuldet. ■*■ 

3)  Kollegatare. 

a)  Bisweilen  wird  die  Hälfte,  bisweilen  das  Ganze  geschuldet:  die  Hälfte,  wenn 
Per  vindicationem,  das  Ganze,  wenn  Per  damnationem  vermacht  worden  ist. 
Wenn  Per  vindicationem  die  gleiche  Sache  Vielen  vermacht  worden  ist, 
und  die  Einzelnen  eben  diese  Sache  sich  aneignen  wollen,  erhalten  die 
Einzelnen  von  der  vermachten  Sache  gleiche  Anteile.  Zwischen  dem  Lega- 
tum  vindicationis  und  damnationis  besteht  dann  die  Ähnlichkeit,  dass,  wenn 
mittels  Legatum  vindicationis  oder  damnationis  Coniunctim,  das  will  sagen, 
zweien  oder  Mehreren  in  Gemeinschaft  eine  Sache  als  Legat  hinterlassen 
gewesen  sein  wird,  sie  bei  beiden  Legatsarten  gleichzeitig  von  Allen  in  x\n- 
spruch  genommen  Avird.    Zwischen  dem  Legatum  vindicationis  und  damna- 


1)  T  spricht  aiisdrückUch  von  einem  zufälUgen  Tode. 


gato   testator   ex   diversis  emtionibus    appli- 
caverat,  legatario  cedere  placet. 

P.  3,  9,  38.  Pascua,  quae  postea  compa- 
rata  ad  fundum  legatum  testator  adiunxerat, 
si  eius  appellatione  contineantur,  ad  lega- 
tarium  pertinent. 

f)  P.  3,  8,  8.  Servo  fatahter  interemto, 
legatarii  damnum  est:  quia  legatum  nulla 
€ulpa  heredis  intercedit. 

3)  a)  P.  3,  8,  2.  . .  Interdum  dimidium,  intcr- 
dum  totum  debetur:  dimidium,  si  per  vindi- 
cationem legatum  sit,  totum,  si  per  damna- 
tionem. 


Servus  nominatim   legati  titulo  dimissus, 
si  mortuus  fuerit,  legatario  non  debetur. 


G.  2,  5,  1.  .  .  Si  per  vindicationem  una 
res  multis  legata  sit,  et  singuli  hanc  ipsam 
rem  praesiimere  velint,  aequales  singuli  de 
re  legata  capiunt  portiones. 

G.  2,  5,  4  u.  5.  Est  (et)  inter  legatum 
vindicationis  et  damnationis  ista  similitudo, 
quod  per  legatum  vindicationis  sive  damna- 
tionis, ?i  coniunctim,  id  est,  duobus  aut  plu- 
ribus  una  res  in  legato  dimissa  fuerit  omni- 
büs,  in  utroque  legato  simul  ab  omnibus 
praesumatur.  Tnter  legatum  vindicationis  et 
damnationis  illa  distantia  est,  ut,  si  disiunc- 
tim,  id  est,  singulis  quaecunque  res  per  le- 
gatum damnationis  relicta  fuerit,  singulis 
integra  debeatur;  id  est,  ut  unus  rem  ipsam 
accipiat,  alii  aestimationem  rei  ipsius  in 
pretio  ab  berede  percipiant. 


Universalfideikommiss  §  15. 


463 


tioiiis  bestellt  die  Yerscliiedeiiheit.  dass,  wenn  Per  legatuni  damnationis 
eine  beliebige  Sache  Disiunctim.  das  will  sagen,  getrennt  hinterlassen  ge- 
wesen sein  wird,  den  Einzelnen  das  Ganze  geschuldet  wird,  das  will  sagen, 
dass  der  Eine  die  Sache  selbst  empfängt,  die  Andern  die  Schätzung  dieser 
Sache  in  Geld  von  dem  Erben  empfangen.  Wenn  das  Praeceptionis  legatum  G.  2, 5, 7 
entweder  Coniunctim.  das  will  sagen,  den  Mehreren  zusammen,  oder  Dis- 
iunctim, den  Einzelnen,  hinterlassen  wird,  so  wird  Allen  nur  die  eine  Sache, 
welche  genannt  worden  ist,  geschuldet,  nicht  dem  Einen  die  Sache  und 
dem  Anderen  der  Wert,  wie  es  bei  dem  Legatum  damnationis  verordnet 
worden  ist. 

b)  Wird  Jemand    in    dem   Testament   einer  Person    sich    und    einem  Andern   p.3,8,13 
ein  Legat  zugeschrieben  haben,  so  Avird  das  ganze  Legat  vielmehr  demjenigen, 

den  er  sich  beigefügt  haben  wird,  als  demjenigen,  der  für  sich  geschrieben 
hat,  zukommen  können. 

c)  Wird  zwei  Personen  in  Gemeinschaft^  ein  Niessbrauch^  als  Legat  hinterlassen   p.  3,9, 10 
und   einer  derselben   gestorben  gewesen  sein,  so  wird  der  vermachte  Ni ess- 
brauch völlig   demjenigen   gehören,   welcher  der  Überlebende  gewesen  sein 

wird. 


VI.  Universalfideikommiss  §  15. 

a)  Derjenige,    welcher  in   dem  Testament  zum  Erben   eingesetzt  gewesen  sein   g.  2, 7, 
wird,  kann  mittels  Kodizills  eingeladen  werden,  die  Erbschaft,  welche  ihm 
gegeben    worden   ist^    einem    Andern    ganz    oder  teilweise   auszuantworten : 


1)  Coniunctim. 


2)  T  fügt  hinzu:   do  lego. 


b)  P.  .S,  8,  13.  Si  quis  sibi  et  Titio  lega- 
tum adscrij^serit,  magis  est,  ut  totum  legatum 
ad  coniunctum  pertineat. 

c)  P.  3,  9,  10.  Quum  coniunctim  duobus 
usumfructum  do,  lego,  legatum,  altero  mortuo, 
ad  alterum  in  solidum  pertinebit. 


a) 


G.  2,  5,  7.  Praeceptionis  (vero)  legatum 
.  .  si  aut  coniunctim,  id  est,  multis,  aut 
disiunctim  singulis  relinqiiatur,  omnibus  una 
res  tan  tum,  quae  nominata  est,  debetur;  non 
uni  res  et  alii  aestimatio,  sicut  in  legato 
damnationis  est  constitutum. 

Si  quis  sibi  et  alii  in  alterius  testamento 
legatum  adscripserit,  ad  illum,  quem  sibi 
adiunxerit,  magis  quam  ad  eum ,  qui  pro 
se  scripsit,  totum  legatum  poterit  pertinere. 

Si  duobus  in  comrauni  ususfructus  legati 
titulo  diraittatur  et  unus  ex  ipsis  mortuus 
i'uerit,  legatas  ususfructus  ex  integro  ad  eum, 
qui  superfuerit,  pertinebit. 

G.  2,  7,  8.  .  .(sed)  is,  qui  testamento  heres 
fuerit  institutus,  potesfc  per  codicillum  rogari, 
ut  hereditatem,  quae  ei  data  est,  alii  eam 
totam  vel  pro  parte  restituat:  quod  validum 
est,  etiamsi  codicilli  testamento  non  fuerint 
confirmati  .  . 


4G4 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


etwas,  was  rechtsgiltig  ist,  werden  auch  die  Kodizille  in  dem  Testament 
nicht  bestätigt  gewesen  sein. 
Ct.  2, 7  pr.  b)  Es  kann  irgend  Jemand  direkt  einen  Erben  einsetzen  und  ihn  ersuchen, 
seine  Erbschaft,  entweder  ganz  oder  teilweise,  mittels  Fideikommiss  einem 
Andern  auszuantworten :  er  muss  den  Erben  direkt  eingesetzt  haben;  der  Fidei- 
kommissar  kann  nicht  eine  empfangene  Erbschaft  auf  einen  Andern  übertragen. 
G.  2, 7, 8  c)  Obschon  wir  nicht  für  die  Zeit  nach  dem  Tode  desjenigen,  welchen  wir 
als  Erben  einsetzen,  ihm  einen  Andern  substituieren  können,  können  wir 
ihn  indessen  mittels  Fideikommiss  ersuchen,  Avenn  er  stirbt,  einem  Andern 
diese  Erbschaft,  sei  es  ganz,  sei  es  zu  einem  Teile,  zu  restituieren,  und 
weil  auch  nach  dem  Tode  des  Erben  ein  Fideikommiss  demjenigen,  welchem 
hinterlassen  worden  ist,  gegeben  werden  kann,  dasselbe  bewirken,  etwas,  was 
in  der  Weise  geschieht,  dass  der  Testator  schreibt:  ich  setze  diesen  zum 
Erben  ein  und  will,  dass,  wenn  er  gestorben  gewesen  sein  wird,  meine  Erb- 
schaft an  jenen  gelangen  solle. 
Gr.  2,  4, 3  Wenn  ein  Extraneus  heres  eingesetzt  worden  ist,  kann  er,  obschon 

wir  irgend  Jemanden  nicht  in  der  AVeise  substituieren  können,  dass, 
für  den  Fall,  dass  ein  Erbe  eingetreten  sein  und  innerhalb  irgendwelcher 
Zeit  gestorben  gewesen  sein  wird,  ein  anderer  sein  Erbe  sei,  dennoch 
mittels  Fideikommiss  verpflichtet  werden,  einem  Andern  im  Auftrage  des 
Testators  die  Erbschaft  entweder  ganz  oder  zum  Teil  zu  restituieren, 
p.  4, 1, 13        d)  Wird   irgend    Jemand   seine  Erbschaft    zwei  Personen    derart   hinterlassen 


b) 


c) 


d)  P.  4,  1,  13.    Rogati  invicem  sibi,  si  sine 


G.  2,  7  pr.  Potest  aUquis  recto  iure 
heredem  instituere  et  rogare  eum,  ut  here- 
ditatem  suam  aut  omnem  aut  ex  parte  alii 
per  fideicommissum  reddat.  Nam  si  heredem 
directo  iure  non  instituerit,  fideicommissarius 
non  potest  ad  alium  acceptam  hereditatem 
transmittere  .  . 

G.  2,  7,  8.  .  .  (Item,)  quamvis  non  pos- 
simus  post  mortem  eius,  quem  heredem  in- 
stituimus,  alium  ei  substituere,  tamen  per 
fideicommissum  rogare  eum  possumus,  ut 
quum  moriatur,  ahi  eam  hereditatem  vel 
totam  vel  pro  parte  restituat.  Et  quia  .  . 
etiam  post  mortem  heredis  fideicommissum 
ei,  cui  relictum  est,  dari  potest :  idem  efficere 
possumus,  quod  hoc  ordine  fit,  ut  testator 
scribat:  lUum  heredem  instituo,  et  volo,  ut, 
quum  mortuus  fuerit,  ad  illum  hereditas  mea 
pertineat  .  . 

G.  2,  4,  3,  (Nam)  si  extraneus  heres 
scriptus  sit,  etsi  aliquem  substituere  non 
possumus,  ut  si  heres  exstiterit,  et  intra  ali- 
quod  tempus  mortuus  fuerit,  alius  ei  heres 
sit,  potest  tamen  per  fideicommissum  obli- 
gari,  ut  alii  rogatus  a  testatore  hereditatem 
aut  integram  aut  pro  parte  restituat. 

Si    aliquis    ita    hereditatem    duobus   reli- 


Universalfideikommiss  §  15. 


465 


bez.  aufgetragen  haben,  dass,  wenn  einer  von  ihnen  ohne  Kinder  gestorben 
ist,  demjenigen,  welcher  der  Überlebende  gewesen  sein  wird,  die  ganze  Erb- 
schaft erworben  werden  solle,  so  wird,  wenn  einer  von  ihnen  ohne  Kinder  ge- 
storben ist,  die  ganze  Erbschaft  dem  Überlebenden  zukommen.  Werden  sie 
bei  Lebzeiten  irgend  etwas  über  diese  Erbschaft  haben  bedingen  wollen,  so 
wird  dasjenige,  was  sie  verabredet  gehabt  haben  werden,  nicht  gelten. 

e)  Durch  das  Senatusconsultum  Trebellianum  ist  Sorge  getragen  worden,  dass  p.  4, 2,  i 
nicht  der  Erbe  allein  mit  allen  Erbschaftsklagen  beschwert  wird:  demgemäss 
werden,   so  oft  die  Erbschaft  auf  Grund  des  Fideikommiss  restituiert  wird, 

seine  Klagen  auf  den  Fideikommissar  übertragen,  weil  einem  Jeden  seine 
Fides  nicht  nachteilig  sein  darf. 

f)  Das  Senatusconsultum  Pegasianum  verordnete,  dass  nach  Aufmachung  der  p.  *,  3, 3 
Rechnung  der  Erbschaftsschuld  und  nach  Ausscheidung  desjenigen,  was  zu 
Ehren  Gottes  den  Kirchen  hinterlassen  wird,   dem  eingesetzten  Erben  der 
vierte  Teil  der  Erbschaft  in  Allem  zukommt.^ 

g)  Zwischen   dem   Erben   und   demjenigen,   an  den  die  Erbschaft  auszuhefern,   p.  4, 3, 1 
ihm  mittels  Fideikommiss  geheissen  worden  ist,  muss  durch  Eingehung  einer 
Stipulation  derart  verfahren  werden,^  dass  der  Erbe  zu  dem  Viertel,  welches 


1)  Vgl.  S.  429  Anm.  1. 

2)  Zwischen   dem  Erben  und   dem  Fideikommissar,   dem   Ex  Pegasiano  die  Erbschaft 
restituiert  wird,  wird  die  Stipulation  Partis  et  pro  parte  eingelegt. 


liberis  decesserint,  hereditatem  restituere, 
altero  decedente  sine  liberis,  hereditas  ad 
eum  pervenit,  qui  supervixit:  nee  ex  eo  pacisci 
contra  s'oluntatem  testatoris  possunt. 


e)  P.  4,  2,  1.  Senatusconsulto  Trebelliano 
prospectum  est,  ne  solus  heres  omnibus  he- 
reditariis  actionibus  oneretur:  et  ideo  quoties 
hereditas  ex  causa  fidei commissi  restituitur, 
actiones  eins  in  fideicommissarium  transfe- 
runtur:  quia  unicuique  damnosam  esse  fidem 
suam  non  oportet. 

f)  P.  4,  3,  3.  .  .  Senatusconsultum  Pega- 
sianum, deducto  omni  aere  alieno  deorumque 
donis,  quartam  residuae  hereditatis  ad  here- 
dem  voluit  pertinere. 

g)  P.  4,  3,  1.  Inter  heredem  et  fideicom- 
missarium, cui  ex  Pegasiano  hereditas  resti- 
tuitur, partis  et  pro  parte  stipulatio  inter- 
ponitur:  ut  heredi  instituto  pro  quarta  acti- 
ones, pro  ceteris  vero  portionibus  fideicom- 
missario  competant. 

Conrat,  Breviariura. 


querit  et  eos  rogaverit,  ut,  uno  ex  his  sine 
filiis  mortuo,  ei,  qui  superfuerit,  omnis  here- 
ditas acquiratur,  uno  ex  ipsis  sine  filiis  mor- 
tuo, ad  superstitem  integra  hereditas  per- 
tinebit.  Et  si  aliquid  hi  ipsi,  dum  vivunt, 
pacisci  de  ea  hereditate  voluerint,  id,  quod 
depecti  fuerint,  non  valebit. 


.  .  Pegasianum  Senatusconsultum ,  facta 
hereditarii  debiti  ratione  et  separatis  his, 
quae  in  honorem  Dei  ecclesiis  relinquuntur, 
quartam  hereditatis  ex  omnibus  ad  scriptum 
heredem  consuit  pertinere. 

Inter  heredem  et  eum,  cui  hereditatem 
per  fideicommissum  iussus  est  reformare,  ita 
interposita  stipulatione  observandum  est,  ut 
heres  pro  quarta,  quam  sibi  retinet,  quartae 
partis  excipiat  actiones:  et  fideicommissarius 
pro  tribus  tantum  partibus,  quae  ad  eum 
ex  hereditate  perveniunt,  oneretur. 

30 


466 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


er  sich  zurückbehält,  die  Aktionen  des  vierten  Teils  übernimmt  und  der 
Fideikommissar  nur  zu  den  drei  Teilen,  die  aus  der  Erbschaft  zu  ihm  ge- 
langen, beschwert  wird. 

G.  2, 7  pr.  Hierbei  ist   in  Acht  zu  nehmen,^  dass  der  eingesetzte  Erbe,   mag 

ihm  auch  aufgetragen  sein,  die  ganze  Erbschaft  einem  Andern  auszu- 
antworten,  in  der  Weise  die  Erbschaft  dem  Andern  ausantwortet,  dass 
er  sich  den  vierten  Teil  aus  dieser  Erbschaft  zurückbehält. 

p.  4, 3. 2  h)  Wenn  derjenige,  dem  geheissen  worden  ist,  die  ganze  Erbschaft  mittels 
Eideikommiss  einem  Andern  auszuantworten,  die  ihm  gesetzlich  gewährte  Quart 
nicht  wird  haben  zurückbehalten  wollen,  ist  es  notwendig,  dass  er  dem  Fidei- 
kommissar die  Erbschaft  vollständig  ausantworte.^    Ist  es  geschehen,  so  gehen, 

p.  4, 3,  3  wie  die  ganze  Erbschaft,  so  auch  alle  Erbschaftsklagen  auf  ihn  über.    Derjenige, 

welcher  die  ganze  Erbschaft  dem  Fideikommissar  erstattet  hat,  während  er 
die  ihm  gesetzlich  ^  gewährte  Quart  wird  haben  zurückbehalten  können,  kann 
sie  später  nicht  zurückfordern,  weil  er  nicht  irgend  etwas  Ungeschuldetes 
gezahlt  hat,  sondern  erachtet  wird,  dem  Verstorbenen  die  Fides  im  ganzen 
Umfange  bewiesen  zu  haben. 

p.  4, 4, 2  i)  Der  Erbe  wird  auf  Erfordern  des  Fideikommissars  von  den  Muuizipalmagi- 
Straten,   Ex  auctoritate  praesidis,   angehalten,   die  Erbschaft  anzutreten  und 


1)  J  fügt  hinzu:  quod  de  Falcidia  supra  iam  dictum  est. 

2)  T  fügt  hinzu:  ex  Trebelliano. 

3)  Ex  Pegasiano. 


h)  P.  4,  3,  2.  Totam  hereditatem  resti- 
tuere  rogatus,  si  quartana  retinere  nolit,  magis 
est,  ut  eam  ex  Trebelliano  debeat  restituere: 
tunc  enim  omnes  actiones  in  fideicommissa- 
rium  dantur. 


P.  4,  3,  4.  Qui  totam  hereditatem  resfci- 
tuit,  quum  quartara  retinere  ex  Pegasiano 
debuisset,  si  non  retineat,  repetere  eam  non 
potest:  nee  enim  indebitum  solvisse  videtur, 
qui  plenam  fidem  defuncto  praestare  maluit. 

i)  P.  4,  4,  2.  Heres  per  magistratus  mu- 
nicipales  ex  auctoritate  praesidis,  fideicommis- 
sario  postulante,  hereditatem  adire  et  resti- 
tuere compellitur. 


G.  2,  7  pr.  .  .  in  hac  (quoque)  re  hoc 
observandum  est,  .  .  ut  heres  institutus,  eti- 
amsi  omnem  hereditatem  alii  restituere  ius- 
sus  sit,  ita  hereditatem  alii  restituat,  ut 
quartam  sibi  ex  ipsa  hereditate  retineat. 

Si  is,  qui  totam  hereditatem  per  fidei- 
commissum  alteri  reddere  iussus  est,  quartam 
sibi  iure  concessam  noluerit  retinere,  necesse 
est,  ut  fideicommissario  integram  heredi- 
tatem restituat.  Quo  facto,  sicut  omnis  he- 
reditas,  ita  ad  eum  omnes  heredilariae  trans- 
eunt  actiones. 


Is,  qui  integram  hereditatem  fideicom- 
missario restituit,  quum  quartam  sibi  iure 
concessam  retinere  potuerit,  postea  eam  re- 
petere non  potest:  quia  nee  aliquid  indebi- 
tum solvit,  sed  integram  fidem  defunoto  ex- 
hibuisse  videtur. 


Mortis  causa  donatio  §  16. 


467 


auszuantworten.     Derjenige,    welcher  gezögert  hat,    die  Erbschaft,    die   aus-   p.  4, 4, 4 
zuantworten  ihm   geheissen  worden   ist,   anzutreten,   wird  gezwungen,   wenn 
er  angehalten  gewesen    sein   wird,    sie    zu    übernehmen,    dieselbe    ganz    an 
den   Fideikommissar  auszuantworten.^ 

Weigert  sich  derjenige,  welcher  zum  Erben  eingesetzt  worden  ist  und  p.  4,  4, 3 
die  Weisung  erhalten  hat,  die  Erbschaft  einem  Andern  auszuantworten, 
die  Erbschaft  anzutreten,    so    kann    der   Fideikommissar  erzielen,  dass 
demjenigen,  welcher  in  dieser  Art  zum  Erben  eingesetzt  worden  ist,  ge- 
heissen wird,  die  Erbschaft  sowohl  anzutreten,  als  auch  auszuantworten.^ 

k)  Wird  derjenige,  welcher  von  dem  Verstorbenen  aufgefordert  worden  ist,  die  p.  4, 5, 9 
hinterlassene  Erbschaft  einem  Andern  auszuantworten,  wegen  der  Inoffi- 
ciositätsquerel  eine  Klage  angestrengt  haben,  so  wird,  was  fideikommis- 
sarisch  aufgetragen  worden  ist,  demjenigen  herauszugeben,  welchem  es 
herauszugeben  ihm  geheissen  ist,  durchaus  nicht  hinfällig  werden.  Hin- 
gegen verliert,  wer  die  Inofficiositäts(|uerel  proponiert  hat,  um  seiner  Schuld 
willen  die  Quart,  die  er  nach  dem  Benefiz  des  Senatuskonsultes  aus  dem 
Fideikommiss  hätte  haben  sollen. 

aa)  Wenn  der  Vater  den  Sohn  auf  das  Ganze  zum  Erben  eingesetzt  und  p.  4,  5,  5 
mittels  Fideikommissen  oder  Legaten  diese  Erbschaft  vollständig  ver- 


1)  Wer    angehalten    worden   ist,    eine    suspekte  Erbschaft   anzutreten,   erstattet    Ex 
TrebelHano  Alles  zurück. 

2)  Erweist  der  Fideikommissar,   dass   der  Erbe   die  Erbschaft  nicht  antreten  will,   so 


P.  4,  4,  4.     Suspectam  hereditatem  adire 
compulsus,  omnia  ex  TrebelHano  restituit. 


P.  4,  4,  3.  Fideicommissarius  si  affirmet, 
heredem  noUe  adire  hereditatem,  absente  eo 
interponi  decretum  et  in  possessionem  mitti 
iure  desiderat. 


k)  P.  4,  5,  9.  Rogatus  hereditatem  resti- 
tuere,  etsi  inofficiosi  querelam  instituerit, 
fideicommisso  non  fit  iniuria:  quartam  enim 
solummodo  hereditatis  amittit,  quam  bene- 
ficio  Senatusconsulti  habere  potuisset. 


aa)  P.  4,  5,  5.  Filius  ex  asse  heres  institu- 
tus  inofficiosum  dicere  non  potest:  nee  inter- 
est,  exhausta  necne  sit  hereditas:  quum  apud 
eum  quarta  aut  legis  Falcidiae  aut  Senatus- 
consulti Pe^asiani  beneficio  sit  remansura. 


Qui  hereditatem,  quam  restituere  iussus 
est,  adire  dubitabat,  si  eam  suscipere  com- 
pulsus fuerit,  integram  eam  fideicommissario 
reformare  compellitur. 

Si  is,  qui  heres  scriptus  est  et  alteri  here- 
ditatem restituere  iussus  est,  adire  heredi- 
tatem dissimulet,  potest  fideicommissarius 
obtinere,  ut  is,  qui  heres  in  hoc  ordine  scrip- 
tus est,  et  hereditatem  adire  et  restituere 
iubeatur. 

Si  is,  qui  a  defuncto  rogatus  est,  ut  re- 
lictam  hereditatem  alteri  restituat,  de  inof- 
ficiosi querela  instituerit  actionem,  id,  quod 
fideicommissum  est,  ut  redderet  ei,  cui  red- 
dere  iussus  est,  penitus  non  peribit:  sed  ille, 
qui  inofficiosi  querelam  proposuit,  quartam, 
quam  ex  fideicommisso  Senatusconsulti  bene- 
ficio erat  habiturus,  suo  vitio  perdit. 

Si  pater  filium  ex  asse  heredem  instituat 
et  per  fideicommissa  aut  legata  hereditatem 
ipsam  totam  diversis  distribuat,  filius  contra 
patris  testamentum  de  inofficioso  agere  non 
potest:  quia  quartam  sibi  aut  per  legem 
Falcidiam  aut  per  Senatusconsulti  beneficium 
retinebit. 

30* 


468 


Privatrecht.     Fünftes  Buch. 


C.  8,  5,  1 
pr. 

C.  8,  5,  l 


P.  2,  24,  1 
P.  3,  10,  2 

P.  3,  10,  1 


schiedenen  Personen  zuweist,  kann  der  Sohn  gegen  das  Testament 
des  Vaters  De  inofficioso  nicht  klagen,  weil  er  sich  die  Quart  ent- 
weder durch  die  Lex  Falcidia,   oder  durch  das  Benefiz  des  Senatus- 


konsults,  zurückbehalten  wird/ 


VII.  Mortis  causa  donatio  §  i6. 

a)  Die  Schenkung  ist  entweder  eine  direkte  oder  wird  von  Todeswegen  ab- 
gefasst. 

b)  Eine  Schenkung  von  Todeswegen  ist  vorhanden,  sobald  der  Schenker,  so- 
lange er  lebt,  die  Sache,  welche  er  schenkt,  sich  vorbehält,  indem  er  schreibt: 
falls  ich  früher  gestorben  gewesen  sein  werde  als  Du,  soll  meine  Sache  Dir 
zugehören,  sodass  die  geschenkte  Sache  künftig  demjenigen,  welchem  er  schenkt, 
nicht  den  Erben  des  Schenkers,  zukommt.  Stirbt  derjenige,  welchem  die 
Sache  von  Todeswegen  geschenkt  worden  ist,  früher,  so  soll  die  Sache  im 
Rechte  des  Schenkers  verbleiben. 

c)  Eine  Schenkung  von  Todeswegen  ist  vorhanden,  die  bei  drohender  Todes- 
gefahr geschieht,  wie  im  Falle  von  Krankheit,  Reise  in  die  Fremde,  Fahrt 
zu  Schiff  oder  Kriegsfall.  Die  Schenkung  von  Todeswegen  wird  bei  Auf- 
hören der  Krankheit  und  folgender  Heilung,  sowie  auch  im  Falle  der  Reue 
widerrufen:  sie  erhält  ledighch  durch  den  Tod  Kraft. 

aa)  Von  Todeswegen  schenkt  derjenige,   welcher  in  den  Krieg  zieht  und 


verlangt  er  mit  Grund,  dass  in  dessen  Abwesenheit  Einlegung  eines  Dekrets  und  Einweisung 
in  den  Besitz  stattfindet. 

1)  Vgl.  S.  408  Anm.  1. 


§  16)  a)  C.  8,  5,  1  pr.    Donatio,  sive  directa 
sit,  sive  mortis  causa  instituta  .  . 

h) 


c)  P.  2,  24,  1.  Mortis  causa  donatio  est, 
quae  impendente  metu  mortis  fit,  ut  est 
valetudinis,  peregrinationis,  navigationis  vel 
belli. 

P.  3,  10,  2.  Donatio  mortis  causa  cessante 
valetudine  et  secuta  sanitate,  et  poenitentia 
etiam  revocatur:  morte  enim  tantummodo 
convalescit. 

aa)  P.  3,  10,  1.  Mortis  causa  donat,  qui 
ad   bellum   proficiscitur   et   qui   navigat,    ea 


Donatio  aut  directa  est  aut  mortis  causa 
conscribitur  .  . 

C.  8,  5,  1.  .  .  Mortis  causa  donatio  est,  ubi 
donator,  dum  advivit,  rem,  quam  donat,  sibi  re- 
servat, scribens:  si  prius  mortuus  fuero  quam 
tu,  res  mea  ad  te  perveniat,  ut  postea  ad  illum, 
cui  donat,  non  ad  heredes  donatoris  res  do- 
nata  perveniat.  Quod  si  prius  moriatur,  cui 
res  mortis  causa  donata  est,  res  in  iure  per- 
maneat  donatoris  .  . 


Mortis  causa  donatio  §  16. 


469 


eine  Seereise  unternimmt,  in  dem  Sinne,  dass  ihm  restituiert  werden 
solle,  wenn  er  zurückgekehrt  gewesen  sein  wird;  wird  er  umgekommen 
sein,  so  soll  das  Geschenkte  bei  demjenigen  verbleiben,  welchem  er 
geschenkt  hat. 

d)  Bei  Schenkungen,  welche  Mortis  causa  geschehen,  wird  die  folgende  Wort-   p.  2,  24, 6 
solennität  in  Acht  genommen:   ich  will  lieber,   dass  Du  dieses  Grundstück 

oder  dieses  Haus  hast,  als  ich,  und  will  lieber  dass  Du  es  hast  als  mehie  Erben. 

e)  Wird  zwischen  Mann  und  Frau  während  der  Ehe  Mortis  causa  eine  Sehen-   P-  2, 24,  6 
kung   gemacht    gewesen    sein,   so   gewinnt   sie    durch    den    Tod    des   einen 
Gatten  Bestand.^ 


1)  Vgl.  S.  331  Anm.  1. 


scilicet  conditione,  ut,  si  reversus  fuerit,  sibi 
restituatur:  si  perierit,  penes  eum  remaneat, 
cui  donavit. 


e)  P.  2,  24,  6.  Quocunque  tempore  con- 
templatione  mortis  inter  virum  et  uxorem 
donatio   facta  est.   morte  secuta  convalescit. 


P.  2,  24,  6.  .  .  in  donationibus,  quae 
mortis  causa  fiunt,  liaec  verborum  solennitas 
custoditur:  lUum  agrum  aut  illam  domum  te 
malo  habere  quam  me:  te  quam  heredes 
meos. 

Si  inter  virum  et  uxorem  matrimonii 
tempore  mortis  causa  fuerit  facta  donatio, 
morte  unius  convalescit  .  . 


öffentliches  Recht. 


Erstes  Buch. 

Civilprozessrecht. 


Erstes  Kapitel.     Die  am  Prozess  beteiligten  Personen. 

I.  Die  Gerichte  §  i. 

1 )  Civilgerichtsbarkeit. 

a)  Umfang, 
c.  2, 1,10  a)  ^Alle  Juden,  die  als  Römer  gelten,  sollen  bei  den  Oberen  ihrer  Religion 
allein  dies  betreiben,  was  ihre  Glaubensdisziplin  angeht,  derart,  dass  sie 
dasjenige,  was  nach  den  Hebräischen  Gesetzen  verordnet  ist,  unter- 
einander beobachten  sollen.  Dagegen  sollen  sie  die  sonstigen  Ge- 
schäfte, die  in  unsern  Gesetzen  enthalten  sind  und  auf  das  Forum  sich 
beziehen,  bei  dem  Judex  provinciae  nach  dem  gleichen  Rechte  wie  Alle 
betreiben.     Wenn   freilich  beide  Parteien   übereinstimmend  mit  Bezug   auf 


1  a)  a)  C.  2,  1,  10.  ludaei  Romano  et  com- 
muni  iure  viventes  in  his  causis,  quae  non 
tarn  ad  superstitionem  eorum,  quam  ad  fo- 
rum et  leges  ac  iura  pertinent,  ad,eant  so- 
lenni  more  iudicia  omnesque  Romanis  legibus 
inferant  et  excipiant  actiones:  postremo  sub 
legibus  nostris  sint.  Sane  si  qui  per  com- 
promissum,  ad  similitudinem  arbitrorum,  apud 
ludaeos  vel  patriarchas  ex  consensu  partium, 
in  civili  duntaxat  negotio,  putaverint  liti- 
gandum,  sortiri  eorum  iudicium  iure  publico 
non  vetentur:  eorum  etiam  sententias  pro- 
vinciarum  iudices  exsequantur,  tanquam  ex 
sententia  cognitoris  arbitri  fuerint  attributi. 


ludaei  omnes,  qui  Romani  esse  noscuntur, 
hoc  solum  apud  religionis  suae  maiores 
agant,  quod  ad  religionis  eorum  pertinet  dis- 
ciplinam,  ita  ut  inter  se,  quae  sunt  Hebraeis 
legibus  statuta,  custodiant.  Alia  vero  nego- 
tia,  quae  nostris  legibus  continentur  et  ad 
forum  respiciunt,  apud  iudicem  provinciae 
eo,  quo  omnes,  iure  confligant.  Sane  si  apud 
maiores  legis  suae  consentientes  ambae  partes, 
de  solo  tarnen  civili  negotio  audiri  voluerint, 
quod,  interveniente  compromisso,  arbitrali  iu- 
dicio  terminatur,  tale  sit,  quasi  ex  praecepto 
iudicis  fuerit  delinitum. 


Die  Gerichte  §  1. 


471 


eine  blosse  Civilsache,   die,   bei  Vorbandensein  eines  Kompromisses,    durch 
Schiedsspruch   erledigt  wird,   bei  den  Oberen  ihres  Gesetzes  werden  haben 
verhandeln    wollen,    soll    es    derart    sein,    als   wird    durch    Anordnung    des 
Richters  die  Entscheidung  getroffen  gewesen  sein.i 
b)  Niemandem  soll  irgendwie  in  Civilsachen^  mihtärische,  sei  es  Beschützung,    c.  1,8,  i 
sei  es  Exekution  gewährt  werden.     AVird  irgend  Jemand  unter  Übergehung  c.  2, 1,  9 
des  Provinciae  iudex  vor  denjenigen,  die  an  der  Spitze  der  Bewaffneten  zu 
stehen  gelten,  seine  Sache  anbringen  zu  sollen  geglaubt  haben,  so  möge  er 
wissen,  dass  er  dem  Exil  zu  überliefern  ist,  während  derjenige,  welcher  die 
Sache   von  jenem  zu  proponieren  übernommen  haben  wird,   zu  zehn  Pfund 
Gold  zu  verurteilen  ist.^  Während  wir  nun  verordnet  haben,  dass  Civilsachen   c.  2, 1,  2 
vor  die  Provinciarum  rectores  gehören,  *soll,  so  oft  sich  eine  Criminalis  actio 
eingestellt  haben  wird  zwischen  denjenigen,  welche  unter  unsern  Waffen  dienen, 
und  Privatpersonen,  falls  der  Militaus  die  Privatperson  vor  Gericht  geladen 
haben  wird,  der  Rector  provinciae  die  Macht  haben,  die  Sache  zur  Kognition 
zu  ziehen  und  zu  enscheiden.     Wird  dagegen  die  Privatperson  die  Person, 
welche  uns  imter  den  Waffen  dient,  bez.  die  Militärperson,  verklagt  haben, 
so  soll  jener  die  Sache  zur  Kognition  ziehen,  zu  dessen   Ordinatio  derjenige 
gehört,  welcher  Soldat  ist,  bez.  für  den  er  die  Waffen  geführt  haben  wird.* 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch,  §  22,  Ib.  2)  Negotia  privatorum. 

3)  T  sagt,  dass,  wenn  Jemand  unter  Übergehung  der  ludices  ordinarii  ohne  ein 
Coeleste  oraculum  eine  Civilsache  vor  das  Militärgericht  bringen  zu  sollen  geglaubt  hat,  ei* 
ausser  den  früher  promulgierten  Strafen  Deportation  erfährt  und  sein  Advokat  zu  zehn 
Pfund  Gold  verurteilt  wird. 

4)  T  spricht  von  Miles,  bez.  Militaris,  und  dem  Privatus  und  bezeichnet  denjenigen 
cui  militaris  rei  cura  mandata  est,  als  den  zur  Aburteilung  des  ersteren  in  Kriminalsachen 
kompetenten  Richter. 


b)  C.  1,  8,  1.  Nunquam  omnino  negotiis 
privatorum  vel  tuitio  militis  vel  exsecutio 
tribuatur. 

C.  2,  1,  9.  Si  quis  neglectis  iudicibus 
ordinariis  sine  coelesti  oraculo  causam  civi- 
lem  ad  militare  iudicium  crediderit  deferen- 
dam,  praeter  poenas  ante  promulgatas  intel- 
ligat,  se  deportationis  sortem  excepturum, 
nihilominus  et  advocatum  eins  decem  libra- 
rum  auri  condemnatione  feriendum. 

C.  2,  1,  2.  Definitum  est,  provinciarum 
rectores  in  civilibus  causis  litigia  terminare, 
etsi  militantes  exceperint  iurgia  vel  moverint. 
Ne  igitur  usurpatio  iudicia  legesque  con- 
fundat  aut  iudicibus  ordinariis  adimat  pro- 
priam  notionem,  ad  provinciarum  rectores 
transferantur  iurgia  civilium  quaestionum. 
In  criminalibus  etiam  causis,  si  miles  po- 
poscerit  reum,  provinciae  rector  inquirat.  Si 
militaris  aliquid  admisisse  firmetur,  is  cog- 
noscat,  cui  militaris  rei  cura  mandata  est. 


NuUi  penitus  in  civilibus  causis  militaris 
vel  tuitio  vel  exsecutio  doputetur. 

Quisquis  contemto  provinciae  iudice,  ad 
illos,  qui  armatis  praeesse  noscuntur,  causam 
suam  crediderit  transferendam,  exilio  se  de- 
putandum  esse  cognoscat,  et  cum,  qui  causam 
illius  susceperit  proponendam,  decem  libras 
auri  esse  damnandum. 

Etsi  civilia  negotia  ad  provinciarum  rec- 
tores iussimus  pertinere,  tarnen,  quoties  cri- 
minalis actio  intercesserit  inter  illos,  qui  in 
armi?  nostris  militant,  atque  privatos,  si  mili- 
tans  in  iudicium  vocaverit,  rector  provinciae 
audiendi  et  iudicandi  habeat  potcstatem.  Si 
vero  privatus  servientem  nobis  in  armis  vel 
militantem  forte  pulsaverit,ille  causam  audiat, 
ad  cuius  ordinationem  is  respicit,  qui  militat, 
vel  cui  arma  tenuerit. 


472 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  2,  1,  5 


N.V.12, 1 
pr.  1  u.  2 


c)  So  oft  von  unserem  Fiskus  irgend  etwas  zurückverlangt  wird,  soll  die  Sache 
bei  dem  Provinciae  iudex  in  Gegenwart  unseres  Ordinator  verhandelt  werden, 
damit  in  seiner  Gegenwart  Alles  dasjenige,  was  nach  dem  Laufe  der  Ge- 
rechtigkeit vorgeschrieben  sein  wird,  geurteilt  werde.^ 

d)  2 Wird  irgend  ein  Laie  einen  Kleriker,  sei  es  in  einer  Civil-,  sei  es  in 
einer  Krirninalsache,  mittels  der  Autorität  des  Judex  öffentlich  vorgeladen 
haben,  so  soll  der  Verklagte  ohne  Verzug  antworten,  auch  Bischöfe,  die 
vor  Gericht  geladen  worden  sind.  Wird  ein  Kleriker  irgend  Jemanden 
mit  einem  Prozess  verfolgt  haben,  so  soll  er  in  dem  Forum  desjenigen, 
welchen  er  vor  Gericht  ruft,  vernommen  werden,  es  sei  denn  dass  der  Ver- 
klagte sich  dabei  beruhigt  haben  wird,  vor  das  Gericht  des  Bischofs  oder 
Presbyters  zu  treten.  Wird  derjenige,  welcher  klagt,  anders  gehandelt  haben,  so 
unterliegen  die  Verteidiger  dieser  Sache  einer  Beschimpfung  der  Art,  dass  sie 
von  jedem  Officium  und  von  jeder  Verfolgung  von  Sachen  ferngehalten  werden.^ 


1)  T  sagt,  dass  ein  Prozess  gegen  die  Res  nostra  in  Gegenwart  des  Rationalis  zu 
führen    sei   und   der  Richter   die   von  der  Iuris   aequitas  geforderte  Sentenz  zu  fällen  habe. 

2)  J  schickt  den  Satz  voraus,  dass  der  Teil  des  über  verschiedene  Dinge  Vieles  ver- 
ordnenden Gesetzes,  welcher  davon  handelt,  dass  Kleriker  nicht  anders  als  auf  Grund  des 
Bandes  des  Kompromisses  das  bischöfliche  Gericht  angehen  sollen,  mittels  des  späteren  Ge- 
setzes Majorians  (2,  1)  abgeschafft  sei  (Lex  ista  de  diversis  rebus  multa  constituit:  sed  inprimis 
de  clericis  quod  dictum  est,  ut  nisi  per  compromissi  vinculum  iudicium  episcopale  non 
adeant,  posteriori  lege  Maioriani  abrogatum  est).  Diese  Bemerkung  bezieht  sich  auf  den 
Satz  von  T,  wonach  bei  einem  Rechtsstreit  unter  Klerikern,  aber  auch  unter  Laien,  im 
Falle  eines  Kompromisses,  der  Bischof  als  Richter  auftreten  könne,  während  ihm,  bez.  dem 
Pre.sbyter,  hiervon  abgesehen.  Praeter  religionem  keine  Gerichtsbarkeit  zukomme,  und  Par- 
teien, die  zum  Schiedsgericht  nicht  gewillt  sind,  nach  den  Publicae  leges  und  dem  lus 
commune  klagen  sollen  (De  episcopali  iudicio  diversorum  saepe  causatio  est.  Ne  ulterius 
querela  procedat,  necesse  est  praesenti  lege  sanciri,  Itaque  quum  inter  clericos  iurgium 
vertitur,  et  ipsis  litigatoribus  convenit,  habeat  episcopus  licentiam  iudicandi,  praeeunte 
tamen  vinculo  compromissi.  Quod  et  laicis,  si  consentiant,  auctoritas  nostra  permittit. 
Aliter  eos  iudices  esse  non  patimur,  nisi  voluntas  iurgantium  interposita,  sicut  dictum  est, 
conditione  praecedat,  quoniam  constat,  episcopos  et  presbyteros  forum  legibus  non  habere, 
nee  de  aliis  causis,  secundum  Arcadii  et  Honorii  divalia  constituta,  quae  Theodosianum 
corpus  ostendit,  praeter  religionem,  posse  cognoscere.  Si  ambo  eiusdem  officii  litigatores 
nolint,  vel  alteruter,  agant  publicis  legibus  et  iure  coramuni  .  .).  N.Mai.  2,  1  giebt  übrigens 
den  divergierenden  Text  nicht,  und  J  erklärt  die  ünvollständigkeit  desselben  damit,  dass 
hiervon  bereits  in  andern  Gesetzen  in  evidenter  Interpretation  gesprochen  wird  (Haec  lex 
ideo  ad  integrum  scripta  non  est,  quia  iam,  quae  de  diversis  negotiis  loquitur,  in  reliquis 
legibus  evidenti  interpretatione  habentur   expressa). 

3)  T  sagt,  dass  den  Causidicus  die  Officii  amissio,  den  lurisconsultus  Damna  existi- 
mationis  et  interdictae  civitatis  treffen. 


c)  C.  2,  1,  5.  Si  quis  rem  nostram  coe- 
pcrit  lite  pulsare,  rationali  praesente  con- 
fligat:  quo  defensante  et  controversia  omnis 
agitetur,  et  iudex  eam  sententiam  decernat, 
quam  iuris  aequitas  postulaverit. 

d)  N,  V.  12,  1  pr.  1  u.  2.  .  .  sin  vero  pe- 
titor  laicus,  seu  in  civili  seu  in  criminali 
causa,  cuiuslibet  loci  clericum,  adversarium 
suum,    si    id    magis   eligat,  per  auctoritatem 


Quoties  a  fisco  nostro  aliqua  repetuntur, 
res  apud  provinciae  iudicem  sub  praesentia 
nostri  ordinatoris  agatur:  ut  illo  praesente, 
quicquid  iustitiae  ordo  suaserit,  iudicetur. 

.  .  (Lex  ista  .  .  [De  reliquis]  praecepit,) 
ut  si  quis  laicus  clericum  sive  in  civili  seu 
in  criminali  negotio  per  auctoritatem  iudi- 
cis   ad   publicum   provocaverit,  pulsatus  sine 


Die  Gerichte  §  1. 


473 


ß)  Die  Behörden  im  allgemeinen. 

a)  Res  iudicatae  werden  erachtet  von  selten  derjenigen  herzurühren,  welche  p.  5, 5, 1 
Imperium  und  Potestas  haben,  oder  die  auf  Grund  der  Autorität  derselben 
unter  den  Parteien  gegeben  werden,  ingleichen  seitens  der  Munizipalmagi- 
strate bis  zu  der  Summe,  bis  zu  welcher  sie  Recht  sprechen  können,  in- 
gleichen seitens  derjenigen,  die  von  dem  Kaiser  Extra  ordinem  erbeten 
werden:  ^sie,  die  auf  Grund  einer  Delegation  Sachen  behandeln,  heissen  p.  5, 30, 1 
Pedanei  iudices.^ 

y)  Die  einzelnen  Behörden. 

a)  Wird  irgend  Jemand  gegen  Pupillen,  Witwen  und  Kranke^  unsere  Befehle  c.i,  9, 2 
erzielt  haben,  ^so  versagen  wir  durchaus  die  Befugnis,  sie  von  ihren  Orten 
wegzurufen  oder  ausserhalb  ihrer  Provinz  irgendwohin  zu  ziehen,  damit  sie 
dort  ihre  Sache  anbringen  sollen,  wo  sie  besser  instruiert  sein  und  leichter 
Zeugen  finden  können.  Werden  sie  dagegen  selbst,  wegen  deren  Anstreng- 
ung Avie  Fürsorge  treffen,  uns  angehen  zu  sollen  geglaubt  haben,  so  versagen 
wir  dieser  ihrer  Absicht,  um  zum  Ziele  zu  gelangen,  durchaus  nicht  den 
Erfolg,  derart,  dass  ihre  Gegner  durch  den  Rector  provinciae  angehalten 
werden,  vor  der  Person  des  Princeps  zu  erscheinen.^ 


1)  T  spricht  lediglich  von  Pedanei  iudices. 

2)  T  fügt  hinzu:  et  debiles. 

3)  T  sagt,  dass  sie  von  keinen  Judices  angehalten  werden  dürfen,  vor  dem  Komitat 
des  Kaisers   zu  erscheinen,    vielmehr  innerhalb  der  Provinz,  in   welcher  Partei  Zeugen  und 


legitimam  in  publico  iudicio  respondere  com- 
pellat.  Quam  form  am  etiam  circa  episco- 
porum  personam  observari  oportere  cense- 
mus  .  .  In  clerico  petitore  consequens  erit, 
ut  secundum  leges  pulsati  forum  sequatur, 
si,  ut  dictum  est,  adversarius  suus  ad  epi- 
scopi  vel  presbyteri  audientiam  non  praestat 
assensum:  poena  defensoribus  negotii,  qui  in 
eodem  extraordinario  iudicio  adfuerint  atque 
egerint,  huius  modi  constituta,  ut  causidicum 
ot'ficii  amissio,  lurisconsultum  existimationis 
et  interdictae  civitatis  damna  percellant. 

ß)  a)  P,  5,  5,  1.  Res  iudicatae  videntur 
ab  bis,  qui  imperium  potestatemque  habent 
vel  qui  ex  auctoritate  eorum  inter  partes 
dantur:  itemque  a  magistratibus  municipali- 
bus  usque  ad  summam,  qua  ins  dicere  pos- 
sunt;  itemque  ab  his,  qui  ab  imperatore 
extra  ordinem  petuntur  .  . 


y)  a)  C.  1,  9,  2.  Si  contra  pupillos,  vi- 
duas  vel  morbo  fatigatos  et  debiles  impetra- 
tum  fuerit  lenitatis  nostrae  iudicium,  memo- 
rati  a  nullo  nostrorum  iudicum  compellantur 
comitatui  nostro  sui  copiam  facere.    Quin  imo 


dilatione  respondeat.  Episcopi  etiam  .  .  ad 
iudicium  (fuerint)  provocati  .  .  CJericus  si 
aliquem  lite  pulsaverit,  in  foro  illius,  quem 
ad  iudicium  provocat,  audiatur:  si  tamen 
pulsatus  non  acquieverit,  ad  episcopi  vel 
presbyteri  venire  iudicium.  Qaod  si  aliud 
fecerit  ille,  qui  pulsat,  defensores  causae 
ipsius  taliter  notari  praecepit,  ut  ab  omni 
officio  et  prosecutione  causaram  habeantur 
extranei. 


P.  5,  30,  1.  (Si)  pedanei  iudices,  id  est, 
qui  ex  delegatione  causas  audiunt  .  . 

Quicunque  adversus  pupillos,  viduas  et 
aegrotos  nostra  praecepta  meruerit,  eos  de 
locis  suis  commovendi  vel  extra  provinciam 
suam  usquam  penitus  protrahendi  licentiam 
summovemus,  ut  ibi  causam  suam  dicant,  ubi 


474 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  2,7,  1 


C.2,  1,2 
C.  2,  1,  10 


C.  3,  11,  1 


Es  trägt  sich  zu,  dass  von  einem  Princeps  eine  Verfügung  erbeten 
gewesen  sein  wird,  seinen  Gegner  zur  Verhandlung  vor  einen  andern 
Judex  als  denjenigen  zu  ziehen,  \velchem  er  unterworfen  ist.^ 

b)  Wir  haben  verordnet,  dass  Civilgeschäfte  vor  die  Provinciarum  rectores  ge- 
hören: 2 alle  Juden,  die  als  Römer  gelten,  sollen  die  Geschäfte,  die  in 
unsern  Gesetzen  enthalten  sind  und  auf  das  Forum  sich  beziehen,  bei  dem 
Judex  provinciae  nach  dem  gleichen  Rechte  wie  Alle  betreiben.^ 

c)  ^  Wenn  irgend  Jemand  aus  der  Zahl  derjenigen  Judices,  welche  Provinzen 
verwalten,   oder  auch   derjenigen,   denen  Gemeinden,  bez.  Loca,    anvertraut 


Instrumente  sich  befinden,  prozessieren  und  um  keinen  Preis  die  Grenzen  der  Provinzen  über- 
schreiten sollen.  Werden  Pupillen  oder  Witwen  und  sonstige  bemitleidenswerte  Personer» 
das  kaiserliche  Gericht  erbeten  haben,  zumal  wenn  sie  die  Potentia  von  irgend  Jemandem 
fürchten,  so  sollen  ihre  Gegner  gezwungen  werden,  vor  dem  Kaiser  zu  erscheinen. 

1)  T   spricht    davon,    dass   Jemand   ein  Reskript  Ad  extraordinarium  iudicem  davon- 
getragen hat. 

2)  Vgl.  S.  156  Anm.  3. 


intra  provinciam,  in  qua  litigator  et  testes 
vel  instrumenta  sunt,  experiantur  iurgandi 
fortunam,  atque  omni  cautela  servetur,  ne 
terminos  provinciarum  suarum  cogantur  ex- 
cedere.  Quod  si  pupilli  vel  viduae  aliique 
fortunae  iniuria  miserabiles  iudicium  nostrae 
serenitatis  oraverint,  praesertim  cum  alicuius 
potentiam  perhorrescunt,  cogantur  eorum  ad- 
versarii  examini  nostro  sui  copiam  facere. 

C.  2,  7,  1.     Si  quando  quis  rescriptum  ad 
extraordinarium  iudicem  reportaverit  .  . 


b)  C.  2,  1,  2.  Definitum  est,  provincia- 
rum rectores  in  civilibus  causis  litigia  termi- 
nare  .  . 

C.  2,  1,  10.  ludaei  Romano  et  communi 
iure  viventes  in  his  causis,  quae  .  .ad  forum 
et  leges  ac  iura  pertinent,  adeant  solenni 
more  iudicia  oranesque  Romanis  legibus  in- 
ferant  et  excipiant  actiones  .  . 

c)  C.  3,  11,  1.  Si  quis  ordinaria  vel  qua- 
libet  praeditus  potestate  circa  nuptias  invitis 
ipsis  vel  parentibus  contrahendas,  sive  pu- 
pillae sive  apud  patres  virgines  sive  viduae 
erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  denique  cuius- 
cunque  sortis,  occasione  potestatis  utatur, 
et  minacem  favorem  suum  invitis  iis,  quorum 
utilitas  agitur,  exhibere  aut  exhibuisse  dete- 
gitur  .  .  Quia  tarnen  contra  latentem  mali- 
tiam  praeterea  quasdam  domos  vel  quosdam 
parcntes  intelligimus  muniendos,  iubemus,  ut, 
quicunque  iis  et  quaecunque  erit  latentibus 
per  iudicem  promissis  minisve  tentata,  ad  id 


instructiores  esse  et  testimonia  possint  faci- 
lius  invenire.  Sane  si  ipsi,  quorum  fatiga- 
tioni  consulimus,  nos  crediderint  expetendos, 
huic  voluntati  eorum  veniendi  aditum  non 
negamus ;  ita  ut  adversarii  eorum  sub  prae- 
sentia  principis  adesse  per  rectorem  pervin- 
ciae  compellantur. 


Qaando  ab  aliquo  principe  praeceptio 
fuerit  sperata,  ut  ad  alium  iudicem,  quam 
cui  commissus  est,  adversarium  suum  pertra- 
hat  audiendum  .  . 

(Etsi)  civilia  negotia  ad  provinciarum 
rectores  iussimus  pertinere  .  . 

ludaei  oranes,  qui  Romani  esse  noscun- 
tur,  .  .  negotia,  quae  nostris  legibus  conti- 
nentur  et  ad  forum  respiciunt,  ajDud  iudicem 
provinciae  eo,  quo  omnes,  iure  confligant  .  . 

Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civitates 
vel  loca  commissa  sunt,  per  potentiam  in- 
vitis parentibus  virgines  aut  etiam  viduas, 
si  sui  iuris  sint,  per  potestatem  ad  nuptias 
suas  addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et 
earum  utilitatibus  obviantes  per  terrorem 
aut  per  quorumcunque  colludium  addicantur, 
ut  his  personis,  de  quibus  loquitur,  invitae 
iungantur  .  .  Beneficium  (tamen  lex  ista)  ad- 
versus  eiusmodi  homines  parentibus  vel  ipsis 
muiieribus,  quae  in  suo  iure  sunt,  vel  qui 
minorum    aetates    tuentur.   indulsit,   ut  con- 


Die  Gerichte  §  1. 


475 


worden  sind,  mittels  Machtentfaltung  wider  den  AVillen  der  Eltern  Jung- 
frauen oder  AVitwen,  selbst  wenn  sie  Sui  iuris  sind,  kraft  ihrer  Gewalt  zur  Ehe 
sich  zugesprochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren  eigenen 
Interessen  zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels  Kollusion 
mit  beliebigen  Personen,  zugesprochen  werden,  sodass  sie  den  genannten 
Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  hat  das  Gesetz  gegen 
Menschen  dieser  Art  den  Eltern,  bez.  den  Frauen  selbst,  soweit  sie  selb- 
ständig sind,  bez.  denjenigen,  die  das  Alter  der  Minderjährigen  beschirmen, 
das  Benefiz  gewährt,  Kontestationen  bei  anderen  Judices,  bez.  den  nächst- 
gelegenen Civitates,  anzubringen  und  sich  unter  ihren  Schutz,  zu  stellen. 
Mit  der  Massgabe,  dass,  wenn  sich  in  der  gleichen  Provinz  eine  andere 
Gewalt  befindet,  wie  wenn  zwei  Judices  vorhanden  sind,  von  denen  der 
eine  die  privaten  Rechte,  und  der  andere  die  Dominica  iura  verwaltet,  so- 
bald irgend  eine  Person  unter  den  genannten  Bedingungen  von  dem  Einen 
bedrückt  wird,  sie  unter  den  Schutz  des  andern  gestellt  werden  muss  oder 
an  die  Magnifica  potestas,  die  es  dem  Princeps  zu  Gehör  bringen  kann, 
rekurrieren  soll.-^ 
d)  ^So  oft  wegen  kleiner  Vergehen,  das  will  sagen,  wegen  der  Flucht  eines 
einzigen  Sklaven  oder  wegen  eines  weggenommenen  Stück  Viehs  oder  eines 
okkupierten   Streifen  Landes  oder  Hauses  oder  wegen  eines  Furtum,   eines 


C.  2, 1,  8 
pr.  1  u.  2 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch,  §  14,  2  c. 


matrimonium,  cui  adspernatur,  praestare  con- 
sensum,  confestim,  contestatione  proposita, 
cum  sua  suorumque  domo  ad  iurisdictionem 
eius  desinat  pertinere:  curaturis  hoc  unius- 
cuiusque  civitatis  vindicibus  et  eiusdem  iu- 
dicis  apparitoribus.  Equidem  si  haec  pravi- 
tas  ordinarii  iudicis  erit,  universa  eius  domus 
ratio  atque  omnia  vel  civilia  vel  criminalia 
negotia,  quamdiu  idem  in  administratione 
fuerit,  vicario  competant;  sin  autem  vicarius 
vel  similis  potestatis  vim  in  huiusmodi  con- 
trahendo matrimonio  molietur.  vicissim  Ordi- 
narius iudex  interceseor  exsistat;  si  erunt 
uterque  suspecti,  ad  illustrem  praefecturam 
specialiter  talium  domorum,  quamdiu  idem 
administraverit,  tutela  pertineat. 

d)  C.  2,  1,  8  pr.  1  u.  2.  Causas  plurimi 
instituentes  de  fugaci  servo,  aut  manifesto 
furto  aut  non  manifesto,  direpti  etiam  ani- 
malis,  servi,  vel  rei  mobilis  ac  moventis,  vel 
vi  bonorum  raptorum,  parvulae  etiam  terrae, 
finium  et  parvulae  casae,  sub  specie  criminis 
tuum  pulsant  iudicium,  Momentariae  etiam 
possessionis  interdictum,  quod  non  semper 
ad  vim  publicam  pertinet  vel  privatam,  ut 
mox  audiri,  interdum  etiam  sine  inscriptione, 
mereatur,   abacti   etiam   animalis  causa  pro- 


testationes  ad  alios  iudices  vel  civitates  pro- 
ximas  deferant  et  eorum  patrociniis  defen- 
dantur:  ut,  si  in  eadem  provincia  sit  alia 
potestas,  utpote  si  sint  duo  iudices,  unus 
privata  et  alius  dominica  iura  gubernans,  si 
ab  altero  sub  hac  conditione  quaecunque 
persona  prematur,  alterius  tutela  debeat  de- 
fensari,  aut  certe  ad  magnificam  potestatem, 
quae  principis  auribus  hoc  possit  intimare, 
recurrat. 


Quoties  de  parvis  criminibus,  id  est, 
unius  servi  fuga,  aut  sublati  iumenti,  aut 
modicae  terrae  seu  domus  invasae,  vel  certi 
furti,  id  est,  detenti  aut  praeventi,  sub 
criminis  nomine  actio  fortasse  processerit, 
ad  mediocres  iudices,  qui  publicam  discip- 
linam  observant,  id  est,  aut  defensores 
aut  assertores  pacis,  vindictam  eius  rei 
decernimus  pertinere.  Ad  rectorem  vero 
provinciae  illud  negotium  criminale  perve- 
niat,  ubi  de  personarum  inscriptione  agitur. 


476 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  4,  14,  1 


N.M.  1,1, 
1—3 


offenbaren,  das  will  sagen,  bei  Yerübung  der  That  entdeckten  Diebstahls, 
oder  eines  Diebstahls,  bei  welchem  der  Dieb  davonkommt,  mit  Bezug  auf 
das  Vergehen  eine  Actio  angestrengt  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  die 
Strafe  hierfür  vor  die  Mediocres  iudices,  die  für  die  öffentliche  Ordnung 
sorgen,  das  will  sagen,  entweder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Asser- 
tores  pacis  gehöre.  Vor  den  Rector  provinciae  hingegen  soll  derjenige 
kriminelle  Handel  gelangen,  wo  die  Inskription  von  Personen  oder  eine 
.  grössere  Sache  in  Betracht  kommt,  die  nicht  anders  als  von  dem  Ordinarius 
iudex,  nach  Verlesung  des  Gresetzesinhaltes,  beendet  werden  dar£^ 

2)  Gerichtsstand. 

a)  In  Sachen  von  Privatpersonen  soll  der  Sachverhalt  in  Acht  genommen 
werden,  dass  Niemand  durch  das  Urteil  eines  anderen  Bichters  als  des 
seinigen  haftbar  wird. 

b)  AVenn  Jemand  seinen  Gegner,  entweder  durch  einen  Bückforderungsanspruch 
oder   durch  Vorhalten   eines  Vergehens,    angegriffen  haben  wird,    soll  er  in 


1)  T  sagt,  dass  zu  Unrecht  der  Adressat,  ein  Rector  provinciae,  wegen  der  Flucht  eines 
Sklaven,  wegen  Furtum  manifestum  aut  non  manifestum,  vregen  Wegnahme  eines  Tieres  oder 
eines  Sklaven,  bez.  einer  beweglichen  Sache,  sei  es  auch  mit  der  Actio  vi  bonorum  raptorum,  und 
der  Okkupation  kleinen  Besitzes  (terra  fines  parvula  casa)  Sub  specie  criminis  angegangen 
werde:  ingleichen  mit  dem  Besitzinterdikt,  das  nicht  immer  zu  Vis  publica  oder  privata 
gehört,  ut  mox  audiri,  interdum  etiam  sine  inscriptione,  mereatur,  und  wegen  Abigeats:  die 


ponitur.  Quum  igitur  de  his  rebus  parvis 
ac  minimis  tuae  sit  iniuria  potestatis  iudicare, 
decretum  est,  eas  tantum  causas  criminales 
a  sinceritate  tua  audiri,  quas  dignus  et 
meritus  horror  inscriptionis  impleverit,  quae 
magnitudinem  videlicet  criminis  tempusque 
designat,  ut  alterutram  partem  digna  legum 
teuere  possit  austeritas. 

2)  a)  C.  4,  14,  1.  In  privatorum  causis 
huiusmodi  forma  servetur,  ne  quemquam  liti- 
gatorum  sententia  non  a  suo  iudice  dicta 
constringat. 

b)  N.  M.  1,  1,  1 — 3.  Quicunque  civilem  ac- 
tionem  vel  certe  criminalem  accusationem 
adversariis  suis  intendere  moliuntur,  viros 
clarissimos  adeant  provinciarum  rectores,  et 
expositis  querimoniis  insinuatisque  desideriis 
suis  paratissimum  promtissimumque  posthac 
subsidium  iuris  exspectent.  Uli  noxiae  poten- 
tiae  vim  legum  benignam  apponant:  illi  di- 
vitiis  integram  mentem  obiciant.  Non  illum 
supercilium,  quod  hoc  tempore  nulluni  est, 
terrebit:  non  effeminabit  mentem  severam 
quilibet  census  oblatus:  sed  unicuique,  non 
altiore  suspecta,  non  despecta  humiliore  for- 
tuna,  nostrae  mandatorum  non  immemores 
pietatis,  et  antiquo  et  nostro  iure  succurrent. 


vel  maior  causa  est,  quae  non  nisi  ab  ordi- 
nario  iudice,  recitata  legis  sententia,  debeat 
terminari. 


In  causis  privatorum  talis  ratio  observe- 
tur,  ut  nullus  alterius  iudicis  nisi  sui  sen- 
tentia teneatur, 

Si  quis  adversarium  suum  aut  repetitione 
aut  criminis  obiectione  pulsaverit,  in  provin- 
cia,  in  qua  consistit  ille,  qui  pulsatur,  suas 
exserat  actiones,  nee  aestimet  adversarium 
suum  alibi  aut  longius  ad  iudicium  pertra- 
hendum  .  . 


Die  Gerichte  §  1.  477 

der  Provinz,  in  welcher  sich  der  Verklagte  aufhält,  seine  Aktionen  anstellen 
und  nicht  meinen,  dass  sein  Gegner  anderswohin  oder  weiter  w^eg  vor  Ge- 
richt zu  ziehen  ist.i 

AVenn  Jemand  einen  Andern  mit  einem  Prozess  verfolgen  zu  sollen   c.  2, 1, 4 


Kriminalsaclieu  mit  Inskription,  die  die  Grösse  und  Zeit  des  verübten  Verbrechens  bezeichnet 
und  beide  Parteien  verhaftet,  gehören  vor  ihn. 

1)  T  führt  umständlich  aus,  dass,  wer  eine  Civil-  oder  Kriminalklage  anstrengen  will, 
sich  an  die  Viri  clarissimi  provinciarum  rectores  wenden  solle.  Niemand  dürfe  seinen  Gegner 
A  proximis  vel  longinquis  partibus,  per  sacros  afFatus,  bez.  per  magnificentissimorum  vel 
illustrium  iudicum  sententias,  aufbieten,  es  sei  denn,  dass  wegen  der  Potestas  des  Gegners 
oder  wegen  der  Schwierigkeit  der  Sache  selbst,  oder  wegen  des  Druckes  der  öffentlichen 
Schuld,  im  Falle  des  Fehlens  des  Provinzialstattbalters,  der  Spectabilis  iudex  qui  in  locis 
vel  proximo  deget,  oder  das  Auxilium  der  Amplissima  potestas  oder  anderer  Maiores  iudices 
angegangen  wird.  Sei  jedoch  eine  Partei  von  ihrem  Gegner,  indem  er  das  Provinciale  prae- 
sidium  überschreitet,  hintangesetzt  oder  von  dem  Judex  nicht  gehört  worden,  und  habe  sie 
sich  anheischig  gemacht,  bei  einer  Untersuchung  der  Amplissima  potestas  oder  einer  andern 
kompetenten  höheren  Behörde,  die  durch  einen  richterlichen,  gegen  den  Gegner,  bez.  gegen 
den  Richter,  gerichteten  Bericht  veranlasst  worden  ist,  auf  ihre  Gefahr  mittels  Dokumenten 
den  Beweis  zu  führen,  so  solle  nach  der  ihr  in  den  Gesetzen  gewährleisteten  Indemnität 
auch   eine   dem  Rechte  entsprechende  Strafe  gegen   den  Überführten  unverzüglich  sich  an- 


et  querimonias  suas  probantibus  aut  indem- 
nitate  servata  aut  legitima  vindicta  consulent 
subsecuta.  Has  ergo  ob  causas  nulluni  ad- 
versarium  suum  a  proximis  vel  longinquis 
partibus,  non  per  sacros  affatus,  non  per 
magnificentissimorum  vel  illustrium  iudicum 
sententias,  volumus  exhibere,  nisi  forsitan 
aut  propter  potestatem  adversarii,  aut  ipsius 
rei  difficultatem,  aut  public!  debiti  molem 
deficiente  rectore  provinciae  spectabilis  iu- 
dicis,  qui  in  locis  vel  proximo  deget,  vel  am- 
plissiraae  potestatis  vel  aliorum  maiorum  iudi- 
cum auxilium  postulatur.  His  pro  comraodo 
vestro  et  pro  nostri  imperii  humanitate  dis- 
positis,  unusquisque  vestrum,  quum  sint  in 
locis  iudices  legum  custodes  et  earum 
pervigiles  defensores,  prout  puisque  possit 
sine  peregrinatione ,  sine  sumtibus  super 
dubiis  rebus  et  adire  iudicem  et  auxilium 
amicum  legibus  adipisci,  haec,  quae  dicta 
sunt,  observare  debebit.  Si  vero  vel  ab  ad- 
versario,  tan  quam  excedente  provinciale  prae- 
sidiura,  fuerit  contemtus  vel  a  iudice  non 
auditus,  hocque  in  amplissimae  potestatis  vel 
alio  maiore,  competenti  tamen,  examine  per 
relationem  iudicis  contra  adversarium  emis- 
sam,  seu  ipsum  iudicem,  documentis  quibus- 
dam,  neglexisse  nostrae  maiestatis  edicta, 
sui  periculi  memor,  se  promiserit  probaturum, 
tunc  post  indemnitatem  ei  legibus  servatam 
etiam  vindicta  iuri  congrua  in  convictum 
protmus  subsequetur. 


478 


Öflfentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


N.  V. 
12,1,2 


N.M.  1,1, 
5,7,8 


geglaubt  haben  wird,  möge  er  wissen,  class  er  bei  dem  Judex  der 
Provinz,  wo  derjenige,  welcher  verklagt  wird,  wohnt,  seine  Sache  zu 
proponieren  hat.^ 

aa)  Wird  ein  Kleriker  irgend  Jemanden  mit  einem  Prozess  verfolgt  haben, 
so  soll  er  in  dem  Forum  desjenigen,  welchen  er  vor  Gericht  ruft, 
vernommen  werden. 

bb)  Personen,  die  dem  Militärstande  angehören,  sollen  angehalten  werden, 
auch  ihrerseits  bei  den  kompetenten  Richtern  die  Aktionen,  von  denen 
sie  glauben,  dass  sie  ihnen  zustehen,  einzubringen,  weil  durch  alle  G-e- 
setze  verordnet  worden  ist,  dass  der  Kläger  dem  Forum  des  Ver- 
klagten zu  folgen  habe.^ 


schliessen.  T  fügt  schliesslich  noch  den  Satz  hinzu  (§  6),  es  dürfe  Niemand  von  dem  Kaiser  aus- 
bitten, dass  der  Gegner  sich  vor  einem  nicht  kompetenten  Gerichte  verantworten  solle:  vielmehr 
sei  eine  dieses  gestattende  kaiserliche  Verfügung  ungiltig  (Actor  rei  forum  sequatur.  Quod 
sine  coelesti  sententia  non  constat  esse  decretum,  intactum  inviolatumque  servetur;  nemo 
a  nostra  serenitate  postulet  [nee  enira  impetrabit,  non  rescriptum,  non  mandatum  vel  iussum, 
quod  dicunt,  sacrum],  suos  adversarios  in  minime  competenti  iudicio  respondere,  maxime 
quum  hoc  tempore,  quod  superius  dictum  est,  unusquisque  clarissimorum  vel  spectabilium 
iudicum,  si  tarnen  propter  causas  praedictas  ita  usus  tulerit,  et  integras  adeuntibus  aures 
praebere,  et  omni  postposita  invidia,    omni  spreta  gratia  recto  proposito  voluerit  iudicare). 

1)  Der  Actor  soll  dem  Forum  des  Verklagten  folgen,  derart  dass,  wenn  Senatoren 
irgend  etwas  von  den  Provinzialen  fordern,  sie  vor  dem  Provinzialstatthalter  prozessieren 
sollen.  Wenn  jedoch  der  Provinziale  die  Aktionen  nicht  übernimmt,  sondern  anstrengt,  soll 
er  vor  dem  Praefectus  urbis  klagen. 

2)  T  sagt,   dass   sowohl  der  Miles  in  civili,    als  auch  der  Privatus  in  militari  iudicio 


C.  2,  1,  4.  Actor  rei  forum  sequatur,  ita 
ut,  si  senatores  aliquid  a  provincialibus  pos- 
eunt,  eo,  qui  provinciam  regit,  cognitore  con- 
fligant.  Si  vero  provincialis  non  suscipiat, 
sed  inferat  actiones,  praefecto  urbis  discep- 
tante  decertet. 

aa)  N.  V,  12,  1,  2.  In  clerico  petitore  con- 
sequens  erit,  ut  secundum  leges  pulsati  forum 
sequatur  .  . 

bb)  N.  M.  1,  1,  5,  7,  8.  .  .  Nonnulli  .  . 
vexare  suos  adversarios  tantummodo  cupien- 
tes  .  .  ad  aliena  eos  iudicia  pertrahebant  ita, 
ut  hinc  saepius  eveniret,  ut  et  miles  in  civili  et 
privatus  in  militari,  sed  sibi  incongruo,  pere- 
grinaretur  iudicio  .  .  lubemus  namque,  omnes, 
pro  priscis  ac  saluberrimis  iustitutis,  suos  ad- 
versarios satisfactionem  forsitan  differentes  in 
proprio  foro,  non  in  minime  competenti,  fictis 
quibusdam  occasionibus ,  exposcere  litigato- 
rem.  Quam  form  am  etiam  in  militari  parte 
volumus  observari,  nee  passim  aliqaem  ar- 
matae  militiae  sociatum  longinquis  partibus 
trahi,  sed  in  locis  apud  competentem  iudicem 
pulsari,  nisi  tarnen  super  maximis  et  neces- 
sariis    causis   et  militarem   iudicem   in   locis 


Si  quis  alium  crediderit  lite  pulsandum, 
apud  provinciae  illius  iudicem,  ubi  is  habitat, 
quem  pulsat,  negotium  suum  noverit  propo- 
nendum. 


Clericus  si  aliquem  lite  pulsaverit,  in 
foro  illius,  quem  ad  iudicium  provoeat,  audi- 
atur .  . 

(Simili  etiam  et)  militantes  (ordine)  te- 
neantur,  ut  et  ipsi  apud  competentes  iudices, 
quas  competere  sibi  credunt,  exserant  acti- 
ones, quia  Omnibus  legibus  constitutum  est, 
ut  actor  rei  forum  sequatur. 


Die  Gerichte  §  1. 


479 


c)  Wir  wollen,   class  die  Frauen  nach  dem  von  ihren  Gatten  erzielten  Honor  c.  2, 1, 7 
genannt    werden:    derart,    dass    sie    in    ihren  Geschiiften    vor   dem  gleichen 
Forum,  wohin  sie  dem  Manne  gefolgt  ist,  sich  verantwortet.^ 


sich  zu  verirren  pflege.  Alle  sollen  ihre  Gegner  im  eignen  Forum  vorladen.  Es  gelte  dies 
auch  von  Soldaten,  sodass  Personen  der  Armata  militia  nicht  longinquis  partibus  geladen 
werden  dürfen,  sondern  in  locis  bei  dem  kompetenten  Richter  verklagt  werden  müssen,  es 
sei  denn,  dass  eine  JVlilitärperson  wegen  sehr  grosser  und  notwendiger  und  die  Kompetenz 
des  Militärrichters  In  locis  überschreitender  Sachen  angeklagt  worden  sei.  Sei  Jemand 
Secundum  datam  formam  in  ferne  Untersuchung  gezogen  worden,  und  die  Cognitio  durch 
seine  Culpa  geschehen,  oder  sei  er  bei  der  Actio  nicht  zugegen  gewesen  oder  habe  die  An- 
schuldigungen nicht  bewiesen,  so  habe  er  wegen  Kalumnie  die  gesetzliche  Strafe  zu  ent- 
richten, pro  pecuniaria  causa  aber  eine  Verurteilung  nach  richterlicher  Schätzung  zu  ge- 
wärtigen. Niemand  solle  von  dem  Kaiser  oder  von  den  Magnificentissimi  oder  Illustres  iudices, 
nisi  in  maximis  ac  necessariis  rebus  publicisve  debitis,  das  Subsidium  exhibitionis  bean- 
spruchen. Habe  Jemand  anmassender  Weise  anders,  als  es  in  den  Edikten  vorgeschrieben 
ist,  den  Maior  iudex  oder  Nostra  maiestas  angegangen,  so  treffe  ihn  nicht  bloss  der  Verlust 
des  Prozesses  und  die  Gefahr  der  Plus  petitio,  sondern  sei  er  auch  dem  kompetenten  Motus 
zu  überliefern.  1)  Vgl.   S.  101  Anm.  3. 


excedentibus  fuerit  accusatus:  non  ignorante 
€0,  cuius  ex  interpellatione  aliquis  secundum 
datam  formam  in  longinqua  fuerit  protractus 
examina,  quod  si  culpa  sui  fuerit  dilata  cog- 
nitio, vel  minime  actioni  suae  adfuerit,  vel 
delata  non  probaverit,  pro  calumnia  quidem 
poenam  luat  legibus  constitutam,  pro  pecu- 
niaria vero  causa  post  dispendia,  post  sumtus, 
considerata  quantitate  postulatorum  vel  medii 
itineris  intervallo,  condemnationem  pro  aesti- 
matione  iudicis  sustinebit.  Nam  dignum  est, 
eos,  qui  maiorum  nostrorum  nostrarumque 
legum  avaritia  stimulante  vel  invidia  incitante 
fines  perturbare  seu  castra  perfringere  cona- 
buntur  habitantium,  saltem  intentato,  quo 
magis  puniuntur,  dispendio  refrenari.  Ergo 
consulito  vestris  commodis,  nostris  saluberri- 
mis  parete  praeceptis.  Nemo  a  nostra  pie- 
tate,  maioribus  occupata,  vel  a  magnificen- 
tissimis  seu  illustribus  iudicibus,  nisi  in  maxi- 
mis ac  necessariis,  quod  superius  cautum  est, 
rebus  publicisve  debitis  exhibitionis  subsidium 
poscat.  Nam  si  quis  aliter,  quam  edicta  con- 
tinent,  petulanti  animo,  his  despectis,  maio- 
rem  iudicem  vel  nostram  primum  contra  or- 
ilinem  legum  adierit  maiestatem,  sciat,  se  non 
solum  litis  iacturae  atque  plus  petitionis 
periculo,  verum  etiam  competenti  motui  fore 
subdendum. 

c)  C.  2,  1,  7.  Mulieres  honore  maritorum 
erigimus  .  .  lisdem  forum  ex  eorum  persona 
fitatuimus  et  domicilia  mutamus. 


Feminas  secundum  honorem,  quem  mariti 
eorum  meruerunt,  volumus  appellari,  ut  pro 
negotiis  suis  in  eodem  foro,  ubi  est  maritum 
secuta,  respondeat. 


480 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


c.  2, 18, 2  d)  ^Niemand  soll  vernommen  werden,  der  die  Proposition  der  gleichen  Sache 
unter  zwei  Richter  wird  haben  teilen  wollen,  so  dass  er  bei  dem  einen  in 
der  Hauptsache  proponiert  und  von  dem  Andern  die  Zuweisung  des  Gegen- 
standes kraft  Benefiz  des  Besitzes  verlangt.  Wird  Jemand  dieses  zu  thun 
sich  angemasst  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu  einer  Strafe  der  Art 
verurteilt  werden  muss,  dass  er  dasjenige,  was  er  zurückverlangt,  unter 
keinen  Umständen  zurückempfangen  und  den  fünften  Teil  seines  Vermögens, 
wieviel  er  dort  besessen  haben  wird,  dem  öffentlichen  Wesen  derjenigen 
Gemeinde  abtreten  soll,  in  deren  Grenzen  sich  die  Sache,  um  welche  es 
sich  handelt,  befunden  haben  wird.^ 

c.  2, 1, 6  e)  Ein  Jeder,  der  zu  Beginn  des  Prozesses  eine  Sache,  die  er  gehabt  haben 
ward,  bei  einem  Andern,  nicht  bei  seinem  Richter,  proponieren  zu  sollen 
geglaubt  haben  wird,  soll  mit  Ausnahme  von  minderjährigen  Personen,  für 
die  durch  das  Gesetz ^  Sorge  getragen  ist,  der  Klage  wegen  der  Streitsache, 
um  welche  es  sich  handelt,  verlustig  gehen,  es  sei  denn,  dass  er  gegen  ein 
Urteil,  welches  gegen  ihn  gesprochen  gewesen  sein  wird,  appellieren  zu  sollen 
geglaubt  haben  wird,  damit  die  Verhandlung  vor  ludices  höherer  Dignität 
stattfinde. 

3)  Justizverweigerung. 
c.  2, 1, 6       a)  Wird  Jemand,    der    eine  Sache  hat,    erwiesen   haben,    dass  er  von   seinem 


1)  T  denkt  an  die  Geltendmachung  einer  Sache  vor  verschiedenen  Richtern  Ex  bene- 
ficii  praerogativa  und  setzt  die  Strafe  des  fünften  Teils  —  und  zwar  des  eingeklagten 
Gegenstandes  —  auf  die  Supplikation  verschiedener  ludices  für  die  Hauptsache  und  das 
Besitzverfahren. 

2)  Extra  ordinem. 


d)  C.  2,  18,  2.  NuUi  prorsus  audientia 
praebeatur,  qui  causae  continentiara  dividit 
et  ex  beneficii  praerogativa  id,  quod  in  uno 
eodemque  iudicio  poterat  terminari,  apud 
diversos  iudices  voluerit  ventilare:  poena 
proposita,  si  quis  contra  hanc  supplicaverit 
sanctionem  atque  alium  super  possessione, 
alium  super  principali  quaestione  iudicem 
postulaverit,  ut,  rei,  quae  petatur,  integra 
aestimatione  subducta,  quintam  portionem 
rcipublicae  eins  civitatis  inferat,  in  cuius 
finibus  res,  de  qua  agitur,  constituta  est, 

e)  C.  2,  1,  6.  Exceptis  his,  quibus  extra 
ordinem  subvenitur,  omnes  iacturam  litis 
incurrant,  qui  non  ante  in  proprio  foro  iur- 
gaverint,  si  quidem  possint  venire  ad  altioris 
iudicis  notionem,  quum  iudicatum,  quod  dis- 
plicet,  appellatio  excluserit  .  . 


3)  a)  C.  2,  1,  6.     .  .  si  quis  litigator  se  vel 


NuUus  penitus  audiatur,  qui  unius  causae 
propositionem  apud  duos  iudices  partiri  vo- 
luerit, ut  apud  unum  de  negotio  principali 
proponat,  et  ab  alio  sibi  momenti  beneficio 
rem  postulet  consignari.  Quod  si  quis  hoc 
facere  fortasse  praesumserit,  eiusmodi  poena 
se  noverit  condemnandum,  ut  nee  illud,  quod 
repetit,  uUa  ratione  recipiat,  et  quintam  por- 
tionem facultatum  suarum,  de  quantum  ibi 
possederit,  reipublicae  civitatis  illius  cedat, 
in  cuius  finibus  res,  de  qua  agitur,  fuerit 
constituta. 

Quicunque  apud  alium  et  non  apud  suum 
iudicem  negotium,  quod  habuerit,  in  initio 
litis  crediderit  proponendum,  exceptis  aetate 
minoribus,  quibus  lege  consultum  est,  litis 
ipsius,  de  qua  agitur,  actione  damnetur:  nisi 
forsitan  contra  sententiam,  quae  adversus 
eum  dicta  fuerit,  crediderit  appellandum,  ut 
apud  maioris  dignitatis  iudices  audiatur  .  . 

. .  Sane  si  quis  causam  habens,  a  iudice  suo 


Die  Gerichte  §  1. 


481 


Richter,  sei  es  aus  "Übermut,  sei  es  aus  Konnivenz  für  seinen  Gegner,  nicht 
vernommen  worden  ist,^  so  befehlen  wir,  dass  der  Richter  so  viel,  als  die 
Sache,  um  die  es  sich  handelt,  wert  gewesen  sein  wird,  unserm  Fiskus 
zahlen  solle,  ^  während  diejenigen,  welche  seinen  Konsilien  angehören,  zur 
Ahndung  Exilstrafe  erleiden.^ 

4)  Ausschluss  des  Richters. 

a)  In  eigner  Sache. 

a)  Alle  soll  unsere  Vorschrift,  dass  Niemand  in  eigner  Sache  Richter  ist,  ver-    c.  2,  2, 1 
pflichten,  Aveil  Jedermann,  wie  er  zu  seinen  Gunsten  kein  Zeugnis  ablegen 
kann,  so  auch  zu  seinen  Gunsten  nicht  urteilen  können  wird. 

^)  Wegen  Unfähigkeit. 

a)  Kein  Jude,  kein  Samaritane  soll  zu  irgend  einem  Honor  militiae  aut  ad- 
ministrationis  herantreten,  noch  irgendwie  das  Officium  eines  Defensors  über- 
nehmen können,  damit  nicht  die  Genannten,  die  Feinde  unseres  Gesetzes 
sind,  mittels  unserer  Gesetze  irgendwelche  Personen  entweder  zu  verurteilen 
oder  abzuurteilen  sich  anmassen.^ 

Y)  Rekusation. 

a)  Wird  Jemand  einen  Richter  aus  irgendwelchen  Gründen  für  seinen  Gegner  ^f^^:^ 


N.  Th. 

3,1,2 


1)  T  fügt  hinzu,  dass  er  hingezogen  worden  sei. 

2)  Während  die  Primores  officii  von  der  Poena  deportationis  betroffen  werden. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch,  §  22,  1  f. 


fastidio  vel  gratia  cognitoris  aut  non  auditum 
aut  dilatum  docuerit,  et  eins  litis,  quae  pro- 
tracta  est,  aestimationem  fisco  nostro  iudex 
praestet,  et  in  primores  officii  poena  depor- 
tationis illico  depromatur. 

4  a)  a)  C.  2,  2,  1.  Promiscua  generalitate 
decernimus,  neminem  sibi  esse  iudicem  debere. 
Quum  enim  omnibus  in  re  propria  dicendi 
testimonii  facultatem  iura  summoverint,  ini- 
quum  admodum  est,  licentiam  tiibuere  sen- 
tentiae. 

ß)  a)  N.  Th.  3,  1,2.  .  .  sancimus,  neminem 
ludaeum,  neminem  Samaritam  neutra  lege 
constantem  ad  honores  et  dignitates  acce- 
dere,  nuUi  administrationem  patere  civilis 
obsequii,  nee  defensoris  fungi  saltem  officio. 
Nefas  quippe  credimus,  ut  supernae  maiestati 
et  Romanis  legibus  inimici  cultores  etiam 
nostrarum  legum  surreptivae  iurisdictionis 
habeantur  obtentu,  et  acquisitae  dignitatis 
auctoritate  muniti  adversum  Christianos  et 
ipsos  plerumque  sacrae  religionis  antistetes, 
velut  insultantes  fidei  nostrae,  iudicandi  vel 
pronuntiandi  quod  velint  habeant  potestatem. 

y)  a)  N.  V.  12,  1,  16.     Si  quis  a  suspecto 

Conrat,  Breviarium. 


se  vel  per  superbiam  vel  propter  amicitiam 
adversarii  sui  probaverit  non  auditum,  iudi- 
cem tantum ,  quantum  res,  de  qua  agitur, 
valuerit,  fisco  nostro  iubemus  exsolvere:  et 
qui  consiiiis  suis  adhaerent,  exsilii  poenam 
pro  districtione  sustineant. 

Omnes  praeceptio  nostra  constringat,  ut 
nuUus  in  sua  causa  iudex  sit:  quia,  sicut 
testimonium  unusquisque  pro  se  dicere  non 
potest,  ita  nee  pro  se  poterit  iudicare. 


(Haec  lex  specialiter  iubet,)  ut  nuUus 
ludaeus,  nullus  Samaritanus  ad  nullum  mili- 
tiae aut  administrationis  honorem  possit  ac- 
cedere,  neque  defensoris  officium  ulla  ratione 
suscipere,  .  .  ne  supra  scripti,  qui  inimici 
legis  nostrae  sunt,  legibus  nostris  aliquos 
aut  condemnare  aut  iudicare  praesumant. 


Si  quis  iudicem  pro  quibuscunque  causis 

31 


482 


Öfifontliches  Recht.     Erstes  Buch. 


N.  M. 

1,1,4 


C.l,  11, 1 


C.  2,  1,  6 


gehalten  oder  für  verdächtig  angesehen  haben,  so  soll  er  die  Sthiime  der 
Appellation  erheben,  um,  sobald  es  ihm  geglückt  gewesen  sein  wird, 
unter  Fernhaltung  von  Anständen  die  Sache  von  Neuem  vor  einen 
andern  Richter  zur  Verhandlung  zu  bringen.^ 

Demjenigen,  welcher  verklagt  gewesen  sein  wird,  soll,  wenn  er 
den  Richter  für  verdächtig  gehalten  haben  wird,  zu  appellieren  ge- 
stattet sein.^ 

5)  Gehilfen. 

a)  Assessoren  (vgl.  ß,  c). 

a)  Wenn  Jemand  bei  Lebzeiten  des  Vaters  dem  Consilium  eines  beliebigen 
Judex  angehört  haben  wird,  nimmt  er,  was  er  auch  immer  aus  gerechten 
und  guten  Anlässen  erworben  haben  wird,  für  sich  derart  in  Anspruch, 
wie  jener  Sohn,  der  irgend  etwas  bei  Lebzeiten  des  Vaters,  während  er  sich 
unter  den  Waffen  befand,  empfangen  haben  wird.^ 

b)  Wird  Jemand,  der  eine  Sache  hat,  erwiesen  haben,  dass  er  von  seinem 
Richter,  sei  es  aus  Übermut,  sei  es  aus  Konnivenz  für  seinen  Gegner,  nicht 
vernommen  worden  ist,  so  befehlen  wir,  dass  der  Richter  so  viel,  als  die  Sache, 
um  die  es  sich  handelt,  wert  gewesen  sein  wird,  unserm  Fiskus  zahlen  solle, 
während  diejenigen,  welche  seinen  Konsilien  angehören,  zur  Ahndung 
Exilstrafe  erlei  den  .* 


1)  T  sagt,  dass,  wenn  Jemand  von  einem  verdächtigen  Judex  an  den  Illustris  vir,  den 
Stadtpräfekten  von  Rom,  appelliert  haben  wird,  er  bei  dessen  Nachfolger  die  Klagen  an- 
strengen solle. 

2)  Wird  die  Appellation  bei  dem  Judex  stattgefunden  gehabt  haben,  so  wird  das- 
jenige, was  über  Provocationes  von  Alters  in  den  Gesetzen  verordnet  worden  ist,  in  Gel- 
tung sein. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  4  b.  4)  Vgl.  3  a 


iudice  illustri  viro  praefecto  urbis  Romae, 
propter  aliquas  domesticas  et  privatas  simul- 
tates,  vocem  appellationis  emiserit,  apud  suc- 
cessorem  eius  sequentem  mox,  quas  ante 
timuit,  exserat  actione^,  ut  relationibus 
difficultatum  ac  morarum,  quas  intercedere 
ad  respondendum  nolumus,  necessitas  aufe- 
ratur. 

N.  M.  1,  1,  4.  Quod  si  appellatio  apud 
iudicem  fuerit  subsecuta,  ea,  quae  super  pro- 
vocationibus  legibus  antiquitus  statuta  sunt, 
diligentius  modis  omnibus  complebuntur. 

5  a)  a)  C.  1,  11,  1.  Velut  ca.strense  pecu- 
lium  filiifamilias  assessores  post  patris  obitum 
vindicent,  qui  consiliis  propriis  administra- 
tores  iuvare  consueverunt,  si  quid  licitis  ho- 
nestisque  lucris  coadunare  potuerint. 

b)  C.  2,  1,  6.  .  .  si  quis  litigator  se  vel 
fastidio  vel  gratia  cognitoris  aut  non  audi- 
tum  aut  dilatum  docuerit,  et  eius  litis,  quae 


adversum  sibi  esse  senserit,  aut  habuerit  for- 
tasse  suspectum,  vocem  appellationis  exhibeat, 
ut,  quum  ei  successum  fuerit,  integro  nego- 
tio  apud  alium  iudicem  amotis  dilationibus 
possit  audiri. 


.  .  illi  (vero),    qui   pulsatus  fuerit,    si  iu- 
dicem suspectum  habuerit,  liceat  appellare. 


Si  quis  vivo  patre  cuiuscunque  iudicis 
consilio  adhaeserit,  quicquid  ex  iustis  et  bo- 
nis  causis  acquisierit,  hoc  sibi  sie  vindicat, 
sicut  et  ille  filius,  qui  aliquid  vivo  patre  in 
armis  constitutus  acceperit. 

.  .  si  quis  causam  habens,  a  iudice  suo 
se  vel  per  superbiam  vel  propter  amicitiam 
adversarii  sui    probaverit    non    auditum,    iu- 


Die  Gerichte  §  1. 


483 


ß)  Officium  (vgl.  i?  2,  2  c). 

a)  Die  Offizialen  aller  Judices  sollen  nicht  Avagen,  käuflich  zu  sein,  noch  einen   c.  i,6,  i 
Preis  wegen  Eintritts^  bez.  Austritts,  des  Publikums  oder  der  Parteien  ver- 
langen:   vielmehr    sollen    die    Streitenden,     sowohl  reiche    wie    arme,    ohne 

jedes  Entgelt  vernommen  werden.^  AVerden  sie  haben  räuberisch  sein 
wollen, '2  so  sollen  sie  mit  dem  Schwerte  gestraft  werden,  ^oder  soll  ihre 
Raubgier  zum  Gehör  der  Herren  gebracht  werden.^ 

b)  Nachdem  die  Richter  sich  von  der  öffentlichen  Sitzung  in  ihr  Haus  begeben   c.  i,  6, 3 


1)  T  giebt  noch  Einzelheiten,  unter  Hervorhebung  des  Officii  princeps,  seiner  Adiu- 
tores,  der  Centurionen  und  sonstitjen  Offizialen,  derjenigen,  die  den  Streitenden  die  Acta 
zur  Hand  stellen,  und  schärft  der  Industria  praesidalis  die  Kontrolle  ein. 

2)  T  fügt  hinzu:  de  civilibus  causis. 

3)  T  sagt,  dass  Alle,  die  verkürzt  worden  sind,  das  Recht  haben,  die  Praesides  zu 
instruieren  und,  falls  letztere  die  Sache  unterdrücken,  sich  an  die  Comites  provinciarum  oder 
den  Praefectus  praetorio  zu  wenden,  si  magis  fuerit  in  vicino,  damit  der  Kaiser  die  Strafe 
verhängen  könne. 


protracta  est,  aestimationem  fisco  nostro  iu- 
dex praestet,  et  in  primores  officii  poena 
deportationis  illico  depromatur. 

ß)  a)  C.  1,  6,  1.  Cessent  iam  nunc  rapa- 
ces  officialium  manus,  cessent  inquam:  nam 
si  moniti  non  cessaverint,  gladiis  praeciden- 
tur.  Non  sit  venale  iudicis  velum,  non  in- 
gressus  redemti,  non  infame  licitationibus 
secretarium,  non  visio  ipsa  praesidis  cum 
pretio:  aeque  aures  iudicantis  pauperrimis 
ac  divitibus  reserentur.  Absit  ab  inducendo 
eius,  qui  officii  princeps  dicitur,  depraedatio. 
NuUas  litigatoribus  adiutores  eorundem  of- 
ficii principum  concussiones  adhibeant;  cen- 
turionum  aliorumque  officialium,  parva  magna- 
que  poscentium,  intolerandi  impetus  oblidan- 
tur,  eorumque,  qui  iurgantibus  acta  resti- 
tuunt,  inexpleta  aviditas  temperetur.  Semper 
invigilet  industria  praesidalis,  ne  quicquam 
a  praedictis  generibus  hominum  de  litigatore 
sumatur.  Qui  si  de  civilibus  causis  quicquam 
putaverint  esse  poscendum ,  aderit  armata 
censura,  quae  nefariorum  capita  cervicesque 
detruncet,  data  copia  universis,  qui  concussi 
fuerint,  ut  praesidum  instruant  notionem. 
Qui  si  dissimulaverint,  super  eodem  conque- 
rendi  vocem  omnibus  aperimus  apud  comites 
cunctos  provinciarum  aut  apud  praefectum 
praetorio,  si  magis  fuerit  in  vicino,  ut  his 
referentibus  edocti,  super  talibus  latrociniis 
supplicia  proferamus. 

b)  C.  1,  6,  3.  Libellos  iudicibus,  post- 
quam  se  receperint,  vetamus  offerri,  ne  super 


dicem  tantum,  quantum  res,  de  qua  agitur, 
valuerit,  fisco  nostro  iubemus  exsolvere:  et 
qui  consiliis  suis  adhaerent,  exilii  poenam 
pro  districtione  sustineant. 

Officiales  omnium  iudicum  venales  esse 
non  audeant,  neque  pretium  de  introitu  oc- 
currentium  aut  litigantium  vel  egressu  re- 
quirant.  Sed  interpellantes  tarn  divites,  quam 
sine  ullo  praemio  pauperes  audiantur.  Quod 
si  rapaces  esse  voluerint,  gladio  puniantur, 
aut  certe  de  eorum  rapacitate  dominicis 
auribus  referatur. 


ludices,  postquam  se  de  consessu  publico 
in    domum    suam    receperint,  libellos  a  liti- 

31* 


484 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  1,11,  2 


N.Th.3,  1, 
2u.  7 


haben  werden,  sollen  sie  Libelli  von  den  Parteien  nicht  in  Empfang  nehmen, 
noch  ohne  ihr  Officium  über  die  Sachen  Anderer,  bez.  den  Status,  befinden.^ 

c)  Alle  Judices  mögen  sich  deutlich  bewusst  werden,  dass  Niemand  in  die  ihm 
anvertraute  Provinz  aus  der  Provinz,  von  wo  er  gekommen  ist,  bez.  aus  einer 
andern  Gegend  einen  Cancellarius  oder  Domesticus  sich  beigesellen  soUe,^  es 
sei  denn,  wer  ihm  öffentlich  durch  Wahl  der  Bürger  zugewiesen  gewesen  sein 
wird.  Mit  der  Massgabe,  dass,  nachdem  jener  Judex  entfernt  gewesen  sein 
wird,  derjenige,  welcher  das  Officium  eines  Consiliarius  oder  Domesticus 
verwaltet  hat,^  während  eines  Zeitraums  von  drei  Jahren  unter  einem  andern 
Judex  aus  der  Provinz  sich  nicht  entfernen  solle,  damit  er,  wenn  Jemand 
als  Ankläger  aufgetreten  sein  wird,-  den  Anklägern  Rechenschaft  ablege. 
Wird  er  die  Handlungen  des  Judex  irgendwie  haben  verheimlichen  wollen, 
so  soll  er  der  Publica  quaestio  unterworfen  werden. 

d)  Ein  Jude,    ein  Samaritane    sollen  als  Apparitoren  in  Privatsachen  die  Ur- 
teile keines  Judex  exekutieren.^ 


C.  8,  3,  1 


II.  Gerichtszeit  und  -ort  §  2. 

1)  Gerichtszeit. 

a)  x\m  Sonntag,   welcher   mit  Grund   der  Tag   des  Herrn   genannt  wird,    soll 
^die  Klage  von  Jedermann^  ruhen,  sodass  weder  eine  öffentliche  noch  eine 


1)  Vgl.  S.  487  Anm.  1. 

2)  T  fügt  hinzu:  ne  famae  nota  cum  bonorum,  publicatione  plectatur. 

3)  T  sagt,  dass  Periculo  primatum  officii  die  Cancellarii  sub  fide  gestorum  electi  den 
Judices  beizugeben  sind. 

4)  Vgl.  S.  159  Anm.  5.  5)  Intentio  litium  negotiorum  conventionum. 


alienis  causis  vel  statu  pronuntient,  quando 
ab  officii  conspectu  atque  ab  oculis  publicis 
recesserint. 

c)  C.  1,  11,  2.  Nullus  iudicum  ad  pro- 
vinciam  sibi  commissam  quemquam  secum 
ducere  audeat,  cui  domestici  vel  cancellarii 
nomen  imponat,  nee  profectum  ad  se  unde- 
cunque  suscipiat,  ne  famae  nota  cum  bono- 
rum publicatione  plectatur.  Periculo  enim 
primatum  officii,  cancellarios  sub  fide  gesto- 
rum electos  iudicibus  applicari  iubemus,  ita 
ut  post  depositam  administrationem  per  con- 
tinuum  triennium  nee  militiam  deserant,  et 
provincialibus  praesentiam  sui  exhibeant, 
quo  volentibus  sit  accusandi  eos  facilitas.  Si 
enim  idonea  causa  exegerit,  ad  detegenda 
iudicis  flagitia  et  quaestioni  eos  subdi  oportet. 

d)  N.  Th.  3,  1,  2  u.  7.  .  .  (neminem)  lu- 
daeura,  (neminem)  Samaritam  .  .  apparitores 
(memoratarum  sectarum)  in  privatis  duntaxat 
negotiis  nullius  iudicis  sententias  exsequan- 
tur  .  . 

1)  a)  C.  8,  3,  1.     Solls   die,   quem  domini- 


gatoribus  non  accipiant,  nee  sine  officio  suo 
de  causis  alienis  vel  de  statu  aliquid  cog- 
noscant. 

Omnes  iudices  evidenter  agnoscant,  nul- 
luni in  provinciam  sibi  commissam,  de  eadem, 
de  qua  venit,  provincia  vel  alia  regione,  sibi 
caucellarium  aut  domesticum  fortasse  con- 
iungere,  nisi  qui  ei  publice  fuerit  civium  elec- 
tione  deputatus.  Ita  ut  postquam  fuerit  iu- 
dex ille  remotus,  is  qui  consiliarii  vel  do- 
mestici gessit  officium,  triennium  sub  alio 
iudice  de  provincia  non  discedat,  ut,  si  quis 
accusator  fortasse  exstiterit,  reddat  accusan- 
tibus  rationem.  Et  si  forte  facta  iudicis  ce- 
lare  usquequaque  voluerit,  subdatur  publicae 
quaestioni. 


Die    solis,    qui    dominicus  merito  dicitur^ 


Gerichtszeit  und  -ort  §  2. 


485 


private    Schuld    eingefordert    werde    und    keinerlei,  ^  weder    Privata    noch 

Publica   iudicia  sein    sollen.^      Wer   dieses  nicht  beachtet  haben  wird,    soll 

als   des   Sakrilegs    schuldig  haften.^     Obschon    wir    somit    befohlen    haben,   c.  2,  s,  1 

dass    am    heiligen   Tage    des  Herren  alle   Prozesse   und  Ansprüche    ruhen, 

hindern  wir  durchaus  nicht,  zu  emanzipieren  und  freizulassen,  und  gestatten 

wir  in  gleichem  Masse,  mit  Bezug  darauf  Gesta  aufzunehmen.'' 

Die  Dies  dominicarum,  die  Dies  feriati  sind,  schliessen  wir  von 
der  Behandlung  von  Rechtssachen  oder  von  der  Eintreibung  von 
Schulden  aus. 


C.  2,  8 

pr.  u. 


b)  Wir  verordnen,  dass  an  allen  Tagen  während  des  Jahreslaufs  die  Prozesse 


C.  2,  8,  2 


1)  T  spricht  von  arbitri,  sei  es  in  ludiciis  flagitati,  sei  es  Sponte  delecti. 

2)  Der  Thäter  soll  nicht  nur  als  Notabilis,  sondern  auch  als  Sacrilegus  gelten. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  19,  2  a,  e. 


cum  rite  dixere  maiores,  omnium  omnino 
litium,  negotiorum,  conventionum  quiescat 
intentio;  debitum  publicum  privatumque  nul- 
lus  efflagitet;  ne  apud  ipsos  quidem  arbitros 
vel  in  iudiciis  flagitatos  vel  sponte  delectos 
ulla  sit  agnitio,  iurgiorum.  Et  non  modo 
notabilis,  verum  etiam  sacrilegus  iudicetur, 
qui  a  sanctae  religionis  instituto  rituve  de- 
flexerit. 

C.  2,  8,  1.  Sicut  indignissimum  videba- 
tur,  diem  solis,  veneratione  sui  celebrem, 
altercantibus  iurgiis  et  noxiis  partium  occu- 
pationibus  occupari,  ita  gratum  ac  incundum 
est,  eo  die,  quae  sunt  maxime  votiva,  com- 
pleri.  Atque  ideo  emancipandi  et  manumit- 
tendi  die  festo  cuncti  licentiam  habeant,  et 
super  his  rebus  acta  non  prohibeantur. 

C.  2,  8,  2  pr.  u.  3.  .  .  feriarum  dies  .  . 
et  dies  solis,  qui  repetito  in  se  calculo  re- 
volvuntur  .  . 

b)  C.  2,  8,  2.  Omnes  dies  iubemus  esse 
iuridicos.  Illos  tantum  mauere  feriarum  dies 
fas  erit,  quos  geminis  mensibus  ad  requiem  la- 
boris  indulgentior  annus  accepit,  aestivis 
fervoribus  mitigandis  et  autumnis  foetibus 
decerpendis.  Kalendarum  quoque  lanuari- 
arum  consuetos  dies  otio  mancipamus.  His 
adicimus  natalitios  dies  urbium  maximarum, 
Romae  atque  Constantinopolis,  quibus  debent 
iura  deferre,  quia  et  ab  ipsis  nata  sunt. 
Sacros  quoque  Paschae  dies,  qui  septeno  vel 
praecedunt  numero  vel  sequuntur,  in  eadem 
observatione  numeramus  .  .  Parem  necesse 
est  haberi  reverentiam  nostris  etiam  diebus, 
qui  vel  lucis  auspicia  vel  ortus  imperii  pro- 
tulerwnt. 


omnium  hominum  actio  conquiescat,  ut  nee 
publicum  nee  privatum  debitum  requiratur, 
nulla  iudicia  neque  publica  neque  privata 
fiant.  Quod  qui  non  observaverit,  reus  sacri- 
legii  teneatur. 


Quamvis  sancto  die  dominico  omnes  lites 
ac  repetitiones  quiescere  iusserimus,  eman- 
cipare  tamen  ac  manumittere  minime  prohi- 
bemus,  et  de  his  rebus  gesta  confici  pari  or- 
dinatione  permittimus. 


Dies  (etiam)  dominicarum,  qui  feriati 
sunt,  ab  audiendis  negotiis  vel  exigendis  de- 
bitis  sequestramus  .  . 

Causas  per  anni  spatium  omnibus  diebus 
secundum  leges  audiri  praecipimus.  Et  licet 
lex  quatuor  menses  ad  fructus  colligendos 
indulserit,  sed  ita  pro  provinciarum  quali- 
tate  et  praesentia  dominorum  credidimus 
faciendum,  ut  a  die  VIII.  Kalendarum  lu- 
liarum  usque  in  Kalendas  Augusti  messivae 
feriae  concedantur,  et  de  Kalendis  Augusti 
usque  in  X.  Kalend.  Septembris  agendarum 
causarum  licentia  tribuatur.  A  X.  autem 
Kalend.  Septemb.  usque  in  Idus  Octobr.  vin- 
demiales  feriae  concedantur  .  .  Sanctos  etiam 
Paschae  dies,  id  est  Septem  qui  antecedunt, 
et  Septem  qui  sequuntur.  Nee  non  et  dies 
natalis  domini  nostri  vel  Epiphaniae  sine 
forensi  strepitu  volumus  celebrari.     Natalem 


4-86  Öfifentliches  Recht.     Erstes  Buch. 

gemäss  den  Gesetzen  verhandelt  werden.  ^  Mag  auch  das  Gesetz  vier  Monate 
zur  Einsanimkmg  der  Früchte  gewährt  haben,  wir  haben  indessen  nach  der 
Beschaffenheit  der  Provinzen  und  nach  Massgabe  der  AnAvesenheit  der  Herren 
in  der  Art  verfahren  zu  sollen  geglaubt,  dass  von  dem  achten  Tage  der  Kaien- 
den des  Juli  bis  zu  den  Kaienden  des  x^ugust  Ernteferien  gewährt  werden, 
und  von  den  Kaienden  des  August  bis  zu  dem  zehnten  der  Kaienden  des 
September  die  Befugnis  zur  Verhandlung  der  Prozesse  zusteht.  Dagegen  sollen 
von  dem  zehnten  der  Kaienden  des  September  bis  zu  den  Iden  des  Oktober 
AVeinernteferien  eingeräumt  werden.^  -Ingleichen  wollen  w^h',  dass  die  heihgen 
Ostertage,  das  will  sagen,  die  sieben,  welche  vorangehen,  und  die  sieben, 
welche  folgen,  sowie  auch  der  Geburtstag  unseres  Herrn  oder  Epiphanien  ohne 
gerichtlichen  Streit  gefeiert  werden.  Auch  beschloss  man,  den  Geburtstag 
des  Princeps,  bez.  den  Regierungsanfang,  mit  gleicher  Reverenz  zu  be- 
handeln.2 
C.2, 8, 3  c)  AVir  wollen,  dass  am  Tage  des  Sabbats  keiner  aus  der  Zahl  der  Juden, 
es  sei  wegen  eines  fiskalischen  Interesses,  es  sei  wegen  eines  behebigen 
Geschäfts,  belangt  werde,  weil  der  Tag  ihrer  Religion  nicht  durch  irgend- 
welche Actio  gestört  werden  darf.^ 

2)  Ort  des  Gerichts. 

c.  1, 6, 2  a)  Der  Richter  möge  wissen,  dass  er  nicht  im  Verborgenen  des  Hauses  oder 
in  irgendwelchen  Winkeln,  sondern  bei  offenen  Thüren  seines  Hauses  und 
unter   Zulassung    des  Publikums"*    sein  Endurteil    vorbringen    solle,^    damit 


1)  Nur  diejenigen  Tage  sind  Ferientage,  quos  geminis  mensibus  ad  reqaiem  laboris 
indulgentior  annus  accepit,  aestivis  fervoribus  mitigandis  et  autumnis  foetibus   decerpendis. 

2)  In  T  ist  die  Rede  von  Kalendarum  Januariaruni  consueti  dies,  den  Cleburtstagen 
von  Rom  und  Konstantinopel  und  der  Woche  vor  und  nach  Ostern,  schUessHch  den  Tagen, 
qui  veltlucis  auspicia  vel  ortus  imperii  protulerunt. 

3)  Vgl.  S.  160  Anm.  1. 

4)  T  fügt  hinzu:  aut  pro  tribunali  locatus. 

5)  T  spricht  von  der  Behandlung  von  Civil-  und  Kriminalsachen,  De  statu  hominum 


etiam  principis   vel   initium  regni  pari  reve- 
rentia  convenit  observari. 

c)  C.  2,  8,   3.     nie    Sabbato    ac    reliquis,  Die   Sabbati  nullum   ludaeorum    aut   pro 

sub  tempore,   quo  ludaei  cultus  sui  reveren-  fiscali  utilitate  aut  pro  quolibet  negotio  vo- 

tiam    servant,    neminem    aut    facere    aliquid  lumus    conveniri,   quia  religionis  eorum  dies 

aut    ulla    ex    parte   conveniri  debere  praeci-  non  debet  actione  aliqua  perturbari. 
pimus:   quum  fiscalibus   commodis  et  litigiis 
privatorum   constat  reliquos    dies  posse  suf- 
ficere. 

2)  a)  C.  1,  6,  2.     Iudex  .  .  non  in  secessu  Iudex  .  .  sciturus,   non   se  in  secretis  do- 

domus  de  statu  hominum  vel  patrimoniorum  !    mus    aut   in   quibuscunque  angulis   finitivam 

sententiam  ferat,   sed  apertis  secretarii  fori-  sententiam  prolaturum,  sed  apertis  domus  suae 

bus,  intro  vocatis  omnibus,  aut  pro  tribunali  ianuis  intromissisque  turbis,  ut  neminem  la- 

locatus  et  civiles  et  criminales  controversias  1   teat,  quicquid  secundum  legum  vel  veritatis 

audiat,    ne    congruae    ultionis    animadversio  >    ordinem  fiierit  iudicatum. 

cohibeatur  .  .  I 


Gerichtszeit  und  -ort 


487 


Niemandem  entgehe,  was  auch  immer  den  Gesetzen,  bez.  der  Wahrheit,  ge- 
mäss, geurteilt  gewesen  sein  wird. 

b)  Nachdem    die  Richter   sich    von    der  ößenthchen  Sitzung  in  ihr  Haus  be-   c.  i,  6, 3 
geben  liaben  werden,  sollen  sie  Libelli  von  den  Parteien  nicht  in  Empfang 
nehmen,  ^noch  ohne  ihr  Officium  über  die  Sachen  Anderer,  bez.  den  Status, 
befinden.^ 

c)  Wenn  die  Honorati  provinciarum,  das  will  sagen,  aus  dem  Corpus  curiae,    c.  1, 7, 1 
in    eigner  Person   an   einem  Prozess  beteiligt  sind,    sollen   sie  zu  der  Zeit, 

dass  die  Sachen  Anderer  von  den  liichtern  verhandelt  werden,  mit  dem 
Richter  nicht  zusammensitzen.^  Ingleichen  sollen  die  Parteien  in  den  Mittags- 
stunden den  Richter  nicht  begrüssen.  Werden  sie  Anderes  sich  angemasst 
haben,  so  sollen  ebensosehr  der  Richter  wie  sein  Officium  und  die  Honorati 
die  Strafe  von  fünf  Pfund  Grold  zahlen.^ 

d)  Der  Richter  muss  sein  Praetorium  aus   seinem  Eignen  ausrüsten*  und  soll   c.i,  9, 3 
durchaus   nicht   irgend   etwas  weiteres  von  den  Provinzialen  verlangen,    als 

was  ihm  an  Annonae  oder  Cellaria  von  dem  Princeps  zugewiesen  gewesen 
sein  wird. 


vel  patrimoniorum,   und    fügt    hinzu :    Absit  autom,  ut  iudex,  popularitati  et  spectaculorum 
editionibus  mancipatus,  plus  ludicris  curae  tribuat,  quam  seriis  actibus. 

1)  T  verbietet  die  Entscheidung,  sobald  sie  sich  Ab  oificii  conspectu  zurückge- 
zogen haben. 

2)  Die  Honorati,  die  Prozesse  führen,  sollen  zu  den  Stunden,  in  denen  es  sich  um 
ihre  Sachen  handelt,  mit  dem  Judex  nicht  zusammensitzen  und  die  ludices  in  den  Mittags- 
stunden von  den  Parteien  nicht  gesehen  werden. 

3)  J  spricht  lediglich  von  einer  Strafe  gegen  die  Kontravenienten  und  verweist  mit 
Bezug  hierauf  auf  das  Gesetz.  Dagegen  sagt  T,  dass  diese,  Judex  und  Officium,  der 
gleichen  Strafe  von  fünf  Pfund  Gold  unterliegen. 

4)  Der  Richter  soll  Sorge  tragen,  dass  er  selbst  sein  Praetorium  zusammensetze. 


b)  C.  1,  6,  3.  Libellos  iudicibus,  post- 
quam  se  receperint,  vetamus  offerri,  ne  super 
alienis  causis  vel  statu  pronuntient,  quando 
ab  officii  conspectu  atque  ab  oculis  publicis 
recesserint. 

c)  C.  1,  7,  1.  Flonorati,  qui  lites  habere 
noscuntur,  his  horis,  quibus  causarum  merita 
vel  facta  panduntur,  residendi  cum  iudice 
non  habeant  facultatem :  nee  meridianis  horis 
a  litigatoribus  iudices  videantur.  Quina  ita- 
que  pondo  auri  tam  iudici,  quam  eins  officio 
et  honoratis  parem  mulctam  adscribendam 
esse  cognoscas,  si  quis  contra  praeceptum 
huiusmodi  venire  tentaverit. 

d)  C.  1,  9,  8.  Det  operam  iudex,  ut  prae- 
torium suum  ipse  componat-  Ceterum  neque 
comiti,  neque  rectori  provinciae  plus  aliquid 
praestabitur,  quam  nos  concessimus  in  anno- 
nis  seu  cellariis. 


ludices,  postquam  se  de  consessu  publico 
in  domum  suam  receperint,  libellos  a  liti- 
gatoribus non  accipiant,  nee  sine  officio  suo 
de  causis  alienis  vel  de  statu  aliquid  cog- 
noscant. 

Honorati  provinciarum  (id  est,  ex  curiae 
corpore),  si  et  ipsi  in  lite  sunt  constituti, 
tempore,  quo  causae  aliorum  a  iudicibus  ven- 
tilantur,  cum  iudice  non  resideant:  et  liti- 
gatores  meridianis  horis  iudicem  non  salu- 
tent.  Si  aliud  praesumserint,  mulctam  supra 
scriptae  legis  exsolvant. 


Iudicem  praetorium  suum  de  proprio  de- 
bere  componere  et  nihil  a  provincialibus 
aliquid  amplius  petere,  quam  ei  in  annonis 
vel  cellariis  a  principe  fuerit  deputatum. 


488 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  2,  10,  2 


C.  2,  12,  6 


N.  V. 
10,  1,  7 


III.  Beistand  und  Vertretung  der  Partei  §  3. 

1)  Advokaten. 

a)  Wer  auch  immer  fremde  Sachen  wird  haben  übernehmen  oder  betreiben 
wollen/  möge  wissen,  dass  er  dies  für  sich  in  Acht  zu  nehmen  habe,  in 
dem  Geschäft,  das  er  übernommen  haben  wird,  nicht  zugleich  die  Rolle 
des  Richters  und  des  Anwalts  zu  verrichten.^ 

b)  Den  Militantes  wird  in  den  Gesetzen  nicht  gestattet,  fremde  Prozesse  zu 
übernehmen. 

c)  Wenn  Kurialen  zur  Advokatur  werden  haben  gelangen  wollen,  sollen  sie  um 
Personen  sich  bemühen,  die  ihre  Obliegenheiten  erfüllen  müssen,  und  hier- 


1)  Wer  Causidicus  sein  will. 

2)  T  fügt  hinzu:  quoniam  aliquem  inter  arbitros  et  patronos  oportet  esse   delectum. 


1)  a)  C.  2,  10,  2.  Quisquis  vult  esse  cau- 
sidicus, ipsam  solani  sumat  in  causas  agendo 
personam,  nee  idem  in  eodem  negotio  de- 
fensor  sit  et  quaesitor  .  . 

b)  C.  2,  12,  6.  Nemo  militantium  fiat 
susceptor  defensorve  causarum  .  . 

c)  N.  V.  10,  1,7.  In  diversis  provinciis 
vacuas  curias  derelinquunt,  qui  certatim  ad 
privilegia  causidicis  illustris  praetorianae 
sedis  atque  urbanae  delata  festinant:  quum 
meliores  natalibus  suis  effici  volunt,  non  cu- 
rant,  urbes  proprias  spoliatas  ministeriis  et 
ofSciis  debitis  interire  Nos  neque  meliora 
desideria  volumus  impedire,  neque  passim 
destitui  civitates.  Quisquis  ergo  ad  hoc  of- 
ficium venire  contendit,  non  ante  sibi  sciat 
esse  permissum,  quam  universa  munia,  quae 
patriae  suae  debet,  exsolvat.  Cuius  tarnen 
indulgemus  arbitrio,  ut,  si  ad  togam  properat, 
suffectum  curiae  praestet,  cuius  studio  per- 
ficiat  universa,  quae  per  ipsum  fuerant  pro- 
curanda.  Nee  absolutum  statim  credat  ap- 
positione  subiecti,  quia,  si  inefficax  uUo 
debito  acta  fuerit,  recursum  ad  ipsum  prae- 
bemus  auctorem,  ninilominus  ad  eos  concu- 
riales,  qui  minus  idoneum  susceperunt.  Pro- 
fessurus  igitur  gesta  secum  deferat  apud 
moderatorem  confecta  provinciae,  ut  et  of- 
ficio iudicis  notum  sit,  locum  absentis,  quae 
persona  susceperit,  quae  possit  publicis  ne- 
cessitatibus  sufficiens  dare  responsum:  hac 
Providentia  nihil  negligens  in  totum  potest 
urbibus  evenire. 


Quicunque  causas  suscipere  vel  agere  vo- 
luerit  alienas,  hoc  sibi  noverit  vindicandura, 
ne  velit  in  eo  negotio,  quod  susceperit,  et 
iudicis  et  asser toris  habere  personam. 

Militantes  non  permittuntur  legibus  lites 
suscipere  alienas  .  . 

Curiales  (vero)  si  ad  advocationem  venire 
voluerint  .  .,  provideant  huius  modi  personas, 
quae  munia  ipsorum  debeant  expedire,  pro- 
visuri,  ut  nihil  per  eos  rei  publicae  possit 
imminui;  nam  ad  se  omne  dispendium  nove- 
rint  pertinere,  et  se  ad  locum,  in  quo  alium 
substituerant,  revocandos. 


Beistand  und  Vertretung  der  Partei  §  3. 


489 


für  Sorge  tragen ,  dass  durch  diese  dem  öfFentlicheii  Wesen  Nichts  ent- 
zogen werden  könne;  denn  sie  mögen  wissen,  dass  jeder  Schaden  sie  selbst 
angeht,  und  sie  an  die  Stelle,  wo  sie  einen  Andern  substituiert  hatten, 
zurückzurufen  sind.^-^ 

d)  Advokaten  sind  zu   erinnern,  nicht  gegen  die  Gesetze  Frauen  anzunehmen,   c.  9,  i,  2 
die  in  fremden  Sachen  zu  prozessieren  verlangen.^ 

e)  ]\rit  Bezug  auf  Advokaten,  *das  will  sagen,  S  ach  wahrnehmer,*  die  in  mass-   c.  2, 10, 1 
loser  Gier    die    Klienten,    deren    Geschäfte    sie   betreiben,    zuerst    nötigen. 


1)  T  bezieht  den  Satz  auf  die  Kurialen,  die  sich  zu  den  den  Causidici  illustris  prae- 
torianae  sedis  atque  urbanae  gewährten  Privilegien  drängen,  gestattet  den  Regress  auch  an 
die  Mitkurialen,  die  den  Ersatzmann  angenommen  haben,  und  verordnet,  dass  die  über  die 
Erklärung  des  Kurialen  behufs  Ersatzes  errichteten  Gesta  dem  Statthalter  vorzulegen  und 
dem  Officium  bekannt  zu  geben  sind. 

2)  An  einer  andern  Stelle  des  Gesetzes  (§  5)  bemerkt  T,  dass  nach  dem  Einfall  der 
Feinde  in  Italien  in  manchen  Kegionen  sowohl  Sachwalter  als  auch  Richter  gefehlt  haben, 
und  heute  Männer,  die  des  lus  und  der  Leges  kundig  sind,  selten  oder  überhaupt  nicht  ge- 
funden werden,  weshalb  den  Provinzialadvokaten  die  Perpetuitas  zu  teil  werde  (Non  patimur 
praeterea,  nonnullorum  alio  genere  iura  turbari.  Notum  est,  post  fatalem  hostium  ruinam, 
qua  Italia  laboravit,  in  quibusdam  regionibus  et  causidicos  et  iudices  defuisse,  hodieque 
gnaros  iuris  et  legum  aut  raro  aut  minime  reperiri.  Nam  haec  necessitas  fecit  perpetuitatem 
dari  provincialibus  advocatis).  Ferner  findet  sich,  bei  T  zum  Schluss  (§  8),  dass  den  Causi- 
dici gestattet  ist,  bei  den  Präfekturen  einzutreten,  wenn  bei  dem  Provinzialgericht  vier 
Causidici  vorhanden  sind,  und  somit  derjenige  bei  den  Illustres  iudices  zugelassen  werden 
muss,  welcher  mittels  Relation  des  kompetenten  Judex  nachweist,  dass  in  der  Provinz  die  vor- 
geschriebene Zahl  vorhanden  ist  (lubes  sane,  ut,  si  in  provinciali  foro  quatuor  constat  esse 
causidicos,  quorum  patrocinium  in  controversiam  parti  possit  utrique  sufficere,  quum  voluerit 
is,  qui  ultra  memoratum  modum  potuerit  inveniri,  veniat  ad  praedictas  sedes  ob  negotia 
peroranda.  Alioquin  licentiam  non  habebit,  si  illic  non  fuerit  numerus  designatus.  Provi- 
dere  enim  decet,  ne  provinciales,  tenues  homines,  defensionis  inopia  ad  auditoria  sumtuosa 
venire  cogantur.  Is  ergo  illustribus  iudiciis  ad  actionem  causarum  debebit  admitti,  qui 
probat  relatione  iudicis  competente,  tantos  intra  provinciam  sibi  creditam  esse  causidicos, 
qui  possint  controversiae  sustinere  conflictum  .  .)  J  enthält  darauf  bezüglich  lediglich  den 
Satz,  dass  das  Übrige  des  Gesetzes  um  deswillen  nicht  interpretiert  worden  sei,  weil  diese 
Provinzen  es  nicht  in  Gebrauch  haben  (Reliquum  vero  huius  legis  ideo  interpretatum  non  e.st, 
quia  hoc  in  usu  piovinciae  istae  non  habent). 

3)  Vgl.  S.  167   Anm.  6. 

4)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede. 


d)  C.  9,  1,  2.  ,  .  Patroni  (etiam)  causa- 
rum monendi  sunt,  ne  respectu  compendii 
feminas,  securitate  forsitan  sexus  in  actionem 
iliicitam  prorueutes,  temere  suscipiant. 

e)  C.  2,  10,  1.  Advocatos,  qui  conscele- 
ratis  depectionibus  suae  opis  egentes  spo- 
liant  atque  denudant,  non  iure  causae,  sed 
fundorum,  pecorum  et  mancipiorum  qualitate 
rationeque  tractata,  dum  eorum  praecipua 
poscunt  coacta  sibi  pactione  transscribi,  ab 
honestorum  coetu  iudiciorumque  conspectu 
segregari  praecipimus. 


.  .  Advocati  (etiam)  commonendi  sunt,  ne 
contra  leges  suscipiant  in  alienis  causis  fe- 
minas litigare  cupientes. 

Advocati,  id  est  causas  agentes,  qui  per 
iniquam  cupiditatem  susceptos,  quorum  causas 
acturi  sunt,  prius  cogunt  de  rebus  suis  taliter 
scriptura  intercedente  pacisci,  ut  omnia,  quae 
mehora  sunt  in  agris  aut  in  mancipiis  aut  in 
pecoribus,  ad  eos  sub  promissa  defensione 
perveniant.  et  ideo  qui  tani  scelerati  in  eos, 
quibus  patrocinium  promittunt,  fuerint  de- 
prehensi,  et  a  conventu  honestorum  virorum 


490 


Öffentliches  Recht,     Erstes  Buch. 


über  ihre  Besitztümer  in  der  Art  mittels  Urkunde  sich  zu  verpflichten,  dass 
Alles,  was  an  Grundstücken  oder  Sklaven  oder  Vieh  von  grösserem  Werte 
ist,  ihnen  für  die  zugesagte  Verteidigung  zukommen  solle,  verordnen  wir, 
dass  solche,  die  denjenigen  gegenüber,  welchen  sie  Schutz  zusagen,  sich 
als  so  ruchlos  werden  erwiesen  gehabt  haben,  sowohl  von  der  Gesellschaft 
mit  den  ehrbaren  Leuten,  als  auch  von  der  Teilnahme  am  Gerichtsverkehr 
ferngehalten  werden  sollen. 

c.  2, 11,1  f)  Wenn  ein  Advokat  in  der  Sache  eines  Klienten  infolge  eines  Irrtums 
irgend  etwas  zu  seinem  Nachteil  ausgesagt  haben  wird,  soll  er  durchaus  nicht 
demjenigen  schaden,  von  welchem  er  zugezogen  worden  ist,  vorausgesetzt, 
dass  unverzüglich  wegen  dieses  Irrtums  reklamiert  gewesen  sein  wird. 

c.  2, 10, 3  g)  Ein  Haussohn,  der  Advokat  ist,  möge  weissen,  dass,  was  er  auch  immer 
bei  Lebzeiten  des  Vaters  aus  der  Übernahme  von  Rechtssachen  erworben 
haben  wird,  er  für  sich  beanspruchen  soll,  wie  ein  Castrense  peculium, 
das  Haussöhne,  die  sich  unter  den  Waffen  befinden,  bez.  diejenigen,  welche 
bei  Lebzeiten  der  Väter  die  ludiciaria  potestas  erzielt  haben  werden,  erweis- 
lich erwerben.^ 

2)  Freiwillige  Prozessvertretung  (vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  25). 
a)  Im  aUgemeinen. 
0.2,  12, 7       a)  Ein  Prokurator  ist  derjenige,    dem   mittels  Mandats   eine  Sache  überlassen 
wird,   ein  Kognitor,    dem   ohne  Mandat  die  anwesende  Partei  in  Anwesen- 
heit des  Judex  ihre  Sache  zum  Betreiben  überlässt. 
p.  1, 3, 1  Die    Procuratio    kann    aufgetragen    werden    einem    Gegenwärtigen 


1)  Vgl.  S.  332  Anm.  1, 


f)  C.  2,  11,  1.  Advocatorum  errores  in 
competenti  iuclicio  litigatoribus  non  prae- 
iudicant. 


g)  C.  2,  10,  3.  Altero  beneficio  non  solum 
per  forum  tuae  magnitudinis,  sed  in  universis 
iudiciis  valituro,  ut  filiifamilias,  quicquid  ex 
huiuscemodi  professione  vel  ipsius  occasione 
conquisierint,  id  post  patris  obitum  praeci- 
puum,  veluti  peculium  castrense,  proprio  do- 
minio  valeant  vindicare:  sub  tali  forma,  quam 
militantibus,  ex  iure  procinctis,  cinguli  prae- 
rosrativa  detulit. 


2  a)  a) 


P.  1,3,  1.  Mandari  potest  procuratio  prae- 


et  iudiciorum  communione  praecipimus  segre- 
gari. 

Advocatus,  si  in  suscepti  causa  aliquid  in 
praeiudicium  per  errorem  dixerit,  praeiudi- 
care  ei,  a  quo  adhibitus  est,  nuilatenus  de- 
bet:  si  continuo  de  ipso  errore  fuerit  recla- 
matum . 

Quicquid  vivo  patre  filius  advocatus  de 
causarum  susceptione  acquisierit,  sibi  noverit 
vindicandum,  sicut  castrense  peculium,  quod 
in  armis  constituti  filii  probantur  acquirere 
vel  illi ,  qui  iudiciariam  vivis  parentibus 
meruerint  potestatem. 


C.  2,  12,  7.  Procurator  est,  cui  per  man- 
datum  causa  committitur.  Cognitor  (est), 
cui  sine  mandato  causam  suam  agendam 
praesens  praesente  iudice  litigator  iniungit  .  . 


Beistand  und  Vertretung^  der  Partei  §  3. 


491 


und    mit    blossen    Worten    und   bei    den  iVkten  des  Praeses   und  des 
Magistrats. 

Die  Procuratio  kann  aufgetragen  werden  durch  Brief.  p.  i,  3,  i 

aa)  "Wenn  Jemand  zum  Dominus  et   procurator    mit  Bezug    auf   die  Be-   c.  2, 12, 1 
ansprucliung  einer  beliebigen  Sache  eingesetzt  gewesen  sein  wird  und 
den  übernonnnenen  Rechtsstreit,  indem  er  bei  Lebzeiten  des  Mandanten 
mittels  Actio   die  Rückforderung  geltend  macht,   zur  Litiskontestation 
gebracht   gehabt   haben  wird,  soll  er  die  Befugnis  haben,    auch  wenn 
derjenige,    welcher   ihm    ein    solches   Mandat   erteilt    hatte,   stirbt,  als 
Dominus  einen  andern  Prokurator  in  dieser  Sache,  wenn  er  es  bei  der 
Rückforderung  gewollt  haben  wird,  einzusetzen.^ 
bb)  In  den  Sachen,  die  besessen  werden,  können  Personen,  die  lediglich  Pro-   c  2, 12, 1 
kuratoren  gegen  die  Kläger  sind,  wirksam  auftreten.^ 

b)  Alle  diejenigen,  welche  Sachen,  die  ihnen  nicht  zukommen,  ohne  das  Mandat   c  9,29,3 
eines  Andern  proponiert  haben,  bez.  was  ihnen  nicht  zukommt,  beanspruchen 
oder  bei  Gericht  proponieren,  sind  Kalumniatoren. 

^)  Ausschluss. 

a)  Eine  Infamis  persona  kann  weder  Prokurator  in  fremder  Sache,  noch  Pro-  p.  1,2, 3 
curator  et  dominus,  um  in  eigner  Sache  aufzutreten,  werden.^  Infame  p.  1,2, 1 
können  zur  Besorgung  ihrer  Angelegenheiten  weder  ein  Mandat  geben,  noch 


1)  Vgl.  S.  313  Anm.  2. 
3)  Vgl.  S.  154  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  313  Anm.  2. 


senti,  et  nudis  verbis  .  .  et  apud  acta  prae- 
sidis  et  magistratus. 

P.  1,  3,  1.  Mandari  potest  procuratio  .  . 
per  literas  .  . 

aa)  C.  2,  12,  1.  NuUa  dubitatio  est,  post 
causam  in  iudicio  publicatam,  utpote  domi- 
num litis  procuratorem  etfectum,  etiam  post 
excessum  eins,  qui  defensionem  mandaverat, 
.  .  procuratorem  posse  eum  instituere  .  . 


bb) 


b) 


ß)  a)  P.  1,  2,  3.  In  rem  suam  cognitor 
procuratorve  ille  fieri  potest,  qui  pro  Omni- 
bus postulat. 

P.  1,  2,  1.     Omnes  infames,  qui  postulare 


Qui  dominus  et  procurator  de  cuiuslibet 
rei  petitione  fuerit  institutus  et  sasceptam 
liteni  vivo  mandatore  per  actionem  repetendo 
fuerit  contestatus,  etiamsi  ille,  qui  ei  man- 
datum  tale  fecerat,  de  hac  luce  dissedat, 
liceat  ei  .  .  alium  procuratorem  in  hac  causa, 
si  voluerit,  qui  repetat,  ut  dominus  ordi- 
näre .  . 

C.  2,  12,  1.  .  .  in  rebui=,  quae  possiden- 
tur,  procuratores  tantum  adversus  pulsantes 
.  .  possunt  firmiter  ordinari  .  , 

C.  9,  29,  3.  Calumniatores  sunt,  quicun- 
que  causas  ad  se  non  pertinentes  sine  man- 
dato  alterius  proposuerunt  (.  .  Calumniatores 
sunt),  quieunque  quod  ad  illos  non  pertinet, 
petunt  aut  in  iudicio  proponunt  .  . 

Nee  procurator  in  causa  aliena,  nee  pro- 
curator et  dominu>!,  ut  pro  ro  sua  agat,  in- 
famis persona  fieri  potest. 

Infames  .  .  ad  asrendas   causas   nee  man- 


492 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


von    einem   Andern    annehmen,    mögen    auch    ihre    Gegner    sich  dabei  be- 
ruhigen.^ 

c.  9, 1,2  b)  2  Frauen  werden  an  der  Übernahme  fremder  Sachen  durch  die  Gesetze  ge- 
hindert. Auch  die  Advokaten  sind  zu  erinnern,  nicht  gegen  die  Gesetze 
Frauen    anzunehmen,    die    in    fremden   Sachen    zu   prozessieren  verlangen.^ 

p.  1, 2,  2  Obschon  Frauen  behindert  sind,  eine  Procuratio  zu  übernehmen,  können  sie 

indessen,  wenn  sie  Dominae  et  procuratrices  w^erden,  in  der  Sache,  die  nun- 
mehr ihre  eigne  ist,  auftreten.'^ 
c.  2, 16,  6        c)  Mihtärpersonen  können  nicht  Prokuratoren  werden. 

Y)  Rechtslage. 

c.  2, 12, 3  a)  Sobald  einmal  eine  Sache  bei  dem  Richter  Zutritt  gefunden  gehabt  haben 
wird,  soll  von  den  Personen  die  Gewähr  erfordert  werden,  derart  dass  der- 
jenige, welcher  die  Sache  eines  Andern  betreibt,  sich  beeilen  soll,  das 
Mandat  desjenigen,  dessen  Sache  er  zur  Betreibung  übernommen  hatte,  vor- 
zulegen.^ 

Gr.  1, 1  b)  Wenn  Jemand  mittels  Mandats  zum  Prozess-Prokurator  eingesetzt  gewesen 
sein  wird,  und  wegen  eines  Vergleichs  mit  Bezug  auf  die  Sache  in  diesem 
Mandat    nichts    beigeschrieben   sich  findet,    kann  er  prozessieren,    soll  aber, 


1)  Vgl.  S.   154  Anm.  3.  2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  2i,  2  c,  aa. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  24  c,  cc. 

4)  In  principio  quaestionis  ist  die  Klagfähigkeit  zu  erforschen,  und  ob  der  Kläger 
behufs  Besorgung  des  Geschäfts  über  ein  Mandat  verfügt,  Quibus  rite  et  solenniter  consti- 
tutis  kann  eine  Sentenz  stattfinden,  andernfalls  weder  eine  Controvertia  noch  ein  Judicium. 


prohibentur,    cognitores    fieri    non    possunt, 
etiam  volentibus  adversariis. 

b)  C.  9,  1,  2.  .  .  Patroni  etiam  causarum 
monendi  sunt,  ne  respectu  compendii  femi- 
nas,  secaritate  forsitan  sexus  in  actionem  illi- 
citam  proruentes,  temere  suscipiant. 

P.  1,  2,  2.  Feminae  in  rem  suam  cogni- 
toriam  operam  suspicere  non  prohibentur. 

c)  C.  2,  12,  6.  Nemo  militantium  .  .  ad 
Cognitionen!  alieni  iurgii  suffragator  accedat. 

y)  a)  C.  2,  12,  3.  In  principio  quaestionis 
persona  debet  inquiri,  et  utrum  ad  agendum 
negotium  mandato  utatur  accepto.  Quibus 
rite  et  solenniter  constitutis,  potest  esse  sen- 
tentia:  praeteritis  autem  his,  nee  dici  contro- 
versiae  solent,  nee  potest  esse  iudicium. 

b)  Gr.  1,  1.  Transactionis  placitum  ab  eo 
interpositum ,  cui  causae  actionem,  non 
decisionem  litis  mandasti,  nihil  petitioni 
tuae  derogavit. 


datum  dare,  nee  suscipere  ab  altero  possunt, 
etiamsi  hoc  eorum  adversarii  acquiescant. 

Feminis  .  .  (non  liceat),  quia  susceptione 
alienarum  causarum  legibus  prohibentur. 
Advocati  etiam  commonendi  sunt,  ne  contra 
leges  suscipiant  in  alienis  causis  feminas  li- 
tigare  cupientes. 

Feminae,  licet  procurationem  suscipere 
prohibeantur,  tarnen,  si  dominae  et  procu- 
ratrices fiant,  pro  re  iam  sua  agere  possunt. 

Militantes  .  .  nee  procuratores  fieri  pos- 
sunt. 

Quum  primum  ad  iudicem  causa  fuerit 
intromissa,  personarum  firmitas  requiratur, 
ut  is,  qui  causam  alterius  prosequitur,  man- 
datum  eins,  cuius  causam  agendam  susceperat, 
proferre  procuret. 

Si  quis  per  uiandatum  procurator  litis 
fuerit  institutus,  et  de  compositione  causae 
in  ipso  mandato  nihil  continetur  adscriptum, 
litigare  potest,  componere  penitus  non  prae- 
sumat.     Quod  si  composuerit,  non  valebit. 


Beistand  und  Vertretung  der  Partei  §  3. 


49:^ 


einen  Vergleich  zu  schliessen.  durchaus  nicht  sich  anmassen.  Wird  er  sich 
verghchen  haben,  so  wird  es  keine  Giltigkeit  haben. 

c)  Wenn  Jemand,    der   blosser  Prokurator  oder   Cognitor,     nicht  Dominus    et   c.  2, 12, 7 
procurator   geworden   ist,    nach    der  Litiskontestation  infolge  irgendwelchen 
Zufalls    gestorben    sein    wird,    überträgt    er    von    dem   ihm    aufgetragenen 
Geschäft  Nichts  auf  seinen  Erben,  es  sei  denn  lediglich  den  Rückforderungs- 
anspruch wegen  Kosten  oder  Ausgaben,  von  dem  dieser  nachgewiesen  haben 

wird,  dass  ihn  sein  Auetor  in  der  übernommenen  Sache  erworben  hat, 
während  der  Prozess  zu  seinem  Auftraggeber  zurückkehrt. 

d)  Wird   ein  Procurator  litis  besiegt  gewesen  sein,  so  wird  sein  Mandant  zur  P- 2. 18,12 
Erfüllung  angehalten.^     Wenn   der  Prokurator  eines  Gegenwärtigen^  siegt,   c.  2, 12, 7 
wird    dem    Domiiuis,    nicht    dem    Prokurator,    die    Actio    iudicati    gewährt 
werden.     ^Das  Gleiche    ist    auch   mit  Bezug  auf  den  Prokurator  des  ver- 
klagten Besitzers  in  Acht  zu  nehmen,  wenn  er  entweder  besiegt  wird  oder 

siegt.  Wird  Jemand  In  rem  suam  zum  Domiiuis  et  procurator  gemacht 
gewesen  sein  und  bereits  selbst  im  eignen  Interesse  einen  Prokurator 
eingesetzt  haben,  so  wird  gleichfalls  der  Ausgang  der  Res  iudicata  den 
Dominus,  nicht  den  Actor  treffen.^ 


1)  Dem  Zusammenhang  nach  ist  bei  J  davon  die  Rede,  dass  —  abweichend  von  dem 
Sachverhalt  bei  der  Fideiussio  —  die  Auswahl  des  Hauptschuldners  den  Mandatsbürgen  und 
seinen  Erben  nicht  befreit. 

2)  Cognitor  vel  praesentis  procurator. 

3)  Das  Gleiche  gilt  auch  mit  Bezug  auf  den  Reus,  obschon  dessen  Person  ausreichend 
legum  veterum  observatione  geschützt  ist:  welche  Gesetze  auch  mit  Bezug  auf  den  Cognitor 
vel  procurator  In  rem  suam  nichts  Neues  erfordern. 


c)  C,  2,  12,  7.  Si  lite  contestata  procura- 
torem  vel  cognitorem,  qui  litis  minister  est 
ordinatus,  mori  contigerit,  minime  eins  quae- 
rantur  heredes,  ne  supervacua  domino  causae 
laboris  occasio  protendatur,  sed  statim  ad 
eum  migrent  omnes,  qui  dominus  causae 
fuerat,  actiones.  Et  successoribus  nulla  super 
eo  petitio  relinquatur,  nisi  tantum  expensa- 
rum  nomine  vel  factorum  litis  causa  sam- 
tuum  .  . 

d)  P.  2,  18,  12.  .  .  non  enim  in  manda- 
toribus  observatur. 

C.  2,  12,  7.  .  .  Nee  sa.ne  videtur  incon- 
gruum  cognitori,  quum  manifestum  sit,  si 
cognitor  vel  praesentis  procurator  usus  fuerit 
in  iudicio  prosperiore  fortuna,  .  .  iudicati 
actionem  sine  ulla  cunctatione  dari  (vel) 
domino.  Et  haec  quidem  in  actoris  persona 
de  litis  ministro  edixisse  sufficiat;  ceterum 
in  rei  quoque  idem  Heere,  non  dubium  est, 
quamvis  abunde  legum  veterum  observatione 
munita    sit,    quae,    si   in   rem   quoque    suam 


.  .  Si  procurator  aut  cognitor  tantummodo, 
non  dominus  et  procurator  eifectus,  post  li- 
tem  contestatam  quolibet  casu  de  hac  luce 
discesserit,  de  mandato  sibi  negotio  ad  suum 
nihil  transmittit  heredem:  nisi  tantum  sum- 
tuum  vel  expensarum  repetitionem,  quam 
auctorem  suum  in  suscepta  causa  fecisse 
probaverit:  lis  vero  ad  mandatorem  redit  .  . 


.  .  Si  (vero)  procurator  litis  victus  fuerit, 
mandator  eins  ad  Solutionen!  tenetur. 

.  .  Si  praesentis  procurator  .  .  vincat,  .  . 
domino,  non  .  .  procuratori  actio  tribuetur 
iudicati.  Idem  est  et  in  pulsati  possessoris 
procuratore  servandum,  si  aut  vincatur  aut 
vincat.  Et  si  in  rem  suam  quis  factus  fuerit 
dominus  et  procurator,  et  procuratorem  ipse 
pro  sua  utilitate  iam  fecerit,  similiter  exitus 
rei  iudicatae  dominum  respiciet,  non  actorem. 


494 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


p.  5, 10, 2  ^Voii  dem  Tage,  an  welchem  über    eine  Sache   geurteilt   gewesen 

sein  wird,  werden,  wenn  bei  der  Rück,a:abe  Verzug  bereitet  gewesen 
sein  wird,  doppelte  Früchte  gerechnet.  Und  zwar  schliesst  sowohl  die- 
jenigen, welche  verurteilt  gewesen  sein  werden,  als  auch  die  Prokura- 
toren oder  Kognitoren  dasselbe  Versprechen  ein.^ 

c.  2, 12, 7  aa)   Wenn    der  Prokurator    eines   Gegenwärtigen    besiegt    wird,    wird    die 

Actio  iudicati  gegen  den  Herrn,  nicht  gegen  den  Prokurator  gewährt 
werden.^ 

3)  Gesetzliche  Vertretung. 

a)  Voraussetzung. 

c  3, 17, 1  a)  Wenn  gegen  Pupillen  eine  Actio  angestrengt  wird,  können  sie,  mögen  sie 
auch  für  erwachsen  gelten,  zu  einem  Prozess  nicht  gelangen,  es  sei  denn 
dass  ihr  Alter  durch  Testificatio  curiae  bekräftigt  wird,  oder  ein  bestellter 
Kurator  das  Vermögen,  bez.  Geschäft,  des  Pupillen  beschützt.'^ 

c.  4, 20, 6  aa)  Wenn    behufs   Wiedererlangung    des   Besitzes    eine  Legitima    persona 

nicht  vorhanden  ist,  soll  die  Actio  gegen  das  minderjährige  Alter,  die 
gehöriger  Weise  vielmehr  gegen  den  Kurator  des  Minderjährigen  hätte 
proponiert  werden  müssen,  keine  Gültigkeit  haben. 

c.  4, 3, 1  bb)  Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode   aus   legitimer  Ehe   eine  schwangere 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Erstes  Buch  §  6,  2  b. 
3)  Vgl.  S.  173  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  493  Anm.  2. 


cognitor  vel  procurator  quis  fuerlt  ordinatus, 
simili   modo   nihil   novi  requirere   patiuntur. 

P.  5,  10,  2.  Ex  die  accepti  iudicii  dupli 
fructus  computantur:  et  tarn  dantes,  quam 
accipientes  .  .  procuratores  oognitorumque 
personae  .  .  eadem  stipulatione  comprehen- 
duntur  .  . 

aa)  C.  2,  12,  7.  ,  .  si  cognitor  vel  prae- 
sentis  procurator  (usus)  fuerit  in  iudicio 
(prosperiore)  fortuna  (,vel  eadem)  non  flaute 
devictus,  iudicati  actionem  sine  ulla  cunc- 
tatione  in  dominum  dari  .  . 

3  a)  a)  C.  3,  17,  1.  In  universis  litibus 
placet  non  prius  puberem  iustam  habere 
personam,  nisi  interposito  decreto  aut  ad- 
ministrandi  patrimonii  gratia  aut  ad  litem 
fuerit  curator  datus;  ut  iuxta  praecedentia 
nostrae  provisionis  statuta  legitime  initiatae 
litis  agitatae  in  iudiciis  controversiae  fini- 
antur. 

aa)  C.  4,  20,  6.  Momenti  actio  .  .  Nihil 
autem  opituletur  conventio  circa  minorem 
habita,  quum  id  rectius  circa  curatorem  de- 
buerit  custodiri. 

bb)  C.  4,  3,  1.     Carbonianum  edictum  sub 


Ex  eo  die,  quo  de  causa  fuerit  iudicatum, 
si  in  redhibitione  mora  facta  fuerit,  dupli 
fructus  computantur:  et  tarn  hos,  qui  ad- 
dicti  fuerint,  quam  .  .  procuratores  aut  cog- 
nitores  .  .  eadem   promissio  comprehendit  .  . 

.  .  Si  praesentis  procurator  vincatur  .  ., 
in  dominum  .  .,  non  in  procuratorem  .  .  ac- 
tio tribuetur  iudicati  .  . 


Si  pupillis  actio  inferatur,  quamvis  adulti 
videantur,  ad  litem  venire  non  possunt,  nisi 
forte  aetas  eorum  curiae  testificatione  firme- 
tur,  aut  certe  provisus  curator  Patrimonium 
pupilli  vel  negotium  tueatur. 


Ad  recipiendum  momentum  .  .  quum  le- 
gitima persona  non  sit,  nihil  valeat  actio 
contra  aetatem  minorem,  quae  contra  cura- 
torem suum  potius  debuit  iusta  ratione  pro- 
poni. 

Si  quis   moriens   ex  legitimo  matrimonio 


Beistand  und  Vertretung  der  Partei  §  3. 


495 


Frau  hinterlassen  haben  Avird,  soll  derjenige ^  welcher  geboren  ge- 
wesen sein  wird,  zu  seinem  Anteil  in  die  Erbschaft  des  Vaters  folgen 
und  bis  zum  fünfzehnten  Jahre  seines  Alters  dasjenige,  w^as  von  dem 
Vater  hinterlassen  worden  ist,  ohne  Rückforderungsans2)ruch  von  irgend 
Jemandem  besitzen:  hernach  soll  er  durch  den  Kurator  seine  Aktionen 
entweder  übernehmen  oder  einbringen.^  AVenn  Jemand  gegen  zwei  p.  3, 1,1 
Brüder,  das  will  sagen,  einen  mündigen,  dessen  Alter  einen  Kurator 
haben  kann,  und  einen  unmündigen  eine  Sache  hat,  und  der  Bruder, 
welcher  der  ältere  ist,  um  die  Saclie  nicht  zu  verantworten,  wegen 
der  Person  des  jüngeren  Bruders  sich  wird  haben  entschuldigen  wollen, 
wird  derjenige,  welcher  der  ältere  ist,  angehalten,  für  seine  Person, 
bez.  Sache,  sich  zu  verantworten:  und  wenn  er  auch  einen  Kurator 
nicht  hat,  wird  er  gezwungen  werden,  ihn  zuzuziehen.^ 

ß)  Rechtslage. 

a)  AVird  Jemand   gegen   diejenigen,    welche    sich  im  minderjährigen  Alter  be-   ^' p/' ■^ 
finden,  einen  Prozess  angestrengt  haben,  oder  von  ihrer  Seite  irgend  Jemand 
verklagt  werden^  so  sind  die  Fristen  von  dem  Augenblick  zu  rechnen,  dass 
Tutor   oder  Kurator  des  Minderjährigen  die  Actio  eingebracht  oder   über- 
nommen haben  wird.^ 


1)  Vgl.  S.  422  Anm.   1. 
3)  Vgl.  S.  344  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  422  Anm.  2. 


personis  legitimis  indubitato  matrimonio  .  . 
probata  legitima  successione  defertur:  scihcet 
ut  in  possessione  novus  heres  locatus  usquo 
ad  pubertatis  annos  sine  inquietudine  rebus 
utatur  interdum  alienis. 


P.  3,  1,  1.  Si  fratri  puberi  controversia 
fiat,  an  pro  parte  impuberis  differri  causa 
debeat,  variatum  est:  sed  magis  est,  ut  dif- 
ferri  non  debeat. 


{:)  a)  C.  2,  4,  1  pr.  Si  quando  minoribus 
vel  adultis  inferenda  lis  erit,  vel  ab  ipsis 
minoribus  vel  adultis  cuidam  quaestio  mo- 
venda  sit,  non  alias  cursus  temporis  inchoe- 
tur,  nisi  ab  universis,  quos  officii  solHcitudo 
constringit,  hoc  est  tutoribus,  sive  testamento 
sive  decreto  dati  sunt,  vel  curatoribus,  per 
quos  minores  defenduntur,  vel  iisdem  Omni- 
bus solenni  more  lis  fuerit  intimata. 


praegnantem  reliquerit  uxorem,  .  .  is,  qui 
natus  fuerit,  pro  sua  portione  in  patris  here- 
ditate  succedat  et  usque  ad  quintum  et  deci- 
mum  aetatis  suae  annum,  quae  a  patre  dere- 
licta  sunt,  sine  ulla  repetitione  possideat: 
futurum,  ut  suas  postmodum  per  curatorem 
aut  excipiat  aut  asserat  actiones. 

Si  quis  contra  duos  fratres,  id  est,  unum 
puberem,  cuius  aetas  curatorem  habere  po- 
test,  et  alterum  inpuberem  causam  habeat; 
si  frater,  qui  senior  est,  propter  personara 
fratris  minoris,  ne  causam  dicat,  se  voluerit 
excusare,  ille,  qui  senior  est,  pro  sua  persona 
vel  causa  respondere  compellitur.  Quod 
etiamsi  curatorem  non  habeat,  adhibcre  sibi 
cogitur  .  . 

Si  quis  contra  eos,  qui  in  annis  minoribus 
constituti  sunt,  litem  forte  commoverit,  aut 
si  a  parte  ipsorum  reus  aliquis  arguatur,  ex 
eo  tempora  computanda  sunt,  ex  quo  tutor 
sive  curator  minoris  ,  .  intulerit  seu  exceperit 
actionem. 


496 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


c.  2, 6,4  b)  Wird  eine  der  Parteien  gestorben  sein,  und  befindet  sich  der  Erbe  im 
minderjährigen  Alter,  so  sollen  dem  Tutor  oder  Kurator  die  Fristen  von 
dem  i^ugenblicke  gerechnet  werden,  dass  er  für  den  Minderjährigen  die  Ver- 
tretungsbefugnis  erhalten  und  die  Sache  innegehabt  hat.^ 


N.  V. 
12.  1,  15 


P.  5,  10,  3 


IV,  Sicherungsmittel,    Prozesskosten  und  Prozessstrafen  §  4. 

1)  Kautionen. 

a)  Wer  auch  immer  ^  wegen  eines  Grundstücks  oder  wegen  eines  Hauses  - 
verklagt  gewesen  sein  wird,  soll  ohne  Bürgschaft  von  selten  irgend  Jemandes 
kavieren,  dass  er  bei  Gericht  erscheinen  Averde.  Wenn  hingegen  Jemand 
Geld  von  ihm  zurückfordert,  wird  er  für  den  Betrag  des  Geldes  Bürgschaft 
geben  müssen,  falls  er  wegen  dieser  Schuld  einen  Rechtsstreit  wird  haben 
veranlassen  wollen:  es  darf  indessen  dann  nicht  ein  Fideiussor  von  ihm  verlangt 
werden,  wenn  der  Verklagte  an  den  Orten,  an  welchen  das  gerichtliche 
Gehör  stattfindet,  nachweislich  Besitzungen  hat,  welche  so  gross  wie  die 
Schuld  sind. 

b)  Wenn  eine  Sache  durch  Urteil  beendet  und  die  Zahlung  des  Judikats 
durch  eine  eingelegte  Bürgschaft  versprochen  gewesen  sein  wird,  jedoch 
derjenige,  welchem  die  Bürgschaft  geleistet  worden  ist,  die  Actio  wegen 
dieser  Sache  aus  einem  beliebigen  Grunde  verschleppt  haben  wird,  wird  er 
von  der  Verfolgung  der  Sache,  die  zugesprochen  worden  ist,  nicht  ausge- 
schlossen.^ 


1)  Vgl.  S.  505  Anm.  3  2)  De  solo. 

3)  So    oft  Judicatum   solvi  stipulatio   gegeben   wird,   schliesst  Ausserachtlassung  der 
mit  Bezug  darauf  zustehenden  Actio  die   Verfolgung  der  Res  iudicata  nicht  aus. 


b)  C.  2,  6,  4.  Si  quis  iurgantium  ante  litis 
terminum  ultimum  diem  obierit,  .  .  si  successor 
minoris  aetatis  sit,  postquam  datus  tutor 
sive  curator  solennia  susceptae  defensionis 
impleverit,  tempus  dinumerari  conveniet. 

1)  a)  N.  V.  12,  1,  15.  .  .  Exhibitus  (sane) 
si  de  solo  pulsatus  fuerit,  cessante  fideiussi- 
onis  necessitate,  periculo  negotii  observatio- 
nem  se  subiturum  promittat.  In  ]3ecuniariis 
autem  causis  non  nisi  pro  quantitate  debiti, 
quod  fuerit  postulatum,  praesentiae  suae  fi- 
deiussorem  dabit,  si  maluerit  subire  conflic- 
tum:  si  tarnen  eum  in  bis  locis,  in  quibus 
pulsatus  fuerit,  Patrimonium  petitae  summae 
conveniens  constiterit  non  habere. 

b)  P.  0,  10,  3.  Quoties  iudicatum  solvi 
stipulatione  satisdatur,  omissa  eius  actio  rei 
iudicatae  persecutionem  non  excludit. 


Si  quis  de  litigatoribus  ab  hac  luce  dis- 
cesserit,  .  .  si  heres  in  annis  sit  minoribus 
constitutus,  tutori  vel  curatori  ex  eo  tem- 
pora  supputentur,  ex  quo  pro  minore  firm  am 
personam  defensionis  accepit  et  rem   tenuit. 

. .  Quicunque  (autem)  si  de  agro  vel  de  domo 
fuerit  pulsatus,  sine  fideiussione  alicuius  ca- 
veat  se  adfuturum  esse  in  iudicio.  Nam  si 
pecuniam  quis  ab  eo  repetat,  fideiussionera 
pro  quantitate  pecuniae  dare  debebit,  si  de 
hob  debito  voluerit  parare  conflictum:  tunc 
tamen  fideiussor  ab  eo  requiri  non  debet, 
quando  pulsatus  in  his  locis,  in  quibus  audi- 
entia  est,  non  minoris  debiti  ipsius  possessi- 
ones  habere  probatur. 

Si  quando  causa  per  iudicium  fuerit  ter- 
minata  et  iudicati  solutio  fideiussione  inter- 
posita  fuerit  repromissa,  sed  is,  cui  fideiussio 
praebita  est,  huius  rei  actionem  qualibet  ra- 


Sicherungsmittel,  Prozesskosten  und  Prozessstrafen  §  4. 


497 


c)  Wer  kaviert  haben  wird,  dass  er  Jemanden  vor  Gericht  stellen  werde,  wird    p.  i,  13, 1 
mit  dem   Tode    desjenigen,    für    den    er    kaviert   hatte,    von    der    Gefährde 

der  Kaution  entbunden. 

d)  1  Wenn  irgend  Jemand  die  Erbschaft  zufolge  Willens  des  Verstorbenen  oder  ^-  ^'  ^^* 
nach  dem  Inhalt  des  Testaments  besitzt  und   ein  Anderer  behauptet,  dass 

sie  ihm  geschuldet  sei,  verlangt  der  Kläger  mit  Grund,  dass  ihm  von  dem 
Besitzer  eine  Satisdation  gegeben  werde,  dmxh  welche  zugesagt  wird,  dass  alle 
Erbschaftssachen  bis  zu  dem  Ausgang  des  Verfahrens  unangetastet  bleiben 
werden.  Wird  der  aus  diesem  Anlass  verklagte  Besitzer  für  eine  Satisdation 
dieser  Art  nicht  Sorge  getragen  haben,  so  werden,  nachdem  von  dem  Kläger 
ein  Bürge  gegeben  worden  ist,  die  Erbschaftssachen  auf  ihn  übertragen. 
Wird  jedoch  auch  nicht  der  Kläger  einen  Satisdator  gegeben  haben,  so  wird 
der  Besitz  bis  zu  dem  Ausgang  des  Prozesses  bei  dem  Besitzer  verbleiben.^ 

e)  Gemeinschaftliche  Sachen  können  in  Abwesenheit  von  Konsorten  die  andern  c.  2, 12, 2 
Konsorten  betreiben,   "falls  diejenigen,  welche  anwesend  gewesen  sein  werden, 
kavieren,    dass   jene,   die  abwesend  sind,  mit  Allem,    was  geurteilt  gewesen 

sein  wird,  einverstanden  sein  werden,  oder  falls  sie  unverzüglich  einen 
Bürgen  dafür  gegeben  haben  werden,  dass  sie  nicht  säumen  würden,  Alles 
auszuführen,  was  entschieden  gewesen  sein  wird.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  9,  1  f. 

2)  Wenn  Anwesende  bereit  sind  zu  kavieren,  Rem  ratam  dominum  habiturum,  oder 
wenn  sie  dasjenige,  was  von  ihnen  gefordert  wird  ,  durch  Satisdatio  Judicatum  solvi  be- 
kräftigt haben  werden. 


c)  P.  1, 13,  1.  Qui  exhibiturum  se  aliquem 
iudicio  caverit,  mortuo  eo,  pro  quo  caverat, 
periculo  cautionis  liberatur. 

d)  P.  1,  11,  1  u.  2.  Quoties  hereditas  pe- 
titur,  satisdatio  iure  desideratur:  et  si  satis- 
datio non  detur,  in  petitorem  hereditas  trans- 
fertur.  Si  petitor  satisdare  noluerit,  penes 
possessorem  possessio  remanet  .  . 


e)  C.  2,  12,  2.  Commune  negotium  et  qui- 
busdam  absentibus  agi  potest,  si  praesentes 
rem  ratam  dominum  habiturum  cavere  pa- 
rati  sunt,  vel  si,  quod  ab  his  petitur,  iudi- 
catum  solvi  satisdatione  firmaverint. 


Conrat,  Breviarium. 


tione  tardaverit,  a  persecutione  rei,  quae  ad- 
dicta  est,  non  excluditur. 


Si  cjuicunque  hereditatem  ex  defuncti  vo- 
luntate  aut  testamenti  conditione  possideat, 
quam  alter  sibi  debitam  esse  contendit,  pe- 
titor iure  postulat,  ut  ei  a  possessore  satis- 
datio detur,  quae  omnia  hereditaria  corpora 
salva  futura  esse  promittat,  usque  in  cogni- 
tionis  eventura.  Et  si  possessor  ex  hac  re 
conventus  huiusmodi  satisdationem  non  pro- 
viderit.  dato  a  petitore  fideiussore,  ad  eum 
hereditaria  corpora  transferuntur.  Si  vero 
nee  petitor  satisdatorem  dederit,  penes  pos- 
sessorem usque  ad  eventum  iudicii  possessio 
remanebit. 

Communes  causas  absentibus  consortibus 
alii  consortes  agere  possunt,  si  illi,  qui  prae- 
sentes fuerint,  caveant  acceptuui  esse  Ulis, 
qui  absentes  sunt,  quicquid  fuerit  iudicatum, 
aut  in  praesenti  fideiussorem  dederint,  ut 
omnia,  quae  definita  fuerint,  implere  non 
differant. 

32 


498 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


2)  Prozesskosten. 

c.  4,  IG,  1  a)  Wer  auch  immer  eine  fremde  Saclie  zu  Unrecht  besessen  haben  wird, 
soll.  Avenn  er  durch  ein  Urteil  besiegt  gewesen  sein  Avird,  weil  er  eine  ihm 
nicht  gebührende  Sache  zu  okkupieren  sich  angemasst  hat,  —  wie  aber 
auch  derjenige,  welcher,  von  dem  richtigen  Eigentümer  angesprochen,  das 
Angemasste  nicht  wird  haben  zurückgeben  wollen/  und  auch  die  Erben  dieser 
Personen  —  sowohl  die  Kosten  als  auch  die  Ausgaben  des  Prozesses  von 
dem  Tage,  an  welchem  sie  über  eine  solche  Sache  zu  streiten  angefangen 
haben  werden,  bis  zur  Beendigung  den  Klägern  erstatten:  denn  auch  die- 
jenigen, welche  Andere,  die  sich  im  Besitze  befinden,  anzugreifen  versucht 
haben  werden,  sollen,  wenn  sie  dasjenige  bei  Gericht  zurückfordern,  was  sie 
als  das  Ihrige  nicht  erweisen  können,  in  gleicher  Weise  an  Kosten  und 
Ausgaben  des  Prozesses  den  verklagten  Besitzern  zurückgeben,  -wieviel  diese, 
wie  sich  ergeben  haben  wird,  während  der  ganzen  Zeit  des  Prozesses  ein- 
gebüsst  haben. '^ 

c.  4, 16, 2  b)  Nachdem  unter  den  Parteien  der  Handel  durch  Urteilsspruch  entschieden 
gewesen  sein  wird,  soll  eine  jede  Actio,  ^die  wegen  Rückforderung  der  Kosten 
oder  Ausgaben  des  Prozesses  erzielt  gewesen  sein  wdrd,^  keinen  Effekt  besitzen, 
*den    der  Tenor  des  Judikats    nicht    liefert,*    indem    ein  Jeder   mit   Bezug 


1)  Vgl.  S.  216  Anm.  1. 

2)  T  sagt,  dass  Kosten  und  Ausgaben  zu  zahlen  sind,  wenn  auch  hierüber  eine  aus- 
drückliche richterliche  Sentenz  fehlt. 

3)  T  denkt  an  ein  Reskript. 

4)  T  bezeichnet   als   Inhalt   des   Urteils:    Restitution   der   Kosten   oder  Vorbehaltung 
einer  Querel. 


2)  a)  C.  4,  16,  1.  Litigator  victus,  quem 
invasorem  alienae  rei  praedonemve  constabit, 
sed  et  qui  post  conventionem  rei  incubarit 
alienae  .  .  Heredis  quoque  .  .  Addimus  etiam, 
ut  imponsas  suuitusque  litis,  re  ad  finem  de- 
ducta,  petitoribus  praestent.  Ac  ne  ipsos 
quidem  petitores,  qui  inanes  lites  et  iurgia 
non  movenda  ingerunt  possidentibus,  ab  istius 
cautionis  merito  segregamus;  iubemus  enim, 
ut,  si  intentio  petitoris  improba  iudicetur, 
praestet  possessori  sumtus,  praestet  impensas, 
quas  eum  toto  litis  tempore  sustinuisse  cla- 
ruerit,  etiamsi  super  hac  re  expressior  cesset 
sententia  iudicantis. 

b)  C.  4,  16,  2.  Terminato  transactoque 
negotio  posthac  nulli  actio,  neque  ex  rescrip- 
to,  super  sumtuum  repetitione  praestetur, 
nisi  cognitor,  qui  de  principali  negotio  sen- 
tentiam  promulgavit,  cominus  partibus  con- 
stitutis  iuridica  pronuntiatione  signaverit: 
victori  causae  restitui  debere  expensas,  aut: 
super    his    querelam    iure   competere.      Post 


Quisquis  rem  alienam  male  possederit,  si 
in  iudicio  fuerit  superatus,  quod  rem  sibi 
non  debitam  occupare  praesumsit:  sed  et 
ille,  qui  conventus  a  certo  domino  reddere 
pervasa  noluerit  .  .  Heredes  qaoque  eorum 
.  .  Addimus  quoque,  eiusmodi  personis  ut  et 
sumtus  et  expensas  litis  ex  eo  die,  a  quo  de 
tali  re  coeperint  litigare,  usque  dum  finiatur, 
pulsantibus  reddant:  nam  et  ipsi,  qui  alios 
possidentes  pulsare  tentaverint,  si  ea  in  iu- 
dicio repetant,  quae  sua  probare  non  possint, 
similiter  sumtus  et  expensas  litis  pulsatis 
possessoribus  reddant,  quantum  eos  toto  litis 
tempore  perdidisse  constiterit. 

Posteaquam  inter  partes  fuerit  defini- 
tum  iudicio  intercedente  negotium,  quaecun- 
que  actio  propter  repetendos  sumtus  vel  ex- 
pensas litis  obtenta  fuerit,  nullam  habeat 
firmitatem,  quam  iudicati  forma  non  conti- 
net:  quia  quicunque,  quod  in  iudicio  adver- 
sario  praesente  non  petiit,  postea  de  eadem 
re  litem  aliam  non  poterit  inchoare. 


Sicherungsmittel,  Prozesskosten  und  Prozessstrafen  §  4. 


49,9 


auf  dasjenige,    was   er  in  Gegenwart  des  Gegners  bei  Gericht  nicht  bean- 
sprucht hat,  nachher  um  derselben  Sache  willen  einen  andern  Prozess  nicht 


c) 


wird  beginnen  kÖJinen. 


Kläger 


seinen 


Gegner, 


entweder    unter 


Bürgschaft 


oder    mit 


N.V. 
12,  1,  14 


Wenn    der 

Kaution,  hat  haftbar  machen  lassen,  und  sich  nicht  beeilt,  innerhalb  vier 
Monaten,  während  deren  indessen  der  Judex  zur  Vernehmung  der  Sachen 
Zeit  zu  haben  befunden  wird,  die  Klage,  die  er  proponiert  hat,  zu  erledigen, 
soll  derjenige,  welchen  er  genötigt  hat,  das  Gericht  wahrzunehmen,  von  dem 
Kläger  Kosten  und  Ausgaben  des  Prozesses  zurückempfangen  und  frei 
davongehen:  jedoch  unbeschadet  der  Integrität  der  Sache  jenes  Klägers, 
der  zur  Zeit  wegen  seiner  Saumseligkeit  die  Schäden  an  Kosten  oder 
Ausgaben  getragen  hat. 

3)  Prozessstrafen. 

a)  ^Einiges  wird,  wenn  es  seitens  derjenigen,  welchen  es  geschuldet  worden  ist,  p.  i,  i9,  i 
zurückgefordert  wird,  sobald  es  von  den  Schuldnern  geleugnet  gewesen  sein 
wird,  mit  dem  Ersätze  des  Doppelten  zurückgegeben,  das  ist,  die  Res  iudi- 
cata, das  Per  damnationem  hinterlassene  Legat,  das  heisst,  wenn  einem 
Erben  geheissen  worden  ist,  etwas  als  Legat  zu  geben  und  er  den  Anspruch 
geleugnet  haben  wird,  oder  wenn  Jemand  den  irgend  einer  Person  durch 
ein  Unrecht  zugefügten  Schaden  nicht  wird  haben  ersetzen  wollen,  oder 
wenn  mit  Bezug  auf  das  Mass  des  Grundstücks  der  Käufer  von  dem  Ver- 
käufer übervorteilt  gewesen  sein  wird,  sodass  weniger  gefunden  wird, 
als  sich    geschrieben    zeigt.^     Alles    dieses,    was    hierin    begriffen    ist,    wird 


1)  Vgl.   S.   279  Anm.  1 :   neben   den   von  J  genannten  Aktionen   wird  in  T  die  Actio 
depensi  aufgeführt. 


absolutura  enim  dimissumque  iudicium  nefas 
est,  litem  alteram  consurgere  ex  litis  primae 
materia. 

c)  N.  V.  12,  1,  14.  .  .  si  quis  ad  iudicium 
quem  venire  compulerit,  et  eodem  in  officio, 
vel  fideiussionis  vinculo  constituto  non  urgeat, 
quo  intra  quatuor  menses  institutas  peragat 
actiones,  et  constiterit  iudicem  causas  alias 
cognovisse,  petitor,  qui  secretarium  vitio  suo 
noluit  introire,  sumtus  expensasque  restituat, 
quoniam  actoris  tergiversationem  esse  non 
convenit  impunitam.  Pulsatus  bis  recupera- 
tis  ab  observationis  necessitate,  integro  peti- 
tori  negotio,  liber  abscedat. 

3)  P,  1,  19,  1.  Quaedam  actiones  si  a 
reo  inficientur,  duplantur:  velut  iudicati,  de- 
pensi, legati  per  damnationem  relicti,  damni 
iniuria  legis  Aquiliae,  item  de  modo  agri, 
quum  a  venditore  emtor  deceptus  est. 


.  .  ut,  si  petitor  adversarium  suum  .  .  aut 
sub  fideiussione  aut  cautione  fecit  ad- 
duci,  et  non  festinet  intra  quatuor  menses, 
in  quibus  tamen  iudex  ad  audiendas  causas 
vacare  dignoscitur,  actionem,  quam  propo- 
suit,  (debeat)  expedire:  ille,  quem  compulit, 
ad  audientiam  observare  sumtus  et  expensas 
litis  a  Petitore  recipiat,  et  liber  abscedat: 
salva  tamen  integritate  negotii  illius  peti- 
toris,  qui  ad  praesens  pro  tarditate  sumtuum 
vel  expensarum  damna  sustinuit. 

Aliqua,  quae  quum  ab  bis,  quibus  sunt 
debita,  repetuntur,  si  a  debitoribus  negata 
fuerint,  dupli  satisfactione  redduntur,  id  est, 
res  iudicata,  legati  per  damnationem  relicti, 
id  est,  si  quid  heres  legati  titulo  dare  iussus 
est,  et  petitum  negaverit,  vel  si  damnum 
alicui  per   iniuriam  factum   quis  sarcire  no- 

32* 


500 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


P.  1,  19,  2 


P.  1,  10,  1 


C.  2,  14,  1 


nach  der  Lex  Aquilia  verdoppelt.^  Diejenigen  Sachen,  welche  durch 
das  Leugnen  der  Verklagten  verdoppelt  werden,  können  durch  ein  Pactum 
nicht  beendet  werden. 

b)  Ein  jeder  verliert  seinen  Handel,  der  ^mit  Bezug  auf  etwas,  was  ihm  ent- 
weder anvertraut  oder  geliehen  worden  ist,^  verlangt  haben  wird,  dass  es 
anderswo  gegeben  werde,  als  verabredet  ist,  oder  der  gefordert  haben  wird,  dass 
mehr  zurückerstattet  werde,  als  gegeben  worden  ist,  oder  der  die  Rückerstattung 
vor  der  Zeit,  dass  die  Leistung  versprochen  worden  ist,  gefordert  haben 
wird,  oder  ^eine  bessere  Species,  als  er  gegeben  hatte,  verlangt  haben  wird.^ 

c)  Wir  haben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  viele  ihre  Sachen  mit  den  Personen 
von  Potentes  verteidigen,  bez.  verfolgen.  Derart  dass  sie  Libelli,  bez.  Tituli, 
mit  dem  Namen  derjenigen,  welche  durch  Digriität  ausgezeichnet  sind,  um 
leichter  die  Besitzer  zu  schrecken,  an  den  Häusern,  die  sie  zurückfordern, 
anschlagen,  oder  dass  sie  sich,  wenn  irgend  etwas  zurückgefordert  wird,  aus- 
drücklich mit  dem  Namen  von  Magni  et  clarissimi  viri  in  den  vorgelegten 
Libelli   contradictorii  verteidigen.     Wird  dieses  mit  dem  Willen  derjenigen 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

2)  Von  derselben  Species  eine  bessere  Sache  verlangt. 


P.  1,  19,  2.  Ex  his  causis,  quae  inficiatione 
duplantur,  pacto  decidi  non  potest. 

b)  P.  1,  10,  1.  Causa  cadimus  aut  loco, 
aut  summa,  aut  tempore,  aut  qualitate.  Loco, 
alibi:  summa,  x^lus:  tempore,  repetendo  ante 
tempus:  qualitate,  eiusdem  speciei  rem  meli- 
orem  postulantes. 


c)  C.  2,  14,  1.  Animadvertimus,  plurimos 
iniustarum  desperatione  causarum  potentium 
titulos  et  clarissimae  privilegia  dignitatis  his, 
a  quibus  in  ins  vocantur,  opponere.  Ac  ne 
in  fraudem  legum  adversariorumque  terrorem 
his  nominibus  abutantur  et  titulis,  qui  huius- 
modi  dolo  scientes  connivent,  afficiendi  sunt 
publicae  sententiae  nota.  Quod  si  nuUum 
in  hac  parte  consensum  praebuerint,  ut  libelli 
aut  tituli  eorum  nominibus  aedibus  affigantur 
alienis,  eatenus  in  eos,  qui  fecerint,  vindice- 
tur,  ut,  affecti  plumbo,  perpetuis  metailorum 
suppliciis  deputentur.  Quisquis  igitur  Ute 
pulsatus,  quum  ipse  et  rei  sit  possessor  et 
iuris,  et  titulum  illatae  solenniter  pulsatio- 
nis  exceperit,  contradictoriis  libellis  aut  titu- 


luerit,  vel  de  modo  agri,  quum  a  venditore 
emtor  fuerit  circumscriptus,  ut  minus  inve- 
niatur,  quam  probatur  scriptum.  Quae  om- 
nia  superius  comprehensa  secundum  legem 
Aquiliam  duplicantur. 

Hae  causae,  quae  pulsatorum  negatione 
duplantur,  per  pactum  finiri  non  possunt. 

Causam  perdit,  quicunque  aut  coramen- 
datum  sive  commodatum  aliquid  alibi,  quam 
placuit,  dari  petierit;  aut  plus,  quam  datum 
est,  reddi  poposcerit;  aut  ante  tempus, 
quam  redhibitio  promissa  est,  petierit  refor- 
mari;  aut  meliorem  speciem,  quam  dederat, 
postularit. 

Cognovimus,  multos  causas  suas  per  po- 
tentium personas  excusare  vel  prosequi,  ita 
ut  libellos  vel  titulos  eorum  nominibus,  qui 
dignitate  praeclari  sunt,  quo  facilius  terre- 
ant  possessores,  in  his  domibus,  quae  ab  eis 
repetuntur,  affigant,  aut  certe,  si  aliquid 
repetatur,  nomine  magnorum  et  clarissimo- 
rum  virorum  prolatis  libellis  contradictoriis 
se  specialiter  excusare.  Quod  si  ex  eorum 
voluntate  factum  fuerit,  quorum  nomina  li- 
belli testantur,  publice  debet  dignitas  eorum 
pro  omni  vilitate  notari.  Uli  vero,  qui  cau- 
sas suas  tali  fraude  agere  praesumserint, 
plumbatis  caesi,  in  metallum  damnati  per- 
durent.  Unde  quicunque  de  re  conventus, 
in  qua  dominus  esse   dignoscitur,  si  alterius 


Sicherungsmittel,  Prozesskosten  und  Prozessstrafen  §  4. 


501 


Personen  geschehen  sein,  deren  Namen  die  Libelli  bezeugen,  so  muss 
um  ihrer  ganzen  Schlechtigkeit  willen  ihre  Dignitiit  öffentlich  dem  Schimpfe 
verfallen.^  Diejenigen  aber,  welche  mittels  eines  solchen  Trugs  ihre  Sachen 
zu  betreiben  sich  angemasst  haben  werden,^  sollen  mit  Eisenkniippeln 
geschlagen  und  zu  dauernder  Arbeit  im  Bergwerk  verurteilt  sein.  Ein 
Jeder,  ^der  wegen  einer  Sache  belangt  worden  ist,^  in  welcher  er  sich 
als  der  Herr  ergiebt,  soll,  falls  er  sich  mit  dem  Namen  eines  Dritten  wird 
haben  verteidigen  wollen  oder  den  Andern  mit  dem  Namen  eines  Dritten 
zu  beunruhigen  sich  angemasst  haben  Avird,*  seinen  Handel  verlieren  und 
mit  Bezug  auf  die  in  Frage  kommende  Sache  sowohl  des  Besitzes  als 
auch  der  Rückforderung  verlustig  gehen :  er  kann  dabei  auch  eine  Sache 
von  gutem  Gehalt  haben. 


1)  Vgl.  S.  151  Anm.  1. 

2)  T  denkt  an  Verwendung  der  Libelli  und  Tituli  ohne  die  Genehmigung. 

3)  Der  den  Titulus  illatae  solenniter  pulsationis  empfangen  haben  wird. 

4)  T  beschreibt  den  Sachverhalt  dahin,  dass  der  Verklagte  den  Namen  eines  Andern 
in  Contradictorii  libelli  und  tituli  einsrefiiort  hat. 


lis  alterius  nomen  crediderit  inserendum,  eins 
possessionis  aut  causae,  quam  sub  hac  fraude 
aut  retinere  aut  evitare  tentaverit,  amissione 
mulctetur,  nee  repetendae  actionis,  etiamsi 
ei  vel  probabilis  negotii  merita  suffragantur, 
habeat  facultatem.  Eos  sane,  qui  se  sponte 
alienis  litibus  inseri  patiuntur,  quum  his 
neque  proprietas,  neque  possessio  competat, 
veluti  famae  suae  prodigos  et  calumniarum 
redemtores  notari  oportebit. 


nomine  se  voluerit  defensare  aut  alium  al- 
terius nomine  inquietare  praesumserit,  cau- 
sam perdat:  et  rei,  de  qua  agitur,  seu  pos- 
sessionem  seu  repetitionem  amittat,  quamvis 
boni  meriti  negotium  possit  habere. 


C.  9,  1,  4 

P.  5,  5,  6 
C.  2,  4,  2 


Zweites  Kapitel.    Das  Verfahren. 

I.    Einleitung   des    Prozesses. 

A)  Denimtiations verfahren  §  5. 

Denuntiation. 

a)  Sowohl  einem  bürgerlichen,  als  auch  einem  kriminellen  Handel  soll  die  von 
der  Hand  des  Anklägers  abgefasste  Profession  der  Anklage  vorausgehen.^ 
An  den  Verklagten  ergeht  von  Seiten  des  Judex  eine  Denuntiation.^ 

b)  Wir  verordnen,  dass  die  Lis  bei  den  Rektoren  der  Provinz,  bez.  bei  den 
Defensoren,  oder  bei  Allen,  bei  welchen  Gesta  errichtet  werden,  kontestiert 
werde,^  damit  nicht  irgend  Jemand  den  Namen  eines  Abwesenden  oder 
Verstorbenen  bez.  einer  Person,  die  nicht  wird  haben  aufgefunden  werden 
können,  in  die  Litis  contestatio  aufnehme,  auf  dass  sich  nicht  ein  Anlass 
zur  Fälschung  finde. 


1)  T  spricht  von  der  Notwendigkeit,  den  Adressaten  des  Gesetzes,  Stadtpräfekt,  nicht 
ohne  Inachtnehmung  der  Solennitäten  anzugehen:  es  ist  dabei  an  die  Notwendigkeit  der 
Inskription  im  Kriminalprozess  gedacht. 

2)  T  spricht  von  der  Denuntiation  an  den  Judex 

3)  T  verordnet,  dass  die  Denuntiation  bei  den  Provinziah-ektoren  oder  denjenigen, 
quibus  actorum  conficiendorum  ius  est,  geschehen  solle. 


1)  a)  C.  9 ,  1 ,  4.  Non  prius  quemquam 
sinceritas  tua  ad  tuae  sedis  examen  iubebit 
adduci,  quam  solennibus  satisfecerit ,  qui 
nititur  fidem  doloris  asserere  .  . 

P.  5,  5,  6.  .  .  conventus  (,nisi)  ad  iudi- 
cem,  ad  quem  sibi  denuntiatum  est  .  . 

b)  C.  2,  4,  2.  Denuntiari  vel  apud  pro- 
vinciarum  rectores  vel  apud  eos,  quibus  ac- 
torum conficiendorum  ius  est,  decernimus, 
ne  privata  testatio,  mortuorum  aut  in  diver- 
sis  terris  absentium  aut  eorum,  qui  nusquam 
gentium  sint,  scripta  nominibus,  falsam  fidem 
rebus  non  gestis  affin gat. 


Tam  civile  negotium  quam  ci'iminale  ac- 
cusationis  professio  manu  accusatoris  con- 
scripta  praecedat. 

.  .  conventus  .  .  apud  (eum)  iudicem,  a 
quo  ei  denuntiatum  est  .  . 

Contestari  apud  rectores  provinciae  vel 
defensores  aut  omnes,  apud  quos  gesta  con- 
ficiuntur,  litem  iubemus,  ne  ullus  nomen  ab- 
sentis  aut  mortui  vel  qui  non  potuerit  in- 
veniri,  in  litis  contestatione  recipiat,  ne  fal- 
sitatis  inveniatur  occasio. 


Denuntiationsverfahren  §  5. 


503 


aa)  Tutor   oder  Kurator    des    Minderjährigen  wird    entweder    durch    den   c.  2,4,  i 
Judex  oder  durch  die  Kurie  die  Actio  eingebracht  oder  übernommen 
haben.^ 

c)  Nachdem  die  Lis  mittels  einer  Urkunde  kontestiert  gewesen  sein  und  durch  die   c.  2,  4, 4 
öffenthche  ßelangung   die  Person   des  Verklagten,   wer  er  auch  immer  sei, 
ergeben  haben  wird,  soll  die  Lis  als  begonnen  gelten,  vorausgesetzt  indessen, 
dass  die  Parteien  nachweislich  reiferen  Alters  sind.^ 

aa)  ^Sobald  eine  Sache  durch  Actio  kontestiert  worden  ist,  steht  sie,  die   c.  1, 2, 7 
dem  Verstorbenen  zugestanden  hat,  auch  dem  Erben  zu.    Wird  jedoch 
der  Erblasser  in  irgendwelcher  Weise  seine  Rückforderung  in  Person 
nicht   kundgegeben  haben,  so  wird  sein   Erbe,  mit  Bezug  worauf  der 
Erblasser   die   Actio    nicht   proponiert  hat,    gehindert  zu   klagen.^ 

2)  Fristen. 

a)  Bei  den  Rechtshändeln,    die  mit    der  Vorbringung  der  Actio  als  begonnen 
gelten,  ist  für  die  Beantwortung  stets  der  gesetzlich  vorgeschriebene  Fristen-   c.  2,  4, 5 
lauf  in  Acht  zu  nehmen.* 

b)  Wird   Jemand    gegen    diejenigen,    welche    sich    im    minderjährigen    Alter  c.  2, 4, 1 
befinden,    einen    Prozess    angestrengt  haben,    oder  von    ihrer    Seite    irgend 


1)  Vgl.  S.  344  Anm.  2. 

2)  Nach  der  Denuntiatio  celebrata  editione  rescripti,  vorausgesetzt  indessen,  dass  es 
rechtmässig  erzielt  worden  ist,  beginnt  die  Lis,  versteht  sich,  inter  iustas  legitimasque 
personas.  3)  Vgl.  S.  15  Anm.  1. 

4)  Für  alle  Sachen,  die  Ex  rescriptorum  auctoritate  den  Anfang  nehmen,  ist  verordnet 
worden,  dass  sie  Ad  cursum  temporum  gehören. 


aa)  C.  2,  4,  1  pr.  .  .  ab  .  .  tutoribus  .  .  vel 
curatoribus,  per  quos  minores  defenduntur, 
vel  iisdem  (omnibus)  solenni  more  lis  fuerit 
intimata. 

c)  C.  2,  4,  4.  Post  celebratam  denuntia- 
tionem,  editione  rescripti  (quod  tarnen  iure 
sit  impetratum)  lis  exordium  auspicatur,  inter 
iustas  videlicet  legitimasque  personas  .  . 

aa)  C.  1,  2,  7.  .  .  (Nam)  sicat  ex  causis 
numerosis  etiam  haec  actio  transmittitur 
ad  heredes,  quae  testatori  competiisse  mon- 
stratur,  sie  et  c  diverso  definitione  iuris  con- 
sultorum  omnium  consona  responsione  firma- 
tur,  ab  berede  actionem  non  incipere,  quae 
non  competierit  testatori. 

2)  a)  C.  2,  4,  5.  üniversa  quidem  negotia, 
quae  ex  rescriptorum  auctoritate  sortiuntur 
exordium ,  ad  cursum  temporum  pertinere, 
decretum  est  .  . 

bi  C.  2,  4,  1.  Si  quando  minoribus  vel 
adultis  inferenda  lis  erit,  vel  ab  ipsis  mino- 


.  .  tutor  sive  curator  minoris  aut  per  iu- 
dicem  aut  per  curiam  intiüerit  seu  exceperit 
actionem. 

Posteaquam  per  scripturam  lis  fuerit  con- 
testata,  et  per  publicam  conventionem,  quis- 
quis  ille  est,  qui  pulsatur,  agnoverit,  tunc 
lis  inchoata  dicatur,  si  tamen  litigantium 
perfectae  probantur  aetates  .  . 

.  .  (quia)  causa  actione  contestata,  ea, 
quae  competebat  defuncto,  competit  et  he- 
redi.  Si  vero  auctor  quolibet  ordine  repe- 
titionem  suam  praesens  non  publicaverit, 
heres  eins,  unde  auctor  actionem  non  pro- 
posuit,  agere  prohibetur. 

(Licet)  in  negotiis,  quae  per  actionem  eli- 
citam  inchoari  videntur,  legitimus  ad  respon- 
dendum  temporum  semper  cursus  observan- 
dus  sit  .  . 

Si  quis  contra  eos,  qui  in  annis  minoribus 
constituti   sunt,   litem  forte  commoverit,  aut 


504 


Öffentliches  Recbt.     Erstes  Bucli. 


C.   2,  6,  5 


C.  2,  6,  3 


Jemand  verklagt  werden,  so  sind  die  Fristen  von  dem  Augenblick  zu 
rechnen,  dass  Tutor  oder  Kurator  des  Minderjährigen,  entweder  durch  den 
Judex  oder  durch  die  Kurie,  die  Actio  eingebracht  oder  übernommen  haben 
wird:  derart  indessen,  dass,  wenn  Personen  dieses  Officium,  das  will  sagen, 
Kuratoren  oder  Tutoren,  die  die  Interessen  der  Minderjährigen  beschützen, 
sich  in  verschiedenen  Provinzen  befinden,  gerade  diejenigen,  welche  sich  in 
der  Provinz  befunden  haben  werden,  wo  die  Klage  nachweishch  ent- 
standen ist,  die  Aktionen  entweder  anstrengen  oder  übernehmen  sollen,  weil 
wir  nicht  wollen,  dass  die  Beschützer  der  Minderjährigen  um  der  Not- 
wendigkeit der  Vernehmung  willen  in  eine  andere  Provinz  gezogen 
werden  sollen.^ 

c)  Wird  zwischen  dem  Fiskus  und  einem  Privatbesitzer  wegen  irgendwelcher 
Rückforderung  ein  Streit  entstanden  gewesen  sein,  so  wird,  falls  die  Privat- 
person gegen  den  Fiskus  eine  Rückforderung  anstellt,  der  Aktor ^  des  Fiskus 
eine  Antwortsfrist  von  vier  Monaten  haben.  Wird  jedoch  der  Fiskus  von 
dem  Besitzer  irgend  etwas  zurückfordern  zu  sollen  geglaubt  haben,  so  soll 
ihm  für  die  Antwort  ein  Aufschub  von  sechs  Monaten  nicht  verweigert 
werden,  ^wenn  sich  nur  für  die  Gewährung  der  Frist  ein  rechtfertigender 
Grund  erkennen  lässt.^ 

d)  Wenn  eine  der  Parteien,  sei  es  der  Verklagte,  sei  es  der  Kläger,   ^innerhalb 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  6,  3  a. 

2)  Von  diesem  wird  in  T  nicht  gesprochen. 

3)  T  sagt,  dass  beiden  Parteien,    welche    durch   ihre  Defensoren   darum   einkommen, 
die  gewünschte  Frist  zu  gewähren  ist,  wenn  es  die  Jlatio  commoditatis  erfordert  haben  wird. 


ribus  vel  adultis  cuidam  quaestio  movenda 
sit,  non  alias  cursus  temporis  inchoetur,  nisi 
ab  universis,  quos  officii  sollicitudo  con- 
stringit,  hoc  est  tutoribus,  sive  testamento 
sive  decreto  dati  sunt,  vel  curatoribus,  per 
quos  minores  defenduntur,  vel  iisdem  Omni- 
bus solenni  more  lis  fuerit  intimata.  Quod 
si  divisum  administrationis  periculum  per 
provincias  sit,  his  tantum  omnibus  insinuari 
convenit,  et  ab  ipsis  infeiri  litem,  qui  in  ea 
provincia  tutelae  vel  curae  officium  sustinent, 
ne  de  aliis  provinciis  defensores  minorum  ad 
iudicia  producantur. 

c)  C.  2,  6,  5.  Inter  privatos  et  fiscum, 
si  privatus  actionem  intendat,  quatuor  men- 
sium  tempora  custodienda  sunt:  quum  vero 
fiscus  privato  inferet  aliquam  quaestionem, 
sex  mensium  curricula  serventur,  utrique 
parti  petendae  dilationis  per  defensores  suos 
copia  non  neganda,  si  hoc  commoditatis  ratio 
postulaverit. 

d)  C.  2,  6,  3.     Altero   ex   litigatoribus  in 


si  a  parte  ipsorum  reus  aliquis  arguatur,  ex 
eo  tempora  computanda  sunt,  ex  quo  tutor 
sive  curator  minoris  aut  per  iudicem  aut  per 
curiam  intulerit  seu  exceperit  actionem:  ita 
tarnen,  ut  si  in  diversis  provinciis  istius  of- 
ficii homines  sunt,  id  est,  curatores  vel  tu- 
tores,  qui  minorum  causas  tueantur,  qui  in 
eadem  provincia  fuerint,  ubi  intentio  nata 
probatur,  ipsi  aut  ingerant  aut  excipiant  ac- 
tiones:  quia  nolumus,  ut  ad  aliam  provin- 
ciam  defensores  minorum  pro  audientiae  ne- 
cessitate  ducantur. 

Quando  inter  fiscum  et  privatum  posses- 
sorem  de  repetitione  aliqua  fuerit  orta  con- 
tentio,  si  privatus  fiscum  repetat,  quatuor 
menses  ad  respondendum  actor  fiscalis  habe- 
bit  inducias:  si  vero  fiscus  aliquid  a  posses- 
sore  crediderit  repetendum,  sex  mensium  ad 
respondendum  dilatio  non  negetur,  dummodo 
ad  praestandas  inducias  iusta  ratio  cognos- 
catur. 

Si  unus  ex  litigatoribus,  sive  pulsatus  sive 


Denuntiations verfahren  §  5. 


505 


der  durch  die  Urkunde  festgesetzten  Zeit^  gestorben  sein  wird,  sollen  die 
Fristen,  welche  verordnet  gewesen  waren,  den  Nachfolgern  erneuert  werden. 
Wird    eine    der  Parteien    gestorben    sein,     so    sollen    ihrem    Erben    nicht 


C.  2,6,4 


von  dem  Tage,  an  welchem  sie  gestorben  ist,  sondern  2 an  welchem  sie  die 
Erbschaft  in  Empfang  genommen  haben  wird,^  die  Fristen  der  Actio,  die 
dem  Erblasser  für  den  Prozess  festgesetzt  gewesen  waren,  erneuert  werden: 
indessen  dei-art,  dass  eine  Hinterziehung  mit  Bezug  auf  die  Zeit,  seit  welcher 
die  Sache  besessen  worden  ist,  nicht  geschehen  soll,  dagegen  er,  dem  sie 
abgefordert  w^ird,  sich  bewusst  ist,  dass  er  die  Sache  besitze.  Befindet  sich 
der  Erbe  im  minderjährigen  Alter,  so  werden  dem  Tutor  oder  Kurator 
die  Fristen  von  dem  Augenblicke  gerechnet,  'Mass  er  für  den  Minder- 
jährigen Yertretungsbefuguis  erhalten  und  die  Sache  innegehabt  hat.'^ 

e)  Wenn  der  Judex  die  einen  Rückforderungsanspruch  anstellende  Partei  durch   c.  2, 6, 2 
seine  Nachlässigkeit    in    dem  Masse   hingezogen  haben   wird,    dass  sie  ihre 
Sache    durch   den  Ablauf  der   gesetzlichen  Fristen   verliert,    soll  ihr  Alles, 

was  sie  auch  immer  vor  dessen  Gericht  mit  Grund  für  sich  in  Anspruch 
nehmen  konnte,  aus  dem  Vermögen  dieses  Judex,  nach  vorgängiger  Schät- 
zung, erstattet  Averden. 

f)  Wenn  Jemand  gegen  die  Ratio  des  Gesetzes  dahin  supphziert  haben  Avird.   c.  2,  i,  4 


1)  Von  einer  Festsetzung  durch  Urkunde  ist  in  T  nicht  die  Rede:   es  wird  lediglich 
von  dem  während  des  Prozesses  erfolgten  Tode  gesprochen. 

2)  T  sagt,    ex  die   petitao   bonorum  possessionis  vel  aditae  hereditatis,  und  bemerkt, 
dass  es  sich  um  einen  Successor  legitimae  aetatis  handelt. 

3)  Nachdem    Tutor    oder   Kurator    die  Solennitäten   der   übernommenen  Actio    erfüllt 
haben  wird. 


lite  defuncto  cursum   temporis  ess9  reparan- 
dum,  latis  iam  dudum  legibus  continetur. 

C.  2,  6,  4.  Si  quis  iurgantium  ante  litis 
terminum  ultimum  diem  obierit,  non,  ut  ante 
statuimus,  a  decedentium  primo  die  cursus 
temporis  observari  oportet,  si  successor  legi- 
timae aetatis  sit,  sed  ex  die  petitae  bono- 
rum possessionis  vel  aditae  hereditatis  ei 
tempora  renovari:  ita  tamen,  ut  ea  res  non 
lateat  possidentem,  nee  clam,  ut  fraudem 
tempori  faciat,  pertentetur.  Quod  si  succes- 
sor minoris  aetatis  sit,  postquam  datus  tutor 
sive  curator  solennia  susceptae  defensionis 
implevoiit,  tempus  dinumerari  conveniet. 

e)  C.  2,  6,  2.  Si  petitores  probaverint, 
interpellantes  se  saepius  esse  dilatos,  atque 
ita  lapsum  temporis  incurrisse  per  negligen- 
tiam  atque  desidiam,  gravitate  tua  audien- 
tiam  ditferente,  indemnitas  petitorum  pro 
modo  litis,  quae  in  altercationem  fuerit 
adducta,  de  suis  facultatibus  sarciatur. 

f)  C.   2,   4,   4.     ,   .    si    quis    perennitatis 


petitor,  intra  constitutum  per  scripturam 
tempus  fortasse  defecerit,  tempora,  quae  fu- 
erant  statuta,  successoribus  renoventur. 

Si  quis  de  litigatoribus  ab  hac  luce  dis- 
cesserit,  heredi  eins  non  ex  die,  qua  ille  de- 
functus  est,  sed  ex  quo  hereditatem  acce- 
perit,  actionis  tempora,  quae  auctori  ad 
litem  constituta  fuerant,  renoventur:  ita 
tamen,  ut  fraus  tempori,  ex  quo  res  est 
possessa,  non  fiat,  sed  sciat,  se  rem  tenere, 
qui  petitur.  Quod  si  heres  in  annis  sit  mi- 
noribus  constitutus,  tutori  vel  curatori  ex  00 
tempora  supputentur,  ex  quo  pro  minore  fir- 
mam  personam  defensionis  accepit  et  rem 
tenuit. 

Si  repetentem  iudex  per  negligentiam  us- 
que  eo  distulerit,  ut  causam  suam  transactis 
legitimis  temporibus  perdat,  omnia,  quae- 
cunque  in  illius  iudicio  iuste  sibi  potuit  vin- 
dicare,  ei  de  ipsius  iudicis  facultatibus,  habita 
aestimatione,  reddantur. 

.  .  si  quis  principis  beneficio  contra  rati- 


506 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  2,  7,  3 


C.  2,  6, 1 


C.  1,  2,  3 

C.  1,  2,3 
C.  2,  7,  1 


dass  ihm  durch  Benefiz  des  Princeps  die  Fristen  seiner  Sache  verlängert 
Averden,  wird,^  was  er  auch  immer  um  dessenwillen  erzielt  haben  wird,  keine 
Giltigkeit  haben. 

g)  So  oft  sich  der  Prozess  um  den  Status  der  Ingenuität  oder  um  Vermögen 
dreht,  sollen  ohne  Zweifel  die  Parteien,  falls  sie  angegeben  haben  werden, 
das  Erforderliche  für  ihren  Handel  in  überseeischen  Gegenden  zu  haben, 
eine  Frist  von  neun  Monaten  empfangen. 

h)  Sobald  irgendwelche  Sache,  infolge  eintretender  Notwendigkeit  oder  Zufall, 
die  zugesagte  Frist  überschritten  haben  wird,  und  durch  kaiserliches  Benefiz 
die  Partei  eine  Erneuerung  derselben  erzielt  haben  wird,  sollen  die  ludices 
den  Parteien  nicht  mehr  als  vier  Monate  zur  Erledigung  des  Geschäfts 
gewähren.  Sind  dieselben  verflossen,  so  sollen  sie,  '^werden  sie  auch  durch 
Benefiz  der  Herren  Anderes  erzielt  haben,^  unter  keinen  Umständen  angehört 
werden:  eine  moratorische  Einrede  wird  genannt,  die  die  Sache  in  die 
Länge  zieht,  das  w^ill  sagen,  wenn  von  selten  einer  Partei  eine  Frist  von 
dem  Princeps  erbeten  wird. 

Eine  moratorische  Einrede  kann  mittels  Reskript  des  Princeps  den 
Supplikanten  gewährt  werden.^ 

i)  Sobald    von    einem    Princeps    eine    Verfügung   erbeten   gewesen   sein   wird. 


1)  Wenn  Jemand  Pendentibus  temporibus  Responsa  davongetragen  haben  wird. 

2)  Mögen  sie  auch  Per  obreptionem  irgend  etwas  Iterata  supplicatione  erzielt  haben. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  24,  5b. 


nostrae  pendentibus  temporibus  responsa 
protulerit,  non  modo  tempora.  quorum  erunt 
curricula,  non  dilatentur,  sed  et  quicquid 
elicitum  erit,  frivolum  iudicetur. 

g)  C.  2,  7,  3.  De  statu  atque  palriraonio 
litigantibus  in  transmarina  etiam  dilatione 
mensium  novem  spatia  creditur  posse  suf- 
iicere. 

h)  C.  2,  6,  1.  Quum  semel  negotium  ne- 
cessitate  vel  casu  temporibus  fuerit  exemtum, 
ac  postea  per  indulgentiam  clementiac  no- 
strae redintegratio  praestetur,  intra  quatuor 
menses  iudicantis  avbitrium,  non  ulterius 
litigatoribus  praeberi  oportet,  etiamsi  per 
obreptionem  aliquid  a  nobis  iterata  suppli- 
catione meruerint. 


C.  1,  2,  3.  Quoties  rescripto  nostro  prae- 
iudicium  vel  moratoria  iDraescriptio  remitti- 
tur,  aditus  supplicandi  pandatur  .  . 

i)  C.  2,  7,  1.     Si  quando  quis  rescriptum 


onem  legis  causae  suae  tempora  supplica- 
verit  prolongari,  quicquid  pro  hac  re  meru- 
erit,  non  valebit. 

Quoties  de  statu  ingenuitatis  vel  de  patri- 
moniis  causa  vertitur,  si  neccssaria  negotii 
in  transmarinis  partibus  litigatores  habere 
se  dixerint,  novem  mensium  spatium  indu- 
bitanter  accipiant. 

Quando  aliqua  causa,  necessitate  inter- 
cedente  vel  casu,  promissum  tempus  exces- 
serit,  et  principali  beneficio  eam  litigator 
meruerit  reparare,  non  amplius  ad  definien- 
dum  negotium  iudices  quam  quatuor  menses 
litigatoribus  praestent.  Quibus  exactis,  eti- 
amsi aliud  dominorum  beneficio  obtinuerint, 
nullatenus  audiantur. 

C,  1,  2,  3.  Moratoria  praescriptio  dici- 
tur,  quae  causam  prolongat,  id  est,  quando 
induciae  a  litigatore  petuntur  a  principe  .  . 

.  .  moratoria  praescriptio  per  rescriptum 
principis  supplicantibus   concedi  potest  .  . 

Quando  ab  aliquo  principe  praeceptio  fu- 


Vorfahren  ohne  Denuntiatio!!  §  6. 


507 


seinen  Gegner  zur  Verhandlung  vor  einen  andern  Judex  als  den- 
jenigen zu  ziehen,  welchem  er  unterworfen  ist,  soll,  wie  derjenige,  welcher 
Kläger  ist,  die  Frist,  wenn  er  sie  erbeten  haben  wird,  nicht  erhalten 
darf,  so  demjenigen,  welcher  vor  Gericht  gerufen  wird,  der  erbetene  Auf- 
schub nicht  verweigert  werden,  damit  er  leichter,  entweder  durch  Urkmide 
oder  durch  Zeugen  zu  beweisen  vermag,  dass  derjenige,  von  dem  er  verklagt 
w^orden  ist,  durch  fälschliche  Supplik  dasjenige,  worum  er  eingekommen  ist, 
erzielt  habe.^ 


B)  Terfahreii  ohne  Denuutiation  §  6. 

a)  nVegen  der  Rückforderung  einer  Schuld,  worüber  eine  unzweideutige  Ur-  c.  2, 4, 6 
künde  vorgebracht  wird,  oder  wenn  irgend  Jemand  bezüglich  des- 
jenigen klagt,  was  irgend  Jemandem,  als  Fideikommiss  zu  entrichten,  aufge- 
tragen worden  ist,  oder  behauptet,  dass  irgend  etwas  ihm  okkupiert 
gewesen  sei,  oder  ein  beliebiges  Benefiz  des  Besitzes  innerhalb  Jahresfrist 
requiriert,  oder  ein  Testament  für  gesetzwidrig  erklärt,  bez.  wegen  der 
Tutel  irgend  etAvas  proponiert,  soll  nicht  abgewartet  w^erden,  dass  er  vorher, 
w^as  er  zurückfordert,  bei  den  xVkten  proponiere,  oder  ein  schriftliches  Ver- 
fahren  in    dieser  Sache   erfordert    werden.     Vielmehr    soll  er  unverzüglich 


1)  Vgl.  S.  474  Anm.  1. 


ad  extraordinarium  iudicem  repoitaverit, 
dilatio  ei  penitus  deneganda  est.  Uli  autem, 
qui  in  iudicium  vocatur,  danda  est  ad  pro- 
banda  precum  mendacia  vel  proferenda  a.li- 
qua  instrumenta  vel  testes,  quoniam  instruc- 
tus  esse  non  potuit,  qui  praeter  spem  ad 
alienum  iudicem  trahitur. 


§  6)  a)  C.  2,  4,  6.  Si  quis  debiti,  quod 
ex  foenore  vel  mutuo  data  pecunia  sumsit 
exordium  vel  ex  alio  quolibet  titulo  in  lite- 
rarum  obligationem  facta  cautione  transla- 
tum  est.  seu  fideicommissi  dirigat  actionem, 
aut  momentariam  possessionem  pervasione 
violatara  vel  quodlibet  interdictum  efflagitet, 
seu  inofficiosum  arguat  testamentum,  vel  tu- 
telae  seu  negotiorum  actionem  intendat, 
ruptis  denuntiationum  ambagibus,  inter  ipsa 
cognitionum  auspicia  rationem  exprimere  ac 
suas  allegationes  iubeatur  proponere,  denun- 
tiatione  et  temporum  observatione  remota, 
quam  in  ceteris  civilibus  causis,  quarum 
tamen  aestimatio  centuni  solidorum  suuimam 
excedut,  volumus  custodiri. 


erit  sperata,  ut  ad  alium  iudicem,  quam  cui 
commissus  est,  adversarium  suum  pertrahat 
audiendum,  sicut  ille,  qui  petitor  est,  indu- 
cias  si  petierit,  accipere  non  debet,  ita  illi, 
qui  ad  iudicium  adducitur,  dilatio  petita  non 
negetur,  ut  facilius  aut  per  scripturam  aut 
per  testes  probare  valeat,  illum,  a  quo  pul- 
satus  est,  falsa  supplicatione  meruisse,  quod 
petiit. 

Pro  repetendo  debito,  unde  certa  sciiptura 
profertur,  seu  de  eo,  quod  alicui  tideicommis- 
sum  est,  ut  daretur,  aliquis  agat,  aut  aliquid 
sibi  alleget  fuisse  pervasum,  aut  quodlibet 
intra  annura  beneficium  momenti  requirat, 
aut  testamentum  dicat  non  esse  legitimum, 
vel  de  tutela  aliquid  proponat,  non  exspec- 
tetur,  ut  prius,  quod  repetit,  apud  acta  pro- 
ponat, aut  ordo  ipsius  causae  petatur  scri- 
ptus,  sed  mox  apud  iudicem  sine  ulla  tem- 
porum mora,  quae  per  hoc  videtur  atferri, 
causam  suam  proponat  et  omnes  partes  suae 
probationis  exhibeat.  Quam  rem  etiam  in 
civilibus  negotiis  praecipimus  observari,  quae 
tamen  minus  cjuam  centum  solidorum  sum- 
mam  valere  constiterit. 


508 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  2,  4,  5 


C.  2,  4,  3 


C.  4,  21,  1 


ohne  jeden  Zeitverlust,  wie  er  gerade  hierdurch  bewirkt  wird,  bei  dem 
Judex  seine  Sache  proponieren  und  alle  Stücke  seines  Beweises  vorbringen. 
AVir  verordnen,  dass  dieser  Sachverhalt  auch  in  Civilsachen  gelten  solle, 
von  denen  festgestanden  haben  wird,  dass  sie  weniger  als  die  Summe  von 
hundert  Soldi  wert  sind.^-  ^  Speziell  dulden  wir  nicht,  dass  diejenigen, 
welche  irgend  etwas  sich  gewaltsam  angemasst  haben  werden,  aus  irgend- 
welchem Anlass  den  Handel  verschleppen.  Wenn  deshalb  derjenige,  welcher 
aus  dem  Besitz  entsetzt  gewesen  sein  wird,  innerhalb  Jahresfrist,  gemäss 
der  Ordnung  des  Rechts,  Gehör  erlangt  haben  wird,  soll  er  behufs  Wieder- 
erlangung dessen,  was  er  verloren  hat,  durchaus  nicht  hingezogen  werden 
und  kein  irgendwelcher  Aufschub  dem  Anm asser  gewährt  Averden,  wird  er 
auch  wegen  Verschiebung  dieser  Sache  ein  Beiiefiz  des  Princeps  haben  er- 
langen können.^ 

Eine  Kontestation  kann  nicht  stattfinden,*  wenn  irgend  Jemand 
wegen  Zahlung  einer  Schuld  durch  eine  unzweideutige  Kaution  über- 
führt wird. 
aa)  Wenn  Kolonen  einer  fremden  Sache  zu  andern  Herren  geflüchtet 
sein  werden,  soll  zunächst  der  Besitzer,  aus  dessen  Sache  sie,  wie  sich 
ergiebt,  gekommen  sind,  seine  Flüchtlinge  durch  das  Benefiz  des  Be- 
sitzes ohne  Aufschub  zurückempfangen.^ 


1)  T  gedenkt  der  Klage  aus  einer  Schuld,  die  aus  Darlehn  erwachsen  ist  oder  Ex 
alio  quolibet  titulo  in  eine  Litterarobligation ,  facta  cautione,  übertragen  worden  ist,  der 
Actio  fideicommissi,  aus  Momeutaria  possessio  pervasione  violata,  bez.  Interdikt,  wegen  In- 
officiosum  testamentum ,  der  Actio  tutelao  seu  negotiorum  gestorum,  und  verordnet,  dass 
unter  Beiseitelassung  von  Denunciationum  ambages  die  Ratio  und  die  Allegationen  Inter  ipsa 
cognitionuni  auspicia  vorzubringen  sind,  unter  Ausserachtlassung  von  Denuntiation  und 
Fristen,  die  für  sonstige  Civilsachen  über  hundert  Solidi  in  Geltung  sind. 

2)  T  fügt  hinzu:   Hoc  de  iure  adiectum  est. 

3)  Vgl.  S.  219  Anm.  1. 

4)  Es  ist  keine  Gelegenheit,  Denuntiation  zu  fordern. 

5)  Vgl.  S.  84  Anm.  1. 


C,  2,  4,  5.  .  .  ante  omnia  vero  procuran- 
dum  est,  ne  pervasionibus  improborum  prote- 
landae  cognitionis  praebeatur  occasio.  Id- 
circo,  si  quis  possessiono  deiectus  auxilium 
nostri  poscat  oraculi,  nullis  eum  temporum, 
quae  ex  rescriptorum  editione  defluunt,  moris 
esse  ludendum,  hac  lege  decernimus,  ne  iuris 
suffiagium,  quod  in  celeri  reformatione  con- 
sistit,  beneficiorum  impeiialium  decreta  su- 
spendant. 

C.  2,  4,  3.  Exigendae  denuntiationis  lo- 
cus non  est,  quum  quis  ad  luendum  debitum 
evidenti  chirographo  convenitur. 

aa)  C.  4,  21,  1.  Si  coloni,  quos  bona  fide 
quisque  possedit,  ad  alios   fugae  vitio  trans- 


.  .  specialiter  eos,  qui  aliqua  pervaserint, 
non  patimur  per  quamcunque  oecasionem  dif- 
ferre  negotium.  Ideoque  quum  ille,  qui  fu- 
erit  de  possessione  deiectus,  audientiam  im- 
petraverit,  iuxta  iuris  ordinem  intra  annum 
ad  recipienda,  quae  perdidit,  nullatenus  dif- 
feratur.  Nee  aliqua  pervasori  dilatio  conce- 
datur,  etiamsi  pro  hac  re  differenda  bene- 
ficium  principis  potuerit  obtinere. 

Contestatio  locum  habere  non  potest, 
quando  aliquis  ad  solvendum  debitum  certa 
cautione  convincitur. 

Si  coloni  rei  alienae  ad  alios  dominos 
forte    confugerint,   primum   est,   ut  fagitivos 


Verhandlung  §  7. 


509 


b)  Geschäfte    der  Kirchen    müssen    aus  Reverenz    für  die    Heihgkeit  und  für   c.  2, 4, 7 
den  GLiuben,    sobald  sie  üifenÜich   vorgebracht  gewesen   sein   werden,  ohne 
irgendwelche  Verzögerung  beendet  werden:  die  Defensoren  eines  Locus  vene- 
rabilis  sollen  nicht  durch  irgendwelche  Verschleppung  einen  Aufenthalt  er- 
fahren. 


IL  Verhandlung  §  7. 

1)  Lu  allgemeinen. 
Die  Parteien. 

a)  Ein  L^rteil  kann  nicht  gefällt  noch  ein  Handel  beendet  w'erden,  es  sei 
denn  unter  Gegenwärtigen:  was  auch  immer  in  Gegenwart  der  Parteien 
in  Pechtshändeln  angeordnet  gewesen  sein  wird,  wird  die  vollständigste 
Wirkung  haben  und  nicht  geändert  werden  können.^ 

)))  ^Niemand  soll  an  seinem  E-echtshandel  dadurch  einen  Schaden  zu  erleiden 
erachtet  werden,  dass  bei  der  Vernehmlassung  einer  Person  die  Actio  m 
seiner  Sache  keine  Vollkommenheit  erreicht  haben  wird.  Es  ist  lediglich 
erforderlich,  dass  seine  Stimme  verständig  ist  und,  sobald  er  sie  proponiert 
haben  wird,  Billigung  davonträgt.^ 


a 


('  4,  20,  5 

pr. 
C.  4,  15,  2 


('.  2, 


1)  Vgl.   S.  12  Anm.  3. 

2)  Niemandem  soll  bei  einem  Verfahren  vor  einem  hohen  oder  niedrigeren  Judicium 
die  Exceptio  non  impetratae  actionis  entgegengehalten  werden,  falls  festgestanden 
haben  wird,  dass  die  Actio  für  die  Sache  sich  eignet  und  dem  vorgehabten  Geschäft  ent- 
spricht. 


euntes,  necessitatem  conditionis  propriae 
declinare  tentaverint,  bonae  üdei  possessori 
primum  oportet  et  celeri  reforniatione  suc- 
curri  .  .  non  exspectatis  temporibus  nee 
denuntiatione  solenni,  quae  locum  in  his  ne- 
gotiis  non  habebunt. 

b)  C.  2,  4,  7.  Quaecunque  forte  ecclesiae 
venerabilis  negotia  sunt,  vel  esse  poterunt 
actiones,  celeri,  legum  ordine  servato,  iudi- 
cantum  disceptatione  finiantur.  Nee  enim 
decet,  defensione  loci  nominisque  venerabilis 
suscepta,    publica   diu  secretaria  pracstolari. 

1  a)  a)  C.  4,  20,  5  pr.     .  .  negotiorum  me- 
rita  partium  assertione  panduntur. 

C.  4,  15,  2.  Conditio  praec^ptorum  par- 
tibus  praesentibus  habita  non  potest  immu- 
tari, 

b)  C.  2,  3,  1.  Nulli  prorsus  non  impe- 
tratae actionis  in  maiore  vel  in  minore  iu- 
dicio  agenti  opponatur  exceptio,  si  aptam  rei 
et  proposito  negotio  competentem  eam  esse 
constiterit. 


suos,  de  cuius  re  exisse  noscuntur,  momenti 
beneficio  possessor  sine  dilatione  recipiat  .  . 


Ecclesiarum  negotia,  pro  reverentia  sanc- 
titatis  ac  fidei,  oportet,  quum  ad  publicum 
prolata  fuerint,  sine  aliqua  dilatione  finiri. 
Nee  debent  defensores  loci  venerabilis  ulla 
tarditate  suspcndi. 

.  .  nisi  inter  praesentes  iudicium  dari  non 
potest,  nee  negotium  terrainari. 

Quicquid  praesentibus  partibus  in  causis 
fuerit  ordinatum,  i)lenissimam  habebit  firmi- 
tatem,  nee  poterit  immutari. 

Nullus  per  hoc  praeiudicium  negotii  vi- 
deatur  incurrere,  quod  in  cuiuscunquo  audi- 
entia  causae  suae  actio  non  pervenerit  ad 
etfectum.  Solum  est,  ut  vox  sua  rationabihs, 
quum  proposuerit,  approbetur. 


510 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


c.  2, 5, 1  c)  Die  Einwände  werden  beseitigt,  mit  welchen  Konsorten  sich  bei  der  Klage- 
beantwortung gegenseitig  entschuldigten,  indem  sie,  wenn  sie  nicht  alle  in 
der  gleichen  Provinz,  bez.  vor  dem  gleichen  Judex,  sich  befanden,  die  den 
Rückforderungsanspruch  Anstellenden,  mit  der  Berufung  auf  den  Mangel 
gleichzeitiger  Anwesenheit  zu  verhöhnen  schienen.  Denniach  befehlen  wir, 
indem  wir  den  Einwand  beseitigen,  welchen  in  diesem  Punkte  unser  Ohm 
Konstantin  den  Konsorten  gewährt  hatte,  dass  der  Ordnung  des  alten  Rechts 
gemäss,  wer  auch  immer  verklagt  gewesen  sein  w^ird,  zu  seinem  Anteil,  bez. 
für  seine  Person,  antworten,  und  derjenige,  welcher  besitzt,  nicht  länger  aus 
diesem  Anlass  den  den  Rückforderungsanspruch  Anstellenden  hinziehen  solle. 

ß)  Der  Richter. 

c.  1,6,2  a)  Der  Richter  möge  begreifen,  dass  von  ihm  als  Hauptanliegen  bei  Be- 
handlung der  Prozesse  zu  betreiben  ist,  die  Sachen  der  Streitenden,  unter 
Wahrung  der  Billigkeit,  ohne  jede  Unterbrechung  zu  erörtern.^ 

c.  2, 18, 1  b)  Wird  der  Richter  die  Sache  zu  verhandeln  begonnen  haben,  so  soll  er  die 
Behauptungen,  bez.  Antworten  der  Parteien,  geduldig  hinnehmen  und  Alles 


1)  T  bezeichnet  vielmehr  als  das  Hauptanliegen  die  dem  Judex  auferlegte  Verpflich- 
tung, nicht  In  Secessu  domus  über  den  Status  hominum  vel  patrimonionum  zu  urteilen 
(vgl.  §  2,  2  a). 


c)  C.  2,  5,  1.  Explosis  atque  reiectis 
praescriptionibus,  quas  litigatores  sub  obtentu 
consortium,  studio  protrahendae  discepta- 
tionis,  excogitare  consueverunt,  sive  unius 
fori  omnes  sint,  sive  in  diversis  provinciis 
versentur,  nee  adiuncta  praesentia  consortis 
vel  consortium,  agendi  vel  respondendi  iur- 
gantibus  liceniia  pro  parte  pandatur.  Et 
amputata  constitutione  Constantini,  patrui 
mei,  quae  super  consortibus  promulgata  est, 
antiquum  ius,  quantum  pertinet  ad  huius- 
modi  disceptationes,  cum  omni  firmitate  ser- 
vetur,  ut,  interruptis  artificiosis  obstaculis, 
possidentum  astutia  comprimatur. 

ß)  a)  C.  1,  6,  2.  Iudex  sibi  hanc  praeci- 
puain  curam  in  audiendis  ac  discingendis 
litibus  impositam  esse  non  ambigat,  ita  ut 
non  in  secessu  domo  de  statu  hominum  vel 
patrimoniorum  seilten ti am  {'erat  .    . 

b)  C.  2,  18,  1.  ludicantem  oportet  cuncta 
rimari  et  ordinem  reruni  plena  inquisitione 
discutere,  interrogandi  ac  proponendi  adi- 
eiendique  patientia  praebita  ab  eo :  ut,  ubi 
actio  partium,  limitata  sit,  contentiones  non 
occursu  iudicis,  sed  satietate  altercantium 
metas  compresserint,  saepius  requiratur,  et 
crebra  interrogatione  iudicis  frequentetur, 
num  quid  novi  resideat,  quod  annecti  alle- 
gationibus    in    iudiciaria   contentione  conve- 


Remotis  obiectionibus,  quibus  se  consortes 
ad  respondendum  invicem  excusabant,  ut 
si  non  in  una  provincia  vel  sub  uno  iudice 
omnes  essent,  dum  praesentiam  suaiii  non 
simul  esse  causantur,  repetentes  videbantur 
illudere:  unde  dilationem  hanc  removentes, 
quam  patruus  noster  Constantinus  consortibus 
in  hac  parte  praestiterat,  iubemus  secundum 
antiqui  iuris  ordinem,  quicunque  pulsatus 
fuerit,  pro  sua  parte  vel  persona  respondeat, 
nee  diutius  sub  hac  occasione  repetentem 
differat  ille,  qui  possidet. 


Iudex  hanc  sibi  praecipuam  curam  in 
audiendis  litibus  impendendam  esse  cognoscat, 
ut  litigantium  causas  iugiter,  adhibita  aequi- 
tate,  discutiat  .  . 

Iudex  quum  causam  audire  coeperit,  liti- 
gatorum  assertiones  vel  responsiones  patien- 
ter accipiat  et  omnia  plena  discussione  per- 
quirat.  Nee  prius  litigantibus  sua  sententifi 
velit  obviare,  iiisi  quando  ipsi  peractis  Omni- 
bus, iam  nihil  amplius  in  contentione  habu- 
erint,  quod  proponant:  et  tam  diu  actio  ven- 
tiletur,  quo  usque  rei  veritas  invenitur. 
Frequenter  interrogari  oportet,  ne  aliquid 
praetermissum    fortasse    remaneat:    quia    si 


Verhandlung  §  7. 


511 


durch  vollständige  Erörterung  erlorsclien:  und  nicht  eher  soll  er  den  Par- 
teien sein  Urteil  entgegensetzen  wollen,  als  bis  sie  nach  Erledigung 
aller  Dinge  bereits  Nichts  Aveiter  gegeneinander  zu  proponieren  gehabt  haben 
werden:  so  lange  soll  die  Actio  erörtert  werden,  bis  die  Wahrheit  der  Sache 
gefunden  wird.  Wiederholt  müssen  Befragungen  stattfinden,  damit  nicht 
irgend  etwas  übergangen  bleibe,  weil  er,  sobald  der  Prozess  bei  ihm  sell)st 
zu  erledigen  ist,  Alles  in  Erfahrung  bringen  muss.  Erfordert  aber  die  Sache, 
dass  sie  zur  Kognition  des  Princeps  gebracht  werde,  so  soll  die  Suggestion 
stattfinden,  nachdem  auf  Grund  der  Erörterung  aller  Dinge  eine  vollstiln- 
dige  Relation  sreGjeben  worden  ist. 


ö^ö' 


2)  Ladung  und  Kontumaz. 

a)  Wenn  irgend  Jemand  durch  drei  Befehle^  des  Judex  geladeii,  bez.  durch  p.  5,5,6 
drei  Edikte,^  oder  durch  ein  einziges  peremtorisches  statt  aller,  ^das  will 
sagen,  ein  solches,  welches  der  Sache  ein  Ende  macht,^  vor  Gericht  auf- 
geboten gewesen  sein  wird  und  vor  dem  Judex,  *von  Seiten  dessen  an  ihn 
eine  Denunziation  ergangen  ist,*  nicht  wird  haben  erscheinen  wollen,  kann 
gegen  ihn,  als  Contumax,  ein  Urteil  gefällt  werden.  Ja  es  können  sogar  die 
Rechtshändel  auch  nicht  von  Neuem  durch  Appellation  vorgebracht  werden, 
so  oft  gegen  einen  Contumax  geurteilt  gewesen  sein  wird.  Wird  somit 
Jemand,  der  verklagt  worden  ist,  bei  Gericht  nicht  haben  erscheinen  wollen, 
^so  möge  er  wissen,  dass  er  nach  der  dritten  Vorladung  dem  Kontumazial- 
urteil  unterliegen  wird:    das  Avill  sagen,    dass  er,    als  ob  er  besiegt  worden 


N.  V. 
12,  1,  15 


1)  Literis.  2)  T  fügt  hinzu:  aut  trina  denuntiatione. 

3)  Hiervon  ist  bei  T  nicht  die  Rede.  4)  Vgl.  S.  502  Anm.  2. 


niat?  quum  ad  alterutrum  hoc  proficiat,  sive 
definienda  sit  causa  per  iudicem ,  sive  ad 
nostmm  scientiam  re ferenda.  Nee  ad  nos 
mittatur  aliquid,  quod  plena  instructione 
indigeat. 

2)  a)  P.  5,  5,  6.  Trinis  literis  vel  edictis 
aut  uno  pro  Omnibus  dato  aut  trina  denun- 
tiatione conventus,  nisi  ad  iudicem,  ad  quem 
sibi  denuntiatnm  est  aut  cuius  literis  vel 
edicto  conventus  est,  venerit,  quasi  in  con- 
turaacem  dicta  sententia  auctoritatem  rerum 
iudicatarum  obtinet,  quin  imo  nee  appellari 
ab  ea  potest. 


N.  V.  12,  1,  15.  Quod  si  pulsatus  quis 
adesse  neglexerit,  evocatus  secundum  ordinem 
iuris  sententiam  excipiat  contumacis  .  . 


apud  ipsnm  finienda  causa  est,  totum  debet 
agnoscere.  Sin  vero  ita  res  exigit,  ut  ad 
principis  notitiam  deferatur,  plena  discussis 
Omnibus  data  relatione  debet  esse  suggestio. 


Quicunque  tribus  auctoritatibus  iudicis 
conventus  vel  tribus  edictis  ad  iudicium  fu- 
erit  provocatus  aut  uno  pro  omnibus  perem- 
torio,  id  est,  quod  causam  exstinguit,  fuerit 
evocatus  et  praesentiam  suam  apud  eum  iu- 
dicem, a  quo  ei  denuntiatum  est,  exhibere 
noluerit,  adversus  eum,  quasi  in  contumacem, 
iudicari  potest.  Quin  imo  nee  retractari  per 
appellationem  negotia  possunt,  quoties  in 
contumacem  fuerit  iudicatum. 

(Nam)  si  quis  pulsatus  in  iudicio  adesse 
noluerit,  post  trinam  conventionem  sciat  se 
contumacis  sententiam  subiturum:  id  est,  ut 
quicquid,  si  adfuisset,  in  iudicio  addicen- 
dus  erat,  petenti  litigatori  quasi  victus  ex- 
solvat  .   . 


512 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  1,  9,  1 


N.  Y. 
12,1,  14 


sei,  Alles  der  klagenden  Partei  zahlen  solle,  wozu  er  auch  immer  bei  Ge- 
richt hätte  verurteilt  werden  müssen,  wenn  er  anwesend  gewesen  wäre.i 

b)  Keiner  der  ludices  möge  meinen,  dass  eine  in  ihrem  Hause  sich  aufhaltende 
Matrone^  durch  irgendwelchen  Apparitor^  in  die  Öffentlichkeit  gezogen 
Averden  dürfe:  vielmehr  soll  mit  Bezug  auf  sie,  aus  Rücksicht  auf  ihr  Ge- 
schlecht, eine  ehrbare  iVrt  der  Belangung  angewendet  werden,  ^  während  sie, 
falls  festgestellt  sein  wird,  dass  sie  etwas  schuldig  ist,  durch  Haftbarmachung 
ihrer  Bürgen  zur  Zahlung  genötigt  werden  kann.*  Wird  Jemand  im  Wider- 
spruch damit  gehandelt  haben,  so  möge  er  wissen,  ^dass  er  mit  dem  Sum- 
mum  supplicium  zu  belegen  ist.^ 

c)  ^Wenn  der  Kläger  seinen  Gegner  bei  Gericht  wird  haben  anbringen  wollen 
und  ihn  entweder  unter  Bürgschaft  oder  mit  Kaution  hat  haftbar  machen 
lassen,  und  sich  nicht  beeilt,  innerhalb  vier  Monaten,  während  deren  indessen 
der  Judex  zur  Vernehmung  der  Sachen  Zeit  zu  haben  befunden  wird, 
die  Klage,  die  er  proponiert  hat,  zu  erledigen,  soll  derjenige,  welchen  er 
genötigt  hat,  das  Gericht  wahrzunehmen,  von  dem  Kläger  Kosten  und  Aus- 
gaben des  Prozesses  zurückempfangen  und  frei  davongehen:  jedoch  un- 
beschadet der  Integrität  der  Sache  jenes  Klägers,  der  zur  Zeit  wegen  seiner 
Saumseligkeit  die  Schäden  an  Kosten  oder  Ausgaben  getragen  hat. 


1)  So  soll  er  Evocatus  socundum  ordinem  iuris  ein  Kontumaziaturteil  erfahren, 

2)  Materfamilias.  3)  Officialis. 

4)  Da  die  Schulden  der  Frau  durch  Verkauf  ihres  Hauses ,  bez.  irgendwelcher 
Sache,   zu  Gunsten  der  öffentlichen  Interessen,  gedeckt  werden  können. 

5)  Dass  er  Inter  maximos  reos,  ohne  jede  Indulgenz  mit  Capitalis  poena,  bez.  exqui- 
sita  exitia,  und  supplicia,  büsse. 

6)  Bei  T  geht  der  Satz  voraus,  dass  der  Kläger,  nachdem  er  Edito  actionis  genere 
seinen  Gegner  zur  Klagebeantwortung  genötigt  hat,  sich  auf  die  Beweise,  der  proponierten 
Sache  verlegen  muss,  da  ja  Jemand  erst  dann  klagen  solle,  wenn  er  alle  Beweise  genügend 
vorbereitet  habe. 


b)  C.  1,  9,  1.  Nemo  iudex  officialem  ad 
eam  domum,  in  qua  materfamilias  agit,  cum 
aliquo  praecepto  existimet  esse  mittendum, 
ut  eandem  in  publicum  protrahat,  quum  cer- 
tum  sit,  debita  eins,  quae  intra  domum,  con- 
siderato  sexu,  semet  contineat,  domus  eins 
vel  cuiuscunque  rei  habita  distractione,  pu- 
blicis  necessitatibus  posse  servari.  Quod  si 
quis  in  publicum  matremfamilias  posthac  cre- 
diderit  protrahendam,  inter  maximos  reos, 
citra  ullam  indulgentiam,  capitali  poena  vel 
exquisitis  potius  exitiis  suppliciisque  plec- 
tatur. 

c)  N.  V.  12,  1,  14.  Petitorem  iuberaus, 
postquam  edito  actionis  genere  adversarium 
suum  tenuit,  et  ad  respondendum  coegit, 
propositae  litis  probationibus  imminere,  quo- 
niam  ad  damnosam  iudicii  observationem 
quemquam  prius  non   debet  ullus  attrahere, 


Nullus  iudicum  matronam  in  domo  sua 
residentem  per  quemcunque  apparitorem  ad 
publicum  existimet  protrahendam,  sed  circa 
eam,  pro  sexus  reverontia,  conventio  honesta 
servetur:  quum,  si  quid  eam  debere  consti- 
terit,  constrictis  eins  auctoribus  possit  exsolvi. 
Nam  si  quis  contra  fecerit,  summo  supplicio 
se  afficiendum  esse  coo^noscat. 


(De  petitoribus  [vero]  constitutum  est,)  ut, 
si  petitor  adversarium  suum  pulsatum  in  iu- 
dicio  deferre  voluerit,  quem  aut  sub  fideius- 
sione  aut  cautione  fecit  adduci,  et  non  festi- 
net intra  quatuor  menses,  in  quibus  tarnen 
iudex  ad  audiendas  causas  vacare  dignoscitur, 


Verhandlung  §  7. 


513 


3)  Beweis. 

a)  Beweisrege]. 

a)  Beweis  wird  nicht  von   dem  Besitzer,    sondern   von   der  Seite  des  Klägers   c.  11,14,6 
erfordert:  jeglicher  Beweis  wird   von    demjenigen    verlangt  werden   müssen, 
der  die  beanspruchte  Sache  zu  erzielen  verlangt,  nicht  von  demjenigen,  der 
behauptet,  gerechtfertigtermassen  zu  besitzen.^ 

ß)  Beweismittel  im  allgemeinen. 

a)  Jemand  kann  gerichtlich  nur  mittels  Urkunde  oder  Zeugen  überführt  werden,   p.  5,  5, 3 
In    einem  Handel   über  Geldsachen   werden  Foltern   nicht  angewendet,   es  p.  5, 17, 6 
sei  denn,  dass  es  sich  um  Erbschaftssachen  handelt.  Andere  Sachen  dagegen 
werden  durch  Eid  oder  Zeugen  erledigt. 

b)  Wird   Jemand    bewiesen    haben,    dass    seine   Schuldner    aus    irgendwelchen   Gr.  11,1 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  6,  1  a,  a. 


quam  omnia  documenta  praepararit,  quibus 
exhibitum  in  disceptatione  convincat.  Quod 
et  scitis  veterum  principum  continetur. 
Alias,  si  quis  ad  iudicium  quem  venire  com- 
pulerit,  et  eodem  in  officio,  vel  fideiussionis 
vinculo  constituto  non  urgeat,  quo  intra 
quatuor  menses  institutas  peragat  actiones, 
et  constiterit  iudicem  causas  alias  cognovisse, 
petitor,  qui  secretarium  vitio  suo  noluit  in- 
troire,  sumtus  expensasque  restituat,  quoniam 
actoris  tergiversationem  esse  non  convenit 
inipuiiitam.  Pulsatus  his  recuperatis  ab  ob- 
servationis  necessitate,  integro  petitori  ne- 
gotio,  über  abscedat. 

3  a)  a)  C.  11,  14,  6.  Cogi  possessorem 
ab  eo,  qui  expetit,  titulum  suae  possessionis 
edicere,  quae  tanta  erit  ämentia,  ut,  ratione 
praepostera,  petitor  ab  eo,  quem  pulsat,  in- 
formari  suas  postulet  actiones,  quum  omnem 
probationem  exigi  oporteat  ab  eo,  qui  vindi- 
care  nititur,  non  ab  eo,  qui  se  iuste  teuere 
contendit?  Intentanti  namque,  non  susci- 
pienti,  probationum  necessitas  imponenda 
est  .  . 

[j)  a)  F.  5,  5,  3.  (Confiteri)  quis  in  iu- 
dicio  .  .  convinci  (autem)  non  nisi  scriptura 
aut  testibus  potest. 

P.  5,  17,  6.  In  re  pecuniaria  tormenta, 
nisi  quum  de  rebus  hereditariis  quaeritur, 
non  adhibentur.  Aliae  autem  iureiurando 
aut  testibus  explicantur. 

b)  Gr.  11,  1.  Debitores  tuos  quibuscun- 
que  rationibus  debere  tibi  pecuniam  si  pro- 
baveris,  ad  solutionem  compellet  aditus  prae- 
ses    provinciae,    vir   clarissimus.     Nee  oberit 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


actionem,  quam  proposuit,  debeat  expedire: 
ille,  quem  compulit  ad  audientiam,  observare 
sumtus  et  expensas  litis  a  petitore  recipiat, 
et  liber  abscedat:  salva  tarnen  integritate 
negotii  illius  petitoris,  qui  ad  praesens  pro 
tarditate  sumtuum  vel  expensarum  damna 
sustinuit. 


(Lex  ista  hoc  praecipit,)  ut  probatio  non 
a  possessore,  sed  a  petitoris  partibus  requi- 
ratur,.  (quia)  omnem  probationem  ab  eo  quaeri 
debere  (dicit),  qui  petitam  rem  desiderat 
obtinere,  non  ab  illo,  qui  se  iuste  teuere  con- 
tendit .  . 


33 


514 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


Gründen  ihm  Geld  schuldig  sind,   so  wird  der  Praeses  provinciae,  Vir  cla- 
rissimus,    welcher   angegangen   worden  ist,  zur  Zahlung  anhalten:  der  Ver- 
lust  der    Instrumente   wird  ihm    nicht    im  Wege    stehen,    falls    sich   durch 
Gr.  11,2  sichtbare  BcAveise  ergeben  haben  wird,  dass  sie  die  Schuldner  sind.^     Wie 

es  unbillig  ist,  dass,  nachdem  die  Instrumente  durch  die  Gewalt  des  Feuers 
zerstört  worden  sind,  die  Schuldner  die  Zahlung  der  geschuldeten  Summen 
ablehnen,  so  darf  den  Gläubigern  nicht  sofort,  wenn  sie  über  den  Ver- 
lust klagen,  ohne  weiteres  Glauben  geschenkt  werden:  man  muss  viel- 
mehr einsehen,  dass  bei  Nichtvorhandensein  von  Instrumenten  vielmehr  mit 
sonstigen  Beweismitteln  der  Beweis  zu  führen  ist,  dass  die  Klageanträge 
auf  Wahrheit  beruh en.^ 

y)  Urkundenbeweis. 

p.  5, 27, 5  a)  Der  Amplissimus  ordo  hat  verordnet,  dass  diejenigen  Papiere,  welche  die 
Urkunde  eines  öffentlichen  oder  privaten  Kontrakts  enthalten,  unter  Zu- 
ziehung von  Zeugen  derart  zu  siegeln  sind,  dass  sie  oben  am  Bande  bis 
zur  Hälfte  durchstochen  mit  dreifachem  Leinen  zusammengehalten  werden, 
und  oberhalb  des  angebrachten  Leinen  die  Siegel  des  Wachses  aufgedrückt 
werden,  sodass  die  äusseren  Schriftzeichen  dem  Innern  Gewähr  leisten : 
sonst  haben  die  vorgebrachten  Papiere  keine  Giltigkeit. 

c.  11, 14, 3  b)  Einem  Jeden,  der  eine  Urkunde  bei  Gericht  vorgelegt  haben  wird,  soll  ge- 
heissen  werden  ihre  Echtheit  zu  beweisen,  indem  mit  Bezug  auf  alle  Sachen 


1)  In  T  wird  die  Person  des  Gläubigers  angeredet. 


tibi  amissio  instrumentorum,  si  modo  mani- 
fcstis  probationibus  eosdem  debitores  esse 
apparuerit. 

Gr.  11,  2.  Sicut  iniquum  est,  instrumen- 
tis  vi  ignis  exstinctis  debitores  quantitatum 
debitarum  renuere  solutionem,  ita  non  sta- 
tin! casum  conquerentibus  facile  credendum 
est.  Intelligere  itaque  debetis,  non  exsisten- 
tibus  instrumentis  vel  aliis  argumentis,  pro- 
bare, fidem  precibus  vestris  assistere. 

y)  a)  P.  5,  27,  5.  Amplissimus  ordo  de- 
crevit,  eas  tabulas,  quae  publici  vel  privati 
contractus  scripturam  continent,  adhibitis 
testibus  ita  signari,  ut  in  summa  marginis 
ad  median!  partem  pcrforatae  triplici  lino 
constringantur :  atque  impositum  supra  linum 
cerae  signa  imprimantur,  ut  exteriores  scri- 
pturae  fidera  interiori  servent.  Aliter  tabu- 
lae  prolatae  nihil  raomenti  habent. 

b)  C.  11,  14,  3.  lubemus,  omnes  dein- 
ceps,  qui  scripturas  nefarias  comminiscuntur, 
quum  quid  in  iudicio  promiserint,  nisi  ipsi 
adstruxerint  veritatem,  ut  suspectae  scriptu- 
rae  et  falsi  leos  esse  detinendos. 


Quicunque  scripturam  in  audientiam  pro- 
tulerit,  veritatem  eius  probare  iubeatur,  quia 
hoc  in  Omnibus  causis  statutum  est,  ut  scri- 
pturam prolator  affirmet.  Nam  si  is,  qui 
scripturam  protulit,  eius  non  adstruxerit  ve- 
ritatem, ut  falsitatis   reum   esse  retinendum. 


Verhandlung  §  7. 


515 


verordnet  ist,  class  der  Produzent  die  Urkunde  erweise.  AVird  derjenige, 
welcher  die  Urkunde  vorgelegt  hat,  ihre  Echtheit  nicht  dargethan  hahen, 
so  ist  er  als  der  Fälschung  schuldig  in  Anspruch  zu  nehmen.^ 

c)  Wird  über  die  Echtheit  von  Schriftstücken  nichts  bemerkt,  so  können  gegen   p.  5,  iv,  4 
die  Urkunde  Zeugen  nicht  vernommen  werden. 

d)  Wenn    Jemand,    der   durch    mehrfache    Urkunde   sein    Geschäft    erhärten   c.ii,i4,i 
will,    mit    Bezug    auf    dieselbe    Sache    ein    Kauf-    und    ein    Schenkungsin- 
strument, bez.    irgendwelche    andere    Dokumente    vorlegt,^    soll    Alles    ent- 
kräftet werden,  weil  Papiere,  die  sich  widersprechen,  nicht  zugelassen  werden 
dürfen. 

5)  Zeugen. 

a)  Ein  Jeder  kann  zu  seinen  Gunsten  kein  Zeugnis  ablegen.  c.  2, 2, 1 

b)  Eltern  und  Kinder  untereinander,  bez.  Freigelassene,  sind  behindert,  wider  den  p.  5, 17,  3 
andern  Zeugnis  abzulegen:  die  verwandtschaftliche  Gesinnung  wird  erachtet, 
das  Bekenntnis  der  Wahrheit  zu  hindern.  Gegen  Kinder  oder  Enkel  des 
Patrons  sollen  weder  der  Freigelassene  noch  die  Freigelassene  in  irgend- 
welcher Sache  Zeugnis  abzulegen  sich  anmassen:  werden  sie  es  gethan 
haben,  so  sollen  alle  Freigelassenen,  welche  gegen  Kinder  oder  Enkel  des 
Patrons  ein  gegnerisches  Zeugnis  abgelegt  haben  werden,  obschon  es  unter 
keinen  Umständen  angenommen  werden  darf,  gestraft  werden. 


N.  V. 
6,  1,9 


1)  T  sagt,  dass  diejenigen,  welche  sich  auf  Scripturae  nefariae  berufen,  quum  quid 
in  iudicio  promiserint,  falls  sie  die  Echtheit  nicht  erhärtet  haben,  als  verdächtiger  Urkunde 
und  des  Falsum  schuldig  in  Anspruch  zu  nehmen  sind. 

2)  T  giebt  Kauf  und  Schenkung  nicht  als  Beispiel. 


c)  P.  5,  17,  4.  Testes,  quum  de  fide  ta- 
bularum  nihil  dicitur,  adversus  scripturam 
interrogari  non  possunt. 

d)  C.  11,  14,  1.  Scripturae  diversae  et 
fidem  sibi  invicem  derogantes,  ab  altera  parte 
prolatae,  nihil  firmitatis  habere  potuerunt. 


0)  a)  C.  2,  2,  1.  .  .  Omnibus  in  re  pro- 
pria  dicendi  testimonii  fucultatem  iura  sum- 
moverint  .  , 

b)  P.  5,  17,  3.  Adversus  se  invicem  pa- 
rentcs  et  liberi,  itemque  liberti  nee  volentes 
ad  testimonium  admittendi  sunt:  quia  rei 
verae  testimonium  necessitudo  personarum 
plerumque  corrumpit. 

N.  V.  G,  1,  9.  (Sed)  ne  penitus  sibi  re- 
verentiam  posteri  causentur  negatam,  sta- 
tuimus  et  iubcmus,  ut  adversum  manumis- 
ßoris  filios  et  nepotes  liberti  libertaeve  in 
nuUis    omnino    causis    testimonium     dicant. 


Si  quis  multiplici  scriptura  contractum 
suum  munire  cupiens  de  una  re  venditionem 
et  donationem  proferat  vel  quaecunque  alia 
documenta:  omnia  rescindantur,  quia  im- 
pugnantes  se  chartulas  (lex  haec)  vetat  ad- 
mitti. 

.  .  testimonium  unusquisque  pro  se  dicere 
non  potest  .  . 

Adversus  se  invicem  testimonium  parentes 
et  filii  vel  liberti  dicere  prohibentur:  quia 
veritatis  professionem  propinquitatis  affectio 
impedire  cognoscitur. 

.  .  patroni  .  .  Contra  filios  (vero)  vel  ne- 
potes nee  libertus,  nee  liberta  testimonium 
dicere  in  quacunque  causa  praesumant:  <i[uod 
si  fecerint,  licet  recipi  nulla  liceat  ratione, 
(tarnen)    quicunque    liberti  contra    filios   vel 

33* 


516 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


c.  11, 14, 2  c)  Zeugen  müssen,  bevor  sie  über  eine  Sache  befragt  werden,  diircli  den  Eid  an- 
gehalten werden,  bez.  schwören,  dass  sie  nichts  Falsches  aussagen  werden. 
Ehrbaren  Personen  soll  eher  als  Zeugen  niederen  Standes  Glauben  geschenkt 
werden;  dagegen  ist  das  Zeugnis  eines  Einzigen,  ^für  wie  vornehm  und  tüch- 
tig die  Person  auch   gelten  mag,^   unter  keinen  Umständen  zu  vernehmen. 

d)  Diejenigen,  welche  falsche  oder  widersprechende  Zeugnisse  abgelegt  oder  ihr 
Zeugnis  beiden  Parteien  verraten  haben,  werden  entweder  ins  Exil  geschickt 
oder  auf  eine  Insel  relegiert  oder  aus  der  Kurie  entfernt. 

e)  Sklaven  können  in  Geldsachen  gegen  das  Caput  des  Herren  nicht  der  Frage 
unterworfen  werden.  Dass  ein  Sklave  wegen  eignen  Verhaltens  der  Frage 
gegen  sich  selbst  unterworfen  werden  kann,  ist  ausgemachten  Rechtens,  ^  sodass, 
wenn  sein  Herr  durch  den  Sklaven  irgend  etwas  einer  beliebigen  Person  ohne 
Kaution  überlassen  oder  geliehen  haben  wird,  falls  derjenige,  dem  übergeben 
worden  ist,  wird  haben  leugnen  wollen,  mittels  der  Antwort  des  Sklaven,  durch 
welchen    die  Sache    betrieben    worden  ist,    ein  Beweis  für  die  Sache  nicht 

p.  5, 18,  2  fehlen  kann.^     ^Wenn  auf  eine  Klage  des  Tutors  hin  eine  Menge  von  Erb- 

schaftssachen verlangt  wird,  ist  mit  Grund  vorgeschrieben  worden,  dass  an 


P.  5,  17,  5 


P.  5,  18,  5 
P.  5,  18,  1 


1)  Etiamsi  praestarae  curiae  honore  praefulgeat. 

2)  T  sagt  lediglich,  dass  demjenigen,    welcher  durch  einen  Sklaven  Etwas  leiht  oder 
hinterlegt,  kein  Nachteil  erwachsen  darf. 


Quod   si,   licet  nihil  valiturum,  dixerint,  pu- 
niantur  .  . 

c)  C.  11,  14,  2.  lurisiurandi  religione 
testes  prius,  quam  perhibeant  testimonium, 
iam  dudum  arctari  praecepimus,  et  ut  ho- 
nestioribus  potius  fides  testibus  habeatur. 
Simili  modo  sanximus,  ut  unius  testimonium 
nemo  iudicum  in  quacunque  •  causa  facile 
patiatur  admitti.  Et  nunc  manifeste  sanci- 
mus,  ut  unius  omnino  testis  responsio  non 
audiatur,  etiamsi  praeclarae  curiae  honore 
praefulgeat. 

d)  P.  5,  17,  5.  Qui  falso  vel  varie  testi- 
monia  dixerunt  vel  utrique  parti  prodiderunt, 
aut  in  exsilium  aguntur,  aut  in  insulani  re- 
legantur,  aut  curia  submoventur. 

e)  P.  5,  18,  5.  Servi  in  caput  domini  .  . 
neque  in  pecuniariis  .  .  causis  interrogari 
possunt. 

P.  5,  18,  1.  Servum  de  facto  suo  in  se 
interrogari  posse,  ratio  aequitatis  ostendit: 
nee  enim  obesse  ei  debet,  qui  per  servum 
aliquid  sine  cautione  commodat  aut  deponit. 


P.  5,  18,  2.     Iudex  tutelaris,  itemque  cen- 
tumviri,    si   aliter   de   rebus    hereditariis   vel 


nepotes  patroni  contrarium  testimonium  de- 
derint,  puniantur. 

Testes  priusquam  de  causa  interrogentur, 
sacramento  debere  constringi,  ut  iurent,  se 
nihil  falsi  esse  dicturos.  (Hoc  etiam  dicit,)  ut 
honestioribus  magis  quam  vilioribus  testibus 
fides  potius  admittatur.  Unius  autem  testimo- 
nium, quamlibet  splendida  et  idonea  videa- 
tur  esse  persona,  nuUatenus  audiendum. 


Servum  de  facto  suo  in  se  interrogari 
posse  receptum  est,  ut,  si  aliquid  dominus 
eins  per  eum  cuicunque  sine  cautione  trans- 
miserit  aut  commodaverit,  si  ille,  cui  tradi- 
tum  est,  negare  voluerit,  responsione  servi, 
per  quem  res  acta  est,  possit  rei  probatio 
non  deesse. 

Si  quando  rerum  hereditariarum  quanti- 
tas,  tutore  agente,  requiritur,  ut  possit  here- 


Verhandlung  §  7. 


517 


den  Erbschaftssklaven  eine  Folterung  stattfinden  solle,  damit  sich  die  Menge 
von  Erbschaft  finden  lässt.  Besteht  etwa  wegen  der  Nachkommen  irgend 
ein  Zweifel,  sodass  sich  die  AVahrheit  nicht  ermitteln  lässt,  so  wird  die 
Folterung  der  Erbschaftssklaven  angeordnet.^ 

£)  Eid. 

a)  Wenn   es  sich   um   die  Rückforderung   von  Geld  handelt  und  kein  Beweis  p.  2,  i,  i 
des  geschuldeten  Geldes  vorgebracht  wird,    ist  die  Unentschiedenheit  dieses 
Sachverhalts  durch  Leistung  von  Eiden  zu  beheben.^ 

b)  Mag    auch  zuerst  der  Kläger  den  Eid  anbieten,    so   kann   dennoch,    wenn  p.  2, 1, 2 
kein  Beweis  der  Schuld  vorhanden  ist,  derjenige,  welcher  behauptet,  Kalumnie 

zu  erdulden,  seinen  guten  Glauben  durch  Ei  des  Verpflichtung  versichern.^ 

c)  Wenn    der  Verklagte    dem    sein  Geld  Zurückverlangenden    gegenüber   sich  p,  3, 1, 3 
zum  Eid  erboten,  und  dieser  ihm  den  Zwang  des  Eides  aus  freien  Stücken 
erlassen  haben  wird,  kann  er  von  ihm  nicht  nachher  die  Schuld  verlange]!.* 

d)  Der  Erbe  desjenigen,   dem  Geld  kreditiert  sein  soll,   kann  zum  Eide  nicht  p.  2, 1, 4 
aufgerufen  werden,   weil  er  nicht  genau  wissen  konnte,   was  sein  Erblasser 
verrichtet  haben  wird. 


1)  Der  Judex  tutelaris,  ingleichen  die  Centumviri,  werden,  falls  sonst  wegen  Erb- 
schaftssachen, bez.  De  fide  generis,  Aufklärung  nicht  erzielt  werden  kann,  an  den  Erb- 
schaftssklaven eine  Quaestio  abhalten  können. 

2)  T  sagt,  dass,  wenn  in  Geldsachen  die  eine  Partei  einen  Eid  deferiert,  sie  behufs 
Beschleunigung  der  Streitführung  und  aus  Billigkeitsrücksichten  damit  anzuhören  sei. 

3)  Zuerst  kann  der  Kläger  den  Eid  deferieren,  während  der  konträre  Eid  De  calumnia 
dem  Verklagten  zusteht. 

4)  Hat  der  Kläger  dem  zum  Schwur  bereiten  Verklagten  den  Eideszwang  erlassen, 
und  tritt  dies  klar  zu  Tage,  so  wird  die  Actio  gegen  ihn  nicht  gewährt. 


de  fide  generis  instrui  non  possunt,  poterunt 
de  servis  hereditariis  habere  quaestionem. 


s)  a)  P.  2,  1,  1.  In  pecuniariis  causis  si 
alter  ex  litigatoribus  iusiurandum  deferat, 
audiendus  est:  hoc  enim  et  compendio  litium 
et  aequitatis  ratione  provisum  est. 

b)  P.  2,  1,  2.  Deferre  iusiurandum  prior 
actor  potest:  contrarium  autem  de  calumnia 
iusiurandum  reo  competit. 

c)  P.  2,  1,  3.  Si  reus  quum  iurare  ve- 
lit,  actor  illi  necessitatem  iurisiurandi  remi- 
sit,  et  hoc  liquido  appareat,  actio  in  eum 
non  datur. 

d)  P.  2,  1,  4.  Heredi  eius,  cum  quo  con- 
tractum  est,  iusiurandum  deferri  non  potest, 
quoniam  contractum  ignorare  potest. 


ditatis  quantitas  inveniri,  de  servis  heredi- 
tariis quaestionem  haberi  iure  praeceptum 
est.  Et  si  fortasse  de  filiis  aliqua  dubitatio 
habeatur,  ut  veritas  inveniri  non  possit,  tor- 
queri  servi  hereditarii  iubentur. 

Quum  de  repetitione  pecuniae  agitur,  et 
probatio  debitae  pecuniae  nulla  proferatur, 
(iubet,)  huius  rei  ambiguitatem  sacramen- 
torum  interpositione  finiri. 

Licet  prior  petitor  offerat  sacramentum, 
tamen  quum  nulla  probatio  debiti  est,  is, 
qui  calumniam  se  pati  dicit,  potest  fidem 
suam  iurisiurandi  religione  firmare. 

Si  quando  pulsatus  repetenti  pecuniam 
obtulerit  sacramentum,  et  ille  ei  iurisiurandi 
necessitatem  ultro  concesserit,  non  potest 
postea  ab  eo  debitum  postulare. 

Heres  eius,  cui  pecunia  credita  dicitur, 
ad  sacramentum  vocari  non  potest:  (j^uia  quae 
egerit  auctor  suus,  ad  integrum  scire  non 
potuit. 


518 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


III.  Urteil  und  Geständnis  §  8. 

1)  Urteil. 

Gr.  12, 1        a)  Urteile    gegen  Abwesende^  oder  Minderjährige   werden  keine  Giltigkeit  be- 

p.  5, 5, 5  sitzen:    somit   erzielt  dasjenige,    was  in  Abwesenheit  der  einen  Partei  ent- 

schieden wird,  nicht  die  Kraft  der  Res  iudicata. 

c.  4, 15, 1  b)  Die  Richter  müssen  besonders  ihre  Aufmerksamkeit  darauf  lenken,  dass  in 
allen  Rechtssachen  das  Urteil,  welches  erwogen  gewesen  sein  wird,  vor  den 
gleichmässig  sich  einfindenden  Parteien  verlesen  werde,  damit  die  Sentenz, 
welche  gegeben  gewesen  sein  wird,  seitens  derjenigen,  von  denen  die  Sache 
verhandelt  worden  ist,  völlig  begriffen  werde.^ 

p.  5, 37, 1  c)  Wenn  in  einer  Statussache,  das  will  sagen,  in  einem  Prozesse  wegen  Inge- 
nuität  oder  Sklaverei  appelliert  gewesen  sein  wird,  ist  in  Gegenwart  der 
Parteien  zu  verhandeln,  w^eil  Niemand  in  Abwesenheit  einer  Verurteilung 
in  die  Knechtschaft  unterliegen  kann. 

2)  Geständnis. 

p.  5, 5, 3       a)  Ein    Geständnis    ablegen   kann    Jemand    bei   Gericht   nicht   nur    mündlich, 
sondern   auch  durch  einen  Brief  und  in  beliebiger  Weise. 

IV.  Exekution  §  g. 

p.  5, 5,  2       a)  Die  für  die  Zahlung  gewährten  Fristen  werden  von  dem  Tage  des  Geständ- 
^'  *' J7'  ^  nisses   an   gerechnet :    ein  Schuldner,    der  nach  Erlass  eines  Urteils,    durch 


1)  T  fügt  hinzu:  et  ihdef'ensos. 

2)  T  sagt,  dass  in  allen  Sachen  die  Sentenz  Ex  periculo  genommen  werden  solle. 


1)  a)  Gr.  12,  1,  Sententiam  adversus  ab- 
sentes  et  indefensos  ac  niaxime  minores  la- 
tam  nullas  vires  obtinere,  notissimi  iuris  est. 

P.  5,  5,  5.  Ea,  quae  altera  parte  absente 
decernuntur,  vim  rerum  iudicatarum  non  ob- 
tinent. 

b)  C.  4,  15,  1.  Parere  sublimitatem  tuam 
nostris  legibus  convenit,  ut  in  Omnibus  ne- 
gotiis  ex  periculo  promatur  deliberationis 
plena  sententia. 

c)  P.  5,  37,  1.  Meritum  appellationis  .  . 
et  ipsam  rationem  status  non  nisi  per  nos- 
met  ipsos  prosequi  possumus:  nemo  enim 
absens  (aut)  duci  in  servitutem  potest  .  . 


Adversus    absentes    vel    minores   iudicata 
non  valebunt. 


2)  a)  P.  5,  5,  3.  Confiteri  quis  in  iudicio 
non  tantum  sua  voce,  sed  et  literis  et  quo- 
cunque  modo  potest  .  . 

§  9)  a)  P.  5,  5,  2.  .  .  ex  die  confessionis 
tempora  solutioni  praestituta  computantur. 

C.  4,  17,  1  pr.     Qui    post    iudicii    finem, 


Observare  iudices  specialiter  debent,  ut 
in  Omnibus  causis  sententia,  quae  deliberata 
fuerit,  constitutis  pariter  partibus  recitetur, 
ut  ab  his,a  quibus  causa  dicta  est,  ad  integrum, 
quae  data  fuerit  sententia,  cognoscatur. 

Si  quando  in  ,  .  causa  status,  id  est,  in- 
genuitatis  vel  servitutis,  appellatum  fuerit, 
.  .  ipsis  praesentibus  est  agendum:  quia  nemo 
absens  .  .  potest  (aut)  sententiam  servitutis 
excipere. 


Debitor,    qui    post    emissum    iudicium,    a 


Exekution  §  9. 


519 


welches  er  besiegt  gewesen  sein  wird,  die  Schuldsumme  zu  entrichten  ver- 
absäumt haben  wird,  möge  wissen,  dass  er  nach  Yerfluss  von  zwei  Monaten 
die  do})})elte  Centesima  dieser  Schuld  erstatten  werde. 

b)  Wenn    eine   Sache    durch   Urteil   beendet   und   die   Zahlung    des    Judikats   p.  5,  lo,  3 
durch  eine  eingelegte  Bürgschaft  versprochen  gewesen  sein  wird,  jedoch  der- 
derjenige,    welchem    die  Bürgschaft   geleistet    worden    ist,    die  Actio   wegen 

dieser  Sache  aus  einem  beliebigen  Grunde  verschleppt  haben  wird,  wird  er  von 
der  Verfolgung  der  Sache,  die  zugesprochen  worden  ist,  nicht  ausgeschlossen.-"^ 

c)  Von  denjenigen,  welche  über  ihre  Schulden  ein  Geständnis  abgelegt  haben,   p.  5, 5,4 
können  Pfänder   genommen  und  verkauft  werden.     Weiui  Jemand  Pfänder   p.  2,  u,  5 
des   Schuldners    ohne    die  Autorität    des  Richters    weggeführt  haben    wird, 
begeht  er  das  Crimen  violentiae.    So  oft  ohne  die  Autorität   eines  Judikats   p.  5, 14, 2 
Oftizialen    das  Vermögen    irgend   einer  Person    okkupieren  oder  aufnehmen 

oder  in  Observation  sein  lassen,  wird,  nachdem  der  Prokurator  angegangen 
ist,  das  Unrecht  beseitigt  und  werden  die  Urheber  dessen  dem  prätorischen 
Präfekten  zur  Bestrafung  überwiesen. 

aa)  Wird    ein  chirographarischer    Gläubiger,    ohne  Weisung   des  Praeses,   p.  5, 28, 4 
mittels  Gewalt  Pfänder  seines  Schuldners,  die  er  nicht  auf  Grund  von 
Verpfändung  gehabt  haben  wird,  genommen  haben,  so  verfällt  er  der 
Lex  Julia  De  vi  privata. 


1)  Vgl.  S.  496  Anm.  3. 


exceptis  duobus  mensibus,  quibus  per  leges 
solutionum  nonunquam  est  concessa  dilatio, 
moram  aö'erent  solutioni,  a  die  patrati  iu- 
dicii,  quo  obnoxii  redditi  sunt,  in  duplicium 
centesimarum  conveniantur   usuras  .  . 

b)  P.  5,  10,  3.  Quoties  iudicatum  solvi 
stipulatione  satisdatur,  omissa  eins  actio  rei 
iudicatae  persecutionem  non  excludit. 


c)  P.  5,  5,  4.  Eorum,  qui  debita  confessi 
sunt,  pignora  capi  et  distrahi  possunt. 

P.  2,  14,  5.  Si  quis  pignora  debitoris 
citra  auctoritatem  iudicantis  abduxerit,  vio- 
lentiae crimen  admittit. 

P.  5,  14,  2.  Quoties  sine  auctoritate  iu- 
dicati  officiales  alicuius  bona  oceupant  vel 
describunt  vel  sub  Observation e  esse  taciunt, 
adito  procuratoie  iniuria  submovetur:  et  rei 
huius  auctores  ad  praefectos  praetorio  puni- 
endi  mittuntur 

aa)  P.  5,  28,  4.  Creditor  Chirograph arius, 
si  sine  iussu  praesidis  per  vim  debitoris  sui 
pignora,  quum  non  habuerit  obligata,  ceperit, 
in  legem  luliam  de  vi   privata  committit  .  . 


quo  victus  fuerit,  debiti  summam  implere 
neglexerit,  transactis  duobus  mensibus, 
duplani  centesimam  debiti  ipsius  ,  .  se  no- 
verit  redditurum  .  . 

Si  quando  causa  per  iudicium  fuerit  ter- 
minata  et  iudicati  solutio  fideiussione  inter- 
posita  fuerit  repromissa,  sed  is,  cui  hdeiussio 
praebita  est,  huius  rei  actionem  qualibet  ra- 
tione  tardaverit,  a  persecutione  rei,  quae 
addicta  est,  non  excluditur. 


520 


ÖfFentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


P.  5,  14,  6 
C.  2,  30,  1 


C.  4,  18,  1 


d)  Privileg  des  Fiskus  ist,  unter  aller  Gläubigern  den  ersten  Rang  einzu- 
nehmen. ^  Viele  massen  sich  an,  für  eine  fiskale  Schuld  Ackerbauknechte 
oder  Pflugstiere,  aus  deren  Arbeitserträgen  die  Steuern  bezahlt  werden, 
behufs  Pfändung  von  den  Besitztümern  wegzunehmen.  Wird  darum  als 
Gläubiger,  sei  es  der  Curator  pacis  oder  ein  Kuriale  oder  welcher  Exakter 
auch  immer,  es  zu  thun  sich  angemasst  haben,  so  soll  er  von  dem  Provinciae 
iudex  gestraft  werden.^ 

e)  Niemand,  der  nachweislich  entweder  für  eine  fiskale,  oder  ''^für  eine  private 
Schuld 2  haftet,  soll,  wenn  er  Gold,  Silber  oder  irgendwelches  bewegliche 
Gut  geschuldet  haben  wird,  glauben,  sich  damit  von  der  Schuld  ver- 
schonen zu  dürfen,  dass  er  sagt,  mit  Bezug  auf  seine  Sachen  eine  Cession  zu 
veranstalten:  vielmehr  soll  er,  bei  Gefahr  einer  Bestrafung,  verpflichtet  sein, 
was  er  auch  immer  geschuldet  haben  wird,  zu  entrichten,  es  sei  denn  etwa 
eine  Person  der  Art,  die  nachweist,  ihr  ganzes  Vermögen  entweder  durch 
Schiffbruch,  oder  durch  Raub  oder  Brand  oder  den  Andrang  irgendwelcher 
grösseren  Gewalt  verloren  zu  haben. 


1)  T  spricht  von  den  seitens  der  Rectores  provinciarum  hehufs  Eintreibung  der  civi- 
Hter  beanspruchten  Schulden  gegebenen  Intercessoren,  bez.  Creditor  Praefectus  urbis  oder 
Dekurio,  und  bezeichnet  die  Strafe  als  kapital. 

2)  Für  eine  Aliena  res. 


d)  F.  5,  14,  6.  Privilegium  fisci  est,  inter 
omnes  creditores  primum  locum  retinere. 

C.  2,  30,  1.  Intercessores  a  rectoribus 
provinciarum  dati  ad  exigenda  debita  ea, 
quae  civiliter  poscuntur,  servos  aratores  aut 
boves  aratorios  pignoris  causa  de  posspssi- 
onibus  abstrahunt,  ex  quo  tributorum  illatio 
retardatur.  Si  quis  igitur  intercessor  aut 
creditor  vel  praefectus  pacis  vel  decurio  in 
hac  re  fuerit  detectus,  a  rectoribus  provin- 
ciarum capitali  sententiae   subiugetur. 

e)  C.  4,  18,  1.  Ne  quis  omnino  vel  fisci 
debitor  vel  alienae  rei  in  auro  atque  in  ar- 
gento  diversisque  mobilibus  retentator  ac 
debitor  bonorum  faciens  cessionem,  liberum 
a  repetitione  plenissima  nomen  effugiat;  sed 
ad  redhibitionem  debitae  quantitatis  congrua 
atque  dignissima  suppliciorum  acerbitate  co- 
gatur:  nisi  forte  propriorum  dilapidationem 
bonorum  aut  latrociniis  abrogatam  aut  for- 
tasse  naufragiis  incendioque  conflatam  vel 
quolibet  maioris  Impetus  infortunio  atque 
dispendio  docuerit  afflictam. 


Multi  pro  fiscali  debito  servos  cultores 
aut  boves  aratorios  de  possessionibus  causa 
pignoris  auferre  praesumunt,  de  quorum  la- 
boribus  tributa  redduntur,  et  ideo  si  quis 
creditor  vel  curator  pacis  vel  curialis  aut 
quicunque  exactor  hoc  facere  praesumserit, 
a  provinciae  iudice  x^uniatur. 


Nullus,  qui  aut  fiscali  debito  aut  privato 
probatur  obnoxius,  si  aurum,  argentum  vel 
mobile  quodcunque  debuerit,  ob  hoc  se  cre- 
dat  a  debito  excusandum,  quod  dicat,  de 
rebus  suis  se  facere  cessionem,  sed  poenis 
afflictus,  quaecunque  debuerit,  cogatur  ex- 
solvere :  nisi  forte  eiusmodi  persona  sit,  quae 
se  probet  omnem  substantiam  suam  aut  nau- 
fragio  aut  latrocinio  aut  incendio  aut  cuius- 
libet  maioris  violentiae  impetu  perdidisse. 


Drittes  Kapitel.    Rechtsmittel. 

I.  Appelation  §  lo. 

1)  Anwendungsgebiet  (vgl.  i^  1,  2  e  u.  4  y,  a). 

a)  Alle,  die    Greschäfte  der  Art  diskutieren/    müssen  dies   besonders   in  Acht   c.ii,ii,'t 
nehmen,  dass  sich  manifeste  Schuldner  der  Stütze  der  Appellation  nicht  be- 
dienen sollen  und  eine  evidente  Schuld  mittels  irgendwelchen  durch  Appel- 
lation verursachten  Verzuges  nicht  hinausziehen  können. 

aa)  Bei     manifesten    fiskalischen    Schulden    darf    Niemandem    irgendwie   c.  11,11,2 
Appellation    gestattet    werden,    weil   das   Interesse    des  Gemeinwesens 
durch  irgendwelchen  Verzug  nicht  gehemmt  werden  darf. 

b)  Wird    Jemand    mittels    Appellation    die    Eröffnung    eines    von    einer    be-   c.  11, 11, 5 
liebigen    Person   errichteten   Testaments   haben    hinziehen    und   den    einge- 


1)  T  spricht  von  den  Discussores. 


1)  a)  C.  11,  11,  4.  A  discussoribus  obser- 
vari  iubemus,  ut  manifesti  debitores  provo- 
cationis  suffragrio  minime  subleventur. 


aa)  C.  11,  11,  2.  In  fiscalibus  debitis  nul- 
lius provocationem  tua  gravitas  censeat  ad- 
mittendam.  Nee  enim  commodum  publicum 
fas  est  diuturna  frustratione  suspendi,  nee 
eludendi  licentiam  callidis  fraudatoribus  re- 
laxari. 

b)  C.  11,  11,  5.  Quisquis,  ne  voluntas 
diem  functi  testamento  scripta  reseretur,  vel 
ne  hi,  quos  scriptos  patuerit,  heredes  edicti 
per  divum  Hadrianum  conditi  beneficium 
consequantur,  ausus  fuerit  provocare,  inter- 
positamque  appellationem,  cuius  de  ea  re 
notio  erit,  recipiendam  esse  crediderit,  vi- 
ginti  librarum  auri  niulcta  et  litigatorem, 
qui  tarn  importune  appellaverit,  et  iudicem, 


Omnes,  qui  huius  modi  negotia  discutiunt' 
lioc  specialiter  observare  debere,  ut  mani- 
festi debitores  appellationis  suffragio  non 
utantur,  nee  evidens  debitum  ulla  possint 
appellationis  dilatione   suspendere. 

In  manifestis  fiscalibus  debitis  nulli  pe- 
nitus  appellationem  debere  praestari,  quia 
non  oportet  publicae  rei  commodum  qualibet 
dilatione  suspendi. 


(Haec  lex  specialiter  praecipit,)  ut,  si 
quis  a  quocunque  conditum  testamentum  per 
appellationem  differre  voluerit,  ut  non  debeat 
reserari,  et  scriptum  heredem  ab  adeundahere- 
ditate  suspendere,  et  in  hac  parte  iudex  appel- 
latori  voluerit  praebere  consensam,  ut  quo  mi- 
nus scriptam  voluntateni  non  sequatur  effec- 
tus:  tam  ipse  iudex  quam  is,  qui  appellaverit, 
viofinti  libras  auri  tisco  cogatur  exsolvere. 


522 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch, 


C.  11,  13,  1 


N.Y.  12,  1, 
16  U.  17 


P.  5,  5,  6 


P.  5,5,  7 


P.  5,  37,  2 


setzten  Erbeu  von  dem  Erbschaftsantritt  haben  abhalten  wollen,  und  wird 
der  Judex  in  diesem  Punkte  dem  Appellanten  seine  Zustimmung  haben  ge- 
währen wollen,  damit  dem  niedergeschriebenen  letzten  Willen  um  so  weniger 
der  Effekt  auf  dem  Fusse  folge,  so  soll  ebenso  sehr  der  Judex  selbst,  wie 
derjenige,  welcher  appelliert  haben  wird,  gezwungen  werden,  dem  Fiskus 
zwanzig  Pfund  Gold  zu  zahlen.^ 

c)  Wenn  irgend  Jemand  in  der  gleichen  Sache  durch  zwei  Urteile  besiegt  ge- 
wesen sein  wird  und  noch  dieselbe  Beharrlichkeit  im  Klagen  wird  haben 
bezeigen  wollen  und  von  Neuem  appellieren  zu  sollen  geglaubt  haben  wird, 
soll  der  Besitz  unverzüglich  auf  seinen  Gegner  übertragen  werden. 

d)  In  einer  Sache,  in  welcher  bis  zu  hundert  Solidi  geurteilt  gewesen  sein  wird, 
darf  ^von  der  ludiciaria  potestas,  das  will  sagen,  dem  lUustris^  nicht  appel- 
liert werden. 

e)  Die  Geschäfte  können  nicht  durch  Appellation  von  Neuem  vorgebracht 
werden,  so  oft  gegen  einen  Contumax  geurteilt  gewesen  sein  wird. 

Von  dem  Urteil,  das  gegen  einen  Contumax  gefällt  worden  ist,  kann 
nicht  appelliert  werden. 

f)  Wird  irgend  Jemand  nicht  im  Vertrauen  auf  die  gerechte  Sache,  sondern 
behufs  Verzögerung,  damit  nicht  gegen  ihn  ein  Urteil  vorgebracht  werde, 
appelliert,  oder  nach  einem  Geständnis  über  seine  That,  um  nicht  verurteilt 


1)  Vgl.  S.  426  Anm.  4. 

2)  Von  dem  Illustris  vir  praefectus  urbis  Romae. 


qui  tarn  ignave  conniventiam  adhibuerit,  in- 
volvat. 

c)  C.  11,  13,  1.  Qui  gemino  iudicio  fu- 
erit  superatus,  nee  tarnen  obstin atam  illam 
pervicaciani  putaverit  relinquendam,  sed  ite- 
rum  provocandum  esse  crediderit,  ab  eo  ad 
petitorem  mox  possessio  transferatur. 

d)  N.V.  12,  1,  16  u.  17.  .  .  a  (suspecto) 
iudice  illustri  viro  praefecto  urbis  Romae  .  . 
Nee  quisquam  provocet  a  praefato  cognitore 
in  causa,  cuius  meritum  intra  centum  solides 
continetur, 

e)  P.  5,  5,  6.  .  .  in  contumacem  dicta 
sententia  .  .  (quin  immo)  nee  appellari  ab 
ea  potest. 

P.  5,  5,  7.  Ab  ea  sententia,  quae  in  con- 
tumaces  data  est,  neque  appellari  .  .  potest. 

f)  P.  5,  37,  2.  Moratorias  appellationes 
et  eas,  quae  ab  exsecutoribus  et  confessis 
fiunt,  recipi  non  placuit. 


Si  quicunque  in  una  causa  duobus  iudi- 
ciis  fuerit  superatus  et  adhuc  eandem  agendi 
pertinaciam  voluerit  retinere,  et  iterum  ap- 
pellandum  esse  putaverit,  in  advorsarium 
eins  continuo  possessio  transferatur. 

.  .  In  ea  (vero)  causa  iudiciariae  potestati, 
id  est  illustri  appellari  non  debet,  in  qua 
usque  ad  centum  solides   fuerit  iudicatum. 


.  .  (Quin  immo)  nee  retractari  per  appel- 
lationem  negotia  possunt,  quoties  in  contu- 
macem fuerit  iudicatum. 


Quicunque  non  confidentia  iustae  causae, 
at  causa  afferendae  morae,  ne  contra  eum 
sententia  proferatur,  appellaverit:  vel  si 
de  facto  suo  confessus,  ne  addicatur,  appel- 
lare  voluerit,  huiusmodi  appellationes  non 
recipiuntur. 


Appellation  §  10. 


523 


zu  werden,    appellieren  gewollt  haben,   so  werden  Appellationen  dieser  Art 
nicht  angenonnnen.^ 
g)  Wird  während  der  Yerhandhing  der  Sache  vor  dem  Judex  gegenüber  dem    P-  '^>  34,  i 
Anspruch  einer  Partei  die  andere  einen  Eid  angeboten  haben,^  so  muss  die 
Partei,  welche  von  den  ludices  wird  haben  appelheren  wollen,  dann  appel- 
lieren, wenn  der  Eid  angeboten,  nicht  nachdem  er  geschworen  wird. 

2)  Einlegung. 

a)  Der  Appellant  darf  nicht  entweder  von  Gefängnishaft  oder   von    der   Be-   ^  ^^'  ^'  * 
rührung   mit  irgendwelcher  Unbill  betroffen  werden.''     Die  ludices    provin-   c.  11,8,2 
ciarum   dürfen  nicht  die  Behauptungen  der  Appellanten  als  eine  ihnen  zu- 
gefügte Beleidigung   aufnehmen,   weil  dieses  Aveder  für  neu,   noch  den  Ge- 
richten fremd    zu    erachten    ist.*     Demgemäss    soll   der  Partei  erlaubt  sein, 
eine  verpfuschte  Sache  durch  das  Mittel  der  Appellation  zu  verbessern. 

Der  Appellant  soll  weder  in  ein  Gefängnis  noch  in  irgendwelche   c.  11,8,2 
Haft  gebracht  werden,  ^sondern  seine  Sache  im  Zustande  der  Freiheit 
betreiben.^ 


1)  Man  war  der  Ansicht,   dass  Moratoriae  appellationes  und  diejenigen,    welche  von 
Exekutoren  und  Confessi  geschehen,  nicht  angenommen  werden. 

2)  So  oft  der  Eid  verlangt   wird. 

3)  T  spricht  ausdrücklich   von    einer  Civilsache   und  von  dem  Zeitpunkte  der  Libelli 
appellatorii  oblati. 

4)  T  spricht  von  Provokation  in  Principalis  causa. 

5)  T  verbietet  Bewachung  durch  Milites. 


g)  F.  5,  34,  1.  Quoties  iusiurandum  po- 
stulatur,  eo  tempore  appellanduai  est,  quo 
defertur,  non   quo  iuratur. 


2)  a)  C.  11,  8,  1.  Minime  fas  est,  ut  in 
civili  negotio  libellis  appellatoriis  oblatis 
aut  carceris  cruciatus  aut  cuiuslibet  iniuriae 
genus  seu  tormenta  vel  etiam  contumelias 
perferat  appellator  .  . 

C.  11,  8,  2.  Non  recte  iudices  iniuriam 
sibi  fieri  existimant,  si  litigator,  cuius  nego- 
tium sententia  vulneratum  est,  a  piincipali 
causa  provoeaverit,  quod  neque  novum  neque 
alienum  a  iudiciis  est.  Ideoque  post  nego- 
tium principale  discussuni  litigatori  liceat 
iitem  iuris  remedio  sublevare  .  . 

C.  11,  8,  2.  .  .  iudices  observare  debe- 
bunt,  ne  appellatores  vel  in  carcerem  redi- 
gant,  vel  a  militibus  faciant  custodiri. 


Si  quando,  dum  causa  a  iudice  auditur, 
sacramentum  potente  uno  ex  litigatoribus 
alter  obtulerit,  litigator,  qui  iudicibus  ap- 
pellare  voluerit,  tunc  appellare  debet,  quando 
sacramentum  offertur,  non  postquam  iura- 
tur. 

(Ista  lex  hoc  praecipit,)  non  debere  ap- 
pellantem  aut  carceris  custodia  aut  cuius- 
libet iniuriae  affiictione  constrinsri  .  . 


(Lex  ista  hoc  iubet,)  non  debere  iudices 
provinciarum  assertiones  appellantium  ad 
suam  iniuriam  revocare,  quia  hoc  nee  novum 
nee  alienum  a  iudiciis  esse  cognoscitur  ;  et 
ideo  (hoc  iubet,  ut)  liceat  litigatori  vitiatam 
causam  appellationis  remedio  sublevare  .  . 

(Lex  .  .  Hoc  etiam  specialiter  praecepit,) 
ut  appellator  nee  in  carcerem  nee  in  quam- 
cunque  custodiam  redigatur,  sed  agendum 
negotium  suum  liber  observet. 


524 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


P.  5,  35,  1 


P.  5,36,  1 


P,  5,  36,  -2 


P.  5,35,  1 


P.  5,  35,  1 


b)  Ein  Jeder,  der  von  dem  Judex,  welcher  seine  Sache  behandelt  hat,  wird 
haben  appellieren  und  an  einen  andern  Judex  provozieren  wollen,  soll  inner- 
halb fünf  Tagen  appellieren.^  Von  selten  desjenigen,  von  dem  appelliert 
worden  ist,  wird  an  denjenigen,  welcher  über  die  Appellation  erkennen  soll, 
ein  Dimissorialbrief  gerichtet,  der  herkömmlicher  Weise  die  Aposteln  genannt 
wird:  Erbittung  und  Empfang  derselben  hat  Ex  officio  innerhalb  des  fünften 
Tages  zu  geschehen.^  Wer  innerhalb  der  gewährten  Fristen  den  Dimissorial- 
brief iiicht  verlangt  oder  empfangen  oder  abgegeben  haben  wird,  wird  durch 
einen  Einwand  vom  Klagen  ferngehalten  und  gezwungen,  die  Appellations- 
strafe zu  entrichten.  Der  Tag  selbst,  an  welchem  er  den  Brief  empfangen 
hat,  soll  ausdrücklich  in  diese  fünf  Tage  eingerechnet  werden.^  Ist  der  Weg 
ein  weiter,  so  soll,  abgesehen  von  diesen  fünf  Tagen,  die  Frist  von  Tagen, 
in  welcher  die  Reise  zurückgelegt  werden  kann,  eingerechnet  werden. 

Um  der  ausschweifenden  Freiheit  der  Appellanten  willen,  damit  die 
Parteien  nicht  in  der  Wiederholung  oder  in  dem  Widerruf  der  urteile 
freien  Spielraum  zu  haben  erachtet  werden,  sind  sowohl  Appellations- 


1)  T  sagt,  dass,  nisi  iuste  appellaverint,  die  Fristen  für  die  Kaution  fünf  Tage  sind. 

2)  J  verweist  mit  Bezug  auf  Interpretation  auf  den  Titel  De  cautionibus  et  poenis 
appellationum  (P.  5,  35)  (Ista  superius  sub  titulo  de  Cautionibus  et  poenis  appellationum 
interpretata  est). 

3)  T  sagt,  dass  von  dem  Tage  der  Acceptae  litterae  fünf  Dies  continui  gerechnet 
werden. 


b)  P.  5,  35,  1.  .  .  Quod  nisi  iuste  ap- 
pellaverint, tempora  ad  cavendum  in  poena 
appellationis  quinque  dierum  praestituta 
sunt  .  . 

P.  5,  36,  1.  Ab  eo,  a  quo  appellatum 
est,  ad  eum,  qui  de  appellatione  cogniturus 
est,  literae  dimissoriae  diriguntur,  quae  vulgo 
apostoli  appellantur:  quorum  postulatio  et 
acceptio  intra  quintum  diem  ex  officio  fa- 
cienda est. 

P.  5,  36,  2.  Qui  intra  tempora  praesti- 
tuta dimissorias  non  postulaverit  vel  ac- 
ceperit  vel  reddiderit,  praescriptione  ab 
agendo  submovetur  et  poenam  appellationis 
inferre  cogitur. 

P.  5,  35,  1.  .  .  Igitur  morans  eo  in  loco, 
ubi  appellavit,  cavere  debet,  ut  ex  die  ac- 
ceptarum  literarum  continui  quinque  dies 
computentur.  Si  vero  longius,  salva  dinu- 
meratione  integri  quinque  dies  cum  eo  ipso, 
quo  litteras  acceperit,  computantur. 

P.  5,  35,  1.  Ne  liberum  quis  et  solutum 
haberet  arbitrium  retractandae  et  revocandae 
sententiae,  et  poenae  et  tempora  appellatori- 
bus  praestituta  sunt  .  . 


.  .  ut  quicunque  iudici,  qui  causam  eins 
andivit,  appellare  et  ad  alium  iudicem  pro- 
vocare  voluerit,  intra  quinque  dies  appellet .  . 


.  .  et  ipse  dies,  quo  accepit  literas,  in  his 
quinque  diebus  specialiter  computetur.  Quod 
si  longius  iter  sit,  exceptis  his  quinque  diebus, 
spatium  dierum,  quo  iter  agi  possit,  compu- 
tetur. 

Propter  superfluam  appellatorum  licen- 
tiam,  ne  in  retractandis  vel  revocandis  sen- 
tentiis  liberum  habere  arbitrium  videantur, 
et  tempora  appellationis  et  poenae  consti- 
tutae    sunt:  .   .   (intra    quinque  dies)   .  .   his 


Appellation  §  10. 


.25 


fristen  als  Strafen  festgesetzt  worden.  Innerhalb  fünf  Tagen  soll  er 
olme  irgendwelchen  Verzug  zu  dem  Judex,  an  den  er  provoziert  haben 
wird,  gelangen. 

c)  So  oft  bei  der  Appellationsstrafe  kaviert  wird,  können  ebensosehr  einer,  wie  auch  ^-  -'-  ^^'  ^ 
mehrere  Bürgen,  falls  sie  geeignet  sind,  gegeben  werden :  es  genügt  nämlich, 
auch  mittels  einer  einzigen  geeigneten  Person,  für  die  Sicherheit  der  Strafe 
Sorge   zu  tragen.    Wenn  in  der  gleichen   Sache    Mehrere    appellieren,    ge-   p.  5, 35, 4 
nügt  es,  dass  ein  und  dieselbe  Kaution  für  Alle  geschieht.     Wird  in  einer 
gemeinschafthchen  Sache  der  Eine  kaviert  und  gesiegt  haben,  so  gelten  Alle, 
die  die  eine  Sache  haben,  als  Sieger.    Wenn  aus  mehreren  Sachen  von  den  ^-  ^'  ^^'  ^ 
Urteilen  der  ludices  appelliert  gewesen  sein  wird,  sind  mit  Bezug  auf  die  ein- 
zelnen Urteile  einzelne  Kautionen  zu  gewähren  und  bei  den  einzelnen  Kau- 
tionen einzelne  Strafen  ausdrücklich  von  den  Appellanten  einzufügen.    Das   ^-  •^'  ^^'  ^ 
Mass    der  Strafe,    für    welche  Jemand   kavieren   muss,   ist   in   der  Kaution 
anzugeben,    damit   Etwas    vorhanden    ist,    falls    die    Stipulationsschuld   ver- 
fällt:   andernfalls  nämlich    gilt,   eine   rechtsgiltige  Kavierung   nicht  stattge- 
funden  zu  haben.     AVeun  ein  Assertor  provoziert,  muss  er  auf  das  Drittel   ?•  s,  »5, 7 
dessen   kavieren,    worauf  der  Handel    geschätzt  worden  ist.     Ist  unter  den   ^-  ^'  ^^'  ^ 
Parteien   über  die  Bestellung  des  Anwesenheitsbürgen  Streit,  so    kann    die 


1)  T  spricht  von  der  Deposition  der  Poena  oder  von  irgend  etwas  Anderem  und  be- 
zeichnet den  Bürgen  als  Sponsor  und  Fideiussor. 


c)  P.  5,  35,  3.  Quoties  in  poena  appel- 
lationis  cavetur,  tarn  unus  quam  plures 
fideiussores,  si  idonei  sunt,  dari  possunt: 
sufficit  enim,  etiam  per  unum  idoneum  in- 
demnitati  poenae  consuli. 

P.  5,  35,  4.  Si  plures  appellant,  una 
cautio  sufficit:  et  si  unus  caveat,  omnibus 
vincit. 

P.  5,  35,  5.  Quum  a  pluribus  sententiis 
provocatur,  singulae  cautiones  exigendae 
sunt  et   de   singulis  poenis  spondendum  est. 


P.  5,  35,  6.  Modus  poenae,  in  qua  quis 
cavere  debet,  specialiter  in  cautione  expri- 
mendus  est,  ut  sit,  in  qua  stipulatio  com- 
mittatur:  aliter  enim  recte  cavisse  non  vi- 
detur. 

P.  5,  35,  7.  Assertor,  si  provocet,  in  eius- 
modi  tertiam  cavere  debet,  quanti  causa 
aestimata  est. 

P.  5,  35,  2.     Ne   quis   in  captionem   ver- 


ipsis  quinque  diebus  ad  iudicem,  quem 
provocaverit,  sine  aliqua  dissimulatione  per- 
veniat  .  . 


Si  in  una  causa  multi  appellant,  unam 
pro  Omnibus  fieri  sufficit  cautionem.  Et  si 
in  communi  causa  unus  caverit  et  vicerit, 
omnes,  quibus  una  causa  est,  vicisse  videntur. 

Quum  de  multis  causis  a  iudicum  senten- 
tiis appellatum  fuerit,  singulae  cautiones  de 
singulis  sententiis  faciendae  sunt.  Et  in 
singulis  cautionibus  singulae  poenae  specia- 
liter ab  appellatoribus  inserendae. 


Si  quando  inter  litigatores  de  dando  prae- 


526 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


C.  11, 11,  1 
pr. 


€.  11,  12,  1 


Partei,  sobald  irgend  Jemand  bei  der  Verbalkaution  einen  Nachteil  fürchtet 
und  um  dessentwillen  einen  Bürgen  nicht  geben  will,  irgend  etwas  Bestimmtes 
von  ihren  Sachen  behufs  der  Strafe  deponieren.^  Wird  dann  gegen  ihn 
geurteilt  gewesen  und  er  selbst  ausgeblieben  sein,  so  verliert  er  dasjenige, 
was  er  deponiert  hat. 

d)  In  Civilsachen  oder  bei  leichteren  Vergehen,  die  sich  in  den  Leges  nicht  auf- 
genommen finden,  ist  der  nach  den  Gesetzen  für  die  Appellation  bestimmte 
Aufschub  zu  gewähren  und  das  Erkenntnis  des  Urteilenden  in  Folge  der 
Appellation  zu  suspendieren.^  ^Wird  wegen  des  Besitzes  appelliert  gewesen 
sein,  so  darf  das  Verfahren  in  der  Besitzsache  dem  Eigentum  durchaus  nicht 
im  Wege  stehen,  mag  auch  über  den  Besitz  irgend  etwas  geurteilt  worden  zu 
sein  erachtet  werden,  was  ohne  Zweifel  zur  Ausführung  zu  bringen  ist  und 
durch  die  Appellation  nicht  suspendiert  werden  kann.  Nach  Restitution 
des  Besitzes  muss  die  Sache  des  Eigentums  von  Anfang  an  untersucht 
werden. 2 

3)  Verfahren. 

p.  5,38,2       a)  Wenn  wegen  städtischer  Grundstücke  oder  Sklaven  appelliert  wird,  pflegen 
die  Pacht-  oder  Mietzinsen  hierfür  und,    wo  es  sich  um  ein  Schiff  handelt. 


1)  Moratoriae  dilationes  und  frustratoriae  ludificationes  sind  nicht  zuzulassen:  für 
diejenigen,  contra  quos  merito  iudicatum  est,  soll  kein  Aufschub  der  Beno  gesta  statt- 
haft sein. 

2)  Vgl.  S.  219  Anra.  2. 


borum  in  cavendo  incidat,  expeditissimum 
est,  poenam  ipsam  vel  quid  aliud  pro  ea 
deponere:  necesse  enim  non  habet  sponsorem 
quis  fideiussoremve  dare  aut  praesens  esse: 
sed  si  contra  eum  fuerit  pronuntiatum, 
perdit,  quod  deposuit. 

d)  C.  11,  11,  1  pr.  Moratorias  dilationes 
frustratoria&que  non  tarn  appellationes  quam 
ludificationes  admitti  non  convenit.  Nam 
sicut  bene  appellantibus  negari  auxiliuin  non 
oportet,  ita  bis,  contra  quos  merito  iudica- 
tum est,  inaniter  provocantibus  differri  bene 
gesta  non  decet  .  . 

C.  11,  12,  1,  Quum  de  possessione  et  mo- 
mento  causa  dicitur,  etsi  appellatio  inter- 
posita  fuerit,  tarnen  lata  sententia  sortiatur 
effectum,  atque  ita  demum  ad  nostram  sci- 
entiam  referatur.  Ita  tarnen  possessionis  re- 
formationem.  fieri  oportet,  ut  integra  omnis 
proprietatis  causa  servetur. 

3)  a)  P.  5,  38,  2.     Si   propter  praedia  ur- 
bana     vel     mancipia    appelletur,     pensiones 


sentiae  suae  fideiussore  contentio  est,  si 
aliquis  in  cautione  verborum  praeiudicium 
timeat  et  propter  hoc  fideiussorem  dare  no- 
lit,  potest  certum  aliquid  de  rebus  suis  poe- 
nae  causa  deponere.  Sed  si  contra  eum 
fuerit  iudicatum  et  ipse  defuerit,  perdit, 
quod  deposuit. 

In  civilibus  causis  vel  levioribus  crimini- 
bus,  quae  legibus  non  tenentur  inserta,  ap- 
pellationi  constituta  legibus  dilatio  prae- 
standa  est,  et  suspendenda  est  per  appella- 
tionem  sententia  iudicantis  .  . 


Si  de  momento  fuerit  appellatum,  momen- 
tariae  causae  audientiam  proprietati  obesse 
penitus  non  debere,  quamlibet  de  momento 
videatur  aliquid  iudicatum,  quod  in  effectum 
sit  sine  dubio  deducendum,  nee  possit  ap- 
pellatione  suspendi.  (lubet  tamen,)  restituto 
momento  causam  proprietatis  ex  integro  de- 
bere cognosci. 


Appellation  §  10. 


527 


auch  die  Fracht  deponiert  zu  werden.  So  oft  nach  Verhandlung  der  Sache  p.  5, 38, 1 
der  Besitzer  von  dem  Judex  appelliert^  werden  die  Früchte  des  Besitzes^ 
welcher  in  Frage  kommt,  solange  der  Ausgang  der  zweiten  Verhandlung 
unsicher  ist,  mit  Grund  sequestriert.  AVird  der  Kläger  appelliert  haben,  so 
kann  es  von  ihm  nicht  verlangt  werden,  ^weil  er  nicht  sequestrieren  kann, 
was  er  nicht  hat.^ 

b)  Wenn   Jemand     zu    UiuTcht     in    seinem    Prozess    den    Kürzeren    gezogen    c.  11, 9,1 
hat,   soll  er,    nachdem    die   Fristen,    welche    für    die    Apj)ellation    gewährt 
gewesen  sind,  vor  dem  dritten  Monat  wiederhergestellt  worden  sind,^     Sorge 
tragen,   es    unverzüglich    zur  Kenntnis   seines    Gegners   zu     bringen,''     und 

der  Appellant  innerhalb  der  für  die  Appellation  gesetzten  Fristen  mit  Be- 
zug auf  dieses  Geschäft  so,  wie  er  meint,  dass  es  ihm  zukomme,  ohne  Verzug 
die  Klage  vorbringen.  Wird  er  es  verabsäumt  haben,  so  soll  das  Urteil, 
das  gegen  ihn  gefällt  gewesen  war,  seine  Kraft  behalten  und  unter  Ge- 
währung der  Exekution  in  Allem  ausgeführt  werden. 

c)  Wenn    in    einer    Statussache,    das    will    sagen,    in   einem   Prozesse   wegen    p. 5, 37, 1 
Ingenuität    oder    Sklaverei    appelliert    gewesen  sein   wird,     ist    nicht    durch 
Prokuratoren,    sondern    in    Gegenwart    der    Parteien    zu    verhandeln,    weil 


1)  T  sagt,  dass  dieserhalb  nicht  Satisdation  verlangt  wird. 

2)  T  fügt  hinzu:   ex  priore  lege. 

3)  T  lügt  hinzu:  per  denuntiationem  ex  more  celebrandam. 


eorum    vel   mercedes,   vecturae   etiam,   si  de 
navi  agatur,  deponi  solent. 

P.  5,  38,  1.  Quoties  possessor  appellat, 
fructus  medii  teraporis  deponi  convenit. 
Quod  si  petitor  provocet,  fructus  in  causa 
depositi  esse  non  possunt,  noc  recte  eorum 
nomine  satisdatio  postulatur. 


b)  C.  11,  9,  1.  Reparatis  intra  mensem 
tertium  ex  priore  lege  temporibus,  in  noti- 
tiam  hoc  ipsum  adversarii  per  denuntiati- 
onem ex  more  celebrandam  iubemus  sine 
dilatione  perferri;  scilicet  ut,  interiectorum 
spatiorum  dinumeratione  servata,  ad  debitum 
partes  iudicium  revertantur.  Quod  si  is,  cui 
reparata  sunt  tempora,  ultra  dinumerationem 
crediderit  diff'erendum,  lata  adversus  eum 
sententia  roboretur,  atque  in  exsecutionem 
semel  iudicata  ducantur. 

c)  P.  5,  37,  1.  Meritum  appellationis  .  , 
et  ipsam  rationem  Status  non  nisi  per  nosmet 
ipsos  proüequi  possumus :  nemo  enim  absens 
(aut)  duci  in  servitutem  potest  .  . 


Quoties  post  auditam  causam  iudici  pos- 
sessor appellat,  fructus  possessionis,  de  qua 
agitur,  dum  secundae  audientiae  eventus  in 
dubio  est,  merito  sequestrantur.  Nam  si  pe- 
titor appellaverit,  hoc  ab  eo  non  potest 
postulari:  quia  non  potest  sequestrare,  quod 
non  habet. 

(Lex  ista  hoc  praecipit,)  ut,  si  quis  vide- 
tur  iniuste  in  causa  sua  victus,  reparatis  ante 
tertium  mensem  temporibus,  quae  appella- 
tioni  videntur  fuisse  concessa,  statim  hoc 
ipsum  in  adversarii  sui  notitiam  deducere 
procuret,  et  intra  tempora,  quae  appellationi 
constituta  sunt,  de  hoc  ipso  negotio  is,  qui 
appellavit,  ut  sibi  credit  competere,  agere 
non  moretur.  Quod  si  facere  neglexerit,  sen- 
tentia, quae  adversus  eum  lata  fuerat,  per- 
severet,  et  data  exsecutione  in  omnibus  com- 
pleatur. 

Si  quando  in  .  .  causa  status,  id  est,  in- 
genuitatis  vel  servitutis,  appellatum  fuerit, 
non  per  procuratores,  sed  ipsis  praesentibus 
est  agendum:  quia  nemo  absens  .  .  potest 
(aut)  sententiam  servitutis  excipere. 


528 


Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 


Niemand  in  Abwesenheit  einer  Verurteilung  in  die  Knechtschaft  unter- 
Hegen  kann, 
c.  11,10,1  d)  Wird  während  noch  schwebender  Appellation  der  Tod  der  appellierenden 
Partei  eingetreten  sein,  so  müssen  den  Erben  des  Appellanten,  bez.  dem- 
jenigen, dessen  Auetor  gestorben  ist,  vier  Monate  zur  Besorgung  des  Ge- 
schäfts gewährt  werden:  denn  er  darf  nicht  zur  Verhandlung  der  Sache 
überstürzend  gezwungen  werden,  damit  er  nicht  wegen  Unkenntnis  des  Pro- 
zesses, den  er  nicht  von  Anfang  an  geführt  hat,  Schaden  zu  erleiden  er- 
achtet wird. 

4)  Entscheidung. 

c.  1,  5, 1  a)  AVird  irgend  Jemand  nach  verhandelter  Sache  und  Diskutierung  des  Handels 
von  irgend  Jemandem  besiegt  gewesen  sein  und  die  Sache  hernach  wieder- 
herzustellen versucht  haben ,^  so  wird,  falls  auf  Grund  der  Gesetze  das  Er- 
kenntnis zu  Gunsten  desjenigen,  der  vorher  verurteilt  worden  ist,  gefällt 
gewesen  sein  wird,  das  frühere  Urteil  keine  Giltigkeit  haben.  Wird  er  auch 
bei  einem  andern  Judex  verurteilt  gewesen  sein,  ^so  soll  er,  falls  es  sich 
um  eine  würdige  und  tüchtige  Person  handelt,  auf  einen  Zeitraum  von  zwei 
Jahren  dem  Exil  überwiesen  werden ^  und  der  Fiskus  die  Hälfte  seines 
Vermögens    erwerben.     Ist   er   aber   eine   unwürdige  und  mittellose  Person, 


1)  T  spricht  von  Appellation  gegen  das  Urteil  von  Praeses  oder  eines  sonstigen  Judex 
an  den  Adressaten  der  Konstitution,  der  Praefectus  Praetorio  ist. 

2)  T    macht   den  Gegensatz  zwischen   einer   wohlhabenden  und  einer  Person  agrestis 
vitae  aut  egentis  und  setzt  für  erstere,  Relegatio  in  insulam   als  Strafe. 


C.  11,  10,  1.  Consulentibus  iudicibus,  si 
debeant.  quum  de  appellatione  cognoscunt, 
litigatoris  heredibus,  qui  ante  lapsum  nego- 
tium in  lite  defecit,  nova  tempora  prorogare, 
an  eos  cogere,  intra  dies  reliquos,  etiam  in- 
cognitum  negotium  perorare,  placuit,  quum  de 
appellationibus  iudicatur,  altero  ex  litigatori- 
bus  in  lite  defuncto  menses  quatuor  innovare, 
et  nova  tempora  prorogari,  ne  ignorantes 
negotia  vel  etiam  super  adeunda  hereditate 
dubitantes  prius,  quam  aliquod  commodum 
sentiant,  damnis  affici  compellantur. 

4)  a)  C.  1,  5,  1.  Super  his,  qui  a  praeside 
vel  a  quolibet  alio  iudice  sententiam  dictam 
infirmari  deposcunt,  sub  eo  fine  sublimitatis 
tuae  succedat  examen,  ut,  si  internis  negotii 
usquequaque  decursis  ex  evidenti  claruerit, 
sententiam  a  iure  iustitiaque  discedere,  ea 
penitus  explosa,  controversia  de  aequitate 
terminum  capiat.  Quod  si  consentanea  sit 
legibus  iam  promta  sententia,  eins  pronun- 
tiationis  improbus  oppugnator,  si  patrimonio 
circumfluit,    biennio    in   insulam   relegatione 


Si  pendente  adhuc  appellatione  mors  inter- 
venerit  litigatoris  appellantis,  heredibus  eins, 
qui  appellavit,  quatuor  menses  ei,  cuius 
auctor  mortuus  est,  ad  tractandum  negotium 
debere  praestari,  nee  eum  debere  ad  dicen- 
dam  causam  praecipitari,  ne  per  ignorantiam 
litis,  quam  non  ad  integrum  tractavit,  da- 
mnum  videatur  incurrere. 


Quicunque  causa  dicta  discussoque  ne- 
gotio  a  quocunque  fuerit  superatus  et  hanc 
ipsam  litem  postea  reparare  tentaverit.  si 
pro  ipso,  qui  antea  addictus  est,  fuerit  le- 
gibus lata  sententia,  prius  iudicium  non  va- 
lebit.  Nam  si  et  apud  alium  iudicem  fuerit 
superatus,  si  digna  idoneaque  persona  est, 
biennio  in  exsilium  deputetur,  et  medietatem 
facultatum  suarum  fiscus  acquirat.  Si  vero 
indigna  et  pauperior  persona  est,  in  metal- 
lum  biennio  deputetur. 


Andere  Rechtsmittel  §  11. 


529 


so    soll   er  für   den  Zeitraum   von   zwei  Jahren    dem  Bergwerk  überwiesen 
werden.^ 
b)  Wird  die  Appellation  von    irgend  Jemandem   für    unbegründet   erklärt,    so  p.  5, 39, 1 
W'ird  er  verpflichtet  werden,    die  Kosten,  die   er  durch  die  Verfolgung  der 
Sache  seinem  Gegner  auferlegt  hat^    ihm  nicht  auf  das  Einfache,   sondern 
auf  das  Vierfache  zu  ersetzen. 


II.  Andere  Rechtsmittel  §  ii. 

1)  Revocatio  in  duplum. 

a)  Von  dem  Urteil,   das  gegen   Contumaces  gefällt  worden  ist,  kann  nicht  auf  p.  5,5,7 
das  Doppelte  revoziert  werden. 

b)  Um    einer    ehedem    abgeurteilten    Sache    willen    kann    nach  langem    Still-   p.  5, 5, 8 
schweigen  nicht  In  duplum  revoziert  werden. 

2)  Supplikation. 

a)   ^ Einem  Jeden,   der  ungerecht  bedrückt  worden  ist,  soll  erlaubt  sein,  gegen  g^j^^g 
einen  Judex,  gegen  dessen  Macht  zu  appellieren  nicht  erlaubt  gewesen  sein 


1)  T    fügt   hinzu :    Quam    legem    in   annotationibus   quoque   nostris   de  iterando  post 
sententiam  iudicio  custodire  debebis. 


plectatur,  eiusque  bonorum  media  portio  fis- 
calibus  compendiis  addicta  cedat:  quod  si 
agrestis  vitae  sit  aut  etiam  egentis,  ad  biennii 
tempus  in  metallum  detrudendus  est  .  . 

b)  P.  5,  39,  1.  Omnimodo  poscendum  est, 
ut,  quoties  iniusta  appellatio  proauntiatur, 
sumtus,  quos,  dum  sequeretur  adversarius,  im- 
pendit,  reddere  cogatur,  non  simplos,  sed 
quadruples. 

1)  a)  P.  5,  5,  7.  Ab  ea  sententia,  quae  in 
contumaces  data  est,  neque  .  .  in  duplum 
revocari  potest. 

b)  P,  5,  5,  8.  Res  olim  iudicata  post  lon- 
gum  silentium  .  .  non  potest  .  .  in  duplum 
revocari  .  . 

2)  a)  N.  Th.  6,  1,  1  u.  2.  .  .  litigantibus 
in  amplissimo  praetorianae  praefecturae  iudi- 
cio, si  contra  ius  se  laesos  affirment,  suppli- 
candi  licentiam  ministramus,  licet  pro  curia 
vel  alia  qualibet  publica  utilitate  dicatur 
prolata  sententia.  Nee  enim  publice  prodest, 
singulis  legum  adminicula  denegari  .  .  lllu- 
stris  itaque  et  magnifica  auctoritas  tua,  con- 
stitutione, quae  adversus  sententiam  pro  curia 
latam   supplirare  prohibuit,   omni  parte  cas- 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Si  quando  cuiuscunque  appellatio  iniusta 
pronuntiatur,  sumtus,  quos,  dum  sequeretur, 
adversarium  suum  compulit  sustinere,  non  in 
simplum,  sed  in  quadruplum  ei  reformare 
cogretur. 


Contra  iudicem,  adversus  cuius  potentiam 
non  licuerit  appellare,  (iubet  haec  lex,)  ut, 
quum  privatus  efi'ectus  fuerit,  intra  biennium 
liceat  cuicunque,  qui  iniuste  oppressus  est, 
rerum  dominis  supplicare,  ut  illis  iterum 
audientia  deputetur.  Quod  si  intra  biennium 
post  successionem  illius  non  supplicaverint, 
quae  contra  eos  fuerant  iudicata,  serventur 
et  perpetuam  teneant  firmitatem. 


34 


530  Öffentliches  Recht.     Erstes  Buch. 

wird,  sobald  er  Privatperson  geworden  sein  wird,  innerhalb  eines  Zeitraumes 
von  zwei  Jahren  an  die  Herren  der  Dinge  dahin  zu  supphzieren,  dass  ihnen 
von  Neuem  Gehör  gegeben  werde.  Werden  sie  innerhalb  eines  Zeitraums 
von  zwei  Jahren,  nachdem  jener  einen  Nachfolger  erhalten  hat,  nicht  suppli- 
ziert  haben,  so  soll  dasjenige,  was  gegen  sie  geurteilt  gewesen  war,  in  Acht 
genommen  werden  und  dauernde  Giltigkeit  besitzen.^ 


1)  T  hat  die  Parteien,  die  vor  dem  prätorischen  Präfekten  prozessieren,  im  Auge  und 
derogiert  einem  früheren  Gesetze,  welches  eine  Ausnahme  statuierte,  im  Falle  dass  das 
Urteil  Pro  curia  gesprochen  worden  war. 

sata,  sciat,  preces  intra  biennium  tantum 
nostro  numini  contra  cognitionales  sedis  tuae 
sententias  offerendas,  post  successionem  vide- 
licet  iudicis  numerandum. 


Zweites  Buch. 

Strafrecht. 


Erstes  Kapitel.    Die  einzelnen  Strafthaten. 

I.  Verbrechen  gegen  Leben  und  leibliche  Unversehrtheit  §  i. 

1)  Absichtliche  Tötung. 

a)  Die  Lex  Corneha    legt   die  Strafe   der  Deportation   denjenigen  auf,    welche  p.  5, 25, 1 
einen  Menschen   getötet  oder  dieserhalb,    bez.   um  ein  Furtum  zu  verüben, 

einer  Waffe  sich  bedient  haben  werden,  und  die  Gift  behufs  Beiseite- 
schaffung eines  Menschen  gehabt,  verkauft,  zubereitet,  oder  ein  falsches 
Zeugnis  abgelegt  haben  werden,  damit  Jemand  zu  Grunde  gehe,  oder  die 
Veranlassung  zum  Tode  eines  Menschen  gegeben  haben  werden.  Man  war 
dahin  einig,  dass  wegen  aller  dieser  Missethaten  gegen  Vornehmere  mit  Kapi- 
talstrafe eingeschritten  werde;  hingegen  werden  Personen  niederen  Standes 
entweder  an  das  Kreuz  geschlagen  oder  den  wilden  Tieren  vorgeworfen. 

b)  Sei    es    dass    ein  Mann,    sei    es    dass   eine  Frau  ein  kleines   Kind    getötet  c.  9, 11,1 
haben  ward,  iso  sollen  sie  als  des  Totschlags  schuldig  hafteu.i 


1)  So  ist  es  ein  Kapitalverbrechen. 


1)  a)  P.  5,  25,  1.  Lex  Cornelia  poenaui 
deportationis  infli^it  eis,  qui  hominem  occi- 
derint,  eiusve  rei  causa  furtive  faciendi  cum 
telo  fuerint:  et  qui  venenum  hominis  necandi 
causa  habuerint,  vendiderint,  paraverint:  fal- 
sumve  testimonium  dixerint,  quo  quis  periret: 
mortisve  causam  praestiterint.  Ob  quae  om- 
nia  facinora  in  honestiores  poena  capitis 
vindicari  placuit:  humiliores  vero  aut  in  cru- 
cem  toUuntur  aut  bestiis  obiciuntur. 

b)  C.  9,  11,  1.  Si  quis  necandi  infantis 
piaculum  aggressus  aggressave  sit,  erit  capi- 
tale  istud  malum. 


Sive   vir  sive   mulier  infantem  necaverit, 
rei  homicidii  teneantur. 


34^ 


532 


öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  25,  4 
P.  5,  25,  2 


P.  5,  3,  4 


C.  9,22,  1 


P.  5,  26,  1 


c)  Die  ^Auftraggeber  einer  Tötung  werden  ebenso  wie  die  Mörder  gestraft.  Der- 
jenige, welcher  nicht  getötet  hat,  wird  bisweilen  als  Mörder  verurteilt:  denn 
die  Absicht,  nicht  die  That,  eines  Jeden  ist  zu  strafen.  Demnach  wird  der- 
jenige, welcher,  während  er  töten  wollte,  zufolge  irgend  eines  Zufalls  es 
nicht  wird  haben  ausrichten  können,  als  Mörder  gestraft  werden. 

d)  Die  Hehler  der  Banditen  und  Räuber  werden  mit  derselben  Strafe  belegt, 
wie  die  Räuber  selbst:  denn  mit  Wegräumung  ihrer  Beschützer  legt  sich 
auch  die  Begierde  der  Wegelagerer.  Wird  eine  Person  wissentlich  einen 
Räuber  in  ihrem  Hause  aufgenommen  ^oder  zu  verbergen  beabsichtigt^  oder 
dem  Judex  auszuliefern  verabsäumt  haben,  -so  soll  sie,  falls  sie  frei- 
geboren und  niederen  Standes  ist,  gezüchtigt  und  wenn  sie  besseren  Standes 
ist,  von  einer  nach  Grutdünken  des  Judex  zu  bestimmenden  Strafe  ge- 
troffen werden.^  AVird  es  aber  ein  Actor  oder  Prokurator  ohne  Wissen 
des  Herren  gethan  haben,    so  soll  er  dem  Feuertode  preisgegeben  werden. 

e)  Mit  der  Lex  Pompeia  De  parricidiis  haftet  derjenige,  welcher  Vater,  Mutter, 
Grossvater,  Grossmutter,  Bruder,  Schwester,  Patron,  Patronin  getötet  haben 
wird.     Die  Thäter  werden,   während  sie  ehedem  in  einen  Culeus  eingenäht 


1)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

2)  So  soll  sie  mit  Supplicium  corporale  oder  Vermögensstrafe  Pro  qualitate  personae 
und  nach  Schätzung  des  Judex  büssen. 


c)  P.  5,  25,  4.  Mandatores  caedis  perinde 
ut  homicidae  puniuntur. 

P.  5,  25,  2.  .  .  aliquando  .  .  qui  non  occi- 
dit,  ut  homicida  damnatur:  consilium  enim 
uniuscuiusque,  non  factum  puniendum  est. 
Ideoque  qui,  quum  vellet  occidere,  id  casu 
aliquo  perpetrare  non  potuerit,  ut  homicida 
punietur  .  . 

d)  P.  5,  3,4.  Receptores  aggressorum  item- 
que  latronum  eadem  poena  afficiuntur,  qua 
ipsi  latrones:  sublatis  enim  susceptoribus, 
grassantium  cupido  conquiescit. 

C.  9,  22,  1.  Latrones  quisquis  sciens  sus- 
ceperit  vel  offerre  iudiciis  supersederit,  suppli- 
cio  corporali  aut  dispendio  facultatum  pro 
qualitate  personae  et  iudicis  aestimatione 
plectatur.  Si  vero  actor  sive  procurator  latro- 
nem  domino  ignorante  occultaverit  et  iudici 
offerre  neglexerit,  flammis  ultricibus  concre- 
metur. 

e)  P.  5,  26,  1.  Lege  Pompeia  de  parrici- 
diis tenetur,  qui  patrem  matrem,  avum  aviam, 
fratrem  sororem,  patronum  patronam  occi- 
derit.  Hi,  etsi  antea  insuti  culeo  in  mare 
praecipitabantur ,  hodie  tarnen  vivi  exu- 
runtur  vel  ad  bestias  dantur. 


Si  quis  sciens  in  domo  sua  latronem; 
susceperit  aut  eum  occultare  voluerit  aut 
eum  iudici  tradere  fortasse  neglexerit,  si  in- 
genua  et  vilior  persona  est,  fustigetur:  si 
vero  melior,  damno  ad  arbitrium  iudicis 
feriatur.  Si  vero  actor  aut  procurator  inscio^ 
domino   hoc  fecerit,  incendio  concremetur.. 


Verbrechen  gegen  Leben  und  leibliche  Unversehrtheit  §  1. 


533 


und  in  das  Meer  geworfen  wurden,  heute  indessen  lebendig  verbrannt  oder 
den  wilden  Tieren  vorgeworfen. 

Wird  Jemand  Vater,  Mutter,  Bruder,  Schwester,  Sohn,  Tochter  c.  9, 12, 1 
oder  sonstige  Verw^andte  getötet  haben,  so  soll,  unter  Fernhaltung 
aller  Peinigungen  anderer  Art,  nus  Leder  ein  Sack,  Culeus  genannt, 
verfertigt  werden,  in  welchem,  wenn  er  hineingesteckt  gewesen  sein 
wird,  mit  ihm  auch  Schlangen  eingeschlossen  werden  sollen:  wird  sich 
das  Meer  nicht  in  der  Nähe  befunden  haben,  so  soll  er  in  irgend- 
welchen Strudel  geworfen  werden,  damit  der  durch  eine  solche  Strafe 
Verdammte  zu  keiner  Zeit  ein  Begräbnis  finde. 

2)  ^absichtliche  Verletzung  der  leiblichen  Unversehrtheit. 

a)  Diejenigen,  welche  einen  Abtreibungs-  oder  Liebestrank  geben,  werden,  wenn  p.  5, 25, 8 
sie   es   auch  nicht  in  böser  Absicht  thun,    dennoch,    weil  es  ein  schlechtes 
Beispiel  giebt,    falls  sie  niederen  Standes  sind,    in  ein  Bergwerk,    als  Per- 
sonen besseren  Standes,  unter  Verlust  eines  Teiles  des  Vermögens,  auf  eine 

Insel  relegiert:    wird  infolge   dessen    eine  Frau    oder  ein  Mann  zu  Grunde 
gegangen  sein,  so  werden  sie  von  dem  schwersten  Supplicium  betroffen. 

b)  Derjenige,    welcher    einen    Menschen    wider    seinen    Willen    der    Wollust  p.  5, 25, 7 
oder  des  Handels  halber   kastriert  haben  wird  oder  wird  haben  kastrieren 
lassen,  wird,  sei  es  dass  er  ein  Sklave,  sei  es  dass  er  ein  Freier  ist,  kapital 
gestraft,   während    Personen  besseren    Standes  unter   Einziehung  des   Ver- 
mögens auf  eine  Insel  deportiert  werden. 


C.  9.  12,  1,  Si  qiiis  in  parentis  aut  filii 
aut  omnino  affectionis  eius,  quaenuncupatione 
parricidii  continetur,  fata  properaverit,  sive 
clani  sive  palam  id  fuerit  enisus,  neque  gla- 
dio,  neque  ignibus,  neque  ulla  alia  solenni 
poena  subiugetur,  sed  insutus  culeo  et  inter 
eius  ferales  angustias  comprehensus  serpen- 
tum  contuberniis  misceatur  et,  ut  regionis 
qualitas  tulerit,  vel  in  vicinum  mare  vel  in 
amnem  proiciatur,  ut  omni  elementorum  usu 
vivus  carere  incipiat,  ut  ei  coelum  superstiti, 
terra  mortuo  auferatur. 

2)  a)  P,  5,  25,  8.  Qui  abortionis  aut  ama- 
torium  poculum  dant,  etsi  id  dolo  non  faciant, 
tarnen,  quia  mali  exempli  res  est,  humiliores 
in  metallum,  honestiores  in  insulam  amissa 
parte  bonorum  relegantur;  quod  si  ex  hoc 
mulier  aut  homo  perierit,  summo  supplicio 
afficiuntur. 

b)  F.  5,  25,  7.  Qui  hominem  invitum  libi- 
dinis  aut  promercii  causa  castraverit  castran- 
dumve  curaverit,  sive  is  servus,  sive  liber  sit, 
capite  punitur;  honestiores  publicatis  bonis 
in  insulam  deportantur. 


Si  quis  patrem  matrem,  fratrem  sororem, 
filium  filiam  aut  alios  propinquos  occiderit, 
remoto  omnium  aliorum  genere  tormentorum, 
facto  de  ooriis  sacco,  qui  culeus  nominatur, 
in  quo  quum  missus  fuerit,  cum  ipso  etiam 
serpentes  claudantur:  et  si  mare  vicinum 
non  fuerit,  in  quolibet  gurgite  proiciatur,  ut 
tali  poena  damnatus  nullo  tempore  obtineat 
sepulturam. 


534 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


3)  Kulpose  Tötung. 

p.  5, 25, 6  a)  Wird  ein  Baumschläger,  während  er  von  einem  Baum  einen  Zweig  abschlug, 
nicht  ausgerufen  haben,  dass  man  sich  vorsehen  solle,  und  ein  vorübergehen- 
der Mensch  dann  durch  den  Fall  desselben  zu  Grunde  gegangen  sein,  so 
wird  er.  obschon  er  sich  nicht  an  der  Lex  vergreift,  zur  Bergwerksstrafe 
verurteilt. 

p.  5, 25, 13  b)  Wird  aus  einem  Medikament,  das  zum  Heil  eines  Menschen  oder  zur  Ge- 
nesung gegeben  worden  war,  ein  Mensch  zu  Grunde  gegangen  sein,  so  wird 
derjenige,  welcher  es  gegeben  haben  wird,  wenn  es  eine  Person  besseren 
Standes  gewesen  sein  wird,  auf  eine  Insel  relegiert,  eine  Person  niederen 
Standes  dagegen  kapital  gestraft. 

4)  Strafausschliessung. 

p.  5, 25, 2       a)  Wer    einen  Menschen    getötet   haben    wird,    wird    bisweilen    freigesprochen: 

denn    wer    durch    einen    Zufall    unbeabsichtigter    AVeise    durch    den    Wurf 

eines  Geschosses    einen  Menschen   getötet  haben  wird,   w^ird  freigesprochen. 

f'7l3  Wenn  Jemand  an  den  Princeps  sich  gewendet  haben  wird,  mit  der  Angabe, 


3)  a)  P.  5,  25,  6.  Si  putator,  ex  arbore 
quum  ramum  deiceret,  non  proclamaverit,  ut 
vitaretur,  atque  ita  praeteriens  eiusdem  ictu 
homo  perierit,  etsi  in  legem  non  incurrit,  in 
metallum  damnatur. 

b)  P.  5,  25,  13.  Si  ex  eo  medicamine, 
quod  ad  salutem  hominis  vel  ad  remedium 
datum  erat,  homo  perierit,  is,  qui  dederit,  si 
honestior  fuerit,  in  insulam  relegatur;  humi- 
lior  autem  capite  punitur. 

4)  a)  F.  5,  25,  2.  Qai  hominem  occiderit, 
aliquando  absolvitur:  .  .  is,  qui  casu  iactu  teli 
hominem   imprudenter   occiderit,    absolvitur. 

N.  V.  3,  1,  1 — 3.  .  .  sancimus,  ut  homi- 
cidii,  quod  tarnen  casibus  imputaverit  con- 
fessio  supplicantis,  non  aliter  iudulgentia, 
nisi  nostri  numinis  annotatione  praestetur, 
quoniam  rariora  erunt  facinora  sub  nostrum 
Ventura  iudicium,  nee  uUa  nisi  discussis  rebus 
venia  continget.  Postquam  tamen  ad  cuius- 
cunque  cognitoris  tribunal  annotatio  nostra 
pervenerit,  examinari  fidem  precum  diligenter 
iubemus,  ut,  si  homicidium  vel  casu  vel  vitan- 
dae  mortis  necessitate  constiterit  admissum, 
venia  tribuatur  orantibus.  Deprehensos  vero 
in  mendaciis  illico  poena  percellat.  His  enim 
tantum  volumus  ignosci,  in  quorum  lapsibus 
sola  potest  fortuna  culpari.  Homicidas  autem 
in  hominum  caedem  nefaria  voluntate  gras- 
satos  aliorumve  capitalium  criminum  reos  nee 
per  annotationes  nostras  licebit  absolvi.  Vir 
spectabilis  magister  scrinii,  qui  interdicta 
supplicantibus  responsa  praebuerit,    quinque 


(Lex  ista  praecipit,)  ut,  si  quis  ad  prin- 
cipem  convolaverit,  asserens  se  casu  homi- 
cidium perpetrasse,  non  voluntarie  a  se  ho- 
micidium fuisse  commissum,  et  si  per  suppli- 
cationem  a  rerum  dominis  veniam  potuerit 
impetrare,  a  rectore  provinciae,  ubi  casus 
iste  commissus  est,  id  specialiter  debet  in- 
quiri  et  si  certa  fuerit  suggestio  supplicantis, 
veniam  mereatur  obtentam.  Ceterum  si  vo- 
luntarie habita  discussione  convictus  fuerit 
homicidium  commisisse,  eandem  poenam  ex- 
cipiat,  quae  de  homicidiis  legibus  habetur 
expressa;  impetrata  non  valeant,  et  capitali 
sententia  feriatur. 


Verbrechen  gegen  Leben  und  leibliche  Unversehrtheit  §  1. 


535 


dass  er  infolge  eines  Zufalls  einen  Totschlag  verübt  habe,  und  dass  der 
Totschlag  von  ihm  nicht  absichtlich  verübt  gewesen  sei,  muss  dieses,  ^auch 
wenn  er  mittels  Supplikation  von  den  Herren  der  Dinge  Verzeihung 
wird  haben  erzielen  können,^  von  selten  des  Rector  provinciae,  wo  jener 
Zufall  sich  zugetragen  hat,  genau  erforscht  werden.  Wird  die  Suggestio 
des  Supplikanten  richtig  gewesen  sein,  so  soll  er  sich  der  erzielten  Ver- 
zeihung erfreuen.  Wird  er  hingegen  nach  stattgehabter  Untersuchung  über- 
führt gewesen  sein,  aus  freien  Stücken  die  Tötung  verübt  zu  haben,  so  soll  er 
die  gleiche  Strafe  erleiden,  die  sich  in  den  Gesetzen  wegen  Tötungen  aus- 
gesprochen findet,  das  Erzielte  keine  Griltigkeit  haben,  und  er  von  einem 
Kapitalurteile  betroffen  werden.^  ^Der  Vir  spectabilis  Magister  scrinii,  der 
den  Supplizierenden  verbotene  Bescheide  erteilt  haben  wird,  soll  gezwungen 
werden,  eine  Strafe  von  fünf  Pfund  Gold  an  unser  Sacrum  aerarium  ab- 
zuführen. Auch  der  Memorialis  von  irgendwelchem  Scrinium,  der  gegen 
das  Verbot  ein  Reskript  vollzogen  gehabt  haben  wird,  soll  der  Militia  beraubt 
Averden  und  mit  Relegation  für  einen  Zeitraum  von  fünf  Jahren  büssen. 
Denn  wenn  es  nicht  erlaubt  ist,  sei  es  auch  mittels  unserer  Annotationes, 
die  Schuldigen  zu  belohnen,  so  verbieten  wir  umsomehr,  es  mittels  blosser 
Reskripte  zu  erzielen.^ 

aa)  Wird    ein   Sklave,    während    der  Herr  seine  Schuld   straft,    gestorben   c.  9, 9,  i 
gewesen    sein,    so   haftet   der  Herr    nicht  wegen  der  Schuld  des  Tot- 


1)  T  bemerkt,  dass  die  Indulgentia  durch  Annotatio  gewährt  werde. 

2)  T  sagt,    dass  Homicidae  und  andere  Kapitalverbrecher  auch  nicht  auf  Grund  von 
Annotationes  befreit  werden. 

3)  Mit  Bezug  auf  diesen  Text  enthält  J  den  Satz:  Reliqua  constituta  lex  ipsa  declarat. 


librarum  auri  mulctam  sacro  aerario  nostro 
cogatur  inferre.  Memorialis  quoque  cuius- 
libet  scrinii,  qui  adversus  vetita  rescriptum 
fuerit  exsecutus,  spoliatus  militia  quinquennii 
relegatione  plectatur.  Quod  enim  fas  non 
est  vel  per  annotationes  nostras  nocentes 
mereri,  multo  magis  vetamus  rescriptis  sim- 
plicibus  impetrare  .  . 

aa)  C.  9,  9,  1.  Quoties  verbera  domino- 
rum  talis  casus  servorum  comitabitur,  ut 
moriantur,  culpa  nudi  sunt,  qui,  dum  pessima 
corrigunt,  meliora  suis  acquirere  vernulis 
voluerunt.  Nee  requiri  in  huius  modi  facto 
volumus,  in  quo  interest  domini  incolume 
iuris  proprii  habere  mancipium,  utrum  volun- 
tate  occidendi  hominis  an  vero  simpliciter 
facta  castigatio  videatur.  Toties  etenim  domi- 
num non  placet  morte  servi  reum  homicidii 
pronuntiari,  quoties  simplicibus  quaestionibus 
domesticam  exerceat  quaestionem.  Si  quando 
igitur  servi  plagarum  correctione,  imminente 
fatali  necessitate,  rebus  humanis  excedunt, 
nullam  metuant  domini  quaestionem. 


Si  servus,  dum  culpam  dominus  vindicat, 
mortuus  fuerit,  dominus  culpa  homicidii  non 
tenetur,  quia  tunc  homicidii  reus  est,  si  oc- 
cidere  voluisse  convincitur.  Nam  emendatio 
non  vocatur  ad  crimen. 


536 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Schlags,  weil  er  dann  des  Totschlags  schuldig  ist,  wenn  er  überführt 
wird,  töten  gewollt  zu  haben:  die  Kasteiung  wird  nicht  als  ein  Ver- 
brechen angerechnet. 

G.  3, 1  Die  Herren  werdeii  nicht  die  Befugnis    besitzen,    ihre  Sklaven   zu 

töten.  Anders,  wenn  der  Sklave,  während  er  nach  dem  Masse  seiner 
Schuld  gezüchtigt  wird,  durch  einen  Zufall  zu  Grunde  geht. 

p.  5, 25,  3  b)  Man  war  dahin  einig,  dass  derjenige  nicht  gestraft  werden  solle,  welcher  einen 
Räuber,  der  ihm  mit  Totschlag  droht,  oder  einen  beliebigen  Andern,  der 
mit  Schändung  droht,  getötet  haben  wird:  denn  der  Eine  verteidigt  durch 

c.  9, 11,2  ein  öffentliches  Verbrechen  sein  Leben,    der  Andere  seine  Keuschheit.     So 

oft  behufs  Begehung  eines  Raubes  irgend  Jemand,  entweder  einen  Passanten 
oder  das  Haus  einer  behebigen  Person,  als  nächtlicher  Plünderer,  angreift, 
geben  wir  Personen  dieser  Art,  welche  die  Glewalt  erleiden,  das  Recht,  sogar 
mit  den  Waffen  Widerstand  zu  leisten. 

c.  9, 11,2  Wird   jener,    der    als   nächtlicher  Plünderer   gekommen  sein  wird, 

für  seine  Verwegenheit  getötet  gewesen  sein,  so  soll  der  Tod  dieses 
Räubers  von  Niemandem  geahndet  werden. 

5)  Senatusconsultum  Silanianum. 

p.  3, 7, 1       a)  Wenn  irgend  Jemand  von  seiner  Familia  getötet  gewesen  sein  wird,   kann 
seine  Erbschaft  von  dem  Erben  nicht  angetreten  werden,  es  sei  denn  dass 


b)  P.  5,  25,  3.  Qui  latronem  caedem  sibi 
inferentem  vel  alium  quemlibet  stuprum  in- 
ferentem  occiderit,  puniri  non  placuit:  alius 
enim  vitam,  alius  pudorem  publice  faciuore 
defendit. 

C.  9,  11,  2.  Liberam  resistendi  cunctis 
tribuimus  facultatem,  ut  quicunque  militum 
vel  privatorum  ad  agros  nocturnus  populator 
intraverit,  aut  itinera  frequentata  insidiis 
aggressioüis  obsederit,  permissa  cuicunque 
licentia,  dignus  illico  supplicio  subiugetur, 
ac  mortem,  quam  minabatur,  excipiat,  et  id, 
quod  intendebat,  incurrat.  Melius  est  enim 
occurrere  in  tempore,  quam  post  exitum  vin- 
dicari.  Vestram  igitur  vobis  permittimus 
ultionem,  et,  quod  serum  est  punire  iudicio, 
subiugamus  edicto.  NuUus  parcat  militi,  cui 
obviari  telo  oporteat  ut  latroni. 


G.  3,  1.  .  .  occidendi  (tamen)  servos  suos 
doraini  licentiam  non  habebunt:  nisi  forte 
servus,  dum  pro  culpae  modo  caeditur,  casu 
moriatur  .  . 


Quoties  ad  faciendam  rapinam  aliquis  aut 
iter  agentem  aut  domum  cuiuslibet  noctur- 
nus exspoliator  aggreditur,  huius  modi  per- 
sonis,  quae  vim  sustinent,  damus  etiam  cum 
armis  licentiam  resistendi  .  , 


5)  a)  P.  3,  7,  1.     Hereditas    eins,    qui    a 


C.  9,  11,  2,  .  .  nocturnus  exspoliator  .  . 
si  pro  temeritate  sua  occisus  fuerit  ille,  qui 
venerit,  mors  latronis  ipsius  a  nemine  requi- 
ratur. 

Quicunque  a  familia    sua    occisus    fuerit, 


Verbrechen  gegen  Leben  und  leibliche  Unversehrtheit  §  1. 


53' 


zuvor  an   seiner  Familia  eine  Folterung  vollzogen    und    der  Tod    des  Um- 
gebrachten  gerächt  gewesen  sein  wird.^     Als  umgebracht  gilt   nicht  ledig-   p.  3,7, 2 
lieh   derjenige,    welcher   mittels   Gewalt    oder  Totschlags    getötet,    beispiels- 
weise   erdrosselt    oder   herabgestürzt    worden    ist,    sondern    auch   derjenige, 
der,    wie    es    heisst,    durch    Gift   ums    Leben    gebracht    worden    ist:    denn 
der  Ehrbarkeit    des  Erben   steht    es   an,    einen  jeden  Mord  des  Erblassers 
nicht  ungerächt  vorübergehen  zu  lassen.     Nachdem  der  Herr  getötet  worden  P-  s,  7,  3 
ist,  ist  bezüglich  derjenigen  Familia  die  Folterung  vorzunehmen,  welche  sich 
zu  der  Zeit,  dass  der  Herr  getötet  wurde,  mit  ihm  unter  einem  Dache  oder 
mit  ihm   ausserhalb   des  Hauses  befunden    haben  wird;    doch  werden  auch   r.  3, 7, 6 
diejenigen  gefoltert,  welche  sich  mit  dem  Getöteten  auf  der  Reise  befunden 
haben.     Steht  fest,  dass  derjenige,  welcher  als  ermordet  gilt,  in  irgend  einer  v.  3, 7, 4 
Weise  Hand   an   sich   gelegt  hat,    so   ist  an  seiner  Familia  eine  Folterung 
nicht  vorzunehmen,   es  sei  denn  etwa,  dass  sie  die  That  verhindern  konnte 
und    nicht  verhindert  hat.     Durch  das  Senatusconsultum  Neronianum  wird   ?•  3, 7, 5 
vorgeschrieben,  dass  nach  dem  Tode  der  Ehefrau  auch  an  der  Famiha  des 
Mannes    eine    Folterung    veranstaltet    werde,    und    dass    dasselbe   mit   Be- 
zug  auf   die    Familia   der   Frau    gelte,    wenn    der    Mann   für   getötet  gilt. 
Sklaven ,   die  sich  unter  demselben  Dache  befunden  haben  werden,    wo   er-   p.  3, 7, 6 


1)  Weder  kann  die  Erbschaft  desjenigen,  der  von  seiner  Familie  getötet  gilt,  vor  der 
Quaestio  angetreten,  noch  Bonorum  possessio  verlangt  werden. 


familia  occisus  esse  dicitur,  ante  habitam 
quaestionem  adiri  non  potest,  neque  bonorum 
possessio  postulari. 

P.  3,  7,  2.  Occisus  videtur,  non  tantum 
qui  per  vim  aut  per  caedem  interfectus  est, 
velut  iugulatus  aut  praecipitatus :  sed  et  is, 
qui  veneno  necatus  dicitur:  honestati  enim 
heredis  convenit,  qualemcunque  mortem  tes- 
tatoris  inultam  non  praetermittere. 

P.  3,  7,  3.  Domino  occiso,  de  ea  familia 
quaestio  habenda  est,  quae  intra  tectum  fu- 
erit  vel  certe  extra  tectum  cum  domino  eo 
tempore,  quo  occidebatur. 

P.  3,  7,  6.  .  .  Sed  et  hi  torquentur,  qui 
cum  occiso  in  itinere  fuerunt. 

P.  3,  7,  4,  Qui  occisus  dicitur,  si  con- 
stet,  eum  sibi  quoqao  modo  manus  intulisse, 
de  familia  eins  quaestio  non  est  habenda: 
nisi  forte  prohibere  potuit,  nee  prohibuit. 

P.  3,  7,  5.  Neroniano  Senatusconsulto 
cavetur,  ut  occisa  uxore  etiam  de  familia 
viri  quaestio  habeatur:  idemque  ut  iuxta 
uxoris  familiam  observetur,  si  vir  dicatur  oc- 
cisus. 

P.  3,  7,  6.     Servi,    qui    sub   eodem   tecto 


hereditas  illius  ab  berede  adiri  non  potest, 
nisi  prius  de  familia  quaestio  fuerit  ventilata 
et  mors  occisi  fuerit  vindicata. 


538 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  3,  7.  7 
P.  3,  7,  8 


P.  3,  7,  9 


C.  9,4,  3 
pr.  u.  2 


weislich  der  Herr  getötet  worden  ist,  werden  sowohl  gefoltert,  als  auch  ge- 
straft, mögen  sie  auch  in  dem  Testament  des  Umgebrachten  freigelassen 
worden  sein.  Wenn  Sklaven  aus  der  Nähe  dem  Herrn,  nach  Verneh- 
mung von  Geschrei,  Hilfe  nicht  gebracht  haben,  während  sie  sie  hätten 
bringen  können,  werden  sie  gestraft.  Man  war  dahin  einig,  dass  Sklaven, 
die  den  Herrn,  welcher  auf  der  Reise  von  Räubern  umringt  worden  ist, 
durch  ihre  Flucht  im  Stiche  gelassen  haben,  nachdem  sie  ergriffen  worden 
sind,  sowohl  gefoltert,  als  auch  dem  Summum  supplicium  überliefert  werden. 
An  der  Familia  wird  eine  Folterung  vorgenommen,  auch  wenn  der  Erbe, 
wie  es  heisst,  den  Testator  getötet  hat,  wobei  es  keinen  Unterschied  macht, 
ob  er  ein  Fremder  ist  oder  zu  den  Kindern  gehört, 
b)  Wenn  der  Gatte  sich  beschwert,  dass  ihm  von  seiner  ehebrecherischen  Frau 
nach  dem  Leben  getrachtet  gewesen  sei,  ist  es  gestattet,  unter  Vor- 
nahme beider  Sklavenfamilien  die  peinliche  Frage  zu  stellen;  ingleichen 
ist  auch  durch  Bestrafung  beider  Familien  zu  inquirieren,  ob  der  Gatte 
der  Frau  in  irgendwelcher  Weise  nach  dem  Leben  getrachtet  haben  wird. 


IL  Verbrechen  gegen  die  Freiheit 

1)  Menschenraub. 


2. 


c.  9, 14, 1       a)  ^Diejenigen,    welche    fremde  Kinder    mittels   Diebstahls  weggenommen   und 


1)  T  schickt  voraus,  dass  Plagiarii  ehedem  mit  der  Bergwerkstrafe,  cum  ceteris  ante 
cognitis  suppliciis,  haften  (Plagiarii,  qui  viventium  filiorum  miserandas  infligunt  parentibus 
orbitates,  metalli  poena  cum  ceteris  ante  cognitis  suppliciis  tenebantur). 


fuerint,  ubi  dominus  perhibetur  occisus,  et 
torquentur  et  puniuntur,  etsi  testamento  oc- 
cisi  manumissi  sint  .  . 

P.  3,  7,  7.  Servi  de  proximo  si,  quum 
possent,  ferre  auditis  clamoribus  auxilium 
domino  non  tulerunt,  puniuntur. 

P.  3,  7,  8.  Servos,  qui  in  itinere  circum- 
datum  a  latronibus  dominum  per  fugam  de- 
seruerunt,  apprehensos  et  torqueri  et  summo 
supplicio  affici  placuit. 

P.  3,  7,  9.  Habetur  de  familia  quaestio, 
et  si  heres  testatorem  occidisse  dicatur:  nee 
interest,  an  extraneus,  an  ex  liberis  sit. 

b)  C.  9,  4,  3  pr.u.2.  ,  .  ab  omni  familia,  non 
solum  mariti,  sed  etiam  uxoris  .  .  quaeren- 
dum  est  .  .  Parem  etiam  conditionem  in  in- 
terrogatione  mancipiorum  servari  voluraus, 
si  forte  maritus  eo  modo  insectetur  uxorem. 


1)  a)  C.    9,    14,    1.      Plagiarii  .  .   Si    quis 


.  .  si  mortem  sibi  ab  uxore  adultera  ma- 
ritus paratam  fuisse  conqueratur,  utriusque 
familiae  discussione  quaeri  licet.  Similiter 
etiam  familiae  utriusque  poena  quaerendum 
est,  si  maritus  mortem  uxori  qualibet  ratione 
paraverit. 

Hi,   qui  filios  alienos  furto  abstulerint  et 


Verbrechen  gegen  die  Freiheit  §  2. 


539 


übemllhiii  verschleppt  haben  Averdeii,  sollen,  sei  es  dass  sie  Freie,  sei  es 
dass  sie  Sklaven  sind,   hnit  dem  Tode  bestraft  werden.^-  ^ 

b)  AVenn    irgend   Jemand    einen    freien   Menschen    gebunden,   verborgen,    ein-   ^-  ^'  '^^  i^ 
geschlossen  gehalten  oder,  damit  es  geschehe,  Beistand  verliehen  haben  wird, 

"wird  gegen  ihn  Legis  Fabiae  actio  gegeben,  nämlich,  damit  derjenige, 
welcher  unter  Verschluss  oder  in  Fesseln  gehalten  wird,  von  jenem,  der 
überführt  wird,  es  gethan  zu  haben,  vorgewiesen  werde:'"  entweder  ist  er 
nach  der  Lex  Fabia  zu  strafen  oder  gemäss  der  Schätzung  des  Judex  mit 
einer  Geldstrafe  zu  belegend 

c)  Es  giebt  gemischte   Sachen,  die  gleichzeitig  civil  und  kriminell  sind:    diese  ^^' •^^' ^ 
Sachen    können   derart   geteilt  werden,    dass   zuerst  die  civile,    hernach  die 
kriminelle  angestrengt  Avird,    felis  der  Ankläger  gewollt  haben   wird.^      Zu 
dieser  Art   wird    gerechnet   die  Furti    actio    und    die  Festsetzung    der  Lex 
Fabia.6 


1)  T  führt  näher  aus,  dass  Sklaven  und  Frei,2:elassene  Primo  quoque  munere  den 
wilden  Tieren  vorgeworfen,  Freigehorene  beim  Ludum  gladiatorium,  bevor  sie  sich  verteidigen 
können,  mit  dem  Schwerte  abgemacht  werden. 

2)  T  fügt  eine  Übergangsbestimmung  bei  (Eos  autem,  qui  pro  hoc  crimine  iam  in 
metallum  dati  sunt,  nunquam  revocari  praecipimus). 

3)  Vgh  S.  308  Anm.  9. 

4)  T  sagt,  dass  bei  der  Lex  Fabia  der  Schuldige  durch  eine  Poena  nummaria  ge- 
straft wird. 

5)  Vgl.  S.  119  Anm.  2. 

6)  Vgl.  S.  294  Anm.  3. 


tamen  eiusmodi  reus  fuerit  oblatus,  postea- 
quam  super  crimine  patuerit,  servus  quidem 
vel  libertate  donatus  bestiis  primo  quoque 
munere  obiciatur,  liber  autem  sub  hac  forma 
in  ludum  detur  gladiatorium,  ut,  antequam 
aliquid  faciat,  quo  se  defendere  possit,  gla- 
dio  consumatur  .  . 

b)  P.  5,  7,  12.  .A.dversus  cum,  qui  homi- 
nem  liberum  vinxerit,  suppresserit,  incluserit, 
operamve,  ut  id  fieret,  dederit.  tarn  inter- 
dictum,  quam  legis  Fabiae  super  ea  re  actio 
redditur.  Et  interdicto  quidem  id  agitur, 
ut  exhibeatur  is,  qui  detinetur,  lege  autem 
Fabia,  ut  etiam  poena  nummaria  coerceatur. 

c)  C.  9,  16,  1.  A  plerisque  prudentium 
generaliter  definitum  est,  quoties  de  re  fa- 
miliari  et  civilis  et  criminalis  competit  actio, 
utraque  Heere  experiri,  nee  si  civiliter  fuerit 
actum,  criminalem  posse  consumi  .  .  Quo 
in  genere  habetur  furti  actio  et  legis  Fabiae 
constitutum  .  . 


ubicunque    transduxerint,    sive   ingenui  sive 
servi  sint,  morte  puniantur. 


Si  cjuicunque  hominem  liberum  ligaverit, 
absconderit,  incluserit  aut,  ut  id  fieret,  sola- 
tium  praebuerit,  adversus  eum  legis  Fabi.ie 
actio  datur,  id  est,  ut  exhibeatur  is,  qui  in 
clusura  aut  in  vinculis  detinetur  ab  eo,  qui 
fecisse  convincitur:  aut  secundum  legem  Fa- 
biara  puniendus  est  aut  secundum  aestimati- 
onem  iudicis  poena  nummaria  feriendus  est. 

Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter  et 

criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi, 

ut   prius  civilis,   deinde  criminalis  agatur,  si 
voluerit  accusator  ,  . 


540 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  5,  6,  1 


C.  5,  5,2, 
1—3 


2)  Freiheitsberaubung  (vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch,  §  17,  2  a). 

a)  ^Freie.  die  zu  den  Zeiten  des  Tyrannen  der  Sklaverei  zugesprochen  worden 
sind,  sollen  der  Ingenuität  wiedergegeben  werden.  AVird  Jemand  wissent- 
lich einen  in  dieser  Art  zugesprochenen  Freien  in  der  Sklaverei  gehalten 
haben,  so  möge  er  wissen,  dass  gegen  ihn  nach  den  Gesetzen  einzu- 
schreiten ist.^ 

b)  2  Wird  der  Beutemaclier  für  seinen  Gefangenen  einen  Preis  empfangen  haben, 
so  soll  der  Loskäufer  ohne  Zweifel  zurückempfangen,  was  er  gegeben  zu 
haben  erwiesen  haben  wird.  Wird  der  Gefangene  den  Preis  nicht  gehabt 
haben,  so  soll  er  während  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  dem  Loskäufer 
dienen  und  nach  einem  Zeitraum  von  fünf  Jahren  ohne  Preis  der  Ingenui- 
tät  wiedergegeben  werden.  AVird  dann  Jemand  dieser  so  gerechten  A^or- 
schrift  sich  zu  widersetzen  versucht  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  dem 
Exil  zu  überliefern,  wird  er  jedoch  Besitzer  gewesen  sein,  sein  Vermögen 
zu  konfiszieren  ist."^ 


1)  Vgl.  S.  45  Anm.  1. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  5,  1  d. 


2)  a)  C.  5,  6,  1.  Universi  clevotionis  studio 
contendant,  si  quos  ingenuis  natalibus  pro- 
creatos  sub  tyranno  ingenuitatem  amisisse 
aut  propria  contenti  conscientia  aut  aliorum 
iudiciis  recognoscunt,  natalibus  suis  resti- 
tuere,  nee  exspectata  iudicis  interpellatione. 
Nam  si  quis  contra  conscientiam  suam  vel 
certissima  testimoiiia  pluriraorum  in  eadem 
avaritiae  tenacitate  permanserit,  severissima 
poena  mulctabitur.  Placet  autem,  etiam  eos 
periculo  subiugari.  qui  scientes  ingenuos  ser- 
vitutis  necessitatem  per  iniuriam  sustinere 
dissimulant. 

b)  C.  5,  5,  2, 1 — 3.  . .  iis,  quos  barbaris  ven- 
dentibus  emtos  esse  docebitur,  a  quibus  Sta- 
tus sui  pretiuin  propter  utilitatem  publicam 
emtoribus  aequum  est  redhiberi.  Ne  quando 
enim  damni  consideratio  in  tali  necessitate 
positis  negari  faciat  emtionem,  decet  redem- 
tos  aut  datum  pro  se  pretium  emtoribus 
restituere  aut  labore,  obsequio  vel  opere 
quinquennii  vicem  referre  beneficii,  habi- 
turos  incolumem,  si  in  ea  nati  sunt,  liber- 
talem.  Reddantur  igitur  sedibus  propriis 
sub  moderatione,  qua  iussimus,  quibus  iure 
postliininii  etiam  veterum  responsis  incolumia 
cuncta  servata  sunt.  Si  quis  itaque  huic 
praecepto  fuerit  conatus  obsistere  actor,  con- 
ductor  procuratorque,  dari  se  metallis  cum 
poena  deportationis  non  ambigat;  si  vero 
possessionis  dominus,  rem  suam  fisco  noverit 
vindicaudam  seque  deportandum. 


Ingenui,  qui  tyranni  temporibus  addicti 
sunt  servituti,  ingenuitati  reddantur.  Quod 
si  quis  sciens  hoc  ordine  addictum  ingenuum 
in  Servitute  tenuerit,  noverit  in  se  legibus 
vindicandum. 


.  .  si  pretium  pro  captivo  suo  praedator 
acceperit,  quod  dedisse  emtor  probaverit, 
sine  dubitatione  recipiat.  Quod  si  pretium 
non  habuerit,  quinquennio  serviat  captivus 
emtori  et  post  quinquennium  sine  pretio  in- 
genuitati reddatur  .  .  Si  quis  itaque  huic 
tarn  iustae  praeceptioni  resistere  tentaverit, 
noverit  se  in  exilio  deportandum :  si  vero 
possessor  fuerit,  facultatem  suam  fisci  viribus 
addicendam  .  . 


Verbrechen  gegen  die  Freiheit  §  2. 


541 


Gewalttliätigkeit  (A^is  privata). 

a)  Mit  der  Lex  Iiilia  de  vi  privata  haftet  derjenige,  welcher  Jemanden  mit  p.  5, 28, 3 
bewaffneten  Haufen  mit  Bezug  auf  Besitz,  Haus,  Landgut  oder  Acker  ver- 
trieben, entsetzt,  l)elagert,  eingeschlossen,  und  zu  diesem  Zwecke  Menseben 
gelieben,  vermietet,  gemietet  haben  wird,  oder  welcher  eine  Ansammlung, 
eine  Aufbäufung,  einen  Auflauf,  Aufstand,  Brand  verursacht,  die  Bestattung 
oder  Beerdigung  von  irgend  Jemandem  gebindert  oder  das  Funus  heraus- 
gerissen, gestört,  und  wer  eine  Person,  die  Aqua  et  igni  interdiciert  worden 
ist,  aufgenommen,  verheimlicht,  festgehalten  haben  wird,  oder  der  sich  mit 
einer  Waffe  in  der  Öffentlichkeit  bewegt,  Tempel,  Thore  oder  sonst  irgend 
einen  öffentlichen  Ort  mit  Bewaffneten  belagert,  umzingelt,  eingeschlossen,  in 
Besitz  genommen  haben  wird.  Alle  diese  werden,  nacb  ihrer  Überführung,  wenn 
sie  Personen  besseren  Standes  sind,  mit  Entziehung  des  dritten  Teils  des  Ver- 
mögens gestraft  und  auf  eine  Insel  relegiert,  während  Personen  niederen  Standes 
zur  Berg  Werksstrafe  verurteilt  werden.  Wer  bei  Gericht  des  offenbaren  Yer-  c.  9,  7, 1 
brechens  der  Gewalttliätigkeit  überführt  worden  ist,  soll  kapital  gestraft  werden.^ 
Werden  etwa  Morde  von  beiden  Parteien  verübt  gewesen  sein,  so  soll 
gegen  denjenigen  eingeschritten  werden,  welcher,  um  den  Andern  durch  ein 
Gemetzel  zu  vertreiben,  mit  der  Gewaltthat  begonnen  hat. 


1)  Wer  bei  Gericht  der  manifesta  violentia  überführt  wird,  soll  nicht  mehr  mit  Rele- 
gation oder  Deportation  büssen,  sondern  Kapitalstrafe  erfahren. 


3)  a)  P.  5,  28,  3.  Lege  lulia  de  vi  privata 
tenetur,  qui  quem  armatis  hominibus  posses- 
sione,  domo,  villa  agrove  deiecerit,  expugna- 
verit,  obsederit,  cluserit,  idve  ut  fieret,  ho- 
mines  commodaverit,  locaverit,  conduxerit: 
quive  coetum,  concursum,  turbam,  seditionem, 
incendium  fecerit:  funerari  sepelirive  ali- 
quem  prohibuerit,  funusve  eripuerit,  turba- 
verit,  et  qui  eum,  cui  aqua  et  igni  interdic- 
tum  est,  receperit,  celaverit,  tenuerit:  quive 
cum  t^lo  in  publico  fuerit:  templa,  portas 
ahudve  quid  pubhcum  armatis  obsederit, 
cinxerit,  clauserit,  occupaverit.  Quibus  Om- 
nibus convictis,  si  honestiores  sint,  tertia 
pars  bonorum  eripitur,  et  in  insulam  relegan- 
tur;  humihores  in  metallum  damnantur. 

C.  9,  7,  1.  Qui  in  iudicio  manifestam 
detegitur  commisisse  violentiam,  non  iam  re- 
legatione  aut  deportatione  insulae  plectatur, 
sed  suppUcium  capitale  excipiat,  . .  quoniam 
raulta  facinora  sub  uno  violentiae  nomine 
eontinentur,  quum  ahis  vim  inferre  tentan- 
tibus,  aliis  cum  indignatione  repugnantibus 
verbera  caedesque  crebro  deteguntur  admis- 
sae.  Unde  placuit,  si  forte  quis  vel  ex  possi- 
dentis  parte  vel  ex  cius,  qui  possessionem  te- 


Convictus  in  iudicio  de  evidenti  violen- 
tiae crimine  capite  puniatur  .  . :  et  si  fortasse 
homicidia  ab  utraque  parte  commissa  fuerint, 
in  illum  vindicetur,  qui  ut  ahuni  per  caedem 
expelleret,  violenter  ingressus  est. 


542 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  33,  2 
P.  5,  28,  4 

P.  2,  14,  5 


C.  2,  29,  2 
pr.  2  U.  3 


C.  9,  7,  3 


b)  Diejenigen,  welche  dem  begleitenden  Soldaten  mittels  eines  grossen  Haufens 
den  Arrestanten  entrissen  haben  werden,  werden  kapital  gestraft. 

c)  Wird  ein  chirographarischer  Gläubiger,  ohne  Weisung  des  Praeses,  mittels  Ge- 
walt Pfänder  seines  Schuldners,  die  er  nicht  auf  Grund  von  Verpfändung  ge- 
habt haben  wird,  genommen  haben,  so  verfällt  er  der  Lex  lulia  De  vi  privata. 

aa)  Wenn    Jemand    Pfänder    des    Schuldners    ohne    die    Autorität    des 
Richters  weggeführt  haben  wird,  begeht  er  das  Crimen  violentiae. 

d)  Wenn,  während  Jemand  seine  Geschicke  zu  fördern  den  Wunsch  hat,  es 
gefallen  haben  wird,  städtische  oder  ländliche  Plätze  zu  geben,  soll  eine 
Urkunde  folgen;  wenn  Jemand  ohne  eine  solche  Urkunde  den  Besitz  eines 
Andern  okkupieren  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  soll  er  als  einer  Gewalt- 
thätigkeit  schuldig  haften.^ 

e)  Wenn  Sklaven  ein  Geständnis  abgelegt  gehabt  haben  oder  überführt  gewesen 
sein    werden,    ohne  Wissen    des   Herrn   Gewaltthätigkeit    verübt   zu  haben. 


1)  Vgl.  S.  14  Anm.  2. 


merare  tentaverit  interemtus  sit,  in  eum 
supplicium  exseri,  qui  vim  f'acere  tentavit 
et  alterutri  parti  causam  malorum  praebuit. 

b)  P.  5,  33,  2.  Qui  custodiam  militi  pro- 
sequenti  magna  manu  excusserint,  capite  pu- 
niuntur. 

c)  P.  5,  28,  4.  Creditor  chirographarius, 
si  sine  iussu  praesidis  per  vim  debitoris  sui 
pignora,  quum  non  habuerit  obligata,  ceperit, 
in  legem  luliam   de   vi  privata  committit  .  . 

aa)  P.  2,  14,  5.  Si  quis  pignora  debitoris 
citra  auctoritatem  iudicantis  abduxerit,  vio- 
lentiae crimen  admittit. 

d)  C.  2,  29,  2  pr.  2  u.  3.  Si  qui  desi- 
deria  sua  explicare  cupientes  ferri  sibi  a 
quoquam  suiFragium  postularint,  .  .  si  prae- 
dia  rustica  vel  urbana  placitum  continebit, 
scriptura  .  .  emittatur,  .  .  Quod  si  quis,  dum 
solo  commonitorio  de  sufFragio  nititur,  bona 
duxerit  occupanda,  reus  temeritatis  ac  vio- 
lentiae retinebitur  .   . 

e)  C.  9,  7,  3.  Servos,  qui  fecisse  violen- 
tiam  confessionibus  testium  aut  propriis  doce- 
buntur,  si  id  inscio  domino  commiserint, 
postremo  supplicio  deditos  luere  perpetrata 
censemus.  Quod  si  illi  metu  atque  exhorta- 
tione  dominorum  violentiam  admiserint,  pa- 
lam  est,  secundum  legem  luliam  dominum 
infamem  pronuntiandum  loci  aut  originis 
propriae  dignitate  non  uti,  servos  vero,  quos 
furoribus  talium  paruisse  constiterit  metallis 
per  sententiam  dedi.  Viles  autem  infames- 
que  personae  et  hi,  qui  bis  aut  saepius  vio- 


Si  quis,  dum  necessitates  suas  expedire 
desiderat,  .  .  si  loca  urbana  vel  rustica  dare 
placuerit,  scriptura  sequatur .  .  (Sane)  si  quis 
sine  tali  scriptura  possessionem  alterius 
crediderit  occupandam,  reus  violentiae  tenea- 
tur  .  . 


Si  servi  inscio  domino  confessi  vel  con- 
victi  fuerint  violentiam  commisisse,  addicti 
tormentis  gravibus  puniuntur.  Si  vero  iu- 
bentibus  dominis  violentiae  crimen  admise- 
rint, domini,  qui  illicita  praeceperunt,  no- 
tantur  infamia  et  nobilitatis  vel  honoris  sui 
dignitatem  tenere  non  possunt.  Servi  autem, 
qui  talibus  dominorum  furoribus  paruerunt, 
in  metallum  detruduntur.  Ceterum  non  li- 
ceat  iudicibus  discussionem  violentiae  differre 
vel  dimittere  vel  donare:  qui  si  probaverint 
violentiam  et  non  statim   vindicaverint,    no- 


Verbrechen  gegen  die  Freiheit  §  2. 


543 


werden  sie,  nachdem  sie  verurteilt  worden  sind,  durch  schwere  Peinigungen  ^ 
gestraft.  '-^Wenn  sie  jedoch  auf  Befehl  der  Herren  das  Verbrechen  der  Ge- 
waltthätigkeit  verübt  haben  werden,  werden  die  Herren,  die  das  Unerlaubte 
vorgeschrieben  haben,  dem  Schimpfe  der  Infamie  verfallen  und  können  die 
Dignität  der  Xobilität,  bez.  ihres  Honor,  nicht  behalten:  dagegen  werden 
die  Sklaven,  welche  derartigen  Wutanfallen  der  Herren  Gehorsam  geleistet 
haben,  in  das  Bergwerk  gesteckt.  Im  übrigen  soll  den  ludices  nicht 
erlaubt  sein,  die  Verhandlung  über  die  Gewaltthiltigkeit  zu  verschieben  oder 
zu  unterlassen  oder  zu  schenken:  werden  sie  sich  von  der  Gewaltthätigkeit 
überzeugt  und  diese  nicht  unverzüglich  geahndet  haben,  so  mögen  sift  wissen, 
dass  sie  der  Bestrafung  unterliegen  werden.^  Personen  niederen  Standes'' 
jedoch,  die  nachweislich  zweimal  oder  wiederholt  Gewaltthätigkeit  begangen 
haben,  sollen  ^von  der  in  den  Gesetzen  vorgeschriebenen  obigen  Strafe* 
unter  allen  Umständen  betroffen  werden, 
f)  Wenn  Jemand,  der  besitzt,  innerhalb  Jahresfrist  dasjenige,  was  er  verloren  p.  5,  6,  i 
zu  haben  erachtet  wird,  in  Gegenwart  der  Parteien  auf  Verfügung  des 
Judex  zuriickempfängt,  möge  er  auch  hernach,  falls  er  gewollt  haben  wird, 
wegen  Vis  klagen. 

aa)  Wenn    Jemand    mit    Gewalt    aus   seiner    Sache    vertrieben    gewesen    c.  o,  le,  i 
sein  und  vorgezogen  haben  wird,  die  weggenommene  Sache  zuerst  mit 
einer  Civilklage    zurückzufordern,    soll    er   verlangen,    dass   der  Besitz 
ihm    restituiert    werde:    wenn    auch    der    Vertriebene    mit    Bezug    auf 
das  Eigentum    an   der  Sache,    während   die  Kriminalklage  für   später 


1)  Postremo  supplicio.  2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  21,  2  b. 

3)  Niedrige  und  infame  Personen. 

4)  Von  der  Strafe  der  Divales  constitutiones. 


lentiam  perpetrasse  convincentur,  constitu- 
tionum  divalium  poena  teneantur.  ludicem 
vero  nosse  oportet,  quod  gravi  infamia  sit 
notandus,  si  violentiae  crimen  apud  se  pro- 
batum  distulerit,  omiserit  vel  impunitata  do- 
naverit  aut  moUiore,  quam  praestituimus, 
poena  pereulerit. 

f) 


aa)  C.  9,  16,  1.  .  .  (Sic  denique  et)  per  vim 
possessione  deiectus,  si  de  ea  recuperanda 
interdicto  Unde  vi  erit  usus,  non  prohibetur 
tarnen  etiam  lege  lulia  de  vi  publico  iudicio 
instituere  accusationem  .  . 


verint  se  periculum  subituros.  Viles  autem 
personae,  quae  bis  aut  frequenter  admisisse 
violentiam  comprobantur,  constituta  legibus 
poena  supra  scripta  omnimodis  feriantur. 


P.  5,  6,  1.  .  ,  ut  si  quis  possidens  intra 
anni  spatium,  quod  amisisse  videtur,  prae- 
sentibus  litigatoribus,  iudice  ordinante  reci- 
piat  et  postmodum,  si  voluerit,  (tam)  de  vi 
.  .  confligat  .  . 

.  .  si  quis  de  re  sua  fuerit  violenter  ex- 
pulsus,  et  rem  ablatam  civili  primitus  malue- 
rit  actione  repetere,  momentum  sibi  restitui 
petat,  et  si  de  eius  proprietate  is,  qui  ex- 
pulsus  est,  civihter  fuerit  superatus,  crimi- 
nali  postmodum  actione  servata,  recepto  pri- 
mitus momento,  potest  postmodum  impetere 
violentum  .  . 


544 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


vorbehalten  worden  ist,  im  Civilwege  besiegt  gewesen  sein  wird,  kann 
er,  nachdem  zuvor  der  Besitz  wiedererhalten  ist,  hernach  den  Gewalt- 
thäter  angreifen.^ 

c.  9, 7, 1  g)  Wer  bei  Gericht  des  offenbaren  Verbrechens  der  Gewaltthätigkeit  überführt 
worden  ist,  soll  nicht  das  Urteil  des  Judex,  welcher  verurteilt  worden  ist, 
mittels  beliebiger  Appellation  aufschieben. - 

4)  Entführung, 
c.  9, 19, 1  a)  Bestimmt  Jemand  mit  den  Eltern  des  Mädchens  Nichts  im  voraus,  dass 
er  es  sich  zur  Ehe  verbinden  darf^  und  wird  er  sie,  sei  es  wider  ihren 
Willen,  sei  es  mit  ihrer  Zustimmung,  entführt  haben,  so  sollen  sie,  Avenn 
das  Mädchen  dem  Entführer  zustinmit,  in  gleicher  Weise  gestraft  werden. 
Wird  indessen  Jemand  aus  der  Zahl  der  Freunde  oder  aus  der  Famihe, 
oder  werden  etwa  die  Ammen  des  Mädchens  ihren  Rat  zu  der  Entführung 
erteilt  oder  eine  günstige  Gelegenheit  zur  Entführung  gewährt  haben,^  so 
sollen  sie^  flüssiges  Blei  in  Mund  und  Gaumen  eingeträufelt  bekommen, 
damit  mit  Grund  jener  Teil  des  Körpers  verschlossen  werde,  aus  w^elchem 
ersichthch  Anreizungen  zu  dem  Verbrechen  gewährt  worden  sind.  Denjenigen 
aber,  welche,  während  sie  wider  ihren  Willen  entführt  w^erden,  nicht  mit 
ihren  Stimmen  wegen  des  Entführers  ein  Geschrei  erhoben  haben  werden,  so 


1)  Vgl.  S.  220  Anm.  1.  2)  Vgl.  S.  541  Anm.  1. 

3)  Da    die  Bewachunf^    der  Eltern   häufig   durch   die  Schwätzereien   der  Ammen   und 
durch  böse  Ratschläge  illusorisch  wird. 

4)  Diejenigen,    quorum   detestabile   niinisterium   fuisse  arguitur  redemtique  discursus. 


g)  C.  9,  7,  1.  Qui  in  iudicio  manifestam 
detegitur  commisisse  violentiam,  .  .  nee  inter- 
posita  provocatione  sententiam,  quae  in  eum 
fuerit  dicta,  suspendat  .  . 

4)  a)  C.  9,  19,  1.  Si  quis  nihil  cum  pa- 
rentibus  puellae  ante  depectus  invitam  eam 
rapuerit  vel  volentem  abduxerit,  patrocinium 
ex  eins  responsione  sperans,  quam  propter 
Vitium  levitatis  et  sexus  mobilitatem  atque 
consilii  a  postulationibus  et  testimoniis  om- 
nibusque  rebus  iudiciariis  antiqui  penitus 
arcuerunt,  nihil  ei  secundum  ins  vetus  pro- 
sit puellae  responsio,  sed  ipsa  puella  potius 
societate  criminis  obligetur.  Et  quoniam 
parentum  saepe  custodiae  nutricum  fabulis 
et  pravis  suasionibus  deluduntur,  his  primum, 
quarum  detestabile  ministerium  fuisse  argui- 
tur redemtique  discursus,  poena  immineat, 
ut  eis  meatus  oris  et  faucium,  qui  nefaria 
hortamenta  protulerit,  liquentis  plumbi  in- 
gestione  claudatur.  Et  si  voluntatis  assensio 
detegitur  in  virgine,  eadem,  qua  raptor, 
severitate  plectatur,  quum  neque  his  impu- 
nitas  praestanda  sit,  quae  rapiuntur  invitae, 


Convictus  in  iudicio  de  evidenti  violentiae 
crimine  .  .  nee  sententiam  iudicis  qui  dam- 
natus  est  qualibet  appellatione  suspendat  .  . 

Si  cum  parentibus  puellae  nihil  quisquam 
ante  definiat,  ut  eam  suo  debeat  coniugio 
sociare,  et  eam  vel  invitam  rapuerit  vel  vo- 
lentem, si  raptori  puella  consentiat,  pariter 
puniantur.  Si  quis  vero  ex  amicis  aut  fami- 
lia  aut  fortasse  nutrices  puellae  consilium 
raptus  dederint  aut  opportunitatem  prae- 
buerint  rapiendi,  liquefactum  plumbum  in 
ore  et  in  faucibus  suscipiant,  ut  merito  illa 
pars  corporis  concludatur,  de  qua  hortamenta 
sceleris  ministrata  noscuntur.  111  ae  vero, 
quae  rapiuntur  invitae,  quae  non  vocibus 
suis  de  raptore  claraaverint,  ut  vicinorum  vel 
parentum  solatio  adiutae  liberari  possent, 
parentum  suorum  eis  successio  denegetur. 
Raptori  convicto  appellare  non  liceat,  sed 
statim  inter  ipsa  discussionis  initia  a  iudice 
puniatur.  Quod  si  fortasse  raptor  cum  pa- 
rentibus puellae  paciscatur,  et  raptus  ultio 
parentum  silentio  fuerit  praetermissa,  si  ser- 


Verbrechen  gegen  die  Freiheit  §  2. 


545 


dass  sie,  durcli  den  Beistand  der  Nachbarn  oder  Eltern  gestützt,  hätten 
befreit  werden  können,  soll  hinter  ihren  Eltern  die  Nachfolge  verweigert 
werden.  Dem  überführten  Räuber  soll  zu  appellieren  nicht  gestattet 
sein:  ^er  soll  vielmehr  unverzüglich  schon  bei  den  Anfängen  der  Verhandlung 
von  dem  Richter  gestraft  werden.^  Wenn  ein  Entführer  mit  den  Eltern 
des  Mädchens  sich  vergleicht  und  die  Ahndung  des  Raubes  infolge  des 
Stillschweigens  der  Eltern  unterlassen  gewesen  sein  wird,  soll  ein  Sklave,  der 
es  angebracht  haben  wird,  die  Latinische  Freiheit  erzielen,  der  Anbringer,  der 
Latine  gewesen  sein  wird.  Römischer  Bürger  werden.  Hingegen  sollen  die 
Eltern,  die  dem  Entführer  in  diesem  Punkte  zugestimmt  haben  werden,  dem 
Exil  überwiesen  werden.^  Diejenigen  aber,  welche  dem  Entführer  Unter- 
stützung geliehen  haben  werden,  sollen,  mögen  es  Männer,  mögen  es  Frauen 
sein,  dem  Feuertode  überliefert  werden.^ 
b)  Wer  auch  immer,  entweder  eine  gottgeweihte  Jungfrau  oder  Witwe,  entführt  c.  9, 20, 1 
haben  wird,  sie  sollen  in  gleicher  Weise  gestraft  werden,  falls  sich  nachträg- 
lich mit  Bezug  auf  die  Verbindung  Übereinstimmung  ergeben  haben  wird:  wird   c.  9, 20,  2 


1)  Minime  audiantur. 

2)  Die  Eltern,    die  Geduld    bewiesen   und   ihren  Schmerz  unterdrückt  haben  werden, 
werden  mit  Deportation  bestraft. 

3)  Die  gleiche  Strafe  trifft,  ohne  Unterschied  des  Geschlechts,  Participes  und  Ministri 
des  Entführers,  Sklaven  aber,  ohne  Unterschied  des  Geschlechts,  der  Feuertod. 


quum  et  domi  se  usque  ad  coniunctionis 
diem  servare  potuerint  et,  si  fores  raptoris 
frangerentur  audacia,  vicinorum  opem  clamo- 
ribus  quaerere  seque  omnibus  tueri  conati- 
bus.  Sed  his  poenam  leviorem  imponimus 
solamque  eis  parentum  negari  successionem 
praecipimus.  Raptor  autem  indubitate  convic- 
tus  si  appellare  voiuerit,  minime  audiatur.  Si 
quis  vero  servus  raptus  facinus  dissimulatione 
praeteritum  aut  pactione  transmissum  detu- 
lerit  in  publicum,  Latinitate  donetur,  aut,  si 
Latinus  sit,  civis  fiat  Romanus:  parentibus, 
quorum  maxime  vindicta  intererat,  si  pa- 
tientiam  praebuerint  ac  dolorem  compres- 
serint,  deportatione  plectendis.  Participes 
etiam  et  ministros  raptoris  citra  discretionem 
sexus  eadem  poena  praecipimus  subiugari, 
et  si  quis  inter  haec  ministeria  servilis  con- 
ditionis  fuerit  deprehensus,  citra  sexus  dis- 
cretionem eum  concremari  iubemus. 

b)  C.  9,20, 1.  Eadem  utrumque  raptorem  se- 
veritas  feriat,  nee  sit  ulla  discretio  inter  eum, 
qui  pudorem  virginum  sacrosanctarura  et 
castimoniam  viduae  labefactare  scelerosa 
raptus  acerbitate  detegitur.  Nee  uUus  sibi 
ex  posteriore  consensu  valeat  raptae  blandiri. 

C.  9,  20,  2.  Si  quis  non  dicam  rapere, 
sed  vel  attentare  matrimonii  iungendi  causa 

Conrat,  Breviarium. 


vus  ista  detulerit,  Latinam  percipiat  liber- 
tatem,  si  Latinus  fuerit,  civis  fiat  Romanus. 
Parentes  vero,  qui  raptori  in  ea  parte  con- 
senserint,  exilio  deputentur.  Qui  vero  raptori 
solatia  praebuerint,  sive  viri  sive  feminae 
sint,  ignibus  concremsntur. 


Quicunque  vel  sacratam  Deo  virginem  vel 
viduam  fortasse  rapuerit,  si  postea  eis  de 
coniunctione  convenerit,   pariter  puniantur. 


35 


546 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch, 


Jemand  gottgeweihte  Jungfrauen  oder  Witwen,  mit  ihrer  Zustimmung  oder 
wider  ihren  Willen,  —  nicht  zu  sagen,  —  zu  entführen,  sondern  sogar 
behufs  eheKcher  Verbindung  anzufechten  gewagt  haben,  so  wird  er  von 
einem  Kapitalurteil  betroffen, 
c.  9, 19, 2  c)  Wenn  Jemand  die  Anklage  wegen  Entführung,  ^sei  es  aus  Furcht,  sei  es 
aus  freien  Stücken, i  während  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  verschoben 
haben  wird,  soll  er  von  dem  Tage  der  Entführung  an,  nach  Ablauf  des 
Zeitraums  von  fünf  Jahren,  zur  Anklage  weiter  keine  Befugnis  haben:  viel- 
mehr soll  nach  Ablauf  von  fünf  Jahren ^  wegen  einer  solchen  Verbindung 
den  Entführern  nicht  irgend  etwas  entgegengehalten  werden,  und  sollen  die 
Kinder  sämtlich  als  legitim  gelten. 


III.   Verbrechen  gegen   die  gesellschaftliche  Sittlichkeit 

1)  Verbotene  Ehen  (vgl.  S.   103  Anm.  1). 


3. 


C.  3,  14,  1 


•"^Keiner  aus  der  Zahl  der  Römer  soll  eine  Barbarin  irgend  welchen  Stammes 
zur  Frau  zu  haben  sich  anmassen,  noch  sollen  Römische  Frauen  durch 
Verbindungen  mit  Barbaren  in  der  Ehe  verbunden  werden.  Werden  sie 
es  gethan  haben,  so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  kapitaler  Verurteilung 
unterliegen.^ 


1)  Quo  casu. 

2)  T  fügt  hinzu:  sine  metu  interpellationis  et  complemento  accusationis. 

3)  Vgl.  S.  88  Anm.  1. 


sacratas  virgines  vel  viduas,  volentes  vel 
invitas,  ausus  fuerit,  capitali  sententia  fe- 
rietur. 

c)  C.  9,  19,  2.  Qui  coniugium  raptus  sce- 
lere  contractum  voluerit  accusare,  sive  pro- 
priae  familiae  dedecus  eum  moverit  seu  com- 
mune odium  delictorum,  inter  ipsa  statim 
exordia  insignem  recenti  flagitio  vexet  auda- 
ciam.  Sed  si  quo  casu  quis  vel  accusationem 
differat  vel  reatum,  et  opprimi  e  vestigio 
atrociter  commissa  nequiverint,  ad  persecu- 
tionem  criminis  ex  die  sceleris  admissi  quin- 
quennii  tribuimus  facultatem.  Quo  sine 
metu  interpellationis  et  complemento  accu- 
sationis exacto,  nulli  deinceps  copia  patebit 
arguendi,  nee  de  coniugio  aut  sobole  dispu- 
tandi. 

1)  a)  C.  3,  14,  1.  Nulli  provincialium,  cu- 
iuscunque  ordinis  aut  loci  fuerit,  cum  bar- 
bara  sit  uxore  coniugium,  nee  ulli  gentilium 
provincialis  femina  copuletur.  Quod  si  quae 
inter  provinciales  atque  gentiles  affinitates 
ex  huiusmodi  nuptiis  exstiterint,  quod  in  iis 


Si  accusationem  raptus  vel  per  metum 
vel  per  voluntatem  per  quinquennium  quis- 
quam  distulerit,  a  die  raptus  expleto  quin- 
quennio,  accusandi  ultra  non  habeat  pote- 
statem,  sed  post  quinquennium  nee  de  tali 
coniunctione  raptoribus  aliquid  opponatur, 
et  filii  omnes  legitimi  habeantur. 


NuUus  Romanorum  barbaram  cuiuslibet 
gentis  uxorem  habere  praesumat,  neque 
barbarorum  coniugiis  mulieres  Romanae  in 
matrimonio  coniungantur,  Quod  si  fecerint, 
noverint  se  capitali  sententiae  subiacere. 


Verbrechen  gegen  die  gesellschaftliche  Sittlichkeit  §  3. 


547 


b)   Wenn   ein  Freigelassener  nach  der  Verbindung  mit  der  Patronin  oder  der  p.  2, 20, 6 
Tochter  des  Patrons  zu  streben  versucht  haben  wird^    soll  er  in  ein  Berg- 
werk gesteckt  werden. ^ 

2)  Eheerschleichung. 

a)  ^Es  geschieht  von  seiten  von  Personen  zuweilen,  dass  sie,  der  Strenge  der  c.  3, 10, 1 
Gesetze  uneingedenk.  bei  der  Majestät  des  Princeps  eine  Erschleichung 
versuchen  und  für  sich  aus  einer  Verfügung  Ehen  erstreben,  die  sie  zu  er- 
zielen nicht  verdienen,  indem  sie  wegen  der  Zustimmung  der  Eltern,  bez. 
des  Mädchens,  unwahre  Angaben  machen.  Eine  derartige  Anmassung  ist 
darum  untersagt.  Jeder,  der  somit  unter  solcher  Erschleichung  eine  Ehe 
durchzusetzen  geglaubt  haben  wird,  möge  wissen,  dass  er  sowohl  zum 
Verlust  des  Vermögens  als  auch  zur  Relegation  ins  Exil  zu  verurteilen  ist.^ 

3)  Ehebruch. 

a)  Wird   die  Eigentümerin    einer  Wirtschaft,    das   will   sagen,    die  Frau   eines   c.  9, 4, 1 
Wirtes  im  Ehebruch  betroffen  gewesen  sein,  so  kann  sie  angeklagt  werden. 


1)  Vgl.  S.  106  Anm.  4. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  14,  2  d. 


suspectum  vel   noxium   detegitur,  capitaliter 
expietur. 

b)  P.  2,  20,  6.  Libertum,  qui  ad  nuptias 
patronae  vel  uxoris  filiaeque  patroni  affecta- 
verit,  pro  dignitate  personae,  metalli  poena 
vel  operis  publici  coerceri  placuit. 

2)  a)  C.  3,  10,  1.  Quidam ,  vetusti  iuris 
■ordine  praetermisso,  obreptione  precum  nu- 
ptias, quas  se  intelligunt  non  mereri,  de  no- 
bis  aestimant  postulandas,  se  habere  puellae 
consensum  confingentes.  Quapropter  tale 
sponsalium  genus  praesentis  legis  definitione 
prohibemus.  Si  quis  igitur  contra  hanc  de- 
finitionem  nuptias  precum  surreptione  meru- 
erit,  amissionem  bonorum  et  poenam  depor- 
tationis   subiturum   se   esse   non    ambigat  .  . 

3)  a)  C.  9,  4,  1.  Quae  adulterium  commi- 
sit,  utrum  domina  cauponae  an  ministra  fu- 
erit,  requiri  debebit,  et  ita  obsequio  famu- 
lata  servili,  ut  plerumque  ipsa  intemperantiae 
vina  praebuerit;  ut,  si  domina  tabernae  fu- 
erit,  non  sit  a  vinculis  iuris  excepta,  si  vero 
potantibus  ministerium  praebuit,  pro  vilitate 
eius,  quae  in  reatum  deducitur,  accusatione 
exclu8a,liberi,  qui  accusantur,abscedant,quum 
ab  bis  feminis  pudicitiae  ratio  requiratur, 
quae  iuris  nexibus  detinentur,  hae  autem 
immunes  a  iudiciaria  severitate  praestentur, 
quas  vi.'itas  vitae  dignas  legura  observatione 
non  credidit. 


Libertus,  si  ad  coniunctionem  patronae  vel 
patroni  filiae  adspirare  tentaverit,  in  metal- 
lum  detrudatur. 

Fit  aliquoties  a  quibusdam,  ut  obliti  severi- 
tatem  legum,obrepere  principis  audeant  maie- 
stati  et  coniugia  sibi  expetant  ex  praecepto, 
quae  consequi  non  merentur,  ut  de  consensu 
parentum  vel  puellae  mentiantur:  qua  de 
causa  huiusmodi  audaciam  interdicit.  Qui- 
cunque  ergo  sub  tali  obreptione  matrimo- 
nium  se  obtinere  putaverit,  et  amissione 
bonorum  et  exsilii  relegatione  se  noverit  esse 
damnandum  .  . 

Tabernae  domina,  hoc  est  uxor  tabernarii, 
si  inventa  fuerit  in  adulterio,  accusari  pot- 
est:  si  vero  eius  ancilla  vel  quae  ministe- 
rium tabernae  praebuit,  in  adulterio  fuerit 
deprehensa,  pro  vilitate  dimittetur.  Sed  et 
ipsa  tabernarii  uxor,  si  tam  vilis  ministerii 
officium  egerit  et  in  adulterio  fuerit  depre- 
hensa, accusari  non  potest  a  marito. 


35* 


548 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  9,  4,  4 


C.  3,  7,  2 


P.  2,  27, 1 
P.  2,  27,  2 


C.  9,  4,  2 


Wird  hingegen  ihre  Magd,  bez.  eine  Frauensperson,  die  den  Dienst  in  der 
Wirtschaft  verrichtet  hat,  im  Ehebruch  ergriffen  gewesen  sein,  ^so  wird  sie 
wegen  ihrer  Niedrigkeit  ausser  Verfolgung  gesetzt  werden :  aber  auch  wenn 
die  Frau  des  Wirtes  selbst  das  Geschäft  eines  so  niedrigen  Dienstes  wahr- 
genommen haben  und  im  Ehebruch  ergriffen  gewesen  sein  wird,  kann  sie 
A^on  ihrem  Manne  nicht  angeklagt  werden.^ 

b)  Weder  soll  ein  Jude  eine  Christin,  noch  ein  Christ  eine  Jüdin  zur  Frau 
nehmen.  Wird  er  es  gethan  haben,  so  soll  auf  die  Anklage  eines 
Jeden,  wie  gegen  Ehebrecher,  eingeschritten  werden. 

Weder  soll  ein  Jude  sich  der  Ehe  mit  einer  Christin  bedienen, 
noch  ein  Christ  eine  Jüdin  zur  Frau  nehmen.  Werden  sich  gegen 
das  Verbot  irgendwelche  Personen  durch  solche  Verbindung  vermischt 
haben,  so  mögen  sie  wissen,  dass  sie  mit  derjenigen  Strafe  zu  ver- 
folgen sind,  mit  welcher  Ehebrecher  verurteilt  werden,  und  die  Anklage 
dieses  Verbrechens  nicht  nur  den  Verwandten,  sondern  auch  Allen, 
behufs  Verfolgung,  zugestanden  ist. 

c)  Eine  im  Ehebruch  ertappte  Frau  kann  der  Gatte  nur  dann  töten,  wenn  er 
den  Ehebrecher  in  seinem  Hause  ergreift.  Man  war  dahin  einig,  dass 
derjenige,  welcher  seine  im  Ehebruch  ertappte  Frau  nicht  unverzüglich  ent- 
lassen haben  wird,  als  der  Kuppelei  schuldig  vorgefordert  werde. 

d)  Im  Falle  des  Ehebruchs  soll  Niemand  eine  fremde  Frau  anklagen,^  dagegen 


1)  T   sagt  auch,    dass   die  Komplicen   frei  ausgehen:    dass  die  Wirtin,    die  als  Magd 
auftritt,  der  Anklage  wegen  Ehebruchs  nicht  unterliegt,  wird  in  T  nicht  gesagt. 

2)  Obschon   das  Crimen  adulterii   zu   den  öffentlichen  gehört,    mit  Bezug  auf  welche 
die  Anklage  im  allgemeinen  Allen  Sine  aliqua  legis  interpretatione  zusteht. 


b)  C.  9,  4,  4.  Ne  quis  Christianam  mu- 
lierem  in  matrimonium  ludaeus  accipiat, 
neque  ludaeae  Christianus  coniugium  sortia- 
tur.  Nam  si  quis  aliquid  huius  modi  admiserit, 
adulterii  vicem  commissi  huius  crimen  ob- 
tinebit,  libertate  in  accusandum  publicis 
quoque  vocibus  relaxata. 

C.  3,  7,  2.  Ne  quis  Christianam  mulierem 
in  matrimonium  ludaeus  accipiat,  neque 
ludaeae  Christianus  coniugium  sortiatur. 
Nam  si  quis  aliquid  huiusmodi  admiserit, 
adulterii  vicem  commissi  huius  crimen  ob- 
tinebit,  libertate  in  accusandum  publicis 
quoque  vocibus  relaxata. 

c)  P.  2,  27,  1.  Inventam  in  adulterio 
uxorem  maritus  ita  demum  occidere  potest, 
si  adulterum  domi  suae  deprehendat. 

P.  2,  27,  2.  Eum,  qui  in  adulterio  de- 
prehensam  uxorem  non  statim  dimiserit, 
reum  lenocinii  postulari  placuit. 

d)  C.  9,  4,  2.     Quamvis  adulterii  crimen 


Nee  ludaeus  Christianam  nee  Christianus 
ludaeam  ducat  uxorem.  Quod  si  fecerit,  cuius- 
libet  accusatione  velut  in  adulteros  vindicetur. 


.  .  ut  nee  ludaeus  Christianae  matrimonio 
utatur,  nee  Christianus  homo  ludaeam  uxo- 
rem accipiat.  Quod  si  aliqui  contra  vetitum 
se  tali  coniuDctioni  miscuerint,  noverint  se 
ea  poena,  qua  adulteri  damnantur,  perse- 
quendos,  et  accusatione  m  huius  criminis  non 
solum  propinquis,  sed  etiam  ad  persequen- 
dum  Omnibus  esse  permissam. 


In  adulterio   extraneam   mulierem  nullus 


Verbrechen  gegen  die  gesellschaftlielie  Sittlichkeit  §  3. 


549 


wohl  die  Verwandteiij  denen  es  zum  Schimpf  gereicht,  das  will  sagen,  der 
Frater  germanus,  der  Frater  patruelis,  der  Yaterbruder  und  der  Konso- 
brine:^  ^ indessen  können  sie  vor  der  Inskription,  falls  sich  die  Angeklagte 
dabei  beruhigt  haben  wird,  auf  Grund  von  Genugthuung  Enthebung  von 
der  Anklage  erzielen.^  Sonstige  w^erden  von  der  Anklage  ferngehalten. 
Ehemännern  freilich  ist  auch  auf  Grund  eines  Verdachts  anzuklagen  ge- 
stattet worden  .3  Klagt  der  Mann  die  Frau  wegen  IVIores  an,  das  will  ^-  ^'  ^^'  ^ 
sagen,  wiegen  Zauberei,  Ehebruchs  und  sonstiger  ähnlicher  Verbrechen,  so 
können,  w^enn  die  Frau  gestorben  gewesen  sein  wird,  ihre  Erben  nicht 
angeklagt  werden,  weil  Verbrechen  mit  ihrem  Urheber  dahinfallen:  anderer- 
seits kann  auch,  wenn  der  Mann  der  die  Frau  anklagte,  gestorben  gewesen 
sein  wird,  die  Gattin  von  dem  Erben  des  Ehemanns  nicht  angeklagt  werden.* 
e)  In  dem  Prozesse  wiegen  Ehebruchs  kann  ein  Aufschub,  der  verlangt  wird,  P-  2, 27, 3 
nicht  gewährt  werden. 


1)  Vater  Consobrinus  Consanguineus  frater. 

2)  T  sagt:  ut  crimen  abolitione  compescant. 

3)  T  sagt,  dass  die  Anklage  von  Seiten  des  Mannes  nicht  Intra  certa  tempora  unter 
dem  Vinculum  inscriptionis  geschieht. 

4:)  T   sagt,    dass    die   De  moribus   actio   weder  aktiv  noch  passiv   mit  Bezug  auf  den 
Erben  zuständig  ist. 


inter  publica  referatur,  quorum  delatio  in 
commune  omnibus  sine  aliqua  legis  inter- 
pretatione  conceditur,  tamen,  ne  volentibus 
temere  liceat  foedare  connubia,  proximis 
necessariisque  personis  solummodo  placet 
deferri  copiam  accusandi,  hoc  est  patri  vel 
consobrino  et  consanguineo  maxime  fratri, 
quos  verus  dolor  ad  accusationem  impellit. 
Sed  et  his  personis  legem  imponimus,  ut 
crimen  abolitione  compescant.  In  primis 
maritum  genialis  tori  vindicem  esse  oportet, 
cui  quidem  ex  suspicione  etiam  ream  coniu- 
gem  facere,  nee  intra  certa  tempora  inscrip- 
tionis vinculo  contineri,  veteres  retro  prin- 
cipes  annuerunt.  Extraneos  autem  procul 
arceri  ab  hac  accusatione  censemus.  Nam 
etsi  omne  genus  accusationis  necessitas  in- 
scriptionis adstringat,  nonnulli  tamen  pro- 
terve  id  faciunt  et  falsis  contumeliis  matri- 
monia  deformant. 

C.  3,  13,  1.  De  moribus  actio  ultra  per- 
sonam  extendi  non  potest,  nee  in  heredem 
dabitur,  nee  tribuetur  heredi. 


e)  P.  2,  27,  3.     In  causa  adulterii  dilatio 
postulata  impartiri  non  potest. 


accuset,  sed  propinqui,  ad  quorum  notam 
pertinet,  hoc  est  frater  germanus,  frater 
patruelis,  patruus  et  consobrinus,  qui  tamen 
ante  inscriptionem,  si  accusata  acquieverit, 
possunt  per  satisfactionem  veniam  promereri. 
Reliqui  ab  accusatione  prohibentur,  Maritis 
sane  etiam  ex  suspicione  accusare  permis- 
sum  est. 


Si  de  moribus  maritus  uxorem  accusat,  hoc 
est  in  maleficio,  in  adulterio,  similibus  aliisque 
criminibus,  si  mortua  uxor  fuerit,  heredes  eins 
accusari  non  possunt,  quia  crimina  cum 
auctore  deficiunt:  tamen  et  si  maritus  mor- 
tuus  fuerit,  quia  accusabat  uxorem,  ab  berede 
mariti  mulier  non  potest  accusari. 


550 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  9,4,  6 


C.  9,4,  3 
pr. 


C.  9,  4,  7 


f)  Wenn  der  Gatte  als  Ankläger  Ehebruch  zur  Last  gelegt  haben  wird,  soll 
die  Rückforderung  von  Dos  oder  Donatio  ruhen,  weil  die  civile  Rückforde- 
rung mit  der  Kriminalanklage  nicht  gemischt  werden  darfi 

g)  Wegen  Ehebruchs  der  Ehefrauen  ist  den  Männern  gestattet,  mittels  Folte- 
rungen der  beiderseitigen  Familia,  das  will  sagen,  der  eignen  und  derjenigen 
der  Ehefrau,  die  Quaestio  zu  veranstalten,  vorausgesetzt  jedoch,  dass  zu 
der  Zeit,  dass  er  angeblich  begangen  ist,  eben  diese  Sklaven  nachw^eislich 
gegenwärtig  oder  in  demselben  Hause  gewesen  sind. 

h)  Man  war  dahin  einig,  dass  diejenigen,  welche  des  Ehebruchs  angeklagt  und 
sich  unter  Berufung  auf  Verwandtschaft  oder  Freundschaftsbande  verteidigt 
haben  werden,  wenn  sie  zu  irgend  einer  Zeit  das  im  Geheimen  betriebene 
Verbrechen  durch  öffentliche  Verbindung  verraten  haben  werden,  als  mani- 
feste Ehebrecher  gestraft  werden. 


1)  Vgl.  S.  119  Anm.  5. 


f)  C.  9,  4,  6.  Adulterii  accusatione  pro- 
posita,  praescriptiones  civiles,  quibus  aut  dos 
repeti  fingitur,  aut  ex  ratione  aliqua  debi- 
tum  flagitatur,  quae  occurrere  atque  perstre- 
pere  examini  consuerunt,  iussimus  sequestrari, 
nee  earum  obice  aliquid  negotio  tarditatis 
afferri;  sed  accusatione  fundata,  hoc  est  quum, 
quo  iure  quove  tempore  actio  fuerit  intro- 
missa,  constiterit,  discutiatur  crimen,  facti 
qualitas  publicetur,  quum  et  iurgia,  quae  ma- 
gnitudine  superant,  praeponantur,  et  civilis 
actio  criminali  iure  postponatur,  idem  tamen, 
quum  competere  coeperit,  habitura  momenti, 
dummodo  non  obsit  examini. 

g)  C.  9,  4,  3  pr.  In  adulterii  quaestione 
ab  omni  familia,  non  solum  mariti,  sed  etiam 
uxoris,  quae  tarnen  tanc  temporis  domi  fu- 
erit, quo  adulterium  dicatur  admissum,  quae- 
rendum  est  sine  defensione  cuiusquam. 


h)  C.  9,  4,  7.  Si  qui  adulterii  faerint  ac- 
cusati  et  obtentu  proximitatis  intentata  de- 
pulerint,  per  commemorationem  necessitudi- 
nis  fidem  crimini  derogando,  dum  existima- 
tur  non  debere  credi,  quod  allegatur,  non 
potuisse  committi,  hi  si  postmodum  in  nu- 
ptias suas  consortiumque  convenerint,  faciuus 
illud,  quo  fuerint  accusati,  manifesta  fide 
atque  indiciis  evidentibus  publicabunt.  Unde 
si  qui  eius  modi  reperti  fuerint,  iussimus  in 
eosdem  severissime  vindicari,  et  veluti  con- 
victum  fa.cinus  confessumque  puniri. 


Quum  adulterium  maritus  accusator  ob- 
iecerit,  dotis  aut  donationis  repetitio  con- 
quiescat,  quia  civilem  repetitionem  misceri 
criminali  accusationi  non  oportet. 


De  adulterio  uxorum  mariti  per  tormenta 
familiae  utriusque,  hoc  est  suae  et  uxoris 
quaerere  permittuntur;  si  tamen  illo  tempore, 
quo  admissum  dicitur,  haec  ipsa  mancipia 
praesentia  aut  in  eadem  domo  fuisse  pro- 
bantur. 

Qui  in  adulterio  accusantur  et  se  propin- 
quitatis  aut  amicitiarum  excusatione  det'en- 
derint,  si  fortasse  qaolibet  tempore  secretum 
crimen  publica  coniunctione  prodiderint,  eos 
velut  manifestos  adulteros  puniri  placet. 


Verbrechen  gegen  die  gesellschaftliche  Sittlichkeit  §  3. 


551 


4)  Ehescheidung. 

a)  Wird  die  Frau  zuerst  dem  Manne  die  Scheidung  bereitet  und  die  im  Ge-     '  pV!^'  ^ 
setze  bezeichneten  Gründe   nicht  erwiesen  haben,   so  soll  sie  Relegation  in 
das  Exil  erfahren.^ 

Wird  die  Frau  die  Verbrechen  des  Mannes  nicht  haben  beweisen   c.  3,  le,  i 
können,    so    wird    sie   die   Strafe  treffen,    Relegation  in   das  Exil^   zu 
erfahren. 

5)  ünzuchtsverbrechen. 

a)  Sobald  Mädchen,  die  unter  einem  Tutor  stehen,  in  die  heiratsfähigen  Jahre   c.  9, 5,  i 
gelangt  sein  werden  und  irgend  Jemand  als  Bewerber  aufgetreten  sein  wird, 

soll  er,  falls  nachgewiesen  wird,  dass  ihre  Jungfräulichkeit  von  dem  Tutor 
selbst  verletzt  worden  ist,  unverzüglich  dem  ExiP  überliefert  werden  und  der 
Fiskus  sein  ganzes  Vermögen  in  Anspruch  nehmen.^ 

b)  Wenn  eine  freigeborene  Frau  mit  dem  eignen  Sklaven  heimlich  sich  ver- 
mischt haben  wird,  soll  sie  Kapitalstrafe  erleiden.  Auch  der  Sklave,  der 
des   Ehebruchs    mit  seiner  Herrin   überführt    gewesen    sein    Avird,    soll   mit 


C.  9,  6,  1 
pr.  3  U.  6 


1)  T  spricht  von  Deportation.  2)  Deportation  in  insulam. 

3)  T  fügt  hinzu:  quamvis  eam  poenam  debuerit  sustinere,  quam  raptori  leges  imponunt. 


4)  a)  C.  3,  16,  2  pr.  Mulier,  quae  repu- 
dii  a  se  dati  oblatione  discesserit,  si  nullas 
probaverit  divortii  sui  causas,  .  .  deportati- 
onis  addicenda  suppliciis  .  . 

C.  3,  16,  1.  .  .  si  praeter  .  .  crimina  re- 
pudium  marito  miserit,  oportet  eam  .  .  in 
insulam  deportari  .  . 

5)  a)  C.  9,  5,  1.  Ubi  puellae  ad  annos 
adultae  aetatis  accesserint  et  adspiraro  ad 
nuptias  coeperint,  .  .  si  violatae  castitatis 
apud  ipsum  facinus  haereat,  deportatione 
plectatur,  atque  universae  eius  facultates  fisci 
viribus  vindicentur  .  , 

b)  C.  9,  6,  1  pr.  3  u.  6.  Si  qua  cum  servo 
occulte  rem  habere  detegitur,  capitali  senten- 
tiae  subiugetur,  tradendo  ignibus  verberone, 
sitque  omnibus  facultas  crimen  publicum 
arguendi,  sit  officio  copia  nuntiandi,  sit  etiam 
servo  licentia  deferendi,  cui  probato  crimine 
libertas  dabitur,  quum  falsae  accusationi 
poena  immineat.  Successio  autem  mulieris 
ab  intestato  vel  filiis,  si  erunt  legitimi,  vel 
proximis  cognatisque  deferatur  vel  ei,  quem 
ratio  iuris  admittit,  ita  ut  et  quod  ille,  qui 
quondam  amatus  est,  et  quod  ex  eo  suscepti 
filii  quolibet  casu  in  sua  videntur  habuisse 
substantia,  dominio  mulieris  sociatum  a  me- 
moratis  successoribus  vindicetur.  Post  legem 
(enim)  hoc   committentes   morte  punimus  ,  . 


Si  mulier  prior  repudium  marito  intulerit 
et  statutas  lege  non  docuerit  causas,  .  .  ex- 
silio  relegata  .  . 

.  .  si  (haec)  crimina  mulier  non  potuerit 
approbare,  hac  poena  mulctatur,  ut  .  .  exsilii 
relegatione  teneatur  .  . 

Ubi  primum  puellae  sub  tutore  viventes 
ad  annos  pervenerint  nuptiales,  et  quicun- 
que  petitor  accesserit,  .  .  si  ab  ipso  tutore 
convincitur  eius  violata  virginitas,  statim 
exsilio  deputetur,  et  res  illius  omnes  fiscus 
usurpet. 

Si  qua  ingenua  mulier  servo  proprio  se 
occulte  miscuerit,  capitaliter  puniatur.  Ser- 
vus  etiam,  qui  in  adulterio  dominae  con- 
victus  fuerit,  ignibus  exuratur.  In  potestate 
habeat  huiüs  modi  crimen  quicunque  volu- 
erit  accusare.  Servi  etiam  aut  ancillae,  si 
de  hoc  crimine  accusationem  detulerint, 
audiantur:  ea  tarnen  ratione,  ut  si  proba- 
verint,  libertatem  consequantur,  si  fefellerint, 
puniantur.  Hereditas  mulieris,  quae  se  tali 
crimine  maculaverit,  vel  filiis,  si  sunt  ex 
marito  suscepti,  vel  propinquis  ex  lege  ve- 
nientibus  tribuatur. 


552  Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 

dem  Flammentode  büssen.^  Jedermann,  der  gewollt  haben  wird,  soll  es 
in  der  Macht  haben,  gegen  ein  Verbrechen  dieser  Art  die  Anklage  zu  er- 
heben.^  Auch  Sklaven  oder  Sklaviinien  sollen,  falls  sie  wegen  dieses  Ver- 
brechens eine  Anklage  angebracht  haben  werden,  gehört  werden:  jedoch 
mit  der  Massgabe,  dass  sie,  wenn  sie  den  Beweis  geführt  haben  werden, 
die  Freiheit  erzielen,  wenn  sie  getäuscht  haben  werden,  gestraft  werden 
sollen.  Die  Erbschaft  der  Frau,  die  sich  durch  ein  solches  Verbrechen 
befleckt  haben  wird,  soll,  sei  "es  den  Kindern,  wenn  sie  von  dem  Ehe- 
manne gezeugt  worden  sind,  sei  es  den  nach  dem  Gesetz  kommenden  Ver- 
wandten gewährt  werden.^-  * 

6)  Sodomie, 
c.  9,  4,  5  a)  Alle,  die  den  schimpflichen  Gebrauch  haben,  den  männlichen  Körper  nach 
Art  der  Weiber  darbietend,  sich  zu  der  dem  andern  Geschlechte  eignen 
Hingabe  herabzuwürdigen  (sie  scheinen  doch  nichts  Verschiedenes  von  den 
Frauen  zu  haben),  sollen  ein  Verbrechen  dieser  Art  vor  dem  Volke  mit  dem 
Flammentode  büssen. 


IV.  Religionsverbrechen  §  4. 

1)  Einführung  neuer  Rehgionen. 

p.  5, 23, 2       a)  Diejenigen,  welche  neue  und  in  Gebrauch  oder  Art  unbekannte  Religionen 
einführen,  infolge  deren  die  Gemüter  der  Menschen  erregt  w^erden,  werden. 


1)  T  enthält  dazu  Übergangsbestimmungen  (§  1  u.  6:  Ante  legem  nupta  tali  consortio 
segregetur,  non  solum  domo,  verum  etiam  provinciae  communione  privata,  amati  abscessum 
defleat,  relegati  morte  punimus.  .  .  Qui  vero  ex  lege  disiuacti  clam  denuo  convenerint,  con- 
gressus  vetitos  renovantes,  hi  servorum  indicio  vel  speculantis  officii  vel  etiam  proximorum 
delatione  convicti  poenam  similem  sustinebunt). 

2)  T  fügt  hinzu:  sit  officio  copia  nuntiandi. 

3)  Vgl.  S.  355  Anm.  2.  Hieran  schliesst  T  den  Satz  (vgl.  a.  a.  0.  Anm.  3),  dass  Alles, 
was  der  Liebhaber  und  die  Kinder  der  Verbindung  haben,  dem  Vermögen  der  Frau  zu- 
geschlagen wird  und  ihren  Successoren  zufällt,  wozu  noch  Übergangsbestimmungen  (§4,5: 
His  ita  Omnibus  observandis,  et  si  ante  legem  decessit  mulier  vel  amatus,  quoniam  vel 
unus  auctor  vitii  censurae  occurrit.  Sin  vero  iam  uterque  decessit,  soboli  parcimus,  ne  de- 
functorum  parentum  vitiis  praegravetur;  sint  filii,  sint  potiores  fratribus,  proximis  atque 
cognatis,  sint  relictae  successionis  heredes). 

4)  T  enthält  auch  den  Satz  (§  2),  dass  die  Kinder  aus  der  Verbindung,  exuti  omnibus 
dignitatis  insignibus,  in  der  Freiheit  verharren  sollen  und  neque  per  se  neque  per  inter- 
positam    personam    quolibet   titulo   voluntatis    irgend    etwas    aus   dem  Vermögen   der  Frau 

6)  a)  C.  9,  4,  5.  Omnes,  quibus  flagitii 
usus  est,  virile  corpus  muliebriter  constitu- 
tum alieni  sexus  damnare  patientia  (nihil 
enim  discretum  videntur  habere  cum  feminis), 
huius  modi  scelus  spectante  populo  flammis 
vindicibus  expiabunt. 

1)  a)  P.  5,  23,  2.  Qui  novas  et  usu  vel 
ratione    incognitas    religiones    inducunt,    ex 


Religionsverbrechen  §  4. 


553 


falls  sie  Personen  besseren  Standes  sind,  deportiert,  während  Personen 
niederen  Standes  gestraft  werden. 

2)  Judenverbreclien. 

a)  Kein  Jude    soll    einen  Sklaven    oder  Freien,    der  Christ  ist,    durch  irorend-  NTh.3,1, 
welche  Überredung  zu  seinem   Gesetze   überzuführen   wagen.     Wenn  er  es 
gethan    haben    wird,    soll  er  unter  Verlust   des  Vermögens  kapital  gestraft 
werden.     Es  soll  den  Juden  nicht  erlaubt  sein,    denjenigen,   der  aus  einem   c.  le,  3, 1 
Juden  Christ    geworden    ist,    zu    beunruhigen    oder  mit  irgendwelcher   Be- 
leidigung anzugreifen,  indem  eine  Beschimpfung  dieser  x^rt  nach  dem  Masse 

des  Vergehens  zu  bestrafen  ist.^ 

b)  ^Man  kam  überein,  vor  allem  in  Acht  zu  nehmen,   dass  keinem  Juden  er-   c.3, 1,5 
laubt  sei,   einen   christlichen  Sklaven   zu   haben,   und   er  unter  keinen  Um- 
ständen   wagen    solle,    sich    anzumassen,    wenn    er   ihn   gehabt  haben  wird, 

den  Christen  zu  seinem  Gesetze  zu  bringen.  Wird  er  es  gethan  haben, 
so  möge  er  wissen,  dass  er,  unter  Entziehung  der  Sklaven,  einer  eines  so 
grossen    Verbrechens    würdigen    Strafe    unterliegen    werde.^      Wenn    einer  c.  le,  4, 1 


empfangen  sollen  (Filii  etiam,  quos  ex  hac  coniunctione  habuerit,  exuti  oninibus  dignitatis 
insignibus,  in  nuda  maneant  libertate,  neque  per  se  neque  per  interpositam  personam  quo- 
libet  titulo  voluntatis  accepturi  aliquid  ex  facultatibus  mulieris)  (vgl.  S.  355  Anm.  1). 

1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  1  a. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  1  d. 


quibus  animi   hominum   moveantur,  honesti- 
ores  deportantur,  humiliores  capite  puniuntur. 

2)  a)  N.  Th.  3,  1,  4  u.  5.  His  adicimus,  ut 
quicunque  servum  seu  ingenuum  invitum  vel 
suasione  plectenda  ex  cultu  Christianae  re- 
ligionis  in  nefandam  sectam  ritumve  tra- 
duxerit,  cum  dispendio  fortunarum  capite  pu- 
niendum  .  .  Cernat  praeterea  bona  sua  pro- 
scripta,  poenae  mox  sanguinis  destinandus, 
qui  fidem  alterius  expugnavit  perversa  do- 
ctrina. 

C.  16,  3,  1.  Eum,  qui  ex  ludaeo  Christi- 
anus factus  est,  inquietare  ludaeos  non  11- 
ceat  vel  aliqua  pulsare  iniuria:  pro  qualitate 
commissi  istius  modi  contumelia  punienda. 

b)  C.  3 ,  1 ,  5.  Ne  quis  omnino  ludae- 
orum  Christianum  comparet  servum  neve  ex 
Christiano  ludaicis  sacramentis  attaminet. 
Quod  si  factum  publica  indago  compererit, 
et  servi  abstrahi  debent,  et  tales  domini  con- 
gruae  atquo  aptae  facinori  poenae  subia- 
ceant  .  . 

C.  16,  4,  1.  Si  quis  ludaeorum  Christia- 
num mancipium  vel  cuiuslibet  alterius  sectae 
mercatus  circumciderit,  minime  in  Servitute 
retineat  circumcisum,  sed  libertatis  privile- 
giis,  qui  hoc  sustinuerit,  potiatur. 


.  .  (Hoc  etiam  specialiter  in  hac  lege  com- 
prehoDsum  est,)  ut  nuUus  ludaeus  servum 
aut  ingenuum  Christianum  audeat  quacunque 
persuasione  in  suam  legem  transferre.  Quod 
si  fecerit,  amissis  facultatibus,  capite  puni- 
atur. 


Convenit  ante  omnia  observari,  ut  nulli 
ludaeo  servum  Christianum  habere  liceat, 
certe  nuUatenus  audeat,  ut  Christianum,  si 
habuerit,  ad  suam  legem  transferre  prae- 
sumat.  Quod  si  fecerit,  noverit  se  sublatis 
servis  poenam  dignam  tanto  crimine  subi- 
turum   .  . 

Si  quis  ludaeorum  servum  Christianum 
vel  cuiuslibet  alterius  sectae  emerit  et  cir- 
cumciderit, a  ludaei  ipsius  potestate  sublatus 
in  libertate  permaneat. 


554 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  24,  3 
P.  5,  24,  4 


C.  16,  2,  1 
C.  16,  3,  2 

P.  5,  24,  3 


N.Th.3,1, 
8u.  9 


aus  der  Zahl  der  Juden  einen  Sklaven,  der  Christ  ist,  oder  irgend  einer 
anderen  Sekte  angehört,  gekauft  und  beschnitten  haben  wird,  soll  er  der 
Potestas  dieses  Juden  enthoben  sein  und  in  der  Freiheit  verharren. 
Eömische  Bürger,  die  ihre  Sklaven  nach  jüdischem  Ritus  beschneiden  lassen, 
werden  unter  Entziehung  des  Vermögens  dauernd  auf  eine  Insel  relegiert, 
die  Arzte  kapital  gestraft.  Wenn  Juden  die  von  ihnen  erworbenen  Sklaven 
fremder  Xation  beschnitten  haben  werden,  werden  sie  entweder  deportiert 
oder  kapital  gestraft. 

3)  Apostasie. 

a)  Die  Verbrechen  derjenigen  sollen  gestraft  werden,  die  unter  Verachtung 
der  Würde  der  christlichen  Religion  und  des  christlichen  Namens  mit 
jüdischem  Gifte  sich  ])esudelt  haben.  Wenn  Jemand,  der  aus  einem 
Christen  Jude  geworden  ist,  sich  zu  verruchten  Zusammenkünften  gesellt 
haben  wird,  befehlen  wir,  dass,  sobald  die  Anklage  erwiesen  gewesen  sein 
wird,  sein  Vermögen  in  das  Eigentum  des  Fiskus  vindiziert  werde.  Römische 
Bürger,  die  sich  nach  jüdischem  Ritus  beschneiden  lassen,  werden  unter 
Entziehung  des  Vermögens  dauernd  auf  eine  Insel  relegiert,  die  Arzte 
kapital  gestraft. 

4)  Ketzerei. 

a)   ^  Wird  irgend  Jemand  mit  besudelten  und  befleckten  Sinnen  bei  irgend  einem 
Opfer    an  Ort   und  Stelle    ergriffen    gCAvesen   sein,    so  soll  sich  unser  Zorn 


P.  5,  24,  3.  Cives  Romani,  qui  (se)  ludaico 
ritu  (vel)  servos  suos  circumcidi  patiuntur, 
bonis  ademtis  in  insulam  perpetuo  relegan- 
tur.     Mediei  capite  puniuntur. 

P,  5,  24,  4.  ludaei,  si  alienae  nationis 
comparatos  servos  circumciderint,  aut  depor- 
tantur  aut  capite  puniuntur. 

3)  a)  C.  16,  2,  1.  .  .  Eorum  (quoque)  flagi- 
tia  puniantur,  qui  Christianae  religionis  et 
nominis  dignitate  neglecta,  ludaicis  semet 
polluere  contagiis. 

C.  16,  3,  2.  Si  quis  (,lege  venerabili  con- 
stituta,)  ex  Christiane  ludaeus  effectus  sacri- 
legis  coetibus  aggregetur,  quum  accusatio 
fuerit  comprobata,  facultates  eins  d'ominio 
fisci  iussimus  vindicari. 

P.  5,  24,  3.  Cives  Romani,  qui  se  ludaico 
litu  .  .  circumcidi  patiuntur,  bonis  ademtis 
in  insulam  perpetuo  relegantur.  Mediei  ca- 
pite puniantur. 

4)  a)  N.  Th.  3,  1,  8  u.  9.  .  .  quicunque  pol- 
lutis  contaminatisque  mentibus  in  sacrificio 
quoUbet  in  loco  fuerit  comprehensus,  in  for- 
tunas  eius,  in  sanguinem  ira  nostra  consur- 
gat  .  ,  (Superest,)  ut,  quae  in  Manichaeos, 
Deo  semper  ofFensos,  quae  in  Eunomiano.«, 
haereticae  fatuitatis  auctores,  quae  in  Monta- 


Religionsverbrechen  §  4. 


555 


N.  V. 

,1,1-3 


gegen  dessen  Vermögen  und  Blut  erheben.     Dasjenige,  was  segen  die  alle 

W  bnl\:f  T"Jr'^'r'    f  ^r>°'"'^"-    '^  Urheber  ttzensct; 
AscodTn"    S%*^*"""'''f"'    Katapbrygen,    Photinianer,    Prisoillianisten, 
Ascodiogen,    Hydroparastaten,    Borboriten,    Ophiten    in    zahllosen    Konsti 
«  lonen    verordnet    worden   ist    soll    ohne   Verzug  e.ner  sohleun".en   Au 
fuhrung  uberhefert  werden.^     Wo   auch  immer   irgend  einer  aus  der  ZahJ 
der  Ma„,chaer  ergriffen  gewesen  sein  wird,  er  soll'die  Straf  nL  die  Ge 

ötien^e  e,  leiden  Die  That  soll  en.  Crimen  publicum  sein  und  einem 
Jeden,  der  es  wdl,  ohne  die  mit  einer  Anklage  verbundene  Gefah,  T 
Befugnis   zustehen,   solche   Personen    zu    beschuldigen.     Auch    soT  es 

bergen  oder  zu  begünstigen,  mdem  alle  Festsetzungen  der  früheren 
Ka  ser   mit  Bezug   hierauf   von    uns   bestätigt  worden  sLl     auf  da«  Alt 

r'Str m-lftia^'- 1'^^  'TU'  ^'■'^""-  '"^"-"'  ^  "-^clt 
clei  Ugnitas    miht.ae   und   des  Rechts  der   Städtebewohnung  zu    berauben 

smd,  darnit  nicht  ein  Unschuldiger  von  dem  Umgang  oder  der  GeseTsclS 
mit  solchen  Personen  ergriffen  werde.  o     g       «'  (jeseilsclialt 

0)  Sakrileg  (vgl.  §  5,  5  b  u.  Viertes  Buch  §  5,  2  c) 

a)  ^Diejenigen,  welche  während  der  Nacht  mit   einem  Haufen,    um  Beute  zu   p  5  .,  i 
machen    und  zu  plündern,   in   eine  Kirche  einbrechen,    werden  den  wilde 

^"  ^°'-^^™*"-    ™-  -  dagegen  bei  Tage  irgeiiTet"  s  ünSt 

1)  Vgl.  S.  161  Anm.  1. 


nistas,  Cataphrygas,  Photinianos,  Priscillia- 
mstas,  Ascodrogos,  Hjdroparastatas,  Borbo- 
ritas,  Ophitas  innumerabilibus  constitutioni- 
bus  lata  sunt,  cessante  desidia,  celeri  ex- 
secutioni  mandentur  . 

N.  V.  2,  1,  1—3.     .  .  ubicunque  terrarum 
quisquis    Manichaeonim    fuerit   deprehensus 
poenas,    quas    in    sacrilegos   iura   sanxerunt' 
auctoritate  publicae  severitatis  excipiat    Sit- 
que   publicum   crimen,   et  omni  volenti  sine 
accusationis  periculo  tales  arguere  sit  facul- 
tas.    Nee  cuiquam  licitum  tutumque  sit  aut 
celare    tales,    aut    talibus    connivere,    quum 
omnia  de   bis   a   nobis  conörraata  sint  retro 
pnncipum    constituta,    ut    noverint    universi 
hac  edictali  lege  proposita,  Manichaeos  dig- 
mtate  mihtiae  et  urbium  habitatione  privan- 
dos,   ne   quis   innocens   talium  conversatione 
aut  societate  capiatur  .  . 

-3)  a)  P.  5,  21,  1.     Qui    noctu    manu    facta 
praedandi    ac    depopulandi  gratia    templum 
n;rumpur>t,    bestiis    obiciuntur;    si    vero    per 
diem  leve  aliquid  de  templo  abstulerint,  vel    | 
cteportantur    honestiores    vel    humiliores    in    1 
metallum  damnantur. 


556 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


teil  des  aus  dem  Tempel  entfernt  haben,  so  werden  sie  entweder,  falls  sie 
bessern  Standes  sind,  deportiert  oder  als  Personen  niederen  Standes  zur 
Bergwerksstrafe  verurteilt.  ^ 

c.  8, 3, 1  b)  ^Am  Sonntag,  welcher  mit  Grund  der  Tag  des  Herrn  genannt  wird,  soll 
die  Klage  von  Jedermann  ruhen,  sodass  weder  eine  öffentliche  noch  eine 
private  Schuld  eingefordert  werde  und  keinerlei,  weder  Privata  noch  Publica 
iudicia  sein  sollen.  Wer  dieses  nicht  beachtet  haben  wird,  soll  als  des 
Sakrilegs  schuldig  haften.^ 

p.  1, 21, 2  c)  Es  ist  nicht  gestattet,  einen  Körper  in  eine  Gemeinde  einzubringen,  damit 
nicht  die  Sacra  der  Gemeinde  entweiht  werden:  wird  Jemand  im  Wider- 
spruch damit  gehandelt  haben,  so  wird  er  Extra  ordinem  gestraft. 

6)  Grabschändung. 

ö'^ols  ^^  Wird  irgend  Jemand,  ein  Störer  der  tiefen  Ruhe  und  Feind  selbst  des 
Lichtes,  Grabstätten  ausgegraben,  aus  ihnen  Marmor  oder  Gestein  weg- 
geschafft haben,  so  soll  er  unverzüglich  der  Strafe  für  schuldig  gelten.  Es 
wird  sich  dann  gebühren,  dass  die  bei  diesem  Verbrechen  ergriffenen  Sklaven 
und  Kolonen  sogleich  zur  Folterung  geführt  v/erden.  Werden  sie  ledig- 
lich die  eigne  Vermessenheit  bekannt  gehabt  haben,  so  sollen  sie  die 
Vergehen  mit  dem  eignen  Blute  büssen;  werden  sie,  ohne  peinliche  Frage, 
ihre  Herren  in  die  Supplizien  verflochten  haben,  so  sollen  sie  in  gleicher 
Weise  gestraft  werden.  Auch  freigeborene  Personen,  welche  das  gleiche 
Unterfangen    zu    Schuldigen    gemacht    haben    wird,    sollen,    falls    sie    etwa 


1)  J  begleitet  den  Text,  welcher  nicht  von  der  Kirche,  sondern  von  Templum  spricht, 
mit  dem  Worte,  dass  der  Satz  von  der  Ecclesia  zu  verstehen  ist  (Ista,  quae  de  templo  dicta 
sunt,  de  ecclesia  loqui  intellegenda  sunt,  de  reliquo  interpretatione  non  eget). 

2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  1  a. 


b)  C.  8,  3,  1.  Solis  die,  quem  dominicum 
rite  dixere  maiores,  omnium  omnino  litium, 
negotiorum,  conventionum  quiescat  intentio ; 
debituni  publicum  privatumque  nullus  effla- 
gitet;  ne  apud  ipsos  quidem  arbitros  vel  in 
iudiciis  flagitatos  vel  sponte  delectos  ulla  sit 
agnitio  iurgiorum.  Et  non  modo  notabilis, 
verum  etiam  sacrilegus  iudicetur,  qui  a  sanc- 
tae  religionis  instituto  rituve  deflexerit. 

c)  P.  1,  21,  2.  Corpus  in  civitatem  inferri 
non  licet,  ne  funestentur  sacra  civitatis:  et 
qui  contra  ea  fecerit,  extra  ordinem  punitur. 

6)  a)  N.  V.  5, 1,2 — ^8.  . .  Quisquis  (igitur)  sepul- 
cra,  profundae  violator  quietis  et  lucis  ipsius 
hostis,  effoderit,  quisquis  ex  his  quaelibet 
marmora  aut  saxa  sustulerit,  poenae  mox 
habeatur  obnoxius.  Servos  colonosque  in  hoc 
facinore  deprehensos  duci  protinus  ad  tor- 
menta  conveniet.  Si  de  sua  tantum  fuerint 
temeritate  confessi,  luant  commissa  sanguine 


Die  solis,  qui  dominicus  merito  dicitur, 
omnium  hominum  actio  couquiescat,  ut  nee 
publicum  nee  privatum  debitum  requiratur, 
nuUa  iudicia  neque  publica  neque  privata 
fiant.  Quod  qui  non  observaverit,  reus  sacri- 
legii  teneatur. 


Religion sverbrechen  §  4. 


557 


Plebejer  und  vermögenslos  gewesen  sein  werden,  mit  dem  Tode  ihre  Strafen 
zahlen,  während  solche,  die  von  höherem  Ansehen  oder  durch  Dignitäten 
ausgezeichnet  sind,  nachdem  sie  um  die  Hälfte  ihres  Vermögens  gestraft 
worden  sind,  dem  Schimpfe  dauernder  Infamie  verfallen  sollen.  Kleriker  aber, 
von  denen  festgestanden  haben  wird,  dass  sie  Urheber  einer  so  schrecklichen 
That  sind,  erachten  wir  einer  noch  schwereren  Strafe  würdig.  Demnach 
soll  ein  Jeder  aus  ihrer  Zahl,  der  sich  als  Grabschänder  ergeben  haben 
wird,  sofort  den  Namen  emes  Klerikers  verlieren  und,  dem  Proskriptions- 
urteil verfallen,  mit  ewiger  Deportation  biissen.  Dies  muss,  wie  wir  verordnen, 
in  der  Art  gelten,  dass  wir  weder  die  Ministri  noch  die  Antistites  der  heiligen 
Eeligion  in  einer  solchen  Sache  schonen  zu  sollen  befehlen.  Der  Provin- 
zialstatthalter  soll,  indem  er  sich  auf  die  Beihilfe  der  Municipes  stützt,  die 
Strafe  unsers  Gesetzes  anwenden:  wenn  auch  kein  Angeschuldigter  den  Fasces 
und  Beilen  widerstehen  kann,  soll  er,  wenn  Jemand  derart  keck,  ungefügig 
und  rebellisch  aufgetreten  sein  wird,  dass  er  zu  dessen  Bestrafung  nicht  zu 
schreiten  vermochte,  sofort  die  Amplissimae  potestates  durch  eine  direkte 
Relation  benachrichtigen,  damit  nicht  die  Anwendung  gerechter  Strenge  ver- 
zögert w^erde.  Wird  er  die  Grabschänder,  obschon  er  es  hätte  können,  nach  dem 
Text  dieser  Vorschrift  zu  strafen  verabsäumt,  oder  wird  er  mit  Bezug  auf  das 
Erwähnte  zu  referieren  hinausgeschoben  haben,  so  soll  er  des  Vermögens  und 
des  Honor    beraubt    werden.     Ein  Jeder,    der  mit  Bezug   sei   es  auf  einen 


suo:  si  dominos  inter  supplicia  nullo  inter- 
rogante  nexuerint,  pariter  puniantur.  Ingenui 
quoque,  quos  similis  praesumtio  reos  fecerit, 
si  fortasse  plebeii  et  nullarum  fuerint  facul- 
tatum,  poenas  morte  persolvant:  splendidiores 
autem  vel  dignitatibus  noti  bonorum  suorum 
medietate  mulctati,  perpetua  notentur  infa- 
mia.  Clericos  vero,  quos  tarn  diri  operis  con- 
stiterit  auctores,  dignos  credimus  maiore 
supplicio  .  .  Quisquis  igitur  ex  hoc  nuinero 
sepulcrorum  violator  exstiterit,  illico  clerici 
nomen  amittat,  et  stilo  proscriptionis  addic- 
tus,  perpetua  deportatione  plectatur.  Quod 
ita  servari  oportere  censemus,  ut  nee  mini- 
stris,  nee  antistitibus  sacrae  religionis  in  tali 
causa  statuamus  esse  parcendum.  .  .  ut  pro- 
vinciae  moderator,  adminiculo  municipum 
fultus,  censuram  nostrae  legis  exerceat.  Et 
licet  nemo  reus  possit  faseibus  ac  securibus 
reluctari,  si  quis  tarnen  exstiterit  sie  super- 
bus,  sie  impotens,  sie  rebellis,  in  cuius  nequeat 
ire  supplicium,  amplissimas  potestates  directa 
relatione  raox  instruat,  ne  severitas  iusta 
lentetur.  Quod  si  violatores  sepulcri,  quos 
potuerit,  secundum  formam  sanctionis  huius 
punire  neglexerit,  vel  de  superioribus  referre 
distulerit,  facultatibus  et  honore  privetur. 
Cuius  quisquis,  sive  adhuc  in  potestate  positi, 


558 


Öffentliclies  Recht.     Zweites  Buch. 


noch  in  einer  Potestas  Befindlichen,  sei  es  auf  eine  Privatperson,  wegen 
Unterlassung  der  Strafe  für  den  Grabschänder  als  Ankläger  wird  haben 
auftreten  wollen,  soll  hierzu  freie  Befugnis  haben,  ohne  Gefahr,  den  Vor- 
wurf des  Angebers  befürchten  zu  müssen,  da  derjenige,  welcher  gezeigt  haben 
wird,  dass  er  die  Ruchlosen  unentwegt  hasst,  vielmehr  einer  Belohnung 
würdig  ist.^ 

7)  Zauberei  (vgl  §  3,  3d). 

p.  5, 25, 10  a)  Diejenigen,  welche  einen  Menschen  geopfert,  bez.  mit  dessen  Blut  Dar- 
bringungen veranstaltet,  ein  Heiligtum,  bez.  einen  Tempel,  befleckt  haben 
werden,  werden  den  wilden  Tieren  vorgeworfen  oder,  wenn  sie  Personen 
besseren  Standes  sind,  kapital  gestraft. 

c.  9, 13, 1  b)  Malefici  oder  Beschwörer  oder  Wettermacher  oder  diejenigen,  welche  durch 
Anrufung  der  Dämonen  die  Geister  der  Menschen  verwirren,  sollen  mit 
jeder  Art  von  Strafen  gestraft  werden.^ 

p.  5, 25, 9  aa)  Diejenigen,  welche  ruchlose,  bez.  nächtliche  Opfer  veranstaltet  haben 


1)  Zum  Schluss  (§  9j  folgt  noch  Anordnung  der  Publikation:  Illustris  et  praecelsa 
magnificentia  tua  legem,  quam  pietatis  et  religionis  amore  concepimus,  provinciis  provin- 
ciarumque  rectoribus  celeriter  innotescere  propositis  iubebit  edictis,  ut  criminosis  poena 
reddatur,  innocenter  viventibus  gratulatio,  pax  sepultis. 

2)  T  sagt,  dass  die  Wissenschaft  derjenigen  den  härtesten  Strafen  zu  unterwerfen  ist, 
die,  magicis  accincti  artibus,  entweder  gegen  das  Heil  der  Menschen  Schritte  thun  oder  keusche 
Menschen  zur  Wollust  lenken.  Keinen  Criminationes  seien  unterworfen  Remedia  humanis 
quaesita  corporibus  oder  In  agrestibus  locis  innocenter  adhibita  sufiVagia. 


sive  privati,  propter  oraissam  poenam  viola- 
toris  sepulcri  voluerit  accusator  emergere, 
habeat  liberani  facultatem.  Nee  delatoris 
formidet  invidiam,  quum  praemio  magis  dig- 
nus  sit,  qui  se  constanter  improbos  odisse 
monstraverit  .  . 

7)  a)  P.  5,  25,  10.  Qui  hominem  immola- 
verint,  exve  eins  sanguine  litaverint,  fanum 
templumve  polluerint,  bestiis  obiciuntur,  vel 
si  honestiores  sint,  capite  puniuntur. 

b)  C.  9,  13,  1.  Eorum  est  scientia  punienda 
et  severissimis  merito  legibus  vindicanda,  qui 
magicis  accincti  artibus  aut  contra  hominum 
moliti  salutem  aut  pudicos  ad  libidinem  de- 
flexisse  animos  detegentur.  NuUis  vero  crimi- 
nationibus  implicanda  sunt  remedia  humanis 
quaesita  corporibus  aut  in  agrestibus  locis, 
ne  maturis  vindemiis  metuerentur  imbres 
aut  ruentis  grandinis  lapidatione  quaterentur, 
innocenter  adhibita  suffragia,  quibus  non 
cuiusque  salus  aut  existimatio  laederetur,  sed 
quorum  proficerent  actus,  ne  divina  munera 
et  labores  hominum  sternerentur, 

aa)  P.  5,  25,  9.  Qui  sacra  impia  noctur- 
nave,  ut  quem  obcantarent,  defigerent,  obli- 


Malefici  vel  incantatores  vel  immissores 
tempestatum  vel  ii,  qui  per  invocationem 
daemonum  mentes  hominum  turbant,  omni 
poerarum  genere  puniantur. 


Religionsverbrechen  §  4. 


559 


werden,  bez.  werden  haben  veranstalten  lassen,   um  Jemanden  zu  be- 
schreien,  zu  lähmen,  zu  fesseln,  werden  entweder  ans  Kreuz  geschlagen 
oder  den    wilden    Tieren  vorgeworfen.      Wer  auch    immer  nächtliche   c.  o,  13, 3 
Opfer   für    die  Dämonen    abgehalten    oder   durch  Beschwörungen   die 
Dämonen  angerufen  haben  wird,^  soll  kapital  gestraft  werden.^ 
bb)  Die  Magi  werden  lebendig  verbrannt.  p.5,25,11 

c)  Man  war  dahin   einig,    dass  Personen,    die  Mitwisser  der  magischen  Kunst  P.5,25,11 
sind,   von  dem  Summum   supplicium   betroffen,   das   wdll  sagen,   den  w^ilden 
Tieren  vorgeworfen  oder  ans  Kreuz  geschlagen  werden. 

d)  Bücher    mit    magischer  Kunst   bei   sich  zu  haben,    ist  Niemandem  erlau])t.  p. 5, 25, 12 
Sind  sie  bei  irgendwelchen  Personen  gefunden  worden,  so  werden  sie  unter 
Wegnahme  des  Vermögens  und  nach  öffentlicher  Verbrennung  der  Bücher 

auf  eine  Insel  deportiert,  Personen  niederen  Standes  kapital  gestraft: 
nicht  nur  die  Profession  dieser  Kunst,  sondern  auch  die  Kenntnis  ist  ver- 
boten w^orden. 

8)  Wahrsagen. 

a)  Man  war  dahin  einig,  dass  Wahrsager,  die  sich  als  des  Glottes  voll  ausgeben,  um  p.  5, 23, 1 
deswillen  aus  der  Gemeinde  ausgewiesen  werden,  damit  nicht  die  öffentlichen 


1)  T  spricht   von  Nefariao  preces,   Magici  apparatus  und  Sacrificia  funesta  zu  näcbt- 
licben  Zeiten. 

2)  Den  Thäter  trifft  nach  T  Competens  animadversio. 


garent,    fecerint    faciendave   curaverint,    aut 
cruci  suffiguntur  aut  bestiis  obiciuntur. 

C.  9,  13,  3.  Ne  quis  deinceps  nocturnis 
temporibus  aut  nefarias  preces  aut  magicos 
apparatus  aut  sacrificia  funesta  celebrare  co- 
netur.  Detectum  atque  convictum  competenti 
animadversione  niactari,  perenni  auctoritate 
censemus. 

bb)  P.  5,  25, 11.  .  .  Ipsi  (autem)  magi  vivi 
exuruntur. 

c)  P.  5,  25,  11.  Magicae  artis  conscios 
summo  supphcio  affici  placuit,  id  est,  bestiis 
obici  aut  cruci  suffigi  .  . 

d)  P.  5,  25,  12.  Libros  magicae  artis  apud 
se  neminem  habere  licet:  et  si  penes  quos- 
cunque  reperti  sint,  bonis  ademtis  ambustis- 
que  his  publice,  in  insulam  deportantur:  hu- 
miliores  capite  puniuntur.  Non  tantum  huius 
artis  professio,  sed  etiam  scientia  prohibita 
est. 

8)  a;  P.  5,  23,  1.  Vaticinatores ,  qai  se 
Deo  plenos  assimulant,  idcirco  civitate  ex- 
pelli  placuit,  ne  humana  credulitate  publici 
mores  ad  spem  alicuius  rei  corrumperentur 
vel    certe    ex   eo  populäres   animi  turbaren- 


Quicunque  nocturna  sacrificia  daemonum 
celebraverit  vel  incantationibus  daemones 
invocaverit,  capite  puniatur. 


560 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Sitten  aus  menschlicher  Leichtgläubigkeit  in  irgendwelcher  Angelegenheit  zu 
Hoffnungen  verleitet  oder  infolge  dessen  die  Gemüter  des  Volkes  beirrt 
wiu'den.  Demgemäss  werden  sie  zum  erstenmale  mit  Knüppeln  geschlagen 
und  aus  der  Gemeinde  gejagt,  falls  sie  aber  dabei  verharren,  in  öffent- 
liche Fesseln  gelegt  oder  auf  eine  Insel  deportiert  oder  relegiert. 

p.  5, 23,  4  b)  Jemand  wird  besser  gethan  haben,  nicht  allein  der  Wahrsagung,  sondern 
auch  der  Kenntnis  ihrer  Wissenschaft  und  ihrer  Bücher  sich  zu  enthalten. 

C.9, 13, 2  c)  Wer  auch  immer  wegen  Erforschung  des  Zukünftigen,  sei  es  einen  Dämonen- 
beschwörer, sei  es  die  Harioli  genannten  Seher,  oder  einen  Haruspex,  der 
Augurien  deutet,  befragt  haben  wdrd,  wird  kapital  gestraft  werden.-^ 

p.  5, 23, 3  d)  Wer  wegen  des  Heils  des  Princeps  oder  wegen  Wohl  und  Wehe  des  Ge- 
meinw^esens  Mathematiker,  Harioli,  Haruspices,  Wahrsager  befragt,  wird 
mitsamt  demjenigen,  der  geantwortet  haben  wird,  kapital  gestraft. 

p.  5, 23,  4  e)  Werden  Sklaven  wegen  des  Heils  der  Herren  gefragt  haben,  so  werden  sie 
von  dem  Summum  supplicium,  das  will  sagen,  der  Kreuzesstrafe  betroffen, 
die  Befragten  aber,  wenn  sie  Antworten  gegeben  haben  werden,  entweder 
zur  Bergwerksstrafe  verurteilt  oder  auf  eine  Insel  deportiert. 


1)  T  sagt,  dass  Niemand  einen  Haruspex,  Mathematicus,  Haviolus  befrage,  Auguren 
und  Vates  schweigen,  die  Malefici  nichts  unternehmen  sollen.  Die  Curiositas  solle  aufhören  i 
wer  den  Befehlen  den  Gehorsam  verweigere,  erfahre  Kapitalstrafe  durch  das  Schwert. 


tur.  Ideoque  primum  fastibus  caesi  civitate 
pelluntur:  perseverantes  autem  in  vincula 
publice  coniciuntur  aut  in  insulam  depor- 
tantur  vel  certe  relegantur. 

b)  P.  5,  23,  4.  Non  tantum  divinatione 
quis,  sed  ipsa  scientia  eiusque  libris  melius 
fecerit  abstinere  .  . 

c)  C.  9,  13,  2.  Nemo  haruspicem  consu- 
lat  aut  mathematicum,  nemo  hariolum,  Augu- 
rum  et  vatum  prava  confessio  conticescat. 
Chaldaei  ac  magi  et  ceteri,  quos  maleficos  ob 
facinorum  magnitudinem  vulgus  appellat, 
nee  ad  hanc  partem  aliquid  moliantur.  Si- 
leat  Omnibus  perpetuo  divinandi  curiositas. 
Etenim  supplicium  capitis  feret  gladio  ultore 
prostratus,  quicunque  iussis  obsequium  dene- 
gaverit. 

d)  P.  5,  23,  3.  Qui  de  salute  principis  vel 
de  summa  reipublicae  mathematicos,  hariolos, 
haruspices,  vaticinatores  consulit,  cum  eo, 
qui  responderit,  capite  punitur. 

e)  P.  5,  23,  4.  .  .  Quod  si  servi  de  salute 
dominorum  consuluerint,  summo  supplicio,  id 
est,  cruce  afficiuntur;  consulti  autem,  si  re- 
sponsa  dederint,  aut  in  metallum  damnantur 
aut  in  insulam  deportantur. 


Quicunque  pro  curiositate  futurorum  vel 
invocatorem  daemonum  vel  divinos,  quos. 
hariolos  appellant,  vel  haruspicem,  qui  augu- 
ria  colligit,  consulaerit,  capite  punietur. 


Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben  §  5. 


561 


V.  Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben  §  5. 

1)  Fälschung  mit  Bezug  auf  Urkunden, 
a)  Thatbestand. 

a)  Aus  der  Lex  Cornelia  testamentaria  haftet  derjenige,  welcher  ein  Testament  p. 
oder    irgend    eine    andere  Urkunde,    die  gefälscht  sind,    wissentlich  und  in 
böser  Absicht  geschrieben,  verlesen,  untergeschoben  haben  wird.    Derjenige,  p. 
welcher  ein  gefälschtes  Testament  gesiegelt  haben  wird,  wird  aus  der  Strafe 
der  Lex  Cornelia  De  falsis  haften. 

b)  Aus  der  Lex  Cornelia  testamentaria  haftet  derjenige,  welcher  ein  Testament  p. 
oder  irgend  eine  andere  Urkunde  unterdrückt,  beiseite  geschafft,  entsiegelt, 
zerstört  haben  wird.     Ein  Testament  unterdrückt  derjenige,  welcher  wissent-   p. 
lieh  und   absichtlich   die  Testamentsurkunde    zum  Nachteil  der  Erben  oder 
Legatare,  Fideikommissare  oder  verliehenen  Freiheiten  nicht  vorlegt.     Eine  p. 
Urkunde  zu  unterdrücken  wird  derjenige  erachtet,  der,  während  er  sie  besitzt 
und  vorzulegen  imstande  ist,  nicht  für  ihre  Vorlegung  Sorge  trägt.    Auch  ein   p. 
Kodizill,  das  verborgen  ist  und  nicht  vorgelegt  wird,  wird  als  unterdrückt  gelten. 

c)  Wenn  Jemand  ein  Testament  unterdrückt,  beiseite  geschafft,  entsiegelt,  zer-   P. 
stört    oder    seine  Zustimmung    hierzu   gegeben,    oder  befohlen   haben    wird, 
dass  es  geschehen  solle,  ist  er  Falsar. -^ 


5,  27,  1 

4,7,1 

5,  27,  1 
4,  7,  3 
4,7,4 
4,7,5 
4,7,2 


1)  Nicht  nur  derjenige,  welcher  ein  Instrument  untergeschoben,  unterdrückt  oder  zer- 


1  a)  a)  P.  5,  27,  1.  Lege  Cornelia  testamen- 
taria tenetur,  qui  testamentum  quodve  aliud 
instrumentum  falsum  sciens  dolo  malo  scrip- 
serit,  recitaverit,  subiecerit  .  . 

P.  4,  7,  1.  Qui  testamentum  falsum  .  . 
signaverit,  .  .  poena  legis  Corneliae  de  falsis 
tenebitur  .  . 

b)  P,  5,  27,  1.  Lege  Cornelia  testamen- 
taria tenetur,  qui  testamentum  quodve  aliud 
instrumentum  .  .  suppresserit,  amoverit,  re- 
signaverit,  deleverit  .  . 

P.  4,  7,  3.  Testamentum  supprimit,  qui 
sciens  prudensque  tabulas  testamenti  in  frau- 
dem heredum  vel  legatariorum,  fideicommis- 
sariorum  aut  libertatum  non  profert, 

P.  4,  7,  4.  Supprimere  tabulas  videtur, 
qui,  quum  habeat  et  proferre  possit,  eas  pro- 
ferre  non  curat. 

P.  4,  7,  5.  Codicilli  quoque  si  lateant, 
nee  proferantur,  supprimi  videbuntur, 

c)  P.  4,  7,  2.  Non  tantum  is,  qui  testa- 
mentum subiecit,  suppressit,  delevit,  poena 
legis  Corneliae  coercetur,  sed  et  is,  qui  sciens 
dolo  malo  id  fieri  iussit  faciendurave  curavit. 

Conrat,  Breviarium. 


Si  quis  testamentum  suppresserit,  amo- 
verit, resignaverit,  deleverit  aut  consenserit 
aut  fieri  iusserit,  (ut)  falsarius  .  . 


36 


562 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


p.  5, 27, 1  d)  Aus  der  Lex  Cornelia  testameiitaria  haftet,  wer  ein  unechtes  Siegel  aus- 
gebildet, gemacht,  ausgedrückt,  ein  Siegel  beseitigt,  eröffnet  haben  wird. 

p.  5, 27,  4  e)  Wer  Rechnungen,  Akten,  Libelli,  das  proponierte  Album,  Zeugnisse,  Kau- 
tionen, Chirographa,  Briefe,  wissentlich  und  in  böser  Absicht,  zum  Nachteil 
von  irgend  Jemandem  zerstört,  geändert,  untergeschoben,  unterschrieben 
haben  wird,  wird  von  der  Strafe  des  Falsum  betroffen. 

p.  5, 27, 8  f )  ^Ver  sich  falscher  Instrumente,  Briefe,  Reskripte  wissentlich  und  in  böser 
Absicht  bedient  gehabt  haben  wird,  wird  von;  der  Poena  falsi  betroffen; 
demgemäss    werden    Personen    niederen   Standes    zur   Bergwerksstrafe   ver- 

p.  1, 12,  2  ui'teilt,   besseren  Standes  deportiert.     Wer   unwissentlich  etwas  Gefälschtes 

allegiert  hat,  haftet  nicht  mit  der  Strafe  des  Falsum. 

P.  1, 12, 1  Diejenigen,  welche  in  ihren  Sachen  falsche  Reskripte  der  Principes 

vorgelegt  haben  werden,  ^sollen  als  Falsarii  gestraft  w^erden.^ 

ß)  Strafe  (vgl.  a,  f  u.  Erstes  Buch,  §  7,  3  y?  b). 
P-  5. 27, 1       a)  Aus  der  Lex  Cornelia  testamentaria  werden  Personen  aus  besserem  Stande  auf 
eine  Lisel  deportiert,  niederen  Standes  hingegen  entweder  zur  Bergwerksstrafe 
verurteilt  oder  ans   Kreuz  geschlagen.    Sklaven  jedoch,  die  nach  Yerübung 
der  That  freigelassen  worden  sind,  werden  kapital  gestraft. 

!*•  *'  '^'  1  Wer  ein  gefälschtes  Testament  geschrieben,  verlesen,  untergeschoben, 


stört  hat,  haftet  mit  der  Strafe  der  Lex  Cornelia,  sondern  auch  derjenige,  welcher  wissent- 
lich in  böser  Absicht  den  Befehl  hierzu  gegeben  oder,  dass  es  geschehe,  veranlasst  hat. 
1)  Werden  aus  der  Lex  Cornelia  de  falsis  gestraft. 


d)  P.  5,  27,  1.  Lege  Cornelia  testamen- 
taria tenetur,  qui  .  .  (quodve)  signum  adul- 
terinum  sculpserit,  fecerit,  expresserit,  amo- 
verit,  reseraverit  ,  . 

e)  P.  5,  27,  4.  Qui  rationes,  acta,  libel- 
los,  album  propositum,  testationes,  cautiones, 
chirographa,  epistolas  sciens  dolo  malo  in 
fraudem  alicuius  deleverit,  mutaverit,  subie- 
cerit,  subscripserit,  .  .  falsi  poena  coercetur. 

f)  P.  5.  27,  8.  Qui  falsis  instrumentis, 
epistolis,  rescriptis  sciens  dolo  malo  ususfuerit, 
poena  falsi  coercetur:  ideoque  humiliores  in 
metallum  damnantur,  honestiores  deportantur. 

P.  1,  12,  2.  Qui  falsum  nesciens  allega- 
vit,  falsi  poena  non  tenetur. 

P.  1,  12,  L  Hi,  qui  falsa  rescriptione 
usi  fuerint,  lege  Cornelia  de  falsis  puniuntur. 

[i)  a)  P.  5,  27,  1.  Lege  Cornelia  testa- 
mentaria .  .  honestiores  quidem  in  insulam 
deportantur,  humiliores  autem  aut  in  metal- 
lum damnantur  aut  in  crucem  tolhmtur. 
Servi  autem  post  admissum  manumissi  capite 
puniuntur. 

P.  4,  7,  1.  Qui  testamentum  falsum  scrip- 
serit,  recitaverit,   subiecerit,   signaverit,  sup- 


Hi,    qui    in    causis    suis    falsa  principum 
rescripta  detulerint,  ut  falsarii  puniantur. 


Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben  §  5. 


563 


gesiegelt,  ein  Testament  unterdrückt,  beiseite  geschafft,  entsiegelt,  zerstört 
haben  wird,  wird  mit  der  Strafe  der  Lex  Cornelia  De  falsis  haften, 
das  will  sagen,  auf  eine  Insel  deportiert. 

Wer    das  Testament  eines  Lebenden    geöffnet  haben  wird,    haftet  P-  5, 27, 6 
mit  der  Strafe  der  Lex  Cornelia:   die  Schuldigen    werden   gewöhnlich 
entweder,  falls  sie  Personen  niederen  Standes  sind,  zur  Bergwerksstrafe 
verurteilt,  oder  Personen  besseren  Standes  deportiert. 

Ein  Falsar  soll  auf  eine  Insel  deportiert  werden.^  p.  *,  7,  2 

b)  Wenn  ein  Kuriale  den  Willen  eines  Sterbenden  oder  eine  beliebige  öffent-  c.  9, 15, 1 
liehe  Urkunde  geschrieben  liaben^  und  wegen  Fälschung  angeklagt  wird, 
soll  er,  indem  zunächst  die  Dignität  bei  Seite  gesetzt  wird,  falls  es  nötig 
gewesen  sein  wird,  dem  Examen  überliefert  w^erden.  Wird  er  überführt, 
^so  wird  er  nicht  aus  der  Kurie  gestossen,  sondern  der  Dignität  der  Kurie 
beraubt  werden,  das  will  sagen,  dass  er  nicht  Honoratus  sein  kann.^  Hin- 
gegen soll  ein  Tabellio,  *der  jetzt  Amanuensis  oder  Cancellarius  genannt 
wird,*  mag  er  auch  zur  Dignität  der  Kurie  gelangt  sein,  sobald  er  der 
Fälschung  angeklagt  oder  überführt  gewiesen  sein  wird,  dem  Examen  unter- 
worfen werden,  damit  durch  denjenigen,  der  sie  abgefasst  hat,  die  Echtheit 
der  Urkunde  erwiesen  werde. 


1)  Vgl.  S.  561  Anra.  1. 

2)  Wird  ein  Decurio  ein  Testament,  bez.  Kodizill,  oder  irgendwelchen  letzten  Willen 
geschrieben,  bez.  bei  Abfassung  von  Publica  privataque  instrumenta  Dienst  geleistet  haben. 

3)  So  hört  er  nicht  sofort  auf  Decurio  zu  sein,  bleibt  es  vielmehr  bezüglich  Munici- 
pales  necessitates,  während  er  sich  Ad  rem  gestam  et  veritatem  reserandam  des  Dekurio- 
nats  nicht  bedienen  kann. 

4)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


presserit,  amoverit,  resignaverit,  deleverit, 
poena  legis  Corneliae  de  falsis  tenebitur,  id 
•est,  in  insulam   deportatur. 

P.  5,  27,  6.  Qui  vivi  testamentum  aperu- 
erit,  .  .  poena  legis  Corneliae  tenetur:  et 
plerumque  aut  humiliores  in  metallum  dam- 
nantur  aut  honestiores  deportantur. 

P.  4,  7,  2.  .  .  is,  qui  testamentum  sub- 
iecit,  .  .  poena  legis  Corneliae  coercetur  .  . 

b)  C.  9,  15,  1.  Si  quis  decurio  testamen- 
tum vel  codicillos  aut  aliquam  deficientis 
scripserit  voluntatem,  vel  conscribendis  pu- 
blicis  privatisque  instrumentis  praebuerit 
officium,  si  falsi  quaestio  moveatur,  decuri- 
onatus  honore  seposito,  quaestioni,  si  ita 
poposcerit  causa,  subdatur.  Sed  non  statim 
desinit  esse  decurio,  qui  in  huius  modi  facto 
fuerit  deprehensus.  Quantum  enim  ad  mu- 
nicipales  pertinet  necessitates,  decurio  per- 
manet;  quantum  ad  rem  gestam  et  verita- 
tem reserandam,  uti  decurionatus  honore  non 


.  .  falsarius  in  insulam  deportetur. 

Si  quis  cur!alis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
et  de  falsitate  accusatur,  seposita  primitus 
dignitate,  si  necesse  fuerit,  subdatur  examini: 
qui  si  convincitur,  a  curia  non  expelletur, 
sed  curiae  dignitate  privabitur,  id  est  ut 
honoratus  esse  non  possit.  Tabellio  vero, 
qui  amanuensis  nunc  vel  cancellarius  dici- 
tur,  etiamsi  ad  curiae  pervenerit  dignitatem, 
si  de  falsitate  accusatus  fuerit  aut  convictus, 
subdatur  examini,  ut  per  ipsum,  per  quem 
confecta  est,  scripturae   veritas  approbetur. 

36* 


564 


ÖfFentliclies  Recht.     Zweites  Buch. 


c.  9, 15, 2  c)  ^  Wegen  Falsiim  kann  sowohl  kriminell,  als  auch  civil  geklagt  werden :  civil, 
wenn  irgend  Jemand  beliebigen  Urkunden  gegenüber  nicht  das  Falsi  crimen 
entgegengehalten  haben  wird,  sondern  die  Echtheit  der  Urkunde  erforschen 
zu  wollen  erklärt.  Wird  der  Ankläger  zu  dem  Judex  gekommen  sein  und 
das  Falsi  crimen  angestrengt  haben,  so  soll  der  Judex  dem  Ankläger  eine 
Frist  gewähren,  um  zu  erwägen,  ob  er  kriminell  oder  civil  klagen  wolle. 
AVird  er  nach  seiner  Rückkehr  zu  dem  Judex  bei  der  Zurlastlegung  des 
Verbrechens  der  Fälschung  beharrt  haben,  so  wird  es  in  der  Macht  des 
Judex  stehen,  ob  er  die  Inskription  vorgenommen  wissen  oder  das  zur  Last 
gelegte  Verbrechen  ohne  Inskription  zur  Verhandlung  bringen  will.  Wenn 
dann  der  Judex  wegen  Zurlastlegung  der  Fälschung  eine  Vernehmung  ver- 
anstaltet haben  wird,  sei  es,  dass  die  Inskription  stattgefunden  hat,  sei  es 
dass  sie  unterlassen  worden  ist,  so  soll,  entweder  gegen  den  Angeklagten, 
wenn  die  Fälschung  nachgewiesen  wird,  oder  gegen  den  Ankläger,  wenn 
er  fälschlich  zur  Last  gelegt  haben  wird,   das  Urteil  dem  Gesetze  gemäss 


poterit.  Nee  vero  is,  qui  ante  fuerit  tabellio, 
ad  eluclendam  quaestionem  super  his,  quae 
ante  conscripsit,  factus  decurio  defendi  hac 
poterit  dignitate,  quoniam  scripturae  veritas, 
si  res  poposcerit,  per  ipsum  debet  probari 
auctorem. 

c)  C.  9,  15,  2.  Dam  US  copiam  iurganti- 
bus,  si  apud  iudiceui  proferatur  scriptura, 
de  qua  oritur  aliqua  disputatio,  spatiam  ut 
habeat,  qui  perurgeat,  profitendi,  atrum  de 
falso  criminaliter,  an  de  scripturae  fide  sta- 
tuat  civiliter  experiri.  Quod  si  expetens  vin- 
dictam  falsi  crimen  intenderit,  erit  in  arbi- 
trio  iudicantis,  an  eum  sinat  etiam  sine  in- 
scriptione  certare.  ludicis  enim  potestati 
committi  oportet,  ut  de  eo,  qui  obiecta  non 
probaverit,  sumat  propositum  antiquo  iure 
supplicium.  Rationi  quoque  huius  modi  ple- 
nissime  sufiPragatur  antiquitas,  quae  nequis- 
simos  homines  et  argui  voluit  et  coerceri 
legibus  variis,  Cornelia  de  veneficiis,  sicariis, 
parricidiis,  lulia  de  adulteris  ambitusve  cri- 
minibus,  ceterisve  ita  promulgatis,  ut  possit 
etiam  sine  inscriptione  cognosci,  poena  tarnen 
accusatorem  etiam  sine  solennibus  occuparet. 
De  qua  re  et  divus  Antoninus  rescripsisse 
docetur,  id  in  iudicis  potestate  constituens, 
quod  nosmet  in  legibus  iusseramus.  Remove- 
bitur  itaque  istius  lenitate  rescripti  praecepti 
superioris  austeritas,  ut,  si  quis  deinceps  ta- 
bulas testamenti,  chirographa  testationesque, 
nee  non  etiam  rationes  privatas  vel  publicas, 
pacta  et  epistolas  vel  ultimas  voluntates, 
donationes,  venditiones  vel  si  quid  prolatum 
aliud  insimulare  conabitur,  habeat,  praeter- 
missis   solennibus,  accusandi  facultatem,  pro 


De  falso  potest  et  criminaliter  et  civiliter 
agi.  Civiliter,  quum  aliquis  quibuslibet  scri- 
pturis  non  falsi  crimen  obiecerit,  sed  veri- 
tatem  scripturae  se  velle  quaerere  dicit. 
Nam  si  ad  iudicem  venerit  accusator,  et  falsi 
crimen  intenderit,  iudex  tribuat  accusatori 
spatium,  ut  deliberet,  utrum  criminaliter 
agere  an  civiliter  velit.  Qui  si  reversus  ad 
iudicem  in  obiecto  falsitatis  crimine  perse- 
veraverit,  in  potestate  iudicis  erit,  utrum 
inscriptionem  celebrari  velit,  an  obiectum 
crimen  sine  inscriptione  discutere.  Quod 
quum  iudex  de  obiectione  falsitatis  audierit, 
seu  inscriptione  habita  seu  omissa,  aut  in 
accusatum,  si  falsitas  approbatur,  aut  in  ac- 
cusatorem, si  falso  obiecerit,  proferatur  ex 
leere  sententia. 


Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben  §  5. 


565 


gesprochen   werden.^     Ohne  Zweifel    wird   auch    das  Crimen  falsi,   worüber  c.  9,  ig,  1 
civil  bereits  verhandelt  worden  ist,  kriminell  wiederholt  werden  dürfen." 

aa)  Wenn  Jemand  ein  von  dem  Erblasser  anvertrautes  Testament  In  c.  9,  le,  1 
fraudem  des  Erben  unterdrückt  haben  wird  und  der  eingesetzte  Erbe 
gerichtlich  verlangt,  dass  es  ihm  ausgeliefert  werde,  kann  er,  nachdem 
das  Testament  gerichtlich  mittels  des  Benefizes  des  Besitzes  restituiert 
worden  ist,  nachher  wegen  der  Unterdrückung  des  Testaments  eine 
Kriminalklage  anstellen.^ 

2)  Yertrauensbruch  (vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  7,  2  c). 

a)  Wird  Jemand  nachgewiesen  haben,  dass  Urkunden,  die  für  ihn  von  Nutzen  p.  5, 27, 7 
sind,  von  seinem  Prokurator  oder  Kognitor  dem  Gegner  ausgeliefert  worden 
sind,  so  werden  ebensosehr  der  Prokurator  wie  der  Kognitor,  wenn  sie  Per- 
sonen niederen  Standes  sind,  zur  Bergwerksstrafe  verurteilt,  falls  sie  besseren 


1)  T  führt  aus,  dass,  wenn  vor  den  Judex  eine  Urkunde  gebracht  wird,  über  welche 
Streit  entsteht,  derjenige,  qui  perurgeat,  die  Wahl  habe  zwischen  der  kriminellen  Klage 
De  falso  und  der  civilen  Klage.  Ersterenfalls  habe  der  Judex  zu  entscheiden,  ob  es 
mit  oder  ohne  Inskription  zu  geschehen  habe,  da  dem  Judex  überlassen  bleibe,  bei  Be- 
weisfälligkeit den  Ankläger  nach  Befinden  zu  strafen,  entsprechend  dem  lus  antiquum, 
das  ein  Reskript  des  Antoninus  anerkannt  habe:  wer  daher  Testamente  oder  sonstige  Ur- 
kunden verdächtige,  solle  unter  Ausserachtlassung  der  Solennitäten  die  Befugnis  zur  Anklage 
haben.  Auch  bei  den  Civiles  inquisitiones  unter  den  Parteien  solle  der  Leiter  der  Quaestio 
die  Macht  haben,  Intentiones  falsae  oder  Conficta  crimina  mit  den  gebührenden  Strafen 
Ex  legibus  zu  ahnden. 

2)  Vgl.  S.  119  Anm.  3.  3)  Vgl.  S.  226  Anm.  1. 


iudicis  motu  sententiam  relaturus.  Civiles 
autem  inquisitiones  inter  utrasque  confligen- 
tium  partes  aequali  motu  ingruit  et  recurrit 
humanitas,  quum  is,  qui  praeerit  quaestioni, 
intentiones  falsas  aut  conficta  crimina  ex 
legibus  poenis  competentibus   possit  ulcisci. 

C.  9,  16,  1.  .  .  non  ambigitur,  etiam 
falsi  crimen,  de  quo  civiliter  iam  actum  est, 
criminaliter  esse  repetendum. 

aa)  C.  9,  16,  1.  .  .  suppresso  testamento 
quum  ex  interdicto  de  Tabulis  exhibendis 
fuerit  actum,  nihilo  minus  ex  lege  Cornelia 
testamentaria  poterit  crimen  inferri  .  . 


2)  a)  P.  5,  27,  7,  Si  quis  instrumenta 
utilitatis  suae  a  procuratore  suo  vel  cogni- 
tore  adversario  prodita  esse  convicerit,  tarn 
procurator,  quam  cognitor,  si  humiliores  sunt, 
in  metallum  daranantur:  si  honestiores  sunt, 
ademta  dimidia  parte  bonorum  in  perpe- 
tuum  relecrantur. 


.  .  De  testamentis  (etiam),  si  quis  com- 
mendatum  a  testatoro  testamentum  in  frau- 
dem heredis  fortasse  suppresserit,  et  id  heres 
scriptus  iudicio  restitui  petit,  testamento  per 
iudicium  momenti  beneficio  restituto,  potest 
postmodum  de  suppresso  testamento  crimi- 
nalem  proponere  actionem  .  . 


566 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  27,  6 


Standes  sind,  unter  Wegnahme  der  Hälfte  des  Vermögens  für  immer 
relegiert, 
p.  5, 27, 9  b)  Wer  auch  immer  Urkunden,  die  bei  ihm  niedergelegt  worden  sind,  dem 
Einen  in  Abwesenheit  des  Andern  zurückgegeben  oder  dem  Gegner  aus- 
geliefert haben  wird,  wird  je  nach  seinem  Stande  entweder  zur  Bergwerks- 
strafe verurteilt  oder  auf  eine  Insel  relegiert, 
c)  Wer  das  Testament  eines  Lebenden  geöffnet,  verlesen,  entsiegelt  haben 
wird,  haftet  mit  der  Strafe  der  Lex  Cornelia:  die  Schuldigen  werden  ge- 
wöhnlich entweder,  falls  sie  Personen  niederen  Standes  sind,  zur  Berg- 
werksstrafe verurteilt  oder  als  Personen  besseren  Standes  deportiert. 

3)  Münzfälschung. 

a)  Mit  der  Lex  Cornelia  testamentaria  haftet  derjenige,  welcher  Gold-  und 
Silbermünzen  gefälscht,  gewaschen,  eingeschmolzen,  abgeschabt,  verdorben, 
beschnitten,  bez.  eine  mit  dem  Bilde  der  Principes  versehene  Münze,  es  sei 
denn  eine  unechte,  abgelehnt  haben  wird.  Wer  Erz  vergoldet,  versilbert, 
bez.  wer,  während  er  Silber  oder  Gold  setzt,  Erz  oder  Stannum  unter- 
geschoben haben  wird,  wird  von  der  Falsi  poena  betroffen. 

b)  Ein  Jeder  soll  eine  Prämie  erhalten,  der  einen  Münztälscher  angegeben 
haben  wird^:  derjenige,  welcher  angegeben  worden  ist,  soll,  nachdem  er  der 
Münzfälschung    überführt    gewesen    sein    wird,    dem    Feuertode    überliefert 


P.  5,  27,  1 


P.  5,  27,  4 


C.  9,  17,  1 


1)  Die  Prämie   wird   nach  T  den  Anklägern  verheissen,   quicunque  solidorum  adulter 
potuerit  reperiri  vel  a  quoquam  fuerit  publicatus. 


b)  P.  5,  27,  9.  Instrumenta  penes  se  de- 
posita  quicunque  alteri  altero  absente  reddi- 
derit  vel  adversario  prodiderit,  pro  personae 
eius  conditione  aut  in  metallum  damnatur 
aut  in  iasulam  relegatur. 

c)  P.  5,  27,  6.  Qui  vivi  testamentum 
aperuerit,  recitaverit,  resignaverit,  poena  le- 
gis Corneliae  tenetur:  et  plerumque  aut  hu- 
miliores  in  metallum  damnantur  aut  hone- 
stiores  deportantur, 

3)  a)  P.  5,  27,  1.  Lege  Cornelia  testamen- 
taria tenetur,  qui  .  ,  nuuimos  aureos,  argen- 
teos  adulteraverit ,  laverit,  conflaverit,  ra- 
serit,  corruperit,  vitiaverit:  vultuve  principum 
signatam  monetam,  praeter  aduiterinam,  re- 
probaverit  .  . 

P.  5,  27,  4.  Qui  .  .  aes  inauraverit,  ar- 
gentaverit,  quive  quum  argentum  vel  aurum 
poneret,  aes  stannumve  subiecerit,  falsi  poena 
coercetur. 

b)  C.  9,  17,  1.  Praemio  accusatoribus 
proposito,  quicunque  solidorum  adulter  po- 
tuerit reperiri  vel  a  quoquam  fuerit  publi- 
catus, illico,  omni  dilatione  summota,  flam- 
marum  exustionibus  mancipetur. 


Praemium  accipiat,  quicunque  adulterum 
monetarium  prodiderit,  et  is,  qui  proditus 
est,  si  de  monetae  adulteratione  convictus 
fuerit,  ignibus  concremetur. 


Verbrechen  gegen  Treu  und  Glauben 


5. 


567 


werden.  Wer  auch  immer  einen  Solidus  beschnitten  oder  einen  falschen  c.  9,  is,  1 
untergeschoben  oder  eine  falsche  Münze  verfertigt  haben  wird,  soll  kapital 
gestraft  werden. ^  Das  Vermögen  desjenigen,  welcher  bezichtigt  wird,  eine  p  5, 14, 8 
falsche  Münze  geschlagen  zu  haben,  wird  dem  Fiskus  zugesprochen.  Werden 
Sklaven  bezichtigt,  es  ohne  AVissen  des  Herrn  gethan  zu  haben,  so  trifft 
sie  selbst  das  schwerste  Supplicium ,  wird  hingegen  dem  Herrn  nichts  ent- 
zogen, weil  Sklaven  durchaus  nicht  vermögen,  die  Sache  ihres  Herrn 
ohne  sein  Mitwissen  schlechter  zu  machen. 

4)  Grenzverrückung. 

a)  Gegen  denjenigen,  welcher  gewaltsam  Grenzen  niedergerissen  oder  entfernt  P-  1,  iß,  1 
haben  wird,  wird  Extra  ordinem  eingeschritten.  Diejenigen,  welche  Grenzpfähle  p.  5, 24, 2 
ausgraben    oder  auspfiügen   oder  Grenzbäume   entwurzeln,   werden,    falls  es 


1)  T  sagt,  class  Solidi  mit  dem  kaiserlichen  Bildnis  den  gleichen  Wert  haben,  wie  ver- 
schieden auch  ihre  Grösse  sein  mag,  da  das  Gewicht  das  gleiche  sei.  Habe  Jemand  daran 
geändert,  so  müsse  er  entweder  kapital  gestraft  oder  den  Flammen  übergeben  werden  oder 
eine  andere  Todesstrafe  erleiden.  Diese  Strafe  solle  auch  derjenige  erdulden,  welcher 
das  Mass  des  äusseren  Umfangs  beschneide  oder  einen  Figuratus  solidus  durch  fälschliche 
Nachahmung  beim  Verkauf  untergeschoben  haben  werde. 


C.  9,  18, 1.  Omnes  solidi,  in  quibus  nostri 
vultus  ac  veneratio  una  est,  uno  pretio  aesti- 
mandi  sunt  atque  vendendi,  quamquam  di- 
versa  formae  mensura  sit.  Nee  enim  qui 
maiore  habitu  faciei  extenditur,  maioris  est 
pretii,  aut  qui  augustiore  expressione  con- 
cluditur,  minoris  valere  credendus  est,  quum 
pondus  idem  exsistat.  Quod  si  quis  aliter 
fecerit,  aut  capite  puniri  debet,  aut  flammis 
tradi,  vel  alia  poena  mortifera.  Quod  ille 
etiam  patietur,  qui  mensuram  circuli  exteri- 
oris  arroserit,  ut  ponderis  minuat  quantita- 
tem,  vel  figuratum  solidum  adultera  imita- 
tione  in  vendendo   subiecerit. 

P.  5,  14,  8.  Eius  bona,  qui  falsam  mo- 
netam  percussisse  dicitur,  fisco  vindicantar, 
Quod  si  servi  ignorante  domino  id  fecisse 
dicantur,  ipsi  quidem  summo  supplicio  af- 
ficiuntur;  domino,  tamen  nihil  aufertur,  quia 
peiorem  domini  causam  servi  facere,  nisi  forte 
scierit,  omnino  non  possunt. 

4)  a)  P.  1,  16,  1.  In  eum,  qui  per  vim 
terminos  deiecerit  vel  amoverit,  extra  ordi- 
nem animadvertitur. 

P,  5,  24,  2.  Qui  terminos  effodiunt  vel 
exarant,  arboresve 'terminales  eveitunt,  si, 
quidem  id  servi  sua  sponte  fecerint,  in  me- 
tallum  damnantur:  humiliores  in  opus  publi- 
cum, honestiores  in  insulam  amissa  tertia 
parte  bonorum  relegantur  aut  exsulare  co- 
guntur. 


Quicunque  solidum  circumciderit  aut  adul- 
terum  supposuerit  aut  falsam  monetam  fecerit, 
capite  puniatur. 


568 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Sklaven  aus  freien  Stücken  gethan  haben  werden,  zur  Bergwerksstrafe  ver- 
urteilt :  Personen  niederen  Standes  werden  zur  öffentlichen  Arbeit,  besseren 
Standes  unter  Verlust  des  dritten  Teils  ihres  Vermögens  auf  eine  Insel  rele- 
giert oder  zum  Exil  gezwungen. 

5)  Missbrauch  von  Name,  Stand  und  Einfluss. 
p.5,27,10       a)  Wer  einen  falschen  Namen  sich  beigelegt,  Geschlecht  oder  Eltern  erdichtet 
haben  wird,   um  etwas  Fremdes  zu  unterschlagen,  wegzunehmen,  im  Besitz 
zu  halten,  wird  mit  der  Strafe  der  Lex  Conielia  De  falso  abgeurteilt. 
c.  6, 1, 1       b)  Niemand  möge  einen  Honor,  bez.  eine  Dignität,  die  er  von  dem  Princeps  nicht 
erzielt  haben  wird,  für  sich  in  Anspruch  iiehmen,   weil,    wie  für  diejenigen, 
welche  sie  erzielt  haben,  die  Dignität  eine  Zierde  ist,  so  diejenigen,  welche 
c.  6,1,2  sie  sich  anmassen,  mit  Schimpf  zu  beflecken  sind:^-  ^  wird  sich  Jemand  eine 

Dignität,  die  er  von  dem  Princeps  nicht  erzielt  haben  wird,  angemasst  haben, 
so  soll  er  des  Sakrilegs  schuldig  gelten.^ 
p.  5, 27, 11        c)  Diejenigen,  welche  sich  der  Insignien  eines  höheren  Ordo  bedienen  und  eine 
Militia    ersinnen,    um  jemanden   zu    schrecken  oder  in  Angst  zu  versetzen, 


1)  T  führt  aus,  dass  die  Usurpationis  ambitio  besonders  anstössig  sei,  indem  das  Prä- 
rot^^ativ  der  Verdienste  verloren  gehe,  wenn  sich  Jemand  Absque  respectu  et  contemplatione 
vel  qualitate  etiam  provectionis  emeritae  den  Locus  custodiendi  honoris  aneigne. 

2)  T  schickt  voraus,  dass  Valentinian  für  die  einzelnen  Dignitäten  einen  Certus  locus, 
bez.  meritum,  verordnet  hat. 

3)  T  fügt  hinzu:  Hie  de  iure  addendum,  quae  sit  poena  sacrilegii. 


5)  a)  P.  5,  27,  10.  Qui  sibi  falsum  nomen 
imposuerit,  genus  parentesve  finxerit,  quo 
quid  alienum  interciperet  caperet  possideret, 
poena  legis  Corneliae  de  falsis  coercetur. 

b)  C.  6,  1,  1.  Nihil  est  tarn  iniuriosum 
in  conservandis  et  custodiendis  gradibus 
dignitatum  quam  usurpationis  ambitio.  Porit 
enim  omnis  praerogativa  meritorum,  si  abs- 
que respectu  et  contemplatione  vel  qualitate 
etiara  provectionis  emeritae  custodiendi  ho- 
noris locus  praesumitur  potius  quam  tenetur, 
ut  aut  potioribus  eripiatur  id,  quod  est  de- 
bitum,  aut  inferioribus  prosit,  quod  videtur 
indebitum. 

C.  6,  1,  2.  Coelestis  recordationis  Valen- 
tinianus,  genitor  nominis  nostri,  singulis 
quibusque  dignitatibus  certum  locum  meri- 
tumque  praescripsit.  Si  quis  igitur  indebi- 
tum sibi  locum  usurpaverit,  nuUa  se  igno- 
ratione  defendat,  sitque  plane  sacrilegii 
reus,  qui  divina  praecepta  neglexerit. 

c)  P.  5,  27,  11.  Qui  insignibus  altioris 
ordinis  utuntur  militiamque  confingunt,  quo 
quem  terreant  vel  concutiant,  humiliores  ca- 
pite  puniuntur,  honestiores  deportantur. 


Nemo  sibi  honores  vel  dignitatem,  quam 
a  principe  ipse  non  meruerit,  praesumat, 
quia,  sicut  eis,  qui  meruerunt,  dignitas  or- 
namentum  est,  ita  nota  maculandi  sunt,  qui 
praesumunt. 


Si  quis  praesumserit.  quam  non  meruerit 
a  principe  dignitatem,  sacrilegii  reus  ha- 
beatur  .  . 


Verbrechen  gegen  die  Rechtspflege  §  6. 


569 


werden,  wenn  sie  niederen  Standes  sind,  kapital  gestraft  und  als  Personen 
besseren  Standes  deportiert. 

d)  Wenn  ein  Freigelassener  sich  für  einen  Freigebornen  erklärt,  wird  er  ebenso    c.  9,16,1 
sehr    wegen    der    Dienste    civilrechtlich,    als    ferner   nach   der    Lex  ViseUia 
kriminell  verfolgt  werden  können.^ 

e)  Wenn  Personen,  die  sich  fälschlich  der  Freundschaften  oder  der  Familiarität  p.  5, 27, 12 
des  Judex  rühmen,  die  Chancen  seiner  Urteilssprüche  verkaufen,  bez.  etwas 

unter  Berufung  auf  seinen  Namen  betreiben,  so  werden  sie  nach  erfolgter 
Überführung  nach  dem  Masse  des  Vergehens  entweder  relegiert  oder  kapital 
gestraft. 

VI.  Verbrechen  gegen  die  Rechtspflege  §  6. 

1)  Delation  und  Kalumnie. 

a)  Delatoren  werden  diejenigen  genannt,  welche  entweder  fremdes  Vermögen  c.  lo,  5, 1 
angegeben  oder  ein  fremdes  Caput  angegriffen  haben  werden.^  Wer  auch 
immer  als  Angeber  in  einer  beliebigen  Sache  aufgetreten  sein  wird,  soll, 
nachdem  er  schon  bei  Beginn  seines  Verrates  von  dem  Judex  loci  ergriffen 
worden  ist,  unverzüglich  erdrosselt  werden:  von  Grund  aus  soll  ihm  die 
Zunge  ausgeschnitten  und  entfernt  werden,  damit,  wenn  Jemand  als  An- 
geber auftreten  sollte,  weder  seine  Kalumnie  noch  seine  Stimme  vernommen 
werde.^     Wenn  Sklaven  des  Fiskus  dem  Herrn  irgend  etwas  gemeldet  und  P-  5,  is,  2 


1)  Vgl.  S.  76  Anin.  3. 

2)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

3)  T  fügt  hinzu:  sed  si  qui  delator  exstiterit,  capitali  sententiae  subiugetur. 


d)  C.  9,  16,  1.  .  .  quum  libertus  se  dicit 
ingenuum,  tarn  de  operis  civiliter  quam  etiam 
lege  ViseUia  criminaliter  poterit  perurgeri. 

e)  P.  5,  27,  12.  Si  qui  de  iudicis  amici- 
tiis  vel  familiaritate  mentientes  eventus  sen- 
tentiarum  eins  vendunt,  quidve  obtentu  no- 
minis  eius  agunt,  convicti  pro  modo  delicti 
aut  relegantur  aut  capite  puniuntur. 

1)  a)  C.  10,  5,  1.  Comprimatur  unum 
maximum  humanae  vitae  malum,  delatorum 
exsecranda  pernicies,  et  inter  primos  cona- 
tus  in  ipsis  faucibus  stranguletur,  et  amputata 
radicitus  invidiae  lingua  vellatur,  ita  ut  iu- 
dices  nee  calumniam  nee  vocem  prorsus  de- 
ferenlis  admittant  .  . 

P.  5,  15,  2.  Servi  fiscales,  qui  causam 
doraino  prodere  ac  nuntiare  contendunt,  de- 
ferre  non  videntur.  Subornati  sane  reum 
prodere  coguntur,  ne  qui  quod  per  se  non 
potest,  per  alium  deferat.  Perinde  autem 
subornatores  ac  delatorcs  puniuntur. 


Delatores  dicuntur,  qui  aut  facultates 
prodiderint  alienas  aut  caput  impetierint 
alienum.  Quicunque  delator  cuiuslibet  rei 
exstiterit,  in  ipso  proditionis  initio  a  iudice 
loci  correptus  continuo  stranguletur,  et  ei 
incisa  radicitus  lingua  toliatur,  ut  si  quis 
proditor  futurus  est,  nee  calumnia  nee  vox 
illius  audiatur. 

Si  servi  fiscales  aliquid  domino  nuntia- 
verint  atque  prodiderint,  delatores  esse  non 
videntur.  Sane  si  aliquis  eos  ad  hanc  rem 
immiserit  vel  instigaverit,  eum  prodere  iuben- 
tur.  Qui  quum  proditus  ab  illis  fuerit,  ita 
puniri  iubetur,  quemadmodum  delatores  pro 
iuris  ordine  puniuntur. 


570 


Öflfentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


verraten  haben  werden,  gelten  sie  nicht  als  Angeber.  Wird  sie  freilich 
irgend  Jemand  zu  diesem  Zwecke  abgeschickt,  bez.  aufgestachelt  haben, 
so  werden  sie  genötigt,  ihn  zu  nennen;  wird  er  von  jenen  genannt  gewesen 
sein,  so  wird  verordnet,  ihn  derart  zu  strafen,  wie  Delatoren  nach  der  Ord- 
p.  5, 15, 3  nung  des  Rechts  gestraft  werden.    Verurteilte  Sklaven,  sei  es  dass  sie  nach 

dem  Urteil,  sei  es  dass  sie  vor  dem  Urteil  die  Verbrechen  ihrer  Herren  be- 
kannt haben,  werden  unter  keinen  Umständen  gehört,  es  sei  denn  etwa 
dass  sie  der  Maiestas  schuldige  Personen  angeben. 

p.  5, 15, 1  Allen  ist  verboten,    irgendwie   einen  Andern    anzugeben  und  eine 

Geldsache  dem  Fiskus  zu  melden.  Es  macht  keinen  Unterschied,  ob 
es  Männer  oder  Frauen,  ob  es  Sklaven  oder  Freigeborne  oder  Frei- 
gelassene thun,  ob  sie  Sui  oder  Extranei  angeben:  vielmehr  werden 
sie  unter  allen  Umständen  gestraft. 

c.  10, 5,  2  Indem  wir  die  Gerechtigkeit  beschützen,  verfolgen  wir  den  Namen 

der  Angeber,  mit  der  Massgabe,  dass  sie,  wenn  sie  als  Delatoren  an- 
erkannt und  überführt  gewesen  sein  werden,  mit  dem  Schv/erte  gestraft 
Averden  sollen.^ 

c.  10,5, 3  Die  Feinde  des  Menschengeschlechts  verfolgen  wir  in  unserer  Ge- 


1)  T  schärft  den  Tudices  ein,  die  Delatoren  zu  strafen,  und  bezeichnet  es  als  aus- 
gemachten Rechts,  dass  ein  Caducum  von  den  Advocati  fisci  in  Anspruch  genommen  werde. 
Da  indessen  noch  stets  Delationen  vorkämen,  habe  jeder  der  Beteiligten  das  Recht,  die 
Severitas  iudicum  ferro  destricta  anzurufen:   wozu  sie  am  ehesten  in  der  La^e  seien. 


P.  5,  15,  3.  Damnati  servi,  sive  post  sen- 
tentiam,  sive  ante  sententiam  dominorum  fa- 
cinora  confessi  sint,  nullo  modo  audiuntur, 
nisi  forte  reos  deferant  maiestatis. 

P.  5,  15,  1.  Omnes  omnino  deferre  al- 
terum  et  causam  pecuniariam  fisco  nuntiare 
prohibentur.  Nee  refert,  mares  istud  an  fe- 
minae  faciant;  servi,  an  ingenui  an  libertini; 
an  suos,  an  extraneos  deferant:  omni  enim 
modo  puniuntur, 

C.  10,  5,  2.  Omnes  iudices  invigilare 
praecipimus  et  delatores  poenis  afficere. 
Apertissimi  enim  iuris  est,  ut,  quod  ex  cuius- 
cunque  patrimonio  ceciderit  in  casum,  et 
legibus  et  retro  iuris  ordine,  fisci  advocatis 
agentibus,  vindicetur.  Sed  quia  nonnulli  prae- 
cipites  secundum  ius  possessa  patrimonia  de- 
ferre non  cessant,  damus  omnibus,  qui  se 
laesos  existimant,  contra  delatores  severi- 
tatem  iudicum  implorare  ferro  destrictam. 
Nemo  enim  potest  delatorem  plus  agnoscere 
quam  ille,  qui  iniuriam  per  eins  nequitiam 
sustinuit. 

C.  10,  5,  3.  In  tantum  humani  generis 
inimicos    arbitra    aequitate   persequimur,    ut 


Custodientes  iustitiam  nomen  persequimur 
delatorum,  ita  ut,  quum  agniti  et  convicti 
fuerint  delatores,  gladio  puniantur. 


Verbrechen  gegen  die  Rechtspflege  §  6. 


571 


C.  9,  29,  3 


recbtigkeit  derart,  dass  wir  die  Bestrafung  der  zu  Delatoren  Erklärten 
mit  dem  Schwerte  angeordnet  haben. 

Wir  befehlen,  dass  ein  Sklave,  der  Angeber  seines  Herrn  ist,  nach   c.  lo,  5, 5 
dem  Beispiel  aller  Verräter  dem  strengsten  Urteil  unterworfen  werde, 
mag  er  auch  das  ihm  zur  Last  Gelegte  bewiesen  haben. 

b)  Kalumniatoren  sind  alle  diejenigen,  welche  Sachen,  die  ihnen  nicht  zu- 
kommen, ohne  das  Mandat  des  Andern  proponiert  haben,  die,  nachdem 
sie  durch  ein  gerechtes  Urteil  besiegt  worden  sind,  die  Sache  zu  wieder- 
holen versucht  haben  werden,  die  im  Namen  des  Fiskus  fremdes  Vermögen 
beanspruchen  und  Unschuldige  nicht  in  Ruhe  lassen.  Kalumniatoren  sind 
auch  diejenigen,  welche,  indem  sie  Falsches  anbringen,  gegen  die  Person 
irgend  eines  Unschuldigen  die  Gemüter  der  Principes  zum  Zorn  zu  bewegen 
sich  anmassen.  Sie  alle  Averden,  nachdem  sie  infam  geworden  sind,  in  das 
Exil  gestossen  werdeii;^  denn  man  war  dahin  einig,  dass  alle  Kalum- 
niatoren mit  Relegation  in  das  Exil,  oder  auf  eine  Insel,  oder  mit  Verlust 
des  Ordo  gestraft  werden.  ^AVird  Jemand  auch  bei  einem  andern  Judex 
verurteilt  gewesen  sein,  so  soll  er,  falls  es  sich  um  eine  würdige  und  tüchtige 


P.  5,4,  11 


C.  1,5,1 


1)  Vgl.  S.  150  Anm.  3.     Zum  Schluss  ist  angefügt:  Hie  de  Iure  addendum,  qui  calum- 
niatores  esse  possunt. 


delatores  pronuntiatos  puniri  gladio  iusseri- 
mus. 

C.  10,  5,  5.  Servum  domini  delatorem 
iubemus  in  exemplum  omnium  proditorum 
severissimae  sententiae  subiugari,  etiamsi 
obiecta  probaverit. 

b) 


P.  5,  4,  11.  .  .  omnes  (enim)  caluinnia- 
tores  exsilii  vel  insulae  relegatione  aut  or- 
dinis  amissione  puniri  placuit. 

C.  1,  5,  1.  .  .  si  consentanea  sit  legibus 
iam  promta  sententia,  eius  pronuntiationis 
improbus  oppugnator,  si  patrimonio  circum- 
fluit,  biennio  in  insulain  relegatione  plecta- 
tur,  eiusque  bonorum  media  portio  fiscalibus 
compendiis  addicta  cedat:  quod  si  agrestis 
vitae  sit  aut  etiam  egentis,  ad  biennii  tem- 
pus  in  metallum  detrudendus  est  .  . 


C.  9,  29,  3.  Calumniatores  sunt,  quicun- 
que  causas  ad  se  non  pertinentes  sine  man- 
dato  alterius  proposuerunt .  .,  quicunque  iusto 
iudicio  victi  causam  iterare  tentaverint  .  ., 
qui  sub  nomine  fisci  facultates  appetunt 
alienas  et  innocentes  quietos  esse  non  per- 
mittunt.  Calumniatores  etiam  sunt,  qui  falsa 
deferentes  contra  cuiuscunque  innocentis  per- 
sonara  principum  aniraos  ad  iracundiam  com- 
movere  praesumunt.  Qui  omnes  infames  ef- 
fecti  in  exsilium  detrudentur  .  . 


.  .  si  (et)  apud  alium  iudicem  fuerit  su- 
peratus,  si  digna  idoneaque  persona  est.  bi- 
ennio in  exsilium  deputetur,  et  medietatem 
facultatum  suarum  fiscus  acquirat.  Si  vero 
indigna  et  pauperior  persona  est,  in  metal- 
lum biennio  deputetur. 


572 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Person  handelt,  auf  einen  Zeitraum  von  zwei  Jahren  dem  Exil  überwiesen 
werden  und  der  Fiskus  die  Hälfte  seines  Vermögens  erwerben.     Ist  er  aber 
eine    unwürdige    und    mittellose  Person,    so   soll   sie  für  den  Zeitraum  von 
P.  1, 5, 2  zwei  Jahren  dem  Bergwerk  überwiesen  werden.^     Wer  bei  allen,   sogar  bei 

ludices  privati,  der  Anschuldigung  der  Kalumnie  überführt  gewesen  sein 
wird,  wird,  ohne  Ab  Wartung  eines  Urteils  des  Ordo,  je  nach  der  Lage  der 
Sache,  dem  Supplicium  überliefert  werden.^ 

c.  9, 29, 3  Kalumniatoren   sind   alle   diejenigen,    welche   dasjenige,    was  ihnen 

nicht  zukommt,  beanspruchen  oder  bei  Gericht  proponieren. 

P- 1,5.1  Kalumnios  ist  derjenige,  welcher  wissentlich  und  vorsätzlich  durch 

eine  Hinterlist  irgend  Jemanden  in  einen  Handel  verwickelt. 

P.  5,  4, 11  Wer  in  Kalumnie   die  Actio  inim'iae  erhebt,   wird  Extra  ordinem 

gestraft. 

2)  Übergebung  des  Provinciae  iudex, 
c.  2, 1,  9  a)  Wird  irgend  Jemand  unter  übergehung  des  Provinciae  iudex  vor  denjenigen, 
die  an  der  Spitze  der  Bewaffneten  zu  stehen  gelten,  seine  Sache  anbringen 
zu  sollen  geglaubt  haben^  so  möge  er  wissen,  dass  er  dem  Exil  zu  überliefern 
ist,  während  derjenige,  welcher  die  Sache  von  jenem  zu  proponieren  über- 
nommen haben  wird,  zu  zehn  Pfund  Gold  zu  verurteilen  ist.^ 

8)  Einwirkung  auf  den  Prozess verlauf, 
c.  2, 14, 1       a)  ^Wir  haben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  viele  ihre  Sachen  mit  den  Personen 
von  Potentes  verteidigen,  bez.  verfolgen.    Derart,  dass  sie  Libelh,  bez.  Tituli, 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  10,  4  a. 

2)  In  privatis  et  in  publicis  iudiciis  werden  alle  Calumniosi  nach  Massgabe  des  Ver- 
brechens Extra  ordinem  gestraft. 

3)  Vgl.    Erstes  Buch  §  1,  1  a,  b. 


P.  1,  5,  2.  Et  in  privatis  et  in  publicis 
iudiciis  omnes  calumniosi  extra  ordinem  pro 
qualitate  admissi  plectuntur. 


P.  1,  5,  1.  Calumniosus  est,  qui  sciens 
prudensque  per  fraudem  negotium  alicui 
coQiparat. 

P.  5,  4,  11.  Qui  per  calumniam  iniuriae 
actionem  instituit,  extra  ordinem  punitur  .  . 

2)  a)  C.  2,  1,  9.  Si  quis  neglectis  iudici- 
bus  ordinariis  sine  coelesti  oraculo  causam 
civilem  ad  militare  iudicium  crediderit  de- 
ferendam,  praeter  poenas  ante  promulgatas 
intelligat,  se  deportationis  sortem  exceptu- 
rum,  nihilominus  et  advocatum  eins  deceui 
librarum  auri  condemnatione  feriendum. 

3j  a)  C.  2,  14,  1.     Animadvertimus,   pluri- 


Qui  apud  cunctos  aut  apud  privatos  iu- 
dices  fuerit  de  calumniae  obiectione  convic- 
tus,  non  exspectata  ordinis  sententia,  prout 
causa  fuerit,  supplicio  subdetur. 

C.  9,  29,  3.  .  .  Calumniatores  sunt,  qui- 
cunque  quod  ad  illos  non  pertinet,  petunt 
aut  in  iudicio  proponunt  .  . 


Quisquis  contemto  provinciae  iudice,  ad 
illos,  qui  armatis  praeesse  noscuntur,  causam 
suam  crediderit  transferendam,  exilio  se  de- 
putandum  esse  cognoscat,  et  eum,  qui  cau- 
sam illius  susceperit  proponendam,  decem 
libras  auri  esse  damnandum. 

Cognovimus,   multos   causas  suas  per  po- 


Verbrechen  gegen  die  Rechtspflege  §  6. 


573 


mit  dem  Namen  derjenigen,  welche  durch  Dignität  ausgezeichnet  sind,  um 
leichter  die  Besitzer  zu  schrecken,  an  den  Häusern,  die  sie  zurückfordern, 
anschlagen,  oder  dass  sie  sich,  weTui  irgend  etwas  zurückgefordert  wird,  aus- 
drücklich mit  dem  Namen  von  Magni  et  clarissimi  viri  in  den  vorgelegten 
Libelli  contradictorii  verteidigen.  Diejenigen,  welche  mittels  ehies  solchen 
Trugs  ihre  Sachen  zu  betreiben  sich  angemasst  haben  werden,  sollen  mit 
Eisenknüppeln  geschlagen  und  zu  dauernder  Arbeit  im  Bergwerk  verurteilt 
sein.^ 

b)  Wenn  Jemand   zum  Zwecke   der  Ablegung  eines  falschen  Zeugnisses  oder  p  5, 27, 2 
der  Unterdrückung  eines  wahren  Geld  empfangen,  gegeben  oder  den  Judex 

zum  Zwecke  der  Fällung  oder  Nichtfällung  eines  Urteils  bestochen  haben 
wird,  bez.  wird  haben  bestechen  lassen,  so  werden  Personen  niederen  Standes 
kapital  gestraft,  besseren  Standes  unter  Vermögenseinziehung  mit  dem 
Judex  selbst  auf  eine  Insel  deportiert. 

c)  Diejenigen,  welche    falsches    oder   Avidersprechendes   Zeugnis   abgelegt  oder   p  s,  17, 5 
ihr  Zeugnis  beiden  Parteien   verraten  haben,  werden   entweder  in  das  Exil 
getrieben  oder  auf  eine  Insel  relegiert  oder  aus  der  Kurie  entfernt. 

Presbyter  köimen   ohne  die  Unbill  der  peinlichen  Frage,   das  will   c.  11, 14,5. 
sagen,    ohne  körperhche    Pein    Zeugnis   ablegen:    derart,   dass    gegen 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  4,  8  c. 


mos  iniustarum  desperatione  causarum  po- 
tentium  titulos  et  clarissimae  privilegia  cligni- 
tatis  his,  a  quibus  in  ins  vocantur,  opponere. 
Ac  ne  in  fraudem  legum  adversariorumque 
terrorem  his  nominibus  abutantur  et  titulis, 
qui  huiusmodi  dolo  scientes  connivent,  af- 
liciendi  sunt  publicae  sententiae  nota.  Quod 
si  nuUum  in  hac  parte  consensum  praebuerint, 
ut  libelli  aut  tituli  eorum  nominibus  aedibus 
affigantur  alienis,  eatenus  in  eos,  qui  fecerint, 
vindicetur,  ut,  affecti  plumbo,  perpetuis  me- 
tallorum  suppliciis  deputentur  .  . 

b)  P.  5,  27,  2.  Qui  ob  falsum  testimo- 
nium  perhibendum  vel  verum  non  perhiben- 
dum  pecuniam  acceperit,  dederit,  iudicemve, 
ut  sententiam  ferat  vel  non  ferat,  corruperit 
corrumpendumve  curaverit,  humiliores  capite 
puniuntur;  honestiores  publicatis  bonis  cum 
ipso  iudice  in  insulam  deportantur. 

c)  P,  5,  17,  5.  Qui  falso  vel  varie  testi- 
monia  dixerunt  vel  utrique  parti  prodiderunt, 
aut  in  exsilium  aguntur,  aut  in  insulam  re- 
legantur,  aut  curia  submoventur. 

C.  11,  14,  5.  Presbyteri  citra  iniuriam 
quaestionis  testimonium  dicant,  ita  tamen, 
ut  falsa  non  simulent  .  .  Salva  tamen  sit 
litigatoribus  falsi  actio,  si  forte  presbyteri, 
qui   sub   nomine   superioris  loci  testimonium 


tentium  personas  excusare  vel  prosequi,  ita 
ut  libellos  vel  titulos  eorum  nominibus,  qui 
dignitate  praeclari  sunt,  quo  facilius  terreant 
possessores,  in  his  domibus,  quae  ab  eis  re- 
petuntur,  affigant,  aut  certe,  si  aliquid  repe- 
tatur,  nomine  magnorum  et  clarissimorum 
virorum  prolatis  libellis  contradictoriis  se 
specialiter  excusare  .  .  Uli  vero,  qui  causas 
suas  tali  fraude  agere  praesumserint,  plum- 
batis  caesi,  in  metallum  damnati  perdurent .  . 


Presbyteri  citra  iniuriam  quaestionis,  id 
est  sine  supplicio  corporali  possunt  testimo- 
nium dicere  .  .:  ita  ut  salva  sit  contra  pres- 
byteros  falsi  actio,  si  in  aliquo  docebuntur 
fuisse  raentiti  .  . 


574 


öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


die  Presbyter  die  Klage  wegen  Falsum  vorbehalten  bleibt,  wenn  sie 
überführt  werden  werden,  in  irgendeinem  Punkte  die  Unwahrheit  ge- 
sagt gehabt  zu  haben. 

4)  Einsperrung  des  Angeschuldigten  in  ein  privates  Gefängnis. 

c.  9, 8,  i       a)  AYenn  Jemand  einen  Angeschuldigten  einem  privaten  Grefängnis  überwiesen 
haben  wird,  soll  er  als  der  Maiestas  schuldig  angesehen  werden. 

VII.  Verbrechen  gegen  den  Bestand  von  Staat  und  Gemeinde  §  7. 

1)  Staat. 

a)  Maiestas. 

p.  5, 31,1  a)  Aus  der  Lex  luha  maiestatis  haftet  derjenige,  mit  dessen  Hilfe  und  Rat 
gegen  den  Imperator,  bez.  das  Gemeinwesen,  die  Waffeii  erhoben  worden 
sind,  bez.  sein  Heer  in  einen  Hinterhalt  gelockt  worden  ist,  oder  wer  ohne 
Befehl  des  Kaisers  Krieg  geführt  oder  eine  Aushebung  veranstaltet,  ein 
Heer  gerüstet,  bearbeitet,  den  Imperator  im  Stich  gelassen  haben  wird. 
Diese  Personen  wurden  ehedem  dauernd  Aqua  et  igni  interdiciert;  nunmehr 
hingegen  werden  die  Personen  niederen  Standes  den  wilden  Tieren  vor- 
geworfen, bez.  lebendig  verbrannt,  besseren  Standes  kapital  gestraft.  Dieses 
Verbrechen  wurde  nicht  nur  durch  eine  That,  sondern  auch  durch  ruchlose 
Worte  und  Schmähungen  insbesondere  verschärft, 
c.  9, 3, 2  b)  Wenn  ein  Sklave  den  Herrn,  oder  ^der  Amicus,  resp.  Domesticus,  oder  der 
Freigelassene  den  Patron^  angeklagt  oder  als  eines  beliebigen  Verbrechens 


1)  Ein  Familiaris. 


dicere  citra  ah' quam  corporalem  iniuriam  sunt 
praecepti,  hoc  ipso,  quod  nihil  metuant,  vera 
suppresserint  .  . 

4)  a)  C.  9,  8,  1.  Si  quis  (posthac)  reum 
privato  carceri  destinarit,  reus  maiestatis 
habeatur. 

1  a)  a)  P,  5,  31,  1.  Lege  lulia  maiestatis 
tenetur  is,  cuius  ope  consilio  adversus  im- 
peratorem  vel  rempublicam  arma  mota  sunt, 
exercitusve  eins  in  insidias  deductus  est:  quive 
iniussu  imperatoris  bellum  gesserit,  dilec- 
tumve  habuerit,  exercitum  comparavprit,  sol- 
licitaverit,  deseruerit  imperatorem.  His  antea 
in  perpetuum  aqua  et  igni  interdicebatur: 
nunc  vero  humiliores  bestiis  obiciuntur  vel 
vivi  exuruntur;  honestiores  capite  puniuntur. 
Quod  crimen  non  solum  facto,  sed  et  verbis 
impiis  ac  maledictis  maxime  exacerbatur. 

b)  C.  9,  3,  2.  Si  quis  ex  familiaribus  vel 
ex  servis  cuiuslibet  domus  cuiuscunque  cri- 
minis  delator  atque  accusator  emerserit,  eins 


Si  servus  dominum  aut  amicus  vel  do- 
mesticus sive  libertus  patronum  accusaverit 
vel  detulerit  cuiuslibet  criminis  reum,  statim 


Verbrechen  gegen  den  Bestand  von  Staat  und  Gemeinde  §  7. 


575 


schuldig  angegeben  haben  wird,  soll  er  Hmverzüglich  bei  dem  Beginn  der 
Anklage  selbst ^  mit  dem  Schwerte  gestraft  werden,  weil  wir  eine  solche 
Stimme  erstickt  und  nicht  angehört  wissen  wollen,  es  sei  denn  etwa  dass 
er  erwiesen  haben  wird,  der  Herr  oder  Patron  habe  ein  Crimen  maiestatis 
betrieben. 

Ein    Sklave,    der    den  Herrn    anklagt,    muss  nicht  nur  nicht  ver-   c.  9, 3, 1 
nommen,  ^  sondern  sogar  gestraft  werden,^  es  sei  denn,  er  wnrd  bewiesen 
haben,  dass  der  Herr  ein  Crimen  maiestatis  verübt  habe.^ 

Verurteilte    Sklaven,    sei    es    dass    sie    nach    dem    Urteil,    sei    es   p.  5,15, 3 
dass    sie   vor  dem  Urteil   die  Missethaten  der  Herren  bekannt  haben, 
Averden  unter  keinen  Umständen  gehört,  es  sei  denn  dass  sie  sie  als 
der  Maiestas  schuldig  angeben. 

c)  Gegen  eine  Person,  die  der  Maiestas  angeschuldigt  ist,  ist,  wie  überein-  p.  5, 31, 2 
stimmend  angenommen  wurde,  zuerst  zu  erforschen,  mit  welchen  Mitteln, 
welcher  Faktion,  welchen  Urhebern  sie  es  gethan  haben  wird:  denn  wer 
eines  so  grossen  Verbrechens  angeschuldigt  ist,  muss  nicht  unter  dem  Deck- 
mantel irgendwelcher  Liebedienerei,  sondern  um  jenes  Verbrechens  willen  ge- 
straft werden.  Wird  demgemäss  mit  Bezug  auf  ihn  die  Quaestio  abgehalten, 
so  wird  keine  Dignität  von  den  Foltern  ausgenommen. 


1)  Ante  exhibitionem  testium,  ante  examinatum  iudicium. 

2)  T   sagt,   dass   die  Urheber  mit  den  Libelli  delationum  und  dem  ganzen  Anklage- 
apparate verbrannt  werden. 

3)  T  fügt  hinzu:  nam  et  hoc  facinus  tendit  in.dominos. 


existimationera,  caput  atque  fortunas  petitu- 
rus,  cuius  farailiaritati  vel  dominio  inhaeserit, 
ante  exhibitionem  testium,  ante  examinatum 
iudicium,  in  ipsa  expositione  criminum  atque 
accusationis  exordio  ultore  gladio  feriatur. 
Vocem  enim  funestam  intercidi  oportet,  po- 
tius  quam  audiri.  Maiestatis  crimen  exci- 
pimus. 

C.  9,  3,  1.  Quum  accusatores  servi  do- 
minis  intonent,  nemo  iudiciorum  exspectet 
eventum,  nihil  quaeri,  nihil  discuti  placet, 
sed  cum  ipsis  delationum  libellis,  cum  omni 
ßcripturarum  et  meditati  criminis  apparatu 
nefandarum  accusationum  crementur  auetores, 
excepto  tamen  appetitae  maiestatis  crimine, 
in  quo  etiam   servis  honesta  proditio  est  ,  . 

P.  5,  15,  3.  Damnati  servi,  sive  post  sen- 
tentiam,  sive  ante  sententiam  dominorum 
facinora  confessi  sunt,  nullo  modo  audiuntur, 
nisi  forte  reos  deferant  maiestatis. 

c)  P,  5,  81,  2.  In  reum  maiestatis  inquiri 
pnus  convenit,  quibus  opibus,  qua  factione, 
quibus  hoc  auctoribus  fecerit:  tanti  enim 
criminis    reus    non    obtentu    adulationis   ali- 


in ipso  initio  accusationis  gladio  puniatur: 
quia  vocem  talem  exstingui  volumus,  non 
audiri,  nisi  forte  dominum  aut  patronum  de 
crimine  maiestatis  tractasse  probaverit. 


Servus  dominum  accusans  non  solum  au- 
diendus  non  est,  verum  etiam  puniendus,  nisi 
forte  dominum  de  crimine  maiestatis  trac- 
tasse probaverit. 


576 


Öffentliches  Recht,     Zweites  Buch. 


c.  9, 32. 1  d)  Wird  über  Jemanden  für  ein  von  ihm  verübtes  Verbrechen  die  Todesstrafe 
oder  Verurteilung  verhängt  worden  sein,  so  soll  das  Verbrechen  mit  dem 
Urheber  hinfällig  werden:  hingegen  wird  sein  Vermögen  den  Kindern  oder 
legitimen  Erben  zukommen,  es  sei  denn  etwa,  dass  irgend  Jemand  wegen 
Majestätsverbrechens  verurteilt  worden  ist,  indem  wir  befehlen,  dass  sogar 
die  Kinder  dieser  Personen  dem  Vermögen  des  verurteilten  Vaters  fern- 
bleiben.^ 
c.  9,  8, 1  e)  Wenn  Jemand  einen  Angeschuldigten  einem  privaten  Glefängnis  überwiesen 
haben  wird,  soll  er  als  der  Maiestas  schuldig  angesehen  werden. 

^)  Sonstiges, 
c.  7, 1, 1       a)  Wird  Jemand   mit   beliebigen  Feinden  Beute   gemacht  oder  die  Beute  mit 
den  Plünderern    geteilt   haben,  ^    so   soll  er  dem   Feuer  überliefert  werden, 
c.  15, 3, 1  Wer  nur  immer,  durch  den  Schrecken  vor  den  Feinden  getrieben,  während 


1)  Vgl  S.  350  Anm;  1. 

2)  Wird    Jemand    den    Barbaren   Scelerata  factione   Gelegenheit    zur  Plünderung    In 
Romanos  gegeben  oder  eine  auf  andere  Weise  veranstaltete  Beute  geteilt  haben. 


cuius,  sed  ipsius  admissi  causa  puniendus 
est.  Et  ideo  quum  de  eo  quaeritur,  nuUa 
dignitas  a  tormentis  excipitur. 

d)  C.  9,  32,  1.  Substantiam  damnatorum 
integram  ad  liberos  pervenire,  et  in  qualibet 
causa  positis  parentihus  liberos  heredes  esse 
praecipimus,  excepta  sola  maiestatis  quaesti- 
one:  quam  si  quis  sacrilego  animo  assumit, 
iuste  poenam  ad  suos  etiam  posteros  mittit. 

e)  C.  9,  8,  1.  Si  quis  (posthac)  reum  pri- 
vato  carceri  destinarit,  reus  maiestatis  ha- 
beatur. 

ß)  a)  C.  7,  1,  1.  Si  quis  barbaris  scele- 
rata factione  facultatem  depraedationis  in 
Romanos  dederit,  vel  si  quis  alio  modo  fac- 
tam  diviserit,  vivus  comburatur. 

C.  15,  3,  1.  Sub  clade  barbaricae  depo- 
pulationis,  si  qua  aut  per  fugam  aut  per 
congregationem  infelicium  populorum  indigne 
invidioseque  coramissa  sunt,  ad  invidiam  pla- 
catarum  legum  a  callidis  litigatorum  obiec- 
tionibus  non  vocentur.  Habeant  omnium 
criminum  impunitatem,  qui  evadendi  forsitan 
non  habuerant  facultatem,  nisi  eos  eadem 
crimina  iuvissent;  non  enim  crimen  dicitur, 
quod  mortis  adegit  impulsus.  Ex  quo  ani- 
madvertere  cunctos  litigatores  congruum  est, 
si  quid  depraedationis  agnoverint,  se  recep- 
turos,  si  tamen,  in  eorum,  quos  pulsaverint, 
facultatibus  abundare  aut  residere  id,  potu- 
erint  comprobare. 


Si  quis  pro  crimine  suo  occidi  vel  dam- 
nari  meruerit,  crimen  cum  auctore  deficiat, 
bona  vero  eius  ad  filios  vel  ad  heredes  le- 
gitimos  pertinebunt:  nisi  forte  maiestatis 
crimine  damnatus  sit  aliquis,  quorum  etiam 
filios  de  bonis  damnati  patris  fieri  iube- 
mus  alienos. 


Si  quis  cum  quibuslibet  hostibus  praedas 
egerit  aut  praedam  cum  praedonibus  di- 
viserit, incendio  concremetur. 

Quicunque  hostium  terrore  compulsus, 
dum  mortem  timet  excipere,  ad  depraedan- 
dum  se  cum  hostibus  fortasse  coniunxerit, 
non  propter  hoc  vocetur  ad  crimen,  quod  pro 
conservanda  vita  fecit  invitus.  Sane  si  quid 
apud  eum  de  praeda  resederit  et  residuum 
invenitur,  quod  evidenter  agnoscitur,  hoc  so- 
lum  reddere  domino  sine  calumnia  compel- 
latur. 


Verbrechen  gegen  den  Bestand  von  Staat  und  Gemeinde  §  7. 


577 


C.  9,  23,  1 
P.  5,  24,  1 


er  den  Tod  zu  erleiden  fürchtet,  behufs  Plünderung  sich  mit  den  Feinden 
verbunden  haben  wird,  soll  nicht  um  dessen  willen,  was  er  gezwungenermasson 
zur  Erhaltung  seines  Lebens  gethan  hat,  zur  Verantwortung  gezogen  werden. 
AVird  freilich  bei  ihm  etwas  von  der  Beute  zurückgeblieben  sein  und  ein 
Überrest  gefunden,  der  deutlich  als  solcher  erkannt  wird,  so  soll  er  ohne 
Schädigung  angehalten  werden,  lediglich  dieses  dem  Herrn  zurückzugeben, 
b)  Wird  Jemand  das  Volk  zum  Aufstand  erregt  haben,  so  wird  er  den 
schwersten  Strafen  unterliegen.^  Die  Urheber  eines  Aufstands  und  Tumults, 
bez.  die  Erreger  des  Volkes,  werden  nach  der  Art  ihrer  Dignität  entweder 
ans  Kreuz  geschlagen  oder  den  wilden  Tieren  vorgeworfen  oder  auf  eine 
Insel  deportiert. 

2)  Gemeinde. 

a)  Wenn  der  Actor^  eines  beliebigen  Besitzes  ohne  Wissen  des  Herrn  einen 
Kurialen  aufgenommen  und  nicht,  nach  Verfluss  eines  Jahres,  in  die  Ge- 
meinde der  Kurie,  der  er  geschuldet  wird,  wird  haben  zurückrufen  lassen, 
soll  er,  wenn  dieser  Actor  ein  Freier  gewesen  sein  wird,  dem  Collegium 
überwiesen,  ein  Sklave  mit  Knütteln  geschlagen  werden. 

b)  Derjenige,  durch  dessen  Contubernium  eine  Kurialentochter  befleckt  gewesen 
sein  wird,  soll,  falls  er  Kolone  ist,  einem  Collegium  überwiesen  werden, 
wenn  er  aber  Sklave  gewesen  sein  wird,  ^  unter  Foltern  sterben.^ 

c)  Wird  Jemand  einen  Kurialen,  der  sich  verborgen  hat,  unter  irgendwelchem     i',  i^s' 


N.  Mai. 
1,  1,4 


N.  Mai. 
1,  1,  5 


1)  Wird  Jemand  gegen   den   offenkundigsten  Befehl  sich  der  Plebs  anzunehmen  und 
sie  gegen  die  Publica  disciplina  zu  verteidigen  versucht  haben. 

2)  T  fügt  hinzu:  piocuratorve. 

3)  Servilibus  poenis  peribit. 


b)  C.  9,  23,  1.  Si  quis  contra  evidentis- 
simam  iussionem  suscipere  plebem  et  adver- 
sus  publicam  disciplinam  defendere  fortasse 
tentaverit,    mulctam   gravissimam  sustinebit. 

P.  5,  24,  1.  Auetores  seditionis  et  tu- 
multus  vel  concitatores  populi,  pro  qualitate 
dignitatis,  aut  in  crucem  tolluntur  aut 
bestiis  obiciuntur  aut  in  insulam  deportantur. 

2)  a)  N.  Mai.  1,1,4.  .  .  ut,  si  quis  actor 
procuratorve  domino  nesciente  susceperit  cu- 
rialem,  aut  non  intra  annum  propriae  resti- 
tuerit  civitati,  si  ingenuus  probatur,  collegiis 
applicetur,  si  servus  est,  fustuario  supplicio 
interficiendum  se  esse  cognoscat  .  . 

b)  N.  Mai.  1,  1,  5.  .  .  ille  (vero),  si  origi- 
narius  erit,  qui  sibi  frustra  ac  temere  mariti 
nomen  contra  interdictum  legis  indiderit, 
collegiis  nihilominus  deputetur,  si  famulus, 
servilibus  poenis  peribit. 

c)  N.  Mai.  1,  1,  8.  Hie  etiam  eorum  ne- 
quitia  comprimenda  est,  qui  locum  principali- 

Conrat,  Breviarium. 


Si   quis   populum   ad  seditionem  concita- 
verit,  damnis  gravissimis  subiacebit. 


.  .  ut,  si  curialem  cuiuscunque  -possessi- 
onis actor  domino  nesciente  susceperit,  et 
non  transacto  anno  ad  civitatem  curiae,  cui 
debetur,  fecerit  revocari,  si  ingenuus  fuerit  is 
ipse  actor,  in  collegio  deputetur,  si  servus, 
fustibus  verberetur  .  . 

.  .  Ille  (vero),  cuius  contubernio  curialis 
filia  fuerit  maculata,  si  colonus  est,  collegio 
deputetur,  si  vero  servus  fuerit,  inter  tor- 
menta  deficiat. 

(Sane)  si  quis  curialem  latentem  sub  ali- 
qua    commodi    intercessione    vendiderit,    qui 

37 


578 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Sachverhalt  eines  Gewinns  verkauft  haben,^  so  möge  derjenige,  welcher  ihn 
vielmehr  hätte  zurückrufen  sollen,  wissen,  dass  er  mit  Kapitalstrafe  zu 
belegen  ist. 


VIII.  Amtsverbrechen  §  8. 

1)  Pekulat. 

p.  5, 29, 1  a)  Wenn  Jemand  fiskales  Vermögen  angetastet,  geplündert,  umgetauscht  oder 
für  seinen  Gebrauch  verwendet  haben  wird,  wird  er  zu  dem  Vierfachen  der- 
jenigen Summe,  welche  er  entnommen  hat,  verurteilt. 

2)  Vis  pubhca. 
a)  Durch    die  Lex  lulia   ist   verordnet    worden,    dass    ein  jeder  Judex   wegen 

öffentlicher  GcAvaltthätigkeit    verurteilt    wird,    der    eine  Person,    es   sei   eine 


P.  5,  28, 
1  U.   2 


1)  T    spricht  von    denjenigen,    die  im  Besitze  des  Locus  principalitatis  Kurialen  und 
obnoxii  corporati,  quum  eos  occulta  depraedatione  concusserint,  verkaufen. 


tatis  indepti  vendunt  defugas  curiales  et  ob- 
noxios  corporatos,  quum  eos  occulta  deprae- 
datione concusserint,  quos  utique,  si  honesta- 
tis  memores  patriae  suae  aliquid  affectionis 
impenderent,  revocare  deberent.  Quod  ne 
deinceps  existiment  se  impune  facturos,  qui- 
cunque  in  tarn  sceleratis  nundinis  fuerit  quo- 
cunque  accusante  convictus,  capitalem  poe- 
nam  subibit. 

1)  a)  P.  5,  29,  1.  Si  quis  fiscalem  pecu- 
niam  attrectaverit ,  subripuerit,  mutaverit, 
seu  in  suos  usus  converterit,  in  quadruplum 
eins  pecuniae,  quam  sustulit,  condemnatur. 

2)  a)  P.  5,  28,  1  u.  2.  Lege  Julia  de  vi 
publica  damnatur,  qui  aliqua  potestate  prae- 
ditus,  civem  Romanum,  antea  ad  populum, 
nunc  ad  imperatorem,  appellantem  necarit 
necarive  iusserit,  torserit,  verberaverit,  con- 
demnaverit,  inve  publica  vincula  duci  iusserit. 
Cuius  rei  poena  in  humiliores  capitis,  in 
honestiores  insulae  deportatione  coercetur. 
Hac  lege  excipiuntur,  qui  artem  ludicram 
faciunt:  iudicati  etiam  et  confessi;  et  qui 
ideo  in  carcerem  duci  iubentur,  quod  ius  di- 
centi  non  obtemperaverint,  quidve  contra 
disciplinam  publicam  fecerint:  tribuni  etiam 
militum  et  praefecti  classium  alarumve,  ut 
sine  aliquo  impedimento  legis  luliae  per  eos 
militare  delictum  coerceri  possit. 


eum  magis  debuit  revocare,  noverit,  se  capi- 
tali  supplicio  puniendum. 


Lege  Julia  decretum  est,  ut  pro  violentia 
publica  damnetur,  quicunque  iudex  appellan- 
tem, ut  ad  principis  praesentiam  ducatur, 
ingenuum  hominem  vel  civem  Romanum  fac- 
tum torserit,  occiderit  vel  occidi  iusserit  vel 
in  vinculis  publicis  adstrinxerit  vel  flagellis 
ceciderit  aut  damnare  praesumserit.  Pro  qua 
re  humiliores  personae  iudicio  capitis  puni- 
untur:  honestiores  in  insulam  relegantur. 
Sed  a  legis  istius  poena  de  aliquibus  prae- 
ceptum  est,  etiamsi  ad  principem  appella- 
verint,  posse  torqueri  vel  damnari,  si  quos 
in  ludicra  arte  ofFenderint  vel  iudicio  fuerint 
condemnati  aut  de  crimine  suo  confessi:  et 
si  qui  propter  hoc  in  carcerem  rediguntur, 
quia  secundum  leges  sententiae  iudicis  parere 
noluerint:  vel  si  contra  disciplinam  publi- 
cam commisisse  aliquid  convincantur:  tribuni 


Amtsverbrechen  §  8. 


579 


freigeboreiie,  es  sei  eine^  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie  appel- 
liert, um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  gefoltert,  ge- 
tötet oder  zu  töten  geheissen  oder  in  öffentliche  Fesseln  geschlossen  oder 
mit  Geissein  geschlagen  oder  zu  strafen  sich  angemasst  haben  wird.^ 
Aus  diesem  Grunde  werden  Personen  niederen  Standes  durch  eine  kapitale 
Verurteilung  gestraft,  besseren  Standes  auf  eine  Insel  "relegiert.^  Mit  Bezug 
auf  die  Strafe  dieses  Gesetzes  ist  jedoch  hinsichtlich  Einzelner  vorgeschrieben 
worden,  dass  sie,  obgleich  sie  an  den  Princeps  appelliert  haben  werden, 
gefoltert,  bez.  gebüsst  w^erden  können,  nämlich  falls  welche  auf  dem 
Theater  Personen  beleidigt  haben  werden  oder  durch  ein  Erkenntnis  verurteilt 
gewiesen  sein  oder  wiegen  ihres  Verbrechens  ein  Geständnis  abgelegt  gehabt 
haben  werden,  und  wenn  \velche  um  deswillen  in  ein  Gefängnis  verbracht 
werden,  weil  sie  nicht  den  Gesetzen  entsprechend  dem  Urteile  des  Judex 
werden  haben  gehorchen  wollen,  oder  wenn  sie  irgend  etwas  gegen  die  öffent- 
liche Disziplin  verrichtet  zu  haben  überführt  werden,  ^  in  gleichen  die  Tribuni 
militum  und  Praepositi  navium  und  Praefecti  alarum.  Sämtlich  können  diese 
Personen  ohne  Hemmung  durch  die  Lex  lulia  auch  nach  der  Appellation 
nach  Art  ihrer  Schuld  entw^eder  gebüsst  oder  gezüchtigt  werden. ^ 
b)  Wenn  Jemand,  im  Begriff  sich  um  eine  Magistratur,  bez.  ein  provinziales  p.  5, 32. 1 
Priestertum  zu  bewerben,  der  Stimmen  halber  einen  Haufen  zusammen- 
gebracht, Sklaven  herbeigerufen  oder  irgend  eine  sonstige  Menge  gedungen 
haben  wird,  w^ird  er  nach  seiner  Überführung,  als  der  öffentlichen  Gewalt- 
thätigkeit  schuldig,  auf  eine  Insel  deportiert. 

3)  Verbrechen  bei  der  Rechtspflege, 
a)  ludices. 

a)  ^Keiner  der  ludices  möge  meinen,   dass   eine  in  ihrem  Hause  sich  aufhal-   c.  1,9, 1 
tende  Matrone  durch  irgendwelchen  Apparitor  in   die  Öffentlichkeit  gezogen 


1)  T  verhängt  die  Strafe  über  denjenigen,  welcher,  aliqua  potestate  praeditus,  sich 
in  der  bezeichneten  Weise  an  einem  Römischen  Bürger  vergreift,  der  ehedem  an  den  Po- 
pulus,  nunmehr  an  den  Imperator  appelliert.  2)  Deportiert. 

3)  Es  heisst  bei  T:  tribuni  etiam  militum  et  praefecti  classium  alarumve,  ut  sine 
aliquo  impedimento  legis  luliae  per  eos  militare  delictum  coerceri  possit. 


b)  P.  5,  32,  1.  Petitums  magistratum  vel 
provinciae  sacerdotium,  si  turbam  suifragio- 
rum  causa  conduxerit,  servos  advocaverit 
aliamve  quam  multitudinem  conduxerit,  con- 
victus,  ut  vis  publicae  reus,  in  insulam  de- 
portatur. 

3  a)  a)  C.  1,  9,  1.     Nemo    iudex    officialem 
ad  eam  domum,   in  qua  materfamilias  agit, 


quoque  militum.  et  praepositi  navium  et  prae- 
fecti alarum:  et  hi  omnes  sine  impedimento 
legis  luliae  etiam  post  appellationem  possunt 
pro  culpae  suae  qualitate  aut  daranari  aut 
verberari. 


Nullus    iudicum    matronam   in   domo   sua 
residentem  per  quemcunque  apparitorem  ad 

37* 


580 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  9,  21,  1 


C.  9,  21,  2 


P.  5,  18,  12 


P.  5,  27,  2 


P.  5,  30,  1 


werden  dürfe.     Wird  Jemand  im  Widerspruch    damit   gehandelt  haben,  so 
möge  er  wissen,  dass  er  mit  dem  Summum  supphcium  zu  belegen  ist.^ 

b)  ludices,  welche  überführt  gewesen  sein  werden,  sich  durch  Diebstähle  und 
Verbrechen  befleckt  zu  haben,  sollen  nach  Wegnahme  der  Insignia  codi- 
cillorum  und  Entsetzung  aus  ihrem  Honor  unter  alles  gemeine  Volk  und 
unter  die  Plebejer  versetzt  werden.  Für  die  Zukunft  sollen  sie  sich  nicht 
mit  der  Ehre  schmeicheln,  deren  sie  selbst  sich  für  unwürdig  erklärt  haben. 
Alle  ludices  mögen  wissen,  dass  Alles,  was  sie  ruchlos  geraubt  haben  w^erden, 
falls  sie  selbst  es  nicht  zurückgegeben  haben  werden,  von  ihren  Erben  zurück- 
zugeben ist. 

c)  Wenn  es  heisst,  dass  ein  Angeschuldigter  wegen  Hingabe  von  Geld  an  den 
Judex  freigesprochen  worden  ist,  und  er  dessen  überführt  gewesen  sein  wird, 
wdrd  jener  zu  der  Strafe  verurteilt,  zu  welcher  der  Angeschuldigte  hätte 
verurteilt  werden  können. 

d)  Wenn  Jemand  den  Judex  zum  Zwecke  der  Fällung  oder  Nichtfällung  eines 
Urteils  bestochen  haben  wird,  bez.  wird  haben  bestechen  lassen,  so  werden 
Personen    besseren    Standes    unter    Vermögenseinziehung    mit    dem  Judex 


selbst  auf  eine  Insel  deportiert. 


Werden  Pedanei  iudices,  -"^das  will  sagen 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  7,  2  b. 


cum  aliquo  praecepto  existimet  esse  mitten- 
dum,  ut  eandem  in  publicum  protrahat  .  . 
Quod  si  quis  in  publicum  matremfamilias 
posthae  crediderit  protrahendam,  inter  maxi- 
mos  reos,  citra  ullam  indulgentiam,  capitali 
poena  vel  exquisitis  potius  exitiis  suppliciis- 
que  plectatur. 

b)  C.  9,  21,  1.  ludices,  qui  se  furtis  et 
sceleribus  fuerint  maculasse  convicti,  ablatis 
codicillorum  insignibus  et  honore  exuti  inter 
pessimos  quoque  et  plebeios  habeantur.  Nee 
sibi  posthae  de  eo  honore  blandiantur,  quo 
se  ipsi  indignos  iudicaverunt. 

C.  9,  21,  2.  Sciant  iudices,  super  admissis 
propriis  aut  a  se  aut  ab  heredibus  suis  poe- 
nam  esse  repetendam. 

c)  P.  5,  18,  12.  Si  pecunia  data  iudici 
reus  absolutus  esse  dicatur,  idque  in  eum 
fuerit  comprobatum,  ea  poena  damnatur, 
qua  reus  damnari  potuisset. 

d)  P.  5,  27,  2.  Qui  .  .  iudicem(ve),  ut 
sententiam  ferat  vel  non  ferat,  corruperit, 
corrumpendumve  curaverit,  .  .  honestiores 
publicatis  bonis  cum  ipso  iudice  in  insulam 
deportantur. 

P.  5,  30,  1.  ludices  pedanei,  si  pecunia 
corrupti  dicantur,  plerumque  a  praeside  aut 


publicum  existimet  protrahendam,  . ,  si  quis 
contra  fecerit,  summo  supplicio  se  afficien- 
dum  esse  cognoscat. 


Omnes  iudices  sciant,  quicquid  male  ra- 
puerint,  si  ipsi  non  reddiderint,  a  suis  here- 
dibus esse  reddendum. 


Si   pedanei   iudices,   id  est,  qui  ex  dele- 
gatione   causas  audiunt,  in  audientia  causae 


Amtsverbrechen  §  8. 


581 


sie,  die  auf  Grund  einer  Delegation  Sachen  behandeln,^  bei  der  Befassung 
mit  der  Sache  bestochen  und  überführt  gewesen  sein,  gegen  die  Gerechtig- 
keit geurteilt  zu  haben,  so  werden  sie  von  dem  Judex  provinciae^  ent- 
weder aus  der  Kurie  entfernt  oder  ins  Exil  geschickt  oder  auf  Zeit  relegiert, 
aa)  Ein   Judex,    der    gegen   Caput   und  Vermögen   eines  Menschen   Geld   p.  5, 25, 5 

angenommen  haben   wird,  wird  unter  Entziehung  des  Vermögens  auf 

eine  Insel  deportiert. 

e)  Die  ludices,  die  die  den  Gesetzen  gemäss  gegebenen  Vorschriften  des  Princeps   c.  1,  2, 5 
verwahrlost  oder  durch  irgendwelche  Kollusion  hinausgeschoben  haben  werden, 
sollen  von  einer  Strafe  betroffen  werden.     '^Ein  jeder  Judex,  der  die  ihm  bei  p.  5, 27, 3 
Gericht    vorgelegten  Gesetze    oder  Stellen    aus  juristischen   Schriften   nicht 
wird  haben  vernehmen  wollen  und  gegen  sie  geurteilt  haben  wird,^  soll,  nach- 
dem er  dieserhalb  überführt  worden  ist,  auf  eine  Insel  deportiert  werden. 

ß)  Sonstiges. 

a)  Wird  Jemand,    der  eine   Sache  hat,    erwiesen    haben,    dass   er  von  seinem   c.  2, 1, 6 
Richter,  sei  es  aus  Übermut,  sei  es  aus  Konnivenz  für  seinen  Gegner,  nicht 
vernommen  worden  ist,    so    sollen  diejenigen,    welche    seinen  Konsilien    an- 
gehören, zur  Ahndung  Exilstrafe  erleiden.* 

b)  ^Die  Offizialen  aller  ludices  sollen  nicht  wagen,  käuflich  zusein,  noch  einen   c.  1, 6, 1 
Preis  wegen  Eintritts,  bez.  Austritts,  des  Publikums  oder  der  Parteien  ver- 


1)  Vgl.  S.  473  Anm.  1.  2)  T  spricht  von  Praeses. 

3)  Ein  Judex,  der  gegen  die  geheiligten  Konstitutionen  der  Principes  und  gegen  das 
lus  publicum,  das  bei  ihm  verlesen  worden  ist,  urteilt. 

4)  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  3  a. 


curia  submoventur  aut  in  exsilium  mittuntur 
aut  ad  tempus  relegantur. 


aa)  P.  5,  25,  5.  Iudex,  qui  in  caput  for- 
tunasque  hominis  pecuniam  acceperit,  in  insu- 
lam  bonis  ademtis  deportatur. 

e)  C.  1,  2,  5.  Mulctabuntur  iudices,  qui 
rescripta  contemserint  aut  distulerint. 

P.  5,  27,  3.  Iudex,  qui  contra  sacras  prin- 
cipum  constitutiones  contrave  ius  publicum, 
quod  apud  se  recitaium  est,  pronuntiat,  in 
insulam  deportatur. 

[i)  a)  C.  2,  1,  6.  .  .  ut,  si  quis  litigator 
se  vel  fastidio  vel  gratia  cognitoris  aut  non 
auditum  aut  dilatum  docuerit,  .  .  in  primores 
officii  poena  deportationis  illico  depromatur. 

b)  C.  1,  6,  1.  Cessent  iam  nunc  rapaces 
officialium  manus,  cessent  inquam:  nam  si 
moniti  non  cessaverint,  er] adiis  praecidentur. 
Non  sit  venale  iudicis  velum,   non  ingressus 


corrupti  contra  iustitiam  iudicasse  convicti 
fuerint,  a  iudice  provinciae  aut  curia  sub- 
moventur aut  in  exsilium  mittuntur  aut  ad 
tempus  relegantur. 


Feriantur  iudices  damno,  qui  data  secun- 
dum  leges  principis  praecepta  contemserint 
aut  colludio  quocunque  distulerint. 

Quicunque  iudex  oblatas  sibi  in  iudicio 
leges  vel  iuris  species  audire  noluerit  et  con- 
tra eas  iudicaverit,  ex  hac  re  convictus  in 
insulam  deporttur. 

.  .  si  quis  causam  habens,  a  iudice  suo 
se  vel  per  superbiam  vel  propter  amicitiam 
adversarii  sui  probaverit  non  auditum,  (iudi- 
cem  .  .)  qui  consiliis  suis  adhaerent,  exilii 
poenam  pro  districtione  sustineant. 

Officiales  omnium  iudicum  venales  esse 
non  audeant,  neque  pretium  de  introitu  oc- 
currentium  aut  litigantium  vel  egressu  requi- 
rant.     Sed  interpellantes   tam  divites,  quam 


582 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


langen:  vielmehr  sollen  die  Streitenden,  sowohl  reiche  wie  arme,  ohne  jedes 
Entgelt  vernommen  werden.  Werden  sie  haben  räuberisch  sein  wollen, 
so  sollen  sie  mit  dem  Schwerte  gestraft  werden,  oder  soll  ihre  Raubgier  zum 
Gehör  der  Herren  gebracht  werden.^ 
p.  5, 14, 2  c)  So  oft  ohne  die  Autorität  eines  Judikats  Officialen  das  Vermögen  irgend 
einer  Person  okkupieren  oder  aufnehmen  oder  in  Observation  sein  lassen, 
wird,  nachdem  der  Prokurator  angegangen  ist,  das  Unrecht  beseitigt  und 
werden  die  Urheber  dessen  den  prätorischen  Präfekten  zur  Bestrafung 
überwiesen. 

4)  Sonstiger  Amtsmissbrauch. 

c.  11,  4, 2       a)  Als   Steuereintreiber  sollen  zur  Eintreibung  der  Tributariae  functiones   ge- 
eignete   Männer   abgefertigt  werden,'-^   mit    der    Massgabe    dass,    wenn    mit 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  5  ß,  a. 

2)  T  hat  den  Sachverhalt  mit  Bezug  auf  Karthago  im  Auge. 


redemti,  non  infame licitationibussecretarium, 
non  visio  ipsa  praesidiscumpretio:  aequeaures 
iudicantis  pauperrimis  ac  divitibus  reserentur. 
Absit  ab  inducendo  eins,  qui  officii  princeps 
dicitur,     depraedatio.       Nullas    litigatoribus 
adiutores    eorundem    officii    principum    con- 
cussiones  adhibeant;  centurionum  aliorumque 
officialium,  parva  magnaque  poscentium,  into- 
lerandi    Impetus   oblidantur,    eorumque,    qui 
iurgantibus  acta  restituunt,  inexpleta  aviditas 
temperetur.    Semper  invigilet  industria  prae- 
sidalis,   ne   quicquam   a  praedictis  generibus 
hominum   de   litigatore   sumatur.     Qui  si  de 
civilibus    causis    quicquam    putaverint    esse 
poscendum,  aderit  armata  censura,  quae  ne- 
fariorum   capita   cervicesque  detruncet,   data 
copia  universis,  qui  concussi  fuerint,  ut  prae- 
sidum  instruant  notionem,    Qui  si  dissimula- 
verint,  super  eodem  conquerendi  vocem  Omni- 
bus aperimus   apud   comites  cunctos  provin- 
ciarum    aut    apud    praefectum   praetorio,    si 
magis   fuerit  in   vicino,    ut  his    referentibus 
edocti,  super  talibus  latrociniis  supplicia  pro- 
feramus. 

c)  P,  5,  14,  2.  Quoties  sine  auctoritate 
iudicati  officiales  alicuius  bona  occupant  vel 
describunt  vel  sub  observatione  esse  faciunt, 
adito  procuratore  iniuria  submovetur:  et  rei 
huius  auctores  ad  praefectos  praetorio  puni- 
endi  mittuntur. 

4)  a)  C.  11,  4,  2.  Constituto  tempore 
publice  apud  Karthaginem  in  secretario,  ad- 
misso  populo,  exactorum  ordinabuntur  ido- 
neae  strenuaeque  personae.  De  quibus  si 
popularis  accusatio  ulla  processerit,  in  eorum 
locum  alios  par  erit   destinari,  ita  ut  severa 


sine  ullo  praemio  pauperes  audiantur.  Quod 
si  rapaces  esse  voluerint,  gladio  puniantur, 
aut  certe  de  eorum  rapacitate  dominicis  auri- 
bus  referatur. 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  exactores  ad 
exigendas  tributarias  functiones  idoneos  esse 
mittendos,  ita  ut,  si  de  his  populi  accusatio 
ulla  processerit,  id  est  querela  deposita  fu- 
erit, in  eorum  locum  alii  dirigantur,  ut  ha- 
bita    diligenti    inquisitione,    si   in   dispendia 


Amtsverbrechen  §  8. 


583 


Bezug  auf  sie  irgend  eine  Anklage  aus  dem  Volke  sich  erhoben  haben^ 
das  will  sagen,  eine  Querel  niedergelegt  gewesen  sein  wird,  an  ihre  Stelle 
andere  Personen  geschickt  werden  sollen,  damit,  falls  sie  nach  Vornahme 
einer  genauen  Untersuchung  des  Verbrechens  der  Überforderung  zum  Schaden 
der  Provinzialen  werden  haben  überführt  werden  können,  sie  einer  Kapital- 
strafe unterliegen. 

b)  ^  Viele  massen  sich  an,  für  eine  tiskale  Schuld  Ackerbauknechte  oder  Pflug-   c.  2,30,1 
stiere,  aus  deren  Arbeitserträgen  die  Steuern  bezahlt  werden,  behufs  Pfän- 
dung von  den  Besitztümern  wegzunehmen.    Wird  darum  als  Gläubiger,  sei 

es  der  Curator  pacis  oder  ein  Kuriale,  oder  welcher  Exactor  auch  immer, 
es  zu  thun  sich  angemasst  haben,  so  soll  er  von  dem  Provinciae  iudex 
gestraft  werden.^ 

c)  ^Mit  Bezug  auf  alle,   die  sogar  die  Dignität  unserer  hohen  Gegenwart  be-   0.9,1,3 
gleitet,  wollen  wir  den  Satz  gelten  lassen,  dass,  wenn  Jemand  die  Keusch- 
heit   einer    beliebigen   Person    verletzt   haben    wird,    er    die    gesetzlich    ver- 
ordnete Strafe  übernehmen  solle.     Ein  jeder,  der  einen  Baub  verübt  haben 

wird,  soll  in  Höhe  des  Doppelten  das  mit  Gewalt  Angeeignete  zurück- 
erstatten.'-^ 

d)  Ein  Jeder,  der  von  einem  Actor  dominicus,^  bez.  Prokurator,  mit  der  Unbill   c.  10, 3, 1 
irgendwelchen  Unrechts  verfolgt  gewesen   sein  wird,  wird  sich  wegen  ihrer 


1)  V^l.  S.  520  Anm.  1. 

3)  Actor  rerum  privatarum  nostrarum. 


2)  Vgl,  S.  586  Anm.  1. 


indagatione,  si  in  concussione  possessorum 
deprehensi  fuerint,  illico  (et)  capitali  periculo 
subiaceant  .  . 

b)  C.  2,  30,  1.  Intercessores  a  rectoribus 
provinciarum  dati  ad  exigenda  debita  ea, 
quae  civiliter  poscuntur,  servos  aratores  aut 
boves  aratoriüs  pignoris  causa  de  possessi- 
onibus  abstrahunt,  ex  quo  tributorum  illatio 
retardatur.  Si  quis  igitur  intercessor  aut 
creditor  vel  praefectus  pacis  vel  decurio  in 
hac  re  fuerit  detectus,  a  rectoribus  provin- 
ciarum capitali  sententiae  subiugetur. 

c)  C.  2,  1,  3.  Non  solum  in  agentes  in 
rebus,  sed  in  alios  etiam  cuiuslibet  homines 
conditionis  competentes  vigoris  aculei  ex- 
serantur,  si  modo  fuerit  declaratum,  delicto 
eos  obnoxios  detineri.  Quicunque  igitur  ali- 
quid improbe  turpiterque  commiserit  aut  li- 
bidinis  macula  forte  poUuerit  pudicitiam,  de- 
bet  ad  eum  ultio  severitatis  congruae  pro- 
pagari:  quum  tarnen  direptionem  videantur 
esse  conquesti,  qui  gravia  testantur  esse  ad- 
missa,  quae  obnoxios  claruerit  invasisse,  in 
duplum  restituere  compellantur. 

d)  C.  10,  3,  1.     Si   quis   ab  actore  rerum 


provincialium  de  superexactionis  crimine 
convinci  ^Dotuerint,  (et)  capitali  periculo  sub- 
iaceant .  . 

Multi  pro  fiscali  debito  servos  cultores 
aut  boves  aratorios  de  possessionibus  causa 
pignoris  auferre  praesumunt,  de  quorum  la- 
boribus  tributa  redduntur,  et  ideo  si  quis 
creditor  vel  curator  pacis  vel  curialis  aut 
quicunque  exactor  hoc  facere  praesumserit, 
a  provinciae  iudice  puniatur. 


In  Omnibus  personis,  quas  etiam  praesen- 
tiae  nostrae  dignitas  comitatur,  hanc  volu- 
mus  observari  sententiam :  ut,  si  quis  cuius- 
cunque  pudicitiam  violaverit,  poenam  statu- 
tam  iure  suscipiat.  Et  quicunque  direpti- 
onem admiserit,  in  duplum  violenter  prae- 
sumta  restituat. 


Quicunque  ab  actore  dominico  vel  proeu- 


584 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Chikanen,  bez.  Plünderungen,  an  den  Princeps  wenden  müssen.^  Wird  diese 
Sache  haben  erwiesen  werden  können,  so  war  man  dahin  einig,  dass  sie, 
die  mit  Bezug  auf  die  Provinzialen  solches  zu  thun  gewagt  haben,  dem 
Flammentode  überliefert  werden,  weil  die  Principes  gegen  diejenigen,  welche 
ihnen  unterstehen  und  ihre  Befehle  befolgen  müssen,  eine  besonders  schwere 
Strafe  haben  festsetzen  wollen. 

c.  11,  5, 1  e)  Wenn  irgendwelche  Personen  aus  der  Zahl  derjenigen,  die  den  Provinciarum 
rectores  verbunden  sind  oder  dienen,  bez.  die  in  den  verschiedenen  Offizien 
des  Prinzipats  thätig  sind,  bez.  alle,  welche  anlässlich  eines  öffentlichen  Ge- 
schäfts zur  Ausübung  eines  Terrorismus  sich  eignen,  einem  Bauer  den 
Zwang  der  Knechtschaft,  wie  einem  eignen  Sklaven,  auferlegt  haben  werden, 
oder  dessen  Sklaven  oder  sein  Vieh  zu  Nutzen  ihrer  Arbeit  verw^endet 
haben,  oder  Xenia  oder  beliebige  Gaben  eintreiben  zu  sollen  geglaubt,  bez. 
das  Angebotene  nicht  abgelehnt  haben  werden,  werden  sie  der  strengsten 
Strafe  unterworfen  und  mit  dem  Verlust  ihres  Vermögens  gestraft.^ 

c.  i,c,4  f)  Die  ludices  provinciarum  werden  Sorge  tragen  müssen,  die  einzelnen  Be- 
sitzungen und  Ortschaften  in  eifriger  Nachforschung  zu  durchsuchen  und 
von  sich  aus  in  Erfahrung  zu  bringen,  wie  bei  Eotrichtung  der  öffentlichen 


1)  Vgl.  S.  589  Anm.  2. 

2)  T  enthält  auch  den  Satz,  dass  den  Rusticanus,  der  sich  freiwillig  knechten  lässt, 
gleiche  Strafe  trifft  (et  nihilo  minus  rusticanum,  qui  se  in  eiusdem  operas  sponte  propria 
detulisse  responderit,  par  poenae  severitudo   constringat). 


privatarum  nostrarum  sive  a  procuratore  fu- 
erit  vexatus,  super  eins  calumniis  vel  de- 
praedationibus  deferre  querimoniam  non  du- 
bitet.  Quae  res  quum  faerit  comprobata, 
sancimus,  ut  idem,  qui  contra  provincialem 
quicquam  moliri  fuerit  ausus,  publice  con- 
cremetur,  quoniam  gravior  poena  constitu- 
enda  est  in  hos,  qui  nostri  iuris  sunt  et 
nostra  debent  custodire  mandata. 

e)  C.  11,  5,  1.  Si  qui  eorum,  qui  pro- 
vinciarum rectoribus  obsequuntur,  quique  in 
diversis  agunt  officiis  principatus,  et  qui  sub 
quocunque  praetextu  muneris  publici  possunt 
esse  terribiles,  rusticano  cuipiam  necessi- 
tatem  obsequii,  quasi  mancipio  sui  iuris  im- 
ponat,  aut  servum  eins  vel  forsitan  bovem 
in  usus  proprios  necessitatesque  converterit, 
sive  xenia  aut  munuscula,  quae  canonica  ex 
more  fecerunt,  extorserit,  vel  sponte  haec, 
quae  improbata  sunt,  oblata  non  refutaverit, 
sublatis  Omnibus  facultatibus  ultimo  subiuge- 
tur  exitio  .  .  Eadem  vero  circa  eos  censura  ser- 
vetur,  qui  xenia  aut  munera  deferri  sibi  a 
possessoribus  cogunt  aut  oblata  non  respuunt. 

f)  C.  1,  6,  4.  Provinciis  praesidentes  per 
omnium   villas    sensim   atque  usitatim  vicos- 


ratore  fuerit  alicuius  iniuriae  improbitate 
vexatus,  de  eorum  calumniis  vel  depraedati- 
onibus  ad  principem  convolare  debebit.  Quae 
res  si  potuerit  approbari,  eos,  qui  circa  pro- 
vinciales  talia  facere  ausi  sunt,  placuit  in- 
cendio  concremari,  quia  graviorem  poenam 
principes  constitui  voluerunt  in  eos,  qui  sui 
iuris   sunt  et  sua  debent  custodire  mandata. 

Si  quicunque  ex  his,  qui  provinciarum 
rectoribus  coniunguntur  aut  militant,  vel  qui 
agunt  in  diversis  officiis  principatus,  vel  qui- 
cunque sub  occasione  publici  actus  videntur 
esse  terribiles,  rusticano  alicui  necessitatem 
servitii,  velut  sui  iuris  mancipio  iraposuerint, 
aut  servum  ipsius  aut  bovem  in  sui  operis 
utilitatera  transtulerint,  sive  xenia  aut  quae- 
libet  munera  crediderint  exigenda,  vel  si 
oblata  non  recusaverint,  ultimo  exitio  depu- 
tantur,  et  rerum  suarum  amissione  damnan- 
tur. 


ludices  provinciarum   operam  dare  debe- 
bunt,  ut  per  singulos  agros  et  loca  sollicita 


Amts  verbrechen  §  8, 


585 


Schuld  mit  den  Possessores  verfahren  wird.  Werden  sie  hierauf  Sorgfalt 
zu  verwenden  verabsäumt  haben,  so  mögen  sie  nicht  zweifeln,  dass  eine 
Beschwerde  der  Bürger  an  ihnen  auf  das  strengste  zu  ahnden  ist.^ 
g)  Wird  Jemand  aus  der  Pacht  oder  Eintreibung  der  Zölle  mehr,  als  vor-  c.  4, 11, 1 
geschrieben  gewesen  sein  wird,  einzutreiben  unternommen  haben,  sodass  er 
unter  dieser  Eintreibung  den  Kaufmann  oder  Provinzialen  zu  bedrücken 
begonnen  haben  wird,  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu  einer  Kapitalstrafe  zu 
verurteilen  ist.^ 

5)  Militärvergehen. 

a)  Wird    nach  Empfang    von  Geld   ein  Soldat    den  Arrestanten  haben  laufen  p.  5.33, 1 
lassen,    so   ist  er  kapital    zu   strafen.      Es  fragt   sich    dabei,    welches    Ver- 
brechens der  Befreite  schuldig  zu  sein  gilt. 


1)  Wird  hierüber   uns   eine  Querel    zugekommen   sein,    so  wird  er  der  Ultima  poena 
verfallen. 

2)  Vgh  Drittes  Buch,  §  3,  1  a. 


que  cunctos  discurrant  et  nitro  rimentur  a 
singulis,  quid  unusquisque  compulsor  inso- 
lenter egisset  aut  cupide.  Is  enim,  de  quo 
aliqua  ad  nos  querela  pervenerit,  ad  ultimam 
poenam  rapietur. 

g)  C.  4,  11,  1.  .  .  vectigalia  .  .  licitati- 
onum  iura  conductionumque  .  .  capitali  sen- 
tentia  subiugando,  quem  plus  aliquid,  quam 
statutum  est,  a  provincialibus  exegisse  con- 
stiterit. 

5)  a)  P.  5,  33,  1.  Si  peeunia  accepta  mi- 
ies  eustodiam  dimiserit,  capite  puniendus  est. 
Et  certe  quaeritur,  cuius  criminis  reus  di- 
missus  esse  videtur. 


inquisitione  discurrant  et  per  se,  qualiter  in 
solutione  publici  debiti  cum  possessoribus 
agatur,  agnoscant.  Cuius  rei  curam  si  im- 
plere  neglexerint,  querelara  civium  non  du- 
bitent  in  se  severissime  vindicandam. 

Vectigalia  .  .  Ex  qua  conductione  aut 
exactione,  si  quis  plus,  quam  praeceptum 
fuerit,  exigere  tentaverit,  ita  ut  mercatorem 
vel  provincialem  sub  hac  exactione  gravare 
coeperit,  j^ericulo  capitis  se  noverit  esse 
damnandum. 


Zweites  Kapitel.    Der  Strafprozess. 

I.    Die    am    Prozess    beteiligten   Personen. 

A)  Die  G^erichte  §  9. 

1)  Umfang  der  Gerichtsbarkeit  (vgl.  Viertes  Buch  §  6). 

c.  2, 1, 3  a)  Mit  Bezug  auf  alle,  die  sogar  die  Dignität  unserer  hohen  Gegenwart  be- 
gleitet,^ wollen  wir  den  Satz  gelten  lassen,  dass,  wenn  Jemand  die  Keusch- 
heit einer  beliebigen  Person  verletzt  haben  wird,  er  die  gesetzlich  verordnete 
Strafe  übernehmen  solle.  Ein  Jeder,  der  einen  Raub  verübt  haben  wird,  soll 
in  Höhe  des  Doppelten  das  mit  Gewalt  Angeeignete  zurückerstatten. 

c.  2, 1, 1       b)  Alle,    welche    in   den  Provinzen   zu  ludices   eingesetzt  worden  sind,    mögen 


1)  T  sagt,  dass  nicht  bloss  Agentes  in  rebus,  sondern  auch  andere,  cuiuslibet  condi- 
tionis,  aus  dem  Delikt  haften. 


1)  a)  C.  2,  1,  3.  Non  solum  in  agentes  in 
rebus,  sed  in  alios  etiam  cuiuslibet  homines 
conditionis  competentes  vigoris  aculei  exse- 
rantur,  si  modo  fuerit  declaratum,  delicto 
eos  obnoxios  detineri.  Quicunque  igitur  ali- 
quid improbe  turpiterque  commiserit  aut  li- 
bidinis  macula  forte  polluerit  pudicitiam, 
debet  ad  eum  ultio  severitatis  congruae  pro- 
pagari:  quum  tamen  direptionem  videantur 
esse  conquesti,  qui  gravia  testantur  esse  ad- 
missa,  quae  obnoxios  claruerit  invasisse,  in 
duplum  restituere  compellantur. 

b)  C.  2,  1,  1.  ludices  provinciarum  vo- 
lumus  vim  debitae  auctoritatis  assumere,  ut 
una  actores  ceterosque  rei  privatae  nostrae, 
quae  provinciales,  teneat  disciplina.  Scele- 
ratos  convictosque  carceres  teneant,  tormenta 
dilacerent,  gladius  ultor  interimat.  Eo  enim 
modo  licentia  inveteratae  desperationis  in- 
hibetur,  si  intelligant,  uno  sibi  ac  pari  stu- 
dio vivendum  esse  cum  ceteris. 


In  Omnibus  personis,  quas  etiam  praesen- 
tiae  nostrae  dignitas  comitatur,  hanc  volu- 
mus  observari  sententiam:  ut,  si  quis  cuius- 
cunque  pudicitiam  violaverit,  poenam  statu- 
tam  iure  suscipiat.  Et  quicunque  direptionem 
admiserit,  in  duplum  violenter  praesumta 
restituat. 


Quicunque  in  provineiis  iudices  ordinati 
sunt,  hoc  sibi  sciant  esse  permissum,  ut,  si 
aliquos  rei  dominicae  servos  vel  colonos  re- 
atus  involverit,  sicuti  et  privatos,  compre- 
hendendi  eos  et  puniendi,  ut  culpa  exegerit, 
nullo  contradicente  patrimoniorum  nostrorum 
ordinatore,  habeant  liberam  potestatem. 


Die  Gerichte  §  9. 


587 


wissen,  dass  ihnen  die  freie  Befugnis  zu  haben  gewährt  worden  ist,  wenn 
^irgendwelche  Sklaven  oder  Kolonen  der  Res  dominica^  in  ein  Verbrechen 
verwickelt  sein  werden,  sie,  wie  auch  Privatpersonen ,2  ^zu  ergreifen 
und  nach  Massgabe  ihrer  Schuld  zu  strafen,^  *ohne  AViderspruch  seitens 
eines  Ordinator  patrimoniorum  nostrorum.*  Wird  Jemand  in  den  Domus  c.  2, 1, 11 
dominicae  als  Verbrecher  haben  ermittelt  werden  können,  so  soll  der  Provin- 
ciae  iudex  die  Anwesenheit  des  Actor^  nicht  abwarten,  ^sondern  unverzüg- 
lich den  Angeschuldigten,  nachdem  er  ergriffen  worden  ist,  um  ihn  nicht 
durch  irgendwelche  Kollusion  entweichen  zu  lassen,  der  öffentlichen  Ahndung 
zu  unterwerfen  heissen.^ 
c)  'Während  wir  verordnet  haben,  dass  Civilsachen  vor  die  Provinciarum  rec-  c.  2, 1,  2 
tores  gehören,  soll,  so  oft  sich  eine  Criminahs  actio  eingestellt  haben  wird, 
zwischen  denjenigen,  welche  unter  unsern  Waffen  dienen,  und  Privatpersonen, 
falls  der  Militans  die  Privatperson  vor  Gericht  geladen  haben  wird,  der 
Rector  provinciae  die  Macht  haben,  die  Sache  zur  Kognition  zu  ziehen  und 
zu  entscheiden.  Wird  dagegen  die  Privatperson  die  Person,  welche  uns 
unter  den  Waffen  dient,  bez.  die  Militärperson,  verklagt  haben,  so  soll 
jener  die  Sache  zur  Kognition  ziehen,  zu  dessen  Orchnatio  derjenige  gehört, 
welcher  Soldat  ist,  bez.  für  den  er  die  Waffen  geführt  haben  wird.' 


d)  Die   Herren    werden 


die  Befugnis 


nicht    besitzen,    ihre   Sklaven   zu   töten,    g.  3, 1 


1)  Aktoren  und  sonstige  Personen  der  Res  privata  nostra. 

2)  Provinzialen. 

3)  In  dem  Carcer  zu  halten,  zu  foltern  und  mit  dem  Schwerte  abzumachen. 

4)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

5)  Actor  dominicus. 

6)  T  sagt,  der  Judex  solle  sich  seiner  Macht  ohne  Vermittlung  des  Rationalis  bedienen 
und  den  Schuldigen  E  latebris  hervorziehen,  zur  Vermeidung  von  Verzögerung  Per  colludium 
actorum.  7)  Vgl.  S.  471  Anm.  4. 


C.  2,  1,  11.  Minime  provinciae  rector  ex- 
spectet  in  reos  criminosos  actorem  domini- 
cum,  sed  habeat  exhibendis  noxiis  potesta- 
tem:  utatur  legibus  nullo  interposito  ratio- 
nali.  E  latebris  reus  potestate  ordinarii  iu- 
dicis  protrahatur,  ne  per  colludium  actorum 
iudiciorum  fiat  dilatio. 

c)  C.  2,  1,  2.  Definitum  est,  provinciarum 
rectores  in  civilibus  causis  litigia  terminare, 
etsi  militantes  exceperint  iurgia  vel  moverint. 
Ne  igitur  usurpatio  iudicia  legesque  confun- 
dat  aut  iudicibus  ordinariis  adimat  propriam 
notionem,  ad  provinciarum  rectores  trans- 
ferantur  iurgia  civilium  quaestionum.  In 
criminalibus  etiam  causis,  si  miles  poposcerit 
reum,  provinciae  rector  inquirat.  Si  militaris 
aliquid  admisisse  firmetur,  is  cognoscat,  cui 
militaris  rei  cura  mandata  est. 


Si  quis  in  domibus  dominicis  criminosus 
potuerit  inveniri,  provinciae  iudex  praesen- 
tiam  non  exspectet  actoris,  sed  mox  reum 
comprehensum,  ne  aliquo  colludio  effugiat, 
subdi  iubeat  publicae  disciplinae. 


Etsi  civilia  negotia  ad  provinciarum  rec- 
tores iussimus  pertinere,  tamen,  quoties  cri- 
minalis  actio  intercesserit  inter  illos,  qui  in 
armis  nostris  militant,  atque  privatos,  si  mi- 
litans privatum  in  iudicium  vocaverit,  rector 
provinciae  audiendi  et  iudicandi  habeat  po- 
testatem.  Si  vero  privatus  servientem  nobis 
in  armis  vel  militantem  forte  pulsaverit,  ille 
causam  audiat,  ad  cuius  ordinationem  is 
respicit,  qui  militat,  vel  cui  arma  tenuerit. 

G.  3,  1.    .  .  occidendi  (tamen)  servos  suos 


588 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


Wird  der  Sklave  ein  todeswürdiges  Verbrechen  begangen  haben,  so  ist  er 
den  Iiidices,  welchen  die  Macht  eines  Publicum  officium  anvertraut  w^orden 
ist,  auszuliefern,  damit  er  wegen  seines  Verbrechens  gestraft  werde. 

p.  1, 13, 3  e)  Gegen  denjenigen,  welcher  das  Album  der  Kurie  ausgekratzt,  beschädigt, 
oder  eine  beliebige  andere  Art  von  Schriftstück  durch  seine  Anmassung  in 
Unordnung  gebracht  haben  w4rd,   wird  ohne    Abwartung  eines  Urteils  des 

p.  1,15, 2  Ordo  mit  Kapitalstrafe  eingeschritten.^     Es  ward  verboten,    dass  ein  wildes 

Tier  an  demjenigen  Teile,  wo  das  Publikum  passiert  oder  sich  aufhält,  an- 
gebunden, bez.  untergebracht  w^erde,  damit  nicht  entweder  selbst  es  irgend 
Jemandem  schade,  oder  aus  Furcht  vor  ihm  durch  einen  beliebigen  Zufall 
irgend  Jemand  von  einem  Andern  verletzt  werde.  Wird  es  geschehen  ge- 
wesen sein,  so  wird  wegen  dieses  Schadens  oder  irgendwelcher  Verletzung, 
ohne  dass  das  Urteil  des  Ordo  abgewartet  w^ird,  die  Klage  gegen  den  Herrn, 
wenn  er  es  geheissen  hat,  oder  gegen  den  Wächter  des  Tieres  sich  richten. - 

p.  1,  5, 2  Wer  bei  allen,  sogar  bei  den  ludices  privati,  der  Anschuldigung  der  Kalumnie 

überführt  gewesen  sein  wdrd,  wird,  ohne  Abwartung  eines  Urteils  des  Ordo, 
je  nach  der  Lage  der  Sache,  dem  Supplicium  überliefert  werden.^ 

2)  Arten  der  G-erichte. 

a)  Kaiser  (vgl.  §  14,  1  d). 

c.  9, 1, 1       a)  Keiner,  der  ein  fluchwürdiges,  bez.  nach  den  Glesetzen  strafbares  Verbrechen 
begangen   haben   wird,    darf  sagen,    dass    er  in  seinem  Forum,    das  ist  an 


1)  Yg\.  S.  299  Anm.  2. 

2)  Vgl.  Frivatrecht,  Drittes  Buch  §  23,  2  a,  b. 

3)  Vgl.  S.  572  Anm.  2. 


e)  P.  1,  13,  3.  Is,  qui  album  raserit,  cor- 
ruperit,  sustulerit,  mutaverit,  quidve  aliud 
propositum  edicendi  causa  turbaverit,  extra 
ordinem  punietur. 

P.  1,  15,  2.  Feram  bestiam  in  ea  parte, 
qua  populi  iter  est,  colligari  ]3raetor  prohi- 
bet.  Et  ideo  sive  ab  ipsa,  sive  propter  eam 
ab  alio  alteri  damnum  datum  fuerit,  pro 
modo  admissi  extra  ordinem  actio  in  domi- 
num vel  custodem  datur:  maxime  si  ex  eo 
homo  perierit  vel  fuerit  laesus. 

P.  1,  5,  2.  Et  in  privatis  et  in  publicis 
iudiciis  omnes  calumniosi  extra  ordinem  pro 
qualitate  admissi  plectuntur. 

2  a)  a)  C.  9,  1,  1.     Quicunque   clarissimae 


domini  licentiam  non  habebunt  .  .  Nam  si 
servus  dignum  morte  crimen  admiserit,  iis 
iudicibus,  quibus  publici  officii  potestas  com- 
missa  est,  tradendus  est,  ut  pro  suo  crimine 
puniatur. 

In  eum,  qui  album  curiae  raserit,  vitia- 
verit  vel  quodcunque  aliud  scripturae  genus 
sua  praesumtione  turbaverit,  capitaliter  non 
exspectata  ordinis  sententia  vindicatur, 

Fera  bestia  in  ea  parte,  qua  populi  trans- 
eunt  vel  frequentant,  ligari  vel  custodiri  pro- 
hibetur:  ne  aut  ipsa  aliquem  noceat,  aut 
terrore  eins  quolibet  casu  aliquis  ab  altern 
fortasse  laedatur.  Quod  si  factum  fuerit,  in 
dominum,  si  hoc  praecepit,  vel  in  custodem 
eins  damni  vel  cuiuscunque  laesionis  actio, 
non  exspectata   ordinis  sententia,  revertetur. 

Qui  apud  cunctos  aut  apud  privatos  iu- 
dices  fuerit  de  calumniae  obiectione  convic- 
tus,  non  exspectata  ordinis  sententia,  prout 
causa  fuerit,  supplicio  subdetur. 

Quicunque   damnabile   vel  puniendum  le- 


Die  Gerichte  §  9. 


589 


dem  Orte,  wo  er  wohnt,  verklagt  werden  muss:  vielmehr  soll  da,  wo  das 
Yerhrechen  begangen  worden  ist,  von  den  Indices  dieses  Ortes  eingeschritten 
nnd  nicht  mit  Bezng  auf  seine  Person  an  den  Princeps  berichtet  werden.^ 
b)  Ein  Jeder,  der  von  einem  Actor  dominicus,  bez.  Prokurator,  mit  der  Unbill  c.  lo,  3, 1 
irgendwelchen  Unrechts  verfolgt  gewesen  sein  wird,  Avird  sich  wegen  ihrer 
Chikanen,  bez.  Plünderungen,  '^an  den  Princeps  w^enden  müssen.^ 

ß)  Nobiles  viri. 

a)  Wenn  gegen  irgend  Jemanden  wegen  eines  zur  Last  gelegten  Verbrechens   c.  2, 1, 12 
eine  Untersuchung    zu    führen  ist,   sollen   als  ludices  fünf  Nobiles  viri  aus 
der  Zahl  der  sonstigen  ihm  gleichen  durch  das  Los  erwählt  werden,^  damit 
sie   nicht  für  parteiisch  erwählt  gelten,    und  damit   nicht  leichthin  über  die 
Kapitalsache  oder  die  Unschuld  des  Anderen  geurteilt  zu  werden  scheine. 

Y)  Amplissima  potestas. 

a)  Wenn  ein  Grabschänder  derart  keck,   ungefügig  und  rebellisch  aufgetreten 
sein    wird,    dass    der    Provinzialstatthalter    zu    dessen   Bestrafung   nicht   zu 


N.V.5.  1, 
5U.  6 


1)  Eine  jede  Person  Clarissimae  dignitatis,  die  eine  Jungfrau  geraubt,  bez.  in  irgend- 
welche Grenzen  eingedrungen  oder  bei  irgendwelcher  Schuld,  bez.  einem  Verbrechen,  ergriffen 
gewesen  sein  wird,  soll  innerhalb  der  Provinz,  wo  sie  die  That  begangen  hat,  den  öffent- 
lichen Gesetzen  unterliegen,  unter  Ausschluss  einer  Relation  an  den  Kaiser  und  der  Fori 
praescriptio:  ein  Verbrechen  schliesst  die  Berücksichtigung  jedes  Honor  aus,  da  eine  Krimi- 
nalsache, nicht  ein  Civil-  bez.  Geldhandel  in  Frage  kommt. 

2)  T  spricht  lediglich  von  Deferre  querimoniara. 

3)  T  sagt,  dass  in  Kriminalprozessen  des  Senats  die  vorgeschriebene  Forma  quinque- 
viralis  iudicii  gelten  solle. 


dignitatis  virginem  rapuerit,  vel  fines  aliquos 
invaserit,  vel  in  aliqua  culpa  seu  crimine 
fuerit  deprehensus,  statim  intra  provinciam, 
in  qua  facinus  perpetravit,  publicis  legibus 
subiugetur,  neque  super  eins  nomine  ad  sci- 
entiam  nostram  referatur,  nee  fori  praescrip- 
tione  utatur.  Omnem  enim  honorem  reatus 
excludit,  quum  criminalis  causa  et  non  ci- 
vilis res  vel  pecuniaria  moveatur. 

b)  C.  10,  3,  1.  Si  quis  ab  actore  rerum 
privatarum  nostrarum  sive  a  procuratore  fu- 
erit vexatus,  super  eins  calumniis  vel  deprae- 
dationibus  deferre  querimoniam  non  dubi- 
tet  .  . 

ß)  a)  C.  2,  1,  12.  In  criminalibus  causis 
senatus,  statuta  iam  dudum  quinqueviralis 
iudicii  forma  servabitur.  In  quo  quum  per- 
facile  esse  credamus,  optimos  legere  de  sum- 
mis,  sortito  tarnen  ad  iudicium  vocabuntur, 
ne  de  capite  atque  innocentia  alterius  iudi- 
cio  electi  iudicent. 

y)  a)  N.V.  5,  1,  5  u.  6.  .  .  sepulcrorum 
violator  .  ,  provinciae  moderator  .  .  si  (quis 


gibus  crimen  admiserit,  non  se  dicat  in  foro 
suo,  id  est  in  loco,  ubi  habitat,  debere  pul- 
sari:  sed  ubi  crimen  admissum  est,  ab  eius 
loci  iudicibus  vindicetur,  nee  de  eius  persona 
ad  principem  referatur. 


Quicunque  ab  actore  dominico  vel  pro- 
curatore fuerit  alicuius  iniuriae  improbitate 
vexatus,  de  eorum  calumniis  vel  depraedati- 
onibus  ad  principem  convolare  debebit  .  . 

Quum  pro  obiecto  crimine  aliquis  audi- 
endus  est,  quinque  nobiles  viri  iudices  de 
reliquis  sibi  similibus  missis  sortibus  eli- 
gantur:  ne  studio  videantur  electi  et  de  ca- 
pitali  re  aut  innocentia  alterius  videatur  fa- 
cile  iudicari. 


590 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


N.  Mai. 
1,1,10 


schreiten  vermoclite,  soll  er  sofort  die  Amplissimae  potestates  durch  eine 
direkte  Relation  benachrichtigen,  damit  nicht  die  Anwendung  gerechter 
Strenge  verzögert  werde. 

b)  Für  die  Kurialen  ist  Sorge  getragen,  dass  nicht  entweder  diejenigen,  welche 
zur  Kurie  zurückgerufen  werden,  oder  jene,  die  eines  schweren  Verbrechens 
angeschuldigt  werden,  so  leichthin  Foltern  erdulden  sollen:  vielmehr  sollen 
sie  unter  Bürgenhaft  an  die  Potestas  dignissima  gewiesen  werden,  damit 
diese  über  ihre  Handlungen  ein  Urteil  sprechen  könne.^ 

c)  So  oft  ohne  die  Autorität  eines  Judikats  Offizialen  das  Vermögen  irgend 
einer  Person  okkupieren  oder  aufnehmen  oder  in  Observation  sein  lassen, 
w^rd,  nachdem  der  Prokurator  angegangen  ist,  das  Unrecht  beseitigt  und 
werden  die  Urheber  dessen  den  prätorischen  Präfekten  zur  Bestrafung  über- 
wiesen. 

o)  Judex  Ordinarius. 
c.  2, 1, 8,       g^^  YoY    den    Rector    provinciae    soll    derjenige    kriminelle    Handel    gelangen, 
wo   die    Inskription   von   Personen    oder   eine    grössere    Sache    in  Betracht 


P.  5,14,  2 


2u.  3 


1)  T  spricht  von  den  Magnifici  viri  praefecti  praetorio. 


tarnen)  exstiterit  sie  superbus,  sie  impo- 
tens,  sie  rebellis,  in  cuius  nequeat  ire  sup- 
plicium, amplissimas  potestates  directa  rela- 
tione  mox  instruat,  ne  severitas  iusta  len- 
tetur. 

b)  N.  Mai.  1,  1,  10.  Inter  quae  iustum 
est,  ut  his,  quos  reduci  volumus,  consulamus, 
ne  iniuriis  corporalibus  pro  civilis  plerumque 
iudicis  commotione  subdantur.  Unde  quoties 
aut  culpa  gravis  aut  aliquod  curialis  crimen 
arguitur,  sciant  iudices,  eo  sub  fideiussione 
ordinis  constituto,  ad  magnificos  viros  prae- 
fectos  praetorio  esse  referendum,  ut  in  ip- 
sorum  sit  arbitrio  constitutum,  qualiter,  quod 
admissum  probabitur,  vindicetur. 

c)  P.  5,  14,  2.  Quoties  sine  auctoritate 
iudicati  officiales  alicuius  bona  occupant  vel 
describunt  vel  sub  observatione  esse  faciunt, 
adito  procuratore  iniuria  submovetur:  et  rei 
huius  auctores  ad  praefectos  praetorio  ]du- 
niendi  mittuntur. 

S)  a)  C.  2,  1,  8,  2  u.  3.  Quum  igitur  de 
his  rebus  parvis  ac  minimis  tuae  sit  iniuria 
potestatis  iudicare,  decretum  est,  eas  tantum 
causas  criminales  a  sinceritate  tua  audiri, 
quas  dignus  et  meritus  horror  inscriptionis 
impleverit,  quae  magnitudinem  videlicet  cri- 
minis  tempusque  designat,  ut  alterutram  par- 
tem  digna  legum  tenere  possit  austeritas. 
Quod  statutum  si  fuerit  forte  contemtum, 
hi,    qui   ex   officio   ingrediuntur  secretarium, 


(Nam  et)  hoc  curialibus  (voluit)  esse  con- 
sultum,  ne  aut  hi,  qui  revocantur  ad  curiam, 
aut  illi,  qui  in  gravi  culpa  tenentur  obnoxii, 
tarn  facile  tormenta  sustineant,  nisi  ad  po- 
testatem  dignissimam  sub  fideiussionis  vin- 
culo  dirigantur,  ut  ipse  de  eorum  factis  pos- 
sit ferre  sententiam. 


Ad  rectorem  (vero)  provinciae  illud  ne- 
gotium criminale  perveniat,  ubi  de  perso- 
narum  inscriptione  agitur,  vel  maior  causa 
est,  quae  non  nisi  ab  ordinario  iudice,  reci- 
tata  legis  sententia  debeat  terminari.  Quod 
praeceptum  si  fuerit  praetermissum,  officiales, 
qui  negotia  intromittunt,  quinque  libras  auri 
se  noverint  esse  damnandos. 


Die  GericMe  §  9. 


591 


kommt,  die  nicht  anders  als  von  dem  Ordinarius  iudex,  nach  Ver- 
lesung des  Gesetzesinhalts,  beendet  werden  darf.^  Wird  diese  Vorschrift 
ausser  Acht  gelassen  gewesen  sein,  so  mögen  die  Offizialen,  ^welche  die 
Sachen  einführen,^  wissen,  dass  sie  zu  fünf  Pfund  Gold  zu  verurteilen  sind. 

£)  Defensor  und  Assertor  pacis. 

a)  So  oft  wegen  kleiner  Vergehen,  das  will  sagen,  wegen  der  Flucht  eines  pr.^'J;  2 
einzigen  Sklaven  oder  wegen  eines  weggenommenen  Stück  Viehs  oder  eines 
okkupierten  Streifen  Landes  oder  Hauses  oder  wegen  eines  Furtum,  eines 
offenbaren,  das  will  sagen,  bei  Verübung  der  That  entdeckten  Diebstahls, 
oder  eines  Diebstahls,  bei  welchem  der  Dieb  davonkommt,  mit  Bezug  auf 
das  Vergehen  eine  Actio  angestrengt  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  die 
Strafe  hierfür  vor  die  Mediocres  iudices,  die  für  die  öffentliche  Ordnung 
sorgen,  das  will  sagen,  entweder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Assertores 
pacis  gehöre:^  die  Defensoren  sollen  keinen  Unschuldigen  zu  verurteilen  sich  c.  1,10, 2 
anmassen.* 

3)  Forum. 

a)  Keiner,  der  ein  fluchwürdiges,  bez.  nach  den  Gesetzen  strafbares  Verbrechen   c.  9, 1, 1 
begangen  haben  wird,  darf  sagen,  dass  er  in  seinem  Forum,  das  ist  an  dem 
Orte,    wo  er  wohnt,   verklagt  werden  muss:    vielmehr  soll  da,  wo  das  Ver- 
brechen begangen   worden  ist,    von  den  Iudices  dieses  Ortes  eingeschritten 


1)  Vgl.  S.  476  Anm.  1. 

2}  Qui  ex  officio  ingrediuntur  secretarium. 

3)  Vgl.  S.  476  Anm.  1. 


4)  Vgl.  Drittes  Buch  §  10,  3  a,  a. 


quinque    librarum    auri  condemnatione   feri- 
antur. 

s)  a)  C.  2,  1,  8  pr.  1  u.  2.  Causas  plarimi 
instituentes  de  fugaci  servo,  aut  manifesto 
furto  aut  non  manifesto,  direpti  etiam  ani- 
malis,  servi,  vel  rei  mobilis  ac  moventis,  vel 
vi  bonorum  raptorum,  parvulae  etiam  terrae, 
finium  et  parvulae  casae,  sub  specie  criminis 
tuum  pulsant  iudicium.  Momentariae  etiam 
possessionis  interdictum,  quod  non  semper 
ad  vira  publicam  pertinet  vel  privatam,  ut 
mox  audiri,  interdum  etiam  sine  inscriptione, 
mereatur,  abacti  etiam  animalis  causa  pro- 
ponitur.  Quura  igitur  de  bis  rebus  parvis  ac 
minimis  tuae  sit  iniuria  potestatis  iudicare  .  . 

C.  1,  10,  2,  Defensores  .  .  nullas  infligant 
mulctas,  nullas  exerceant  quaestiones  .  . 

3)  a)  C.  9,  1,  1.  Quicunque  clarissimae 
dignitatis  virginem  rapuerit,  vel  fines  ali- 
quo8  invaserit,  vel  in  aliqua  culpa  seu  cri- 
mine  fuerit  deprehensus,  statim  intra  pro- 
vinciam,  in  qua  facinus  perpetravit,  publicis 
legibus  subiugetur  .  . 


Quoties  de  parvis  criminibus,  id  est,  unius 
servi  fuga,  aut  sublati  iumenti,  aut  modicae 
terrae,  seu  domus  invasae,  vel  certi  furti,  id 
est,  detenti  aut  praeventi,  sub  criminis  no- 
mine actio  fortasse  processerit,  ad  mediocres 
iudices,  qui  publicam  disciplinam  observant, 
id  est,  aut  defensores  aut  assertores  pacis, 
vindictam  eins  rei  decernimus  pertinere. 


Defensores  .  .  nulluni  de  innocentibus 
(aut)  condemnare  .  .  praesumant. 

Quicunque  damnabile  yel  puniendum  le- 
gibus crimen  admiserit,  non  se  dicat  in  foro 
suo,  id  est  in  loco,  ubi  habitat,  debere  pul- 
sari:  sed  ubi  crimen  admissum  est,  ab  eins 
loci  iudicibus  vindicetur  .  . 


592 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch, 


N.  M. 
1,1,1-3 


C.  9,  1,5 


C.  16,  1,  3 


werden:^  wenn  Jemand  seinen  Gegner  durch  Vorhalten  eines  Vergehens 
angegriffen  haben  wird,  soll  er  in  der  Provinz,  in  welcher  sich  derjenige, 
welcher  angegrifi'en  wird,  aufhält,  seine  Aktionen  anstellen  und  nicht  meinen, 
dass  sein  Gegner  anderswohin  oder  weiter  weg  vor  Gericht  zu  ziehen  ist.^ 

^Die  Verhandlung  über  Verbrechen  muss  dort  vorgenommen 
werden,  w^o  das  Verbrechen  begangen  worden  ist;  denn  es  ist  verboten, 
dass  über  den  eines  Verbrechens  Angeschuldigten  anderswo  eine  Unter- 
suchung stattfindet.^ 

aa)  So  oft  unter  Klerikern  ein  Rechtsstreit  entstanden  gewesen  sein  wird, 
soll,  falls  etwas  Kriminelles  entgegengehalten  wird,  es  zur  Kenntnis 
des  Judex  in  der  Gemeinde,  wo  es  betrieben  wird,  gebracht  werden, 
damit  mittels  dessen  Urteil  gegen  dasjenige  eingeschritten  werde,  was 
nachweislich  kriminell  verübt  gewesen  ist.^ 


2)  Vgl.  S.  477  Anm.  1. 
Ultra  provinciae  terminos  aecusandi  licentia  non  pro- 


1)  Vgl.  S.  589  Anm.  1. 

3)  T  schickt  den  Satz  voraus 
grediatur. 

4)  T  fügt  den  Satz  bei:  Peregrina  autem  iudicia  praesentibus  legibus  coercemus 

5)  Vgl.  Viertes  Buch  §  6,  b,  aa. 


N.  M.  1 ,  1 ,  1 — 3.  Quicunque  .  .  certe 
criminalem  accusationem  adversariis  suis  in- 
tendere  moliuntur,  viros  clarissimos  adeant 
provinciarum  rectores,  et  expositis  querimo- 
niis  insinuatisque  desideriis  suis  paratissimum 
promtissimumque  posthac  subsidium  iuris  ex- 
spectent  .  .  Has  ergo  ob  causas  nullum  ad- 
versarium  suum  a  proximis  vel  longinquis 
partibus,  non  per  sacros  affatus,  non  per 
magnificentissimorum  vel  illustrium  iudicum 
sententias,  volumus  exhibere  .  .  His  pro  com- 
modo  vestro  et  pro  nostri  imperii  humanitate 
dispositis,  unusquisque  vestrum,  quum  sint 
in  locis  iudices,  legum  custodes  et  earum 
pervigiles  defensores,  prout  quisque  possit 
sine  peregrinatione,  sine  sumtibus  super  du- 
biis  rebus  et  adire  iudicem  et  auxilium  ami- 
cum  legibus  adipisci,  haec,  quae  dicta  sunt, 
observare  debebit  .  . 

C.  9,  1,  5.  .  .  Oportet  (enim)  illic  crimi- 
num iudicia  agitari,  ubi  facinus  dicitur  ad- 
missum  .  . 

aa)  C.  16,  1,  3.  .  .  (si  qua  sunt  ex  qui- 
busdam  dissensionibus  levibusque  delictis  ad 
religionis  observantiam  pertinentia,  locis  suis 
et  a  suae  dioeceseos  synodis  audiantur:)  ex- 
ceptis,  quae  actio  criminalis  ab  ordinariis  ex- 
traordinariisque  iudicibus  aut  illustribus  po- 
testatibus  audienda  constituit. 


Si  quis  adversarium  suum  .  .  criminis 
obiectione  pulsaverit,  in  provincia,  in  qua 
consistit  ille,  qui  pulsatur.  suas  exserat  ac- 
tiones,  nee  aestimet  adversarium  suum  alibi 
aut  longius  ad  iudicium  pertrahendum  .  . 


Criminum  discussio  ibi  agitanda  est,  ubi 
crimen  admissum  est;  nam  alibi  criminis  reus 
prohibetur  audiri. 

Quoties  .  .  inter  clericos  fuerit  nata  con- 
tentio,  .  .  si  quid  opponitur  criminale,  ad 
notitiam  iudicis  in  civitate,  qua  agitur,  de- 
ducatur,  ut  ipsius  sententia  vindicetur,  quod 
probatur  criminaliter  fuisse  commissum. 


Ankläger  und  Angeklagter  §  10. 


593 


bb)  Wer   aucli  immer  als  Angeber  in  einer  beliebigen  Sache   aufgetreten   c.  lo,  5,  ^ 
sein  wird,  soll,  nachdem  er  schon  bei  Beginn  seines  Verrats  von  dem 
Judex  loci  ergriffen  worden  ist,  unverzüglich  erdrosselt  werden. 


B)  Ankläger  und  Angeklagter  §  10. 

1)  iVnkläger  (Angeber)  (§  6,  1,  a). 
a)  Absolute  Unfähigkeit. 

a)  ^ Den  Frauen  soll  nicht  erlaubt  sein,  ausser  in  ihrer  und  der  Ihrigen  Sache   c.  9, 1,2 
irgend  Jemanden   anzuklagen,   weil   sie  an  der  Übernahme  fremder  Sachen 
durch  die  Gesetze  gehindert  werden.    Auch  die  Advokaten  sind  zu  erinnern, 

nicht    gegen    die   Gesetze  Frauen   anzunehmen,    die  in  fremden  Sachen  zu 
prozessieren  verlangen.^ 

b)  Durch  lus  und  Leges  ist  festgesetzt  worden,  dass  ein  Angeschuldigter  mittels  c.9,1,11,1 
spontaner  Erklärung  keinen  Angeschuldigten  macht.^ 

Dem  Geständnis   derjenigen,    welche   wegen  Verbrechen  angeklagt  c.  9, 1, 7 
werden,  ist  gegen  andere  kein  Glauben  zu  schenken,  solange  sie  nicht 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  24,  2,  c,  aa. 

2)  Die  Autorität  des   alten  Rechts   gestattet  nicht,   dass  Personen,    welche    über  sich 
ein  Geständnis  abgelegt  haben,  über  die  Mitwissenschaft  anderer  Personen  befragt  werden. 


bb)  C.  10,  5,  1.  .  .  delatorum  exsecranda 
pernicies  (,et)  inter  primos  conatus  in  ipsis 
faucibus  stranguletur  .  . 

1  a)  a)  C.  9,  1,  2.  Quum  ius  evidens  at- 
que  manifestum  sit,  ut  intendendi  criminis 
publici  facultatem  non  nisi  ex  certis  causis 
mulieres  habeant,  hoc  est  si  suam  suorum- 
que  iniuriam  persequantur,  observari  anti- 
quitus  statuta  oportet.  Neque  enim  fas  est, 
ut  passim  mulieribus  accusandi  permissa  fa- 
cultas sit;  alioquin  in  publicis  olim  quaesti- 
onibus  interdum  aut  admissa  probatio  est 
aut  accusantis  auctoritas.  Patroni  etiam  cau- 
sarum  monendi  sunt,  ne  respectu  compendii 
feminas,  securitate  forsitan  sexus  in  actionem 
illicitam  proruentes,  temere  suscipiant. 

b)  C.  9,  1,  11,  1.  .  .  (quum)  veteris  iuris 
auctoritas  de  se  confessos  ne  interrogari  qui- 
dem  de  aliorum  conscientia  sinat  .  . 

C.  9,  1,  7.  Neganda  est  accusatis  li- 
centia  criminandi,  priusquam  se  crimine, 
quo  premuntur,  exuerint.  Nam  sanctionum 
veterum  conditores  adimendam  licentiam  Om- 
nibus censuerunt  in  accusatores  suos  invidio- 
sam  dicendi  vocem.     Nullam  itaque  obtineat 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


!  .  .  Quicunque  delator  cuiuslibet  rei  exsti- 

I    terit,  in  ipso  proditionis    initio  a  iudice  loci 
i    correptus  continuo   stranguletur  .  . 

I  Feminis    nisi     in    sua    suorumque    causa 

I  quemquam  accusare  non  liceat,  quia  suscep- 
tione  alienarum  causarum  legibus  prohiben- 
tur.  Advocati  etiam  commonendi  sunt,  ne 
contra  leges  suscipiant  in  alienis  causis  fe- 
minas litigare  cupientes. 


.  .  iure  et  legibus  constitutum  est,  ut 
spontanea  professione  reus  reum  non  faciat .  . 

Non  credendum  est  contra  alios  eorum 
confessioni,  qui  in  criminibus  accusantur,  nisi 
se  prius  probaverint  innocentes:  quia  peri- 
culosa  est  et  admitti  non  debet  rei  adver- 
sus  quemcunque  professio. 


38 


594 


Öffentliclies  Recht,     Zweites  Buch. 


N.  Y.2, 1, 
1  u.  2 


C.  9,  6,  1 
pr. 


C.  9,  3,  2 


ilire  Unschuld   erwiesen  haben  werden,   weil  die  Erklärung  eines  An- 
geschuldigten gegen  eine  behebige  Person  gefahrvoll  ist  und  nicht  zu- 
gelassen werden  darf.^ 
ß)  Relative  Unfähigkeit. 

a)  Wo  auch  immer  irgend  einer  aus  der  Zahl  der  Manichäer  ergriffen  gewesen 
sein  wird,  er  soll  die  Strafen,  die  die  Gesetze  gegen  Sacrilegi  verordnet 
haben,  durch  die  Autorität  der  öffentlichen  Strenge  erleiden.  Die  That  soll 
ein  Publicum  crimen  sein  und  einem  Jeden,  der  es  will,  die  Befugnis  zu- 
stehen, solche  Personen  zu  beschuldigen.  ^Wenn  eine  freigeborene  Frau  mit 
dem  eignen  Sklaven  heimlich  sich  vermischt  haben  wird,  soll  jedermann,  der 
gewollt  haben  wird,  es  in  der  Macht  haben,  gegen  ein  Verbrechen  dieser  Art 
die  Anklage  zu  erhellen.  Auch  Sklaven  oder  Sklavinnen  sollen,  falls  sie  wegen 
dieses  Verbrechens  eine  Anklage  angebracht  haben  werden,  gehört  werden.''^ 

b)  Wenn  ein  Sklave  den  Herrn,  oder  der  Amicus,  resp.  Domesticus,  oder  der 
Freigelassene  den  Patron  angeklagt  oder  als  eines  beliebigen  Verbrechens 
schuldig  angegeben  haben  wird,  soll  er  unverzüglich  bei  dem  Beginn 
der  Anklage  selbst  mit  dem  Schwerte  gestraft  werden,  weil  wir  eine 
solche  Stimme  erstickt  und  nicht  angehört  wissen  wollen,  es  sei  denn  etwa, 
dass  er  erwiesen  haben  wird,  der  Herr  oder  Patron  habe  ein  Crimen 
maiestatis  betrieben.^ 


1)  T  sagt,  dass  den  Angeklagten  die  Licentia  criminandi,  bez.  die  Yox  invidiosa 
gegen  ihre  Ankläger  versagt  sei,  und  führt  aus,  dass  bei  Zulassung  selbst  der  Richter  vor 
der  Wut  des  Angeklagten  nicht  sicher  sein  werde. 

2)  Vgl.  S.  552  Anm.  2.  3)  Vgl.  §  7,  1  a,  b. 


in  iudiciis  auctoritatem  periclitantium  furor, 
qui  si  latius  evagetur,  ne  ipse  quidem  cogni- 
tor  tutus  erit  aut  quaestionem  securus  agi- 
tabit,  qui,  exsequendo  iuris  severitatem,  non 
potest  illorum,  quos  punit,  odium  evitare. 

ß)  a)  N.  V.  2,  1,  1  u.  2.  .  .  ubicunque 
terrarum  quisquis  Manichaeorum  fuerit  de- 
prehensus,  poenas,  quas  in  sacrilegos  iura 
sanxerunt,  auctoritate  pubiicae  severitatis 
excipiat.  Sitque  publicum  crimen,  et  omni 
volenti  .  .  arguere  sit  facultas. 

C.  9,  6,  1  pr.  Si  qua  cum  servo  occulte  rem 
habere  detegitur,  .  .  sit(qae)  omnibus  facul- 
tas crimen  publicum  arguendi,  sit  officio 
copia  nuntiandi,  sit  etiam  servo  licentia  de- 
ferendi  .  . 

b)  C.  9,  3,  2.  Si  quis  ex  familiaribus  vel 
ex  servis  cuiuslibet  domus  cuiuscunque  crimi- 
nis  delator  .atque  accusator  emerserit,  eins 
existimationem,  caput  atque  fortunas  peti- 
turus,  cuius  familiaritati  vel  dominio  inhae- 
serit,  ante  exhibitionem  testium,  ante  exami- 
natum  iudicium,  in  ipsa  expositione  criminum 


Si  qua  ingenua  mulier  servo  proprio  se 
occulte  miscuerit  .  .  In  potestate  habeat 
huius  modi  crimen  quicunque  voluerit  accu- 
sare.  Servi  etiam  aut  ancillae,  si  de  hoc 
crimine  accusationem  detulerint,  audiantur  . . 

Si  servus  dominum  aut  amicus  vel  do- 
mesticus sive  libertus  patronum  accusaverit 
vel  detulerit  cuiuslibet  criminis  reum,  statini 
in  ipso  initio  accusationis  gladio  puniatur: 
quia  vocem  talem  exstingui  volumus,  non 
audiri,  nisi  forte  dominum  aut  patronum  de 
crimine  maiestatis  tractasse  probaverit. 


Ankläger  und  Angeklagter  §  10. 


595 


Freigelassene,  die  als  Ankläger  der  Patrone  anftreten,  ^sollen  un-   c.  9, 3, 3 
verzüglich,   sobald    sie    in    den  Ruf  einer  Anklage   ausgebrochen   sein 
werden,  gestraft  werden.^ 

Ein  Sklave,    der  den  Herrn   anklagt,    muss    nicht    nur    nicht  ver-    c.  9, 3, 1 
nommen,  sondern  sogar  gestraft  werden,  es  sei  denn,  er  wird  bewiesen 
haben,  dass  der  Herr  ein  Crimen  maiestatis  verübt  habe.^ 

c)  Mit  Bezug  auf  diejenigen  Verbrechen,    von  welchen  Jemand  freigesprochen    p.  1,  e,  1 
worden  ist,  kann  von  Seiten   desjenigen,   welcher  die  Anklage  erhoben  hat, 
die  Anklage  nicht  erneuert  werden.     Der  Sohn  des  Anklägers  ist  von  der  p.  1,  e,  2 
Anklage  zu  entfernen,  falls  er  das  Verbrechen,   welches  der  Vater  verfolgt 
hat,   nach  Befreiung  des  Angeschuldigten  verfolgen   will.     Ein  Verbrechen  p.  1, 6, 3 
zur  Last  zu  legen,  mit  Bezug  worauf  Jemand  Abstand  genommen  hat  oder 
besiegt    davongegangen    ist,    ist    ein    anderer  nicht  behindert.     Nach   einer  P.  5, 19, 1 


1)  Sollen  nicht  aus  freien  Stücken  auftreten  dürfen,  aber  auch  nicht  nach  einer  Vor- 
ladung verpflichtet  sein,  hei  Gericht  zu  erscheinen. 

2)  Vgl.  §  7,  la,b. 


atque  accusationis  exordio  ultore  gladio  feri- 
atur.  Vocem  enim  funestam  intercidi  oportet 
potius  quam  audiri.  Maiestatis  crimen  ex- 
cipimus. 

C.  9,  3,  3.  Libertorum  adversus  patronos 
illicitas  atque  improbas  voces  poenae  obiec- 
tione  praecludimus,  atque  ita,  ut  non  modo 
sponte  prodire  non  audeant,  sed  ne  vocati 
quidem  in  iudicium  venire  cogantur. 

C.  9,  3,  1.  Quum  accusatores  servi  domi- 
nis  intonent,  nemo  iudiciorum  exspectet  even- 
tum,  nihil  quaeri,  nihil  discuti  placet,  sed 
cum  ipsis  delationum  libellis,  cum  omni  scri- 
pturarum  et  meditati  criminis  apparatu  nefan- 
darum  accusationum  crementur  auctores,  ex- 
cepto  tarnen  appetitae  maiestatis  crimine,  in 
quo  etiam  servis  honesta  proditio  est  .  . 

c)  P.  1,  6,  1.  De  bis  criminibus,  quibus 
quis  absolutus  est,  ab  eo,  qui  accusavit,  re- 
fricari  accusatio  non  potest. 

P.  1,6,  2.  Filius  accusatoris,  si  hoc  cri- 
men, quod  pater  intendit,  post  liberatum 
reum  persequi  velit,  ab  accusatione  removen- 
■dus  est. 

P.  1,  6,  3.  Crimen,  in  quo  alius  destitit 
vel  victus  recessit,  alius  obicere  non  prohi- 
betur. 

P.  5,  19,  1.  Post  abolitionem  publicam  a 
■delatore  suo  reus  intra  tricesimum  diem  re- 
peti  potest:  postea  non  potest. 


Liberti  accusatores  patronorum,  ubi  pri- 
mum  in  accusationis  vocem  proruperint,  puni- 
antur. 


Servus  dominum  accusans  non  solum  au- 
diendus  non  est,  verum  etiam  puniendus, 
nisi  forte  dominum  de  crimine  maiestatis 
tractasse  probaverit. 


38=< 


596 


Öfifentliclies  Recht.     Zweites  Buch. 


öffentlichen  Abolition  kann  der  Angeschuldigte  von  seinem  Angeber  innerhalb 
des  dreissigsten  Tages  wieder  vorgefordert  werden :  hernach  kann  er  es  nicht, 
c.  9,  4, 2  d)  ^Im  Falle  des  Ehebruchs  soll  Niemand  eine  fremde  Frau  anklagen,  dagegen 
wohl  die  Verwandten,  denen  es  zum  Schimpf  gereicht,  das  w^ill  sagen,  der 
Frater  germanus,  der  Frater  patruelis,  der  Vaterbruder  und  der  Konso- 
brine:  indessen  können  sie  vor  der  Inskription,  falls  sich  die  Angeklagte 
dabei  beruhigt  haben  wird,  auf  Grund  von  Genugthuung  Enthebung  von 
der  Anklage  erzielen.  Sonstige  w^erden  von  der  Anklage  ferngehalten.  Ehe- 
männern freilich  ist  auch  auf  Grund  eines  Verdachts  anzuklagen  gestattet 
c.  3, 13, 1  worden.^    Klagt  der  Mann  die  Frau  wiegen  Mores  an,  das  will  sagen,  wegen 

Zauberei,  Ehebruchs  und  sonstiger  ähnlicher  Verbrechen,  so  kann,  wenn  der 
Mann,  der  die  Frau  anklagte,  gestorben  gewiesen  sein  wird,  die  Gattin  von 
dem  Erben  des  Ehemanns  nicht  angeklagt  werden.^ 

c.  3, 13, 1  2)  Angeklagter. 

c.  9, 32,1       a)  Verbrechen  fallen  mit  dem  Urheber  dahin. 

Ein  Verbrechen  soll  mit  dem  Urheber  dahinfallen. 


1)  Vgl.  §  3,  3  d. 

2)  Vgl.  S.  549  Anm.  4. 


d)  C.  9,  4,  2.  Quamvis  adulterii  crimen 
inter  publica  referatur,  quorum  delatio  in 
commune  omnibus  sine  aliqua  legis  interpre- 
tatione  conceditur,  tarnen,  ne  volentibus  te- 
mere  liceat  foedare  connubia,  proximis  ne- 
cessariisque  personis  solummodo  placet  de- 
ferri  copiam  accusandi,  hoc  est  patri  vel  con- 
sobrino  et  consanguineo  maxime  fratri,  quos 
verus  dolor  ad  accusationem  impellit.  Sed 
et  his  personis  legem  imponimus,  ut  crimen 
abolitione  compescant.  In  primis  maritum 
genialis  tori  vindicem  esse  oportet,  cui  quidem 
ex  suspicione  etiam  ream  coniugem  facere, 
nee  intra  certa  tempora  inscriptionis  vinculo 
contineri,  veteres  retro  principes  annuerunt. 
Extraneos  autem  procul  arceri  ab  hac  accu- 
satione  censemus.  Nam  etsi  omne  genus 
accusationis  necessitas  inscriptionis  adstrin- 
gat,  nonnulli  tarnen  proterve  id  faciunt  et 
falsis  contumeliis  matrimonia  deformant. 

C.  3,  13,  1.  De  moribus  actio  ultra  per- 
sonam  extendi  non  potest,  .  .  nee  tribuetur 
heredi. 


2)  a) 


In  adulterio  extraneam  mulierem  nullus 
accuset,  sed  propinqui,  ad  quorum  notam 
pertinet,  hoc  est  frater  germanus,  frater 
patruelis,  patruus  et  consobrinus,  qui  tarnen 
ante  inscriptionem,  si  accusata  acquieverit, 
possunt  per  satisfactionem  veniam  promereri. 
Reliqui  ab  accusatione  prohibentur.  Maritis 
sane  etiam  ex  suspicione  accusare  permissum 
est. 


Si  de  moribus  maritus  uxorem  accusat, 
hoc  est  in  maleficio,  in  adulterio,  similibus 
aliisque  criminibus,  .  .  si  maritus  mortuus 
fuerit,  quia  accusabat  uxorem,  ab  berede 
mariti  mulier  non  potest  accusari. 

C.  3,  13,  1.  .  .  crimina  cum  auctore  de- 
ficiunt  .  . 

C.  9,  32,  1.  .  .  crimen  cum  auctore  de- 
ficiat  .  . 


Ankläger  und  Angeklagter  §  10. 


597 


aa)  Klagt    der  Mann    die  Frau  wegen  Mores    an,    das  will  sagen,   wegen   c.  3, 13, 1 
Zauberei,  Ehebi'uchs  und  sonstiger  ähnlicher  Verbrechen,   so  können, 
wenn    die  Frau  gestorben    gewesen    sein    wird,  ihre  Erben   nicht  an- 
geklagt werden.^ 

b)  Die  Strafe    soll  nur   denjenigen   treffen,   welcher  das  Verbreche]!  begangen   c.  9, 30,4 
hat:    dagegen  sollen  Verwandte,  Affinen   oder  Aniici,  Familiäres   oder  Be- 
kannte, soweit  sie  nicht  Mitwisser  des  Verbrechens  sind,  nicht  als  schuldig 
haften:  Niemand  aus  der  Verwandtschaft  des  Verbrechers  oder  aus  der  Zahl 

der  Freunde  soll  Besorgnis  hegen,  es  sei  denn  dass  er  selbst  eine  Missethat 
begangen  haben  wird.^ 

c)  Der  Ordo   der  Kurie    soll   nicht  für  die  Schuld  eines  Einzebien  die  Strafe    i,'i,ii" 
auf  sich  nehmen:  nur  lediglich  derjenige,  welcher  erweislich  schuldig  ist.^ 

3)  Erfordernis  der  Anwesenheit  der  Parteien. 

a)  In    Kriminalsachen    kann    der  Ankläger    nur   in   Person    irgend  Jemanden   p. 5, 18,11 
anklagen,   es    sei    denn   dass   der  Patron  einen  undankbaren  Freigelassenen 
anklagt.     In  Kriminalsachen,  bez.  Anklagen,  soll  Niemand  mittels  Mandats   c.  9, 1, 9 


1)  Vgl.  S.  549  Anm.  4. 

2)  T  fügt  hinzu:  Hoc  singulis  quibusque  iudicibus  intimetur. 

3)  T  beruft  sich  für  den  Satz,  dass  nicht  die  Kurien  als  solche  von  den  Provinzial- 
statthaltern  gestraft  werden  sollen,  auf  die  Billigkeit  und  die  Regula  iuris  antiqui:  noxa 
tantum  caput  sequitur. 


aa)  C.  3,  18,  1.  De  moribus  actio  ultra 
personam  extendi  non  potest,  nee  in  liere- 
dem  dabitur  .  . 

b)  C.  9,  30,  4.  Propin quos,  notos,  familiä- 
res procul  a  calumnia  summovemus ,  quos 
reos  sceleris  societas  non  facit:  nee  enim 
affinitas  vel  amicitia  nefarium  crimen  ad- 
mittunt.  Peccata  igitur  suos  teneant  auctores, 
nee  alterius  progrediatur  metus,  quam  repe- 
ritur  delictum  .  . 

c)  N.  Mai.  1,  1,  11,  Nunquam  curiae  a 
provinciarum  rectoribus  generali  condemna- 
tione  mulctentur,  quum  utique  hoc  et  aequi- 
tas  suadeat  et  regula  iuris  antiqui,  ut  noxa 
tantum  caput  sequatur,  ne  propter  unius  for- 
tasse  delictum  alii  dispendiis  affligantur. 

3)  a)  P,  5,  18,  11.  Neque  accusator  per 
alium  accusare  .  .  potest :  nisi  ingratum  liber- 
tum  patronus  accuset  .  . 

C.  9,  1,  9.  Concessum  singuli  universique 
cognoscant,  non  emendicatis  suffragiis  decre- 
torum,  fced  lite  suis  nominibus  instituta  illu- 
stris  et  magnificae  celsitudinis  tuae  adeun- 
dam  potestatem,  quoniam  accusari  unum- 
quemque  per  alterum  non  oportet  .  . 


Si  de  moribus  maritus  uxorem  aceusat, 
hoc  est  in  maleficio,  in  adulterio,  similibus 
aliisque  criminibus,  si  mortua  uxor  fuerit, 
heredes  eins  accusari  non  possunt  .  . 

Poena  illum  tantum  sequatur,  qui  crimen 
admisit.  Propinqui  vero,  affines  vel  amici, 
familiäres  vel  noti,  si  conscii  criminis  non 
sunt,  non  teneantur  obnoxii.  Nemo  de  pro- 
pinquitate  criminosi  aut  de  amicitiis  timeat, 
nisi  qui  scelus  admiserit. 

.  .  nee  ut  ordo  curiae  pro  unius  culpa  mulc- 
tam  excipiat:  nisi  tantum  is,  qui  probatur 
obnoxius. 


In  criminalibus  causis  nee  accusator,  nisi 
per  se,  aliquem  accusare  potest  .  .,  nisi  forte 
ingratum  libertum  patronus  accuset. 

In  criminalibus  causis  vel  obiectionibus 
per  mandatum  nullus  accuset;  nee  si  per 
rescriptum  principis  hoc  potuerit  impetrare. 
Sed  ipse,  qui  crimen  intendit,  praesens  per 
se  accuset,  inscriptione  praemisea  .  . 


598 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  5,  9 

P.  5,  4,  12 


P.  5,  5,  9 
C.  11,  14,4 


P.  5,18,  11 

N.V.  12,  1 
pr.  u.  1 


anklagen,  auch  nicht  dann,  wenn  er  mittels  Reskripts  des  Princeps  es  wird 
haben  erzielen  können:  vielmehr  soll  derjenige,  welcher  ein  Verbrechen  ver- 
folgt, in  eigner  Person  die  Anklage  erheben,  unter  Yorausschickung  der 
Inski'iption.^ 

Ein  Abwesender  kann  nicht  durch  einen  Andern  anklagen. 

aa)  Injurienhalber  können  nur  Gegenwärtige  klagen:  denn  ein  Vergehen, 
welches  ein  ludicium  vindictae  oder  Calumniae  erfordert,  kann  durch 
Andere  nicht  verfolgt  werden. 

b)  Ein  Abwesender  kann  nicht  angeklagt  werden.  So  oft  ein  beliebiger  An- 
kläger irgend  etAvas  über  seinen  Gegner  in  dessen  Abwesenheit  suggeriert 
haben  w^ird,  soll  ihm  vor  der  Ausfragung  beider  Parteien  durchaus  nicht 
geglaubt  werden.^  In  Kriminalsachen  ist  auch  dem  Angeklagten  nicht  ge- 
stattet, durch  einen  Prokurator  oder  eine  andere  Person  sich  zu  verteidigen.^ 
^Wird  irgend   ein  Laie  einen  Kleriker  in  einer  Kriminalsache  mittels   der 


1)  T  sagt,  dass  nicht  Emendicatis  suiFragiis  decretorum,  sondern  Lite  suis  nominibus 
instituta  die  Potestas  des  Adressaten,  Praefectus  praetorio  anzugehen  sei,  da  Niemand  durch 
einen  Andern  anklagen  dürfe. 

2)  T  sagt,  dass  dem  Abwesenden  nicht,  wie  einem  Gegenwärtigen  und  Überführten, 
unverzüglich  Glauben  zu  schenken  ist. 

3)  T  fügt  hinzu:  nisi  rei  absentia  defendatur. 


P.  5,  5,  9.  .  .  neque  absens  per  alium 
accusare  .  .  potest, 

aa)  P.  5,  4,  12.  Iniuriarum  non  nisi  prae- 
sentes  accusare  possunt:  crimen  enim,  quod 
vindictae  aut  calumniae  iudicium  exspectat, 
per  alios  intendi  non  potest. 

b)  P.  5,  5,  9,  .  .  neque  absens  .  .  accu- 
sari  potest. 

C.  11,  14,  4.  Non  oportet  in  absentem, 
quasi  in  praesentem  atque  convictum,  verum 
statim  putari,  quicquid  ab  eo  solo  dicitur, 
qui  accusat. 

P.  5,  18,  11.  .  .  neque  reus  per  alium 
defendi  potest  .  . 

N.  V.  12,  1  pr.  u.  1.  .  ,  sin  (vero)  petitor 
laicus..  in  criminali  causa, cuiuslibet  loci  cleri- 
cum,  adversarium  suum,  si  id  magis  eligat, 
per  auctoritatem  legitimam  in  publico  iu- 
dicio  respondere  compellat.  Quam  formam 
etiam  circa  episcoporum  personam  obser- 
vari  oportere  censemus :  ut,  si  in  huiusce  or- 
dinis  homines  actionem  pervasionis  et  atro- 
cium  iniuriarum  dirigi  necesse  fuerit,  per 
procuratorem  solenniter  ordinatum  apud 
iudicem  publicum  inter  leges  et  iura  confli- 
gant,  iudicati  exitu  ad  mandatores  sine  dubio 
reversuro.     Quod  his  religionis  et  sacerdotii 


Quoties  quilibet  accusator  aliquid  de  ad- 
versario  suo  eo  absente  suggesserit,  ei  ante 
discussionem  utriusque  partis  penitus  non 
credatur. 

In  criminalibus  causis  .  .  neque  accusatus 
per  procuratorem  aut  aliam  personam  se  de- 
fensare  permittitur  .  . 

.  .  (De  reliquis  praecepit.)  ut  si  quis  laicus 
clericum  .  .  in  criminali  negotio  per  auctori- 
tatem iudicis  ad  publicum  provocaverit,  pul- 
satus  sine  dilatione  respondeat.  Episcopi 
etiam  sive  pro  pervasione  rei  alicuius,  sive 
pro  quibuscunque  gravibus  iniuriis  ad  iudi- 
cium fuerint  provocati:  licet  in  criminalibus 
causis  per  alium  nulli  liceat  respondere, 
episcopis  tarnen  et  presbyteris  (hac  lege) 
praestatur,  ut  in  talibus  causis  misso  pro- 
curatore  respondeant,  sine  dubio  ut  ad  eos 
redeat  sententia  iudicati.  In  reliquis  vero 
criminalibus   causis,    ubi   de   scelere  persona 


Eröffnung  §  11. 


599 


Autorität  des  Judex  öffentlich  vorgeladen  haben,  so  soll  der  Verklagte 
ohne  Verzug  antworten,  auch  Bischöfe,  sei  es  dass  sie  wegen  Okkupation 
irgend  einer  Sache,  sei  es  wegen  beliebiger  grober  Injurien  vor  Gericht 
geladen  gewesen  sein  werden.  Obschon  in  Kriminalsachen  Niemandem  zu- 
steht, durcli  einen  Andern  sich  zu  verantworten,  wird  dennoch  Bischöfen 
und  Priestern  gestattet,  in  solchen  Sachen  durcli  einen  abgesandten  Proku- 
rator sich  zu  verantworten,  zweifellos  mit  dem  Erfolge,  dass  die  Urteils- 
sentenz zu  ihnen  zurückkehrt.  Dagegen  sollen  sie  in  sonstigen  Kriminalsachen, 
wo  die  Person  eines  Ver])rechens  überführt  werden  muss,  Sorge  tragen,  bei 
Gericht  ihre  Gegenwart  zu  leisten.  Werden  sie,  nachdem  sie  dreimal  durch 
den  Exekutor  vor  Gericht  geladen  worden  sind,  nicht  haben  kommen  wollen, 
so  sollen  sie  einem  Kontumazialurteil  unterliegen. 


IL  Gang  des  Verfahrens. 

A)  Eröftnniig  §  11. 

1)  Verjährung  des  Einschreitens. 

a)  AVenn  Jemand  die  Anklage  wegen  Entführung,  sei  es  aus  Furcht,  sei  es  c.  9, 19, 2 
aus  freien  Stücken,  während  eines  Zeitraumes  von  fünf  Jahren  verschoben 
haben  wird,  soll  er  von  dem  Tage  der  Entführung  an  nach  Ablauf  des  Zeit- 
raums von  fünf  Jahren,  zur  Anklage  weiter  keine  Befugnis  haben:  vielmehr 
soll  nach  Ablauf  von  fünf  Jahren  wegen  einer  solchen  Verbindung  den  Ent- 
führern nicht  irgend  etwas  entgegengehalten  werden.^ 


1)  Vgl.  §  2,  4  c. 


veneratione  permittimus.  Nain  notum  est, 
procurationem  in  criminalibus  negotiis  non 
posse  concecli.  Sed  ut  sit  uUa  discretio 
meritorum,  episcopis  et  presbyteris  tantum 
id  oportet  impendi:  in  reliquis  negotiis  cri- 
minalibus, iuxta  legum  ordinem,  per  se  iu- 
dicium  subire  cogantur.  Si  ab  exsecutore 
conventi  parere  detrectent,  servato  iuris  or- 
dine  sententia  teneat  contumaces. 

1)  a)  C.  9,  19,  2.  Qui  coniugium  raptus 
scelere  contractum  voluerit  accusare,  sive 
propriae  familiae  dedecus  eum  moverit  seu 
commune  odium  delictorum,  inter  ipsa  statim 
exordia  insignem  recenti  flagitio  vexet  auda- 
ciam.  Sed  si  quo  casu  quis  vel  accusationem 
differat  vel  reatum,  et  opprimi  e  vestigio 
atrociter  coramissa  nequiverint,  ad  persecu- 
tionem  criminia  ex  die  sceleris  admissi  quin- 
quennii  tribuimus  facultatem.  Quo  sine  metu 
interpellationis  et  complemento  accusationis 


convincenda  est,  suam  in  iudicio  praesen- 
tiam  exliibere  procurent.  Quod  si  tertio  con- 
venti per  exsecutorem  ad  iudicium  venire 
noluerint,   sententiam   excipiant   contumacis. 


Si  accusationem  raptus  vel  per  metum  vel 
per  voluntatem  per  quinquennium  quisquam 
distulerit,  a  die  raptus  expleto  quinquennio, 
accusandi  ultra  non  habeat  potestatem,  sed 
post  quinquennium  nee  de  tali  coniunctione 
raptoribus  aliquid  opponatur  .  . 


600 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


2)  Verhältnis  zur  Civilklage. 

c.  9, 16, 1  a)  Es  giebt  gemischte  Sachen,  die  gleichzeitig  civil  und  kriminell  sind:  diese 
Sachen  können  derart  geteilt  werden,  dass  zuerst  die  civile.  hernach  die 
kriminelle  angestrengt  ^Yird,  falls  der  Ankläger  gewollt  haben  Avird.^  Derart 
dass,  wenn  Jemand  mit  Gewalt  aus  seiner  Sache  vertrieben  gewesen  sein 
und  vorgezogen  haben  wird,  die  weggenommene  Sache  zuerst  mit  einer 
Civilklage  zurückzufordern,  er  verlangen  soll,  dass  der  Besitz  ihm  restituiert 
werde:  wenn  auch  der  Yertriebene  mit  Bezug  auf  das  Eigentum  an  der 
Sache,  während  die  Kriminalklage  für  später  vorbehalten  worden  ist,  im 
Civilwege  ])esiegt  gewesen  sein  wird,  kaini  er,  nachdem  zuvor  der  Besitz 
wiedererhalten  ist,  hernach  den  Gewaltthäter  angreifen.^  Auch  wenn  Jemand 
ein  von  dem  Erblasser  anvertrautes  Testament  In  fraudem  des  Erben  unterdrückt 
haben  wird  und  der  eingesetzte  Erbe  gerichtlich  verlangt,  dass  es  ihm  aus- 
geliefert werde,  kann  er,  nachdem  das  Testament  gerichtlich  mittels  des 
Benefizes  des  Besitzes  restituiert  worden  ist,  nachher  wegen  der  Unter- 
drückung des  Testaments  eine  Kriminalklage  anstellen.^  Wenn  ein  Frei- 
gelassener sich  für  einen  Freigeborenen  erklärt,  wird  er  ebensosehr  wegen 
der  Dienste  zivilrechtlich,  als  ferner  nach  der  Lex  Yisellia  kriminell  verfolgt 
werden  können.*  Zu  dieser  Art  wird  gerechnet  die  Furti  actio  und  die  Fest- 
setzung der  Lex  Fabia:  und  während  die  eine  Causa  de  moribus  hiervon 
ausgenommen  ist,  sind  sechshundert  andere,  die  nicht  aufgezählt  werden 
können,  derart,  dass  wenn  zuerst  die  eine  Actio  angestrengt  worden  ist, 
gestattet  ist,  mittels  der  andern,  welche  übrig  bleiben  wird,  das,  was  l)ereits 
dem  Urteil  unterworfen  ^Aorden  ist,  zu  erneuern.^ 


1)  Vgl.  S.  119  Anm.  2. 
3)  Vgl.  S.  226  Anm.  1. 
5)  Vgl.  S.  119  Anm.  3. 


2)  Vgl.  S.  220  Anm.  1. 
4)  Vgl.  S.  76  Anm.  3. 


exacto,    nulli    deinceps    copia   patebit   argu- 
endi  .  . 

2)  a)  C.  9,  16,  1.  A  plerisque  prudentium 
generaliter  definitum  est,  quoties  de  re  fami- 
liari  et  civilis  et  criminalis  competit  actio, 
utraque  licere  experiri,  nee  si  civiliter  fuerit 
actum,  criminalem  posse  consumi.  Sic  denique 
et  per  vim  possessione  deiectus,  si  de  ea  re- 
cuperanda  interdicto  Unde  vi  erit  usus,  non 
prohibetur  tarnen  etiam  lege  lulia  de  vi 
publico  iudicio  instituere  accusationem ;  et 
suppresso  testamento  quum  ex  interdicto  de 
Tabulis  exhibendis  fuerit  actum,  nihilo  minus 
ex  lege  Cornelia  testamentaria  poterit  crimen 
inferri;  et  quum  libertus  se  dieit  ingenuum, 
tam  de  operis  civiliter  quam  etiam  lege  Vi- 
sellia  criminaliter  poterit  perurgeri.  Quo  in 
genere  habetur  furti  actio  ot  legis  Fabiae 
constitutum.     Et  quum  una  excepta  sit  causa 


Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter  et 
criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi, 
ut  prius  civilis,  deinde  criminalis  agatur,  si 
voluerit  accusator:  ita  ut  si  quis  de  re  sua 
fuerit  violenter  expulsus,  et  rem  ablatara 
civili  primitus  maluerit  actione  repetere,  mo- 
mentum  sibi  restitui  petat,  et  si  de  eins  pro- 
prietate  is,  qui  expulsus  est,  civiliter  fuerit 
superatus,  criminali  postmodum  actione  ser- 
vata,  recepto  primitus  momento,  potest  post- 
modum impetere  violentum.  De  testamento 
etiam,  si  quis  commendatum  a  testatore  tes- 
tamentum  in  fraudem  heredis  fortasse  sup- 
presserit,  et  id  heres  scriptus  iudicio  restitui 
petit,  testamento  per  iudicium  momenti  be- 
neficio  restituto,  potest  postmodum  de  sup- 
presso testamento  criminalem  proponere  ac- 


Eröffnung  §  11. 


601 


aa)  Wenn  Jemand,  der  besitzt,  innerhall)  Jahresfrist  dasjenige,  was  er  ver-   p.  5, 6, 1 
loren    zu    haben  erachtet  wird,    in  Gegenwart   der  Parteien  auf  Ver- 
fügung des  Judex  zurückempfängt,  möge  er  auch  hernach,  falls  er  ge- 
wollt haben  wird,  wegen  Vis  klagen, 
b)  Von    dem   Sachverhalt,    dass    gemischte  Sachen,    die   gleichzeitig   civil   und   c.  9,  ig,  1 
kriminell  sind,  derart  geteilt  werden  können,  dass  zuerst  die  civile,  hernach 
die  kriminelle  augestrengt  wird,  Mls  der  Ankläger  gewollt  haben  wird,    ist 
die   eine  Causa   de   moribus   ausgenommen  •}    wegen  Mores  klagt  der  Gatte   c.  3, 13, 1 
die  Ehefrau    an,    das   will   sagen,    bei  Maleiicium,  Ehebruch  und  sonstigen 
ähnlichen  Verbrechen.^ 

Weini    der  Mann   zuerst  die   Scheidung   der  Frau  —  einer  Ehe-   c.  3,  le,  1 
brecherin  oder  JMalefica  oder  Kupplerin  —  bereitet  haben  wird,  soll  er,  c.s,  16,2, 1 
nachdem  die  Gründe  erwiesen  sind  und  die  Bestrafung  erzielt  ist,  die 
Dos  der  verstorbenen  Frau  in  Ansprucli  nehmen  und  die  Schenkung 
zurückempfangen.^     Wenn  der  Gatte  als  Ankläger  Ehebruch  zur  Last   c.  9, 1, 6 
gelegt    haben    wird,    soll    die   Rückforderung    von   Dos    oder    Donatio 


1)  Ygl.  a. 

2)  Vgl.  S.  119  Anm.  4. 

3)  Vgl.  Privatreclit,  Zweites  Buch  §  15,  2  c. 


de  moribus,  sexcenta  alia  sunt,  quae  enu- 
merari  non  possunt,  ut,  quum  altera  prius 
actio  intentata  sit,  per  alteram,  quae  super- 
erit,  iudicatum  liceat  retractari .  . 

aa) 


b)  C.  9,  16,  1.  A  plerisque  prudentium 
generaliter  definitum  est,  quoties  de  re  l'ami- 
liari  et  civilis  et  criminalis  competit  actio, 
utraque  licere  experiri,  nee  si  civiliter  fuerit 
actum,  criminalem  posse  consumi  .  .  Et  quum 
una  excepta  sit  causa  de  moribus  .  . 

C.  3,  13,  1.     De  moribus  actio  .  . 


C.  3,  16,  1.  .  .  moecham  vel  medicamen- 
tariam  vel  conciliatricem  .  . 

C.  3,  16,  2,  1.  (Sane)  si  divortium  prior 
niaritus  obiecerit  ac  muUeri  grave  crimen 
intulerit,  persequatur  legibus  accusatam  im- 
petrataque  vindicta  et  dote  potiatur,  et  suam 
recipiat  largitatem  .  . 

C.  9,  4,  6.  Adulterii  accusatione  pro\iosita, 
praescripliones  civiles,  quibus  aut  dos  repeti 


tionem.     Et   reliquis   similibus   causis  sirailis 
actio  tribuatur. 


r.  5,  6,  1.  .  .  si  quis  possidens  intra 
anni  spatium,  quod  amisisse  videtur,  prae- 
sentibus  litigatoribus,  iudice  ordinante  reci- 
piat, et  postmodum,  si  voluerit,  (tarn)  de  vi 
.  .  confligat  .  . 

Sunt  causae  permixtae,  civiles  pariter  et 
criminales;  et  possunt  hae  causae  ita  dividi, 
ut  prius  civilis,  deinde  criminalis  agatur,  si 
voluerit  accusator  .  . 


(Si)  de  moribus  maritus  uxorem  accusat, 
hoc  est  in  maleficio,  in  adulterio,  similibus 
aliisque  criminibus  .  . 

.  .  adultei-am  aut  maleficam  aut  concilia- 
tricem .  . 

.  .  si  maritus  repudium  prior  intulerit, 
probatis  causis,  vindicta  percepta  expulsao 
uxoris  dotem  vindicet  donatiouemque  reci- 
piat .  . 

Quum  adulterium  maritus  accusator  ob- 
iecerit, dotis    aut    donationis   repetitio    con- 


602 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  9,  15,  2 
pr. 


C.  9,  16,  1 


ruhen,  weil  die  civile  Rückforderung  mit  der  Krim  in  alanklage  nicht 
gemischt  werden  darf.^ 
c)  ^AYegen  Falsum  kann  sowohl  kriminell,  als  auch  civil  geklagt  werden :  civil, 
wenn  irgend  Jemand  beliebigen  Urkunden  gegenüber  nicht  das  Falsi  crimen 
entgegengehalten  haben  wird,  sondern  die  Echtheit  der  Urkunde  er- 
forschen zu  wollen  erklärt.  Wird  der  Ankläger  zu  dem  Judex  gekommen 
seni  und  das  Falsi  crimen  angestrengt  haben,  so  soll  der  Judex  dem  An- 
kläger eine  Frist  gewähren,  um  zu  erwägen,  ob  er  kriminell  oder  civil  klagen 
wolle.2  j]g  i^i  keinem  Streit  unterworfen,  dass  das  Falsi  crimen,  worüber 
im  Civilwege  bereits  verhandelt  worden  ist,  kriminell  wiederaufgenommen 
werden  darf.^ 

3)  Hemmung  des  Einschreitens, 
c.  9, 34, 1  a)  ^Kirchen  und  gottgeweihte  Stätten  sollen  die  Angeschuldigten,  die  hierhin, 
von  Furcht  getrieben,  geflüchtet  sein  werden,  derart  schützen,  dass  Niemand 
den  heihgen  Stätten  behufs  Wegschleppens  der  Angeschuldigten  Gewalt 
und  Übermacht  zuzufügen  sich  anmassen  solle:  mit  Bezug  jedoch  auf  alles 
dasjenige,  was  von  Raum,  sei  es  in  den  Porticus,  sei  es  in  den  Atrien, 
oder    in    den  Häusern   oder  in   den  Plätzen,    die   an   die  Kirche  anstossen. 


1)  Vgl.  S.  119  Anm.  5. 

2)  Vgl.  S.  565  Anm.  1. 


3)  Vgl.  S.  119  Anm.  3. 


fingitur,  aut  ex  ratione  aliqua  debitum  flagi- 
tatur,  quae  occurrere  atque  perstrepere  exa- 
mini  consuerunt,  iussimus  sequestrari,  nee 
earum  obice  aliquid  negotio  tarditatis  affeiri; 
sed  accusatione  fimdata,  hoc  est  quum,  quo 
iure  quove  tempore  actio  fuerit  intromissa, 
constiterit,  discutiatur  crimen,  facti  C[ualitas 
publicetur,  quum  et  iurgia,  quae  magnitudine 
superant,  praeponantur,  et  civilis  actio  crimi- 
nali  iure  postponatur,  idera  tamen,  quum 
competere  coeperit,  habitura  momenti,  dum- 
modo  non  obsit  examini. 

c)  C.  9,  15,  2  pr.  Damus  copiam  iurganti- 
bus,  si  apud  iudicem  proferatur  scriptura,  de 
qua  oritur  aliqua  disputatio,  spatium  ut  ha- 
beat,  c[ui  perurgeat,  profitendi,  utrum  de  falso 
criminaliter,  an  de  scripturae  fidei  statuat 
civiliter  experiri. 


C.  9,  16,  1.  .  .  non  ambigitur,  etiam  falsi 
crimen,  de  quo  civiliter  iam  actum  est,  cri- 
minaliter esse  repetendum. 

3)  a)  C.  9,  34,  1.  Pateant  summi  Dei 
templa  timentibus;  nee  sola  altaria  et  Orato- 
rium templi  circumiectum,  quod  ecclesias 
quadripertito  intrinsecus  parietum  septo  con- 


quiescat,    quia   civilem   repetitionera   misceri 
criminali  accusationi  non  oportet. 


De  falso  potest  et  criminaliter  et  civiliter 
agi.  Civiliter,  quum  aliquis  quibusiibet  scri- 
pturis  non  falsi  crimen  obiecerit,  sed  veri- 
tatem  scripturae  se  velle  quaerere  dicit. 
Nam  si  ad  iudicem  venerit  accusator,  et  falsi 
crimen  intenderit,  iudex  tribuat  accusatori 
spatium,  ut  deliberet,  utrum  criminaliter 
agfere  an  civiliter  velit. 


Ecclesiae  ac  ioca  Deo  dicata  reos,  qui 
ibidem  compulsi  timore  confugerint ,  ita 
tueantur,  ut  nulli  locis  sanctis  ad  direpti- 
onem    reorum   vim  ac  manus  afferre  praesu- 


Eröffnung  §  11. 


603 


sich  befindet,  verorclneii  wir^  dass  sie  wie  das  Innere  des  Tempels  angesehen 
werden  sollen,  sodass  die  Angeschuldigten  nicht  durch  den  Zwang  der  Furcht 
genötigt  werden,  um  den  Altar  sich  aufzuhalten  und  die  verehrungswürdigen 
Stätten  zu  besudeln.  Werden  Personen  zu  den  heiligen  Stätten  geflüchtet 
sein,  so  sollen  sie  unverzüglich  die  Waften,  wenn  sie  welche  bei  sich  getragen 
haben  werden,  niederlegen  und  nicht  glauben,  mehr  durch  die  Stütze  der 
AVaffen  als  durch  die  Verehrung  der  heiligen  Stätten  geschützt  zu  sein. 
Werden  sie  die  Waften  nicht  haben  niederlegen  w^ollen  und  dem  Priester 
oder  den  Klerikern  kein  Vertrauen  geschenkt  haben,  so  mögen  sie  wissen^ 
dass  sie  mit  Waffengewalt  herausgezogen  w^erden  müssen.  Wird  jedoch 
Jemand  einen  beliebigen  Angeschuldigten  in  irgendwelcher  Weise  von  den 
heihgen  Stätten  fortzuziehen  versucht  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu 
einer  Kapitalstrafe  zu  verurteilen  ist.^ 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  5,  2  c. 


cluclit,  ad  tuitionem  confugientiiim  sancimus 
esse  proposita,  sed  usque  ad  extremas  fores 
ecclesiae,quas  oratum  gestiens  populus  primas 
ino-reditur,  confusfientibus  aram  salutis  esse 
praecipimus,  ut  inter  templum,  quod  parietum 
descripsimus  cinctu,  et  post  loca  i^ublica 
ianuas  primas  ecclesiae  quicquid  faerit  inter- 
iacens,  sive  in  cellulis  sive  in  domibus,  hor- 
tulis,  balneis,  areis  atque  porticibus,  confugae 
interioris  templi  vice  tueatur.  Nee  in  extra- 
hendos  eos  conetur  quisquam  sacrilegas  manus 
immittere,  ne  qui  hoc  ausus  sit,  quum  dis- 
crimen  suum  videat,  ad  expetendam  opem 
ipse  quoque  confugiat.  Hanc  autem  spatii 
latitudinem  ideo  indulgemus,  ne  in  ipso  Dei 
templo  et  sacrosanctis  altaribus  confugien- 
tium  queniquam  manere  vel  vescere,  cubare 
vel  pernoctare  liceat:  ipsis  hoc  clericis  reli- 
gionis  causa  vetantibus,  ipsis,  qui  confugiunt, 
pietatis  ratione  servantibus.  Arma  quoque 
in  quovis  telo,  ferro  vel  specie  eos,  qui  con- 
fugiunt, minime  intra  ecclesias  habere  prae- 
cipimus, quae  non  modo  a  summi  Dei  templis 
ac  divinis  altaribus  prohibentur,  sed  etiam 
cellulis,  domibus,  hortulis,  balneis,  areis  at- 
que porticibus.  Proinde  hi,  qui  sine  armis 
ad  sanctissimum  Dei  templum  aut  ad  sacro- 
sanctum  altare  sive  usquam  gentium  sive  in 
hac  alma  urbe  confugiunt,  somnum  intra 
templum  sive  ipsum  altare  vel  omnino  cibum 
capere  absque  aliqua  eorum  iniuria  ab  ipsis 
clericis  arceantur,  designantibus  spatia,  quae 
in  ecclesiasticis  septis  eorum  tuitioni  suffi- 
ciant,  ac  docentibus,  capitalem  poenam  esse 
propositam,  si  qui  eos  conentur  invadere. 
Quibus  si  perfuga  non  annuit,  neque  consen- 


mant:  sed  quicquid  spatii  vel  in  porticibus 
vel  in  atriis  vel  in  domibus  vel  in  areis  ad 
ecclesiam  adiacentibus  pertinet,  velut  inte- 
riora  templi  praecipimus  custodiri,  ut  reos 
timoris  necessitas  non  constringat  circa  alta- 
ria  manere  et  loca  veneratione  digna  pollu- 
ere.  Sane  si  qui  ad  loca  sancta  confugerint^ 
arma  si  qua  secum  portaverint,  mox  depo- 
nant,  nee  se  existiment  magis  armorum  prae- 
sidio  quam  sanctorum  locorum  veneratione 
defendi.  Quod  si  deponere  arma  noluerint 
et  sacerdoti  vel  clericis  non  crediderint,  sci- 
ant  se  armatorum  viribus  extrahendos.  Si 
vero  extrahere  de  locis  sanctis  quemlibet 
reum  quacunque  ratione  quis  tentaverit,  no- 
verit   se   capitali  supplicio  esse  damnandum. 


604 


Öffentliches  Recht,     Zweites  Buch. 


4)  Gestaltung  des  Einschreitens. 

a)  Anklage  mit  Inskription, 
c.  9, 1, 3  a)  ^Wenn  Jemand  im  Zorn  einer  beliebigen  Person  irgend  ein  Verbrechen  ohne 
Grund  zur  Last  gelegt  haben  wird,  ist  die  Schmähung  nicht  für  eine  An- 
klage zu  halten:  vielmehr  soll  er,  unter  Gewährung  einer  Erwägungsfrist, 
sich  hierzu  bekennen,  dass  er  dasjenige,  was  er  im  Zorn  gesagt  hat,  mittels 
Urkunde  bestätigen  werde.  Wird  er  etwa,  indem  er  sich  nach  seinem 
Zornesausbruch  besinnt,  dasjenige,  was  er  gesagt  hat,  nicht  haben  wieder- 
holen oder  niederschreiben  wollen,  so  soll  jener  nicht  eines  Verbrechens  für 
angeschuldigt  gelten.^ 


1)  T  sagt,  dass  eine  Zeitlang  nicht  Subscriptio.  sondern  Professio  criminis  uno  sermone 
ex  ore  fugiens,  für  Ankläger  und  Angeklagten  bindende  Kraft  besessen  habe,  nunmehr  aber 
die  Criminatio  zum  Mos  und  Ordo  subscriptionis,  bez.  dem  alten  Recht  zurückzuführen  sei, 
sodass  man,  sopita  ira,  mit  Verstand   und  Überlegung   zur  Suprema   actio   schreiten  könne. 


tit,  praeferenda  humanitati  religio  est  et  a 
divinis  ad  loca,  quae  disimus,  turbanda  te- 
meritas.  Hos  vero,  c[ui  templa  cum  armis 
ingredi  audent,  ne  hoc  faciant,  praemonemus; 
dein  si  felis  cincti  quovis  ecclesiae  loco  vel 
ad  templi  septa  circa  vel  extra  sint,  statim 
eos,  ut  arma  deponant,  auctoritate  episcopi 
a  solis  clericis  severius  conveniri  praecipi- 
mus,  data  eis  fiducia,  quod  religionis  nomine 
melius  quam  armorum  praesidio  muniantur. 
Sed  si  ecclesiae  voce  moniti,  post  tot  tan- 
torumque  denuntiationes,  noluerint  arma  re- 
linquere,  iam,  clementiae  nostrae  apud  Deum 
et  episcoporum  causa  purgata,  armatis,  si 
ita  res  exegerit,  intromissis,  trahendos  se 
abstrahendosque  esse  cognoscant  et  omnibus 
casibus  esse  subdendos.  Sed  neque  episcopo 
inconsulto,  nee  sine  nostra  sive  iudicum  in 
hac  alma  urbe  vel  ubicunque  iussione  arma- 
tum  quem  quam  ab  ecclesiis  abstrahi  oporte- 
bit,  ne,  si  multis  passim  hoc  liceat,  confusio 
generetur. 

4a)  a)  C.  9,  1,  3.  Quodam  tempore  ad- 
missum  est,  ut  non  subscriptio,  sed  professio 
criminis  uno  sermone  ex  ore  fugiens  tam 
accusatorem  quam  reum  sub  experiendi  peri- 
culo  de  patria,  de  liberis,  de  fortunis,  de 
vita  denique  dimicare  cogeret.  Ideoque  vo- 
lumus,  ut,  remota  professionis  licentia  ac 
temeritate,  ad  subscriptionis  morem  ordinem- 
que  criminatio  referatur,  ut  iure  veteri  in 
criminibus  deferendis  omnes  utantur,  id  est 
ut,  sopita  ira  et  per  haec  spatia  mentis 
tranquillitate  recepta,  ad  supremam  actionem^ 
cum  ratione  veniant  atque  consilio. 


Si  quis  iratus  crimen  aliquod  fernere  cuili- 
bet  obiecerit,  convicium  non  est  pro  accusa- 
tione  habendum,  sed  permisso  tractandi  spa- 
tio,  id  c[uod  iratus  dixit,  per  scripturam  se 
probaturum  esse  fateatur.  Quod  si  fortasse 
resipiscens  post  iracundiam,  quae  dixit,  iterare 
aut  scribere  fortasse  noluerit,  non  ut  reus 
criminis  teneatur. 


Eröffnungr  §  11. 


G05 


b)  Einem  kriminellen  Handel  soll  die  von  der  Hand  des  Anklägers  abgefasste   c.  9,  i,  4 
Profession    der   Anklage    vorausgehen.  1     Ohne   Vornahme    einer    ordnungs-   c.  9, 1, 6 
massigen  Inskription  wird  Jemand  nicht  zu  einem  Angeschuldigten  gemacht, 
-weil,    wie  den  Überführten,  so  auch  den  Ankläger,  die  Strafe  ergreift,  falls 
er  nicht  erwiesen  haben  wird,  was  er  vorgehalten  hat.^     Wird  der  x4nkläger   c  9, 27,  3 
den  Angeklagten    nicht  den  Gesetzen    gemäss   überführt  haben,    so    soll  er 
auf  Grund  des  Urteils  des  Judex  die  Strafe,   welche  der  Angeklagte  hätte 
erdulden   sollen,    erleiden.     Die    Ankläger  sind    zu  zwingen,    ihren    Ange-   p.5,i8, u 
schuldigten  die  Verbrechen  anzugeben,  da  diese  wissen  müssen,  hinsichtlich 
welcher  Verbrechen  sie  sich  zu  verantworten  haben. 


Vor  der  Inskription  wird  Niemand  Angeklagter.^ 


c.  9, 1,11 

pr. 


1)  T  sagt,  dass  Niemand  vor  den  Sitz  des  Adressaten,  Stadtpräfekten,  gezogen  werden 
dürfe,  solange  nicht  der  Ankläger  den  Solennitäten  genügt  haben  wird,  indem  nach  der 
Norm  des  alten  Rechts  demjenigen,  der  anzuklagen  begonnen  hat,  die  Vindicta  zu  teil  wird 
wenn  er  Wahres  anbringt,  oder  Strafe,  wenn  er  getäuscht  hat. 

2)  Wer  Fama  Fortuna  Caput  und  Sanguis  vor  Gericht  gefordert  haben  wird,  unter- 
wirft sich  entsprechender  Strafe,  wenn  er  nicht,  was  er  behauptet  hat,  erwiesen  haben  wird. 

3)  T  verordnet  Aufrechthaltung  des  von  Alters  geltenden  Ordo,  dass  bei  einer  Kapi- 
talanklage der  Ankläger  den  Namen  des  Angeklagten  angiebt  und  sich  dem  Vinculum  in- 
scriptionis  unterzieht. 


b)  C.  9,  1,  4.  Non  prius  quem  quam  sin- 
ceritas  tua  ad  tuae  sedis  examen  iubebit  ad- 
duci,  quam  solennibus  satisfecerit,  qui  niti- 
tur  fidem  doloris  asserere,  quum  iuxta  formam 
iuris  antiqui  ei,  qui  coeperit  arguere,  aut 
vindicta  proposita  sit,  si  vera  detulerit,  aut 
supplicium,  si  fefellerit. 

C.  9,  1,  6.  NuUus  secundum  iuris  prae- 
scriptum,  crimen,  quod  intendere  proposuerit, 
exsequatur,  nisi  subeat  inscriptionis  vinculum. 
Etenim  qui  alterius  famam,  fortunas,  caput 
denique  et  sanguinem  in  iudicium  devoca- 
verit,  sciat  sibi  impendere  congruam  poenam, 
si,  quod  intenderit,  non  probaverit. 

C.  9,  27,  3.  .  .  (in  reum,  probato  crimine, 
vindicetur,  aut)  in  accusatorem  pari  forma 
sententiae  damnatio  referatur. 

P.  5,  18,  14.  Reis  suis  edere  crimina 
accusatores  cogendi  sunt:  scire  enim  oportet, 
quibus  sint  criminibus  responsuri. 

C.  9,  1,  llpr.  Accusationis  ordinem  iam 
dudum  legibus  institutum  servari  iubemus,  ut, 
quicunque  in  discrimen  capitis  arcessitur, 
non  statim  reus,  qui  accusari  potuit,  aesti- 
metur,  ne  subiectam  innocentiam  faciamus. 
Sed  quisquis  ille  est,  qui  crimen  intendit,  in 
iudicium  veniat,  nomen  rei  indicet  et  vincu- 
lum inscriptionis  arripiat  .  . 


.  .  negotium  (quam)  criminale  accusationis 
professio  manu  accusatoris  conscripta  prae- 
cedat. 


Nisi  inscriptione  celebrata  per  ordinem 
reum  quemquam  non  fieri,  .  .  quia  sicut  con- 
victum  poena  constringit,  ita  et  accusatorem, 
si  non  probaverit,  quod  obiecit. 


.  .  in  accusatorem,  si  non  convicerit  le- 
gibus, ex  sententia  iudicis  poenam,  quam 
passurus  erat  reus,  accusator  excipiat. 


Ante   inscriptionem  nemo  efficitur  crimi- 
nosus  .  . 


606 


Öflfentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  9,  1,9 


C.  9,  1,  8 


C.  9,  7,  2 


aa)  Derjenige,  welcher  ein  Verbrechen  verfolgt,  soll  in  eigner  Person  die 
Anklage  erheben,  unter  Yorausschickung  der  Inskription. i  Die  ludices 
sind  zu  strafen  und  das  Officium  hat,  wenn  sie  geschwiegen  haben 
werden,  zu  büssen,  falls  sie  einen  Unschuldigen,  ohne  vorgängige 
Inskription,  der  Folterung  überliefern  zu  sollen  geglaubt  haben  werden.^ 

bb)  Wer  auch  immer  einen  Andei-n  wegen  des  Verbrechens  der  Tötung 
durch  eine  gefährliche,  bez.  kapitale  Beschuldigung  angegriffen  haben 
wird,3  soll  nicht  eher  von  den  ludices  vernommen  werden,  als  bis  er 
schriftlich  niedergelegt  haben  wird,  sich  einer  gleichen  Strafe,  wie  die- 
jenige, welche  er  gegen  den  Angeklagten  richtet,  unterziehen  zu  sollen. 
Wird  er  fremde  Sklaven  anklagen  zu  müssen  geglaubt  haben,  so  soll 
er  sich  durch  eine  gleiche  Inskription  binden,  *die  Supplizien  an  un^ 
schuldigen  Sklaven  entweder  mit  der  Strafe  seines  Caput  oder  mit 
dem  Verlust  seines  Vermögens  zu  kompensieren.* 

cc)  Wenn  Jemand  seinen  Gegner  in  der  Art  bei  dem  Judex  anklagen 
zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  dass  er  behauptet,  Gewaltthätigkeit  er- 
litten zu  haben,  ist  man  darüber  einig,  dass  er  zum  Beweise  der 
Sache  angehalten  wird:  ^wird  er  nicht  haben  beweisen  können,  dass 
derjenige,  welchen  er  als  solchen  bezeichnet  hatte,  gewaltthätig  ist,  so 


1)  Vgl.  S.  598  Anm.  1.  2)  Vgl.  §  13,  3  a. 

3)  Wer   eine  Actio  internecivi   oder   das  Crimen  suspectae  mortis  anstrengt, 

4)  Appetendorum  causa  servorum  aut  dispendium  facultatum  est  aut  poena  dominorum. 


aa)  C.  9,  1,  9.  .  .  accusari  unumquemque 
per  alterum  non  oportet:  videlicet  ut  iustitia 
et  aequitate,  qua  notus  es,  in  iudice  pu- 
nias,  si  innoxios  verberavit,  in  officio,  si  for- 
tasse  conticuit,  quod  caedi  decuriones  inno- 
xios non  liceret. 

bb)  C.  9,  1,  8.  Qui  vel  internecivi  exserit 
actionem  vel  crimen  suspectae  mortis  inten- 
dit,  non  prius  cuiuscunque  caput  accusatione 
pulset,  quam  vinculo  legis  adstrictus  pari 
coeperit  poenae  conditione  iurgare,  ita  ut 
etiam  servos  si  quis  crediderit  accusandos, 
non  prius  ad  miserorum  tormenta  veniatur, 
quam  se  accusator  vinculo  inscriptionis  ad- 
strinxerit.  Appetendorum  enim  causa  servo- 
rum aut  dispendium  facultatum  est  aut  poena 
dominorum. 

cc)  C.  9,  7,  2.  Si  quis  ad  se  fundum  vel 
quodcunque  aliud  asserit  pertinere,  ac  resti- 
tutionem  sibi  competere  possessionis  putat, 
civiliter  super  possidendo  agat,  aut  impleta 
solennitate  iuris  crimen  violentiae  opponat, 
non  ignarus,  eam  se  sententiam  subiturum, 
si  crimen  obiectum  non  potuerit  comprobare, 
•quam  reus  debet  excipere  .  . 


.  ,  ipse,  qui  crimen  intendit,  praesens  per 
se  accuset,  inscriptione  praeraissa.  ludices 
autem  puniendi  sunt  et  damnandum  offi- 
cium, si  fortasse  tacuerint,  si  innocentem 
nisi  praemissa  inscriptione  subdendum  cre- 
diderint  quaestioni. 

Quicunque  alium  de  homicidii  crimine 
periculosa  vel  capitali  obiectione  pulsaverit, 
non  prius  a  iudicibus  audiatur,  quam  se  si- 
milem  poenam,  quam  reo  intendit,  conscrip- 
serit  subiturum:  et  si  servos  alienos  accu- 
sandos esse  crediderit,  se  simili  inscriptione 
constringat,  futurum  ut  supplicia  innocen- 
tum  servorum  aut  poena  capitis  sui  aut  fa- 
cultatum amissione  compenset. 


Si  quis  adversarium  suum  ita  apud  iudi- 
cem  crediderit  accusandum,  ut  se  asserat  vio- 
lentiam  pertulisse,  ad  probationem  rei  eum 
convenit  attineri:  quod  si  probare  non  po- 
tuerit, quem  dixerat  violentum,  eandem  poe- 
nam suscipiat,  quam  ille,  quem  impetit,  con- 
victus  potuisset  excipere  .  . 


Eröffnung  §  11. 


607 


soll  ihn  die  deiche  Strafe  treffen,  welche  jenen,  den  er  angreift,  nach 

••  '  j  '  .  .  0961 

seiner  Überführung  hätte  treffen  können.^  Wenn  eine  freigel^orene  "  pV.' 
Frau  mit  dem  eignen  Sklaven  heimlich  sich  vermischt  haben  wird,  sollen 
auch  Sklaven  oder  Sklavinnen,  falls  sie  wegen  dieses  Verbrechens  eine 
Anklage  angebracht  haben  werden,  gehört  werden:  jedoch  mit  der 
Massgabe,  dass  sie,  wenn  sie  getäuscht  haben  werden,  gestraft  werden 
sollen. 

^)  Anklage  ohne  Inskription. 

a)  '^So  oft  wegen  kleiner  Vergehen,  das  will  sagen,  wegen  der  Flucht  eines  pr."iu.2 
einzigeii  Sklaveii  oder  wegen  eines  weggenommenen  Stück  Viehs  oder  eines 
okkupierten  Streifen  Landes  oder  Hauses  oder  wegen  eines  Furtum,  eines 
offenbaren,  das  will  sagen,  bei  Verübung  der  That  entdeckten  Diebstahls, 
oder  eines  Diebstahls,  bei  welchem  der  Dieb  davonkommt,  mit  Bezug  auf  das 
Vergehen  eine  Actio  angestrengt  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  die  Strafe 
hierfür  vor  die  Mediocres  iudices,  die  für  die  öffeiitliche  Ordnung  sorgen, 
das  will  sagen,  entweder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Assertores  pacis 
gehöre.  Vor  den  Rector  provinciae  hingegen  soll  derjenige  kriminelle 
Handel  gehören,  wo  die  Inskription  von  Personen  oder  eine  grössere  Sache 
in  Betracht  kommt,  die  nicht  anders  als  von  dem  Ordinarius  iudex,  nach 
Verlesung  des  Gesetzesinhalts,  beendet  werden  darf.^ 


1)  Wenn  Jemand  die  Behauptung  aufstellt,  dass  ihm  ein  Grundstück  oder  irgend 
etwas  Anderes  zusteht,  und  der  Meinung  ist,  dass  ihm  die  Restitution  des  Besitzes  gebühre, 
soll  er  im  Civilwege  wegen  des  Besitzes  klagen  oder,  impleta  solennitate  iuris,  das  Crimen 
violentiae  anstrengen. 

2j  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  1  y,  d. 


C.  9,  6,  1  pr.  Si  qua  cum  servo  occulte 
rem  habere  detegitur,  sit  etiam  servo  licentia 
deferendi,  .  .  quum  falsae  accusationi  poena 
imraineat. 

ß)  a)  C.  2,  1,  8  pr.  1  u.  2.  Causas  plurimi 
instituentes  de  fugaci  servo,  aut  manifesto 
lurto  aut  non  manifesto,  direpti  etiam  ani- 
malis,  servi,  vel  rei  mobilis  ac  moventis,  vel 
vi  bonorum  raptorum,  parvulae  etiam  terrae, 
finium  et  parvulae  casae,  sub  specie  criminis 
tuum  pulsant  iudicium.  Momentariae  etiam 
possessionis  interdictum,  quod  non  semper  ad 
vim  publicam  pertinet  vel  privatam,  ut  mox 
audiri,  interdum  etiam  sine  inscriptione,  mere- 
atur,  abacti  etiam  animalis  causa  proponitur. 
Quum  igitur  de  his  rebus  parvis  ac  minimis 
tuae  sit  iniuria  potestatis  iudicare,  decretum 
est,  eas  tantum  causas  crirainales  a  sinceri- 
tate  tua  audiri,  quas  dignus  et  meritus 
horror  inscriptionis  impleverit,  quae  raagni- 
tudinem  videlicet  criminis  tempusque  desig- 


Si  qua  ingenua  mulier  servo  proprio  se 
occulte  miscuerit,  .  .  Servi  etiam  aut  ancil- 
lae,  si  de  hoc  crimine  accusationem  detu- 
lerint,  audiantur:  ea  tarnen  ratione,  ut  .  .  si 
fefellerint,  puniantur. 

Quoties  de  parvis  criminibus,  id  est,  unius 
servi  fuga,  aut  sublati  iumenti,  aut  modicae 
terrae,  seu  domus  invasae,  vel  certi  furti,  id 
est,  detenti  aut  praeventi,  sub  criminis  no- 
mine actio  fortasse  processerit,  ad  mediocres 
iudices,  qui  publicam  disclplinam  observant, 
id  est,  aut  defensores  aut  assertores  pacis, 
vindictam  eins  rei  decernimus  pertinere.  Ad 
rectorem  vero  provinciae  illud  negotium  cri- 
minale  perveniat,  ubi  de  personarum  inscrip- 
tione agitur,  vel  maior  causa  est,  quae  non 
nisi  ab  ordinario  iudice,  recitata  legis  sen- 
tentia,  debeat  terminari. 


608 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.y,  15,  2 
pr.  u.  1 


N.  V. 
2,1,1 


b)  ^Wird  der  Ankläger  zu  dem  Judex  gekommen  sein  und  das  Falsi  crimen 
angestrengt  haben,  so  soll  der  Judex  dem  Ankläger  eine  Frist  gewähren, 
um  zu  erwägen,  ob  er  kriminell  oder  civil  klagen  wolle.  Wird  er  nach  seiner 
Rückkehr  zu  dem  Judex  bei  der  Zurlastlegung  des  Verbrechens  der  Fäl- 
schung beharrt  haben,  so  wird  es  in  der  Macht  des  Judex  stehen,  ob  er 
die  Inskription  vorgenommen  wissen  oder  das  zur  Last  gelegte  Verbrechen 
ohne  Inskription  zur  Verhandlung  bringen  will.  Wenn  dann  der  Judex  wegen 
Zurlastlegung  der  Fälschung  eine  Vernehmung  veranstaltet  haben  wird, 
sei  es,  dass  die  Inskription  stattgefunden  hat,  sei  es  dass  sie  unterlassen 
worden  ist,  so  soll,  entweder  gegen  den  Angeklagten,  wenn  die  Fälschung 
nachgewiesen  wird,  oder  gegen  den  Ankläger,  wenn  er  fälschlich  zur  Last 
gelegt  haben  wird,  das  Urteil  dem  Gesetze  gemäss  gesprochen  werden. -"^ 

c)  Wo  auch  immer  irgend  einer  aus  der  Zahl  der  Manichäer  ergriffen  gewesen 


1)  Vgl.  S.  565  Anm.  1. 


nat,  ut   alterutram   partem   digna  legura  te- 
uere possit  austeritas. 

b)  C.  9,  15,  2  pr.  u.  1.  Damus  copiam  iur- 
gantibus,  si  apud  iudicem  proferatur  scri- 
ptura,  de  qua  oritur  aliqua  disputatio,  spa- 
tium  ut  habeat,  qui  perurgeat,  profitendi, 
utrum  de  falso  criminaliter,  an  de  scripturae 
fide  statuat  civiliter  experiri.  Quod  si  ex- 
petens  vindictam  falsi  crimen  intenderit,  erit 
in  arbitrio  iudicantis,  an  eum  sinat  etiam 
sine  inscriptione  certare.  ludicis  enim  po- 
testati  committi  oportet,  ut  de  eo,  qui  ob- 
iecta  non  probaverit,  sumat  propositum  an- 
tiquo  iure  suppUcium.  Rationi  quoque  huius 
modi  plenissime  suifragatur  antiquitas,  quae 
nequissimos  homines  et  argui  voluit  et  coer- 
ceri  legibus  variis,  CorneHa  de  veneficiis,  si- 
cariis,  parricidiis,  lulia  de  adulteriis  ambi- 
tusve  criminibus,  ceterisve  ita  promulgatis, 
ut  possit  etiam  sine  inscriptione  cognosci, 
poena  tarnen  accusatorem  etiam  sine  solenni- 
bus  occuparet.  De  qua  re  et  divus  Anto- 
ninus  rescripsisse  docetur,  id  in  iudicis  po- 
testate  constituens,  quod  nosmet  in  legibus 
iusseramus.  Removebitur  itaque  istius  leni- 
tate  rescripti  praecepti  superioris  austeritas, 
ut,  si  quis  deinceps  tabulas  testamenti,  chiro- 
grapha  testationesque,  nee  non  etiam  ratio- 
nes  privatas  vel  pubUcas,  pacta  et  epistolas 
vel  ultimas  voluntates,  donationes,  venditio- 
nes  vel  si  quid  prolatum  aliud  insimulare 
conabitur,  habeat,  praetermissis  solennibus, 
accusandi  facultatem,  pro  iudicis  motu  sen- 
tentiam  relaturus. 

c)  N.  V.  2,  1,  1.     .  .  ubicunque   terrarum 


,  .  si  ad  iudicem  venerit  accusator,  et 
falsi  crimen  intenderit,  iudex  tribuat  accu- 
satori  spatium,  ut  deliberet,  utrum  crimi- 
naliter agere  an  civiliter  velit.  Qui  si  re- 
versus  ad  iudicem  in  obiecto  falsitatis  crimine 
perseveraverit,  in  potestate  iudicis  erit,  utrum 
inscriptionem  celebrari  velit,  an  obiectum 
crimen  sine  inscriptione  discutere.  Quod 
quum  iudex  de  obiectione  falsitatis  audierit, 
seu  inscriptione  babita  seu  omissa,  aut  in 
accusatum,  si  falsitas  approbatur,  aut  in  ac- 
cusatorem, si  falso  obiecerit,  proferatur  ex 
lege  sententia. 


Eröffnung  §  11. 


609 


sein  wird,  er  soll  die  Strafen,  die  die  Gesetze  gegen  Sacrilegi  verordnet 
haben,  durch  die  Autorität  der  öffentlichen  Strenge  erleiden.  Die  That 
soll  ein  Publicum  crimen  sein  und  einem  Jeden,  der  es  will,  ohne  die  mit 
einer  Anklage  verbundene  Gefahr,  die  Befugnis  zustehen,  solche  Personen 
zu  beschuldigen. 

Y)  Einschreiten  von  Amts  wegen. 

a)  In    allen    Provinzen    sollen    im    Interesse    der   Ordnung   ludices    zu    dem    o.  i,  lo,  3 
Zwecke     eingesetzt    werden,     dass    sie,     nach    Entfernung    des    Schutzes 

der  Potentes,  mit  allem  Eifer  gegen  Angeschuldigte  und  Räuber  die  ge- 
bührende Remedur  eintreten  zu  lassen  nicht  säumen:^  damit  nicht  infolge 
ihrer  Nachlässigkeit  oder  Käuflichkeit  die  Verbrechen,  die  gestraft  werden 
müssen,  sich  mehren. 

b)  Wird    Jemand    in    den   Domus   dominicae    als   Verbrecher  haben   ermittelt  c.  2, 1,  11 
werden    können,    so    soll   der  Provinciae   iudex   die  Anwesenheit  des  Actor 

nicht  abwarten,  sondern  unverzüglich  den  Angeschuldigten,  nachdem  er  er- 
griffen worden  ist,  der  öffentlichen  Ahndung  zu  unterwerfen  heissen.^ 

c)  Wer    auch   immer  als  Angeber  in   einer  beliebigen  Sache  aufgetreten  sein   c.  10,  5, 1 
wird,  soll,  nachdem  er  schon  bei  Beginn  seines  Verrats  von  dem  Iudex  Coci 
ergriffen  worden  ist,  unverzüglich  erdrosselt  werden. 

5)  Belohnung  des  Anklägers  (Angebers). 

a)  Wenn   eine  freigeborene  Frau   mit  dem  eigenen  Sklaven  heimlich  sich  ver-      '  pi?'  ^ 


1)  T  spricht  von  den  Defensoven  und  sagt:    adsint  disciplinae  et  quotidianis  actibus 
praesint.  2)  Vgl.  §  9,  1  b. 


quisquis  Manichaeorum  fuerit  deprehensus, 
poenas,  quas  in  sacrilegos  iura  sanxerunt, 
auctoritate  publicae  severitatis  excipiat.  Sit- 
que  publicum  crimen,  et  omni  volenti  sine 
accusationis  periculo  tales  arguere  sit  facultas. 

y)  a)  C.  1,  10,  3,  Per  omnes  regiones,  in 
quibus  fera  et  periculi  sui  nescia  latronum 
fervet  insania,  probatissimi  quique  atque  di- 
strictissimi  defensores  adsint  disciplinae  et 
quotidianis  actibus  praesint,  qui  non  sinant 
crimina  impunitate  coalescere.  Removeantur 
patrocinia,  quae  favorem  reis  et  auxilium 
sclerosis  impertiendo  maturari  scelera  fece- 
runt. 

b)  C.  2,  1,  11.  Minime  provinciae  rector 
exspectet  in  reos  criminosos  actorem  domini- 
cum,  sed  babeat  exhibendis  noxiis  potesta- 
tem:  utatur  legibus  nuUo  interposito  ratio- 
nali.  E  latebris  reus  potestate  ordinarii 
iudicis  protrahatur  .  . 

c)  C.  10,  5,  1.  .  .  delatorum  exsecranda 
pernicies  (,et)  inter  primos  conatus  in  ipsis 
faucibus  stranguletur  .  . 

5)  a)  C.  9,  6, 1  pr.   Si  qua  cum  servo  occulte 

C  0  n  r  a  t  ,  Breviarium. 


Per  omnes  provincias  tales  pro  studio 
disciplinae  iudices  ordinentur,  ut  cum  omni 
sollicitudine  in  reos  et  latrones,  remotis  po- 
tentum  patrociniis ,  districtionem  debitam 
exercere  non  differant:  ne  per  negligentiam 
suam  aut  venalitatem  crimina,  quae  debent 
puniri,  proficiant. 


Si  quis  in  domibus  dominicis  criminosus 
potuerit  inveniri,  provinciae  iudex  praesen- 
tiam  non  exspectet  actoris,  sed  mox  reum 
comprehensum  .  .  subdi  iubeat  publicae  dis- 
ciplinae. 

.  .  Quicunque  delator  cuiuslibet  rei  ex- 
stiterit,  in  ipso  proditionis  initio  a  iudice 
loci  correptus  continuo  stranguletur  .  . 

Si   qua  ingenua   mulier    servo  proprio  se 

39 


610 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.9,  19,  1,4 


N.  V. 
5,1,8 


N.  Mai. 
2,1 


mischt  haben  wird,  sollen  auch  Sklaven  oder  Sklavinnen,  falls  sie  wegen 
dieses  Verbrechens  eine  Anklage  angebracht  haben  werden,  gehört 
werden:  jedoch  mit  der  Massgabe,  dass  sie,  wenn  sie  den  Beweis  geführt 
haben  werden,  die  Freiheit  erzielen  sollen. 

b)  Wenn  ein  Entführer  mit  den  Eltern  des  Mädchens  sich  vergleicht  und  die 
Ahndung  des  Raubes  infolge  des  Stillschweigens  der  Eltern  unterlassen  ge- 
wesen sein  wird,  soll  ein  Sklave,  der  es  angebracht  haben  wird,  die  Lati- 
nische Freiheit  erzielen,  der  Anbringer,  der  Latiiie  gewesen  sein  wird, 
Römischer  Bürger  werden. 

c)  Ein  Jeder,  der  mit  Bezug  sei  es  auf  einen  noch  in  einer  Potestas  Befind- 
lichen, sei  es  auf  eine  Privatperson,  wegen  Unterlassung  der  Strafe  für 
den  Grabschänder  als  Ankläger  wird  haben  auftreten  wollen,  soll  hierzu 
freie  Befugnis  haben,  ohne  Gefahr,  den  Vorwurf  des  Angebers  befürchten 
zu  müssen,  da  derjenige,  welcher  gezeigt  haben  wird,  dass  er  die  Ruchlosen 
une]itwegt  hasst,  vielmehr  einer  Belohnung  würdig  ist. 

d)  Wird  mit  Bezug  auf  irgend  eine  Person  nachgewiesen  gewesen  sein,  dass 
sie,  durch  Gewalt  gezwungen,  zu  öffentlicher  Schande  die  Pflichten  des 
Klerikats  übernommen  habe,  so  wollen  wir  freiwilhgen  Anklägern,  bez.  wenn 
sie  selbst  dasjenige,  was  sie  erlitten  hat,  wird  haben  angeben  wollen,  die 
Befugnis  gewähren,  bei  kompetenten  ludices  derartige  Vergehen  zu  ver- 
dammen: derart,  dass,  wenn  sich  das  zur  Last  Gelegte  den  Gesetzen  gemäss 
ergeben  haben  wird,  der  Archidiakon  gezwungen  wird,  zehn  Pfund  Gold 
demjenigen,  der  erduldet  haben  wird,  zu  zahlen,  die,  wenn  Jener  verzichtet 
hat,  darauf  dem  Vermögen  des  Anklägers  zu  Gute  kommen  sollen. 


rem  habere  detegitur,  .  .  sit  etiam  servo  H- 
centia  deferendi,  cui  probate  crimine  liber- 
tas  dabitur  .  . 

b)  C.  9,  19,  1 ,  4.  Si  quis  (vero)  servus 
raptus  facinus  dissimulatione  praeteritum 
aut  pactione  transmissum  detulerit  in  publi- 
cum, Latinitate  donetur,  aut,  si  Latinus  sit, 
civis  fiat  Romanus  .  . 

c)  N.  V.  5,  1,  8.  Cuius  quisquis,  sive  adhuc 
in  potestate  positi,  sive  privati,  propter  omis- 
sam  poenam  violatoris  sepulcri  voluerit  accu- 
sator  emergere,  habeat  liberam  facultatem. 
Nee  delatoris  formidet  invidiain,  quum  prae- 
mio  magis  dignus  sit,  qui  se  constanter  im- 
probos  odisse  monstraverit  .  . 

d)  N.  Mai.  2,  1.  .  .  si  quispiam  probatus 
fuerit  vi  coactus  sub  contumelia  publica  cleri- 
catus  officiis  successisse,  spontaneis  accusa- 
toribus,  vel  si  ipse  voluerit  allegare  perpessa, 
licentiam  commodemus,  apud  iudices  compe- 
tentes  huius  modi  admissa  damnare:  ut,  si 
inter  leges  obiecta  constiterint,  decem  libras 
auri    archidiaconus    cogatur    inferre   ei,    qui 


occulte  miscuerit,  ,  .  Servi  etiam  aut  ancil- 
lae,  si  de  hoc  crimine  accusationem  detu- 
lerint,  audiantur:  ea  tarnen  ratione,  ut  si 
probaverint,  libertatem   consequantur  .  . 

Quod  si  fortasse  raptor  cum  parentibus 
puellae  paciscatur,  et  raptus  ultio  parentum 
silentio  fuerit  praetermissa,  si  servus  ista 
detulerit,  Latinam  percipiat  libertatem,  si 
Latinus  fuerit,  civis  fiat  Romanus  .  . 


Verhandlung  §  12. 


611 


e)  Ein  Jeder    soll    eine  Prämie    erhalten,    der    einen  Münzfälscher   angegeben   c.  9, 17, 1 
haben  wird.^ 


B)  Yerhandlung  §  13. 

1)  Zeit  und  Dauer  der  Verhandlung, 
a)  Zeit. 

a)  An   den  Tagen  der  Quadragesima^  soll  aus  Respekt  vor  der  Religion  jede    c.  9, 25, 1 
Kriminalklage  ruhen. 

ß)  Dauer. 

a)  ludices,^  die  nach  Vorausschickung  der  Inskription  Kriminalprozesse  zu  be-  c.  9, 26, 2 
handeln  begonnen  haben  werden,  werden  von  dem  Tage  der  Inskription, 
falls  entweder  der  Ankläger  oder  der  Angeklagte  ihn  erbeten  haben  wird, 
innerhalb  Jahresfrist  Aufschub  gewähren  müssen,  mit  der  Massgabe,  dass 
die  Actio  innerhalb  des  Laufs  eines  Jahres  beendet  werde.  Wird  der  An- 
kläger innerhalb  eines  Jahres  den  Beweis  für  dasjenige,  was  er  proponiert 
hat,  hinausgeschoben  haben,  so  wird  er  unter  Freisprechung  des  Angeklagten, 
^nachdem  er  infam  geworden  ist,  mit  dem  vierten  Teile  seines  Vermögens   c.  9, 26, 1 


gehen. 


1)  Vgl.  S.  566  Anm.  1. 

2)  An  den   vierzig  Tagen,   die  Auspicio   ceremoniarum   dem  Tempus  paschale  voran- 

3)  ludices  cuilibet  eulmini  honorive  praesidentes. 


pertulerit,  exsolvendas,  dehinc,  si  ille  desistit, 
accusatoris  censibus  .  .  profuturas  .  . 

e)  C.  9,  17,  1.  Praemio  accusatoribus  pro- 
posito,  quicunque  solidorum  adulter  potuerit 
reperiri  vel  a  quoquam  fuerit  publicatus  .  . 

1  a)  a)  C.  9,  25,  1.  Quadraginta  diebus, 
qui  auspicio  cerimoniarum  paschale  tempus 
anticipant,  omnis  cognitio  inhibeatur  crimi- 
nalium  quaestionum. 

3)  a)  C.  9,  26,  2.  Noverint  iudices  cuilibet 
eulmini  honorive  praesidentes,  necessariis 
utrique  parti,  si  petantur,  dilationibus  non 
negatis  a  die  inscriptionis  intra  anni  curri- 
cula  criminales  causas  limitandas  .  . 


C.  9,  26,  1.  Quisquis  accusator  .  .  intra 
anni  tempus  aecusationem  coeptam  prosequi 
supersederit,  vel,  quod  est  contumacius,  ul- 
timo anni  die  adesse  neglexerit,  quarta  bo- 
norum omnium  parte  mulctatus  aculeos  con- 
Bultissimae  legis  incurrat;  scilicet  manente 
infamia  .  . 


Praemium  accipiat,  quicunque  adultorum 
monetarium  prodiderit  .  . 

Diebus  quadragesimae   pro  reverentia  re- 
ligionis  omnis  criminalis  actio  conquiescat. 


ludices,  qui  inscriptione  praemissa  crimi- 
nalia  negotia  audire  coeperint,  a  die  inscrip- 
tionis, si  inducias  aut  accusator  aut  reus 
petiorii,  intra  annum  praestare  debebunt,  ut 
haec  actio  intra  anni  curriculum  finiatur. 
Quod  si  accusator  intra  annum,  quae  propo- 
suit,  probare  distulerit,  absoluto  reo  .  . 

.  .  (intra  annum  peragat  propositam  ac- 
tionem.  Qui  si  distulerit,)  infamis  effectus, 
bonorum  suorum  quarta  parte  mulctabitur. 


39^ 


612 


Öffentliclies  Recht.     Zweites  Buch. 


c.  9, 26, 2  gestraft   werden.^     Ist    er    eine    solche  Person,    dass   die  Infamie    an  seine 

Niedrigkeit  nicht  heranreicht,  so  soll  er  dem  Exil  überwiesen  werden.^  Wird 
indessen  zwischen  Ankläger  und  Angeschuldigtem  in  Gegenwart  des  Judex 
eine  Abrede  derart  getroffen  sein,  dass  für  die  Instruktion  beider  Parteien 
die  Frist  eines  ganzen  Jahres  gewährt  werden  soUe,^  so  darf  sie  von  dem 
Judex  nicht  geweigert  werden,  mit  dem  Erfolge,  dass  die  Partei,  welche 
nach  dem  Aufschub  den  Kürzeren  gezogen  gehabt  haben  wird,  von  einem 
schärferen  Strafurteil  betroffen  wird. 

c.  9, 26, 1  Ein  Jeder,  der  nach  vorgängiger  Inskription  Jemanden  als  irgend- 

welchen Verbrechens  schuldig  wird  haben  anklagen  wollen,  soll  von 
dem  Tage  der  Inskription  innerhalb  Jahresfrist  die  proponierte  Actio 
durchführen. 

2)  Ladung  des  Angeklagten. 

c.  9,  1, 6       a)  Ohne    Vornahme   einer    ordnungsmässigen    Inskription    wird  Jemand    nicht 
zu  einem  Angeschuldigten  gemacht  ^und  nicht  vor  Gericht  geladen.* 

3)  Haft  der  Parteien. 

c.  9,^1, 11       ^^  Nachdem   die  Inskription   ordnungsmässig  geschehen  ist,    dann  ist  der  An- 


1)  Vgl.  S.  150  Anm.  1.  C.  9,  26,  2  J  nimmt  auf  diesen  Text  mit  den  Worten  Poenam 
suscipiat  lege  superiori  compreliensam  Bezug  (ingleichen  T :  intra  anni  curricula  .  .,  quo 
emenso  habeat  accusator,   quia  destitit,  poenam  sibi  legibus  constitutam). 

2)  T  fügt  hinzu:  nisi  forsitan  intra  anni  metas  consensus  partium  abolitionem  po- 
poscerit.  Es  heisst  sodann,  dass,  falls  von  dem  Ankläger  und  dem  Angeklagten  aus  ratio- 
nellen Gründen  kein  Aufschub  verlangt  werde,  die  ludices  die  Verhandlung,  non  exspectatis 
anni  moris,  betreiben  sollen  (In  iudicum  [autem]  debet  esse  diligentia,  ut,  si  nulla  rationabilis 
a  reo  vel  accusatore  dilatio  postuletur,  urgeant  talium  causarum  notionem,  non  exspectatis 
anni  moris). 

3)  Wenn  jedoch  Ankläger  oder  Angeschuldigter  wegen  notwendiger  Dokumente  ein 
Jahr  wird  gewährt  haben  wollen. 

4)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


C.  9,  26,  2.  .  .  et  si  persona  vilior  fuerit, 
cui  damnum  famae  non  sit  iniuria,  poenam 
patiatur  exsilii  .  .  Si  vero  accusator  vel  reus, 
propter  documenta  forsitan  sibi  necessaria, 
annum  voluerint  custodiri,  dare  assensum 
debet  patientia  cognitoris,  in  alteram  par- 
tem  severiorem  formatura  sententiam. 

C.  9,  26,  1.  Quisquis  accusator  reum  in 
iudicium  sub  inscriptione  detulerit,  si  intra 
anni  tempus  accusationem  coeptam  prosequi 
supersederit,  vel,  quod  est  contumacius,  ul- 
timo anni  die  adesse  neglexerit  .  . 

2)  a)  C.  9,  1,  6.  Nullus  secundum  iuris 
praescriptum,  crimen,  quod  intendere  propo- 
suerit,  exsequatur,  nisi  subeat  inscriptionis 
vinculum  .  . 

3)  a)  C.  9,  1,  11  pr.     .  .   quisquis    ille    est, 


.  .  Quod  si  talis  persona  sit,  ad  cuius  de- 
formitatem  infamia  non  pertineat,  exsilio 
deputetur.  Tamen  si  inter  accusatorem  et 
reum  ita  iudice  praesente  convenerit,  ut  pro 
instructione  utriusque  partis  anni  integri  in- 
duciae  tribuantur,  debet  a  iudice  non  negari, 
futurum  ut  pars,  quae  post  inducias  fuerit 
superata,  districtiori  sententia  feriatur. 

Quicunque  inscriptione  praemissa  cuius- 
cunque  criminis  reum  accusare  voluerit,  ab 
eo  die,  quo  inscripsit,  intra  annum  peragat 
propositam  actionem  ,  . 

Nisi  inscriptione  celebrata  per  ordinem 
reum  quemquam  non  fieri,  nee  ad  iudicium 
exhiberi  .  . 

.  .  inscriptione  per   ordinem    facta,    tunc 


Verhandlung  §  12. 


613 


geschuldigte  von  dem  Judex  aufzunehmen  und  mit  dem  Ankläger  dem  Ge- 
wahrsam  zu  überweisen,  jedoch  mit  der  Massgabe,  dass  sowohl  des  An- 
geklagten als  auch  des  Anklägers  Dignität  respektiert  werde  und  vor  Ab- 
lauf der  Untersuchung  der  Judex  einen  Jeden  in  der  Weise  bewachen 
lasse,  wie  es  ihre  Geburt  oder  Dignität  zulassen.^  Wenn  Jemand  einen  c.  9, 8, 1 
Angeschuldigten  einem  privaten  Gefängnis  überwiesen  haben  wird,  soll  er  als 
der  Maiestas  schuldig  angesehen  werden. 

b)  Die  Angeschuldigten  sollen  nicht  lange  Zeit  in  Haft  oder  unter  Bewachung   c.  9, 1, 10 
gehalten,   sondern   schleunigst  entweder  als  unschuldig  freigesprochen,   oder 

wenn  sie  des  Verbrechens  überführt  gewesen  sein  werden,  durch  Urteil  be- 
straft werden. 

c)  Männer   und   Frauen,    mögen   sie    auch   durch  Gleichheit   des  Verbrechens  c.  9,  2, 1 
verbunden  werden,   sollen   dennoch  nicht  in  der  Bewachung  desselben  Ge- 
fängnisses gehalten  werden. 

d)  An   allen  Sonntagen  sollen  die  ludices  die  Angeschuldigten  unter  sicherer  c.  9,  2, 3 
Bewachung    aus   den    Gefängnissen    herausführen,    ^ damit   ihnen    von    den 
Christen,    bez.    von    den  Priestern,  Mittöi  oder  Zehrung  gewährt  werden ;  ^ 

auch    sollen    sie   Religionshalber    an    den    genannten   Tagen    unter   sicherer 
Bew^achung    zum  Bade    geführt    werden.     Werden  ludices    es   auszuführen 


1)  T  fügt  hinzu:  nee  impunitam  fore  noverit  licentiam  mentiendi,  quum  calumniantes 
ad  vindictam  poscat  similitudo  supplicii. 

2)  T  sagt,   dass   die  ludices  Zehrung   reichen  sollen,   und  giebt  näher  das  Mass  der- 
selben an. 


qui  crimen  intendit,  in  iudicium  veniat,  .  .  vin- 
culum  inscriptionis  arripiat,  custodiae  simili- 
tudinem,  habita  tarnen  dignitatis  aestima- 
tione,  patiatur   .  . 


C.  9,  8,  1.  Si  quis  (posthac)  reum  privato 
carceri   destinarit,   reus  maiestatis  habeatur. 

b)  C.  9,  1,  10.  Ne  diversorum  criminum 
rei  vel  desidia  iudicum  vel  quadam  lenita- 
tis  ambitione  per  provincias  detenti  in  car- 
cere  crudelius  dififerantur,  moneantur  omnes 
iudices,  productos  e  custodiis  reos  discep- 
tationi  debitae  subdere  et,  quod  leges  sua- 
serint,  definire. 

c)  C.  9,  2,  1.  Quoniam  unum  carceris 
conclave  permixtos  secum  criminosos  inclu- 
dit,  hac  lege  sancimus,  ut,  etiamsi  poenae 
qualitas  permixtione  iungenda  est,  sexum 
tarnen  disparem  diversa  claustrorum  habere 
tutamina  iubeatur. 

d)  C.  9,  2,  3.  ludices  omnibus  dominicis 
diebus  productos  reos  e  custodia  carcerali 
videant    et   interrogent,    ne    bis    humanitas 


a  iudice  suscipiendus  est  reus  et  custodiae 
cum  accusatore  tradendus  est,  ea  tamen  ra- 
tione,  ut  tarn  accusati  quam  accusatoris 
dignitas  aestimetur,  et  unumquemque  ante 
discussionem  ita  iudex  faciat  custodiri,  ut 
eorum  natales  aut  dignitas  patiuntur  .  . 


Rei  non  multo  tempore  in  carcere  vel  in 
custodia  teneantur,  sed  celeriter  aut  inno- 
centes  absolvantur,  aut  si  convicti  fuerint 
criminosi,  sententia  puniantur. 


Viri  et  mulieres,  etiamsi  eriminis  aequa- 
litate  iungantur,  non  tamen  in  unius  carceris 
custodia  teneantur. 


Omnibus  dominicis  diebus  iudices  sub  fida 
custodia  de  carceribus  reos  educant,  ut  eis 
a  Christianis    vel   a   sacerdotibus    substantia 


614 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


versäumt  haben,  so  sollen  sie  gezwungen  werden,  ^eine  Strafe  von  zwanzig 
Pfund  Gold  zu  entrichten.^ 

c.  9,  2,  2  e)  Wird  der  Angeschuldigte  aus  dem  Gefängnis  geflüchtet  sein,  so  soll  er  von 
demjenigen,  welchem  er  übergeben  worden  ist,  abgefordert  werden.  Wird 
dieser  ihn  nicht  haben  präsentieren  können,  so  möge  der  nachlässige  Wächter 
wissen,  dass  er  einerseits  dem  Schaden,  andererseits  der  Strafe  desjenigen, 
der  geflohen  sein  wird,  unterliegen  werde.^ 

p.  5  33, 1  f)  Wird  nach  Empfang  von  Geld  ein  Soldat  den  Arrestanten  haben  laufen 
lassen,  so  ist  er  kapital  zu  strafen.    Es  fragt  sich  dabei,  welches  Verbrechens 

p.  5, 33, 2  der  Freigelassene  schuldig  zu  sein  gilt.     Diejenigen,  welche  dem  begleiten- 

den Soldaten  mittels  eines  grossen  Haufens  den  Arrestanten  entrissen  haben 
werden,  werden  kapital  gestraft. 


1)  Die  Höhe  der  Strafe  enthält  T,  nicht  J,  welcher  Text  lediglich  auf  T  verweist 
(poenam,  quam  lex  ipsa  constituit).  T  verhängt  die  gleiche  Strafe  über  die  Officia  der 
ludicia  und  eine  Strafe  von  drei  Pfund  über  die  Ordines,  und  fügt  die  folgenden  Worte 
hinzu:  Nee  deerit  antistitum  Christianae  religionis  cura  laudabilis,  quae  ad  Observationen! 
constituti  iudicis  hanc  ingerat  monitionem. 

2)  Der  Commentariensis  soll  für  Bewachung  und  Observation  der  übernommenen 
Personen  Sorge  tragen  und  keine  Persona  abiecta  atque  vilis  vorschieben,  falls  der  An- 
geklagte entkommen  ist.  Er  unterliegt  der  gleichen  Strafe,  wie  der  Flüchtling.  T  fügt 
hinzu,  dass  bei  Abwesenheit  der  Commentariensis  einen  Adiutor  stellen  solle,  der  derselben 
Haftung  unterliegt  (Si  vero  commentariensis  necessitate  aliqua  procul  ab  officio  egerit, 
adiutorem  eins  pari  iubemus  invigilare  cura,  et  eadem  statuimus  legis  severitate  constringi). 


clausis  per  corruptos  carcerum  custodes  ne- 
getur.  Victualem  substantiam  non  habenti- 
bus  faciant  ministrari,  libellis  duabus  aut 
tribus  diurnis  vel  quot  existimaverint,  com- 
mentariensi  decretis,  quorum  sumtibus  pro- 
ficiant  alimoniae  pauperum ;  quos  ad  lava- 
crum  sub  fida  custodia  duci  oportet,  mulcta 
iudicibus  viginti  librarum  auri  et  officiis 
eorum  eiusdem  ponderis  constituta,  ordinibus 
quoque  trium  librarum  auri  mulcta  propo- 
sita,   si  saluberrima  statuta  contemserint  .  . 

e)  C.  9,  2,  2.  Ad  commentariensem  re- 
ceptarum  personarum  custodia  observatioque 
pertineat,  nee  putet  hominem  abiectum  at- 
que vilem  obiciendum  esse  iudiciis,  si  reus 
conditione  aliqua  fuerit  elapsus.  Nam  ipsum 
volumus  eius  poena  consumi,  cui  obnoxius 
docebitur  fuisse,  qui  fugerit  .  . 

f)  P.  5,  33,  1.  Si  pecunia  accepta  miles 
custodiam  dimiserit,  capite  puniendus  est. 
Et  certe  quaeritur,  cuius  criminis  reus  di- 
missus  esse  videatur. 

P.  5,  83,  2.  Qui  custodiam  militi  prose- 
quenti  magna  manu  excusserint,  capite  pu- 
niuntur. 


vel  alimonia  praebeatur,  et  ad  balneam 
praedictis  diebus  sub  fida  custodia  religionis 
contemplatione  ducantur.  Si  qui  iudices  hoc 
implere  neglexerint,  poenam  .  .  cogantur 
implere. 


Si  de  carcere  reus  fugerit,  ab  eo,  cui  est 
traditus,  requiratur:  qui  si  eum  non  potuerit 
praesentare,  noverit  negligens  custos,  illiuB 
se  aut  damnum  aut  poenam,  qui  fugerit, 
subiturum. 


Verhandlung  §  12. 


615 


ff)  Kein  Jude,   kein  Samaritane   soll  Wächter  eines  Kerkers  sein  können,  da-  N.Th.3,1, 

...  ,    .  .  2  u.  7 

mit  sie  nicht  unter  dem  Schein  eines  behebigen  Officium  Christen  oder 
sogar  Priester  bei  irgendwelcher  Gelegenheit  mit  Beleidigungen  zu  belästigen 
wagen. 

4)  Einstellung  des  Verfahrens. 

a)  Im  Falle  des  Ehebruchs  soll  Niemand  eine  fremde  Frau  anklagen,  dagegen  c.  9,  4,  2 
wohl  die  Verwandten,  denen  es  zum  Schimpf  gereicht,  das  will  sagen,  der 
Frater  germanus,  der  Frater  patruelis,  der  Vaterbruder  und  der  Konsobrine : 
indessen  können  sie  vor  der  Inskription,  falls  sich  die  Angeklagte  dabei 
beruhigt  haben  wird,  auf  Grund  von  Genugthuung  Enthebung  von  der 
Anklage  erzielen. ^ 

b)  AVenn  der  Ankläger  wTgen  eines  Verbrechens  innerhalb  dreissig  Tagen  die    c.  9, 27, 3 
Abolition  verlangt  haben  wird,  soll  sie  auch  wider  den  Willen  des  Angeklagten  - 

von  dem  Judex  gewährt  werden,  sodass  sowohl  Angeklagter  als  auch  An- 
kläger frei  abziehen  dürfen:  dreissig  Tage,  nachdem  der  Angeklagte  der 
Haft  übergeben  gewesen  sein  ward,  ist  die  Abolition,  wenn  sie  nicht  sowohl 
Angeklagter  als  auch  Ankläger  von  dem  Judex  erbeten  haben  werden, 
dem  Ankläger  allein  nicht  zu  gewähren. 

c)  Der  Ankläger,  der  sich  durch  die  Fessel  des  Gesetzes  bindet,  möge  erkennen,   c.  9, 27, 2 


1)  Vgl.  §  3,  3  d. 


2)  T  fügt  hinzu :  postquam  fuerit  officii  custodiae  traditus. 


g)  N.  Th.  3,  1,  2  u.  7.  .  .  (neminem)  lu- 
daeum,  (neminem)  Samaritam  .  .  ut  appari- 
tores  memoratarum  sectarum  .  .  nee  carcerali 
praesint  custodiae,  ne  Christiani,  ut  fieri 
assolet,  nonnunquam  obstrusi  custodum  odiis 
alterum  carcerem  patiantur,  incertum ,  an 
iure  videantur  inclusi. 

4)  a)  C.  9,  4,  2.  (Quamvis)  adulterii  crimen  .  . 
ne  volentibus  temere  liceat  foedare  conubia 
proximis  necessariisque  personis  solummodo 
placet  deferri  copiam  accusandi,  hoc  est 
patri  vel  consobrino  et  consanguineo  maxime 
fratri .  .  Sed  et  his  personis  legem  imponimus, 
ut  crimen  abolitione  compescant  .  . 

b)  C.  9,  27,  3.  Abolitionem  invito  reo, 
postquam  fuerit  officii  custodiae  traditus, 
intra  dies  XXX  accusatori  petenti  daripermit- 
timus,  post  hoc  tempus,  nisi  reus  consentiat, 
censemus  non  esse  tribuendam   .  . 


c)  C.  9,  27,  2.  Accusator,  qui  se  laqueo 
legis  adstringit,  agnoscat,  nullum  sibi  fore 
ad  latebrara  abolitionis  recursum,  postquam 
aliquid  iniuriae  merito  inscriptionis  illatae 
tolerarit  inscriptus,  id  est  si  vel  carcerem 
sustinuerit   vel  tormenta  vel  verbera  vel  ca- 


.  .  ut  nullus  ludaeus,  nuUus  Samaritanus 
.  .  possit  .  .  carceri>?  esse  custodes:  ne  forsi- 
tan  sub  specie  cuiuslibet  officii  Christianos 
vel  etiam  sacerdotes  sub  quacunque  oecasione 
iniuriis  audeant  fatisrare. 


In  adulterio  extraneam  mulierem  nullus 
accuset,  sed  propinqui,  ad  quorum  notam 
pertinet,  hoc  est  frater  germanus,  frater  pa- 
truelis, patruus  et  consobrinus,  qui  tamen 
ante  inscriptionem,  si  accusata  acquieverit, 
possuntper  satisfactionem  veniam  promereri.. 

Si  criminis  accusator  intra  triginta  dies 
abolitionem  petierit,  etiam  invito  reo  a  iu- 
dice  concedatur:  ut  liberi  et  accusatus  et 
accusator  abscedant:  post  triginta  vero  dies, 
quam  accusatus  custodiae  fuerit  traditus,  nisi 
abolitionem  et  reus  et  accusator  a  iudice  peti- 
crint,  accusatori  solo  non  esse  praestandam  .  . 


616 


ÖfFentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


dass  ihm  kein  Rücktritt  in  den  Schlupfwinkel  der  AboHtion  zustehen  werde, 
nachdem  der  Inskribierte  kraft  der  ihm  zugefügten  Inskription  irgend- 
welche Unbill  erduldet  haben  wird,  das  will  sagen,  wenn  er  entweder  Haft 
oder  Foltern  oder  Schläge  oder  Ketten  ertragen  haben  wird,  es  sei  denn 
etwa,  dass  es  derjenige,  welcher  es  durchgemacht  hat,  geringschätzt  und 
in  Person  dasjenige,  was  er  durchgemacht  liat^  verzeiht,  und  ein  überein- 
stimmender Wille^  sowohl  bei  dem  Angreifer  als  auch  bei  dem  Angegriffenen 
mit  Bezug   auf  die  Annahme   der  Abolition   vorhanden   gewesen  sein  ward. 

c.  9, 27, 1  d)  AVird  es  Jemanden  gereut  haben,  die  .Kriminalanklage  zu  erheben  und  eine 
Inskription  veranstaltet  zu  haben  mit  Bezug  auf  dasjenige,  was  er  nicht  wird 
haben  beweisen  können,  so  sollen,  wenn  er  mit  dem  unschuldigen  Ange- 
klagten sich  vereinigt  haben  wird,  sie  sich  gegenseitig  entbinden.^  Wird 
jedoch  der  Judex  erkannt  haben,  dass  derjenige,  welcher  angeklagt  worden 
ist,  ein  Verbrecher  ist,  und  zwischen  dem  Angeschuldigten  und  dem  An- 
kläger mittels  Bestechung  wegen  Entbindung  mit  Bezug  auf  das  Verbrechen 
eine  Verabredung  stattgefunden  haben,  so  hat  derjenige,  welcher  als  schuldig 
erwiesen  wird,  unter  Fernhaltung  der  Kollusion  die  gesetzlich  festgesetzte 
Strafe  zu  erleiden. 

c.  9, 27, 2  e)  Bevor  irgend  Jemand  von  der  Untersuchung  befreit  wird,  ist  in  Betracht 
zu   ziehen,    dass   für   sehr  viele  Verbrechen,    nicht   einmal  bei  Zustimmung 


1)  Wird  nach  Erhebung  der  Anklage  Abolition  verlangt,  so  muss  die  Causa  novae 
miserationis  erforscht  werden,  damit,  falls  es  ohne  Depectio  geschieht,  die  gewünschte 
Nachsicht  gewährt  werde. 


tenas,  nisi  forte  ille,  qui  haec  pertulit,  con- 
temnat  et  donet  ipse,  quod  pertulit,  ac  par 
fuerit  tarn  petitoris  quam  petiti  in  accipien- 
da  abolitione  conseusus  .  . 

d)  C.  9,  27,  1.  Si  post  strepitum  accusa- 
tionis  exortae  abolitio  postuletur,  causa  novae 
miserationis  debet  inquiri ,  ut,  si  citra  de- 
pectionem  id  fiat,  postulata  humanitas  prae- 
beatur;  sin  aliquid  suspicionis  exstiterit,  quod 
manifestus  reus  depectione  celebrata  legibus 
subtrahatur,  redemtae  miserationis  vox  mini- 
me  admittatur,  sed  adversus  nocentem  reum, 
inquisitione  facta,  poena  competens  exseratur. 

e)  C.  9,  27,  2.  .  .  Prius  (tarnen)  quam  ali- 
quis  de  quaestione  liberetur,  sequitur  illud, 
ut  plerisque  criminibus  ne  consentientibus 
quidem  partibus  praestetur  abolitio,  ut  sunt 
illa,  in  quibus  aut  violata  maiestas,  aut  pa- 
tria  oppugnata  vel  prodita,  aut  j)eculatus 
admissus,  aut  sacramenta  deserta  sunt,  om- 
niaque  ea,  quae  iure  veteri  continentur.  In 
quibus  iudex  non  minus  accusatorem  ad  do- 
cenda,  quae  detulit,  quam  reum  ad  purgan- 
da,  quae  negat,  debet  urgere. 


Si  quem  poenituerit  accusare  criminaliter 
et  inscriptionem  fecisse  de  eo,  quod  probare 
non  potuerit,  si  ei  cum  accusato  innocente 
convenerit,  invicem  se  absolvant.  Si  vero 
iudex  eum,  qui  accusatus  est,  criminosum 
esse  cognoverit  et  inter  reum  et  accusatorem 
per  corruptionom  de  absolutione  reatus  con- 
venerit, is,  qui  reus  probatur,  remoto  collu- 
dio,  poenam  excipiat  legibus  constitutam. 


Beweis  §  13. 


617 


der  Parteien.  Abolition  gewährt  wird,  wie  es  diejenigen  sind,  wobei  ent- 
.  weder  die  ]\Iaiestas  verletzt  oder  die  Vaterstadt  belagert,  bez.  verraten 
worden  oder  ein  Pekulat  verübt  worden  ist,  oder  Sacramenta  im  Stich  ge- 
lassen worden  sind,  und  Alles  dasjenige,  was  in  dem  alten  Rechte  inbegriffen 
ist.  Bei  diesen  Verbrechen  muss  der  Judex  nicht  weniger  den  Ankläger 
zum  Xachweise  dessen,  was  er  angebracht  hat,  als  den  Angeklagten  zur 
Reinigung  von  demjenigen,  was  er  bestreitet,  anhalten. 
f)  Wenn  Zeugen  auf  die  Anforderung  des  Anklägers  entboten  und  in  Haft  c.  o,  27, 3 
gelegt  gewesen  sein  werden  und  die  Abolition  erbeten  und  gewährt  gewesen 
sein  wird,  soll  der  Ankläger  ihnen  die  von  den  Zeugen  gemachten  Aus- 
gaben erstatten.  Wenn  jedoch  die  von  dem  Ankläger  vorgeforderten  Zeugen 
einer  Strafe  unterlegen  liabeTi  werden,^  soll,  wenn  auch  die  Parteien  zu- 
stimmen werden,  die  Abolition  von  den  ludices  geweigert  werden:  vielmehr 
soll  der  Ankläger  entweder  gegen  den  Angeklagten,  wenn  er  überführt  ge- 
wesen sein  wird,  oder  gegen  den  Ankläger,  wenn  er  nach  den  Gesetzen 
nicht  überführt  haben  wnrd,  auf  Grund  des  Urteils  des  Judex  die  Strafe 
welche  der  Angeklagte  hätte  erdulden  sollen,  davontragen. 


C)   Beweis  §  13. 

1)  Im  allgemeinen. 

a)  Der  Judex,  der  die  Untersuchung  gegen  einen  Angeschuldigten  führt,    soll    c.  9,  so,  1 
nicht    eher   ein  Kapitalurteil   fällen,    als    bis    der   Angeschuldigte   entweder 


1)  Sind   jedoch   Corpora  ingenuorum,    hcet   plebeiorum,    durch  Schläge    verletzt   und 
durch  Foltern  gepeinigt  worden. 


f)  C.  9,  27,  3.  .  .  Si  vero  ingenuosaliquos, 
velut  testes  criminis  petitos  ab  accusatore, 
deductos  esse  constiterit,  solam  custodiae  in- 
iuriam  tolerasse,  qui  testes  dicantur  esse, 
non  conscii,  eorum  ab  accusatore  sumtibus 
consulendum  est.  Quod  si  ingenuorum,  licet 
plebeiorum,  corpora  fuerint  laesa  verboribus 
tormentisque  vexata,  abolitionem,  etiam  dua- 
rum  partium  consensu  petitam,  iubemus  vi- 
gore  iudicum  denegari,  et  crimen  propositum, 
cuius  examen  tormentis  iam  coeperat,  agitari, 
nee  ante  a  iudice  dimitti,  quam  in  reum, 
probato  crimine,  vindicetur,  aut  in  accusa- 
torem  pari  forma  sententiae  damnatio  re- 
feratur. 

1)  a)  C.  9,  30,  1.  Qui  sententiam  laturus 
est,  temperamentum  hoc  teneat,  ut  non  prius 
capitalem  in  quempiam  promat  severamque 
sententiam,  quam  in  aduiterii  vel  homicidii 
vel  maleficii  crimine  aut  sua  confessione  aut 
certe   omnium,   qui  tormentis   vel  interroga- 


.  .  Quod  si  testes  exhibiti  ad  petitionem 
accusatoris  fuerint,  et  in  custodiam  missi 
fuerint,  et  abolitio  petita  praestitaque  fuerit, 
sumtus,  quos  fecerunt  testes,  eis  accusator 
cxsolvat.  Nam  si  testes  exhibiti  ab  accusa- 
tore poenae  subiacuerint,  etiamsi  consentient 
partes,  abolitio  a  iudicibus  denegetur,  sed 
aut  in  accusatum,  si  convictus  fuerit,  aut  in 
aecusatorem,  si  non  convicerit  legibus,  ex 
sententia  iudicis  poenam,  quam  passurus  erat 
reus,  accusator  excipiat. 


Iudex  criminosum  discutiens  non  ante 
sententiam  proferat  capitalem,  quam  aut  reus 
ipse  fateatur,  aut  convictus  aut  per  inno- 
centes  testes  vel  per  conscios  criminis  sui 
aut  homicidium  aut  adulterium  aut  male- 
ficium  commisisse  manifestius  convincatur. 


618 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


selbst  ein  Geständnis  ablegt  oder,  ^es  sei  durch  unschuldige  Zeugen,  es  sei 
durch  Mitwisser  seines  Verbrechens^  überführt,  entweder  einen  Totschlag 
oder  einen  Ehebruch  oder  ein  Maleficium  verübt  zu  haben  offensichtlich 
überführt  wird. 

2)  Zeugen. 

a)  Fähigkeit. 

0.9, 1,7  a)  Dem  Geständnis  derjenigen,  welche  wegen  Verbrechen  angeklagt  werden, 
ist  gegen  andere  kein  Glauben  zu  schenken,  solange  sie  nicht  ihre  Unschuld 
erwiesen  haben  werden,  weil  die  Erklärung  eines  Angeschuldigten  gegen 
eine  beliebige  Person  gefahrvoll  ist  und  nicht  zugelassen  werden  darf.^ 

0.9, 1,11,1  aa)  Denjenigen,   welche  ihre  Verbrechen  bei  der  Quaestio  bekannt  haben, 

soll  von  dem  Judex  nicht  geglaubt  werden,  wenn  sie  mit  Bezug  auf 
Andere  werden  haben  aussagen  wollen,-"^  weil  durch  Jus  und  Leges 
festgesetzt  worden  ist,  dass  demjenigen,  welcher  sich  selbst  als  Ver- 
brecher bekannt  hat,  mit  Bezug  auf  einen  Andern  nicht  geglaubt 
werden  soll.* 


1)  T    spricht    von    denjenigen,     die    den    Foltern    oder    Interrogationes    überliefert 
worden  sind. 

2)  Vgl.  S.  594  Anm.  1. 

3)  T  setzt  die  Motive  auseinander,  die  unter  Umständen  hierzu  führen. 

4)  Vgl.  S.  593  Anm.  2. 


tionibus  fuerint  dediti,  in  unum  conspiran- 
tem  concordantemque  rei  finem  convictus 
sit  et  sie  in  obiecto  flagitio  deprehensus,  ut 
vix  etiam  ipse  ea,  quae  commiserit,  negare 
suf'ficiat. 

2  a)  a)  C.  9,  1,  7.  Neganda  est  accusatis 
licentia  criuiinandi,  priusquam  se  crimine, 
quo  prerauntur,  exuerint.  Nam  sanctionum 
veterum  conditores  adimenclam  licentiam  Om- 
nibus censuerunt  in  accusatores  suos  invidio- 
sam  dicendi  vocem.  NuUam  itaque  obtineat 
in  iudiciis  auctoritatem  periclitantium  furor, 
qui,  si  latius  evagetur,  ne  ipse  quidem  cog- 
nitor  tutus  erit  aut  quaestionem  securus 
agitabit,  qui,  exsequendo  iuris  severitatem, 
non  potest  illorum,  quos  punit,  odium  evitare. 

aa)  C.  9,  1,  11,  1.  Nemo  sibi  tarnen  obiectu 
cuiuslibet  criminis  blandiatur  de  se  in  quae- 
stione  confessus,  veniam  propter  flagitia  spe- 
rans  adiuncti,  vel  communione  criminis  con- 
sortium  personae  superioris  optans,  aut  ini- 
mici  supplicio  in  ipsa  suprcmorum  suorum 
Sorte  sociandus,  aut  eripi  se  posse  confidens 
studio  aut  privilegio  nominati,  quum  veteris 
iuris  auctoritas  de  se  confessos  ne  interro- 
gari    quidem    de    aliorum   conscientia   sinat. 


Non  credendum  est  contra  alios  eorum 
confessioni ,  qui  in  criminibus  accusantur, 
nisi  se  prius  probaverint  innocentes:  quia 
periculosa  est  et  admitti  non  debet  rei  ad- 
versus  quemcunque  professio. 


.  .  his,  qui  crimina  sua  in  quaestiono  con- 
fessi  sunt,  de  aliis  si  dicere  voluerint,  a  iu- 
dice  non  credatur,  quia  iure  et  legibus  con- 
stitutum est,  ut  .  .  non  .  .  illi  de  altero  cre- 
datur, qui  se  criminosum  esse  confessus  est. 


Beweis  §  13. 


619 


P.  5,  17,  3 

N.  V. 


b)  Eltern  und  Kinder  untereinander  sind  behindert,  wider  den  andern  Zeugnis  P-  ^'  i^,  s 
abzulegen:   die  verwandtschaftliche  Gesinnung  wird  erachtet,  das  Bekenntnis 

der  Wahrheit    zu    hindern.      Gegen    einen    Affinen    oder    Blutsverwandten   P-  s,  n,  2 
können  Zeugen  wider  ihren  Willen  nicht  befragt  werden. 

c)  Freigelassene    sind    behindert,    Zeugnis    abzulegen.      Gegen     Kinder    oder 
Enkel   des  Patrons  sollen   wieder  der  Freigelassene  noch    die  Freigelassene     ^'^'^ 
in    irgend    welcher   Sache   Zeugnis    abzulegen    sich    anniassen:    werden    sie 

es  gethan  haben,  so  sollen  alle  Freigelassenen,  welche  gegen  Kinder  oder 
Enkel  des  Patrons  ein  gegnerisches  Zeugnis  abgelegt  haben  werden,  ob- 
schon  es  unter  keinen  Umständen  angenommen  w^erden  darf,  gestraft 
werden. 

Gegen   das  Caput  des  Patrons  kann   ein  Freigelassener  nicht  be-    p.  1, 12, 3 
fragt  werden. 

d)  Einem  Sklaven,   der  aus  freien  Stücken  irgend  etwas  über  den  Herrn  be-    p.  5,  is,  4 
kennt,  wird  kein  Glaube  geschenkt:   denn  in  zweifelhaften  Sachen  darf  das 

Heil  der  Herren  nicht  der  Willkür  der  Sklaven  überlassen  werden. 

e)  Man   war   dahin   einig,    dass   Zeugen,    die   der  Gunst  verdächtig  sind,    und   p.  5, 17, 1 
diejenigen    noch    besonders,    die    der  Ankläger    aus    seinem  Hause    herbei- 


Nemo  igitur  de  proprio  crimine  confitentem 
super  conscientia  scrutetur  aliena;  nemo  cre- 
dat  supplicia  fugienti;  commonitoriis  secreto 
inandatis  fidem  penitus  abnegamus, 

b)  P.  5.  17,  3.  Adversus  se  invicem  pa- 
reutes  et  liberi,  .  .  nee  volentes  ad  testimo- 
nium  admittendi  sunt:  quia  rei  verae  testi- 
monium  necessitudo  personarum  plerumque 
corrumpit. 

P.  5,  17,  2.  In  affinem  vel  cognatum  in- 
viti  testes  interrogari  non  possunt. 

c)  P.  5,  17,  3.  .  .  liberti  nee  volentes  ad 
testimonium  admittendi  sunt  .  . 

N.  V.  6,  1,  9.  (Sed)  ne  penitus  sibi  rcve- 
rentiam  posteri  causentur  negatam,  statuimus 
et  iubemus,  ut  adversum  manuraissoris  filios 
et  nepotes  liberti  libertaeve  in  nullis  omnino 
causis  testimonium  dicant.  Quod  si,  licet 
nihil  valiturum,  dixerint,  puniantur  .  . 

P.  1,  12,  3.  In  Caput  (domini)  patroni 
(ve)  .  .  ncc  libertus  interrogari  potest. 

d)  P.  5,  18,  4.  Servo,  qui  ultro  aliquid  de 
domino  confitetur,  fides  non  accomodatur: 
nee  enim  oportet  in  rebus  dubiis  salutem 
dominorum  servorum  arbitrio  committi. 

e)  P.  5,  17,  1.  Suspectus  gratiae  testes 
et  eos  vel  maxime,   quos  accusator  de  domo 


Adversus  se  invicem  testimonium  paren- 
tes  et  filii  .  .  dicere  prohibentur:  quia  veri- 
tatis  professionem  propinquitatis  afi'ectio  im- 
pedire  cognoscitur. 


.  .  testimonium  .  .  liberti  dicere  prohi- 
bentur ,  , 

.  .  patroni  . ,  Contra  filios  (vero)  vel  nepotes 
nee  libertus,  nee  liberta  testimonium  dicere  in 
quacunque  causa  praesumant:  quod  si  fe- 
cerint,  licet  recipi  nulla  liceat  ratione,  (tamen) 
quicunque  liberti  contra  filios  vel  nepotes 
pationi  contrarium  testimonium  dederint,  pu- 
niantur. 


620 


Öfifentlicbes  Recht.     Zweites  Buch. 


C. 11, 14,2,1 
C.  11,14,  2 

pr. 

C.  11,  14,  2 
pr. 

C.  11,  14,  7 


C.  9,  27,  3 


geführt,  oder  welche  die  Niedrigkeit  ihrer  Lebensführung  verunehrt  haben 
wird,  nicht  befragt  werden:  denn  bei  einem  Zeugen  muss  sowohl  die  Art 
seines  Wandels,  als  auch  die  Dignität  ins  Auge  gefasst  werden. 

ß)  Vernehmung. 

a)  Das  Zeugnis  eines  Einzigen,  für  wie  vornehm  und  tüchtig  die  Person  auch 
gelten  mag,  ist  unter  keinen  Umständen  zu  vernehmen.^ 

b)  Ehrbaren  Personen  soll  eher  als  Zeugen  niederen  Standes  Glauben  ge- 
schenkt werden. 

c)  Zeugen  müssen,  bevor  sie  über  eine  Sache  befragt  werden,  durch  den  Eid 
angehalten  werden,  oder  schwören,  dass  sie  nichts  Falsches  aussagen  werden. 

d)  ^Ein  Jeder,  der  notwendige,  wenn  nur  tüchtige,  Zeugen,  die  nicht  Teil- 
nehmer des  Handels  oder  der  Schuld  sind,  besitzt,  soll  Sorge  tragen,  wie 
er  sie  auf  eigne  Kosten  an  den  Ort  der  Verhandlung  der  Sache  zu  be- 
fördern hat.^ 

e)  iWenn  Zeugen  auf  die  Anforderung  des  Anklägers  entboten  und  in  Haft 
gelegt  gewesen  sein   werden    und   die  Abolition   erbeten   und    gewährt   ge- 


1)  Vgl.  S.  516  Anm.  1. 

2)  T  beginnt  mit  den  Worten :  Quoniam  ingenui  testes  ad  causas  postulantur  alienas. 

3)  T  sagt  das  Gleiche  von  denjenigen,  per  quos  fuerint  postulati. 


pi'oduxerit  vel  vitae  humilitas  infamaverit, 
interrogari  non  placuit:  in  teste  enim  et 
vitae  qualitas  spectari  debet  et  dignitas. 

ß)  a)  C.  11,  14,  2,  1.  (Simili  more)  sanxi- 
mus,  ut  unius  testimonium  nemo  iudicum  in 
quacunque  causa  facile  patiatur  admitti.  Et 
nunc  manifeste  sancimus,  ut  unius  omnino 
testis  responsio  non  audiatur,  etiamsi  prae- 
clarae  curiae  honore  praefalgeat. 

b)  C.  11,  14,  2  pr.  .  .  ut  honestioribus 
potius  fides  testibus  habeatur. 

c)  C.  11,  14,  2  pr.  lurisiurandi  religione 
testes  prius,  quam  perhibeant  testimonium, 
iam  dudum  arctari  praecepimus  .  . 

d)  C.  11,  14,  7,  Quoniam  ingenui  testes 
ad  causas  postulantur  alienas,  si  socii  et 
participes  criminis  non  dicantur,  sed  tides 
ab  his  notitiae  postuletur,  in  exhibitione  ne- 
cessariarum  personarum,  hoc  est  testium  talis 
debet  esse  cautio  iudicantis,  ut,  his  venturis 
ad  iudicium,  per  accusatorem  aut  ab  his, 
per  quos  fuerint  postulati,  sumtus  compe- 
tentes  dari  praecipiat. 

e)  C.  9,  27,  3.  .  .  Si  (vero)  ingenuos  ali- 
quos,  velut  testes  criminis  petitos  ab  accu- 
satore,  deductos  esse  constiterit,  solam  custo- 
diae  iniuriam  tolerasse,  qui  testes  dicantur 
esse,  non  conscii,  eorum  ab  accusatore  sum- 


Unius  (autem)  testimonium,  quamlibet 
splendida  et  idonea  videatur  esse  persona, 
nuliatenus  audiendum. 


,  .  ut  honestioribus  magis  quam  vilioribus 
testibus  fides  potius  adraittatur. 

Testes  priusquam  de  causa  interrogentur, 
sacramento  debere  constringi,  ut  iurent,  so 
nihil  falsi  esse  dicturos  .  . 

Quicunque  testes  necessarios  habet,  duni- 
modo  idoneos,  qui  non  sint  causae  aut  cul- 
pae  participes,  studeat,  qualiter  eos  suo 
sumtu,  ubi  causa  dicenda  est,  debeat  exhi- 
bere. 


.  .  Quod  si  testes  exhibiti  ad  petitionein 
accusatoris  fuerint,  et  in  custodiam  missi 
fuerint,  et  abolitio  petita  praestitaque  fuerit, 
sumtus,  quos  fecerunt  testes,  eis  accusator 
exsolvat.     Nam  si  testes  exhibiti  ab  accusa- 


Beweis  §  13. 


621 


wesen  sein  wird,  soll  der  Ankläger  ihnen  die  von  den  Zeugen  gemachten 
Ausgaben  erstatten.  Wenn  jedoch  die  von  dem  Ankläger  vorgeforderten 
Zeugen  einer  Strafe  imterlegen  haben  werden,  soll,  wenn  auch  die  Parteien 
zustimmen  werden,  die  Abolition  von  den  ludices  geweigert  werden.^ 

3)  Folter  (vgl.  i>  1,  5). 

a)  Die  ludices    sind  zu  strafen   und  das  Officium   hat,   wenn  sie  geschwiegen   c.  9,  i,» 
haben    werden,    zu    büssen,   ftills   sie   einen   Unschuldigen,    ohne  vorgängige 
Inskription,  der  Folterung  überliefern  zu  sollen  geglaubt  haben  werden.^ 

b)  Bei  Eruierung  von  Verbrechen  wird  die  Tortur  angewendet:   es  ist  jedoch  p.  5,  i6,  i 
nicht   unverzüglich   mit  den  Foltern  zu  beginnen  und  deshalb  zuerst  durch 
Beweismittel  zu  erforschen. 

c)  Wird   ein  Angeschuldigter  von   irgend  einem  Verdacht  beschwert,    so  wird   P.  5,  ig,  i 
er  durch  Anwendung  der  Foltern  angehalten,  wegen  seiner  Komplizen  und 

seiner  A^erbrechen  ein  Geständnis  zu  macheu. 

d)  Mehrere  Angeschuldigte  eines  Verbrechens  sind  derart  zu  vernehmen,  dass    p.  5, 16,2 
zuerst  mit  demjenigen  begonnen  wird,  der  furchtsamer  und  zarteren  Alters 

zu  sein  erachtet  wird. 

e)  Schwangere   können  nicht  gefoltert  w^erden,   es   sei  denn  nach  der  Nieder-   p.  1,12, 4 
kunft.    Wer  von  sich  ein  Geständnis  gemacht  hat,  kann  gegen  einen  Andern   p.  1, 12,  5 


1)  Vgl.  S.  617  Anm.  1. 

2)  T  legt  dem  Adressaten,  Praefectus  Praetorio,  die  Verpflichtung  auf,  den  Judex, 
der  Unschuldige  züchtigt,  bez.  das  Officium,  das  die  Peinigung  unschuldiger  Dekurionen 
sestattet,  zu  strafen. 


tibus  consulendum  est.  Quod  si  ingenuorum, 
licet  plebeiorum,  corpora  fuerint  laesa  ver- 
beribus  tormentisque  vexata,  abolitionem, 
etiam  duarnm  partium  consensu  petitam, 
iubemus  vigore  iudicum  denegari  .  . 

2)  a)  C.  9,  1,  9.  .  .  ut  iustitia  et  aequi- 
tate,  qua  notus  es,  in  iudice  punias,  si  in- 
noxios  verberavit,  in  officio,  si  fortasse  conti- 
cuit,  quod  caedi  decuriones  innoxios  non 
liceret. 

b)  P.  5,  16,  1.  In  criminibus  eruendis 
quaestio  quidem  adhibetur;  sed  non  statim 
a  tormentis  incipiendum  est:  ideoque  prius 
argumentis  quaerendum  est  .    . 

c)  P.  5,  16,  1.  .  .  et  si  suspicione  aliqua 
reus  urgeatur,  adhibitis  tormentis  de  sociis 
et  sceloribus  suis  confiteri  compellitur. 

d)  P.  5,  16,  2.  Unius  facinoris  plurimi 
rei  ita  audiendi  sunt,  ut  ab  eo  primum  in- 
cipiatur,  qui  timidior  et  tenerae  aetatis  esse 
videatur. 

e)  P.  1,  12,  4.  Praegnantes  neque  tör- 
queri,  .  .  nisi  post  editum  partum  possunt. 

P.  1,  12,  5.     Qui  de  se  confessus  est,  in 


tore  poenae  subiacuerint,  etiamsi  consentient 
partes,  abolitio  a  iudicibus  denegetur  ,  . 


,  .  ludices  (autem)  paniendi  sunt  et  dam- 
nandum  officium,  si  fortasse  tacuerint,  si 
innocentes  nisi  praemissa  inscriptione  sub- 
dendum  crediderint  quaestioni. 


622 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  31,  2 

N.  Mai. 
1,  1,10 


nicht  gefoltert  werden,  damit  nicht  derjenige,  welcher  an  seinem  Heil  ver- 
zweifelt hat,  fremdes  gefährdet. 

c.  11,14,5  f)  Presbyter  können  ohne  die  Unbill  der  peinlichen  Frage,  das  will  sagen,  ohne 
körperliche  Pein,  Zeugnis  ablegen.  Wenn  aber  andere  Kleriker,  die  dem 
Ordo  derselben  folgen,  zur  Abgabe  eines  Zeugnisses  herbeigerufen  gewesen 
sein  werden,  sollen  sie,  wie  die  Gesetze  es  vorschreiben,  vernommen  w^erden. 
g)  Wird  mit  Bezug  auf  eine  Person,  die  der  Maiestas  angeschuldigt  ist,  die 
Quaestio  abgehalten,  so  wird  keine  Dignität  von  den  Foltern  ausgenommen. 
Für  die  Kurialen  ist  Sorge  getragen,  dass  nicht  entweder  diejenigen,  welche 
zur  Kurie  zurückgerufen  werden,  oder  jene,  die  eines  schweren  Verbrechens 
angeschuldigt  werden,  so  leichthin  Foltern  erdulden  sollen:  vielmehr  sollen 
sie  unter  Bürgenhaft  an  die  Potestas  dignissima  überwiesen  werden,    damit 

c.  9, 15, 1  diese  über  ihre  Handlungen  ein  Urteil  sprechen  könne.^    ^  Wenn  ein  Kuriale 

den  Willen  eines  Sterbenden  oder  eine  beliebige  öffentliche  Urkunde  ge- 
schrieben haben  und  wegen  Fälschung  angeklagt  wird,  soll  er,  indem 
zunächst  die  Dignität  bei  Seite  gesetzt  wird,  falls  es  nötig  gewesen  sein 
wird,  dem  Examen  überliefert  werden.  Hingegen  soll  ein  Tabellio,  mag  er 
auch  zur  Dignität  der  Kurie  gelangt  sein,  sobald  er  der  Fälschung  an- 
geklagt oder  überführt  gewiesen  sein  wird,  dem  Examen  unterworfen  werden, 
damit  durch  denjenigen,  der  sie  abgefasst  hat,  die  Echtheit  der  Urkunde 
erwiesen  werde.'^ 


1)  Vgl.  S.  590  Aum.  1. 


2)  Vgl.  §  5,  1  ß,  b. 


alium  torqueri  Don  potest,  ne  alienam  saki- 
tem  in  dubium  deducat,  qui  de  sua  despera- 
vit. 

f)  C.  11,  14,  5.  Presbyteri  citra  iniuriam 
quaestionis  testimonium  dicant,  itatamen,  ut 
falsa  simulent.  Ceteri  vero  clerici,  qui  eorum 
gradum  vel  ordinem  consequuntur,  si  ad  testi- 
monium dicendum  petiti  fuerint,  prout  leges 
praecipiunt,  audiantur  .  . 

g)  P.  5,  31,  2.  In  reum  maiestatis  .  . 
quum  de  eo  quaeritur,  nuUa  dignitas  a  tor- 
mentis  excipitur. 

N.  Mai.  1,  1,  10.  Inter  quae  iustum  est, 
ut  his,  quos  reduci  volumus,  consulamus,  ne 
iniuriis  corporalibus  pro  civilis  plerumque 
iudicis  commotione  subdantur.  Unde  quo- 
ties  aut  culpa  gravis  aut  aliquod  curialis 
crimen  arguitur,  sciant  iudices,  eo  sub  fide- 
iussione  ordinis  constituto,  ad  magnificos 
viros  praefectos  praetorio  esse  referendum, 
ut  in  ipsorum  sit  arbitrio  constitutum,  qua- 
liter,  quod  admissum  probabitur,  vindicetur. 

C.  9,  15,  1.  Si  quis  decurio  testamentum 
vel  codicillos  aut  aliquam  deficientis  scrip- 
serit  voluntatem,   vel  conscribendis  publicis 


Presbyteri  citra  iniuriam  quaestionis,  id 
est  sine  supplicio  corporali  possunt  testimo- 
nium dicere.  Alii  vero  clerici,  qui  eorum 
ordinem  sequuntur,  si  ad  testimonium  dicen- 
dum adhibiti  fuerint,  sicut  leges  praecipiunt, 
audiantur  .  . 


(Nam  et)  hoc  curialibus  (voluit)  esse  con- 
sultum,  ne  aut  hi,  qui  revocantur  ad  curiam, 
aut  illi,  qui  in  gravi  culpa  tenentur  obnoxü, 
tam  facile  tormenta  sustineant,  nisi  ad  pcte- 
statem  dignissimam  sub  fideiussionis  vinculo 
dirigantur,  ut  ipse  de  eorum  factis  possit 
ferre  sententiam. 


Si  quis  curialis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
et    de   falsitate  accusatur,  seposita  primitus 


Beweis  §  13. 


623 


Bei  der  Bestrafung  der  Kurialen  müssen  die  ludices  eine  gewisse    c.  12,1,5 
Nachsicht  in  Acht  nehmen,  dass  sie  nicht  leichthin  gegen  den  Körper, 
bez.  das  Bhit  der  Kurialen  zu  wüten  sich  anmassen  sollen, 
h)  ^Nachdem  der  Judex  entfernt  gewesen  sein  wird,  soll  derjenige,  welcher  das    c.  1,11,2 
Officium   eines  Consiharius,  oder  Domesticus,  verwaltet  hat,    während  eines 
Zeitraums    von   drei    Jahren    unter  einem    andern  Judex   aus    der   Provinz 
sich    nicht   entfernen,    damit    er,    wenn    Jemand    als    Ankläger    aufgetreten 
sein  Avird,   den  Anklägern  Rechenschaft  ablege.     Wird  er    die  Handlungen 
des  Judex   irgendwie  haben    verheimlichen   wollen,    so   soll   er  der  Publica 
quaestio  überliefert  werden.^ 
i)  Gegen    das   Caput    des   Herren   können  Sklaven    weder   von   dem  Praeses,   p.  5,  is,  5 
noch  von  dem  Prokurator,  weder  in  Geld-  noch  in  Kapitalsachen  der  Frage 
unterworfen  werden.     Ein  gemeinschaftlicher  Sklave  kann   nicht  gegen   das   P.  5,  is,  e 
Caput  des  einen  Herrn  gefoltert  werden.     Hat  Jemand  einen  Sklaven  um   p.  5, 18, 7 
deswillen  erworben,  damit  er  nicht  gegen  ihn  gefoltert  werde,  so  wird  jener 
nach  Rückgabe    des   Preises    der  Frage    unterzogen    werden    können.     Ein    p.  5,  is,  8 


1)  Vgl.  S.  484  Anm.  3. 


privatisque  instrumentis  praebuerit  officium, 
si  falsi  quaestio  moveatur,  decurionatus  ho- 
nore  seposito,  quaestioni,  si  ita  poposcerit 
causa,  subdatur  .  .  Nee  vero  is,  qui  ante 
faerit  tabellio,  ad  eludendam  quaestionem 
super  bis,  quae  ante  conscripsit,  factus  de- 
curio  defendi  hac  poterit  dignitate,  quoniam 
scripturae  veritas,  si  res  poposcerit,  per 
ipsum  debet  probari  auctorem. 

C.  12,  1,  5.  Oppidaneis  ordinibus  con- 
sulentes  dudum  iussimus,  ab  iniuriis  corpo- 
ralibus  tutam  esse  debere  ordinis  dignita- 
tem  .  . 

b)  C.  1,  11,  2.  .  .  domestici  vel  cancel- 
larii  nomen  .  .  ut  post  depositam  admini- 
strationem  per  continuum  triennium  nee 
militiam  deserant,  et  provincialibus  praesen- 
tiam  sui  exhibeant,  quo  volentibus  sit  accu- 
sandi  eos  facilitas.  Si  enim  idonea  causa 
exegerit,  ad  detegenda  iudicis  flagitia  et 
quaestioni  eos  subdi  oportet. 

i)  P.  5,  18,  5.  Servi  in  caput  domini  ne- 
que  a  praeside,  neque  a  procuratore,  neque 
in  pecuniariis,  neque  in  capitalibus  causis 
interrogari  possunt. 

P.  5,  18,  6.  Communis  servus  in  caput 
alterius  ex  dominis  torqueri  non  potest. 

P.  5,  18,  7.  Qui  servum  ideo  comparavit, 
ne  in  se  torqueretur,  restituto  pretio  poterit 
interrogari. 

P.  5,  18,  8.     Servus  in  caput  eins  domini. 


dignitate,  si  necesse  fuerit,  subdatur  examini 
.  .  Tabellio  vero  .  .,  etiamsi  ad  curiae  per- 
venerit  dignitatem,  si  de  falsitate  accusatus 
fuerit  aut  convictus,  subdatur  examini,  ut 
per  ipsum,  per  quem  confecta  est,  scripturae 
veritas  approbetur. 


In  correctione  curialium  certam  patien- 
tiam  iudices  debent  retinere,  ut  in  corpore 
vel  in  sanguine  curialium  non  facile  audeant 
desaevire.  .  . 

.  .  ut  postquam  fuerit  iudex  (ille)  rerao- 
tus,  is  qui  consiiiarii  vel  domestici  gessit 
officium,  triennium  sub  alio  iudice  de  pro- 
vincia  non  discedat,  ut,  si  quis  accusator 
fortasse  exstiterit,  reddat  accusantibus  ra- 
tionem.  Et  si  forte  facta  iudicis  celare  us- 
quequaque  voluerit,  subdatur  publicae  quae- 
stioni. 


624 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5, 18,  9 


P.   1,  12,  3 


P.  5,  18,  3 


P.  5,  18, 10 


C.  9,  4,  3 


Sklave  kann  gegen  das  Caput  desjenigen  Herren,  von  dem  er  veräussert 
worden  ist,  und  dem  er  einmal  gedient  hat,  zum  Andenken  an  den  früheren 
Eigentümer  nicht  der  Frage  unterzogen  werden.  Wird  ein  Sklave  zu  dem 
Zwecke  freigelassen  gewesen  sein,  damit  er  nicht  gefoltert  werde,  so  kann 
nichtsdestoweniger  die  Folterung  mit  Bezug  auf  ihn  stattlinden. 

Gegen    das   Caput    des  Herrn    kann    ein  Sklave  nicht  der  Frage 
unterzogen  werden. 

k)  Fremde  Sklaven  können  gegen  das  Caput  eines  Andern  nur  einzeln  ge- 
gefoltert werden.  Es  ist  dies  nicht  wider  den  Willen  der  Herren  zu  ge- 
statten, es  sei  denn,  dass  der  Angeber,  der  ein  Interesse  hat,  dasjenige,  was 
er  behauptet,  zu  beweisen,  die  Preise  derselben,  nach  der  Schätzung  des 
Herrn,  zu  gewähren  oder  wenigstens  den  Schätzungswert  für  die  Ver- 
schlechterung der  Sklaven  zu  übernehmen  bereit  ist. 

1)  Wenn  ein  Räuber,  der  einer  Quaestio  unterworfen  worden  ist,  mit  Bezug 
auf  denjenigen,  welcher  ihn  selbst  zur  Quaestio  angeboten  hat,  ein  Ge- 
ständnis macht,  so  bestand  darüber  tlbereinstimmung,  dass  seinem  Ge- 
ständnis keine  Glaubwürdigkeit  beizumessen  ist,  es  lasse  sich  denn  durch 
evidente  Thatsachen  nachw^eisen,  dass  jener  ihn  der  Quaestio  angeboten 
habe,   um  seine  Mitwissenschaft  zu  decken. 

m)  Wegen    Ehebruchs    der    Ehefrauen    ist     den    Männern    gestattet,    mittels 


a  quo  distractus  est,  cuique  aliquando  servivit, 
in  memoriam  prioris  domini  interrogari  non 
potest. 

P.  5,  18,  9.  Si  servus  ad  hoc  fuerit  ma- 
numissus,  ne  torqueatur,  quaestio  de  eo  ni- 
hilominus  haberi  potest. 

P.  1,  12,  3.  In  Caput  domini  (patronive) 
nee  servus  .  .  interrogari  potest. 

k)  P.  5,  18,  3.  Servi  alieni  in  alterius 
Caput  non  nisi  singuli  torqueri  possunt.  Et 
hoc  invito  domino  non  est  permittendum, 
nisi  delator,  cuius  interest,  quod  intendit 
probare,  pretia  eorum,  quanti  dominus  taxa- 
verit,  inferre  sit  paratus  vel  certe  deterioris 
facti  servi  subire  taxationem. 

1)  P.  5,  18,  10.  Quaestioni  eins  latronis, 
quem  quis  obtulit,  cum  de  eo  confiteretur, 
fidem  accommodari  non  convenit:  nisi  id 
forte  velandae  conscientiae  suae  gratia,  quam 
cum  reo  habuit,  fecisse  doceatur. 

m)  C.  9,  4,  3.  In  adulterii  quaestione  ab 
omni  familia,  non  solum  mariti,  sed  etiam 
uxoris,  quae  tamen  tunc  temporis  domi  fu- 
erit, quo  adulterium  dicatur  admissum,  quae- 
rendum  est  sine  defensione  cuiusquam.  Idem 
volumus,  et  si  forte  mulier  marito  mortis 
parasse  insidias  vel  quolibet  alio  genere  vo- 


Si  latro  quaestioni  subditus  de  eo,  qui 
ipsum  quaestioni  obtulit,  confiteatur,  cre- 
dulitatem  confessioni  eins  non  convenit  ad- 
hiiberi:  nisi  forte  ad  protegendam  conscien- 
tiam  suam  eum  quaestioni  obtulisse  rebus 
evidentibus  approbetur. 

De  adulterio  uxorum  mariti  per  tormenta 
familiae  utriusque,  hoc  est  suae  et  uxons 
quaerere  permittuntur ;  si  tamen  illo  tempore, 
quo  admissum  dicitur,  haec  ipsa  mancipia 
praesentia  aut  in  eadem  domo  fuisse  pro- 
bantur.  Similiter  et  si  mortem  sibi  ab  uxore 
adultera  maritus  paratam  fuisse  conqueratur, 


Urteil  und  Exekution  §  14. 


625 


Folterungen  der  beiderseitigen  Familia,  das  will  sagen,  der  eigenen  und  der- 
jenigen der  Ehefrau,  die  Quaestio  zu  veranstalten,  vorausgesetzt  jedoch,  dass 
zu  der  Zeit,  dass  er  angeblich  begangen  ist,  eben  diese  Sklaven  nachweis- 
lich gegenwärtig  oder  in  demselben  Hause  gewesen  sind.  In  gleichen  ist  es 
auch,  weini  der  Gatte  sich  beschwert,  dass  ihm  von  seiner  ehebrecherischen 
Frau  nach  dem  Leben  getrachtet  gewesen  sei,  gestattet,  unter  Vornahme 
beider  Sklavenfamilien  die  peinliche  Frage  zu  stellen;  ingleichen  ist  auch 
durch  Bestrafung  beider  Familiae  zu  inquirieren,  ob  der  Gatte  der  Frau  in 
irgendwelcher  Weise  nach  dem  Leben  getrachtet  haben  wird, 
n)  ^  Durch  die  Lex  lulia  ist  verordnet  worden,  dass  ein  jeder  Judex  wegen  öffent- 
licher Gewaltthätigkeit  verurteilt  wird,  der  eine  Person,  es  sei  eine  frei- 
geborene, es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie  appel- 
liert, um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  gefoltert  haben 
wird.  Aus  diesem  Grunde  werden  Personen  niederen  Standes  durch  eine 
kapitale  Verurteilung  gestraft,  besseren  Standes  auf  eine  Insel  relegiert. 
Es  ist  jedoch  vorgeschrieben  worden,  dass  sie,  obgleich  sie  an  den  Princeps 
appelliert  haben  werden,  gefoltert  werden  können,  falls  welche  auf  dem 
Theater  Personen  beleidigt  haben  werden.^ 


5,  28, 
U.  2 


D)  Urteil  und  Exekution  §  14. 

1)  Urteil. 

a)  Niemand  kann  abwesend  kapital  verurteilt  werden.  p.  5,37,1 

In  einer  Kapitalsache  wird  Niemand  in  Abwesenheit  verurteilt.        p.  5^  5^  y 

b)  Ein  Judex,   der  die  Untersuchung  gegen  einen  Angeschuldigten  führt,    soll   c.  9, 30, 1 
nicht    eher    ein   Kapitalurteil   fällen,    als   bis   der   Angeschuldigte   entweder 


1)  Vgl.  §  8,  2  a. 


luntatem  occiclendi  habuisse  inveniatur.  Pa- 
rem  etiam  conditionem  in  interrogatione 
mancipiovum  sevvari  volumus,  si  forte  mari- 
tus  eo  modo  insectetur  uxorem. 

n)  P.  5,  28, 1  u.  2.  Lege  lulia  de  vi  publica 
damnatur,  qui  aliqua  potestate  praeditus, 
civem  Romanum,  antea  ad  populum,  nunc 
ad  imperatorem,  appellantem  .  .  torserit  .  . 
Cuius  rei  poena  in  humiliores  capitis,  in 
honestiores  insulae  deportatione  coercetur. 
Hac  lege  excipiuntur,  qui  artem  ludicram  fa- 
ciunt  .  . 

1)  a)  P.  5,  37,  1.     .  ,  nemo   (onim)  absens 
.  .  potest  (aut)  damnari. 

P.  5,  5,  9.  In  causa  capitali  absens  nemo 
damnatur  .  . 

b)  C.  9,  30,  1.  Qui  sententiam  laturus 
est,  temperamentum  hoc  teneat,  ut  non  prius 
capitalem   in  quempiam   promat  severamque 

Conrat,  Breviarium. 


utriusque  familiae  discussione  quaeri  licet. 
Similiter  etiam  familiae  utriusque  poena 
quaerendum  est,  si  maritus  mortem  uxori 
qualibet  ratione  paraverit. 

Lege  lulia  decretum  est,  ut  pro  violentia 
publica  damnetur,  quicunque  iudex  appel- 
lantem, ut  ad  principis  praesentiara  ducatur, 
ingenuum  hominem  vel  civem  Romanum  fac- 
tum torserit  .  .  Sed  .  .  praeceptum  est,  eti- 
amsi  ad  principem  appellaverint,  posse  tor- 
queri .  .,  si  quos  in  ludicra  arte  offenderint .  . 


nemo  absens  (aut)  capite  damnari  po- 


test 


Iudex  criminosum  discutiens  non  ante 
sententiam  proferat  capitalem,  quam  aut  reus 
ipse  fateatur,  aut  convictus  aut  per  innoccn- 

40 


626 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5, 18,  13 


C.  2.  1,  8 


C.  11,  11,  1 


C.  9,  31,  1 
pr.  1 


selbst  ein  Geständnis  ablegt  oder,  es  sei  durch  unschuldige  Zeugen,  es  sei 
durch  Mitwisser  seines  Verbrechens  überführt,  entweder  einen  Totschlag 
oder  einen  Ehebruch  oder  ein  Maleficium  verübt  zu  haben  offensichtlich 
überführt  wird>  Gegen  den  Angeklagten,  der  der  Wahrheit  eines  zur  Last 
gelegten  Verbrechens  überführt  wird,  sei  es  dass  er  gefoltert  werden  kann, 
sei  es  dass  er  es  nicht  kann,  wird  der  Judex,  was  ihm  gut  geschienen  ge- 
habt haben  wird,  urteilen. 

c)  Vor  den  Rector  provinciae  soll  derjenige  kriminelle  Handel  gelangen,  wo  eine 
grössere  Sache  in  Betracht  kommt,  die  nicht  anders  als  von  dem  Ordinarius 
iudex,   nach  Verlesung  des  Gesetzesinhalts,  beendet  werden  darf.^ 

d)  Wegen  grosser  Verbrechen  und  höhergestellter  Personen  ist  zur  Kognition 
an  den  Princeps  zu  berichten.^ 

aa)  Keiner  der  ludices  soll  Privatvermögen  für  den  Piskus  zu  proskribieren 
oder  zu  okkupieren  sich  anmassen:  sie  sollen  vielmehr  die  Sache,  um 
derenwillen  irgend  Jemand  es  verdient,  an  die  Herren  der  Dinge  be- 
richten, und  was  angeordnet  gewesen  sein  wird,  muss  dann  beobachtet 
werden.*-  ^ 


1)  Vgl.  S.  618  Anm.  1.  2)  Vgl.  S.  476  Anm.  1. 

3)  Vgl.  S.  630  Anm.  4. 

4)  T  führt  aus,  dass  kein  Judex,  mit  Ausnahme  derjenigen,  welche  sich  in  der  höchsten 
Potestas  administrationis  befinden  und  das  Recht,  dem  Angeschuldigten  das  Leben  zu 
nehmen,  erzielt  haben,  sich  anmassen  solle,  über  Jemanden  ohne  Befragung  des  Kaisers  die 
Proskription  zu  verhängen.  Vielmehr  gebühren  dem  Kaiser  Simulationum  genera,  quaestionis 
ordo,  criminum  moles,  documentorum  probationumque  pensanda  libramenta,  dagegen  keinem 
Provinzialstatthalter  das  Recht,  Konfiskation  zu  verhängen. 

5)  T  fügt  hinzu  (§  2),  sie  sollten  das  lus  gladii  et  severitatis  gegen  diejenigen  aus- 
üben, gegen  welche  die  Schwertstrafe  unverzüglich  auszusprechen  die  Gesetze  vorschreiben 


sententiam,  quam  in  adulterii  vel  homicidii 
vel  maleficii  crimine  aut  sua  confessione 
aut  certe  omnium,  qui  tormentis  vel  interro- 
gationibus  fuerint  dediti,  in  unum  conspiran- 
tem  concordantemque  rei  finem  convictus  sit 
et  sie  in  obiecto  flagitio  deprehensus,  ut  vix 
etiam  ipse  ea,  quae  commiserit,  negare  suf- 
ficiat. 

P.  5,  18,  13.  In  convictum  reum,  sive 
torqueri  possit,  sive  non  possit,  pro  modo 
admissi  sceleris  statuendum  est. 


c) 


d) 


aa)  C.  9,  81,   1  pr.  1.     Nulli  iudicum,  ex- 


tes  testes  vel  per  conscios  criminis  sui  aut 
homicidium  aut  adulterium  aut  maleficium 
commisisse  manifestius  convincatur. 


In  eum  reum ,  qui  de  obiecti  criminis 
veritate  convincitur,  sive  torqueri  possit,  sive 
non  possit,  iudex,  quod  ei  visum  fuerit,  iu- 
dicabit. 

C.  2,  1,  8.  .  .  Ad  rectorem  (vero)  pro- 
vinciae illud  negotium  criminale  perveniat, 
ubi  .  .  maior  causa  est,  quae  non  nisi  ab 
ordinario  iudice,  recitata  legis  sententia  de- 
beat  terminari  .  . 

C.  11,  11,  1.  .  .  de  magnis  criminibus 
et  maioribus  personis  ad  principis  est  noti- 
tiam  deferendum. 

NuUus   iudicum    privatas    facultates   fisei 


Urteil  und  Exekution  §  14. 


62- 


Die  Offizialen    aller  ludices   sollen   nicht  wagen,  käuflich  zu  sein.   c.  i,  6,  i 
Werden    sie   haben    räuberisch    sein    wollen,    so   sollen    sie    mit    dem 
Schwerte    gestraft  werden,    oder  soll    ihre  Raubgier   zum   Gehör    der 
Herren  gebracht  werden.^ 

bb)  Werden    etwa    irgendwelche    höhergestellte    Personen    oder    Männer  c.  9,  so,  2 
von    irgendwelcher    Dignität    wegen    eines   Verbrechens    zur  Verant- 
wortung  gerufen,   so  hat  der   Judex    an    die    Herren    der    Dinge   zu 
berichten,  damit  mit  Bezug  auf  Personen  dieser  Art  die  gerechte  Vor- 
schrift der  Herren  festsetze,  was  zu  geschehen  habe.^  • 

2)  Exekution. 

a)  Wenn  der  Princeps  durch  die  schwere  Anklage  einer  beliebigen  Person  be-   c.  9, 30,  3 
wogen  Jemanden  zu  töten  befohlen  haben  wird,  soll  nicht  unverzüglich,  was 


und  ein  Verzug  in  der  Verhängung"  des  Supplicium  gefährlich  sei  (In  illos  gladii  sui  et  ius 
severitatis  exerceant,  in  quos  statim  destringi  ferrum  iura  praecipiunt,  quorumque  dififerri 
supplicium  materia  est  interitus  plurimorum). 

1)  Vgl.  Erstes  Buch  §1,5  [i,  a. 

2)  T  sagt,  dass,  so  oft  gegen  Männer  senatorischen  Standes  nach  Art  ihres  Ver- 
brechens eine  strengere  Ahndung  zu  geschehen  habe,  die  Arbitria  des  Kaisers  zu  erforschen 
seien,  damit  er,  rerum  atque  gestorum  tenore  comperto,  die  entsprechende  Sentenz  fälle. 


ceptis  his,  qui  in  summa  administrationis 
sunt  positi  potestate,  vitae  quoque  noxiis 
ius  adiraendae  sortiti  sunt,  quemquam  om- 
nino  inconsulta  nostra  dementia  in  ullo  ge- 
nere  criminationis  tristi  liceat  proscriptionis 
tempestate  percellere.  Ad  nos  simulationum 
genera,  quaestionis  ordo,  criminum  moles, 
documentorum  probationumque  pensanda 
libramenta  mittantur.  Nemo  sibi  praesumat 
moderatorum  provinciarumque  rectorum,  sub 
quibuscunque  infulis  potestatis,  quemqaam 
patrimonii  universis  privare  subsidiis. 

C.  1,  6,  1.  Cessent  iam  nunc  rapaces  of- 
ficialium  manus  .  .  Qui  si  de  civilibus  causis 
quicquam  putaverint  esse  poscendum,  . .  super 
eodem  conquerendi  vocem  omnibus  aperimus 
apud  comites  eunctos  provinciarum  aut  apud 
praefectum  praetorio,  si  magis  fuerit  in  vi- 
cino,  ut  his  referentibus  edocti,  super  talibus 
latrociniis  supplicia  proferamus. 

bb)  C.  9,  30,  2.  Quoties  in  senatorii  or- 
dinis  viros  pro  qualitate  peccati  austerior 
fuerit  ultio  proferenda,  nostra  potissimum 
explorentur  arbitria,  quo  rerum  atque  gesto- 
rum tenore  comperto,  eam  formam  statuere 
possimus,  quam  modus  facti  contemplatioque 
dictaverit. 

2)  a)  C.  9,  30,  3.     Si  vindicari  in  aliquos 
severius,  contra  nostram  consuetudinem,  pro 


nomine  proscribere  aut  occupare  praesumat, 
sed  ad  rerum  dominos  referat  causam,  pro 
qua  hoc  aliquis  mereatur,  et  quod  iussum 
fuerit,  observetur. 


Officiales  omnium  iudicum  venales  esse 
non  audeant  .  .  Quod  si  rapaces  esse  volu- 
erint,  gladio  puniantur,  aut  certe  de  eorum 
rapacitate  dominicis  auribus  referatur. 


Si  quando  aliquae  maiores  personae  aut 
alicuius  dignitatis  viri  vocantur  in  crimen, 
iudex  ad  rerum  dominos  referat,  ut  de  huius 
modi  personis  quid  fieri  debeat,  dominorum 
praeceptio  iusta  constituat. 


Si  princeps  cuiuscunque  gravi  accusatione 
commotus  quemquam  occidi  praeceperit,  non 

40* 


628 


öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  1,  12,  4 


von   dem   erzürnten  Princeps   geheissen   worden  ist,   seitens  der  Indices  zur 
Ausführung    gebracht   werden:    vielmehr   soll    derjenige,   dessen   Bestrafung 
angeordnet   worden   ist,    dreissig  Tage    geschont  werden,    bis  die  neben  der 
Gerechtigkeit  einherschreitende  Milde  der  Herren  zu  Hilfe  kommt.^ 
b)  Frauen  können  erst  nach  ihrer  Niederkunft  gestraft  werden. 


N.V.  3,  1, 
1—3 


E)  Yerfahren  vor  dem  Kaiser  §  15. 

a)  ^Wenn  Jemand  an  den  Princeps  sich  gewendet  haben  wird,  mit  der  An- 
gabe, dass  er  infolge  eines  Zufalls  einen  Totschlag  verübt  habe,  und  dass 
der  Totschlag  von  ihm  nicht  absichtlich  verübt  gewesen  sei,  muss  dieses, 
auch  wenn  er  mittels  Supplikation  von  den  Herren  der  Dinge  Verzeihung 
wird  haben  erzielen  können,  von  selten  des  Rector  provinciae,  wo  jener 
Zufall  sich  zugetragen  hat,  genau  erforscht  werden.  Wird  die  Suggestio  des 
Supplikanten  richtig  gewesen  sein,  so  soll  er  sich  der  erzielten  Verzeihung 
erfreuen.     Wird   er   hingegen    nach    stattgehabter   Untersuchung    überführt 


1)  T  spricht  von  einem  Contra  nostram  consuetudinem  strengen  urteil  und  von  der 
Suspension  der  Status  und  Vermögen  bedrohenden  Strafe.  Zum  Schluss  ist  hinzugefügt: 
Reos  sane  accipiat  vinciatque  custodia,  et  excubiis  solertibus  vigilanter  observet. 


causae  intuitu  iusserimus,  nolumus  statim 
eos  aut  subire  poenam,  aut  excipere  senten- 
tiam,  sed  per  dies  XXX  super  statu  eorum 
sors  et  fortuna  suspensa  sit  .  . 

b)  P.    1,    12,    4.     Praegnantes   .  .  neque 
damnari,  nisi  post  editum   partum  possunt. 

§  15)  a)  N.V.  3,  1,  1—3.  .  .  sancimus,  ut 
homicidii,  quod  tarnen  casibus  imputaverit 
confessio  supplicantis,  non  aliter  indulgentia, 
nisi  nostri  numinis  annotatione  praestetur, 
quoniam  rariora  erunt  facinora  sub  nostrum 
Ventura  iudicium,  nee  ulla  nisi  discussis  re- 
bus venia  continget.  Postquam  tarnen  ad 
cuiuscunque  cognitoris  tribunal  annotatio 
nostra  pervenerit,  examinari  fidem  precum 
diligenter  iubemus,  ut,  si  homicidium  vel  casu 
vel  vitandae  mortis  necessitate  constiterit 
admissum,  venia  tribuatur  orantibus.  Depre- 
hensos  vero  in  mendaciis  illico  poenaperceilat. 
His  enim  tantum  volumus  ignosci,  in  quornm 
lapsibus  sola  potest  fortuna  culpari.  Ho- 
micidas  autem  in  hominum  caedem  nefaria 
voluntate  grassatos  aliorumve  capitalium  cri- 
minum reos  nee  per  annotationes  nostras  li- 
cebit  absolvi.  Vir  spectabilis  magister  scrinii, 
qui  interdicta  supplicantibus  responsa  prae- 
buerit,  quinque  librarum  auri  mulctam  sacro 
aerario  nostro  cogatur  inferre.  Memorialis 
quoque  cuiuslibet  scrinii,  qui  adversus  vetita 


statim  a  iudicibus,  quae  ab  irato  principe 
iussa  sunt,  compleantur,  sed  triginta  diebus, 
qui  puniri  iussus  est,  reservetur,  donec  pietas 
dominorum  iustitiae  amica  subveniat. 


(Lex  ista  praecipit,)  ut,  si  quis  ad  prin- 
cipem  convolaverit,  asserens  se  casu  homi- 
cidium perpetrasse,  non  voluntarie  a  se  ho- 
micidium fuisse  commissum,  et  si  per  suppli- 
cationem  a  rerum  dominis  veniam  potuerit 
impetrare,  a  rectore  provinciae,  ubi  casus 
iste  commissus  est,  id  specialiter  debet  in- 
quiri  et  si  certa  fuerit  suggestio  supplicantis, 
veniam  mereatur  obtentam.  Ceterum  si  vo- 
luntarie liabita  discussione  convictus  fuerit 
homicidium  commisisse,  eandem  poenam  ex- 
cipiat,  quae  de  homicidiis  legibus  habetur 
expressa;  impetrata  non  valeant,  et  capitali 
sententia  feriatur  .  . 


Rechtsmittel  §  16. 


629 


gewesen  sein^  aus  freien  Stücken  die  Tötung  verübt  zu  haben,  so  soll  er  die 
gleiche  Strafe  erleiden,  die  sich  in  den  Gesetzen  wegen  Tötungen  ausgesprochen 
findet,  das  Erzielte  keine  Giltigkeit  haben,  und  er  von  einem  Kapitalurteile 
betroffen  werden.  Der  Yir  spectabilis  Magister  scrinii,  der  den  Sup})li- 
zierenden  verbotene  Bescheide  erteilt  haben  wird,  soll  gezwungen  werden, 
eine  Strafe  von  fünf  Pfund  Gold  an  unser  Sacrum  aerarium  abzuführen. 
Auch  der  Memorialis  von  irgendwelchem  Scrinium,  der  gegen  das  Verbot  ein 
Reskript  vollzogen  gehabt  haben  wird,  soll  der  Militia  beraubt  werden  und 
mit  Relegation  für  einen  Zeitraum  von  fünf  Jahren  büssen.  Denn  Avenn 
es  nicht  erlaubt  ist,  sei  es  auch  mittels  unserer  Annotationes,  die  Schuldigen 
zu  belohnen,  so  verbieten  w^ir  umsomehr,  es  mittels  blosser  Reskripte  durch- 
zusetzen.^ 


III.  Rechtsmittel  und  Gnadenakt. 

A)  Rechtsmittel  §  16. 

1)  Appellation. 

a)  Auch  in  Kriminalprozessen,  w^o  das  Leben  beider  Parteien  gefährdet  wird,   c.  n,  8, 3 
soll  es  gestattet  sein  zu  appellieren  und  die  Stimme  der  Appellation  dem- 
jenigen nicht  versagt  werden,  welchen  das  Urteil  dem  Supplicium  überwiesen 
haben  wird. 

b)  Bei  leichteren  Vergehen,  die  sich  in  den  Leges  nicht  aufgenommen  finden,  ist  c.  ii,ii,i 
der  nach  den  Gesetzen  für  die  Appellation  bestimmte  Aufschub  zu  gewähren 


1)  Vgl.  §  1,  4  a. 


rescriptum  fuerit  exsecutus,  spoliatus  militia 
quinquenni  velegatione  plectatur.  Quod  enim 
fas  non  est  vel  per  annotationes  nostras  no- 
centes  mereri,  multo  magis  vetamus  rescrip- 
tis  simplicibus  impetrare  .  . 

1)  a)  C.  11,  8,  3.  ludices  (cum)  in  (civi- 
libus)  causis  .  .  criminalibus,  in  quibus  vitae 
hominum  salutisque  quodammodo  fata  trac- 
tantur,  appellationes  admittant,  nee  dene- 
gent  vocem  in  supplicium  sententia  desti- 
natis. 

b)  C.  11,  11,  1.  Moratorias  dilationes 
frustiatoriasque  non  tarn  appellationes  quam 
ludificationes  admitti  non  convenit.  Nam 
sicut  bene  appellantibus  negari  auxilium  non 
oportet,  ita  his,  contra  quos  merito  iudi- 
catum  est,  inaniter  provocantibus  differri 
bene  gesta  non  decet.  Unde  quum  homicidam 
vel  adulterum  vel  maleficum  vel  veneficum, 
quae  atrocissima  crimina  sunt,  confessio  pro- 
pria   vel    dilucida    et    probatissima   veritatis 


(Lex  ista  hoc  praecipit,)  ut  etiam  in  cri- 
minalibus causis,  ubi  vita  utriusque  partis 
in  dubium  devocatur,  liceat  appellari,  nee 
appellandi  vox  denegetur  ei,  quem  in  suppli- 
cium sententia  destinarit. 

In  .  .  levioribus  criminibus,  quae  legibus 
non  tenentur  inserta,  appellationi  constituta 
legibus  dilatio  praestanda  est,  et  suspendenda 
est  per  appellationem  sententia  iudicantis. 
At  vero  homicidis,  adulteris  et  reliquis,  quos 
lex  ista  comprehendit,  si  convicti  confessique 
fuerint  et  appellare  voluerint,  dilatio  dene- 
getur, sed  statin!  in  manifestis  criminibus 
convicti  iudicis  est  sententia  proferenda  .  . 


630 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


und  das  Erkenntnis  des  Urteilenden  infolge  der  Appellation  zu  suspendieren.^ 
Hingegen  soll  Mördern,  Ehebrechern,  ^Malefici,  Giftmischern,^  wenn  sie  über- 
führt gewesen  sein  und  gestanden  gehabt  haben  werden  und  werden  haben 
appellieren  wollen,  der  Aufschub  verAveigert  werden:^  vielmehr  ist  unver- 
züglich bei  offenbaren  Verbrechen  des  Überführten  das  Urteil  des  Judex  zur 
Ausführung  zu  bringen.* 

c. 9, 19, 1,3        c)  Dem    überführten    Räuber    soll    zu    appellieren    nicht    gestattet    sein:    er 

soll   vielmehr  unverzüglich  schon  bei  den  Anfängen    der  Verhandlung  von 

c.  9, 7, 1  dem  Richter  gestraft  werden.^    Wer  bei  Gericht  des  offenbaren  Verbrechens 

der  Gewaltthätigkeit  überführt  worden  ist,  soll  nicht  das  Urteil  des  Judex, 

wenn    er   verurteilt  worden   ist,  mittels  beliebiger  Appellation   aufschieben.^ 

c.  11, 8,1  d)  ^Der  Appellant  darf  nicht  entweder  von  Gefängnishaft  oder  von  der  Be- 
rührung mit  irgendwelcher  Unbill  betroffen  werden:  abgerechnet  indessen 
Kriminalsachen,  bei  welchen  Ankläger  und  Angeklagten  mit  Bezug  auf  Strafe 


1)  Vgl.  S.  526  Anm.  1.    ■ 

2)  So  T,  während  J  spricht  von  Reliquis,  quos  lex  ista  comprehendit. 

3)  T  fügt  hinzu:  Qui  de  variis  litibus  causisque  dissentiunt,  nee  temere,  nee  ab  arti- 
culis  praeiudiciisque,  nee  ab  his,  quae  iuste  iudicata  sunt,  provocare  debebunt. 

4)  Hieran  schliesst  sich  der  §  14,  1  d  wiedergegebene  Satz  an.  T  sagt  hierzu,  dass, 
wenn  der  Angeklagte  bei  den  genannten  Verbrechen  Ex  testibus  quaestioneque  proposita 
einen  Teil  zu  seinen  Gunsten  ausdeuten  kann,  wegen  der  eingelegten  Appellation  die  Ent- 
scheidung dem  Kaiser  unterbreitet  werden  solle. 

5)  Vgl.  S.  545  Anm.  1.  6)  Vgl.  S.  541  Anm.  1. 


quaestio  probationibus  atque  argumentis  de- 
texerit,  provocationes  suscipi  non  oportet, 
quas  constat  non  refutandi  spem  habere, 
quae  gesta  sunt,  sed  ea  potius  differre  ten- 
tare  .  .  Quod  si  reus  in  homicidii  vel  male- 
ficii  vel  adulterii  vel  veneficii  crimine  par- 
tem  pro  defensione  sui  ex  testibus  quaestione- 
que proposita  possit  arripere,  parte  vero 
obrui  accusarique  videatur,  tunc  super  inter- 
posita  appellatione  ab  eodem,  qui  sibi  magis, 
quae  pro  se  faciant,  testimonia  prodesse  de- 
bere  affirmat,  quam  ea,  quae  adversus  ipsum 
egerint,  nocere,  deliberationi  nostrae  plenum 
arbitrium  relinquatur. 

c)  C.  9,  19,  1,  3.  Raptor  (autem)  indu- 
bitate  convictus  si  appellare  voluerit,  minime 
audiatur. 

C.  9,  7,  1.  Qui  in  iudicio  manifestam 
detegitur  commisisse  violentiam,  .  .  nee  inter- 
posita  provocatione  sententiam,  quae  in  eum 
fuerit  dicta,  suspendat  .  . 

d)  C.  11,  8,  1.  Minime  fas  est,  ut  in  ci- 
vili  negotio  libellis  appellatoriis  oblatis  aut 
carceris  cruciatus  aut  cuiuslibet  iniuriae  ge- 
nus  seu  tormenta  vel  etiam  contumelias  per- 
ferat  appellator;  absque  his  criminalibus 
causis,  in  quibus,  etiamsi  possunt  provocare, 


Raptori  convicto  appellare  non  liceat,  sed 
statim  inter  ipsa  discussionis  initia  a  iudice 
puniatur. 

Convictus  in  iudicio  de  evidenti  violen- 
tiae  crimine  .  .  nee  sententiam  iudicis  qui 
damnatus  est  qualibet  appellatione  suspen- 
dat .  . 

(Ista  lex  praecipit,)  non  debere  appellan- 
tem  aut  carceris  custodia  aut  cuiuslibet  in- 
iuriae afflictione  constringi,  exceptis  tarnen 
criminalibus  causis,  in  quibus  similis  accu- 
santem  et  accusatum  conditio  poenae  custo- 
diaeque   constringit:   et  eorum  appellationes 


Rechtsmittel  §  16. 


631 


und  Haft  das  gleiche  Los  trifft.  Appellationen  dieser  Personen  müssen  an- 
genommen werden,  jedoch  so,  dass  derjenige,  welcher  appelliert  hahen  wird,  in 
Haft  gehalten  wird,  bis  dass  die  zur  Last  gelegten  Verbrechen  vor  einen 
andern  Judex  gelangen,  damit  er,  nachdem  Alles  von  neuem  untersucht 
worden  ist,  entweder  eine  freisprechende  oder  eine  verurteilende  Endsentenz 
empfange.^-  ^ 

e)  Wenn   in    einer  Kapitalsache    appelliert  gewesen  sein  wird,  ist  nicht  durch  p-  s,  37, 1 
Prokuratoren,  sondern  in   Gegenwart  der  Parteien  zu  verhandeln. 

f)  ^ Durch  die  Lex  lulia  ist    verordnet    worden,    dass   ein   jeder  Judex  wegen   ^iu.^2^' 
öffentlicher  Gewaltthätigkeit    verurteilt    wird,    der  eine  Person,    es    sei    eine 
freigeborene,  es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie  appel- 

hert,  um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  getötet  oder 
zu  töten  gelieissen  oder  in  öffentliche  Fesseln  geschlossen  oder  mit  Geissein 
geschlagen  oder  zu  strafen  sich  angemasst  haben  wird.  Es  ist  jedoch 
vorgeschrieben  worden,  dass  sie,  obgleich  sie  an  den  Princeps  appelliert 
haben  werden,  gebüsst  werden  können,  falls  welche  durch  ein  Erkenntnis  ver- 
urteilt gewesen  sein,  oder  wegen  ihres  Verbrechens  ein  Geständnis  abgelegt 
gehabt  haben  werden,    und  wenn    welche   um   deswillen   in    ein   Gefängnis 


1)  T  sagt,  dass  in  einem  Civilhandel  libellis  appellatoriis  oblatis,  der  Appellant  weder 
Kerkerpein,  noch  irgendwelche  Unbill  oder  Foltern,  bez.  Beschimpfung,  erdulden  solle, 
abgerechnet  Kriminalsachen,  in  denen,  wenn  auch  Provokation  zulässig  sei,  die  Provokanten 
in  der  Haft  verbleiben. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  Provokationen  derjenigen  angenommen  worden,  die  sie  nicht 
gegen  ein  Praeiudicium  oder  auch  Ante  causam  examinatam  et  determinatam,  sondern 
üniverso  negotio  peremtoria  praescriptione  finito  vel  per  cuncta  membra  decurso  eingelegt 
haben  (Ea  custodita  moderatione,  ut  eorum  provocationes  rccipiantur,  qui  easdem  non  a 
praeiudicio  interposuisse  noscuntur  aut  etiam  ante  causam  examinatam  et  determinatam, 
sed  üniverso  negotio  peremtoria  praescriptione  finito  vel  per  cuncta  membra  decurso,  contra 
iudicem  interpositae  esse  noscantur). 


eum  tarnen  statum  debent  obtinere,  ut  post 
provocationem  in  custodia  perseverent  .  . 


e)  P.  5,  37,  1.  Meritum  appellationis  cau- 
sae  capitalis  .  .  non  nisi  per  nosmet  ipsos 
prosequi  possumus  .  . 

f)  P.  5,  28,  1  u.  2.  Lege  lulia  de  vi 
publica  damnatur,  qui  aliqua  potestate  prae- 
ditus,  civem  Romanum,  antea  ad  populum, 
nunc  ad  imperatorem,  appellantem  necarit 
necarive  iusserit,  (torserit,)  verberaverit,  con- 
denmaverit,  inve  publica  vincula  duci  ius- 
serit ,  .  Hac  lege  excipiuntur  .  .  iudicati 
etiam  et  confessi;  et  qui  ideo  in  carcerem 
duci  iubentur,  quod  ius  dicenti  non  obtem- 
peraverint  .  . 


(dicit)  debere  recipi,  sed  ita,  ut  qui  appeMa- 
verit,  in  custodia  teneatur,  quo  usque  ad 
alium  iudicem  crimina  obiecta  perveniant, 
ut  discussis  ad  integrum  Omnibus,  aut  de 
absolutione  aut  de  damnatione  accipiat  sen- 
tentiam   finitivam, 

Si  quando  in  causa  capitali  .  .  appella- 
tum  fuerit,  non  per  procuratores,  sed  ipsis 
praesentibus  est  agendum  .  . 

Lege  lulia  decretum  est,  ut  pro  violentia 
publica  damnotur,  quicunquo  iudex  appellan- 
tem, ut  ad  principis  praesentiam  ducatur,  inge- 
nuum  hominem  vel  civem  Romanum  factum 
(torserit,)  occiderit  vel  occidi  iusserit  vel  in 
vinculis  publicis  adstrinxerit  vel  llagellis  ce- 
ciderit  aut  damnare  praesumserit  .  .  Sed 
.  .  praeceptum  est,  etiamsi  ad  principem  ap- 
pellaverint,  posse  .  .  damnari,  si  .  .  iudicio 
fuerint  condemnati  aut  de  criminc  suo  con- 


G32 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


verbracht  werden,    weil   sie   nicht    den  Gesetzen   entsprechend  dem  Urteile 
des  Judex  werden  haben  gehorchen  wollen.^ 

2)  Wiederaufnahme. 

p.  5, 5, 10  a)  Ist  die  Überzeugung  des  Judex  durch  falsche  Instrumente  irregeleitet 
worden,  so  wird,  falls  das  bereits  gefällte  Urteil  zuvor  die  Begehung  des 
Verbrechens  festgestellt  haben  wird,  die  Erneuerung  dieser  Sache  mit  Grund 
verlangt. 


B)  Giiadenakt  §  17. 

c.  9, 28, 1  a)  Der  Tempelräuber,  der  Ehebrecher,  der  eines  Incests  Angeschuldigte,  der 
Entführer,  Grabschänder,  Giftmischer,  Maleficus,  Münzfälscher,  Mörder,  - 
soll  an  den  Ostertagen  keineswegs  freigelassen  werden.  Alle  übrigen,  welche 
die  Schuld  kleinerer  Sachen  verstrickt,  sollen  an  den  heiligen  Ostertagen 
entschieden  freigelassen  werden. 

p.  5, 19, 1       b)  Nach    einer    öffentlichen    Abolition    kann    der   Angeschuldigte    von    seinem 


1)  Vgl.  S.   579  Anm.  1. 

2j  T  fügt  noch  den  Majestätsverbrecher  hinzu. 


2)  a)  P.  5,  5,  10.  Falsis  instrumentis  re- 
ligione  iudicLs  circumducta,  si  iam  dicta  sen- 
tentia  prius  de  crimine  admisso  constiterit, 
eins  causae  instauratio  iure  deposcitur. 

§  16)  a)  C.  9,  28,  1.  Nemo  deinceps  tar- 
diores  fortassis  affatus  nostrae  perennitatis 
exspectet:  exsequantur  iudices,  quod  indul- 
gere  consuevimus.  übi  prirnum  dies  pascha- 
lis  exstiterit,  nullum  teneat  carcer  inclusum, 
omnium  vincula  solvantur.  Sed  ab  his  se- 
cernimus  eos,  quibus  contaminari  potius 
gaudia  laetitiamque  communem,  si  dimittan- 
tur,  advertimus.  Quis  enim  sacrilego  die- 
bus  sanctis  indulgeat?  quis  adultero  vel  in- 
cesti  reo  tempore  castitatis  ignoscat?  quis 
non  raptorem  in  summa  quiete  et  gaudio 
communi  persequatur  instantius?  NuUam  ac- 
cipiat  requiem  vinculorum,  qui  quiescere  se- 
pultos  quadam  sceleris  immanitate  non  sivit; 
patiatur  tormenta  veneficus,  maleficus  adul- 
teratorque  monetae;  homicida,  quod  fecit, 
semper  exspectet;  reus  etiam  maiestatis  de 
domino,  adversum  quem  talia  molitus  est, 
veniam  sperare  non  debet. 

b)  P.  5,  19,    1.     Post    abolitionem   publi- 


fessi:  et  si  qui  propter  hoc  in  carcerem  re- 
diguntur,  quia  secundum  leges  sententiae 
iudicis  parere   noluerint  .  . 


Sacrilegus,  adulter,  incesti  reus,  raptor, 
sepulcrorum  violator,  veneficus,  maleficus, 
adulterator  monetae,  homicida  diebus  paschae 
nuUatenus  absolvantur.  Reliqui  omnes,  quos 
rainorum  causarum  culpa  constringit,  diebus 
venerabilibus  paschae  specialiter  absolvantur. 


Gnadenakt  §  17. 


633 


Angeber  innerhalb  des  dreissigsten  Tages  wieder  vorgefordert  werden:  hernach 
kann  er  es  nicht. 

c)  Dass  Jemand    des  Rechts   weder  als  Suus   noch   als  Legitimus   heres   ver-   P-  4, 8, 5 
lustig  geht,  meinte  man,  auch  hinsichtlich  derjenigen,  die  auf  eine  Insel  depor- 
tiert werden  oder  Servi  poenae  geworden  sind,  gelten  lassen  zu  sollen,  wenn 

sie  in  Allem  durch  kaiserliche  Gnade  In  integrum  restituiert  werden.  Wenn  ^pr'.  u^.'-]' 
ein  Vater  in  das  Exil  geschickt  worden  ist,  wird  er,  sobald  er  zurückgekehrt 
sein  wird,  falls  er  das  Kind  lebend  angetroffen  haben  wird,  kraft  väterlicher 
Gewalt  das  Kind  in  seine  Macht  zuriickempfangen,  bez.  nach  seiner  Rück- 
kehr die  Kinder,  nach  Entfernung  der  Kuratoren,  bez.  Tutoren,  mit  dem 
ganzen  Vermögen  zurückempfangen.-'- 

d)  ^Es  geschieht  von  selten  von  Personen  zuweilen,  dass  sie,  der  Strenge  der   c.  3,  lo,  i 
Gesetze    uneingedenk,    bei    der   Majestät    des    Princeps    eine   Erschleichung 
versuchen  und  für  sich  aus  einer  Verfügung  Ehen  erstreben,  die  sie  zu  er- 
zielen  nicht   verdienen,   indem   sie   wegen  der  Zustimmung  der  Eltern,  bez. 

des  Mädchens,  unwahre  iVngaben  machen.  Jeder,  der  somit  unter  solcher 
Erschleichung  eine  Ehe  durchzusetzen  geglaubt  haben  wird,  möge  wissen, 
dass    er    sowohl    zum  Verlust  des  Vermögens   als   auch  zur  Relegation  ins 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  10,  2  b. 


cam    a    delatore    suo    reus   intra  tricesiinum 
diem  repeti  potest:  ])Ostea  non  potest. 

c)  P.  4,  8,  5.  (Ab  hostibus  captus)  neque 
sui,  neque  legitimi  heredis  ius  aniittit  (post- 
liminio  reversus).  Quod  et  circa  eos,  qui  in 
insulam  deportantur  vel  servi  poenae  efFecti 
sunt,  placuit  observari,  si  per  omnia  in  in- 
tegrum indulgentia  principali  restituantur. 

C.  9,  33,  1,  pr.  u.  2.  In  quaestione  testa- 
menti,  quod  deportati  filius  remeante  patre 
fecisset,  remotis  Ulpiani  atque  Pauli  notis. 
Papiniani  placet  valere  sententiam,  ut  in 
patris  sit  filius  potestate,  cui  dignitas  ac  bona 
restituta  sunt  .  .  Quibus  si  damnato  patre 
tutor  datus  est,  necesse  est,  ut  ab  officio  re- 
cedat,  regresso  eo,  quem  non  solum  nomine 
redire,  sed  etiam  officium  suum  nulla  pravi- 
tate  corruptum  liberis  praebere  oportet,  ut 
eorum  bona  tueatur  et  augeat  .  . 

d)  C.  3,  10,  1.  Quidam,  vetusti  iuris  or- 
dine  praetermisso,  obreptione  precum  nuptias, 
quas  se  inlelligunt  non  mereri ,  de  nobis 
aestimant  postulandas,  se  habere  puellae  con- 
sensum  confingentes  .  .  Si  quis  igitur  contra 
hanc  definitionem  nuptias  precum  surreptione 
meruerit,  amissionem  bonorum  et  poenam  de- 
portationis  subiturum  se  esse  non  arabigat, 
.  .  nee  unquam  postulatae  indulgentiae  an- 
notationisve    principis    indulto    etficacem    se 


,  ,  in  exsilium  missus  .  .  quum  redierit 
pater,  si  filium  vivum  invenerit,  filium  in  ius 
suum  paterna  potestate  recipiet .  .:  .  .  reversus 
pater  filios,  repulsis  curatoribus  vel  tutoribus, 
cum  omni  facultate  recipiet  .  . 


Fit  aliquoties  a  quibusdam,  ut  obliti  se- 
veritatem  legum,  obrepere  principis  audeant 
maiestati  et  coniugia  sibi  expetant  ex  prae- 
cepto,  quae  consequi  non  merentur,  ut  de 
consensu  parentum  vel  puellae  mentiantur  .  . 
Quicunque  ergo  sub  tali  obreptione  matri- 
monium  se  obtinere  putaverit,  et  amissione 
bonorum  et  exsilii  relegatione  se  noverit  esse 
damnandum  .  .:  nee  etiam  per  supplicati- 
onem  huius  praesumtionis  veniam  promereri. 


634 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  3, 16,  2 
pr. 


Exil  ZU  verurteilen  ist:  sie  erzielen  nicht  mittels  Supplik  Verzeihung  für  das 
Unterfangen.  Denjenigen  Personen,  welche  im  vierten  Grade  der  Herkunft  eine 
angemasste  Verbiudung  zusammengebracht  haben  wnxl,  was  dem  Schimpfe 
unterliegt,  wird  dennoch,  wenn  sie  eine  Supplik  eingereicht  haben  werden, 
Begnadigung  zu  teil.^  Wird  die  Frau  zuerst  dem  Manne  die  Scheidung 
bereitet  und  die  im  Gesetze  bezeichneten  Gründe  nicht  erwiesen  haben,  so 
soll  sie  unter  Relegation  in  das  Exil  nicht  die  Gelegenheit  besitzen,  zu  dem 
ihrigen  zurückzukehren.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  14,  2  d  u.  §  13,  2  d. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  15,  2  b. 


veniae  eö'ectum  meruisse:  exceptis  his,  quos 
consobrinorum,  hoc  est  quarti  gradus,  con- 
iunctionem  lex  triumphalis  memoriae  patris 
nostri,  exeruplo  indultorum,  supplicare  non 
vetavit  .  . 

C.  3,  16,  2  pr.  Mulier,  quae  repudii  a 
se  dati  oblatione  discesserit,  si  nullas  pro- 
baverit  divortii  sui  causas,  .  .  deportationis 
addicenda  suppliciis:  sui  .  .  postiiminii  ius 
nesramus  .  . 


His  vero,  quos  in  quartum  gradum  originis 
coniunctio  praesumtiva  copulaverit,  quia  no- 
tabilo  est,  tarnen  si  supplicaverint,  veniani 
relaxabit  .  . 

Si  mulier  prior  repudium  marito  intulerit 
et  statutas  lege  non  docuerit  causas,  .  .  ex- 
silio  relegata  nee  (nubendi)  locum  habeat 
(nee)  ad  propria  revertendi  .   . 


Drittes  Kapitel.    Die  Strafen. 

I.  Leibesstrafen  §  i8. 

1)  Schwere  Strafen, 
a)  Summa  supplicia. 

a)  Summa  supplicia  sind  das  Kreuz,  die  Verbrennung,  die  Enthauptung.  p.  5, 19,  2 

b)  Diejenigen,    welche   dem  Schwerte  überliefert  werden,    sind  innerhalb  eines  p.  5, 19, 2 
Jahres  abzuthun. 

j3)  Sonstige  Todesstrafe. 

a)  Wer  auch    immer  als  Angeber  in   einer   beliebigen  Sache   aufgetreten  sein   c.  10, 5,1 
w^ird,  soll,  nachdem  er  schon  bei  Begiim  seines  Verrats  von  dem  Judex  loci 
ergriffen  worden  ist,  unverzüglich    erdrosselt    werden:    von   Grund    aus    soll 

ihm  die  Zunge  ausgeschnitten  und  entfernt  werden. 

b)  Derjenige,  durch  dessen  Contubernium  eine  Kurialentochter  befleckt  gewesen 
sein  wird,  soll,  wenn  er  Sklave   gewesen  sein  wird,   ^ unter  Foltern  sterben.^ 

2)  Sonstige  Leibesstrafen, 
a)  Die  gemeinen  Strafen. 

a)  Die   Strafen  für  mittlere  Delikte   sind  Bergwerk,  Kampfspiel,  Deportation:   p.  5, 19, 2 
geringfügige  Strafen  sind  Relegation,  Exil,  öffentliche  Arbeit,  Fesseln. 


N.  Mai. 
1,  1,  5 


1)  Vgl.  S.  577  Anm.  3. 


1  a)  a)  P.  5,  19,  2.     Summa  supplicia  sunt 
crux,  crematio,  decollatio  .  . 

b)  P.  5,  19,  2.  .  .  Sane  qui  ad  gladium 
dantur,  intra  annum  consumendi  sunt. 

|i)  a)  C.  10,  5,  1.  .  .  delatorura  exse- 
cranda  pernicies  (,et)  inter  primos  conatus 
in  ipsis  faucibus  stranguletur,  et  amputata 
radicitus  invidiae  liogua  vellatur  .  . 

b)  N.  Mai.  1,  1,  5.  .  .  ille  (vero)  si  origi- 
Barius  erit,  qui  sibi  frustra  ac  temere  mariti 
nomen  contra  interdictum  legis  indident,  .  . 
si  famulus,  servilibus  poenis  peribit. 

2  a)  a)  P.  5,  19,2.    .  .  mcdiocrium  (autem) 
delictorum  poenae  hae  sunt:  metallum,  ludus, 


.  .  Quicunque  delator  cuiuslibet  rei  ex- 
stiterit,  in  ipso  proditionis  initio  a  iudice 
loci  correptus  continuo  stranguletur,  et  ei 
incisa  radicitus  lingua  tollatur  .  . 

.  .  nie  (vero),  cuius  contubernio  curialis 
filia  faerit  raaculata,  .  .  si  (vero)  servus  fu- 
erit,  inter  tormenta  deficiat. 


636 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  3,  9,  13 
G.  6,  1 


P.  3,  6,  2 


P.  5,  28, 
lu.2 


P.  5,  4,  20 


ß)  Dauernde  und  zeitige  Strafe. 

a)  Eine  Person  wird  aus  Anlass  der  Bergwerksstrafe  Servus  poenae.  Wenn 
der  Vater  in  das  Exil  geschickt  gewesen  sein  w^ird,  ist  er  ein  Mensch  pere- 
grinischen  Standes  geworden.  Ebenso  wird  ein  Kind,  wenn  es  bei  Leb- 
zeiten des  Vaters  in  das  Exil  geschickt  gewesen  sein  wird,  gleichfalls  pere- 
grinischen  Standes  geworden  erachtet. 

b)  Derjenige,  welcher  um  irgend  eines  Verbrechens  willen  auf  Zeit  entweder 
auf  eine  Insel  relegiert  oder  dem  Bergwerke  überwiesen  wird,  kann,  weil 
er  eine  dauernde  Verurteilung  nicht  erfährt,  sowohl  ein  Testament  machen 
als  auch,  wenn  ihm  Etwas  aus  dem  Testament  hinterlassen  gewesen  sein 
wird,  erzielen.^ 

y)  Besondere  Strafen. 

a)  ^  Durch  die  Lex  lulia  ist  verordnet  worden,  dass  ein  jeder  Judex  wegen 
öffentlicher  Gewaltthätigkeit  verurteilt  wird,  der  eine  Person,  es  sei  eine 
freigeborene,  es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie 
appelliert,  um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  mit 
Geissein  geschlagen  haben  wird.  Es  ist  jedoch  vorgeschrieben  worden,  dass 
sie,  obgleich  sie  an  den  Princeps  appelliert  haben  werden,  gebüsst  werden 
können,  falls  welche  durch  ein  Erkenntnis  verurteilt  gewesen  sein  oder 
wegen  ihres  Verbrechens  ein  Geständnis  abgelegt  gehabt  haben  werden.^  Ein 
Sklave,  der  eine  leichte  Beleidigung  oder  Beschimpfung  verübt  haben  wird, 


1)  Vgl.  S.  90  Aum.  2. 


2)  Vgl.  S.  579  Anm.  1. 


cleportatio:  minimae:  relegatio,  exsilium,  opus 
publicum,  vincula  .  . 


ß)  a)  P.  3,   9,  13. 


(si)    ex   causa    me- 


talli  servus  poenae  efficiatur 


b)  P.  3,  6,  2.  In  insulam  relegatus  et  in 
opus  publicum  ad  tempus  damnatus,  quia 
retinet  civitatem,  testamentum  facere  potest 
et  ex  testamento  capere. 

y)  a)  P.  5,  28,  1  u.  2.  Lege  lulia  de  vi 
publica  damnatur,  qui  aliqua  potestate  prae- 
ditus,  civem  Romanum,  antea  ad  populum, 
nunc  ad  imperatorem,  appellantem  .  .  ver- 
beraverit  .  .  Hac  lege  excipiuntur  .  .  iudi- 
cati  etiam  et  confessi  .  . 


P.  5,  4,  20.    Servus,  qui  iniuriam  aut  con- 
tumeliam    fecerit  .  .  levem ,    flagellis    caesus 


G.  6,  1.  .  .  si  pater  (eorum)  in  exsilium 
missus  fuerit:  .  .  homo  peregrinae  conditionis 
etfectus.  Item  filius,  si  vivo  patre  in  exsi- 
lium missus  fuerit,  .  .  similiter  peregrinae 
conditionis  factus  agnoscitur. 

Qui  pro  aliquo  crimine  ad  tempus  aut  in 
insulam  reiegatur  aut  in  metallum  deputatur« 
quia  perpetuam  damnationem  non  habet,  et 
testamentum  facere  potest  et  si  quid  ei  ex 
testamento  derelictum  fuerit,  obtinebit. 

Lege  lulia  decretum  est,  utpro  violentia 
publica  damnetur,  quicunque  iudex  appel- 
lantem, ut  ad  principis  praesentiam  ducatur, 
ingenuum  hominem  vel  civem  Romanum  fac- 
tum .  .  flagellis  ceciderit  ,  .  Sed  .  .  praecep- 
tum  est,  etiamsi  ad  principem  appellaverint, 
posse  .  .  damnari,  si  .  .  iudicio  fuerint  con- 
demnati  aut  de  crimine  suo  confessi  .  . 


Leibesstrafen  §  18. 


637 


wird,  nachdem  er  mittels  (jreisseln  gezüchtigt  worden  ist,  mit  der  Strafe  zeit- 
weihger  Ketten  dem  Herrn  zurückgegeben.    Wird  ein  Herr  zugestimmt  haben,   c.  8,  i,  i 
dass  sein  Kolone,    bez.  Skhive,    Tabularius   ist,    so    soll  jener  Kolone,   bez. 
Sklave,  nachdem  er  geschlagen  worden  ist,  dem  Fiskus  zugesprochen  werden. 

b)  Dediticii  sind,  welche  nach  begangenen  Verbrechen  den  Supplizien  überliefert    g.  i,  3 
und  öffentlich  für  Verbrechen  gezüchtigt  worden  sind,  oder  auf  deren  Gesicht, 

bez.  Körper,  irgendwelche  Zeichen,  entweder  mittels  Feuer  oder  mittels 
Eisen,  eingedrückt  worden  sind,  und  so  eingedrückt  worden  sind,  dass  sie 
nicht  getilgt  werden  können.  Werden  sie  freigelassen  gewesen  sein,  so 
werden  sie  Dediticii  genannt. 

c)  Wahrsager   werden    zum    ersten  Male   mit  Knüppeln    geschlagen   und    aus   p.  5, 23,  i 
der   Gemeinde    gejagt.      Wenn    innerhalb    der    Zahl    von    einem    Hengst,   p.  5, 20, 1 
zwei  Stuten  und  ebensoviel  Ochsen,  bez.  zehn  Ziegen,  oder  fünf  Schweinen 
irgend    etwas    weggenommen    gewesen  sein   w^ird,    wird  der  Thäter  mit  der 

Strafe  des  Furtum,  je  nach  Art  desselben,  bez.  nachdem  er  mit  Knütteln 
geschlagen  ist,  während  eines  Jahres  in  die  öffentliche  Arbeit  gegeben  oder 
in  Kettenstrafe  dem  Herrn  restituiert.    Diejenigen,  welche  ihre  Sachen  mittels   c.  2,  u,  1 


sub    poena  vinculorum   temporaUum   domino 
restituitur. 

C.  8,  1,  1.  .  .  si  quis  dominorum  servum 
suum  sive  colonum  Chartas  publicas  agere 
permiserit  .  .,  servum  (auteru)  competentibus 
affectum  verberibus  fisco  addici  .  . 

b) 


c)  P.  5,  23,  1.  Vaticinatores  .  .  primum 
fustibus  caesi  civitate  pelluntur  .  . 

P.  5,  20,  1.  .  .  unum  equum,  duas  equas, 
totidemque  boves  vel  capras  decem  aut  porcos 
quinque  (abegerint).  Quidquid  (vero)  intra  bunc 
numerura  fuerit  ablatum ,  poena  furti  pro 
qualitate  eius  aut  in  dupbim  aut  in  triplura 
convenitur:  vel  fustibus  caesus  in  opus  publi- 
cum unius  anni  datur  aut  sub  poena  vincu- 
lorum domino  restituitur. 

C.  2,  14,  1.  Animadvertiraus,  pluri- 
mos  iniustarum  desperatione  causarum  po- 
tentium  titulos  et  clarissimae  privilegia  di- 
gnitatis  bis,  a  quibus  in  ius  vocantur,  op- 
ponere  .  .  Quod  si  nullum  in  hac  parte  con- 
sensum  praebuerint,  ut  libelli  aut  tituli 
eorum  nominibus  aedibus  affigantur  alienis, 
eatenus  in  eos,  qui  fecerint,  vindicetur,  ut, 
afiPecti  plumbo,  perpetuis  metallorum  suppli- 
ciis  deputentur  .  . 


.  .  Quod  si  dominus  colonum  vel  servum 
suum  tabularium  esse  consenserit,  .  .  colonus 
ille  vel  servus  verberatus  fisci  viribus  addi- 
catur. 

G.  1,  3.  Dediticii  (vero)  sunt,  qui  post 
admissa  crimina  suppliciis  subditi  et  publice 
pro  criminibus  caesi  sunt:  aut  in  quorum 
facie  vel  corpore  quaecunque  indicia  aut  igne 
aut  ferro  impressa  sunt  et  ita  impressa  sunt, 
ut  deleri  non  possint;  bi  si  manumissi  fu- 
erint,  dediticii  appellantur. 


.  .  ita  ut  libellos  vel  titulos  eorum  no- 
minibus, qui  dignitate  praeclari  sunt,  quo 
facilius  terreant  possessores,  in  bis  domibus, 
quae  ab  eis  repetuntur,  affigant,  aut  certe, 
si  aliquid  repetatur,  nomine  magnorum  et 
clarissimorum  virorum  prolatis  libellis  eon- 
tradictoriis  se  specialiter  excusare  .  .  Uli 
(vero),  qui  causas  suas  tali  fraude  agere 
praesumserint,  plumbatis  caesi,  in  metalium 
damnati  perdurent  .  . 


638 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


eines  solchen  Trugs  zu  betreiben  sich  angemasst  haben  werden,  dass  sie 
LibelH,  bez.  TituH,  mit  dem  Namen  derjenigen,  welche  durch  Dignität  aus- 
gezeichnet sind,  um  leichter  die  Besitzer  zu  schrecken,  an  den  Häusern, 
die  sie  zurückfordern,  anschlagen,  oder  dass  sie  sich,  wenn  irgend  etwas 
zurückgefordert  wird,  ausdrücklich  mit  dem  Namen  von  Magni  et  clarissimi 
viri  in  den  vorgelegten  Libelli  contradictorii  verteidigen,  sollen  mit  Eisen- 
knüppeln geschlagen  und  zu  dauernder  Arbeit  im  Bergwerk  verurteilt  sein.^ 

c.  9, 24, 1  Wird  Jemand    ein   beschimpfendes  Schriftstück   zur  Beleidigung  und  Ver- 

ungHmpfung  von  irgend  Jemandem  abgefasst,  an  geheimer  oder  an  öffent- 
licher Stelle  angeschlagen  und  zum  Auffinden  ausgeworfen  haben,  so  soll 
er,    w^enn    er  auch   dasjenige,  was  er  geschrieben  hat,  wird  haben  beweisen 

€.  9, 22, 1  können,  gezüchtigt  werden.^    AYird  eine  Person  wissentlich  einen  Bäuber  in 

ihrem  Hause  aufgenommen  oder  zu  verbergen  beabsichtigt  oder  dem  Judex 
auszuliefern  verabsäumt  haben,  so  soll  sie,  falls  sie  freigeboren  und  niederen 
Standes  ist,  gezüchtigt  werden.^ 


IL  Ehrenstrafen  §  ig. 


N.V.  5,  1, 
6u.  7 


C.  3,  11,  1 
pr. 


1)  Verlust  von  Honor  und  Dignitas. 

a)  Wird  der  Provinzialstatthalter  die  Grabschänder,  obschon  er  es  hätte 
können,  nach  dem  Text  dieser  Vorschrift  zu  strafen  verabsäumt,  oder  wird 
er  mit  Bezug  auf  das  Erwähnte  zu  referieren  hinausgeschoben  haben,  so 
soll  er  des  Honor  beraubt  werden. 

b)  Wenn  irgend  Jemand  aus  der  Zahl  derjenigen  ludices,  welche  Provinzen 
verwalten,    oder   auch  derjenigen,  denen  Gemeinden,   bez.  Loca,  anvertraut 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  4,  3  c. 

2)  Vgl.  S.  303  Anm.  1. 


3)  Vgl. 


1,  Id. 


C.  9,  24,  1.  Si  quando  famosi  libelli  re- 
periantur,  .  .  nee  tarnen  supplicio,  etiamsi 
aliquid  ostenderit,  subtrahatur. 


C.  9,  22,  1.  Latrones  quisquis  sciens 
susceperit  vel  offerre  iudiciis  supersederit, 
supplicio  corporali  aut  dispendio  facultatum 
j)ro  qualitate  personae  .  .  plectatur  .  . 

1)  a)  N.  V.  5,  1,  6  u.  7.  .  .  provinciae  mo- 
derator  .  .  Quod  si  violatores  sepulcri,  quos 
potuerit,  secundum  formam  sanctionis  (huius) 
punire  neglexerit,  vel  de  superioribus  referre 
distulerit,  .  .  honore  privetur. 

b)  C.  3,  11,  1  pr.  Si  quis  ordinaria  vel  qua- 
libet  praeditus  potestate  circa  nuptias  invitis 
ipsis    vel  parentibus   contrahendas,   sive  pu- 


Qui  famosam  chartam  ad  cuiuscunque  in- 
famiam  et  maculam  conscripserit,  in  secreto 
aut  in  publico  affixerit  inveniendamque  pro- 
iecerit,  .  .  si  etiam,  quae  scripsit,  probare 
potuerit,  fustigetur  .  . 

Si  quis  sciens  in  domo  sua  latronem 
susceperit  aut  eum  occultare  voluerit  aut 
eum  iudici  tradere  fortasse  neglexerit,  ai  in- 
genua  et  vilior  persona  est,  fustigetur  .  . 


Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civitates 
vel    loca    commissa   sunt,  per  potentiam  in- 


Ehrenstrafen  §  19. 


639 


worden  sind,  mittels  Maclitentfaltung  wider  den  Willen  der  Eltern  Jung- 
frauen oder  Witwen,  selbst  wenn  sie  Sui  iuris  sind,  kraft  ihrer  Gewalt  zur 
Ehe  sich  zugesprochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren 
eigenen  Interessen  zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels  Kol- 
lusion mit  beliebigen  JPersonen  zugesprochen  werden,  sodass  sie  den  genannten 
Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  so  soll  er  unter  Verlust 
seiner  Dignität  während  eines  Zeitraumes  von  zwei  Jahren  gehindert  werden, 
sich  in  die  Provinz,   in  welcher  er  Judex  gewiesen  sein   wird,   zu  begeben.^ 

c)  ludices,  welche  überführt  gewesen  sein  werden,  sich    durch   Diebstähle  und  c.  9, 21, 1 
Verbrechen  befleckt  zu  haben,  sollen  nach  Wegnahme  der  Insignia  codicillo- 

rum  und  Entsetzung  aus  ihrem  Honor  unter  alles  gemeine  Volk  und  unter 
die  Plebejer  versetzt  werden.  Für  die  Zukunft  sollen  sie  sich  nicht  mit 
der  Ehre  schmeicheln,  deren  sie  selbst  sich  für  unwürdig  erklärt  haben. 

d)  AVenn  Sklaven  auf  Befehl  der  Herren  das  Verbrechen  der  Gewaltthätigkeitc.  9,7,3  pr. 
verübt   haben   werden,    können  die  Herren  die  Dignität  der  Nobilität,   bez. 

ihres  Honor,  nicht  behalten.^ 

e)  ^Aus  den  Corpora  publica  soll  Niemand  Defensor  ecclesiae  werden.    Sowohl   if'^'^ 
Judex    als   auch  Officium    dieser  Provinz    sind,    falls   sie    sie  nicht  zurück- 


1)  Vgl.   Privatreclit,  Zweites  Buch  §  14,  2  c. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  21,  2  b. 


pillae,  sive  apucl  patres  virgines  sive  viduae 
erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  denique  cuius- 
eunque  sortis,  occasione  potestatis  utatur, 
et  minacem  favorem  suum  invitis  iis,  quo- 
rum  utilitas  agitur.  exhibere  aut  exhibu- 
isse  detegitur,  hunc  .  .,  quum  honore 
abierit,  peractam  dignitatem  usurpare  prohi- 
bemus:  tali  sciHcet  poena,  ut,  si  circa  hono- 
rem eum,  quo  male  usus  est,  vindicandum, 
statuti  nostri  sanctioni  parere  noluerit,  sem- 
per  eam  provinciam,  in  qua  sibi  hoc  usur- 
paverit,  habitare  per  iuge  biennium  non 
sinatur. 

c)  C.  9,  21,  1.  ludices,  qui  se  furtis  et 
sceleribus  fuerint  maculasse  convicti,  ablatis 
codicillorum  insignibus  et  honore  exuti  inter 
pessimos  quosque  et  plebeios  habeantur.  Nee 
sibi  posthac  de  eo  honore  blandiantur,  quo 
se  ipsi  indignos  iudicaverunt. 

d)  C.  9,  7,  3  ])r.  Servos,  .  .  si  (illi)  metu 
atque  exhortatione  dominorum  violentiam 
admiserint,  palam  est,  secundum  legem  lu- 
liam  dominum  .  .  loci  aut  originis  propriae 
dignitate  non  uti  .  . 

e)  N.  V.  12,  1,  5.  Defensores  ecclesiae  de 
(expressis;  urbium  ministeriis  non  liceat  or- 
dinari  .  .  Si  custodire  haec  et  exsequi  ne- 
glexerint  iudices  competentes,  .  .  status  pri- 
vilegiis  exuantur  ,  . 


vitis  parentibus  virgines  aut  etiam  viduas, 
si  sui  sint,  per  potestatem  ad  nuptias  suas 
addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et  earum 
utilitatibus  obviantes  per  terrorem  aut  per 
quorumcunque  colludium  addicantur,  ut  his 
personis,  de  quibus  loquitur,  invitae  iungun- 
tur:  quicunque  hoc  praesumserit,  .  .  in  ea 
provincia,  in  qua  iudex  fuerit,  dignitate 
amissa,  biennio  prohibeatur  accedere. 


Si  servi  .  .  iubentibus  dominis  violentiae 
crimen  admiserint,  domini,  qui  illicita  prae- 
ceperunt,  .  .  nobilitatis  vel  honoris  sui  digni- 
tatem tenere  non  possunt  .  . 

De  corporibus  (namque)  publicis  nullum 
fieri  defensorem  ecclesiae  (,lex  ista  constituit) . . 
(Nam)  et  iudicem  et  officium  eius  provinciae, 
si  eos  non  revocaverint,  gravi,  (sicut  ipsa  lex 
loquitur,)  dicit  poena  foriendos. 


(340 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


N.  V.  3.1, 
2  u.  3 


N.V.  2,  1, 
3  U.  4 


P.  5,  4,  11 
P.  5,  30,  1 


P.  5,  22,  1 


gerufen  haben  werden,   schwer  zu  strafen,   indem  sie  ihrer  Statusprivilegien 
entkleidet  werden.^ 

f)  AVenn  Jemand  an  den  Princeps  sich  gewendet  haben  wird,  mit  der  Angabe, 
dass  er  infolge  eines  Zufalls  einen  Totschlag  verübt  habe,  und  dass  der  Tot- 
schlag von  ihm  nicht  absichtlich  verübt  gewesen  sei,  soll,  wird  er  nach  statt- 
gehabter Untersuchung  überführt  gCAvesen  sein,  aus  freien  Stücken  die  Tötung 
verübt  zu  haben,  der  Memorialis  von  irgendwelchem  Scrinium,  der  gegen  das 
Verbot  ein  Reskript  vollzogen  gehabt  haben  wird,  der  Militia  beraubt  werden 
und  mit  Relegation  für  einen  Zeitraum  von  fünf  Jahren  büssen.2 

g)  ^Die  Manichäer  sind  der  Dignitas  militiae  zu  berauben.  Die  Primates  einer 
jeden  Militia,  bez.  eines  jeden  Officium,  soll  eine  unverzüglich  durch  die 
Apparitio  des  Praefectus  Praetorio  einzutreibende  Strafe  von  zehn  Pfund 
Gold  treffen,  wenn  sie  Jemanden  werden  haben  dienen  lassen,  der  von 
diesem  Aberglauben  besudelt  ist.^ 

2)  Ehrenstrafen  der  Kurialen. 

a)  Man  war  dahin  einig,  dass  alle  Kalumniatoren  mit  Relegation  in  das  Exil, 
oder  auf  eine  Insel,  oder  mit  Verlust  des  Ordo  gestraft  werden.  Werden 
Pedanei  iudices  bei  der  Befassung  mit  der  Sache  bestochen  und  über- 
führt gewesen  sein,  gegen  die  Gerechtigkeit  geurteüt  zu  haben,  so  Averden 
sie  von  dem  Iudex  provinciae  entweder  aus  der  Kurie  entfernt  oder  ins 
Exil  geschickt  oder  auf  Zeit  relegiert.*     Diejenigen,  welche  bei  Nacht  frucht- 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  10,  c. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  3  b. 


2)  Vgl.  §  1,  4  a. 

4)  Vgl.  S.  581  Anm.  2. 


f)  N.  V.  3,  1,  2  u.  3.  . .  Homicidas  (autem) 
in  hominum  caedem  nefaria  voluntate  gras- 
satos  aliorumve  capitaliuiii  criminum  reos 
nee  per  annotationes  nostras  licebit  absolvi 
.  .  Memorialis  (quoque)  cuiuslibet  scrinii,  qui 
adversus  vetita  rescrij^tum  fuerit  exsecutus, 
spoliatus  militia  quinquennii  relegatione 
plectatur  .  . 

g)  N.  V.  2,  1,  3  u.  4.  .  .  Manichaeos 
dignitate  militiae  .  .  privandos  .  .  Primates 
uniuscuiusque  militiae  vel  of'ficii  mox  exi- 
genda  per  apparitionem  vestram  decem  li- 
brarum  auri  mulcta  percellat,  si  quem  hac 
superstitione  pollutum  siverint  militare  .  . 

2)  a)  P.  5,  4,  11.  .  .  omnes  (enim)  ca- 
lumniatores  exsilii  vel  insulae  relegatione 
aut  ordinis  amissione  puniri  placuit. 

P.  5,  30,  1.  Iudices  pedanei,  si  pecunia 
correpti  dicantur,  plerumque  a  praeside  aut 
curia  submoventur  aut  in  exsilium  mittuntur 
aut  ad  tempus  relegantur. 

P.  5,  22,  1.     Qui  noctu  fructiferas  arbores 


.  .  ut,  si  quis  ad  principem  convolaverit, 
asserens  se  casu  homicidiuin  perpetrasse, 
non  voluntarie  a  se  homicidium  fuisse  com- 
missum,  .  .  si  voluntarie  habita  discussione 
convictus  faerit  homicidium  commisisse  ,  . 


Si  pedanei  iudices  .  .  in  audientia  causae 
corrupti  contra  iustitiam  iudicasse  convicti 
fuerint,  a  iudice  provinciae  aut  curia  sub- 
moventur aut  in  exsilium  mittuntur  aut  ad 
tempus  relegantur. 


Ehrenstrafen  §  19. 


641 


C.  9,  15,  1 
pr. 


tragende  Bäume  unter  Anwendung  von  Gewalt  gefällt  haben  werden, 
werden  zumeist  auf  Zeit  zu  öffentlicher  Arbeit  verurteilt  oder,  falls  es 
Personen  von  besserem  Stande  sind,  gezwungen,  den  Schaden  zu  ersetzen, 
bez.  aus  der  Kurie  entfernt  oder  relegiert.  Diejenigen,  welche  falsche  oder  p.  5, 17, 5 
widersprechende  Zeugnisse  abgelegt  oder  ihr  Zeugnis  beiden  Parteien  ver- 
raten haben,  werden  entweder  in  das  Exil  getrieben  oder  auf  eine  Insel 
relegiert  oder  aus  der  Kurie  entfernt, 
b)  Wenn  ein  Kuriale  den  Willen  eines  Sterbenden  oder  eine  beliebige  öffent- 
liche Urkunde  geschrieben  haben  und  der  Fälschung  überführt  wird,  wird 
er  nicht  aus  der  Kurie  gestossen,  sondern  der  Dignität  der  Kurie  beraubt 
werden,  das  will  sagen,  dass  er  nicht  Honoratus  sein  kann.^ 

3)  Ehrenstrafen  der  Advokaten. 

a)  Mit  Bezug  auf  Advokaten,  die  in  masslosser  Gier  die  Klienten,  deren  Ge-   c.  2, 10, 1 
Schäfte  sie  betreiben,  zuerst  nötigen,  über  ihre  Besitztümer  in  der  Art  mittels 
Urkunde  sich  zu  verpflichten,  dass  Alles,  was  an  Grundstücken  oder  Sklaven 

oder  Vieh  von  grösserem  Werte  ist,  ihnen  für  die  zugesagte  Verteidigung  zu- 
kommen solle,  verordnen  wir,  dass  sie  sowohl  von  der  Gesellschaft  mit  den 
ehrbaren  Leuten,  als  auch  von  der  Teilnahme  an  dem  Gerichtsverkehr  fern- 
gehalten werden  sollen. 

b)  ^Wird  ein  Kleriker  irgend  Jemanden  mit  einem  Prozess  verfolgt  haben,  so    ^f'1'2 


1)  Vgl.  §  5,  1  ß,  b. 


manu  facta  ceciderint,  ad  tempus  plerumque 
in  opus  pubhcura  damnantur  aut  honestiores 
damnum  sarcire  coguntur  vel  curia  submoven- 
tur  vel  relegantur. 

P.  5,  17,  5.  Qui  falso  vel  varie  testi- 
monia  dixerunt  vel  utrique  parti  prodiderunt, 
aut  in  exsilium  aguntur,  aut  in  insulam  re- 
legantur, aut  curia  submoventur. 

b)  C.  9,  15,  1  pr.  Si  quis  decurio  testa- 
mentum  vel  codicillos  aut  aliquam  deficien- 
tis  scripserit  voluntatem,  vel  conscribendis 
publicis  privatisque  instrumentis  praebuerit 
officium,  .  .  non  statim  desinit  esse  decurio, 
qui  in  huius  modi  facto  fuerit  deprehensus. 
Quantum  enim  ad  municipales  pertinet  ne- 
cessitates,  decurio  permanet;  quantum  ad  rem 
gestam  et  veritatem  reserandam,  uti  decu- 
rionatus  honore  non  poterit. 

3)  a)  C.  2,  10,  1.  Advocatos,  qui  consce- 
leratis  depectionibus  suae  opis  egentes  spo- 
liant  atque  denudant,  non  iure  causae,  sed 
fundorum,  pecorum  et  mancipiorum  qualitate 
rationeque  tractata,  dum  eorum  praecipua 
poscunt  coacta  sibi  pactione  transscribi,  ab 
honestorum  coetu  iudiciorumque  conspectu 
segregari  praecipimus. 

b)  N.  V.    12,   1,    2.      In    clerico    petitore 
Conrat,  Breviarium. 


Si  quis  curialis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
(et)  de  falsitate  .  .  si  convincitur,  a  curia  non 
cxpelletur,  sed  curiae  dignitate  privabitur, 
id  est  ut  honoratus  esse  non  possit. 


Advocati  .  .,  qui  per  iniquam  cupiditatem 
susceptos,  quorum  causas  acturi  sunt,  prius 
cogunt  de  rebus  suis  taliter  scriptura  inter- 
cedente  pacisci,  ut  omnia,  quae  meliora  sunt 
in  agris  aut  in  mancipiis  aut  in  pecoribus, 
ad  eos  sub  promissa  defensione  perveniant, 
.  .  et  a  conventu  honestorum  virorum  et  iu- 
diciorum  communione  praecipimus  segregari, 

Clericus    si    aliquem    lite    pulsaverit,    in 

41 


64:2 


öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


soll  er  in  dem  Forum  desjenigen,  welchen  er  vor  Gericht  ruft,  vernommen 
werden,  es  sei  deim  dass  der  Verklagte  sich  dabei  beruhigt  haben  wird, 
vor  das  Gericht  des  Bischofs  oder  Presbyters  zu  treten.  Wird  derjenige, 
welcher  klagt,  anders  gehandelt  haben,  so  unterliegen  die  Verteidiger 
dieser  Sache  einer  Beschimpfung  der  Art,  dass  sie  von  jedem  Officium 
und  von  jeder  Verfolgung  von  Sachen  ferngehalten  werden.^ 


P.  5,  25,  7 


C.  5,  5,  2, 
pr.,  1-3 


III.  Vermögensstrafen. 

A)    YermögenskoDfiskation   §   20. 

1)  Konfiskation  des  ganzen  Vermögens. 

a)  Wenn  Jemand  einen  Menschen  wider  seinen  Willen  der  Wollust  oder  des 
Handels  halber  kastriert  haben  wird  oder  wird  haben  kastrieren  lassen, 
werden  Personen  besseren  Standes  unter  Einziehung  des  Vermögens  auf 
eine  Insel  deportiert. 

b)  ^  Wenn  diejenigen,  welche  von  den  Feinden  zur  Zeit  der  Gefangennehmung 
weggeführt  worden  sind,  seitens  irgendwelcher  Personen,  sei  es  auf  Nahrung 
oder  auf  Kleidung,  irgend  etwas  in  Empfang  genommen  haben,  soll,  sobald 
sie  in  ihre  Heimat  werden  haben  zurückkehren  wollen,  durchaus  nicht  irgend 


1)  Vgl.  S.  472  Aum.  3. 


consequens  erit,  ut  secundum  leges  pulsati 
forum  sequatur,  si,  ut  dictum  est,  adversarius 
suus  ad  episcopi  vel  presbyteri  audientiam 
non  praestat  assensum :  poena  defensoribus 
negotii,  qui  in  eodem  extraordinario  iudicio 
adfuerint  atque  egerint,  huius  modi  consti- 
tuta,  ut  causidicum  officii  amissio,  iuriscon- 
sultum  existimationis  et  interdictae  civitatis 
damna  percellant. 

1)  a)  P.  5,  25,  7.  Qui  hominem  invitum  libi- 
dinis  aut  promercii  causa  castraverit  castran- 
dumve  curaverit,  .  .  honestiores  publicatis 
bonis  in  insulam  deportantur. 

b)  C.  5,  5,  2,  pr.,  1  —  3.  Diversarum  homines 
provinciarumcuiuslibetsexus,conditionis,aeta- 
tis,  quos  barbarica  feritas  captiva  necessitate 
transduxerat,  invitos  nemo  retineat,  sed  ad 
propria  redire  cupientibus  libera  sit  facultas. 
Quibus  si  quicquam  in  usum  vestium  vel  ali- 
moniae  impensum  est,  humanitati  sit  prae- 
stitum,  nee  maneat  victualis  sumtus  repetito, 
exceptis  iis,  quos  barbaris  vendentibus  emtos 
esse   docebitur,   a  quibus  status  sui  pretium 


foro  illius,  quem  ad  iudicium  provocat,  au- 
diatur: si  tarnen  pulsatus  non  acquieverit  ad 
episcopi  vel  presbyteri  venire  iudicium.  Quod 
si  aliud  fecerit  ille,  qui  pulsat,  defensores 
causae  ipsius  taiiter  notari  (praecepit),  ut  ab 
omni  officio  et  prosecutione  causarum  ha- 
beantur  extranei. 


Hi,  qui  ab  hostibus  tempore  captivitatis 
ducti  sunt,  si  ab  aliquibus  vel  ad  victum  vel 
ad  vestitum  aliquid  acceperunt,  quum  redire 
a.d  propria  voluerint,  minime  aliquid  pro 
eorum  requiratur  expensis.  Tamen  si  pre- 
tium pro  captivo  suo  praedator  acceperit, 
quod  dedisse  emtor  probaverit,  sine  dubi- 
tatione  recipiat.  Quod  si  pretium  non  ha- 
buerit,  quinquennio  serviat  captivus  emtori 
et  post  quinquennium  sine  pretio  ingenuitati 


Vermögenskonfiskation  §  20. 


643 


etwas  für  ihre  Ausgaben  verlangt  werden.  Wird  jedoch  der  Beutemacher 
für  seinen  Gefangenen  einen  Preis  empfangen  haben,  so  soll  der  Loskäufer 
ohne  Zweifel  zurückempfangen,  was  er  gegeben  zu  haben  erwiesen  haben 
wird.  Wird  der  Gefangene  den  Preis  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er 
während  eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  dem  Loskäufer  dienen  und 
nach  einem  Zeitraum  von  fünf  Jahren  ohne  Preis  der  Ingenuität  wieder- 
gegeben werden.  AVird  dann  Jemand  dieser  so  gerechten  Vorschrift  sich 
zu  widersetzen  versucht  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  dem  Exil  zu 
überliefern,  wird  er  jedoch  Besitzer  gewesen  sein,  sein  Vermögen  zu  kon- 
fiszieren ist.^ 

c)  ^Es  geschieht  von  selten  von  Personen  zuweilen,  dass  sie,  der  Strenge  der    c.  3, 10,1 
Gesetze  unein gedenk,  bei  der  Majestät  des  Princeps  eine  Erschleichung  ver- 
suchen und  für  sich  aus  einer  Verfügung  Ehen  erstreben,  die  sie  zu  erzielen 

nicht  verdienen,  indem  sie  wegen  der  Zustimmung  der  Eltern,  bez.  des 
Mädchens,  unwahre  Angaben  machen.  Jeder,  der  somit  unter  solcher  Er- 
schleichung eine  Ehe  durchzusetzen  geglaubt  haben  wird,  möge  wissen,  dass 
er  zum  Verlust  des  Vermögens  zu  verurteilen  ist.^ 

d)  Sobald  Mädchen,  die  unter  einem  Tutor  stehen,  in  die  heiratsfähigen  Jahre   c.  9, 5, 1 
gelangt  sein  werden  und  irgend  Jemand  als  Bewerber  aufgetreten  sein  wird. 


1)  Vgl.  Privatrecbt,  Zweites  Buch  §  5,  Id. 


2)  Vgl.  S.  113  Anm.  1. 


propter  utilitatem  publicam  emtoribus  aequum 
est  reclhiberi.  Ne  quando  enim  damni  consi- 
deratio  in  tali  necessitate  positis  negari  faciat 
emtionem,  decet  redemtos  aut  datum  pro  se 
pretium  emtoribus  restituere  aut  labore,  ob- 
sequio  vel  opere  quinquennii  vicem  referre 
beneficii,  habituros  incoluraem,  si  in  ea  nati 
sunt,  libertatem.  Reddantur  igitur  sedibus 
propriis  sub  moderatione,  qua  iussimus,  qui- 
bus  iure  postliminii  etiam  veterum  responsis 
incolumia  cuncta  servata  sunt.  Si  quis  itaque 
huic  praecepto  fuerit  conatus  obsistere  actor, 
conductor  procuratorque,  dari  se  metallis 
cum  poena  deportationis  non  arabigat;  si 
vero  possessionis  dominus,  rem  suam  fisco 
noverit  vindicandam   seque   deportandum. 

c)  C.  3,  10,  1.  Quidam,  vetusti  iuris  or- 
dine  praetermisso,  obreptione  precum  nuptias, 
quas  se  intelligunt  non  mereri,  de  nobis 
aestimant  postulandas,  se  habere  puellae 
consensum  confingentes  .  .  8i  quis  igitur  con- 
tra hanc  definitionera  nuptias  precum  sur- 
reptione  meruerit,  araissionem  bonorum  .  . 
subiturum  se  esse  non  ambigat  .  . 

d)  C.  9,  5,  1.  Ubi  puellae  ad  annos 
adultae  aetatis  accesserint  et  adspirare  ad 
nuptias   coeperint,   .   .   si   violatae   castitatis 


reddatur  .  .  Si  quis  itaque  huic  tam  iustae 
praeceptioni  resistere  tentaverit,  noverit  se  in 
exsilio  deputandum:  si  vero  possessor  fuerit, 
facultatem  suam  fisci  viribus  addicendam. 


Fit  aliquoties  a  quibusdam,  ut  obliti  se- 
veritatem  legum,  obrepere  principis  audeant 
maiestati  et  coniugia  sibi  expetant  ex  prae- 
cepto, quae  consequi  non  merentur,  ut  de 
consensu  parentum  vel  puellae  mentiantur  .  . 
Quicunque  ergo  sub  tali  obreptione  matri- 
monium  se  obtinere  putaverit,  (et)  amissione 
bonorum  .  .  se   noverit  esse   damnandum  .  . 

Ubi  primum  puellae  sub  tutore  viventes 
ad  annos  pervenerint  nuptiales,  et  quicunque 
Petitor  accesserit,  .  .  si  ab   ipso  tutore  con- 

41* 


644 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


N.Th.3,1, 
4U.5 


C.  16,  3,  2 


P.  5,  24,  3 


N.V.5,1, 
6u.  7 


P.  5,  25,  12 


soll,  falls  nachgewiesen  wird,  dass  ihre  Jungfräulichkeit  von  dem  Tutor 
selbst  verletzt  worden  ist,  der  Fiskus  sein  ganzes  Vermögen  in  Anspruch 
nehmen.^ 

e)  "Kein  Jude  soll  einen  Sklaven  oder  Freien,  der  Christ  ist,  durch  irgend- 
welche Überredung  zu  seinem  Gesetze  überzuführen  wagen.  Wenn  er  es 
gethan  haben  wird,  soll  er  unter  Verlust  des  Vermögens  kapital  gestraft 
w^erden.2  Wenn  Jemand,  der  aus  einem  Christen  Jude  geworden  ist,  sich 
zu  verruchten  Zusammenkünften  gesellt  haben  wird,  befehlen  wir,  dass,  so- 
bald die  Anklage  erwiesen  gewesen  sein  wird,  sein  Vermögen  in  das  Eigen- 
tum des  Fiskus  vindiziert  werde.  Römische  Bürger,  die  sich  oder  ihre 
Sklaven  nach  jüdischem  Ritus  beschneiden  lassen,  werden  unter  Entziehung 
des  Vermögens  dauernd  auf  eine  Insel  relegiert. 

f)  Wird  der  Provinzialstatthalter  die  Grabschänder,  obschon  er  es  hätte  können, 
nach  dem  Text  der  Vorschrift  zu  strafen  verabsäumt,  oder  wird  er  mit  Bezug 
auf  das  Erwähnte  zu  referieren  hinausgeschoben  haben,  so  soll  er  des 
Vermögens  beraubt  werden. 

g)  Sind  bei  irgendwelchen  Personen  Bücher    mit   magischer  Kunst    gefunden 


1)  Vgl.  S.  551  Anm.  3. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  1  a. 


apud    ipsum    facinus    haereat,   .    .  universae 
eius  facultates  fisci  viribus  vindicentur. 

e)  N.  Th.  3,  1,  4  u.  5.  His  adicimus,  ut 
quicunque  servum  seu  ingenuum  invitum  vel 
suasione  plectenda  ex  cultu  Christianae  re- 
ligionis  in  nefandam  sectam  ritumve  tra- 
duxerit,  cum  dispendio  fortunarum  capite  pu- 
niendum  .  ,  Cernat  praeterea  bona  sua  pro- 
scripta,  poenae  mox  sanguinis  destinandus, 
qui  fidem  alterius  expugnavit  perversa  do- 
ctrina. 

C.  16,  3,  2,  Si  quis  (,lege  venerabili  con- 
stituta')  ex  Christiane  ludaeus  efFectus  sacri- 
legis  coetibus  aggregetur,  quum  accusatio  fu- 
erit  comprobata,  facultates  eius  dominio  fisci 
iussimus  vindicari. 

P.  5,  24,  3.  Cives  Romani,  qui  se  ludaico 
ritu  vel  servos  suos  circumcidi  patiuntur, 
bonis  ademtis  in  insulam  perpetuo  relegan- 
tur. 

f)  N;V.  5,  1,  6  u.  7.  .  .  provinciae  mo- 
derator  .  .  Quod  si  violatores  sepulcri,  quos 
potuerit,  secundum  formam  sanctionis  (huius) 
punire  neglexerit,  vel  de  superioribus  referre 
distulerit,  facultatibus  .  .  privetur. 

g)  P.  5,  25,  12.  Libros  magicae  artis  .  . 
si  penes  quoscunque  reperti  sint,  bonis  adem- 


viucitur   eius  violata  virginitas,  .  .  res  illius 
omnes  fiscus  usurpet. 

.  .  (Hoc  etiam  speeialiter  in  hac  lege  com- 
prehensum  est,)  ut  nullus  ludaeus  servum 
aut  ingenuum  Christianum  audeat  quacunque 
persuasione  in  suam  legem  transferre.  Quod 
si  fecerit,  amissis  facultatibus,  capite  puni- 
atur. 


Vermögenskonfiskation  §  20. 


645 


worden,  so  werden  sie  unter  Wegnahme  des  Vermögens  und  nach  öfFentUcher 
Verbrennung  der  Bücher  auf  eine  Insel  deportiert. 

h)  AVeun  Tutoren,  bez.  Kuratoren,  der  Minderjährigen  im  Interesse  ihrer  c.4, 20, 2 
Geschäfte  mittels  irgendwelcher  Kollusion  gewaltthätig  eines  fremden  Gegen- 
standes sich  bemächtigt  haben  werden,  damit  die  Sache  der  Minderjährigen 
verloren  gehe,  gestatten  wir  durchaus  nicht,  den  Minderjährigen  aus  der 
Willkür  der  Tutoren  oder  Kuratoren  einen  Nachteil  erwachsen  zu  lassen: 
vielmehr  sollen  sie  ihr  Eigentum  ohne  Verzug  zurückempfangen,  Kura- 
toren aber,  bez.  Tutoren,  unter  Verlust  ihres  Vermögens  ewigem  Exil  über- 
liefert werden.^ 

i)  Das  Vermögen  desjenigen,  welcher  bezichtigt  wird,  eine  falsche  Münze  ge-   P.  5,  u,  8 
schlagen  zu  haben,    wird  dem  Fiskus  zugesprochen. 

k)  Wenn  Jemand  zum  Zwecke  der  Ablegung  eines  falschen  Zeugnisses  oder  der  P-  5, 27, 2 
Unterdrückung  eines  wahren  Geld  empfangen,  gegeben  oder  den  Judex 
zum  Zwecke  der  Fällung  oder  Nichtfällung  eines  Urteils  bestochen  haben 
wird,  bez.  wird  haben  bestechen  lassen,  so  werden  Personen  besseren  Standes 
unter  Vermögenseinziehung  mit  dem  Judex  selbst  auf  eine  Insel  depor- 
tiert. 

1)  Wird  irgend  Jemand  bei  den  Crimen  maiestatis   betroffen    und    dieserhalb  c.  10, 5, 4 
gestraft  gewesen  sein,  so  soll  der  Fiskus  sein  Vermögen  erwerben. 


1^  Vgl.  S.  346  Anm.  2. 


tis  ambustisque   bis   publice,  in  insulam  de- 
portantur  .  . 

h)  C.  4,  20,  2.  .  .  Si  (autem)  habito  ple- 
rumque  colludio,  curatores  vel  tutores  mino- 
rum  bis  rem  debitam  ea  occasione  pervadant, 
ut  pupillis  vel  adultis  iurgandi  copia  et 
fructus  adimatur,  bis  eatenus  subvenimus,  ut 
eosdem  non  atterat  damno  culpa  temeritatis 
alienae,  sed  illico  quidem  possessio  ei,  a  quo 
est  ablata,  reddatur;  curatores  autem  vel 
tutores  aeterna  deportatione  punitos  bonorum 
quoque  publicatio  persequatur. 

i)  P.  5,  14,  8.  Eins  bona,  qui  falsam  mo- 
netam  percussisse  dicitur,  fisco  vindicantur  .  . 

k)  P.  5,  27,  2.  Qui  ob  falsum  testimo- 
nium  perhibendum  vel  verum  non  perhiben- 
dum  pecuniam  acceperit,  dederit,  iudicemve, 
ut  sententiara  ferat  vel  non  ferat,  corruperit 
corrumpendumve  curaverit,  .  .  honestiores 
publicatis  bonis  cum  ipso  iudice  in  insulam 
deportantur. 

1)  C.  10,  5,  4.  Quisquis  in  criraine  ma- 
iestatis deprehensus  fuerit  et  punitus,  bona- 
que  eins,  sicut  plectendi  consuetudo  criminis 
habet,  fiscus  invaserit  .  . 


.  .  Quod  si  tutores  etiam  vel  curatores  mi- 
norum  colludio  aliquo  pro  eorum  negotiis  ali- 
enam  rem  sub  (ea,  qua  diximus)  temeritate 
pervaserint,  ut  minorum  causa  depereat,  nul- 
lum  minoribus  praeiudicium  fieri  ex  tutorum 
vel  curatorum  temeritate  permittimus,  sed 
Proprietäten!  suam  sine  dilatione  recipiant; 
curatores  autem  vel  tutores,  amissis  rebus 
suis,  perpetuo  exsilio  deputentur. 


Quisquis    in    crimine   maiestatis  inventus 
fuerit  et  punitus,  bona  eius  fiscus  acquirat  .  . 


646 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.5,25,5 
C.  11,  5,  1 


N.V.7.1, 
4u.  5 


in)  Ein  Judex,  der  gegen  Caput  und  Vermögen  eines  Menschen  Geld  angenommen 
haben  wird,  wird  unter  Entziehung  des  Vermögens  auf  eine  Insel  deportiert. 

n)  Wenn  irgendwelche  Personen  aus  der  Zahl  derjenigen,  die  den  Provinciarum 
rectores  verbunden  sind  oder  dienen,  bez.  die  in  den  verschiedenen  Offizien 
des  Prinzipats  thätig  sind,  bez.  alle  welche  anlässlich  eines  öffenthchen 
Geschäfts  zur  Ausübung  eines  Terrorismus  sich  eignen,  einem  Bauer  den 
Zwang  der  Knechtschaft,  wie  einem  eignen  Sklaven,  auferlegt  haben  werden, 
oder  dessen  Sklaven  oder  sein  Vieh  zu  Nutzen  ihrer  Arbeit  verwendet 
haben,  oder  Xenia  oder  beliebige  Gaben  eintreiben  zu  sollen  geglaubt,  bez. 
das  Angebotene  nicht  abgelehnt  haben  werden,  werden  sie  mit  dem  Ver- 
lust ihres  Vermögens  gestraft.^ 

o)  Niemandem  wird  in  Zukunft  erlaubt  sein,  dieses  Geschäft  nach  dem  Gut- 
dünken eines  einzigen  Judex  zu  begehren:  ob  ein  Inspector  publicus  ge- 
schickt werden  muss,  soll  die  vorgängige  Erw^ägung  des  erhabenen  Mannes 
Parens  Patriciusque  noster  und  der  Magnificus  vir  Praefectus  praetorio  in 
Betracht  ziehen:  sie  sollen  mit  den  Potestates  des  Hofs  nach  ihrem  Befinden 
darüber  verfügen,  falls  ein  wirklicher  Zwang  nötigt,  welche  Person  geschickt 
werden  soll.  Wer  sonst  in  eine  Provinz  sich  begiebt,  geht,  wie  wir  ver- 
ordnen, des  Vermögens  verlustig.  Eine  gleiche  Lage  wird  des  Officium 
derjenigen  Potestas   warten,   die,  während  sie  einen  Diskussor  abzufertigen 


1)  Vgl.  S.  584  Anm.  2. 


m)  P.  5,  25,  5.  Iudex,  qui  in  caput  for- 
tunasque  hominis  pecuniam  acceperit,  in  in- 
sulam  bonis  ademtis  deportatur. 

n)  C.  11,  0,  1.  Si  qui  eorum,  qui  pro- 
vinciarum rectoribus  obsequuntur,  quique  in 
diversis  agunt  officiis  principatus,  et  qui  sub 
quocunque  praetextu  muneris  publici  possunt 
esse  terribiles,  rusticano  cuipiam  necessi- 
tatem  obsequii,  quasi  mancipio  sui  iuris  im- 
ponat,  aut  servum  eins  vei  forsitan  bovem 
in  usus  proprios  necessitatesque  converterit, 
sive  xenia  aut  munuscula,  quae  canonica  ex 
more  fecerunt,  extorserit,  vel  sponte  haec, 
quae  improbata  sunt,  oblata  non  refutaverit, 
sublatis  Omnibus  facultatibus  (ultimo  subiu- 
getur  exitio)  .  .  Eadem  vero  circa  eos  censura 
servetur,  qui  xenia  aut  munera  deferri  sibi  a 
possessoribus  cogunt  aut  oblata  non  respuunt. 

o)  N.  V.  7,  1,  4  u.  5.  .  .  nemini  deinceps 
licebit  ad  hoc  negotium  arbitrio  unius  iudi- 
cis  adspirare.  Utrum  mitti  debeat  inspector 
publicus,  tractatus  ante  deliberet  sublimis 
viri  parentis  patriciique  nostri,  nee  non 
magnificus  vir  praefectus  praetorio  .  .:  cum 
aulicis  potestatibus  pro  sua  moderatione 
disponant,    si   iusta   necessitas   cogit,   qualis 


Si  quicunque  ex  his,  qui  provinciarum 
rectoribus  coniunguntur  aut  militant,  vel  qui 
agunt  in  diversis  officiis  principatus,  vel  qui- 
cunque sub  occasione  publici  actus  videntur 
esse  terribiles,  rusticano  alicui  necessitatem 
servitii,  velut  sui  iuris  mancipio  imposuerint, 
aut  servum  ipsius  aut  bovem  in  sui  operis 
utilitatem  transtulerint,  sive  xenia  aut  quae- 
libet  munera  crediderint  exigenda,  vel  si 
oblata  non  recusaverint,  .  .  rerum  suarum 
amissione  damnantur. 


Vermögenskonfiskation  §  20. 


647 


N.V.5,  1, 
2U.  4 


verlangt,  nicht  getreu  durch  Bezeugung  der  Gesta  den  Ahfertigungsmodus 
suggeriert  haben  wird,  dessen  Inachtnehniung  wir  vorgeschrieben  haben, 
o)  Aus  den  Corpora  pubKca  soll  Niemand  Defensor  ecclesiae  werden.    Sowohl    ^^  7*5 
Judex  als  auch  Officium  dieser  Provinz  sind,  falls  sie  sie  nicht  zurückgerufen 
haben    werden,    schwer    zu    strafen,    indem    sie  ihres   Vermögens   entkleidet 
werden.^ 

2)  Konfiskation  einer  Vermögenshälfte. 

a)  Wird  irgend  Jemand  Grabstätten  ausgegraben,  aus  ihnen  Marmor  oder  Ge 
stein  weggeschaft't  haben,  so  sollen  freigeborene  Personen,  die  von  höherem 
Ansehn  oder  durch  Dignitäten  ausgezeichnet  sind,  nachdem  sie  um  die  Hälfte 
ihres  Vermögens  gestraft  worden  sind,  dem  Schimpfe  dauernder  Infamie  ver- 
fallen. Ein  Jeder  aus  der  Zahl  der  Kleriker,  der  sich  als  Grabschänder 
ergeben  haben  Avird,  soll,  dem  Proskriptionsurteil  verfallen,  mit  ewiger 
Deportation  büssen. 

b)  Wird  Jemand  nachgewiesen  haben,  dass  Urkunden,  die  für  ihn  von  Nutzen   p.  5, 27, 7 
sind,    von     seinem    Prokurator,    oder    Kognitor,    dem.    Gegner    ausgeliefert 
worden  sind,  so  werden  ebensosehr  der  Prokurator  wie  der  Kognitor,    falls 

sie  Personen  besseren  Standes  sind,  unter  Wegnahme  der  Hälfte  des  Ver- 
mögens für  immer  relegiert. 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  10,  c 


persona  mittatur  .  ,  Aliter  pergenti  ad  pro- 
vinciam  (et)  fortunarum  .  .  iubemus  esse 
discrimen  .  .  Similis  conditio  raanebit  officium 
eius  potestatis,  quae  discussorem  mittere  cu- 
piens,  non  fideliter  suggesserit  attestatione 
gestorum  form  am  mittendi,  quam  statuimus 
debere  servari. 

p)  N.  V.  12,  1,  5.  Defensores  ecclesiae 
de  expressis  urbium  ministeriis  non  liceat 
ordinari  .  .  Si  custodire  haec  et  exsequi  ne- 
glexerint  iudices  competentes,  facultatibus 
suis  .  .  exuantur  .  . 

2)  a)  N.  V.  5,  1,  2  u.  4.  .  .  Quisquis  (igi- 
tur)  sepulcra  .  .  effoderit,  quisquis  ex  bis 
quaelibet  marmora  aut  saxa  sustulerit,  .  .  In- 
gleni splendidiores  (autem)vel dignitatibus  noti 
bonorum  suorum  medietate  mulctati,  perpe- 
tua  notentur  infamia.  Clericos  .  .  Quisquis 
(igitur)  ex  hoc  numero  sepulcrorum  violator 
exstiterit,  .  .  stilo  proscriptionis  addictus, 
perpetua  deportatione  plectatur  .  . 

b)  P.  5,  27,  7.  Si  quis  instrumenta  uti- 
litatis  suae  a  procuratore  suo  vel  cognitore 
adversario  prodita  esse  convicerit,  tarn  pro- 
curator,  quam  cognitor,  .  .  si  honestiores 
sunt,  ademta  dimidia  parte  bonorum  in  per- 
petuum  relegantur. 


De  corporibus  (namque)  publicis  nullum 
fieri  defensorem  ecclesiae,  (lex  ista  consti- 
tuit) .  .  Nam  et  iudicem  et  officium  eius  pro- 
vinciae,  si  eos  non  revocaverint,  gravi,  sicut 
ipsa  lex  loquitur,  dicit  poena  feriendos  .  . 


648 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


c.  1, 5, 1  c)  Wird  irgend  Jemand  nach  verhandelter  Sache  und  Diskutierung  des  Handels 
von  irgend  Jemandem  besiegt  gewesen  sein  und  die  Sache  hernach  wieder- 
herzustellen versucht  haben ,  so  soll ,  wird  er  auch  bei  einem  andern 
Judex  verurteilt  gewesen  sein,  falls  es  sich  um  eine  würdige  und  tüchtige 
Person  handelt,   der  Fiskus   die  Hälfte  seines  Vermögens  erwerben. ^ 

3)  Konfiskation  eines  Vermögensdritteiis. 

p.  5, 28, 3  a)  Alle  diejenigen,  Avelche  nach  der  Lex  lulia  de  vi  privata  überführt  worden 
sind,  werden,  wenn  sie  Personen  besseren  Standes  sind,  mit  Entziehung 
des  dritten  Teils  des  Vermögens  gestraft. 

p.  5, 24,  2  b)  Diejenigen,  welche  Grenzpfähle  ausgraben  oder  auspflügen,  oder  GTrenzbäume 
entwurzeln,  werden,  wenn  sie  Personen  besseren  Standes  sind,  unter  Ver- 
lust des  dritten  Teils  ihres  Vermögens  auf  eine  Insel  relegiert  oder  zum 
Exil  gezwungen. 

4)  Konfiskation  eines  Vermögensviertels. 

c.  9, 26, 1  a)  2  Ein  Jeder,  der  nach  vorgängiger  Inskription  Jemanden  als  irgendwelchen 
Verbrechens  schuldig  wird  haben  anklagen  wollen,  soll  von  dem  Tage  der 
Inskription  innerhalb  Jahresfrist  die  proponierte  Actio  durchführen.  Wird 
er  sie  hinausgeschoben  haben,  so  wird  er  mit  dem  vierten  Teile  seines  Ver- 
mögens gestraft  w^erden.^ 

5)  Unbestimmter  Vermögensteil.  t 

p.  5, 25, 8  a)  Diejenigen,  Avelche  einen  Abtreibungs-  oder  Liebestrank  geben,  werden, 
wenn    sie    es    auch    nicht    in    böser    Absicht    thun,    dennoch,    weil    es   ein 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  10,  4  a. 


2)  Vgl.  S.  612  Anm.  1. 


c)  C.  1,  5,  1.  Super  his,  qui  a  praeside 
vel  a  quolibet  alio  iudice  sententiam  dictam 
infirmari  deposcunt,  .  .  Quod  si  consentanea 
sit  legibus  iam  promta  sententia,  . .  eius(que) 
bonorum  media  portio  fiscalibus  compendiis 
addicta  cedat  .  . 

3)  a)  P.  5,  28,  3.  Lege  Julia  de  vi  privata 
.  .  Omnibus  convictis,  si  honestiores  sint, 
tertia  pars  bonorum  eripitur  .  . 

b)  P.  5,  24,  2.  Qui  terminos  effodiunt 
vel  exarant,  arboresve  terminales  evertunt, 
.  .  honestiores  in  insulam  amissa  tertia  parte 
bonorum  relegantur  aut  exsulare  coguntur, 

4)  a)  C.  9,  26,  1.  Quisquis  accusator  reum 
in  iudicium  sub  inscriptione  detulerit,  si 
intra  anni  tempus  accusationem  coeptam 
prosequi  supersederit,  vel,  quod  est  contu- 
macius,  ultimo  anni  die  adesse  neglexerit, 
quarta  bonorum  omnium  parte  mulctatus 
aculeos  consultissimae  legis  incurrat  .  . 

5)  a)  P.  5,  25,  8.  Qui  abortionis  aut  ama- 
torium    poculum    dant,   etsi  id   dolo  non  fa- 


Quicunque  causa  dicta  discussoque  nego- 
tio  a  quocunque  fuerit  superatus  et  hanc 
ipsam  litem  postea  reparare  tentaverit,  .  . 
si  et  apud  alium  iudicem  fuerit  superatus, 
si  digna  idoneaque  persona  est,  .  .  medie- 
tatem  facultatum    suarum  fiscus  acquirat  .  . 


Quicunque  inscriptione  praemissa  cuius- 
cunque  criminis  reum  accusare  voluerit,  ab 
60  die,  quo  inscripsit,  intra  annum  peragat 
propositam  actionem.  Qui  si  distulerit,  .  . 
bonorum  suorum  quarta  parte  mulctabitur. 


Entschädigung  §  21. 


649 


schlechtes  Beispiel  giebt,  falls  sie  besseren  Standes  sind,  unter  Verlust  eines 
Teiles  des  Vermögens  auf  eine  Insel  relegiert. 

6)  Konfiskation  einer  einzelnen  Sache. 

a)  Wird  ein  Herr  zugestimmt  haben,  dass  sein  Kolone,  bez.  Sklave,  Tabularius   c.  s,  i,  i 
ist,  so    soll  jener  Kolone,   bez.  Sklave,  nachdem   er  geschlagen  worden  ist, 
dem  Fiskus  zugesprochen  werden. 


B)  Entschädigung  §  21. 

1)  Blosse  Entschädigung. 

a)  Alle  ludices   mögen    wissen,    dass  Alles,   was    sie    ruchlos   geraubt   haben   c.  <),  21, 2 
werden,   falls    sie    selbst    es  nicht  zurückgegeben  haben  werden,    von  ihren 
Erben  zurückzugeben  ist. 

b)  Wenn    der   Judex    die    einen    Bückforderungsanspruch    anstellende    Partei   c.  2,  e,  2 
durch  seine  Nachlässigkeit  in  dem  Masse  hingezogen  haben  wird,  dass  sie 

ihre  Sache  durch  den  Ablauf  der  gesetzlichen  Fristen  verliert,  soll  ihr  Alles, 
was  sie  auch  immer  vor  dessen  Gericht  mit  Grund  für  sich  in  x\nspruch 
nehmen  konnte,  aus  dem  Vermögen  dieses  Judex,  nach  vorgängiger  Schät- 
zung, erstattet  werden. 

c)  AVird  ein  Herr  zugestimmt  haben,  dass  sein  Kolone,  bez.  Sklave,  Tabularius   es,  1,1 
ist,    so    soll    der  Herr    wegen    der    Zustimmung    von   der    Strafe    betroffen 
werden,  dass  der  Herr  dasjenige,  was  auch  immer  jener  Kolone,  bez.  Sklave, 

an  Schaden  angerichtet  haben  wird,  ohne  Verzug  erstatten  soll. 


ciant,  tarnen,  quia  niali  exempli  res  est,  .  . 
honestiores  in  insuJam  amissa  parte  bonoram 
relegantur  .  . 

6)  a)  C.  8,  1,  1.  .  .  si  quis  dominorum  ser- 
vum  suum  sive  colonum  Chartas  publicas 
agere  permiserit  .  .,  servum  (autem)  compe- 
tentibus    affectum  verberibus  fisco  addici  .  . 

1)  a)  C.  9,  21,  2.  Sciant  iudices,  super 
admissis  propriis  aut  a  se  aut  ab  heredibus 
suis  poenam  esse  repetendam. 

b)  C.  2,  6,  2.  Si  petitores  probaverint, 
interpellantes  se  saepius  esse  dilatos,  atque 
ita  lapsum  temporis  incurrisse  per  negligen- 
tiam  atque  desidiam,  gravitate  tua  audientiam 
differente,  indemnitas  petitorum  pro  modo 
litis,  quae  in  altercationem  fuerit  adducta, 
de  suis  facultatibus  sarciatur. 

c)  C.  8,  1,  1.  .  .  si  quis  dominorum  servum 
suum  sive  colonum  chartas  publicas  agere 
permiserit  (consensum  enim,  non  ignorantiam 
volumus  obligari),  ipsum  quidem,  in  quantum 
interfuerit  publicae  utilitati,  pro  ratiociniis, 
quae  servo  sive  colono  agente  tractata  sunt, 
obnoxium  attineri  .  . 


.  .  Quod  si  dominus  colonum  vel  servum 
suum  tabularium  esse  consenserit,  .  ,  colonus 
ille  vel  servus  verberatus  fisci  viribus  addi- 
catur. 

Omnes  iudices  sciant,  quicquid  male  ra- 
puerint,  si  ipsi  non  reddiderint,  a  suis  here- 
dibus esse  reddendum. 

Si  repetentem  iudex  per  negligentiam 
usque  eo  distulerit,  ut  causam  suam  trans- 
actis  legitimis  temporibus  perdat,  omnia, 
quaecunque  in  illius  iudicio  iuste  sibi  po- 
tuit  vindicare,  ei  de  ipsius  iudicis  facultati- 
bus, habita  aestimatione,  reddantur. 

.  .  Quod  si  dominus  colonum  vel  servum 
suum  tabularium  esse  consenserit,  pro  con- 
sensu  dominus  hac  mulcta  feriatur,  ut  quic- 
quid colonus  ille  vel  servus  detrimenti  ad- 
miserit,  hoc  dominus   sine  mora  restituat  .  . 


650 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


c.  12,  2, 1  d)  Exaktoreii  und  Susceptoren  der  öffentlichen  Steuer  sollen  nicht  im  geheimen, 
sondern  öffentlich  in  (Gegenwart  der  andern  Kurialen,  bez.  des  Populus,  ihre 
Obliegenheiten  zur  Verrichtung  und  Ausführung  übernehmen;  sie,  die 
ernannt,  bez.  erwählt  gewesen  sein  werden,  sollen  den  ludices  bekannt 
werden,  mit  der  Massgabe,  dass  diejenigen,  welche  mit  Bezug  auf  die 
Wahl  solcher  zu  den  Akten  profitiert  gehabt  haben  werden,  wissen  mögen, 
ein  von  jenen  angerichteter  Schade  werde  denjenigen,  von  welchen  sie  ge- 
wählt worden  sind,  zum  Nachteil  gereichen.^ 

2)  Entschädigung  mit  Zuschlag. 

c.  2, 1,  3  a)  Mit  Bezug  auf  alle,  die  sogar  die  Dignität  unserer  hohen  Gegenwart  be- 
gleitet, wollen  wir  den  Satz  gelten  lassen,  dass  ein  Jeder,  der  einen  Raub 
verübt  haben  wird,  in  Höhe  des  Doppelten  das  mit  Gewalt  Angeeignete 
zurückerstatten  solle.^ 

p.  5,  29, 1  b)  Wenn  Jemand  fiskales  Vermögen  angetastet,  geplündert,  umgetauscht  oder 
für  seinen  Gebrauch  verwendet  haben  wird,  wird  er  zu  dem  Vierfachen 
derjenigen  Summe,  welche  er  entnommen  hat,  verurteilt. 

c.  11, 6, 1  c)  Ein  Jeder,  der  irgend  etwas  überfordern  zu  sollen  geglaubt  haben  wird, 
soll  mit  der  Rückgabe  des  Vierfachen  büssen :  indessen  soll  die  Untersuchung 
dessen  auch  für  die  Ordinarii  iudices  derart  auslaufen,  dass,  wenn  etwas  in 


1)  Vgl.  Drittes  Buch,  §  3,  2,  y  a. 


2)  Vgl.  S.  586  Anm.  1. 


d)  C.  12,  2,  1.  Exactores  vel  susceptores 
in  celeberrimo  coetu  curiae,  consensu  et  iu- 
dicio  omnium,  sub  actorum  testificatione  fir- 
mentur,  provinciarumque  rectoribus  eorum 
nomina,  qui  ad  publici  munus  officii  editi 
atque  obligati  fuerint,  innotescant.  Et  aui- 
madvertant,  quicunque  nominaverint,  ad  dis- 
crimen  suum  universa,  quae  illi  gesserint,  re- 
dundaie. 

2)  a)  C.  2,  1,  3.  Non  solum  in  agentes  in 
rebus,  sed  in  alios  etiam  cuiuslibet  horaines 
conditionis  competentes  vigoris  aculei  exse- 
rantur,  si  modo  fuerit  declaratum,  delicto 
eos  obnoxios  detineri  ,  .:  quum  tarnen  direp- 
tionem  videantur  esse  conquesti,  qui  gravia 
testantur  esse  admissa,  quae  obnoxios  claru- 
erit  invasisse,  in  duplum  restituere  compel- 
lantur. 

b)  P.  5,  29,  1.  Si  quis  fiscalem  pecuniam 
attrectaverit,  subripuerit,  mutaverit  seu  in 
suos  usus  converterit,  in  quadruplum  eius 
pecuniae,  quam  sustulit,  condemnatur. 

c)  C.  11,  6,  1.  .  .  ut,  si  quis  usurpatoria 
temeritate  amplius  aliquid  fuerit  conatus  exi- 
gere,  obnoxius  quadrupli  repetitione  teneatur. 
Quae  severitas  iussionis  ad  ordinariorum  iu- 
dicum  officiorumque  terrorem  debebit  excur- 


Exactores  et  susceptores  publicae  func- 
tionis  non  secretim,  sed  publice  praesenti- 
bus  aliis  curialibus  vel  populo  necessitates 
agendas  expediendasque  suscipiant:  et  qui 
nominati  vel  eiecti  fuerint,  iudicibus  inno- 
tescant: scituris  his,  qui  de  electione  taliura 
fuerint  apud  acta  professi,  quod,  si  quid 
everterint,  ad  eorum,  a  quibus  eiecti  sunt, 
dispendium  pertinebit. 

In  Omnibus  personis,  quas  etiam  praesen- 
tiae  nostrae  dignitas  comitatur,  hanc  volu- 
mus  observari  sententiam :  ut  .  .  quicunque 
direptionem  adraiserit,  in  duplum  violenter 
praesumta  restituat. 


.  .  ut  quicunque  aliquid  superexigenduta 
crediderit,  quadrupli  redhibitione  componat. 
Sed  et  ad  ordinarios  iudices  hanc  inquisi- 
tionem  (iubet)  excurrere,  ut  etiam  si  quid 
in  provinciis  eorum  a  quibuscunque  personis 


Entschädigung  §  21. 


651 


ihren   Provinzen    seitens    irgendwelcher  Personen    oder  Kurialen    geschehen 

ist,  auch  sie  die  gleiche  Ersatzstrafe  trifft.^ 
aa)  Wenn    die   Steuerehitreiber    zum   Schaden    der  Provinzialen   des  Ver-   c.  11,4, 2 
brechens    der  Überforderung   werden  haben  überführt  werden  können, 
soll  aus  ihrem  Vermögen  dasjenige,    was  überfordert  worden  ist,   zum 
Vierfachen  zurückerstattet  werden. 

d)  Wenn  Jemand  einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung  c.  s,  2, 1 
des  Erlaubnisscheins,  der  im  öffentlichen  Interesse  gewährt  worden  ist,  sich 
angemasst  haben  wird,  soll  er  auf  Gefahr  des  Kurators  oder  des  Defensors 
und  der  Principales  civitatum  dem  Ordinarius  iudex  überwiesen  werden, 
indem  er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Parangariae 
dem  Fiskus  einbringen  soll.  Wird  der  Rector  provinciae  und  sein  Officium 
dabei  einer  Kollusion  sich  haben  schuldig  machen  wollen,  so  mögen  sie 
wisseu,   dass  aus  ihrem  Vermögen   das  Doppelte  einzutreiben  ist. 

3)  Äquivalent. 

a)  Wenn  Väter  und  Mütter  überführt  gewesen  sein  werden,  ihre  Söhne  wider     '2, 1^' 
ihren  AVillen  der  Last  des  Klerikats  unterworfen  zu  haben,   verordnen  wir, 

dass  sie  mit  dem    dritten  Teile  ihres  Vermögens  gestraft  werden,   der  dem 
Vermögen  des  Sohnes  selbst  zu  statten  kommt. 

b)  Wird  mit  Bezug   auf  irgend  eine  Person  nachgewiesen  gewesen  sein,   dass   ^\^^^^- 


1)  Vgl.  Drittes  Buch,  §  3,  2  z,  a. 


rere,    ut,   si   eorum   vel   gratiosa  conniventia      aut   curialibus   factum   est,  etiam  eos  similis 
vel  ignobili  dissimulatione  temeritas  admise-      danini  poera  castiget. 
rit  curialis,  eos  quoque  darani  similis  poena 
castiset. 


aa)  C.  11,  4,  2.  .  .  exactorum  .  .  persc- 
nae  .  .,  si  in  concussione  possessorum  depre- 
hensi  fuerint,  .  .  direptorum  quadrupli  poena 
ex  eorum  patrimonio  eruatur  .  . 

d)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumserit.  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per  sin- 
gulos  paraveredos  vel  parangarias  fisci  viribus 
illaturus.  Qua  in  parte  si  rector  provinciae 
atque  officium  eins  colludium  praebere  volu- 
erit,  duplum  ex  suis  bonis  noverit  exigen- 
dum. 

3)  a)  N.  Mai.  2,  1.  .  .  clericatus  .  .  patres 
ac  matres,  si  comprobati  fuerint  invitos  filios 
praefato  oneri  subdidisse,  bonorum  suorum 
tertia  iubemus  aö'ligi  ipsius  filii  censibus 
profutura  .  . 

b)  N.  Mai.  2,  1.     .  .  si  quispiam  probatus 


.  .  exactores  .  .  si  in  dispendia  provin- 
cialium  de  s.uperexactionis  crimine  convinci 
potuerint,  .  .  ex  eorum  facultatibus  in  qua- 
druplum,  quae  sunt  superexacta,  reddantur  .  . 


652 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


sie  durch  Gewalt  gezwungen,  zu  Öffentlicher  Schande  die  Pflichten  des 
Klerikats  übernommen  habe,  so  wollen  wir  freiwilhgen  Anklägern,  bez.  wenn 
sie  selbst  dasjenige,  was  sie  erlitten  hat,  wird  haben  angeben  wollen,  die 
Befugnis  gewähren,  bei  kompetenten  ludices  derartige  Vergehen  zu  ver- 
dammen: derart,  dass,  wenn  sich  das  zur  Last  Gelegte  den  Gesetzen  gemäss 
ergeben  haben  wird,  der  Archidiakon  zehn  Pfund  Gold  demjenigen,  der  er- 
duldet haben  wird,  zu  zahlen  gezwungen  wird. 


C)  Busse  §  33. 

1)  Busse  von  sechs  Unzen  Gold. 

ii,ipr.u.  1  3.)  Wenn  irgendwelche  Freie  ihre  Söhne  bei  irgendwelchem  Notstande  oder 
zur  Zeit  der  Hungersnot,  dm'ch  diesen  Notstand  gezwungen,  verkauft  haben 
werden,  und  irgend  Jemand  Personen  dieser  Art  entweder  zu  fremden 
Völkern  oder  nach  überseeischen  Orten  überzuführen  oder  zu  verkaufen 
sich  angemasst  haben  wird^  möge  derjenige,  welcher  es  sich  gegen  die 
Satzungen  angemasst  haben  wird,  wissen,  dass  er  sechs  Unzen  Gold  dem 
Fiskus  entrichten  werde.^ 

2)  Busse  von  zwei  Pfund  Gold. 

c.  16, 1,  5  a)  ^Ein  jeder  Kleriker,  welchen  sein  Bischof  als  eine  Person  von  schlechtem 
Wandel  befunden  und  wegen  der  Verderbtheit  der  Sitten  von  seinem  Grade 
entfernt  haben  wird,    bez.  der  Kleriker,   der   selbst   aus  freien  Stücken  die 


1)  Vgl.  S.  48  Anm.  1. 


fuerit  vi  coactus  sub  contumelia  publica  cleri- 
catus  officiis  successisse,  spontaneis  accusa- 
toribus,  vel  si  ipse  voluerit  allegare  perpessa, 
licentiani  commodemus,  apud  iudices  compe- 
tentes  huius  modi  admissa  damnare:  ut,  si 
inter  leges  obiecta  constiterint,  decem  libras 
auri  archidiaconus  cogatur  inferre  ei,  qui 
pertulerit,  exsolvendas  .  , 

1)  a)  N.V.  ll,lpr.u.  1.  . .  Notum  est  proxime 
obscoenissimam  famem  per  totam  Italiam 
desaevisse,  coactosquo  homines  filios  et  pa- 
rentes  vendere,  ut  discrimen  instantis  mortis 
effugerent  .  .  Si  quis  sane  barbaris  ven- 
ditionem  prohibitam  fecerit,  vel  emtum  in- 
genuum  ad  transmarina  transtulerit,  sciat, 
se  sex  auri  uncias  fisci  viribus  illaturum. 

2)  a)  C.  16,  1,  5.  Quemcunque  clericum 
indignum  officio  suo  episcopus  iudicaverit 
et  ab  ecclesiae  ministerio  segregaverit,  aut 
si  qui  professum  sacrae  religionis  obsequium 
sponte  dereliquerit,  continuo  eum  curia  sibi 
vindicet,   ut  liber  illi  ultra  ad  ecclesiam  re- 


.  .  quicuncjue  ingenui  filios  suos  in  qua- 
libet  necessitate  seu  famis  tempore  vendi- 
derint,  ipsa  necessitate  compulsi,  .  .  si  huius 
modi  personas  aliquis  aut  ad  extraneas  gen- 
tes  aut  transmarina  loca  transferre  aut  ve- 
numdare  praesumserit,  ipse,  qui  hoc  contra 
statuta  praesumserit,  sex  auri  uncias  fisco  se 
noverit  illaturum. 

Quemcunque  clericum  episcopus  suus  ma- 
lae  vitae  esse  probaverit  et  eum  de  gradu 
suo  pro  morum  pravitate  deiecerit,  vel  si 
ipse  clericus  sua  voluntate  professionem  re- 
liquerit  clericatus,  continuo  a  iudice  curia- 
libus    adiungatur,   ut,   si   ita   et  natalibus  et 


Busse  §  22. 


658 


Profession  des  Klerikats  aufgegeben  haben  wird,  soll  unverzüglich  von  dem 
Judex  den  Kurialen  angereiht  werden,  mit  der  Massgabe,  dass  letzterer  ihn, 
wenn  jener  hierzu,  sowohl  nach  Geburt,  als  auch  nach  Vermögen,  geeignet 
ist,  anhalten  soll,  unter  den  Kurialen  selbst  sein  Officium  zu  verwalten:  ist 
er  aber  eine  Person  niedrigen  Standes,  so  soll  er  ihn  zu  den  Collegiati 
rechnen,  bez.  nach  Massgabe  seiner  Eignung  öffentlich  Dienste  verrichten 
lassen,  derart,  dass  Personen  dieser  Art  von  den  Kurialen  mittels  irgend- 
welcher Kollusion  unter  keinen  Umständen  entschuldigt  werden  sollen. 
Wird  es  geschehen  gewesen  sein,  so  mögen  die  Kurialen  wissen,  dass  sie  für 
die  einzelnen  Personen  zwei  Pfund  Gold  dem  Fiskus  einzubringen  haben. ^ 

3)  Busse  von  fünf  Pfund  Gold. 

a)  ^Wenn    die    Honorati    provinciarum    in    eigner   Person    an    einem    Prozess   c.  i,  7,  i 
beteiligt  sind,  sollen  sie    zu    der   Zeit,    dass    die  Sachen  Anderer  von    den 
Richtern  verhandelt  werden,    mit    dem  Richter  nicht   zusammensitzen.     In- 
gleichen   sollen    die    Parteien    in    den    Mittagsstunden    den    Richter    nicht 
begrüssen.     Werden  sie  Anderes  sich  angemasst  haben,  so  sollen  ebensosehr 

der  Richter  wie  sein  Officium  und  die  Honorati  die  Strafe  von  fünf  Pfund 
Gold  zahlen.^ 

b)  ^So    oft   wegen   kleiner  Vergehen  mit  Bezug  auf  das  Vergehen  eine  Actio  Sr^äu  s 
angestrengt  sein   wird,   verordnen  wir,   dass  die  Strafe  hierfür  vor  die  Me- 
diocres  iudices,  die  für  die  öffentliche  Ordnung  sorgen,  das  w^ill  sagen,  ent- 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  8  b. 

2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  2  c. 


cursus  esse  non  possit,  et  pro  hominum  qua- 
litate  et  quantitate  patrimonii  vel  ordini  suo 
vel  collegio  civitatis  adiungatur:  modo  ut 
quibuscunque  apti  erunt  publicis  necessitati- 
bus  obligentur,  ita  ut  colludio  quoque  locus 
non  sit.  Per  singulos  igitur  binae  librae  auri 
inferendae  aerario  nostro  a  decemprimis  cu- 
rialibus  exigantur,  si  aliquibus  illicitam  con- 
niventiam  et  coUudia  foeda  praestiterint, 
hominibusque  improbissimis  ab  omnibus  offi- 
ciis  militiae  aditus  obstruatur. 

3}  a)  C.  1,  7,  1.  Honorati,  qui  lites  habere 
noscuntur,  his  locis,  quibus  causarum  merita 
vel  facta  pandantur,  residendi  cum  iudice 
non  habeant  facultatem:  nee  meridianis  horis 
a  litigatoribus  iudices  videantur.  Quina  ita- 
que  pondo  auri  tarn  iudici,  quam  eins  officio 
et  honoratis  parem  mulctam  adscribendam 
esse  cognoscas,  si  quis  contra  praeceptum 
huiusmodi  venire  tentaverit. 

b)  C.  2,  1,  8,  pr.  2  u.  3.  Causas  plurimi 
instituentes  .  .  sub  specie  criminis  tuum  pul- 
sant  iudicium  .  .  Quum  igitur  de  his  rebus 
parvis  ac  minimis  tuae  sit  iniuria  potestatis 


facultatibus  est  idoneus,  eum  inter  ipsos  cu- 
riales  officium  suum  implere  compellat.  Si 
autem  infima  persona  est,  inter  collegiatos 
eum  observare,  vel  ad  quae  aptus  fuerit,  in 
publico  servire  (lex  ista  constituit),  ita  ut 
huius  modi  personae  a  curialibus  quolibet 
colludio  nuUatenus  excusentur.  Quod  si  fac- 
tum fuerit,  pro  singulis  personis  curiales 
binas  libras  auri  fisco  a  se  noverint  infe- 
rendos. 

Honorati  provinciarum  .  .,  si  et  ipsi  in 
lite  sunt  constituti,  tempore,  quo  causae  ali- 
orum  a  iudicibus  ventilantur,  cum  iudice  non 
resideant:  et  litigatores  meridianis  horis  iu- 
dicem  non  salutent.  Si  aliud  praesumserint, 
mulctam  supra  scriptae  legis  exsolvant. 


Quoties  de  parvis  criminibus  .  .  sub  cri- 
minis nomine  actio  fortasse  processerit,  ad 
mediocres  iudices,  qui  publicam  disciplinam 
observant,    id   est,    aut  defensores  aut  asser- 


654 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


N.V. 
3,  1, 1—3 


C.  1,  10,  1 


weder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Assertores  pacis  gehöre.  Vor  den 
Rectoi:  provinciae  hingegen  soll  derjenige  kriminelle  Handel  gelangen,  wo  die 
Inskription  von  Personen  oder  eine  grössere  Sache  in  Betracht  kommt,  die 
nicht  anders  als  von  dem  Ordinarius  iudex,  nach  Verlesung  des  Gesetzes- 
inhalts, beendet  werden  darf.  Wird  diese  Vorschrift  ausser  Acht  gelassen 
gewesen  sein,  so  mögen  die  Offizialen,  welche  die  Sachen  einführen,  wissen, 
dass  sie  zu  fünf  Pfund  Gold  zu  verurteilen  sind.^ 

c)  Wenn  Jemand  an  den  Princeps  sich  gewendet  haben  wird,  mit  der  Angabe, 
dass  er  infolge  eines  Zufalls  einen  Totschlag  verübt  habe,  und  dass  der 
Totschlag  von  ihm  nicht  absichtlich  verübt  gewesen  sei,  und  nach  statt- 
gehabter Untersuchung  überführt  gewesen  sein  Avird,  aus  freien  Stücken 
die  Tötung  verübt  zu  haben,  so  soll  der  Vir  spectabilis  Magister  scrinii, 
der  den  Supplizierenden  verbotene  Bescheide  erteilt  haben  wird,  gezwungen 
werden,  eine  Strafe  von  fünf  Pfund  Gold  an  unser  Sacrum  aerarium  ab- 
zuführen.^ 

d)  AVird  erwiesen  werden,  dass  einer  aus  der  Zahl  der  Defensoren  hierzu  in- 
folge eignen  Andrangs,  '^nicht  mittels  Dekrets^  gelangt  ist,  so  soll  er  ge- 
zwungen werden,  für  diese  Anmassung  dem  Fiskus  fünf  Pfund  Gold  zu 
entrichten. 


1)  Vgl.  S.  476  Anni.  1  u.  S.  591  Anm.  2. 
3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


2)  Vgl.  §  1,  4  a. 


iudicare,  decretum  est,  eas  tantum  causas 
criminales  a  sinceritate  tua  audiri ,  quas 
dignus  et  meritus  horror  inscriptionis  imple- 
verit,  quae  raagnitudinem  videlicet  criminis 
tempusque  designat,  iit  alterutram  partem 
digna  legum  tenere  possit  austeritas.  Quod 
statutum  si  fuerit  forte  contemtum,  hi,  qui 
ex  officio  ingrediuntur  secretarium,  quinque 
librarum  auri  condemnatione  feriantur. 

c)  N.V.  3,  1,  1 — 3.  .  .  sancimus,  ut  homi- 
cidii,  quod  tarnen  casibus  imputaverit  con- 
fessio  supplicantis,  non  aliter  indulgentia 
nisi  nostri  numinis  annotatione  praestetur  .  . 
Postquam  tarnen  ad  cuiuscunque  cognitoris 
tribunal  annotatio  nostra  parvenerit,  oxami- 
nari  fidem  precum  diligentev  iubemus  .  . 
Homicidas  (autem)  in  hominum  caedem  ne- 
faria  voluntate  grassatos  aliorumve  capita- 
lium  criminum  reos  nee  per  annotationes 
nostras  licebit  absolvi.  Vir  spectabilis  raa- 
gister  scrinii,  qui  interdicta  supplicantibus 
responsa  praebuerit,  quinque  librarum  auri 
mulctam  sacro  aerario  nostro  cogatur  inferre. 

d)  C.  1,  10,  1,  .  .  Quod  si  quis  ad  locum 
defensionis   ambitione   pervenerit,    confestim 


tores  pacis,  vindictam  eins  rei  decernimus 
pertinere.  Ad  rectorem  vero  provinciae  illud 
negotium  criminale  perveniat,  ubi  de  perso- 
narum  inscriptione  agitur,  vel  maior  causa 
est,  quae  non  nisi  ab  ordinario  iudice,  reci- 
tata  legis  sententia  debeat  terminari.  Quod 
praeceptum  si  fuerit  praetermissum,  officiales, 
qui  negotia  intromittunt,  quinque  libras 
auri  se  noverint  esse  damnandos. 

(Lex  ista  praecipit,)  ut,  si  quis  ad  prin- 
cipem  convolaverit,  asserens  se  casu  liomi- 
cidium  perpetrasse,  non  volantarie  a  se  ho- 
micidium  fuisse  commissum,  .  .  si  voluntarie 
habita  discussione  convictus  fuerit  homici- 
dium  commisisse  .  . 


.  .  Quod  si  quis  defensorum  ad  hanc  rem 
cupiditate  propria,  non  interveniente  decreto, 


Busse  §  22. 


655 


e)  Bei  der  Bestrafung  der  Kurialeii  müssen  die  ludices  eine  gewisse  Nachsicht  c.  12, 1, 5 
in  Acht  nehmen,  dass  sie  nicht  leichthin  gegen  den  Körper,  bez.  das  Blut 
der  Kurialen  zu  wüten  sich  anmassen  sollen.    Wird  Jemand  im  Widersprucli 
damit   gehandelt    haben,    so   soll   der  Judex    selbst   fünf  Pfund  Gold    dem 
Fiskus  zu  entrichten  gezwungen  werden. 

4)  Busse  von  zehn  Pfund  Gold. 

a)  ^Wenn  diejenigen,  welche  von  den  Feinden  zur  Zeit  der  Gefangennehmung  pr.^i,\,\ 
weggeführt  worden  sind,  seitens  irgendwelcher  Personen,  sei  es  auf  Nahrung 
oder  auf  Kleidung,  irgend  etwas  in  Empfang  genommen  haben,  soll,  sobald 
sie  in  ihre  Heimat  werden  haben  zurückkehren  wollen,  durchaus  nicht  irgend 
etwas  für  ihre  Ausgaben  verlangt  werden.  Wird  jedoch  der  Beutemacher  für 
seinen  Gefangenen  einen  Preis  empfangen  haben,  so  soll  der  Loskäufer  ohne 
Zweifel  zurückempfangen,  was  er  gegeben  zu  haben  erwiesen  haben  wird. 
Wird  der  Gefangene  den  Preis  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er  während  eines 
Zeitraums  von  fünf  Jahren  dem  Loskäufer  dienen  und  nach  dem  Zeitraum 
von  fünf  Jahren  ohne  Preis  der  Ingenuität  wiedergegeben  werden.  Alle 
ludices  mögen  wissen,  dass  sie  dem  Fiskus  zehn  Pfund  Gold  geben  werden, 
falls  sie  die  Vorschriften  dieses  Gesetzes  verwahrlost  haben  w^erden.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  5,  1  d. 


eum   sinceritas   tua  reiectum   quinque  libras 
auri  fisci  utilitatibus  cogat  inferre. 

e)  C.  12,  1,  5.  Oppidaneis  ordinibus  consu- 
lentes  dudum  iussimus,  ab  iniuriis  corporali- 
bus  tutam  esse  debere  ordinis  dignitatem. 
Condemnationibus  etiam  modum  imposuimus, 
qui  legibus  designatur.  Ideoque  sancimus, 
ut,  si  iudex  vel  in  condemnationibus  expri- 
mendis  vel  in  corporalibus  iniuriis  ultra  lici- 
tum  contra  curialem  exarserit,  ipse  quidem 
auri  pondo  quinque  .  .   inferat. 

4)  a)  C.  5,  5,  2,  pr.  1,  2,  4.  Diversarum  ho- 
mines  provinciarum  cuiuslibet  sexus,  condi- 
tionis,  aetatis,  quos  barbarica  feritas  captiva 
necessitate  transduxerat,  invitos  nemo  reti- 
neat,  sed  ad  propria  redire  cupientibus  libera 
sit  facultas.  Quibus  si  quicquam  in  usum 
vestium  vel  alimoniae  impensum  est,  huma- 
nitati  sit  praestiturn,  nee  maneat  victualis 
sumtus  repetitio:  exceptis  iis,  quos  barbaris 
veudentibus  emtos  esse  docebitur,  a  quibus 
Status  sui  pretium  propter  utilitatem  publi- 
cam  emtoribus  aequum  est  redhiberi.  No 
quando  enim  damni  consideratio  in  tali  ne- 
cessitate positis  negari  faciat  emtionem,  de- 
cet  redemtos  aut  datum  pro  se  pretium  em- 
toribus restituere  aut  labore,  obsequio  vel 
opere    quinquennii    vicem    referre    beneficii, 


pervenisse  probabitur,  pro  hac  praesumtione 
quinque  libras  auri  fisco  inferre  cogatur. 

In  correctione  curialium  certam  patien- 
tiam  iudices  debent  retinere,  ut  in  corpore 
vel  in  sanguine  curialium  non  facile  audeant 
desaevire.  Nam  si  contra  hoc  fecerit,  ipse 
quidem  iudex  quinque  libras  auri  .  .  fisco 
inferre  cosratur. 


Hi,  qui  ab  hostibus  tempore  captivitatis 
ducti  sunt,  si  ab  aliquibus  vel  ad  victum  vel 
ad  vestitum  aliquid  acceperunt,  quum  redire 
ad  propria  voluerint,  minime  aliquid  pro 
eorum  requiratur  expensis.  Tamen  si  pre- 
tium pro  captivo  suo  praedator  acceperit, 
quod  dedisse  emtor  probaverit,  sine  dubi- 
tatione  recipiat.  Quod  si  pretium  non  ha- 
buerit,  quinquennio  serviat  captivus  emtori 
et  post  quinquennium  sine  protio  ingenui- 
tati  reddatur  .  .  ut  omnes  iudices  sciant,  de- 
cem  libras  auri  fisco  se  daturos,  qui  huius 
legis  praecepta  neglexerint. 


656 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


C.  3,  11,  1 
pr. 


C.  2,  1,  9 


N.  V. 
2,  1,1  U.  4 


b)  Wenn  irgend  Jemand  aus  der  Zahl  derjenigen  ludices,  welche  Provinzen 
verwalten,  oder  auch  derjenigen,  denen  Gemeinden,  bez.  Loca,  anvertraut 
worden  sind,  mittels  Machtentfaltung  wider  den  AVillen  der  Eltern  Jung- 
frauen oder  Witwen,  selbst  wenn  sie  Sui  iuris  sind,  kraft  ihrer  Gewalt  zur  Ehe 
sich  zugesprochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren  eignen 
Interessen  zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels  Kollusion 
mit  beliebigen  Personen,  zugesprochen  werden,  sodass  sie  den  genannten 
Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  so  möge  ein  Jeder,  der  es 
sich  angemasst  haben  wird,  wissen,  dass  er  zu  zehn  Pfund  Gold  zu  ver- 
urteilen ist.^ 

c)  Wird  irgend  Jemand  unter  Übergehung  des  Provinciae  iudex  vor  denjenigen, 
die  an  der  Spitze  der  Bewaffneten  zu  stehen  gelten,  seine  Sache  anbringen 
zu  sollen  geglaubt  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  derjenige,  welcher  die 
Sache  von  jenem  zu  proponieren  übernommen  haben  wird,  zu  zehn  Pfund 
Gold  zu  verurteilen  ist.^ 

d)  Die  Primaten  einer  jeden  Militia,  bez.  eines  jeden  Officium,  soll  eine  un- 
verzüglich durch  die  Apparitio  des  Praefectus  Prtietorio  einzutreibende  Strafe 
von  zehn  Pfund  Gold  treffen,  wenn  sie  Jemanden  werden  haben  dienen 
lassen,  der  von  dem  Aberglauben  der  Manichäer  besudelt  ist.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  14,  2  c. 
3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  3  b. 


2)   Vg].  Erstes  Buch  §  1,  1  a,  b. 


hahituros  incolumem,  si  in  ea  nati  sunt, 
libertatem.  Reddantur  igitur  sedibus  pro- 
priis  sub  moderatione,  qua  iussimus  .  .  no- 
verint  rectores  universi,  decem  libras  auri  a 
se  et  tantundem  a  suis  apparitionibus  exi- 
gendum,  si  praeceptum  neglexerint. 

b)  C.  3,  11, 1  pr.  Si  quis  ordinaria  vel  qua- 
libet  praedictus  potestate  circa  nuptias  invitis 
ipsis  vel  parentibus  contrahendas,  sive  pu- 
pillae sive  apud  patres  virgines  sive  viduae 
erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  deinde  cuius- 
cunque  sortis,  occasione  potestatis  utatur,  et 
minacem  favorem  suum  invitis  iis,  quorum 
utilitas  agitur,  exhibere  aut  exhibuisse  dete- 
gitur,  hunc  (et)  mulctae  librarum  auri  decem 
obnoxium  statuimus  .  . 

c)  C.  2,  1,  9.  Si  quis  neglectis  iudicibus 
ordinariis  sine  coelesti  oraculo  causam  civilem 
ad  militare  iudicium  crediderit  deferendam, 
.  .  intelligat,  .  .  advocatum  eins  decem  li- 
brarum auri  condemnatione  feriendum. 

d)  N.  V.  2,  1,  1  u.  4.  .  .  Manichaeorum  .  . 
Primates  uniuscuiusque  militiae  vel  officii 
mox  exigenda  per  apparitionem  vestram 
decem    librarum    auri    mulcta    percellat,    si 


Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civitates 
vel  loca  commissa  sunt,  per  potentiam  invitis 
parentibus  virgines  aut  etiam  viduas,  si  sui 
iuris  sint,  per  potestatem  ad  nuptias  suas 
addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et  earum 
utilitatibus  obviantes  per  terrorem  aut  per 
quorumcunque  coUudium  addicantur,  ut  his 
personis,  de  quibus  loquitur,  invitae  iungan- 
tur:  quicunque  hoc  praesumserit,  decem  pondo 
auri  se  noverit  condemnandum  .  . 

Quisquis,  contemto  provinciae  iudice,  ad 
illos,  qui  armatis  praeesse  noscuntur,  cau- 
sam suam  crediderit  transferendam,  .  .  co- 
gnoscat,  (et)  eum,  qui  causam  illius  susce- 
perit  proponendam,  decem  libras  auri  esse 
damnandum. 


Busse  §  22. 


657 


e)  Bei  der  Bestrafung  der  Kurialen  müssen  die  Iiidices  eine  gewisse  Nachsicht  c.  12,  i,  5 
in  Acht  nehmen,  dass  sie  nicht  leichthin  gegen  den  Körper,  bez.  das  Bkit 
der  Kurialen    zu*  wüten    sich   anmassen   sollen.     Wird  Jemand  im  Wider- 
spruch damit  gehandelt  haben^  so  soll  sein  Officium  zehn  Pfund  Gold  dem 
Fiskus  zu  entrichten  gezwungen  werden. 

5)  Busse  von  zwanzig  Pfund  Gold. 

a)  ^Wird  irgend  Jemand,  der  Soldat  ist,  auf  Öffentlichem  Boden  ein  Gebäude  c.  2, 23, 1 
errichtet  oder  irgend  etwas  zu  seinem  Vorteil  thun  zu  sollen  geglaubt  haben, 
so  soll  er  durchaus  nicht  durch  irgend  Jemandes  Chikane  vertrieben  werden, 
sondern  es  dauernd  in  seinem  Rechte  haben.  Wird  dieser  Soldat,  der 
unsern  Interessen  dient,  einen  Locus  publicus  hergerichtet,  bez.  zur  Bebauung 
inne  gehabt  haben,  es  hat  die  Ortlichkeit  jedoch  Niemand  vorher  innegehabt, 
an  dessen  Stelle  dieser  Soldat  als  Usurpant  getreten  sein  wird,  so  soll  er 
es  in  gleicher  Art  besitzen.  Wird  hiergegen  auch  bei  dem  Princeps  eine 
Erschleichung  stattgefunden  gehabt  haben,  so  soll  nicht  nur  das  Erzielte 
keine  Giltigkeit  besitzen,  sondern  auch  der  ungerechte  Bewerber  dem 
Fiskus  zwanzig  Pfund  Gold  zu  zahlen  verpflichtet  werden.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  4  a. 


quem    hac    superstitione    pollutum    siverint 
militare  .  . 

e)  C.  12,  1,  5.  Oppidaneis  ordinibus  con- 
sulentes  dudum  iussimus,  ab  iniuriis  corpo- 
ralibus  tutam  esse  debere  ordinis  dignitatem. 
Condemnationibus  etiam  modum  imposuinius, 
qui  legibus  designatur.  Ideoque  sancimus, 
ut,  si  iudex  vel  in  condemnationibus  expri- 
mendis  vel  in  corporalibus  iniuriis  ultra  lici- 
tum  contra  curialem  exarserit,  .  .  officium 
(vero)  eius  decem  fisco  inferat. 

5)  a)  C.  2,  23,  1.  Quisquis  armatae  mili- 
tiae  stipendiis  coramunitus  in  solo  publico 
vel  aedificium  aliquod  construxerit  vel  septis 
quibuslibet  spatia  certa  concluserit,  perpetuo 
iure  et  firmo  dominio  eadem  ex  nostra  ge- 
nerali auctoritate  possideat,  nee  per  surrep- 
tionem  aliquis  postea  eadem  loca  a  nostra 
dementia  audeat  postulare.  lUud  quoque 
sancimus,  si  quisquam  militum  simili  condi- 
tione  ante  hoc  tempus  loca  publica  possi- 
denda  detinuit,  ac  postea  eadem  per  alias 
competitionum  nebulas  detectus  fuerit  ami- 
siese,  reformari  eadem ;  ita  tamen,  si  proba- 
tum  fuerit,  a  nullo  antea  possessum  solum 
hac,  qua  ostendimus,  a  milite  ratione  de- 
tentum:  vel  si,  in  alios  forte  eorum  militum 
voluntate  translatum  fuisse,  quod  tenuerant, 
0  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


In  correctione  curialium  certam  patien- 
tiam  iudices  debent  retinere,  ut  in  corpore 
vel  in  sanguine  curialium  non  facile  aude- 
ant  desaevire.  Nam  si  qui  contra  hoc  fe- 
cerit,  .  .  (iudex  .  .)  officium  eius  decem  auri 
libras  fisco  inferre  cograntur. 


Quicunque  militans  in  solo  publico  aedi- 
ficium fortasse  exstruxeriif  aut  aliquid  pro 
utilitate  sua  crediderit  faciendum,  per  nullius 
calumniam  penitus  repellatur,  sed  hoc  per- 
petuo in  eius  iure  permaneat.  Idem  miles 
nostris  utilitatibus  serviens,  si  locum  publi- 
cum construxerit  vel  ad  excolendum  fortasse 
tenuerit,  si  hoc  tamen  nullus  antea  tenuit, 
cui  miles  ipse  pervasor  exstiterit,  simili  ra- 
tione possideat.  Contra  quam  rem  etiamsi 
surreptum  principi  fuerit,  non  solum  impe- 
trata  non  valeant,  verum  etiam  improbus 
petitor  viginti  libras  auri  fisco  cogatur  ex- 
solvere. 


42 


658 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


c.  11, 11, 5  b)  Wird  Jemand  mittels  Appellation  die  Eröffnung  eines  von  einer  beliebigen 
Person  errichteten  Testaments  haben  hinziehen  und  den  eingesetzten  Erben 
von  dem  Erbschaftsantritt  haben  abhalten  und  wird  der  Judex  in  diesem 
Punkte  dem  Appellanten  seine  Zustimmung  haben  gewähren  wollen,  damit 
dem  niedergeschriebenen  letzten  Willen  um  so  weniger  der  Effekt  auf  dem 
Fusse  folge,  so  soll  ebenso  sehr  der  Judex  selbst,  wie  derjenige,  welcher 
appelliert  haben  wird,  gezwungen  werden,  dem  Fiskus  zwanzig  Pfund  Gold 
zu  zahlen.^ 
c.  9, 2, 3  c)  -An  allen  Sonntagen  sollen  die  ludices  die  Angeschuldigten  unter  sicherer 
Bewachung  aus  den  Gefängnissen  herausführen,  damit  ihnen  von  den 
Christen,  bez.  von  den  Priestern,  Mittel  oder  Zehrung  gewährt  werden; 
auch  sollen  sie  Rehgionshalber  an  den  genannten  Tagen  unter  sicherer 
Bewachung  zum  Bade  geführt  werden.  Werden  ludices  es  auszuführen  ver- 
säumt haben,  so  sollen  sie  gezwungen  werden,  ebie  Strafe  von  zwanzig 
Pfund  Gold  zu  entrichten.*^ 


1)  Vgl.  S.  426  Anm.  4. 

2)  Vgl.  §  12,  3d. 


potuerit  edocere.  Ne  quis  sane  post  haue 
definitionem  nostri  numinis  surripiendo  pos- 
tulare  audeat  haec  spatia,  de  quibus  prae- 
sens oraculi  nostri  forma  comprehendit, 
poenam  viginti  librarum  auri  iubemus  ad- 
scribi. 

b)  C.  11,  11,  5.  Quisquis,  ne  voluntas 
diem  functi  testamento  scripta  reseretur,  vel 
ne  hi,  quos  scriptos  patuerit,  heredes  edicti 
per  divum  Hadrianum  conditi  beneficium 
consequantur,  ausus  fuerit  provocare,  inter- 
positamque  appellationem,  cuius  de  ea  re 
notio  erit,  recipiendam  esse  crediderit,  vi- 
ginti   librarum    auri    mulcta   et   litigatorem, 

•  qui  tarn  importune  appellaverit,  et  iudicem, 
qui  tarn  ignave  conniventiam  adhibuerit,  in- 
volvat. 

c)  C.  9,  2,  3.  ludices  omnibus  dominicis 
diebus  productos  reos  e  custodia  carcerali 
videant  et  interrogent,  ne  bis  humanitas 
clausis  per  corruptos  carcerum  custodes  ne- 
getur.  Victualem  substantiam  non  habentibus 
faciant  ministrari,  libellis  duabus  aut  tribus 
diurnis  vel  quot  existimaverint,  commenta- 
riensi  decretis,  quorum  sumtibus  proficiant 
alimoniae  pauperum;  quos  ad  lavacrum  sub 
fida  custodia  duci  oportet,  mulcta  iudicibus 
viginti  librarum  auri  et  officiis  eorum  eius- 
dem  ponderis  constituta,  ordinibus  quoque 
trium  librarum  auri  mulcta  proposita,  si 
saluberrime  statuta  contemserint  .  . 


.  .  ut,  si  quis  a  quocunque  conditum  tes- 
tamentum  per  appellationem  differre  voluerit, 
ut  non  debeat  reserari,  et  scriptum  heredem 
ab  adeunda  hereditate  suspendere,  et  in  hac 
parte  iudex  appellatori  voluerit  praebere  con- 
sensum,  ut  quo  minus  scriptam  voluntatem 
non  sequatur  effectus:  tam  ipse  iudex  quam 
is,  qui  appellaverit,  viginti  libras  auri  fisco 
coffatur  exsoWere. 


Omnibus  dominicis  diebus  iudices  sub  fida. 
custodia  de  carceribus  reos  educant,  ut  eis 
a  Christianis  vel  a  sacerdotibus  substantia 
vel  alimonia  praebeatur,  et  ad  balneum  prae- 
dictis  diebus  sub  fida  custodia  religionis  con- 
templatione  ducantur.  Si  qui  iudices  hoc 
implere  neglexerint,  poenam  .  .  cogantur 
implere. 


Busse  §  22. 


659 


6)  Busse  von  dreissig  Pfund  Gold  (vgl.  S.  83  Anm.  1). 

a)  ^Als  Steuereintreiber  sollen  zur  Eintreibung  der  Tributariae  functiones  ge-  c.  11,4, 2 
eignete  Männer  abgefertigt  werden,  mit  der  Massgabe  dass,  wenn  mit  Be- 
zug auf  sie  irgend  eine  Anklage  des  Volkes  sich  erhoben  haben  wird,  an 
ihre  Stelle  andere  Personen  geschickt  werden  sollen.  Die  ludices  provin- 
ciarum  mögen  indessen  wissen,  dass  sie  zu  einer  Strafe  von  dreissig  Pfund 
Gold  zu  verurteilen  sind,  wenn  sie  dasjenige,  was  verordnet  worden  ist,  zu 
erfüllen  versäumt  haben  werden.^ 

7)  Busse  von  fünfzig  Pfund  Gold. 

a)  Ein  Jude,  ein  Samaritane  soll  nicht  wagen,  eine  Synagoge  zu  errichten. 
Denn  wenn  sie  es  gethan  haben  werden,  mögen  sie  wissen,  dass  die  Ur- 
heber des  Baues  mit  fünfzig  Pfund  Gold  zu  strafen  sind. 

8)  Sonstige  Busse. 

a)  Manche    Personen    werden    überführt,    behufs    Erzielung    eines    Wunsches   c.  2, 29, 1 
Suffragien    gegeben    zu    haben,    und    haben    nachher,    sobald    sie    zu    der 
Militia   gelangt    sind,    dasjenige,    was     sie    gegeben    hatten,    wegzunehmen 

sich  angemasst:  wenn  es  weggenommen  gewesen  sein  wird,  soll  derjenige, 
welcher  es  genommen  hat,  noch  einmal  soviel  dem  Fiskus  zu  entrichten 
gezwungen  werden.^ 

b)  Wir  wollen,  dass  alle  Acker  und  Sklaven,  die  beliebigen  Personen  aus  dem 


N.Th.3,1, 
3u.  5 


c.  10, 1, 1 


1)  Vgl.  §  8,  4  a. 

2)  Vgl.  S.  287  Anm.  1. 

3)  Die  Rationales  und  Magistri  privatae  rei  und  die  Offizialen. 


6)  a)  C.  11,  4,  2.  Constituto  tempore  pu- 
blice apud  Karthaginem  in  secretario,  ad- 
misso  populo,  exactorum  ordinabuntur  ido- 
neae  strenuaeque  personae.  De  quibus  si 
popularis  accusatio  ulla  processerifc,  in  eorum 
locum  alios  par  erit  destinari . .  ludices  autem 
triginta  librarum  auri  mulctae  acerbitate 
sciant  se  esse  plectendos,  nisi  ea,  quae  salu- 
briter  ordinata  sunt,  necessaria  devotione 
compleverint. 

7)  a)  N.  Th.  3,  1,  3  u.  5.  illud  .  .  arcentes, 
ne  qua  synagoga  in  novam  fabricam  surgat  . . 
Et  qui  synagogae  fabricam  coepit  non  studio 
reparandi,  cum  damno  quinquaqinta  librarum 
auri  fraudetur  ausibus  suis  .  . 

8)  a)  C.  2,  29,  1.  Foedis  commentis,  quae 
bonorum  merito  deferuntur,  quidam  occupare 
meruerunt  et  quum  meruissent,  in  republica 
quolibet  pacto  versari,  .  .  quae  tunc  dona- 
verant  vel  potius  proiecerant  ob  immeritas 
causas,  invadenda  denuo  crediderunt,  .  .  et 
alterura  tantum  fisci  viribus  inferre  cogatur. 

b)  C.  10,  J,  1.     Possessiones  atque  manci- 
pia   exemta  fisci  patrimonio   quibusdam  do- 


(Haec  lex  hoc  praecipit),  exactores  ad 
exigendas  tributarias  functiones  idoneos  esse 
mittendos,  ita  ut,  si  de  bis  populi  accusatio 
ulla  processerit,  .  .  in  eorum  locum  alii  diri- 
gantur  .  .  ludices  vero  provinciarum  triginta 
librarum  auri  se  poena  noverint  feriendos, 
si  haec,  quae  statuta  sunt,  implereneglexerint. 


.  .  ludaeus,  Samaritanus  .  .  NuUam  (de- 
nuo) audeant  construere  synagogam.  Nam  si 
fecerint,  noverint,  .  .  quinquaginta  pondo 
auri  auctores  fabricae  esse  mulctandos  .  . 

Aliquanti  pro  sua  voluntate  sufiFragia  de- 
disse  probantur,  et  postea,  quum  ad  mili- 
tiam  pervenerunt,  ea,  quae  dederant,  .  .  au- 
ferre  .  .  praesumserunt  .  .  si  sublatum  (ei)  fu- 
erit,  .  .  aliud  tantum  ille,  qui  abstulit,  fisco 
cogatur  inferre. 

Quicunque  agri  atque  mancipia  quibus- 
cunque  personis  de  fisci  nostri  iure  donantur, 

42* 


660 


Öffentliches  Recht.     Zweites  Buch. 


P.  5,  7,  7 


P.  5,  7,  12 


C.  2,  1,  6 


C.  1,  2,5 


Yermögen  unseres  Fiskus  geschenkt  werden,  hei  denjenigen,  welchen  sie 
geschenkt  worden  sind,  ohne  irgendwelche  Anfechtung  verharren,  indem  eine 
Strafe  gegen  die  Ordinatoren  der  kaiserlichen  Häuser^  proponiert  worden 
ist,  wenn  sie  nachweislich  gegen  die  Vorschrift  handeln. 

c)  Über  denjenigen,  welcher  eine  fremde  AYasserleitung  usurpiert,  wird  eine 
Geldstrafe  verhängt:  die  Fürsorge  hierfür  gehört  zur  Obliegenheit  des 
Praeses. 

d)  Wenn  irgend  Jemand  einen  freien  Menschen  gebunden,  verborgen,  ein- 
geschlossen gehalten  oder,  damit  es  geschehe,  Beistand  verliehen  haben 
wird,  wird  gegen  ihn  die  Legis  Fabiae  actio  gegeben,  nämlich,  damit  der- 
jenige, welcher  unter  Verschluss  oder  in  Fesseln  gehalten  wird,  von  jenen, 
der  überführt  wird,  es  gethan  zu  haben,  vorgewiesen  werde:  entweder  ist 
er  nach  der  Lex  Fabia  zu  strafen  oder  gemäss  der  Schätzung  des  Judex 
mit  einer  Geldstrafe  zu  belegen.^ 

e)  Wird  Jemand,  der  ehie  Sache  hat,  erwiesen  haben,  dass  er  von  seinem 
Richter,  sei  es  aus  Übermut,  sei  es  aus  Konnivenz  für  seinen  Gegner, 
nicht  vernommen  worden  ist,  so  befehlen  wir,  dass  der  Richter  so  viel,  als 
die  Sache,  um  die  es  sich  handelt,  wert  gewesen  sein  wird,  unserm  Fiskus 
zahlen  solle.^ 

f)  Die  ludices,  die  die  den  Gesetzen  gemäss  gegebenen  Vorschriften  des  Prin- 


1)  Vgl.  §  2,  1  b. 

2)  Vgl.  S.  481  Anm.  1. 


navimus.  Haec  directo  iure  atque  perpetuo 
absque  omni  quaestione  volumus  obtineri; 
poena  contra  rationales  et  magistros  priva- 
tae  rei  atque  officiales  proposita,  si  quid 
contra  tentaverint. 

c)  P.  5,  7,  7.  .  .  Alienam  (autem)  aquam 
usurpanti  poena  nummaria  irroojatur:  cuius 
rei  eura  ad  sollicitudinem  praesidis   spectat. 

d)  P.  5,  7,  12.  Adversus  eum,  qui  homi- 
nem  liberum  vinxerit,  suppresserit,  incluserit 
operamve,  ut  id  fieret,  dederit,  tarn  inter- 
dictum,  quam  legis  Fabiae  super  ea  re  actio 
redditur.  Et  interdicto  quidem  id  agitur,  ut 
exhibeatur  is,  qui  detinetur:  lege  autem 
Fabia,  ut  etiam  poena  nummaria  coerceatur. 


e)  C.  2,  1,  6.  .  .  si  quis  litigator  se  vel 
fastidio  vel  gratia  cognitoris  aut  non  audi- 
tum  aut  dilatum  docuerit,  (et)  eius  litis,  quae 
protracta  est,  aestimationem  fisco  nostro  iu- 
dex praestet  .  . 

f)  C.  1,2,5.  Mulctabuntur  iudices ,  qui 
rescripta  contemserint  aut  distulerint. 


apud  eos,  quibus  donata  sunt,  sine  suspicione 
aliqua  volumus  permanere:  contra  ordina- 
tores  domorum  dominicarum  poena  proposita, 
si  contra  praeceptionem  facere  cognoscuntur. 


Si  quicunque  hominem  liberum  ligaverit^ 
absconderit,  incluserit  aut,  ut  id  fieret,  sola- 
tium  praebuerit,  adversus  eum  legis  Fabiae 
actio  datur,  id  est,  ut  exhibeatur  is,  qui  in. 
clusura  aut  in  vinculis  detinetur  ab  eo,  qui 
fecisse  convincitur:  aut  secundum  legem 
Fabiam  puniendus  est  aut  secundum  aesti- 
mationem iudicis  poena  nummaria  feriendus 
est. 

. .  Sane  si  quis  causam  habens,  a  iudice  suo 
se  vel  per  superbiam  vel  propter  amicitiam 
adversarii  sui  probaverit  non  auditum,  iudi- 
cem  tantum,  quantum  res,  de  qua  agitur, 
valuerit,  fisco  nostro  iubemus  exsolvere  .  . 

Feriantur  iudices  damno,  qui  data  secun- 
dum leges  principis  praecepta  contemserint 
aut  coUudio  quocunque  distulerint. 


Busse  §  22. 


661 


ceps  verwahrlost  oder  durch  irgendwelche  Kollusion  hinausgeschoben  haben 
werden,  sollen  von  einer  Strafe  betroffen  werden, 
g)  Die  Exaktoren  sollen  in  den  einzelnen  Jahren  nach  Auswahl  des  Judex  c.  12, 2, 2 
wechseln,  es  sei  denn  dass  entweder  die  Gewohnheit  der  Gemeinde  oder 
die  Seltenheit  von  Kurialen  sie  während  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren 
Steuereintreiber  zu  sein  nötigt.  Wird  es  anders  geschehen  gewesen  sein, 
so  soll  sowohl  den  Judex,  als  auch  sein  Officium,  gleichmässig  eine  Mult 
wie  eine  schwere  Pön  treffen. 


g)  C.  12,  2,  2.  .  .  exactores  .  .  per  annos 
singulos  iudiciaria  sedulitate  mutentur,  nisi 
aut  consuetudo  civitatis  aut  raritas  ordinis 
eos  per  biennium  esse  compellat.  Quod  nisi 
factum  fuerit,  scias,  te  et  officium  tuum  non 
minus  mulcta  quam  gravi  poena  esse  plec- 
tendum. 


.  .  exactores  .  .  ut  annis  singulis  iudi- 
ciaria electione  mutentur,  nisi  forte  aut  con- 
suetudo civitatis  aut  raritas  curialium  per 
biennium  eos  exactores  esse  compellat. 
Aliter  enim  si  factum  fuerit,  et  iudicem  et 
officium  suum  mulcta  pariter  et  gravis  poena 
constringat. 


Drittes  Buch. 

Staatsrecht. 


Erstes  Kapitel.     Das  Reich. 

I.  Der  Kaiser  §  i. 

1)  Funktionen  der  kaiserlichen  Gewalt  (vgl.  Erstes  Buch  §  1,  1  y  %  Zweites  Buch 

§9,  2  a;  §4,  4). 
a)  Heeresgewalt  und  Heeresleitung, 
p.  5,31, 1       a)  Aus  der  Lex  lulia  maiestatis   haftet  derjenige,    mit  dessen  Hilfe  und  Rat 
das  Heer  des  Imperators  in  einen  Hinterhalt  gelockt  worden  ist,  oder  wer 
ohne  Befehl  des  Kaisers  Krieg  geführt  oder  eine  Aushebung  veranstaltet,  ein 
Heer  gerüstet,  bearbeitet,  den  Imperator  im  Stich   gelassen  haben  wird. 

ß)  Der  Erlass  von  Mandaten, 
c.  1, 3, 1       a)  Wenn  Jemand  behauptet,  mit  geheimen  Mandaten  der  Herren  zu  konmien, 
mögen   Alle   wissen,   dass  Niemandem   irgend  etwas,   ausser  was  er  durch 
Urkunden  bewiesen  haben  wird,   geglaubt  werden  darf,  und  dass  man  sich 


1  a)  a)  P.  5,  31,  1.  Lege  lulia  maiestatis 
tenetur  is,  cuius  ope  consilio  (adversus)  im- 
peratorem  .  .  exercitus(ve)  eius  in  insidias 
deductus  est:  qui(ve)  iniussu  imperatoris 
bellum  gesserit,  dilectumve  habuerit,  exer- 
citum  comparaverit,  sollicitaverit,  deseruerit 
imperatorem  .  . 

ß)  a)  C.  1,  3,  1.  Si  quis  asserat,  cum 
mandatis  nostris  se  venire  secretis,  omnes 
sciant,  nemini  quicquam,  nisi  quod  scriptis 
probaverit,  esse  credendum,  nee  ullius  digni- 
tate  terreri,  .  .  sed  sacras  nostras  literas 
esse  credendas. 


Si  quis  asserat,  cum  mandatis  dominorum 
se  venire  secretis,  omnes  sciant,  nemini  quic- 
quam, nisi  quod  scriptis  probaverit,  esse  cre- 
dendum, nee  ullius  dignitate  terreri,  sed  in 
Omnibus  scriptis  principis  esse  credendum. 


Der  Kaiser  §  1. 


663 


nicht  durch  die  Digiütät  von  Jemandem^  schrecken  lasse:   hingegen  ist  in 

Allem  den  Urkunden  des  Princeps  Glauben  zu  schenken. 
Y)  Gesetzgebung. 

a)  Der  Imperator  macht  die  Gesetze.  p.  4,  5,  3 

5)  Privilegienerteilung. 

a)  Jünglinge,  die  nachweislich  von  ehrbaren  Sitten  sind  und  zur  Verwaltung  ihres   ^' ^pr/' ^ 
Vermögens    die    geeignete  Rechtsstellung    zu  haben   verlangen,    müssen  zu- 
nächst die  Hilfe  des  Princeps  in  Anspruch  nehmen :  sie  werden  das  Benefiz 

des  Princeps   wegen  Befestigung  ihres  Alters   erzielt   haben.     Eine  Mutter  p.  4, 9, 2 
hat  das  Ins  liberorum,    die   durch  Benefiz   des  Princeps  das  lus  liberorum 
erzielt  hat. 

b)  Alles  dasjenige,   was  von   den  Principes  gegen  die  Gesetze  erzielt  gewesen   c.  1,2, 1 
sein  wird,  soll  keine  Giltigkeit  haben." 

aa)  Auf  Grund  eines  Befehls  des  Princeps,  wenn  er  von  der  Partei  erzielt  ^*  *' ^^'  ^ 
gewesen    sein  wird,    soll  nicht  in  Abwesenheit   des  Herrn  der  Besitz 
irgend  Jemandes  entzogen  werden.'' 

bb)  Werden  vorher  keine  Bestimmungen  derart,  dass  die  Mädchen  ihnen   c.  3, 10, 1 
bei  Lebzeiten    der  Eltern  versprochen  worden  sind,    getroffen  gewesen 
sein,   so  ist  mit   aller  Strenge  verboten,   mittels  Supplik  die  Ehen  zu 
begehren.* 


1)  T  fügt  hinzu:  sive  ille  tribuni  sive  notarii  sive  comitis  praeferat  potestatem. 

2)  T  sagt,  dass  Reskripte  Contra  ius,  in  welcher  Weise  sie  auch  erzielt  seien,   nicht 
gelten,  da  die  ludices  den  Vorschriften  der  Publica  iura  folgen  müssen. 

3)  Vgl.  S.  12  Anm.  1.  4)  Vgl.  S.  113  Anm.  4. 


y)  a)  P.  4,  5^ 
facit  .  . 


imperator   .  .   leges 


0)  a)  C.  2,  17,  1  pr.  Omnes  adolescentes, 
qui  honestate  morum  praediti  paternam  fru- 
gem  vel  maiorum  patrimonia  urbana  vel 
rustica  conversatione  rectius  gubernare  cu- 
piunt,  et  imperiali  auxilio  indigere  coeperint . . 

P.  4,  9,  2.  Ius  liberorum  mater  habet,  .  . 
quae  beneficio  principis  ius  liberorum  conse- 
cuta  est. 

b)  C.  1,  2,  1.  Contra  ius  rescripta  non 
valeant,  quocunque  modo  fuerint  impetrata. 
Quod  enim  publica  iura  praescribunt,  magis 
sequi  iudices  debent. 

aa)  C.  4,  20,  5  pr.  Nee  imperiale  rescrip- 
tum,  quod  supplicatio  litigatoris  obtinuit,  .  . 
interpellare  possessionis  statum  eo,  qui  rem 
tenet,  absente  permittitur  .  . 

bb)  C.  3,  10,  1.  .  .  Nos  (enim)  peti  de  no- 
bis  nuptias  supplicatione  prohibemus,  quas 
deceat  de  voluntate  parentum  vel  de  ipsis 
adultis  puellis  aut  mulieribus  impetrari  .  . 


Adolescentes,  qui  honestis  moribus  esse 
probantur  et  ad  gubernandas  facultates  suas 
idoneam  cupiunt  habere  personam,  oportet 
eos  primum  .  .  auxilium  principis  implorare  .  . 
beneficium  .  .  principis  pro  confirmanda  ae- 
tate  meruerint  .  . 


Quaecunque    contra   leges    a    principibus 
fuerint  obtenta,  non  valeant. 


Nee  per  principis  praeceptionem,  si  a  li- 
tigatore  fuerit  obtenta,  .  .  absente  domino 
possessio  uUius  auferatur  .  . 

.  .  si  ante  definita  non  fuerint,  per  suppli- 
cationem  coniugia  postulari  omni  severitate 
prohibuit  .  . 


664 


Öffentliclies  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  1,  2,3 


C.  1,  2,  6 


C.  2,  4,  4 


cc)  ^Eine  moratorische  Einrede  wird  genannt,  die  die  Sache  in  die  Länge 
zieht,  das  will  sagen,  wenn  von  seiten  einer  Partei  eine  Frist  von  dem 
Princeps  erbeten  wird,  eine  peremtorische,  die  eine  frühere  Sache  auf- 
hebt, das  will  sagen,  wenn  die  Partei  durch  Benefiz  des  Princeps  ohne 
Urteil  die  Sache  abgethan  wissen  will.  Eine  moratorische  Einrede 
kann  mittels  Reskripts  des  Princeps  den  Supplikanten  gewährt  werden : 
eine  peremtorische  kann  nicht  gewährt  werden  und  wird,  wenn  sie 
von  dem  Princeps  gewährt  gewesen  sein  wird,  keine  Geltung  haben. 
Wird  der  Schuldner  einer  beliebigen  Sache,  nachdem  er  überführt 
worden  ist,  behufs  Verschiebung  der  Zahlung,  von  dem  Princeps  eine 
Frist  erzielt  haben,  so  wird  das  Benefiz,  welches  er  davongetragen 
haben  wird,  keine  Geltung  besitzen,  sondern  soll  er  gezwungen  werden, 
seine  cautio  zu  erfüllen.^ 

dd)  ^Nachdem  die  Lis  mittels  einer  Urkunde  kontestiert  gewesen  sein  und 
durch  die  öffentliche  Belangung  die  Per,son  des  Verklagten,  wer  er 
auch  immer  sei,  ergeben  haben  wird,  soll  die  Lis  als  begonnen  gelten, 
vorausgesetzt  indessen,  dass  die  Parteien  nachweislich  reiferen  Alters  sind. 
Wenn  Jemand  gegen  die  Ratio  des  Gesetzes  dahin  suppliziert  haben 
wird,  dass  ihm  durch  Benefiz  des  Princeps  die  Fristen  seiner  Sache  ver- 
längert werden,  wird,  was  er  auch  immer  um  dessenwillen  erzielt  haben 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  24,  5  b. 


cc)  C.  1,  2,  3.  Quoties  rescripto  nostro 
praeiudicium  vel  moratoria  praescriptio  re- 
mittitur,  aditus  supplicandi  pandatur:  quod 
(autem)  totius  negotii  Cognitionen!  toUit  et 
vires  principalis  negotii  exhaurit,  sine  gravi 
partis  alterius  dispendio  convelli  non  potest. 
Nee  praescriptionis  igitur  peremtoriae  relaxa- 
tio  petatur,  nee  contra  edictum  supplicetur. 


C,  1,  2,  6.  Universa  rescripta,  quae  in 
debitorum  causis  super  praestandis  dilationi- 
bus  impetrata  sunt,  rescindantur,  cum  sit 
acerbius  perurgendus,  qui,  mansuetudinis 
nostrae  pudore  fatigato,  non  quid  utilitatibus 
publicis,  sed  quid  suis  fraudibus  conveniret, 
adspexit. 

dd)  C.  2,  4,  4.  Post  celebratam  denun- 
tiationem,  editione  rescripti  (quod  tarnen  iure 
sit  impetratum)  lis  exordium  auspicatur,  inter 
iustas  videlicet  legitimasqne  persona«.  Et  si 
quis  perennitatis  nostrae  pendentibus  tem- 
poribus  responsa  protulerit,  non  modo  tem- 
pora,  quorum  erunt  curricula,  non  dilatentur, 
sed  et  quicquid  elicitum  erit,  frivolum  iudi- 
cetur. 


Moratoria  praescriptio  dicitur,  quae  cau- 
sam prolongat,  id  est,  quando  induciae  a 
litigatore  petuntur  a  principe:  peremtoria 
quae  causam  principalem  tollit,  id  est,  si 
litigator  beneficio  principis  sine  iudicio  cau- 
sam velit  exstingui.  Et  ideo  moratoria  prae- 
scriptio per  rescriptum  principis  supplican- 
tibus  concedi  potest;  peremtoria  concedi  non 
potest,  et  si  concessa  fuerit  a  principe,  non 
valebit. 

Si  cuiuslibet  rei  debitor  convictus,  propter 
differendam  solutionem  a  principe  inducias 
impetraverit,  beneficium,  quod  obtinuerit, 
non  valebit,  sed  cautionem  suam  implere 
cosratur. 


Posteaquam  per  scripturam  lis  fuerit  con- 
testata,  et  per  publicam  conventionem,  quis- 
quis  ille  est,  qui  pulsatur,  agnoverit,  tune 
lis  inchoata  dicatur,  si  tarnen  litigantium 
perfectae  probantur  aetates.  Nam  si  quis 
principis  beneficio  contra  rationem  legis  cau- 
sae  suae  tempora  supplicaverit  prolongari, 
quicquid  pro  hac  re  meruerit,   non  valebit. 


Der  Kaiser  §  1. 


665 


wird,  keine  Giltigkeit  haben. ^  Sobald  irgendwelche  Sache  infolge  0.2, 6,1 
eintretender  Notwendigkeit  oder  Zufall,  die  zugesagte  Frist  über- 
schritten haben  wird,  und  durch  kaiserliches  Benefiz  die  Partei  eine 
Erneuerung  derselben  erzielt  haben  wird,  sollen  die  ludices  den  Parteien 
nicht  mehr  als  vier  Monate  zur  Erledigung  des  Geschäfts  gewähren. 
Sind  dieselben  verflossen,  so  sollen  sie,  werden  sie  auch  durch  Benefiz 
der  Herren  Anderes  erzielt  haben,  unter  keinen  Umständen  ange- 
hört werden.^  AVenn  derjenige,  welcher  aus  dem  Besitz  entsetzt  gewesen  c.  2,  4, 5 
sein  wird,  innerhalb  Jahresfrist,  gemäss  der  Ordnung  des  Rechts 
Gehör  erlangt  haben  Avird,  soll  er  behufs  Wiedererlangung  dessen, 
was  er  verloren  hat,  durchaus  nicht  hingezogen  werden,  und  kein 
irgendwelcher  Aufschub  dem  Anmasser  gewährt  werden,  Avird  er  auch 
wegen  Verschiebung  dieser  Sache  ein  Benefiz  des  Princeps  haben  er 
langen  können. 

ee)  In  Kriminalsachen,  bez.  Anklagen,  soll  Niemand  mittels  Mandats  an-    c.  9, 1,  9 
klagen,    auch  nicht  dann,    wenn  er  mittels  Reskripts  des  Princeps   es 
wird  haben  erzielen  können.^ 

ff)  Um    das  Vermögen   desjenigen,    den   die  Proskription  ])etroffen  haben   c.  9, 32, 4 
wird,  soll  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  keine  Bewerbung 


1)  Vgl.  S.  503  Anm.  2  u.  S.  506   Anm.  1. 

2)  Vgl.  S.  506  Anm.  2. 

3)  Vgl.  S.  598  Anm.  1. 


C.  2,  6,  1.  Quum  semel  negotium  necessi- 
tate  vel  casu  temporibus  fuerit  exemtum,  ac 
postea  per  indulgentiam  clementiae  nostrae 
redintegratio  praestetur,  intra  quatuor  menses 
iudicantis  arbitrium,  non  ulterius  litigatori- 
bus  praeberi  oportet,  etiamsi  per  obreptionem 
aliquid  a  nobis  iterata  supplicatione  meru- 
erint. 

C.  2,  4,  5.  .  .  Idcirco ,  si  quis  possessione 
deiectus  auxilium  nostri  poscat  oraculi,  nuUis 
eum  temporum,  quae  ex  rescriptorum  editione 
defluunt,  moris  esse  ludendum,  hac  lege  de- 
cernimus,  ne  iuris  suflragium,  quod  in  celeri 
reformatione  consistit,  beneficiorum  imperi- 
alium  decreta  suspendant. 

ee)  C.  9,  1,  9.  Concessum  singuli  univer- 
sique  cognoscant,  non  emendicatis  suffragiis 
decretorum,  sed  lite  suis  nominibus  instituta 
illustris  et  magnificae  celsitudinis  tuae  ade- 
undam  potestatem  .  . 

ff)  C.  9,  32,  4.  Ne  quis  proscriptorum 
bona  vel  eorum,  qui  publicam  videntur  exce- 
pisse  sententiam,  intra  biennium  aestimet 
postulanda.    Abstineant  facultatibus  intra  id 


Qando  aliqua  causa,  necessitate  inter- 
cedente  vel  casu,  promissum  tempus  exces- 
serit,  et  principali  beneficio  eam  litigator 
meruerit  reparare,  non  amplius  ad  definien- 
dum  negotium  iudices  quam  quatuor  menses 
litigatoribus  praestent.  Quibus  exactis,  eti- 
amsi aliud  dominorum  beneficio  obtinuerint, 
nullatenus  audiantur. 

.  .  quum  ille,  qui  fuerit  de  possessione 
deiectus,  audientiam  impetraverit,  iuxta  iuris 
ordinem  intra  annum  ad  recipienda,  quae 
perdidit,  nullatenus  differatur.  Nee  aliqua 
pervasori  dilatio  concedatur,  etiamsi  pro 
hac  re  differenda  beneficium  principis  po- 
tuerit  obtinere. 

In  criminalibus  causis  vel  obiectionibus 
per  mandatum  nullus  accuset;  nee  si  per  re- 
scriptum  principis  hoc  potuerit  impetrare  .  . 


Bona  eins,  qui  proscribi  meruerit,  intra 
biennium  non  competantur.  Si  quis  vero 
intra  biennium  proscripti  bona  petierit,  quod 
meruerit,  non   valebit  .  . 


666 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Th. 

8,1,2 


C.  12,  1,2 


C.  16,  1,  4 


stattfinden,  ^ird  sich  indessen  Jemand  innerhalb  eines  Zeitraums 
von  zwei  Jahren  um  das  Vermögen  eines  Proskribierten  beworben 
haben/  so  wird  dasjenige,  was  er  erzielt  haben  wird,  keine  Giltigkeit 
besitzen.  ^ 

gg)  Keiner,  der  als  Kuriale  geboren  ist,  soll  nach  irgendwelchen  Honores 
streben,  noch  irgendwelche  Dignität  mittels  Supplikation  sich  anzueignen 
wagen:  er  möge  nur  wissen,  dass  er  sich  den  der  Kurie  geschuldeten 
Offizien  unterziehen  solle.  ^  Wenn  irgend  ein  Kuriale  aus  der  Gre- 
meinde,  in  welcher  er  geboren  ist,  in  eine  andere  wird  haben  übergehen 
wollen,  soll  er  der  der  Kurie  geschuldeten  Abhängigkeit  unter  keinen 
Umständen  ausweichen  können,  auch  nicht,  wenn  er  durch  Einlegung 
einer  Supplikation  es  zu  erzielen  erstrebt  haben  wird. 

hh)  Ein  Jeder,  der  vor  dem  Gerichte  der  Priester  von  dem  bischöflichen 
Sitze  und  Namen  entfernt  gewesen  sein  wird,  soll,  wenn  er  dabei  er- 
griffen gewesen  sein  wird,  irgend  etwas,  sei  es  gegen  die  Sicherheit,  sei  es 
gegen  die  öffentliche  Ruhe  auszurichten  und  sich  von  neuem  um  das 
Priestertum,  von  dem  er  für  entsetzt  gilt,  zu  bemühen,  nach  dem  Ge- 


1)  T  spricht,  ausser  von  Proscriptorum  bona,  von  dem  Vermögen  derjenigen,  Qui 
publicam  videntur  excepisse  sententiam,  bez.  von  Proscriptus  vel  deportatus. 

2)  T  bemerkt,  dass  sowohl  eine  Instruktion  der  Petitiones  nicht  stattfinden  solle,  als 
auch,  falls  es  dennoch  geschehen,  die  Sub  specialis  beneficii  munificentia  erzielte  kaiserliche 
Liberalität  kraftlos  sei. 

3)  T  spricht  von  Senatoria  dignitas,  bez.  Clarissimum  consortium. 


temporis  expetendis,  .  .  aut  tum  demum 
postulet,  quum  iam  fiscalem  potius  quam 
proscriptorum  rem  expetisse  noscatur.  Si 
quis  autem  petendas  proscripti  vel  deportati 
intra  biennium  crediderit  facultates,  careat 
fructu  liberalitatis  augustae,  ita  ut  nee  in- 
struantur  huius  modi  petitiones,  nee  si  fernere 
instructae  fuerint  et  sub  specialis  beneficii 
munificentia  nostram  provocaverint  liberali- 
tatem,  habeant  aliquas  vires  indulta. 

gg)  N.  Th.  8,  1,  2.  .  .  decernimus,  nulluni 
(posthac)  curialem  senatoriae  sibimet  dignita- 
tis  infulas  usurpare,  nuUi  curiali  licentiam 
dari,  clarissimo  se  permiscendi  consortio. 

C.  12,  1,  2.  Si  qui  vel  ex  maiore  vel  ex 
minore  civitate  originem  ducit,  si  eandem 
evitare  studens  ad  alienam  se  civitatem  in- 
colatus  occasione  contulerit,  et  super  hoc 
vel  preces  dare  tentaverit  .  ,,  duarum  civi- 
tatum  decurionatus  onera  sustineat  .  . 

hh)  C.  16,  1,  4.  Quicunque  residentibus 
sacerdotibus  fuerit  episcopali  loco  detrusus 
et  nomine,  si  aliquid  vel  contra  custodiam 
vel    contra    quietem   publicam   moliri   fuerit 


(Haec  lex  hoc  praecepit,)  ut  nuUus  curi- 
alis  natus  ad  aliquos  honores  adspiret,  nee 
dignitatem  aliquam  supplicando  tentet  assu- 
mere,  nisi  tantum  officia  curiae  debita  se  no- 
verit  subiturum. 

Si  quicunque  curialis  de  ea,  in  qua  natus 
est,  civitate  ad  aliam  transire  voluerit,  con- 
ditionem  curiae  debitam  nullatenus  possit 
evadere,  nee  si  hoc  ipsum  mereri  interposita 
supplicatione  tentaverit  .  . 


Der  Kaiser  §  1. 


667 


setz  Gratians  göttlichen  Angedenkens  hundert  Mihen  fern  von  der 
Stadt,  die  er  infiziert  hat,  sein  Leben  verbringen.  Er  halte  sich  von 
den  Zusammenkünften  mit  denjenigen,  von  deren  Gesellschaft  er  ge- 
schieden worden  ist,  fern:  Personen  dieser  Art  sei  es,  nach  der  Vor- 
schrift dieses  Gesetzes,  versagt,  unsere  Heiligkeit  anzugehen  und  Re- 
skripte zu  erzielen,  indem  für  alle  Personen,  die  durch  ihre  Schuld 
des  Priestertums  entsetzt  worden  sind,  was  erzielt  worden  ist,  efifektlos 
bleiben  soll,  während  Alle,  auf  deren  Schutz  sich  jene  stützen,  wissen 
mögen,  dass  es  nicht  ohne  Tadel  für  sie  abgehen  werde,  wenn  sie  den- 
jenigen den  Schutz  zusagen,  die  unsere  Zustimmimg  nicht  verdient  zu 
haben  gelten. 

c)  "Was  auch  immer  eine  nicht  wahre,  sondern  falsche  Petitio  von  dem  Princeps   c.  i,  2,  4 
erzielt  haben   wird,    wird,    weil  Betrug   dabei  im  Spiel  ist,   keine  Giltigkeit 
haben.  ^ 
aa)  ^Es  geschieht  von  selten  von  Personen  zuweilen,  dass  sie,  der  Strenge  c.  3, 10, 1 
der    Gesetze    uneingedenk,    bei    der   Majestät    des   Princeps   eine  Er- 
schleichung versuchen  und  für  sich  aus  einer  Verfügung  Ehen  erstreben, 
die  sie  zu  erzielen  nicht  verdienen,  indem  sie  wegen  der  Zustimmung 
der  Eltern,  bez.  des  Mädchens,  unwahre  Angaben  machen.    Jeder,  der 
somit  unter   solcher  Erschleichung   eine  Ehe    durchzusetzen    geglaubt 


1)  T  sagt,  dass,  auch  wenn  nicht  Cognitio,  sondern  Exsecutio  aufgetragen  wird,  nach 
der  Wahrheit  der  Preces  zu  forschen  sei,  weil  im  Falle  von  Fraus  die  Untersuchung  sich 
auf  den  ganzen  Handel  erstrecke. 


deprehensus,  rursusque  sacerdotium  petere, 
a  quo  videtur  expulsus,  procul  ab  ea  urbe, 
quam  infecit,  secundum  legem  divae  memo- 
riae  Gratiani,  centum  millibus  vitam  agat. 
Sit  ab  eorum  coetibus  separatus,  a  quorum 
est  societate  discretus,  sitque  huius  modi 
personis,  tenore  huius  legis,  illicitum,  sacra 
nostra  adire  secreta  et  impetrare  rescripta ; 
Omnibus  abiectis  per  culpam  sacerdotio  per- 
sonis, quae  impetrata  sunt,  infecta  perma- 
neant:  scituris  his,  quorum  defensione  nitun- 
tur,  absque  sui  reprehensione  non  futurum, 
si  hoc  eis  poUicentur  sufi'ragium,  qui  divinum 
non  videntur  meruisse  iudicium. 

c)  C.  1,  2,  4.  Etsi  non  cognitio,  sed  ex- 
secutio mandatur,  de  veritate  precum  inquiri 
oportet,  ut,  si  fraus  intervenit,  de  omni  ne- 
gotio  cognoscatur. 

aa)  C.  3,  10,  1.  Quidam,  vetusti  iuris 
ordine  praetermisso,  obreptione  precum  nup- 
tias, quas  se  intelligunt  non  mereri,  de  nobis 
aestimant  postulandas,  se  habere  puellae 
consensum  confingentes  .  .  Si  quis  igitur  con- 
tra  hanc   definitionem   nuptias   precum   sur- 


Quicquid  non  vera,  sed  falsa  petitio  a 
principe  obtinuerit,  quia  fraus  intervenit,  non 
valebit. 

Fit  aliquoties  a  quibusdam,  ut  obliti  se- 
veritatem  legum,  obrepere  principis  audeant 
maiestati  et  coniugia  sibi  expetant  ex  prae- 
cepto,  quae  consequi  non  merentur,  ut  de 
consensu  parentum  vel  puellae  mentiantur  .  . 
Quicunque  ergo   sub   tali    obreptione    matri- 


G68 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  4,  20,  6 


C.  2,  23,  1 
pr.  u.  1 


C.  1,  2,  2 


haben  wird,  möge  wissen,  dass  er  weder  die  Ehe  haben  wird,  die  er 
auf  solche  AVeise  erstrebt  haben  wird,  noch  die  in  solcher  Art  und 
Ambition  gewonnenen  Kinder  legitim  zu  nennen  sind.  ^ 

bb)  Wenn  behufs  Wiedergewinnung  des  Besitzes  mittels  Erschleichung 
eine  Petitio  veranstaltet  gewesen  sein  wird,  wird  der  Partei  des  andern 
ein  Nachteil  nicht  erwachsen  können. 

cc)  2  Wird  irgend  Jemand,  der  Soldat  ist,  auf  öffentlichem  Boden  ein 
Gebäude  errichtet  oder  irgend  etwas  zu  seinem  Vorteil  thun  zu 
sollen  geglaubt  haben,  so  soll  er  durchaus  nicht  durch  Jemandes 
Chikane  vertrieben  werden,  sondern  es  dauernd  in  seinem  Rechte 
haben.  Wird  dieser  Soldat,  der  unsern  Interessen  dient,  einen  Locus 
publicus  hergerichtet,  bez.  zur  Bebauung  inne  gehabt  haben,  es  hat 
die  Örtlichkeit  jedoch  Niemand  vorher  innegehabt,  an  dessen  Stelle 
dieser  Soldat  als  Usurpant  getreten  sein  wird,  so  soll  er  in  gleicher 
Art  besitzen.  Wird  hiergegen  auch  bei  dem  Princeps  eine  Erschlei- 
chung stattgefunden  gehabt  haben,  so  soll  das  Erzielte  keine  Giltig- 
keit  besitzen.^ 

d)  Benefize^    der  Principes,    welche    diejenigen,    die    sie   erzielt  haben,   infolge 
Eintritts  des  Todes  nicht  zur  Durchführung  gebracht  gehabt  haben  werden. 


1)  Vgl.  S.  113  Anm.  1. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch 


3,  4  a. 


8)  Rescripta. 


reptione  moruerit,  .  .  amisso  iure  matrimo- 
nii,  quod  prohibita  usurpatione  meruerit,  fi- 
lios  se  iuste  hac  ratione  susceptos  non  habi- 
turum   .  . 

bb)  C.  4,  20,  6.  .  .  Sub  colore  (autem) 
adipiscendae  possessionis  obrepta  petitio 
alteri  obesse  non  debet  .  . 

cc)  C.  2,  23,  1  pr.  u.  1.  Quisquis  arma- 
tae  militiae  stipendiis  communitus  in  solo 
publico  vel  aedificium  aliquod  construxerit 
vel  septis  quibuslibet  spatia  certa  concluse- 
rit,  perpetuo  iure  et  firmo  dominio  eadem 
ex  nostra  generali  auctoritate  possideat,  nee 
per  surreptionem  aliquis  postea  eadem  loca 
a  nostra  dementia  audeat  postulare.  lUud 
quoque  sancimus,  si  quisquam  militum  simili 
conditione  ante  hoc  tempus  loca  publica 
possidenda  detinuit,  ac  postea  eadem  per 
alias  competitionum  nebulas  detectus  fuerit 
amisisse,  reformari  eadem;  ita  tarnen,  si  pro- 
batum  fuerit,  a  nullo  antea  possessum  solum 
hac,  qua  ostendimus,  a  milite  ratione  deten- 
tum:  vel  si  in  alios  forte  eorum  militum 
voluntate  translatum  fuisse,  quod  tenuerant, 
potuerit  edoceri. 

d)  C.  1,  2,  2.  Rescripta,  quibus  usi  non 
fuerint,  qui  in  fata  concedunt,  heredes  pos- 


monium  se  obtinere  putaverit,  .  .:  nee  matri- 
monium,  quod  taliter  quaesierit,  habiturum, 
nee  filios  tali  ordine  et  ambitione  susceptos 
regitimos  appellandos  .  , 

Ad  recipiendum  momentum  .  .  Si  per  ob- 
reptionem  fuerit  facta  petitio,  alterius  parti 
praeiudicare  non  poterit  .  . 

Quicunque  militans  in  solo  publico  aedi- 
ficium fortasse  exstruxerit  aut  aliquid  pro 
utilitate  sua  crediderit  faciendum,  per  nullius 
calumniam  penitus  repellatur,  sed  hoc  per- 
petuo in  eius  iure  permaneat.  Idem  miles 
nostris  utilitatibus  serviens,  si  locum  publi- 
cum construxerit  vel  ad  excolendum  fortasse 
tenuerit,  si  hoc  tamen  nullus  antea  tenuit, 
cui  miles  ipse  pervasor  exstiterit,  simili  ra- 
tione possideat.  Contra  quam  rem  etiamsi 
surreptum  principi  fuerit,  .  .  impetrata  non 
valeant. 


Beneficia  principum,  quae  illi,  qui  meru- 
erunt,  interveniente  morte,  non  faerint  con- 


Der  Kaiser  §  1. 


669 


soll  ihren  Nachfolgern,  zur  Ausführung  zu  bringen,  gestattet  sein,  sodass  die 
Erben  die  von  ihren  Auktoren  erworbenen  Benefize  gewinnen. 
e)  Die  ludices,  die  die  den  Gesetzen  gemäss  gegebenen  Vorschriften  des  Prin-   c.  i,  2,  5 
ceps  verwahrlost  oder  durch  irgendwelche  Kollusion  hinausgeschoben  haben 
werden,  sollen  von  einer  Strafe  betroffen  werden. 

s)  Verleihung  von  Honores  und  Dignitäten. 

a)  Niemand    möge    einen  Honor,    bez.    eine  Dignität,    die    er    von    dem    Prin-   c.  6, 1, 1 
ceps  nicht  erzielt  haben  wird,  für  sich  in  Anspruch  nehmen,  weil,  wie  für 
diejenigen,   welche  sie  erzielt  haben,   die  Dignität  eine  Zierde    ist,   so    die- 
jenigen, welche  sie  sich  anmassen,  mit  Schimpf  zu  beflecken  sind:  wird  sich   c.e,  1,2 
Jemand  eine  Dignität,  die  er  von  dem  Princeps   nicht    erzielt   haben    wird, 
angemasst   haben,    so   soll  er  des  Sakrilegs  schuldig  gelten.^ 

b)  Keiner,  der  als  Kuriale  geboren  ist,  soll  nach  irgendwelchen  Honores  streben, 
noch  irgendwelche  Dignität  mittels  Supplikation  sich  anzueignen  wagen:  er 
möge  nur  wissen,  dass  er  sich  den  der  Kurie  geschuldeten  Offizien  unter- 
ziehen solle.^ 


N.  Th. 

8, 1,2 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  5,  5  b. 

2)  Vgl.  b,  gg. 


sunt   allegare,   ut   congrue  impetrata  succes- 
soribus  emolumenta  conquirantur. 

e)  C.  1,  2,  5.  Mulctabuntur  iudices,  qui 
rescripta  contemserint  aut  distulerint, 

e)  a)  C.  6,  1,  1.  Nihil  est  tarn  iniurio- 
sum  in  conservandis  et  custodiendis  gradi- 
bus  dignitatum  quam  usurpationis  ambitio. 
Perit  enim  omnis  praerogativa  meritorum,  si 
absque  respectu  et  contemplatione  vel  quali- 
tate  etiam  provectionis  emeritae  custodiendi 
honoris  locus  praesumitur  potius  quam  tene- 
tur,  ut  aut  potioribus  eripiatur  id,  quod  est 
debitum,  aut  inferioribus  prosit,  quod  vide- 
tur  indebitum. 

C.  6,  1,  2.  Coelestis  recordationis  Valen- 
tinianus ,  genitor  nominis  nostri ,  singulis 
quibusque  dignitatibus  certum  locum  meri- 
tumquö  praescripsit.  Si  quis  igitur  indebi- 
tum sibi  locum  usurpaverit,  nulla  se  igno- 
ratione  defendat,  sitque  plane  sacrilegii  reus, 
qui  divina  praecepta  neglexerit. 

b)  N.  Th.  8,  1,  2.  .  .  decernimus,  nuUum 
(posthae)  curialem  senatoriae  sibimet  digni- 
tatis  infulas  usurpare,  nulli  curiali  licentiam 
dari,  clarissimo  se  permiscendi  consortio. 


secuti,  successoribus  eorum  exsequi  liceat,  ut 
beneficia  heredes  ab  auctoribus  suis  impe- 
trata percipiant. 

Feriantur  iudices  damno,  qui  data  secun- 
dum  leges  principis  praecepta  contemserint 
aut  colludio  quocunque  distulerint. 

Nemo  sibi  honores  vel  dignitatem,  quam 
a  principe  ipse  non  meruerit,  praesumat, 
quia,  sicut  eis,  qui  meruerunt,  dignitas  or- 
namentum  est,  ita  nota  maculandi  sunt,  qui 
praesumunt. 


Si  quis  praesumserit,  quam  non  meruerit 
a  principe  dignitatem,  sacrilegii  reus  habc- 
atur  .  . 


(Haec  lex  hoc  praecepit,)  ut  nullus  curi- 
alis  natus  ad  aliquos  honores  adspiret,  nee 
dignitatem  aliquam  supplicando  tentet  assu- 
mere,  nisi  tantum  officia  curiae  debita  se 
noverit  subiturum. 


670 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  11,6,  1 


0. 11,  3,  1 


N.  M. 
2,1,1—5 


Q  Abgabenhoheit. 

a)  ^Aus  Superindicticii  tituh  soll  von  den  Provinzialen  Nichts  verlangt  werden 
dürfen,  ausser  nur  dasjenige,  wovon  festgestanden  haben  wird,  dass  es  von 
den  Herren  der  Dinge  auferlegt  worden  ist.  Durch  Rectores  provinciae 
soll  kein  Superindictum  den  Provinzialen  geschehen,  es  sei  denn  dass  daraus 
nachweislich  eine  kaiserliche  Vorschrift  hervorgegangen  ist:  denn  dann 
wird  dasjenige,  was  Superindictum  ist,  sowohl  verlangt  als  auch  eingetrieben 
werden  können,  wenn  es  nachweislich  von  den  Herrn  der  Dinge  fest- 
gesetzt worden  ist.^ 

b)  Kückstände  von  Steuern,  die  durch  Benefiz  des  Princeps  erlassen  worden 
sind,  sollen  in  den  Provinzen  nicht  erhoben  werden:  dagegen  soll  dasjenige, 
was  eingefordert  worden  ist,    sobald  festgestanden  haben  wird,    dass  es  bei 


1)  V-1.   §  3,  2  3,  n. 


V)  a)  C.  11,  6,  1.     Nihil   a  provincialibus 
extraordinariis  patimur  indictione  deposci  .  . 


C.  11,  3,  1.  Nihil  superindictorum  no- 
mine ad  solas  praefecturae  literas  quisquam 
provincialis  exsolvat;  neque  uUius  omnino 
indictionis  titulus,  etiam  solennis,  imiiiineat, 
nisi  eum  nostro  confirmata  iudicio  et  impe- 
rialibus  nexa  praeceptis  sedis  amplissimae 
deposcat  indictio  et  cogat  exactio. 

b)  N.  M.  2,  1,  1—5.  Cessent  igitur  pro 
securitate  provincialiuin  exactio  reliquorum, 
et  a  sextae  indictionis  initio  usque  ad  finem 
quintae  decimae  nuper  elapsae  debita  dele- 
antur,  sive  ex  possessionibus  liberari,  vel 
patrimonialis  templorumve  aut  civilis  fisca- 
lisve  iuris,  seu  in  auro,  seu  in  argento,  seu 
in  speciebus,  vel  in  metallica  quacunque 
materia  aliove  quolibet  collationis  titulo  in 
publicis  calculis  residere  noscuntur.  Et  sive 
arcae  sublimitatis  tuae,  sive  thesauris,  sive 
sacro  debentur  aerario,  sive  cellario,  vel  pri- 
vatae  rei  nostrae,  aut  dominicae  domui,  sive 
operibus  huius  inclitae  urbis,  omnia  colla- 
toribus,  nee  non  curialibus,  seu  cohortalibus, 
seu  provincialibus  officiis,  et  aliis,  quicunque 
reperiuntur  obnoxii,  remittantur.  Et  ne  qua 
liberalitatem  nostram  caligo  fraudis  possit 
impedire,  etsi  in  privatum  contractum  vel 
in  cautionem  debitum  publicum  transiisse 
vel  novatum  esse  dicatur,  aut  si  quis  curi- 
alis  exactor  vel  cohortalis  compulsor  pro 
obnoxio  se  intulisse  commemoret,  nihilomi- 
nus  liberalitas  nostra  firma  permaneat.  Cu- 
rialibus etiam  et    cohortalibus  nulla  super- 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  nihil  debere  a 
provincialibus  de  superindicticiis  titulis  peti, 
nisi  ea  tantum,  quae  a  rerum  dominis  in- 
dicta  constiteiit  .  . 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  ut  nullum  per 
rectores  provinciae  superindictum  provinci- 
alibus imponatur,  nisi  forte  ex  hac  re  pro- 
cessisse  praeceptio  dominica  comprobetur. 
Tunc  enim  id,  quod  superindictum  est,  aut 
peti  aut  exigi  poterit,  quando  a  rerum  do- 
mino  cognoscitur  constitutum. 

(Lex  ista  hoc  continet,)  ut  per  provincias 
relaxatae  beneficio  principis  tributorum  reli- 
quiae  non  quaerantur,  tamen  quod  exactum 
est,  si  apud  exactores  residere  constiterit,  id 
praecipit,  ut  publicis  debeat  utilitatibus  non 
perire,  sed  quod  exactum  est,  a  retentatori- 
bus  thesauris  inferatur,  et  a  provincialibus 
vel  a  possessoribus,  quod  solutum  non  fuerit, 
non  quaeratur. 


Der  Kaiser  S  1. 


671 


den  Exaktoren  vorhanden  ist,  für  die  öffentliclien  Bedürfnisse  nicht  verloren 
gehen,    sondern   soll,    was   eingetriehen  worden    ist,    von   den    Inhahern   in 
die  Schatzkammern  gebracht  werden;  was  nicht  gezahlt  gewesen  sein  wird, 
soll  von  den  Provinzialen  oder  Possessoren  nicht  verlangt  werden.^ 
c)  Der  Richter  muss  sein  Praetorium  aus  seinem  Eigenen  ausrüsten  und  soll   c.i,9, 3 


1)  T  verordnet  einen  Erlass  der  Abgaben,  A  sextae  indictionis  initio  usque  ad  finem 
quintae  decimae  niiper  elapsae,  sowohl  Ex  possessionibus,  vel  patrimonialis  templorumve 
aut  civilis  fiscalisve  iuris,  als  auch  In  auro,  seu  in  argento,  seu  in  speciebus,  vel  in  metal- 
lica  quacunque  materia  aliove  quolibet  collationis  titulo,  und  ohne  Unterschied  der  zur  Ein- 
forderung berechtigten  Stelle  (Kasse  des  Adressaten  [Praefectus  praetorio],  Thesauri,  Sacrum 
aerarium,  Cellariura,  Privata  res  nostra,  Dominica  domus,  Opera  huius  urbis,  Collatores,  Kuri- 
alen,  Kohortalen,  Provincialia  officia  und  sonstiges).  Auch  im  Falle  eines  Übergangs  in  einen 
Privatkontrakt,  bez.  von  Cautio  oder  Novation,  oder  falls  Curialis  exactor  vel  cohortalis 
compulsor  für  den  Schuldner  zahlt,  sowie  wenn  Kurialen  und  Kohortalen  von  Optionen 
Actuarii  und  Devotisimi  milites,  bez.  letztere  von  den  Kurialen  und  Kohortalen,  Kollatoren 
Oflicia  provincalia  oder  der  Kurie  etwas  zu  fordern  haben,  soll  der  Anspruch  ausgeschlossen 
sein :  ingleichen  was  Ex  titulo  senatorii  follis  in  den  Provinzen  geschuldet  wird.  Hiervon 
gelten  eine  Anzahl  Ausnahmen. 


exactionis  adversus  optiones  vel  actuarios  vel 
devotissimos  milites  querelae  i3ermittatur  oc- 
casio,  ita  ut  et  optiones  et  actuarii  et  devo- 
tissimi    milites    invicem    taceant,    et  nullam 
adversus   curiales,   seu   cohortales,   vel  colla- 
tores, seu  officia  provincialia,  seu  decuriones 
moveant  pro   debitis   publicis  actionem,  eti- 
amsi    quas    expensas    se    pro    aliis    intulisse 
contendant.     Praeterea    quicquid    ex    titulo 
senatorii    follis    in    provinciis    debetur,    hoc 
quoque   remitti  iubemus.     Si  quid  autem  ex 
quintae   decimae   indictionis    vel   superiorum 
temporum    debitis    ad    expensas   primae    in- 
dictionis seu  posteriorum  temporum  deputa- 
tum  est,  et  si  quid  ex  naulis  ac  pretiis  ma- 
teriarum,  et  relevatis  vel  donatis,  aut  trans- 
latis  atque  adaeratis,  vel  ab   arca  sacratissi- 
mae  Constantinopolitanae   urbis   debetur,   id 
huius  donationis  beneficio  non  tenebitur.   Sed 
et   si  quid  in   auro,  vel  in  speciebus,  vel  in 
materiis   civitatum   operibus   deputatum   est, 
et   hoc  erogatum    non  esse  monstratur,  eins 
quoque   ratio    servetur    intacta,    nee  possint 
debitores   huius    donationis   auxilio   niti,   sed 
compellantur    hi,   qui   noxii  reperiuntur,  im- 
plere    suscepta    opera    et    sumtuum    reddere 
rationes.     Nee    enim    oportet    hanc    liberali- 
tatera  nostram  eo  usque  protendi,  ut  in  ali- 
orum    lucra   iniuste    proficiat,    quod   ornatui 
urbium  delegatum  est. 

c)  C.  1,  9,  3.    Det  operam  iudex,  ut  prae- 
torium suum  ipse  componat.    Ceterum  neque 


ludicem  praetorium  suum  de  proprio  de- 
bere    componere    et    nihil    a    provincialibus 


672 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.Y. 

7,  1,4 


C.  12,1,  1 


C.  12,1,4 


durchaus  nicht  irgend  etwas  weiteres  von  den  Provinzialen  verlangen,  als  was 
ihm  an  Annonae  oder  Cellaria  von  dem  Princeps  zugewiesen  gewesen  sein  wird.^ 
d)  Niemandem  wird  in  Zukunft  erlaubt  sein,  dieses  Geschäft  nach  dem  Gut- 
dünken eines  einzigen  Judex  zu  begehren:  ob  ein  Inspector  publicus  ge- 
schickt werden  muss,  soll  die  vorgängige  Erwägung  des  erhabenen  Mannes 
Parens  Patriciusque  noster  und  der  Magnificus  vir  Praefectus  praetorio  in 
Betracht  ziehen:  sie  sollen  mit  den  Potestates  des  Hofs  nach  ihrem  Be- 
finden darüber  verfügen,  falls  ein  wirklicher  Zwang  nötigt,  welche  Person 
geschickt  werden  soll. 

'(])  Oberaufsicht  über  die  Kurien. 

a)  Kein  Judex  soll  die  dem  Kurialen  ungeschuldete  Enthebung  gewähren  oder 
ihn  von  seinem  Officium  zu  entbinden  sich  bemühen:  ist  das  Vermögen 
irgend  eines  Kurialen  derart  klein  und  erschöpft,  dass  ihm  der  Zwang  der 
öffentlichen  Last  nicht  anvertraut  werden  kann,  so  ist  zur  Kognition  an 
den  Princeps  zu  berichten. 

b)  ^Kein  Kuriale,  es  sei  denn  nach  ordnungsmässiger  Verwaltung  aller 
Offizien  der  Kurie,   darf  das  Officium  entweder  eines  Kurators  oder  eines 


1)  Vgl.  S.  487  Anm.  4. 


comiti,  neque  rectori  provinciae  plus  aliquid 
praestabitur,  quam  nos  concessimus  in  anno- 
nis  seu  cellariis. 

d)  N.  V.  7,  1,4.  .  .  nemini  deinceps  li- 
cebit  ad  hoc  negotium  arbitrio  unius  iudicis 
adspirare.  Utrum  mitti  debeat  inspector 
publicus,  tractatus  ante  deliberet  sublimis 
viri  parentis  patriciique  nostri,  nee  non  mag- 
nificus vir  praefectus  praetorio  .  . :  cum 
aulicis  potestatibus  pro  sua  moderatione 
disponant,  si  iusta  necessitas  cogit,  qualis 
persona  mittatur  .  . 

Tj)  a)  C.  12,  1,  1.  Nemo  iudex  civilium 
munerum  vacationem  cuiquam  praestare  cu- 
riali  conetur,  vel  aliquem  suo  arbitrio  de 
curia  liberet.  Nam  si  quis  fuerit  eins  modi 
infortunio  depravatus,  ut  debeat  sublevari, 
de  eius  nomine  ad  nostram  scientiam  referri 
oportet,  ut  certo  temporis  spatio  civilium 
munerum  ei  vacatio  porrigatur. 

b)  C.  12,  1,  4.  Nullus  decurionum  ad 
procurationes  vel  curas  civitatum  accedat, 
nisi  Omnibus  omnino  muneribus  satisfecerit 
patriae  vel  aetate  vel  meritis.  Qui  vero  per 
suffragium  ad  hoc  pervenerit  administrare 
desiderans,  non  modo  ab  expetito  officio  re- 
pellatur,  sed  epistola  quoque  vel  codicilli  ab 
eo  protinus  auferantur,  et  ad  comitatum 
destinentur. 


aliquid  amplius  petere,   quam  ei  in  annonis 
vel  cellariis  a  principe  fuerit  deputatum. 


Nullus  iudex  vacationem  indebitam  tri- 
buat  curiali,  nee  eum  de  suo  officio  studeat 
liberare.  Nam  si  ita  tenuis  cuiuscunque  cu- 
rialis  et  exhausta  facultas  est,  ut  ei  publici 
oneris  necessitas  non  credatur,  ad  principis 
iussit  referre  notitiam. 


(Ista  lex  hoc  praecipit,)  nullum  curialem, 
nisi  Omnibus  curiae  officiis  per  ordinem  ac- 
tis, aut  curatoris  aut  defensoris  officium  de- 
bere  suscipere,  nisi  omnibus,  ut  dictum  est, 
ante  muneribus  satisfecerit,  quae  patriae  or- 
dine  debentur.  Nam  si  praefatus  contra  hanc 
praeceptionem  quolibet  suffragio  aut  sub 
quocunque  obtentu  honoris  se  munire  volu- 
erit,  et  obtentis  careät  et,  ubi  rerum  domini 
fuerint,  dirigatur. 


Der  Kaiser  §  1, 


673 


Defensors  übernehmen:  es  sei  denn  dass  er  vorher,  wie  gesagt,  allen  der 
Patria  nach  und  nach  geschuldeten  Munera  genügt  haben  wird.  Wird  der 
Genannte  gegen  diese  Vorschrift  durch  irgend  ein  SufFragium  oder  unter 
irgendwelchem  Vorgeben  eines  Honor  sich  haben  versichern  wollen,  so  soll 
er  sowohl  des  Erzielten  entbehren  als  auch  dahin  verwiesen  werden,  wo  die 
Herren  der  Dinge  gewesen  sein  werden.^ 

9-)  Freilassung. 

a)  Es  geschieht,  dass  irgend  Jemand  einen  fremden  Sklaven  freizulassen  sich  an-   c.  4,  9,  i 
gemasst  haben  und  es  in  Gegenwart  des  Princeps  gethan  haben  wird.^ 

2)  Schutz  des  Princeps. 

a)  ^Wenn  Jemand  nach  dem  25.  Jahre  seines  Lebens  gegenüber  seiner  Ver-  c.2, 9,  i 
abredung  oder  Abmachung,  die  er  ohne  Zwang  von  selten  einer  Potestas 
getroffen  hat  und  vielmehr  aus  freiem  Willen  geschlossen  zu  haben  befunden 
wird,  sei  es  die  ludices  zu  interpellieren  oder  die  Gemüter  der  Potestates 
gegen  dasjenige,  was  er  gethan  hat,  mit  Preces  anzugehen  sich  angemasst, 
oder  dasjenige  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  wird,  was  die  Niederschrift 
seiner  Abmachung,  unter  Leistung  eines  Eides,  bezeugt,  so  soll  er  aus  diesem 
Sachverhalt  nicht  nur  für  infam  erklärt  werden,  sondern  auch  diese  Sache 
zu  betreiben  nicht  befugt  sein,  und  gezwungen  werden,  die  Strafe,  welche 
er  in  dem  Vertrage  angeordnet  hat,  zu  entrichten,  und  soll  Alles,  was  seiner 
Seite  durch  diese  Urkunde  zugewiesen  gewesen  sein  wird,"  unverzüglich  den- 


1)  Vgl.  §  10,  1  b. 


2)  Vgl.  PrivatrecM,  Zweites  Buch  §  6,  2  c. 


{))  a)  C.  4,  9,  1.  Si  a  non  dominis  liber- 
tas  detur  mancipio  alieno,  si  quidem  ab  his 
iudicibus  impetrabitur,  quibus  dandi  ius  est . . 

2)  a)  C.  2,  9,  1.  Si  quis  maior  annis  ad- 
versura  pacta  vel  transactiones  nullo  cogentis 
imperio,  sed  libero  arbitrio  et  voluntate  con- 
fecta  putaverit  esse  veniendum,  vel  inter- 
pellando  iudicem,  vel  supplicando  principibus, 
vel  non  implendo  promissa  ea,  quae  invocato 
dei  omnipptentis  nomine,  eo  auctore,  solida- 
verit,  non  solum  inuratur  infamia,  verum 
etiam  actione  privatus,  restituta  poena,  quae 
pactis  probatur  inserta,  earum  rerum  et  pro- 
prietate  careat  et  emolumento,  quod  ex  pacto 
vel  transactione  illa  fuerit  consecutus.  Quae 
omnia  eorum  mox  commodo  deputabuntur, 
qui  intemerata  pacti  iura  servaverint.  Eos 
etiam  huius  litis  vel  iactura  dignos  iubemus 
esae  vel  munere,  qui  nomina  nostra  placitis 
inserentes,  salutem  principum  confirmationem 
initarum  esse  iuraverint  pactionum. 


C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


Si  aliquis  mancipium  manumittere  prae- 
sumserit  alienum  et  id  sub  praesentia  prin- 
cipis  .  .  fecerit  .  . 

Si  quis  post  XXV.  aetatis  suae  annum 
adversus  pactionem  vel  definitioneni  suam, 
quam  nulla  potestate  constrictus  emisit,  sed 
voluntate  propria  fecisse  dignoscitur,  aut 
interpellare  iudices  aut  potestatum  animos 
contra  hoc,  quod  fecit,  precibus  adire  prae- 
sumserit  aut  implere  neglexerit  ea,  quae  sub 
sacramenti  interpositione  definitionis  suae 
scriptura  testatur:  non  solum  ex  hoc  facto 
pronuntietur  infamis,  sed  nee  causam  ipsam 
agere  permittatur  et  poenam,  quam  in  pacto 
constituit,  cogatur  exsolvere:  et  quicquid 
partibus  suis  per  eandem  scripturam  fuerit 
deputatum,  illis  continuo  conferatur,  qui 
emissae  pactionis  definitionem  sine  aliqua 
contrarietate  servaverint.  lUos  quoque  prae- 
cipimus  similis  poenae  conditione  constringi, 
qui  dominorum  nomina  placitis  inserentes, 
definita  implere  neglexerint:  quod  illis  pro 
munere  conservatae  pactionis  accrescat,  qui 
sacramenta  et  definita  servaverint. 

43 


674 


ÖfFentliclies  Recht.     Drittes  Buch. 


jenigen  konferiert  werden,  welche  die  Abmachung  der  getroffenen  Verein- 
barung ohne  irgendwelches  Widerstreben  in  Acht  genommen  haben  werden. 
Wir  befehlen,  dass  diejenigen  von  dem  gleichen  Straflose  betroffen  werden, 
welche,  während  sie  in  die  Verträge  die  Namen  der  Herren  einreihen,  die 
Festsetzungen  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  werden,  mit  der  Massgabe, 
dass  zu  Gmisten  derjenigen  als  Lohn  für  die  Befolgung  der  Vereinbarung 
Accrescenz  stattfinden  soll,  die  Eide  und  Festsetzungen  in  Acht  genommen 
haben  werden.^ 

p.  5, 28, 1  b)  Durch  die  Lex  lulia  ist  verordnet  worden,  dass  ein  jeder  Judex  wegen 
öffentlicher  Grewaltthätigkeit  verurteilt  wird,  der  eine  Person,  es  sei  eine 
freigeborene,  es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie 
appelliert,  um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  gefoltert, 
getötet  oder  zu  töten  geheissen  oder  in  öffentliche  Fessehi  geschlossen  oder 
mit  Greissein  geschlagen  oder  zu  strafen  sich  angemasst  haben  wird.^ 

p.5,23,3  c)  Wer  wegen  des  Heils  des  Princeps  Mathematiker,  Harioli,  Haruspices, 
Wahrsager  befragt,  wird  mitsamt  demjenigen,  der  geantwortet  haben  wird, 
kapital  gestraft. 

p.  5, 31, 1  d)  Aus  der  Lex  lulia  maiestatis  haftet  derjenige,  mit  dessen  Hilfe  und  Rat 
gegen  den  Imperator  die  Waffen  erhoben  worden  sind,  bez.  sein  Heer  in 
einen  Hinterhalt  gelockt  worden  ist,  oder  wer  ohne  Befehl  des  Kaisers 
Krieg  geführt  oder  eine  Aushebung  veranstaltet,  ein  Heer  gerüstet,  be- 
arbeitet, den  Imperator  im  Stich  gelassen  haben  wird. 

3)  Ehrung  des  Kaisers, 
c. 2,8,2,4       a)  Man  beschloss,    den  Geburtstag    des  Princeps,    bez.    den  Regierungsanfang, 
mit  gleicher  Reverenz  zu  behandeln. 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  15,  2  c. 


2)  Vgl.  S.  579  Anm.  1. 


b)  P.  5,  28,  1.  Lege  lulia  de  vi  publica 
damnatur,  qui  aliqua  potestate  praeditus, 
civem  Romanum  .  .  ad  imperatorem  (,)  ap- 
pellantem  necarit  necarive  iusserit,  torserit, 
verberaverit ,  condemnaverit,  inve  publica 
vincula  duci  iusserit  .  . 

c)  P.  5,  23,  3  Qui  de  salute  principis 
,  .  mathematicos,  hariolos,  haruspices,  vati- 
cinatores  consulit,  cum  eo,  qui  responderit, 
capite  punitur. 

d)  P.  5,  31,  1.  Lege  Julia  maiestatis  tene- 
tur  is,  cuius  ope  consilio  adversus  imperato- 
rem .  .  arma  mota  sunt,  exercitusve  eius  in 
insidias  deductus  est:  quive  iniussu  impera- 
toris  bellum  gesserit,  dilectumve  habuerit, 
exercitum  comparaverit,  sollicitaverit,  deseru- 
erit  imperatorem  .  . 

3)  a)  C.  2,  8,  2,  4.  Parem  necesse  est 
haberi  reverentiam  nostris  etiam  diebus,  qui 


(P.  5,  28,  2)  Lege  lulia  decretum  est,  ut  pro 
violentia  publica  damnetur,  quicunque  iudex 
appellantem,  ut  ad  principis  praesentiam  du- 
catur,  ingenuum  hominem  vel  civem  Roma- 
num factum  torserit,  occiderit  vel  occidi  ius- 
serit vel  in  vinculis  publicis  adstrinxerit  vel 
flagellis  ceciderit  aut  damnare  praesumserit . . 


Natalem  (etiam)  principis  vel  initium  regni 
pari  reverentia  convenit  observari. 


Der  Kaiser  8  1, 


675 


4)  UmgebuDg  des  Kaisers. 

a)  ^  Mit  Bezug  auf  alle,   die  sogar  die  Dignität  unserer  hohen  Gegenwart  be-   c.  2, 1, 3 
gleitet,  wollen  wir  den  Satz  gelten  lassen,  dass,  wenn  Jemand  die  Keusch- 
heit einer  beliebigen  Person  verletzt  haben  wird,  er  die  gesetzlich  verordnete 
Strafe   übernehmen    solle.     Ein  Jeder,  der  einen  Raub  verübt  haben  wird, 
soll   in  Höhe  des  Doppelten   das  mit  Gewalt  Angeeignete  zurückerstatten.^ 

5)  Privatrechtliches  mit  Bezug  auf  den  Kaiser  und  seine  Umgebung. 

a)  Aus  blosser  Pollicitatio  entsteht  keine  Actio :  demnach  kann  das  Vermögen  p.  5,  u,  5 
desjenigen,  der  laut  verkündet  hatte,  er  werde  den  Imperator  zum  Erben 
machen,  von  dem  Fiskus  nicht  okkupiert  werden.  ^Die  Milde  des  Princeps  c.  4, 4, 5 
gestattet  nicht  die  Bezeugung,  dass  irgend  Jemand  sagt:  ich  habe  ver- 
nommen, dass  der  Sterbende  dies  dem  Princeps,  bez.  auch  Personen,  die 
der  Potestas  verbunden  sind,  oder  von  irgendwelchem  Potens,  in  solcher 
Weise  habe  zuweisen  wollen ;  sie  duldet  nicht,  dass  diese  Stimme  zugelassen 
werde.  Wie  sie  verordnet  hat,  dass  legitime  Urkunden  mit  Bezug  entweder  auf 
die  eigene  Person,  oder  auf  irgendwelche  sonstige  Potestates,  oder  sei  es  auf 
Private,  giltig  sind,  so  wollte  sie  nicht,  dass  eine  unvollständige  und  unter 
solcher  Bezeugung  vorgebrachte  irgendwelche  Geltung  besitze.^ 


1)  Vgl.  S.  586  Anm.  1. 


2)  Vgl.  S.  366  Anm.  1. 


vel  lucis   auspicia  vel  ortus  imperii  protule- 
runt. 

4)  a)  C.  2,  1,  3.  Non  solum  in  agentes  in 
rebus,  sed  in  alios  etiam  cuiuslibet  homines 
conclitionis  competentes  vigoris  aculei  ex- 
serantur,  si  modo  fuerit  declaratum,  delicto 
eos  obnoxios  detineri.  Quicunque  igitur  ali- 
quid improbe  turpiterque  commiserit  aut 
libidinis  macula  forte  polluerit  pudicitiam, 
-debet  ad  eum  ultio  severitatis  congruae  pro- 
paj^ari:  quum  tarnen  direptionem*videantur 
esse  conquesti,  qui  gravia  testantur  esse  ad- 
missa,  quae  obnoxios  claruerit  invasisse,  in 
duplum  restituere  compellantur. 

5)  a)  P.  5,  14,  5.  Ex  nuda  pollicitatione 
nulla  actio  nascitur:  ideoque  eius  bona,  qui 
8e  heredem  imperatorem  facturum  esse  iac- 
taverat,  a  fisco  occupari  non  possunt. 

C.  4,  4,  5.  Nolumus  convelli  deficientium 
scriptas  iure  ac  solenniter  voluntates,  dum 
quoddam  morientis  supremum  et  non  adscri- 
ptum  processisse  confirmatur  arbitrium,  tan- 
quam  Patrimonium  suum  ad  nos  deficiens 
maluerit  pertinere.  Omnibus  enim  privatis 
et  militantibus  interdicimus,  ne  huiusmodi 
perhibeant  testimonia,  et  falsi  criminis  reos 
teneri  praecipimus,    si,    quum    scriptae  iure 


In  Omnibus  personis,  quas  etiam  praesen- 
tiae  nostrae  dignitas  comitatur,  lianc  volu- 
mus  observari  sententiam:  ut,  si  quis  cuius- 
cunque  pudicitiam  violaverit,  poenam  statutam 
iure  suscipiat.  Et  quicunque  direptionem  ad- 
miserit,  in  duplum  violenter  praesumta  re- 
stituat. 


.  .  Nee  admittit  hanc  testificationem  prin- 
cipis  dementia,  si  forte  dicat  aliquis:  audivi 
morientem  velle  hoc  principi  vel  etiam  bis 
personis,  quae  potestati  adiunctae  sunt,  vel 
cuiuscunque  potentis  taliter  deputatum :  hanc 
vocem  admitti  non  patitur.  Et  sicuti  legi- 
timas  scripturas  vel  in  suam  personam  vel  in 
quascunque  alias  potestates  sive  in  privatos 
valere  mandavit,  ita  imperfectam  et  sub  tali 

43* 


676 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  4,  4,  2 


P.  5,  14,  i 


P.  4,  5,  3 


b)  ^  Wenn  Jemand  bei  seinem  Tode  dem  Princeps  oder  seinen  Propinqui,  bez. 
Amici,  irgend  etwas  mittels  Kodizills  oder  Briefes  hinterlassen  zu  sollen 
geglaubt  haben  wird,  besitzt  es  aus  Pietätsrücksichten  keine  Giltigkeit. 
Hingegen  ist  gestattet,  dass  dasjenige,  was  auch  immer  dem  Princeps,  bez. 
seinen  Proximi,  mittels  Testaments  oder  Nunkupation  hinterlassen  wird,  für 
sie  nach  den  Gesetzen  Geltung  besitzt.^ 

c)  Dass  der  Imperator  Prozesses  halber  zum  Erben  eingesetzt  wird,  ist  an- 
stössig:  denn  ein  Anlass  zur  Kalumnie  darf  aus  der  kaiserlichen  Majestät 
nicht  geschöpft  werden. 

d)  Das  Testament,  in  welchem  der  Imperator  als  Erbe  eingesetzt  worden  ist, 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  12,  2  e. 


ac  solenniter  deficientium  exstiterint  volun- 
tates,  non  scriptum  aliquid  sub  nostrorum 
nominum  mentione  falso  adstruere  molian- 
tur.  Nemo  itaque  relictus  heres  vel  legibus 
ad  successionem  vocatus  nostrum  vel  poten- 
tium  nomen  horrescat ;  nemo  ferre  testimonia 
in  hunc  modum  vel  suscipere  gestis  huius- 
modi  voces  audeat  nostro  vel  etiam  priva- 
torum  potentium  nomine.  Maneat  arbitrium, 
quod  Vera  et  solennis  scriptura  commendat; 
excludatur,  si  quid  adversus  eam  vel  defi- 
cientis  animum  sub  deferenda  hereditate 
nostrae  perennitati  per  testimonia  non  scri- 
pta et  falso  contexta  asservatur;  nemo  scri- 
ptis  proprium  auferat  robur  et  non  scriptis 
sub  praetextu  nostri  vel  potentium  nominis 
ingerat  firmamentum. 

b)  C.  4,  4,  2,  Quae  codicillis  aut  episto- 
lis  nobis  necessitudinibusve  nostris  relinquun- 
tur,  non  admittimus, .  .  (Ceterum)  quod  ad  nos 
nostrosque  attinet,  codicillos  et  epistolas  adeo 
refutamus,  ut  ex  illis,  etiamsi  veras  eas  esse 
quaestionum  regula  approbarit,  quicquid  no- 
bis relictum  nostrisve  constiterit,  ad  liberos 
defuncti  vel,  si  hi  non  sint,  ad  proximum 
quemque  iudicii  nostri  humanitate  pertineat. 
Testamenti  vero  scripturam  legitimam  vel 
nuncupationem,  quae  in  nomen  nostrum  forte 
processerit,  iure  capiemus  .  . 

c)  P.  5,  14,  4.  Imperatorem  litis  causa 
heredem  institui  invidiosum  est:  nee  enim 
calumniandi  facultatem  ex  principali  maie- 
state  capi  oportet. 

d)  P.  4,  5,  3.  Testamentum,  in  quo  im- 
perator  heres  scriptus  est,  inofficiosum  argui 
potest:  eum  enim,  qui  leges  facit,  pari  ma- 
iestate  legibus  obtemperare  convenit. 


testificatione    prolatam   penitus    valere    non 
voluit. 


Si  quis  moriens  principi  vel  propinquis 
vel  amicis  eins  aliquid  per  codicillum  aut 
per  epistolam  crediderit  relinquendum,  pieta- 
tis  intuitti  id  (praecipit)  non  valere  .  .  Ce- 
terum principi  vel  eins  proximis,  quicquid 
testamento  aut  nuncupatione  dimittitur,  hoc 
sibi  legibus  valere  permittitur. 


Reichsbehörden  §  2. 


677 


kann  als  inoffiziös  bezichtigt  werden:  denn  man  war  der  Ansiclit,  dass  der- 
jenige, welcher  die  Gesetze  macht,  in  gleicher  Majestät  den  Gesetzen  gehorcht, 
e)  Der  Imperator,  der  zmn  Erben  eingesetzt  worden  ist,  kann  mit  einem  Legat  p.  4,  i,  3 
und  mit  einem  Fideikommiss  beschwert  werden. 


II.  Reichsbehörden  §  2. 

a)  AVenn    irgend  Jemand   aus   der  Zahl  derjenigen  ludices,  welche  Provinzen   c.  3, 11, 1 
verwalten,    oder  auch   derjenigen,  denen  Gemeinden,   bez.  Loca,    anvertraut 
worden   sind,   mittels  Machtentfaltung  wider   den  Willen  der  Eltern  Jung- 
frauen oder  Witwen,  selbst  wenn  sie  Sui  iuris  sind,  kraft  ihrer  Gewalt  zur 

Ehe  sich  zugesj^rochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren 
eigenen  Interessen  zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels 
Kollusion  mit  behebigen  Personen  zugesprochen  Averden,  sodass  sie  den 
genainiten  Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  hat  das  Ge- 
setz gegen  Menschen  dieser  Art  den  Eltern,  bez.  den  Frauen  selbst, 
soweit  sie  selbständig  sind,  bez.  denjenigen,  die  das  Alter  der  Minder- 
jährigen beschirmen,  das  Benefiz  gewährt,  dass,  wenn  sich  in  der  gleichen 
Provinz  eine  andere  Gewalt  befindet,  sie  unter  den  Schutz  des  andern  ge- 
stellt werden  muss  oder  an  die  Magnifica  potestas,  die  es  dem  Princeps  zu 
Gehör  bringen  kann,  rekurrieren  soll.^ 

b)  Ein  Jeder,    der  zu  Beginn    des  Prozesses  eine  Sache,  die  er  gehabt  haben   c.  2, 1, 6 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  14,  2  c. 


e)  P.  4,  1,  3.     Ab   imperatore   herede   in- 
stituto  legatum  et  fideicomissum  dari  potest. 

§  2)  C.  3,  11,  1.  Si  quis  ordinaria  vel 
qualibet  praeditus  potestate  circa  nuptias 
invitis  ipsis  vel  parentibus  contrahendas,  sive 
pupillae  sive  apud  patres  virgines  sive  vi- 
duae  erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  denique 
cuiuscunque  sortis,  occasione  potestatis  uta- 
tur,  et  minacem  favorem  suum  invitis  iis, 
quorum  utilitas  agitur,  exhibere  aut  exhibu- 
isse  detegitur,  .  .  si  haec  pravitas  ordinarii 
iudicis  erit,  universa  eius  domus  atque  omnia 
vel  civilia  vel  criminalia  negotia,  quamdiu 
idem  in  administratione  fuerit,  vicario  com- 
petant;  sin  autem  vicarius  vel  similis  pote- 
statis vim  in  huiusmodi  contrahendo  matri- 
monio  molietur,  vicissim  Ordinarius  iudex 
intercessor  exsistat ;  si  erunt  uterque  suspecti, 
ad  illustrem  praefecturam  specialiter  talium 
domorum,  quamdiu  idem  administraverit,  tu- 
tela  pertineat. 

b)  C.  2,  1,  6.     .  ,  omnes  iacturam  litis  in- 


Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civitates 
vel  loca  commissa  sunt,  per  potentiam  in- 
vitis parentibus  virgines  aut  etiam  viduas,  si 
sui  iuris  sint,  per  potestatem  ad  nuptias  suas 
addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et  earum 
utilitatibus  obviantes  per  terrorem  aut  per 
quorumcunque  colludium  addicantur,  ut  his 
personis,  de  quibus  loquitur,  invitae  iungan- 
tur  .  .  Beneficium  (tamen)  lex  ista  adversus 
eiusmodi  homines  parentibus  vel  ipsis  mu- 
lieribus ,  quae  in  suo  iure  sunt ,  vel  qui 
minorum  aetates  tuentur,  indulsit,  .  .  ut, 
si  in  eadem  provincia  sit  alia  potestas,  .  . 
alterius  tutela  debeat  defensari,  aut  certe  ad 
magnificam  potestatem,  quae  principis  auri- 
bus  hoc  possit  intimare,  recurrat. 


Quicunque  apud  alium  et  non  apud  suum 


678 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.V.  12,  1, 
16  u.  17 


N.  Th. 
6,l,lU.2 


wirdj  bei  einem  Anderen,  nicht  bei  seinem  Richter  proponieren  zu  sollen 
geglaubt  haben  wird,  soll  der  Klage  wegen  der  Streitsache,  um  welche  es 
sich  handelt,  verlustig  gehen,  es  sei  denn  dass  er  gegen  ein  Urteil,  welches 
gegen  ihn  gesprochen  gewesen  sein  wird,  appellieren  zu  sollen  geglaubt 
haben  wird,  damit  die  Verhandlung  vor  ludices  höherer  Dignität  stattfinde. 
Wird  Jemand  einen  Richter  aus  irgendwelchen  Grründen  für  seinen  Gegner 
gehalten  oder  für  verdächtig  angesehen  haben,  so  soll  er  die  Stimme  der 
Appellation  erheben,  um,  sobald  es  ihm  geglückt  gewesen  sein  wird,  unter 
Fernhaltung  von  Anständen  die  Sache  von  Neuem  vor  einem  andern  Richter 
zur  Verhandlung  zu  bringen:  in  einer  Sache,  in  welcher  bis  zu  hundert 
Solidi  geurteilt  gewesen  sein  wird,  darf  von  der  ludiciaria  potestas,  das  will 
sagen,  dem  Illustris  nicht  appelliert  werden/  ^ Einem  Jeden,  der  ungerecht 
bedrückt  worden  ist,  soll  erlaubt  sein,  gegen  einen  Iudex,  gegen  dessen  Macht 
zu  appellieren  nicht  erlaubt  gewesen  sein  wird,  sobald  er  Privatperson 
geworden  sein  wird,  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  an  die 
Herren  der  Dinge  dahin  zu  supplizieren,  dass  ihnen  von  Neuem  Gehör 
gegeben  werde.  Werden  sie  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren, 
nachdem  jener  einen  Nachfolger  erhalten  hat,  nicht  suppliziert  haben,  so 
soll  dasjenige,  was  gegen  sie  geurteilt  gewesen  war,  in  Acht  genommen 
werden  und  dauernde  Giltigkeit  besitzen.^ 


1)  Vgl.  S.  482  Anm.  1  u.  S.  522  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  530  Anm.  1. 


currant,  qui  non  ante  in  proprio  foro  iurga- 
verint,  si  quidem  possint  venire  ad  altioris 
iudicis  notionem,  quum  iudicatum.  quod  dis- 
plicet,  appellatio  excluserit  .  . 


N.  V.  12,  1,  16  u.  17.  Si  quis  a  suspecto 
iudice  illustri  viro  praefecto  urbis  Romae, 
propter  aliquas  domesticas  et  privatas  simul- 
tates,  vocem  appellationis  emiserit,  apud 
successorem  eins  sequentem  mox,  quas  ante 
timuit,  exserat  actiones,  ut  relationibus  diffi- 
cultatum  ac  morarum,  quas  intercedere  ad 
respondendum  nolumus,  necessitas  auferatur. 
Nee  quisquam  provoeet  a  praefato  cognitore 
in  causa,  cuius  meritum  intra  centum  soli- 
dos  continetur. 

N.Th.  6, 1, 1  u.  2.  . .  litigantibus  in  amplissimo 
praetorianae  praefecturae  iudicio,  si  contra 
ius  se  laesos  affirment,  supplicandi  licentiam 
ministramus,  licet  pro  curia  vel  alia  qualibet 
publica  utilitate  dicatur  prolata  sententia. 
Nee  enim  publice  prodest,  singulis  legum 
adminicula  denegari  .  .  Illustris  itaque  et 
magnifica  auctoritas  tua,  constitutione,  quae 
adversus  sententiam  pro  curia  latam  suppli- 
care    prohibuit,    omni   parte    cassata,   sciat, 


iudicem  negotium,  quod  habuerit,  in  initio 
litis  crediderit  proponendum,  .  .  litis  ipsius, 
de  qua  agitur,  actione  damnetur:  nisi  forsi- 
tan  contra  sententiam,  quae  adversus  eum 
dicta  fuerit,  crediderit  appellandum,  ut  apud 
maioris  dignitatis  iudices  audiatur  .  . 

Si  quis  iudicem  pro  quibuscunque  causis 
adversutn  sibi  esse  senserit,  aut  habuerit  for- 
tasse  suspectum,  vocem  appellationis  exhi- 
beat,  ut,  quum  ei  successum  fuerit,  integro 
negotio  apud  alium  iudicem  amotis  dilationi- 
bus  possit  audiri.  In  ea  (vero)  causa  iudi- 
ciariae  potestati,  id  est  illustri  appellari  non 
debet,  in  qua  usque  ad  centum  solidos  fu- 
erit iudicatum. 


Contra  iudicem,  adversus  cuius  potentiam 
non  licuerit  appellare,  (iubet  haec  lex,)  ut, 
quum  privatus  effectus  fuerit,  intra  biennium 
liceat  cuicunque,  qui  iniuste  oppressus  est, 
rerum  dorainis  supplicare,  ut  illis  iterum 
audientia  deputetur.  Quod  si  intra  biennium 
post  successionem  illius  non  supplicaverint, 
quae  contra  eos  fuerant  iudicata,  serventur 
et  perpetuam  teneant  firmitatem. 


Reichsbehörden  §  2. 


G79 


c)  Wenn  ein  Grabschänder  derart  keck,    ungefügig  und  rebellisch  aufgetreten  g^'j^'g 
sein   wird,    dass    er  zu  dessen  Bestrafung  nicht  zu  schreiten  vermochte,  soll 

der  Provinzialstatthalter  sofort  die  Amplissimae  potestates  durch  eine 
direkte  Relation  benachrichtigen,  damit  nicht  die  Anwendung  gerechter 
Strenge  verzögert  werde. 

d)  So    oft    ohne    die  Autorität   eines  Judikats  Offizialen  das  Vermögen  irgend  p.  5,  u,  2 
einer  Person  okkupieren  oder  aufnehmen  oder  in  Observation  sein  lassen,  wird, 
nachdem  der  Prokurator  angegangen  ist,  das  Unrecht  beseitigt  und  werden 

die  Urheber   dessen    den  prätorischen  Präfekten  zur  Bestrafung  überwiesen. 

e)  ^Manichäer  smd  der  Dignitas  militiae  zu    berauben.     Die    Primaten    einer  2  1^3^'.  4 
jeden  Militia,    bez.    eines  jeden  Officium,    soll   eine   unverzüglich   durch   die 
Apparitio    des   Praefectus   Praetorio    einzutreibende  Strafe   von   zehn  Pfund 

Gold  treffen,  wenn  sie  Jemanden  werden  haben  dienen  lassen,  der  von 
diesem  Aberglauben  besudelt  ist.^ 

f)  Niemandem  wird  in  Zukunft  erlaubt  sein,  dieses  Geschäft  nach  dem  Gut- 
dünken eines  einzigen  Judex  zu  begehren:  ob  ein  Inspector  publicus  ge- 
schickt werden  muss,  soll  die  vorgängige  Erwägung  des  erhabenen  Mannes 
Parens  Patriciusque  noster  und  der  Magnificus  vir  Praefectus  praetorio  in 
Betracht  ziehen:  sie  sollen  mit  den  Potestates  des  Hofs  nach  ihrem  Befinden 
darüber  verfügen,  falls  ein  wirklicher  Zwang  nötigt,  welche  Person  geschickt 
werden  soll. 


N.V. 
7,  1,4 


1)  Vgl.   Privatrecht,  Zweites  Bach  ij  22,  3  b. 


preces  intra  biennium  tantum  nostro  numini 
contra  cognitionalcs  seclis  tuae  sententias 
offerendas,  post  successionem  videlicet  iudicis 
numerandum. 

c)  N.  V.  5,  1,  5  u.  6.  .  .  sepulcrorum 
violator  ,  .  provinciae  moderator  .  .  si  (quis 
tarnen)  exstiterit  sie  superbus,  sie  impotens, 
sie  rebellis,  in  cuius  nequeat  ire  supplicium, 
amplissimas  potestates  directa  relatione  mox 
instruat,  ne  severitas  iusta  lentetur. 

d)  P.  5,  14,  2.  Quoties  sine  auctoritate 
iudicati  officiales  alicuius  bona  occupant  vel 
describunt  vel  sub  observatione  esse  faciunt, 
adito  procuratore  iniuria  submovetur:  et  rei 
huius  auctores  ad  praefectos  praetorio  pu- 
niendi  mittuntur. 

e)  N.  V.  2,  1,  3  u.  4.  .  .  Manichaeos  digni- 
tate  militiae  .  .  privandos  .  .  Primates  unius- 
cuiusque  militiae  vel  officii  mox  exigenda 
per  apparitionem  vestram  decem  librarum 
auri  mulcta  percellat,  si  quem  hac  supersti- 
tione  pollutum  siverint  militare  .  . 

f)  N.V.  7,  1,  4.  .  .  nemini  deinceps  lice- 
bit  ad  hoc  negotium  arbitrio  unius  iudicis 
adspirare.      Utrum    mitti    debeat    inspector 


680 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Mai. 
1,  1,  10 


N.  Mai. 
1,1,9 


g)  Für  die  Kurialen  ist  Sorge  getragen,  dass  nicht  entweder  diejenigen,  welche 
zur  Kurie  zurückgerufen  werden,  oder  jene,  die  eines  schweren  Verbrechens 
angeschuldigt  werden,  so  leichthin  Foltern  erdulden  sollen:  vielmehr  sollen 
sie  unter  Bürgenhaft  an  die  Potestas  dignissima  gewiesen  werden,  damit 
diese  über  ihre  Handlungen  ein  Urteil  sprechen  könne.^ 

h)  Die  Kurialen  werden  geheissen,  städtische  oder  ländliche  Grundstücke  ohne 
die  Einlegung  eines  Dekrets  nicht  zu  verkaufen,  es  sei  denn,  dass  den 
Potestates  berichtet  werde,  dass  eine  harte  Notwendigkeit  den  Kurialen 
zum  Verkaufe  drängt.^ 


III.  Das  Vermögen  des  Reichs. 

A)  Erwerbsquellen  §  3. 

1)  Zölle. 

c  4, 11, 1       a)  ^ Zölle   sind   dasjenige,    was   dem  Fiskus  anlässlich  des  Transports  geleistet 
wird.     Das   will    sagen,    man    bringt  Waren   entweder  an   den  Küstenorten 


1)  S.  590  Anm.   1. 

2)  Vgl.  S.  193  Anm.  1. 


publicus,  tractatus  ante  cleliberet  sublimis 
viri  parentis  patiiciique  nostri,  nee  non 
magnificus  vir  praefectus  praetorio  .  .:  cum 
aulicis  potestatibus  pro  sua  moderatione 
disponant,  si  iusta  necessitas  cogit,  qualis 
persona  mittatur  .  . 

g)  N.  Mai.  1,  1,  10.  Inter  quae  iustum 
est,  ut  his,  quos  reduci  volumus,  consulamus, 
ne  iniuriis  corporalibus  pro  civilis  plerum- 
que  iudicis  commotione  subdantur.  Unde 
quoties  aut  culpa  gravis  aut  aliquod  curialis 
crimen  arguitur,  sciant  iudices,  eo  sub  fidei- 
iussione  ordinis  constituto,  ad  magnificos  viros 
praefectos  praetorio  esse  referendum,  ut  in 
ipsorum  sit  arbitrio  constitutum,  qualiter,  quod 
admissum  probabitur,  vindicetur. 

h)  N.  Mai.  1,  1,  9.  Praedia  vel  urbana 
vel  rustica  nunquam  sine  interpositione  de- 
creti  curialis  alienet.  Quod  ne  forte  provin- 
cialis  iudex  facile  aut  gratificanter  indulgeat, 
ad  eminentium  praefectorum  sub  relatione  no- 
titiam  dirigatur,  quibus  solis  aestimare  per- 
rnittimus,  utrum  ineiuctabilis  necessitas  ven- 
ditorem  faciat  curiaiem.  Aliter  contractus 
super  his  rebus  initi  non  valebunt  .  . 

1)  a)  C.  4,  11,  1.     Penes    illum   vectigalia 
manere   oportet,   qui   superior   in   licitatione 


(Nam  et)  hoc  curialibus  (voluit)  esse  con- 
sultum,  ne  aut  hi,  qui  revocantur  ad  curiam, 
aut  illi,  qui  in  gravi  culpa  tenentur  obnoxii, 
tam  facile  tormenta  sustineant,  nisi  ad  po- 
testatem  dignissimam  sub  fideiussionis  vin- 
culo  dirigantur,  ut  ipse  de  eorum  factis  pos- 
sit  ferre  sententiam. 


lubentur  (etiam)  curiales,  ut  praedia  ur- 
bana vel  rustica  sine  decreti  interpositione 
non  vendant,  nisi  potestatibus  referatur,  quia 
vendendi  arcta  necessitas  imminet  curiali  .  . 


Vectigalia    sunt,    quae   fisco   vehiculorum 
subvectione    praestantur,    hoc   est  aut  in  ii- 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


681 


auf  die  Schiffe  oder  umgekehrt  auf  die  Fuhrwerke.  ^  Die  Pacht  der  Zölle  muss 
für  einen  Zeitraum  von  drei  Jahren  bei  tüchtigen  Personen  sich  befinden^ 
und  unverzüglich  die  Eintreibung  derselben  von  neuem  Andern  überlassen 
werden,  die  eine  grössere  Summe  als  Abgabe  angeboten  haben  werden.  Wird 
Jemand  aus  der  Pacht  oder  Eintreibung  der  Zölle  mehr,  als  vorgeschrieben 
gewesen  sein  wird,  einzutreiben  unternommen  haben,  ^sodass  er  unter  dieser 
Eintreibung  den  Kaufmann  oder  Provinzialen  zu  bedrücken  begonnen  haben 
.wird,^  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu  einer  Kapitalstrafe  zu  verurteilen  ist. 

2)  Tributum. 

a)  Steuerpflicht. 

a)  AVer    auch    immer   von    irgendwelcher    Sache    das    Eigentum    in   beliebiger   c.  u,  2, 2 
Weise  erworben  haben  wird,  soll  unverzüglich  zu  dem  Teil,  zu  welchem  er 
Possessor  geworden  ist,  die  Einzeichnung  seines  Namens  in  die  öffentlichen 
Bücher*  verlangen  und  versprechen,  dass  er  die  Steuer  für  das  Grundstück, 
dessen  Besitzer  er  ist,  zahlen  wird,  damit,  nachdem  sein  Yormann,  das  ist, 

der  frühere  Eigentümer  von  der  Behelligung  befreit  Avorden  ist,  die  Zahlungs- 
pflicht^  auf  den  gegenwärtigen  Eigentümer  übertragen  werde. 

b)  Niemand   soll  ein  Grundstück  zu  erwerben  wagen,    sondern  Alle  sollen  für  c.  11, 2,1 
diejenigen  Acker,  die  ihnen  in  irgend  einer  Weise  zugekommen  sein  w^erden, 

die  Steuern  des  öffentlichen  Kanons  entrichten.^     Wegen  der  Zahlung  des 


1)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

2)  T  sagt,   dass   die  Zollpacht   für  die  ununterbrochene  Dauer  von  drei  Jahren  dem 
Meistbietenden  zu  teil  wird. 

3)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 

4)  In  die  Censuales  pagin ae.  5)  Die  Capitatio. 

6)  Alle   sollen   für  die  Grundstücke,   die  sie  besitzen,    die  Publicae  pensitationes  ent- 
richten. 


exstiterit,  ita  ut  non  minus  quam  triennii 
fine  locatio  concludatur,  nee  ullo  modo  inter- 
rumpatur  tempus  exigendis  vectigalibus  prae- 
stitutum.  Quo  peracto  tempore,  licitationum 
iura  conductionumque  recreari  oportet,  ac 
ßimili  modo  aliis  collocari ;  capitali  sententia 
subiugando,  quem  plus  aliquid,  quam  statu- 
tum  est,  a  provincialibus  exegisse  constiterit. 


2  a)  a)  C.  11,  2,  2.  Quisquis  alienae  rei 
quoquo  modo  dominium  consequitur,  statim 
pro  ea  parte,  qua  possessor  fuerit  effectus, 
censualibus  paginis  nomen  suum  postulet 
annotari,  ac  se  spondeat  soluturum ;  ablata- 
que  molestia  de  auctore,  in  succedentem 
capitatio  transferatur. 

b)  C.  11,2,  1.    Omnes  pro  his  agris,  quos 
possident,   publicas  pensitationes  agnoscant; 


toreis  locis  navibus  aut  per  diversa  vehiculis 
merces  de^Dortant,  cuius  rei  conductelam  apud 
strenuas  personas  triennio  esse  praecipit,  et 
continuo  hanc  exactionem  aliis  iterum  per- 
mittendam,  qui  maiorem  summam  praesta- 
tionis  obtulerint.  Ex  qua  conductione  aut 
exactione,  si  quis  plus,  quam  praeceptum 
fuerit,  exigere  tentaverit,  ita  ut  mercatorem 
vel  provincialem  sub  hac  exactione  gravaro 
coeperit,  periculo  capitis  se  noverit  esse 
damnandum. 

Quicunque  cuiuslibet  rei  dominium  quo- 
libet  ordine  acquisierit,  continuo  pro  ea  parte, 
qua  possessor  effectus  est,  publicis  libris  no- 
men suum  petat  adscribi,  ac  se  promittat 
tributum  agri,  cuius  possessor  est,  soluturum, 
ut  remota  de  auctore,  id  est  de  priore  do- 
raino  inquietudine,  in  praesentem  dominum 
solutio  transferatur. 

Fundum  nullus  audeat  comparare,  sed 
omnes  pro  his  agris,  qui  ad  eos  quoquo  modo 


682 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


G.  3,  1,  2 
pr. 


C.  3,  1,  2 
pr. 


C.  11,1,  2 


Tributum  soll  Niemandem  freistehen  zu  verhandeln,  indem  vielmehr  der- 
jenige, welcher  Herr  geworden  ist,  sei  es  dass  das  Grundstück  geschenkt, 
sei  es  dass  es  verkauft  w^ird,  die  sämtlichen  Steuern  der  Sache  übernimmt.^ 
Wird  irgend  Jemand  unter  Unterdrückung  der  Zahlung  an  den  Fiskus  zu 
verkaufen  gewagt  gehabt  oder  zu  erwerben  sich  angemasst  haben,  so  mögen 
diejenigen,  zwischen  welchen  ein  solcher  Kontrakt  in  geheimer  Abmachung 
geschlossen  gewesen  sein  wird,  wissen,  dass  sowohl  derjenige,  welcher  als 
Käufer  aufgetreten  sein  wird,  den  Kaufpreis,  als  auch  der  Verkäufer  den 
Besitz  verliert.^ 

Ein  Jeder,  der  ein  Landgut  erwirbt,  soll  anerkennen,  dass  er  das 
Tributum  für  diese  Sache,  zugleich  auch  mit  dem  Rechte  des  Besitzes, 
erworben  habe,  weil  es  Niemandem  erlaubt  ist,  ein  Grundstück  ohne 
Tributum,  bez.  Zahlung  an  den  Fiskus,  entw^eder  zu  erwerben  oder  zu 
verkaufen.^ 

c)  Diejenigen,  welche  im  Testament  zu  Erben  eingesetzt  worden  sind,  sollen 
gezwungen  werden,  die  Last  der  erbschaftlichen  Grundstücke,*  ^das  will 
sagen,  das  Tributum ^  anzuerkennen.  Wenn  sie  die  Erbschaft  für  sich  als 
nachteilig  erachten,  sollen  sie  auf  alle  diejenigen  Dinge  verzichten,  welche 
ihnen  aus  dieser  ihrer  Erbschaft  werden  zukommen  können. 


1)  T  fügt  hinzu:  si  necdum  translata  sit  professio  censuahs,  sed  apud  priorem  fundi 
dominum  forte  permaneat,  dissimulantibus  ipsis,  ut  non  possidentes  pro  possidentibus 
exigantur. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  18,  2  ß,  b. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  18,  2  ß,  b. 

4)  T  fügt  hinzu,  dass  es  auch  für  weniger  einträgliche  Grundstücke  gelte. 

5)  Hiervon  ist  in  T  nicht  die  Rede. 


nee  pactionibus  contrariis  adiuventur,  si  ven- 
ditor  aut  donator  apud  se  collationis  sarci- 
nam  pactione  illicita  voluerit  retinere,  .  . 


C.  3,  1,  2  pr.  .  .  Inspectio  autera  publica 
vel  fiscalis  esse  debebit  hac  lege,  ut,  si  ali- 
quid sine  censu  venierit,  et  id  ab  alio  defe- 
retur,  venditor  quidem  possessionem,  compa- 
rator  vero  id,  quod  dedit  pretium,  fisco  vin- 
dicante,  per  dat. 

C.  3,  1,  2  pr.  Qui  comparat,  c.ensum  rei 
comparatae  cognoscat:  neque  liceat  alicui, 
rem  sine  censu  vel  comparare  vel  vendere  .  . 


c)  C.  11,  1,  2.  Heredes  scripti  etiam  pro 
minus  idoneis  fundis  fiscale  onus  cogantur 
agnoscere,  vel,  si  renuntiandum  hereditati 
putent,   cedant  his  omnibus  rebus,   quas  ex 


pervenerint,  publici  canonis  impleant  func- 
tionem.  Nee  de  solutione  tributi  cuicunque 
liberum  sit  pacisci,  sed  sive  donetur  ager 
sive  vendatur,  factus  dominus  integra  rei 
tributa  suscipiat. 

.  .Quod  si  suppressa  fiscali  solutione  aliquis 
vendere  ausus  fuerit  vel  comparare  praesum- 
sorit,  noverint,  inter  quos  talis  fuerit  secreta 
transactione  contractus,  quod  et  ille  pretium 
perdat,  qui  emtor  accesserit,  et  venditor 
possessionem  amittat. 

Quicunque  villam  comparat,  tributum  rei 
ipsius,  sicuti  et  ius  possessionis  se  conipa- 
rasse  cognoscat,  quia  non  licet  ulii  agrum 
sine  tributo  vel  solutione  fiscali  aut  compa- 
rare aut  vendere  .  . 

Hi,  qui  heredes  testamento  scripti  sunt, 
hereditariorum  agrorum  onus,  id  est  tribu- 
tum cogantur  agnoscere.  Quod  si  heredi- 
tatem    sibi    damnosam    credunt,    cedant  his 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


683 


d)  AVenn  Jemand  einen  fremden  Kolonen  wissentlich  in  seinem  Hause  zurück-   ^-^^^'^ 
gehalten  haben  wird,  soll  er  gezwungen  werden,  die  Tribute  für  denselben, 
solange  dieser  bei  ihm  gewesen  sein  wird,  zu  entrichten.^ 

e)  -Wenn   der  Fluss   sein  Bett  allmählich  anderswohin  angeführt  haben  wird,  io^i,'2u.3 
soll  derjenige  das  Land  erwerben,  an  dessen  Grenzen,  wie  sich  ergiebt,  das 
Stück   Erde    angetrieben    ward.     Niemand    soll    dieser   Sache    einen  Tribut 
auferlegen.     Wird  Jemand  ferner  mit  eigener  Bemühung  Sümpfe  abgeleitet 

und  mit  Bezug  auf  Fruchtertrag  in  den  Stand  der  Benutzbarkeit  versetzt 
haben,  so  soll  ingleichen  der  Bebauer  ohne  Steuerlast  zu  ewigem  Rechte 
den  Besitz  haben  .^ 

f)  Wenn  durch  Schenkung  des  Princeps  oder  durch  Verkauf  oder  in  irgend- 
welcher Weise  etwas  aus  fiskalischen  Ackern  oder  Gebäuden  an  Privatper- 
sonen gelangt  sein  wird,  soll  es  unter  Zahlung  des  Kanons  dauernd  von  den 


N.M. 
3,l,lU.  2 


Besitzern  innegehabt  werden,  und  sollen, 


unter  Entrichtung  der  fiskalischen 


1)  Vgl.  S.  83  Anm.  2. 


2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  5  y,  a. 


iisdem  bonis  quocunque  titulo  et  iure  perce- 
perint. 

d)  C.  5,  9,  1  pr.  Apud  quemcmique  co- 
lonus  iuris  alieni  fuerit  inventr.s,  .  .  super 
eodem  capitationem  temporis  agnoscat. 

e)  N.  Th.  10,  1,  2  u.  3.  .  .  (Et)  ea,  quac 
per  alluvionem  possessoribus  acquiruntur,  .  . 
nee  separatim  censeri  vel  functiones  exigi, 
hac  perpetuo  lege  valitura  sancimus,  ne  vel 
alluvionum  ignorare  vitia  vel  rem  noxiam 
possessoribus  videamur  indicere.  Similiter 
nee  ea  quidem,  quae  paludibus  antea  vel 
pascuis  videbantur  adscripta,  si  sumtibus 
ac  laboribus  possessorum  nunc  ad  f'rugum 
fertilitatem  translata  sunt,  .  .  quasi  fertilia 
separatim  censeri,  vel  functiones  exigi  con- 
cedimus  .  . 

f)  N.  M.  3,  1,  1  u.  2.  Celsitudo  (igitur)  tua 
id  nobis  placuisse  cognoscat,  ut,  si  qui  vel 
ex  titulo  donationis,  vel  ex  emtione,  sive  ex 
alio  quolibet  titulo  possessiones  iuris  civilis 
tantummodo  et  cuiuslibet  civitatis  et  praeci- 
pue  huius  aeternae  urbis,  cui  maiorem  debe- 
mus  favorem,  tam  civilis,  ut  dictum  est,  iuris, 
quam  etiam  agonotheticas  possessiones,  ex 
consulatu  Ausonii  et  Olybrii  derato  civili 
canone  acceperunt,  impositum  praediis  ca- 
nonem  iuxta  fidem  publicorum  monumento- 
rum  civitati,  ad  quam  praedia  pertinuerunt, 
praebere  iubeantur,  ex  praesenti  quocjue 
quarta  indictione,  cessante  praeteriti  tempo- 
ris  canonis  exactione,  manente  penes  eos 
successoresque  eorum  et  detentatores  illibato 
dominio.     Nam    si  privatis   viris   debita  non 


Omnibus  rebus,   quae   eis   de   hac  ipsa  here- 
ditate  poterunt  provenire. 

Si  quis  alienum  colonum  sciens  in  domo 
sua  retinuerit,  ,  .  tributa  eius,  quamdiu  apud 
eum  fuerit,  cogatur  exsolvere. 

(Hac  lege  sancitum  est,)  ut,  si  fluvius 
alveum  suum  paulatim  in  aliam  partem  con- 
tulerit,  terram  ille  acquirat,  cuius  finibus 
spatium  terrae  dignoscitur  contulisse  .  .:  cui 
rei  tributum  nullus  adiciat.  Si  quis  etiam 
paludes  suo  studio  derivaverit  et  ad  usum 
fertilitatis  adduxerit,  simititer  hoc  i?,  qui  ex- 
coluit,  sine  censu  perpetuo  iure  possideat  .  . 


Si  quid  de  fiscal ibus  agris  vel  aedificiis 
donatione  principis  vel  venditione  vel  quali- 
bet  ratione  ad  privatos  fortasse  pervenerit, 
(id  lex  ista  constituit,)  ut  soluto  canone  a 
possessoribus  in  perpetuum  teneatur,  et  ira- 
pletis  fiscalibus  debitis,  illi,  qui  possident, 
heredibus  suis  relinquendi  aut  quibus  volu- 
erint  donandi  habeant  potestatem. 


684 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  8,  1,1 


Lasten,  diejenigen,  welche  besitzen,  die  Befugnis  haben,  es  ihren  Erben  zu 
hinterlassen  oder  denjenigen,  welchen  sie  gewollt  haben  werden,  zu  schenken.^ 
ß)  Steuerausschreibung. 

a)  Sei  es  dass  in  einer  ganzen  Provinz,  sei  es  dass  in  einzelnen  Civitates 
Tabularii,  ^das  will  sagen,  Personen,  die  die  öffenthchen  Rechnungen  be- 
sorgen,^  eingesetzt  gewesen  sein  werden,  so  sollen  von  den  Provinzialen  Freie 
eingesetzt  werden:  Kolonen  oder  Sklaven  sollen  zu  diesem  Officium  unter 
keinen  Umständen  zugelassen  werden,  weil  als  Personen,  denen  der  öffentliche 
Glaube  anvertraut  werden  muss,  solche  werden  ausgewählt  werden  müssen, 
mit  Bezug  auf  welche  eine  Querel  nicht  stattfinden  kann.  Wird  ein  Herr 
zugestimmt  haben,  dass  sein  Kolone,  bez.  Sklave,  Tabularius  ist,  so  soll 
der  Herr  wegen  der  Zustimmung  von  der  Strafe  betroffen  werden,  dass 
der  Herr  dasjenige,  was  auch  immer  jener  Kolone,  bez.  Sklave,  an  Schaden 
angerichtet  haben  wird,  ohne  Verzug  restituieren  soll:  jener  Kolone,  bez. 
Sklave,  soll,  nachdem  er  geschlagen  worden  ist,  dem  Fiskus  zugesprochen 
werden.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch,  §  3,  Ib.  2)  Hiervon  spricht  T  nicht. 

3)  T  enthält  noch  die  folgende  Übergangsbestimmung:  In  praeteritum  quoque  decer- 
nimus,  cura  dominorum  praesentari  eos,  qui  ratiocinia  tractaverint,  quorum  interfuit  ab 
initio  providere,  ne  publicis  actibus  privata  servitia  immiscerentur,  ut  temporis  sui  quisque 
rationem  positus  in  quaestione  depromat. 


patimur  denegari,  multo  magis  praebendä 
sunt  civitatibus,  quae  iure  debentur,  quum 
sufficiat  possessoribus,  quod  apud  eos  domi- 
nium in  perpetuum  ex  nostra  liberalitate 
permaneat.  Si  quas  tamen  possessiones  iuris 
civilis  canonem  privatis  largitionibus  in  prae- 
senti  praebent  vel  nun  quam  ademtum  vel 
postea  impositum,  ad  hanc  pragmaticam  ius- 
sionem.  non  pertinebunt,  sed  privato  aerario 
canonem,  quem  nunc  agnoscunt,  inferre  ex 
more  debebunt,  dominio  firmiter  apud  eos 
successoresque  eorum  et  detentatores  pari 
modo  permanente. 

ß)  a)  C.  8,  1,  1.  Generali  lege  sancimus, 
ut,  sive  solidis  provinciis  sive  singulis  civi- 
tatibus necessarii  fuerint  tabularii,  liberi  ho- 
mines  ordinentur,  neque  ulli  deinceps  ad  hoc 
officium  patescat  aditus,  qui  sit  obnoxius 
servituti;  sed  et  si  quis  dominorum  servum 
suum  sive  colonum  Chartas  publicas  agere 
permiserit  (consensum  enim,  non  ignorantiam 
volumus  obligari),  ipsum  quidem,  in  quantum 
interfuerit  publicae  utilitati,  pro  ratiociniis, 
quae  servo  sive  colono  agente  tractata  sunt, 
obnoxium  attineri,  servum  autem  competen- 
tibus  affectum  verberibus  fisco  addici  .  . 


Sive  in  solida  provincia  sive  per  singu- 
las  civitates  tabularii  fuerint  ordinati,  hoc 
est,  qui  rationes  publicas  tractant,  ingenui  a 
provincialibus  ordinentur:  coloni  vel  servi 
ad  hoc  officium  nullatenus  admittantur,  quia, 
quibus  fides  publica  committenda  est,  tales 
eligi  debebunt,  de  quibus  querela  esse  non 
possit.  Quod  si  dominus  colonum  vel  servum 
suum  tabularium  esse  consenserit,  pro  con- 
sensu  dominus  hac  mulcta  feriatur,  ut  quic- 
quid  colonus  ille  vel  servus  detrimenti  ad- 
miserit.  hoc  dominus  sine  mora  restituat: 
colonus  ille  vel  servus  verberatus  fisci  viri- 
bus addicatur. 


Das  Verniögfen  des  Reichs  §  3. 


685 


b)  Werden  Tabularii  oder  diejenigen,  welchen  die  Bücher  über  die  Steuerein-   c.  13, 2, 1 
treibung   übergeben   werden,^   mächtigere  Personen  haben   entbinden  wollen 

und,  worum  sie  sie  erleichtert  haben  werden,  den  kleineren  Leuten  zuge- 
schlagen haben,  so  soll  derjenige,  der  nachgewiesen  haben  wird,  dass  er 
beschwert  worden  ist,  nicht  mehr  zahlen,  ^als  er,  nach  dem  Census  über- 
nommen zu  haben,  gezeigt  haben  wird.^ 

c)  Beklagt    sich  irgend  Jemand,   der  in  öffenthcher  Angelegenheit  beschäftigt  c.  13, 2, 2 
ist.  dass  er  während  Anfertigung  der  Steuerveranlagung  infolge  seiner  Ab- 
wesenheit   beschwert    worden  ist,    so   wird  er  während  Jahresfrist  bei  dem 
Judex  loci   seine  Beschwerden  anbringen  müssen.^     Steht  fest,   dass  er  an- 
wesend   gewesen   ist,    so  möge  er  wissen,   dass  nicht  mehr  als  fünf  Monate 

zur  Durchsetzung  seiner  Beschwerden  ihm  gewährt  gewesen  sind,  nach 
deren  Ablauf  ihm  die  Befugnis  zur  Klage  versagt  werden  soll. 

d)  Wir  geben  den  Provinzialen  die  Befugnis,  dass  alle,  die  sich  beschwert  ge-  c.  8, 8, 1 
habt  haben  w^erden,  ihnen  seien  von  den  den  verschiedenen  Rektoren  dienen- 
den Numerarii  irgendwelche  Verkäufe  erpresst  worden,  sie  nichtig  und  kraft- 
los machen,  und  dass  das  zu  Unrecht  Verkaufte  in  das  Eigentum  des 
Verkäufers  zurückkehre,  w4ihrend  die  unstatthaften  und  verabscheuungs- 
würdigen  Käufer  sogar  mit  dem  Verluste  des  Kaufpreises  zu  bestrafen  sind. 


1)  Tabularii  civitatum.  2)  Als  Pristina  professio. 

3)  T  sagt,  dass,  wenn  Jemand  nach  Vollendung  der  Inquisitio  census  sich  beschwert 
fühle,  er  den  Judex  provinciae  quem  mavult,  unter  Berechnung  der  Fristen  von  dem  Tage  des 
Clausus  renuntiatusque  census,  angehen  solle. 


b)  C.  13,  2,  1.  Quoniam  tabularii  civi- 
tatum per  collusionem  potentiorum  sarcinam 
ad  inferiores  transferunt,  iubemus,  ut,  quis- 
quis  se  gravatum  probaverit,  suam  tantum 
pristinam  professionem  agnoscat, 

c)  C.  13,  2,  2.  Si  quis  census  inquisitione 
completa  gravatum  se  esse  credat,  apud  pro- 
vinciae iudicem  pulset,  quem  mavult,  ex  die 
clausi  renuntiatique  census  spatia  praestituta 
dinumerans;  ut,  si  necessitatibus  publicis 
occupatus  domesticis  commodis  defuit,  quum 
census  agitatus  est,  intra  anniversarii  tem- 
poris  circulum  fiducia  competitionis  assistat, 
si  vero  praesentem  sciat  se  esse  censitum, 
intra  quinque  menses,  quibuscunque  viribus 
fultus  immineat,  ultra  non  habeat  huius  vo- 
cis  arbitrium. 

d)  C.  8,  8,  1.  Damus  provincialibus  fa- 
cultatem,  ut,  quicunque  sibi  a  numerariis, 
qui  diversis  rectoribus  obsequuntur,  conquesti 
fuerint  aliquas  venditiones  extortas,  irritas 
inanesque  efficiant,  et  male  vendita  ad  ven- 
ditoris  dominium  revertantur,  amissione  etiam 


Si  tabularii  aut  hi,  quibus  exactionis  libri 
traduntur,  potentiores  voluerint  relevare  et, 
quod  relevaverint,  inferioribus  addiderint, 
is,  qui  gravatum  se  probaverit,  non  amplius 
dissolvat,  quam  secundum  censum  se  osten- 
derit  suscepisse. 

Si  aliquisin  causa  publica  occupatus,  quum 
descriptio  agitaretur,  per  absentiam  suam  se 
esse  gravatum  queratur,  intra  anni  spatium 
apud  iudicem  loci  querelas  suas  allegare  de- 
bebit.  Nam  si  praesentem  fuisse  constat, 
non  plus  quam  quinque  menses  ad  exse- 
quendas  querelas  suas  sibi  noverit  fuisse 
concessum,  quibus  transactis  agendi  copia 
denegfetur. 


686 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


Y)  Steuereintreiber. 

c.  12,  2, 1  a)  Exaktoren  und  Susceptoren  der  öffentlichen  Steuer  sollen  nicht  im  geheimen, 
sondern  öÖentlich  in  Gegenwart  der  andern  Kurialen,  bez.  des  Populus,^ 
ihre  Obliegenheiten  zur  Verrichtung  und  Ausführung  übernehmen;  -sie, 
die  ernannt,  bez.  erwählt  gewesen  sein  werden,  sollen  den  ludices  bekannt 
werden,^  mit  der  Massgabe,  dass  diejenigen,  welche  mit  Bezug  auf  die 
Wahl  solcher  zu  den  Akten  profitiert  gehabt  haben  werden,  wissen  mögen, 
ein  von  jenen  angerichteter  Schade  werde  denjenigen,  von  welchen  sie  ge- 
wählt w^orden  sind,  zum  Nachteil  gereichen. 

c.  12, 2,  2  b)  Exaktoren,  die  in  dem  einen  Jahre  eingetrieben  haben  werden,  dürfen  nicht 
die  Eintreibung  des  zweiten  Jahres  übernehmen  und  die  Possessores  mittels 
unnötiger  Eintreibung  belästigen:  vielmehr  muss  dies  in  Betracht  genommen 
werden,  dass  sie  in  den  eiiizelnen  Jahren  nach  Auswahl  des  Judex  wechseln, 
es  sei  denn  dass  entweder  die  Gewohnheit  der  Gemeinde  oder  die  Selten- 
heit von  Kurialen  sie  während  eines  Zeitraumes  von  zwei  Jahren  Steuer- 
eintreiber zu  sein  nötigt.  Wird  es  anders  geschehen  gewesen  sein,  so  soll 
sowohl  den  Judex,  als  auch  sein  Officium,  gleichmässig  eine  Mult  wie 
eine  schwere  Pön  treffen. 

c.  16, 1,1  c)  Niemand  möge  sich  in  sakrileger  Anordnung  anmassen,  aus  der  Zahl  der 
Kleriker  Exaktoren,  bez.  AUecti  zu  machen;  sie  sollen,  frei  von  einem  jeden 


1)  In    dem   celeberrimus  coetus   der  Kurie,   consensu   et  iudicio  omnium  sub  actorum 
testificatione. 

2)  Den  Provinzialrektoren  sollen  die  Namen  derjenigen,  qui  ad  publici  munus  officii 
editi  atque  obligati  fuerint,  belsannt  gegeben  werden. 


pretii  illicitis  ac  detestandis  emtoribus  puni- 
endis. 

y)  a)  C.  12,  2,  1.  Exactores  vel  suscep- 
tores  in  celeberrimo  coetu  curiae,  consensu 
et  iudicio  omnium,  sub  actorum  testificatione 
firmentur,  provinciarumque  rectoribus  eorum 
nomina,  qui  ad  publici  munus  officii  editi 
atque  obligati  fuerint,  innotescant.  Et  ani- 
madvertant,  quicunque  nominaverint,  ad  dis- 
crimen  suum  universa,  quae  illi  gesserint, 
redundare. 

b)  C.  12,  2.  2.  Non  perpetui  exactores  in 
continuata  vexandorum  provincialium  pote- 
state,  veluti  concussionum  dominatione,  tene- 
antur,  sed  per  annos  singulos  iudiciaria  se- 
dulitate  mutentur,  nisi  aut  consuetudo  civi- 
tatis aut  raritas  ordinis  eos  per  biennium 
esse  compellat.  Quod  nisi  factum  fuerit, 
scias,  te  et  officium  tuum  non  minus  mulcta 
quam  gravi  poena  esse  plectendum. 

c)  C.  16,  1,  1.  Qui  divino  cultui  mini- 
steria   religionis   impendunt,    id    est  hi,    qui 


Exactores  et  susceptores  publicae  func- 
tionis  non  secretim,  sed  publice  praesentibus 
aliis  curialibus  vel  populo  necessitates  agen- 
das  expediendasque  suscipiant:  et  qui  no- 
minati  vel  electi  fuerint,  iudicibus  innotes- 
cant: scituris  his,  qui  de  electione  talium 
fuerint  apud  acta  professi,  quod,  si  quid 
everterint,  ad  eorum,  a  quibus  electi  sunt, 
dispendium  pertinebit. 

(Lex  ista  hoc  iubet,)  non  debere  exac- 
tores, qui  uno  anno  exegerint,  secundi  anni 
exactionem  suscipere  et  possessores  super- 
flua  exactione  vexare.  Sed  hoc  observari 
debere,  ut  annis  singulis  iudiciaria  electione 
mutentur,  nisi  forte  aut  consuetudo  civitatis 
aut  raritas  curialium  per  biennium  eos  exa- 
ctores esse  compellat.  Aliter  enim  si  factum 
fuerit,  et  iudicem  et  officium  suum  mulcta 
pariter  et  gravis  poena  constringat. 

(Lex  haec  special!  ordinatione  praecipit,) 
ut    de    clericis    non   exactores,    non   allectos 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


687 


d) 


Muiius,    das    heisst,    von    einem  jeden    Officium    und  jeder  Hörigkeit,    dem 
Dienste  der  Kirclie  unterworfen  sein.^ 

'"^Als  Steuereintreiber  sollen  zur  Eintreibung  der  Tributariae  functiones  ge-  c.  11,4, 2 
eignete  Männer  abgesendet  werden^  mit  der  Massgabe,  dass,  wenn  mit  Bezug 
auf  sie  irgend  eine  Anklage  aus  dem  Volke  sich  erhoben  haben,  das  will 
sagen,  eine  Querel  niedergelegt  gewesen  sein  wird,  an  ihre  Stelle  andere 
Personen  geschickt  werden  sollen,  damit,  folls  sie  nach  Vornahme  einer 
genauen  Untersuchung  des  Verbrechens  der  Überforderung  zum  Schaden 
der  Provinzialen  werden  haben  überführt  werden  können,  sie  sowohl  einer 
Kapitalstrafe  unterliegen,  als  auch  aus  ihrem  Vermögen  dasjenige,  was  über- 
fordert wordeii  ist,  zum  Vierfachen  zurückerstattet  werde.  Die  ludices  pro- 
vinciarum  mögen  indessen  wissen,  dass  sie  zu  einer  Strafe  von  dreissig 
Pfund  Gold  zu  verurteilen  sind,   wenn  sie  dasjenige,   was  verordnet  worden 

ist,  zu  erfüllen  verabsäumt  haben  werden.''^ 

'  » 

6)  Steuererhebung. 

a)  ■' Am  Sonntage,  welcher  mit  Grund  der  Tag  des  Herrn  genannt  wird,  soll   c.  8, 3, 1 
die  Klage    von  Jedermann   ruhen,    sodass   weder  eine  öffentliche  noch  eine 
private  Schuld  eingefordert  werde.    Wer  dieses    nicht  beachtet  haben  wird, 
soll  als  des  Sakrilegs  schuldig  haften.^ 


1)  T  verordnet  die  Befreiung  der  Kleriker  von  allen  Munera. 

2)  Vgl.  S.  582  Anm.  2. 

3)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  1  a. 


clerici  appellantur,  ab  omnibus  omnino  mu- 
neribus  excusentur,  ne  sacrilego  livore  quo- 
rundam  a  divinis  obsequiis  avocentur. 

d)  C.  11,  4,  2.  Constituto  tempore  publice 
apud  Karthaginem  in  secretario,  admisso 
populo,  exactorum  ordinabuntur  idoneae  stre- 
nuaeque  personae.  De  quibus  si  popularis 
accusatio  ulla  processerit,  in  eorum  locum 
alios  par  erit  destinari,  ita  ut  severa  inda- 
gatione,  si  in  concussione  possessorum  de- 
prehensi  fuerint,  illico  et  capitali  periculo 
subiaceant,  et  direptorum  quadrupli  poena 
ex  eorum  patrimonio  eruatur.  ludices  autem 
triginta  librarum  auri  mulctae  acerbitate 
sciant  se  esse  plectendos,  nisi  ea,  quae  salu- 
briter  ordinata  sunt,  necessaria  devotione 
compleverint. 

0)  a)  C.  8,  3,  1.  Solis  die,  quem  domini- 
cum  rite  dixere  maiores,  omnium  omnino  li- 
tium,  negotiorum,  conventionum  quiescat  in- 
tentio;  debitum  publicum  privatumque  nullus 
efflagitet  .  .  Et  non  modo  notabilis,  verum 
etiam  sacrilegus  iudicetur,  qui  a  sanctae  re- 
Hgionis  instituto  rituve  deflexerit. 


facere  quicunque  sacrilega  ordinatione  prae- 
sumat,  quös  liberos  ab  omni  munere,  id  est 
ab  omni  officio  omnique  servitio  (iubet)  ec- 
clesiae  deservire. 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  exactores  ad  exi- 
gendas  tributarias  functiones  idoneos  esse 
mittendos,  ita  ut,  si  de  his  populi  accusatio 
ulla  processerit,  id  est  querela  deposita  fu- 
erit,  in  eorum  locum  alii  dirigantur,  ut  ha- 
bita  diligenti  inquisitione,  si  in  dispendia 
provincialium  de  superexactionis  crimine  con- 
vinci  potuerint,  et  capitali  periculo  subiace- 
ant, et  ex  eorum  facultatibus  in  quadruplum, 
quae  sunt  superexacta,  reddantur.  ludices 
vero  provinciarum  triginta  librarum  auri  se 
poena  noverint  feriendos,  si  haec,  quae  sta- 
tuta sunt,  implere  neglexerint. 

Die  solis,  qui  dominicus  raerito  dicitur, 
omnium  hominum  actio  conquiescat,  ut  nee 
publicum  nee  privatum  debitum  requiratur 
.  ,  Quod  qui  non  observaverit,  reus  sacrilegii 
teneatur. 


688 


öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


c.  11, 7, 1  b)  In  der  Hinsicht  verüben  die  Exakteren  an  den  Provinzialen  den  grössten 
Raub,  ^dass  sie  nach  Ausstellung  von  Quittungen  von  neuem  Polyptichen 
und  Quittungen  zu  verlangen  beginnen/  was  von  ihnen  nicht  um  des  öffent- 
lichen Nutzens  willen  geschieht,  sondern  damit,  Avenn  die  Quittungen  nicht 
gefunden  gewesen  sein  werden,  ihnen  eine  grössere  Beute  erwachse.  Wenn 
Quittungen  in  den  öffenthchen  Eechnungen,  ^bez.  in  den  Polyptichen  der 
Exaktoren^  enthalten  sind,  sollen  sie  nicht  von  neuem  aus  niederträchtiger 
Habsucht  eingefordert  werden. 

c.  10, 9, 1  c)  AVenn  irgend  Jemand  durch  die  Grösse  der  öffenthchen  Schuld  bedrückt 
wird,  sodass  er  diese  Schuld  selbst  nicht  anders  als  durch  Verkauf  des 
eignen  Vermögens  zahlen  kann,  werden  bei  einer  Schuld  dieser  Art  die 
Exaktoren  die  Norm  in  Acht  nehmen  müssen,  die  Sache  nicht  in  der  Weise 
zu  überstürzen,  dass  sie  sie  unter  ihrem  Werte  verkaufen,  noch  sollen  sie 
unter  einer  beliebigen  Kollusion  für  derartige  Käufer  sorgen,  dass  sowohl 
der  Schuldner  das  Eigentum  verliert,  als  auch  der  Fiskus  einen  geringen 
Erwerb  macht. 

c.  11, 4, 1  d)  Von  allen  denjenigen,  welche  die  Tribute  für  ihre  Grundstücke  zu  entrichten 
verabsäumen  werden,  sollen  die  Grundstücke  desjenigen,  welcher  seine  Tri- 
bute  zu  zahlen  verabsäumen  wird,   von  dem  Exaktor  verkauft  werden  und 


1)  T   sagt,    dass   die   einmal   in  Empfang   genommenen  Quittungen   und  Regesten  in 
Polyptichen  von  den  Diskussoren  oder  Apparitoren  nicht  von  neuem  beansprucht  werden  sollen. 

2)  Hiervon  spricht  T  nicht. 


b)  C.  11,  7,  1.  Maximas  praedas  hoc  pacto 
agi  de  provincialibus  certum  est,  ut  acceptae 
semel  securitates  et  regestae  polypticis  a 
discussoribus  vel  apparitoribus  denuo  postu- 
lentur,  non  quod  utilitas  publica  flagitat,  sed 
ut,  si  casu  est  amissa  securitas,  maior  praeda 
nascatur.  Decernimus  itaque,  ut,  quando  in- 
sertae  securitates  ratiociniis  publicis  conti- 
nentur,  rursus  per  iniuriam  non  petantur, 

c)  C.  10,  9,  1.  Si  quos  debitorum  mole 
depressos  necessitas  publicae  rationis  ad- 
stringat  proprias  distrahere  facultates,  rei 
qualitas  et  redituum  quantitas  aestimetur, 
ne,  sub  nomine  subhastationis  publicae,  lo- 
cus fraudibus  relinquatur  et,  possessionibus 
viliore  distractis,  plus  exactor  ex  g-ratia  quam 
debitor  ex  pretio  consequatur.  Hi  postremo, 
sub  emti  titulo,  perpetuo  dominii  iure  po- 
tiantur,  qui  tantum  annumeraverint  fisco, 
quantum  exegerit  utilitas  privatorum.  Et- 
enim  periniquum  est,  ut,  alienis  bonis  sub 
gratiosa  auctione  distractis,  parum  accedat 
publico  nomini,  quum  totum  pereat  debitori, 

d)  C.  11,  4,  1.  Quoniam  succlamatione 
vestra    merito    postulastis,    ne    qua   his,   qui 


(Lex  ista  hoc  iubet,)  in  hoc  maximam 
praödam  exactores  de  provincialibus  exercere, 
ut  post  emissas  securitates  iterum  polypticos 
et  securitates  incipiant  postulare,  quod  ab 
his  non  pro  publica  utilitate  fieri,  sed  ut,  si 
securitates  inventae  non  fuerint,  maior  eis 
praeda  nascatur.  (Ideoque  statuit,)  ut,  si  se- 
curitates ratiociniis  publicis  vel  in  polypticis 
exactorum  continentur,  iterum  pro  cupidi- 
tatis  nequitia  non  petantur. 

Si  quicunque  publici  debiti  enormitate 
constringitur,  ut  non  possit  hoc  ipsum  debi- 
tum  nisi  vendita  propria  facultate  dissolvere, 
in  eins  modi  debito  hanc  exactores  formam 
servare  debebunt,  ut  non  ita  rem  praecipi- 
tent,  ut  res  minore,  quam  valeat,  pretio  dis- 
trahatur,  nee  tales  sub  quolibet  colludio 
provideant  emtores,  ut  et  debitor  proprie- 
tatem  perdat,  et  parum  fiscus  acquirat. 


Quicunque    agrorum    suorum  tributa  im- 
plere  contemnent,  agri  eins,  qui  tributa  sua 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


689 


N.V.7,1, 
4U.  5 


diejenigen^  welche  sie  erworben  haben  werden,  das  auf  diese  AVeise  Gekaufte 
zu  dem  vollsten  Rechte  besitzen. 

e)  ^Die  ludices  provinciarum  werden  Sorge  tragen   müssen,  die  einzelnen  Be-   c.  1,6,4 
Sitzungen    und  Ortschaften    in    eifriger  Nachforschung    zu  durchsuchen  und 

von  sich  aus  in  Erfahrung  zu  bringen,  wie  bei  Entrichtung  der  öffentlichen 
Schuld  mit  den  Possessores  verfahren  wird.  Werden  sie  hierauf  Sorgfalt 
zu  verwenden  verabsäumt  haben,  so  mögen  sie  nicht  zweifeln,  dass  eine 
Beschwerde  der  Bürger  an  ihnen  auf  das  strengste  zu  ahnden  ist.^ 

f)  Niemandem  wird  in  Zukunft  erlaubt  sein,  dieses  Geschäft  nach  dem  Gut- 
dünken eines  einzigen  Judex  zu  begehren:  ob  ein  Inspector  publicus  ge- 
schickt werden  muss,  soll  die  vorgängige  Erwägung  des  erhabenen  Mannes 
Parens  Patriciusque  noster  und  der  Magnificus  vir  Praefectus  praetorio  in 
Betracht  ziehen:  sie  sollen  mit  den  Potestates  des  Hofs  nach  ihrem  Befinden 
darüber  verfügen,  falls  ein  wirklicher  Zwang  nötigt,  welche  Person  geschickt 
Averden  soll.  Wer  sonst  in  eine  Provinz  sich  begiebt,  geht,  wie  wir  verordnen, 
sowohl  des  Vermögens  als  auch  seines  Bufes  verlustig.  Eine  gleiche  Lage 
wird  des  Officium  derjenigen  Potestas  warten,  die,  während  sie  einen  Dis- 
kussor  abzufertigen  verlangt,  nicht  getreu  durch  Bezeugung  der  Gesta  den 
Abfertigungsmodus  suggeriert  haben  wird,  dessen  Inachtnehrnung  wir  vor- 
geschrieben haben.2 


1)  Vgl.  S.  585  Anm.  1. 

2)  Ausserdem  enthält  T  noch  Verfügungen  De  indulgentiis  reliquorum  (§  3,  6  u.  7), 
Der  Erlass  betrifft  Reliqua  tarn  arcalium ,  quam  utriusque  aerarii  usque  ad  incipien- 
tem  primam  indictionem:  er  schliesst  Sardinien  aus  und  betrifft  nicht  die  Intra  Africam 
wie  in   andern  Provinzen   getroffene  Regelung   einer  Stundung  des  Kaufpreises  von  Grund- 


praestationes  fiscales  differunt,  "reliquorum 
laxitas  proveniret,  specialiter  praecipimus 
observari,  ut  res  eorum,  qui  fiscalibus  debitis 
per  contumaciam  satisfacere  differunt,  distra- 
hantur:  comparatoribus  data  firmitate  per- 
petua  possidendi. 

e)  C.  1,  6,  4.  Provinciis  praesidentes  per 
omnium  villas  sensim  atque  usitatim  vicos- 
que  eunctos  discurrant  et  nitro  rimentur  a 
singulis,  quid  unusquisque  compulsor  inso- 
lenter egisset  aut  cupide.  Is  enim,  de  quo 
aliqua  ad  nos  querela  pervenerit,  ad  ultiraam 
poenam  rapietur. 

f)  N.V.  7,  1,  4  u.  5.  .  .  nemini  deinceps 
licebit  ad  hoc  negotium  arbitrio  unius  iudi- 
cis  adspirare.  Utrum  mitti  debeat  inspector 
publicus,  tractatus  ante  deliberet  sublimis 
viri  parentis  patriciique  nostri,  nee  non  mag- 
nificus vir  praefectus  praetorio  .  .:  cum  auli- 
cis  potestatibus  pro  sua  moderatione  dispo- 
nant,  si  iusta  necessitas  cogit,  qualis  persona 
mittatur  .  .  Aliter  pergenti  ad  provinciam 
et  fortunarum  et  famae  iubemus  esse  discri- 

Conrat,  Breviarium. 


contemnet  exsolvere,  ab  exactore  vendantur, 
et  qui  comparaverint,  firmissimo  iure  hoc  or- 
dine  empta  possideant. 


ludices  provinciarum  operam  dare  debe- 
bunt,  ut  per  singulos  agros  et  loca  sollicita 
inquisitione  discurrant  et  per  se,  qualiter  in 
solutione  publici  debiti  cum  possessoribus 
agatur,  agnoscant.  Cuius  rei  curam  si  im- 
plere  neglexerint,  querelam  civium  non  du- 
bitent  in  se  severissime  vindicandam. 


44 


690 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Bach. 


£)  Superindicticii  titiili. 


C.  11,6,1 


C.  11,3,  1 


a) 


Aus  Superindicticii  tituli^  soll  von  den  Provinzialen  nichts  verlangt 
werden  dürfen,  ausser  nur  dasjenige^  wovon  festgestanden  haben  wird^  dass 
es  von  den  Herren  der  Dinge  auferlegt  worden  ist.  Ein  Jeder,  der  irgend 
etwas  überfordern  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  soll  mit  der  Rückgabe 
des  Vierfachen  büssen:  indessen  soll  die  Untersuchung  dessen  auch  für  die 
Ordinarii  iudices  derart  auslaufen,  dass,  wenn  etwas  m  ihren  Provinzen 
'-^seitens  irgendwelcher  Personen  oder  Kurialen^  geschehen  ist,  auch  sie  die 
gleiche  Ersatzstrafe  trifft. 

Durch    Rectores    provinciae    soll  kein  Superindictum    den  Provin- 
zialen geschehen,  es  sei  denn  dass  daraus  nachweislich  eine  kaiserliche 


stücken,  Adiectione  quinquennii  superiorum  (.  .  omnium  temporum  reliqua  tarn  arcalium, 
quam  utriusque  aerarii  usque  ad  incipientem  primam  indictionem  iubemus  ad  indulgentiam 
pertinere  .  .  Sardiniam  ab  hoc  excipi  placuit,  quoniam  apud  nonnullos  calliditate  quadam 
maxima  pars  pecuniae  residet,  quam  exactam  publicis  oportuit  erogationibus  applicari:  quum 
satisfecerit,  ad  ipsam  quoque  beneficia  nostra  perveniant.  Illustris  viri  comitis  rei  privatae 
insinuatio  patefecit,  dudum  nostram  clementiam  praecepisse,  intra  Africam,  sicut  per  alias 
provincias,  adiectione  quinquennii,  pretium  distractorum  praediorum  ab  emtoribus  debere 
suppleri:  palatinos  super  hac  re  olim  directos,  necdum  quid  profecerint  retulisse.  Quare 
nolumus,  hunc  titulum  interpretationi  huiusce  iussionis  adiungi,  ne  sub  occasione  orationis 
accepta  consumant.  Dici  enim  reliqua  non  possunt,  unde  non  residua  pars,  sed  et  omnis, 
quae  sperari  potest,  summa  debetur). 

1)  Extraordinaria  indictio.  2)  T  spricht  nur  von  dem  Curialis. 


men  .  .  Similis  conditio  manebit  officium 
eins  potestatis,  quae  discussorem  mittere  cu- 
piens,  non  fideliter  suggesserit  attestatione 
gestorum  formam  mittendi,  quam  statuimus 
debere  servari. 

s)  a)  C.  11,  6,  1.  Nihil  a  provincialibus 
extraordinaria  patimur  indictione  deposci. 
Caveat  igitur  magnifica  auctoritas  tua,  ne 
praeter  ea,  quae  a  mansuetudine  nostra  pa- 
tuerit  indicta,  tenuiorum  oneret  functionem ; 
ut,  si  quis  usurpatoria  temeritate  amplius 
aliquid  fuerit  conatus  exigere,  obnoxius  qua- 
drupli  repetitione  teneatur.  Quae  severitas 
iussionis  ad  ordinariorum  iudicum  officiorum- 
que  terrorem  debebit  excurrere,  ut,  si  eorum 
vel  gratiosa  conniventia  vel  ignobili  dissi- 
mulatione  temeritas  admiserit  curialis,  eos 
quoque  damni  similis  poena  castiget. 

C.  11,  3,  1.  Nihil  superindictorum  nomine 
ad  solas  praefecturae  literas  quisquam  pro- 
vincialis  exsolvat;  neque  ullius  omnino  in- 
dictionis  titulus,  etiam  solennis,  immineat, 
nisi  eum  nostro  confirmata  iudicio  et  impe- 
rialibus  nexa  praeceptis  sedis  amplissimae 
deposcat  indictio  et  cogat  exactio. 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  nihil  debere  a  pro- 
vincialibus de  superindicticiis  titulis  peti, 
nisi  ea  tantum,  quae  a  rerum  dominis  indicta 
constiterit.  (Et  hoc  iubet,)  ut  quicunque  ali- 
quid superexigendum  crediderit,  quadrupli 
redhibitione  componat.  Sed  et  ad  ordinarios 
iudices  hanc  inquisitionem  iubet  excurrere, 
ut  etiam  si  quid  in  provinciis  eorum  a  qui- 
buscunque  personis  aut  curialibus  factum  est, 
etiam  eos  similis  damni  poena  castiget. 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  ut  nuUum  per 
rectores  provinciae  superindictum  provincia- 
libus imponatur,  nisi  forte  ex  hac  re  pro- 
cessisse  praeceptio  dominica  comprobetur. 
Tunc  enim  id,  quod  superindictum  est,  aut 
peti  aut  exigi  poterit,  quando  a  rerum  do- 
mino  coo-noscitur  constitutum. 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


691 


Vorschrift  hervorgegangen  ist:  denn  dann  wird  dasjenige,  was  Siiper- 
indictum  ist.  sowohl  verlangt  als  auch  eingetrieben  werden  können, 
wenn  es  nachweislich  von  dem  Herrn  der  Dinge  festgesetzt  worden  ist.^ 

3)  Annona. 

a)  Bei  Einbringung  des  geschuldetei\  Getreides  in  die  öffentlichen  Scheuern  c.  u,  i,  i 
soll  der  Possessor  Pro  rata  seines  Kanons  in  drei  Einbringungen,  das  will 
sagen,  in  viermonathchen  Terminen  die  einzelneii  Raten  des  Geschuldeten 
schleunigst  entrichten,  so  dass  innerhalb  eines  Jahres  der  Betrag  des  geschul- 
deten Kanons  gezahlt  wird.  Es  wird  indessen  in  seinem  Beheben  stehen, 
falls  er  es  schneller  wird  haben  thun  können,  das  geschuldete  Getreide 
herbeizuschaffen. 

4)  Lustralis  collatio. 

a)  AVenn  irgend  Jemand  eine  Sache,  die  bei  ihm  erzeugt  ist,  oder  die  er  c.  i3,  i,  i 
nicht  gekauft  hat,  verkauft,  soll  er  zur  Zahlung  der  Auraria  unter  keinen 
Umständen  angehalten  werden.  Wird  jedoch  nachgewiesen  werden,  dass  er 
in  der  Absicht,  zu  kaufen  luid  zu  verkaufen,  hierhin  und  dorthin  sich  be- 
giebt,  so  soll  er,  auch  wenn  er  Militans  ist,  zur  Zahlung  der  Auraria  an- 
gehalten werden. 

5)  Erwerb  aus  Strafe  (vgl.  Zweites  Buch  §  20  u.  22). 

a)  Wenn   irgend  Jemand  mit  der  Tochter,    entweder  der  Schwester  oder  des   c.  3, 12, 3 
Bruders,   oder   mit    einer  Konsobrine    weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau 


1)  T  sagt,  dass  kein  Provinziale  als  Superindicta  auf  einen  blossen  Brief  der  Präfektur 
zahlen   solle,   noch  ein,   wenn   auch  solenner,   Titulus  indictionis  giltig  sei,   wenn  ihn  nicht 


3)  a)  C.  11,  1,  1.  Unusquisque  annonarias 
species  pro  raodo  capitationis  et  sortium 
praebiturus,  per  quaternos  menses  anni  cur- 
riculo  distributo ,  tribus  vicibus  summam 
€ollationis  implebit.  Si  vero  quisquam  uno 
tempore  omnia  sua  debita  optat  expendere, 
proprio  in  accelerandis  necessitatibus  suis 
utatur  arbitrio. 

4)  a)  C.  13,  1,  1.  Singuli  quique,  si  per  eos 
"vernacula  quaeque  vendantur,  functione  au- 
raria  non  teneantur;  si  vero  emendi  venden- 
dive  compendiis  nitro  citroque  quaesitis  fa- 
miliaris  rei  amplitudo  cumuletur,  etsi  militares 
sint,  memoratae  praestationi  nectantur. 

5)  a)  C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  post- 
hac  consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris 
filiae  uxorisve  vel  eius  postremo,  cuius  veti- 
tum  damnatumque  coniugium  est,  sese  nuptiis 
funestarit,  .  .  Dos,  si  qua  forte  solenniter  aut 
data  aut  dicta  aut  promissa  fuerit,  iuxta  ins 
antiquum  fisci  nostri  commodis  cedat  .  . 


(Ista  lex  hoc  praecipit,)  ut  in  inferendo 
publicis  horreis  tritico,  quod  debet,  possessor 
pro  rata  canonis  sui  tribus  illationibus,  id 
est  quaternis  mensibus  singulas  debitorum 
partes  acceleret,  ut  per  annum  summa  debiti 
canonis  impleatur.  Erit  autem  in  ipsius  ar- 
bitrio, si  celerius  potuerit,  debita  frumenta 
convehere. 

Si  quieunque  rem,  quae  ei  nata  est,  aut 
quam  non  emit,  vendat,  ad  solutionem  aura- 
riam  minime  teneatur,  Si  vero  emendi  ven- 
dendique  studio  probabitur  huc  illucque  dis- 
currere,  etiamsi  militans  est,  ad  solutionem 
teneatur  aurariam. 

.  .  quisque  ille  aut  sororis  aut  fratris 
filiam  aut  certe  ulterioris  gradus  consobri- 
nam  aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis 
iunxerit,  .  .  si  etiam  aliquid  tempore  nupti- 
arum  sibi  dederint,  revocetur  ad  fiscum  .  . 


44* 


692 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.3,1,2 
pr. 


N.  Th. 

4, 1, 1  u.  4 


N.  Mai. 
1,1,4 


des  Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird,  soll,  was  ihnen 
diese  zur  Zeit  der  Verheiratung  gegeben  haben  werden,  konfisziert  werden.^ 

b)  AVird  irgend  Jemand  unter  Unterdrückung  der  Zahlung  an  den  Fiskus 
zu  verkaufen  gewagt  gehabt  oder  zu  erwerben  sich  angemasst  haben,  so 
mögen  diejenigen,  zwischen  welchen  ein  solcher  Kontrakt  in  geheimer  Ab- 
machung geschlossen  gewesen  sein  wird,  wissen,  dass  sowohl  derjenige, 
welcher  als  Käufer  aufgetreten  sein  wird,  den  Kaufpreis,  als  auch  der  Ver- 
käufer den  Besitz  verliert.^ 

c)  ^Keiner  aus  der  Zahl  der  Kurialen  soll  bei  einem  fiskalen  oder  privaten 
Grundstück  als  Pächter  eintreten,  noch  für  irgendwelchen  Pächter  als  Bürge 
auftreten.  Wird  Jemand  einen  Kurialen  in  seinem  Grundstück  als  Pächter 
aufgenommen  oder  für  einen  andern  Pächter  einen  Kurialen  als  Bürgen  an- 
genommen haben,  so  soll  das  Grundstück  selbst,  welches  für  den  Kurialen 
aus  der  Hand  des  Grundbesitzers  gepachtet  worden  ist,  konfisziert  werden.'^ 

d)  Wird  der  Actor  eines  beliebigen  Besitzes  mit  A^issen  des  Herrn  einen 
Kurialen  über  die  Frist  ehies  Jahres  zu  behalten  sich  angemasst  und  nicht 
nach  Ablauf  des  Jahres  unverzüglich  seinem  Ordo  zurückgegeben  haben, 
so  möge  der  Herr  wissen,  dass  der  Herr  das  Grundstück,  in  welchem  der 
Kuriale  gefunden  gewesen  sein  wird,  verlieren  wird. 


die  durch  kaiserliche  Entscheidung  bestätigte  und  den  kaiserlichen  Vorschriften  eingereihte 
Indictio,  bez.  Eintreibung,  gebiete. 

1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  13,  2  d. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  18,  2  ß,  b.  3)  Vgl.  S.  281  Anm.  2. 


b)  C,  3,  1,  2  pr.  . .  Inspectio  autem  publica 
vel  fiscalis  esse  debebit  hac  lege,  ut,  si  ali- 
quid sine  censu  venierit,  et  id  ab  alio  de- 
feretur,  venditor  quidem  possessionem,  com- 
parator  vero  id,  quod  dedit  pretium,  fisco 
vindicante,  perdat. 

c)  N.  Th.  4,  1,  1  u.  4.  Curiales  ne  ad  pro- 
curationem  rerum  alienarum  accederent,  cau- 
tum  est  providentissima  sanctione ,  cuius 
in  fraudem  conducendi  eos  sibimet  usurpare 
licentiam,  sublimitatis  tuae  suggestione  com- 
perimus.  Quos  licet  pristinae  legis  laqueis 
irretiri  cernamus  (conductionem  namque 
speciem  esse  procurationis,  certissimum  est), 
attamen  ne  sub  fraudis  suae  velamine  legis 
lateant  contemtores,  neve  eis  fucata  suae  cal- 
liditatis  excusatio  relinquatur,  hac  perpetuo 
lege  valitura  sancimus,  .  .  locatas  res  fisci 
viribus  vindicari  .  .  nee  fidem  suam  pro  con- 
ductoribus  fundorum  interponere  concedimus 
curiales  .  . 

d)  N.  Mai.  1,  1,  4.  .  .  si  quis  actor  pro- 
curatorve  .  .  susceperit  curialem,  .  .  si  id 
sciente  domino  aut  volente  factum  esse  do- 


, .  Quod  si  suppressa  fiscali  solutione  aliquis 
vendere  ausus  fuerit  vel  comparare  praesum- 
serit,  noverint,  inter  quos  talis  fuerit  secreta 
transactione  contractus,  quod  et  ille  pretium 
perdat,  qui  emtor  accesserit,  et  venditor  pos- 
sessionem amittat. 

NuUus  curialium  in  fiscali  vel  in  privato 
agro  conductor  accedat,  nee  pro  aliquo  con- 
ductore  fideiussor  exsistat.  Quod  si  quis  cu- 
rialem in  agro  suo  susceperit  conductorem 
aut  pro  alio  conductore  fideiussorem  acce- 
perit  curialem,  .  .  ager  ipse,  qui  a  possessore 
curiali  conductus  est,  fisci  viribus  vindice- 
tur  .  . 


.  .  cuiuscunque  possessionis  actor  .  .  «i 
cum  conscientia  domini  curialem  ultra  anni 
spatium  tenere   praesumserit,   et  non  ordini 


Das  Vermögen  des  Reichs  §  3. 


693 


6)  Erwerb  von  Nachlässen. 

a)  Manicbäer  sollen  Erbschaften  weder  in  Empfang  nehmen,  noch  hinterlassen:     ^-^-^ 
sondern  diese  sollen  nnserm  Fiskus  angereiht  werden. 

b)  AYenn   irgend  Jemand  mit  der  Tochter,    entweder  der  Schwester  oder  des  c.  3, 12, 3 
Bruders,    oder    mit  einer  Konsobrine   weiteren  Grades  oder  mit  der  Frau 

des  Bruders  in  verruchter  Ehe  sich  verbunden  haben  wird  und  von  den 
Descendenten  Sohn,  Tochter,  Enkel,  Enkelin,  Urenkel,  Urenkelin,  von  den 
Ascendenten  Vater,  Mutter,  Grossvater,  Grossmutter,  von  den  Seitenver- 
wandten Bruder,  Schwester,  Yaterbruder  und  Vaterschwester  fehlen,  soll 
der  Fiskus  in  ihr  Vermögen  eintreten.^ 

c)  AVenn  Verwandte  völlig  gefehlt  haben  werden,  dann  folgen  sich  gegenseitig   c.  5, 1, 9 
mit   Ausschluss    des   Fiskus    Maiui   und  Frau.     Wenn    ein    Kuriale,    ohne   c.  5, 2, 1 
ein    Testament  gemacht  zu   haben,    bei  seinem  Tode    weder   Kinder    noch 
Verwandte  hinterlässt,  w^ird  die  Kurie,  deren   Ordo   er  entzogen  wird,   was 

er    auch    immer    hinterlassen    haben    wird,    in    Anspruch    nehmen,    derart, 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  2  f. 


ceatur,  et  non  intra  statuti  temporis  metas, 
etiam  cum  ultione,  correctum,  ipsius  praedii, 
in  quo  hoc  admissum  fuerit,  amissione  mulc- 
tetur. 
•  6)  a)  N.  V.  2,  1,  3.  .  .  Manichaeos  .  .  Suc- 
cessiones  nee  capiant,  nee  relinquant,  sed 
fisci  nostri  viribus  aggregentur  .  . 

b)  C.  3,  12,  3.  .  .  si  quis  incestis  ipost- 
hac)  consobrinae  suae  vel  sororis  aut  fratris 
filiae  uxorisve  vel  eins  postremo,  cuius  veti- 
tum  daranatumque  coniugium  est,  sese  nuptiis 
funestarit,  .  .  de  descendentibus  filius,  filia, 
nepos,  neptis,  pronepos,  proneptis,  de  adscen- 
dentibus  pater,  mater,  avus,  avia,  de  latere 
frater,  soror,  patruus,  amita  .  .  hereditate 
defuncti  .  .  Memoratis  (vero)  personis  non 
exstantibus,  fisco  locus  pateat  .  . 

c)  C.  5,  1,  9,  .  .  si  ille  casus  emer- 
serit,  ut  nemo  de  propinquis  successionem 
mortui  vindicare  possit  ex  lege,  (quum)  fisco 
nostro  qualiacunque  iura  matrimonii  prae- 
ponamus  .  . 

C.  5,  2,  1.  Si  decurio  sine  liberis  intesta- 
tus diem  vitae  solverit,  cui  neque  voluntas 
postrema  legibus  fulta,  neque  alio  iure  gradu 
proximo  heres  exstiterit,  bona  eins  curiae 
suae  commodis  cedant,  id  est  ordinis  utili- 
tati  proficiant,  cuius  corpori  fatali  necessitate 
exemtus  -^st,  nulli  praebenda  licentia  postu- 
landi  haec  bonii  ut  vacantia  de  nostra  de- 
mentia, etiamsi  revera  et  testamentum  et 
successor  deesse  legitimus  approbetur  .  . 


suo  .  .  post  annum  sine  mora  reddiderit, 
noverit,  ipsum  praedium,  in  quo  inventus 
fuerit  curialis ,  se  dominus  praedii  perdi- 
turum. 


.  .  quisqne  ille  aut  sororis  aut  fratris 
filiam  aut  certe  ulterioris  gradus  consobri- 
nam  aut  fratris  uxorem  sceleratis  sibi  nuptiis 
iunxerit,  .  .  si  desunt  personae  propinquorum, 
quos  ad  successionem  vocat  lex,  tunc  in 
eorum  facultatibus  fiscus  accedat. 


,  .  si  propinqui  omnino  defuerint,  tunc 
sibi  invicem,  excluso  fisco,  maritus  vel  uxor 
succedant. 


Si  curialis  intestatus  moriens  neque  filios 
neque  proximos  derelinquat,  curia,  cuius  or- 
dini  subducitur,  quicquid  reliquerit,  vindi- 
cabit,  ita  ut  nullus  audeat  ea  quasi  bona 
caduca  a  principibus  postulare  .  . 


694 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


dass  Niemand  wagen  soll,  das  Vermögen  als  Bona  caduca  von  den  Prin- 
cipes  zu  erbitten.-^ 
d)  Wenn  der  Vater  oder  Herr  dasjenige  Testament,  in  welchem  sein  Sohn  oder 
Sklave  zu  Erben  eingesetzt  worden  sind,  oder  aus  dem  sie  ein  Legat  an- 
genommen haben,  als  falsch  bezeichnen  und  nicht  durchdringen,  ist  Raum  für 
den  Fiskus.  Hat  ein  eingesetzter  Erbe  einen  Substituten  und  wird  das  Testa- 
ment als  inoffiziös  bezeichnet  haben  und  damit  nicht  durchgedrungen  sein, 
so  wird  die  Erbschaft  nicht  dem  Fiskus,  sondern  dem  Substituten  zugehören. 

7)  Geschenk. 

p.  5, 14  3       a)  Ein  Prozess  darf  nicht,  zum  Ruin  von  Privatpersonen,  dem  Fiskus  geschenkt 
werden,  bez.  von  demselben  als  Geschenk  angenommen  werden. 


P.  5,  13,  3 


P.  4,  5,  10 


B)  Ausgaben  §  4. 

1)  Wiederherstellung  von  Gebäuden. 

c.  15, 1,  2  a)  So  oft  es  nötig  gewesen  sein  wird,  Gebäude,  die  durch  Alter  zerstört  sind, 
Aviederherzustellen,  soll  der  Fiskus  auf  ihre  Wiederherstellung  den  dritten 
Teil  aus  seinem  Eigentum  verwenden.^ 

2)  Überweisung  der  Annonae  und  Cellaria. 

c.  1, 9,  3  a)  Der  Richter  muss  sein  Praetorium  aus  seinem  Eigenen  ausrüsten  und  soll 
durchaus  nicht  irgend  etwas  weiteres  von  den  Provinzialen  verlangen,  als  was 
ihm  an  Annonae  oder  Cellaria  von  dem  Princeps  zugewiesen  gewesen  sein  wird. 


1)  Vgl.  S.  396  Anm.  2. 

2)  T  sat^t,  dass  aus  den  Einkünften  von  Grundstücken  Iuris  rei  publicae  der  dritte 
Teil  auf  die  Wiederherstellung  der  öffentlichen  Mauern  und  die  Erwärmung  der  Thermen 
zu  verwenden  ist. 


d)  P.  5,  13,  3.  Si  pater  vel  dominus  id 
testamentum,  quo  filius  eius  vel  servus  here- 
des  instituti  sunt  aut  legatum  acceperunt, 
falsum  redarguant,  nee  obtineant,  fisco  locus 
est. 

P.  4,  5,  10.  Heres  institutus  habens  sub- 
stitutum,  si  de  inofficioso  dixerit,  nee  obti- 
nuerit,  non  id  ad  fiscum,  sed  ad  substitutum 
pertinebit. 

7)  a)  P.  5,  14,  3.  Litern  in  perniciem  pri- 
vatorum  fisco  donari  non  oportet,  nee  ab 
eodem  donatam  suscipi. 

1)  a)  C.  15,  1,  2.  Ne  splendidissimae  urbes 
vel  oppida  vetustate  labantur,  de  reditibus 
fundorum  iuris  rei  publicae  tertiam  partem 
reparationi  publicorum  moenium  et  therma- 
rum  subustioni  deputamus, 

2)  a)  C.  1,  9,  3.  Det  operam  iudex,  ut 
praetorium    suum    ipse    componat.     Ceterum 


Quoties  aedificia  vetustate  consumta  ne- 
cesse  fuerit  rejDarari,  ad  ipsam  reparation^m 
tertiam  partem   de   proprio  fiscus  impendat. 


ludicem  praetorium  suum  de  proprio  de- 
bere    componere    et    nihil    a    provincialibus 


Ausgaben  §  4. 


695 


3)  Restitution. 

a)  Unser  Gewissen    Uisst    sich   in   gewohntem  Mitleid  bewegen   und   giebt  das   c.  o,  32, 4 
Vermögen  des  Proskribierten  zurück. 

4)  Austeilung. 

a)  AVenn  durch  Schenkung  des  Princeps  oder  durch  Verkauf  oder  in  irgend-  ^i^.V' 
welcher  Weise  etwas  aus  fiskalischen  Ackern  oder  Gebäuden  an  Privat- 
personen gelangt  sein  wird,  soll  es  unter  Zahlung  des  Kanons  dauernd  von 
den  Besitzern  innegehabt  werden,  und  sollen,  unter  Entrichtung  der  fiska- 
hschen  Lasten,  diejenigen,  welche  besitzen,  die  Befugnis  haben,  es  ihren 
Erben  zu  hinterlassen  oder  denjenigen,  w^elchen  sie  gewollt  haben  werden, 
zu  schenken.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  1  b. 


nequo  comiti,  neque  rectori  provinciae  plus 
aliquid  praestabitur,  quam  nos  concessimus 
in  annonis  seu  cellariis. 

3i  a)  C.  9,  32,  4,  .  .  proscriptorum  .  .  fa- 
cultatibus  .  .  ut  (aut)  proprias  quis  recipiat, 
si  .  .  duriores  casus  et  tristiorem  fortunam 
imperatoria  humanitate  molliamus  .  . 

4)  a)  N.  M.  3,  1,  1  u.  2.  Celsitudo  (igitur) 
tua  id  nobis  placuisse  cognoscat,  ut,  si  qui 
vel  ex  titulo  donationis,  vel  ex  emtione,  sive 
ex  alio  quolibet  titulo  possessiones  iuris  ci- 
vilis tantummodo  et  cuiuslibet  civitatis  et 
praecipue  huius  aeternae  urbis,  cui  maiorera 
debemus  favorem,  tarn  civilis,  ut  dictum  est, 
iuris,  quam  etiam  agnotheticas  possessiones, 
ex  consulatu  Ausonii  et  Olybrii  demto  civili 
canone  acceperunt,  impositum  praediis  cano- 
nem  iuxta  fidem  publicorum  monumentorum 
civitati,  ad  quam  praedia  pertinuerunt,  prae- 
bere  iubeantur,  ex  praesenti  quoque  quarta 
indictione,  cessante  praeteriti  temporis  ca- 
nonis  exactione,  manente  penes  eos  succes- 
soresque  eorum  et  detentatores  illibato  do- 
minio.  Nam  si  privatis  viris  debita  non 
patimur  denegari,  multo  magis  praebenda 
sunt  civitatibus,  quae  iure  debentur,  quum 
sufficiat  possessoribus,  quod  apud  eos  domi- 
nium in  perpetuum  ex  nostra  liberalitate 
permaneat.  Si  quae  tamen  possessiones  iuris 
civilis  canonem  privatis  largitionibus  in  prae- 
senti debent  vel  nunquam  ademtum  vel 
postea  impositum,  ad  hanc  pragmaticam  ius- 
sionem  non  pertinebunt,  sed  privato  aerario 
canonem,  quem  nunc  agnoscunt.  inferre  ex 
more  debebunt,  dominio  firmiter  apud  eos 
successoresque  eorum  et  detentatores  pari 
modo  permanente. 


aliquid   amplius   petere,   quam  ei  in  annonis 
vel  cellariis  a  principe  fuerit  deputatum. 

.  .    proscripti    bona    .  .    nostra    pietas  .  . 
reddere  .  .  iussit  (auferri). 


Si  quid  de  fiscalibus  agris  vel  aedificiis 
donatione  principis  vel  venditione  vel  qua- 
libet  rationo  ad  privatos  fortasse  pervenerit, 
(id  lex  ista  constituit,)  ut  soluto  canone  a 
possessoribus  in  perpetuum  teneatur,  et  im- 
pletis  fiscalibus  debitis,  illi,  qui  possident, 
heredibu-j  suis  relinquendi  aut  quibus  volu- 
erint  donandi  habeant  potestatem. 


696 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


c.  10,  4, 1  b)  ^Diejenigen,  denen  wir  irgend  etwas  für  ihre  Anstrengung  geschenkt  haben, 
sollen  nicht  behelligt  werden.  Vielmehr  soll,  während  Alles,  was  von  uns 
geschenkt  worden  ist,  in  ihrem  Rechte  verbleibt,  derjenige,  welcher  sie  wird 
haben  behelligen  wollen,  zu  gerichtlichem  Gehör  gezogen  werden,  damit  der 
Kläger,  ohne  irgendwelche  Belästigung  des  Besitzers,  sein  Beeilt  zu  erhärten 
vermöge :  Alles,  was  dieserhalb  unter  den  Genannten  verhandelt  gewesen 
sein  wird,  muss  zu  unserer  Kenntnis  gebracht  werden,  damit  der  Behelligte 
auch  durch  unsere  Hilfe  gestützt  werde.^ 

c.  10, 1,1  c)  Wir  wollen,  dass  alle  Acker  und  Sklaven,  die  beliebigen  Personen  aus  dem 
Vermögen  unseres  Fiskus  geschenkt  werden,  bei  denjenigen,  welchen  sie 
geschenkt  w^orden  sind,  ohne  irgendwelche  Anfechtung  verharren,  indem 
eine  Strafe  gegen  die  Ordinatoren  der  kaiserlichen  Häuser  proponiert  worden 
ist,  wenn  sie  ersichtlich  gegen  die  Vorschrift  handeln.^ 

c.  10, 6, 1  d)  Wenn  irgend  Jemand  aus  der  Zahl  derjenigen  gestorben  gewesen  sein  wird, 
an  die  unter  Namensnennung  unsere  Munificenz  gelangt  ist,  und  sich  ergiebt. 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  1  a. 

2)  Zweites  Buch,  §  22,  8  b. 


b)  C.  10,  4,  1.  Nee  interpellatis  his,  qui- 
bus  pro  laboribus  suis  ac  meritis  aliquid 
donaverimus,  sed  in  iure  suo,  hoc  est  sine 
molestia  litis  manentibus,  concitatorem  iu- 
dicii,  qui  inquietudinem  inferre  tentaverit, 
examini  tue  praesentari  oportet,  ut  citra 
molestiam  possidentis  ins  suum  manifestis 
probationibus  doceat:  in  quo  partes  reluc- 
tantis  ipse  suscipies,  quoniam  fructus  libera- 
litatis  nostrae  pulsatur.  Hac  enim  lege 
sancimus,  ut,  quicunque  in  tales  venient  que- 
relas, secundum  praedictam  formam  ius  suum 
ostendant:  his,  quae  comperta  fuerint,  ad 
nostram  scientiam  referendis,  ut  salva  possi- 
dentium  proprietate,  quibus,  ut  dictum  est, 
in  perpetuum  quaesita  est  firmitas  possidendi, 
deliberationis  nostrae  sit,  qualiter  his,  qui 
allegationes  suas  probaverint,  beneficio  leni- 
tatis  nostrae  extrinsecus  debeat  subveniri. 

c)  C.  10,  1,  1.  Possessiones  atque  man- 
cipia  exemta  fisci  patrimonio  quibusdam 
donavimas.  Haec  directo  iure  atque  perpe- 
tuo  absque  omni  quaestione  volumus  obti- 
neri:  poena  contra  rationales  et  magistros 
privatae  rei  atque  officiales  proposita,  si  quid 
contra  tentaverint. 

d)  C.  10,  6,  1.  Si  quis  forte  decesserit 
eorum,  qui  communi  nomine  donatum  ali- 
quid a  nostra  impetraverunt  dementia,  nee 
superstites  dereliquerit  successores,  placet, 
non    ad    extraneam    quamcunque    personam, 


Non  inquietentur  ii,  quibus  aliqua  pro 
suo  labore  donavimus,  sed  omnibus,  quae  a 
nobis  donata  sunt,  in  ipsorum  iure  positis, 
is,  qui  eos  inquietare  voluerit,  ad  iudicii 
audientiam  protrahatur,  ut  sine  aliqua  mo- 
lestia possidentis  ius  suuqi  pulsator  valeat 
confirmare:  oranibus,  quae  hac  de  re  inter 
praefatos  acta  fuerint,  ad  nostram  notitiam 
referendis,  ut  et  nostris  inquietatus  remediis 
adiuvetur. 


Quicunque  agri  atque  mancipia  quibus- 
cunque  personis  de  fisci  nostri  iure  donantur, 
apud  eos,  quibus  donata  sunt,  sine  suspicione 
aliqua  voluraus  permanere:  contra  ordina- 
tores  domorum  dominicarum  poena  propo- 
sita, si  contra  praeceptionem  facere  cognos- 
cuntur. 

Si  aliquis  ex  iis  mortuus  fuerit,  ad  quos 
nominatim  munificentia  nostra  processit,  et 
nee  testamentum  fecisse,  nee  filios  reliquisse 
cognoscitur,  placet,  ut  portionem  eius  is,  cum 
quo   pariter   defunctus   accepit,  id  est  socius 


Ausgaben  §  4, 


697 


dass  er  weder  ein  Testament  gemacht  noch  Kinder  hinterlassen  hat,  so  ist  man 
der  Ansicht,  dass  seinen  Anteil  derjenige,  mit  dem  gleichmässig  der  Ver- 
storbene empfangen  hat,  das  will  sagen,  sein  Genosse,  erwerbe:  denn  mit 
Recht  wird  der  Genosse  vorgezogen,  wo  sich  ergiebt,  dass  keine  Person 
eines  Kindes  vorhanden  gewesen  ist. 
e)  Wird  irgend  Jemand  bei  dem  Crimen  maiestatis  betroffen  nnd  dieser-  c.  lo,  5, 4 
halb  gestraft  gewesen  sein,  so  soll  der  Fiskus  sein  Vermögen  erwerben, 
mit  der  Massgabe,  dass  Niemand  irgend  etwas  aus  dessen  Vermögen  für 
sich,  nach  dem  Rechte  der  Munificenz,  in  Anspruch  zu  nehmen  wagen 
solle.  Wird  es  irgend  Jemand  gegen  die  Gesetze  in  Anspruch  nehmen 
zu  sollen  geglaubt  haben,  so  soll  er  dasjenige,  was  er  erbeten  hat,  nicht 
empfangen  und  als  Gesetzesübertreter  gelten.  Wenn  wir  jedoch  etwas,  ohne 
die  Beanspruchung  von  Seiten  Jemandes,  aus  eigener  Initiative  aus  solchem 
Vermögen  irgend  Jemandem  gegeben  haben  werden,  soll  eine  derartige 
Schenkuiig  festen  Bestand  haben.  ^Um  das  Vermögen  desjenigen,  den  die  c.  9, 32,4 
Proskription  betroffen  haben  wird,  soll  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei 
Jahren  keine  Bewerbung  stattfinden.  Wird  sich  indessen  Jemand  innerhalb 
eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  um  das  Vermögen  eines  Proskribierten 
beworben  haben,  so  wird  dasjenige,  was  er  erzielt  haben  wird,  keine  Giltig- 
keit  besitzend 


1)  Vgl.  §  1,  1,  -.,  b,  ff. 


sed  ad  socium  vel  consortem  pervenire  por- 
tionem  illius,  qui  intestatus  aut  sine  liberis 
defunctus  est. 

e)  C.  10,  5,  4.  Quisquis  in  crimine  ma- 
iestatis deprehensus  fuerit  et  punitus,  bona- 
qae  eius,  sicut  plectendi  consuetudo  criminis 
habet,  fiscus  invaserit,  nuUus  eadem  sub  spe 
munificentiae  principalis  audeat  proprio  iuri 
poscere.  Qui  contra  legem  id  ausus  fuerit 
sperare,  quod  non  licet,  reus  violatae  legis 
habeatur.  Sed  quoniam  plerumque  ita  in 
nonnullis  inverecunda  petentum  inhiatione 
constringimur,  ut  etiam  non  concedenda  tri- 
buamus,  ne  rescripto  quidem  nostro  adver- 
8um  formam  latae  legis  loci  aliquid  relin- 
quatur.  Si  quid  auteni  ex  bonis  talibus 
nostro  iudicio,  nullo  tarnen  desiderante  atque 
poscente,  concedi  cuiquam  voluerimus,  huius 
modi  tantum  valeat  liberalitas. 

C.  9,  32,  4.  Ne  quis  pi-oscriptorum  bona 
vel  eorum,  qui  publicam  videntur  excepisse 
sententiam,  intra  biennium  aestimet  postu- 
landa.  Abstineant  facultatibus  intra  id  tem- 
poris  expetendis,  .  .  aut  tum  demum  postu- 
let,  quum  iam  fiscalem  potius  quam  proscrip- 
torum  rem  expetisse  noscatur.  Si  quis  autem 
petendas  proscripti  vel  deportati  intra  bien- 
nium   crediderit    facultates,     careat     fructu 


eius  acquirat:  merito  enim  socius  praefertur, 
ubi  filii  nuUa  persona  intervenisse  cognoscitur. 


Quisquis  in  crimine  maiestatis  inventus 
fuerit  et  punitus,  bona  eius  fiscus  acquirat, 
ita  ut  nulius  aliquid  ex  eius  facultatibus  sibi 
velut  munificentiae  iure  audeat  postulare. 
Et  si  aliquis  contra  leges  crediderit  postu- 
landum,  nee  id,  quod  petiit,  accipiat,  et  vio- 
lator  legis  babeatur.  Si  quid  tarnen  nullo 
petente,  proprio  arbitrio  de  talibus  bonis 
cuiquam  dederimus,  donatio  huius  modi  firma 
permaneat. 


Bona  eius,  qui  proscribi  meruerit,  intra 
biennium  non  competantur.  Si  quis  vero 
intra  biennium  proscripti  bona  petierit,  quod 
meruerit,  non  valebit  .  . 


698 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.Th.10,1, 
2  u.  3 


c.  5, 2, 1  f)  ^Weiin  ein  Kuriale,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben,  bei  seinem  Tode 
weder  Kinder  noch  Verwandte  hinterlässt,  wird  die  Kurie,  deren  Ordo  er 
entzogen  wird,  was  er  auch  immer  hinterlassen  haben  wird,  in  Anspruch 
nehmen,  derart,  dass  Niemand  wagen  soll,  das  Vermögen  als  Bona  caduca 
von  den  Principes  zu  erbitten.  Falls  er  es  gethan  haben  wird,  wird  es 
keine  Giltigkeit  haben.^  Wenn  der  Fluss  sein  Bett  allmählich  anderswohin 
angeführt  haben  wird,  soll  Niemand  wagen,  diese  Sache,  die  durch  Gunst 
des  Wassers  den  Besitzern  erworben  worden  ist,  als  liskal  in  Anspruch  zu 
nehmen.  Wird  Jemand  ferner  mit  eigener  Bemühung  Sümpfe  abgeleitet 
und  mit  Bezug  auf  Fruchtertrag  in  den  Stand  der  Benutzbarkeit  versetzt 
haben,  so  soll  Niemand  es  von  unserer  Munificenz  zu  erbitteji  wagen.^ 

c.  5, 5, 1  g)  Alle,  die  durch  den  Zwang  der  Gefangenschaft  fortgeführt  worden,  und 
nicht  freiwillig,  sondern  durch  feindliches  Beutemachen  zu  den  Feinden  ge- 
langt sind,  sollen  ohne  Widerspruch  von  seifen  irgend  einer  Person,  zu  der 


1)  Vgl.  S.  396  Anm.  2. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  5  a,  a. 


liberalitatis  augustae.  ita  ut  nee  instruantur 
huius  modi  petitiones,  nee  si  temere  instruc- 
tae  fuerint  et  sub  specialis  benefieii  muni- 
ficentia  nostram  provocaverint  liberalitatem, 
habeant  aliquas  vires  indulta. 

f)  C.  5.  2,  1.  Si  decurio  sine  liberis  in- 
testatus diem  vitae  solverit,  cui  neque  vo- 
luntas  postrema  legibus  fulta,  neque  alio 
iure  gradu  proximo  heres  exstiterit,  bona 
eins  curiae  suae  commodis  cedant,  id  est 
ordinis  utilitati  proficiant,  cuius  corpori  fa- 
tali  necessitate  exemtus  est,  nulli  praebenda 
licentia  postulandi  haec  bona  ut  vacantia 
de  nostra  dementia,  etiamsi  revera  et  testa- 
mentum  et  suecessor  deesse  legitimus  appro- 
betur;  omni  etiam  beneficio,  si  quod  fuerit 
impetratum,  protinus  infirm  an  do. 

N.  Th.  10,  1,  2  u.  3.  .  .  (Et)  ea,  quae 
per  alluvionem  possessoribus  acquiruntur,  .  . 
neque  a  quolibet  peti  ,  .  hae  perpetuo  lege 
valitura  sancimus  .  .  Similiter  nee  ea  quidem, 
quae  paludibus  antea  vel  pascuis  videbantur 
adscripta,  si  sumtibus  ac  laboribus  posses- 
sorum  nunc  ad  frugum  fertilitatem  translata 
sunt,  .  .  peti  .  .  concedimus  .  . 

g)  C,  5,  5,  1.  Si  quos  forte  necessitas 
captivitate  abduxit,  sciant,  si  non  transierunt, 
sed  hostilis  irruptionis  necessitate  transducti 
sunt,  ad  proprias  terras  festin are  debere 
reeepturos  iure  postliminii  ea,  quae  in  agris 
vel  mancipiis  ante  tenuerunt,  sive  a  fisco 
nostro  possideantur,  sive  in  aliquem  princi- 
pali  liberalitate  transfusa  sunt  .  . 


Si  curialis  intestatus  moriens  neque  filios 
neque  proximos  derelinquat,  curia,  euius  or- 
dini  subducitur,  quiequid  reliquerit,  vindica- 
bit,  ita  ut  nuUus  audeat  ea  quasi  bona  caduca 
a  principibus  postulare.  Quod  si  fecerit,  non 
valebit  .  . 


(Hae  lege  sancitum  est,)  ut,  si  fluvius  al- 
veum  suum  paulatim  in  aliam  partem  con- 
tulerit,  .  .  rem  beneficio  aquae  possessoribus 
acquisitam  nuUus  velut  fiscaleni  audeat  vin- 
dicare  .  .  Si  quis  etiam  paludes  suo  studio 
derivaverit  et  ad  usum  fertilitatis  adduxerit, 
.  .  neque  quisquam  hoc  audeat  a  nostra  mu- 
nificentia  postulare. 

Quicunque  necessitate  captivitatis  ducti 
sunt  et  non  sua  voluntate,  sed  hostili  deprae- 
datione  ad  adversarios  transierunt,  quaecun- 
que  in  agris  vel  mancipiis  antea  tenueruni, 
sive  a  fisco  possideantur,  sive  aliquid  ex  bis 
per  principem  cuicunque  donatum  est,  sine 
ullius  contradictione  personae  tempore,  quo 
redierint,  vindicent  ac  praesumant  .  . 


Vermögensverwaltung  §  5. 


699 


Zeit,  dass  sie  zurückgekehrt  sein  werden,  Alles  dasjenige  vindizieren  und  in 
Anspruch  nehmen,  was  sie  auch  immer  in  Grundstücken,  bez.  Sklaven, 
vorher  innegehabt  haben,  sei  es,  dass  es  von  dem  Fiskus  besessen  wird,  sei 
es,   dass   irgend   etwas   hiervon  durch  den  Princeps  einer  beliebigen  Person 


geschenkt  worden  ist.^ 


C)   Terniögensverwaltuiiii  §  5. 

1)  Verwalter  (vgl.  Zweites  Buch  §  8,  1). 
a)  Erfordernis. 

a)  In  derjenigen  Provinz,    aus  welcher  Jemand  herstammt,    wird  er  behindert,   p.  5, 14,1 

das  Officium  fiscale  zu  verwalten,  damit  er  nicht  mit  Bezug  auf  die  Seinigen 

entweder  ein  Gönner,  oder  kalumniös  zu  sein  gelte. 

ß)  Schutz. 

a)  Sehr  sicherlich  hat  der  Princeps  lulian  gut  und  heilsam  verordnet,  dass  die  c.  10, 3,  2 
Actores  der  Domus  dominica^  durch  keinerlei  Zwang  beum'uhigt  oder  durch 
Unbill  belästigt  werden  sollen,  wie  sie  ihnen  häufig  die  Bectores  provincia- 
rum  ^mittels  Suggestiones  der  Principales^  zu  bereiten  gewöhnt  waren. 
Die  Konstitution  über  diesen  Sachverhalt  erachten  wir  in  dem  Masse  rationell 
und  notwendig,  dass  wir  iln*  Inkraftblei1)en  verordnen. 

Y)  Geschäftsführung. 

a)  Diejenigen,   welche   für  die  Interessen  oder  den  Nutzen  des  Fiskus  sorgen,   c.  10, 7, 1 
müssen    die  Massnahme   in  Acht   nehmen,   nicht  nachlässig  mit  Bezug  auf 


1)  Vgl.  S.  45  Anm.  2.  , 

2j  Res  privata  nostra. 

3)   Vel  arrogatione  illicita  principalium  vel  propriis  decretis  orclinis. 


1  a)  a)  P,  5,  14,  1.  In  ea  provincia,  ex 
qua  quis  oviginem  clucit,  officium  fiscale  ad- 
ministrare  prohibetur,  ne  aut  gratiosus  aut 
calumniosus  apud  suos  esse  videatur. 

3)  a)  C.  10,  3,  2.  Divum  lulianum  hoc 
competenlissime  decrevisse  comperimus,  ut 
actores  rei  privatae  nostrae  minime  necessi- 
tatibus  terrerentur  atque  afflictarentur  in- 
iuriis,  quas  saepe  numero  rectores  provin- 
eiarum  vel  arrogatione  illicita  principalium 
vel  propriis  decretis  ordinis  facere  censuissent. 
Quod  adeo  nos  probamus,  ut  ratum  esse  iu- 
beamus. 

'()  a)  C.  10,  7,  1.  Fisci  advocatus,  poo- 
nam  metuens,  caveat,  ne  fiscalia  commoda 
occultet,  neve,  nullo  negotio  existente,  fisci 
nomine  privatis  audeat  calumnias  commovere. 


lulianum  principem  bene  ac  salubriter 
statuisse  certissimum  est,  ut  actores  domus 
dorainicae  nullis  necessitatibus  turbarentur 
aut  fatigarentur  iniuriis,  quas  eis  frequenter 
rectores  provinciarum  per  suggestiones  prin- 
cipalium facere  consuessent.  Cuius  facti  con- 
stitutionem  in  tantum  rationabilem  et  neces- 
sariam  iudicamus,  ut  firmam  permanere  iu- 
beamus. 

Hi,  qui  fisci  nostri  commoda  vel  utilitatem 
tuentur,  hanc  debent  custodire  mensuram, 
ne  negligentes  circa  ea,  quae  nobis  iure  de- 
bentur,exsi8tant,ct  ne  provincialibus  calumni- 
atores,  dum  aliquid  ab  iis  iniuste  fisci  nomine 
repetunt,  approbentur. 


700 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


dasjenige,  was  uns  rechtsgiltig  geschuldet  wird,  aufzutreten,  und  nicht  gegen- 
über den  Provinzialen  als  Kalumniatoren  sich  erweisen,  indem  sie  unbilliger 
Weise  irgend  etwas  von  ihnen  im  Namen  des  Fiskus  zurückfordern.^ 

c.  2, 25, 1  b)  Bei  der  Teilung  von  Patrimonien,  es  sei  fiskalischer  Häuser,  es  sei  von 
privaten,  muss  besonders  beachtet  werden,  dass,  weil  es  unbillig  ist,  wenn 
die  Kinder  von  den  Eltern  oder  die  Frauen  von  den  Gratten,  sobald  an  einen 
Jeden  der  Besitz  gelangt  sein  wird,  getrennt  werden,  die  Sklaven,  welche 
mit  einander  verbunden  gewesen  sein  werden,  das  will  sagen,  die  Frau  mit 
den  Kindern  und  ihrem  Gatten,  unter  Gewährung  von  Ersatzpersonen, 
Einem  zugehören  müssen,  der  seinerseits  zu  tauschen  nötig  gehabt  haben 
wird:  die  Fürsorge  der  Ordinantes  muss  besonders  im  Auge  behalten,  dass 
eine  Trennung  durchaus  nicht  stattfinden  könne.'^ 

c.  2, 1, 5  c)  So  oft  von  unserem  Fiskus  irgend  etwas  zurückverlangt  wird,  soll  die  Sache 
bei  dem  Provinciae  iudex  in  Gegenwart  unseres  Ordinator  verhandelt  werden, 
damit  in  seiner  Gegenwart  Alles,  was  nach  dem  Laufe  der  Gerechtigkeit 
vorgeschrieben  sein  wird,  geurteilt  werde.^ 

p.  5, 14, 2  d)  So  oft  ohne  die  Autorität  eines  Judikats  Ofhzialen  das  Vermögen  irgend 
einer  Person  okkupieren  oder  aufnehmen  oder  in  Observation  sein  lassen, 
wird,  nachdem  der  Prokurator  angegangen  ist,  das  Unrecht  beseitigt. 


1)  Der  Advocatus  fisci  soll,  bei  Gefahr  einer  Strafe,  sorgen,  den  fiskalischen  Vorteilen 
nicht  im  Wege  zu  stehen,  noch,  ohne  dass  ein  Handel  vorhanden  ist,  Privatpersonen 
Chikanen  zu  bereiten  sich  anmassen. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  4,  1  d.  8)  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  a,  c. 


b)  C.  2,  25,  1.  In  Sardinia  fundis  patrimo- 
nialibus  vel  emphyteuticariis  per  diverses 
nunc  dominos  distributis,  oportuit  sie  posses- 
sionum  fieri  divisiones ,  ut  integra  apud 
possessorum  unumquemque  servorum  agnatio 
permaneret.  Quis  enim  ferat,  liberos  a 
parentibus,  a  fratribus  sorores,  a  viris  con- 
iuges  segregari  ?  Igitur  qui  dissociata  in  ius 
diversura  mancipia  traxerunt,  in  unum  redi- 
gere eadem  cogantur:  ac  si  cui  propter  re- 
dintegrationem  necessitudinum  servi  cesse- 
runt,  vicaria  per  eum,  qui  eosdem  susceperit, 
mancipia  reddantur.  Et  invigilandum,  ne  per 
provinciam  aliqua  posthac  querela  super  di- 
visis  mancipiorum  affectibus  perseveret. 

c)  C.  2,  1,  5.  Si  quis  rem  nostram  coe- 
perit  Ute  pulsare,  rationali  praesente  con- 
fligat:  quo  defensante  et  controversia  omnis 
agitetur,  et  iudex  eam  sententiam  decernat, 
quam  iuris  aequitas  postulaverit. 

d)  P.  5,  14,  2.  Quoties  sine  auctoritate 
iudicati  officiales  alicuius  bona  occupant  vel 
describunt  vel  sub  observatione  esse  faciunt, 
adito  procuratore  iniuria  submovetur  .  . 


In  divisione  patrimoniorum  seu  fiscalium 
domorum  sive  privatorum  observari  specialiter 
debet,  ut,  quia  iniustum  est,  filios  a  parentibus 
vel  uxores  a  maritis,  quum  ad  quemcunque 
possessio  pervenerit,  sequestrari,  mancipia, 
quae  permixta  fuerint,  id  est  uxor  cum  filiis 
et  marito  suo,  datis  vicariis,  ad  unum  debe- 
ant  pertinere,  cui  necesse  fuerit  commutare, 
quod  sollicitudo  ordinantium  debet  specia- 
liter custodire,  ut  separatio  fieri  omnino  non 
possit. 


Quoties  a  fisco  nostro  aliqua  repetunrur, 
res  apud  provinciae  iudicem  sub  praesentia 
nostri  ordinatoris  agatur:  ut  iilo  praesente, 
quicquid  iustitiae  ordo  suaserit,  iudicetur. 


Vermögensverwaltung  §  5. 


701 


e)  ^AUe,  welche  in   den  Provinzen   zn  ludices   eingesetzt  worden  sind,    mögen   c.  2, 1,1 
wissen,    dass  ihnen   die  freie  Befugnis  zu  haben  gewährt  worden  ist,    wenn 
irgendwelche   Sklaven    oder  Kolonen   der  Res  dominica   in   ein  Verbrechen 
verwickelt    sein    werden,    sie,    wie   auch    Privatpersonen,    zu    ergreifen    und 

nach  Massgabe  ihrer  Schuld  zu  strafen,  oh]ie  Widerspruch  seitens  eines 
Ordinator  patrimoniorum  nostrorum.  Wird  Jemand  in  den  Domus  domi-  0.2,1,11 
nicae  als  Verbrecher  haben  ermittelt  werden  können,  so  soll  der  Provinciae 
iudex  die  x\nwesenheit  des  Actor  nicht  al)warten,  sondern  unverzüglich 
den  Angeschuldigten,  nachdem  er  ergriffen  worden  ist,  um  ihn  nicht  durch 
irgendwelche  Kollusion  entweichen  zu  lassen,  der  öffentlichen  i^hndung  zu 
unterwerfen  heissen.^ 

f)  Wir  wollen,  dass  alle  Acker  und  Sklaven,  die  beliebigen  Personen  aus  dem   c.  10, 1, 1 
Vermögen    unseres  Fiskus    geschenkt   werden,    bei   denjenigen,    welchen  sie 
geschenkt   worden    sind,    ohne    irgendwelche    Anfechtung   verharren,    indem 

eine  Strafe  gegen  die  Ordinatoren  der  kaiserlichen  Häuser  proponiert  worden 
ist,  wenn  sie  ersichtlich  gegen  die  Vorschrift  handeln.^ 

g)  ^Ein    Jeder,    der   von    einem   Actor    dominicus,    bez.   Procurator,    mit    der   c.  10, 3, 1 
Unbill  irgendwelchen  Unrechts  verfolgt  gewesen  sein  wird,  wird  sich  wegen 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  9,  Ib. 

2)  Vgl.  Zweites  Buch  §  22,  8  b. 


e)  C.  2,  1,  1.  ludices  provinciarum  vo- 
lumus  vim  debitae  auetoritatis  assumere,  ut 
una  actores  ceterosque  rei  privatae  nostrae, 
quae  provinciales,  teneat  disciplina.  Scele- 
ratos  convictosque  carceres  teneant,  tormenta 
dilacerent,  gladius  ultor  interimat,  Ko  enim 
modo  licentia  inveteratae  desperationis  in- 
hibetur,  si  intelligant,  uno  sibi  ac  pari  stu- 
dio vivendum  esse  cum  ceteris. 

C.  2,  1,  11.  Minime  provinciae  rector 
exspectet  in  reos  criminosos  actorem  domi- 
nicum,  sed  habeat  exhibendis  noxiis  potesta- 
tem:  utatur  legibus  nullo  interposito  ratio- 
nali.  E  latebris  reus  potestate  ordinarii  iudicis 
protrahatur,  ne  per  colludium  actorum  iudi- 
ciorum  fiat  dilatio. 

f)  C.  10,  1,  1.  Possessiones  atque  man- 
cipia  exemta  fisci  patrimonio  quibusdam  do- 
navimus.  Haec  directo  iure  atque  perpetuo 
absque  omni  quaestione  volumus  obtineri; 
poena  contra  rationales  et  magistros  priva- 
tae rei  atque  officiales  proposita,  si  quid 
contra  tentaverint. 

g)  C.  10,  3,  1.  Si  quis  ab  actor e  rerum 
privatarum  nostrarum  sive  a  procuratore  fu- 
erit  vexatus,  super  eins  calumniis  vel  deprae- 
dationibus  deferre  querimoniam  non  dubitet. 


Quicunque  in  provinciis  iudices  ordinati 
sunt,  hoc  sibi  sciant  esse  permissum,  ut,  si 
aliquos  rei  dominicae  servos  vel  Colones  re- 
atus  involverit,  sicuti  et  privatos,  compre- 
hendendi  eos  et  puniendi,  ut  culpa  exegerit, 
nullo  contradicente  patrimoniorum  nostrorum 
ordinatore,  habeant  liberam  potestatem. 


Si  quis  in  domibus  dominicis  criminosus 
potuerit  inveniri,  provinciae  iudex  praesen- 
tiam  non  exspectet  actoris,  sed  mox  reura 
comprehensum,  ne  aliquo  colludio  effugiat, 
subdi  iubeat  publicae  disciplinae. 


Quicunque  agri  atque  mancipia  quibus- 
cunque  personis  de  fisci  nostri  iure  donan- 
tur,  apud  eos,  quibus  donata  sunt,  sine  su- 
spicione  aliqua  volumus  permanere :  contra 
ordinatores  domorum  dominicarum  poena 
proposita,  si  contra  praeceptionem  facere 
cognoscuntur. 

Quicunque  ab  actore  dominico  vel  pro- 
curatore fuerit  alicuius  iniuriae  improbitate 
vexatus,  de  eorura  calumniis  vel  depraeda- 
tionibus    ad    principem     convolare    debebit. 


702 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


ihrer  Chikanen,  bez.  Plünderungen,  an  den  Princeps  wenden  müssen.  Wird 
diese  Sache  werden  haben  erwiesen  werden  können,  so  war  man  dahin  einig, 
dass  sie,  die  mit  Bezug  auf  die  Provinzialen  solches  zu  thun  gewagt  haben, 
dem  Flammentode  überliefert  werden,  weil  die  Principes  gegen  diejenigen, 
welche  ihnen  unterstehen  und  ihre  Befehle  befolgen  müssen,  eine  besonders 
schwere  Strafe  haben  festsetzen  wollen.^ 
c.  3,11,1  h)  ^Wenn  irgend  Jemand  aus  der  Zahl  derjenigen  ludices,  welche  Provinzen 
verwalten,  oder  auch  derjenigen,  denen  Gemeinden,  bez.  Loca,  anvertraut 
worden  sind,  mittels  Machtentfaltung  wider  den  Willen  der  Eltern  Jung- 
frauen oder  Witwen,  selbst  wenn  sie  Sui  iuris  sind,  kraft  ihrer  Gewalt  zur 
Ehe  sich  zugesprochen  haben  wird,  oder  wenn  sie,  die  vaterlos  sind,  ihren 
eigenen  Interessen  zuwider,  unter  dem  Einfluss  von  Schrecken  oder  mittels 
Kollusion  mit  beliebigen  Personen  zugesprochen  werden,  sodass  sie  den 
genannten  Personen  wider  ihren  Willen  verbunden  werden,  hat  das  Gesetz 
gegen  Menschen  dieser  Art  den  Eltern,  bez.  den  Frauen  selbst,  soweit  sie 
selbständig  sind,  bez.  denjenigen,  die  das  iilter  der  Minderjährigen  be- 
schirmen, das  Benefiz  gewährt,  Kontestationen  bei  anderen  ludices,  bez.  den 
nächstgelegenen  Civitates,  anzubringen  und  sich  unter  ihren  Schutz  zu  stellen. 
Mit   der  Massgabe,   dass,    wenn   sich   in   der   gleichen  Provinz   eine  andere 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  8,  4d. 


Quae  res  quum  fuerit  comprobata,  sancimus, 
ut  idem,  qui  contra  provincialem  quicquam 
moliri  fuerit  ausus,  publice  concremetur, 
quoniam  gravior  poena  constituenda  est  in 
hos,  qui  nostri  iuris  sunt  et  nostra  debent 
custodire  mandata. 

h)  C.  3,  11,  1.  Si  quis  ordinaria  vel  qua- 
libet  praeditus  potestate  circa  nuptias  invitis 
ipsis  vel  parentibus  contrahendas,  sive  pu- 
pillae sive  apud  patres  virgines  sive  viduae 
erunt  sive  et  sui  iuris  viduae,  denique  cuius- 
cunque  sortis,  occasione  potestatis  utatur,  et 
minacem  favorem  suum  invitis  iis,  quorum 
utilitas  agitur,  exhibere  aut  exhibuisse  dete- 
gitur,  .  .  Quia  tarnen  contra  latentem  mili- 
tiam  praeterea  quasdam  domos  vel  quosdam 
parentes  intelligimus  muniendos,  iubemus, 
ut,  quicunque  iis  et  quaecunque  erit  laten- 
tibus  per  iudicem  promissis  minisve  tentata, 
ad  id  matriraonium,  cui  adspernatur,  prae- 
stare  consensum,  confostim ,  contestatione 
proposita,  cum  sua  suorumque  domo  ad  iu- 
risdictionem  eins  desinat  pertinere :  curaturis 
hoc  uniuscuiusque  civitatis  vindicibus  et 
eiusdem  iudicis  apparitoribus.  Equidem  si 
haec  pravitas  ordinarii  iudicis  erit,  universa 
eius  domus  ratio  atque  omnia  vel  civilia  vel 
criminalia  negotia,  quamdiu  idem  in  admini- 


Quae  res  si  potuerit  approbari,  eos,  qui  circa 
provinciales  talia  facere  ausi  sunt,  placuit 
incendio  concremari,  quia  graviorem  poenani 
principes  constitui  voluerunt  in  eos,  qui  sui 
iuris  sunt  et  sua   debent  custodire  mandata. 

Si  aliquis  de  his  iudicibus,  qui  provincias 
administrant,  vel  etiam  his,  quibus  civi- 
tates vel  loca  commisäa  sunt,  per  potentiam 
invitis  parentibus  virgines  aut  etiam  viduas, 
si  sui  iuris  sint,  per  potestatem  ad  nuptias 
suas  addixerint,  aut  si  pupillae  sint,  et  earum 
utilitatibus  obviantes  per  terrorem  aut  per 
quorumcunque  colludium  addicantur,  ut  his 
personis,  de  quibus  loquitur,  invitae  iungan- 
tur:  .  .  Beneficium  tarnen  lex  ista  adversus 
eiusmodi  homines  parentibus  vel  ipsis  mu- 
lieribus,  quae  in  suo  iure  sunt,  vel  qui  mi- 
norum  aetates  tuentur,  indulsit,  ut  contesta- 
tiones  ad  alios  iudices  vel  civitates  proximas 
deferant  et  eorum  patrociniis  defendantur: 
ut,  si  in  eadem  provincia  sit  alia  potestas, 
utpote  si  sint  duo  iudices,  unus  privata  et 
alius  dominica  iura  gubernans,  si  ab  altero 
sub  hac  conditione  quaecunque  persona  pre- 
matur,  alterius  tutela  debeat  defensari  .  . 


Vermögensverwaltung  §  5. 


703 


Gewalt  befindet,  Avie  wenn  zwei  ludices  vorhanden  sind,  von  denen  der  eine 
die  privaten  Rechte,  und  der  andere  die  Dominica  iura  verwaltet,  sobald 
irgend  eine  Person  unter  den  genannten  Bedingungen  von  dem  Einen  be- 
drückt wird,   sie  unter  den  Schutz  des  andern  gestellt  werden  muss.^ 

2)  Privatrecht  des  Fiskus. 

a)  Die  Einzeichnung  von  Freigeborenen  Ex  officio  fisci  in  die  Fiscahs  famiha  p.  5, 1, 3 
thut  der  Ingenuitiit  keinen  Eintrag. 

b)  Wir  haben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  Manche  in  eine  Sache  unseres  Fis-   c.  4, 20, 3 
kus  gewaltthätig  eingedrungen  sind:  wir  verordnen  dann  durch  ein  unzwei- 
deutiges Gesetz,  dass,  wenn  Jemand  entweder  eine  fiskale  oder  eine  private 

Sache  vor  dem  seitens  des  Judex  vorgebrachten  Urteil  okkupiert  und  den 
Ausgang  des  Prozesses  nicht  abwarten  gewollt  haben  wird,  er,  der  verschmäht 
hat,  das  Urteil  abzuwarten,   den  Handel  verlieren  solle.^ 

c)  Bei   der  Teilung    von  Patrimonien,    es   sei  fiskahscher  Häuser,    es  sei  von   c.  2, 25, 1 
privaten,  muss  besonders  beachtet  werden,   dass,   weil  es  unbillig  ist,   wenn 

die  Kinder  von  den  Eltern  oder  die  Frauen  von  den  Gatten,  sobald  an  einen 
Jeden  der  Besitz  gelangt  sein  wird,  getrennt  werden,  die  Sklaven,  welche 
miteinander  verbunden  gewesen  sein  werden,  das  will  sagen,  die  Frau  mit 
den  Kindern  und  ihrem  Gatten,  unter  Gewährung  von  Ersatzpersonen, 
Einem  zugehören   müssen,    der  seinerseits  zu  tauschen  nötig  gehabt  haben 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  14,  2  c. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Erstes  Buch  §  4.  b,  aa. 


stratione  fuerit,  vicario  competant ;  sin  autem 
vicarius  vel  similis  potestatis  vim  in  huius- 
modi  contrahendo  niatrimonio  molietur,  vi- 
cissim  Ordinarius  iudex  intercessor  existat .  . 

2)  a)  P.  5,  1,  3.  Descriptio  ingenuorum  ex 
officio  fisci  inter  fiscalem  familiam  facta  in- 
genuitati  non  praeiudicat. 

b)  C.  4,  20,  3.  Plerosque  detectum  est 
rem  privatam  nostram,  quam  publicatio  cele- 
brata  quaesiverat,  invasisse:  quam  nos  a  re- 
tentatoribus  ereptam  sociari  iubemus  aerario, 
punientes  contumacius,  quam  decus  publi- 
cum sinebat,  erectos,  ut,  qui  litem  inferre 
potuissent,  nollent  exspectare  iudicium  ac 
spernerent  victoriam,  quam  iustitiae  prae- 
scripsisset  eventus,  et  amplecterentur,  quod 
dedisset  aadacia.  Cadat  igitur  lite,  quisquis 
operiri  noluerit  litis  eventum,  et  quod  reci- 
pere  lege  potuisset,  contemtor  examinis  vio- 
lentus  amittat  .  .  Quod  quidem  etiam  in  pri- 
vatis  observandum  negotiis  generali  lege 
sancimus  .  . 

c)  C.  2,  25,  1,  In  Sardinia  fundis  patrimo- 
nialibus  vel  emphyteuticariis  per  diversos 
nunc  dominos  distributis,  oportuit  sie  possessi- 
onum    fieri   divisiones,   ut   integra  apud  pos- 


Cognovimus,  rem  fisci  nostri  violenter 
aliquos  invasisse,  sed  nos  evidenti  lege  prae- 
cipimus,  ut,  si  quis  aut  fiscalem  rem  aut 
privatam  ante  sententiam  a  iudice  prolatara 
invaserit  et  noluerit  exspectare  litis  eventum, 
perdat  negotium,  qui  contemsit,  exspectare 
iudicium  .  . 


In  divisione  patrimoniorum  seu  fiscalium 
domorum  sive  privatorum  observari  specia- 
liter  debet,  ut,  quia  iniustum  est,  filios  a 
paventibus    vel    uxores   a   maritis,    quum   ad 


704 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


wird:  die  Fürsorge  der  Ordinantes  muss  besonders  im  Auge  behalten,  dass 
eine  Trennung  nicht  stattfinden  könne.^ 

c.  4, 13, 1  d)  Hat  irgend  eine  Person  nachweisHch  eine  fiskale  Sache  fünf  Jahre  lang  besessen, 
ohne  dass  sie  von  Jemandem  daraus  vertrieben  gewesen  sein  wird,  so  ist, 
falls  irgend  Jemand  diese  Sache  von  dem  Princeps  für  sich  wird  haben 
erbitten  wollen,  für  den  Besitzer  in  dem  Masse  durch  das  Gesetz  gesorgt, 
dass  es  sogar  dem  Judex  aufgetragen  hat,  dem  Besitzer  Schutz  zu  gewähren, 
und  die  Vernichtung  einer  Verfügung  wegen  Competitio  angeordnet  hat, 
falls  nur  der  Besitzer  nachgewiesen  haben  wird,  dass  er  fünf  Jahre  lang 
ohne  jede  Störung  besitzt,  indem  es  verordnet  hat,  dass  nach  diesem  Zeit- 
raum selbst  der  Fiskus  von  dem  Besitzer  ausgeschlossen  wird.^ 

c.  3, 19, 3  e)  Wird  es  sich  zugetragen  haben,  dass  Minderjährige  einen  Besitz  emphyteu- 
tischen  Rechtes,  das  ist  dasjenige,  was  ihre  Vorfahren  aus  dem  Vermögen 
des  Fiskus  zu  haben  erzielt  hatten,  gegen  irgendwelche  Prästation  innegehabt 
haben  werden,  und  wird  dies  durch  Nachlässigkeit  oder  Untreue  des  Tutors 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  4,  1  cl. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  2  ß,  b. 


sessorum  unumquemque  servorum  agnatio 
permaneret.  Quis  enim  ferat,  liberos  a  pa- 
rentibus,  a  fratribus  sorores,  a  viris  con- 
iuges  segregari?  Igiter  qui  dissociata  in  ius 
diversum  mancipia  traxerunt,  in  unum  redi- 
gere eadem  cogantur:  ac  si  cui  propter  re- 
dintegrationera  necessitudinum  servi  cesse- 
runt,  vicaria  per  eum,  qui  eosdem  susceperit, 
mancipia  reddantur.  Et  invigilandum ,  ne 
per  provinciam  aliqua  posthac  querela  super 
divisis  mancipiorum  effectibus  perseveret. 

d)  C.  4,  13,  1.  Competitorem  quinquen- 
nii  possessor  eliminet:  debet  enim  iuxta  Con- 
stantinianae  legis  indultum  hoc  privilegio 
petitor  arceri,  quo  fiscus  noster  excluditur. 
Quod  si  quando  fortassis  emerserit,  ordina- 
rios  iudices,  competitionis  obreptione  rescissa, 
tuitionem  pulsatis  praestare  iubemus  enixam, 
quibus  tamen  lustralis  aderit  absque  inter- 
pellatione  possessio. 


e)  C  3,  19,  3.  Quoniam  per  negligen- 
tiam  seu  proditionem  tutorum  et  curatorum 
possessiones  iuris  emphyteutici,  vitio  inter- 
cedente  commissi,  e  minorum  fortunis  avel- 
luntur,  placet,  ut  tutor  curatorve,  cuius  of- 
ficio manente  possessio  minoris  iuris  emphy- 
teutici praerogativara,  commissi  offensa,  per- 
diderit,  tantum  de  facultatibus  propriis,  cen- 
sura  imminente,  minoribus  restituat,  quanto 
rem  valere  potuisse  constabit. 


quemcunquG  possessio  pervenerit,  sequestrari, 
mancipia,  quae  permixta  fuerint,  id  est  uxor 
cum  filiis  et  marito  suo,  datis  vicariis,  ad 
unum  debeant  pertinere,  cui  necesse  faerit 
commutare,  quod  sollicitudo  ordinantium  de- 
bet specialiter  custodire,  ut  separatio  fieri 
omnino  non  i:>ossit. 


Quicunque  rem  fiscalem  per  quinquen- 
nium  possedisse  probatur,  ita  ut  a  nullo 
exinde  fuerit  expulsus,  et  hanc  ipsam  rem 
aliquis  sibi  petere  a  principe  voluerit,  possi- 
denti  in  tantum  lege  consultum  est,  ut  etiam 
tuitionem  ferre  possessori  iudicem  iusserit  et 
competitionis  Constitutionen!  ordinaverit  re- 
scindendam,  si  tamen  ille,  qui  possedit,  sine 
ulla  inquietudine  per  quinquennium  se  do- 
cuerit  possidere,  quia  hoc  spatio  temporis  ab 
eo,  qui  sine  molestia  possedit,  etiam  fiscura 
suum  iussit  excludi. 

Si  forte  cesserit,  ut  minores  possessionem 
iuris  emphyteutici,  hoc  est,  quod  ex  fisci 
bonis  parentes  eorum  habere  meruerant,  sub 
qualibet  praestatione  tenuerint,  et  hoc  per 
negligentiam  sive  proditionem  tutoris  aut 
imminutum  fuerit  aut  certe  sublatum,  quic- 
quid  perierit,  a  tutore  vel  curatore  esse  red- 
dendum. 


Vermögensverwaltung  §  5. 


705 


entweder  geschmälert  oder  aufgehoben  gewesen  sein,  so  ist  Alles,  was  ver- 
loren gegangen  sein  wird,  von  dem  Tutor  oder  Kurator  zurückzugeben.^ 

f)  Keiner    aus   der    Zahl   der    Kurialen    soll    bei   einem    fiskalen    Grundstück    ^i^i' 
als  Pächter  eintreten. 

g)  Ein  Prozess  darf  nicht,  zum  Euin  von  Privatpersonen,  dem  Fiskus  geschenkt  P.  5,  u,  3 
werden,  bez.  von  demselben  als  Geschenk  angenommen  werden. 

3)  Prozess. 

a)  ^  Am  Sonntage,   welcher   mit  Grund  der  Tag  des  Herrn  genannt  wird,  soll   c.  8, 3, 1 
die  Klage  von  Jedermann  ruhen,    sodass    weder   eine  öffentliche  noch  eine 
private  Schuld  eingefordert  werde.     Wer  dieses  nicht  beachtet  haben  wird, 

soll    als    des   Sakrilegs    schuldig   haften.^     Wir    wollen,   dass  am  Tage   des   c.  2, 8,  s 
Sabbats    keiner    aus    der  Zahl    der  Juden,  es   sei  wegen   eines  fiskalischen 
Interesses,  es  sei  wegen  eines  beliebigen  Geschäftes,  belangt  werde,  weil  der 
Tag  ihrer  Religion  nicht  durch  irgendwelche  Actio  gestört  werden  darf.^ 

b)  So  oft  von  unserem  Fiskus  irgend  etwas  zurückverlangt  wird,  soll  die  Sache   c.  2, 1,  5 
bei    dem    Provinciae    iudex    in    Gegenw^art    unseres    Ordinator    verhandelt 
werden,  damit  in  seiner  Gegenwart   Alles   dasjenige,    was  nach  dem  Laufe 

der  Gerechtigkeit  vorgeschrieben  sein  wird,  geurteilt  werde.* 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  10,  la. 

2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  1  a. 

3)  Vgl.  S.  160  Anm.  1. 

4)  Vgl.  S.  472  Anm.  1. 


f) 


g)  P.  5,  14,  3.  Litern  in  perniciem  pri- 
vatorum  fisco  donari  non  oportet,  nee  ab 
eodem  donatam  suscipi. 

3)  a)  C.  8,  3,  1.  Solis  die,  quem  domi- 
nicum  rite  dixere  maiores,  omnium  omnino 
litium,  negotiorum,  conventionum  quiescat 
intentio ;  debitum  publicum  privatumque  nul- 
lus  efflagitet.  . .  Et  non  modo  notabilis,  verum 
etiam  sacrilegus  iudicetur,  qui  a  sanctae  reli- 
gionis  instituto  rituve  deflexerit. 

C.  2,  8,  3.  Die  Sabbato  ac  reliquis,  sub 
tempore,  quo  ludaei  cultus  sui  reverentiam 
servant,  neminem  aut  facere  aliquid  aüt  uUa 
ex  parte  conveniri  debere  praecipimus :  quum 
fiscalibus  commodis  et  litigiis  privatorum 
constat  reliquos  dies  posse  sufficere. 

b)  C.  2,  1,  5.  Si  quis  rem  nostram  coe- 
perit  lite  pulsare,  rationali  praesente  con- 
fligat:  quo  defensante  et  controversia  omnis 
agitetur,  et  iudex  eam  sententiam  decernat, 
quam  iuris  aequitas  postulaverit. 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


N.  Tb.  4,  1.     Nullus    curialium    in  fiscal! 
.  a^ro  conductor  accedat  .  . 


Die  solis,  qui  dominicus  merito  dicitur, 
omnium  hominum  actio  conquiescat,  ut  nee 
publicum,  nee  privatum  debitum  requiratur 
.  .  Quod  qui  non  observaverit,  reus  sacrilegii 
teneatur. 


Die  Sabbati  nullum  ludaeorum  aut  pro 
fiscali  utilitate  aut  pro  quolibet  negotio  vo- 
lumus  conveniri,  quia  religionis  eorum  dies 
non  debet  actione  aliqua  perturbari. 


Quoties  a  fisco  nostro  aliqua  repetuntur, 
res  apud  provinciae  iudicem  sub  praesentia 
nostri  ordinatoris  agatur:  ut  illo  praesente, 
quicquid  iustitiae  ordo  suaserit,  iudicetur. 


45 


706 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


c.  2, 6, 5  c)  ^Wird  zwischen  dem  Fiskus  und  einem  Privatbesitzer  wegen  irgendwelcher 
Rückforderung  ein  Streit  entstanden  gewesen  sein,  so  wird,  falls  die  Privat- 
person gegen  den  Fiskus  eine  Rückforderung  anstellt,  der  Actor  des  Fiskus 
eine  Antwortschrift  von  vier  Monaten  haben.  Wird  jedoch  der  Fiskus  von 
dem  Besitzer  irgend  etwas  zurückfordern  zu  sollen  geglaubt  haben,  so  soll 
ihm  für  die  Antwort  ein  Aufschub  von  sechs  Monaten  nicht  verweigert 
werden,  wenn  sich  nur  für  die  Gewährung  der  Frist  ein  rechtfertigender 
Grund  erkennen  lässt.^ 

p.  5, 14, 7  d)  Wer  auch  immer  von  dem  Fiskus  verklagt  wird,  ist  nicht  aus  einem  Index 
oder  aus  der  Abschrift  irgend  einer  Urkunde,  sondern  aus  dem  Original 
zu  verklagen,  auch  wenn  die  Echtheit  des  Kontrakts  gezeigt  werden  kann. 
Hingegen  ist  man  darüber  einig,  dass  eine  kalumniöse  Urkunde  die  Kraft 
eines  rechtmässigen  Anspruchs  bei  Gericht  nicht  erzielen  kann. 

c.  10, 8, 1  e)  Wenn  Verzeichnisse  vorgelegt  oder  von  wem  auch  immer  hinterlassen  ge- 
funden werden,  in  welchen  eine  beliebige  Person  irgendwelche  als  seine 
Schuldner  bezeichnet,  sollen,  sobald  keine  Cautiones  oder  sonstige  unzwei- 
deutige Dokumente  vorgebracht  worden  sind,  die  abgefassten  Breves  keine 
Giltigkeit  besitzen.^ 


1)  Vgl.  Ertes  Buch  §  5,  2  c. 

2)  T  hat  den  Fall  im  Auge,  dass  unter  den  Papieren  eines  Deportierten  eine  Liste 
mit  den  Namen  von  Schuldnern  gefunden  wird  und  sich  die  Hingabe  des  Geldes  weder  aus 
Zeugrenaussag-en  noch  aus  Kautionen  ero-iebt. 


c)  C.  2,  6,  5.  Inter  privates  et  fiscum,  si 
privatus  actionem  intendat,  quatuor  mensium 
tempora  custodienda  sunt:  quum  vero  fiscus 
private  inferet  aliquam  quaestionem,  sex 
mensium  curricula  serventur,  utrique  parti 
petendae  dilationis  per  defensores  suos  copia 
non  neganda,  si  hoc  commoditatis  ratio  pos- 
tulaverit. 

d)  P.  5,  14,  7.  Quicunque  a  fisco  con- 
venitur,  non  ex  indice  vel  exemplo  alicuius 
scripturae,  sed  ex  authentico  conveniendus 
est:  et  si  contractus  fides  possit  ostendi. 
Ceterum  calumniosam  scripturam  vim  iustae 
petitionis  in  iudicio  obtinere  non  convenit. 

e)  C.  10,  8,  1.  Inter  chartulas  deportati 
brevis  quidam  asseveratur  inventus,  qui  no- 
mina  continebat  debitorum  seu  contracto- 
rum.  Quum  tarnen  neque  testibus  credita 
pecunia  probaretur,  neque  cautionibus,  quae 
inserta  sunt,  doceantur,  facile  esse  perspexi- 
mus ,  ut  sub  propriae  annotationis  manu 
unusquisque  faciat  debitorem.  Occasionis 
igitur  huius  calumniam  praesenti  volumus 
iussione  cohiberi,  ut,  brevis  vanitate  reiecta, 
nuUus  ad  redhibitionem  de  his,  quorum  no- 
mina  conscripta  sunt,  urgeatur. 


Quando  inter  fiscum  et  privatum  posses- 
sorem  de  repetitione  aliqua  fuerit  orta  con- 
tentio,  si  privatus  fiscum  repetat,  quatuor 
menses  ad  respondendum  actor  fiscalis  habe- 
bit  inducias:  si  vero  fiscus  aliquid  a  posses- 
sore  crediderit  repetendum,  sex  mensium  ad 
respondendum  dilatio  non  negetur,  dummodo 
ad  praestandas  inducias  iusta  ratio  cognoscatur. 


Si  prolati  breves  vel  a  quocunque  dimissi 
inveniantur,  in  quibus  sibi  quicunque  aliquos 
faciat  debitores,  nullis  cautionibus  prolatis 
neque  aliis  evidentibus  documentis,  nullam 
adscripti  breves  obtineant  firmitatem. 


Yermögensverwaltung  §  5. 


707 


f)  Privileg    des    Fiskus    ist,   unter    allen    Gläubigern    den    ersten    Rang    ein-   p.  5,  u,  e 
zunehmen. 

g)  ^  Viele  massen  sich  an,  für  eine  fiskale  Schuld  Ackerbauknechte  oder  Pflug-   c.  2,  30, 1 
stiere,  aus  deren  Arbeitserträgen  die  Steuern  bezahlt  werden,  behufs  Pfän- 
dung von  den  Besitztümern  wegzunehmen.    Wird  darum  als  Gläubiger,  sei 

es  der  Curator  pacis  oder  ein  Kuriale  oder  welcher  Exaktor  auch  immer,  es 
zu  thun  sich  angemasst  haben,  so  soll  er  von  dem  Provinciae  iudex  gestraft 
werden.^ 
h)  Bei  manifesten  fiskalischen  Schulden  darf  Niemandem  irgendwie  Appellation   c.  11, 11, 2 
gestattet  werden,  weil  das  Interesse  des  Gemeinwesens  durch  irgendwelchen 
Verzug  nicht  gehemmt  werden  darf. 

4)  Strafrechtsschutz. 

a)  Wenn  Jemand  fiskales  Vermögen  angetastet,  geplündert,  umgetauscht  oder    p,  5, 29,1 
für   seinen  Gebrauch    verwendet   haben    wird,    wird    er  zu  dem  Vierfachen 
derjenigen  Summe,  welche  er  entnommen  hat,  verurteilt. 

b)  Wenn  Jemand  einen  fremden  verleiteten  Kolonen,  der  dem  Fiskus  angehört,   c.  5, 9, 2 
gehabt  hat,  soll  er  gezwungen  werden,  ein  Pfund  Gold  zu  entrichten .^ 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  9,  d. 

2)  Vgl.  S.  83   Anm.  4. 


f)  P.  5,  14,  6.  Privilegium  fisci  est,  inter 
omnes  creditores  primum  locum  retinere. 

g)  C.  2,  30,  1.  Intercessores  a  rectoribus 
provinciarum  dati  ad  exigenda  debita  ea,  quae 
civüiter  poscuntur,  servos  aratores  aiit  boves 
aratorios  pignoris  causa  de  possessionibus 
abstrahunt,  ex  quo  tributorum  illatio  retar- 
datur.  Si  quis  igitur  intercessor  aut  creditor 
vel  praefectus  pacis  vel  decurio  in  hac  re 
fuerit  detectus,  a  rectoribus  provinciarum 
capitali  sententiae  subiugetur, 

h)  C.  11,  11,  2.  In  fiscalibus  debitis  nul- 
lius provocationem  tua  gravitas  censeat  ad- 
mittendam.  Nee  enim  commodum  publicum 
fas  est  diuturna  frustratione  suspendi,  nee 
eludendi  licentiam  callidis  fraudatoribus  re- 
laxari. 

4)  a)  P.  5,  29,  1.  Si  quis  fiscalem  pecu- 
niam  attrectaverit,  subripuerit,  mutaverit  seu 
in  suos  usus  converterit,  in  quadruplum  eins 
pecuniae,  quam  sustulit,  condemnatur. 

b)  C.  5,  9,  2.  Quisquis  colonum  iuris 
alieni  aut  sollicitatione  susceperit  aut  occul- 
tatione  celaverit,  .  .  pro  eo,  qui  patrimoni- 
alis,  libram  auri  cogatur  inferre. 


Multi  pro  fiscali  debito  servos  cultores 
aut  boves  aratorios  de  possessionibus  causa 
pignoris  auferre  praesumunt,  de  quorum  la- 
boribus  tributa  redduntur,  et  ideo  si  quis 
creditor  vel  curator  pacis  vel  curialis  aut 
quicunque  exactor  hoc  facere  praesumserit, 
a  provinciae  iudice  puniatur. 


In  raanifestis  fiscalibus  debitis  nulli  peni- 
tus  appellationem  debere  praestari,  quia  non 
oportet  publicae  rei  commodum  qualibet  di- 
latione  suspendi. 


Si  quis  colonum  alienum  .  .  fiscalem  sol- 
licitatum  tenuit,  libram  auri  cogatur  implere. 


45^ 


708 


Öffentliches  Rectit.     Drittes  Buch. 


IV.  Milites  8  6. 


1)  Privatrechtliches. 


c.  3, 5,  4  a)  Wenn  Jemand,  es  sei  ein  Privatmann,  oder  ein  MiUtans,  nachdem  er  sich 
verlobt  haben  wird,  mit  Vater,  Tutor  oder  Kurator  des  Mädchens,  bez.  den 
Verwandten  wegen  der  Verbindung  des  Mädchens  eine  Festsetzung  getroffen 
haben  wird,  muss  er  innerhalb  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  nach  der 
Festsetzung  Hochzeit  machen.^ 

c.  2, 23, 1  b)  2  Wird  irgendjemand,  der  Soldat  ist,  auf  öffentlichem  Boden  ein  Gebäude 
errichtet  oder  irgend  etwas  zu  seinem  Vorteil  thun  zu  sollen  geglaubt  haben, 
so  soll  er  durchaus  nicht  durch  Jemandes  Chikane  vertrieben  werden, 
sondern  es  dauernd  in  seinem  Rechte  haben.  Wird  dieser  Soldat,  der 
unsern  Interessen  dient,  einen  Locus  publicus  hergerichtet,  bez.  zur  Bebauung 
innegehabt  haben,  es  hat  die  Örtlichkeit  jedoch  Niemand  vorher  innegehabt, 
an  dessen  Stelle  dieser  Soldat  als  Usurpant  getreten  sein  wird,  so  soll  er 
in  gleicher  Art  besitzen.  Wird  hiergegen  auch  bei  dem  Princeps  eine  Er- 
schleichung stattgefunden  haben,  so  soll  nicht  nur  das  Erzielte  keine  Giltig- 
keit  besitzen,  sondern  auch  der  ungerechte  Bewerber  dem  Fiskus  zwanzig 
Pfund  Gold  zu  zahlen  verpflichtet  werden.^ 


1)  Ygl.  S.  113  Anm.  6. 


2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  3,  4  a. 


1)  a) 


b)  C.  2,  23,  1.  Quisquis  armatae  militiae 
stipendiis  communitus  in  solo  publico  vel 
aedificium  aliquod  construxerit  vel  septis 
quibuslibet  spatia  certa  concluserit,  perpetuo 
iure  et  firmo  dominio  eadem  ex  nostra  ge- 
nerali auctoritate  possideat,  nee  per  surrep- 
tionem  aliquis  postea  eadem  loca  a  nostra 
dementia  audeat  postulare.  Illud  quoque 
sancimus,  si  quisquam  militum  simili  condi- 
tione  ante  hoc  tempus  loca  publica  possi- 
denda  detinuit,  ac  postea  eadem  per  alias 
competitionum  nebulas  detectus  fuerit  ami- 
sisse,  reformari  eadem;  ita  tamen,  si  proba- 
tum  fuerit,  a  nullo  antea  possessum  solum 
hac,  qua  ostendimus,  a  milite  ratione  deten- 
tum:  vel  si,  in  alios  forte  eorum  militum 
voluntate  translatum  fuisse,  quod  tenuerant, 
potuerit  edoceri.  Ne  quis  sane  post  hanc 
definitionem  nostri  numinis  surripiendo  postu- 
lare audeat  haec  spatia,  de  quibus  praesens 
oraculi  nostri  forma  comprehendit,  poenam 
viginti  libraram  auri  iubemus  adscribi. 


C.  3,  5,  4.  Si  quis  aut  privatus  aut 
militans,  postquam  sponderit,  cum  patre, 
tutore  vel  curatore  puellae  vel  propinquis  de 
puellae  coniunctione  definierit,  debet  post 
definitionem  intra  biennium  nuptias  cele- 
brare  .  . 

Quicunque  militans  in  solo  publico  aedi- 
ficium fortasse  exstruxerit  aut  aliquid  pro 
utilitate  sua  crediderit  faciendum,  per  nul- 
lius calumniam  penitus  repellatur,  sed  hoc 
perpetuo  in  eins  iure  permaneat.  Idem  miles 
nostris  utilitatibus  serviens,  si  locum  publi- 
cum construxerit  vel  ad  excolendum  fortasse 
tenuerit,  si  hoc  tamen  nullus  antea  tenuit, 
cui  miles  ipse  pervasor  exstiterit,  simili  ra- 
tione possideat.  Contra  quam  rem  etiamsi 
surreptum  principi  fuerit,  non  solum  impe- 
trata  non  valeant,  verum  etiam  improbus 
petitor  viginti  libras  auri  fisco  cogatur  ex- 
solvere. 


Milites  §  6. 


709 


c)  Erworben  ^^^rd  uns  nicht  allein  durch  uns  selbst,  sondern  auch  durch  die-   G.  2, 1,7 
jenigen,  die  sich  in  unserer  Gewalt  belinden,  wie  die  Haussöhne,  abgerechnet 
diejenigen  Söhne,  denen  nach  den  Gesetzen  ein  Castrense  peculium  zu  haben 
gestattet  worden  ist.     Castrense  peculium  ist,   was  in  dem  Lager  erworben   p.  3, 4, 3 
wird,  bez.  dem  sich  in  den  Kriegsdienst  Begebenden  gegeben  wird. 

aa)  ^Ein  Haussohn,  der  Advokat  ist,  möge  wissen,  dass,  was  er  auch  immer  c.  2, 10, 3 
bei  Lebzeiten  des  Vaters  aus  der  IJbernahme  von  Rechtssachen  er- 
w^orben  haben  wird,  er  für  sich  beanspruchen  soll,  wie  ein  Castrense 
peculium,  das  Haussöhne,  die  sich  unter  den  Waffen  befinden,  erweis- 
lich erwerben.  Wenn  Jemand  bei  Lebzeiten  des  Vaters  dem  Consi-  c.  1, 11, 1 
lium  eines  beliebigen  Judex  angehört  haben  wird,  nimmt  er,  was 
er  auch  immer  aus  gerechten  und  guten  Anlässen  erworben  haben 
wird,  für  sich  derart  in  Anspruch,  wie  jener  Sohn,  der  irgend  et^vas 
bei  Lebzeiten  des  Vaters,  während  er  sich  unter  den  Waffen  befand, 
empfangen  haben  wird.^ 

d)  Ein  Haussohn,    der  Militärdienste    geleistet  hat,    kann   über    das  Castrense   p.  3, 4, 3 
peculium   sowohl   nach    gemeinem   als   auch   nach    besonderem   Rechte  ein 
Testament  machen. 

e)  Werden  Soldaten,  welche  kein  Testament  gemacht  haben,  ohne  gesetzlichen   c.  5, 4, 1 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  4,  b. 


c) 


P.  3,  4,  3.  .  .  Castrense  (enim)  peculium 
est,  quod  in  castris  acquiritur  vel  quod  pro- 
ficiscenti  ad  rnilitiam  datur. 

aa)  C.  2,  10,  3.  Altero  beneficio  non  so- 
lum  per  forum  tuae  magnitudinis,  sed  in 
universis  iudieiis  valituro,  ut  filiifamilias, 
quicquid  ex  huiuscemodi  professione  vel  ip- 
sius  occasione  conquisierint,  id  post  patris 
obitum  praecipuum,veluti  peculium  castrense, 
proprio  dominio  valeant  vindicare:  sub  tali 
forma,  quam  militantibus,  ex  iure  procinetis, 
cinguli  praerogativa  detulit. 

C.  1,  11,  1.  Velut  castrense  peculium 
filiifamilias  assessores  post  patris  obitum  vin- 
dicent,  qui  conciliis  propriis  administratores 
iuvare  consueverunt,  si  quid  licitis  honestis- 
que  lucris  coadunare  potuerint. 

d)  P.  3,  4,  3.  Filiusfamilias,  qui  milita- 
vit,  de  castrensi  peculio  tam  communi  quam 
proprio  iure  testamentum  facere  potest  .  . 

e)  C.  5,  4,  1.  Universis  tam  legionibus 
quam     vexillationibus     comitatensibus      seu 


G.  2,  1,  7,  Acquiritur  (autem)  nobis  non 
solum  per  nosraet  ipsos,  sed  et  per  eos,  qui 
in  potestate  nostra  sunt,  sicut  filii  .  .:  prae- 
ter eos  filios,  quibus  per  leges  ut  castrense 
peculium  habere  permissum  est. 


Quicquid  vivo  patre  lilius  advocatus  de 
causarum  susceptione  acquisierit,  sibi  noverit 
vindicandum,  sicut  castrense  peculium,  quod 
in  armis  constituti  filii  probantur  acquirere  . . 


Si   milites   sine    legitimo  berede  intestati 
decesserint  et  proximos  non  habuerint,  eorum 


710 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  2,  1,9 


N.M. 
1,1,7 


C.2,  1,2 


Erben   gestorben   sein    und  Verwandte    nicht  gehabt  haben,    so  werden  ihr 
Vermögen    diejenigen,    die    in    demselben    Officium    dienen,    in    Anspruch 
nehmen.^ 
2)  ProzessrechtHches. 

a)  Wird  irgend  Jemand  nach  Übergehung  des  Provinciae  iudex  vor  denjenigen, 
die  an  der  Spitze  der  Bewaffneten  zu  stehen  gelten,  seine  Sache  anbringen 
zu  sollen  geglaubt  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  dem  Exil  zu  überliefern 
ist,  während  derjenige,  welcher  die  Sache  von  jenem  zu  proponieren  über- 
nommen haben  wird,  zu  zehn  Pfund  Gold  zu  verurteilen  ist:^  Personen,  die 
dem  Militärstande  angehören,  sollen  bei  den  kompetenten  Richtern  die  Ak- 
tionen, von  denen  sie  glauben,  dass  sie  ihnen  zustehen,  einbringen. 

b)  ^Während  wir  verordnet  haben,  dass  Civilsachen  vor  die  Provinciarum  rec- 
tores  gehören,  soll,  so  oft  sich  eine  Criminalis  actio  eingestellt  haben  wird 
zwischen  denjenigen,  welche  unter  unsern  Waffen  dienen,  und  Privatpersonen, 
falls  der  Militans  die  Privatperson  vor  Gericht  geladen  haben  wird,  der  Rec- 
tor  provinciae  die  Macht  haben,  die  Sache  zur  Kognition  zu  zieheu  und  zu 
entscheiden.  Wird  dagegen  die  Privatperson  die  Person,  welche  uns  unter 
den  Waffen  dient,  bez.  die  Militärperson,  verklagt  haben,  so  soll  jener  die 
Sache  zur  Kognition  ziehen,  zu  dessen  Ordinatio  derjenige  gehört,  welcher 
Soldat  ist,  bez.  für  den  er  die  Waffen  geführt  haben  wird.^ 


1)  Vgl.  S.  397  Anm.  4. 

2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  1  a,  b. 

3)  Vgl.  S.  471  Anm.  4. 


cuneis  insinuare  debebis,  uti  cognoscant, 
quum  aliquis  fuerit  rebus  humanis  exemtus 
atque  intestatus  sine  legitimo  berede  deces- 
serit,  ad  vexillationem,  in  qua  militaverit, 
res  eiusdem  necessario  pervenire. 

2)  a)  C.  2,  1,  9.  Si  quis  neglectis  iudici- 
bus  ordinariis  sine  coelesti  oraculo  causam 
civilem  ad  militare  iudicium  crediderit  de- 
ferendam,  praeter  poenas  ante  promulgatas 
intelligat,  se  deportationis  sortem  exceptu- 
ruin,  nihilominus  et  advocatum  eins  decem 
librarum  auri  condemnatione  feriendum. 

N.  M.  1 ,  1 ,  7.  .  .  nee  passim  aliquem 
armatae  militiae  sociatum  longinquis  partibus 
trahi,  sed  in  locis  apud  competentem  iudicem 
pulsari,  nisi  tarnen  super  maximis  et  necessa- 
riis  causis  et  militarem  iudicem  in  locis  ex- 
cedentibus  fuerit  accusatus  .  . 

b)  C.  2,  1,  2.  Definitum  est,  provincia- 
rum rectores  in  civilibus  causis  litigia  ter- 
minare,  etsi  militantes  exceperint  iurgia  vel 
moverint.  Ne  igitur  usurpatio  iudicia  leges- 
que   confundat   aut  iudicibus  ordinariis  adi- 


bona,    qui    in   eodem   officio  militant,  vindi- 
cabunt. 


Quisquis  contemto  provinciae  iudice,  ad 
illos,  qui  armatis  praeesse  noscuntur,  causam 
suam  crediderit  transferendam,  exilio  se  de- 
putandum  esse  cognosoat,  et  eum,  qui  cau- 
sam illius  susceperit  proponendam,  decem 
libras  auri  esse  damnandum. 


.  .  militantes  .  .  apud  competentes  iudi- 
ces,  quas  competere  sibi  credunt,  exserant 
actiones  .  . 


Etsi  civilia  negotia  ad  provinciarum  rec- 
tores iussimus  pertinere,  tarnen,  quoties  cri- 
minalis actio  intercesserit  inter  illos,  qui  in 
armis  nostris  militant,  atque  privatos,  si  mi- 
litans privatum  in  iudicium  vocaverit,  rector 


Milites  §  6. 


711 


c)  Niemaiideni  soll  irgeiidAvie  in  Civilsachen  militärische,    sei    es  Bescliützung,   c.  i,  8,  i 
sei  es  Exekution  gewährt  werden.^ 

d)  Den  Militantes   wird  in  den  Gesetzen   nicht  gestattet,    fremde  Prozesse    zu   c.  2, 12,  e 
übernehmen,  noch  können  sie  Prokuratoren  werden. 

e)  2 Durch    die  Lex  lulia    ist  verordnet  worden,    dass   ein  jeder  Judex  wegen  ^iu.^2^' 
öffentlicher  Gewaltthätigkeit  verurteilt  wird,  der  eine  Person,  es  sei  eine  frei- 
geborene, es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie  appel- 
liert, um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werden,  gefoltert,  getötet 

oder  zu  töten  geheissen  oder  hi  öffentliche  Fesseln  geschlossen  oder  mit 
Geissein  geschlagen  oder  zu  strafen  sich  angemasst  haben  wird.  Die  Tri- 
buni  militum  und  Praepositi  navium  und  Praefecti  alarum  köimen  ohne 
Hemmung  durch  die  Lex  lulia  auch  nach  der  Appellation  nach  Art  ihrer 
Schuld  entweder  gebüsst  oder  gezüchtigt  werden.^ 

3)  Strafrechtliches. 

a)  Wird  nach  Empfang    von   Geld   ein  Soldat  den  Arrestanten  haben  laufen   p.  5, 33, 1 
lassen,  so  ist  er  kapital  zu  strafen.    Es  fragt  sich  dabei,  welches  Verbrechens 


1)  Vgl.  S.  471  Anm.  2. 

2)  Vgl.  Zweites  Buch  §  8,   2  a. 


mat  propriam  notionera,  ad  provinciarum 
rectores  transferantur  iurgia  civilium  quae- 
stionum.  In  criminalibus  etiam  causis,  si 
miles  poposcerit  reum,  provinciae  rector  in- 
quirat.  Si  militaris  aliquid  admisisse  firme- 
tur,  is  cognoscat,  cui  militaris  rei  cura  man- 
data  est. 

c)  C.  1,  8,  1.  Nunquam  oranino  negotiis 
privatorum  vel  tuitio  militis  vel  exsecutio 
tribuatur. 

d)  C.  2,  12,  6.  Nemo  militantium  fiat 
susceptor  defensorve  causarum,  nee  ad  cog- 
nitionem  alieni  iurgii  suffragator  accedat. 

e)  P.  5,  28,  1  u.  2.  Lege  lulia  de  vi  pu- 
blica damnatur,  qui  aliqua  potestate  praedi- 
tus,  civem  Romanum,  antea  ad  populum, 
nunc  ad  imperatorem,  appellantem  necarit 
necarive  iusserit,  torserit,  verberaverit,  con- 
demnaverit,  inve  publica  vincula  duci  iusserit . . 
Hac  lege  excipiuntur  .  .  tribuni  etiam  mili- 
tum et  praefecti  classium  alarumve,  ut  sine 
aliquo  impedimento  legis  luliae  per  eos  mili- 
tare  delictum  coerceri  possit. 


3j  a)  P.  5,  33,  1.     Si  pecunia  accepta  mi- 
les   custodiam    dimiserit,    capite    puniendus 


provinciae  audiendi  et  iudicandi  habeat  po- 
testatem.  Si  vero  privatus  servientem  nobis 
in  armis  vel  militantem  forte  pulsaverit,  ille 
causam  audiat,  ad  cuius  ordinationem  is  re- 
spicit,  qui  militat,  vel  cui  arma  tenuerit. 


Nulli  penitus  in  civilibus  causis  militaris 
vel  tuitio  vel  exsecutio  deputetur. 


Militantes  non  permittuntur  legibus  Utes 
suscipere  alienas,  nee  procuratores  fieri  pos- 
sunt. 

Lege  lulia  decretum  est,  ut  pro  violen- 
tia  publica  damnetur,  quicunque  iudex  ap- 
pellantem ,  ut  ad  principis  praesentiam 
ducatur,  ingenuum  hominem  vel  civem  Ro- 
manum factum  torserit,  occiderit  vel  occidi 
iusserit  vel  in  vinculis  publicis  adstrinxerit 
vel  flagellis  ceciderit  aut  damnare  praesum- 
serit  .  .:  tribuni  quoque  militum  et  praepo- 
siti navium  et  praefecti  alarum  (:  et  hi  omnes) 
sine  impedimento  legis  luIiae  etiam  post 
appellationem  possunt  pro  culpae  suae  qua- 
litate  aut  damnari  aut  verberari. 


712 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


p.  5  33, 2  der  Befreite   schuldig  zu   sein    gilt.     Diejenigen,    welche    dem    begleitenden 

Soldaten    mittels   eines    grossen  Haufens    den  Arrestanten    entrissen   haben 
werden,  werden  kapital  gestraft. 

4)  Abgabe. 

c.  13, 1, 1  a)  Wenn  irgend  Jemand  eine  Sache,  die  bei  ihm  erzeugt  ist,  oder  die  er  nicht 
gekauft  hat,  verkauft,  soll  er  zur  Zahlung  der  Auraria  unter  keinen  Um- 
ständen angehalten  werden.  Wird  jedoch  nachgewiesen  werden,  dass  er  in 
der  Absicht,  zu  kaufen  und  zu  verkaufen,  hierhin  und  dorthin  sich  begiebt, 
so  soll  er,  auch  wenn  er  Militans  ist,  zur  Zahlung  der  Auraria  angehalten 
werden. 


N.M.  4,1, 
2u.  3 


V.  Die  Stände  §  7. 

1)  Senatoren,  Maiores  personae,  Nobiles  viri. 

a)  ^Senatoren  sollen,  falls  sie  gewollt  haben  werden,  die  Befugnis  haben,  ab- 
gesehen von  niedrigen  und  infamen  Personen,  arme  und  jeder  Dignität  der 
Gebm^t  bare  Personen,  wenn  sie  nur  ehrbar  sind  und  von  ehrbaren  Eltern 
stammen,  zu  Frauen  auszuwählen  und  zu  heiraten.  Ohne  Zweifel  wird  das 
nach  dem  Beispiel  dieses  Gesetzes  auch  allen  gestattet.     Für  niedrige  und 


est.     Et  certe  quaeritur,   cuius  criminis  reus 
dimissus  esse  videatur. 

P.  5,  33,  2.  Qui  custodiain  militi  prose- 
quenti  magna  manu  excusserint,  capite  pu- 
niuntur. 

4)  a)  C.  13,  1,  1,  Singuli  quique,  si  per 
eos  vernacula  quaeque  vendantur,  functione 
auraria  non  teneantur;  si  vero  emendi  ven- 
dendive  compendiis  ultro  citroque  quaesitis 
familiaris  rei  amplitudo  cumuletur,  etsi  mi- 
litares  sint,  memoratae  praestationi  nectan- 
tur. 

1)  a)  N.  M.  4,  1,  2  u.  3.  .  .  licere  statui- 
mus  senatoribus  et  quibuscunque  amplissimis 
dignitatibus  praeditis,  ex  ingenuis  natas 
quamvis  pauperes,  in  matrimonium  sibi  ad- 
sciscere,  nuUamque  inter  ingenuas  ex  divitiis 
et  opulentiore  fortuna  esse  distantiam.  Hu- 
miles  vero  abiectasque  personas  (eas  tantum- 
modo  mulieres  esse)  censemus,  (quas  enume- 
ratas  et  specialiter  expressas  copulari  matri- 
moniis  senatorum  lex  praedicta  non  passa 
est,  hoc  est)  ancillam,  ancillae  filiam,  liber- 
tam,  libertae  filiam,  civem  Romanam  vel 
Latinam  factam,  scenicam  vel  scenicae  filiam, 
tabernariam  vel  tabernarii,  vel  lenonis,  aut 
arenarii  filiam,  aut  eam,  quae  mercimoniis 
publice  praefuit.  Quod  quidem  haud  dubie 
credimus   ipsum   divae   memoriae   Constanti- 


Si  quicunque  rem,  quae  ei  nata  est,  aut 
quam  non  emit,  vendat,  ad  solutionem  au- 
rariam  minime  teneatur.  Si  vero  emendi 
vendendique  studio  probabitur  huc  illucque 
discurrere,  etiamsi  militans  est,  ad  soluti- 
onem teneatur  aurariam. 

(Hac  lege  permissum  est,)  ut  exceptis  vi- 
libus  infamibusque  personis  ,  .  pauperes  et 
sine  uUa  dignitate  natalium,  dummodo  ho- 
nestas  et  honestis  parentibus  procreatas, 
senatores,  si  voluerint,  uxores  eligendi  et 
ducendi  habeant  potestatem.  Quod  et  Om- 
nibus exemplo  legis  huius  sine  dubitatione 
permittitur. 


Die  Stände  §  7. 


713 


infame  Frauen  aber  erachten  wir  eine  Sklavin  und  einer  Sklavin  Tochter, 
eine  Freigelassene  und  einer  Freigelassenen  Tochter,  die  eine  Römische 
Bürgerin  oder  Latinerin  geworden  ist,  eine  Schauspielerin,  bez.  einer  Schau- 
spielerin Tochter,  eine  Tabernaria  oder  eines  Tabernarius  oder  eines  Kupplers 
oder  eines  Gladiators  Tochter,  oder  eine  Frauensperson,  die  einem  öffent- 
lichen Hause  vorsteht.^ 

b)  2 Senatoren,    die  Geld  zu  einer  Centesima    Averden    haben  ausleihen  wollen,   c.2, 33, 4 
sollen  an  Zins  nicht  mehr,  als  die  Hälfte  der  Legitima  centesima,  von  ihren 
Schuldnern    empfangen,   noch  sollen  diejenigen,    welche  das  geliehene  Geld 
aufnehmen,  gezwungen  w^erden,  darüber  hinaus  zu  kavieren  oder  sich  durch 
Kaution  zu  verpflichten.     Wird    von  ihnen  Weiteres    eingefordert    gewesen 

sein,  so  mögen  die  Senatoren  wissen,  dass  sie  dasjenige,  was  sie  geliehen 
haben  werden,  verlieren  werden.  Hingegen  verabsäumen  Schuldner  ohne  c.  2, 33, 3 
Grund,  Senatoren,  die  sich  in  den  Jahren  der  Minderjährigkeit  befinden? 
die  Schuld  mit  Zinsen  zurückzugeben,  unter  Berufung  darauf,  dass  Spröss- 
linge  senatorischen  Geschlechts  die  Schuld  mit  den  ganzen  Zinsen  nicht 
zurückempfangen  sollen:  demnach  soll  dasjenige,  was  in  der  Kaution  mittels 
Stipulation  versprochen  worden  ist,  entrichtet  werden.^ 

c)  Atrox  iniuria    wird    angenommen   mit  Eücksicht  auf  die  Person,    so  oft  sie   p.  5, 4, 10 
einem  Senator  oder  Römischen  Ritter  oder  sonst  einem  Manne  von  ansehn- 


1)  Vgl,  Privatreclit,  Zweites  Buch  §  13,  3  a. 

2)  Vgl.  Privatreclit,  Drittes  Buch  §  12,  1  y,  f. 


num  in  ea,  quam  promulgavit,  sanctione 
sensisse,  ideoque  huiusmodi  inhibuisse  nu- 
ptias, ne  senatoribus  harum  feminarum,  quas 
nunc  enumeravimus,  non  tarn  connubia  quam 
vitia  iungerentur. 

b)  C.  2,  33,  4.  Senatores  sub  medietate 
centesimae  usurae  ad  contractum  creditae 
pecuniae  censemus  admitti.  Itaque  omnes 
intelligant,  nulluni  florentissimo  coetui  socia- 
tum,  foenus  exercentem,  ultra  medietatem 
centesimae  vel  iure  stipulari  vel  petere  posse 
usuram :  quin  etiam,  si  quid  praeter  mode- 
ratam  nostri  numinis  definitionem  fuerit  fla- 
gitatum,  imminendae  sorti  pro  huius  legis 
auctoritate  cessurum. 

C.  2,  33,  3.  Frustra  debitores  in  annis 
minoribus  constitutorum  usuras  se  restituere 
non  debere  contendunt,  quia  senatoria  eos 
dignitate  praeditos  esse  testantur.  Unde 
sortem  cum  usuris  in  stipulationem  deductis 
restituant. 


c)  P.   5,   4,    10.      Atrox  iniuria   aestima- 
tur  .  .  persona,    quoties    senatori    vel    equiti 


Senatores,  qui  pecuniam  ad  centesimam 
praestare  voluerint,  non  amplius  usurae  no- 
mine quam  medietatem  legitimae  centesimae 
a  debitoribus  suis  accipiant,  nee  amplius  ut 
caveant  aut  se  cautione  constringant,  qui 
commodatam  suscipiunt  pecuniam,  forte  co- 
gantur,  Nam  si  ab  eis  amplius  fuerit  re- 
quisitum.  sciant  se  senatores  hoc,  quod  com- 
modaverinb,  perdituros. 

I 

Sine  causa  senatoribus  in  annis  minoribus 
constitutis  debitum  cum  usuris  reddere  dissi- 
mulant  debitores,  propter  hoc,  quod  sena- 
torio  genere  nati  debitum  cum  usuris  inte- 
gris  recipere  non  iubentur:  et  ideo,  quod 
cautione  per  stipulationem  promissum  est, 
reformetur. 


714 


Öffentliches  Recht,     Drittes  Buch. 


C.  2,  1,  12 


C.  11, 11,  1 


C.  9,30,2 


C.  9,  7.  3 
pr. 


liclier  Autorität,  und  von  Seiten  eines  Plebejers  oder  einer  Person  von  nied- 
riger Geburt  einem  Senator  oder  Römischen  Ritter,  zugefügt  wird. 

d)  Wenn  gegen  irgend  Jemanden  wegen  eines  zur  Last  gelegten  Verbrechens 
eine  Untersuchung  zu  führen  ist,  sollen  als  ludices  fünf  Nobiles  viri  aus 
der  Zahl  der  sonstigen  ihm  gleichen  durch  das  Los  erwählt  werden,  damit 
sie  nicht  für  parteiisch  erwählt  gelten,  und  damit  nicht  leichthin  über  die 
Kapitalsache   oder  die  Unschuld  des  anderen  geurteilt  zu  werden  scheine.^ 

e)  Wegen  höhergestellter  Personen  ist  zur  Kognition  an  den  Princeps  zu  be- 
ri  eilten. 2 

aa)  Werden  etwa  irgendwelche  höhergestellte  Personen  oder  Männer  von 
irgendwelcher  Dignität  wegen  eines  Verbrechens  zur  Verantwortung 
gerufen,  so  hat  der  Judex  an  die  Herren  der  Dinge  zu  berichten, 
damit  mit  Bezug  auf  Personen  dieser  Art  die  gerechte  Vorschrift  der 
Herren  festsetze,  was  zu  geschehen  habe.-^ 

f)  Wenn  Sklaven  auf  Befehl  der  Herren  das  Verbrechen  der  Gewaltthätigkeit 
verübt  haben  werden,  können  die  Herren  die  Dignität  der  Nobilität,  bez. 
ihres  Honor,  nicht  behalten.* 


1)  Vgl.  S.  589  Anm.  3. 

2)  Vgl.  S.  626  Anm.  3. 

3)  Vgl.  S.  627  Anm.  2. 

4)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  21,  2  b. 


Romano,  (decurioni)  vel  alias  spectatae  auc- 
toritatis  viro:  et  si  plebeius  vel  humili  loco 
natus  senatori  vel  equiti  Romano  . . 

d)  C.  2,  1,  12.  In  criminalibus  causis 
senatus,  statuta  iam  dudum  quinqueviralis 
iudicii  forma  servabitur.  In  quo  quum  per- 
facilo  esse  credamus,  optimos  legere  de  sum- 
mis,  sortito  tamen  ad  iudicium  vocabuntur, 
ne  de  capite  atque  innocentia  alterius  iudicio 
electi  iudicent. 

e) 


aa)  C.  9,  30,  2.  Quoties  in  senatorii  or- 
dinis  viros  pro  qualitate  peccati  austerior 
fuerit  ultio  proferenda,  nostra  potissimum 
explorentur  arbitria,  quo  rerum  atque  gesto- 
rum  tenore  comperto,  eam  formam  statuere 
possimus,  quam  modus  facti  contemplatioque 
dictaverit. 

fj  C.  9,  7,  3  pr.  Servos,  .  .  si  (illi)  metu 
atque  exhortatione  dominorum  violentiam 
admiserint,  palam  est,  secundum  legem  luliam 
dominum  .  ,  loci  aut  originis  propriae  dig- 
nitate  non  uti  .  . 


Quum  pro  obiecto  crimine  aliquis  audien- 
dus  est,  quinque  nobiles  viri  iudices  de  reli- 
quis  sibi  similibus  missis  sortibus  eligantur: 
ne  studio  videantur  electi  et  de  capitali  re 
aut  innocentia  alterius  videatur  facile  iu- 
dicari. 

C.  11,  11,  1.  .  .  de  .  .  maioribus  perso- 
nis  ad  principis  est  notitiam  deferendum. 

Si  quando  aliquae  maiores  personae  aut 
alicuius  dignitatis  viri  vocantur  in  crimen, 
iudex  ad  rerum  dominos  referat,  ut  de  huius 
modi  personis  quid  fieri  debeat,  dominorum 
praeceptio  iusta  constituat. 


Si  servi  .  .  iubentibus  dominis  violentiae 
crimen  admiserint,  dominis,  qui  illicita  prae- 
ceperunt,  .  .  et  nobilitatis  vel  honoris  sui 
dignitatem  tenere  non  possunt  .  . 


Die  Stände  §  7. 


715 


2)  Potentes. 

a)  Alle    mögen   wissen,    dass,   Avas   auch   immer  von  Potentiores  personae  Be-   c.  2, 1, 9 
drängte,     entweder    geschenkt    oder    verkauft    hahen    werden,     widerrufen 
werden  könne. ^ 

b)  Diejenigen,  welche  Kautionen  zur  Eintreibung  von  Potentes  gegeben  haben   c.  2, 13, 1 
werden,    sollen    die    ganze    Schuld   verlieren,    weil,    wo   eine   Rückforderung 
stattfinden    kann,    die  Potestas   nicht   von   den  Gläubigern   zur  Eintreibung 
eingeladen  werden  darf.^ 

c)  Die  Milde  des  Princeps  gestattet  nicht  die  Bezeugung,  dass  irgend  Jemand   c.  4, 4,  5 
sagt:   ich  habe  vernommen,   dass  der  Sterbende  dies  Personen  von  irgend- 
welchem Potens   in   solcher  Weise  habe  zuweisen  wollen;    sie  duldet  nicht, 

dass  diese  Stimme  zugelassen  werde.^ 

d)  ^AVir  haben  in  Erfahrung  gebracht,  dass  viele  ihre  Sachen  mit  den  Personen   c.  2,  u,  1 
von  Potentes  verteidigen,  bez.  verfolgen.    Derart  dass  sie  Libelli,  bez.  Tituli, 

mit  dem  Namen  derjenigen,  welche  durch  Dignität  ausgezeichnet  sind,  um 
leichter  die  Besitzer  zu  schrecken,  an  den  Häusern,  die  sie  zurückfordern, 
anschlagen,  oder  dass  sie  sich,  wenn  irgend  etwas  zurückgefordert  wird,  aus- 
drücklich mit  dem  Namen  von  Magni  et  clarissimi  viri  in  den  vorgelegten  Li- 
belli contradictorii  verteidigen.  AVird  dieses  mit  dem  Willen  derjenigen  Personen 


1)  Vgl.  S.  26  Anm.  1. 

2)  Vgl  S.  315  Anm.  2. 

3)  Vgl.  S.  366  Anm.  1. 


2)  a)  C.  2.  1,  9,  Venditiones,  donationes, 
transactiones,  quae  per  potentiam  extortae 
sunt,  praecipimus  infirmari. 

b)  C.  2,  13,  1.  Si  cuiuscunque  modi  cau- 
tiones  ad  potentum  fuerint  delatae  personas, 
debiti  creditores  iactura  mulctentur.  Aper- 
ta  enim  credentium  videtur  esse  voracitas, 
qui  alios  actionum  suarum  redimunt  exac- 
tores. 

c)  C.  4,  4,  5.  .  .  Nemo  itaque  relictus 
heres  vel  legibus  ad  successionem  vocatus  .  . 
potentium  nomen  horrescat;  nemo  ferre  testi- 
monia  in  hunc  modum  vel  suscipere  gestis 
huiusmodi  voces  audeat  .  .  privatorum  po- 
tentium nomine  .  . 

d)  C.  2,  14,  1.  Animadvertimus,  plurimos 
iniustarum  desperatione  causarum  potentium 
titulos  et  clarissimae  privilegia  dignitatis  bis, 
a  quibus  in  ius  vocantur,  opponere.  Ac  ne 
in  fraudem  legum  adversariorumque  terrorem 
bis  nominibus  abutantur  et  titulis,  qui  huius- 
modi dolo  scientes  connivent,  afficiendi  sunt 
publicae  sententiae  nota  .  .  Quisquis  igitur 
Ute  pulsatus,  quum  ipse  et  rei  sit  possessor 
et  iuris,   et  titulum  illatae  solenniter  pulsa- 


Sciant  omnes,  quaecunque  a  potentioribus 
oppressi  aut  donaverint  aut  vendiderint,  posse 
revocari. 

Qui  cautiones  exigendas  potentibus  de- 
derint,  omne  debitum  perdant:  quia,  ubi  po- 
test  esse  repetitio,  potestas  ad  exigendum 
non  debet  a  creditoribus  invitari. 


.  .  Nee  admittit  hanc  testificationem  prin- 
cipis  dementia,  si  forte  dicat  aliquis:  audivi 
morientem  velle  hoc  .  .  personis  .  .  cuius- 
cunque potentis  taliter  deputatum;  hanc  vo- 
cem  admitti  non  patitur  ,  . 

Cognovimus,  raultos  causas  per  potentium 
personas  excusare  vel  prosequi,  ita  ut  libel- 
los  vel  titulos  eorum  nominibus,  qui  digni- 
tate  praeclari  sunt,  quo  facilius  terreant  pos- 
sessores,  in  bis  domibus,  quae  ab  eis  repe- 
tuntur,  affigant,  aut  certe  si  aliquid  repetatur, 
nomine  maernorum  et  clarissimorum  virorum 
prolatis  libellis  contradictoriis  se  specialiter 
excusare.  Quod  si  ex  eorum  voluntate  fac- 
tum fuerit,  quorum  nomina  libelli  testantur, 


716 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


geschehen  sein,  deren  Namen  die  LibelK  bezeugen,  so  muss  um  ihrer  ganzen 
Schlechtigkeit  willen  ihre  Dignität  öffentlich  dem  Schimpfe  verfallen.^ 
c.  1, 6, 5        e)  Die  ludices  provinciarum  müssen  die  grösste  Sorge    tragen,   dass  nicht  die 
Actores   der  Potentes  mit  Bezug  auf  niedrige  Personen  irgend  etwas  uner- 
laubt und  ungerecht  verüben. 

c.  1, 10, 3  f)  In  allen  Provinzen  sollen  im  Interesse  der  Ordnung  ludices  zu  dem  Zwecke 
eingesetzt  werden,  dass  sie,  nach  Entfernung  des  Schutzes  der  Potentes,  mit 
allem  Eifer  gegen  Angeschuldigte  und  Päuber  die  gebührende  Remedur 
eintreten  zu  lassen  nicht  säumen:  damit  nicht  infolge  ihrer  Nachlässigkeit 
oder  Käuflichkeit  die  Verbrechen,  die  gestraft  werden  müssen,  sich  mehren.^ 

c.  13, 2, 1  g)  Werden  Tabularii  oder  diejenigen,  welchen  die  Bücher  über  die  Steuer- 
eintreibung übergeben  werden,  mächtigere  Personen  haben  entbinden 
wollen  und,  worum  sie  sie  erleichtert  haben  werden,  den  kleineren  Leuten 
zugeschlagen  haben,  so  soll  derjenige,  der  nachgewiesen  haben  wird,  dass  er 
beschwert  worden  ist,  nicht  mehr  zahlen,  als  er,  nach  dem  Census  über- 
nommen zu  haben,  gezeigt  haben  wird.^ 

3)  Plebeii  (vgl.  Zweites  Buch  §  4,  6  a). 

p.  5, 4, 10  a)  Atrox  iniuria  wird  angenommen  mit  Bücksicht  auf  die  Person,  so  oft  sie 
einem   Senator  oder  Römischen   Bitter,    einem    Dekurio   oder  sonst  einem 


1)  Vgl.  S.  609  Anm.  1. 


2)  Vgl.  §  3,  2  ß,  b. 


tionis  exceperit,  contradictoriis  libellis  aut 
titulis  alterius  nomen  crediderit  inserendum  .  . 
Eos  sane,  qui  se  sponte  alienis  litibus  inseri 
patiuntur,  qaum  his  neque  proprietas,  neque 
possessio  competat,  veluti  famae  suae  pro- 
digos  et  calumniarum  redemtores  notari  oj^or- 
tebit. 

e)  C.  1,  6,  5.  Moderatores  provinciae  cu- 
ram  gerere  iubemus,  ne  quid  potentium  pro- 
curatores  perperam  illiciteque  committant. 

f)  C.  1,  10,  3.  Per  omnes  regiones,  in 
quibus  fera  et  periculi  sui  nescia  latronum 
fervet  insania,  probatissimi  quique  atque  di- 
strictissimi  defensores  adsint  disciplinae  et 
quotidiaüis  actibus  praesint,  qui  non  sinant 
crimina  impunitate  coalescere.  Removeantur 
patrocinia,  quae  favorem  reis  et  auxilium 
scelerosis  impertiendo,  maturari  scelera  fe- 
cerunt. 

g)  C.  13,  2,  1.  Quoniam  tabularii  civi- 
tatum  per  coUusionem  potentiorum  sarcinam 
ad  inferiores  transferunt,  iubemus,  ut,  quis- 
quis  se  gravatum  probaverit,  suam  tantum 
pristinam  professionem  agnoscat. 

3j  a)  P.  5,  4,  10.     Atrox  iniuria  aestimatur 


publice  debet  dignitas  eorum  pro  omni  vili- 
tate  notari  .  . 


ludices  provinciaram  summam  sollicitu- 
dinem  habere  debent,  ne  actores  potentum 
aliquid  circa  inferiores  personas  illicite  in- 
iusteque  committant. 

Per  omnes  provincias  tales  pro  studio 
disciplinae  iudices  ordinentur,  ut  cuai  omni 
soUicitudine  in  reos  et  latrones,  remotis  po- 
tentum patrociniis,  districtionem  debitam 
exercere  non  differant :  ne  per  negligentiam 
suam  aut  venalitatem  crimina,  quae  debent 
puniri,  proficiant. 


Si  tabularii  aut  hi,  quibus  exactionis  libri 
traduntur,  potentiores  voluerint  relevare  et, 
quod  relevaverint,  inferioribus  addiderint,  is, 
qui  gravatum  se  probaverit,  non  amplius 
dissolvat,  quam  secundum  censum  se  osten- 
derit  suscepisse. 


Die  Stände  §  7. 


717 


Manne  von  ansehnlicher  Autorität  zugefügt  wird,  und  von  selten  eines 
Plebejers  oder  einer  Person  von  niedriger  Geburt  einem  Senator  oder 
Römischen  Ritter,  einem  Dekurio  oder  Magistrat  oder  Adilen  oder  Judex, 
einem  Jeden  von  ihnen,  bez.  ihnen  allen,  von  selten  eines  Plebejers. 

b)  ludices,  welche  überführt  gewesen  sein  werden,   sich  durch  Diebstähle  und   c.  9, 21, 1 
Verbrechen  befleckt  zu  haben,  sollen  nach  Wegnahme  der  Insignia  codicil- 

lorum  und  Entsetzung  aus  ihrem  Honor  unter  alles  gemeine  Volk  und 
unter  die  Plebejer  versetzt  werden. 

c)  Die    Defensoren   sollen   ihrem   Namen   gemäss  die   Kurie,    bez.    die    ihnen   c.  1, 10, 2 
anvertraute  Plebs  mit  aller  Gerechtigkeit  und  Bilhgkeit  verteidigen. 


.  .  persona,  quoties  senatori  vel  equiti  Ro- 
mano, decurioni  vel  alias  spectatae  auctori- 
tatis  viro:  et  si  plebeius  vel  humili  loco 
natus  senatori  vel  equiti  Romano,  decurioni 
vel  magistratui  vel  aedili  vel  iudici,  quilibet 
horum  vel  si  bis  omnibus  plebeius. 

b)  C.  9,  21,  1.  ludices,  qui  se  furtis  et 
sceleribus  fuerint  maculasse  convicti,  ablatis 
codicillorum  insignibus  et  honore  exuti  inter 
pessimos  quosque  et  plebeios  habeantur  .  . 

c)  C.  1,  10,  2.  Defensores  nihil  sibi  in- 
solenter, nihil  indebitum  vindicantes,  nomi- 
nis  sui  tantum  fungantur  officio  .  .  Plebem 
tantum  vel  decuriones  ab  omni  improborum 
insolentia  et  temeritate  tueantur,  et  id  tan- 
tum, quod  esse  dicuntur,  esse  non  desinant. 


Defensores  secundum  suum  nomen  curiam 
vel  plebem  sibi  commissam  cum  omni  iustitia 
et  aequitate  defendant  .  . 


Zweites  Kapitel.    Die  Provinzen. 


I.  Die  Provinzialverwaltung  §  8. 

1)  Praeses  provinciae  (vgl.  Erstes  Buch  §  1,  1;  Zweites  Buch  §  1^  1  ß  u.  y,  u.  §  8). 
a)  Steuerangelegenheit. 

c.  1,  6, 4  a)  ^Die  ludices  provinciarum  werden  Sorge  tragen  müssen,  die  einzelnen  Be- 
sitzungen und  Ortschaften  in  eifriger  Nachforschung  zu  durchsuchen  und 
von  sich  aus  in  Erfahrung  zu  bringen,  wie  bei  Entrichtung  der  öffentlichen 
Schuld  mit  den  Possessores  verfahren  wird.  Werden  sie  hierauf  Sorgfalt 
zu  verwenden  verabsäumt  haben,  so  mögen  sie  nicht  zweifeln,  dass  eine 
Beschwerde  der  Bürger  an  ihnen  auf  das  strengste  zu  ahnden  ist.^ 

c.  12, 2, 1  b)  Exaktoren  und  Susceptoren  der  öffentlichen  Steuer  sollen  nicht  im  ge- 
heimen, sondern  öffentlich  in  Glegenwart  der  andern  Kurialen,  bez.  des 
Populus,  ihre  Obliegenheiten  zur  Verrichtung  und  Ausführung  übernehmen; 
sie,  die  ernannt,  bez.  erwählt  gewesen  sein  werden,  sollen  den  ludices 
bekannt  werden,  mit  der  Massgabe,  dass  diejenigen,  welche  mit  Bezug  auf 
die  W^ahl  solcher  zu  den  Akten  profitiert  gehabt  haben  werden,  wissen 
mögen,  ein  von  jenen  angerichteter  Schade  w^erde  denjenigen,  von  welchen 
sie  gewählt  worden  sind,  zum  Nachteil  gereichen.^ 


1)  Vgl.  S.  585  Anm.  1, 


2)  Vgl.  §  3,  2  T,  a. 


1  a)  a)  C.  1,  6,  4.  Provinciis  praesidentes 
per  omnium  villas  sensim  atque  usitatim 
vicosque  cunctos  discurrant  et  ultro  rimentur 
a  singulis,  quid  unusquisque  compulsor  in- 
solenter egisset  aut  cupide.  Is  enim,  de  quo 
aliqua  ad  nos  querela  pervenerit,  ad  ultimam 
poenam  rapietur, 

b)  C.  12,  2,  1.  Exactores  vel  susceptores 
in  celeberrimo  coetu  curiae,  consensu  et  iu- 
dicio  omnium,  sub  actorum  testificatione  fir- 
mentur,  provinciarumque  rectoribus  eorum 
nomina,    qui   ad   publici   munus   officii   editi 


ludices  provinciarum  operam  dare  debe- 
bunt,  ut  per  singulos  agros  et  loca  sollicita 
inquisitione  discurrant  et  per  se,  qualiter  in 
solutione  publici  debiti  cum  possessoribus 
agatur,  agnoscant.  Cuius  rei  curam  si  im- 
plere  neglexerint,  querelam  civium  non  du- 
bitent  in  se  severissime  vindicandam. 

Exactores  et  susceptores  publicae  functi- 
onis  non  secretim,  sed  publice  praesentibus 
aliis  curialibus  vel  populo  necessitates  agen- 
das  expediendasque  suscipiant:  et  qui  nomi- 
nati  vel  electi  fuerint,  iudicibus  innotescant: 


Die  Provinzialverwaltung  §  8. 


719 


c)  Exaktoreu,  die  in  dem  einen  Jahre  eingetrieben  haben  Averden,  dürfen  nicht   c.  12, 
die  Eintreibung  des  zweiten  Jahres  übernehmen  und  die  Possessores  mittels 
unnötiger  Eintreibung  belästigen:  vielmehr  muss  dies  in  Betracht  genommen 
werden,  dass  sie  in  den  einzelnen  Jahren  nach  Auswahl  des  Judex  wechseln, 

es  sei  denn  dass  entweder  die  Gewohnheit  der  Gemeinde  oder  die  Selten- 
heit von  Kurialen  sie  während  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  Steuerein- 
treiber zu  sein  nötigt.  AVird  es  anders  geschehen  gewesen  sein,  so  soll 
sowohl  den  Judex,  als  auch  sein  Officium,  gleichmässig  eine  Mult  wie  eine 
schwere  Pein  treöen. 

d)  ^  Als    Steuereintreiber    sollen    zur   Eintreibung    der    Tributariae    functiones   c  11, 
geeignete  Männer    abgefertigt    werden,    mit    der  Massgabe,  dass,   wenn  mit 
Bezug  auf  sie  irgend  eine  Anklage  aus  dem  Volke  sich  erhoben  haben,  das 

w^ill  sagen,  eine  Querel  niedergelegt  gewesen  sein  wird,  an  ihre  Stelle  andere 
Personen  geschickt  werden  sollen,  damit,  falls  sie  nach  Vornahme  einer 
genauen  Untersuchung  des  Verbrechens  der  Überforderung  zum  Schaden 
der  Provinzalen  werden  haben  überführt  werden  können,  sie  sowohl  einer 
Kapitalstrafe  unterliegen,  als  auch  aus  ihrem  Vermögen  dasjenige,  was  über- 
fordert worden  ist,  zum  Vierfachen  zurückerstattet  werde.  Die  ludices  provin- 
ciaruni  mögen  indessen  wissen,  dass  sie  zu  einer  Strafe  von  dreissig  Pfund 
Gold  zu  verurteilen  sind,  wenn  sie  dasjenige,  w^as  verordnet  worden  ist,  zu 
erfüllen  versäumt  haben  werden.^ 


9  9 


4,2 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  8,  4  a. 


atque  obligati  fuerint,  innotescant.  Et  ani- 
madvertant,  quicunque  nominaverint,  ad  dis  ■ 
crimen  suum  universa,  quae  illi  gesserint, 
redundare. 

c)  C.  12,  2,  2.  Non  perpetui  exactores 
in  continuata  vexandorum  provincialium  po- 
testate,  veluti  concussionum  dominatione, 
teneantur,  sed  per  annos  singulos  iudiciaria 
sedulitate  mutentur,  nisi  aut  consuetudo  civi- 
tatis aut  raritas  ordinis  eos  per  biennium 
esse  corapellat.  Quod  nisi  factum  fuerit, 
scias,  te  et  officium  tuum  non  minus  mulcta 
quam  gravi  poena  esse  plectendum. 

d)  C.  11,  4,  2.  Constituto  tempore  pubHce 
apud  Karthaginem  in  secretario,  admisso  po- 
pulo,  exactorum  ordinabuntur  idoneae  stre- 
nuaeque  personae.  De  quibus  si  popularis 
accusatio  ulla  processerit,  in  eorum  locum 
alios  par  erit  destinari,  ita  ut  severa  indaga- 
tione,  si  in  concussione  possessorum  depre- 
hensi  fuerint,  illico  et  capitali  periculo  sub- 
iaceant,  et  direptorum  quadrupH  poena  ex 
eorum  patrimonio  eruatur.  ludices  autem 
triginta    librarum    auri    mulctae    acerbitate 


scituris  bis,  qui  de  electione  talium  fuerint 
apud  acta  professi,  quod,  si  quid  everterint, 
ad  eorum,  a  quibus  electi  sunt,  dispendium 
pertinebit. 

(Lex  ista  hoc  iubet,)  non  debere  exactores, 
qui  uno  anno  exegerint,  secundi  anni  exac- 
tionem  suscipere  et  possessores  superflua 
exactione  vexare.  Sed  hoc  observari  debere, 
ut  annis  singulis  iudiciaria  electione  muten- 
tur, nisi  forte  aut  consuetudo  civitatis  aut 
raritas  curialium  per  biennium  eos  exactores 
esse  compellat.  Aliter  enim  si  factum  fuerit, 
et  iudicem  et  officium  suum  mulcta  pariter 
et  gravis  poena  constringat. 

(Haec  lex  hoc  praecipit.)  exactores  ad  exi- 
gendas  tributarias  functiones  idoneos  esse 
mittendos,  ita  ut,  si  de  his  populi  accusatio 
ulla  processerit,  id  est  querela  deposita  fu- 
erit, in  eorum  locum  alii  dirigantur,  ut  ha- 
bita  diligenti  inquisitione,  si  in  dispendia 
provincialium  de  superexactionis  crimine  con- 
vinci  potuerint,  et  capitali  periculo  subia- 
ceant,  et  ex  eorum  facultatibus  in  quadrup- 
lum,  quae  sunt  superexacta,  reddantur.  lu- 
dices   vero    provinciarum    triginta    librarum 


720 


Öffentliches  Recht     Drittes  Buch. 


c.  11,  6,1  e)  ^Aus  Superindicticii  tituli  soll  von  den  Provinzialen  nichts  verlangt  werden 
dürfen,  ausser  nur  dasjenige,  wovon  festgestanden  haben  wird,  dass  es  von 
den  Herren  der  Dinge  auferlegt  worden  ist.  Ein  Jeder,  der  irgend  etwas 
überfordern  zu  sollen  geglaubt  haben  w^ird,  soll  mit  der  Rückgabe  des  Vier- 
fachen büssen:  indessen  soll  die  Untersuchung  dessen  auch  für  Ordinarii 
iudices  derart  verlaufen,  dass,  wenn  etwas  in  ihren  Provinzen  seitens  irgend- 
welcher Personen  oder  Kurialen  geschehen  ist,  auch  sie  die  gleiche  Ersatz- 
strafe trifft.^ 

c.  11, 3, 1  Durch  Eectores  provinciae  soll  kein  Superindictum  den  Provinzialen 

geschehen,  es  sei  denn  dass  daraus  nachweishch  eine  kaiserliche  Vor- 
schrift   hervorgegangen    ist:    denn    dann   wird    dasjenige,    was    Super- 
indictum   ist,    sowohl    verlangt   als   auch   eingetrieben  werden  können, 
wenn  es  nachweislich  von  dem  Herrn  der  Dinge  festgesetzt  worden  ist.^ 
ß)  Acta, 
p,  1, 3, 1       a)  Die  Procuratio  kann  aufgetragen  werden  bei  den  Akten  des  Praeses. 
p.  5, 1, 4       b)  Derjenige,    welcher    aus    Furcht    und   unter    dem    Eindruck    irgendwelchen 
Schreckens  bei  den  Akten  des  Praeses  fälschlich  sich  als  Sklaven  bezeich- 
net hat,  thut  der  späteren  Verteidigung  seines  Status  keinen  Eintrag. 


1)  Vgl.  §  3,  2  s,  a. 


2)  Vgl.  S.  691  Anm.  1. 


sciant  se  esse  plectendos,  nisi  ea,  quae  salu- 
briter  ordinata  sunt,  necessaria  devotione 
compleverint. 

e)  C.  11,  6,  1.  Nihil  a  provincialibus 
extraordinaria  patimur  indictione  deposci. 
Caveat  igitur  magnifica  auctoritas  tua,  ne 
praeter  ea,  quae  a  mansuetudine  nostra  pa- 
tuerit  indicta,  tenuiorum  oneret  functionem ; 
ut,  si  quis  usurpatoria  temeritate  amplius 
aliquid  fuerit  conatus  exigere,  obnoxius  qua- 
drupli  repetitione  teneatur.  Quae  severitas 
iussionis  ad  ordinariorum  iudicum  offieiorum- 
que  terrorem  debebit  excurrere,  ut,  si  eorum 
vel  gratiosa  conniventia  vel  ignobili  dissimu- 
latione  temeritas  admiserit  curialis,  eos  quo- 
que  damni  similis  poena  castiget. 

C.  11,  3,  1.  Nihil  superindictorum  no- 
mine ad  solas  praefecturae  literas  quisquam 
provincialis  exsolvat;  neque  uUius  omnino 
indictionis  titulus,  etiam  solennis,  immineat, 
nisi  eum  nostro  confirmata  iudicio  et  impe- 
rialibus  nexa  praeceptis  sedis  amplissimae 
deposcat  indictio  et  cogat  exactio. 

ß)  a)  P.  1,  3,  1.  Mandari  potest  procu- 
ratio .  .  apud  acta  praesidis  .  . 

b)  P.  5,  1,  4.  Qui  metu  et  impressione 
alicuius  terroris  apud  acta  praesidis  servum 
se  esse  mentitus  est,  postea  statum  suum 
defendendi  non  praeiudicat. 


auri    se    poena  noverint  feriendos,  si  haec, 
quae  statuta  sunt,  implere  neglexerint. 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  nihil  debere  a 
provincialibus  de  superindicticiis  titulis  peti, 
nisi  ea  tantum,  quae  a  rerum  dominis  in- 
dicta constiterit.  (Et  hoc  iubet,)  ut  quicunque 
aliquid  superexigendum  crediderit,  quadrupli 
redhibitione  componat.  Sed  et  ad  ordinarios 
iudices  hanc  inquisitionem  iubet  excurrere, 
ut  etiam  si  quid  in  provinciis  eorum  a  qui- 
buscunque  personis  aut  curialibus  factum 
est,  etiam  eos  similis   damni  poena  castiget. 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  ut  nullum  per 
rectores  provinciae  superindictum  provincia- 
libus imponatur,  nisi  forte  ex  hac  re  pro- 
cessisse  praeceptio  dominica  coraprobetur. 
Tunc  enim  id,  quod  superindictum  est,  aut 
peti  aut  exigi  poterit,  quando  a  rerum  do- 
mino  cognoscitur  constitutum. 


Die  Provinzialverwaltung  §  8. 


721 


c)  Ein  Tutor  wird   auf  Zinsen  nicht  belangt,   wenn    er  Mündelgeld  um  des-   p.  2,  i4, 6 
wegen  nicht  angelegt  hat,  weil  er  geeignete  Posten,  in  denen  das  Geld  an- 
gelegt werden  sollte,    nicht  hatte.    Die  Kontestation  dieserhalb  ist  bei  dem 
Praeses  provinciae  niederzulegen. 

d)  Wir  verordnen,    dass  die  Lis  bei  den  Rektoren   der  Provinz,    bez.   bei   den    c.  2, 4, 2 
Defensoren,  oder  bei  x411en,  bei  welchen  Gesta  errichtet  werden,  kontestiert 
werde.  ^ 

e)  Die  Emanzipation  pflegte  bei   dem  Praeses  zu   geschehen  und  ist  nun  vor    g.  6, 3 
der  Kurie  zu  verrichten. 

Y)  Polizei. 

a)  Die  ludices    provinciarum  müssen  die  grösste  Sorge  tragen,   dass  nicht  die   C-  1, 6, 5 
Actores  der  Potentes  mit  Bezug  auf  niedrige  Personen  irgend  etwas  uner- 
laubt und  ungerecht  verüben. 

2)  Provinciae  sacerdotium. 

a)  Wenn    Jemand,    im    Begriff   sich  um   ein   provinziales    Priestertum  zu  be-   P-  5, 32, 1 
w^erben,    der    Stimmen   halber    einen    Haufen    zusammengebracht,    Sklaven 
herbeigerufen   oder  irgend  eine  sonstige  Menge  gedungen  haben  wird,  wird 
er  nach  seiner  Überführung,  als  der  öffentlichen  Gewaltthätigkeit  schuldig, 
auf  eine  Insel  deportiert. 

3)  Unterbeamte. 

a)  Cancellarius,  Domesticus. 

a)  ^  Alle  ludices  mögen  sich  deutlich  bewusst  werden,  dass  Niemand  in  die  ihm  c.  1, 11,  2 
anvertraute  Provinz  aus  der  Provinz,  von  wo  er  gekommen  ist,  bez.  aus  einer 


1)  Vgl.  S.  502  Anm.  3. 


c)  P.  2,  14,  6.  Tutor  in  usuras  non  con- 
venitur,  si  pecuniam  pupillarem  ideo  non 
collocavit,  quod  idonea  nomina  non  habbat, 
quibus  pecunia  collocaretur.  Cuius  rei  con- 
testatio  apud  praesidem  provinciae  deponen- 
da  est. 

d)  C.  2,  4,  2.  Denuntiari  vel  apud  pro- 
vinciarum rectores  vel  apud  eos,  quibus  ac- 
torum  conficiendorum  ius  est,  decernimus  .  . 

e) 


y)  a)  C.  1,  6,  5.  Moderatores  provinciae 
curam  gerere  iubemus,  ne  quid  potentium 
procuratores  perperam  illiciteque  committant. 

2)  a)  P.  5,  32,  1.  Petitums  .  .  provinciae 
sacerdotium,  si  turbam  suffragiorum  causa 
conduxerit,  servos  advocaverit  aliamve  quam 
multitudinem  conduxerit,  convictus,  ut  vis 
publicae  reus,  in  insulam  deportatur. 

3  a)  a)  C.  1,  11,  2.       Nullus    iudicum    ad 

Conrat,  Breviarium. 


Contestari  apud  rectores  provinciae  vel 
defensores  aut  omnes,  apud  quos  gesta  con- 
ficiuntur,  litem  iubemus  .  . 

G.  6,  3,  .  .  (Quae  tamen)  emancipatio 
solebat  ante  praesidem  fieri,  modo  ante  cu- 
riam  facienda  est  .  . 

ludices  provinciarum  summam  sollicitu- 
dinem  habere  debent,  ne  actores  potentum 
aliquid  circa  inferiores  personas  illicite  in- 
iusteque  committant. 


Omnes  iudices   evidenter  agnoscant,  nul- 

46 


722 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


andern  Gegend  einen  Cancellarius  oder  Domesticus  sicli  beigesellen  solle/  es 
sei  denn  wer  ihm  öffentlich  durch  Wahl  der  Bürger  zugewiesen  gewesen  sein 
wird.  Mit  der  Massgabe,  dass,  nachdem  jener  Judex  entfernt  gewesen 
sein  wird,  derjenige,  welcher  das  Officium  eines  Consiliarius  oder  Domesticus 
verwaltet  hat,  während  eines  Zeitraums  von  drei  Jahren  unter  einem  andern 
Judex  aus  der  Provinz  sich  nicht  entfernen  solle,  damit  er,  wenn  Jemand 
als  Ankläger  aufgetreten  sein  wird,  den  Anklägern  Rechenschaft  ablege. 
Wird  er  die  Handlungen  des  Judex  irgendwie  haben  verheimlichen  wollen, 
so  soll  er  der  Publica  quaestio  überliefert  werden.^ 

ß)  Tabularius. 
c.  8,1,1  a)  ^Sei  es  dass  in  einer  ganzen  Provinz,  sei  es  dass  in  einzelnen  Civitates  Tabu- 
larii,  das  will  sagen,  Personen,  die  die  öffentlichen  Rechnungen  besorgen, 
eingesetzt  gewesen  sein  w^erden,  so  sollen  von  den  Provinzialen  Freie  ein- 
gesetzt werden:  Kolonen  oder  Sklaven  sollen  zu  diesem  Officium  unter 
keinen  Umständen  zugelassen  werden,  weil  als  Personen,  denen  der  öffent- 
liche Glaube  anvertraut  werden  muss,  solche  werden  ausgewählt  werden 
müssen,  mit  Bezug  auf  welche  eine  Querel  nicht  stattfinden  kann.  Wird 
ein  Herr  zugestimmt  haben,  dass  sein  Kolone,  bez.  Sklave,  Tabularius  ist, 
so    soll    der  Herr    wegen  der  Zustimmung  von  der  Strafe  betroffen  werden. 


1)  Vgl.  Erstes  Buch,  §  1,  5  ß,  c. 


provinciam  sibi  commissam  quemquam  secum 
ducere  audeat,  cui  domestici  vel  cancellarii 
nomen  imponat,  nee  profectum  ad  se  unde- 
cunque  suscipiat,  ne  famae  nota  cum  bono- 
rum publicatione  plectatur.  Periculo  enim 
primatum  officii,  cancellarios  sub  fide  gesto- 
rum  electos  iudicibus  applicari  iubemus,  ita 
ut  post  depositam  administrationem  per  con- 
tinuum  triennium  nee  militiara  deserant,  et 
provincialibus  praesentiam  sui  exhibeant, 
quo  volentibus  sit  accusandi  eos  faciUtas. 
Si  enim  idonea  causa  exegerit,  ad  detegenda 
iudicis  flagitia  et  quaestioni  eos  subdi  opor- 
tet. 

[j)  a)  C.  8,  1,  1.  Generali  lege  sanclmus, 
ut,  sive  solidis  provinciis  sive  singulis  civi- 
tatibus  necessarii  fuerint  tabularii,  liberi  ho- 
mines  ordinentur,  neque  ulli  deinceps  ad  hoc 
officium  patescat  aditus,  qui  sit  obnoxius 
servituti;  sed  et  si  quis  dominorum  servum 
suum  sive  colonum  Chartas  publicas  agere 
permiserit  (consensum  enim,  non  ignorantiam 
volumus  obligari),  ipsum  quidem,  in  quantum 
interfuerit  publicae  utilitati,  pro  ratiociniis, 
quae  servo  sive  colono  agente  tractata  sunt, 
obnoxium  attineri,  servum  autem  competen- 
tibus  affectum  verberibus  fisco  addici  .  . 


lum  in  provinciam  sibi  commissam,  de  eadem, 
de  qua  venit,  provincia  vel  alia  regione,  sibi 
cancellarium  aut  domesticum  fortasse  con- 
iungere,  nisi  qui  ei  publice  fuerit  civium 
electione  deputatus.  Ita  ut  postquam  fuerit 
iudex  ille  remotus,  is  qui  consiliarii  vel  do- 
mestici gessit  officium,  triennium  sub  alio 
iuclice  de  provincia  non  discedat,  ut,  si  quis 
accusator  fortasse  exstiterit,  reddat  accusan- 
tibus  rationem.  Et  si  forte  facta  iudicis  celare 
usquequaque  voluerit,  subdatur  publicae  quae- 
stioni. 


Sive  in  solida  provincia  sive  per  singulas 
civitates  tabularii  fuerint  ordinati,  hoc  est, 
qui  rationes  publicas  tractant,  ingenui  a  pro- 
vincialibus ordinentur:  coloni  vel  servi  ad 
hoc  officium  nullatenus  admittantur,  quia, 
quibus  fides  publica  committenda  est,  tales 
eligi  debebunt,  de  quibus  querela  esse  non 
possit.  Quod  si  dominus  colonum  vel  ser- 
vum suum  tabularium  esse  consenserit,  pro 
consensu  dominus  hac  mulcta  feriatur,  ut 
quicquid  colonus  ille  vel  servus  detrimenti 
admiserit,  hoc  dominus  sine  mora  restituat: 
colonus  ille  vel  servus  verberatus  fisci  viri- 
bus addicatur. 


Die  Provinzialverwaltung  §  8. 


723 


dass  der  Herr  dasjenige,  was  auch  immer  jener  Kolone,  bez.  Sklave,  an 
Schaden  angerichtet  haben  wird,  ohne  Verzug  restituieren  soll:  jener  Kolone, 
bez.  Sklave,  soll,  nachdem  er  geschlagen  worden  ist,  dem  Fiskus  zugesprochen 
werden.^ 

y)  Numerarius. 

a)  Wir  geben  den  Provinzialen  die  Befugnis,  dass  alle,  die  sich  beschwert  gehabt  c.  8,  8,  i 
haben  werden,  ihnen  seien  von  den  den  verschiedenen  Rektoren  dienenden 
Numerarii  irgendwelche  Verkäufe  erpresst  worden,  sie  nichtig  und  kraftlos 
machen,  und  dass  das  zu  Unrecht  Verkaufte  in  das  Eigentum  des  Ver- 
käufers zurückkehre,  während  die  unstatthaften  und  verabscheuungswürdigen 
Käufer  sogar  mit  dem  Verluste  des  Kaufpreises  zu  bestrafen  sind. 

S)  Kohortalinus. 

a)  Wir  verordnen,  dass  die  Kohortalinen,  wie  sie  den  selbst  lästigen  oder  ver- 
schiedenen Offizien  ihrer  Militia  zu  Vermögens-  und  persönlichen  Diensten 
verpflichtet  sind,  ihren  Ordines,  welcher  Sekte  sie  auch  angehören  mögen, 
nachgehen,  damit  wir  nicht  den  verabscheuungswerten  Menschen,  die  wir 
durch  die  Autorität  dieses  Gesetzes  verurteilen  w^ollen,  in  schimpflichem 
Bestreben   das  Benefiz   der  Immunität  gewährt  zu  haben  erachtet  werden. 

z)  Curator  viarum. 

a)  AVie  ein  Interdikt,  so  wird  auch  eine  Actio  proponiert,  dass  nicht  Jemand  p.  5,  6, 2 
auf  einem   öffentlichen  Wege   irgend  Jemanden   behindere.     Die  Sorge  für 
diese  Sache  kommt  den  Kuratoren  der  Wege  zu,  von  deren  Instandhaltung 
Niemand  ausgenommen  ist. 


Th. 

1,6 


1)  Vgl.  §  3,  2,  ß  a. 


y)  a)  C.  8,  8,  1.  Dam  US  provincialibus 
facultatem,  ut,  quicunque  sibi  a  numerariis, 
qui  diversis  rectoribus  obsequuntur,  conquesti 
fuerint  aliquas  venditiones  extortas,  irritas 
inanesque  efficiant,  et  male  vendita  ad  ven- 
ditoris  dominium  revertantur,  amissione  etiam 
pretii  illicitis  ac  detestandis  emtoribus  pu- 
niendis. 

0)  a)  N.  Th.  3,  1,  6.  .  .  cohortalinos, 
onerosis  quin  etiam  militiae  seu  diversis  offi- 
ciis  facultatum  et  personalium  munerum  obli- 
gatos  suis  ordinibus,  cuiuscunque  sectae  smt, 
inhaerere  censemus,  ne  videamur  hominibus 
exsecrandis  contumelioso  ambitu  immunita- 
tis  beneficium  praestitisse,  quos  volumus 
huius  constitutionis  auctoritate  damnare, 

s)  a)  P.  5,  6,  2.  Ut  interdictum,  ita  et 
actio  proponitur,  ne  quis  via  publica  aliquem 
prohibeat.  Cuius  rei  sollicitudo  ad  viarum 
curatores  pertinet,  a  quarum  munitione  nemo 
exceptus  est  .  . 


46^ 


724 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


II.  Die  Provinzialen  §  g. 

1)  Schutz  gegen  die  Vermögensverwaltimg  des  Reichs. 

0.10,7,1  a)  Diejenigen,  welche  die  Interessen  oder  den  Nutzen  des  Fiskus  beschützen, 
müssen  nicht  gegenüber  den  Provinzialen  als  Kalumniatoren  sich  erweisen, 
indem  sie  unbilliger  Weise  irgend  etwas  von  ihnen  im  Namen  des  Fiskus 
zurückfordern.-^ 

c.  10,  3, 1  b)  -Ein  Jeder,  der  von  einem  Actor  dominicus,  bez.  Prokurator,  mit  der  Un- 
bill irgendwelchen  Unrechts  verfolgt  gewesen  sein  wird,  wird  sich  wegen 
ihrer  Chikanen,  bez.  Plünderungen,  an  den  Princeps  wenden  müssen.  Wird 
diese  Sache  werden  haben  erwiesen  werden  können,  so  war  man  dahin  einig, 
dass  sie,  die  mit  Bezug  auf  Provinzialen  solches  zu  thun  gewagt  haben,  dem 
Flammentode  überliefert  werden.^ 

2)  Schutz  gegen  Überforderung. 

c.  11, 6, 1  a)  ^ Aus  Superindicticii  tituli  soll  von  den  Provinzialen  nichts  verlangt  werden 
dürfen,  ausser  nur  dasjenige,  wovon  festgestanden  haben  wird,  dass  es  von 
den  Herren  der  Dinge  auferlegt  worden  ist.  Ein  Jeder,  der  irgend  etwas 
überfordern  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  soll  mit  der  Rückgabe  des 
Vierfachen  büssen:  indessen  soll  die  Untersuchung  dessen  auch  für  die  Ordi- 


1)  Vgl.  S.  700  Anm.   1. 

2)  Vgl.  Zweites  Buch  §  8,  4  d. 


1)  a)  C.  10,  7,  1.  Fisci  advocatus,  .  .  ne 
(ve),  nullo  negotio  existente,  fisci  nomine 
privatis  audeat  calumnias  commovere. 

b)  C.  10,  3,  1.  Si  quis  ab  actore  rerum 
privatarum  nostrarum  sive  a  procuratore  fu- 
erit  vexatus,  super  eius  calumniis  vel  deprae- 
dationibus  deferre  querimoniam  non  dubitet. 
Quae  res  quum  fuerit  comprobata,  sancimus, 
ut  idem,  qui  contra  provincialem  quicquam 
moliri  fuerit  ausus,  publice  concremetur  .  . 

2)  a)  C.  11,  6,  1.  Nihil  a  provincialibus 
extraordinaria  patimur  indictione  deposci. 
Caveat  igitur  magnifica  auctoritas  tua,  ne 
praeter  ea,  quae  a  mansuetudine  nostra  pa- 
tuerit  indicta,  tenuiorum  oneret  functionem; 
ut,  si  quis  usurpatoria  temeritate  amplius 
aliquid  fuerit  conatus  exigere,  obnoxius  qua- 
drupli  repetitione  teneatur.  Quae  severitas 
iussionis  ad  ordinariorum  iudicum  officiorum- 
que  terrorem  debebit  excurrere,  ut,  si  eorum 
vel  gratiosa  conniventia  vel  ignobili  dissi- 
mulatione  temeritas  admiserit  curialis,  eos 
quoque  damni  similis  poena  castiget. 


Hi,  qui  fisci  nostri  commoda  vel  utilitatem 
tuentur,  ,  .  ne  provincialibus  calumniatores, 
dum  aliquid  ab  iis  iniuste  fisci  nomine  repe- 
tunt,  approbentur. 

Quicunque  ab  actore  dominico  vel  pro- 
curatore fuerit  alicuius  iniuriae  improbitate 
vexatus,  de  eorum  calumniis  vel  depraeda- 
tionibus  ad  principem  convolare  debebit. 
Quae  res  si  potuerit  approbari,  eos,  qui  circa 
provinciales  talia  facere  ausi  sunt,  placuit 
incendio  concremari  .  . 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  nihil  debere  a 
provincialibus  de  superindicticiis  titulis  peti, 
nisi  ea  tantum,  quae  a  rerum  dominis  in- 
dicta constiterit.  (Et  hoc  iubet,)  ut  quicun- 
que aliquid  superexigendum  crediderit,  qua- 
drupli  redhibitione  componat.  Sed  et  ad 
ordinarios  iudices  hanc  inquisitionem  (iubet) 
excurrere,  ut  etiam,  si  quid  in  provinciis 
eorum  a  quibuscunque  personis  aut  curiali- 
bus  factum  sit,  etiam  eos  similis  damni  poena 
castiget. 


Die  Provinzialen  §  9. 


725 


narii  iudices  derart  auslaufen,  dass,  wenn  etwas  in  ihren  Provinzen  seitens 
irgendwelcher  Personen  oder  Kurialen  geschehen  ist,  auch  sie  die  gleiche 
Ersatzstrafe  trifft.^  Als  Steuereintreiher  sollen  zur  Eintreibung  der  Tribu-  C-  ^i»  *>  ^ 
tariae  functiones  geeignete  Männer  abgesendet  werden,  mit  der  Massgabe, 
dass,  wenn  mit  Bezug  auf  sie  irgend  eine  Anklage  sich  erhoben  haben, 
das  will  sagen,  eine  Querel  niedergelegt  gewesen  sein  wird,  an  ihre  Stelle 
andere  Personen  geschickt  werden  sollen,  damit,  falls  sie  nach  Vornahme 
einer  genauen  Untersuchung  des  Verbrechens  der  Überforderung  zum  Schaden 
der  Provinzialen  werden  haben  überführt  werden  können,  sie  sowohl  einer 
Kapitalstrafe  unterliegen,  als  auch  aus  ihrem  Vermögen  dasjenige,  was  über- 
fordert worden  ist,  zum  Vierfachen  zurückerstattet  werde .''^  Rückstände  von  ^^  m.  2, 1 
Steuern,  die  durch  Benefiz  in  den  Provinzen  erlassen  worden  sind,  sollen 
von  den  Provinzialen,  bez.  den  Possessores  nicht  verlangt  werden.^ 

Durch  Pectores   provinciae   soll    kein    Superindictum    den    Provin-   c.  11, 3, 1 
zialen  geschehen.* 
b)  Der  Pichter  muss   sein  Praetorium  aus    seinem  Eignen  ausrüsten  und  soll  c.  1,  9, 3 
durchaus    nicht    irgend    etwas   weiteres  von  den  Provinzialen  verlangen,  als 
was  ihm  an  Annonae  oder  Cellaria  von  dem  Princeps  zugewiesen  gewesen 
sein  wird.''^ 


1)  Vgl.  §  3,  2  £,  a. 

2)  Vgl.  S.  582  Anm.  2. 

3)  Vgl.  S.  671  Anm.  1. 

4)  Vgl.  S.  691  Anm.  1. 

5)  Vgl.  S.  487  Anm.  4. 


C.  11,  4,  2.  Constituto  tempore  publice 
apud  Karthaginem  in  secretario,  admisso  po- 
pulo,  exactorum  ordinabuntur  idoneae  stre- 
nuaeque  personae.  De  quibus  si  popularis 
accusatio  ulla  processerit,  in  eorum  locum 
alios  par  erit  destinari,  ita  ut  severa  inda- 
gatione,  si  in  concussione  possessorum  depre- 
hensi  fuerint,  illico  et  capitali  periculo  sub- 
iaeeant,  et  direptorum  quadrupli  poena  ex 
eorum  patrimonio  eruatur  .  . 


C.  11,  3,  1.  Nihil  superindictorum  nomine 
ad  solas  praefecturae  literas  quisquam  pro- 
vincialis  exsolvat;  neque  ullius  omnino  in- 
dictionis  titulus,  etiam  solennis,  immineat  .  . 

b)  C.  1,  9,  3.  Det  operam  iudex,  ut  prae- 
torium suum  ipse  componat.  Ceterum  neque 
comiti,  neque  rectori  provinciae  plus  aliquid 
praestabitur,  quam  nos  concessimus  in  anno- 
nis  seu  cellariis. 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  exactores  ad 
exigendas  tributarias  functiones  idoneos  esse 
mittendes,  ita  ut,  si  de  his  populi  accusatio 
ulla  processerit,  id  est  querela  deposita  fu- 
erit,  in  eorum  locum  alii  dirigantur,  ut  ha- 
bita  diligenti  inquisitione,  si  in  dispendia 
provincialium  de  superexactionis  crimine  con- 
vinci  potuerint,  et  capitali  periculo  subia- 
ceant,  et  ex  eorum  facultatibus  in  quadru- 
plum,  quae  sunt  super exacta,  reddantur  .  . 

N.  M.  2,  1.  .  .  ut  per  provincias  relaxa- 
tae  beneficio  principis  tributorum  reliquiae 
non  quaerantur  .  .  a  provincialibus  vel  a 
possessoribus  .  . 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  ut  nulluni  per 
rectores  provinciae  superindictum  provincia- 
libus imponatur  .  . 

ludicem  praetorium  suum  de  proprio  de- 
bere  componere  et  nihil  a  provincialibus 
aliquid  amplius  petere,  quam  ei  in  annonis 
vel  cellariis  a  principe  fuerit  deputatum. 


726 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


c.  4,  11,1  c)  AVird  Jemand  aus  der  Pacht  oder  Eintreibung  der  Zölle  mehr,  als  vor- 
geschrieben gewesen  sein  wird,  einzutreiben  unternommen  haben,  so  dass  er 
unter  dieser  Eintreibung  den  Kaufmann  oder  Provinzialen  zu  bedrücken 
begonnen  haben  wird,  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu  einer  Kapitalstrafe 
zu  verurteilen  ist.^ 
c.  8, 2, 1  d)  Wenn  Jemand  einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung 
des  Erlaubnisscheins,  der  im  öffentlichen  Interesse  gewährt  worden  ist,  sich 
angemasst  haben  wird,  soll  er  auf  Glefahr  des  Kurators  oder  des  Defensors 
und  der  Principales  civitatum  dem  Ordinarius  iudex  überwiesen  werden,  in- 
dem er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Parangariae 
dem  Fiskus  einbringen  soll.  Wird  der  Rector  provinciae  und  sein  Officium 
dabei  einer  Kollusion  sich  haben  schuldig  machen  wollen,  so  mögen  sie 
wissen,  dass  das  Doppelte  aus  ihrem  Vermögen  eingetrieben  werden  muss. 
c.  8, 4, 1  e)  Wenn  öffentliche  Freudenfeste  angekündigt  werden ,  soll  nichts  wider  den 
Willen  der  Provinzialen  als  Glück wunschsgabe  gefordert  werden. 

3)  Schutz  gegen  Unterbeamte  (vgl.  §  2,  d). 

c.  11, 5, 1  a)  Wenn  irgendwelche  Personen  aus  der  Zahl  derjenigen,  welche  den  Provin- 
ciarum  rectores  verbunden  sind  oder  dienen,  bez.  die  in  den  verschiedenen 
Offizien  des  Prinzipats  thätig  sind,  bez.  alle,  welche  anlässlich  eines  öffent- 


1)  Vgl.  §  3,  1  a. 


c)  C.  4.  11,  1.  .  .  vectigalia  .  .  licitatio- 
num  iura  conductionumque  .  .  capitali  sen- 
tentia  subiugando,  quem  plus  aliquid,  quam 
statutum  est,  a  provincialibus  exegisse  con- 
stiterit. 

d)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumserit,  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per  sin- 
gulos  paraveredos  vel  parangarias  fisci  viri- 
bus illaturus.  Qua  in  parte  si  rector  pro- 
vinciae atque  officium  eius  coUudium  prae- 
bere  voluerit,  duplum  ex  suis  bonis  noverit 
exigendum. 

e)  C.  8,  4,  1.  Legem  nostram,  qua  nihil 
ab  invitis  provincialibus  gratulationis  nomine 
exigendum  esse  decrevimus,  volumus  custodiri. 

3)  a)  C.  11,  5,  1.  Si  qui  eorum,  qui  pro- 
vinciarum  rectoribus  obsequuntur,  quique  in 
diversis  agunt  officiis  principatus,  et  qui  sub 
quocunque  praetextu  muneris  publici  possunt 
esse  terribiles,  rusticano  cuipiam  necessitatem 
obsequii,  quasi  mancipio  sui  iuris  imponat, 
aut   servura    eius  vel  forsitan  bovem  in  usus 


Vectigalia  .  .  Ex  qua  conductione  aut 
exactione,  si  quis  plus,  quam  praeceptum  fu- 
erit,  exigere  tentaverit,  ita  ut  mercatorem 
vel  provincialem  sub  hac  exactione  gravare 
coeperit,  periculo  capitis  se  noverit  esse 
damnandum. 


Quando  gaudia  publica  nuntiantur,  nihil 
invitis  provincialibus  gratulationis  nomine 
exigatur. 

Si  quicunque  ex  his,  qui  provinciarum 
rectoribus  coniunguntur  aut  militant,  vel 
qui  agunt  in  diversis  officiis  principatus,  vel 
quicunque  sub  occasione  publici  actus  viden- 
tur  esse  terribiles,  rusticano  alicui  necessi- 
tatem servitii,  velut  sui  iuris  mancipio  im- 
posuerint,    aut   servum  ipsius   aut  bovem  in 


Die  Provinzialen  §  9. 


727 


liehen  Geschäfts  zur  Ausübung  eines  Terrorismus  sich  eignen,  einem 
Bauer  den  Zwang  der  Knechtschaft,  wie  einem  eignen  Sklaven,  auferlegt 
haben  werden,  oder  dessen  Sklaven  oder  sein  Vieh  zu  Nutzen  ihrer  Arbeit 
verwendet  haben,  oder  Xenia  oder  beliebige  Gaben  eintreiben  zu  sollen  ge- 
glaubt, bez.  das  Angebotene  nicht  abgelehnt  haben  werden,  werden  sie  der 
strengsten  Strafe  unterworfen  und  mit  dem  Verlust  ihres  Vermögens  gestraft.^ 
b)  Wir  geben  den  Provinzialen  die  Befugnis,  dass  alle,  die  sich  beschwert  ge-  c.  8,  8,  i 
habt  haben  werden,  ihnen  seien  von  den  den  verschiedenen  Rektoren  dienen- 
den Numerarii  irgendwelche  Verkäufe  erpresst  worden,  sie  nichtig  und 
kraftlos  machen,  und  dass  das  zu  Unrecht  Verkaufte  in  das  Eigentum 
des  Verkäufers  zurückkehre,  während  die  unstatthaften  und  verabscheuungs- 
würdigen  Käufer  sogar  mit  dem  Verluste  des  Kaufpreises  zu  bestrafen  sind. 


1)  Vgl.  S.  584  Anm.  2. 


proprios  necessitatesque  converterit,  sive  xe- 
nia aut  munuscula,  quae  canonica  ex  more 
fecerunt,  extorserit,  vel  sponte  haec,  quae 
improbata  sunt,  oblata  non  refutaverit,  sub- 
latis  Omnibus  facultatibus  ultimo  subiugetur 
exitio  .  .  Eadem  vero  circa  eos  censura  ser- 
vetur,  qui  xenia  aut  munera  deferri  sibi  a 
possessoribus  cogunt  aut  oblata  non  respu- 
unt. 

b)  C.  8,  8,  1.  Damus  provincialibus  facul- 
tatem,  ut,  quicunque  sibi  a  numerariis,  qui 
diversis  rectoribus  obsequuntur,  conquesti 
fuerint  aliquas  venditiones  extortas,  irritas 
inanesque  efficiant,  et  male  vendita  ad  ven- 
ditoris  dominium  revertantur,  amissione  etiam 
pretii  illicitis  ac  detestandis  emtoribus  puni- 
endis. 


sui  operis  utilitatem  transtulerint,  sive  xenia 
aut  quaelibet  munera  crediderint  exigenda, 
vel  si  oblata  non  recusaverint,  ultimo  exitio 
deputantur,  et  rerum  suarum  amissione  dam- 
nantur. 


Drittes  Kapitel.     Die  Gemeinde. 

I.  Der  Defensor  §  lo. 


1)  Wahl. 


c.  1, 10, 1  a)  Diejenigen  sollen  zu  Defensores  civitatum^  eingesetzt  werden,  "^ welche  er- 
sichtlich der  Konsens  der  Bürger  und  die  Unterschrift  Aller  ausgewählt 
hat.2  Wird  erwiesen  werden,  dass  einer  aus  der  Zahl  der  Defensoren 
hierzu  infolge  eignen  Andrangs,  nicht  mittels  Dekrets,  gelangt  ist,  so  soll 
er  gezwungen  werden,  für  diese  Anmassung  dem  Fiskus  fünf  Pfund  Gold 
zu   entrichten.^ 

c.  12, 1,4  b)  Kein  Kuriale,  es  sei  denn  nach  ordnungsmässiger  Verwaltung  aller  Offizien 
der  Kurie,  darf  das  Officium  entweder  eines  Kurators  oder  eines  Defensors 
übernehmen:*  es  sei  denn  dass  er  vorher,  wie  gesagt,  allen  der  Patria  nach 
und  nach  geschuldeten  Munera^  genügt  haben  wird.  Wird  der  Genannte 
gegen  diese  Vorschrift  durch  irgend  ein  Suffragium  oder  unter  irgendwelchem 


1)  Defensoren.  2)  Quos  decretis  elegerint  civitates. 

3)  Vgl.  S.  654  Anm.  3. 

4)  T  spricht  von  Procurationes  und  von  Curae  civitatum. 

5)  T  spricht  von  nach  Alter  und  Verdiensten  geschuldeten  Verpflichtungen. 


1)  a)  C.  1,  10,  1.  Hi  potissimum  consti- 
tuantur  defensores,  quos  decretis  elegerint 
civitates.  Quod  si  quis  ad  locum  defensionis 
ambitione  pervenerit,  confestim  eum  sinceri- 
tas  tua  reiectum  quinque  libras  auri  fisci 
utilitatibus  cogat  inferre. 

b)  C.  12,  1,  4.  NuUus  decurionum  ad 
procurationes  vel  curas  civitatum  accedat, 
nisi  Omnibus  omnino  muneribus  satisfecerit 
patriae  vel  aetate  vel  meritis.  Qui  vero  per 
suffragium  ad  hoc  pervenerit  administrare 
desiderans ,  non  modo  ab  expetito  officio 
repellatur,  sed  epistola  quoque  vel  codicilli 
ab  eo  protinus  auferantur,  et  ad  comitatum 
destinentur. 


Hi  instituantur  civitatum  defensores,  quos 
consensus  civium  et  subscriptio  universorum 
elegisse  cognoscitur.  Quod  si  quis  defenso- 
rum  ad  hanc  rem  cupiditate  propria,  non 
interveniente  decreto,  pervenisse  probabitur, 
pro  hac  praesumtione  quinque  libras  auri 
fisco  inferre  cogatur. 

(Ista  lex  hoc  praecipit,)  nullum  curialem, 
nisi  Omnibus  curiae  officiis  per  ordinem  actis, 
aut  curatoris  aut  defensoris  officium  debere 
suscipere,  nisi  omnibus,  ut  dictum  est,  ante 
muneribus  satisfecerit,  quae  patriae  ordine 
debentur.  Nam  si  praefatus  contra  hanc 
praeceptionem  quolibet  suffragio  aut  sub  quo- 
cunque  obtentu  honoris  se  munire  voluerit,  et 
obtentis  careat  et,  ubi  rerum  domini  fuerint, 
dirigatur. 


Der  Defensor  §  10. 


729 


Vorgeben  eines  Honors  sich  haben  versichern  wollen,  so  soll  er  sowohl  des 
Erzielten  entbehren  als  auch  dahin  verwiesen  werden,  wo  die  Herren  der 
Dinge  gewesen  sein  werden.^ 

2)  Qualifikation. 

a)  Kein  Jude,  kein  Samaritane  soll  das  Officium  eines  Defensors  übernehmen 
können,  damit  nicht  die  Genannten,  die  Feinde  unseres  Gesetzes  sind, 
mittels  unserer  Gesetze  irgendwelche  Personen  entweder  zu  verurteilen  oder 
abzuurteilen  sich  anmassen.^ 

3)  Kompetenz. 

a)  Kriminalgerichtsbarkeit. 

a)  So  oft  wegen  kleiner  Vergehen,  das  will  sagen,  wegen  der  Flucht  eines 
einzigen  Sklaven  oder  wegen  eines  weggenommenen  Stück  Viehs  oder  eines 
okkupierten  Streifen  Landes  oder  Hauses  oder  wegen  eines  Furtum,  eines 
offenbaren,  das  will  sagen,  bei  Verübung  der  That  entdeckten  Diebstahls, 
oder  eines  Diebstahls,  bei  welchem  der  Dieb  davonkommt,  mit  Bezug  auf 
das  Vergehen  eine  Actio  angestrengt  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  die 
Strafe  hierfür  vor  die  Mediocres  iudices,  die  für  die  öffentliche  Ordnung 
sorgen,  das  will  sagen,  entweder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Assertores 


N.  Th. 
;5,  1,  2 


C.  2, 1,  8 
pr. 1  u.  2 


1)  T  sagt,   das3    ihm  Epistola    vel   codicilli    entzogen    werden    und  Übei'weisung  Ad 
comitatum  stattfindet.  2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  22,  1  f. 


2)  a)  N.  Th.  3,  1,  2.  .  .  sancimus  nemi- 
nem ludaeum,  neminem  Samaritam  neutra 
lege  constantem  .  .  defensoris  fungi  saltem 
officio.  Nefas  quippe  credimus,  ut  supernae 
maiestati  et  Romanis  legibus  inimici  cul- 
tores  etiam  nostrarum  legum  surreptivae  iu- 
risdictionis  habeantur  obtentu,  et  acquisitae 
dignitatis  auctoritate  muniti  adversum  Chris- 
tianos  et  ipsos  plerumque  sacrae  religionis 
antistites,  velut  insultantes  fidei  nostrae,  iu- 
dicandi  vel  pronuntiandi  quod  velint  habeant 
potestatem. 

3  a)  a)  C.  2,  1,  8  pr.  1  u.  2.  Causas  plu- 
rimi  instituentes  de  fugaci  servo,  aut  mani- 
festo  furto  aut  non  manifesto,  direpti  etiam 
animalis,  servi,  vel  rei  mobilis  ac  moventis, 
vel  vi  bonorum  raptorum,  parvulae  etiam 
terrae,  finium  et  parvulae  casae,  sub  specie 
criminis  tuum  pulsant  iudicium.  Momenta- 
riae  etiam  possessionis  interdictum,  quod  non 
semper  ad  vim  publicam  pertinet  vel  priva- 
tum, ut  mox  audiri,  interdum  etiam  sine  in- 
scriptione,  mereatur,  abacti  etiam  animalis 
causa  proponitur.  Quum  igitur  de  his  rebus 
parvis  ac  minimis  suae  sit  iniuria  potesta- 
tis  iudicare  .  . 


(Haec  lex  specialiter  iubet,)  ut  nullus  lu- 
daeus,  nullus  Samaritanus  .  .  possit  ,  .  de- 
fensoris officium  uUa  ratione  suscipere,  ,  .  ne 
supra  scripti,  qui  inimici  legis  nostrae  sunt, 
legibus  nostris  aliquos  aut  condemnare  aut 
iudicare  praesumant. 


Quoties  de  parvis  criminibus,  id  est,  unius 
servi  fuga,  aut  sublati  iumenti,  aut  modicae 
terrae  seu  domus  invasae,  vel  certi  furti,  id 
est,  detenti  aut  praeventi,  sub  criminis  no- 
mine actio  fortasse  processerit,  ad  mediocres 
iudices,  qui  publicam  disciplinam  observant, 
id  est,  aut  defensores  aut  assertores  pacis, 
vindictam   eius   rei   decernimus  pertinere  .  . 


730 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  1,  10,  2 


C.  2,  4,  2 


C.  3,  19,  i 

pr. 


C.  3,  17,  4,  4 


C.  3,  17,  3 
pr. 


pacis  gehöre :  -^  die  Defensoren  sollen  keinen  ünscliuldigen  zu  verurteilen  oder 
zu  züchtigen  sich  anniassen.^ 

^)  Kontestation. 

a)  AVir  verordnen,  dass  die  Lis  bei  den  Rektoren  der  Provinz,  bez.  bei  den  Defen- 
soren, oder  bei  Allen,  bei  welchen  Gesta  errichtet  werden,  kontestiert  werde. '^ 

Obervormundschaft. 

a)  Sobald  Jemand  an  die  Tutel  herangetreten  sein  wird,  soll  er  unter  sofortiger 
Zuziehung  der  Primates  civitatis,  bez.  des  Defensors  mit  seinem  Officium,  das 
in  Empfang  genommene  Vermögen  des  Pupillen  unter  Veranstaltung  eines 
Vermögensinventars  zusammenschreiben,  und,  wird  etwas  in  Geld  oder  Silber, 
bez.  was  mit  der  Zeit  nicht  zu  Grunde  gehen  kann,  vorhanden  sein,  mit  den 
Siegeln  der  Genannten  verschlossen  niederlegen.* 

b)  Werden  Personen  gefehlt  haben,  die  nach  dem  Gesetze  zur  Tutel  gelangen 
und  wird  die  Mutter  die  Tutel  nicht  haben  übernehmen  wollen,  dann  wird 
die  Wahl  des  Judex,  bez.  der  Provinzialen  die  Tutoren  den  Minderjährigen 
zuweisen.^     So  oft  es  sich  um  die  Tutel  über  Pupillen  handelt,  müssen  die 


1)  Vgl.  S.  476  Anm.   1. 

2)  T  sagt,    dass    die  Defensoren    sich    nichts    anmassen    und    nur   des  Officium  ihres 
Namens  walten,  keine  Multen  verhängen  und  Quaestiones  ausüben  sollen. 

3)  Vgl.  S.  502  Anm    3. 

4)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  6,  1  a  und  2  a.  5)  Vgl.  S.  184  Anm.  1. 


C.  1,  10,  2.  Defensores  nihil  sibi  insolen- 
ter, nihil  indebitura  vindicantes,  nominis  sui 
tantum  fungantur  officio:  nullas  infligant 
mulctas,  nullas  exerceant  quaestiones  .  . 

(i)  a)  C.  2,  4,  2.  Denuntiari  vel  apud  pro- 
vinciarum  rectores  vel  apud  eos,  quibus  ac- 
torum  conficiendorum  ius  est,  decernimus  .  . 
y)  a)  C.  3,  19,  4  pr.  Tutores  eodem  mo- 
mento,  quo  fuerint  ordinati,  mox  adeant  cog- 
nitores,  ut  praesentibus  primatibus,  defen- 
sore,  officiis  etiam  publicis,  inventario  solen- 
niter  facto ,  omne  aurum  argentumque  et 
quicquid  vetustate  temporis  non  mutatur,  si 
in  pupilli  substantia  reperiatur,  iudicum  ac 
senatorum,  offi.ciorum  etiam  publicorum  in- 
ustum  signaculis,  in  tutissima,  publicae  auc- 
toritate  sententiae,  .  .  custodia  collocetur  .  , 
b)  C.  3,  17,  4,  4.  Quod  si  feminae  tu- 
telas refugerint,  et  praeoptaverint  nuptias, 
neque  quisquam  legitimus  ad  pares  possit 
causas  vocari,  tum  demum  vir  illustris  prae- 
fectus  urbi,  adscito  praetore,  qui  imperti- 
endis  tutoribus  praesidet,  sive  iudices,  qui 
in  provinciis  iura  restituunt,  de  alio  ordine 
per  inquisitionem  dari  minoribus  defensores 
iubebunt. 

C.  3,  17,  3  pr.     Illustris   praefectus   urbis 


Defensores  .  .  nulluni  de  innocentibus  aut 
condemnare  aut  verberare  praesumant. 


Contestari  apud  rectores  provinciae  vel 
defensores  aut  omnes,  apud  quos  gesta  con- 
ficiuntur,  litem  iubemus  .  . 

Mox  ad  tutelam  quis  accesserit,  adhibitis 
continuo  primatibus  civitatis  vel  defensore 
cum  officiis  suo,  suscepta  pupilli  bona  facto 
rerum  conscribat  inventario:  et  si  quid  erit 
in  pecunia  vel  argento,  vel  quae  non  pos- 
sunt  vetustate  pevire,  praedictorum  annulis 
obsignata  reponat  .  . 


De  his  (vero),  qui  cum  lege  veniunt  ad 
tutelam,  .  .  si  defuerint  personae  .  .  et  mater 
tutelam  suscipere  noluerit,  tunc  .  .  electio 
iudicis  vel  provincialium  tutores  minoribus 
deputabit. 


Quoties    de    pupillorum    tutela   tractatur, 


Der  Defensor  §  10. 


731 


Primi  patriae  mit  dem  Judex,  je  nach  den  Lebensaltern  der  Minderjährigen, 
entweder  einen  Tutor  oder  einen  Kurator  auswählen ,  sodass  derjenige, 
welcher  die  Tutel  auf  Grund  einer  solchen  Wahl  übernommen  haben  wnrd, 
sicher  sein  kann.^ 

Polizei. 

a)  In  allen  Provinzen  sollen  im  Interesse  der  Ordnung  ludices  zu  dem  Zwecke    ^-  1,10,3 
eingesetzt   werden,    dass  sie,    nach  Entfernung    des  Schutzes   der  Potentes, 

mit  allem  Eifer  gegen  Angeschuldigte  und  Räuber  die  gebührende  Re- 
medur  eintreten  zu  lassen  nicht  säumen:  damit  nicht  infolge  ihrer  Nach- 
lässigkeit oder  Käuflichkeit  die  Verbrechen,  die  gestraft  werden  müssen,  sich 
mehren. - 

b)  Durch  die  Lex  lulia  ist  verordnet  worden,  dass  ein  jeder  Judex  wegen  öffent- 
licher Gewaltthätigkeit  verurteilt  ward,  der  eine  Person,  es  sei  eine  frei- 
geborene, es  sei  eine,  die  Römischer  Bürger  geworden  ist,  wenn  sie  appel- 
liert, um  vor  das  Angesicht  des  Princeps  geführt  zu  werdeii,  in  öffentliche 
Fesseln    geschlossen    oder    mit    Geissein    geschlagen  haben   wird.     Es    sind 


P.  5,  28, 
1  u.  2 


1)  Vgl.  Privatrecbt,  Zweites  Buch  §  29,  4  b. 

2)  Vgl.  S.  609  Anm.  1. 


adhibitis  decem  viris  e  nnmero  senatus  am- 
plissimi  et  praetore  clarissimo  viro,  qui  tute- 
laribus  cognitionibus  praesidet,  tutores  cura- 
toresve  ex  quolibet  ordine  idoneos  faciat 
retentari.  Et  saue  id  libero  iudicio  expertes- 
que  damni  constituent  iudieantes,  et  si  re- 
gendis  pupillaribus  censibus  singuli  crean- 
dorum  pares  esse  non  possunt,  plures  ad  hoc 
secundum  leges  veteres  conveniet  advocari, 
ut,  quem  coetus  ille  administrandis  negotiis 
pupillorum  dignissimum  iudicarit,  sola  sen- 
tentia  obtineat  praefecturae.  Itaque  hoc 
modo  remoti  a  metu,  qui  consilio  adfuerint, 
permanebunt,  et  parvulis  adultisque  iusta 
defensio  sub  hac  prudentiura  deliberatione 
proveniet. 

0)  a)  C.  1,  10,  3.  Per  omnes  regioncs.  in 
quibus  fera  et  periculi  sui  nescia  latronum 
fervet  insauia ,  probatissimi  quique  atque 
districtissimi  defensores  adsint  disciplinae  et 
quotidianis  actibus  praesint,  qui  non  sinant 
crimina  impunitate  coalescere.  Removeantur 
patrocinia,  quae  favorem  reis  et  auxilium  sce- 
lerosis  impertiendo,  maturari  scelera  fecerunt. 

b)  F.  5,  28,  1  u.  2.  Lege  lulia  de  vi 
publica  damnatur,  qui  aliqua  potestate  prae- 
ditus,  civem  Romanum ,  antea  ad  populum, 
nunc  ad  imperatorem,  appellantem  .  .  in(ve) 
publica  vincula  duci  iusserit .  .  Hac  lege  exci- 
piuntur,  ,  .  qui  ideo  in  carcerem  duci  iuben- 


debent  primi  patriae  cum  iudice,  secundum 
aetates  minorum,  aut  tutorem  aut  curatorem 
eligere,  ut  ille,  qui  susceperit  tutelam  tali 
electione,  possit  esse  securus. 


Per  omnes  provincias  tales  pro  studio  dis- 
ciplinae iudices  ordinentur,  ut  cum  omni  sol- 
licitudine  in  reos  et  latrones,  remotis  poten- 
tum  patrociniis,  districtionem  debitam  exer- 
cere  non  differant:  ne  per  negligentiam  suam 
aut  venalitatem  crimina,  quae  debent  puniri, 
proficiant. 

Lege  lulia  decretum  est,  ut  pro  vio- 
lentia  publica  damnetur,  quicunque  iudex 
appellantem ,  ut  ad  principis  praesentiam 
ducatur,  ingenuum  hominem  vel  civem  Ro- 
manum factum  .  .  in  vinculis  publicis  ad- 
strinxerit  vel  flagellis  ceciderit  .  .  Sed  a  legis 


732 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


indessen  von  der  Strafe  dieses  Gesetzes  befreit  worden,  Personen,  die  über- 
führt werden,  irgend  etwas  gegen  die  öffentliche  Disziplin  verübt  zu  haben  :^ 
c.  1,  10,  2  die  Defensoren  sollen  keinen  Unschuldigen  zu  züchtigen  sich  anmassen.^ 

c.  8,  2, 1  c)  Wenn  Jemand  einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung 
des  Erlaubnisscheins,  der  im  öffentlichen  Interesse  gewährt  worden  ist,  sich 
angemasst  haben  wird,  soll  er  auf  Gefahr  des  Kurators  oder  des  Defensors 
und  der  Principales  civitatum  dem  Ordinarius  iudex  überwiesen  werden, 
indem  er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Paranga- 
riae  dem  Fiskus  einbringen  soll. 

s)  Schutz  der  Kurie, 
c.  1, 10, 2        a)  Die  Defensoren  sollen  ihrem  Namen  gemäss  die  Kurie,  bez.  die  ihnen  an- 
vertraute Plebs  mit  aller  Gerechtigkeit  und   Billigkeit  verteidigen. 

4)  Sonstige  Beamte. 
a)  Curator. 
c.  12, 1,  4  a)  ^  Kein  Kuriale^  es  sei  denn  nach  ordnungsmässiger  Verwaltung  aller  Offizien 
der  Kmie,  darf  das  Officium  entweder  eines  Kurators  oder  eines  Defensors 
übernehmen:  es  sei  denn  dass  er  vorher,  wie  gesagt,  allen  der  Patria  nach 
und  nach  geschuldeten  Munera  genügt  haben  wird.  AVird  der  Genannte 
gegen  diese  Vorschrift  durch  irgend  ein  Suffragium  oder  unter  irgendwelchem 
Vorgeben  eines  Honors  sich  haben  versichern  wollen,  so   soll  er  sow^ohl  des 


1)  Vgl.  S.  579  Anm.  1, 


2)  Vgl.  3  a,  a. 


tur,    quod    .    .    quid  (ve) 
publicam  fecerint  .  . 


contra   disciplinam 


nullas    exer- 


C.  1,  10,  2.     Defensores 
ceant  quaestiones  .  . 

c)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumserit,  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per  sin- 
galos  paraveredos  vel  parangarias  fisci  viri- 
bus illaturus  .  . 

c)  a)  C.  1,  10,  2.  Defensores  .  .  Plebem 
tantum  vel  decuriones  ab  omni  improborum 
insolentia  et  temeritate  tueantur,  et  id  tan- 
tum, quod  esse  dicuntur,   esse  non  desinant. 

4)  a)  C.  12,  1,  4.  Nullus  decurionum  ad 
procurationes  vel  curas  civitatum  accedat, 
nisi  Omnibus  omnino  muneribus  satisfecerit 
patriae  vel  aetate  vel  meritis.  Qui  vero  per 
suffragium  ad  hoc  pervenerit  administrare 
desiderans,  non  modo  ab  expetito  officio 
repellatur,   sed   epistola   quoque  vel  codicilli 


istius  poena  de  aliquibus  praeceptum  est,  .  . 
si  qui  propter  hoc  in  carcerem  rediguntur,  .  . 
si  contra  disciplinam  publicam  commisisse 
aliquid  convincantur  .  . 

Defensores  .  .  nuUum  de  innocentibus  .  . 
verberare  praesumant. 


Defensores  secundum  suura  nomen  curiam 
vel  plebem  sibi  commissam  cum  omni  iustitia 
et  aequitate  defendant  .  . 

(Ista  lex  hoc  praecipit,)  nuUum  curialem, 
nisi  Omnibus  curiae  officiis  per  ordinem  actis, 
aut  curatoris  aut  defensoris  ofj&cium  debere 
suscipere,  nisi  omnibus,  ut  dictum  est,  ante 
muneribus  satisfecerit,  quae  patriae  ordine 
debentur.  Nam  si  praefatus  contra  hanc 
praeceptionem.     cjuolibet    suffragio    aut    sub 


Der  Defensor  §  10. 


33 


Erzielten  entbehren  als  auch  dahin  verwiesen  werden,  wo  die  Herren  der 
Dinge  gewesen  sein  werden.^ 

b)  ^  Viele  massen  sich  an,  für  eine  fiskale  Schuld  Ackerbauknechte  oder  Pflug-    c.  2, 30, 1 
stiere,   aus  deren  Arbeitserträgen  die  Steuern  bezahlt  werden,  behufs  Pfän- 
dung   von    den  Besitztümern    wegzunehmen.     Wird    darum    als    Gläubiger, 

sei  es  der  Curator  pacis  oder  ein  Kuriale  oder  welcher  Exaktor  auch 
immer,  es  zu  thun  sich  angemasst  haben,  so  soll  er  von  dem  Provinciae 
iudex  gestraft  werden.^ 

c)  Wenn  Jemand   einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung   c.  8, 2, 1 
des  Erlaubnisscheins,  der  im  öffentlichen  Interesse  gewährt  worden  ist,  sich 
angemasst   haben  wird,    soll   er    auf  Gefahr    des   Kurators    oder   Defensors 

und  der  Principales  civitatum  dem  Ordinarius  iudex  überwiesen  werden, 
indem  er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Parangariae, 
dem  Fiskus  einbringen  soll. 

ß)  Assertor  pacis. 

a)  So  oft  wegen  kleiner  Vergehen,  das  will  sagen,  wegen  der  Flucht  eines  einzigen 
Sklaven  oder  wegen  eines  weggenommenen  Stück  Viehs  oder  eines  okku- 
pierten Streifen  Landes  oder  Hauses,  oder  wegen  eines  Furtum,  eines  offen- 


C.  2,  1,  8 
pr.  1  u.  2 


1)  T  sagt,  dass  kein  Dekurio  Procurationes,  bez.  Curae  civitatum  übernehmen  dürfe, 
ohne  allen  Munera,  vel  aetate  vel  meritis,  genügt  zu  haben,  und  dass  derjenige,  welcher 
mittels  Suffragium  hierzu  gelangt  ist,  nicht  nur  aus  dem  Officium  verjagt,  sondern  auch 
unter  Verlust  von  Epistola  oder  Codicilli  dem  Komitat  überwiesen  werde. 

2)  Vgl.  S.  520  Anm.  1. 


ab  eo  protinus  auferantur,  et  ad  comitatum 
destinentur. 

b)  C.  2,  30,  1.  Intercessores  a  rectoribus 
provinciarum  dati  ad  exigenda  debita  ea, 
quae  civiliter  poscuntur,  servos  aratores  aut 
boves  aratorios  pignoris  causa  de  possessio- 
nibus  abstrahunt,  ex  quo  tributorum  illatio 
retardatur.  Si  quis  igitur  intercessor  aut 
creditor  vel  praefectus  pacis  vel  decurio  in 
hac  re  fuerit  detectus,  a  rectoribus  provin- 
ciarum capitali  sententiae  subiugetur. 

c)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumpserit,  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per  sin- 
gulos  paraveredos  vel  parangarias  fisci  viri- 
bus illaturus  .  . 

ß)  a)  C.  2,  1,  8  pr.  1  u.  2.  Causas  plurimi 
instituentes  de  fugaci  servo,  aut  manifesto 
furto  aut  non  manifesto,  direpti  etiam  ani- 
malis,  servi,  vel  rei  mobilis  ac  moventis,  vel 


quocunque  obtentu  honoris  se  munire  volu- 
erit,  et  obtentis  careat  et,  ubi  rerum  domini 
fuerint,  dirigatur. 

Multi  pro  fiscali  debito  servos  cultores 
aut  boves  aratorios  de  possessionibus  causa 
pignoris  auferre  praesumunt,  de  quorum  la- 
boribus  tributa  redduntur,  et  ideo  si  quis 
creditor  vel  curator  pacis  vel  curialis  aut 
quicunque  exactor  hoc  facere  praesumserit, 
a  provinciae  iudice  puniatur. 


Quoties  de  parvis  criminibus,  id  est,  unius 
servi  fuga,  aut  sublati  iumenti,  aut  modicae 
terrae,  seu  domus  invasae,  vel  certi  furti,  id 
est,   detenti   aut  praeventi,  sub  criminis  no- 


734 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


baren,  das  will  sagen,  bei  Verübiing  der  That  entdeckten  Diebstahls,  oder  eines 
Diebstahls,  bei  welchem  der  Dieb  davonkommt,  mit  Bezug  auf  das  A^ergehen 
eine  Actio  angestrengt  sein  wird,  verordnen  wir,  dass  die  Strafe  hierfür  vor 
che  Mediocres  iudices,  die  für  die  öffentliche  Ordnung  sorgen,  das  will  sagen, 
entweder  vor  die  Defensoren  oder  vor  die  Assertores  pacis  gehöre.^ 

y)  Tabularii. 
c.  8, 1, 1  a)  Sei  es  dass  in  einer  ganzen  Provinz,  sei  es  dass  in  einzelnen  Civitates 
Tabularii,  das  will  sagen,  Personen,  die  die  öffentlichen  Rechnungen  besorgen, 
eingesetzt  gewesen  sein  werden,  so  sollen  von  den  Provinzen  Freie  eingesetzt 
werden:  Kolonen  oder  Sklaven  sollen  zu  diesem  Officium  unter  keinen  Um- 
ständen zugelassen  werden,  weil  als  Personen,  denen  der  öffentliche  Glauben 
anvertraut  werden  muss,  solche  werden  ausgewählt  werden  müssen,  mit  Be- 
zug auf  welche  eine  Klage  nicht  stattfinden  kann.  ^ 

b)  Exceptor  publicus. 
c.  12, 1,8       a)  Wir  wollen,    dass  munizipale  Gesta  nicht  anders   errichtet  werden,    als  in 
Gegenwart    dreier  Kurialen,    abgesehen    den  Magistrat    und    den    Exceptor 
publicus. 


N.  Mai. 
1,  1,  7 


IL  Die  Kurie  §  ii. 

1)  Qualifikation  für  die  Kuriahtät. 

a)  Nur  den  Kindern  männlichen  Geschlechts  wird  die  Verpflichtung  der  Kurie 
gegenüber,  um  erfüllt  werden  zu  können,  auferlegt.  Die  Töchter  hält  das 
Gesetz  von  der  öftentlichen  Last  fern. 


1)  Vgl.  S.  476  Anm.  1. 

vi  bonorum  raptorum,  parvulae  etiam  terrae, 
finium  et  parvulae  casae,  sub  speeie  criminis 
tuum  pulsant  iudicium.  Momentariae  etiam 
possessionis  interdictum,  quod  non  semper 
ad  vim  publicam  pertinet  vel  privatam,  ut 
mox  audiri,  interdum  etiam  sine  inscriptione, 
mcroatur,  abacti  etiam  animalis  causa  pro- 
ponitur.  Quum  igitur  de  his  rebus  parvis 
ac  minimis  tuae  sit  iniuriapotestatis  iudicare  . . 
y)  a)  C.  8,  1,  1.  Generali  lege  sancimus, 
ut,  sive  solidis  provinciis  sive  singulis  neces- 
sitatibus  necessarii  fuerint  tabularii,  liberi 
homines  ordinentur,  neque  ulli  deinceps  ad 
hoc  officium  patescat  aditus,  qui  sit  obnoxius 
servituti  .  . 


o)  a)  C.  12,  1,  8.  Municipalia  gesta  non 
aliter  fieri  volumus  quam  trium  curialium 
praesentia,  excepto  magistratu  et  exceptore 
publico  .  . 

1)  a)  N.  Mai.  1,  1,  7.     .  .  masculini  sexus 


2)  Vgl.  S.  684  Anm.  2. 

mine  actio  fortasse  processerit,  ad  mediocres 
iudices,  qui  publicam  disciplinam  observant, 
id  est,  aut  defensores  aut  assertores  pacis, 
vindictam    eius  rei  decernimus  pertinere  .  . 


Sive  in  solida  provincia  sive  per  singulas 
civitates  tabularii  fuerint  ordinati,  hoc  est, 
qui  rationes  publicas  tractant,  ingenui  a  pro- 
vincialibus  ordinentur:  coloni  vel  servi  ad 
hoc  officium  nullatenus  admittantur,  quia 
quibus  fides  publica  coramittenda  est,  tales 
eligi  debebunt,  de  quibus  querela  esse  non 
possit  .  . 


masculini  sexus   filios  .  .,  quibus  tan- 


Die  Kurie  §  11. 


735 


b)  Personen,  die  jünger  an  Alter  sind,  als  achtzehn  Jahre,  dürfen  von  irgend-   c.  12,  1, 3 
welchen    Personen    weder   zu   Kurialen    ernannt,    noch    zu  Dienstleistungen 
verwendet  werden,  weil  für  genügend  erachtet  wird,    dass  sie  von  achtzehn 
Jahren   ab   für   den   öffentlichen  Dienst,    wenn  es  nötig  gewesen  sein  wird, 
verwendet  werden.*-  ^ 

c)  Derjenige,  welcher  nachweislich  Yater  von  dreizehn  Kindern  ist,  ist  zu  den    c.  12, 1,  e 
Diensten  der  Kurie  nicht  anzulialten. 

d)  Wir  verordnen,  dass  die  Kurialen  aller  Gemeinden,  wie  sie  den  selbst  lästigen 
oder  verschiedenen  Offizien  ihrer  Militia  zu  Vermögens-  und  persönlichen 
Diensten  verpflichtet  sind,  ihren  Ordines,  welcher  Sekte  sie  auch  angehören 
mögen,  nachgehen,  damit  wir  nicht  den  verabscheuenswerten  Menschen, 
die  wir  durch  die  Autorität  dieses  Gesetzes  verurteilen  wollen,  in  schimpf- 
lichem Bestreben  das  Benefiz  der  Immunität  gewährt  zu  haben  erachtet 
werden.^ 


N.Th. 
3,  1,6 


1)  T  bemerkt  noch,  dass  mit  Eintritt  in  das  18.  Jahr,  falls  Nomen  militiae  zu  inserieren 
sie  nicht  vermocht,  bez.  verabsäumt  haben  werden,  sie  dem  munizipalen  Dienst  hingegeben 
werden  können. 

2)  J  fügt  als  Übergangsbestimmung  hinzu:  ita  ut,  si  qui  infra  hanc  aetatem  ante 
nominati  iam  fuerint,  absolvantur  (T:  volumus,  et  eos  eximi,  qui  infra  eins  aetatis  terminos 
constituti  iam  nominati  sunt,  curialibus  ut  vinculis  absolvantur). 

3)  Vgl.  S.  159  Anm.  4. 


prolem  seu  propinquos  .  .,  qui  utique  curiae 
necessitatibus  obsequantur  .  . 

b)  C.  12,  1,  3.  Quoniam  nonnulli  diver- 
sarum  civitatum  curiales  intemperanter  mi- 
nores, quibus  publica  tutela  debetur,  ad  cu- 
riae consortium  devocarunt,  ut  Septem  vel 
octo  annorum  constitutos  nonnuUos  nominasse 
firmentur,  decernimus,  ut  omnino  nullus  in 
curiam  nominationibus  devocetur,  nee  func- 
tionum  obsequia  subire  cogatur,  nisi  qui  de- 
cimum  et  octavum  annum  aetatis  fuerit  in- 
gressus.  Quod  et  in  futurum  arceri  volumus 
.  .  Quum  enim  decimum  et  octavum  annum 
aetatis  intraverint,  si  militiae  nomen  inserere 
iuxta  legem  datam  non  potuerint  vel  super- 
sederint,   municipali  poterunt  dari  obsequio. 

c)  C.  12,  1,  6.  Qui  pater  sit  tredecim 
liberorum,  (non  modo)  ad  curiam  non  voce- 
tur  .  . 

d)  N.  Th.  3,  1,  6.  .  .  curiales  civitatum 
omnium  .  .  onerosis  quin  etiam  militiae 
seu  diversis  officiis  facultatum  et  perso- 
nalium  munerum  obligatos  suis  ordinibus, 
cuiuscunque  sectae  sint,  inhaerere  censemus, 
ne  videamur  hominibus  exsecrandis  contu- 
melioso  ambitu  immunitatis  beneficium  prae- 


tum  personis  curiae  necessitas  ut  observari 
possit  imponitur,  .  .  filias  (habebit),  quas  lex 
a  necessitate  publica  facit  alienas  .  . 

Minores  decem  et  octo  annorum  aetate 
curiales  nee  nominari  a  quibuscunque  nee  ad 
servicia  applicari  debere:  quia  hoc  lex  suf- 
ficere  credit,  ut  a  decem  et  octo  annis  ne- 
cessitati  publicae,  si  necesse  fuerit,  appli- 
centur  .  . 


(Haec  lex  hoc  praecipit,)  eum,  qui  pater 
probatur  esse  tredecim  filiorum  (,non  solum) 
ad  curiae  servitia  non  tenendum  .   . 


'36 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Mai. 
1,  1,  5 

N.  Mai. 
1,1,6 


N.  Mai. 
1,1 


C.  12,  1,2 


2)  Erwerb  der  Kurialität. 

a)  Mittels  der  Tochter  eines  Kurialen  kann,  wenn  sie  sich  einem  Kurialen 
verbunden  haben  wird,  der  Ordo  erneuert  werden.^  Wenn  eine  Kurialen- 
tochter,  die  ihre  Gemeinde  verlässt,  in  eine  andere  sich  begeben  haben  wird, 
wird  sie,  wenn  sie  einen  Kurialen  zum  Gatten  genommen  haben  wird,  ohne 
Zweifel  derjenigen  Gemeinde,  in  welche  sie  sich  begeben  hat,  Kurialensöhne 
gebären. 

Von  Kurialentöchtern,   die  Kurialen   zu  Gatten  genommen  haben 
werden,  Geborene  sollen  mit  Grund  Kurialen  genannt  werden. 

b)  Wenn  irgend  ein  Kuriale  aus  der  Gemeinde,  in  welcher  er  geboren  ist,  in 
eine  andere  wird  haben  übergehen  wollen,  soll  er  der  der  Kurie  geschul- 
deten Abhängigkeit  unter  keinen  Umständen  ausweichen  können,  auch 
nicht,  wenn  er  durch  Einlegung  einer  Supplikation  es  zu  erzielen  erstrebt 
haben  wird,  noch  um  irgend  eines  Grundes  willen  den  Lasten  oder  Diensten 
seiner  Gemeinde,  um  deswillen,  dass  er  seine  Wohnung  ändern  wollte,  ent- 
gehen können.  Wenn  irgend  Jemand  es  gethan  und  sich  in  eine  andere 
Gemeinde  begeben  haben  wird,  soll  er  beiden  Gemeinden  dienen,  das  will 
sagen,  in  der  einen  um  seines  Geburtsstandes  willen,  in  der  andern  wiegen 
seiner  Absicht,  dort  zu  wohnen,  seine  Dienste  leisten. 


1)  Durch    die    Nachkommenschaft     einer    Kurialentochter     soll    der     Ordo    erneuert 


werden. 


stitisse ,    quos    volumus    huius    constitutionis 
auctoritate  damnare. 

2)  a)  N.  Mai.  1,  1,  5.  .  .  fiham  (iunxerit) 
curialis  .  .  per  eius  (quoque)  progeniem  ordo 
reparandus  est  .  . 

N.  Mai.  1,  1,  6.  Filia  curialis  si  genitalis 
soli  amore  neglecto  in  alia  voluerit  nubere 
civitate,  .  .  illi  urbi,  ad  quam  migraverit, 
curialis  sine  dubitatione  paritura. 


b)  C.  12,  1,  2.  Si  qui  vel  ex  maiore  vel 
ex  minore  civitate  originem  ducit,  si  eandem 
evitare  studens  ad  alienam  se  civitatem  in- 
colatus  occasione  contulerit,  et  super  hoc  vel 
preces  dare  tentaverit  vel  qualibet  fraude 
niti,  ut  originem  propriae  civitatis  eludat, 
duarum  civitatum  decurionatus  onera  susti- 
neat,  in  una  voluntatis,  in  una  originis  gratia. 


Filia  (vero)  curialis  .  .  per  eam,  si  se 
curiali  iunxerit,  ordo  poterit  reparari  .  . 

Filia  (vero)  curialis,  si  .  .  suam  deserens 
ad  aliam  se  contulerit  civitatem,  .  .  ad  illam 
civitatem  sine  dubio,  in  quam  se  transtulit, 
curiales  ülios,  si  curialem  maritum  accejDerit, 
sine  dubio  paritura. 

N.  Mai.  1,  1.  .  .  curialis  filias  .  .  si 
tamen  curiales  maritos  acceperint,  .  .  ex  qui- 
bus  nati  curiales  merito   appellentur  .  . 

Si  quicunque  curialis  de  ea,  in  qua  natus 
est,  civitate  ad  aliam  transire  voluerit,  con- 
ditionem  curiae  debitam  nullatenus  possit 
evadere,  nee  si  hoc  ipsum  mereri  interposita 
supplicatione  tentaverit,  nee  uUo  argumento 
necessitates  aut  servitia  civitatis  suae  pro  eo, 
quod  habitationem  mutare  voluit,  possit  eva- 
dere. Nam  quicunque  hoc  fecerit  et  se  in 
aliam  civitatem  transtulerit,  (hoc  iubet,)  ut  in 
utraque  serviat  civitate,  id  est  in  una  pro 
conditione  nascendi  et  in  alia  pro  habitandi 
voluntate  deserviat. 


Die  Kurie  §  11. 


737 


c)  Wenn  Jemand    die  Tochter  eines  Kurialen  ^  zur  Gattin  empfangen  haben,   c.  12, 1, 7 
und    eben    diese    in    der  Ehe    mit   ihm    gestorben  gewesen  sein  wird,"'^   und 

x\lles,  was  auch  immer  die  Genannte  zu  besitzen  erachtet  wurde,  durch 
testamentarischen  Willen  an  den  Gatten  gelangt  sein  wird,  soll  für  alle 
der  Km'ie  gegenüber  bestehenden  Yer2)flichtungen  jener  Gatte,  welcher  Erbe 
ist,  haften.^ 

d)  ^Wenn  Jemand  legitime  Söhne  nicht  gehabt  und  natürliche  gehabt  haben  n'^i^sJg 
wird  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  wollen,  wird  er  es  nicht  anders 
können,    als   dass    er  sie   zuvor,   unter  Bezeugung   der  Gesta,    dem  Corpus 

der  Kurie  verbinde,  indem  er  so,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  ihnen  das 
ganze  Vermögen,  sei  es  durch  Schenkung,  sei  es  durch  Erbeinsetzung  im 
Testament,  Avird  übertragen  können,  während  die  Quart  dem  Vater  oder  der 
Mutter,  dem  Grossvater,  der  Grossmutter,  denen  die  Actio  de  inofficioso 
testamento  zusteht,  besonders  gewahrt  bleibt.  Dies  darf  Jemand,  er  sei 
Kuriale,  er  sei  von  der  Kurie  frei,  den  natürlichen  Söhnen  in  gleicher 
Weise  übertragen,  mit  der  Massgabe,  dass  er  in  der  Gemeinde,  in  Avelcher, 
bez.    in    deren  Territorium   er  wohnt,    die  natürlichen   Kinder  zu  Kurialen 


Ij  T  fügt  hinzu:  vel  principalis.  2)  T  fügt  hinzu:  nullis  exstantibus  liberis, 

3)  T   fügt  hinzu:   si   ab  omnibus  alienus  officiis  est  et  nullis,  quibus  merito  excusari 
possit,  privilegiis  adiuvatur. 


c)  C.  12,  1,  7.  Si  quis  filiam  decurionis 
vel  principalis  suo  iunctam  consortio  nullis 
exstantibus  liberis  fatali  sorte  perdiderit, 
atque  eins  ultimo  hereditatem  fuerit  adeptus 
arbitrio,  si  ab  omnibus  alienus  officiis  est  et 
nullis,  quibus  merito  excusari  possit,  privi- 
legiis adiuvatur,  eins  mox  civitatis  curiae 
mancipetur,  in  qua  antea,  uxore  vivente,  sine 
rerum  dominio  et  proprietate,  liber,  curiae 
obnoxias  facultates  heres  coeperit  uxoris  pos- 
sidere, 

d)  N.Th.  11,  1,  5 — 9.  Si  quis  (vero)  paren- 
tibus  amissis  naturalem  duntaxat  foecundi- 
tatenj,  non  etiam  legitimam  sortiatur,  seu 
liber  ipse,  seu  curiae  sit  nexibus  obligatus, 
et  tradendi  filios  vel  omnes,  vel  quos  quemve 
maluerit,  eins  civitatis  curiae,  unde  ipse  ori- 
tur,  et  in  solidum  heredes  scribendi  liberam 
ei  concedimus  facultatem.  Parentibus  vero 
superstitibus  si  naturalis  pater  vitae  munus 
impleverit,  quartam  partem  bonorum,  con- 
templatione  gradus  legitimi,  patri  matrive, 
avo  vel  aviae  salvam  intactamque  servamus, 
ut,  si  quis  eorum  vel  praeteritus,  vel  parum, 
quam  ei  debebatur  ex  legibus,  fuerit  conse- 
cutus,  movere  de  inofficioso  testamento  que- 
relam  pro  iuris  ordine  concedatur.  Quos  ex 
hac    nostra   dispositione   nee  laedi  credimus, 

Conrat,  Breviarium. 


Si  quis  filiam  curialis  acceperit  uxorem, 
et  haec  ipsa  in  coniugio  eins  mortua  fuerit, 
et  omnia  ad  maritum ,  quaecunque  supra 
dicta  videbatur  possidere,  testamenti  volun- 
tate  pervenerint,  omnibus  curiae  necessitati- 
bus  maritus  ille,  qui  heres  est,  teneatur  ob- 
noxius. 


Si  quis  .  .  legitimos  filios  non  habuerit, 
et  naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestorum 
testificatione  coniungat,  et  sie,  si  voluerit, 
integras  ad  eos  sive  donatione  sive  testa- 
mento heredes  scribendo  transferre  poterit 
facultates:  quarta  vero  patri  vel  matri,  avo 
aviae,  quibus  de  inofficioso  testamento  actio 
suppetit,  specialiter  servata.  Hoc,  seu  curi- 
alis, seu  liber  a  curia,  naturalibus  flliis  ita 
conferre  legis  istius  ordinatione  permittitur, 
ut  in  ea  civitate,  in  qua  vel  in  cuius  terri- 
torio  habitat,  naturales  filios  constituat  cu- 
riales.  Quod  si,  ut  assolet,  in  duobus  pro- 
vinciis  ei  possessio  vel  habitatio  fuerit,  et 
voluerit    in   civitate   sua   eos  facere  curiales, 

47 


738 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Th. 
11,2 


einsetzt.  Wird  er,  wie  es  zu  geschehen  pflegt,  in  zwei  Provinzen  Besitz  oder 
Wohnung  gehabt  haben  und  in  seiner  Gemeinde  sie  zu  Kurialen  haben  machen 
wollen,  so  soll  der  Yater  die  Befugnis  haben,  welche  Provinz  er  ausgewählt 
haben  wird,  daselbst,  wenn  nur  in  der  Metropolitan  gemeinde,  die  natürlichen 
Söhne  zu  Kurialen  einzusetzen.^  Wird  auch  der  Kuriale  legitime  Söhne 
nicht  gehabt  und  natürliche  gehabt  haben  und  wird  sie  der  Kurie  haben  ver- 
binden und  zu  Erben  einsetzen,  bez.  mittels  Schenkung  ihnen  sein  eigenes 
Vermögen  zuwenden  wollen,  so  soll  er  die  Befugnis  haben,  es  zu  thun. 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  2  i. 


nee  offendi.  Nee  enim  aliquid  ex  eorum  iure 
decoquitur,  quum  nequeant,  ad  quoscunque 
heredes  sorte  transmissa,  quicquam  amplius 
ex  filiorum  suorum  nepotumve  facultatibus 
praeter  raemoratam  defendere  quantitatem. 
Nisi  forte  moleste  ferendum  sit,  natura  sibi 
cohaerentes,  licet  iure  seiuncti  sint,  ahenissi- 
mis  anteferri  rerumque  esse  participes,  quos 
consortes  sanguimis  confitentur.  Quod  si  cui 
non  ex  urbe,  sed  vico  vel  possessione  quali- 
bet  oriundo  naturales  liberi  contigerint,  eos- 
que  velit  sub  definitione  praedicta  et  curiae 
splendore  cohonestare,  et  hereditatis  opibus 
adiuvare,  eius  civitatis  adscribendi  sunt  or- 
dini,  sub  qua  vicus  ille  vel  possessio  cen- 
seatur.  Quod  si  alterutram  regnantium  civi- 
tatem  patriam  sortiatur,  sit  ei  liberum,  sus- 
ceptam  ex  inaequali  coniugio  sobolem  cuius- 
cunque  civitatis  decurionibus  immiscere,  dum- 
modo  civitas,  quae  eligitur,  totius  provinciae 
teneat  principatum.  Indignum  est  enim,  ut, 
qui  sacratissimae  urbis  ubere  gloriatur,  na- 
tales  suos  non  illustris  ordine  civitatis  illu- 
rainet.  Haec  sive  quum  postrema  definiat, 
sive  quum  donationem  cuiuslibet  quantitatis, 
habita  ratione  parentum,  in  liberos  naturales 
pater  conferat,  quod  de  subeunda  sorte  cu- 
riali  seu  testamento  seu  actorum  fide  con- 
stituat,  ita  ratum  esse  stabiliterque  volumus 
observari,  ut,  sive  abstinendo  hereditatibus 
sive  abdicando  donationes  naturales  liberi 
curialem  voluerint  evitare  fortunam,  postea- 
quam  paternarum  opum  vel  in  solidum  vel 
ex  parte  reperti  fuerint  possessores,  licet  eas 
alienaverint,  omni  modo  ad  conditionem,  in 
qua  pater  eos  amplificatis  opibus  esse  voluit, 
etiam  inviti  cogantur  accedere  .  , 


(hoc  lex  ista  permittit,)  ut,  in  qua  provincia 
elegerit,  dummodo  in  metropolitana  civitate, 
instituendi  naturales  filios  curiales  pater  ha- 
beat  potestatem. 


N.  Th.  11,  2.  .  .  Curiahs  etiamsi  legi- 
timos  filios  non  habuerit,  et  habuerit  natu- 
rales, si  voluerit  eos  curiae  lungere,  et  he- 
redes scribere,  vel  donatione  ia  eos  propriam 


Die  Kurie  §  11. 


739 


e)  ^Ein  jeder  Kleriker,  welchen  sein  Bischof  als  eine  Person  von  schlechtem  c.  16,1,5 
Wandel  hefnnden  und  wegen  der  Yerderhtheit  der  Sitten  von  seinem  Grade 
entfernt  hahen  wird,  hez.  der  Kleriker,  der  seihst  aus  freien  Stücken  die 
Profession  des  Kleiikats  aufgegeben  haben  wird,  soll  unverzüglich  von  dem 
Judex  den  Kurialen  angereiht  werden,  mit  der  Massgabe,  dass  letzterer 
ihn,  wenn  jener  hierzu,  sowohl  nach  Geburt,  als  auch  nach  Vermögen,  geeignet 
ist,  anhalten  soll,  unter  den  Kurialen  selbst  sein  Officium  zu  verwalten: 
ist  er  aber  eine  Person  niedrigen  Standes,  so  soll  er  ihn  zu  den  Collegiati 
rechnen,  bez.  nach  Massgabe  seiner  Eignung  öffentlich  Dienste  verrichten 
lassen,  derart,  dass  Personen  dieser  Art  von  den  Kurialen  mittels  irgend- 
welcher Kollusion  unter  keinen  Umständen  entschuldigt  werden  sollen.  Wird 
es  geschehen  gewesen  sein,  so  mögen  die  Kurialen  wissen,  dass  sie  für  die 
einzelnen  Personen  zwei  Pfund  Gold  dem  Fiskus  einzubringen  haben.^ 

3)  Vindikation  des  Kurialen. 

a)  Ein  jeder  Kuriale,  der  ohne  Leistung  der  Dienste,  w^elche  er  schuldete,  von  c.  12, 1,  9 
dem   geschuldeten  Officium   abgewichen   ist,    soll  zu  den  Diensten  der  Ge- 
meinde,  von  der  er  sich  entfernt  hat,   zurückgerufen    werden.     ''^Nur   inner- 


N.  Mai. 
l,l,l,2u.4 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  8,  b. 


e)  C.  16,  1,  5.,  Quemcünque  clericum  in- 
dignum  officio  suo  episcopus  iudicaverit  et 
ab  ecclesiae  ministerio  segregaverit,  aut  si 
qui  professum  sacrae  religionis  obseqiüum 
sponte  dereliquerit,  continuo  eum  curia  sibi 
vindicet,  ut  über  illi  ultra  ad  ecclesiam  re- 
cursus  esse  non  possit,  et  pro  hominum  qua- 
litate  et  quantitate  patrimonii  vel  ordini  suo 
vel  collegio  civitatis  adiungatur:  modo  ut 
quibuscunque  apti  eruntpublicisnecessitatibus 
obligentur,  ita  ut  colludio  quoque  locus  non 
sit.  Per  singulos  igitur  binae  librae  auri  in- 
ferendae  aerario  nostro  a  decemprimis  cu- 
rialibus  exigantur,  si  aliquibus  illicitam  conni- 
ventiam  et  coUudia  foeda  praestiterint,  ho- 
minibusque  improbissimis  ab  Omnibus  officiis 
militiae  aditus  obstruatur. 

3)  a)  C.  12,  1,  9.  Eos  curiales,  qui  non  ex- 
pletis  muneribus  declinarunt  esse,  quod  nati 
sunt,  reddi  urbibus  debita  censura  praeci- 
pimus. 

N.  Mai.  1,  1,  1,  2  u.  4.  .  .  sancimus  .  .,  ut 
praeter  illos,  qui  patrias  suas  aliqua  mune- 
rum  collatione  iuverunt,  ac  propterea  nulla 
ordinibuB  praesumtione  depereunt,  ubicunque 
intra  triginta  abhinc  retro  annos  inventi 
fuerint  curiales,  constrictis  procuratoribus  vel 


conferre    substantiam ,    faciendi    habeat    po- 
testatem  .  . 

Quemcünque  clericum  episcopus  suus  ma- 
lae  vitae  esse  probaverit  et  eum  de  gradu 
suo  pro  morum  pravitate  deiecerit,  vel  si 
ipse  clericus  sua  voluntate  professionem  re- 
liquerit  ciericatus,  continuo  a  iudice  curiali- 
bus  adiungatur,  ut,  si  ita  et  natalibus  et 
facultatibus  est  idoneus,  eum  inter  ipsos 
curiales  officium  suum  implere  compellat. 
Si  auteni  infima  persona  est,  inter  collegiatos 
eum  observare,  vel  ad  quae  aptus  fuerit,  in 
publico  servire  lex  ista  constituit,  ita  ut 
huius  modi  personae  a  curialibus  quolibet 
colludio  nuUatenus  excusentur.  Quod  si  fac- 
tum fuerit,  pro  singulis  personis  curiales 
binas  libras  auri  fisco  a  se  noverint  infe- 
rendas. 


Quicunque  curialis,  non  actis  servitiis, 
quae  debebat,  a  debito  officio  declinavit,  ad 
civitatis,  unde  discessit,  servitia  revocetur. 

(Lex  haec  Maioriani  de  curialibus  quae 
custodienda  sint,  evidenti  observatione  con- 
stituit,) ut  infra  triginta  tantummodo  annos  .  . 
ad  ordinem  suum,  quem  deseruerint,  curiales 
debeant  revocari  .  .  (Itaque  praecepit,)  ut,  si 
curialem   cuiuscunque  possessionis   actor  do- 

47* 


740 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


halb  dreissig  Jahren^  sollen  Kurialen  in  ihren  Ordo,  den  sie  verlassen 
haben  werden,  zurückgerufen  werden.^  ^Wenn  der  Actor  eines  beliebigen 
Besitzes  ohne  Wissen  des  Herrn  einen  Kurialen  aufgenommen  und  nicht, 
nach  Verfluss  eines  Jahres ,  in  die  Gemeinde  der  Kurie ,  der  er  ge- 
schuldet Avird,  wird  haben  zurückrufen  lassen,  soll  er,  wenn  dieser  Actor  ein 
Freier  gewesen  sein  wird,  dem  Collegium  überwiesen,  ein  Sklave  mit 
Knüppeln  geschlagen  werden.  Wird  er  mit  Wissen  des  Herrn  einen 
Kurialen  über  die  Frist  eines  Jahres  zu  behalten  sich  angemasst  und  nicht 
nach  Ablauf  des  Jahres  unverzüglich  seinem  Ordo,  wie  erwähnt  worden 
ist,  zurückgegeben  haben,  so  möge  der  Herr  wissen,  dass  der  Herr  das 
Grundstück,  in  welchem  der  Kuriale  gefunden  gewiesen  sein  wird,  verlieren 
wird.^ 


1)  J  fügt  hinzu  :  sicut  lex  de  omnibus  dudum  lata  testatur,  was  sich  auf  C.  4,  12,  1 
bezieht. 

2)  T  führt  aus,  dass  ausser  denjenigen,  die  ihre  Patriae  durch  irgendwelche  Darbie- 
tung von  Munera  gefordert  haben  und  deswegen  durch  keine  Anmassung  den  Kurien  verloren 
gehen,  die  Kurialen  unter  Verhaftung  der  Procuratores,  bez.  Conductores  praediorum,  und 
unter  Belangung  der  Eigentümer  innerhalb  dreissig  Jahren  mit  ihren  Frauen  zurückgeführt 
werden,  was  den  Grundstückseigentümern  nicht  unerwünscht  sein  müsse,  da  sie  eine  schwerere 
Strafe  hätte  treffen  müssen,  und  dass  sie  ferner  die  Weiber,  mit  denen  sie  in  unerlaubten 
Gemeinschaften  verbunden  sind,  verlieren,  von  welcher  Verordnung  auch  das  kaiserliche 
Haus  nicht  ausgenommen  ist.  Die  Nachkommenschaft  werde  in  der  Weise  geteilt,  dass 
Kinder  männlichen  Geschlechts  dem  Vater,  weiblichen  Geschlechts  dem  Grundstückseigen- 
tümer folgen,  mit  der  Massgabe,  dass  sie,  wenn  die  Mütter  Koloninnen  sind,  der  Kurie,  wenn 
sie  Sklavinnen  sind,  den  Kollegien  überwiesen  werden.  Nach  T  beziehen  sich  diese 
Bestimmungen,  wie  die  S.  777  erwähnten  bezüglich  der  Collegiati,  auf  die  laufenden 
Sachen  (Hoc  de  pendentibus  sanxisse  sufficiat.  In  futurum  vero  haec  observanda  cense- 
mus  .   .). 

3)  Vgl.  S.  577  Anm.  2. 


conductoribus  praediorum,  dominisque  con- 
ventis  ad  urbes,  quas  deseruerant,  cum  uxori- 
bus  reducantur  (quod  ingratum  esse  agrorum 
dominis  non  oportet,  quum  debuerint  poena 
severiore  percelli),  amittant  mulieres,  quas 
illicitis  consortiis  iunctas  esse  noverunt.  A 
quo  constituto  nee  domum  nostrae  serenitatis 
excipimus,  quorum  progeniem  ita  dividendam 
esse  censemus,  ut,  quotquot  fuerint  masculini 
sexus  filii,  patrem  sequantur,  feminis  praedii 
domino  relinquendis:  illa  discretione  servata, 
ut,  si  ex  colonabus  nati  sint,  curiae  inseran- 
tur,  si  ex  ancillis  editi,  collegiis  deputentur, 
ne  materni  sanguinis  vilitate  splendor  or- 
dinis  polluatur  .  .  haec  observanda  censemus, 
ut,  ßi  quis  actor  procuratorve  domino  nesci- 
ente  susceperit  curialem,  aut  non  intra  an- 
num  propriae  restituerit  civitati,  si  ingenuus 
probatur,  collegiis  applicetur,  si  servus  est, 
fnstuario  supplicio  interficiendum  se  esse 
cognoscat.     Quod    si   id   sciente   domino  aut 


mino  nesciente  susceperit,  et  non  transacto 
anno  ad  civitatem  curiae,  cui  debetur,  fecerit 
revocari,  si  ingenuus  fuerit  is  ipse  actor,  in 
collegio  deputetur,  si  servus,  fustibus  ver- 
beretur.  Natn  si  cum  conscientia  domini 
curialem  ultra  anni  spatium  teuere  praesum- 
serit,  et  non  ordini  suo,  sicut  dictum  est, 
post  annum  sine  mora  reddiderit,  noverit, 
ipsum  praedium,  in  quo  inventus  fuerit  cu- 
rialis,  se  dominus  praedii  perditurum. 


Die  Kurie  §  11. 


741 


b)  2  Wenn  die  Tochter  eines  Kurialen  entweder  mit  einem  Sklaven  oder  mit  i^i^u'^^^ 
einem  Actor  oder  einem  Procurator  sich  verbunden  oder  der  Herr  des 
Grundstücks  ihre  Verbindung  gestattet  haben  wird,  und  sie  nicht  nach 
Jahresfrist^  der  Kurie  zurückgegeben  gewesen  sein  wird,  so  ist  jene  unver- 
züglich den  Eltern,  welche  Kurialen  sind,  zur  Nachfolge  in  die  Erbschaft 
zurückzugeben,  weil  mittels  derselben,  wenn  sie  sich  einem  Kurialen  ver- 
bunden   haben    wird,    der  Ordo   v/iederhergestellt   werden  kann.     Derjenige 

aber,  durch  dessen  Contubernium  eine  Kurialentochter  befleckt  gewesen  sein 
wird,  soll,  falls  er  Kolone  ist,  einem  Collegium  überwiesen  werden,  wenn 
er  aber  Sklave  gewesen  sein  wird,  unter  Foltern  sterben." 

c)  Wird  Jemand  einen  Kurialen,  der  sich  verborgen  hat,  unter  irgendwelchem   ^j-  f^^- 
Sachverhalt  eines  Gewinnes  verkauft  haben,  so  möge  derjenige,  welcher  ihn 
vielmehr  hätte  zurückrufen  sollen,  wissen,   dass  er  mit  Kapitalstrafe  zu  be- 
legen ist.^ 

d)  ^iVus  den  Corpora  publica  soll  Niemand  Defensor  ecclesiae  werden.     Wird 
Jemand    aus    der    Kurie    sich    dabei    beruhigt    haben,    Defensor    ecclesiae 


1)  Innerhalb  der  vorgeschriebenen  Frist. 

2)  Vgl.  S.  577  Anm.  3. 


N.V. 
12,  1,  5 


3)  Vgl.  S.  578  Anm.  1. 


volente  factum  esse  doceatur,  et  non  intra 
statuti  temporis  metas,  etiam  cum  ultione, 
correctum,  ipsius  praedii,  in  quo  hoc  admis- 
sum  fuerit,  amissione  mulctetur. 

b)  N.  Mai.  1,  1,  4  u.  5.  .  .  domino  .  .  (Simi- 
liter)  si  servo  suo,  actori  procuratorique  ullus 
filiam  iunxerit  curialis,  aut  certe  iunctam  esse 
permiserit,  et  non  intra  praescripti  temporis 
terminum  natalibus  suis  urbique  reddiderit, 
illa  quidem  curiae  restituenda  revocetur 
(quam  iubemus  ab  intestato  parentibus  aequa 
cum  ceteris  lance  succedere,  quia  per  eius 
quoque  progeniem  ordo  reparandus  est):  ille 
vero,  si  originarius  erit,  qui  sibi  frustra  ac 
temere  mariti  nomen  contra  interdictum  legis 
indiderit,  collegiis  nihilominus  deputetur,  si 
famulus,  servilibus  poenis  peribit. 

c)  N.  Mai.  1,  1,  8.  Hie  etiam  eorum 
nequitia  comprimenda  est,  qui  locum  princi- 
palitatis  indepti  vendunt  defugas  curiales  et 
obnoxios  corporatos,  quum  eos  occulta  de- 
praedatione  concusserint,  quos  utique,  si 
honestatis  memores  patriae  suae  aliquid  af- 
fectionis  impenderent,  revocare  deberent. 
Quod  ne  deinceps  existiment  se  impune  fac- 
turus, quicunque  in  tam  sceleratis  nundinis 
fuerit  quocunque  accusante  convictus,  capi- 
talem  poenam   subibit. 

d)  N.V.  12,  1,  5.  Defensores  ecclesiae  de 
expressis  urbium  ministeriis  non  liceat  ordi- 
nari,  acquiescentes  huic  officio  rerum  suarum 


Filia  (vero)  curialis,  si  aut  servo  aut  ac- 
tori aut  procuratori  sese  coniunxerit,  aut  do- 
minus agri  iunctam  esse  permiserit,  et  non 
post  anni  spatium  curiae  fuerit  restituta,  illa 
quidem  continuo  parentibus  curialibus  in 
hereditatem  successura  reddatur,  quia  per 
eam,  si  se  curiali  iunxerit,  ordo  poterit  re- 
parari.  Ille  vero,  cuius  contubernio  curialis 
filia  fuerit  maculata,  si  colonus  est,  collegio 
deputetur,  si  vero  servus  fuerit,  inter  tor- 
menta  deficiat. 


(Sane)si  quis  curialam  latentem  sub  aliqua 
commodi  intercessione  vendiderit,  qui  eum 
magis  debuit  revocare,  noverit,  se  capitali 
supplicio  puniendum. 


De  corporibus  namque  publicis  nuUum 
fieri  defensorem  ecclesiae,  lex  ista  constituit. 
Quod  si  quis  ex  curia  acquieverit,  ut  fiat  de- 


742 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Th. 
8, 1,  2 


N.  V. 
10,1,7 


ZU  werden,  so  möge  er  wissen,  dass  sein  ganzes  Vermögen  der  Kurie  oder 
demjenigen  Corpus,  aus  dem  er  sich  entfernt  hatte,  einzufügen  und  er  selbst 
zum  Dienst  der  Gemeinde  in  sein  Corpus  zurückzurufen  ist.  Sowohl 
Judex  als  auch  Officium  dieser  Provniz  sind,  falls  sie  sie  nicht  zurück- 
gerufen haben  werden,  schwer  zu  strafen,  indem  sie  ihres  Vermögens  und 
ihrer  Statusprivilegien  entkleidet  werden  und  für  die  Primores  officii  Kapital- 
strafe verordnet  worden  ist,  w^ährend  sie  selbst  um  nichts  w^eniger  von  einem 
solchen  Officium  fernzuhalten  sind,  damit  sie  sich  von  den  gebührenden 
Diensten  für  ihre  Stadt  nicht  entfernen.i 

4)  Endigung  der  Kurialität. 

a)  Keiner,  der  als  Kuriale  geboren  ist,  soll  nach  irgendwelchen  Honores  streben, 
noch  irgendwelche  Dignität  mittels  Supplikation  sich  anzueignen  wagen: 
er  möge  nur  wissen,  dass  er  sich  den  der  Kurie  geschuldeten  Offizien 
unterziehen  solle.^-  ^  Wenn  Kurialen  zur  Advokatur  werden  haben  ge- 
langen oder  irgendwelche  Militia  haben  erhoffen  w^ollen,  sollen  sie  um 
Personen  sich  bemühen,  die  ihre  Obliegenheiten  erfüllen  müssen,  und 
hierfür  Sorge  tragen,  dass  durch  diese  dem  öffentlichen  Wesen  Nichts  ent- 
zogen werden  könne;  denn  sie  mögen  wissen,  dass  jeder  Schaden  sie  selbst 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  10,  c.  2)  Vgl.  S.  666  Anm.  3. 

3)  Eine  Übergangsbestimmung  bei  T(§3):  Sed  ne  providentissime  constituta  quibus- 
dam  praeteritis  semiplena  reliquisse  noscamur,  Ulis  .etiam  curialibus,  qui  iam  senatoriam 
adepti  sunt  dignitatem,  praeturae  munus  remitti  decernimus,  qui  nondum  praetores  sunt 
nominati,  vel  quos  nominatos  nondum  amplissimi  vestri  coetus  sententia  praeturae  muneri 
mancipavit  obnoxios. 


am.issio  comitetur,  quas  curiae  vel  corpori 
suo  praecipimus  applicari.  Si  custodire  haec 
et  exsequi  neglexerint  iudices  competentes, 
facultatibus  suis  et  status  privilegiis  exuan- 
tur,  primoribus  officii  capitali  discrimine  con- 
stituto,  ipsis  nihilominus  a  tali  officio  repel- 
lendis,  ut  ab  urbis  suae  competentibus  obse- 
quiis  nqn  recedant  .  . 

4)  a)  N.  Th.  8,  1,  2.  .  .  decernimus,  nullum 
(posthac)  curialem  senatoriae  sibimet  digni- 
tatis  infulas  usurpare,  nulli  curiali  licentiam 
dari,  clarissimo  se  permiscendi  consortio. 

N.  V.  10,  1,  7.  In  diversis  provinciis  va- 
cuas  curias  derelinquunt,  qui  certatim  ad 
privilegia  causidicis  illustris  praetorianae  se- 
dis  atque  urbanae  delata  festinant:  quum 
meliores  natalibus  suis  effici  volunt,  non  cu- 
rant,  urbes  proprias  spoliatas  ministeriis  et 
officiis  debitis  interire.  Nos  neque  meliora 
desideria  volumus  impedire,  neque  passim 
destitui  civitates.  Quisquis  ergo  ad  hoc  of- 
ficium venire  contendit,  non  ante  sibi  sciat 
esse  permissum,  quam  universa  munia,  quae 
jjatriae   suae   debet,   exsolvat.     Cuius  tarnen 


fensor  ecclesiae,  noverit,  res  suas  omnes  cu- 
riae aut  illi  corpori,  unde  discesserat,  appli- 
candas,  et  se  ad  servitium  civitatis  in  suo 
corpore  revocandum.  Nam  et  iudicem  et 
officium  eius  provinciae,  si  eos  non  revoca- 
verint,  gravi,  sicut  ipsa  lex  loquitur,  dicit 
poena  feriendos. 

(Haec  lex  hoc  praecepit,)  ut  nullus  curi- 
alis  natus  ad  aliquos  honores  adspiret,  nee 
dignitatem  aliquam  supplicando  tentet  assu- 
mere,  nisi  tantum  officia  curiae  debita  se 
noverit  subiturum 

Curiales  (vero)  si  ad  advocationem  venire 
voluerint  aut  aliquam  militiam  sperare,  pro- 
videant  huius  modi  personas,  quae  munia 
ipsorum  debeant  expedire,  provisuri,  ut  nihil 
per  eos  rei  publicae  possit  imminui:  nam  ad 
se  omne  dispendium  noverint  pertinere,  et 
se  ad  locum,  in  quo  alium  substituerant,  re- 
vocandos. 


Die  Kurie  §  11. 


748 


angeht,  und  sie  an  die  Stelle,  wo  sie  einen  Andern  substituiert  hatten,  zu- 
rückzurufen sind.^ 
b)  ^Ein  Kuriale  soll  sich  nicht  anmassen,  Kleriker  zusein.  AVird  ein  Kuriale,  12,1,3 
der,  was  er  geboren  ist,  nicht  sein  will,  haben  Kleriker  sein  wollen  und  ^^^  ^^j- 
in  irgendwelchem  Officium  vor  dem  Diakonat  sich  befunden  haben,  so 
soll  er  ohne  irgendwelchen  Verzug  zu  dem  Ofhcium  in  seiner  Heimat 
zurückgerufen  werden.  Wenn  er  aber  bereits  zum  Diakon  oder  Priester 
oder  selbst  Bischof  ordiniert  gewesen  sein  wird,  soll  er,  sei  es  dass  er  seine 
Munia  erfüllt,  sei  es  dass  er  sie  nicht  erfüllt  haben  wird,  aus  seinem  Ver- 
mögen nichts  zu  veräussern  sich  anmassen.  Wird  er  Kinder  oder  Ver- 
wandte männlichen  Geschlechts  gehabt  haben,  welchen  Personen  ausschliess- 
lich der  Kurienzwang,  um  befolgt  werden  zu  können,  auferlegt  wird,  so  soll 
er,  ihnen  unverzüglich  die  Hälfte  seines  Vermögens  zu  geben,  nicht  säumen, 
die  Hälfte  sich  zum  Niessbrauch  zurückbehalten.  Wird  er  entweder 
Kinder  oder  Verwandte  männlichen  Geschlechts  nicht  gehabt  haben,  sondern 
Töchter  haben,   die   das  Gesetz  von  der  öffenthchen  Last    fern    hält,    dann 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  3,  1  c. 


indulgemus  arbitrio,  ut,  si  ad  togam  properat, 
suffectum  curiae  praestet,  cuius  studio  per- 
ficiat  universa,  quae  per  ipsum  fuerant  pro- 
curanda.  Nee  absolutum  statim  credat  ap- 
positione  subiecti,  quia,  si  inefficax  uUo 
debito  actu  fuerit,  recursum  ad  ipsum  prae- 
bemus  auctorem,  nihilominus  ad  eos  concu- 
riales,  qui  minus  idoneura  susceperunt.  Pro- 
fessurus  igitur  gesta  secum  deferat  apud 
moderatorem  confecta  provinciae,  ut  et  of- 
ficio iudicis  notum  sit,  locum  abseutis,  quae 
persona  susceperit,  quae  possit  pubHcis  ne- 
cessitatibus  sufficiens  dare  responsum:  hac 
Providentia  nihil  negligens  in  totum  potest 
urbibus  evenire. 

b)  N.  V.  12,  1,  3.  .  .  ad  clericale  munus 
accedat,  neque  monachis  et  monasteriis  ag- 
gregetur,  ut  vinculum  debitae  conditionis 
evadat  .  .   curialis  .  . 

N.  Mai.  1,  1,  7.  Et  quoniam  usquequa- 
que  obviandum  est  eorum  dolis,  qui  nolunt 
esse,  quod  nati  sunt,  quicunque  se  sub  nomine 
clericatus  seu  quodam  religionis  obtentu  curi- 
alis . .  fortasse  subtraxerit,  secundum  praece- 
dentium  legum  statuta,  si  intra  diaconatus  gra- 
dum  locatus  probatur,  ad  originem  suam  sine 
dilatione  revocetur,  si  vero  iam  diaconus  aut 
presbyter  aut  episcopus  latae  huius  legis  tem- 
pore reperitur,  sive  adhuc  obnoxius  functioni- 
bus,  sive  muniis  persolutia,  nihil  de  patri- 
monio  suo  alienaturum  se  esse  cognoscat. 
Cui  si  masculini  sexus  prolem  seu  propinquos 


mat 


.  nee   curialis  .  .   clericus    esse    praesu- 


Si  (autem)  curialis  (vel  corporatus),  no- 
lentes  esse,  quod  nati  sunt,  clerici  esse  vo- 
luerint,  et  in  quocunque  officio  ante  diaco- 
natum  fuerint  constituti,  ad  originis  suae 
officium  sine  dilatione  aliqua  revocentur.  Si 
vero  iam  diaconus  aut  presbyter  aut  certe 
episcopus  fuerit  ordinatus,  sive  munia  sua 
solverit,  sive  non  solvent,  de  patrimonio  suo 
nihil  alienare  praesumat.  Qui  si  masculini 
sexus  filios  vel  propinquos  habuerit,  quibus 
tan  tum  personis  curiae  necessitas,  ut  obser- 
vari  possit  imponitur,  illis  statim  medieta- 
tem    de   facultatibus   suis   dare   non  differat, 


744 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  V. 
12,1,5 


N.  Mai. 
1.1,  7 


C.  12,  1,  1 


soll  er  ihnen  sechs  Unzen  seines  Vermögens  übergeben,  wenn  sie  nur 
Kurialen  zu  Gatten  empfangen  haben  werden,  durch  welche  sowohl  ein 
öffentlicher  Zwang  wahrgenommen  werden  kann,  als  auch  deren  Nach- 
kommenschaft mit  Grund  Kurialen  genannt  werden.  Werden  sie  mit 
Kurialen  nicht  vermählt  gewesen  sein,  so  wird  das  Vermögen  des  genannten 
Kurialen  dem  Ordo  seiner  Gemeinde  zukommen.  Diakonen,  die  es  aus 
den  Kurialen  geworden  sind,  sollen  statt  ihrer  behufs  Betreibung  dessen,  was 
dem  öffentlichen  Nutzen  geschuldet  wird,  Ersatzmänner  geben  müssen. 
Werden  sie  sie  nicht  gegeben  haben,  so  sollen  sie  selbst  in  die  geschuldete 
Lage  zurückgerufen  werden.  Bischöfe  und  Presbyter  werden  durch  diese 
Vorschrift  nicht  beschränkt,  es  sei  denn  lediglich,  dass  sie  mit  Bezug  auf 
ihr  Vermögen  dasjenige,  was  verordnet  worden  ist,  offensichtlich  in  Acht 
nehmen  sollen.  Wenn  einer  aus  der  Zahl  derjenigen,  von  denen  wir  oben 
gesagt  haben,  dass  sie,  ohne  dass  sie  ihr  Honor  entschuldigt,  zu  ihrem 
Ordo,  bez.  in  ihre  Heimat,  zurückgerufen  werden  müssen,  in  den  Bereich 
der  Kirche  geflüchtet  sein  wird,  soll  der  Archidiakon  angehalten  werden, 
ihn  präsentieren  zu  müssen.^ 
c)  Kein  Judex   soll  die  dem  Kurialen  ungeschuldete  Enthebung  gewähren  oder 


1)  Vgl.  Viertes  Buch,  §  1  b. 


esse  contigerit,  quiutiquecuriae  necessitatibus 
obsequantur,  mox  medietatem  omnium  facul- 
tatum  eis  tradere  non  desistat,  sibi  ad  usum- 
fructum  sex  residuas  uncias  retentaturus:  si 
defuerit  sexus  virilis,  easdem  in  filiabus  sine 
dubio  servaturas,  si  tarnen  curialium  connu- 
biis  copulentur.  Qui  si  in  totum  fortasse 
defuerint,  ad  ordinem  urbis  suae  praedictum 
Patrimonium  pertinebit. 


N.  V.  12,  1,5.  .  .  Hi  (autem),  qui  intra 
decennium  transactum  a  die  latae  huius 
legis  diaconi  ordinati  sunt,  suffectos  pro  se 
dare  debebunt.  Si  non  habent,  unde  sibi 
hac  ratione  prospiciant,  ipsi  ad  nexum  pro- 
prium reducantur;  ceteris  inferioris  gradus 
ad  competentia  ministeria  retrahendis,  ex- 
ceptis  episcopis  atque  presbyteris,  servatis 
tarnen,  quae  de  patrimonio  talium  persona- 
rum  legum  praecedentium  statuta  sanxerunt. 

N.  Mai.  1,  1,  7.  .  .  Si  qua  sane  huius 
modi  persona  originis  suae  vinculis  obligata 
ex  his,  quos  ad  ordines  iubemus  reduci,  sub 
divini  ministerii  occasione  intra  ecclesiam  se 
crediderit  occulendam,  eam  constrictus  archi- 
diaconus  repraesentet. 

c)  C.  12,  1,  1.  Nemo  iudex  civilium  mu- 
nerum  vacationem  cuiquam  praestare  curiali 


medietatem  sibi  ad  usumfructum  retineat. 
Quod  si  aut  filios  aut  propinquos  virilis  dun- 
taxat  sexus  non  habuerit,  sed  filias  habebit, 
quas  lex  a  necessitate  publica  facit  alienas, 
tunc  eis  sex  bonorum  suorum  tradet,  si  tarnen 
curiales  maritos  acceperint,  per  quos  et  ne- 
cessitas  publica  possit  impleri,  et  ex  quibus 
nati  curiales  merito  appellantur.  Quod  si 
curialibus  non  fuerint  copulatae,  curialis 
praedicti  Patrimonium  ad  civitatis  suae  or- 
diem  pertinebit. 

.  .  Diaconis,  qui  ex  curialibus  .  .  facti 
sunt,  (praecepit),  ut  pro  se  ad  agenda,  quae 
utilitati  publicae  debentur,  suffectos  dare  de- 
beant.  Quod  si  non  dederint,  ipsi  ad  con- 
ditionem  debitam  revocentur.  Nam  episcopos 
atque  presbyteros  non  iubet  hac  lege  con- 
stringi,  nisi  tantum,  ut  de  patrimoniis  suis, 
quae  sunt  Maioriani  lege  constituta,  evidenter 
observent. 

Si  quis  (vero)  de  his,  quos  superius  dixi- 
mus  sine  excusatione  honoris  debere  ad  suum 
ordinem  vel  originem  revocari,  ad  ecclesiae 
septa  confugerit,  archidiaconus  teneatur,  ut 
eum  debeat  praesentare. 

Nullus  iudex  vacationem  indebitam  tri- 
buat  curiali,  nee  eum  de   suo  officio  studeat 


Die  Kurie  §  11. 


745 


ihn  von  seinem  Officium  zu  entbinden  sich  bemiihen:  ist  das  Vermögen  irgend 
eines  Kurialen  derart  klein  und  erschöpft,  dass  ihm  der  Zwang  der  öffent- 
lichen Last  nicht  anvertraut  werden  kann,  so  ist  zur  Kognition  an  den 
Princeps  zu  berichten.  Alle  diejenigen,  welche,  indem  sie  den  der  Kurie  c.  3,  i,  8 
oder  ihrer  Patria  geschuldeten  Diensten  zu  entgehen  suchen,  ihr  Gut  im 
Verborgenen  werden  haben  verkaufen  wollen,  mögen  wissen,  dass  dasjenige, 
was  sie  gethan  haben  werden,  nicht  giltig  sein  könne,  sie  selbst  zu  den 
geschuldeten  Diensten  zurückzurufen  seien,  und  die  Käufer  den  Preis  ver- 
lieren werden.-^ 

d)  Derjenige,   welcher  nachweislich  Vater   von  dreizehn  Kindern  ist,   ist  nicht   c.  12, 1,  q 
nur   nicht    zu    den  Diensten   der  Kurie   anzuhalten,    sondern  auch,    falls  er 
Kiu'iale  ist,  mit  der  ehrenvollsten  Ruhe  zu  bedenken. 

e)  Man  war  dahin  einig,  dass  alle  Kalunmiatoren  mit  Relegation  in  das  Exil,   p.  5, 4,  n 
oder  auf  eine  Insel,  oder  mit  Verlust  des   Ordo  gestraft  werden.     Werden   p.  5, 30, 1 
Pedanei    iudices    bei    der  Befassung    mit    der   Sache    bestochen    und    über- 
führt   gewesen  sein,   gegen  die  Gerechtigkeit  geurteilt  zu  haben,  so  werden 

sie   von    dem  Judex   provinciae   entweder  aus  der  Kurie    entfernt   oder  ins 

Exil    geschickt   oder    auf    Zeit   relegiert.^      Diejenigen,    welche    bei    Nacht   p.  5, 22, 1 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch,  §  18,  2  y,  d. 


2)  Vffl.  S.  581  Anm.  2. 


eonetur,  vel  aliquem  suo  aibitrio  de  curia 
liberet.  Nam  si  quis  fuerit  eius  modi  infor- 
tunio  depravatus,  ut  debeat  sublevari,  de  eius 
nomine  ad  nostram  scientiam  referri  oportet, 
ut  certo  temporis  spatio  civilium  munerum 
ei  vacatio  porrigatur. 

C.  3,  1,  8.  Hi,  qui  imposita  fuga  munera 
civitatis  provinciarumque  destituunt  et  in- 
eundos  furtim  existimant  esse  contractus,  in- 
telligant,  sibi  nihil  haec  profutura  esse  com- 
menta,  et  pretio  emtorem  mulctandum  esse, 
quod  dederit. 

d)  C.  12,  1,  6.  Qui  pater  sit  tredeciui  li- 
berorum,  non  modo  ad  curiam  non  vocetur, 
verum  etiam,  si  sit  decurio,  honoratissima 
quiete  donetur. 

e)  P.  5,  4,  11.  .  .  omnes  (enim)  calum- 
niatores  exsilii  vel  insulae  relegatione  aut 
ordinis  amissione  puniri  placuit. 

P.  5,  30,  1.  Iudices  pedanei,  si  pecunia 
corrupti  dicantur,  plerumque  a  praeside  aut 
curia  submoventur  aut  in  exsilium  mittuntur 
aut  ad  tempus  relegantur. 

P.  5,  22,  1.  Qui  noctu  fructiferas  arbores 
manu  facta  cecid«!rint,  ad  tempus  plerumque 
in  opus  publicum  damnantur  aut  honestiores 
damnum  sarcire  coguntur  vel  curia  submo- 
ventur vel  relegantur. 


liberare.  Nam  si  ita  tenuis  cuiuscunque  cu- 
rialis  et  exhausta  facultas  est,  ut  ei  publici 
oneris  necessitas  non  credatur,  ad  principis 
iussit  referri  notitiam. 


Quicunque  debita  curiae  servitia  aut  pa- 
triae suae  fugientes,  res  suas  occulte  vendere 
voluerint,  sciant  non  posse  valere,  quod  fe- 
cerint,  et  se  ipsos  ad  debita  servitia  revocan- 
dos,  et  illos,  qui  emerint,  pretium  perdituros. 

(Haec  lex  hoc  praecipit,)  eum,  qui  pater 
probatur  esse  tredecim  filiorum,  non  solum 
ad  curiae  servitia  non  tenendum,  verum  etiam, 
si  curialis  sit,  honoratissima  quiete  donan- 
dum. 


Si  pedanei  iudices  .  .  in  audientia  causae 
corrupti  contra  iustitiam  iudicasse  convicti 
fuerint,  a  iudice  provinciae  aut  curia  sub- 
moventur aut  ni  exsilium  mittuntur  aut  ad 
tempus  relegantur. 


746 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


P.  5,  17,  5 


C.  9,  15,  1 
pr. 


C.  3,  1,  8 


N.  Mai. 
1,1,9 


fruchttragende  Bäume  unter  Anwendung  von  Gewalt  gefällt  haben  werden, 
werden  zumeist  auf  Zeit  zu  öffentlicher  Arbeit  verurteilt  oder,  falls  es 
Personen  von  besserem  Stande  sind,  gezwungen,  den  Schaden  zu  ersetzen, 
bez.  aus  der  Kurie  entfernt  oder  relegiert.  Diejenigen,  welche  falsche  oder 
widersprechende  Zeugnisse  abgelegt  oder  ihr  Zeugnis  beiden  Parteien  verraten 
haben,  werden  entweder  in  das  Exil  getrieben  oder  auf  eine  Insel  relegiert 
oder  aus  der  Kurie  entfernt.  Wenn  ein  Kuriale  den  Willen  eines  Ster- 
benden oder  eine  beliebige  öffentliche  Urkunde  geschrieben  haben  und  der 
Fälschung  überführt  wird,  wird  er  nicht  aus  der  Kurie  gestossen,  sondern 
der  Dignität  der  Kurie  beraubt  werden,  das  will  sagen,  dass  er  nicht 
Honoratus  sein  kann.^ 

5)  Sonderrecht  der  Kurialen. 

a)  Privatrechtliche  Beschränkungen. 

a)  Alle  diejenigen,  welche,  indem  sie  den  der  Kurie  oder  ihrer  Patria  ge- 
schuldeten Diensten  zu  entgehen  suchen,  ihr  Gut  im  Verborgenen  werden 
haben  verkaufen  wollen,  mögen  wissen,  dass  dasjenige,  w^as  sie  gethan 
haben  werden,  nicht  giltig  sein  könne,  sie  selbst  zu  den  geschuldeten  Diensten 
zurückzurufen  seien,  und  die  Käufer  den  Preis  einbüssen  werden.^ 

b)  ^Die  Kurialen  werden  geheissen,  städtische  oder  ländliche  Grundstücke 
ohne  die  Einlegung  eines  Dekrets  nicht  zu  verkaufen,  es  sei  denn,  dass  den 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  5,  1  .?,  b. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  18,  2  y,  d. 


P.  5,  17,  6.  Qui  falso  vel  varie  testimo- 
nia  dixerunt  vel  utrique  parti  prodiderunt, 
aut  in  exsilium  aguntur,  aut  in  insulain  re- 
legantur,  aut  curia  submoventur. 

C.  9,  15,  Ipr.  Si  quis  decurio  testamentum 
vel  codicillos  aut  aliquara  deficientis  scripse- 
rit  voluntatem ,  vel  conscribendis  publicis 
privatisque  instrumentis  praebuerit  officium, 
si  falsi  quaestio  moveatur,  .  .  non  statim  de- 
sinit  esse  decurio,  qui  in  huius  modi  facto 
fuerit  deprehensus.  Quantum  enim  ad  mu- 
nicipales  pertinet  necessitates,  decurio  per- 
manet;  quantum  ad  rem  gestam  et  veritatem 
reserandam,  uti  decurionatus  honore  non  po- 
terit. 

6  a)  a)  C.  3,  1,  8.  Hi,  qui  imposita  fuga 
munera  civitatis  provinciarumque  destituunt 
et  ineundos  furtim  existimant  esse  con- 
tractus,  intelligant,  sibi  nihil  haec  profutura 
esse  commenta,  et  pretio  emtorem  mulctan- 
dum  esse,  quod  dederit. 

b)  N.  Mai.  1,  1,  9.  Praedia  vel  urbana  vel 
rustica  nunquam  sine  interpositione  decreti 
curialis  alienet.  Quod  ne  forte  provincialis 
iudex   facile   aut   gratificanter   indule-eat,  ad 


Si  quis  curialis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
(et)  de  falsitate  .  .  si  convincitur,  a  curia 
non  expelletur,  sed  curiae  dignitate  priva- 
bitur,  id  est  ut  honoratus  esse  non  possit. 


Quicunque  debita  curiae  servitia  aut  pa- 
triae suae  fugientes,  res  sua  occulte  vendere 
voluerint,  sciant  non  posse  valere,  quod  fe- 
cerint,  et  se  ipsos  ad  debita  servitia  revo- 
candos,  et  illos,  qui  emerint,  pretium  per- 
dituros, 

lubentur  (etiam)  curiales,  ut  praedia  ur- 
bana vel  rustica  sine  decreti  interpositione 
non  vendant,  nisi  potestatibus  referatur,  quia 
vendandi  arcta  necessitas  imminet  curiali .  . 


Die  Kurie  S  11. 


747 


Potestates  berichtet  werde,  dass  eine  harte  Notwendigkeit  den  Kurialen 
znni  Verkaufe  drängt.  Die  Einlegung  eines  Dekrets  soll  dami  nicht  erfordert 
Averden,  sondern  lediglich  sollen  seine  Mitkurialen,  denen  seine  Not  nicht 
wird  verborgen  sein  können,  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen,  und  keinerlei 
Chikane  soll  dem  Käufer  mit  Bezug  auf  die  gekaufte  Sache  entgegen- 
gehalten werden ,  sondern  der  Käufer  die  erworbene  Sache  zu  ewigem 
Rechte  besitzen.  Derart  indessen,  dass,  wenn  der  Verkäufer  erwiesen  haben 
wird,  durch  irgendwelche  Täuschung  bei  Intervention  seiner  Mitkurialen, 
die  als  Unterzeichner  einzutreten  geheissen  werden,  betrogen  gewesen  zu 
sein,  der  Verkäufer,  zum  Nachteil  sowohl  des  Käufers  als  auch  des  Unter- 
zeichners, schadlos  gehalten  werden  soll.  Sklaven  ohne  Dekret  zu  veräussern, 
wird  er  freie  Befugnis  haben,  wenn  nur  fünf  Priores  curiae  als  Zeugen 
bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen.^ 

aa)   Während  den  Kurialen  bis  heute  nicht  gestattet  war,  ohne  Einlegung 
eines  Dekrets  ihre  Sachen  zu  verkaufen  oder  dem  Corpus  der  Kurie  zu 


N.  V. 
10,  1,6 


N.  Mai. 
1,1,9 


N.  Val. 
10,  1,  6 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  2,  3  d. 


emincntium  praefectorum  sub  relatione  noti- 
tiam  dirigatur,  quibus  solis  aestimare  per- 
mittimus,  utrum  iueluctabilis  necessitas  ven- 
ditorem  faciat  curialem.  Aliter  contractus 
super  his  rebus  initi  non  valebunt  .  . 

N.  V.  10,  1,  6.  .  .  quum  praedia  sua  dis- 
trahunt  curiales,  primores  etiam  curiae,  qui 
vendendi  necessitatem  ignorare  non  possunt, 
in  coUegae  venditionem  subscribant.  Hoc 
ordine  omnis  causatio  sopietur,  nee  emtor 
his  auctoribus  quicquam  de  resolutione  for- 
midat,  nee  venditor  potest  sub  tali  assertione 
fraudari.  Quem  si  deceptum  oppressumve 
claruerit,  ab  ipsis  etiam  subscriptoribus  reddi 
iubemus  indemnem,  ut  utilitati  eins  cum  em- 
tore  improbo  pariter  addicantur. 

N.  Mai.  1,  1,  9.  .  ,  In  mancipio  tantum- 
modo  distrahendo  non  est  decreti  quaerenda 
solennitas,  si  quinque  primorum  curiae  sub- 
scriptio   atque  consensio  adiecta  monstretur. 

aa)  N,  Val.  10,  1,  6.  Si  quis  curiali  venditori 
aliqua  laboranti  necessitate  subvenit,  quum 
modo  ab  exactore  fiscalium  functionum,  modo 
a  creditoribus  urgeretur,  et  sine  cautela  ven- 
didit,  quam  premente  iniuria  quaerere  non 
vacabat,  ne  diutius  suspendiis,  squalore  cu- 
stodiae,  sportulae  concussione,  usuris  in  ma- 
iorem  cumulum  crescentibus  vexaretur,  cur 
non  maneat  venditio,  quae  praestitit  obnoxium 
a  dispendiis  et  suppliciis  liberari?  Alii  de- 
stituta  atque  inculta  propterea  vendiderunt, 
quia    ieiuni   cespitis   onerosam    professionem 


.  .  Nee  interpositio  decreti  quaeratur,  sed 
tantum  concuriales  sui,  quos  necessitas  eius 
poterit  non  latere,  in  ea  venditione  subscri- 
bant, et  nihil  emtori  de  emta  re  calumniae 
penitus  opponatur,  sed  rem  comparatam  emtor 
perpetuo  iure  possideat.  Ita  tamen,  ut  si 
forsitan  se  aliqua  fraude,  intercedentibus 
concurialibus  suis,  qui  subscriptores  iubentur 
accedere,  venditor  se  probaverit  fuisse  de- 
ceptum, tam  emtoris  quam  subscriptoris  dis- 
pendio  venditor  reddatur  indemnis. 

.  .  Mancipia  (autem)  distrahendi  sine  de- 
creto  habebit  liberam  potestatem,  dummodo 
quinque  priores  curiae  testes  in  ea  vendi- 
tione subscribant. 

Curiales  (etiam),  quibus  hucusque  sine 
decreti  interpositione  res  suas  vendere  aut 
alienare  a  corpore  curiae  non  licebat,  si  certa 
fuerint  necessitate  constricti,  ut  debitum, 
quod  pro  utilitate  publica  contraxit,  dum 
creditorum  poenas  metuit,  supplere  festinet, 
quicquid  sub  tali  necessitate  vendiderit,  omni 
firmitate  subsistat  .  . 


7-48 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  10,  2,  1 


N.Th.4,1, 
1—4 


entfremden,  soll,  wenn  sie  durch  eine  offenbare  Notwendigkeit  dazu 
gedrängt  gewesen  sein  werden,  eine  im  öffentlichen  Interesse  ein- 
gegangene Schuld,  aus  Furcht  vor  den  Strafen  der  Gläubiger,  schleu- 
nigst abzustossen,  was  auch  immer  unter  einem  solchen  Zwange  ver- 
kauft sein  wird,  in  aller  Festigkeit  bestehen.^ 

c)  Allen  Kurialen  soll  die  Befugnis  versagt  werden,  Acker  und  Wälder  einer 
E-espublica  zu  pachten,  indem  dieses  im  Besondern  zu  beachten  ist,  dass 
kein  Kuriale.  sei  es  auch  von  fremden  Gemeinden.  Acker  und  die  genannten 
Ortlichkeiten  in  irgendwelche  Pacht  übernehmen  solle,  damit  er  nicht  aus 
diesem  xVnlass  die  der  Kurie  geschuldeten  Dienste  nicht  ausrichte. 

d)  2  Keiner  aus  der  Zahl  der  Kurialen  soll  bei  einem  fiskalen  oder  privaten 
Grundstück  als  Pächter  eintreten,  noch  für  irgendwelchen  Pächter  als  Bürge 
auftreten.  Wird  Jemand  einen  Kurialen  in  seinem  Grundstück  als  Pächter 
aufgenommen  oder  für  einen  andern  Pächter  einen  Kurialen  als  Bürgen 
angenommen  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  seine  Actio  in  allen  Hinsichten 
hinfällig  ist:  denn  auch  das  Grundstück  selbst,  welches  für  den  Kurialen 
aus  der  Hand  des  Grundbesitzers  gepachtet  worden  ist,  soll  konfisziert 
werden,  der  Kuriale  aber  unter  den  genannten  Bedingungen  nicht  haften, 
mag  er  auch  eine  Cautio  ausgestellt  haben. "^ 


1)  Ygl.  S.  194  Anm.  1. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  18,  3  .3,  b. 


iion  poterant  sustinere.  Iniquum  est,  tarn 
iustis  praecedentibus  causis  coufectae  vendi- 
tioni  ob  hoc  solum,  quia  decreti  interpositio 
defuit,  adimi  firmitatem.  Statuo  itaque  a 
tempore,  quo  Italiam  Alaricus  intravit,  nul- 
lam  moveri  quaestionem  his,  quae  curiales 
taliter  de  facultatibus  propriis  vendiderunt  .  . 

c)  C.  10,  2,  1.  Curialibus  omnibus  con- 
ducendorum  rei  publicae  praedioruui  ac  sal- 
tuum  inhibeatur  facultas:  illo  etiam  obser- 
vando,  ne  quis  curialium  vel  de  extraneis 
civitatibus  fundos  aut  loca  huius  modi  con- 
ductione  suscipiat. 

d)  N.  Th.  4.  1,  1—4.  Curiales  ne  ad 
procurationem  rerum  alienarum  accederent, 
cauturn  est  providentissima  sanctione,  cuius 
in  fraudem  conducendi  eos  sibimet  usurpare 
licentiam,  sublimitatis  tuae  suggestione  com- 
perimus.  Quos  licet  pristinae  legis  laqueis 
irretiri  cernamus  (conductionem  namque 
speciem  esse  procurationis,  certissimum  est), 
attamen  ne  sub  fraudis  suae  velamine  legis 
lateant  contemtores,  neve  eis  fucata  suae  cal- 
liditatis  excusatio  relinquatur,  hac  perpetuo 
lege  valitura  sancimus,  conducendi  quoque 
fundos  alienos  licentiam  curialibus  amputari, 


Omnibus  curialibus  conducendorum  rei 
publicae  agrorum  ac  saltuum  licentia  dene- 
getur:  illo  specialiter  observando,  ut  nuUus 
curialis  vel  de  extraneis  civitatibus  agros  ac 
loca  supra  scripta  sub  qualibet  conductione 
suscipiat,  ne  sub  hac  occasione  servitia  cu- 
riae  debita  non  impendat. 

Nullus  curialium  in  fiscali  vel  in  privato 
agro  conductor  accedat,  nee  pro  aliquo  con- 
ductore  fideiussor  exsistat.  Quod  si  quis  cu- 
rialem  in  agro  suo  susceperit  conductorem 
aut  pro  alio  conductore  fideiussorem  acce- 
perit  curialem,  actione m  suam  noverit  in 
Omnibus  vacuari.  Nam  et  ager  ipse,  qui  a 
possessore  curiali  conductus  est,  fisci  viribus 
vindicetur.  Curialis  vero  pro  supra  scriptis 
conditionibus ,  etiamsi  cautionem  emiserit, 
non  teneatur. 


Die  Kurie  §  11. 


749 


Kurialen  werden  durchaus  uicht  gehindert,  ein  Testament  zu  machen,  und  ^^J^^J'^' 
zwar  derart,  dass  sie  den  legitimen  Kindern,  wenn  sie  gewollt  haben  werden, 
ihr  ganzes  Vermögen  ohne  irgendwelche  Einschränkung  hinterlassen  dürfen. 
Werden  dagegen  legitime  Kinder  gefehlt  haben,  so  sollen  sie  einen  Jeden, 
auch  einen  der  Kurie  Fremden,  zum  Erben  einsetzen  dürfen,  jedoch  derart, 
dass  ehi  Erbe,  welcher  der  Kurie  keinen  Dienst  schuldet,  ein  Viertel  der 
empfangenen  Erbschaft  der  Kurie  ohne  irgendwelche  Verkürzung  unverzüg- 
lich erstatten  solle.  Wird  derjenige,  welcher  als  Erbe  eingesetzt  worden 
ist,  die  ganze  Erbschaft  haben  besitzen  AvoUen,  so  soll  er  für  jene  Quart,  die 
der  Kurie  überwiesen  wird,  den  Schätzungswert  in  Geld  zu  geben,  nicht 
säumen.  Grundstücke,  Häuser,  bez.  alles  dasjenige,  was  nicht  verborgen 
bleiben    kann,    sollen    durch    gemeinsame    Schätzung    veranschlagt    werden. 


locatas  res  fisci  viribus  vindicari.  Conductor 
itaque  locatori  vel  contra  locator  conductori 
contra  hanc  legem  nulla  tenebitur  actione. 
Nullum  enim  pactum,  nullam  conventionem, 
nuUum  contractum  inter  eos  videri  volumus 
subsecutum,  qui  contrahunt  lege  contraliere 
prohibente.  Qiiod  ad  omnes  etiam  legum 
interpretationes,  tarn  veteres  quam  novellas, 
trahi  generaliter  imperamus,  ut  legislatori, 
quod  fieri  non  vult,  tantum  prohibuisse  suf- 
ficiat,  cetera  quasi  expressa  ex  legis  liceat 
voluntate  colligere :  hoc  est,  ut  ea,  quae  lege 
fieri  prohibentur,  si  fuerint  facta,  non  solum 
inutilia,  sed  pro  infectis  etiam  habeaiitur, 
licet  legislator  fieri  prohibuerit  tantum,  nee 
specialiter  dixerit,  inutile  debere  esse,  quod 
factum  est.  Sed  et  si  quid  fuerit  subsecutum 
ex  eo  vel  ob  id,  quod  interdicente  factum  est 
lege,  illud  quoque  cassum  atque  inutile  esse 
praecipimus.  Sed  quo  omnis  fraudis  semen 
per  hanc  legem  curialibus  radicitus  ampute- 
tur,  nee  fidem  suam  pro  conductoribus  fun- 
dorum  interponere  concedimus  curiales.  Cur 
enim  conductio  prohibetur,  si  conductionis 
periculum  vel  sollicitudo  permittitur?  Secun- 
dum  praedictam  itaque  regulam  quam  ubique 
servari,  factum  lege  prohibente,  censuimus, 
certum  est,  nee  stipulationem  eins  modi  te- 
uere, nee  mandatum  ullius  esse  momenti, 
nee  sacramentum  admitti,  nee  actionem  quo- 
libet  pacto  adversus  eum  fideiussorem  com- 
petere  locatori  .  . 

e)  N.  Th.  11,2,  1 — 10.  Meminimus  quippe, 
nuper  emissa  lege  divali  portionem  quartam 
de  facultatibus  curialium  fati  munus  implen- 
tium  ex  qualibet  novissima  voluntate,  vel  ab 
intestato  etiam,  ad  quemcunque,  praeterquam 
si  ad  filios,  deferantur,  curiarum  deputasse 
corporibus.    Sed  multi,  tanquam  corrumpendi 


(Lege  hac)  curiales  minime  prohibentur 
testamentum  facere,  sed  ita  ut  legitimis  filiis, 
si  voluerint,  facultates  suas  integras  sine 
imminutione  aliqua  derelinquant.  Ceterum  si 
filii  legitimi  defuerint,  quemlibet  etiam  ex- 
traneum  a  curia  scribere  permittantur  here- 
dem,    sed    ita    ut    heres,     qui     conditionem 


■50 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


Hingegen  soll  mit  Bezug  auf  Praesidium  oder  alles  dasjenige,  was  verborgen 
gehalten  werden  kann,  der  eingesetzte  Erbe  der  Kurie  Eide  leisten,  dass 
er  in  Treuen  den  Preis  entrichten  werde.  Wird  er  es  nicht  gewollt  haben, 
so  soll  nach  Vorlegung  von  Allem  drei  Teile  der  Erbe  und  den  vierten 
Teil  die  Kurie  in  Anspruch  nehmen.  Dagegen  soll  mit  Bezug  auf  Kau- 
tionen, die  dem  testierenden  Kurialen  geschuldet  werden,  in  gleicher  AVeise, 
ebenfalls  unter  Teilung  dessen,  was  nachweislich  der  testierende  Curialis 
geschuldet  hat,  ohne  Verzug  drei  Teile  der  Erbe  und  den  vierten  die  Kurie 
den  Gläubigern  zahlen.  Abreden,  die  zwischen  dem  Erben  und  der  Kurie 
wegen  Teilung  der  Erbschaft  getroffen  gewesen  sein  werden,  sollen  giltig 
bleiben.  Hingegen  sollen  Söhne,  Enkel  und  Urenkel,  die  den  Grossvätern 
und  ürgrossvätern  im  männlichen  Grade  gefolgt  sein  werden,  mögen  sie 
eingesetzte  Erben  sein  oder  Ab  intestato  folgen,  sei  es  Kurialen,  sei  es  von 
der  Kurie  freie  Personen,    von    der   ihnen  geschuldeten  oder  hinterlassenen 


totius  patrimonii  occasione  captata,  unius- 
cuiusque  rei  sibi  particulam  vindicando  adeo 
totas  dilacerant  facultates,  ut,  dum  partici- 
pibus  relictarum  opuni  nocere  cupiant,  sua 
quoque  iura  praecipitent.  Quorum  nimiam 
Hcentiam  provida  dispositione  frenantes,  ipsis 
quidem  curialibus  occupandi  sua  auctoritate 
res  mortui  copiam  denegamus,  optlonem  vero 
damus  heredi,  ad  quem  vel  ab  intestato  vel 
ex  postrema  voluntate  directis  vel  fideicom- 
missariis  verbis  decurrit  hereditas,  utrum 
aestimationem  quartae  partis  curiae  veht  of- 
ferre,  an  omne  Patrimonium,  quod  reHctum 
est,  in  partes  quatuor  pro  sua  voluntate  di- 
videre,  ut,  rebus  totis  in  sortitum  casum que 
deductis,  vel  curiae  quadrantis  vel  heredi  ac 
fideicommissario  per  universitatem  dodrantis 
eiectio  ex  sortis  conditione  contingat.  Ita 
scilicet  et  praefati  successores  et  curia  pro- 
miscui  rerum  dominii  liberabuntur  incom- 
modo.  Naturale  quippe  vitium  est,  negligi, 
quod  communiter  possidetur  utque  so  nihil 
habere,  qui  non.  totum  habeat,  arbitretur. 
Denique  suam  quoque  partem  corrumpi  pa- 
titur,  dum  invidet  alienae.  Sed  ubi  quarta 
pars  bonorum  mortui  curiae  debet  offerri, 
immobiles  quidem  res,  quae  nee  latere  facile 
possunt,  nee  quicquam,  si  divulgentur,  offi- 
ciunt,  sub  adspectu  etiam  curialium  aesti- 
mari  dividive  concedimus:  mobiles  autem  res 
vel  se  moventes,  vel  instrumenta,  vel  si  quid 
etiam  in  huius  modi  iure  consistat,  in  me- 
dium proferri  divulgarique  non  patimur,  sed 
iuratis  successoribus,  quum  apud  se  diligenter 
a.estimaverint,  quae  quantique  sint  pretii  fa- 
cultates, credi  oportere  decernimus.  Quid 
enim    tam    durum    tamque   inhumanum    est. 


curiae  nullam  debet,  quartam  hereditatis  ac- 
ceptae  curiae  sine  aliqua  imminutione  mox 
refundat.  Quod  si  is,  qui  heres  scriptus  est, 
integram  hereditatem  habere  voluerit,  pro 
quarta  illa,  quae  curiae  deputatur,  pretium, 
quantum  valuerit,  dare  non  differat.  Agri, 
domus,  vel  quicquid  latere  non  potest,  com- 
muni  aestimatione  taxentur.  De  praesidio 
vero,  aut  quicquid  latere  potest,  heres  scri- 
ptus curiae  praebeat  sacramenta,  secundum 
fidem  pretium  soluturus.  Quod  si  noluerit, 
prolatis  omnibus,  tres  partes  heres  et  quar- 
tam curia  vindicabit.  De  cautionibus  vero, 
quae  testatori  curiali  debentur,  simili  ratione 
divisis  etiam,  quae  testator  curialis  debuisse 
convincitur,  tres  partes  heres  et  quartam  cu- 
ria creditoribus  sine  dilatione  dissolvat. 
Pactiones,  quae  inter  heredem  et  curiam  de 
hereditatis  divisione  factae  fuerint,  firmae 
permaneant.  Filii  vero,  nepotes  et  prone- 
potes,  qui  avis  et  proavis  per  virilem  gra- 
dum  successerint,  seu  scripti  heredes  sint, 
seu  ab  intestato  succedant,  sive  curiales  sint, 
sive  a  curia  liberi,  de  hereditate  sibi  debita 
vel  dimissa  quartam  partem  curiae  nomine 
penitus  non  amittant.  Filia  etiam  curialis. 
neptis,  proneptis,  si  curiali  ipsius  civitatis 
in  matrimonio  iuncta  fuerit,  avo,  proavo  in- 
testatis  in  integra  hereditate  succedit.  Et 
si  testatus  fuerit  et  has  personas  relinquat 
heredes,  quartam  portionem  curiae  refundere 
non  coguntur.  Quod  si  filia,  neptis  aut  pro- 
neptis a  patre,  avo  vel  proavo  vel  in  minore 
aetate  vel  viduae  relinquantur  heredes,  postea- 
quam  ad  annos  pubertatis  accesserint,  trien- 
nio  exspectentur,  ut,  si  curiali  eius  civitatis 
nupserint,    integram    hereditatem,    sicut    eis 


Die  Kurie  §  11. 


751 


Erbscbcift  den  vierten  Teil  zu  Gunsten  der  Kurie  durchaus  nicht  verheren. 
Auch  die  Kurialentochter.  —  Enkehn,  —  UrenkeHn,  die  einem  Kurialen  dieser 
Gemenide  in  der  Ehe  sich  verbunden  gehabt  haben  wird,  folgt  dem  Gross- 
vater, ürgrossvater,  welche  kein  Testament  gemacht  haben,  in  die  ganze 
Erbschaft.  Wird  er  testiert  gehabt  haben  und  hinterlässt  diese  Personen 
zu  Erben,  so  werden  sie  nicht  gezwungen,  den  vierten  Teil  der  Kurie  zu 
erstatten.  Werden  Tochter,  Enkelin  oder  Urenkelin  von  dem  Vater,  Gross- 
vater oder  Urgrossvater,  sei  es  minderjährigen  Alters,  sei  es  im  Witwen- 
stande, als  Erben  hinterlassen,  so  soll,  nachdem  sie  zu  den  Jahren 
der  Mündigkeit  gelangt  sein  werden,  während  eines  Zeitraums  von  drei 
Jahren  abgewartet  werden,  damit  sie,  wenn  sie  einen  Kurialen  dieser  Ge- 
meinde geheiratet  haben  w'erden,  die  ganze  Erbschaft,  wie  sie  ihnen  ent- 
weder geschuldet  oder  hinterlassen  worden  ist,  ohne  n'gendwelche  Beschrän- 
kung besitzen  sollen.  Werden  sie  jedoch  Jemanden  geheii'atet  haben,  der 
der  Kurie  nichts  schuldet,  so  sollen  sie  der  Kurie  den  vierten  Teil  der 
Erbschaft  von  dem  Tage  des  Todes  ihres  Auetors,  mit  Früchten,  ohne  irgend- 


quam  publicatione  pompaque  rerum  famili- 
arium  et  paupertatis  detegi  vilitatera,  et  in- 
vidiae  patere  divitias?  In  exigendis  vero 
debitis  si  pretium,  quod  pro  quarta  parte 
actionum  curiae  competit,  successores  prae- 
stare  noluerint,  cautionibus  iurata  fide  pro- 
latis  in  medium  unusquisque  a  debitoribus 
convenientem  sibi  exigat  portionem:  eque 
diverso  aes  alienum,  si  cui  defunctus  fuerat 
obligatus,  tarn  iidem  successores,  quam  curia 
pro  sua  Sorte  restituere  compellantur.  Quod 
si  saepe  dicti  successores  sacramentum  sibi 
crediderint  excusandum,  tum  vero,  ad  simili- 
tudinem  rerum  imraobilium,  diligentior  cu- 
rialibus  omnium  rerum  indago  praebebitur: 
sciUcet  ut  universis  mortui  facultatibus  in 
aperto  propositis,  vel  aestimatio  rerum  vel 
divisio,  prout  successores  elegerint,  sub  prae- 
sentia  curialium  celebretur.  In  omnibus 
autem  casibus,  ubi  quarta  pars  curiae  com- 
petit, transactiones  interpositas  firmas  illi- 
batasque  manere  decernimus.  Ad  filiorum 
vero  numerum,  ad  quos  integras  opes  venire 
censuimus,  filium,  nepotem,  pronepotem,  pa- 
trem,  avum  et  proavum,  ad  virilis  sexus  par- 
tis  imminutione  decrescant.  Filiam  quin 
etiam,  neptem  proneptemve  principali  eius- 
dem  civitatis,  unde  pater,  avus  vel  proavus 
oriuntur,  nuptam  rerum  vel  ab  intestato  vel 
ex  dispositione  voluntatis  ultimae  quaesita- 
rum  integrum  nullaque  parte  minutum  di- 
midium  habere  sancimus,  Quod  si  post  pa- 
rentum  obitum  inveniantur  innuptae  vel  vi- 
duae,  impuberibus  quidem  post  transactam 
pubertatem,   in   aliis   vero,   quae  pubertatem 


vel  debita  est  vel  dimissa,  sine  aliqua  immi- 
nutione possideant.  Si  vero  ei  nupserint, 
qui  curiae  nihil  debebat,  quartam  partem 
hereditatis  a  die  mortis  auctoris  curiae  cum 
fructibus  sine  aliqua  dissimulatione  restituant. 
Et  si  sine  maritis  voluerint  perdurare,  quar- 
tam similiter  curiae  cum  fructibus  reddant. 
Quod  si  rem  relictam  a  parentibus  tenere 
maluerint,  sacramento  praebito  de  quanti- 
tate  hereditatis  quartam  partem  curiae  in 
pretio  mox  refundant.  Matri  quoque  vel 
aviae,  si  tamen  curiales  maritos  habuerint, 
quartam  portionem  hereditatis  defuncti  filii 
vel  nepotis,  quae  eis  acquisita  est,  lex  ista 
a  curia  non  iubet  auferri.  Nam  si  quis  cu- 
rialis  quemlibet  extraneum  et  tarnen  curia- 
lem  scribat  heredem,  et  ipse  quartam,  quia 
portio  curiae  ipsius  est,  non  refundat. 


752 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  5,  2,  1 

N.  Mai. 
1,1,7 


Avelclie  Hinterzieliung  erstatten.  Auch  wenn  sie  ohne  Gatten  werden  haben 
bleiben  wollen,  sollen  sie  gleichfalls  den  vierten  Teil  der  Kurie  mit  Früchten 
gewähren.  Werden  sie  vorgezogen  haben,  die  von  den  Eltern  hinterlassene 
Sache  innezuhaben,  so  sollen  sie  unter  Eidesleistung  mit  Bezug  auf  die 
Grösse  der  Erbschaft  den  vierten  Teil  der  Kurie  in  Wert  unverzüglich 
erstatten.  Auch  der  Mutter  oder  Grossmutter,  falls  sie  nur  Kurialen  zu 
Ehegatten  gehabt  haben  werden,  wird  der  vierte  Teil  der  Erbschaft  des 
verstorbenen  Sohnes  oder  Enkels,  der  ihnen  erworben  worden  ist,  von  der 
Kurie  nicht  w^eggenommen.  Setzt  ein  Kuriale  einen  beliebigen  Fremden, 
der  indessen  Kuriale  ist,  zum  Erben  ein,  so  soll  auch  dieser  den  vierten 
Teil,  weil  die  Portion  der  Kurie  zukommt,  nicht  erstatten. 

Die  Kurialen  haben  die  Befugnis,  ein  Testament  zu  machen. 

f)  Wenn  ein  Kuriale  bereits  zum  Diakon  oder  Priester  oder  selbst  Bischof 
ordiniert  gewesen  sein  wird,  soll  er,  sei  es  dass  er  seine  Munia  erfüllt, 
sei  es  dass  er  sie  nicht  erfüllt  haben  wird,  aus  seinem  Vermögen 
nichts  zu  veräussern  sich  anmassen.  Wird  er  Kinder  oder  Ver- 
wandte männlichen  Geschlechts  gehabt  haben,  so  soll  er,  ihnen  unver- 
züglich die  Hälfte  seines  Vermögens  zu  geben,  nicht  säumen,  die  Hälfte 
sich    zum    Niessbrauch    zurückbehalten.      Wird    er    entweder    Kinder    oder 


excesserint,  vel  etiam  in  vicluis  post  mortem 
parentis  triennium  duntaxat  volumus  exspec- 
tari,  ut  interim  quarta  portio  suspensa  vel 
apud  eam,  si  in  matrimonio  curialis  eiusdem 
civitatis  fuerit  collocata,  perpetuo  iure  per- 
maneat,  vel  si  intra  id  temporis  alienum 
eadem  curia  sortiatur  maritum ,  penitusvc 
nupta  non  fuerit,  memorata  pars  curiae  cum 
triennii  tam  urbanorum  quam  rusticorum 
praediorum  duntaxat  fructibus  addicatur;  ita 
tamen,  ut  et  optionis  conditio  in  offerendis 
rebus  quartae  partis  sive  eius  pretio,  et  sa- 
cramenti  tam  de  quantitate  quam  de  aesti- 
matione  rerum  mobilium  deque  actionibus 
inferendis  excipiendisve,  sicut  in  extraneis 
personis  dictum  est,  ratio  conservetur,  ceteris 
videlicet,  quae  super  hac  re  prolata  consti- 
tutio  continet,  firmiter  duraturis.  Sed  et  si 
mater  mortui  vel  avia  tempore,  quo  filius 
neposve  moritur,  in  coniugio  curialis  inventa 
fuerit,  ne  ipsas  quidem  patimur  quartae  por- 
tionis  subire  iacturam.  Extraneum  quin  etiam 
heredem,  propinquitatis  quidem  iure  discre- 
tum,  curiae  tamen  eiusdem  civitatis  obnoxium 
supra  dictae  portionis  dispendio  liberamus. 


f)  N.  Mai.  1,  1,  7.  .  .  curialis  .  .,  si  (vero) 
iam  diaconus  aut  presbyter  aut  episcopus 
. .  reperitur,  sive  adhuc  obnoxius  functionibus, 


C.  5,  2,  1.  .  .  testamentum  faciendi  cu- 
rialibus  lex  ista  tribuit  potestatem. 

Si  (autem)  curialis  .  .  iam  diaconus  aut 
presbyter  aut  certe  episcopus  fuerit  ordina- 
tu8,   sive   munia   sua   solverit,   sive   non   sol- 


Die  Kurie  §  11. 


753 


N.  Mai. 
1,1,6 


Verwandte  männlichen  Geschlechts  nicht  gehabt  haben,  sondern  Töchter 
haben,  dann  soll  er  ihnen  sechs  Unzen  seines  Vermögeris  übergeben,  wenn 
sie  nur  Kurialen  zu  Gatten  empfangen  haben  werden.  Wenn  eine  Kurialen- 
tochter  einen  Kurialen  ihrer  Gemeinde  nicht  zum  Gatten  wird  haben  nehmen 
wollen  und  unter  Verlassung  der  ihrigen  in  eine  andere  Gemeinde  sich  begeben 
haben  wird,  soll  sie  gezwungen  werden,  das  Viertel  ihres  Anteils  dem  Ordo 
ihrer  Kurie,  welchen  sie  im  Stich  gelassen  hat,  aus  ihrem  Vermögen  beizu- 
tragen. 

ß)  Privatrechtliche  Bevorrechtung. 

a)   ^Wenn  Jemand  legitime  Söhne  nicht  ejehabt  und  natürhche  erehabt  haben,,  ^-P- 

...  11»  1,  O  U 

wird  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  w^ollen,  wird  er  es  nicht  anders 
können,  als  dass  er  sie  zuvor,  unter  Bezeugung  der  Gesta,  dem  Corpus  der 
Kurie  verbinde,  indem  er  so,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  ihnen  das  ganze 
Vermögen,  sei  es  durch  Schenkung,  sei  es  durch  Erbeinsetzung  im  Testament, 
wird  übertragen  können,  während  die  Quart  dem  Vater  oder  der  Mutter, 
dem  Grossvater,  der  Grossmutter,  denen  die  Actio  de  inofficioso  testamento 
zusteht,  besonders  gewahrt  bleibt.  Dies  darf  Jemand,  er  sei  Kuriale,  er  sei 
von  der  Km-ie  frei,   den  natürlichen  Söhnen  in  gleicher  Weise  übertragen. 


sive  muniis  persolutis,  nihil  de  patrimonio 
suo  alienaturum  se  esse  cognoscat.  Cui  si 
masculini  sexus  prolem  seu  propinquos  esse 
contigerit,  .  .  mox  medietatem  omnium  facul- 
tatum  eis  tradere  non  desistat,  sibi  ad  usum- 
fructum  sex  residuas  uncias  retentaturus :  si 
defuerit  sexus  virilis,  easdem  in  filiabus  sine 
dubio  servaturus,  si  tarnen  curialium  connu- 
biis  copulentur  .  . 

N.  Mai.  1,  1,  6.  Filia  curialis  si  genitalis 
soli  amore  neglecto  in  alia  voluerit  nubere 
civitate,  quartam  mox  omnium  facultatum 
suarum  ordini  conferat,  a  quo  se  alienare 
desiderat  .  . 

ß)  a)  N.  Th.  11,  1,  5  u.  6.  Si  quis  (vero)  pa- 
rentibus  amissis  naturalem  duntaxat  foecun- 
ditatem,  non  etiam  legitiraam  sortiatur,  seu 
liber  ipse,  seu  curiae  sit  nexibus  obligatus, 
et  tradendi  filios  vel  omnes,  vel  quos  quemve 
maluerit,  eins  civitatis  curiae,  unde  ipse  ori- 
tur,  et  in  solidum  heredes  scribendi  liberam 
ei  concedimus  facultatem.  Parentibus  vero 
superstitibus  si  naturalis  pater  vitae  munus 
impleverit,  quartam  partem  bonorum,  con- 
templatione  gradus  legitimi,  patri  matrive, 
avo  vel  aviae  salvam  intactamque  servamus, 
ut,  si  quis  eorum  vel  praeteritus,  vel  parum, 
quam  ei  debebatur  ex  legibus,  fuerit  conse- 
cutus,  movere  de  inofficioso  testamento  que- 
relam  pro  iuris  ordine  concedatur  .  . 

C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


verit,  de  patrimonio  suo  nihil  alienare  prae- 
sumat.  Qui  si  masculini  sexus  filios  vel 
propinquos  habuerit,  .  .  illis  statim  medie- 
tatem de  facultatibus  suis  dare  non  diffe- 
rat,  medietatem  sibi  ad  usumfructum 
retineat.  Quod  si  aut  filios  aut  propinquos 
virilis  duntaxat  sexus  non  habuerit,  sed  filias 
habebit,  .  .  tunc  eis  sex  uncias  bonorum  su- 
orum  tradat,  si  tamen  curiales  maritos  ac- 
cepcrint  .  . 

Filia  (vero)  curialis,  si  civitatis  suae  cu- 
rialem  accipere  noluerit  maritum,  et  suam 
deserens  ad  aliam  se  contulerit  civitatem, 
quartam  portionis  ordini  curiae  suae,  quem 
despexit,  de  facultatibus  suis  cogatur  inferre  . . 

Si  quis  .  .  legitimos  filios  non  habuerit,  et 
naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestorum 
testificatione  coniungat,  et  sie,  si  voluerit, 
integras  ad  eos  sive  donatione  sive  testa- 
mento heredes  scribendo  transferre  poterit 
facultates:  quarta  vero  patri  vel  matri,  avo 
aviae,  quibus  de  inofficioso  testamento  actio 
suppetit,  specialiter  servata.  Hoc,  seu  curi- 
alis, seu  liber  a  curia,  naturalibus  filiis  (ita) 
conferre  .  .  permittitur. 


48 


754  Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 

n'Pn  Auch  wenn  die  natürliche  Tochter  eines  Kurialen  mit  einem  Kurialen  ver- 

heiratet gewesen  sein  wird,  ist  es  erlaubt,  ihr  das  eigene  Vermögen  sowohl 
zu  schenken  als  auch  zu  hinterlassen,  mit  der  Massgabe,  dass  er  den  Vater 
oder  die  Mutter,  bez.  diejenigen,  w^elchen  die  Actio  de  inofficioso  testamento 
zusteht,  unter  keinen  Umständen  übergehen  solle.  ^-  ^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  2  i. 

2)  Ausserdem  enthält  T  (§  12 — 16)  noch  Verfügungen  über  die  Last  der  Descriptio 
von  vier  Siliquae,  der  auf  den  lukrativen  Erwerb  von  Kurialgrundstücken  gelegten  Abgabe. 
Ascendenten  und  Nachkommen,  die  weiblichen  ohne  Unterschied,  ob  sie  mit  Kurialen  ver- 
heiratet sind  oder  nicht,  seien  hiervon  befreit,  ingleichen  Personen,  die  dem  Ordo  der  Ge- 
meinde verpflichtet  sind.  Lukrativ  sei  der  Erv^erb  von  Todeswegen  und  durch  Schenkung 
unter  Lebenden,  nicht  aber  mittels  Eheschenkung  und  Dos.  Habe  einmal  lukrativer  Erwerb 
stattgefunden,  so  bleibe  die  Abgabenpflichtigkeit  bestehen,  auch  wenn  hernach  ein  nicht 
abgabenpflichtiger  Erwerb  stattfinde.  Dasselbe  gelte  im  umgekehrten  Falle,  es  sei  denn, 
dass  sich  an  einen  nicht  abgabenpflichtigen  Erwerb  eines  Dekurio  ein  abgabenpflichtiger 
anschliesse  (Aliam  quoque  de  negotio  curiali  caliginem  suggestione  tui  culminis  moti  recenti 
interpretatione  discutimus,  et  inprimis  descriptionis  onere  siliquarum  quatuor,  quas  lucrativis 
iugationibus  tantum,  non  humanis  vel  animalium  censibus,  neque  mobilibus  rebus  iubemus 
indici,  etsi  curiales  non  sint,  maiores  ac  posteros  liberamus;  ut,  si  pater,  avus  vel  proavus 
filio,  nepoti  pronepotive  vel  filiae,  nepti  proneptive  (nee  interest,  nuptae  sint  curialibus, 
necne)  postrema  voluntate  vel  inter  vivos  etiam  donatione  quicquam  de  suis  opibus  largiatur, 
memoratae  descriptionis  cesset  indictio:  eque  diverso,  ut,  si  posteri  ad  maiores  praedicta 
sibi  consanguinitate  devinctos  praefatis  titulis  suas  conferant  facultatea,  nullius  accessione 
gravaminis  huius  modi  liberalitas  oneretur.  Ita  enim  necessariis  sibi  coniunctisque  personis 
sub  liberalitatis  appellatione  debitum  naturae  persolvetur.  Cuius  auctoritatem  iuris  pariter 
valere  sancimus,  et  si  ab  intestato  succedant  praefati  sibi  generis  ordine  sociati.  Ex  bis 
enim  successionibus  maxime  debiti  potius  solutio,  quam  muneris  oblatio  comprobatur,  quae, 
non  largientibus  etiam  dominis,  ipsa  propinquitatis  serie  deferuntur.  Ceteri  vero  licet  qua- 
dam  inter  se  cognatione  iungantur,  nunquam  tarnen  curiale  praedium  sine  praedicto  onere 
lucrabuntur,  nisi  forte  is,  cui  lucro  res  cesserit,  eiusdem  civitatis  ordini  sit  obstrictus,  qui, 
licet  inter  extraneos  numeretur,  vacuum  tamen  ea  functione,  quod  datum  est,  consequitur. 
Nam  quum  personae  conditio  non  mutetur,  ne  rei  quidem  statum  convenit  immutari,  Lucra- 
tivas  vero  res  eas  tantum  volumus  appellari  et  praedictae  descriptionis  gravamen  excipere, 
quae  hereditatis,  legati,  fideicommissi  iure,  mortis  causa  donatione,  vel  cuiuslibet  postremae 


N.  Th.  11,  2,  11.  Femineo  vero  sexui  non 
hac  tantum  provisione,  sed  illis  iusuper  iuris 
adiectione  consulimus.    Praecipimus  namque, 


.  .  Curialis  .  ,  Filia  quoque  naturalis  si 
curiali  nupta  fuerit,  licet  ei  proprias  et 
donare    et   relinquere    facultates,    ea  condi- 


ut  ad  similitudinem  naturalium  filiorum,  quos       tione,  ut  patrem  matremve,  vel  quibus  actio 
decurionatus    sorti    paterna    sententia    dedi-    j    de    inofficioso    testamento    competit,    nulla- 


cavit,  filia  quoque  naturalis  in  matrimonium 
curialis  adscita,  si  tamen  nulla  patri  eius 
suppetat  legitima  soboles,  idque  paternae 
visum  fuerit  voluntati,  et  omnes  res  patrias 
donationis  titulo  consequatur,  et  heres  scri- 
batur  ex  integre:  ita  tamen,  ut  et  parentum, 
quibus  quarta  pars  patrimonii  relinquenda 
est,  et  locorum,  unde  gener  eligitur  princi- 
palis,  ad  formam  nuper  emissae  constituti- 
onis  ratio  conservetur.  Quid  enim  interest, 
utrum  per  filios,  an  per  generös  civitatum 
commoditatibus  consulatur?  et  utrum  novos 
lex  faciat   curiales,  an  foveat,  quos  invenit? 


tenus  praetermittat. 


Die  Kurie  §  11. 


755 


Y)  Strafrechtliches. 

a)  Für  die  Kurialen  ist  Sorge  getragen,  dass  nicht  entweder  diejenigen,  welche 
zur  Kurie  zurückgerufen  werden,  oder  jene,  die  eines  schweren  Verbrechens 
angeschuldigt  werden,  so  leichthin  Foltern  erdulden  sollen:  vielmehr  sollen 
sie  unter  Bürgenhaft  an  die  Potestas  dignissima  gewiesen  werden,  damit  diese 
über  ihre  Handlungen  ein  Urteil  sprechen  könne. ^     ^Wenn  ein  Kuriale  den 


voluntatis  arbitrio  ad  quempiam  delabuntur,  Inter  vivos  etiam  donatio  simplici  liberalitate 
confecta  lucratis^ae  merebitur  et  nomen  et  sarcinam.  Si  vero  vel  socer  futurus  filii,  nepotis 
vel  pronepotis  sponsae  affinitatis  coeundae  causa  donaverit,  vel  parens  etiam  filiam,  neptem 
vel  proneptem  curiali  seu  extraneo  nubentem  dotaverit,  licet  casus  eventu  res  eius,  cui  data 
est,  vertatur  ad  lucrum,  nee  inter  lucrativas  numerabitur,  nee  descriptionis  oneri  subiacebit. 
Nee  enim  iuris  optimi  est,  matrimonium,  quum  tot  tantisque  suis  difficultatibus  opprimatur, 
adventitiis  etiam  cumulare  ponderibus.  Res  vero,  quae  memoratis  causis  lucrativae  semel 
nomen  exordiumque  sortita  est,  licet  ab  eo,  qui  susceperit,  ad  alterum  emtionis  vel  cuius- 
cunque  contractus  iure  migraverit,  cum  praedicto  descriptionis  gravamine  procul  dubio  trans- 
feretur,  ut  vel  sciens  sibi  imputet,  qui  accepit  oneratam,  vel  si  ignoraverit,  quod  interest 
consequatur;  contraque,  si  cuiuslibet  contractus  exordio  lucrativae  nomen  evaserit,  et  si 
postea  lucri  titulo  in  dominatum  alicuius  ceciderit,  sarcinam  memoratae  descriptionis  effugiet. 
Nulla  enim  in  huiusce  modi  causis  confusionis  intercedit  occasio,  si  ad  primordium  tituli 
posteiior  quoque  formetur  eventus,  nisi  forte  res  decurionis,  quae  ad  eum  cuiuslibet  merci- 
monii  iure  pervenerit,  ad  alterum  fuerit  postrema  eius  voluntate  vel  ab  intestato  vel  inter 
vivos  donatione  translata.  Tunc  enim,  quia  semel  in  personam  cecidit  principalis,  veterum 
titulorum  nequaquara  ratione  perspecta,  conditionem  et  onus  merebitur  lucrativae  ,  .) 
1)  Vgl.  S.  590  Anm.  1. 


N.  Mai. 
1,  1,  10 


C.  9, 15, 1 


y)  a)  N.  Mai.  1,  1,  10.  Inter  quae  iustum 
est,  ut  bis,  quos  reduci  volumus,  consulamus, 
ne  iniuriis  corporalibus  pro  civilis  plerum.que 
iudicis  commotione  subdantur.  Unde  quoties 
aut  culpa  gravis  aut  aliquod  curialis  crimen 
arguitur,  sciant  iudices,  eo  sub  fideiussione 
ordinis  constituto,  ad  niagnificos  viros  prae- 
fectos  praetorio  esse  referendum,  ut  in  ipso- 
rum  sit  arbitrio  constitutum,  qualiter,  quod 
admissum  probabitur,   vindicetur. 

C.  9,  15,  1,  Si  quis  decurio  testamentum 
vel  codicillos  aut  aliquam  deficientis  scripse- 
rit  voluntatem,  vel  conscribendis  publicis  pri- 
vatisque  instrumentis  praebuerit  officium,  si 
falsi  quaestio  moveatur,  decurionatus  honore 
seposito,  quaestioni,  si  ita  poposcerit  causa, 
subdatur.  Sed  non  statim  desinit  esse  de- 
curio, qui  in  huius  modi  facto  fuerit  depre- 
hensus.  Quantum  enim  ad  municipales  per- 
tinet  necessitates,  decurio  permanet;  quantum 
ad  rem  gestam  et  veritatem  reserandam,  uti 
decurionatus  honore  non  poterit.  Nee  vero  is, 
qui  ante  fuerit  tabellio,  ad  eludendam  quae- 
stionem  super  bis,  quae  ante  conscripsit,  factus 
decurio  defendi  hac  poterit  dignitate,  quo- 
niam  scripturae  veritas,  si  res  poposcerit,  per 
ipsum  debet  probari  auctorem. 


(Nam  et)  hoc  curialibus  (voluit)  esse  con- 
sultum,  ne  aut  hi,  qui  revocantur  ad  curiam, 
aut  illi,  qui  in  gravi  culpa  tenentur  obnoxii, 
tarn  facile  tormenta  sustineant,  nisi  ad  po- 
testatem  dignissimam  sub  fideiussionis  vin- 
culo  dirigantur,  ut  ipse  de  eorum  factis 
possit  ferre  sententiam. 


Si  quis  curialis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
et  de  falsitate  accusatur,  seposita  primus 
dignitate,  si  necesse  fuerit,  subdatur  examini: 
qui  si  convincitur,  a  curia  non  expelletur, 
sed  curiae  dignitate  privabitur,  id  est  ut 
honoratus  esse  non  possit.  Tabellio  vero, 
qui  amanuensis  nunc  vel  cancellarius  dicitur, 
etiamsi  ad  curiae  pervenerit  dignitatem,  si 
de  falsitate  accusatus  fuerit  aut  convictus, 
subdatur  examini,  ut  per  ipsum,  per  quem 
confecta  est,  scripturae  veritas  approbetur. 


48* 


756 


Öffentliches  Recht,     Drittes  Buch. 


Willen  eines  Sterbenden  oder  eine  beliebige  öffentliche  Urkunde  geschrieben 
haben  und  wegen  Fälschung  angeklagt  wird,  soll  er,  indem  zunächst  die 
Dignität  zur  Seite  gesetzt  wird,  falls  es  nötig  gewesen  sein  wird,  dem 
Examen  überhefert  werden.  Wird  er  überführt,  so  wird  er  nicht  aus  der 
Kurie  gestossen,  sondern  der  Dignität  der  Kurie  beraubt  werden,  das  will 
sagen,  dass  er  nicht  Honoratus  sein  kann.  Hingegen  soll  ein  Tabellio, 
der  jetzt  Amanuensis  oder  Cancellarius  genannt  wird,  mag  er  auch  zur 
Dignität  der  Kurie  gelangt  sein,  sobald  er  der  Fälschung  angeklagt  oder 
überführt  gewesen  sein  wird,  dem  Examen  unterworfen  werden,  damit  durch 
denjenigen,  der  sie  abgefasst  hat,  die  Echtheit  der  Urkunde  erwiesen  werde. ^ 

c.  12, 1, 5  Bei  der  Bestrafung  der  Kurialen  müssen  die  ludices  eine  gewisse 

Nachsicht  in  Acht  nehmen,  dass  sie  nicht  leichthin  gegen  den  Körper, 
bez.  das  Blut  der  Kurialen,  zu  wüten  sich  anmassen  sollen. 

p.  5, 4, 10  b)  Atrox  iniuria  wird  angenommen  mit  Rücksicht  auf  die  Person,  so  oft  sie 
einem  Senator  oder  Römischen  Ritter,  einem  Dekurio  oder  sonst  einem 
Manne  von  ansehnlicher  Autorität  zugefügt  wird,  und  von  seiten  eines 
Plebejers  oder  einer  Person  von  niedriger  Geburt  einem  Senator  oder 
Römischen  Ritter,  einem  Dekurio  oder  Magistrat  oder  Adilen  oder  Judex, 
einem  Jeden  von  ihnen,  bez.  ihnen  allen,  von  seiten  eines  Plebejers. 

6)  Vermögen  der  Kurie. 

a)  Erwerbsquellen, 
c.  5, 2, 1        a)  ^  Wenn  ein  Kuriale,  ohne  ein  Testament  gemacht  zu  haben,  bei  seinem  Tode 
weder  Kinder  noch  Verwandte  hinterlässt,   wird   die  Kurie,   deren  Ordo  er 
entzogen    wird,    was  er  auch  immer  hinterlassen  haben  wird,  in  Anspruch 


1)  Vgl.  Zweites  Buch,  §  5,  1  ß,  b. 


C.  12,  1,  5.  Oppidaneis  ordinibus  consu- 
lentes  dudura  iussimus,  ab  iniuriis  corporali- 
bus  tutam  esse  debere  ordinis  dignitatem  .  . 

b)  P.  5,  4,  10.  Atrox  iniuria  aestimatur 
. .  persona,  quoties  senatori  vel  equiti  Romano, 
decurioni  vel  alias  spectatae  auctoritatis  viro : 
et  si  plebeius  vei  humili  loco  natus  senatori 
vel  equiti  Romano,  decurioni  vel  magistratui 
vel  aedili  vel  iudici,  quilibet  horum  vel  si 
his  Omnibus  plebeius. 

6  a)  a)  C.  5,  2,  1.  Si  decurio  sine  liberis 
intestatus  diem  vitae  solvent,  cui  neque  vo- 
luntas  postrema  legibus  fulta,  neque  alio 
iure  gradu  proximo  heres  exstiterit,  bona 
eins  curiae  suae  commodis  cedant,  id  est 
ordinis  utilitati  proficiant,  cuius  corpori  fa- 
tali  necessitate  exemtus  est,  nulli  praebenda 
licentia  postulandi  haec  bona  ut  vacantia 
de  nostra  dementia,  etiamsi  revera  et  testa- 
mentum  et  successor  deesse  legitimus  appro- 


In  correctione  curialium  oertam  patien- 
tiam  iudices  debent  retinere,  ut  in  corpore 
vel  in  sanguine  curialium  non  facile  audeant 
desaevire  .  . 


Si  curialis  intestatus  moriens  neque  filios 
neque  proximos  derelinquat,  curia,  cuius  or- 
dini  subducitur,  quicquid  reliquerit,  vindi- 
cabit,  ita  ut  nullus  audeat  ea  quasi  bona 
caduca  a  principibus  postulare.  Quod  si  fe- 
cerit,  non  valebit:  nam  testamentum  faciendi 
curialibus  lex  ista  tribuit  potestatem. 


Die  Kurie  §  11. 


757 


nehmen,  derart,  dass  Niemand  wagen  soll,  das  Vermögen  als  Bona  caduca 
von  den  Principes   zu  erbitten.     Falls  er  es   gethan   haben    wird,    wird    es 
keine    Giltigkeit   haben.     Die    Kurialen    haben   indessen    die    Befugnis,   ein 
Testament  zu  machen.  ^ 
aa)  Wenn   ein  Bischof  oder    ein  Presbyter   oder    ein    Diakon    oder    eine   c.  5, 3, 1 
Diakonissin  oder  ein  Subdiakon,  bez.  ein  Kleriker  irgend  eines  anderen 
Grades,   oder  ein  Mönch  oder  eine  Frau,   die  sich  dem  beschaulichen 
Leben   gewidmet  hat,    oder  irgendwelche  Religiösen   männlichen   oder 
weiblichen    Geschlechts,    die    kein    Testament    errichtet   haben,    ohne 
Kinder,  Verwandte  oder  eine  Ehefrau  gestorben  gewesen  sein  werden, 
die   indessen    der  Kurie    gegenüber  nicht  irgendwelche  Verpflichtung 
gehabt    haben   werden,    wird    dasjenige,   was    sie    auch   immer   hinter- 
lassen haben  werden,  den  Kirchen  oder  Klöstern,  in  deren  Dienst  sie 
sich  gestellt  haben  werden,   zukommen.  ^ 

b)  Wenn    ein  Kuriale    bereits    zum  Diakon    oder  Priester  oder  selbst  Bischof  ^{^^^]' 
ordiniert  gewesen    sein    wird   und  entweder  Kinder  oder  Verwandte  männ- 
lichen  Geschlechts  nicht  gehabt  haben,   sondern  Töchter  haben    w^ird,   die 
mit  Kurialen  nicht  verheiratet  gewesen  sein  werden,  so  wird  das  Vermögen 
des   genannten    Kurialen    dem    Ordo    seiner    Gemeinde    zukommen.     Wird    ^-  J'^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch,  §  4,  4  a. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch,  §  4,  4  b. 


betur,    omni  etiam  beneficio,  si   quod   fuerit 
impetratum,  protinus  infirmanclo. 

aa)  C.  5,  3,  1.  Si  quis  episcopus  aut  pres- 
byter  aut  diaconus  aut  diaconissa  aut  sub- 
diaconus  vel  cuiuslibet  alterius  loci  clericus 
aut  monachus  aut  mulier,  quae  solitariae 
vitae  dedita  est,  nullo  condito  testamento 
decesserit,  nee  ei  parentes  utriusque  sexus 
vel  liberi,  vel  si  qui  agnationis  cognationisve 
iure  iunguntur  vel  uxor  exstiterit,  bona,  quae 
ad  eum  pertinuerint,  sacrosanctae  ecclesiae 
vel  monasterio,  cui  fuerat  destinatus,  omni- 
fariam  socientur  exceptis  iis  facultatibus, 
quas  .  .  curiali  conditioni  obnoxii  clerici  vel 
monachi  cuiuscunque  sexus  relinquunt.  Nee 
enim  iustum  est,  bona  .  .,  quae  .  .  ad  curias 
pro  tenore  dudum  latae  constitutionis  sub 
certa  forma  pertinere  noscuntur,  ab  ecclesiis 
detineri  .  . 

b)  N.  Mai.  1,  1,7.  .  .  curialis  .  .  si  (vero) 
iam  diaconus  aut  presbyter  aut  episcopus  ,  . 
reperitur,  .  .  si  defuerit  sexus  virilis,  (easdem) 
in  filiabus  .  .,  si  tarnen  curialium  connubiis 
copulentur.  Qui  si  in  totum  fortasse  defu- 
erint,  ad  ordinem  urbis  suae  praedictum 
Patrimonium  pertinebit  .  . 

N.  V.  12,  1,  5.     Defensores    ecclesiae    de 


Si  quis  episcopus,  vel  quos  lex  ipsa  com- 
memorat,  aut  quilibet  religiosi  vel  religiosae 
intestati  sine  filiis,  propinquis  vel  uxore  de- 
cesserint,  qui  tarnen  nee  curiae  quicquam 
debuerint, .  .  quicquid  dereliquerint,  ad  eccle- 
sias  vel  monasteria,  quibus  obsecuti  fuerint, 
pertinebit  .  . 


Si  (autem)  curialis  .  .  iam  diaconus  aut 
presbyter  aut  certe  episcopus  fuerit  ordina- 
tus,  .  .  si  aut  filios  aut  propinquos  virilis 
duntaxat  sexus  non  habuerit,  sed  filias 
habebit,  .  .  si  curialibus  non  fuerint  copu- 
latae,  curialis  praedicti  patrimoninm  ad  civi- 
tatis suae  ordinem  pertinebit  .  . 

. .  Quod  si  quis  ex  curia  acquieverit,  utfiat . . 


758 


ÖflFentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Mai. 
2,1 


C.  2,  18,  2 


Jemand  aus  der  Kurie  sich  dabei  beruhigt  haben,  Defensor  eeclesiae  zu 
werden,  so  möge  er  wissen,  dass  sein  ganzes  Vermögen  der  Kurie,  aus  der 
er  sich  entfernt  haben  wird,  einzufügen  ist.  Wird  mit  Bezug  auf  irgend 
eine  Person  nachgewiesen  gewesen  sein,  dass  sie,  durch  Gewalt  gezwungen, 
zu  öfFenthcher  Schande  die  Pflichten  des  Klerikats  übernommen  habe,  so 
wollen  wir  freiwilligen  Anklägern,  bez.  wenn  sie  selbst  dasjenige,  was  sie 
erlitten  hat,  wird  haben  angeben  wollen,  die  Befugnis  gewähren,  bei  kom- 
petenten ludices  derartige  Vergehen  zu  verdammen:  derart,  dass,  wenn  sich 
das  zur  Last  Gelegte  den  Gesetzen  gemäss  ergeben  haben  wird,  der  Archi- 
diakon  gezwungen  wird,  zehn  Pfund  Gold  demjenigen,  der  erduldet  haben 
wird,  zu  zahlen,  die,  wenn  Jener  verzichtet  hat,  darauf  dem  Ordo  der  Ge- 
meinde zu  Gute  kommen  sollen, 
c)  ^Niemand  soll  vernommen  werden,  der  die  Proposition  der  gleichen  Sache 
unter  zwei  Richter  wird  haben  teilen  wollen,  so  dass  er  bei  dem  einen  in 
der  Hauptsache  proponiert  und  von  dem  Andern  die  Zuweisung  des  Gegen- 
standes kraft  Benefiz  des  Besitzes  verlangt.  Wird  Jemand  dieses  zu  thun 
sich  angemasst  haben,  so  möge  er  wissen,  dass  er  zu  einer  Strafe  der  Art 
verurteilt  werden  muss,  dass  er  dasjenige,  was  er  zurückverlangt,  unter 
keinen  Unständen  zurückempfangen  und  den  fünften  Teil  seines  Vermögens, 
wieviel  er  dort  besessen  haben  wird,  dem  öffentlichen  Wesen  derjenigen 
Gemeinde  abtreten  soll,  in  deren  Grenzen  sich  die  Sache,  um  welche  es  sich 
handelt,  befunden  haben  wird.  ^ 


1)  Vgl.  S.  480  Anm.  1. 


(expressis)  urbium  ministeriis  non  lieeat  or- 
clinari,  acquiescentes  huic  officio  rerum  su- 
arum  amissio  comitetur,  quas  euriae  .  .  prae- 
cipimus  applicari  .  . 

N.Mai. 2,1.  .  .  si  quispiam  probatus  fuerit 
vi  coactus  sub  contumelia  publica  clericatus 
officiis  successisse,  spontaneis  accusatoribus, 
vel  si  ipse  voluerit  allegare  perpessa,  licen- 
tiam  commodemus,  apud  iudices  competentes 
huius  modi  admissa  damnare:  ut,  si  inter 
leges  obiecta  constiterint,  decem  libras  auri 
archidiaconus  cogatur  inferre  ei,  qui  pertu- 
lerit,  exsolvendas,  dehinc,  si  ille  desistit,  .  . 
civitatis  ordini  profuturas  .  . 

c)  C.  2,  18,  2.  Nulli  prorsus  audientia 
praebeatur,  qui  causae  continentiam  dividit 
et  ex  beneficii  praerogativa  id,  quod  in  uno 
eodemque  iudicio  poterat  terminari,  apud 
diversos  iudices  voluerit  ventilare :  poena  pro- 
posita,  si  quis  contra  hanc  supplicaverit  sanc- 
tionem  atque  alium  super  possessione,  alium 
super  principali  quaestione  iudicem  postula- 
verit,  ut,  rei,  quae  petatur,  integra  aestima- 
tione  subducta,  quintam  portionem  reipubli- 
cae  eius  civitatis  inferat,  in  cuius  fiinibus  res, 
de  qua  agitur,  constituta  est. 


defensor    eeclesiae,    noverit,  res   suas    oranes 
euriae  .  .  unde  discesserit,  applicandas  .  . 


Nullus  penitus  audiatur,  qui  unius  causae 
propositionem  apud  duos  iudices  partiri  vo- 
luerit, ut  apud  unum  de  negotio  principali 
proponat,  et  ab  alio  sibi  momenti  beneficio 
rem  postulet  consignari.  Quod  si  quis  hoc 
facere  fortasse  praesumserit,  eiusmodi  poena 
se  noverit  condemnandum,  ut  nee  illud,  quod 
repetit,  ulla  ratione  recipiat,  et  quintam 
portionem  facultatum  suarum,  de  quantum 
ibi  possederit,  reipublicae  civitatis  illius  ce- 
dat,  in  cuius  finibus  res,  de  qua  agitur,  fu- 
erit constituta. 


Die  Kurie  §  11. 


759 


ß)  Privatrecht. 

a)  Wird  Jemand,   der  in  einer  Gemeinde  ansässig    ist,    an    öffentlichen  Orten   c.  15, 1,1 
sich  Häuser  errichtet  haben,  so  soll  er  sie   ohne   irgendwelche  Störung  im 
Besitz  haben. ^ 

b)  iVllen  Kurialen  soll  die  Befugnis  versagt  werden,  Acker  und  Wälder  einer   c.  10, 2, 1 
Respublica  zu  pachten,  indem  dieses  im  Besonderen  zu  beachten  ist,    dass 

kein  Kuriale,  sei  es  auch  von  fremden  Gemeinden,  Acker  und  die  genannten 
Ortlichkeiten  in  irgendwelche  Pacht  übernehmen  solle,  damit  er  nicht  aus 
diesem  Anlass  die  der  Kurie  geschuldeten  Dienste  nicht  ausrichte. 

7)  Geschäftsgebiet, 
a)  Gesta. 

a)  Wir  wollen,    dass   municipale  Gesta  nicht    anders  errichtet  werden,   als  in   c.  12, 1,  g 
Gegenwart  dreier    Kurialen,   abgesehen   den    Magistrat    und   den    Exceptor 
publicus,   und   zwar   soll  diese  Zahl   stets  bei  dieser  Bezeugung  von  Akten 

in  Acht  genommen  werden.  Es  wird  sich  für  Täuschung  dann  keine  Ge- 
legenheit bieten  und  die  Wahrheit  um  so  grössere  Autorität  gewinnen. 

b)  Alle  Testamente  oder  sonstige  Urkunden  werden  bei  den  Censualen  in  der  c.  4^  4^  4 
Stadt    Rom    verlautbart,    das    will   nämlich    sagen,    dass    in    den    sonstigen 
Regionen   bei   den  Männern    der  Kurie  Testamente,   bez.  welche  Urkunden 

auch  immer  durch  Acta  bekräftigt  zu  werden  pflegen,  mittels  Allegation 
der  Gesta  befestigt  werden.^ 


1)  Vgl.  S.  234  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  4  Anm.  3. 


ß)  a)  C.  15,  1,  1.  Comperimus,  super  erga- 
steria  publica,  quae  ad  ius  pertinent  civitatis, 
plerosque  sibi  domus  exstruxisse.  Praecipi- 
mus  ergo,  eos  inconcusso  iure,  quae  aedifica- 
verunt,  possidere. 

b)  C.  10,  2,  1.  Curialibus  omnibus  con- 
ducendorum  rei  publicae  praediorum  ac  sal- 
tuum  inhibeatur  facultas:  illo  etiam  obser- 
vando,  ne  quis  curialium  vel  de  extraneis 
civitatibus  fundos  aut  loca  liuius  modi  con- 
ductione  suscipiat. 

7  a)  a)  C.  12,  1,  8.  Municipalia  gesta  non 
aliter  fieri  volumus  quam  trium  curialium 
praesentia,  excepto  magistratu  et  exceptore 
publico,  semperque  hie  numerus  in  eadem 
actorum  testificatione  servetur.  Sic  enim  et 
fraudi  non  patebit  occasio  et  veritati  maior 
crescit  auctoritas. 

b)  C.  4,  4,  4.  Testamenta  omnium  cetera- 
que,  quae  apud  officium  censuale  publicari 
solent  .  . 


Si  quis  in  civitate  consistens  in  locis 
publicis  sibi  domos  forte  construxerit,  eas 
sine  inquietudine  aliqua  possideat. 


Omnibus  curialibus  conducendorum  rei 
publicae  agrorum  ac  saltuum  licentia  dene- 
getur:  illo  specialiter  observando,  ut  nullus 
curialis  vel  de  extraneis  civitatibus  agros  ac 
loca  supra  scripta  sub  qualibet  conductione 
suscipiat,  ne  sub  hac  occasione  servitia  cu- 
riae  debita  non  impendat. 


Testamenta  omnia  vel  reliquas  scripturas 
apud  censuales  in  urbe  Roma  (voluit)  publi- 
cari, hoc  est,  ut  in  reliquis  regionibus  apud 
curiae  viros  testamenta,  vel  quaecunque  scri- 
pturae  actis  firmari  solent,  gestorum  alle- 
gatione  muniantur  .  . 


760 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  8,  5, 1, 
1  u.  2 


P.  1,  3,  1 
C.  2,  12,  1 

P.  2,  26,4 
G.  6,  3 


C.  2,8,  1 


C.2,i7,ipr. 


aa)  Der  Schenker  soll  die  Schenkung  unterzeichnen:  an  diese  Schenkung 

soll   sich   die  Solennität  der   Gesta  anschliessen ;   die   Gesta  über  die 

Schenkungen  sind  bei  der  Kurie  zu  allegieren.  ^ 
bb)  Die  Procuratio  kann  zu  den  Akten  des  Magistrats  aufgetragen  werden: 

das  Mandat^   das  nach  Art  der  Schenkung   gemacht  worden   ist,   soll 

zu  den  Akten  eingereiht  werden. 

c)  Bei  den  Municipalmagistraten  kann  man,  wenn  sie  Legis  actio  haben,  Haus- 
kinder und  Sklaven  freilassen:  die  Emanzipation  pflegte  vor  dem  Praeses 
zu  geschehen  und  ist  nun  vor  der  Kurie  zu  verrichten,  wo  fünf  Zeugen, 
die  Römische  Bürger  sind,  gegenwärtig  sein  werden,  und  statt  desjenigen, 
der  Libripens,  das  will  sagen,  Waghalter,  genannt  wird,  und  welcher 
Antestatus  genannt  wird,  zwei  Andere,  sodass  die  Zahl  von  sieben  Zeugen 
voll  ist.  Obschon  wir  befohlen  haben,  dass  am  heiligen  Tage  des  Herrn 
alle  Prozesse  und  Ansprüche  ruhen,  hindern  wir  durchaus  nicht  die  Frei- 
lassung, und  gestatten  wir  in  gleichem  Masse,  mit  Bezug  darauf  Gesta 
aufzunehmen.^ 

d)  Jünglinge,  die  nachweislich  von   ehrbaren  Sitten   sind  und   zur  Verwaltung 


1)  Vgl.  S.  4  Anm.  4. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  19,  2  a,  e. 


aa)  C.  8,  5,  1,  1  u.  2.  In  conscribendis 
(autem)  donationibus  nomen  donatoris  .  .  no- 
tari  oportet  .  .  actis  etiam  annectendis,  quae 
apud  .  .  magistratus  conficienda  sunt. 

bb)  P.  1,  3,  1.  Mandari  potest  procuratio 
.  .  apud  acta  .  .  magistratus. 


c)  P.  2,  26,  4.  Apud  magistratus  muni- 
cipales,  si  habeant  legis  actionem,  emanci- 
pari  et  manumitti  potest. 


C.  2,  8,  1.  Sicut  indignissimum  vide- 
batur,  diem  solis,  veneratione  sui  celebrem, 
altercantibus  iurgiis  et  noxiis  partium  con- 
tentionibus  occupari,  ita  gratum  ac  iucundum 
est,  eo  die,  quae  sunt  maxime  votiva,  com- 
pleri.  Atque  ideo  emancipandi  et  manumit- 
tendi  die  festo  cuncti  licentiam  habeant,  et 
super  his  rebus  acta  non  prohibentur. 

d)  C.  2,  17,  1  pr.  Omnes  adolescentes, 
qui  honestate  morum  praediti  paternam  fru- 
gem    vel    maiorum    patrimonia    urbana    vel 


.  .  Quam  (tamen)  donationem  .  .  donator 
(ipse)  subscribat:  .  .  donationem  gestorum 
solennitas  .  .  subsequatur  .  .  Gresta  (vero)  do- 
nationum  .  .  apud  curiam  alleganda  sunt. 


C.  2,  12,  1.     .  .   ut  mandatum   ad  vicem 
donationis   factum,  actis  habeatur    insertum. 


G.  6,  3.  .  .  Quae  (tamen)  emancipatio 
solebat  ante  praesidem  fieri,  modo  ante  cu- 
riam facienda  est:  ubi  quinque  testes  cives 
Romani  in  praesenti  erunt,  et  pro  illo,  qui 
libripens  appellatur,  id  est,  stateram  tenens, 
et  qui  antestatus  appellatur,  alii  duo,  ut 
Septem  testium  numerus  impleatur  .  . 

Quamvis  sancto  die  dominico  omnes  lites 
ac  repetitiones  quiescere  iusserimus,  emanci- 
pare  tamen  ac  manumittere  minime  prohi- 
bemus,  et  de  his  rebus  gesta  confici  pari 
ordinatione  permittimus. 


Adolescentes,  qui  honestis  moribus  esse 
probantur  et  ad  gubernandas  facultates  suas 
idoneam    cupiunt   habere   personam,  oportet 


Die  Kurie  §  11. 


761 


ihres  Vermögens  die  geeignete  Rechtsstellung  zu  haben  verlangen,  müssen 
zunächst,  vor  Erreichung  der  Legitinia  aetas,  das  will  sagen,  sobald  eine 
Person  männlichen  Geschlechts  zwanzig  Jahre  zu  sein  begonnen  haben  wird, 
die  Hilfe  des  Princeps  in  Anspruch  nehmen  und,  nachdem  sie  das  bezüg- 
liche Benefiz  in  Empfang  genommen  haben,  in  dieser  Ordnung  zur  öffent- 
lichen Bezeugung  sich  vernehmen  lassen,  dass  sie  nachweisen,  einen  Lebens- 
lauf von  zwanzig  Jahren  vollendet  zu  haben  und  einen  ehrbaren  Wandel 
zu  führen^:  wenn  gegen  Pupillen  eine  Actio  angestrengt  wird,  können  sie,  mögen  c.  a,  17,  i 
sie  auch  für  erwachsen  gelten,  zu  einem  Prozess  nicht  gelangen,  es  sei  denn, 
dass  ihr  Alter  durch  Testificatio  curiae  bekräftigt  wird  oder  ein  bestellter 
Kurator  das  Vermögen,  bez.  Geschäft,  des  Pupillen  beschützt.^ 

e)  Adoptivkinder  sind  Affiliierte:  ein  Adoptivbruder  ist  ein  zu  den  Gesten  vor   c.5ti!2 
der  Kurie   affiliierter.     Jemand   wird    bei    dem  Volke  denjenigen    adoptiert  G-  2, 3, 3 
haben,  welcher  Sui  iuris  ist,    bei    dem  Prätor  denjenigen,    der  sich   in    der 
Gewalt  des   Vaters  befindet:    was    ehedem   durch  den  Prätor  geschah,    ist   Pi,  7, 2 
nunmehr  durch  die  ludices  civitatum  zu  verrichten. 

f)  Es  soll  Allen   erlaubt   sein,   mittels   Nunkupation,    bez.  zu  den  Municipalia 


N.V. 
4,  1,  2 


1)  Vgl,  Privatreclit,  Zweites  Buch,  §  25,  2  a,  b. 


2)  Vgl.  S.  173  Anm.  2. 


rustica  conversatione  rectius  gubernare  cu- 
piunt,  et  imperiali  auxilio  indigere  coeperint, 
ita  demum  aetatis  veniam  impetrare  aude- 
ant,  quum  vicesimi  anni  clausa  aetas  adoles- 
centiae  patefacere  sibi  ianuam  coeperit  ad 
firmissimae  iuventutis  ingressum:  ita  ut,  post 
impetratam  aetatis  veniam,  iidem  ipsi  prin- 
cipale  beneficium  allegantes,  non  solum  prae- 
scriptorum  annorum  numerum  probent,  sed 
etiam  testibus  advocatis,  honesta  aut  simili 
aut  potiore  dignitate  praeditis,  morum  su- 
orum  instituta  probitatemque  animi  testi- 
monio  vitae  honestioris  edoceant  .  . 

C.  3,  17,  1.  In  universis  litibus  placet 
non  prius  puberem  iustam  habere  personam, 
nisi  interposito  decreto  aut  administrandi 
patrimonii  gratia  aut  ad  liteiu  fuerit  curator 
datus;  ut  iuxta  praecedentia  nostrae  provi- 
sionis  statuta  legitime  initiatae  litis  agitatao 
in  iudiciis  controversiae  finiantur. 

e) 


f)  N.V.  4,  1,  2.  .  .  liceat  cunctis  .  .  per 
nuncupationem,  liceat  municipalibus  gestis 
iudicia  suprema  componere  .  . 


eos  primum,  antequam  ad  legitimam  aetatem 
perveniant,  id  est,  ubi  vir  viginti  annorum 
esse  coeperit,  auxilium  principis  implorare, 
et  accepto  huius  rei  beneficio,  eo  ordine 
apud  testificationem  publicam  allegare,  ut 
probent,  se  viginti  annorum  implesse  curri- 
cula   et   honesta  conversatione  transisfere  .  . 


Si  pupillis  actio  inferatur,  quamvis  adulti 
videantur,  ad  litem  venire  non  possunt,  nisi 
forte  aetas  eorum  curiae  testificatione  firme- 
tur,  aut  certe  provisus  curator  Patrimonium 
pupilli  vel  negotium  tueatur. 


G.  4,  1.    .  .  adoptivis,  hoc  est  affiliatis  .  . 
C.  5,  1,  2.     .  ,   fratrem  .  .  adoptivum,  id 
est  gestis  ante  curiam  af'filiatum  .   . 

G.  2,  3,  3.  .  .  quis  .  .  adoptaverit  apud 
populum  illum,  qui  sui  iuris  est,  .  .  apud 
praetorem  .  .,  qui  in  potestate  patris  est  .  . 

P.  1,  7,  2.  .  .  quod  per  praetorem  antea  fie- 
bat,  modo  per  iudices  civitatum  agendum  est. 


762 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Th. 
9, 1,  6 


C.  2,  24,  1 


C.  2,  i,  2 

C.  2,  4,  1 
pr. 


gesta  die  letzten  Willen  zu  errichten -.^  wer  Per  nuncupationem,  das  will 
sagen,  ohne  Urkunde  seinen  Willen  kundzugeben  vorgezogen  haben  wird, 
soll,  nachdem  zugleich  auf  eine  Stunde  die  sieben  Zeugen  zusammengerufen 
worden  sind,  deutlich  darlegen,  zunächst  zu  welchem  Zwecke  er  sie  zu 
kommen  eingeladen  haben  wird,  damit,  weil  er  ein  Testament  nicht  gemacht 
hat,  Jene  zu  den  Gesta  den  Willen  des  Verstorbenen  kundgeben  und 
allegieren.  ^ 

aa)  Der  Wille  des  Vaters  oder  väterlichen  Grossvaters  muss  in  Allem 
genau  beobachtet  werden,  wird  ein  Testament  auch  nicht  von  der 
gesetzlichen  Zeugenzahl  unterzeichnet  noch  Allegation  zu  den  Gesta 
stattfinden.  ^ 

g)  Wir  verordnen,  dass  die  Lis  bei  den  Rektoren  der  Provinz,  bez.  den  Defensoren, 
oder  bei  Allen,  bei  welchen  Gesta  errichtet  werden,  kontestiert  werde:* 
wird  Jemand  gegen  diejenigen,  welche  sich  im  minderjährigen  Alter 
befinden,  einen  Prozess  angestrengt  haben,  oder  von  ihrer  Seite  irgend 
Jemand  verklagt  werden,  so  sind  die  Fristen  von  dem  Augenblicke  zu 
rechnen,  dass  Tutor  oder  Kurator  des  Minderjährigen  entweder  durch  den 


1)  Vgl.  S.  366  Anm.  2. 
3)  Vgl.  S.  869  Anm.  2. 


2)  Vgl.  S.  367  Anm.  1. 
4)  Vgl.  S.  502  Anm.  3. 


N.  Th,  9,  1,  6.  Per  nuncupationem  (quo- 
que),  hoc  est  sine  scriptura,  testamenta  non 
alias  valere  sancimus,  nisi  septem  testes,  ut 
supra  dictum  est,  simul  uno  eodemque  tem- 
pore collecti  testatoris  voluntatem  ut  testa- 
mentum  sine  scriptura  facientis  audierint, 
non  ut  suum,  ut  assolet  fieri,  narrantis  ar- 
bitrium,  hoc  est,  ut  manifeste  testari  se  sub 
iisdem  testibus  sine  scriptura  eo  ipso  tem- 
pore dicat,  non  futurum  suae  voluntatis  pro- 
mittat arbitrium. 

aa)  C.  2,  24,  1,  .  .  Quamobrem,  quum 
filiis  ac  nepotibus  civili  iure  vel  auxilio  prae- 
toris  ut  suis  beredibus  defuncti  successio  de- 
feratur,  etiamsi  .  .  ab  utilitate  verborum  vel 
solennitate  iuris  inanis  scriptura  esse  dicatur, 
considerari   specialiter   voluntatem  placet  .  . 

g)  C.  2,  4,  2.  Denuntiari  vel  apud  pro- 
vinciarum  rectores  vel  apud  eos,  quibus  ac- 
torum  conficiendorum  ius  est,  decernimus  .  . 

C.  2,  4,  1  pr.  Si  quando  minoribus  vel 
adultis  inferenda  lis  erit,  vel  ab  ipsis  minori- 
bus vel  adultis  cuidam  quaestio  movenda  sit, 
non  alias  cursus  temporis  inchoetur,  nisi  ab 
universis,  quos  officii  sollicitudo  constringit, 
hoc  est  tutoribus,  sive  testamento  sive  de- 
creto  dati  sunt,  vel  curatoribus,  per  quos 
minores  defenduntur,  vel  iisdem  omnibus 
solenni  more  lis  fuerit  intimata. 


Per  nuncupationem  (quoque),  hoc  est  sine 
scriptura,  qui  suam  publicare  maluerit  vo- 
luntatem, convocatis  simul  una  hora  septem 
testibus,  primum  pro  qua  re  eos  venire  ro- 
gaverit,  evidenter  explanet,  ut,  quia  testa- 
mentum  non  fecit,  illi  apud  gesta  defuncti 
publicent  et  allegent  voluntatem. 


.  .  voluntas  patris  vel  avi  paterni  debet 
in  omnibus  custodiri,  cuius  testamentum  eti- 
amsi .  .  non  legitimo  numero  testium  sub- 
scribatur,  nee  gestis  allegetur  .  . 


Contestari  apud  rectores  provinciae  vel 
defensores  aut  omnes,  apud  quos  gesta  con- 
ficiuntur,  litem  iubemus  .  . 

Si  quis  contra  eos,  qui  in  annis  minoribus 
constituti  sunt,  litem  forte  commoverit,  aut 
si  a  parte  ipsorum  reus  aliquis  arguatur,  ex 
eo  tempora  computanda  sunt,  ex  quo  tutor 
sive  curator  minoris  aut  per  iudicem  aut  per 
curiam  intulerit  seu  exceperit  actionem. 


Die  Kurie  §  11. 


763 


Judex  oder  durch  die  Kurie,  die  Actio  eingebracht  oder  übernommen  haben 
wird.^  Wird  irgend  Jemand,  der  verurteilt  worden  ist,  eine  schwangere  c  9, 32, 2 
Frau  hinterlassen  haben,  so  soll  die  Frau  unverzüglich  wegen  ihrer  Frucht 
bei  dem  Judex  oder  den  Kurialen  kontestieren,  damit,  wenn  sie  geboren 
haben  wird,  der  Posthumus,  das  ist,  der  nach  dem  Tode  des  Vaters  Ge- 
borene, in  das  Vermögen  des  Verurteilten  folge.  ^ 
h)  Freigeborene  Zuzügler,  die  sich  einer  fremden  Kolonin  werden  haben  zu- 
gesellen wollen,  sollen,  weil  es  häuhg  geschieht,  dass  sie  die  erwählten  Ver- 
bindungen im  Stiche  lassen,  zu  den  Gesta  bekennen,  dass  der  Betreffende 
sich  aus  dem  Hause  des  Herrn  der  Kolonin,  der  er  sich  verbunden  gehabt 
haben  wird,  unter  keinen  Umständen  entferne,  und  unbeschadet  der  In- 
genuität  keine  Freiheit  habe,  davonzugehen  oder  die  Person,  der  er  ver- 
bunden gewesen  sein  wird,  zu  verlassen.^ 


N.V. 
9,  1,  5 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch,  §  6,  3  a. 
3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch,  §  9,  3  b. 


2)  Vgl.  S.  350  Anm.  2. 


C.  9,  32,  2.  Ad  beneficium  legis  Valen- 
tinianae  pertineant  posthumi  quoque  puniti 
patris,  ut  bona  faciant  non  caduca.  Et  ne 
quis  partum,  qui  fuerit,  vel  suppositum  ar- 
guat,  vel  non  suppositum  mentiatur,  si  forte 
eo  tempore,  quo  maritum  severitas  rapiet  ad 
poenam  (excepto  tarnen  maiestatis  reatu,  si- 
cut  ante  praeceptum  esti,  gravi  dam  se  uxor 
adverterit,  mittat  ad  iudicem,  conveniat  ma- 
gistratus,  raaneat  deposita  de  conceptione 
testatio,  petantur  futurae  partitudinis  testi- 
monia,  adhibitisque  custodibus  foecunditas 
pudiea  servetur.  Quippe  illam  fidem  solam 
generis  fisco  nostro  volümus  esse  potiorem, 
de  cuius  minime  nativitate  dubitetur. 

h)  N.  V.  9,  1,  5.  Advenae  plerumque  te- 
nues  abiectaeque  fortunae  quorundam  se 
obsequiis  iungunt,  ut,  simulata  laboris  et 
obsequiorum  patientia,  accepto  sumtu  ac 
vestitu  illuviem  et  squalorem  egestatis  eva- 
dant.  Ubi  de  angustiis  cladis  suae  et  hu- 
manitate  et  miseratione  colligentes  fuerint 
liberati,  iam  repleti,  iam  nihil  de  miseria 
cogitantes  eligunt  feminas  ad  patremfamilias 
pertinentes,  solertia,  forma,  utilitate  meliores  : 
quum  satias  ceperit,  derelinquunt:  non  statu 
priore  perpenso,  non  assuetudine  coniuncti- 
onis,  non  dulcedine  filiorum,  nulla  lege  pro- 
hibente  discedunt.  Itaque  si  nulli  quolibet 
modo  obnoxius  civitati  ad  praedium  se  cuius- 
cunque  rusticum  urbanumque  collegerit,  et 
mulieri  obnoxiae  sociari  voluerit,  gestis  mu- 
nicipalibus  profiteatur  habitandi,  ubi  elegerit, 
voluntatem,   ut  hoc  vinculo  praecedente  nee 


Si  quicunque  damnatus  praegnantem  re- 
liquerit  uxorem,  statim  mulier  de  conceptu 
suo  iudicem  vel  curiales  contestetur,  ut  quum 
pepererit,  in  bonis  damnati  posthumus,  id 
est  post  mortem  patris  natus  succedat. 


Advenae  ingenui,  qui  so  colonae  iungi 
voluerint  alienae,  quia  saepe  fit,  ut  contu- 
bernia  electa  contemnant,  gestis  profiteantur, 
se  de  domo  domini  colonae ,  cui  iunctus  fu- 
erit, nulla  ratione  discedere,  et  ingenuitate 
manente,  nullam  habeat  licentiam  evagandi, 
aut  cui  coniunctus  fuerit,  deserendi. 


764 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Th. 

11,  1,5 


C.  3,  19,4 
pr. 


C.  3,  1,  3 


i)  ^  Wenn  Jemand  legitime  Söhne  nicht  gehabt  und  natürhche  gehabt  haben 
wird  und  sie  zu  Erben  wird  haben  machen  wollen^  wird  er  es  nicht  anders 
können,  als  dass  er  sie  zuvor,  unter  Bezeugung  der  Gresta,  dem  Corpus 
der  Kurie  verbinde,  indem  er  so,  wenn  er  gewollt  haben  wird,  ihnen  das 
ganze  Vermögen,  sei  es  durch  Schenkung,  sei  es  durch  Erbeinsetzung  im 
Testament,  wird  übertragen  können.  Dies  darf  Jemand,  er  sei  Kuriale,  er 
sei  von  der  Kurie  frei,  den  natürlichen  Kindern  in  gleicher  Weise  über- 
tragen.^ 

k)  Sobald  Jemand  an  die  Tutel  herangetreten  sein  wird,  soll  er  unter  sofortiger 
Zuziehung  der  Primates  civitatis,  bez.  des  Defensors  mit  seinem  Officium, 
das  in  Empfang  genommene  Vermögen  des  Pupillen  unter  Veranstaltung 
eines  Vermögensinventars  zusammenschreiben,  und,  wird  etwas  in  Geld 
oder  Silber,  bez.  was  mit  der  Zeit  nicht  zu  Grunde  gehen  kann,  vorhanden 
sein,  mit  den  Siegehi  der  Genannten  verschlossen,  niederlegen.^ 

ß)  Zustimmung  zur  Veräusserung  von  unbeweglichem  Gut. 

a)  Falls  Personen,  die  sich  im  minderjährigen  Alter  befinden,  sei  es  Mann,  sei 
es  Fran,  wenn  die  Notwendigkeit  erfordert  haben  wird,  irgend  etwas  ver- 
kaufen wollen,  soll  derjenige,  welcher  wird  haben  erwerben  wollen,  sich  mit 
der  Autorität  des  Judex  oder  der  Zustimmung  der  Kurie  sichern:  denn 
sonst  wird  ein   von  Minderjährigen   veranstalteter  Verkauf  keine    Giltigkeit 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch,  §  2  i. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch,  §  6,  1  a  u.  2  a. 


habitaculum,  quod  placuit,  deserat,  nee  con- 
sortium  mulieris  abrumpat.  Qua  professione 
depromta,  salva  ingenuitate,  licentiam  non 
habeat  recedendi, 

i)  N.  Th.  11,  1,  5.  Si  quis  (vero)  paren- 
tibus  amissis  naturalem  duntaxat  foecundi- 
tatem,  non  etiam  legitimam  sortiatur,  seu 
liber  ipse,  seu  curiae  sit  nexibus  obligatus, 
et  tradendi  filios  vel  omnes,  vel  quos  quemve 
maluerit,  eins  civitatis  curiae,  unde  ipse  ori- 
tur,  et  in  solidum  heredes  scribendi  liberam 
ei  concedimus  facultatem. 


k)  C.  3,  19,  4  pr.  Tutores  eodem  mo- 
mento,  quo  fuerint  ordinati,  mox  adeant 
cognitores,  ut  praesentibus  primatibus,  de- 
fensore,  officiis  etiam  publicis,  inventario  so- 
lenniter  facto,  omne  aurum  argentumque  et 
quicquid  vetustate  temporis  non  mutatur,  si 
in  pupilli  substantia  reperiatur,  iudicum  ac 
senatorum,  officiorum  etiam  publicorum  inus- 
tum  signaculis  in  tutissima,  publicae  aucto- 
ritate  sententiae,  .  .  custodia  collocetur  .  . 

ß)  a)  C.  3,  1,  3.  .  .  ut  omnis  venditio, 
quaecunque  fuerit  a  minore  viro  sive  femina. 


Si  (vero)  legitimus  filios  non  habuerit, 
et  naturales  habuerit,  et  eos  heredes  fortasse 
facere  voluerit,  non  aliter  poterit,  nisi  ut 
primitus  eos  corpori  curiae  sub  gestorum 
testificatione  coniungat,  et  sie,  si  voluerit, 
integras  ad  eos  sive  donatione  sive  testa- 
mento  heredes  scribendo  transferre  poterit 
facultates  .  .  Hoc,  seu  curialis,  seu  liber  a 
curia,  naturalibus  filiis  ita  conferre  legis 
istius  ordinatione  permittitur. 

Mox  ad  tutelam  quis  accesserit,  adhibitis 
continuo  primatibus  civitatis  vel  defensore 
cum  officio  suo,  suscepta  pupilli  bona  facto 
rerum  conscribat  inventario:  et  si  quid  erit 
in  pecunia  vel  argento,  vel  quae  non  pos- 
sunt  vetustate  perire,  praedictorum  annulis 
obsignata  reponat  .  . 


.  .  ut  in   annis  minoribus   constituti,  seu 
vir  seu  femina,  si  ita  necessitas  exegerit,  ut 


Die  Kurie  §  11. 


765 


besitzen.^  Diejenigen,  welche  das  Benefiz  des  Princeps  wegen  Befestigung  c.  2,17,1,4 
ihres  Alters  erzielt  haben  werden,  sollen  ihre  Grundstücke  nicht  ohne  Er- 
mächtigung, resp.  Dekret,  des  Judex,  —  was  auf  Grund  einer  Verfügung 
der  ludices,  bez.  Konsens  der  Kurialen,  gegeben  wird,  —  zu  veräussern 
sich  getrauen. 2 
b)  ^Die  Kurialen  werden  geheissen,  städtische  oder  ländhche  Grundstücke  ohne  ^J^^g' 
die  Einlegung  eines  Dekrets  nicht  zu  verkaufen,  es  sei  denn,  dass  den 
Potestates  berichtet  werde,  dass  eine  harte  Notwendigkeit  den  Kurialen 
zum  Verkaufe  drängt.  Die  Einlegung  eines  Dekrets  soll  dann  nicht  er- 
fordert werden,  sondern  lediglich  sollen  seine  Mitkurialen,  denen  seine  Not 
nicht  wird  verborgen  sein  können,  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen,  und 
keinerlei  Chikane  soll  dem  Käufer  mit  Bezug  auf  die  gekaufte  Sache  ent- 
gegengehalten werden,  sondern  der  Käufer  die  erworbene  Sache  zu  ewigem 
Rechte  besitzen.  Derart  indessen,  dass,  wenn  der  Verkäufer  erwiesen  haben 
wird,  durch  irgendwelche  Täuschung  bei  Intervention  seiner  Mitkurialen, 
die  als  Unterzeichner  einzutreten  geheissen  werden,  betrogen  gewesen  zu 
sein,  der  Verkäufer,  zum  Nachteil  sowohl  des  Käufers  als  auch  des  Unter- 


N.V. 

10, 1,  6 


1)  Vgl.  S.  172  Anm.  5. 

2)  Vgl.  S.  172  Anm.  6. 


sine    decreti   interpositione    celebrata,    nulla 
ratione  subsistat. 


C.  2,  17,  1,  4.  .  .  ut,  quia  spes  ademta 
perfidiae  est,  et  in  vendendis  praediis  dili- 
gentiores  esse  persistant,  qui  beneficium 
meruerunt  principale,  nee  praedia  sine  de- 
creto  alienent. 

b)  N.  Mai.  1,  1,  9.  Praedia  vel  urbana 
vel  rastica  nunquam  sine  interpositione  de- 
creti curialis  alienet.  Quod  ne  forte  provin- 
cialis  iudex  facile  aut  gratificanter  indulgeat, 
ad  eminentium  praefectorum  sub  relatione 
notitiam  dirigatur,  quibus  solis  aestimare  per- 
mittimus,  utrum  ineluctabilis  necessitas  ven- 
ditorem  faciat  curialem.  Aliter  contractus 
super  bis  rebus  initi  non  valebunt  .  . 

N.  V.  10,  1,  6.  .  .  quum  praedia  sua 
distrabunt  curiales,  primores  etiam  curiae, 
qui  vendendi  necessitatem  ignorare  non  pos- 
sunt,  in  coUegae  venditionem  subscribant. 
Hoc  ordine  omnis  causatio  sopietur,  nee  emtor 
bis  auctoribus  quicquam  de  resolutione  for- 
midat,  nee  venditor  potest  sub  tali  assertione 
fraudari.  Quem  si  deceptum  oppressumve 
claruerit,  ab  ipsis  etiam  subscriptoribus  reddi 
iuberaus  indemnem,  ut  utilitati  eius  cum  em- 
tore  improbo  pariter  addicantur. 


aliquid  vendere  velint,  qui  comparare  volu- 
erit,  auctoritate  iudicis  aut  consensu  curiae 
muniatur:  nam  aliter  a  minoribus  facta  ven- 
ditio  non  valebit. 

.  .  qui  beneficium  .  .  principis  pro  con- 
firmanda  aetate  meruerint,  ne  praedia  sua 
sine  iussu  iudicis  vel  decreto,  quod  ex  prae- 
cepto  iudicum  vel  consensu  curialium  datur, 
alienare  praesumant. 

lubentur  (etiam) curiales,  ut  praedia  urbana 
vel  rustica  sine  decreti  interpositione  non  ven- 
dant,  nisi  potestatibus  referatur,  quia  ven- 
dendi arcta  necessitas  imminet  curiali  .  . 


.  .  Nee  interpositio  decreti  quaeratur,  sed 
tantum  concuriales  sui,  quos  necessitas  eius 
poterit  non  latere,  in  ea  venditione  subscri- 
bant, et  nihil  emtori  de  emta  re  calumniae 
penitus  opponatur,  sed  rem  comparatam  em- 
tor perpetuo  iure  possideat.  Ita  tamen,  ut 
si  forsitan  se  aliqua  fraude,  intercedentibus 
concurialibus  suis,  qui  subscriptores  iubentur 
accedere,  venditor  se  probaverit  fuisse  de- 
ceptum, tam  emtoris  quam  subscriptoris  dis- 
pendio  venditor  reddatur  indemnis. 


766 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.Val. 
10, 1,  6 


\'  f  ^^'  Zeichners,  schadlos  gehalten  werden  soll.     Sklaven  ohne  Dekret  zu  verkaufen, 

wird  er  freie  Befugnis  haben,  wenn  nur  fünf  Priores  curiae  als  Zeugen  bei 
diesem  Verkauf  unterzeichnen/ 

aa)  Während  den  Kurialen  bis  heute  nicht  gestattet  war,  ohne  Einlegung 
eines  Dekrets  ihre  Sachen  zu  verkaufen  oder  dem  Corpus  der  Kurie 
zu  entfremden^  soll,  wenn  sie  durch  eine  offenbare  Notwendigkeit  dazu 
gedrängt  gewesen  sein  werden,  eine  im  öffentlichen  Interesse  einge- 
gangene Schuld,  aus  Furcht  vor  den  Strafen  der  Gläubiger,  schleunigst 
abzustossen,  was  auch  immer  unter  einem  solchem  Z^vange  verkauft 
sein  wird,  in  aller  Festigkeit  bestehen.^ 

y)  Testamentseröffnung. 

P.4, 6,2        a)  Die  in  den  Munizipien,  Kolonien,  Städten,  in  einer  Präfektur,  einem  Vicus, 

Kastell,  Conciliptbulum  errichteten  Testamente  werden  auf  dem  Forum  oder 

in    der  Basilika,    in  Gegenwart   der  Zeugen  oder    von    ehrbaren   Männern, 

zwischen  der  zweiten  und  der  zehnten  Tagesstunde  vorgelesen  und,  nachdem 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Drittes  Buch  §  2,  3  d. 

2)  Vgl.  S.  194  Anm.  1. 


N.  Mai.  1,  1,  9.  .  .  In  mancipio  tantum- 
modo  distrahendo  non  est  decreti  quaerenda 
solennitas,  si  quinque  primorum  curiae  sub- 
scriptio  atque  consensio    adiecta  monstretur. 

aa)  N.Val.  10, 1,6.  Si  quis  curiali  venditori 
aliqua  laboranti  necessitate  subvenit,  quum 
modo  ab  exactore  fiscalium  functionum,  modo 
a  creditoribus  urgeretur,  et  sine  cautela  ven- 
didit,  quam  premente  iniuria  quaerere  non 
vacabat,  ne  diutius  suspendiis,  squalore  cu- 
stodiae,  sportulae  concussione,  usuris  in  ma- 
iorem  cumulum  crescentibus  vexaretur,  cur 
non  maneat  venditio,  quae  praestitit  obnoxium 
a  dispendiis  et  suppliciis  liberari?  Alii  de- 
stituta  atque  inculta  propterea  vendiderunt, 
quia  ieiuni  cespitis  onerosam  professionem 
non  poterant  sustinere.  Iniquum  est,  tam 
iustis  praecedentibus  causis  confectae  vendi- 
tioni  ob  hoc  solum,  quia  decreti  interpositio 
defuit,  adimi  firmitatem.  Statuo  itaque  a 
tempore,  quo  Italiam  Alaricus  intravit,  nul- 
lam  moveri  quaestionem  his,  quae  curiales 
taliter  de  facultatibus  propriis  vendiderunt  .  . 

y)  a)  P.  4,  6,  2.  Testamenta  in  munici- 
piis,  coloniis,  oppidis,  praefectura,  vico,  ca- 
stello,  conciliabulo  facta,  in  foro  vel  basilica, 
praesentibus  testibus  vel  honestis  viris,  inter 
horam  secundam  et  decimam  diei  recitari 
debebunt  exemploque  sublato  ab  iisdem  rur- 
sus  magistratibus  obsignari,  quorum  prae- 
sentia  constat  aperta. 


.  .  Mancipia  (autem)  distrahendi  sine  de- 
creto  habebit  liberam  potestatem,  dummodo 
quinque  priores  curiae  testes  in  ea  vendi- 
tione  subscribant. 

Curiales  (etiam),  quibus  hucusque  sine 
decreti  interpositione  res  suas  vendere  aut 
alienare  a  corpore  curiae  non  licebat,  si  certa 
fuerint  necessitate  constricti,  ut  debitum, 
quod  pro  utilitate  publica  contraxit,  dum 
creditorum  poenas  metuit,  supplere  festinet, 
quicquid  sub  tali  necessitate  vendiderit,  omni 
firmitate  subsistat. 


Die  Kurie  §  11 


767 


eine  Abschrift  genommen  ist,  wiederum  von  denselben  Magistraten,  in  deren 
Gegenwart  sie  nachweislich  eröffnet  worden  sind,  versiegelt  werden  müssen. 
6)  Gerichtsbarkeit. 

a)  Res    iudicatae   werden  errichtet  seitens  der  Munizipalmagistrate  bis  zu  der  p.  5, 5,  i 
Summe,  bis  zu  welcher  sie  Recht  sprechen  können. 

b)  Der  Erbe    wird    auf   Erfordern    des    Fideikommissars   von    den    Munizipal-   p.  4, 4, 2 
magistraten,  Ex  auctoritate  praesidis,   angehalten,   die  Erbschaft  anzutreten 

und  auszuantworten. 

c)  Die  Integri  restitutio,  die  ehedem  durch  den  Praetor  geschah,  ist  nunmehr  p.  1, 7, 2 
durch  die  ludices  civitatum  zu  verrichten.^ 

d)  Die    Vermögensinterdiktion    geschieht    nach    GeAvohnheitsrecht    durch    den   p.  3, 5, 1 
Prätor  folgender  Art:  Da  du  das  väterliche  und  grossväterliche  Vermögen 
durch  deine  Nichtswürdigkeit  verschwendest   und  deine  Kinder  in  Dürftig- 
keit   versetzest,    interdiciere    ich   dir    um    deswillen   den   Vermögensverkehr. 

Was  ehedem  durch  den  Prätor  geschah,  ist  nunmehr  durch  die  ludices  civi-   P-  1, 7, 2 
tatum  zu  verrichten. 

e)  Wahl  von  Beamten. 

a)  Werden  Personen  gefehlt  haben,  die  nach  dem  Gesetze  zur  Tutel  gelangen,  es,  17, 4, 4 
und  wird  die  Mutter  die  Tutel  nicht  haben  übernehmen  wollen,  dann  wird 


1)  Vgl.  S.  24  Anm.  2. 


o)  a)  P.  5,  5,  1.  Res  iudicatae  viclentur  .  . 
a  magistratibus  municipalibus  usque  ad  sum- 
mam,  qua  ius  dicere  possunt  .  , 

b)  P.  4,  4,  2.  Heres  per  magistratus  mu- 
nicipales  ex  auctoritate  praesidis,  fideicom- 
missario  postulante,  hereditatem  adire  et 
restituere  compellitur. 

c)  P.  1,  7,  2.  Integri  restitutionein  prae- 
tor tribuit  .  . 

d)  P.  3,  5,  1.  Moribus  per  praetorem  bo- 
nis  interdicitur  hoc  modo :  Quando  tibi  bona 
paterna  avitaque  nequitia  tua  disperdis  li- 
berosque  tuos  ad  egestatem  perducis:  ob  eam 
rem  tibi  ea  re  commercioque  interdico. 


s)  a)  C.  3,  17,  4,  4.  Quod  si  feminae  tu- 
telas refugerint  et  praeoptaverint  nuptias, 
neque  quisquam  legitimus  ad  pares  possit 
causas  vocari,  tum  demum  vir  illustris  prae- 
fectus  urbi,  adscito  praetore,  qui  impertiendis 
tutoribus  praesidet,  sive  iudices,  qui  in  pro- 
vinciis  iura  restituunt,  de  alio  ordine  per 
inquisitionem  dari  minoribus  defensores  iube- 
bunt. 


Integri  restitutio  .  .  quod  per  praetorem 
antea  fiebat,  modo  per  iudices  civitatum 
ag-endum  est  .  . 


P.  1,  7,  2.  .  .  quod  per  praetorem  antea 
fiebat,  modo  per  iudices  civitatum  agendum 
est. 

De  bis  (vero),  qui  cum  lege  veniunt  ad 
tutelam,  .  .  si  defuerint  personae  .  .  et  mater 
tutelam  suscipere  noluerit,  tunc  .  .  electio 
iudicis  vel  provincialium  tutores  minoribus 
deputabit. 


768 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  3,  17,  3 
pr. 


c.  1, 10, 1 

C.  1,  11,  2 


C.  12,  2,  1 


die  AVahl  des  Judex,  bez.  der  Provinzialen,  die  Tutoren  den  Minderjähiigen 
zuzuweisen.^  So  oft  es  sich  um  die  Tutel  über  Pupillen  handelt,  müssen  die 
Primi  patriae  mit  dem  Judex,  je  nach  den  Lebensaltern  der  Minderjährigen, 
entweder  einen  Tutor  oder  einen  Kurator  auswählen ,  sodass  derjenige, 
welcher  die  Tutel  auf  Grund  einer  solchen  Auswahl  übernommen  haben 
wird,  sicher  sein  kann.^ 

b)  Diejenigen  sollen  zu  Defensores  civitatum  eingesetzt  werden,  welche  ersicht- 
lich der  Konsens  der  Bürger  und  die  Unterschrift  Aller  ausgewählt  hat.'^ 

c)  Alle  ludices  mögen  sich  deutlich  bewusst  werden,  dass  Niemand  in  die 
ihm  anvertraute  Provinz  aus  der  Provinz,  von  wo  er  gekommen  ist,  bez. 
aus  einer  andern  Gegend  einen  Cancellarius  oder  Domesticus  sich  bei- 
gesellen solle,  es  sei  denn,  wer  ihm  öffentlich  durch  Wahl  der  Bürger  zu- 
gewiesen gewesen  sein  wird.* 

d)  Exaktoren  und  Susceptoren  der  öffentlichen  Steuer  sollen  nicht  im  geheimen, 
sondern  öffentlich  in  Gegenwart  der  andern  Kurialen,  bez.  des  Populus, 
ihre    Obliegenheiten    zur    Verrichtung    und    Ausführung    übernehmen;    sie 


1)  Vgl. 
3)  Vgl. 


S.  184  Anm. 
§  10,  1  a. 


2)  Vgl.  S.  185  Anm.  1. 
4)  Vgl.  S.  484  Anm.  2. 


C.  3,  17,  3  pr.  Illustris  praefectus  urbis 
adhibitis  decem  viris  e  numero  senatus  am- 
plissimi  et  praetore  clarissimo  viro,  qui  tute- 
laribus  cognitionibus  praesidet,  tutores  cura- 
toresve  ex  quolibet  ordine  idoneos  faciat 
retentari.  Et  sane  id  libero  iudicio  exper- 
tesque  damni  constituent  iudicantes,  et  si 
regendis  pupillaribus  censibus  singuli  crean- 
dorum  pares  esse  non  possunt,  plures  ad  hoc 
seeundum  leges  veteres  conveniet  advocari, 
ut,  quem  coetus  ille  administrandis  negotiis 
pupillorum  dignissimum  iudicarit,  sola  sen- 
tentia  obtineat  praefecturae.  Itaque  hoc 
modo  remoti  a  metu,  qui  consilio  adfuerint, 
permanebunt,  et  parvulis  adultisque  iusta  de- 
fensio  sub  hac  prudentium  deliberatione  pro- 
veniet. 

b)  C.  1,  10,  1.  Hi  potissimum  constitu- 
antur  defensores,  quos  decretis  elegerint  ci- 
vitates  .  . 

c)  C.  1,  11,  2.  Nullus  iudicum  ad  provin- 
ciam  sibi  commissam  quemquam  secum  ducere 
audeat,  cui  domestici  vel  cancellarii  nomen 
imponat,  nee  profectum  ad  se  undecunque 
suscipiat,  ne  famae  nota  cum  bonorum  publi- 
catione  plectatur.  Periculo  enim  primatum 
officii,  cancellarios  sub  fide  gestorum  electos 
iudicibus  applicari  iubemus  .  . 

d)  C.  12,  2,  1.  Exactores  vel  susceptores 
in  celeberrimo  coetu  curiae,  consensu  et  iu- 
dicio omnium,  sub  actorum  testificatione  fir- 


Quoties  de  pupillorum  tutela  tractatur, 
debent  primi  patriae  cum  iudice,  seeundum 
aetates  minorum,  aut  tutorem  aut  curatorem 
eligere,  ut  ille,  qui  susceperit  tutelam  tali 
electione,  possit  esse  securus. 


Hi  instituantur  civitatum  defensores,  quos 
consensus  civium  et  subscriptio  universorum 
elegisse  cognoscitur  .  . 

Omnes  iudices  evidenter  agnoscant,  nullum 
in  provinciam  sibi  commissam,  de  eadem,  de 
qua  venit,  provincia  vel  alia  regione,  sibi 
cancellarium  aut  domesticum  fortasse  con- 
iungere,  nisi  qui  ei  publice  fuerit  civium 
electione  deputatus  .  . 


Exactores  et  susceptores  publicae  func- 
tionis  non  secretim,  sed  publice  praesentibus 
aliis  curialibus  vel  populo  necessitates  agendas 


Die  Kurie  §  11. 


769 


die  ernannt,  bez.  erwählt  gewesen   sein   werden,  sollen  den  ludices  bekannt 
werden,  mit  der  Massgabe,  dass  diejenigen,  welche  mit  Bezug  auf  die  Wahl 
solcher    zu    den  Akten    profitiert  gehabt   haben  werden,   wissen  mögen,  ein 
von  jenen   angerichteter  Schade  werde  denjenigen,  von  welchen  sie  gewählt 
w^orden  sind,  zum  Nachteil  gereichen. ^ 
e)  Sei  es   dass  in  einer  ganzen  Provinz,   sei    es   dass    für  die    einzelnen  Civi-   c.  8,  i,  i 
tates  Tabularii,  das  will  sagen,  Personen,  die  die  öffentlichen   Rechnungen 
besorgen,  eingesetzt  gewesen  sein  werden,  so  sollen  von  den  Provinzialen  Freie 
eingesetzt  w^erden.^ 
Q  Steuern  und  Lasten. 

a)  Exaktoren  und  Susceptoren  der  Öffentlichen  Steuer  sollen  nicht  im  geheimen,   c.  12, 2, 1 
sondern   öffentlich  in   Gegenwart   der  anderen  Kurialen,    bez.  des  Populus, 

ihre  Obliegenheiten  zur  Verrichtung  und  Ausführung  übernehmen.^ 

b)  Exaktoren,  die  in  dem  einen  Jahre  eingetrieben  haben  werden,  dürfen  nicht   c.  12, 2,  2 
die  Eintreibung  des  zweiten  Jahres  übernehmen  und  die  Possessores  mittels 
unnötiger  Eintreibung  belästigen :  vielmehr  muss  dies  in  Betracht  genommen 
werden,  dass  sie  in  den  einzelnen  Jahren  nach  Auswahl  des  Judex  wechseln, 

es  sei  denn  dass  entweder  die  Gewohnheit  der  Gemeinde  oder  die  Selten- 
heit von  Kurialen  sie  während  eines  Zeitraums  von  zwei  Jahren  Steuerein- 
treiber zu  sein  nötigt. 

c)  ^Aus  Superindicticii  tituli  soll  von  den  Provhizialen  nichts  verlangt  werden   c.  11,  6,1 


1)  Vgl.  §  3,  2y,  a. 
3)  Vgl.  S.  686  Anm.  1, 


2)  Vgl.  S.  684  Anm.  2. 


mentur,  provinciarumque  rectoribus  eorum 
nomina,  qui  ad  publici  munus  officii  editi 
atque  obligati  fuerint,  innotescant.  Et  ani- 
madvertant,  quicunque  nomin  averint,  ad 
discrimen  suum  universa,  quae  illi  gesserint, 
redundare. 

e)  C.  8,  1,  1.  Generali  lege  sancimus,  ut, 
sive  solidis  provinciis  sive  singulis  civitatibus 
necessarii  fuerint  tabularii,  liberi  homines 
ordinentur  .  . 

"0  a)  C.  12,  2,  1.  Exactores  vel  suscep- 
tores  in  celeberrimo  coetu  curiae,  consensu 
et  iudicio  omnium,  sub  actorum  testificatione 
firmentur  ,  . 

b)  C.  12,  2,  2.  Non  perpetui  exactores 
in  continuata  vexandorum  provincialium  po- 
testate,  veluti  concussionum  dominatione, 
teneantur,  sed  per  annos  singulos  iudiciaria 
sedulitate  mutentur,  nisi  aut  consuetudo  ci- 
vitatis aut  raritas  ordinis  eos  per  biennium 
esse  compellat  .  . 

c)  C.   11,    6,   1.      Nihil    a   provincialibus 
C  0  n  r  a  t ,  Breviarium. 


expediendasque  suscipiant:  et  qui  nominati 
vel  electi  fuerint,  iudicibus  innotescant:  sci- 
turis  his,  qui  de  electione  talium  fuerint 
apud  acta  professi,  quod,  si  quid  everterint, 
ad  eorum,  a  quibus  electi  sunt,  dispendium 
pertinebit. 

Sive  in  solida  provincia  sive  per  singulas 
civitates  tabularii  fuerint  ordinati,  hoc  est, 
qui  rationes  publicas  tractant,  ingenui  a 
provincialibus  ordinentur  .  . 

Exactores  et  susceptores  publicae  func- 
tionis  non  secretim,  sed  publice  praesentibus 
aliis  curialibus  vel  populo  necessitates  agen- 
das  expediendasque  suscipiant  .  . 

(Lex  ista  hoc  iubet,)  non  debere  exactores, 
qui  uno  anno  exegerint,  secundi  anni  exac- 
tionem  suscipere  et  possessores  superflua 
exactione  vexare.  Sed  hoc  observari  debere, 
ut  annis  singulis  iudiciaria  electione  muten- 
tur, nisi  forte  aut  consuetudo  civitatis  aut 
raritas  curialium  per  biennium  eos  exactores 
esse  compellat  .  . 

(Haec   lex   hoc  praecipit,)   nihil  debere  a 

49 


770 


ÖfFentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


können,  ausser  nur  dasjenige,  wovon  festgestanden  haben  wird,  dass  es  von 
den  Herren  der  Dinge  auferlegt  worden  ist.  Ein  Jeder,  der  irgend  etwas 
überfordern  zu  sollen  geglaubt  haben  wird,  soll  mit  der  Eückgabe  des  Vier- 
fachen büssen:  indessen  soll  die  Untersuchung  dessen  auch  für  die  Ordinarii 
iudices  derart  auslaufen,  dass,  wenn  etwas  in  ihren  Provinzen  seitens  irgend- 
welcher Personen  oder  Kurialen  geschehen  ist,  auch  sie  die  gleiche  Er- 
satzstrafe trifft.^ 

c.  2, 30, 1  d)  ^  Viele  massen  sich  an,  für  eine  fiskale  Schuld  Ackerbauknechte  oder  Pflug- 
stiere, aus  deren  Arbeitserträgen  die  Steuern  bezahlt  werden,  behufs  Pfän- 
dung von  den  Besitztümern  wegzunehmen.  Wird  darum  als  Gläubiger,  sei 
es  der  Curator  pacis  oder  ein  Kuriale  oder  welcher  Exaktor  auch  immer 
es  zu  thun  sich  angemasst  haben,  so  soll  er  von  dem  Provinciae  iudex 
gestraft  werden.^ 

c.  8, 2, 1  e)  Wenn  Jemand  einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung  des 
Erlaubnisscheins,  der  im  öffentlichen  Interesse  gewährt  worden  ist,  sich 
angemasst  haben  wird,  soll  er  auf  Gefahr  des  Kurators  oder  des  Defensors 
und  der  Principales    civitatum    dem   Ordinarius    iudex    überwiesen    werden, 


1)  Vgl.  §  3,  2  s,  a. 

2)  Vgl.  S.  520  Anm.  1. 


extraordinaria  patimur  indictione  deposci. 
Caveat  igitur  magnifica  auctoritas  tua,  ne 
praeter  ea,  quae  a  mansuetudine  nostra  pa- 
tuerit  indicta,  tenuiorum  oneret  functionem ; 
ut,  si  quis  usurpatoria  temeritate  amplius 
aliquid  fuerit  conatus  exigere,  obnoxius  qua- 
drupli  repetitione  teneatur.  Quae  severitas 
iussionis  ad  ordinariorum  iudicum  officiorum- 
que  terrorem  debebit  excurrere,  ut,  si  eorum 
vel  gratiosa  conniventia  vel  ignobili  dissi- 
mulatione  temeritas  admiserit  curiaHs ,  eos 
quoque  damni  similis  poena  castiget. 

d)  C.  2,  30,  1.  Intercessores  a  rectoribus 
provinciarum  dati  ad  exigenda  debita  ea, 
quae  civiliter  poscuntur,  servos  aratores  aut 
boves  aratorios  pignoris  causa  de  possessi- 
onibus  abstrahunt,  ex  quo  tributorum  illatio 
retardatur.  Si  quis  igitur  intercessor  aut 
creditor  vel  praefectus  pacis  vel  decurio  in 
hac  re  fuerit  detectus,  a  rectoribus  provin- 
ciarum capitali  sententiae  subiugetur. 

e)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumpserit,  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per 
singulos  paraveredos  vel  parangarias  fisci 
viribus  illaturus  .  . 


provincialibus  de  superindicticiis  titulis  peti, 
nisi  ea  tantum,  quae  a  rerum  dominis  indicta 
constiterit.  Et  hoc  iubet,  ut  quicunque  ali- 
quid superexigendum  crediderit,  quadrupli 
redhibitione  componat.  Sed  et  ad  ordinarios 
iudices  hanc  inquisitionem  iubet  excurrere, 
ut  etiam  si  quid  in  provinciis  eorum  a  qui- 
buscunque  personis  aut  curialibus  factum  est, 
etiam  eos  similis  damni  poena  castiget. 


Multi  pro  fiscali  debito  servos  cultores 
aut  boves  aratorios  de  possessionibus  causa 
pignoris  auferre  praesumunt,  de  quorum  la- 
boribus  tributa  redduntur,  et  ideo  si  quis 
creditor  vel  curator  pacis  vel  curialis  aut 
quicunque  exactor  hoc  facere  praesumserit, 
a  provinciae  iudice  puniatur. 


Die  Kurie  §  11. 


771 


C.  5,  5, 2 
pr.  1  u.  4 


indem  er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Parangariae 
dem  Fiskus  einbringen  soll. 

Y])  Polizei. 

a)  ^Wehn  diejenigen,  welche  von  den  Feinden  zur  Zeit  der  Gefangennehmung 
weggeführt  worden  sind,  seitens  irgendwelcher  Personen,  sei  es  auf  Nahrung 
oder  auf  Kleidung,  irgend  etwas  in  Empfang  genommen  haben,  soll,  sobald 
sie  in  ihre  Heimat  werden  haben  zui'ückkehren  wollen,  durchaus  nicht  irgend 
etwas  für  ihre  Ausgaben  verlangt  werden.  Wird  jedoch  der  Beutemacher 
für  seinen  Gefangenen  einen  Preis  empfangen  haben,  so  soll  der  Loskäufer 
ohne  Zweifel  zurückempfangen,  was  er  gegeben  zu  haben  erwiesen  haben 
wird.  Wird  der  Gefangene  den  Preis  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er  während 
eines  Zeitraums  von  fünf  Jahren  dem  Loskäufer  dienen  und  nach  dem 
Zeitraum  von  fünf  Jahren  ohne  Preis  der  Ingenuität  wiedergegeben  werden. 
Mit  Bezug  auf  die  Christen,  die  sich  um  den  Loskauf  bemühen  müssen, 
wollen  wir,  dass  sie  um  die  Gefangenen  besorgt  sind.  Auch  die  Kurialen 
soll  diese  Fürsorge  angehen.^ 

b)  Wird   irgend   Jemand  Grabstätten    ausgegraben,    aus   ihnen    Marmor   oder     bü.^e^' 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  5,  1  d. 


7))  a)  C.  5,  5,  2  pr.  1  u.  4.  Diversarum 
homines  provinciarum  cuiuslibet  sexus,  con- 
ditionis,  aetatis,  quos  barbarica  feritas  captiva 
necessitate  transduxerat,  invitos  nemo  reti- 
neat,  sed  ad  propria  redire  cupientibus  libera 
sit  facultas.  Quibus  si  quicquam  in  usum 
vestium  vel  alimoniae  impensum  est,  huma- 
nitati  sit  praestitum,  nee  maneat  victuaHs 
sumtus  repetitio:  exceptis  iis,  quos  barbaris 
vendentibus  emtos  esse  docebitur,  a  quibus 
Status  sui  pretium  propter  utilitatem  publi- 
cam  emtoribus  aequum  est  redhiberi.  Ne 
quando  enim  damni  consideratio  in  tali  ne- 
cessitate positis  negari  faciat  emtionem,  de- 
cet  redemtos  aut  datum  pro  se  pretium  em- 
toribus restituere  aut  labore ,  obsequio  vel 
opere  quinquennii  vicem  referre  beneficii, 
habituros  incolumen,  si  in  ea  nati  sunt,  liber- 
tatem.  Et  ut  facilis  exsecutio  proveniat, 
Christianos  proximorum  locorum  volumus 
buius  rei  sollicitudinem  gerere.  Curiales 
quoque  proximarum  civitatum  placuit  admo- 
neri,  ut  emergentibus  talibus  causis  sciant, 
legis  nostrae  auxilium  deferendam  .  . 

b)  N.  V.  5,  1,  2  u.  6.  . .  Quisquis  (igitur)  se- 
pulcra  .  .  effoderit,  quisquis  ex  bis  quaelibet 
marmora  aut  saxa  sustulerit,  poenae  mox 
habeatur  obnoxius  .  .  ut  provinciae  modera- 
tor,  adminiculo  municipum  fultus,  censuram 
nostrae  legis  exerceat  .  . 


Hi,  qui  ab  bostibus  tempore  captivitatis 
ducti  sunt,  si  ab  aliquibus  vel  ad  victum  vel 
ad  vestitum  aliquid  acceperunt,  quum  redire 
ad  propria  voluerint,  minine  aliquid  pro 
eorum  requiratur  expensis,  Tamen  si  pretium 
pro  captivo  suo  praedator  acceperit,  quod 
dedisse  emtor  probaverit,  sine  dubitatione 
recipiat.  Quod  si  pretium  non  habuerit, 
quinquennio  serviat  captivus  emtori  et  post 
quinquennium  sine  pretio  ingenuitati  redda- 
tur.  Sane  Christianos,  qui  redemtioni  stu- 
dere  debent,  pro  captivis  volumus  esse  solli- 
citos.  Ad  curiales  etiam  ista  sollicitudo 
pertineat  .  . 


49* 


772 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


C.  1,10,  2 


P.  1,  13,  3 


N.  Mai. 
1,  1,  11 

N.  Mai. 
1,1,12 


Gestein  weggeschaft  haben,  so  soll  er  nnverzüglicli  der  Strafe  für  schuldig 
gelten.  Der  Provinzialstatthalter  soll,  indem  er  sich  auf  die  Beihilfe  der 
Municipes  stützt,  die  Strafe  unseres  Gesetzes  anwenden. 

8)  Schutz  der  Kurie. 

a)  Die  Defensoren  sollen  ihrem  Namen  gemäss  die  Kurie,  bez.  die  ihnen  an- 
vertrauten Plebs  mit  aller  Gerechtigkeit  und  Billigkeit  verteidigen. 

b)  Gegen  denjenigen,  welcher  das  Album  der  Kurie  ausgekratzt,  beschädigt  oder 
eine  beliebige  andere  Art  von  Schriftstück  durch  seine  Anmassung  in  Un- 
ordnung gebracht  haben  wird,  wird  ohne  Abwartung  eines  Urteils  des  Ordo 
mit  Kapitalstrafe  eingeschritten.^ 

c)  Der  Ordo  der  Kurie  soll  nicht  für  die  Schuld  eines  Einzelnen  die  Strafe 
auf  sich  nehmen:  nur  lediglich  derjenige,  welcher  erweislich  schuldig  ist.^ 

d)  Mit  Bezug  auf  diejenigen  Sachen,  wovon  irgend  etwas  dem  Iudex  mittels 
Sportel  zugeführt  wird,  soll  die  Kurie  keinen  Schaden  leiden.^-  ^ 


1)  Vgl.  S.  299  Anm.  2.  2)  Vgl.  S.  597  Anm.  3. 

3)  T  sagt,  dass  an  Strenae  Kalendae  und  Pulveratici  nomine  von  den  Kurialen  nichts 
beansprucht  werden  könne,  und  im  Falle  der  Forderung,  bez.  Annahme  für  jeden  Kurialen 
ein  Pfund  Gold  zu  zahlen  sei. 

4)  Mit  Bezug  auf  den  übrigen  in  T  überlieferten  Inhalt  sagt  J:  Reliqua  vero  pars 
legis  interpretata  non  est,  quia  haec,  quae  continet,  usu  carent,  et  certe  ad  intelli- 
gendum  non  habetur  obscura.  T  handelt  einmal  davon  (§  13),  dass  der  Provincialis  iudex 
bei  einer  Reise  von  einer  in  die  andere  Gemeinde  nicht  mehr  als  eine  Angaria  und 
zwei  Paraveredi  für  sich,  bez.  für  sein  Officium  beanspruchen  und  bei  Überforderung  mit  acht 
Pferden,  Publicis  mutationibus  aggregandos,  büssen  solle  (Nee  hanc  partem  ducimus  negli- 
gendam,  in  qua  et  ordinibus  et  possessorum  compendiis  providetur.  Itaque  provinciali 
iudici  non  solum  faciendarum   evectionum   nulli  tribuatur  facultas,   verum  ne   ipsi  quidem, 


8)  a)  C.  1,  10,  2.  Defensores  nihil  sibi 
insolenter,  nihil  indebitum  vindicantes,  no- 
minis  sui  tantum  fungantur  officio  . .  Plebem 
tantum  vel  decuriones  ab  omni  improborum  in- 
solentia  et  temeritate  tueantur  et  id  tantum, 
quod  esse  dicuntur,  esse  non  desinant. 

b)  P.  1,  13,  3.  Is,  qui  album  raserit,  cor- 
ruperit,  sustulerit,  mutaverit  quidve  aliud 
propositum  edicendi  causa  turbaverit,  extra 
ordinem  punietur. 

c)  N.  Mai.  1,  1,  11.  Nunquam  curiae  a 
provinciarum  rectoribus  generali  condemna- 
tione  mulctentur,  quum  utique  hoc  et  aequi- 
tas  suadeat  et  regula  iuris  antiqui,  ut  noxa 
tantum  caput  sequatur,  ne  propter  unius  for- 
tasse  delictum  alii  dispendiis  affligantur. 

d)  N.  Mai.  1,  1,  12.  Strenarum,  Kalen- 
darum  ac  pulveratici  nomine  a  curialibus 
nihil  petatur.  Si  quis  horum  aliquid  po- 
poscerit,  aut  etiam  offerentem  contra  inter- 
dicta  susceperit,  singulas  libras  auri  per 
singulos  curiales  a  se  noverit  exigendas. 


Defensores  secundum  suum  nomen  cu- 
riam  vel  plebem  sibi  commissam  cum  omni 
iustitia  et  aequitate  defendant  .  . 


In  eum,  qui  album  curiae  ra,serit,  vitia- 
verit  vel  quodcunque  aliud  scripturae  genus 
sua  praesumtione  turbaverit,  capitaliter  non 
exspectata  ordinis  sententia  vindicatur. 

.  .  nee  ut  ordo  curiae  pro  unius  culpa 
mulctam  excipiat,  nisi  tantum  is,  qui  pro- 
batur  obnoxius. 


.  .  nee  in  his  rebus,  unde  aliqua  iudici 
per  sportulam  conferuntur,  curiam  (praecepit) 
sentire  dispendia. 


Die  Kurie  §  11. 


778 


9)  Klassen  unter  den  Kurialen. 
a)  Honoratus. 

a)  ^Wenn  ein  Kuriale  den  Willen  eines  Sterbenden  oder  eine  beliebige  öffent-   ^"  ^'^^' ^ 
liehe    Urkunde    geschrieben   haben  und    wegen    Fälschung   angeklagt   wird, 


quum  ad  alteram  pergere  coeperit  civitatem ,  plus  quam  unam  sibi  angariam  et  duos 
paraveredos  alteramque  angariam  officio  suo,  sed  et  paraveredos  duos  liceat  postulare. 
Si  quispiam  amplius  aestimaverit  praesumendum,  octo  equos  constrictus  exsolvat,  publicis 
mox  mutationibus  aggregandos).  Sodann  (§  14)  wird  dem  Compulsor  tributi  verboten,  von 
einem  Kurialen  mehr  einzutreiben,  als  dieser  empfangen  habe:  kein  Exactor  solle  einen 
Solidus  integri  ponderis  ablehnen,  Excepto  eo  gallico,  cuius  aurum  minore  aestimatione  taxatur; 
Concussiones  sowie  Beanspruchung  mutaturae  nomine  sei  bei  Strafe  verboten  (Compulsor 
tributi  nihil  amplius  a  curiali  noverit  exigendum,  quam  quod  ipse  a  possessore  susceperit: 
quia  ad  hoc  tantummodo  perurgendus  est,  ut  pariter  exigat,  et  publicum  debitorem  osten- 
dat  atque  convincat.  Praeterea  nullus  solidum  integri  ponderis  calumniosae  improbationis 
obtentu  recuset  exactor,  excepto  eo  gallico,  cuius  aurum  minore  aestimatione  taxatur.  Omnis 
concussionum  removeatur  occasio,  nihil  mutaturae  nomine  postuletur,  ita  ut,  quisquis  hoc 
posthac  usurpandum  esse  crediderit,  sive  praetoriani  sit  miles  officii,  seu  palatinus,  vel  sacri 
aerarii  vel  privati,  seu  professionem  negotiationis  exercens,  fustuariae  subditus  poenae  ser- 
vilibus  suppliciis  periturum  se  esse  cognoscat).  Ferner  wird  gegen  den  Betrug  derjenigen 
eingeschritten  (§  15),  die  missbräuchlich  vor  Unwissenden  der  Faustina  und  anderer  No- 
mina Erwähnung  thun,  und  wird  die  Abfertigung  von  Pondera  examinata  an  Provinzen  und 
Gemeinden,  zur  Benutzung  durch  Exactor  und  Negotiator  bei  Kapitalstrafe,  angeordnet 
(Ulis  quoque  fraudibus  obviandum  est,  quas  in  varietate  ponderum  exactorum  calliditas 
facere  consuevit,  qui  vetustis  caliginibus  abutentes,  Faustinae  aliorumque  nominum  nescien- 
tibus  faciant  mentionem,  Quibus  penitus  amotis  atque  in  perpetuum  hac  lege  damnatis,  a 
praetoriana  sede  ad  singulas  non  solum  provincias,  sed  etiam  civitates  pondera  examinata 
mittantur,  quibus  tam  omnis  exactor,  quam  negotiator  utatur,  capitale  sibi  sciens  unus- 
quisque  supplicium,  si  constituta  transscenderit).  Zu  Gunsten  der  Officia  wird  verordnet 
(§  16),  dass,  wenn  von  den  Provinzialstatthaltern  der  ganze  Kanon,  sowohl  Ad  arcam 
praefecturae  pertinens,  als  auch  Sacris  vel  privatis  largitionibus  inferendum,  sowie  auch 
Bini  solidi  per  iugum  vel  millenos  solides  remunerationibus  deputati  einzutreiben  ist,  die 
Possessores  dazu  noch  Semissis  solidi  per  iuga  singula  seu  singulas  millenas  entrichten  sollen, 
die  unter  die  Diversa  officia  —  Palatinus,  Exactor,  Curialis,  Officium  provinciale  und  praefec- 
torum —  zu  verteilen  sind:  auf  Überforderung  stehe  Strafe  (Inter  haec  etiam  officiorum  pro 
laborum  merito  non  est  commoditas  negligenda.  Et  quia  per  rectores  provinciarum  exigi 
omnem  canonem  tam  ad  arcam  praefecturae  pertinentem,  quam  sacris  vel  privatis  largitio- 
nibus inferendum,  sed  et  binos  per  iugum  vel  millenos  solides  remunerationibus  deputatos 
compelli  debere  praecepimus,  possessori  non  putamus  onerosum,  quem  a  multis  molestiis  et 
sportularum  et  numerosis  mutaturae  dispendiis  liberamus,  si  semissem  solidi  per  iuga  sin- 
gula seu  singulas  millenas  amplius  iubeamus  inferri,  qui  pro  ordinatione  nostra  inter  diversa 
officia  dividatur.     Ita   ergo   praedicta  summa  inter  compulsores,   ut  diximus,  partienda  est, 


9  a)  a)  C.  9,  15,  1  pr.  Si  quis  decurio  tes- 
tamentum  vel  codicillos  aut  aliquam  defici- 
entis  scripserit  voluntatem,  vel  conscribendis 
publicis  privatisque  instrumentis  praebuerit 
officium,  si  falsi  quaestiq  moveatur,  decu- 
rionatus  honore  seposito,  quaestioni,  si  ita 
poposcerit  causa,  subdatur.  Sed  non  statim 
desinit  esse  decurio,  qui  in  huius  modi  facto 
fuerit  deprehensus.  Quantum  enim  ad  muni- 
cipales  pertinet  necessitates,  decurio  permanet ; 
quantum  ad  rem  gestam  et  veritatem  reser- 
andam,  uti  decurionatus  honore  non  poterit. 


Si  quis  curialis  voluntatem  morientis  aut 
quodlibet  publicum  documentum  scripserit, 
et  de  falsitate  accusatur,  seposita  primitus 
dignitate,  si  necesse  fuerit,  subdatur  examini: 
qui  si  convincitur,  a  curia  non  expelletur, 
sed  curiae  dignitate  privabitur,  id  est  ut 
honoratus  esse  non  possit. 


774  Öffentliches  Recht.     Drittes  'Buch. 

soll  er,  indem  zunächst  die  Dignität  bei  Seite  gesetzt  wird,  falls  es  nötig 
gewesen  sein  wird,  dem  Examen  überliefert  werden.  Wird  er  überfährt, 
so  wird  er  nicht  aus  der  Kurie  gestossen,  sondern  der  Dignität  der  Kurie 
beraubt  werden,  das  will  sagen,  dass  er  nicht  Honoratus  sein  kann> 
c.  1, 7, 1  b)  2  Wenn  die  Honorati  provinciarum,  das  will  sagen,  aus  dem  Corpus  cm^iae, 
in  eigner  Person  an  einem  Prozess  beteiligt  sind,  sollen  sie  zu  der  Zeit, 
dass  die  Sachen  Anderer  von  den  Richterii  verhandelt  werden,  mit  dem 
Eichter  nicht  zusammensitzen.  Ingleichen  sollen  die  Parteien  in  den  Mittags- 
stunden den  Richter  nicht  begrüssen.  Werden  sie  Anderes  sich  angemasst 
haben,  so  sollen  ebensosehr  der  Richter  wie  sein  Officium  und  die  Honorati 
die  Strafe  von  fünf  Pfund  Gold  zahlen.^ 


ut  palatinus  siliquam  mediam  pro  siliquatico  solidi  remunerationis  binorum  soHdorum, 
exactor  siliquam,  quatuor  autem  siliquas  tarn  curialis,  quam  officium  provinciale  percipiat, 
officium  sane  praefectorum  sex  semis  siliquas  consequatur.  Quisquis  ultra  aliquid  aut 
exigendum  aut  accipiendum  esse  crediderit,  subditus  verberibus  et  cingulo  privabitur,  et 
facultatibus  exuetur).  T  sagt  ferner  (§  17),  dass  Civitates,  bez.  Curiarum  ordines  und  Nego- 
tiatores  von  der  mit  dem  Aufenthalt  der  Provinzialstatthalter  verbundenen  Last  zu  befreien 
seien,  derart,  dass  eine  Civitas  nicht  für  länger  als  einen  Zeitraum  von  drei  Tagen  Ver- 
pflegung zu  gewähren  verpflichtet  sei  und  die  Art  der  Verpflegung  durch  Edikt  der  Eminen- 
tissima  praefectura,  das  mit  einer  kaiserlichen  Verfügung  gleichstehe,  bestimmt  w^erde:  mit 
der  Massgabe,  dass,  im  Falle  gegenüber  Kurialen  und  Negotiatores  Überforderung,  bez. 
auch  nur  Inempfangnahme  stattfindet,  dem  Judex  Administratio  Privilegium  dignitatis  und 
Vermögen  verloren  gehe  (Illud  quoque  onus  a  civitatibus  vel  praecipue  curiarum  ordinibus  ac 
negotiatoribus  summovendum  est,  quibus  non  parva  dispendia  provinciarum  iudicum  infligit 
adventus,  ut  eos  in  otio  plerumque  residentes  deliciis  exquisitis  alere  quasi  quadam  lege  co- 
gantur.  Contra  quam  iniquitatem  remedium  providentes,  hac  evidenti  praeceptione  decer- 
nimus,  ut  rectori  provinciae  totius  anni  tempore  non  plus  quam  triduo  una  civitas  ali- 
monias  subministret,  ita  ut,  si  diutius  voluerit  commorari,  de  proprio  sibi  sciat  esse  viven- 
dum.  Sed  ne  vaga  interpretatio  eorum,  quae  pro  humanitate  praebenda  sunt,  nihilominus 
praedictos  fatiget,  quid  inferri  diuruum  debeat,  eminentissimae  praefecturae  pandetur  edicto, 
quod  instar  nostri  volumus  esse  praecepti:  hac  conditione  sociata,  ut,  si  supra  hunc  modum 
quicquam  a  curialibus  seu  negotiatoribus  iudex  putaverit  postulandum,  aut  sub  nomine 
oblationis  acceperit  [quod  magis  extorsisse  credendum  est],  mox  administratione  depulsus, 
privilegio  dignitatis  amisso,  proscriptione  feriatur  .  .).  Schliesslich  (§  18)  ist  verordnet,  dass 
die  Provinzialstatthalter  die  Principales  oder  Seniores  der  einzelnen  Städte  anhalten  sollen, 
die  in  alter  Zeit  abgefassten  Alba  sowohl  der  Kurie  als  sonstiger  Körperschaften  vorzulegen, 
welche  die  Familiae  von  Obnoxii,  Sub  confectione  gestorum  bei  Gefahr  ihres  Caput,  aufdecken 
(Illustris  sane  et  praecelsa  magnificentia  tua  omnium  provinciarum  rectores  suis  auctoritati- 
bus  admonebit,  ut  principales  vel  seniores  urbium  singularum,  tarn  curiarum,  quam  reli- 
quorum  corporum,  albos,  quos  conscripsit  vetustas,  proferre  compellant,  obnoxiorum  familias 
sub  confectione  gestorum  capitis  sui  periculo  detegentes,  ita  ut,  quae  statuta  sunt,  edictis 
propositis  in  cunctorum  notitiam  perferantur). 

1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  5,  1  ß,  b.  2)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  2  c. 


b)  C.  1,  7,  1,  Honorati,  qui  Utes  habere 
noscuntur,  his  horis,  quibus  causarum  merita 
vel  facta  panduntur,  residendi  cum  iudice 
non  habeant  facultatem:  nee  meridianis  ho- 
ris a  litigatoribus  iudices  videantur.  Quina 
itaque  pondo  auri  tam  iudici,  quam  eins  of- 
ficio et  honoratis  parem  mulctam  adscriben- 
dam  esse  cognoscas,  si  quis  contra  prae- 
ceptum  huiusmodi  venire  tentaverit. 


Honorati  provinciarum  (id  est,  ex  curiae 
corpore),  si  et  ipsi  in  lite  sunt  constituti, 
tempore,  quo  causae  aliorum  a  iudicibus  ven- 
tilantur,  cum  iudice  non  resideant:  et  liti- 
gatores  meridianis  horis  iudicem  non  salu- 
tent.  Si  aliud  praesumserint,  mulctam  supra 
scriptae  legis  exsolvant. 


Die  Kurie  §  11. 


775 


N.  Mai. 
1,  1,9 


ß)  Primates  (Primi  patriae). 

a)  Sobald  Jemand  an  die  Tutel  herangetreten  sein  wird,  soll  er  unter  sofortiger  ^-  ^'}^'  * 
Zuziehung   der  Primates  civitatis,   bez.  des  Defensors  mit  seinem  Officium, 

das  in  Empfang  genommene  Vermögen  des  Papillen  unter  Veranstaltung 
eines  Vermögensinventars  zusammenschreiben.^ 

b)  So  oft  es  sich  um  die  Tutel  über  Pupillen  handelt,  müssen  die  Primi  patriae     '  pV!^'  ^ 
mit  dem  Judex,  je    nach    den  Lebensaltern    der  Minderjährigen,    entweder 

einen  Tutor  oder  einen  Kuratur  ausw^ählen.^ 

c)  Sklaven  ohne  Dekret  zu  veräussern,  wird  der  Kuriale  freie  Befugnis  haben, 
wenn  nur  fünf  Priores  curiae  als  Zeugen  bei  diesem  Verkauf  unterzeichnen. 

d)  Wenn  Jemand  einen  Paraveredus  oder  eine  Parangaria,  ohne  Vorzeigung   c.  8, 2, 1 
des    Erlaubnisscheins,    der   im    öffentlichen    Interesse    gewährt    worden    ist, 

sich  angemasst  haben  wird,  soll  er  auf  Gefahr  des  Kurators  oder  des 
Defensors  und  der  Principales  civitatum  dem  Ordinarius  iudex  überwiesen 
werden,  indem  er  je  ein  Pfund  Gold  für  die  einzelnen  Paraveredi  oder  Pa- 
rangariae  dem  Fiskus  einbringen  soll. 

Y)  Magistrat  (Aedil)  (vgl.  7  a  u.  5). 

a)  Atrox  iniuria  wird  angenommen   mit  Rücksicht   auf  die  Person,   so   oft  sie   p.  5, 4, 10 
einem    Senator   oder  Römischen   Ritter,    einem   Decurio   oder  sonst   einem 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Viertes  Buch  §  6,  1  a. 

2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  29,  4  b. 


ß)  a)  C.  3,  19,  4  pr.  Tutores  eodem  mo- 
mento,  quo  fuerint  ordinati,  raox  adeant 
cognitores,  (ut)  praesentibus  primatibus,  de- 
fensore,  officiis  etiam  publicis,  inventario  so- 
lenniter  facto  .  . 

b)  C.  3,  17,  3  pr.  Illustris  praefectus  ur- 
bis  adhibitis  decem  viris  et  numero  senatus 
amplissirai  et  praetore  clarissimo  viro,  qui 
tutelaribus  cognitionibus  praesidet,  tutores 
curatoresve  ex  quolibet  ordine  idoneos  faciat 
retentari  .  . 

c)  N.  Mai.  1,  1,  9.  .  .  curialis  .  .  In  man- 
cipio  tantummodo  distrahendo  non  est  de- 
creti  quaerenda  solennitas,  si  quinque  pri- 
morum  curiae  subscriptio  atque  consensus 
adiecta  monstretur, 

d)  C.  8,  2,  1.  Si  quispiam  paraveredum 
aut  parangariam  non  ostensa  evectione,  quae 
tarnen  pro  publica  facta  sit  necessitate,  prae- 
sumserit.  periculo  curatoris  sive  defensoris 
et  principalium  civitatum  ad  ordinarium  iu- 
dicem  dirigatur,  singulas  libras  auri  per 
singulos  paraveredos  vel  parangarias  fisci 
viribus  illaturus  ,  . 

y)  a)  P.  5,  4,  10.  Atrox  iniuria  aestima- 
tur  .  .  persona,  quoties  .  .  senatori  vel  equiti 


Mox  ad  tutelam  quis  accesserit,  adhibitis 
continuo  primatibus  civitatis  vel  defensore 
cum  officio  suo,  suscepta  pupilli  bona  facto 
rerum  conscribat  inventario  .  . 

Quoties  de  pupillorum  tutela  tractatur, 
debent  primi  patriae  cum  iudice,  secundum 
aetates  minorum,  aut  tutorem  aut  curatorem 
eligere  .  . 


.  .  curiales  .  .  Mancipia  (autem)  distra- 
hendi  sine  decreto  habebit  liberam  potesta- 
tem,  dummodo  quinque  priores  curiae  testes 
in  ea  venditione  subscribant. 


776 


ÖfFentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


Manne  von  ansehnlicher  Autorität  zugefügt  wird,  und  von  Seiten  eines 
Plebejers  oder  einer  Person  von  niedriger  Geburt  einem  Senator  oder 
Römischen  Pitter,  einem  Dekurio  oder  Magistrat  oder  Aedilen  oder  Judex, 
einem  Jeden  von  ihnen,  bez.  ihnen  allen,  von  selten  eines  Plebejers, 
p.  5, 39,  i  b)  Wenn  Jemand  im  Begrifif,  sich  um  eine  Magistratur  zu  bewerben,  der 
Stimmen  halber  einen  Haufen  zusammengebracht,  Sklaven  herbeigerufen 
oder  irgend  eine  sonstige  Menge  gedungen  haben  wird,  wird  er  nach  seiner 
Überführung,  als  der  öffentlichen  Gewaltthätigkeit  schuldig,  auf  eine  Insel 
deportiert. 


III.  Die  Collegiati  §  12. 

c.  14, 1, 1  a)  AYerden  Collegiati  sich  aus  ihren  Gemeinden  entfernt  haben,  so  sollen  sie 
mit  ihrem  Vermögen  zu  den  Offizien  ihrer  Gemeinde,  bez.  zu  den  Ortschaften, 
von  denen  sie  sich  entfernt  haben,  zurückgerufen  werden:  mit  Bezug  auf 
ihre  Kinder  ist  der  Sachverhalt  in  Acht  zu  nehmen,  dass,  wenn  sie  von 
einer  Kolonin  oder  Sklavin  stammen,  die  Nachkommenschaft  der  Mutter 
folgt,  wenn  dagegen  von  einer  Freigebornen  und  einem  Collegiatus,  Collegiati 
geboren  werden.^-  ^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  2,  2  a,  ee. 

2)  Auf  den  Text  nimmt  N.  Mai  1,  1  J  bestätigend  Bezug  (Lex  haec  Maioriani  .  . 
de  coUegiatis  illa  specialiter  custodiri  confirmat,  quae  lex  in  Theodosiani  Codicis  corpore 
scripta  declarat).  T  fügt  dann  noch  hinzu  (§  3),  dass  den  Kollegiaten,  die  alternierend  dem 
Vaterlande  nach  der  Verfügung  der  Kurialen  Dienste  leisten,  ausserhalb  des  Territoriums 
ihrer  Gemeinde  zu  wohnen  nicht  gestattet  ist  (De  collegiatis  vero  illa  servanda  sunt,  quae 


Romano,  decurioui  vel  alias  spectatae  auctori 
tatis  viro :  et  si  plebeius  vel  humili  loco  natus 
senatori  vel  equiti  Romano,  decurioni  vel  ma- 
gistratui  vel  aedili  vel  iudici,  quilibet  horum 
vel   si  his  omnibus  plebeius. 

b)  P.  5,  32,  1.  Petiturus  magistratum  .  ., 
si  turbam  suffragiorum  causa  conduxerit,  ser- 
vos  advocaverit  aliamve  quam  multitudinem 
conduxerit,  convictus,  ut  vis  publicae  reus, 
in  insulam   deportatur. 

§  12)  a)  C.  14,  1,  1,  De  retrahendis  col- 
legiis  vel  collegiatis  iudices  competentes 
dabunt  operam,  ut  ad  proprias  civitates  eos, 
qui  longius  abierunt,  retrahi  iubeant  cum 
Omnibus,  quae  eorum  erunt,  ne  desiderio 
rerum  suarum  loco  originario  non  valeant 
attineri.  De  quorum  agnatione  haec  forma 
servabitur,  ut,  ubi  non  est  aequale  coniu- 
gium,  matrem  sequatur  agnatio,  ubi  vero 
iustum  erit,  patri  cedat  ingenua  successio. 


Collegiati,  si  de  civitatibus  suis  forte 
discesserint,  ad  civitatis  suae  officia  cum 
rebus  suis  vel  ad  loca,  unde  discesserunt, 
revocentur:  de  quorum  filiis  haec  servanda 
conditio  est,  ut,  si  de  colona  vel  ancilla 
nascuntur,  matrem  sequatur  agnatio;  si  vero 
de  ingenua  et  coUegiato,  collegiati  nascuntur. 


Die  Collegiati  §  12. 


777 


b)  ^Wenn  der  Actor  eines  beliebigen  Besitzes  ohne  AVissen    des  Herrn  einen  ,^;  ?*^ 

TT-         •     t  P  •  1,  1,4  U.  5 

Kurialen  aufgenommen  und  nicht,  nach  Verfluss  eines  Jahres,  in  die  Ge- 
meinde der  Kurie,  der  er  geschuldet  wird,  wird  hal)en  zurückrufen  lassen, 
soll  er,  wenn  dieser  Actor  ein  Freier  gewesen  sein  wird,  dem  Collegium 
überwiesen,  ein  Sklave  mit  Knüppeln  geschlagen  werden.  Wenn  aber  die 
Tochter  eines  Kurialen  entweder  mit  einem  Sklaven  oder  mit  einem  Actor 
oder  einem  Procurator  sich  verbunden,  oder  der  Herr  des  Grrundstücks  ihre 
Verbindung  gestattet  haben,  und  sie  nicht  nach  Jahresfrist  der  Kurie  zu- 
rückgegeben gewesen  sein  wird,  so  soll  derjenige,  durch  dessen  Contuber- 
nium  eine  Kurialentochter  befleckt  gewesen  sein  wird,  falls  er  Kolone  ist, 
einem  Collegium  überwiesen  werden,  wenn  er  aber  Sklave  gewesen  sehi 
wird,  unter  Foltern  sterben.^ 

c)  ^  Weder  ein  Corporatus  irgend  ehier  Gemeinde,  der  einen  öffentlichen  Dienst  12,1,%' 
schuldet,  noch  ein  Collegiatus,  soll  sich  anmassen,  Kleriker  zu  sein.     AVird  ^^-  f^j- 
ein  Corporatus,  der,  was  er  geboren  ist,  nicht  sein  will,  haben  Kleriker  sein 
wollen    und  in   irgendwelchem   Officium    vor    dem  Diakonat   sich   befunden 


praecedentium  legum  praecepit  auctoritas.     Quibus  illud  provisio  nostrae  serenitatis  adiun- 
git,    ut   collegiatis   operas    patriae    alternis   vicibus   pro   curialium   dispositione  praebentibus 
extra  territorium  civitatis  suae  habitare  non  liceat). 
1)  Vgl.  S.  577  Anm.  2  u.  3. 


b)  N.  Mai.  1,  1,  4  u.  5.  .  .  ut,  si  quis  actor 
procuratorve  domino  nesciente  susceperit  cu- 
rialem,  aut  non  intra  annum  propriae  resti- 
tuerit  civitati,  si  ingenuus  probatur,  collegiis 
applicetur,  si  servus  est,  fustuario  supplicio 
interficiendum  se  esse  cognoscat .  .  Similiter  si 
servo  suo  actori  procuratorique  uUus  filiam 
iunxerit  curialis,  aut  certe  iunctam  esse  permi- 
serit,  et  non  intra  praescripti  temporis  termi- 
numnatalibus  suis  urbique  reddiderit,  .  .  ille, 
(vero),  si  originarius  erit,  qui  sibi  frustra  ac 
temere  mariti  nomen  contra  interdictum  legis 
indiderit,  collegiis  nihilominus  deputetur,  si 
famulus,  servilibus  poenis  peribit. 

c)  N.  Val.  12,  1,3.  .  .  ad  clericale  mu- 
nus  accedat,  (neque)  monachis  et  monasteriis 
aggregetur,  ut  vinculum  debitae  conditionis 
evadat  .  .  non  corporatus  urbis  Romae,  vel 
cuiuslibet  urbis  alterius,  .  .  non  ex  primario, 
non  aurarius,  civis,  collegiatus  sit  vir  aut 
publicus  servus. 

N.  Mai.  1,  1,  7.  Et  quoniam  usquequaque 
obviandum  est  eorum  dolis,  qui  nolunt  esse, 
quod  nati  sunt,  quicunque  se  sub  nomine 
clericatus  seu  quodam  religionis  obtentu  (cu- 
rialis vel)  corporatus  fortasse  subtraxerit,  se- 
cundum  praecedentium  legum  statuta,  si 
intra  diaconatus  gradum  locatus  probatur, 
ad   originera   suam   sine   dilatione  revocetur, 


(Lex  .  .  constituit,)  ut  .  .,  si  curialem 
cuiuscunque  possessionis  actor  domino  nesci- 
ente susceperit,  et  non  transacto  anno  ad 
civitatem  curiae,  cui  debetur,  fecerit  revo- 
cari,  si  ingenuus  fuerit  is  ipse  actor,  in  col- 
legio  deputetur,  si  servus,  fustibus  verberc- 
tur  .  .  Filia  vero  curialis,  si  aut  servo  aut 
actori  aut  procuratori  sese  coniunxerit,  aut 
dominus  agri  iunctam  esse  permiserit,  et  non 
post  anni  spatium  curiae  fuerit  restituta  ,  . 
Ille  (vero),  cuius  contubernio  curialis  filia 
fuerit  maculata,  si  colonus  est,  collegio  de- 
putetur, si  vero  servus  fuerit,  inter  tormenta 
deficiat. 

.  .  nee  corporatus  civitatis  alicuius,  qui 
publicum  servitium  debet,  .  .  nee  collegiatus 
clericus  esse  XDraesumat. 


Si  (autem  curialis  vel)  corporatus,  nolentes 
esse,  quod  nati  sunt,  clerici  esse  voluerint,  et 
in  quocunque  officio  ante  diaconatum  fuerint 
constituti,  ad  originis  suae  officium  sine  di- 
latione aliqua  revocentur.  Si  vero  iam  di- 
aconus  aut  presbyter  aut  certe  episcopus 
fuerit  ordinatus,  sive  munia  sua  solverit,  sive 
non  solverit,  de  patrimonio  suo  nihil  alienare 


778 


Öffentliches  Recht.     Drittes  Buch. 


N.  Yal. 
12, 1,  5 


habeiij  so  soll  er  ohne  irgendwelchen  Verzug  zu  dem  Officium  in  seiner 
Heimat  zurückgerufen  werden.  Wenn  er  aber  bereits  zum  Diakon  oder 
Priester  oder  selbst  Bischof  ordiniert  gewesen  sein  wird,  soll  er,  sei  es  dass 
er  seine  Munia  erfüllt,  sei  es  dass  er  sie  nicht  erfüllt  haben  wird,  aus  seinem 
Vermögen  nichts  zu  veräussern  sich  anmassen.  Wird  er  Kinder  oder  Ver- 
wandte männlichen  Geschlechts  gehabt  haben,  welchen  Personen  ausschliesslich 
der  Kurienzwang,  um  befolgt  werden  zu  können,  auferlegt  wird,  so  soll  er, 
ihnen  unverzüglich  die  Hälfte  seines  Vermögens  zu  geben  nicht  säumen, 
die  Hälfte  sich  zum  Niessbrauch  zurückbehalten.  Wird  er  entweder  Kinder 
oder  Verwandte  männlichen  Geschlechts  nicht  gehabt  haben,  sondern  Töchter 
haben,  die  das  Gesetz  von  der  öffentlichen  Last  fern  hält,  dann  soll  er 
ihnen  sechs  Unzen  seines  Vermögens  übergeben,  wenn  sie  nur  Kurialen  zu 
Gatten  empfangen  haben  werden,  durch  welche  sowohl  ein  öffentlicher  Zwang 
wahrgenommen  werden  kann,  als  auch  deren  Nachkommenschaft  mit  Grund 
Kurialen  genannt  werden.  Werden  sie  mit  Kurialen  nicht  vermählt  gewesen 
sein,  so  wird  das  Vermögen  des  genannten  Kurialen  dem  Ordo  seiner  Ge- 
meinde zukommen.  Diakonen,  die  es  aus  einem  beliebigen  öffentlichen 
Corpus  geworden  sind,  sollen  statt  ihrer  behufs  Betreibung  dessen,  was  dem 
öffentlichen  Nutzen  geschuldet  wird,  Ersatzmänner  geben  müssen.  Werden 
sie  sie  nicht  gegeben  haben,  so  sollen  sie  selbst  in  die  geschuldete  Lage 
zurückgerufen  werden.  Bischöfe  und  Presbyter  werden  durch  diese  Vor- 
schrift nicht  beschränkt,  es  sei  denn  lediglich,  dass  sie  mit  Bezug  auf  ihr 
Vermögen  dasjenige,  was  verordnet  worden  ist,  offensichtlich  in  Acht  nehmen 


si  vero  iam  diaconus  aut  presbyter  aut  epi- 
scopus  latae  huius  legis  tempore  reperitur, 
sive  adhuc  obnoxius  functionibus,  sive  mu- 
niis  persolutis,  nihil  de  patrimonio  suo  alie- 
naturum  se  esse  cognoscat.  Cui  si  masculini 
sexus  prolem  seu  propinquos  esse  contigerit, 
qui  utique  curiae  necessitatibus  obsequantur, 
mox  medietatem  omnium  facultatum  eis  tra- 
dere  non  desistat,  sibi  ad  usumfructum  sex 
residuas  uncias  retentaturus :  si  defuerit 
sexus  virilis,  easdem  in  filiabus  sine  dubio 
servaturus,  si  tarnen  curialium  connubiis  co- 
pulentur.  Qui  si  in  totum  fortasse  defuerint, 
ad  ordinem  urbis  suae  praedictum  Patrimo- 
nium pertinebit  .  . 

N.  Val.  12,  1,5.  .  .  Hi  (autem),  qui  intra 
decennium  transactum  a  die  latae  huius  legis 
diaconi  ordinati  sunt,  suffectos  pro  se  dare 
debebunt,  Si  non  habent,  unde  sibi  hac 
ratione  prospiciant,  ipsi  ad  nexum  proprium 
reducantur;  ceteris  inferioris  gradus  ad  com- 
petentia  ministeria  retrahendis,  exceptis  epi- 
scopis  atque  presbyteris,  servatis  tamen,  quae 
de  patrimonio  talium  personarum  legum  prae- 
cedentium  statuta  sanxerunt. 


praesumat.  Qui  si  masculini  sexus  filios  vel 
propinquos  habuerit,  quibus  tantum  personis 
curiae  necessitas  ut  observari  possit,  impo- 
nitur,  illis  statim  medietatem  de  facultatibus 
suis  dare  non  difforat,  medietatem  sibi  ad 
usumfructum  retineat.  Quod  si  aut  filios  aut 
propinquos  virilis  duntaxat  sexus  non  habu- 
erit, sed  filias  habebit,  quas  lex  a  necessitate 
publica  facit  alienas,  tunc  eis  sex  uncias 
bonorum  suorum  tradat,  si  tamen  curiales 
maritos  acceperint,  per  quos  et  necessitas 
publica  possit  impleri,  et  ex  quibus  nati  cu- 
riales merito  appellentur.  Quod  si  curialibus 
non  fuerint  copulatae,  curialis  praedicti  Pa- 
trimonium ad  civitatis  suae  ordinem  perti- 
nebit, 

Diaconis,  qui  .  .  ex  quolibet  corpore  pu- 
blico  facti  sunt,  (praecepit),  ut  pro  se  ad 
agenda,  quae  utilitati  publicae  debentur,  suf- 
fectos dare  debeant.  Quod  si  non  dederint, 
ipsi  ad  conditionem  debitam  revocentur. 
Nam  episcopos  atque  presbyteros  non  iubet 
hac  lege  constringi,  nisi  tantum,  ut  de  pa- 
trimoniis  suis,  quae  sunt  Maioriani  lege  con- 
stituta,  evidenter  observent. 


Die  Collegiati  §  12. 


779 


sollen.     Wenn  einer   aus   der  Zahl  derjenigen,   von   denen  wir  oben  gesagt  ^-  ^^j- 
haben,  dass  sie,  ohne  dass  sie  ihr  Honor  entschuldigt,  zu  ihrem  Ordo,  bez. 
in  ihre  Heimat  zurückgerufen  werden   müssen,  in  den  Bereich  der  Kirche 
geflüchtet  sein  wird,   soll   der  Archidiakon   angehalten   werden,  ihn  präsen- 
tieren zu  müssen.^ 

d)  Ein  jeder  Kleriker,  welchen   sein  Bischof  als   eine  Person   von  schlechtem   c.  le,  i,  5 
Wandel  befunden  und  wegen  der  Yerderbtheit  der  Sitten  von  seinem  Grade 
entfernt  haben  wird,    bez.   der  Kleriker,    der  selbst   aus  freien  Stücken  die 
Profession  des  Klerikats  aufgegeben  haben  wird,  soll  unverzüglich  von  dem 
Judex   den   Kurialen   angereiht    werden,    mit    der  Massgabe,   dass  letzterer 

ihn,  wenn  jener  hierzu,  sowohl  nach  Geburt,  als  auch  nach  Vermögen,  ge- 
eignet ist,  anhalten  soll,  unter  den  Kurialen  selbst  sein  Officium  zu  verwalten : 
ist  er  aber  eine  Person  niedrigen  Standes,  so  soll  er  ihn  zu  den  Colle- 
giati rechnen,  bez.  nach  Massgabe  seiner  Eignung,  öffentlich  Dienste  ver- 
richten lassen.^ 

e)  ^Aus  den  Corpora  publica  soll  Niemand  Defensor  ecclesiae  werden.     Wird  ^iji^\ 
Jemand  aus  der  Kurie    sich    dabei    beruhigt   haben,    Defensor   ecclesiae  zu 
werden,   so   möge   er    wissen,    dass  sein   ganzes  Vermögen  der  Kurie   oder 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  1  b. 


2)  Vgl.  Viertes  Buch  §  8  b. 


N.  Mai.  1,1,7.  .  .  Si  qua  sane  huius 
modi  persona  originis  suae  vinculis  obligata 
ex  bis,  quos  ad  ordines  iubemus  reduci,  sub 
divini  ministerii  occasione  intra  ecclesiam 
se  crediderit  occulendam,  eam  constrictus  ar- 
chidiacoDus  repraesentet. 

d)  C.  16,  1,  5.  Quemcunque  clericum  in- 
dignum  officio  suo  episcopus  iudicaverit  et 
ab  ecclesiae  ministerio  segregaverit,  aut  si 
qui  professum  sacrae  religionis  obsequium 
sponte  dereliquerit,  continuo  eum  curia  sibi 
vindicet,  ut  liber  illi  ultra  ad  ecclesiam  re- 
cursus  esse  non  possit,  et  pro  hominum  qua- 
litate  et  quantitate  patrimonii  vel  ordini  suo 
vel  collegio  civitatis  adiungatur:  modo  ut 
quibuscunque  apti  erunt  publicis  necessitati- 
bus  obligentur,  ita  ut  coUudio  quoque  locus 
non  sit  .  . 

e)  N.  Val.  12,  1,  5.  Defensores  ecclesiae 
de  expressis  urbium  ministeriis  non  liceat 
ordinari,  acquiescentes  huic  officio  rerum 
suarum  amissio  comitetur,  quas  curiae  vel 
corpori  suo  praecipimus  applicari.  Si  custo- 
dire  haec  et  exsequi  neglexerint  iudices  com- 
petentes,  facultatibus  suis  et  status  privilegiis 
exuantur,  primoribus  officii  capitali  discri- 
mine  constituto,  ipsis  nihilominus  a  tali  of- 
ficio repellendis,  ut  ab  urbis  suae  competen- 
tibus  obsequiis  non  recedant  .  . 


.  .  Si  quis  (vero)  de  bis,  quos  superius  dixi- 
mus,  sine  excusatione  honoris  debere  ad  suum 
ordinem  vel  originem  revocari,  ad  ecclesiae 
septa  confugerit,  archidiaconus  teneatur,  ut 
eam  debeat  praesentare. 

Quemcunque  clericum  episcopus  suus  ma- 
lae  vitae  esse  probaverit  et  eum  de  gradu 
suo  pro  morum  pravitate  deiecerit,  vel  si 
ipse  clericus  sua  voluntate  professionem  re- 
liquerit  clericatus,  continuo  a  iudice  curiali- 
bus  adiungatur,  ut,  si  ita  et  natalibus  et 
facultatibus  est  idoneus,  eum  inter  ipsos  cu- 
riales  officium  suum  implere  compellat.  Si 
autem  infima  persona  est,  inter  collegiatos 
eum  observare,  vel  ad  quae  aptus  fuerit,  in 
publico  servire  (lex  ista  constituit)  .  . 

De  corporibus  namque  publicis  nuUum  fieri 
defensorem  ecclesiae,  lex  ista  constituit.  Quod 
si  quis  ex  curia  acquieverit,  ut  fiat  defensor 
ecclesiae,  noverit,  res  suas  omnes  curiae  aut 
illi  corpori,  unde  discesserat,  applicandas,  et 
se  ad  servitium  civitatis  in  suo  corpore  re- 
vocandum.  Nam  et  iudicem  et  officium  eins 
provinciae,  si  eos  non  revocaverint,  gravi, 
sicut  ipsa  lex  loquitur,  dicit  poena  feriendos. 


780  Öffentliclies  Recht.     Drittes  Buch. 

demjenigen  Corpus,  aus  dem  er  sich  entfernt  hatte,  einzufügen  und  er  selbst 
zum  Dienst  der  Gemeinde  in  sein  Corpus  zurückzurufen  ist.  Sowohl  Judex 
als  auch  Officium  dieser  Provinz  sind,  falls  sie  sie  nicht  zurückgerufen  haben 
werden,  schwer  zu  strafen,  indem  sie  ihres  Vermögens  und  ihrer  Status- 
privilegien entkleidet  werden,  und  für  die  Primores  officii  Kapitalstrafe  ver- 
ordnet worden  ist,  während  sie  selbst  um  nichts  weniger  von  einem  solchen 
Officium  fernzuhalten  sind,  damit  sie  sich  von  den  ihrer  Stadt  gebühren- 
den Diensten  nicht  entfernen.^ 


1)  Vgl.  Viertes  Buch  §  10,  c. 


Viertes  Bucli. 

Kirchenrecht. 


Erstes  Kapitel.     Der  Eintritt  in  die  Hierarchie. 

I.  Hinderungsgründe  §  i. 

a)  ^Kein  Originarius,  Inquilinus,  Sklave  oder  Kolone  soll  an  das  Officium  cleri-  12T  Ju.e 
catus  herantreten  noch  in  Klöstern  aufgenommen  werden,  damit  sie  nicht 
aus  diesem  Anlass  der  geschuldeten  Abhängigkeit  entgehen  können.  Originarii 
oder  Sklaven,  die  nach  einem  Honor  ecclesiasticus  gestrebt  haben  werden, 
müssen  innerhalb  eines  Zeitraums  von  dreissig  Jahren  von  den  Herren 
zurückgerufen  werden.  Mit  der  Massgabe  indessen,  dass  ein  Diakon  statt 
seiner  einen  Ersatzmann,  falls  er  ihn  gehabt  haben  wird,  gewähren  und 
sein  Herr  sein  ganzes  Peculium  in  Besitz  nehmen  soll.  Wird  er  einen 
Ersatzmann,  den  er  geben  könne,  nicht  gehabt  haben,  so  soll  er  selbst  in 
sein  Abhängigkeitsverhältnis  zurückgerufen  werden.^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  6,  8  a. 


§  1)  a)  N.  V.  12,  1,  3  u.  6.  Nullus  origi- 
narius,  inquilinus,  servus  vel  colonus  ad  cleri- 
cale  munus  accedat,  neque  monachis  et  mo- 
nasteriis  aggregetur,  ut  vinculum  debitae 
conditionis  evadat .  .  Originarii  sane  vel  servi, 
qui  iugum  nataUum  declinantes  ad  eccle- 
siasticum  se  ordinem  transtulerunt,  exceptis 
episcopis,  ut  dictum  est,  et  presbyteris,  ad 
dominorum  iura  redeant,  si  non  in  eodera 
officio  annum  vicesimum  compleverunt:  ita 
ut  huius  conditionis  diaconus  domino  pro  se 
vicarium  reddat,  omni  pariter  peculio  resti- 
tuto.     Circa   quem  nihilominus,   si  copia  vi- 


(Lex)  .  .  Nullum  etiam  originarium,  in- 
quilinum,  servum  sive  colonum  ad  clericatus 
officium  (iubet)  accedere,  neque  in  monaste- 
riis  recipi,  ne  per  hanc  occasionem  debitam 
conditionem  possint  evadere  .  .  Originarios 
vero  vel  servos,  qui  ad  honorem  ecclesiasti- 
cum  adspiraverint,  debere  intra  triginta  an- 
nos  a  dominis  revocari.  Ita  tarnen,  ut  diaco- 
nus pro  se  vicarium,  si  habuerit,  reddat,  et 
omne  peculium  suum  dominus  eins  usurpet. 
Quod  si  vicarium  non  habuerit,  unde  reddat, 
ipse  ad  conditionem  propriam  revocetur. 


782 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


N.  Val. 
12, 1,  3 

N.  Mai. 
1,1,7 


b)  Weder  ein  Corporatus  irgend  einer  Gemeinde,  der  einen  öffentlichen  Dienst 
schuldet,  noch  ein  Kuriale,  noch  ein  CoUegiatus  soll  sich  anmassen, 
Kleriker  zu  sein.^  Werden  ein  Kuriale  oder  ein  Corporatus,  die,  was  sie 
geboren  sind,  nicht  sein  wollen,  haben  Kleriker  sein  wollen  und  in  irgend- 
welchem Officium  vor  dem  Diakonat  sich  befunden  haben,  so  sollen  sie 
ohne  irgendwelchen  Verzug  zu  dem  Officium  in  ihrer  Heimat  zurückgerufen 
werden.  Wenn  er  aber  bereits  zum  Diakon  oder  Priester  oder  selbst  Bischof 
ordiniert  gewesen  sein  wird,  soll  er,  sei  es  dass  er  seine  Munia  erfüllt,  sei 
es  dass  er  sie  nicht  erfüllt  haben  wird,  aus  seinem  Vermögen  nichts  zu 
veräussern  sich  anmassen.  Wird  er  Kinder  oder  Verwandte  männlichen 
Geschlechts  gehabt  haben,  welchen  Personen  ausschliesslich  der  Kurienzwang, 
um  befolgt  werden  zu  können,  auferlegt  wird,  so  soll  er  ihnen  unverzüglich 
die  Hälfte  seines  Vermögens  zu  geben  nicht  säumen,  die  Hälfte  sich  zum 
Niessbrauch  zurückbehalten.  Wird  er  entweder  Kinder  oder  Verwandte 
männlichen  Geschlechts  nicht  gehabt  haben,  sondern  Töchter  haben,  die 
das  Gesetz  von  der  öffentlichen  Last  fern  hält,  dann  soll  er  ihnen  sechs 
Unzen  seines  Vermögens  übergeben,  wenn  sie  nur  Kurialen  zu  Gatten  em- 
pfangen haben  werden,   durch  welche    sowohl  ein  öffentlicher  Zwang  wahr- 


1)  T  verbietet    auch   Eintritt    ins  Kloster    und    spricht   obendrein   von   Ex  primario, 
Aurarius,  Publicus  servus. 


carii  daiidi  non  suppetat,  quae  de  ministeriis 
urbium  superius  sunt  statuta,  serventur. 

b)  N.  Val.  12, 1,  3.  .  .  ad  clericale  munus  ac- 
cedat,  (neque)  monachis  et  monasteriis  aggre- 
getur,  ut  vinculum  debitae  conditionis  evadat 
.  .  non  corporatus  urbis  Romae,  vel  cuiuslibet 
urbis  alterius,  non  curialis,  non  ex  primario, 
non  aurarius,  civis,  collegiatus  sit  vir  aut 
publicus  servus. 

N.  Mai.  1,1,7.  Et  quoniam  usquequaque 
obviandum  est  eorum  dolis,  qui  nolunt  esse, 
quod  nati  sunt,  quicunque  se  sub  nomine 
clericatus  seu  quodam  religionis  obtentu  cu- 
rialis vel  corporatus  fortasse  subtraxerit,  se- 
eundum  praecedentium  legum  statuta,  si 
intra  diaconatus  gradum  locatus  probatur,  ad 
originem  suam  sine  dilatione  revocetur,  si 
vero  iam  diaconus  aut  presbyter  aut  episco- 
pus  latae  huius  legis  tempore  reperitur,  sive 
adhuc  obnoxius-  functionibus ,  sive  muniis 
persolutis,  nihil  de  patrimonio  suo  alienatu- 
rum  se  esse  cognoscat.  Cui  si  masculini 
sexus  prolem  seu  propinquos  esse  contigerit, 
qui  utique  curiae  necessitatibus  obsequantur, 
mox  medietatem  omnium  facultatum  eis  tra- 
dere  non  desistat,  sibi  ad  usumfructum  sex 
residuas  uncias  retentaturus :  si  defuerit  sexus 
virilis,  easdem  in  filiabus  sine  dubio  serva- 
turus,  si  tarnen  curialium  connubiis  copulen- 
tur.     Qui  si  in  totum   fortasse   defuerint,   ad 


(Nam)  nee  corporatus  civitatis  alicuius, 
qui  publicum  servitium  debet,  nee  curialis 
nee  collegiatus  clericus  esse  praesumat. 


Si  (autem)  curialis  vel  corporatus,  nolen- 
tes  esse,  quod  nati  sunt,  clerici  esse  volu- 
erint,  et  in  quocunque  officio  ante  diaco- 
natum  fuerint  constituti,  ad  originis  suae 
officium  sine  dilatione  aliqua  revocentur.  Si 
vero  iam  diaconus  aut  presbyter  aut  certe 
episcopus  fuerit  ordinatus,  sive  munia  sua 
solverit,  sive  non  solverit,  de  patrimonio  suo 
nihil  alienare  praesumat.  Qui  si  masculini 
sexus  filios  vel  propinquos  habuerit,  quibus 
tantum  personis  curiae  necessitas  ut  obser- 
vari  possit  imponitur,  illis  statim  medietatem 
de  facultatibus  suis  dare  non  differat,  me- 
dietatem sibi  ad  usumfructum  retineat.  Quod 
si  aut  filios  aut  propinquos  virilis  duntaxat 
sexus  non  habuerit,  sed  filias  habebit,  quas 
lex  a  necessitate  publica  facit  alienas,  tunc 
eis  sex  uncias  bonorum  suorum  tradat,  si 
tamen  curiales  maritos  acceperint,  per  quos 
et  necessitas  publica  possit  impleri,  et  ex 
quibus  nati  curiales  merito  appellentur.   Quod 


Ordination  §  2. 


783 


genommen  werden  kann,  als  auch  deren  Nachkommenschaft  mit  Grund 
Kurialen  genannt  werden.  Werden  sie  mit  Kurialen  nicht  vermählt  ge- 
wesen sein,  so  wird  das  Vermögen  des  genaimten  Kurialen  dem  Ordo  seiner 
Gemeinde  zukommen.  Diakonen,  die  es  aus  einem  Kurialen  oder  aus  einem 
beliebigen  öfientlichen  Corpus  geworden  sind,  sollen  statt  ihrer  behufs  Betrei- 
bung dessen,  was  dem  öffentlichen  Nutzen  geschuldet  wird,  Ersatzmänner  geben 
müssen.^  Werden  sie  sie  nicht  gegeben  haben,  so  sollen  sie  selbst  in  die 
geschuldete  Lage  zurückgerufen  werden.  Bischöfe  und  Presbyter  werden 
durch  diese  Vorschrift  nicht  beschränkt,  es  sei  denn  lediglich,  dass  sie  mit 
Bezug  auf  ihr  Vermögen  dasjenige,  was  verordnet  worden  ist,^  offensichthch 
in  Acht  nehmen  sollen.  Wenn  Einer  aus  der  Zahl  derjenigen,  von  denen 
wir  oben  gesagt  haben,  dass  sie,  ohne  dass  sie  ihr  Honor  entschuldigt, 
zu  ihrem  Ordo,  bez.  in  ihre  Heimat,  zurückgerufen  werden  müssen,  in  den 
Bereich  der  Kirche  geflüchtet  sein  wird,  soll  der  Archidakon  angehalten 
werden,  ihn  präsentieren  zu  müssen. 


N.  Val. 
12,1,5 


N.  Mai. 
1,  1,7 


II.  Ordination  §  2. 

a)  ^Wird  mit  Bezug  auf  irgend  eine  Person  nachgewiesen  gewesen  sein,  dass 
sie,  durch  Gewalt  gezwungen,  zu  öfPentlicher  Schande  die  Pflichten  des 
Klerikats  übernommen  habe,  so  wollen  wir  freiwilligen  Anklägern,  bez.  wenn 


1)  Nach  T  gilt  die  Vorschrift  Intra  decennium  transactum  a  die  latae  huius  legis. 

2)  J  nimmt  auf  Maioriani  lex  (vgl.  das  Vorstehende)  Bezug. 


N.  Mai. 
2,1 


ordinem  urbis  suae  praedictum  Patrimonium 
pertinebit  ,  . 

N.  Val.  12,  1,  5.  .  .  Hi  (autem),  qui  intra 
decennium  transactum  a  die  latae  huius  legis 
diaconi  ordinati  sunt,  suffectos  pro  se  dare 
debebunt.  Si  non  habent,  unde  sibi  hac  ra- 
tione  prospiciant,  ipsi  ad  nexum  proprium 
reducantur;  ceteris  inferioris  gradus  ad  com- 
petentia  ministeria  retrahendis,  exceptis  epi- 
scopis  atque  presbyteris,  servatis  tamen,  quae 
de  patrimonio  talium  personarum  legum  prae- 
cedentium  statuta  sanxerunt. 

N.  Mai.  1,  1,  7.  .  .  Si  qua  sane  huius 
modi  persona  originis  suae  vinculis  obligata 
ex  bis,  quos  ad  ordines  iubemus  reduci,  sub 
divini  ministerii  occasione  intra  ecclesiam 
se  crediderit  occulendam,  eam  constrictus  ar- 
chidiaconus  repraesentet. 

§  2)  a)  N.  Mai.  2,  1.  .  .  si  quispiam  pro- 
batus  fuerit  vi  coactus  sub  contumelia  publica 
clericatus  officiis  successisse,   spontaneis  ac- 


si  curialibus  non  faerint  copulatae,  curialis 
praedicti  Patrimonium  ad  civitatis  suae  or- 
dinem pertinebit  .  . 

.  .  Diaconis,  qui  ex  curialibus  vel  ex  quo- 
libet  corpore  publico  facti  sunt,  (praecepit), 
ut  pro  se  ad  agenda,  quae  utilitati  publicae 
debentur,  suffectos  dare  debeant.  Quod  si 
non  dederint,  ipsi  ad  conditionem  debitam 
revocentur.  Nam  episcopos  atque  presbyte- 
ros,  non  (iubet)  hac  lege  constringi,  nisi  tan- 
tum,  ut  de  patrimoniis  suis,  quae  sunt  Ma- 
ioriani lege  constituta,  evidenter  observent. 

Si  quis  (vero)  de  his,  quos  superius  dixi- 
mus  sine  excusatione  honoris  debere  ad  suuiu 
ordinem  vel  originem  revocari,  ad  ecclesiae 
septa  confugerit,  archidiaconus  teneatur,  ut 
eum  debeat  praesentare. 


784 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


sie  selbst  dasjenige,  was  sie  erlitten  hat,  Avird  haben  angeben  wollen,  die 
Befugnis  gewähren,  bei  kompetenten  ludices  derartige  Vergehen  zu  ver- 
dammen: derart,  dass,  wenn  sich  das  zur  Last  Gelegte  den  Gesetzen  ge- 
mäss ergeben  haben  wird,  der  Archidiakon  gezwungen  wird,  zehn  Pfund 
Gold  demjenigen,  der  erduldet  haben  wird,  zu  zahlen,  die,  wenn  Jener  ver- 
zichtet hat,  darauf  dem  Vermögen  des  Anklägers  und  dem  Ordo  der  Ge- 
meinde zu  Gute  kommen  sollen :  nachdem  Jener  seiner  Freiheit  wiedergegeben 
worden  ist,  der,  weil  er  gezwungen  worden  ist,  nicht  konsekriert  werden 
konnte.  Weil  man  meinte,  dass  von  einem  Wagnis  dieser  Art  auch  nicht 
ein  ehrwürdiger  Bischof  sich  fernhält,  soll  er  vor  den  Bischof  des  aposto- 
lischen Stuhls  gerufen  werden,  damit  ihn  von  diesem  hochverehrtesten  Stuhle 
die  Rüge  wegen  unerlaubter  Anmassung  treffe.  Weil  ein  nicht  ungerechter 
Verdacht  besteht,  dass  sich  diesem  Werke  zumeist  die  Kollusionen  der  Eltern 
beigesellen,  indem  sie  die  einen  Kinder  durch  übergrosse  Liebe  begünstigen 
und  die  andern  mit  ungerechtem  Urteil  verfolgen,  befehlen  wir,  dass  gleich- 
massig  Väter  und  Mütter,  wenn  sie  überführt  gewesen  sein  werden,  ihre 
Söhne  wider  ihren  Willen  der  genannten  Last  unterworfen  zu  haben,  mit 
dem  dritten  Teil  ihres  Vermögens  gestraft  werden,  der  dem  Vermögen  des 
Sohnes  selbst  zu  statten  kommt.  Wird  h^eilich  Jemand  wider  seinen 
Willen  zum  Bischof  ordiniert  gewesen  sein,  so  verbieten  wir,  dass  diese 
Weihe  durch  irgend  welche  Anfechtung  verletzt  werde. ^ 


1)  J  begleitet  den  Text  von  T  mit  den  folgenden  Worten:  Haec  lex  ideo  ad  integrum 
scripta  non  est,  quia  iam,  quae  de  diversis  negotiis  loquitur,  in  reliquis  legibus  evidenti  inter- 
pretatione    habentur   expressa,     Sed   hoc   amplius   habet,   quod   ad  locum  scribi  fecimus  de 


cusatoribus,  vel  si  ipse  voluerit  allegare  per- 
pessa,  licentiam  commodemus,  apud  iudices 
competentes  huius  modi  admissa  damnare: 
ut,  si  inter  leges  obiecta  constiterint,  decem 
libras  auri  archidiaconus  cogatur  inferre  ei, 
qui  pertulerit,  exsolvendas,  dehinc,  si  ille 
desistit,  accusatoris  censibus  et  civitatis  or- 
dini  profuturas:  illo  suae  reddito  voluntati, 
qui  coactus  non  potuit  consecrari.  Et  quia 
ab  huius  modi  ausu  nee  episcopum  a  vere- 
cundia  esse  convenit  alienum,  ad  apostolicae 
sedis  devocetur  antistitem,  ut  in  illa  reve- 
rendissima  sede  notam  illicitae  praesumtionis 
incurrat.  Sane  quia  non  iniusta  suspicio  est, 
huic  operi  parentum  coUudia  plerumque 
misceri,  dum  liberis  aliis  amore  nimio  grati- 
ficantur,  et  alios  iniusta  sententia  persequun- 
tur,  aeque  patres  ac  matres,  si  comprobati 
fuerint  invitos  filios  praefato  oneri  subdidisse, 
bonorum  suorum  tertia  iubemus  affligi  ipsius 
filii  censibus  profutura.  Si  qui  sane  episco- 
pus  invitus  fuerit  ordinatus,  hanc  consecra- 
tionem  nuUa  violari  accusatione  permitti- 
mus  .  . 


Standespflichten  und  Standesrechte  §  3. 


785 


III.  Standespflichten  und  Standesrechte  8  3. 


N.  V. 


1)  Standespflichteii. 

a)  Kleriker  sollen  sich  durchaus  nicht  anmassen,  Geschäfte  zu  treiben:  werden    12  1  4 
sie  es  gethan  haben,  so  sollen  sie,  wie  andere  Kaufleute,   von  den  ludices 
diszipliniert  werden. 

b)  Kein  Kleriker  soll  andere  Sachen,  ausser  lediglich  kirchliche  Angelegenheiten    jf '^V 
betreiben. 

c)  Alle,    welche  das  Ofticium   des   Klerikats  ausüben,    werden   gehindert,    mit  c.  le,  1, 6 
fremden  Frauen  Hausgemeinschaft  zu  haben :  sie  mögen  wissen,  dass  inner- 
halb ihres  Hauses  ledigHch  die  Stütze  der  Mütter,  Schwestern  oder  Töchter 

ihnen  gestattet  worden  ist,  weil  das  Naturgesetz  bei  solchen  Personen  nichts 
Schimpfliches  vorzunehmen,  bez.  zu  denken,  gestattet.  Dagegen  dürfen  die- 
jenigen Frauen  zur  Stütze  zurückbehalten  werden,  welche  vor  dem  Officium 
des  Klerikats  mit  ihnen  verheiratet  gewesen  sind. 

d)  An  allen  Sonntagen    sollen   die  ludices  die  Angeschuldigten  unter  sicherer   c.  9, 2,  3 
Bewachung    aus    den    Getängnissen    herausführen,    damit   ihnen    von    den 
Christen,  bez.  von  den  Priestern,  Mittel  oder  Zehrung  gewährt  werden.^ 


his,  qui  inviti  clerici  ordinantur,  quod  per  se  sine  interpretatione  intelligi  potest. 
Satz  will  besagen,  dass  die  Novelle  nicht  vollständig  aufgenommen  ist. 
1)  Vgl.  S.  613  Anm.  2. 


Der  erste 


1)  a)  N.  Y.  12,  1,  4.  lubemus,  ut  clerici 
nihil  prorsus  negotiationis  exerceant.  Si  ve- 
lint  negotiari,  sciant,  se  iudicibus  subditos 
clericorum  privilegio  non  muniri. 

b)  N.V.  12,  1,7.  Universis  clericis,  praeter 
ecclesiasticos  actus,  nihil  omnino  cum  aliis 
causis  decet  esse  commune  .  . 

c)  C.  16,  1,  6.  Eum,  qui  probabilem  sae- 
culo  disciplinam  agit,  decolorari  consortio 
sororiae  appellationis  non  decet.  Quicunque 
igitur  cuiuscunque  gradus  sacerdotio  fulciun- 
tur  vel  clericatus  honore  censentur,  extra- 
nearum  sibi  mulierum  interdicta  consortia 
cognoscant;  hac  eis  tantum  facultate  con- 
cessa,  ut  matres,  filias  atque  germanas  intra 
domorum  suarum  septa  contineant.  In  his 
enim  nihil  scaevi  criminis  aestimari  foedus 
naturale  permittit.  Illas  etiam  non  relinqui 
castitatis  hortatur  affectio,  quae  ante  sacer- 
dotium  maritorum  legitimum  meruere  con- 
iugium.  Neque  enim  clericis  incompetenter 
adiunctae  sunt,  quae  dignos  sacerdotio  viros 
sui  conversatione  fecerunt. 

d)  C.  9,  2,  3.  ludices  omnibus  dominicis 
diebus    productos    reos   e   custodia    carcerali 

Conrat,  Breviarium. 


Clericos  (quoque  praecepit),  ut  negotiati- 
ones  nullatenus  exercere  praesumant:  quod 
si  fecerint,  velut  alii  negotiatores,  a  iudicibus 
emendentur. 

(Nam)  omnes  clericos  (iubet),  ut  nuUas 
alias  causas,  nisi  actus  tantum  ecclesiasticos 
agant  .  . 

Quicunque  clericatus  utuntur  officio,  ex- 
tranearum  mulierum  familiaritatem  habere 
prohibentur;  matrum,  sororum  vel  filiarum 
sibi  solatia  intra  domum  suam  noverint  tan- 
tum esse  concessa,  quia  nihil  turpe  in  talibus 
personis  fieri  vel  cogitari  lex  naturae  per- 
mittit. Illae  vero  mulieres  sunt  in  solatio 
retinend ae,  quae  in  coniugio  fuerunt  ante 
officium  clericatus. 


Omnibus  dominicis  diebus  iudices  sub  fida 
custodia  de   carceribus   reos   educant,  ut  eis 

50 


786 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


N.V.5, 1,        q\  Wircl   irefend   Jemand   Grabstätten    aussjeerraben,    aus    ihnen    Marmor    oder 

2  U.  5  '  ^  <_>    <-j  '  ^ 

Gestein  weggeschafft  haben,  so  soll  er  unverzüglich  der  Strafe  für  schuldig 
gelten.  Kleriker  aber,  von  denen  festgestanden  haben  wird,  dass  sie  Ur- 
heber einer  so  schrecklichen  That  sind,  erachten  wir  einer  noch  schwereren 
Strafe  würdig;  denn  derjenige,  von  dem  man  sich  verwundert,  dass  er  gefehlt 
habe,  ist  um  so  strenger  zu  strafen,  indem  das  Ansehen  des  Thäters 
ein  jedes  Verbrechen  verschärft:  denn  es  ist  unleidlich,  ja  geradezu  ab- 
scheulich, unerträghch,  sich  mit  dem  Namen  und  Titel  der  Heiligkeit  zu 
bekleiden  und  von  Verbrechen  überzufiiessen.  Demnach  soll  ein  Jeder  aus 
ihrer  Zahl,  der  sich  als  Grabschänder  ergeben  haben  wird,  sofort  den  Namen 
eines  Klerikers  verlieren  und,  dem  Proskriptionsurteil  verfallen,  mit  ewiger 
Deportation  büssen.  Dies  muss,  wie  wir  verordnen,  in  der  Art  gelten, 
dass  wir  weder  die  Ministri  noch  die  Antistites  der  heiligen  Religion  in 
einer  solchen  Sache  schonen  zu  sollen  befehlen. 

2)  Standesrechte, 
c.  11, 14, 5       a)  Presbyter  können  ohne    die  Unbill    der   peinlichen  Frage,    das    will    sagen, 
ohne  körperliche  Pein  Zeugnis  ablegen.     Wenn   aber  andere   Kleriker,    die 
dem    Ordo    derselben    folgen,   zur   Abgabe    eines    Zeugnisses   herbeigerufen 


videant  et  interrogent,  ne  his  humanitas 
clausis  per  corruptos  carcerum  custodes  ne- 
getur.  Victualem  substantiam  non  habenti- 
bus  faciant  ministrari,  libellis  duabus  aut 
tribus  diurnis  vel  quot  existim averint,  com- 
mentariensi  decretis,  quorum  sumtibus  pro- 
ficiant  alimoniae  pauperum,  .  .  Nee  deerit 
antistitum  Christianae  religionis  cura  lauda- 
bilis,  quae  ad  Observationen!  constituti  iudi- 
cis  hanc  ingerat  monitionem. 

e)  N,  V.  5,  1,  2  u.  5.  .  .  Quisquis  (igitur) 
sepulcra  .  .  effoderit,  quisquis  ex  his  quae- 
libet  marmora  aut  saxa  sustulerit,  poenae 
mox  habeatur  obnoxius.  Clericos  vero,  quos 
tarn  diri  operis  constiterit  auctores,  dignos 
credimus  maiore  supplicio;  vehementius  enim 
coercendus  est,  quem  peccasse  mireris:  scelus 
omne  gravius  facit  claritudo  personae.  Into- 
lerandum,  nimis  exsecrabile,  non  ferendum, 
induere  nomen  et  titulum  sanctitatis,  et  abun- 
dare  crirainibus.  Quisquis  igitur  ex  hoc  nu- 
mero  sepulcrorum  violator  exstiterit,  illico 
clerici  nomen  amittat,  et  stilo  proscriptionis 
addictus,  perpetua  deportatione  plectatur. 
Quod  ita  servari  oportere  censemus,  ut  nee 
ministris,  nee  antistitibus  sacrae  religionis  in 
tali  causa  statuamus  esse  parcendum  .  . 

2)  a)  C.  11,  14,  5.  Presbyteri  citra  in- 
iuriam  quaestionis  testimonium  dicant,  ita 
tamen,  ut  falsa  non  simulent.  Ceteri  vero 
clerici,  qui  eorum  gradum  vel  ordinem  con- 


a   Christianis    vel  a   sacerdotibus    substantia 
vel  alimonia  praebeatur  .  . 


Presbyteri  citra  iniuriam  quaestionis,  id 
est  sine  supplicio  corporali  possunt  testimo- 
nium dicere.  Alii  vero  clerici,  qui  eorum 
ordinem  sequuntur,  si  ad  testimonium  dicen- 


Standespflicliten  und  Standesrechte  §  3. 


787 


gewesen  sein  werden,  sollen  sie,  wie  die  Gesetze  es  vorschreiben,  vernommen 
werden.  Derart,  dass  gegen  die  Presbyter  die  Klage  wegen  Falum  vor- 
behalten bleibt,  wenn  sie  überführt  werden  werden,  in  irgend  einem  Punkte  die 
Unwahrheit  gesagt  gehabt  zu  haben,  weil  diejenigen  um  so  strafwürdiger  sind, 
welche,  während  ihnen  das  Gesetz  Ehrerbietung  gewährt,  ihres  Gelübdes 
unein gedenk,  bei  dem  Verbrechen  der  Lüge  ertappt  werden. 

b)  Niemand  möge    sich  in  sakrileger  Anordnung  anmassen,  aus  der  Zahl  der   c.  le,  i,  i 
Kleriker  Exaktoren,  bez.  Allecti  zu  machen;  sie  sollen,  frei  von  einem  jeden 
Munus,    das  heisst,    von   einem  jeden    Officium    und  jeder  Hörigkeit,    dem 
Dienste  der  Kirche  unterworfen  sein.^ 

c)  2  Wird  Jemand  die  Absicht  gehabt  haben,  in  der  geheiligten  Kirche  freizu-  c.  4, 7,  i 
lassen,  vorausgesetzt  nur,  dass  er  in  Gegenwart  der  Priester  seine  Sklaven 
freimachen  will,  so  möge  er  wissen,  dass  sie  unter  Empfang  der  Freiheit 
Römische  Bürger  sind.  Werden  Kleriker  ihren  Sklaven  die  Freiheit  haben 
geben  wollen,  so  wird,  wenn  sie  es  auch  ausserhalb  des  Gesichtskreises  der 
Priester  gethan  haben  werden,  oder  jene  ohne  Urkunde,  mündhch,  freigelassen 
gewesen  sein  werden,  ihrer,   als  römischer  Bürger,   die  unbeschränkte  und 

volle  Freiheit  warten. ^ 


1)  Vgl.  S.  687  Anm.  1. 


2)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  6,  4  a. 


sequuntur,  si  ad  testimonium  dicendum  petiti  j 
fuerint,  prout  leges  praecipiunt,  audiantur. 
Salva  tarnen  sit  litigatoribus  falsi  actio,  si 
forte  presbyteri,  qui  sub  nomine  superioris 
loci  testimonium  dicere  citra  aliquam  corpo- 
ralem  iniuriam  sunt  praecepti,  hoc  ipso,  quod 
nihil  metuant,  vera  suppresserint.  Multo 
magis  etenim  poena  sunt  digni,  quibus  quum 
plurimum  per  nostram  iussionem  delatum 
fuerit,  occulto  inveniuntur  in  crimine. 

b)  C.  16,  1,  1.  Qui  divino  cultui  minste- 
ria  religionis  impendunt,  id  est  hi,  qui  cle- 
rici  appellantur,  ab  omnibus  omnino  mune- 
ribus  excusentur,  ne  sacrilego  livore  quorun- 
dam  a  divinis  obsequiis  avocentur. 

c)  C.  4,  7,  1.  Qui  religiosa  mente  in 
ecclesiae  gremio  servulis  suis  meritam  con- 
cesserint  libertatem,  eandem  eodem  iure 
donasse  videantur,  quo  civitas  Romana  so- 
lennibus  decursis  dari  consuevit.  Sed  hoc 
duntaxat  iis ,  qui  sub  adspectu  antistitum 
dederint,  placuit  relaxari.  Clericis  autem 
amplius  concedimus,  ut,  quum  suis  famulis 
tribuunt  libertatem,  non  solum  in  conspectu 
ecclesiae  ac  religiosi  populi  plenum  fructum 
libertatis  concessisse  dicantur,  verum  etiam 
quum  postremo  iudicio  libertates  dederint, 
seu   quibuscunque    verbis   dari  praeceperint; 


dum  adhibiti  fuerint,  sicut  leges  praecipiunt, 
audiantur:  ita  ut  salva  sit  contra  presbyte- 
ros  falsi  actio,  si  in  aliquo  docebuntur  fuisse 
mentiti;  quia  magis  poena  digni  sunt,  quibus 
quum  lex  reverentiam  praestet,  suae  profes- 
sionis  immemores  in  mendacii  crimine  dete- 
guntur. 


(Lex  haec  speciali  ordinatione  praecipit,) 
ut  de  clericis  non  exactores,  non  allectos 
facere  quicunque  sacrilega  ordinatione  prae- 
sumat,  quos  liberos  ab  omni  munere,  id  est 
ab  omni  officio  omnique  servitio  (iubet)  eccle- 
siae deservire. 

Qui  manumittendi  in  sacrosancta  ecclesia 
habuerit  voluntatem,  tan  tum  est,  ut  sub 
praesentia  sacerdotum  servos  suos  velit  ab- 
solvere,  noverit  eos,  suscepta  libertate  cives 
esse  Romanos:  nam  si  clerici  suis  mancipiis 
dare  voluerint  libertatem,  etiamsi  extra  con- 
spectum  fecerint  sacerdotum  vel  sine  scriptura 
verbis  fuerint  absoluti,  manebit,  sicut  civibus 
Romanis,  integra  et  plena  libertas. 


50* 


788 


ÖflFentliclies  Recht.     Viertes  Buch. 


C.  5,7,2 


N.Th.3,1, 
2U.  7 


d)  AVird  Jemand  ein  ausgesetztes  Kind  männlichen  oder  weiblichen  Geschlechts, 
mit  Wissen  des  Herren  oder  Patrons,  des  Mitleids  halber,  aufgenommen 
haben,  so  wird  es  in  dessen  Eigentum  verbleiben,  vorausgesetzt  jedoch,  dass 
die  Kontestation  über  dessen  Auüiahme  Bischof  und  Kleriker  unterzeichnet 
haben  werden:  nachher  wird  Jemand  ihn,  den  er  nachweisbar  dem  Tode 
preisgegeben  hat,  nicht  als  sein  in  Anspruch  nehmen  können.^ 

e)  Kein  Jude,  kein  Samaritane  soll  Wächter  eines  Kerkers  sein  können,  damit 
sie  nicht  unter  dem  Schein  eines  beliebigen  Officium  Christen  oder  sogar 
Priester  bei  irgendwelcher  Gelegenheit  mit  Beleidigungen  zu  belästigen 
wagen. 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  6,  4  b. 


ita  ut  ex  die  publicatae  voluntatis,  sine  ahquo 
iuris  teste  vel  interprete,  competat  directa 
libertas. 

d)  C.  5,  7,  2.  Nullum  dominis  vel  patronis 
repetendi  aditum  relinquimus,  si  expositos 
quodammodo  ad  mortem  voluntas  miseri- 
cordiae  amica  collegerit  (nee  enim  dicere 
suum  poterit,  quem  pereuntem  contemsit); 
si  modo  testes  episcopalis  subscriptio  fuerit 
subsecuta,  de  qua  nulla  penitus  ad  securi- 
tatem  possit  esse  cunctatio. 

e)  N.  Th.  3,  1,  2  u.  7.  .  .  ludaeum,  (ne- 
minem) Samaritam  .  .  nee  carcerali  prae- 
sint  custodiae,  ne  Christiani,  ut  fieri  assolet, 
nonnunquam  obstrusi  custodum  odiis  alterum 
carcerem  patiantur,  incertum,  an  iure  vide- 
antur  inclusi. 


Qui  expositum  puerum  vel  puellam,  sciente 
domino  vel  patrono,  misericordiae  causa 
collegerit,  in  eins  dominio  permanebit:  si 
tarnen  contestationi  de  collectione  eins  epi- 
scopus  clericique  subscripserint,  quem  postea 
suum  dicere  quisquam  non  poterit,  quem 
proiecisse  probatur  ad  mortem. 

.  .  ut  nullus  ludaeus,  nullus  Samaritanus 
.  .  possit  .  .  carceris  esse  custodes:  ne  forsi- 
tan  sub  specie  cuiuslibet  officii  Christianos 
vel  etiam  sacerdotes  sub  quacunque  occasione 
iniuriis  audeant  fatigare. 


Zweites  Kapitel.    Der  Kultus. 

I.  Feiertage  §  4. 

a)  ^Am  Sonntage,  welcher  mit  Grund  der  Tag  des  Herrn  genannt  wird,  soll   es, 3,1 
die  Klage  von  Jedermann  ruhen,    sodass    weder   eine   öffentliche  noch  eine 
private  Schuld  eingefordert  werde  und  keinerlei,  weder  Privata  noch  Publica 
iudicia    sein    sollen.     Wer    dieses    nicht   beachtet   haben   wird,    soll  als  des 
Sakrilegs  schuldig  haften.^ 

Die  Dies  dominicarum,  die  Dies  ferati  sind,  schliessen  wir  von  der 
Behandlung  von  Rechtssachen  oder  von  der  Eintreibung  von  Schulden 
aus. 

b)  Die  heiligen  Ostertage,  das  will  sagen,  die  sieben,  welche  vorangehen,  und 
die  sieben,  welche  folgen,  schliessen  wir  von  der  Behandlung  von  Rechts- 
sachen oder  von  der  Eintreibung  von  Schulden  aus.     ^Der  Tempelräuber,  der   c.  9,28,1 


C.  2,  8,  2 
pr.  u.  3 


C.  2,  8,  2 
pr.  3 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  2,  1  a. 


§  6)  a)  C.  8,  3,  1.  Solis  die,  quem  domi- 
nicum  rite  dixere  maiores,  oninium  omnino 
litium,  negotiorum,  conventionum  quiescat 
intentio;  debitum  publicum  privatumque  nul- 
lus  efflagitet;  ne  apud  ipsos  quidem  arbitros 
vel  in  iudiciis  flagitatos  vel  sponte  delectos 
ulla  sit  agnitio  iurgiorura.  Et  non  modo 
notabilis,  verum  etiam  sacrilegus  iudicetur, 
qui  a  sanctae  religionis  instituto  rituve  de- 
flexerit. 

C.  2,  8,  2  pr.  u.  3.  ,  .  feriarum  dies  .  . 
et  dies  solis,  qui  repetito  in  se  calculo  revol- 
yuntur. 

b)  C.  2,  8,  2  pr.  3.  .  .  feriarum  dies  .  . 
Sacros  quoque  Pascbae  dies,  qui  septeno 
vel  praecedunt  numero  vel  sequuntur  ,  . 

C.  9,    28,   1.      Nemo    deinceps    tardiores 


Die  solis,  qui  dominicus  merito  dicitur, 
omnium  hominum  actio  conquiescat,  ut  nee 
publicum  nee  privatum  debitum  requiratur, 
nulla  iudicia  neque  publica  neque  privata 
liant.  Quod  qui  non  observaverit,  reus  sacri- 
legii  teneatur. 


Dies  (etiam)  dominicarum ,  qui  feriati 
sunt,  ab  audiendis  negotiis  vel  exigendis  de- 
bitis  sequestramus. 

.  .  ab  audiendis  negotiis  vel  exigendis 
debitis  sequestramus.  Sanctos  (etiam)  Pa- 
schae  dies,  id  est  septem  qui  antecedunt, 
et  .Septem  qui  sequuntur  .  . 

Sacrilegus,   adulter,   incesti   reus,  raptor, 


790 


Öfifentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


Ehebrecher,  der  eines  Incests  Angeschuldigte,  der  Entführer,  Grabschänder, 
Giftmischer,  Maleficus,  Münzfälscher,  Mörder,  soll  an  den  Ostertagen  keines- 
wegs freigelassen  werden.  Alle  übrigen,  welche  die  Schuld  kleinerer  Sachen 
verstrickt,  sollen  an  den  heiligen  Ostertagen  entschieden  freigelassen  werden.^ 
c.  9, 25, 1  An  den  Tagen  der  Quadragesima  soll  aus  Respekt  vor  der  Religion  jede 

Kriminalklage  ruhen. ^ 

c.  2, 8, 2  c)  Wir  wollen,  dass  der  Geburtstag  unseres  Herrn  oder  Epiphanien  ohne 
gerichtlichen  Streit  gefeiert  werden. 

c.  2, 8, 1  d)  Obschon  wir  befohlen  haben,  dass  am  heiligen  Tage  des  Herrn  alle  Prozesse 
und  Ansprüche  ruhen,  hindern  wir  durchaus  nicht  die  Vornahme  der 
Freilassung,  und  gestatten  wir  in  gleichem  Masse  mit  Bezug  darauf  Gesta 
aufzunehmen.^ 


1)  Vgl.  S.  632  Anm.  1. 

2)  Vgl.  S.  611  Anm.  2. 

3)  Vgl.  Privatrecht,  Zweites  Buch  §  19,  2  a,  e. 


fortassis  affatusnostraeperennitatis  exspectet: 
exsequantur  iudices,  quod  indulgere  consue- 
viiiius.  Ubi  primum  dies  paschalis  exstiterit, 
nullum  teneat  carcer  inclusum,  omnium  vin- 
cula  solvantur.  Sed  ab  bis  secernimus  eos, 
quibus  contaminari  potius  gaudia  laetitiam- 
que  communem,  si  diraittantur,  advertimus. 
Quis  enim  sacrilego  diebus  sanctis  indulgeat? 
quis  adultero  vel  incesti  reo  tempore  castitatis 
ignoscat?  quis  non  raptorem  in  summa  quiete 
et  gaudio  communi  persequatur  instantius? 
Nullam  accipiat  requiem  vinculorum,  qui 
quiescere  sepultos  quadam  sceleris  immani- 
tate  non  sivit;  patiatur  tormenta  veneficus, 
maleficus  adulteratorque  monetae;  homicida, 
quod  fecit,  semper  exspectet;  reus  etiam  ma- 
iestatis  de  domino,  adversum  quem  talia 
molitus  est,  veniam  sperare  non  debet. 

C.  9,  25,  1.  Quadraginta  diebus,  qui 
auspicio  ceremoniarum  paschale  tempus 
anticipant,  omnis  cognitio  inhibeatur  crimi- 
nalium  quaestionum. 

c) 


d)  C.  2,  8,  1.  Sicut  indignissimum  vide- 
batur.  diem  solis,  veneratione  sui  celebrem, 
altercantibus  iurgiis  et  noxiis  partium  con- 
tentionibus  occupari,  ita  gratum  ac  iucundum 
est,  eo  die,  quae  sunt  maxime  votiva,  com- 
pleri.  Atque  ideo  emancipandi  et  manumit- 
tendi  die  festo  cuncti  licentiam  habeant,  et 
super  bis  rebus  acta  non  prohibeantur. 


sepulcrorum  violator,  veneficus,  maleficus, 
adulterator  monetae,  homicida  diebus  paschae 
nullatenus  absolvantur.  Reliqui  omnes,  quos 
minorum  causarum  culpa  constringit,  diebus 
venerabilibus  paschae  specialiter  absolvantur. 


Diebus  quadragesimae  pro  reverentia  re- 
ligionis  omnis  criminalis  actio  conquiescat. 


C.  2,  8,  2.  Nee  non  et  dies  natalis  do- 
liiini  nostri  vel  Epiphaniae  sine  forensi  stre- 
pitu  volumus  celebrari. 

Quamvis  sancto  die  dominico  omnes  lites 
ac  repetitiones  quiescere  iusserimus,  emanci- 
pare  tarnen  ac  manumittere  minime  prohi- 
bemus,  et  de  his  rebus  gesta  confici  pari 
ordinatione  permittimus. 


Res  clivini  iuris  §  5. 


791 


e)  ^Aii  allen  Sonntagen  sollen  die  ludices  die  Angeschuldigten  unter  sicherer  c.  9, 2, 3 
Bewachung  aus  den  Gefängnissen  herausführen,  damit  ihnen  von  den  Christen, 
bez.  von  den  Priesteni,  Mittel  oder  Zehrung  gewährt  werden;  auch  sollen 
sie  Religionshalber  an  den  genannten  Tagen  unter  sicherer  Bewachung  zum 
Bade  geführt  werden.  Werden  ludices  es  auszuführen  versäumt  haben,  so 
sollen  sie  gezwungen  werden,  eine  Strafe  von  zwanzig  Pfund  Gold  zu  ent- 
richten.^ 


II.  Res  divini  iuris  §  5. 

1)  Begriff. 

a)  Alle  Sachen  sind  entweder  unseren  oder  göttlichen  oder  öffentlichen  Rechts,  g.  2, 1, 1 
Göttlichen  Rechts  sind  die  Kirchen,  das  sind  die  Tempel  Gottes,  bez.  Ver- 
mögen und  Besitz  kirchlichen  Rechts. 

b)  Ein  Versprechen  ist  ungiltig,  wenn  irgend  Jemand  einen  Locus  sacer  oder  g.  2, 9, 5 
religiosus  geben  zu  sollen  versprochen  haben  wird. 

2)  Rechtliche  Beziehungen  (vgl.  1  b). 

a)  Wird  Jemand  die  Absicht  gehabt  haben,  in  der  geheiligten  Kirche  freizu-   ^'pi-J'^ 
lassen,  vorausgesetzt  nur,  dass  er  in   Gegenwart  der  Priester   seine  Sklaven 


1)  Vgl.  Zweites  Buch  §  12,  3  d. 


e)  C.  9,  2,  3.  ludices  omnibus  dominicis 
diebus  productos  reos  e  custodia  carcerali 
videant  et  interrogent,  ne  bis  humanitas 
clausis  per  corruptos  carcerum  custodes  ne- 
getur.  Victualem  substantiam  non  babenti- 
bus  faciant  ministrari,  libellis  duabus  aut 
tribus  diurnis  vel  quot  existimaverint,  com- 
mentariensi  decretis,  quorum  sumtibus  pro- 
ficiant  alimoniae  pauperum;  quos  ad  lavacrum 
sub  fida  custodia  duci  opoi-tet,  mulcta  iudi- 
cibus  viginti  librarum  auri  et  officiis  eorum 
eiusdem  ponderis  constituta,  ordinibus  quo- 
que  trium  librarum  auri  mulcta  proposita, 
si  saluberrime  statuta  contemserint.  Nee 
deerit  antistitum  Christianae  religionis  cura 
laudabilis,  quae  ad  observationem  constituti 
iudicis  hanc  ingerat  monitionem. 

1)  a) 


b) 


2)  a)  C.  4,  7,  1  pr.    Qui  religiosa  mente  in 


Omnibus  dominicis  diebus  iudices  sub  fida 
custodia  de  carceribus  reos  educant,  ut  eis 
a  Christianis  vel  a  sacerdotibus  substantia 
vel  alimonia  praebeatur,  et  ad  balneum  prae- 
dictis  diebus  sub  fida  custodia  religionis  con- 
templatione  ducantur.  Si  qui  iudices  hoc 
implere  neglexerint,  poenam,  quam  lex  ipsa 
constituit,  cogantur  implere. 


G.  2,  1,  1.  Omnes  (itaque)  res  aut  nostri 
iuris  sunt,  aut  divini,  aut  publici  .  .  Divini 
iuris  sunt  ecclesiae,  id  est,  templa  Dei,  vel 
ea  patrimonia  ac  substantiae,  quae  ad  eccle- 
siastica  iura  pertinent  .  . 

G.  2,  9,  5.  (Praeterea)  inutilis  est  pro- 
missio,  .  .  si  aliquis  .  .  locum  sacrum  .  .  aut 
religiosum  daturum  se  quicunque  promiserit. 

Qui  manumittendi  in  sacrosancta  ecclesia 


792 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


freimachen  will,   so   möge  er   wissen,   dass  sie  unter  Empfang  der  Freiheit 
Römische  Bürger  sind. 

a.  1, 1  Römische  Bürger  sind,  welche  in  der  Kirche  freigelassen  gewesen 

sein  werden. 

p.  5, 21, 1  b)  ^Diejenigen,  welche  w^ährend  der  Nacht  mit  einem  Haufen,  um  Beute  zu 
machen  und  zu  plündern,  in  eine  Kirche  einbrechen,  werden  den  wilden 
Tieren  vorgeworfen.  Werden  sie  dagegen  bei  Tage  irgend  etwas  Unbedeu- 
tendes aus  dem  Tempel  entfernt  haben,  so  werden  sie  entweder,  falls  sie 
besseren  Standes  sind,  deportiert  oder  als  Personen  niederen  Standes  zur 
Bergwerksstrafe  verurteil t.-'- 

c.  9, 34,  i  c)  Kirchen  und  gottgeweihte  Stätten  sollen  die  Angeschuldigten,  die  hierhin, 
von  Furcht  getrieben,  geflüchtet  sein  werden,  derart  schützen,  dass  Niemand 
den  heiligen  Stätten  behufs  Wegschleppens  der  Angeschuldigten  Gewalt 
und  Übermacht  zuzufügen  sich  anmassen  solle:  ^ mit  Bezug  jedoch  auf  alles 
dasjenige,  was  von  Raum,  sei  es  hi  den  Porticus,  sei  es  in  den  Atrien,  oder 
in  den  Häusern  oder  in  den  Plätzen,  die  an  die  Kirche  anstossen,  sich 
befindet,  verordnen  wir,  dass  sie  wie  das  Innere  des  Tempels  angesehen 
werden  sollen,  sodass  die  Angeschuldigten  nicht  durch  den  Zwang  der 
Furcht  genötigt  werden,  um  den  Altar  sich  aufzuhalten  und  die  verehrungs- 
würdigen Stätten  zu  besudeln.^    Werden  Personen  zu    den  heihgen  Stätten 


1)  Vgl.  S.  556  Anm.  1.  • 

2)  T  führt  aus,  dass  nicht  bloss  die  Altäre  und  das  Oratorium  templi  circumiectum, 
sondern,  wie  im  einzelnen  entwickelt  wird,  Usque  ad  extremas  fores  ecclesiae  den  An- 
geschuldigten offenstehen,  verbietet  das  Waffentragen  Intra  ecclesias  und  innerhalb  des 
Asyls  überhaupt,  und  giebt  des  Näheren  "Weisung  für  die  Kleriker,  den  nötigenfalls  mit 
Zwang  durchzuführenden  Verbleib  der  Flüchtlinge  an  den  ihnen  zugewiesenen  Stätten,  bez. 
Fernhaltung  A  divinis  anzuordnen. 


ecclesiae  gremio  servulis  suis  meritam  con- 
cesserint  libertatem,  eandem  eodem  iure 
donasse  videantur,  quo  civitas  Romana  so- 
lennibus  decursis  dari  consuevit.  Sed  hoc 
duntaxat  iis,  qui  sub  adspectu  antistitum 
dederint,  placuit  relaxari  .   . 


b)  P.  5,  21,  1.  Qui  noctu  manu  facta 
praedandi  ac  depopulandi  gratia  templum 
irrumpunt,  bestiis  obiciuntur;  si  vero  per 
diem  leve  aliquid  de  templis  abstulerint,  vel 
deportantur  honestiores  vel  humiliores  in 
metallum  damnantur. 

c)  C.  9,  34,  1.  Pateant  summi  Dei  tem- 
pla  timentibus:  nee  sola  altaria  et  Oratorium 
templi  circumiectum,  quod  ecclesias  quadri- 
pertito  intrinsecus  parietum  septo  concludit, 
ad  tuitionem  confugientium  sancimus  esse 
proposita,   sed   usque   ad  extremas  fores  ec- 


habuerit  voluntatem,  tantum  est,  ut  sub 
praesentia  sacerdotum  servos  suos  velit  ab- 
solvere,  noverit  eos,  suscepta  libertate  cives 
esse  Romanos  .  . 


G.  1,  1.     Cives   Romani    sunt,   qui  . 
ecclesia  .  .  fuerint  manumissi. 


m 


Ecclesiae  ac  loca  Deo  dicata  reos,  qui 
ibidem  compulsi  timore  confugerint,  ita 
tueantur,  ut  nuUi  locis  sanctis  ad  direptionem 
reorum  vim  ac  manus  afferre  praesumant: 
sed  quicquid  spatii  vel  in  porticibus  vel  in 
atriis   vel  in   domibus  vel   in  areis  ad  eccle- 


Res  divini  iuris  §  5. 


793 


geflüchtet  sein,  so  sollen  sie  unverzüglich  die  Waffen,  wenn  sie  welche  bei 
sich  getragen  haben  werden,  niederlegen  und  nicht  glauben,  mehr  durch  die 
Stütze  der  Waffen  als  durch  die  Verehrung  der  heiligen  Stätten  geschützt 
zu  sein.  Werden  sie  die  Waffen  nicht  haben  niederlegen  wollen  und  dem 
Priester  oder  den  Klerikern  kein  Vertrauen  geschenkt  haben,  so  mögen  sie 
wissen,    dass  sie  mit  Waffengewalt   herausgezogen   werden  müssen.^    Wird 


1)  T  lässt  eine  Aufforderung  seitens  der  Kleriker,  Auctoritate  episcopi  vorangehen, 
unter  der  Versicherung  des  Schutzes,  und  erst  post  tot  tantorumque  denuntiationes  die 
Waffen  einschreiten,  mit  dem  Erfolg,  dass  der  Flüchtling  nunmehr  allen  Zufällen  zu  über- 
lassen ist:  die  Wegschleppung  dürfe  nicht  ohne  Wissen  des  Bischofs  und  ohne  Befehl  des 
Kaisers  oder  der  ludices  sreschehen. 


clesiae,  quas  oratum  gestiens  populus  primas 
ingreditur,  confugientibus  aram  salutem  esse 
praecipimus,   ut  inter  templum,  quod  parie- 
tum  descripsimus  cinctu,  et  post  loca  publica 
ianuas  primas   ecclesiae,  quicquid   fuerit  in- 
teriacens,    sive    in    cellulis   sive   in  domibus, 
hortulis,  balneis,  areis  atque  porticibus,  con- 
fagas  interioris  templi  vice  tueatur.     Nee  in 
extrahendos  eos  conetur  quisquam  sacrilegas 
manus  immittere,  ne  qui  hoc  ausus  sit,  quum 
discrimen  suum  videat,  ad  expetendam  opem 
ipsa  quoque  confugiat.     Hanc    autem    spatii 
latitudinem  ideo  indulgemus,  ne  in  ipso  Dei 
templo   et   sacrosanctis    altaribus   confugien- 
tium   quemquam  manere  vel  vescere,  cuba.re 
vel  pernoctare  liceat:   ipsis  hoc  clericis  reli- 
gionis  causa  vetantibus,  ipsis,  qui  confugiunt, 
pietatis   ratione   servantibus.     Arraa   quoque 
in  quovis  telo,  ferro  vel  specie  eos,  qui  con- 
fugiunt, minime  intra  ecclesias  habere  prae- 
cipimus, quae  non  modo  a  summi  Dei  templis 
ac   divinis    altaribus  prohibentur,  sed  etiam 
cellulis,  domibus,   hortulis,  balneis,  areis  at- 
que  porticibus.     Proinde   hi,    qui  sine  armis 
ad  sanctissimum  Dei  templum  aut  ad  sacro- 
sanctum  altare  sive  usquam  gentium  sive  in 
hac  alma  urbe  confugiunt,  somnum  intra  tem- 
plum   sive    ipsum    altare  vel   omnino   cibum 
capere  absque  aliqua  eorum  iniuria  ab  ipsis 
clericis  arceantur,  designantibus  spatia,  quae 
in  ecclesiasticis  septis  eorum  tuitioni  suffici- 
ant,   ac   docentibus,   capitalem   poenam   esse 
propositam,    si    qui    eos    conentur   invadere. 
Quibus   si   perfuga    non    annuit,   neque   con- 
sentit,  praeferenda  humanitati  religio  est  et 
a  divinis    ad    loca,   quae   diximus,   turbanda 
temeritas.     Hos  vero,   qui  templa  cum  armis 
ingredi  audent,  ne  hoc  faciant,  praemonemus ; 
dein  si  telis  cincti  quovis  ecclesiae  loco  vel 
ad  templi  septa  vel  circa  vel  extra  sint,  sta- 


siam  adiacentibus  pertinet,  velut  interiora 
templi  praecipimus  custodiri,  ut  reos  timoris 
necessitas  non  constringat  circa  altaria  ma- 
nere et  loca  veneratione  digna  polluere.  Sane 
si  qui  ad  loca  sancta  confugerint,  arma  si 
qua  secum  portaverint,  mox  deponant,  nee 
se  existiment  magis  armorum  praesidio  quam 
sanctorum  locorum  veneratione  defendi.  Quod 
si  deponere  arma  noluerint,  et  sacerdoti  vel 
clericis  non  crediderint,  sciant  se  armatorum 
viribus  extrahendos,  Si  vero  extrahere  de 
locis  sanctis  quemlibet  reum  quacunque  ra- 
tione quis  tentaverit,  noverit  se  capitali  sup- 
plicio  esse  damnandum. 


794 


Öffentliclaes  Reclit.     Viertes  Buch. 


jedoch  Jemand  einen  beliebigen  Angeschuldigten  in  irgendwelcher  Weise 
von  den  heiligen  Stätten  fortzuziehen  versucht  haben,  so  möge  er  wissen, 
dass  er  zu  emer  Kapitalstrafe  zu  verurteilen  ist. 


tiin  eos,  ut  arma  deponant,  auctoritate  epi- 
scopi  a  solis  clericis  severius  conveniri  prae- 
cipimus,  data  eis  fiducia,  quod  religionis 
nomine  melius  quam  armorum  praesidio  mu- 
niantar.  Sed  si  ecclesiae  voce  monifci,  post 
tot  tantorumque  denuntiationes ,  noluerint 
arma  relinquere,  iam,  clementiae  nostrae 
apud  Deura  et  episcoporum  causa  purgata, 
armatis,  si  ita  res  exegerit,  intromissis,  tra- 
hendos  se  abstrahendosque  esse  cognoscant 
et  Omnibus  casibus  esse  subdendos.  Sed  ne- 
que  episcopo  inconsulto,  nee  sine  nostra  sive 
iudicum  in  Lac  alma  urbe  vel  ubicunque 
iussione  armatura  quemquam  ab  ecclesiis 
abstrahi  oportebit,  ne,  si  multis  passim  hoc 
liceat,  confusio  generetur. 


Drittes  Kapitel.     Strafrecht  mit  Bezug  auf  den  Klerus. 

I.  Gerichtsbarkeit. 
A)  Die  ordentliche  Gerichtsbarkeit  §  6. 

a)  So  oft  aus  einer  beliebigen  Sache,  die  sich  auf  die  Rehgion  bezieht,  unter  c,  le,  i,  3 
Klerikern  ein  Streit  ausgebrochen  gewesen  sein  wird,  muss  dies  genau  in 
Acht  genommen  werden,  dass,  nach  Berufung  der  Diözesanpriester  seitens 
des  Bischofs,  was  in  den  Streit  befangen  gewesen  sein  wird,  durch  Urteil 
entschieden  werde.^  Ausdrücklich  ist  verboten,  dass  Jemand  bei  den  c.  le,  1, 2 
öffentlichen  Richtern  einen  Bischof  anzuklagen  wage:  vielmehr  soll  er 
nicht  säumen,  bei  den  Bischöfen  alles  zu  Gehör  zu  bringen,  was  ihm 
seines  Erachtens  nach  der  Art  des  Handels  zukommen  kann,  damit  in  dem 
Gerichte  anderer  Bischöfe  dasjenige,  was  er  gegen  den  Bischof  vorbringt, 
zu  entscheiden  ist. 


1)  T  sagt,  dass  in  kirchlichen  Händeln  der  Mos  der  Civilsachen  in  Acht  zu  nehmen 
ist,  mit  der  Massgabe,  dass,  wo  sich  ein  Streit  auf  Misshelligkeiten  und  leichte  Delikte, 
die  sich  auf  die  Religion  beziehen,  gründe,  Locis  suis  und  vor  den  Diözesansynoden  die 
Vernehmung  stattfinden  solle. 


§  6)  a)  C.  16,  1,  3.  Qui  mos  est  causarum 
civilium,  idem  in  negotiis  ecclesiasticis  obti- 
nendus  est:  ut,  si  qua  sunt  ex  quibusdam 
dissensionibus  levibusque  delictis  ad  religi- 
onis  observantiam  pertinentia,  locis  suis  et  a 
suae  dioeceseos  synodis  audiantur  ,  . 

C.  16,  1,  2.  Mansuetudinis  nostrae  lege 
prohibemus ,  in  iudiciis  episcopos  accusari, 
ne,  dum  adfutura  ipsorum  beneficio  impu- 
nitas  aestimatur,  libera  sit  ad  arguendos  eos 
animis  furialibus  copia.  Si  quid  est  igitur 
querelarum,  quod  quispiam  defert,  apud  alios 
potissimum  episcopos  convenit  explorari,  ut 
opportuna  atque  commoda  cunctorum  quae- 
stionibus  audientia  commodetur. 


Quoties  ex  qualibet  re  ad  religionem  per- 
tinente  inter  clericos  fuerit  nata  contentio, 
id  specialiter  observetur,  ut  convocatis  ab 
episcopo  dioecesanis  presbyteris,  quae  in  con- 
tentionem  venerint,  iudicio  terminontur  .  . 

Specialiter  prohibetur,  ne  quis  audeat 
apud  iudices  publicos  episcopum  accusare, 
sed  in  episcoporum  audientiam  perferre  non 
differat,  quicquid  sibi  pro  qualitate  negotii 
putat  posse  competere,  ut  in  episcoporum 
aliorum  iudicio,  quae  asserit  contra  episco- 
pum, debeant  definiri. 


796 


Öffentliches  Recht,     Viertes  Buch. 


C.  16,  5,  1 
C.  11,  11.  3 


C.  16,  5,  1 


N.V.  12,1 
pr.  1  u.  2 


So  oft  es  sich  um  die  Religion  handelt,  beschloss  man,  die  Bischöfe 
zu  befassen. 

aa)  Der  Bischof  Chronopius  ist  von  zahlreichen  Bischöfen  verurteilt  ge- 
wesen und  hat  sich  bemüht,  vor  dem  Gericht  die  Sentenz,  die  vorge- 
bracht wurde,  mittels  Appellation  hinauszuschieben.^  Von  diesem 
Urteil  hätte  er,  weil  es  rechtmässig  gefällt  gewesen  war,  unter  keinen 
Umständen  appellleren  dürfen.  Hierbei  ist  er  zu  einer  schweren  Mult, 
das  will  sagen,  von  fünfzig  Pfund  Silber  verurteilt  gewesen.^  Es  ist 
indessen  geheissen  worden,  dass  diese  Strafsumme  nicht  dem  Fiskus 
zu  statten  komme,  sondern  den  Armen  ausgereicht  werde.^ 

b)  So  oft  es  sich  um  die  Religion  handelt,  beschloss  man,  die  Bischöfe  zu  be- 
fassen. Sonstige  Sachen  indessen,  die  vor  die  ordentlichen  Eichter,  bez. 
zum  Anwendungsgebiet  des  öffentlichen  Rechts  gehören,  müssen  den  Ge- 
setzen gemäss  verhandelt  werden.  ^Wird  irgend  ein  Laie  einen  Kleriker, 
sei  es  in  einer  Civil-,  sei  es  in  einer  Kriminalsache,  mittels  der  Autori- 
tät des  Judex  öffentlich  vorgeladen  haben,  so  soll  der  Verklagte  ohne 
Verzug  antworten,  auch  Bischöfe,  sei  es  dass  sie  wegen  Okkupation 
irgend  einer  Sache,  sei  es  wegen  beliebiger  grober  Injurien  vor  Gericht 
geladen    gewesen    sein    werden.     Obschon    in    Kriminalsachen    Niemandem 


1)  T  spricht  davon,  dass  Chronopius  ex-antistite,  ehedem  in  einem  Gericht  von 
siebzig  Bischöfen  verurteilt,  nunmehr  vor  dem  Gericht  des  Adressaten,  Praefectus  urbi, 
dagegen  appelliert. 

2)  T  spricht  von  Argentaria  mulcta,  die  für  ein  Verhalten  dieser  Art  die  Sanctio 
generalis  auferlegt. 

3)  T  fügt  hinzu:  Quod  in  hac  causa  et  ceteris  ecclesiasticis  fit. 


C.  16,  5,  1.  Quoties  de  religione  agitur, 
episcopos  convenit  agitare  .  . 

aa)  C.  11,  11,  3,  Quoniam  Chronopius  ex- 
antistite  idem  fuit  in  tuo ,  qui  fuerat  in 
septuaginta  episcoporum  ante  iudicio,  et  eara 
sententiam  provocatione  suspendit,  a  qua  non 
oportuit  provocare ,  argentariam  mulctam, 
quam  huius  modi  facto  sanctio  generalis  im- 
ponit,  cogatur  expendere.  Hoc  autem  non 
fisco  nostro  volumus  accedero,  sed  his,  qui 
indigent,  fideliter  erogari  .  . 

b)  C.  16,  5,  1.  Quoties  de  religione  agi- 
tur, episcopos  convenit  agitare;  ceteras  vero 
causas,  quae  ad  ordinarios  cognitores  vel  ad 
usum  publici  iuris  pertinent,  legibus  oportet 
audiri. 

N.  V.  12,  1  pr.  1  u.  2.  .  .  sin  vero  petitor 
laicus,  seu  in  civili,  seu  in  criminali  causa, 
cuiuslibet  loci  clericum,  adversarium  suum, 
si  id  magis  eligat,  per  auctoritatem  legiti- 
mam  in  publico  iudicio  respondere  compellat. 


Chronopium  episcopum  a  multis  episcopis 
fuisse  damnatum,  et  studuisse  eum  ante  iu- 
dicium  sententiam,  quae  proferebatur,  appel- 
latione  suspendere.  A  qua  sententia,  quia 
iuste  prolata  fuerat,  appellare  minime  debu- 
isset,  in  qua  eura  gravi  mulctae,  id  est  quin- 
quaginta  librarum  argenti  addictum  fuisse 
dicit:  quae  tamen  summa  ipsius  mulctae  non 
fisco  prodesse  iussa  est,  sed  pauperibus  ero- 
gari. 


.  .  (De  reliquis  praecepit,)  ut  si  quis 
laicus  clericum  sive  in  civili  seu  in  cri- 
minali negotio  per  auctoritatem  iudicis  ad 
publicum  provocaverit,  pulsatus  sine  dila- 
tione    respondeat.    Episcopi    etiam   sive   pro 


Die  ordentliche  Gerichtsbarkeit  §  6. 


797 


zusteht,  durch  einen  xVndern  sich  zu  verantworten,  wird  dennoch  Bischöfen 
und  Priestern  gestattet,  in  solchen  Sachen  durch  einen  abgesandten  Pro- 
kurator sich  zu  verantworten,  zweifellos  mit  dem  Erfolge,  dass  die  Urteils- 
sentenz zu  ihnen  zurückkehrt.  Dagegen  sollen  sie  in  sonstigen  Kriminal- 
sachen, wo  die  Person  eines  Verbrechens  überführt  werden  muss,  Sorge 
tragen,  bei  Gericht  ihre  Gegenwart  zu  leisten.  Werden  sie,  nachdem  sie 
dreimal  durch  den  Exekutor  vor  Gericht  geladen  worden  sind,  nicht  haben 
kommen  wollen,  so  sollen  sie  einem  Kontumazialurteil  unterliegen.  Wird 
ein  Kleriker  irgend  Jemanden  mit  einem  Prozess  verfolgt  haben,  so  soll 
er  in  dem  Forum  desjenigen,  welchen  er  vor  Gericht  ruft,  vernommen 
w^erden,  es  sei  denn  dass  der  Verklagte  sich  dabei  beruhigt  haben  wird, 
vor  das  Gericht  des  Bischofs  oder  Presbyters  zu  treten.  Wird  derjenige, 
welcher  klagt,  anders  gehandelt  haben,  so  unterliegen  die  Verteidiger  dieser 
Sache  einer  Beschimpfung  der  Art,  dass  sie  von  jedem  Officium  und  von 
jeder  Verfolgung  von  Sachen  ferngehalten  werden. ^ 

aa)  So  oft  unter  Klerikern  ein  Rechtsstreit  entstanden  gewesen  sein  wird,   c.  16,1,3 
soll,  falls  etwas  Kriminelles  entgegengehalten  wird,  es  zur  Kenntnis  des 


1)  Vgl.  Erstes  Buch  §  1,  1  a,  d. 


Quam  formam  etiam  circa  episcoporum  per- 
sonam  observari  oportere  censemus :  ut,  si  in 
huiusce  ordinis  homines  actionem  pervasionis 
et  atrocium  iniuriarum  dirigi  necesse  fuerit, 
per  procuratorem  solenniter  ordinatum  apud 
iudicem  publicum  inter  leges  et  iura  confli- 
gant,  iudicati  exitu  ad  mandatores  sine  du- 
bio reversuro.  Quod  his  religionis  et  sacer- 
dotii  veneratione  permittimus.  Nam  notum 
est,  procurationem  in  criminalibus  negotiis 
non  posse  concedi.  Sed  ut  sit  ulla  discretio 
meritorum,  episcopis  et  presbyteris  tantum 
id  oportet  impendi:  in  reliquis  negotiis  cri- 
minalibus, iuxta  legum  ordinem,  per  se  iu- 
dicium  subire  cogantur.  Si  ab  exsecutore 
conventi  parere  detrectent,  servato  iuris  or- 
dine  sententia  teneat  contumaces.  In  clerico 
Petitore  consequens  erit,  ut  secundum  leges 
pulsati  forum  sequatur,  si,  ut  dictum  est, 
adversarius  suus  ad  episcopi  vel  presbyteri 
audientiam  non  praestat  assensum:  poena 
defensoribus  negotii,  qui  in  eodem  extra- 
ordinario  iudicio  adfuerint  atque  egerint, 
huius  modi  constituta,  ut  causidicum  officii 
amissio,  iurisconsultum  existimationis  et 
interdictae  civitatis  damna  percellant, 

aa)  C.  16,  1,  3.  (.  .  ad  religionis  obser- 
vationem  pertinentia,  locis  suis  et  a  suae  di- 
oeceseos  synodis   audiantur:)   exceptis,   quae 


pervasione  rei  alicuius,  sive  pro  quibus- 
cunque  gravibus  iniuriis  ad  iudicium  fuerint 
provocati:  licet  in  criminalibus  causis  per 
alium  nulli  liceat  respondere,  episcopis  ta- 
rnen et  presbyteris  (hac  lege)  praestatur,  ut 
in  talibus  causis  misso  procuratore  respon- 
deant,  sine  dubio  ut  ad  eos  redeat  sententia 
iudicati.  In  reliquis  vero  criminalibus  cau- 
sis, ubi  de  scelere  persona  convincenda  est, 
suam  in  iudicio  praesentiam  exhibere  pro- 
curent,  Quod  si  tertio  conventi  per  exse- 
cutorem  ad  iudicium  venire  noluerint,  senten- 
tiam  excipiant  contumacis.  Clericus  si  ali- 
quem  lite  pulsaverit,  in  foro  illius,  quem  ad 
iudicium  provocat,  audiatur:  si  tarnen  pul- 
satus  non  acquieverit  ad  episcopi  vel  pres- 
byteri venire  iudicium.  Quod  si  aliud  fecerit 
ille,  qui  pulsat,  defensores  causae  ipsius  ta- 
liter  notari  praecepit,  ut  ab  omni  officio  et 
prosecutione  causarum  habeantur  extranei. 


Quoties  .  .  inter  clericos  fuerit  nata  con- 
tentio,  .  .  Sane  si  quid  opponitur  criminale, 
ad    notitiam   iudicis  in  civitate,  qua  agitur, 


798 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


Judex  in  der  Gemeinde,  wo  es  betrieben  wird,  gebracht  werden,  damit 
mittels  dessen  Urteil  gegen  dasjenige  eingeschritten  werde,  was  nach- 


weishch  kriminell  verübt  gewesen  ist.^ 


B)  Ausserordentliches  Gericht  §  7. 

N.Mai.2,1  a)  Wird  mit  Bezug  auf  irgend  eine  Person  nachgewiesen  gCAvesen  sein,  dass 
sie,  durch  Gewalt  gezwungen,  zu  öffentlicher  Schande  die  Pflichten  des 
Klerikats  übernommen  habe,  so  wollen  wir  freiwilligen  Anklägern,  bez.  wenn 
sie  selbst  dasjenige,  was  sie  erlitten  hat,  wird  haben  angeben  wollen,  die 
Befugnis  gewähren,  bei  kompetenten  ludices  derartige  Vergehen  zu  ver- 
dammen. Weil  man  meinte,  dass  von  einem  Wagnis  dieser  Art  auch  nicht 
ein  ehrwürdiger  Bischof  sich  fernhält,  soll  er  vor  den  Bischof  des  aposto- 
lischen Stuhls  gerufen  werden,  damit  ihn  von  jenem  hochverehrtesten  Stuhle 
die  Büge  wegen  unerlaubter  Anmassung  treffe. 


IL  Strafen  der  geistlichen  Gerichtsbarkeit  §  8. 

c.  16, 1,4  a)  Ein  Jeder,  der  vor  dem  Gerichte  der  Priester  von  dem  bischöflichen  Sitze 
und  Namen  entfernt  gewesen  sein  wird,  soll,  wenn  er  dabei  ergriffen  ge- 
wesen sein  wird,  irgend  etwas,  sei  es  gegen  die  Sicherheit,  sei  es  gegen  die 
öffentliche  Ruhe  auszurichten,  und  sich  von  neuem  um  das  Priestertum,  von 


1)  T  statuiert  als  Ausnahme  von  der  Zugehörigkeit  einer  Sache  vor  die  Diözesan- 
synoden  die  Actio  criminalis,  die  vor  Ordinarii  extraordinariique  iudices  oder  Illustres 
potestates  gehöre. 


actio  criminalis  ab  ordinariis  extraordinariis- 
que  iudicibus  aut  iliustribus  potestatibus 
audienda  constituit. 

§  7)  a)  N.  Mai.  2,  1.  .  .  si  quispiam  probatus 
fuerit  vi  coactus  sub  contumelia  publica  cle- 
ricatus  officiis  successisse,  spontaneis  accusa- 
toribus,  vel  si  ipse  voluerit  allegare  perpessa, 
licentiam  commodemus,  apud  iudices  compe- 
tentes  huius  modi  admissa  damnare  .  .  Et 
quia  ab  huius  modi  ausu  nee  episcopum  a 
verecundia  esse  convenit  alienum,  ad  aposto- 
licae  sedis  devocetur  antistitem,  ut  in  illa 
reverendissima  sede  notam  illicitae  praesum- 
tionis  incurrat  .  . 

§  8)  a)  C.  16,  1,  4.  Quicunque  residentibus 
sacerdotibus  fuerit  episcopali  loco  detrusus 
et  nomine,  si  aliquid  vel  contra  custodiam 
vel  contra  quietem  publicam  moliri  fuerit 
deprehensus,   rursusque    sacerdotium    petere, 


deducitur,    ut    ipsius    sententia    vindicetur, 
quod  probatur  criminaliter  fuisse  commissum. 


Strafen  der  geistlichen  Gerichtsbarkeit  §  8. 


799 


dem  er  für  entsetzt  gilt,  zu  bemühen,  nach  dem  Gesetz  Gratians  göttlichen 
Angedenkens  hundert  Milien  fern  von  der  Stadt,  die  er  infiziert  hat,  sein 
Leben  verbringen.  Er  halte  sich  von  den  Zusammenkünften  mit  denjenigen, 
von  deren  Gesellschaft  er  geschieden  worden  ist,  fern:  Personen  dieser  Art 
sei  es  nach  der  Vorschrift  dieses  Gesetzes  versagt,  unsere  Heihgkeit  anzu- 
gehen und  Reskripte  zu  erzielen,  indem  für  alle  Personen,  die  durch  ihre 
Schuld  des  Priestertums  entsetzt  worden  sind,  was  erzielt  worden  ist,  effektlos 
bleiben  soll,  während  Alle,  auf  deren  Schutz  sich  jene  stützen,  wissen  mögen, 
dass  es  nicht  ohne  Tadel  für  sie  abgehen  werde,  wenn  sie  denjenigen  den 
Schutz  zusagen,  die  unsere  Zustimmung  nicht  verdient  zu  haben  gelten. 
b)  Ein  jeder  Kleriker,  welchen  sein  Bischof  als  eine  Person  von  schlechtem  c.  ig,  i,  5 
Wandel  befunden  und  wegen  der  Yerderbtheit  der  Sitten  von  seinem  Grade 
entfernt  haben  wird,  bez.  der  Kleriker,  der  selbst  aus  freien  Stücken  die 
Profession  des  Klerikats  aufgegeben  haben  wird,  soll  unverzüglich  von  dem 
Judex  den  Kurialen  angereiht  werden,  ^  mit  der  Massgabe,  dass  letzterer  ihn, 
wenn  jener  hierzu,  sowohl  nach  Geburt,^  als  auch  nach  Vermögen,  geeignet 
ist,  ^anhalten  soll,  unter  den  Kurialen  selbst  sein  Officium  zu  verwalten:  ist 
er  aber  eine  Person  niedrigen  Standes,  so  soll  er  ihn  zu  den  Collegiati  rechnen, 
bez.    nach  Massgabe  seiner  Eignung    öffentlich  Dienste  verrichten   lassen'^ 


1)  T  fügt  hinzu:  ut  liber  illi  ultra  ad  ecclesiam  recursus  esse  non  possit. 

2)  Qualitate. 

3)  Entweder    seinem   Ordo    oder   dem   Collegium   civitatis   angereiht  werde,    mit   der 
Massgabe,  dass  sie  nach  ihrer  Eignung  den  Publicae  necessitates  dienen. 


a  quo  videtur  expulsus,  procul  ab  ea  urbe, 
quam  infecit,  secundum  legem  divae  raemo- 
riae  Gratiani,  centum  millibus  vitam  agat. 
Sit  ah  eorum  coetibus  separatus,  a  quorum 
est  societate  discretus,  sitque  huius  modi 
personis,  tenore  huius  legis,  illicitum,  sacra 
nostra  adire  secreta  et  impetrare  rescripta; 
Omnibus  abiectis  per  culpam  sacerdotio  per- 
sonis, quae  irapetrata  sunt,  infecta  perma- 
neant:  scituris  his,  quorum  defensione  ni- 
tuntur,  absque  sui  reprehensione  non  futurum, 
si  hoc  eis  pollicentur  suffragium,  qui  divi- 
num non  videntur  meruisse  iudieium. 

b)  C.  16,  1,  5.  Quemcunque  clericum  in- 
dignum  officio  suo  episcopus  iudicaverit  et 
ab  ecclesiae  ministerio  segregaverit,  aut  si 
qui  professum  sacrae  religionis  obsequium 
sponte  dereliquerit,  continuo  eum  curia  sibi 
vindicet,  ut  liber  illi  ultra  ad  ecclesiam  re- 
cursus esse  non  possit,  et  pro  hominum  qua- 
litate et  quantitate  patrimonii  vel  ordini  suo 
vel  collegio  civitatis  adiungatur:  modo  ut 
quibuscunque  apti  erunt  publicis  necessita- 
tibus  obligentur,  ita  ut  colludio  quoque  locus 
non  sit.  Per  singulos  igitur  binae  librae  auri 
inferendae  aerario  nostro  a  decemprimis  cu- 


Quemcunque  clericum  episcopus  suus  ma- 
lae  vitae  esse  probaverit  et  eum  de  gradu 
suo  pro  morum  pravitate  deiecerit,  vel  si 
ipse  clericus  sua  voluntate  professionem  re- 
liquerit  clericatus,  continuo  a  iudice  curiali- 
bus  adiungatur,  ut,  si  ita  et  natalibus  et 
facultatibus  est  idoneus,  eum  inter  ipsos  cu- 
riales  officium  suum  implere  compellat.  Si 
autem  infima  persona  est,  inter  collegiatos 
eum  observare,  vel  ad  quae  aptus  fuerit, 
in  publice  servire  lex  ista  constituit,  ita  ut 
huius  modi  personae  a  curialibus  quolibet 
colludio  nullatenus  excusentur.    Quod  si  fac- 


800 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


derart,  dass  Personen  dieser  Art  von  den  Kurialen  mittels  irgendwelcher 
Kollusion  unter  keinen  Umständen  entschuldigt  werden.  Wird  es  geschehen 
gewesen  sein,  so  mögen  die  Km^ialen^  wissen,  dass  sie  für  die  einzelnen  Per- 
sonen zwei  Pfund  Gold  dem  Fiskus  einzubringen  haben.^ 


1)  T  spricht  von  den  Decemprimi  curiales. 

2)  T  fügt  hinzu,  dass  den  Homines  improbissimi  alle  Officia  verschlossen  sind. 


rialibus  exigantur,  si  aliquibus  illicitam 
conniventiam  et  colludia  foeda  praestiterint, 
liominibusque  improbissirais  ab  Omnibus  offi- 
ciis  militae  aditus  obstruatur. 


tum  fuerit,  pro  singulis  personis  curiales 
binas  libras  auri  fisco  a  se  noverint  infe- 
rendas. 


Viertes  Kapitel.    Das  Kirchenvermögen. 


I.  Einkünfte  §  g. 

a)  Die    Lex    Falcidia,     iiigleiclien    auch    das    Seiiatusconsultiim    Pegasianum,  p.  4, 3, 3 
verordneten,  dass,  nach  Aufmachung  der  Eechnung  der  Erbschaftsschuld  und 

nach  Ausscheidung  desjenigen,  was  zu  Ehren  Gottes  den  Kirchen  hinter- 
lassen wird,  dem  eingesetzten  Erben  der  vierte  Teil  der  Erbschaft  in  Allem 
zukommt.  -^ 

b)  2  Den  Gottgeweihten,  Witwen,  Diakonissinnen  und  allen  geisthchen  Matronen 
wird  gestattet,  sei  es  in  einem  Testament,  sei  es  durch  Fideikommiss,  sei 
es  durch  Nunkupation,  sei  es  durch  Kodizill,  bez.  beliebige  andere  Ur- 
kunden, wenn  sie  gewollt  haben  werden,  der  Kirche,  den  Bischöfen,  Priestern 
oder  Diakonen  und  sämtlichen  Klerikern  zu  hinterlassen.  Werden  sie 
ihren  Erben  nach  ihrem  Tode  irgendwelche  Personen  substituieren  ge- 
wollt haben,  so  sollen  sie  hierzu  die  Befugnis  haben. ^ 


N.M.6,1, 

2U.3 


1)  Vgl.  S.  429  Anm.  1. 


2)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  3,  3  ß,  cl. 


§  9)  a)  P.  4,  3,  3.  Lex  Falcidia  itemque 
Senatusconsultum  Pegasianum.  deducto  omni 
aere  alieno  deorumque  donis,  quartam  resi- 
duae  hereditatis  ad  heredem  voluit  pertinere. 


b)  N.  M.  5,  1,  2  u.  3.  .  .  sancimus,  ut, 
sive  vidua,  sive  diaconissa,  sive  virgo  Deo 
dicata,  vel  sanctimonialis  m  ulier,  sive  quo- 
cunque  alio  nomine  religiosi  honoris  vel  digni- 
tatis  femina  nuncupetur,  testamento  vel  co- 
dicillo  suo,  quod  tamen  alia  omni  iuris 
ratione  munitum  sit,  ecclesiae,  vel  martyrio, 
vel  clerico,  vel  monacho,  vel  pauperibus  ali- 
quid vel  ex  integro,  vel  ex  parte  in  quacun- 
que   re  vel   specie  credidit  relinquendum,  id 

Con  rat,  Breviarium. 


Lex  Falcidia,  similiter  et  Pegasianum 
Senatusconsultum,  facta  horeditarii  debiti 
ratione  et  separatis  his,  quae  in  honorem  Dei 
ecclesiis  relinquuntur,  quartam  hereditatis  ex 
Omnibus  ad  scriptum  heredem  censuit  per- 
tinere. 

Sanctimonialibus,  viduis,  diaconissis  omni- 
busque  religiosis  matronis  (hac  lege  permit- 
titur),  ut  seu  testamento,  seu  fideicommisso, 
seu  per  nuncupationem,  seu  per  codicillos 
vel  quibuslibet  aliis  scripturis,  quod  volu- 
erint,  ecclesiae,  episcopis,  presbyteris  vel 
diaconibus  et  omnibus  clericis  relinquendi 
habeant  potestatem.  Et  si  voluerint  here- 
dibus  suis  quoscunque  post  eorum  obitum 
substituere,  habeant  potestatem. 

51 


802 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


c.  5, 3, 1  c)  ^  Wenn  ein  Bischof  oder  ein  Presbyter  oder  ein  Diakon  oder  eine  Diakonissin 
oder  ein  Subdiakon,  bez.  ein  Kleriker  irgend  eines  anderen  Grades,  oder 
ein  Mönch  oder  eine  Frau,  die  sich  dem  beschauUchen  Leben  gewidmet 
hat,  oder  irgendwelche  Religiösen  männlichen  oder  weiblichen  Geschlechts, 
die  kein  Testament  errichtet  haben,  ohne  Kinder,  Verwandte  oder  eine 
Ehefrau  gestorben  sein  werden,  die  indessen  weder  der  Kurie  noch  dem 
Patron  gegenüber  irgendwelche  Verpflichtung  gehabt  haben  werden,  wird 
dasjenige,  was  sie  auch  immer  hinterlassen  haben  werden,  den  Kirchen  oder 
Klöstern,  in  deren  Dienst  sie  sich  gestellt  haben  werden,  zukommen.  Werden 
sie  haben  testieren  w^ollen,  so  werden  sie  hierzu  die  freie  Befugnis  haben.  ^ 


1)  Vgl.  Privatrecht,  Fünftes  Buch  §  4,  4  b. 


modis  Omnibus  ratum  firmumque  consistat, 
sive  hoc  institutione  sive  substitutione,  seu 
legato  aut  fideicommisso,  per  universitatem 
vel  specialiter,  sive  scripta  sive  non  scripta 
voluntate  fuerit  derelictum :  omni  in  posterum 
de  huius  modi  negotio  ambiguitate  summota. 
Donationibus  etiam  vel  qualibet  liberalitate 
tam  viduarum,  quam  diaconissarum,  sive  vir- 
ginum,  quae  Deo  dicatae  sunt,  vel  sancti- 
monialium  quaecunque  in  ecclesiam,  vel  mar- 
tyrium,  vel  clericum,  vel  monachum,  vel 
pauperes  collata  fuerint,  pari  robore  firma 
esse  praecipio  .  . 

c)  C.  5,  3,  1.  Si  quis  episcopus  aut  pres- 
byter  aut  diaconus  aut  diaconissa  aut  sub- 
diaconus  vel  cuiuslibet  alterius  loci  clericus 
aut  monachus  aut  mulier,  quae  solitariae  vi- 
tae  dedita  est,  nuUo  condito  testamento  de- 
cesserit,  nee  ei  parentes  utriusque  sexus  vel 
liberi,  vel  si  qui  agnationis  cognationisve 
iure  iunguntur  vel  uxor  exstiterit,  bona,  quae 
ad  eum  pertinuerint,  sacrosanctae  ecclesiae 
vel  monasterio,  cui  fuerat  destinatus,  omni- 
farium  socientur  (exceptis  iis  facultatibus, 
quas  forte  censibus  adscripti  vel  iuri  patro- 
natus  subiecti  vel  curiali  conditioni  obnoxii 
clerici  vel  monachi  cuiuscunque  sexus  relin- 
quunt.  Nee  enim  iustum  est,  bona  seu  pe- 
culia,  quae  aut  patrono  legibus  debentur  aut 
domino  possessionis,  cui  quis  eorum  fuerat 
adscriptus,  aut  ad  curias  pro  tenore  dudum 
latae  constitutionis  sub  certa  forma  pertinere 
noscuntur,  ab  ecclesiis  detineri;  actionibus 
videlicet  competenter  sacrosanctis  ecclesiis 
reservatis,  si  quis  forte  praedictis  conditioni- 
bus  obnoxius  aut  ex  gestis  negotiis  aut  ex 
quibuslibet  aliis  ecclesiasticis  actibus  obli- 
gatus  obierit) :  ita  ut,  si  qua  litigia  ex  huius- 
modi    competitionibus    in    iudiciis    pendent, 


Si  quis  episcopus,  vel  quos  lex  ipsa  comme- 
morat,  aut  quilibet  religiosi  vel  religiosae 
intestati  sine  filiis,  propinquis  vel  uxore  de- 
cesserint,  qui  tarnen  nee  curiae  quicquam 
debuerint  nee  patrono,  quicquid  dereliquerint, 
ad  ecclesias  vel  monasteria,  quibus  obsecuti 
fuerint,  pertinebit.  Qui  si  testari  voluerint, 
habebunt  liberam  potestatem. 


Einkünfte  §  9. 


803 


cl)  Ein  Jude,    ein  Samaritane  soll   nicht   wagen,    eine  Synagoge  zu   errichten.  ^Ju's'^' 
Denn  wenn  sie  es  getlian  haben  werden,  mögen  sie  wissen,  dass  dieser  Bau 
der  katholischen  Kirche  zu  statten  kommen  wird. 


II.  Vermögensverwaltung  §  lo. 

a)  Alle  Kleriker  sollen  öffentliche  Plätze  behufs  Reparatur  der  Kirchen  nicht    ^'J'^ 
niederlegen.  ^ 

b)  Geschäfte   der   Kirchen   müssen    aus  Reverenz   für  die  Heihgkeit  und  für  c.  2, 4, 7 
den  Glauben,    sobald  sie  öffentlich  vorgebracht  gewesen  sein  werden,   ohne 
irgendwelche    Verzögerung    beendet    werden:    die    Defensoren   eines    Locus 
venerabilis  sollen  nicht  durch  irgendwelche  Verschleppung  einen  Aufenthalt 
erfahren. 

c)  Aus  den  Corpora  publica^  soll  Niemand  Defensor  ecclesiae  werden.     Wird    ^J\^ 
Jemand  aus  der  Kurie  sich  dabei  beruhigt   haben,    Defensor   ecclesiae   zu 


1)  T  verbietet  den  Klerikern  die  Zerstörung  von  Loca  iuris  publici  elicitis  supplicatio- 
nibus,  bei  Strafe  von  zwanzig  Pfund  Gold  für  die  Scriniorum  proximi,  falls  sie  der  Suppli- 
kation Zugang  gewährt  haben. 

2)  T  spricht  von  Expressa  urbium  ministeria,  was  sich  auf  das  S.  782  aus  N.  V. 
12,  1  Erwähnte  bezieht. 


penitus  sopiantur,  nee  liceat  petitori  post 
huius  legis  publicationem  iudicium  ingredi 
vel  oeconomis  aut  monachis  aut  procurato- 
ribus  inferre  molestiam,  ipsa  petitione  anti- 
quata,  et  bonis,  quae  relicta  sunt,  religio- 
sissimis  ecclesiis  vel  monasteriis,  quibus 
dedicati  fuerant,  consecratis. 

d)  N.  Th.  3,  1,  3  u.  5.  illud  .  .  arcentes, 
ne  qua  synagoga  in  novam  fabricam  surgat 
.  .  Ut  quisque  .  .  synagogam  exstruxerit,  com- 
pendio  ecclesiae  catholicae  se  noverit  labo- 
rasse  .  . 

§  10)  a)  N.  V.  12,  1,  7.  Universis  clericis 
.  .  decet  esse  commune,  nee  cum  locis  iuris 
publici,  quae,  quasi  destituta  plerumque 
et  non  necessaria,  elicitis  supplicationibus 
velut  ad  usum  quendam  religionis  evertunt: 
poena  viginti  librarum  auri  scriniorum  pro- 
ximis  interposita,  si  aditus  huic  supplicationi 
fuerit  attributus. 

b)  C.  2,  4,  7.  Quaecunque  forte  ecclesiae 
venerabilis  negotia  sunt,  vel  esse  poterunt 
actiones,  celeri,  legum  ordine  servato  iudi- 
cantum  disceptatione  finiantur.  Nee  enim 
decet,  defensione  loci  nominisque  venerabilis 
suscepta,   publica  diu  secretaria  praestolari. 

c)  N.  V.  12,  1,  5.    Defensores  ecclesiae  de 


,  .  ludaeus,  (nullus)  Samaritanus  .  .  Nul- 
lam  (denuo)  audeant  construere  synagogam. 
Nam  si  fecerint,  noverint,  hanc  fabricam  ec- 
clesiae catholicae  profuturam  .  . 

.  ,  omnes  clericos  (iubet),  .  .  ut  publica 
loca  pro  ecclesiarum  reparatione  non  destru- 
ant. 


Ecclesiarum  negotia,  pro  reverentia  sanc- 
titatis  ac  fidei,  oportet,  quum  ad  publicum 
prolata  fuerint,  sine  aliqua  dilatione  finiri. 
Nee  debent  defensores  loci  venerabilis  ulla 
tarditate  suspendi. 

De    corporibus   namque    publicis    nullum 

51* 


804 


Öffentliches  Recht.     Viertes  Buch. 


werden,  so  möge  er  wissen,  dass  sein  ganzes  Vermögen  der  Kurie  oder 
demjenigen  Corpus  ^  aus  dem  er  sich  entfernt  hatte,  einzufügen  und  er 
selbst  zum  Dienst  der  Gemeinde  in  sein  Corpus  zurückzurufen  ist.  Sowohl 
Judex  als  auch  Officium  dieser  Provinz  sind,  falls  sie  sie  nicht  zurückge- 
rufen haben  werden,  schwer  zu  strafen,  indem  sie  ihres  Vermögens  und 
ihrer  Statusprivilegien  entkleidet  werden,  und  für  die  Primores  officii  Kapital- 
strafe verordnet  worden  ist,  während  sie  selbst  um  nichts  weniger  von  einem 
solchen  Officium  fernzuhalten  sind,  damit  sie  sich  von  den  ihrer  Stadt 
gebührenden  Diensten  nicht  entfernen.^ 


1)  J  sagt  lediglich,  dass  Judex  und  Officium  der  Provinz,  im  Falle  mangelnden  Wider- 
rufs, Sicut  ipsa  lex  loquitur,  von  schwerer  Strafe  getroffen  werden. 


expressis  urbium  ministeriis  non  liceat  ordi- 
nari,  acquiescentes  huic  officio  rerum  suarum 
amissio  comitetur,  quas  curiae  vel  corpori 
suo  praecipimus  applicari.  Si  custodire  haec 
et  exsequi  neglexerint  iudices  competentes, 
facultatibus  suis  et  status  privilegiis  exuan- 
tur,  primoribus  officii  capitali  discrimine  cou- 
stituto,  ipsis  nihilominus  a  tali  officio  repel- 
lendis,  ut  ab  urbis  suae  competentibus  obse- 
quiis  non  recedant  .  . 


fieri  defensorem  ecclesiae  ,lex  ista  consti- 
tuit.  Quod  si  quis  ex  curia  acquieverit,  ut 
fiat  detensor  ecclesiae,  noverit,  res  suas  om- 
nes  curiae  aut  illi  corpori,  unde  discesserat, 
applicandas,  et  se  ad  servitium  civitatis  in 
suo  corpore  revocandum.  Nam  et  iudicem 
et  officium  eins  provinciae,  si  eos  non  revo- 
caverint,  gravi,  sicut  ipsa  lex  loquitur,  dicit 
poena  feriendos. 


-^=-»0»-"^- 


Register. 


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Codex  Theodosianus. 

2,1,1 

586. 

701 

2,7,1 

474.  506 

2,1,2 

471. 

474. 

587.  710 

2,7,2 

25 

1,1,1 

1 

2,1,3 

583. 

586. 

650.  675 

2,7,3 

506 

1,2 

1 

2,1,4 

477 

2,8,1 

66. 144.  485.  760.  790 

1,3 

1 

2,1,5 

472. 

700. 

705 

2,8,2 

485.  485.  674.  789. 

1,4 

1 

2,1,6 

480. 

480. 

482.  581. 

789.  790.  792 

2,1 

663 

660 

677 

2,8,3 

160.  486.  705 

2,2 

668 

2,1,7 

101. 

479 

2,9,1 

153.  256.  673 

2,3 

311. 

506.  506.  664 

2,1,8 

475. 

590. 

591.  607. 

2, 10, 1 

489.  641 

2,4 

667 

626. 

653. 

729.  733 

2, 10,  2 

488 

2,5 

581. 

660.  669 

2,1,9 

471. 

572. 

656.  710. 

2,  10,  3 

332.  490.  709 

2,6 

311. 

664 

715 

2,11,1 

490 

2,7 

14. 

503 

2, 1, 10 

85. 156.  288.  470. 474 

2, 12, 1 

3.  5.  207.  313.  491. 

3,1 

662 

2,1,11 

587. 

609. 

701 

491.  760 

1,5,1 

528. 

571.  648 

2,1,12 

589. 

714 

2, 12,  2 

497 

6,1 

483. 

581.  627 

2,2,1 

481. 

515 

2,12,3 

492 

6,2 

486. 

510 

2,3,1 

509 

2,12,4 

7.  285.  316 

6,3 

483. 

487 

2,4,1 

177. 

344. 

495.  503. 

2, 12,  5 

167 

,6,4 

584. 

689.  718 

503. 

762 

2, 12,  6 

488.  492.'^  711 

,6,5 

716. 

721 

2,4,2 

502. 

721. 

730.  762 

2, 12,  7 

314.  314.  490.  493. 

,7,1 

487. 

653.  774 

2,4,3 

508 

493.  494 

,8,1 

471. 

711 

2,4,4 

503. 

505. 

664 

2, 13, 1 

315.  715 

,9,1 

512. 

579 

2,4,5 

218. 

503. 

508.  665 

2, 14, 1 

151.500.572.637.715 

,9,2 

473 

2,4,6 

218. 

507 

2, 15,  1 

27.  28 

,9,3 

487. 

671.  694.  725 

2,4,7 

509. 

803 

2, 16, 1 

30.  171 

,10,1 

654. 

728.  768 

2,5,1 

510 

2,16,2 

32 

,10,2 

591. 

717.  730.  732. 

2,6,1 

506. 

665 

2,16,3 

28.166.171.314.315. 

732. 

772 

2,6,2 

505. 

649 

2, 17, 1 

:-ll.^    165.  168.  169. 

,10,3 

609. 

716.  731 

2,6,3 

504 

172.192.663.760.765. 

,11,1 

332. 

482.  709 

2,6,4 

496. 

505 

2, 18, 1 

510 

.11,2 

484. 

623.  721.  768 

2,6,5 

504. 

706 

2, 18,  2 

480.  758 

1)  Bezüglich  1,  4,  1  vgl.  S.  VII. 

3)  Im  Text  (Anm.  3)  steht  irrtümlich  2,  14,  1. 


2)  Im  Text  steht  irrtümlich  2, 16,  6. 


806 


Register. 


2, 19, 1 

44.  70.  89.  101. 

145. 

3,7,2 

152.  155.  404 

3,7,3 

2, 19,  2 

403.  405.  408.  410 

3,8 

2, 19, 3 

70.152.154.155.405. 

3,8,1 

405 

3,8,2 

2,19,4 

405 

2, 19,  5 

410 

3,8,3 

2, 19,  6 

401.  408 

3,9,1 

2, 19,  7 

409 

3, 10, 1 

2.  20, 1 

410.  411 

2,21,1 

412 

2,21,2 

412 

3,11,1 

2,  22, 1 

86.  87.  92.  398 

2,  23, 1 

201.1  657.  668. 

708 

3, 12, 1 

2,  24, 1 

367.  369.  762 

3, 12,  2 

2,  24,  2 

255 

3, 12,  3 

2,  25, 1 

41.190.233.700 

.703 

2, 26, 1 

217 

3,12,4 

2,  27, 1 

259.  261 

3,13,1 

2,28,1 

310 

2,  29, 1 

287.  659 

3,13,2 

2,  29, 2 

3.  3. 14. 198. 28^ 

'.542 

3,13,3 

2, 30, 1 

520.583.707.733.770 

3,13,4 

2,30,2 

235 

3, 14, 1 

2,31,1 

249 

3, 15, 1 

2,  32, 1 

251 

3, 16, 1 

2,  33, 1 

245.  245.  248. 

309 

2,  33,  2 

245.  246 

2,  33,  3 

247.  713 

3,16,2 

2,  33, 4 

246.  713 

3,1,1 

271 

3,17,1 

3,1,2 

3. 198.  272.  272 

.682. 

3, 17,  2 

682.  692 

3,17,3 

3,1,3 

172.192.273.316.764 

3,17,4 

3,1,4 

271 

3,1,5 

157.  553 

3,1,6 

274 

3, 18, 1 

3,1,7 

271 

3, 19, 1 

3,1,8 

276.  745.  746 

3,19,2 

3,1,9 

26 

3, 19,  3 

3,2,1 

239 

3,19,4 

3,3,1 

47 

4,1,1 

3,4,1 

279 

4,2,1 

3,5,1 

2.  207.  322 

4,3,1 

3,5,2 

324.  326 

4,4,1 

3,5,3 

167.  171.  324 

4,4,2 

3.5,4 

98.  113.  179.  708 

4,4,3 

3,5,5 

325 

4,4,4 

3,5,6 

98.  114.   327 

4,4,5 

3,5,7 

98.  114.  179 

4,4,6 

3,5,8 

171.  322.  323. 

823 

4,4,7 

3,6,1 

329 

4,5,1 

3,7,1 

97.  110.  146 

l4,6,l 

107.  157.  548 
109.  317 

124 

120.  152 

121.  121.  123.  125. 
130.  391 

121.  127.   127 

123.  126 

104.  112.  115.  153. 

327.  547.  633.  643. 

663.  667 

111.  474.  638.  656. 

677.  702 

100.  103 

100.  104 

100.  103.  153.  211. 

318.  353.  691.  693 

100.  104.  153.  353 

119.  549.  596.  596. 
597.  601 

320 

128.  320.  321.  330 

269 

88.  101.  546 

268.  319 

108.  116.  116.  117. 
117.  118.  119.  348. 
551.  601 

107.  116.  117.  120. 

120.  551.  601.  634 
173.  177.  494  761 
182 

184.185.730.768.775 
173.  182.  182.  183. 
183.  184.  237.  730. 
767 

185.  353 

236.  346 

345 

232.  345.  704 

342.342.730.764.775 

394.  424.  424 

430 

99.  178.  421.  494 

362.  381 

455.  456.  676 

361.  362.  365.  373 

4.  418.  759 

366.  372.  675.  715 
379 

367.  381.  427 
20.  192 

132.  211.  355.  359 


4,6,2 
4,7,1 

4,8,1 
4,8,2 
4,8,3 
4,8,4 
4,9,1 
4, 10, 1 
4,11,1 
4, 12, 1 

4, 13, 1 
4, 14, 1 
4, 15, 1 
4,15,2 
4, 16,  1 
4, 16,  2 
4, 17, 1 

4, 18, 1 
4. 18,  2 
4,  19, 1 
4, 20, 1 
4,  20, 2 
4,  20,  3 
4,  20, 4 
4,  20,  5 

4,  20,  6 

4,21,1 

5,1,1 

5,1,2 

5,1,3 

5,1,4 

5,1,5 

5,1,6 

5,1,7 

5,1,8 

5,1,9 

5,2,1 

5,3,1 

5,4,1 

5,  5, 1 
5,5,2 

5,6,1 

5,7,1 
5,7,2 
5,8,1 
5,9,1 
5,9,2 
5, 10, 1 


356 

65.  787.  791 

73 

49.  49.  552 

36.  36.  36.  36.  69 

75 

57.  673 

52.  71 

585.  680.  726 

16.i7.  i7. 18.  m  19. 

20.   176.  740. 

196.  704 

476 

518 

509 

22.  215.  294.  498 

498 

22.216.242.246.248. 

309.  518 

520 

2.  197 

219.  224.  436.  975 

221.  222.  223.  223 

12.  346.  645 

13.  13.  703 

222.  223 

12.  216.  509.  663 

173.  177.  218.  220. 

494.  668 

83.  219.  224.  508 

162.392.425.426.426 

137.138.390.391.761 

144.  387 

388.  389.   402 

389.  431 
389 
390 

122.  387.  389.  391 

395.  397.  693 
396.693.698.752.756 

396.  757.  802 

397.  709 
45.  698 

43.  45.  540.  642.  655. 
771 

44.  540 
54.  138 
54.  786 
49 

52.  77.  83.  683 
83.  707 

37.  78.  78.  80.  80. 
81.  82.  82 


1)  Im  Text  und  in  der  Note  ist  irrtümlich  pr.  1  hinzugefügt. 

2)  Im  Text  steht  irrtümlich  4,8,1. 


Register. 


807 


5. 11,  1  85 

5. 12,  1  1 

6, 1, 1  568.  669 

6, 1,  2  568.  669 

7, 1, 1  576 

8,1,1  637.  649.  649.  684. 

722.  734.  769 

8,2,1  651.  726.  732.  738. 

770.  775 

8,3,1  289.  484.  556.  687. 

705.  789 

8,  4,  1  726 

8,5,1  4.  4.  5.6.  6.  21.205. 

205.  206.  206.  207. 

209.  228.  .V57.  344. 

345.  411.  468.  468. 

760 

"  5,2  200.  208.  228.  319 

6.1  147.  210 

6.2  71.  210 

6.3  99.  124.  210 

6.4  147.  209 
7, 1  146 

8, 1  26.  685.  723.  727 

9, 1  196.  335 

9,  2  334.  836.  337 

9,  3  9.  336.  337 

9, 4  338 

9,  5  334.  337.  338.  339 

9,  6  129.   130.  340.  393 

10, 1  317.  340 

1, 1  588.  591 

1,  2  167.  489.  492.  593 

1. 3  604 

1.4  502.  605 

1.5  592 

1.6  605.  612 

1.7  593.  618 

1.8  606 

1.9  597.  606.  621  665 

1.10  613 

1. 11  593.  605.  612.  618 

2.1  613 

2. 2  614 

2.3  613.  658.  785.  791 
3, 1  575.  595 

3,  2  574.  594 
3, 8  595 
4, 1  547 

4,  2  548.  596.  615 

4.3  538.  550.  624 

4.4  106.  157.  548 

4. 5  552 

4.6  119.  550.  601 

4. 7  550 
5,1  113.  179.  551.  648 


9,6,1 

9,7,1 

9,7,2 
9,7,3 
9,8,1 
9,9,1 
9, 10, 1 
9,11,1 
9,11,2 
9, 12, 1 
9, 13, 1 
9, 13,  2 

9. 13,  3 

9. 14,  1 
9,  15, 1 

9. 15,  2 
9, 16, 1 


9,17, 

9,18, 

9,19, 

9,19, 

9,  20, 

9,20, 

9,21, 

9,21, 

9,22, 

9,23, 

9,  24, 

9,24, 

9,25, 

9,26, 

9.26, 

9,27, 

9,27, 

9,27, 

9,28, 

9,29, 

9,29, 

9,29, 

9,  30, 

9,30, 

9,80, 

9,30, 

9,81, 

9,  32, 

9,32, 

9,32, 

9,82, 

9,33, 

69.354.551.594.607. 

609 

541.  544.  630 

12.   606 

149.  542.  639.  714 
574.  576.  613 

42.  535 

98.  135 

531 

536.  586 

533 

558 

560 

559 

588 

563.  622.  641.  746. 
755.  773 

564.  602.  608 
76.119.220.224.226. 
294.  420.  589.  543. 

565.  565.  569.  600. 
601.  602 

566.  611 
567 

69.  86.  355.  544.  610. 

680 

108.  546.  599 

108.  545 

108.  545 

580.  639.  717 

257.  580.  649 

532.  638 

577 

302.  638 

802 

611.  790 

150.  611.  612.  648 
611.  612.   612 

616 

615.  616 

605.  615.  617.  620 

632.  789 

150 

151 

150.  491.  571.  572 

617.  625 

627.  714 

627 

597 

626 

349.  850.  576.  596 

350.  763 
320.  326.  349 
350.  665.  695.  697 
88.  89. 141.  176. 187. 
850.  633 


9,  34, 1 
1,1 
2,1 
3,1 
3,2 

4,1 
5,1 
5,2 
5,3 
5,4 
5,5 
6,1 

7,1 

8,1 

9,1 

10,1 

11,1 

1,1 
1,2 
2,1 

2,2 
3,1 

4,1 

4,2 

5,1 
6,1 

7,1 

8,1 

8,2 

8,3 

9,1 

10,1 

11,1 

11,2 

11,3 

11,4 

11,5 

12,1 

13,1 

14,1 

14,2 

14,3 

14,4 

14,5 

14,6 

14,7 

1,1 
1,2 
1,3 
1,4 
1,5 
1,6 
1,7 
1,8 
1,9 


10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 
10 

11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 

11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 
11 

12 
12 
12 
12 
12 
12 
12 
12 
12 


602.  792 
659.  696.  701 
233.  280.  748.  759 

583.  589.  701.  724 
699 

194.  696 

569.  593.  609.  685 

570 

570 

645.  697 

571 

696 

699.  724 

706 

688 

202 

216 

691 

682     ^ 

681    ^ 

681 

670.  690.  720.  725 

688 

582.  651.  659.  687. 

719.  725 

584.  646.  726 
650.690.720.724.769. 


523.  630 

523.  523 

629 

527 

528 

526.  626.  629.  714 

521.  707 

796 

521 

426.  521.  658 

219.  526 

522 

515 

516.  620.  620.  20 

514 

598 

573.  622.  786 

213.  434.  518 

620 

672.  744 

666.  736 

735 

672.  728.  732 

623.  655.  657.  756 

735.  745 

737 

734.  759 

789 


808 


Register. 


12,2,1 


,2 
,1 
,1 
,2 
,1 
,1 
,2 
,1 
,1 
,1 

5  2 

',3 
,4 

,5 

,6 
,1 
,1 
,2 
,1 
,1 


12,2, 

13,1, 

13,2, 

13,2, 

14,1, 

15,1, 

15,1, 

15,2, 

15,3, 

16,1, 

16,1, 

16,1, 

16,1, 

16,1, 

16,1, 

16,2, 

16,3, 

16,3, 

16,4, 

16,5, 

650.  686.  718.  768. 

769 

661.  686.  719.  769 

691.  712 

685.  716 
685 

37.  776 
234.  759 
694 

11.  227 
576 

686.  787 
795 

592.  795.  797 

666.  798 

652.  739.  779.  799 

785 

160. 160.  i6'P.  352.554 

156.  553 

160.  554.  644 

70.  158.  272.  553 

796.  796 


Novellen. 
a)  Theodosius. 

^3,1    156.  158.  159.  159. 

161.  481.  484.  553. 

554.  615.  644.  659. 

723.729.735.788.803 
4,  1     281.  692.  705.  748 
5,1     168.  179.  183.  186. 

236.  352 
6, 1  529.  678 
7,1     119.  127.  128.  129. 

131.  318.  321.  327. 

341.  387 
8, 1     666.  669.  742 
9,1     58.  91.  181.362.363. 

365.  367.  368.  369. 

372.  372.  373.  380. 

380.  428.   450.  762 
10, 1    202.  683.  698 

11.1  133.  356.  358.  402. 
403.  737.  753.  764 

11.2  133.  358.  359.  404. 
414.  738.  749.  754 

b)  Valentinianus. 

1,1     317 

2,1     161.  351.  352.  555. 

594.  608.  628.  640. 

656.  679.  693 


3,1 
4,1 


4,2 
5,1 


6,1 


534.  628.  640.  654 

164.  361.  361.  366. 

370.  372.  403.  420. 

424.  425.  761 

364.  367.  420.  428 

148.  556.  589.  610. 

638.  644.  647.  679. 

771.  786 
52.  91.  398.412.412. 


2,1 


1,1 


472.    610.  651.  651 

758.  783.  798 

e)  Severus. 
124.  236 

Gaius. 


515.  619 

1  pr. 

36.  36.  39.  39.  55.  85. 

7,1 

646.  672.  679.  689 

87 

8,1 

17.  76.  Sl.   82.  233 

1,1 

56.  85.  792 

9,1 

37.  39.  78.  79.  80. 

1,2 

56.  87 

81.   81.  84.  763 

1,3 

56.  87.  637 

10,1 

193.  193.  274.  276. 

1,4 

86.  92.  93.  351 

277.  488.  742.  747. 

1,5 

58 

747.  765.  766 

1,6 

58.  71 

11,1 

47.  652 

1,7 

58.  169.  360 

12,1 

15.  16. 17.  ir.  18.  18. 

2  pr. 

61.  62.  62 

19.  19.44.68,  77.  80. 

2,1 

61 

81.   81.  84.  120.  289. 

2,2 

63.  64.  65 

321.  327.  S34.   334. 

2,3 

65 

S3Ö.   435.  472.  478. 

2,4 

65 

481.  496.  499.  511. 

3  pr. 

93 

512.  522.  598.  639. 

3,1 

40.  41.  536.  587 

641.  647.  678.  741. 

3,2 

93.  135 

743.  744.  757.  775. 

4  pr. 

88.  101.  109 

777.  778.  779.  781. 

4,1 

102.  102.  187.  137. 

782.  783.  785.  Itb. 

146.  761 

796.  803.  803 

4,2 

102.  138.  146 

4,3 

104 

c)  Martianus. 

4,4 
4,5 

.  105 
105 

1,1 

476.  478.  482.  592. 

4,6 

102 

670.  710 

4,7 

102 

2,1 

670.  725 

4,8 

99.  102 

3,1 

195.  683.  695 

4,9 

S5.   37.  38.  38.  88 

4.1 

40.  70.  91.  105.  152. 

5  pr. 

187 

155.  712 

5,1 

187.  139 

5,1 

374.  447.  801 

5,2 

134.  138.  165 

5,8 

138 

d)  Maiorianus. 

5,4 
6  pr. 

139 
140.  145 

1,1 

192.  193.  276.  277. 

6,1 

87.  88.  89.  134.  141. 

577.  577.  577.  590. 

636 

597.  622.  635.  680. 

6,2 

43.48.47.184.140.141 

680.  692.  734.  736. 

6,3 

91.142.143.144.145. 

736.  736.  739.  741. 

147.  199.  199.  394. 

741.  743.  744.  746. 

721.  760 

747.  752.  753.  755. 

7  pr. 

181.  181.  182 

757.  765.  766.  772. 

7,1 

182.  182.  384 

772.  776.   111.  111. 

7,2 

181.  181.  184 

119.    782.  783.  783. 

8 

169.  174.  175.  176. 

798 

177.  186 

1)  Wegen  1,  1  und  2,  1  vgl.  S.  VII. 


Register. 


809 


^2,1,1 

188.  351.  791 

2 

,8 

6 

383.  383.  384.  384. 

1,5,2 

572.  588 

2,1,2 

188.  351 

385.  386.  386 

1,6,1 

595 

2,1,3 

226.  226.  226.  226 

2 

,8,7 

394 

1,6,2 

595 

2,1,4 

203.  203.  204.  204. 

2 

.  9  pr. 

254.  254.  258 

1,6,3 

595 

204.  214 

2 

9,1 

258 

1,7,1 

24 

2,1,5 

204.  214 

2 

,9 

2 

264.  266.  267.  267 

1,7,2 

24.  24.  42.  139. 

175. 

2, 1,  6 

214 

2 

,9 

3 

266.  268 

761.  767.  767 

2,1,7 

9.  9.  11.  229.  332. 

2 

,9 

4 

72.  269 

1,7,3 

25 

709 

2 

,9 

5 

189.  254.  791 

1,7,4 

27 

2,  2  pr. 

139.  273.  348 

2 

9 

6 

5 

1,7,5 

10.  27 

2,  2,  1 

93.  360.  360 

2 

9 

7 

249.  249 

1,7,6 

26 

2,2,2 

165.  168.  168.  360 

2 

9 

8 

249.  265 

1,7,7 

26 

2,  2,  3 

174.  174.  360 

2 

9 

9 

265 

1,7,8 

26 

2,  3  pr. 

399 

2 

9 

10 

265 

1,7,9 

26 

2,3,1 

399.  400 

2 

9 

11 

312 

1,8,1 

27 

2,3,2 

35.  400 

2 

9 

12 

270 

1,8,2 

27.  28 

2,3,3 

93.138.139.401.761 

2 

,9 

13 

270 

1,9,1 

30 

2,3,4 

379 

2 

9 

14 

270.  280 

1,9,2 

31 

2,3,5 

42.  44.  87.  90.  139. 

2 

9 

15 

280 

1,9,3 

34 

284.   381 

2 

9 

16 

283.  283 

1,9,4 

34 

2,3,6 

154.  382.  423.  423. 

2 

9 

17 

270.  284 

1,9,5 

31.  268 

423.  424 

2 

9 

18 

255.  284.  284 

1,9,6 

31.  268 

2,  4  pr. 

377.  377 

2 

9 

19 

286 

1,9,7 

29 

2,4,1 

377 

2 

9 

20 

285.  285 

1,9,8 

29.  238 

2,4,2 

378 

2 

10  pr. 

309.  310 

1, 10, 1 

500 

2, 4,  3 

379.  464 

2 

10,1 

257 

1,11,1 

435.  497 

2,  5  pr. 

450 

2 

10,2 

291.292.292.292.292 

1,11,2 

435.  497 

2,5,1 

450.  450.  450.  462 

2 

10,3 

290 

1,11,3 

230 

2,  5,  2 

451.  452 

2 

10,4 

262.  263.  290 

1,  12, 1 

562 

2,5,3 

451.  451.  452.  453 

2 

10,5 

263.  291 

1,12,2 

562 

2,5,4 

462 

2 

10,6 

293 

1,12,3 

619.  624 

2,5,5 

462 

1,12,4 

621.  628 

2,5,6 

454 

Paulus. 

1,12,5 

621 

2,5,7 

447.  454.  463 

1,13,1 

497 

2,6 

458 

1,1,1 

256.  311 

1,13,2 

10.  56 

2,  7  pr. 

464.  466 

1,2 

255 

1,13,3 

299.  588.  772 

2,  7, 1 

437 

1 

1,3 

289 

1,13,4 

277 

2,7,2 

448 

2,1 

148.  154  491 

1,13,5 

298 

2,7,3 

448 

X 

2,2 

167.  168.  314.  492 

1,13,6 

298.  298 

2,7,4 

456 

2,3 

154.  315.  491 

1,13,7 

434 

2,  7,  5 

457 

2,4 

21 

1,13,8 

245.  435 

2,7,6 

452.  457 

3,1 

4.7.490.491.720.760 

1,13,9 

15.  435 

2,7,7 

59.  71 

•'■ 

3,2 

7.285 

1,14,1 

189 

2,7,8 

59.  60.  243.  247.  372. 

•*■ 

4,1 

306 

1,15,1 

307 

448.  448.  449.  455. 

4,2 

187.  187.  305.  347 

1,15,2 

308.  588 

461.  463.  464 

■'^ 

4,3 

244.  307 

1,15,3 

308 

2,8pr. 

135.  381 

4,4 

306 

1, 16, 1 

567 

2,8,1 

381 

*■ 

4,5 

251.  306 

1,17,1 

227 

2,8,2 

382 

•*•) 

4,6 

250.  306 

1,17,2 

227.  227.  227 

2,  8,  3 

93.  94.  383 

■^ ) 

4,7 

306 

1,18,1 

431 

2,8,4 

384 

4,8 

305.  346 

1,19,1 

279.297.451.453.499 

2,8,5 

94.  165.  385 

■•■) 

5, 

1 

572 

1,19,2 

290.2  500 

1)  2,  1  pr.  enthält  das  Folgende;  Gaius  superiore    comraentario    de    iure    personarum 
aliqua  disputavit,  nunc  in  hoc  commentario  de  rebus  iterum  tractat. 

2)  Im  Text  und  in  der  Note  steht  irrtümlich  1,  19,  1. 


810 


Regfister, 


1,20,1  267 

1.21.1  189 

1.21.2  190.  556 

1.21.3  121 

1.21.4  429 

1.21.5  307 
2, 1,  1  517 
2, 1,  2  517 

2.1.3  517 

2.1.4  517 

2.1.5  23 
2,  2, 1  289 

2,  3, 1  264.  267 

2, 4, 1  263 

2, 4,  2  268 

2,4,3  39.  262 

2, 4,  4  286 

2, 5, 1  237 

2,  5,  2  40.  239 

2,5,3  310 

2,  6, 1  253.  290 

2,  7, 1  282 

2,  7,  2  283 

2,  7,  3  283 

2,  7, 4  283 

2,  7,  5  283 

2, 8, 1  252 

2,  8, 2  252 

2,  8,  3  252 

2,  9, 1  251 

2, 10, 1  258 

2.11.1  167.  315 

2.11.2  315.  347 

2. 12. 1  262.  291 

2.12.2  248.  247.  262 

2.12.3  262.  311 

2. 12. 4  238.  241 
2, 12,  5  239 

2.12.6  237 

2. 12,  7  238 
2, 12, 8  238 

2, 13, 1  241.  447 

2. 13,  2  241 
2, 13,  3  240 

2. 13,  4  41 

2. 14. 1  242.  254.  266 

2.14.2  245 

2. 14,  3  247.  259 
2,  14,  4  245 

2, 14,  5  12.  285.  519.  542 

2, 14,  6  244.  343.  721 

2. 15. 1  286 

2.15.2  244.  286 

2.15.3  285 


2,16, 

2,17, 

2,17, 

2,17, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,18, 

2,19, 

2,19, 

2,  20, 

2,20, 

2,20, 

2,20, 

2,20, 

2,20, 

2,21, 

2,22, 

2,  22, 

2,23, 

2,23, 

2,  24, 

2,  24, 

2,  24, 

2,  24, 

2,  24, 

2,  24, 

2,25, 

2,  25, 

2,25, 

2,25, 

2,  25, 

2,  25, 

2,  25, 

2,  25, 

2,  25, 

2,26, 

2,26, 

2,26, 

2,26, 

2,26, 

2,  27, 

2,27, 

2,27, 

2,28, 

2,28, 

1 

284 

1 

278 

2 

278 

3 

278 

1 

278 

2 

280 

3 

279 

4 

278 

5 

312 

6 

244. 

277 

7 

174. 

175 

8 

280 

9 

280 

10 

272 

11 

199 

12 

267. 

493 

1 

282 

2 

282 

1 

113. 

169 

2 

110. 

115 

3 

40. 

132 

4 

115. 

174 

5 

109 

6 

71. 

106.  547 

1 

132 

1 

269. 

318 

2 

192. 

319 

1 

320 

2 

266 

1 

468 

2 

331 

3 

331 

4 

331 

5 

331 

6 

331. 

469.  469 

1 

38 

2 

38 

3 

38 

4 

60. 

248 

5 

135 

6 

136 

7 

136 

8 

136 

9 

136 

1 

43.  ' 

43.  140 

2 

UV 

3 

145 

4 

66. 

144.  760 

5 

145 

1 

548 

2 

548 

3 

549 

1 

180 

2 

180 

29. 1  180 

29. 2  180 

30,1  72.  178.  180 

31,1  345 

32. 1  290 

32. 2  291 

32. 3  292 

32. 4  292 

32. 5  295 

32. 6  296 

32. 7  292 

32. 8  295 

32. 9  296 

32. 10  257.  293 

32. 11  253.  298.  299 

32.12  41.  253.  253.  298 
32,  13  253.  253.  294 

32. 14  293 

32. 15  290 

32. 16  295 

32. 17  295 

32.18  149.  294 

32. 19  293 

32,  20  240.  240.  291 

32.21  9.  251 

82. 22  291 

32. 23  298 

32. 24  295 

32. 25  290 

32. 26  291 

32.27  213.  253.  294 
33, 1  72 

1, 1  178.  422.  495 

2. 1  398 

2. 2  432 

2. 3  398 

2. 4  430 
3, 1  418 

4. 1  166.  168.  360 

4. 2  361 

4.3  832.  333.  369.  709. 
709 

4.4  175.  861 

4.5  174.  361 
5,1  174.  767 

6.1  41.42.44.47.184.851 

6.2  90.  351.  636 

6. 3  365 

6.4  174.  361 

6.5  175.  361.  362 

6. 6  362 

6.7  5.  376 
6,  8  6.  374 
6, 9  374 


1)  Im  Text  steht  irrtümlich  2,  27,  2. 


Reerister, 


811 


3,  6, 10 

376.  377 

3, 

9, 

15 

231 

3,6,11 

377 

3, 

9, 

16 

232 

3,  6, 12 

375 

3, 

9, 

17 

231 

3,6,13 

59.  373 

3, 

9, 

18 

437 

3,  6, 14 

400 

3, 

9, 

19 

438 

3,  6, 15 

401 

3, 

9, 

20 

487 

3,6,16 

401 

3, 

9 

21 

437 

3,6,17 

427 

3, 

9, 

22 

438 

3,7,1 

536 

3, 

9 

23 

436 

3,  7,  2 

537 

3, 

9, 

24 

438 

3,7,3 

537 

3, 

9, 

25 

438 

3,7,4 

537 

3 

9 

26 

438 

3,7,5 

537 

3 

9 

27 

438 

3,7,6 

537.  537 

3 

9 

28 

438 

3,7,7 

538 

3 

9 

29 

440 

3,7,8 

538 

3 

9 

30 

461 

3,7,9 

538 

3 

9 

31 

439 

3,7,10 

432 

3 

9 

32 

439 

3,7,11 

420 

3 

9 

33 

461 

3,7,12 

421.  423 

3 

9 

34 

439 

3,7,13 

421 

3 

9 

35 

439 

3,  7, 14 

421 

3 

9 

36 

439 

3,  7, 15 

421 

3 

9 

37 

440 

3,8,1 

431.  454 

3 

9 

38 

462 

3,8,2 

373.  449.  462 

3 

9 

39 

440 

3,8,3 

57.  59.  447 

3 

9 

40 

440 

3,8,4 

448 

3 

9 

41 

440 

3,8,5 

449 

3 

9 

42 

440 

3,  8,  6 

450.  451 

3 

9 

43 

441 

3,  8,  7 

453 

3 

9 

44 

441 

8,8,8 

462 

3 

9 

45 

441 

3,8,9 

446.  453 

3 

9 

46 

441 

3,  8, 10 

446.  454 

3 

,9 

47 

441 

3,  8, 11 

427.  460 

3 

,9 

48 

441 

3,  8, 12 

437.  447 

3 

9 

,49 

441 

3, 8, 13 

463 

3 

,9 

50 

442 

3,  8, 14 

181.  187 

3 

»9 

51 

442 

3,  8, 15 

460 

3 

,9 

52 

442 

3,  9, 1 

228.229.446.451.453 

3 

.9 

53 

442 

3,9,2 

446 

3 

9 

54 

443 

3,9,3 

230 

3 

,9 

55 

443 

3,9,4 

229.  230 

3 

9 

,56 

443 

3,9,5 

230 

3 

,9 

57 

443 

3,  9,  6 

203.  229.  230 

3 

,9 

,58 

443 

3,9,7 

230 

3 

,9 

,59 

443 

3,9,8 

229 

3 

,9 

60 

443 

3,9,9 

229.  232 

3 

,9 

,61 

444 

3,9,10 

463 

3 

,9 

,62 

444 

3,9,11 

230 

3 

,9 

,63 

444 

3,  9, 12 

53.137.139.231.231. 

3 

,9 

,64 

444 

231.  231.  232.  232 

3 

,9 

,65 

444 

3,9,13 

53.  53.  137.139.231. 

3 

,9 

,66 

444 

284.   636 

3 

,9 

,67 

444 

3,  9, 14 

231 

3 

,9 

,68 

445 

3,  9,  69 

444. 

445 

3,  9,  70 

445 

3,9,71 

446 

3,  9,  72 

445 

3,  9,  73 

445 

3,  9,  74 

445 

3,  9,  75 

446 

3,  9,  76 

459 

3, 10,  1 

468 

3, 10,  2 

468 

3,11,1 

458 

3,11,2 

459 

3,11,3 

459 

3,11,4 

244. 

247.  248.  461 

4,1,1 

321. 

446.  447 

4,1,2 

449 

4,1,3 

449. 

677 

4,1,4 

175. 

449 

4,1,5 

455 

4,1,6 

455 

4,1,7 

457. 

457 

4,1,8 

452. 

457 

4,1,9 

460 

4,1,10 

455 

4,1,11 

99. 

206.  449.  456 

4, 1, 12 

140. 

460 

4,1,13 

464 

4,1,14 

460 

4,  1, 15 

461 

4,  1, 16 

61. 

54 

4, 1, 17 

461 

4,1,18 

461 

4,2,1 

465 

4,3.1 

465 

4,3,2 

466 

4,3,3 

429. 

458.  465.  801 

4,3,4 

466  ^ 

4,4,1 

427 

4,  4,  2 

466. 

767 

4,4,3 

467 

4,4,4 

467 

4,5,1 

402 

4,5,2 

402 

4,  5,  3 

409. 

663.  676 

4,5,4 

434 

4,5,5 

407. 

458.  467 

4,5,6 

405. 

406 

4,5,7 

410 

4,  5,  8 

409 

4,5,9 

433. 

467 

4,  5, 10 

433. 

694 

4,6,1 

418 

4,6,2 

419. 

766 

4,6,3 

419 

1)  Im  Text  steht  irrtümlich  4,  3,  3. 


812 

Register 

4,7,1 

561.  562 

5,2,3 

196 

5,7,13 

76.  115.  148 

4,7,2 

561.  563 

5,2,4 

3.  197.  197.  208 

5,  7, 14 

132.  235.  240 

4,7,3 

561 

5,2,5 

197 

5,8,1 

264.  265 

4,7,4 

561 

5,3,1 

298.  299 

5,8,2 

264.  265 

4,7,5 

561 

1  5,  3,  2 

296 

5,8,3 

10.  229 

4,  7,  6 

219.  225.  419 

5,3,3 

297 

5,8,4 

265 

4,8,1 

93.  94.  94. 

94 

5,3,4 

532 

5,9,1 

7.  9.  9.  312.  312 

4,8,2 

385 

5,3,5 

297 

5, 10. 1 

422 

4,8,3 

165.  385.  394 

5,3,6 

298.  299 

5, 10,  2 

8.  21.  494 

4,8,4 

384.  386 

5,4,1 

300.  302 

5,10,3 

496.  519 

4,8,5 

44.  53.  86. 

90.  141. 

5,4,2 

168.  168 

.  173.  173. 

5,10,4 

333.  430 

383.  386.  633 

300 

5,11,1 

191 

4,8,6 

427 

5,4,3 

300 

5,11,2 

191 

4,8,7 

378.  432 

5,4,4 

300.  304 

5, 12, 1 

208.  319 

4,8,8 

71.  90.  162 

5,4,5 

304 

5, 12.  2 

200 

4,8,9 

163 

5,4,6 

301 

5,12,3 

212 

4.  8, 10 

35.  163 

5,4,7 

301 

5,12,4 

208 

4,8,11 

35.  163 

5,4,8 

301.  304 

5,12,5 

209 

4,  8, 12 

35.  163 

5,4,9 

149.  301 

5, 12,  6 

210 

4,  8, 13 

35.  163 

5,4,10 

302.713.716.756.775 

5, 13, 1 

349 

4,8,14 

71.  162 

5,4,11 

571.  572. 

640.  745 

5,13,2 

433 

4,9,1 

87.  90.  163. 

393 

5,4,12 

598 

5,13,3 

433.  694 

4.9,2 

163.  164.  3^ 

"1.  663 

5,  4, 13 

305 

5,13,4 

30.  344.  433 

4, 10, 1 

94 

5,4,14 

304 

5, 14, 1 

699 

4,10,2 

94 

5,  4, 15 

303 

5, 14,  2 

582.  582.  590.  679 

4, 10,  3 

95 

5, 4, 16 

303 

700 

4,10,4 

95 

5,4,17 

152.  300. 

301 

5, 14,  3 

21.  694.  705 

4, 10,  5 

96 

5,4,18 

149.  300. 

301 

5,14,4 

374.  676 

4, 10,  6 

96 

5,4,19 

149.  302 

5, 14,  5 

254.  372.  675 

4, 10,  7 

97 

5,  4,  20 

305.  636 

5, 14,  6 

520.  707 

4.10,8 

97.  395 

5.  5, 1 

288.  473. 

767 

5, 14,  7 

706 

4,11,1 

56.  190 

5,5,2 

23.  518 

5, 14,  8 

567.  645 

4,11,2 

66.  66.  67.  175 

5,5,3 

513.  518 

5, 15, 1 

570 

4,11,3 

68 

5,5,4 

519 

5, 15,  2 

569 

4,11,4 

60.  68 

5,5,5 

518 

5, 15,  3 

570.  575 

4,11,5 

57.  67.  190 

5,5,6 

502.  511. 

522 

5, 16, 1 

621.  621 

4,11,6 

67.  239 

5,5,7 

522.  529 

5,16,2 

621 

4,11,7 

67.  168.169.173.174 

5,5,8 

23.  196.  . 

S29 

5, 17,  1 

619 

4,11,8 

8.  8.  67 

5,5,9 

598.  598. 

625 

5,17,2 

619 

4,11,9 

175.  179 

5,5,10 

632 

5,17,3 

515.  619.  619 

4,  12, 1 

145,  376 

5,6,1 

23.  217.  543.  601 

5,17,4 

515 

4,12,2 

60 

5,6,2 

189.  723 

5,17,5 

516.  573.  641.  746 

4,12,3 

61.  169.  181. 

344 

5,  7, 1 

220 

5, 17,  6 

513 

4, 13, 1 

63 

5,7,2 

221 

5, 18,  1 

516 

4,13,2 

59.64 

5,7,3 

221.  296. 

300 

5,18,2 

516 

4,13,3 

63.  213 

5,7,4 

220 

5,18,3 

624 

4,13,4 

61.62 

5,7,5 

220.  240 

5,18,4 

619 

5,1.1 

47.  134.  235. 

282 

5,7,6 

221 

5,18,5 

516.  623 

5,1,2 

39 

5,7,7 

228.  297.^ 

660 

5, 18,  6 

623 

5,1,3 

39.  703 

5,7,8 

225.  263 

5, 18,  7 

623 

5,1,4 

72;  720 

5,7,9 

225 

5, 18,  8 

623 

5,1,5 

75 

5,7,10 

214.  225 

5, 18,  9 

624 

5,2,1 

212 

5,7,11 

191 

5,18,10 

624 

5,2,2 

7.  8.  213 

5,7,12 

308.  539. 

660 

5,18,11 

597.  598 

1)  Im  Text  steht  iiTtümlicli  5,  5,  4. 


Register 

81 

5, 18, 12 

580 

15,27,5 

514 

1  5,  38,  2 

526 

5, 18, 13 

626 

5,  27,  6 

563. 

566 

5,  39, 1 

529 

5, 18, 14 

605 

5,  27,  7 

565. 

647 

5,19,1 
5, 19,  2 

595. 
625. 

632. 
625. 

632 
625 

5,  27,  8 
5,27,9 

562 
566 

Codex  Gregorianus. 

5,  20, 1 

295. 

296. 

637 

5,27,10 

568 

1,1 

7.  285.  289.  492 

5,  20,  2 

295. 

297 

5,27,11 

568 

2,1 

24.  31.  319.  324 

5,  21, 1 

555. 

792 

5,27,12 

569 

3,1 

30 

5,  22, 1 

299. 

640. 

745 

5,  28, 1 

578. 

625 

631 

636. 

4,1 

407 

5,  23, 1 

559. 

637 

674. 

711. 

731 

4,2 

318.  322.  406 

5,  23,  2 

552 

5,  28,  2 

578. 

625 

631 

636. 

5,1 

216.  434 

5,  23,  3 

560. 

674 

711. 

731 

6,1 

203.  204.  215 

5,  23,  4 

560. 

560 

5,  28,  3 

541. 

648 

6,2 

203.  215 

5,  24, 1 

577 

5,28,4 

12.236.240.519.542 

6,3 

36 

5,  24,  2 

567. 

648 

5,  29,  1 

578. 

650. 

707 

6,4 

199 

5,24,3 

158.160.554.554.644 

5,  30, 1 

473. 

580. 

640. 

745 

6,5 

8.  200.  316 

5,24,4 

158. 

554 

5,31,1 

574. 

662. 

674 

7,1 

199 

5,  25, 1 

531 

5,31,2 

575. 

622 

7,2 

199.  200 

5,  25,  2 

532. 

534 

5,  32, 1 

579. 

721. 

776 

8,1 

29.  29.  375.  402 

5,  25,  3 

536 

5,  33, 1 

585. 

614. 

711 

8,2 

212.  411 

5,  25,  4 

532 

5,  33,  2 

542. 

614. 

712 

9,1 

250.  251.  258.  258 

5,  25,  5 

581. 

646 

5,  34, 1 

523 

10,1 

309 

5,  25,  6 

534 

5,35 

524 

10,2 

307.  309 

5,  25,  7 

533. 

642 

5,  35, 1 

524. 

524 

524 

11,1 

513 

5,  25,  8 

533. 

648 

5,  35,  2 

525 

11,2 

514 

5,  25,  9 

558 

5,  35,  3 

525 

12,1 

173.  518 

5,  25, 10 

558 

5,  35,  4 

525 

13,1 

10.  425 

5,25,11 

559. 

559 

5,  35,  5 

525 

5,  25, 12 
5,  25, 13 

559. 
534 

644 

5,  35,  6 
5,  35,  7 

525 
525 

Codex 

H  e  r  m  0  g  e  n  i  a  n  u  .s. 

5,  26, 1 

532 

5,  36, 1 

524 

1,1 

261 

5,  27, 1 

561. 

561. 

562.  562 

5,  36,  2 

524 

2,1 

15.  257 

566 

5,37,1 

518. 

527. 

625. 

631 

5,27,2 
5,27,3 

573. 

581 

580. 

645 

1 

5,37,2 
5,  37,  3 

522 
300. 

302 

P 

apinianus. 

5,  27,  4 

562. 

566 

1 

5,  38,  1 

527 

1 

317.  330 

Sinnstörende  Druckfehler 

(vgl.  auch  die  Anm.  zu  S.  805—813  u.  zu  S.  IX— XIX). 


Im  Text: 

S.  22  Zeile  5  lies  zahlen  statt  haben. 
S.  77  Zeile  7  lies  Einiger  statt  Einigen. 
S.  83  Zeile  3  von  unten   lies  Eolonen  statt 

Sklaven. 
S.  171  Zeile  6  von  unten  lies  gewesen  sein 

statt  gewesen. 


S.  175  Zeile  3  lies  verrichten  statt  errichten. 
S.  309  Zeile  5  lies  nicht  statt  nichts. 
S.  544  Zeile  4  lies  wenn   er  statt  welcher. 
S.  706  Zeile  4  lies  Antwortschrift  statt  Ant- 
wortsfrist. 
S.  768  Zeile  2  lies  zuweisen. 


In  der  Anmerkung  unter  dem  Text: 

S.  147  Anm.  1  lies  Urenkeln  statt  Urenkelin. 


S.  568  Anm.  3  lies  J  statt  T. 


In  der  Note  mit  dem  lateinischen  Text: 


S.  45  letzte  Zeile  links  lies  repetitio. 

S.  70  Zeile  5  links  lies  potiatur. 

S.  133  Zeile  10  von  unten  links  liesParentibus. 

S.  133  Zeile  3  von  unten  links  lies  ordine. 

S.  133  letzte  Zeile  rechts  lies  .  .  Curialis  .  . 

filia. 
S.  160  zu  C.  16,  2,  1  links  lies  b)  C.  16,  2,  1 
S.  171  letzte  Zeile  rechts  lies  eas  feminas. 
S.  174:  die  Texte  cc  und  dd  gehören  auf  die 

rechte  Seite. 
S.  193  Zeile  9  links  lies  adiecta. 
S.  196  Zeile  7  von  unten  links  lies  indultum. 


S,  196   Zeile  3  von  unten  links  lies  enixam, 

und  Zeile  2  von  unten  links  absque. 
S.  244:    der    Text    c    gehört    auf   die   linke 

Seite. 
S.  290:  der  Text  6)  a)  rechts  gehört  rechts 

zu  dem  vorhergehenden  Text. 
S.  291 :  der  Text  zum  Schluss  gehört  auf  die 

rechte  Seite. 
S.  362  zu  C.  4,  4,  1  links  lies  a)  C.  4,  4,  1. 
S.  396  Zeile  4  von  unten  rechts  lies  debuerint. 
S.  398  Zeile  3  links  lies  iura  matrimonii  prae- 

ponamus. 


Verlag  der  J.  C.  Hinrichs'sclien  Buchliaiidlung,  Leipzig. 
Vo7i  Professor  Dr.  MAX  CONRAT  erschienen  bereits  früher  in  unserm  Verlag. 

Geschichte  der  duellen  und  Literatur 

des 

Römischen  Rechts 

im    früheren    Mittelalter. 

Erster  Band. 

XI,  645  Seiten.    Lex.  8^.     1891.     M.  30.60 


Inhalt: 


I.  Nachweise  einer  Benutzung  der  Rechts- 
quellen, Breviar  und  Justinianische  Ge- 
setzgebung. 

IL  Die  Verbreitung  der  Rechtsquellen,  Bre- 
viar und  Justinianischer  Gesetzgebung, 
bis   gegen  Beginn   des  11.  Jahrhunderts. 

TU.  Die  Quellen  des  römischen  Rechts,  Justi- 
nianisches Recht  und  Breviar,  vom  11. 
Jahrhundert  ab. 


IV.  Die   Rechtsquellen   außer  dem  Breviar 
und   der  Justinianischen  Gesetzgebung 
im  früheren  Mittelalter. 
V.  Die  Kodifikation  des  römischen  Rechts 

im  Lichte  der  profanen  Literatur. 
VI.  Die  Literatur  des  römischen  Rechts  im 

Zeitalter  Justinians. 
VII.  Die  Literatur  im  früheren  Mittelalter. 
VIII.  Die  Literatur  des  römischen  Rechts  in 
der  Übersrangfszeit. 


Der  zweite  Band  befindet  sich  in   Vorbereitung. 


Die 


Christenverfolgun^en 

im  römisclien  Eeicli 

vom 

Standpunkt  des  Juristen. 

80  Seiten.    Lex.  8^     1897.    M.  2 — 

Diese  Schrift  ist  die  Ausarbeitung  eines  1895  im  deutschen  evangelischen  Verein  in 
Amsterdam  gehaltenen  Vortrags,  der  wesentlich  auf  Mommsen's  Abhandlung  über  den 
Religionsfrevel  nach  r.  R.  fußt.  Der  Verf.  geht  davon  aus,  daß  im  römischen  Kaiserreich 
das  Christentum  als  solches  niemals  verboten  war,  bezw.  bestraft  worden  ist.  Er  sucht 
daher  in  genauerer  Untersuchung  zu  ermitteln,  nach  welchen  Gesetzen,  bezw.  um  welcher 
Straftaten  willen  die  Christen  damals  in  den  Christenprozessen  vor  Gericht  gestellt  wurden. 

In  den  Anmerkungen  ist  reiches  Quellenmaterial  verzeichnet;  in  der  Auslegung  der- 
selben geht  der  Verf.  vielfach  selbständig  vor,  was  die  für  Theologen  und  Juristen  gleich 
interessante  Abhandlung  noch  wertvoller  macht. 


Druck  von  Hartmann  &  Wolf,  Leipzig. 


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